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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-11T16:29:32Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Benutzer:Bastian_Eckarth&amp;diff=29704</id>
		<title>Benutzer:Bastian Eckarth</title>
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		<updated>2020-10-19T15:44:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29029</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-19T18:39:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Beweggründe für Reinhart als Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch die Meise zu täuschen und zu hintergehen misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29028</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29028"/>
		<updated>2020-07-19T18:37:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart und der Rabe Diezelin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch die Meise zu täuschen und zu hintergehen misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29027</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29027"/>
		<updated>2020-07-19T18:36:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart und die Meise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch die Meise zu täuschen und zu hintergehen misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle, kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29026</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29026"/>
		<updated>2020-07-19T18:35:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle, kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29025</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29025"/>
		<updated>2020-07-19T18:34:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle, kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28696</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28696"/>
		<updated>2020-07-18T18:37:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwicklen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 198ß&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28695</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28695"/>
		<updated>2020-07-18T18:34:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 198ß&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28694</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28694"/>
		<updated>2020-07-18T18:29:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Beweggründe für Reinhart als Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise und dem Raben und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 198ß&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28693</id>
		<title>Diskussion:Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-18T18:18:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28692</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-18T18:17:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von Reinhart dem Fuchs bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine fragwürdigen Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches versucht zu überleben. Weiterhin, um die Moral des gesamten Epos zu klären, ist die Frage, inwiefern Reinhart, 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten, gegen den unrechtmäßigen Herrscher, den König Vrevel ([[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)]]) arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet (V. 2168-2183).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt der Episode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch selbst seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen,  bleibt seine Hinterlistigkeit und Boshaftigkeit nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist ein Getränk,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || das wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2168–2170)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2171–2176)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2177–2183)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Handeln des Fuchses-zwei Ansätze ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 1. amoralisches Handeln Reinharts =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart handelt in vielen Situationen amoralisch schlau, er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern obendrein bittet er Frau Hersant bei ihm zu bleiben (vgl.V.1178). Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan (vgl.V.1202). Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 2. Reinhart als Sympathieträger =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert.[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater . Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Symphatie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies soll bedeuten, dass Reinhart somit einige &amp;quot;Pluspunkte&amp;quot; sammelt, um nicht direkt am Anfang als der Böse dazustehen und damit eine Möglichkeit zur Entwicklung vom [[Reinhart dem Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart dem Sieger|Sieger]] überhaupt möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Hübner, Gert]: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Fazit =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaue Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg [[Huebner 2016]]. Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28691</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28691"/>
		<updated>2020-07-18T18:16:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von Reinhart dem Fuchs bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine fragwürdigen Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches versucht zu überleben. Weiterhin, um die Moral des gesamten Epos zu klären, ist die Frage, inwiefern Reinhart, 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten, gegen den unrechtmäßigen Herrscher, den König Vrevel ([[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)]]) arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet (V. 2168-2183).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt der Episode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch selbst seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen,  bleibt seine Hinterlistigkeit und Boshaftigkeit nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist ein Getränk,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || das wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2168–2170)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2171–2176)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2177–2183)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Handeln des Fuchses-zwei Ansätze ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 1. amoralisches Handeln Reinharts =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart handelt in vielen Situationen amoralisch schlau, er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allem die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern obendrein bittet er Frau Hersant bei ihm zu bleiben (vgl.V.1178). Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan (vgl.V.1202). Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 2. Reinhart als Sympathieträger =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert.[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater . Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Symphatie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies soll bedeuten, dass Reinhart somit einige &amp;quot;Pluspunkte&amp;quot; sammelt, um nicht direkt am Anfang als der Böse dazustehen und damit eine Möglichkeit zur Entwicklung vom [[Reinhart dem Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart dem Sieger|Sieger]] überhaupt möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== Fazit =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaue Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg [[Huebner 2016]]. Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28690</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-18T18:14:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart und die Meise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 198ß&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28689</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28689"/>
		<updated>2020-07-18T18:13:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart und die Meise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten, außer der nächsten Episode, Situationen erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 198ß&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28557</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28557"/>
		<updated>2020-07-18T08:01:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 198ß&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28555</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28555"/>
		<updated>2020-07-18T07:58:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Vom Verlierer zum Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28554</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28554"/>
		<updated>2020-07-18T07:58:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Erzählstruktur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28552</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28552"/>
		<updated>2020-07-18T07:56:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts letzte Niederlage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Tierepos Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach bei dem Tierepos um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass eine zeitliche Einordnung der Niederlagen Reinharts als irrelevant zu betrachten wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse in Bezug auf Reinharts Entwicklung dahingehend nichtssagend, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur kann man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demnach kann man die Handlungsabfolge als eine Art antithetische Gegenüberstellung von Reinharts Niederlagen zu Beginn, und seinen Erfolgen im weiteren Handlungsverlauf beschreiben, die letztlich mit Reinharts &amp;quot;Gesamtsieg&amp;quot; endet. Die anfänglichen Misserfolgen sollen hierbei beim Rezipienten eine Art Mitgefühl oder gar Sympathie gegenüber Reinhart evozieren. Diese Empathie gegenüber des Protagonisten könnte ein Urteil des Lesers über dessen Folgetaten und Verbrechen dahingehend milde ausfallen lassen, da er Reinhart zu Beginn der Handlung mehr die Opfer- als die Täterrolle zuschreibt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr zu Reinharts Niederlagen und Reinhart als Verlierer finden Sie [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben trifft er auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen stellt eine wichtige Wendung in der Gesamthandlung des Epos dar, denn mit durch den Kater erlebt er seine letzte  Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil der Episode (Niederlage) trifft Reinhart auf den Kater und möchte ihn in die Falle eines Jägers locken. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten kann. Was Reinhart nicht weiß: Der Kater kennt die Falle bereits. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Im Folgenden bittet der Kater den Fuchs, ihm zu folgen. Reinhart willigt ein, was sich als unklug herausstellt. Als die beiden erneut auf die Falle zu sprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und stößt Reinhart, der an ihm aufprallt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt mit ganzer Kraft, in Richtung der Falle, um Reinhart zu töten. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf zur Seite ziehen, sodass der Jäger ihn verfehlt, die Falle zerspringt und er fliehen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist dahingehend von enormer Wichtigkeit, da es sie sowohl Reinharts letzte Niederlage, als auch den ersten Sieg des Fuchses umfasst. So scheitert Reinhart erneut mit einer seiner Listen gegen ein, ihm physisch unterlegenen, Tier, kann sich aber im darauffolgenden Moment gegen den menschlichen Jäger behaupten, sein Leben retten und gleichzeitig den Grundstein für seine weiteren Siege legen. &lt;br /&gt;
Kurt Ruh bezeichnet die Episode als eine Art Abschluss einer vorspielartigen Aventiuren Reihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, aus dem Reinhart als Sieger hervorgeht. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart konnte nicht fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
Vgl.[Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg  !! Übersetzung !! Erzählkontext und Deutung &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || Reinhart war listig klug  verschlagen  mit Tücken ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || Da war es Zeit für seine List. Geschicklichkeit Streich || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen  List || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul.  mit List durch einen Trick  um sie zu provozieren ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  mit seinen Tücken  List  Wissen ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben List/Listen Listigkeit Scharfsinn ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus  Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an.  || &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;kündikeit&amp;quot; im Sinne von Schlauheit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinhart seinen Opfern in Sachen Schlauheit um Längen überlegen ist, ist unbestreitbar. Es stellt sich jedoch die Frage, wie der Fuchs diese Überlegenheit zu seinem Vorteil nutzen kann und welche Rolle dabei seine Co-Akteure einnehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten: Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist...&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Möglichkeit spiegelt vor allem die anfänglichen Misserfolge Reinharts wider. So versucht er beispielsweise ein Vöglein zu seinem Fressen zu machen, indem er ihm schmeichelt und ihm die besten Absichten vorheuchelt. Das Vöglein, in diesem Fall Reinharts Co-Akteur, durchschaut jedoch Reinharts Handlungsziel und kann sich vor ihm in Sicherheit bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;...oder eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und dem Handlungsziel dienlich ist.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanter wird es, wenn Reinhart nicht selbst Initiator der Handlung ist, sondern auf eine bereits vorhandene Ausgangslage zurückgreifen kann. Als zentrale Episode ist hierbei der Hoftag zu nennen, da es Reinhart hier nicht nur gelingt, seine Schlauheit zu seinem eigenen Vorteil, sondern auch zum Leidwesen der anderen Tiere zu nutzen. Reinharts Co-Akteur stellt hierbei der König Vrevel dar. Um am König Rache zu nehmen hat sich nämlich der Ameisenkönig in das Ohr des Löwen eingenistet und bereitet diesem starke Schmerzen. Dem Fuchs gelingt es, Vrevels Egoismus und seinen Wunsch nach Heilung dahingehend  auszunutzen, dass dieser Reinharts Bestrafung aus den Augen verliert. Aber Reinhart gelingt es nicht nur, durch seine Schlauheit einer Strafe zu entgehen. Zusätzlich gelingt es ihm, den König dazu zubringen den Wolf Isegrin zu häuten, dem Bären Brun und auch dem Kater Diepreht das Fell abzuziehen und damit seine Hauptwidersacher unschädlich zu machen. &lt;br /&gt;
Das gelingt ihn, indem er geschickt argumentiert und die Gewalttaten des Königs als obligatorisch für seine Heilung darstellt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu seiner Schlauheit verfügt Reinhart hierbei auch über eine ausgeprägte Redegewandtheit und kann sich für jede seiner Taten rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karnivorische Ernährung (animalisch) ===&lt;br /&gt;
&amp;quot;Zudem ist das Movens der Fuchs-Aventiure nicht &#039;&#039;êre&#039;&#039;, sondern Hunger.&amp;quot; [Ruh 1980:17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Selbsterhaltung (anthropologisch) === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28550</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28550"/>
		<updated>2020-07-18T07:49:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| Königs Vrewel]], hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer&amp;diff=28549</id>
		<title>Reinhart der Verlierer</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer&amp;diff=28549"/>
		<updated>2020-07-18T07:48:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: Die Seite wurde geleert.&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28547</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28547"/>
		<updated>2020-07-18T07:47:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des Königs Vrewel, hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28546</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28546"/>
		<updated>2020-07-18T07:45:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch das beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger, nach dem Tod des Königs Vrewel, hervorgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &amp;quot;&amp;quot;kundekeit&amp;quot;&amp;quot; auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen, das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch seine Niederlagen wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28542</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28542"/>
		<updated>2020-07-18T07:38:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Vom Verlierer zum Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28540</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28540"/>
		<updated>2020-07-18T07:36:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts letzte Niederlage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Tierepos Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach bei dem Tierepos um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass eine zeitliche Einordnung der Niederlagen Reinharts als irrelevant zu betrachten wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse in Bezug auf Reinharts Entwicklung dahingehend nichtssagend, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur kann man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demnach kann man die Handlungsabfolge als eine Art antithetische Gegenüberstellung von Reinharts Niederlagen zu Beginn, und seinen Erfolgen im weiteren Handlungsverlauf beschreiben, die letztlich mit Reinharts &amp;quot;Gesamtsieg&amp;quot; endet. Die anfänglichen Misserfolgen sollen hierbei beim Rezipienten eine Art Mitgefühl oder gar Sympathie gegenüber Reinhart evozieren. Diese Empathie gegenüber des Protagonisten könnte ein Urteil des Lesers über dessen Folgetaten und Verbrechen dahingehend milde ausfallen lassen, da er Reinhart zu Beginn der Handlung mehr die Opfer- als die Täterrolle zuschreibt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr zu Reinharts Niederlagen und Reinhart als Verlierer finden Sie [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben trifft er auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen stellt eine wichtige Wendung in der Gesamthandlung des Epos dar, denn mit durch den Kater erlebt er seine letzte  Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil der Episode (Niederlage) trifft Reinhart auf den Kater und möchte ihn in die Falle eines Jägers locken. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten kann. Was Reinhart nicht weiß: Der Kater kennt die Falle bereits. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Im Folgenden bittet der Kater den Fuchs, ihm zu folgen. Reinhart willigt ein, was sich als unklug herausstellt. Als die beiden erneut auf die Falle zu sprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und stößt Reinhart, der an ihm aufprallt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt mit ganzer Kraft, in Richtung der Falle, um Reinhart zu töten. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf zur Seite ziehen, sodass der Jäger ihn verfehlt, die Falle zerspringt und er fliehen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist dahingehend von enormer Wichtigkeit, da es sie sowohl Reinharts letzte Niederlage, als auch den ersten Sieg des Fuchses umfasst. So scheitert Reinhart erneut mit einer seiner Listen gegen ein, ihm physisch unterlegenen, Tier, kann sich aber im darauffolgenden Moment gegen den menschlichen Jäger behaupten, sein Leben retten und gleichzeitig den Grundstein für seine weiteren Siege legen. &lt;br /&gt;
Kurt Ruh bezeichnet die Episode als eine Art Abschluss einer vorspielartigen Aventiuren Reihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil , in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZITAT SUCHEN/CHECKEN!!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart konnte nicht fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
Vgl.[Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg  !! Übersetzung !! Erzählkontext und Deutung &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || Reinhart war listig klug  verschlagen  mit Tücken ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || Da war es Zeit für seine List. Geschicklichkeit Streich || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen  List || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul.  mit List durch einen Trick  um sie zu provozieren ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  mit seinen Tücken  List  Wissen ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben List/Listen Listigkeit Scharfsinn ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus  Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an.  || &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;kündikeit&amp;quot; im Sinne von Schlauheit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinhart seinen Opfern in Sachen Schlauheit um Längen überlegen ist, ist unbestreitbar. Es stellt sich jedoch die Frage, wie der Fuchs diese Überlegenheit zu seinem Vorteil nutzen kann und welche Rolle dabei seine Co-Akteure einnehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten: Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist...&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Möglichkeit spiegelt vor allem die anfänglichen Misserfolge Reinharts wider. So versucht er beispielsweise ein Vöglein zu seinem Fressen zu machen, indem er ihm schmeichelt und ihm die besten Absichten vorheuchelt. Das Vöglein, in diesem Fall Reinharts Co-Akteur, durchschaut jedoch Reinharts Handlungsziel und kann sich vor ihm in Sicherheit bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;...oder eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und dem Handlungsziel dienlich ist.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanter wird es, wenn Reinhart nicht selbst Initiator der Handlung ist, sondern auf eine bereits vorhandene Ausgangslage zurückgreifen kann. Als zentrale Episode ist hierbei der Hoftag zu nennen, da es Reinhart hier nicht nur gelingt, seine Schlauheit zu seinem eigenen Vorteil, sondern auch zum Leidwesen der anderen Tiere zu nutzen. Reinharts Co-Akteur stellt hierbei der König Vrevel dar. Um am König Rache zu nehmen hat sich nämlich der Ameisenkönig in das Ohr des Löwen eingenistet und bereitet diesem starke Schmerzen. Dem Fuchs gelingt es, Vrevels Egoismus und seinen Wunsch nach Heilung dahingehend  auszunutzen, dass dieser Reinharts Bestrafung aus den Augen verliert. Aber Reinhart gelingt es nicht nur, durch seine Schlauheit einer Strafe zu entgehen. Zusätzlich gelingt es ihm, den König dazu zubringen den Wolf Isegrin zu häuten, dem Bären Brun und auch dem Kater Diepreht das Fell abzuziehen und damit seine Hauptwidersacher unschädlich zu machen. &lt;br /&gt;
Das gelingt ihn, indem er geschickt argumentiert und die Gewalttaten des Königs als obligatorisch für seine Heilung darstellt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu seiner Schlauheit verfügt Reinhart hierbei auch über eine ausgeprägte Redegewandtheit und kann sich für jede seiner Taten rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karnivorische Ernährung (animalisch) ===&lt;br /&gt;
&amp;quot;Zudem ist das Movens der Fuchs-Aventiure nicht &#039;&#039;êre&#039;&#039;, sondern Hunger.&amp;quot; [Ruh 1980:17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Selbsterhaltung (anthropologisch) === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28539</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-18T07:36:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts letzte Niederlage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Tierepos Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach bei dem Tierepos um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass eine zeitliche Einordnung der Niederlagen Reinharts als irrelevant zu betrachten wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse in Bezug auf Reinharts Entwicklung dahingehend nichtssagend, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur kann man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demnach kann man die Handlungsabfolge als eine Art antithetische Gegenüberstellung von Reinharts Niederlagen zu Beginn, und seinen Erfolgen im weiteren Handlungsverlauf beschreiben, die letztlich mit Reinharts &amp;quot;Gesamtsieg&amp;quot; endet. Die anfänglichen Misserfolgen sollen hierbei beim Rezipienten eine Art Mitgefühl oder gar Sympathie gegenüber Reinhart evozieren. Diese Empathie gegenüber des Protagonisten könnte ein Urteil des Lesers über dessen Folgetaten und Verbrechen dahingehend milde ausfallen lassen, da er Reinhart zu Beginn der Handlung mehr die Opfer- als die Täterrolle zuschreibt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr zu Reinharts Niederlagen und Reinhart als Verlierer finden Sie [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben trifft er auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen stellt eine wichtige Wendung in der Gesamthandlung des Epos dar, denn mit durch den Kater erlebt er seine letzte  Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil der Episode (Niederlage) trifft Reinhart auf den Kater und möchte ihn in die Falle eines Jägers locken. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten kann. Was Reinhart nicht weiß: Der Kater kennt die Falle bereits. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Im Folgenden bittet der Kater den Fuchs, ihm zu folgen. Reinhart willigt ein, was sich als unklug herausstellt. Als die beiden erneut auf die Falle zu sprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und stößt Reinhart, der an ihm aufprallt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt mit ganzer Kraft, in Richtung der Falle, um Reinhart zu töten. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf zur Seite ziehen, sodass der Jäger ihn verfehlt, die Falle zerspringt und er fliehen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist dahingehend von enormer Wichtigkeit, da es sie sowohl Reinharts letzte Niederlage, als auch den ersten Sieg des Fuchses umfasst. So scheitert Reinhart erneut mit einer seiner Listen gegen ein, ihm physisch unterlegenen, Tier, kann sich aber im darauffolgenden Moment gegen den menschlichen Jäger behaupten, sein Leben retten und gleichzeitig den Grundstein für seine weiteren Siege legen. &lt;br /&gt;
Kurt Ruh bezeichnet die Episode als eine Art Abschluss einer vorspielartigen Aventiuren Reihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der zweite große Hauptteil , in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ZITAT SUCHEN/CHECKEN!!!!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart konnte nicht fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
Vgl.[Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg  !! Übersetzung !! Erzählkontext und Deutung &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || Reinhart war listig klug  verschlagen  mit Tücken ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || Da war es Zeit für seine List. Geschicklichkeit Streich || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen  List || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul.  mit List durch einen Trick  um sie zu provozieren ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  mit seinen Tücken  List  Wissen ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben List/Listen Listigkeit Scharfsinn ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus  Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an.  || &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;kündikeit&amp;quot; im Sinne von Schlauheit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinhart seinen Opfern in Sachen Schlauheit um Längen überlegen ist, ist unbestreitbar. Es stellt sich jedoch die Frage, wie der Fuchs diese Überlegenheit zu seinem Vorteil nutzen kann und welche Rolle dabei seine Co-Akteure einnehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten: Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist...&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Möglichkeit spiegelt vor allem die anfänglichen Misserfolge Reinharts wider. So versucht er beispielsweise ein Vöglein zu seinem Fressen zu machen, indem er ihm schmeichelt und ihm die besten Absichten vorheuchelt. Das Vöglein, in diesem Fall Reinharts Co-Akteur, durchschaut jedoch Reinharts Handlungsziel und kann sich vor ihm in Sicherheit bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;...oder eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und dem Handlungsziel dienlich ist.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanter wird es, wenn Reinhart nicht selbst Initiator der Handlung ist, sondern auf eine bereits vorhandene Ausgangslage zurückgreifen kann. Als zentrale Episode ist hierbei der Hoftag zu nennen, da es Reinhart hier nicht nur gelingt, seine Schlauheit zu seinem eigenen Vorteil, sondern auch zum Leidwesen der anderen Tiere zu nutzen. Reinharts Co-Akteur stellt hierbei der König Vrevel dar. Um am König Rache zu nehmen hat sich nämlich der Ameisenkönig in das Ohr des Löwen eingenistet und bereitet diesem starke Schmerzen. Dem Fuchs gelingt es, Vrevels Egoismus und seinen Wunsch nach Heilung dahingehend  auszunutzen, dass dieser Reinharts Bestrafung aus den Augen verliert. Aber Reinhart gelingt es nicht nur, durch seine Schlauheit einer Strafe zu entgehen. Zusätzlich gelingt es ihm, den König dazu zubringen den Wolf Isegrin zu häuten, dem Bären Brun und auch dem Kater Diepreht das Fell abzuziehen und damit seine Hauptwidersacher unschädlich zu machen. &lt;br /&gt;
Das gelingt ihn, indem er geschickt argumentiert und die Gewalttaten des Königs als obligatorisch für seine Heilung darstellt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu seiner Schlauheit verfügt Reinhart hierbei auch über eine ausgeprägte Redegewandtheit und kann sich für jede seiner Taten rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karnivorische Ernährung (animalisch) ===&lt;br /&gt;
&amp;quot;Zudem ist das Movens der Fuchs-Aventiure nicht &#039;&#039;êre&#039;&#039;, sondern Hunger.&amp;quot; [Ruh 1980:17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Selbsterhaltung (anthropologisch) === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28289</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28289"/>
		<updated>2020-07-15T16:09:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart in der Falle */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach beim Reinhart Fuchs um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass die zeitliche Einordnung Reinharts Niederlagen irrelevant wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse von Reinharts Entwicklung dahingehend irrelevant, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur könne man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Reinhart der Verlierer| Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben]] trifft er nun auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen soll eine wichtige Wendung des Epos nach sich ziehen, denn mit dem Kater erlebt er seine letzte [[Reinhart der Verlierer | Niederlage]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Teil der Episode ([[Reinhart der Verlierer|Niederlage]]): Reinhart trifft auf den Kater und möchte ihn in eine Falle locken, die von einem Jäger aufgestellt worden war. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten könne. Was Reinhart nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne, dass ihm etwas passiert. Im Folgenden bittet der Kater Reinhart, ihm zu folgen. Dies tut er, was sich als unklug herausstellt, denn als die beiden wieder auf die Falle zusprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und leitet Reinhart, der gegen ihn stößt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt, so fest er kann, in Richtung Falle, um Reinharts Kehle durchzuschneiden. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf beiseite ziehen, sodass nicht seine Kehle, sondern die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist kein Zufall, dass Reinhart seinen ersten kleinen Sieg gegen den Jäger davonträgt, da dieser ein Mensch ist. Hübner spricht davon, dass Reinhart aufgrund seiner Geritztheit einen klaren Vorteil gegenüber phyisch Stärkeren hat. (&amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist deshalb wichtig, da es seine letzte Niederlage, aber auch ein erster kleiner Sieg, nämlich das am Leben bleiben ist. Laut Kurt Ruh ist sie der &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart konnte nicht fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
[Vgl. Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg (und Erzählkontext) !! Übersetzungsmöglichkeit 1 !! Übersetzungsmöglichkeit 2 !! Übersetzungsmöglichkeit 3 !! Übersetzungsmöglichkeit 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || &#039;&#039;&#039;Reinhart war listig.&#039;&#039;&#039; || klug || verschlagen || mit Tücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || &#039;&#039;&#039;Da war es Zeit für seine List.&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;Geschicklichkeit&#039;&#039;&#039; || Streich || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen || List || ... || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul. || mit List || durch einen Trick || um sie zu provozieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;erlâzen: &#039;verschonen mit..., WB Hennig, S. 81&#039;&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; / Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  || mit seinen Tücken || List || Wissen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben || List/Listen || Listigkeit || Scharfsinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus || Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick || Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an:  || ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
kundikeit im Sinne von Schlauheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlauheit besteht demnach zunächst in der aktionalen Kontrolle über die&lt;br /&gt;
Deutung der Handlungssituation. Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten:&lt;br /&gt;
Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch&lt;br /&gt;
den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist, oder&lt;br /&gt;
eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so&lt;br /&gt;
deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und&lt;br /&gt;
dem Handlungsziel dienlich ist. Bei beiden Optionen kommt es darauf an, den CoAkteur zu einer Deutung der Situation zu veranlassen, die diesem – »ubbidiscono&lt;br /&gt;
alle necessità presenti« in der anfangs zitierten Machiavelli-Passage – die Erkenntnis des Handlungsziel des Akteurs verstellt. Die dem Akteur nützliche Situationsdeutung muss deshalb entweder von vornherein mit dem kulturellen Wahrscheinlichkeitswissen übereinstimmen oder dem Co-Akteur im Rekurs auf Wahrscheinlichkeitswissen glaubhaft gemacht werden. Die Schlauheit der Situationsdeutungskontrolle beruht folglich stets auf dem rhetorischen Prinzip der Konvergenz des&lt;br /&gt;
Glaubhaften mit dem Wahrscheinlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(WIRD NOCH ABGEÄNDERT/GEKÜRZT/ERWEITERT UND IN EINEN ZUSAMMENHNAG GEBRACHT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Motive der Menschen&lt;br /&gt;
2. Motive der Tiere&lt;br /&gt;
3. Überschneidungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Karnivorische Ernährung&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbsterhaltung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28288</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28288"/>
		<updated>2020-07-15T16:06:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Übersicht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28274</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28274"/>
		<updated>2020-07-15T14:23:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* 2. Reinhart als Sympathieträger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von Reinhart dem Fuchs und seinem Kumpanen, dem Dachs Krimel, bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine fragwürdigen Taten produziert. Hierfür wird zunächst die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe ([[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)]]) durch Reinhart den Tod findet (V. 2168-2183).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt der Episode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch selbst seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen,  bleibt seine Hinterlistigkeit und Boshaftigkeit nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist ein Getränk,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || das wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2168–2170)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2171–2176)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2177–2183)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Handeln des Fuchses-zwei Ansätze ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 1. amoralisches Handeln Reinharts =====&lt;br /&gt;
Reinhart handelt in vielen Situationen amoralisch, vor allem in der Vergewaltigungszene. &lt;br /&gt;
Die Vergewaltigung wird von Heinrich nur sehr knapp geschildert, ohne weitere Details. Dies bewirkt, dass die Szene auf den ersten Blick nicht allzu grausam erscheinen mag, sie wirkt abgeschwächt. Trotzdem kann ein solches Verbrechen der Vergewaltigung wohl kaum gerechtfertigt werden. Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern obendrein bittet er Fr. Hersant bei ihm zu bleiben (vgl.V.1178). Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan (vgl.V.1202). Dies zeigt, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 2. Reinhart als Sympathieträger =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Symphatie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies soll bedeuten, dass Reinhart somit einige &amp;quot;Pluspunkte&amp;quot; sammelt, um nicht direkt zu Anfang als der Böse dazustehen und damit eine Möglichkeit zur Entwicklung vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] überhaupt möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz bringt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zutun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28273</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28273"/>
		<updated>2020-07-15T14:22:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* 2. Reinhart als Sympathieträger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von Reinhart dem Fuchs und seinem Kumpanen, dem Dachs Krimel, bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine fragwürdigen Taten produziert. Hierfür wird zunächst die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe ([[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)]]) durch Reinhart den Tod findet (V. 2168-2183).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Inhalt der Episode ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch selbst seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen,  bleibt seine Hinterlistigkeit und Boshaftigkeit nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist ein Getränk,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || das wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2168–2170)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2171–2176)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; V. 2177–2183)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Handeln des Fuchses-zwei Ansätze ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 1. amoralisches Handeln Reinharts =====&lt;br /&gt;
Reinhart handelt in vielen Situationen amoralisch, vor allem in der Vergewaltigungszene. &lt;br /&gt;
Die Vergewaltigung wird von Heinrich nur sehr knapp geschildert, ohne weitere Details. Dies bewirkt, dass die Szene auf den ersten Blick nicht allzu grausam erscheinen mag, sie wirkt abgeschwächt. Trotzdem kann ein solches Verbrechen der Vergewaltigung wohl kaum gerechtfertigt werden. Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern obendrein bittet er Fr. Hersant bei ihm zu bleiben (vgl.V.1178). Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan (vgl.V.1202). Dies zeigt, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===== 2. Reinhart als Sympathieträger =====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Symphatie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies soll bedeuten, dass Reinhart somit einige &amp;quot;Pluspunkte&amp;quot; sammelt, um nicht direkt zu Anfang als der Böse dazustehen und damit eine Möglichkeit zur Entwicklung vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] überhaupt möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz bringt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zutun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28262</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28262"/>
		<updated>2020-07-15T14:08:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /*  Reinhart der Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]] und dessen Charakter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart versucht die Meise zu überlisten, diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; [RF, V 189 - 191] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nun will die Meise Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll. Aber Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, sie zu fangen. &#039;&#039; [RF, V 197 - 199] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist und schon eine neue List in Aussicht hat.&#039;&#039; [RF, V. 213-219]&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrogen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während der Wolf Isengrin und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs|vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; [RF, V 416 - 421] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant zu verführen.&#039;&#039; [RF, V. 1162-1163]&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher.&#039;&#039; [RF, V 823 - 826] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart gibt vor, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet.&#039;&#039;[ RF, V 2172 - 2175] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt wird. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).&amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; Der Fuchs stellt anderen Tieren gerne eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer, kluger Fuchs ist er den anderen Tieren oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt; Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/listig &amp;lt;/ref&amp;gt; . Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine kvndikeit als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Es bereitet dem Fuchs Freude, seine Listen vergnügen ihn, wenn er andere Tiere hintergeht. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist er auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Alle Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849 &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; ) seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebt. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung besteht aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigene Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 96-97. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10 ). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  &#039;&#039;Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt&#039;&#039; (RF, V. 9-10). &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Tierreich erzählt man sich nur schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot; über ihn und seine Taten gehört. &lt;br /&gt;
Als Reinhart seinen König vergiftet, wird er als rot und böse betitelt. Im Tierepos wird der Protagonist einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Klugheit, Hinterlistigkeit, Tücke und seine Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und deswegen den Raben hintergehen will, bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er flüchten kann. Anschließend begegnet er dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 18. &amp;lt;/ref&amp;gt; Reinhart musste am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er  anfänglich nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater waren körperlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis abschließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und seine Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und führt Isengrin so hinters Licht. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, mittelhochdeutsch &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzten, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seinen Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen. Er nimmt dabei bereitwillig in Kauf, dass er andere verletzt, sowohl seelisch, als auch körperlich. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein. Die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart somit auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere um Isengrin als Unterstützung versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam unverzüglich ein Urteil bzw. eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigte den Fuchs oder erhob Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Bis auf das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439 &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt;) ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und Zorn auf Reinhart ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Hinterlistigkeit war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweise sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leite, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal laden lässt. Ebenso drohe er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet heimschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hat. Dessen Lehensherr rächte sich und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzte die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 22. &amp;lt;/ref&amp;gt; Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils wird ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht. Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem die Vergewaltigung Hersants nicht. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation Reinharts Handlungen, wird die Vergewaltigung, vor den Augen Hersants Mann, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Der Wolf Isengrin wird niemals seine verdiente Gerechtigkeit erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals als schuldig erweisen, für all seine mutwilligen Taten. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin:er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für den Gerichtstag, wo die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel denkt, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes ist, da er seine königlichen Pflichten vernachlässigte. Das will er nun aufholen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus, und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag, lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird.&amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 22. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene  Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 23. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen trete, ebenso seine Getreuen schinden lasse, der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 31. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition zu demonstrieren, als der, den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 22. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspieglung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, die gezielte politische Satire beruhe auf der Standeskritik, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, daß sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren. &amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert.&amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 29-31. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kvndekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...].&amp;quot;: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten , sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 31. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit , sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch zuweisen, bspw. die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes und kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden.&amp;lt;ref&amp;gt; Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 79-80. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen &amp;lt;ref&amp;gt; Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 297. &amp;lt;/ref&amp;gt; . All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischem Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 301. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über sein Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in das Licht und Reinhart steht nicht mehr allein im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, dass er sich nicht davor scheut, auch noch seinen Richter und gleichzeitig König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autor, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen, denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlaue und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Charakterseiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten nutzt der Protagonist bis zum dramatischen Ende aus. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und unmoralisch jede List auszuführen ohne jegliche Empathie. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs und betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28237</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28237"/>
		<updated>2020-07-15T10:33:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28236</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28236"/>
		<updated>2020-07-15T10:32:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Beweggründe für Reinhart als Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer, sodass es überhaupt zu einem Pakt zwischen ihm und dem Wolf kommt. Würde er auch am Anfang jede seiner Listen erfolgreich vollziehen können, wäre die Chance einer Wendung nicht gegeben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in eine Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28235</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28235"/>
		<updated>2020-07-15T10:28:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28233</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-15T10:25:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Beweggründe für Reinhart als Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28230</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28230"/>
		<updated>2020-07-15T10:19:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /*  Reinhart der Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]] und dessen Charakter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Übersetzungen &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart versucht die Meise zu überlisten, diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; [RF, V 189 - 191] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Nun will die Meise Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll. Aber Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, sie zu fangen. &#039;&#039; [RF, V 197 - 199] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist und schon eine neue List in Aussicht hat.&#039;&#039; [RF, V. 213-219]&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrogen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während der Wolf Isengrin und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs|vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; [RF, V 416 - 421] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant zu verführen.&#039;&#039; [RF, V. 1162-1163]&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher.&#039;&#039; [RF, V 823 - 826] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart gibt vor, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet.&#039;&#039;[ RF, V 2172 - 2175] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Eigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt wird. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).&amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; Der Fuchs stellt anderen Tieren gerne eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer, kluger Fuchs ist er den anderen Tieren oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt; Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/listig &amp;lt;/ref&amp;gt; . Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine kvndikeit als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Es bereitet dem Fuchs Freude, seine Listen vergnügen ihn, wenn er andere Tiere hintergeht. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist er auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Alle Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849 &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; ) seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebt. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung besteht aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigene Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 96-97. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10 ). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  &#039;&#039;Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt&#039;&#039; (RF, V. 9-10). &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; Auch im Tierreich erzählt man sich nur schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot; über ihn und seine Taten gehört. &lt;br /&gt;
Als Reinhart seinen König vergiftet, wird er als rot und böse betitelt. Im Tierepos wird der Protagonist einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Klugheit, Hinterlistigkeit, Tücke und seine Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und deswegen den Raben hintergehen will, bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er flüchten kann. Anschließend begegnet er dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episode, in der Reinhart auf den Kater trifft, ist eine wichtige Stelle im Epos, denn im zweiten Teil der Episode, als der Kater schon über alle Berge geflohen und Reinhart in der Falle gefangen ist, entkommt er dem Tod, indem er seinen Kopf zur Seite hebt, in dem Moment, als der Jäger seine Kehle durchtrennen will. So trifft er die Falle und nicht Reinhart und er entkommt.&lt;br /&gt;
Mit dieser Situation, da er dem Menschen und ganz klar größerem Geschöpf entkommt, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], im Umkehrschluss also gegen kleine, ihm physisch unterlegene Tiere, verliert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 18. &amp;lt;/ref&amp;gt; Reinhart musste am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er  anfänglich nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater waren körperlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis abschließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und seine Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und führt Isengrin so hinters Licht. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzten, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seinen Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen. Er nimmt dabei bereitwillig in Kauf, dass er andere verletzt, sowohl seelisch, als auch körperlich. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein. Die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart somit auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere um Isengrin als Unterstützung versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam unverzüglich ein Urteil bzw. eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]] . Niemand verteidigte den Fuchs oder erhob Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Bis auf das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439 &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt;) ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und Zorn auf Reinhart ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Hinterlistigkeit war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweise sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leite, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal laden lässt. Ebenso drohe er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet heimschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hat. Dessen Lehensherr rächte sich und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzte die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 22. &amp;lt;/ref&amp;gt; Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils wird ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht. Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem die Vergewaltigung Hersants nicht. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation Reinharts Handlungen, wird die Vergewaltigung, vor den Augen Hersants Mann, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Der Wolf Isengrin wird niemals seine verdiente Gerechtigkeit erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals als schuldig erweisen, für all seine mutwilligen Taten. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin:er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für den Gerichtstag, wo die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel denkt, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes ist, da er seine königlichen Pflichten vernachlässigte. Das will er nun aufholen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus, und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag, lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird.&amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 22. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene  Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 23. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen trete, ebenso seine Getreuen schinden lasse, der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 31. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition zu demonstrieren, als der, den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. &amp;lt;ref&amp;gt; Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 22. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspieglung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, die gezielte politische Satire beruhe auf der Standeskritik, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, daß sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren. &amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert.&amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 29-31. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kvndekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...].&amp;quot;: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten , sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 31. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind. &amp;lt;ref&amp;gt; Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 293. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Einzelnachweise ==&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28191</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28191"/>
		<updated>2020-07-14T18:09:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Vom Verlierer zum Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28190</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28190"/>
		<updated>2020-07-14T18:08:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart und der Kater Diepreht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene den einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28189</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28189"/>
		<updated>2020-07-14T18:05:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinhart und der Kater Diepreht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter dem Punkt &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene den einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28188</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-14T18:02:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts letzte Niederlage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach beim Reinhart Fuchs um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass die zeitliche Einordnung Reinharts Niederlagen irrelevant wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse von Reinharts Entwicklung dahingehend irrelevant, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur könne man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Reinhart der Verlierer| Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben]] trifft er nun auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen soll eine wichtige Wendung des Epos nach sich ziehen, denn mit dem Kater erlebt er seine letzte [[Reinhart der Verlierer | Niederlage]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Teil der Episode ([[Reinhart der Verlierer|Niederlage]]): Reinhart trifft auf den Kater und möchte ihn in eine Falle locken, die von einem Jäger aufgestellt worden war. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten könne. Was Reinhart nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne, dass ihm etwas passiert. Im Folgenden bittet der Kater Reinhart, ihm zu folgen. Dies tut er, was sich als unklug herausstellt, denn als die beiden wieder auf die Falle zusprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und leitet Reinhart, der gegen ihn stößt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt, so fest er kann, in Richtung Falle, um Reinharts Kehle durchzuschneiden. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf beiseite ziehen, sodass nicht seine Kehle, sondern die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist kein Zufall, dass Reinhart seinen ersten kleinen Sieg gegen den Jäger davonträgt, da dieser ein Mensch ist. Hübner spricht davon, dass Reinhart aufgrund seiner Geritztheit einen klaren Vorteil gegenüber phyisch Stärkeren hat. (&amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist deshalb wichtig, da es seine letzte Niederlage, aber auch ein erster kleiner Sieg, nämlich das am Leben bleiben ist. Laut Kurt Ruh ist sie der &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart vermochte nicht zu fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
[Vgl. Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg (und Erzählkontext) !! Übersetzungsmöglichkeit 1 !! Übersetzungsmöglichkeit 2 !! Übersetzungsmöglichkeit 3 !! Übersetzungsmöglichkeit 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || &#039;&#039;&#039;Reinhart war listig.&#039;&#039;&#039; || klug || verschlagen || mit Tücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || &#039;&#039;&#039;Da war es Zeit für seine List.&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;Geschicklichkeit&#039;&#039;&#039; || Streich || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen || List || ... || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul. || mit List || durch einen Trick || um sie zu provozieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;erlâzen: &#039;verschonen mit..., WB Hennig, S. 81&#039;&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; / Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  || mit seinen Tücken || List || Wissen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben || List/Listen || Listigkeit || Scharfsinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus || Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick || Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an:  || ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
kundikeit im Sinne von Schlauheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlauheit besteht demnach zunächst in der aktionalen Kontrolle über die&lt;br /&gt;
Deutung der Handlungssituation. Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten:&lt;br /&gt;
Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch&lt;br /&gt;
den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist, oder&lt;br /&gt;
eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so&lt;br /&gt;
deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und&lt;br /&gt;
dem Handlungsziel dienlich ist. Bei beiden Optionen kommt es darauf an, den CoAkteur zu einer Deutung der Situation zu veranlassen, die diesem – »ubbidiscono&lt;br /&gt;
alle necessità presenti« in der anfangs zitierten Machiavelli-Passage – die Erkenntnis des Handlungsziel des Akteurs verstellt. Die dem Akteur nützliche Situationsdeutung muss deshalb entweder von vornherein mit dem kulturellen Wahrscheinlichkeitswissen übereinstimmen oder dem Co-Akteur im Rekurs auf Wahrscheinlichkeitswissen glaubhaft gemacht werden. Die Schlauheit der Situationsdeutungskontrolle beruht folglich stets auf dem rhetorischen Prinzip der Konvergenz des&lt;br /&gt;
Glaubhaften mit dem Wahrscheinlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(WIRD NOCH ABGEÄNDERT/GEKÜRZT/ERWEITERT UND IN EINEN ZUSAMMENHNAG GEBRACHT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Motive der Menschen&lt;br /&gt;
2. Motive der Tiere&lt;br /&gt;
3. Überschneidungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Karnivorische Ernährung&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbsterhaltung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28187</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28187"/>
		<updated>2020-07-14T18:00:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Vom Verlierer zum Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene den einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28186</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28186"/>
		<updated>2020-07-14T17:59:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts letzte Niederlage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach beim Reinhart Fuchs um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass die zeitliche Einordnung Reinharts Niederlagen irrelevant wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse von Reinharts Entwicklung dahingehend irrelevant, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur könne man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Reinhart der Verlierer| Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben]] trifft er nun auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen soll eine wichtige Wendung des Epos nach sich ziehen, denn mit dem Kater erlebt er seine letzte [[Reinhart der Verlierer | Niederlage]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Teil der Episode ([[Reinhart der Verlierer|Niederlage]]): Reinhart trifft auf den Kater und möchte ihn in eine Falle locken, die von einem Jäger aufgestellt worden war. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten könne. Was Reinhart nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne, dass ihm etwas passiert. Im Folgenden bittet der Kater Reinhart, ihm zu folgen. Dies tut er, was sich als unklug herausstellt, denn als die beiden wieder auf die Falle zusprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und leitet Reinhart, der gegen ihn stößt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt, so fest er kann, in Richtung Falle, um Reinharts Kehle durchzuschneiden. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf beiseite ziehen, sodass nicht seine Kehle, sondern die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist deshalb wichtig, da es seine letzte Niederlage, aber auch ein erster kleiner Sieg, nämlich das am Leben bleiben ist. Laut Kurt Ruh ist sie der &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart vermochte nicht zu fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
[Vgl. Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg (und Erzählkontext) !! Übersetzungsmöglichkeit 1 !! Übersetzungsmöglichkeit 2 !! Übersetzungsmöglichkeit 3 !! Übersetzungsmöglichkeit 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || &#039;&#039;&#039;Reinhart war listig.&#039;&#039;&#039; || klug || verschlagen || mit Tücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || &#039;&#039;&#039;Da war es Zeit für seine List.&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;Geschicklichkeit&#039;&#039;&#039; || Streich || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen || List || ... || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul. || mit List || durch einen Trick || um sie zu provozieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;erlâzen: &#039;verschonen mit..., WB Hennig, S. 81&#039;&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; / Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  || mit seinen Tücken || List || Wissen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben || List/Listen || Listigkeit || Scharfsinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus || Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick || Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an:  || ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
kundikeit im Sinne von Schlauheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlauheit besteht demnach zunächst in der aktionalen Kontrolle über die&lt;br /&gt;
Deutung der Handlungssituation. Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten:&lt;br /&gt;
Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch&lt;br /&gt;
den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist, oder&lt;br /&gt;
eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so&lt;br /&gt;
deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und&lt;br /&gt;
dem Handlungsziel dienlich ist. Bei beiden Optionen kommt es darauf an, den CoAkteur zu einer Deutung der Situation zu veranlassen, die diesem – »ubbidiscono&lt;br /&gt;
alle necessità presenti« in der anfangs zitierten Machiavelli-Passage – die Erkenntnis des Handlungsziel des Akteurs verstellt. Die dem Akteur nützliche Situationsdeutung muss deshalb entweder von vornherein mit dem kulturellen Wahrscheinlichkeitswissen übereinstimmen oder dem Co-Akteur im Rekurs auf Wahrscheinlichkeitswissen glaubhaft gemacht werden. Die Schlauheit der Situationsdeutungskontrolle beruht folglich stets auf dem rhetorischen Prinzip der Konvergenz des&lt;br /&gt;
Glaubhaften mit dem Wahrscheinlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(WIRD NOCH ABGEÄNDERT/GEKÜRZT/ERWEITERT UND IN EINEN ZUSAMMENHNAG GEBRACHT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Motive der Menschen&lt;br /&gt;
2. Motive der Tiere&lt;br /&gt;
3. Überschneidungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Karnivorische Ernährung&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbsterhaltung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28185</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-14T17:56:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts letzte Niederlage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens, nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach beim Reinhart Fuchs um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass die zeitliche Einordnung Reinharts Niederlagen irrelevant wäre. Darüber hinaus  wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse von Reinharts Entwicklung dahingehend irrelevant, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur könne man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach [[Reinhart der Verlierer| Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben]] trifft er nun auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen soll eine wichtige Wendung des Epos nach sich ziehen, denn mit dem Kater erlebt er seine letzte [[Reinhart der Verlierer | Niederlage]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erster Teil der Episode ([[Reinhart der Verlierer|Niederlage]]): Reinhart trifft auf den Kater und möchte ihn in eine Falle locken, die von einem Jäger aufgestellt worden war. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten könne. Was Reinhart nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne, dass ihm etwas passiert. Im Folgenden bittet der Kater Reinhart, ihm zu folgen. Dies tut er, was sich als unklug herausstellt, denn als die beiden wieder auf die Falle zusprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und leitet Reinhart, der gegen ihn stößt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt, so fest er kann, in Richtung Falle, um Reinharts Kehle durchzuschneiden. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf beiseite ziehen, sodass nicht seine Kehle, sondern die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist deshalb wichtig, da es seine letzte Niederlage, aber auch ein erster kleiner Sieg, nämlich das am Leben bleiben ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart vermochte nicht zu fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem  zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben und beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen zur ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
[Vgl. Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg (und Erzählkontext) !! Übersetzungsmöglichkeit 1 !! Übersetzungsmöglichkeit 2 !! Übersetzungsmöglichkeit 3 !! Übersetzungsmöglichkeit 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || &#039;&#039;&#039;Reinhart war listig.&#039;&#039;&#039; || klug || verschlagen || mit Tücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || &#039;&#039;&#039;Da war es Zeit für seine List.&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;Geschicklichkeit&#039;&#039;&#039; || Streich || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen || List || ... || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul. || mit List || durch einen Trick || um sie zu provozieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;erlâzen: &#039;verschonen mit..., WB Hennig, S. 81&#039;&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; / Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  || mit seinen Tücken || List || Wissen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben || List/Listen || Listigkeit || Scharfsinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus || Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick || Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an:  || ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
kundikeit im Sinne von Schlauheit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlauheit besteht demnach zunächst in der aktionalen Kontrolle über die&lt;br /&gt;
Deutung der Handlungssituation. Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten:&lt;br /&gt;
Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch&lt;br /&gt;
den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist, oder&lt;br /&gt;
eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so&lt;br /&gt;
deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und&lt;br /&gt;
dem Handlungsziel dienlich ist. Bei beiden Optionen kommt es darauf an, den CoAkteur zu einer Deutung der Situation zu veranlassen, die diesem – »ubbidiscono&lt;br /&gt;
alle necessità presenti« in der anfangs zitierten Machiavelli-Passage – die Erkenntnis des Handlungsziel des Akteurs verstellt. Die dem Akteur nützliche Situationsdeutung muss deshalb entweder von vornherein mit dem kulturellen Wahrscheinlichkeitswissen übereinstimmen oder dem Co-Akteur im Rekurs auf Wahrscheinlichkeitswissen glaubhaft gemacht werden. Die Schlauheit der Situationsdeutungskontrolle beruht folglich stets auf dem rhetorischen Prinzip der Konvergenz des&lt;br /&gt;
Glaubhaften mit dem Wahrscheinlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(WIRD NOCH ABGEÄNDERT/GEKÜRZT/ERWEITERT UND IN EINEN ZUSAMMENHNAG GEBRACHT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. Motive der Menschen&lt;br /&gt;
2. Motive der Tiere&lt;br /&gt;
3. Überschneidungen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
2. Karnivorische Ernährung&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbsterhaltung &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot;[Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert, und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch, seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seiner Gegner in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28184</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28184"/>
		<updated>2020-07-14T17:40:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Erzählstruktur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise, dass ein syntagmatischer Übergang von Verlierer zu Sieger und so Reinharts Entwicklung, die Antwort geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene den einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübner&#039;s These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28183</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28183"/>
		<updated>2020-07-14T17:38:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Erzählstruktur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassten sich beide in ihren Texten mit der Erzählstruktur und sind zu unterschiedlichen Meinungen gekommen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Ruh ist Reinhart am Anfang des Epos Verlierer, dann [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]]&lt;br /&gt;
Laut Bertau ist Reinhart im gesamten Epos sowohl Sieger, als auch Verlierer, was sich in verschiedenen Episoden immer wieder bemerkbar macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene den einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübner&#039;s These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28182</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=28182"/>
		<updated>2020-07-14T17:29:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene den einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun &amp;quot;Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, in welchen Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird &amp;quot; [Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübner&#039;s These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27780</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27780"/>
		<updated>2020-07-06T12:42:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts erster Sieg */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts,und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
Wie und wann [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in folgendem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach beim Reinhart Fuchs um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das würde bedeuten, dass die zeitliche Einordnung Reinharts Niederlagen irrelevant wäre. Darüber hinaus würde dieser Deutungsansatz eine Analyse von Reinharts Entwicklung ausschließen, da Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur wäre hierbei als syntagmatische Reihung anzusehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwiefern die syntagmatische Betrachtungsweise außerdem sinnvoller im Bezug auf Reinharts Figur sein kann, folgt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinharts Listen vom  Hahn Scantecler, [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|der Meise]] und auch vom Raben Diezelin durchschaut wurden, begegnet er seinem vermeintlich nächsten Opfer. &lt;br /&gt;
Aus einer Laune heraus beschließt Reinhart den  Versuch zu starten, auch den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]] in eine Falle zu locken. &lt;br /&gt;
Doch erneut scheitert Reinhart und sein erneuter Misserfolg kostet ihn beinahe das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem ersten Sieg, dem Entkommen aus der Falle des Jägers, gibt es einen Wendepunkt im Epos. Er gewinnt hier erstmals. Besonders interessant ist dabei zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Tierwelt verlässt, da er eben aus der Falle des Jägers entkommen kann. Cora Dietl beschreibt Reinharts Situation in der Falle damit, dass dies nun ein Konflikt mit der Menschenwelt sei (&amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;) [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nächsten Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird, anders als der Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert - der des Jägers und Reinharts (vgl. [Dietl 2010: 48] die ganze Seite), was auch darauf hinweist, dass diese eine besondere Textstelle ist - nämlich die, in der Reinhart am Ende als Sieger dasteht (&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot;) [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hübners Text beschreibt er, dass Reinhart anfangs aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit verliert, weshalb man nun darauf schließen kann, dass der Mensch als physisch ganz klar Überlegenen nun ein Problem mit Reinharts Geritztheit hat. (&amp;quot;Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (v 13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot;) [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart vermochte nicht zu fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg (und Erzählkontext) !! Übersetzungsmöglichkeit 1 !! Übersetzungsmöglichkeit 2 !! Übersetzungsmöglichkeit 3 !! Übersetzungsmöglichkeit 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || &#039;&#039;&#039;Reinhart war listig.&#039;&#039;&#039; || klug || verschlagen || mit Tücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || &#039;&#039;&#039;Da war es Zeit für seine List.&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;Geschicklichkeit&#039;&#039;&#039; || Streich || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen || List || ... || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul. || mit List || durch einen Trick || um sie zu provozieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;erlâzen: &#039;verschonen mit..., WB Hennig, S. 81&#039;&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; / Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  || mit seinen Tücken || List || Wissen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben || List/Listen || Listigkeit || Scharfsinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus || Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick || Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an:  || ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(WIRD NOCH ABGEÄNDERT/GEKÜRZT/ERWEITERT UND IN EINEN ZUSAMMENHNAG GEBRACHT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Macht der Rechtfertigung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Handlungsmotive ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27773</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-06T12:38:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Reinharts erster Sieg */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts,und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spätestens nachdem er dem [[ Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]] begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in [[ Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinharts]] Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
Wie und wann [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in folgendem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur - Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh[Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach beim Reinhart Fuchs um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das würde bedeuten, dass die zeitliche Einordnung Reinharts Niederlagen irrelevant wäre. Darüber hinaus würde dieser Deutungsansatz eine Analyse von Reinharts Entwicklung ausschließen, da Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur wäre hierbei als syntagmatische Reihung anzusehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung, als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag, beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Inwiefern die syntagmatische Betrachtungsweise außerdem sinnvoller im Bezug auf Reinharts Figur sein kann, folgt...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinharts Listen vom  Hahn Scantecler, [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|der Meise]] und auch vom Raben Diezelin durchschaut wurden, begegnet er seinem vermeintlich nächsten Opfer. &lt;br /&gt;
Aus einer Laune heraus beschließt Reinhart den  Versuch zu starten, auch den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]] in eine Falle zu locken. &lt;br /&gt;
Doch erneut scheitert Reinhart und sein erneuter Misserfolg kostet ihn beinahe das Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei seinem ersten Sieg, dem Entkommen aus der Falle des Jägers, gibt es einen Wendepunkt im Epos. Er gewinnt hier erstmals. Besonders interessant ist dabei zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Tierwelt verlässt, da er eben aus der Falle des Jägers entkommen kann. Cora Dietl beschreibt Reinharts Situation in der Falle damit, dass dies nun ein Konflikt mit der Menschenwelt sei (&amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;) [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im nächsten Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird, anders als der Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert - der des Jägers und Reinharts (vgl. [Dietl 2010: 48] die ganze Seite), was auch darauf hinweist, dass diese eine besondere Textstelle ist - nämlich die, in der Reinhart am Ende als Sieger dasteht (&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot;) [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart vermochte nicht zu fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg (und Erzählkontext) !! Übersetzungsmöglichkeit 1 !! Übersetzungsmöglichkeit 2 !! Übersetzungsmöglichkeit 3 !! Übersetzungsmöglichkeit 4&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;REinhart kvndikeite pflac&amp;quot; (V. 217) || &#039;&#039;&#039;Reinhart war listig.&#039;&#039;&#039; || klug || verschlagen || mit Tücken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || &#039;&#039;&#039;Da war es Zeit für seine List.&#039;&#039;&#039; || &#039;&#039;&#039;Geschicklichkeit&#039;&#039;&#039; || Streich || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geschickt vorgehen || List || ... || ...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz listig durch das Maul. || mit List || durch einen Trick || um sie zu provozieren&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;ez sold in wol erlozen&amp;lt;ref&amp;gt; &amp;quot;erlâzen: &#039;verschonen mit..., WB Hennig, S. 81&#039;&amp;quot; &amp;lt;/ref&amp;gt; / Reinhart mit siner kvndikeit.&amp;quot; (V. 1420f.) || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.  || mit seinen Tücken || List || Wissen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;nieman evch gezelen mack / Reinhartes kvndikeit&amp;quot; (V. 1822f.) || niemand könnte euch Reinharts Verschlagenheit beschreiben || List/Listen || Listigkeit || Scharfsinn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;Reinhart sich kvndikeite vleiz&amp;quot; (V. 2037) || Reinhart kannte sich mit Listen aus || Reinhart übt sich gekonnt in seinem Geschick || Reinhart wandte sein anatomisches Wissen an:  || ...&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(WIRD NOCH ABGEÄNDERT/GEKÜRZT/ERWEITERT UND IN EINEN ZUSAMMENHNAG GEBRACHT)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Macht der Rechtfertigung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Handlungsmotive ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
[Huebner 2016]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27757</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27757"/>
		<updated>2020-07-06T11:46:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Vom Verlierer zum Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diephret]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diephret. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diephret sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Was Reinhart jedoch nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diephret sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (v 13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer.&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern mit seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27756</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27756"/>
		<updated>2020-07-06T11:46:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Literatur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diephret]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diephret. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diephret sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Was Reinhart jedoch nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diephret sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (v 13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer.&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern mit seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=27755</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-07-06T11:41:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Bastian Eckarth: /* Beweggründe für Reinhart als Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, vor allem anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschhnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof vom Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro ||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde ||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde ||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas ||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. ||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diephret]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diephret. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diephret sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Was Reinhart jedoch nicht weiß ist, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diephret sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist sehr im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt&amp;quot; [Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was ja Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus. [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handels) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: die Meise und der Rabe. Vor allem der Kater sticht hier heraus. Er kommt nicht nur lebend vor Reinhart davon, sondern stößt ihn in einer Misere, mit der es Reinhart besonders zu kämpfen hat, um am Leben zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche Geritztheit seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (v 13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer.&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern mit seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Bastian Eckarth</name></author>
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