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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-18T06:22:33Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_St%C3%A4ndegesellschaft_der_Tiere_in_%22Reinhart_Fuchs%22&amp;diff=29476</id>
		<title>Die Ständegesellschaft der Tiere in &quot;Reinhart Fuchs&quot;</title>
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		<updated>2020-09-01T14:32:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Die Analyse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel verbindet eine &#039;&#039;Analyse der Herrschafts-Hierarchie&#039;&#039; der Tiere in &#039;&#039;&amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;&#039;&#039; mit einer &#039;&#039;Interpretation der einhergehenden Parallelen&#039;&#039; zur Standesgesellschaft des Mittelalters.&lt;br /&gt;
Die Interpretation lenkt hierbei den Fokus auf verborgene &#039;&#039;kritische Aussagen des Autors&#039;&#039; zu Gesellschaft, Macht und Ordnung und schließt mit einem &#039;&#039;Ausblick auf das Ziel&#039;&#039;, welches der Autor verfolgt haben könnte, als er jene Aussagen getroffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Unterfangens==&lt;br /&gt;
Weshalb sollte eine Analyse und eine Interpretation vorgenommen werden? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor weist implizit darauf hin, dass die Tiere detaillierter betrachtet sollten, da sie neben ihrer Tiergestalt nur zu geringem Teil wirklich &amp;quot;Tier&amp;quot; seien.&lt;br /&gt;
Das Motiv für dieses Unterfangen bildet der Umstand, dass sich der Autor dazu entschloss, den Tieren in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; unübersehbar menschliche Eigenschaften zuzusprechen. Somit ist es den Lesern möglich, die Tiere als menschliche Karikaturen zu sehen und Parallelen zwischen ihrem Zusammenleben und dem Zusammenleben der Menschen zu Lebenszeit des Autors zu ziehen. Die Idee des Autors, die hier im Hintergrund steht, wird auch &amp;quot;Anthropomorphismus&amp;quot; genannt. Kompatscher-Gufler beschreibt diese als eine Praxis, bei der man Tieren (bis zu einem gewissen Grad) menschliche Eigenschaften zuspreche, um Analogien zu deren Welt und ihrem Erleben zu erhalten (vgl. Kompatscher-Gufler 2017, 36)[Kompatscher-Gufler 2017]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Autor den Tieren in dieser Manier vermutlich nicht ohne Grund menschliche Eigenschaften zusprach, werden sich unter dem metaphorischem Gewand der Tiergestalt noch weitere Inhalte verstecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einführung mit Hypothese==&lt;br /&gt;
Lange vor der Zeit von freier Marktwirtschaft und der Idee &amp;quot;selbstgemachter Chancen&amp;quot; war die soziale Ordnung des Alltags noch äußerst streng gegliedert. Von Gott gegeben - so könnte man sagen - fügten sich die Menschen in einen ihnen angeborenen Stand ein, der spezifische Rechte, Pflichten, Privilegien und gesellschaftliche Funktionen vorsah. So betete man unterwürfig, verteidigte das Vaterland oder - wie die meisten es taten - arbeitete mit dem Ziel, seinen Teil zum gemeinsamen Leben beizutragen. &lt;br /&gt;
Tatsache ist: Die alltägliche Realität unterschied sich in vielerlei Hinsicht (christliche Tugend, Stände, Machtausübung) von der theoretisch idealisierten Ordnung.&lt;br /&gt;
Immer, wenn es Auschreitungen gegen die Ordnung gab, reagierten die Konstrukteure mit Mahnungen zur (selbstverständlichen) Normativität und Propaganda der ritterlichen bzw. geistlichen Tugenden. Es kam trotzdem immer wieder vor, dass sich einige Figuren innerhalb der Ordnung, sei es aus Ungerechtigkeit oder aus Angst, genötigt fühlten, gegen die Ordnung vorzugehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ordnung war sehr alt, wodurch sie jeder als Norm ansah. Das heißt aber nicht, dass die Ordnung so ideal war, wie sie der herrschende Teil bewertete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hypothese===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind jene Autoren dieser Zeit, denen sowohl das &amp;quot;Idealisierte&amp;quot; an der Ordnung als auch die Gefahr in der Differenz zur realen Situation bewusst war. Deshalb manifestierten sie die tatsächlichen Verhältnisse ihrer Zeit in ihren Veröffentlichungen. Vielleicht sogar, um das überwiegend feudale Publikum über die Realität im Gewand der Metapher aufzuklären. Einer dieser Autoren war &amp;quot;[[Heinrich der Glîchezâre]]&amp;quot;, der Autor des Tierepos &amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;. Im Hintergrund der oben aufgeführten Annahmen lässt sich folgende Hypothese aufstellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Spielmann&amp;quot; lässt nicht ohne Grund Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters erahnen. Er will das vorwiegend feudale Publikum über die maroden Strukturen der Ordnung aufklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Analyse==&lt;br /&gt;
Die Analyse soll methodisch die Gesellschaft der Tiere von den grundlegenden hin zu den besonderen Strukturen durchleuchten. Um diese grundlegendsten Strukturen der Ordnung zu analysieren, ist es naheliegend, nach notwendigen Bedingungen - d.h. Existenzbedingungen - für eine grundlegende hierarchische Strukturen zu suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine simple hierarchische Ordnung verlangt mindestens zwei notwendige Grundsatzannahmen. Die Figuren in der Ordnung müssen sich (1) im Allgemeinen wie im Besonderen voneinander unterscheiden und (2) ein Kriterium dieser Unterscheidung (das Spezifikum) muss den Grund dafür darstellen, dass die Figur eine bestimmte hierarchische Position einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sicherung der Grundsatzannahmen: Übersetzung exemplarischer Textbelege ===&lt;br /&gt;
Zunächst sei also durch einige Textstellen belegt, dass die Tiere im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; (1) keineswegs von der gleichen Art sind und (2) bei einigen eine spezifische Eigenschaft besonderes ausgeprägt ist, welche ihnen eine hohe Position in der Hierarchie zusichert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(1) Die Tiere unterscheiden sich grundlegend voneinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;groß&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&#039;&#039;Kursiver Text&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was der helfant vnde der wisen, || Das waren der Elefant und der Wisent,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di dovchten Reinharten risen, ||  welche Reinhart wie Riesen vorkamen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die hinde vnde der hirz Randolt, ||  die Hinde und der Hirsch Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die waren Ysengrine holt, || welche Isengrin zugetan waren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Brvn der bere vnde daz wilde swin || Brun der Bär und das Wildschwein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wolden mit Ysengrine sin. || wollten Isengrin zur Seite stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|zv nennen alle mich niht bestat, || Ich befleißige mich nicht alle zu nennen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swelich tier grozen lip hat, || aber jedes große Tier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mit Ysengrine da; || war mit Isengrin da;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1103-1111)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;klein&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hase vnde daz kvneclin || Der Hase und das Kaninchen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnd ander manic tierlin, || und verschiedene andere kleine Tiere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des ich niht nennen wil, || die ich nicht alle nennen will, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der qvam dar vzer moze vil. || kamen in unzählbaren Massen herbei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;schön&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da was manic tier lvssam|| Es waren viele stattliche Tiere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnser beider kunne.|| unserer Verwandschaft da.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1220-1221)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;furchterregend und stark&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Isengrine qvamen die svne sin,|| Mit Isengrin kamen dann sogleich seine Söhne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|manic tier vreisam || und viele gefährliche Tiere;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Ysengrine qvamen dar san; ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1188-1190)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche die &#039;&#039;Klug oder Weise&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz einwiderredete nieman || Niemand gab Widerrede,&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|wen ein olbente von Thvschalan, || bis auf ein Kamel von Thuskulum,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di was vrvmic vnde wis	 ||  das war Fromm, Weise&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde dar zv vor alter gris. || und darüber hinaus von greisem Alter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1437-1440)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(2) Es gibt ein Spezifikum, welches einerseits ein weiteres Unterscheidungskriterium bildet und andererseits die Position in der Hierarchie rechtfertigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von hohem Grad, besteigt man eine hohe Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein lewe, der was Vervil genant,|| Ein Löwe namens Frevel,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gewaltic vber daz lant. || Herrscher über das ganze Land.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(...)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|si leisten alle sin gebot, || sie leisten alle seinem Befehl Gehorsam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was ir herre ane got. || er war nach Gott ihr Herrscher. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1241-1242; 1245-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des enwolden si niht volgen, || dem wollten sie nicht Folge leisten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des wart sin mvt erbolgen. || dadurch wurde sein Gemüt erzürnt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zorne er vf die burc spranc, || er sprang vor Zorn auf die Festung, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit kranken tieren er do ranc,|| da kämpfte er mit schwachen Tieren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte, daz iz im tete not.|| denn er dachte, dass er dazu verpflichtet sei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1255-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von niedrigem Grade, bleibt man auf einer niedrigeren Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der hase gesach des kvniges zorn, || Der Hase sah den Zorn des Königs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do want er zage sin verlorn. || da ahnte er, der Feigling, sein Verderben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ist noch der hasen sit. || Das ist noch immer des Hasens Art. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einordnung der Textstellen in den Handlungszusammenhang====&lt;br /&gt;
Die Textbelege (1) und (2) sind Ausschnitte aus dem Anfang der Gerichttags-Episode. Reinhart gewinnt schnell wieder die Überhand über das Geschehen und die Tiere um sich. Nach einer schmachvollen Episode, in der Ysengrin auf verschiedenste Weisen von Reinhart gedemütigt und entmannt wurde, konnte sich selbiger wieder mit seiner Familie vereinigen und ist zur Fehde entschlossen. Einem Verwandten des Fuchses, dem Luchs, ist es zu verdanken, dass doch ein rechtlicher Weg einschlagen wird. Er bewirkt einen Gerichtstag, an dem Reinhart sich verantworten soll. Den Anfang dieses Gerichtages macht eine Aufzählung der Teilnehmer, welche zum Teil in (1) und (2) wiederzufinden ist. Unglücklicherweise ist jene Tagung nicht von langer Dauer und führt zu einer plötzlichen Flucht des Angeklagten mit anschließender Verfolgungsjagd bis in einen Dachsbau. Damit nicht genug, lässt sich der Verfolgte nochmals zu einer Untat an der Frau des Klägers herab.&lt;br /&gt;
Textbelege (3) und (4) schließen direkt daran an. Denn der bestürzte Ysengrin kam nur allzu spät mit seinem in (4) beschriebenen Gefolge hinterher, um eine Chance zu haben, den Missbrauch an seiner Gattin zu verhindern. Mit diesem Unglück konfrontiert, bricht er ihn große Klagen aus. Er nennt unter anderem die glückliche Heirat des Paares (3), währenddessen der Täter schon längst geflohen ist. Damit endet die Episode des Gerichtstags (vgl. auch Ruh 1980; 21,22)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1035-1238)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textbelege (6) und (7) sind Ausschnitte aus einer Zwischenepisode, welche direkt auf die Gerichtags-Episode folgt und den Ursprung der handlungskonstitutiven Krankheit, an der der König leidet, erklären soll. Der in (6) beschriebene König hat einen Landesfrieden beschlossen. Doch als er auf ein Ameisenvolk stößt, fordert er die unweigerliche Gefolgschaft der Ameisen. Nach der Weigerung der Ameisen den Befehlen des Königs Folge zu leisten (7), überspringt dieser ein Ultimatum und erklärt dem kleinen Volk kurzerhand den Krieg. Der Ameisenherr kommt zu spät zum Geschehen hinzu und erfährt von seinem aufgebrachten Volk, ihre vortrefflichen Burgen seien von dem Tyrann zerstört worden. Mit Rache in Absicht kriecht der Ameisenherr in einer ruhigen Minute in das Ohr des Königs, um dem Kriegstreiber schreckliche Kopfschmerzen zu bescheren. Der &amp;quot;Vrevel&amp;quot;, von Kopfschmerzen heimgesucht, deutet dies als ein Urteil Gottes aufgrund der Versäumnis des Gerichtstags und ruft prompt einen Hoftag ein.&lt;br /&gt;
Dieser Hoftag bildet eine erneute Gerichtssituation, in der nun aber der König auf dem Richterstuhl sitzt. Viele große und kleine Tiere, manche sogar aus fernen Lande, kamen zu dieser großen Versammlung. Ysengrin trägt, in Abwesenheit von Rheinhart, dem Plenum seine Klagen vor, in deren Anbetracht die Wut des Königs erneut entfacht wird (8). Über Reinhart wird anschließend übereinstimmend geurteilt. Doch ein Kamel aus Tusculum, welches dem Hoftag auch beiwohnte, erhob Einspruch (5). Es plädierte auf das Recht Reinharts, man müsse ihn dementsprechend erst dreimal vorladen. Nach dreimaliger Vorladung erscheint Reinhart dann doch. Seine Anwesenheit bedingt schließlich eine Kette von Ereignissen, die ultimativ zum Kollaps des Herrschaftskonstrukts und damit zur Klimax der Erzählung führen (vgl. auch Ruh 1980; 23,24,25)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1239-2248)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
Aus den Grundannahmen lässt sich schließen, dass sich die Tiere in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; durch ihre Spezies und deren biologisch-evolutionäre Eigenschaften unterscheiden.&lt;br /&gt;
Ferner unterscheiden sich die Tiere nicht nur und leben in einer offenen pluralistischen Gemeinschaft, sondern sind an eine hierarchische Ordnung gebunden. Diese Ordnung verlangt eben diese dargelegten Differenzen und sortiert selbige nach einem Kriterium in eine Rangfolge. &lt;br /&gt;
Die Tiere unterscheiden sich durch ihre Größe und ihre äußere Gestalt, welche ihnen entsprechende Kräfte geben, sodass das große und fülligste Tier kräftiger ist als das kleine und schmächtige. Diejenigen Tiere, die nun durch ihre Gestalt an größerer Kraft verfügen, stehen über denen, die durch ihre Gestalt weniger oder keine Kraft zur Verfügung haben. Die Stellung wird dann durch das &amp;quot;Betätigen der Kraft&amp;quot;, d.h. die Gewaltausübung, gesichert und aufrechterhalten, somit ist auch die Gewaltbereitschaft ein wichtiger Faktor für die hierarchische Stellung. Der Löwe sichert bspw. seine Stellung gegenüber den Ameisen, welche seine Stellung in Frage stellten (vgl. RF, 1252-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stellung in der Hierarchie wird also durch die Macht eines Individuums über das Andere gerechtfertigt, wobei hier das Kriterium der Macht physische Kraft und Gewalt ist (vgl. auch Neudeck 2016; 12,13,22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Besonderen===&lt;br /&gt;
====Gruppenbildung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Figuren in der Erzählungen fügen sich in diese grobe Ordnung ein und besetzten gemäß ihrem spezifischem Grad an Macht eine Position in selbiger. Es ist jedoch nicht nur die Stellung des Einzelnen in der Ordnung, die im Laufe der Erzählung explizit wird, vielmehr werden auch anhand von Merkmalen der Zugehörigkeit kleinere Gruppierungen erkennbar, die sich in die allgemeine Ordnung einfügen. Die Mitglieder der jeweiligen Gruppierungen liegen ungefähr auf einer Ebene der Hierarchie. Man kann sagen, dass die starken Tiere sich anderen starken Tieren zugehörig fühlen und die schwachen anderen schwachen - bspw. die Tiere des Hofapperates oder die Hühner.  Da diese Gruppen aber genauso Teil der allgemeinen Ordnung sind wie auch der Einzelne in der Gruppe, gibt es auch innerhalb der Gruppe solche, die einen Herrschaftsanspruch über die anderen Mitglieder haben - bspw. der Wolf Isengrin als oberstes Mitglied des Wolfsrudels. Damit gestaltet sich die Hierarchie der Tiere in Reinhart Fuchs so, dass auf Mikroebene ein Individuum (nach seinem Geschlecht) über dem anderen steht, wobei auf Makroebene eine Gruppe (von stärkeren unterschiedlichen Geschlechts) über der Anderen steht. Ferner: Wenn die Rede von einer Vetternschaft ist, so ist die Bindung in einer Gruppe von gleich starken oder gleich schwachen (Bspw. die Vetternschaft zwischen Katze, Fuchs, Luchs und Wolf (vgl. RF; 313-315, 453-455, 1070-1078)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint. Wenn aber die Rede von Geschlecht ist, so ist die spezifische Gattung des Tiers (bspw. Füchse oder Ameisen (vgl. RF, 1267-1269, 1164-1166, 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint, welches es in eine spezifische, der Gattung eigene Position in der Hierarchie zwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quantität und Qualität der Gruppen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Gruppe varriert, wie deutlich wurde, in der Qualität ihrer Mitglieder - d.h. in der physischen Beschaffenheit -, aber auch in der Quantität der Mitglieder. Dabei sind die Gruppen mit den stärksten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die kleinsten (siehe kleine Hofgefolgschaft), und die Gruppen mit den schwächsten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die größten (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005], sodass die Hierarchie graphischen am besten als eine Pyramide vorstellbar ist. Klettert man die Pyramide vom Boden hinauf, so startet man in einer ersten riesigen Gruppe, deren Mitgliedern von schwächster Gestalt sind. Mit zunehmender Höhe werden die Gruppen dann immer kleiner und ihre Mitglieder immer stärker, bis man sich an der Spitze der Pyramide befindet, an der keine Gruppe mehr steht, sondern ein einziges Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Position der Gruppen in der Hierarchie====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der die oberste Stellung in der Hierarchie einnimmt, ist der Stärkste und Gewaltbereiteste, der Löwenkönig (vgl. RF, V. 1240-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Er nimmt eine singuläre Postion ein und steht - in der vorherrschenden Ordnung - mit keiner anderen Figur auf einer Höhe. Er ist die Figur, bei der es am einfachsten gelingt sie in eine Position einzuordnen, weil es keine andere Figur gibt, die über vergleichbare Stärke verfügt wie sie. Direkt darunter befindet sich eine Gruppe aus äußerst starken Tieren unterschiedlichsten Geschlechts, welche den Hofapparat bildet. Dazu gehören beispielsweise Brun der Bär, der Leopard, Reinhold der Hirsch und Weitere (vgl. RF, V. 1329-1339)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Andere beispielhafte Gruppen wären - hierarchisch absteigend - die Wolfsfamilie und deren Verbündete/Verwandten im Gerichtstag (vgl. RF, V. )[Heinrich der Glîchezâre 2005] , der Hahn Dizelin und seine Hennen, das Volk der Ameisen und die Schar der unbenannten kleinen Tiere, die in dem Sinne eine Gruppe bilden, als es von ihnen so viele gibt und sie so unwichtig für die Handlung sind, dass sie zu benennen nicht nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zugehörigkeit und Bindung zur Gruppe====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde deutlich: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist nicht gewählt. Ganz ihm Gegenteil sind die objektiven Eigenschaften, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bzw. einer Gattung determinieren, durch die Natur verteilt und grundlegend nicht veränderbar. Denn eine Maus kann aufgrund ihres Geschlechts nicht plötzlich einen Löwen gebären, sondern auf ewig nur Mäuse. Diese Maus und die Gruppe von schwachen Tieren, zu der sie gehört, kann weder selbst im Rang aufsteigen noch Nachkommen zeugen, die das können werden. Letztendlich sind die Figuren durch ihre Gattung relativ fest an ihre Position in der Hierarchie gebunden. Beispielsweise ist ein Bär ein starkes Tier und wird auch immer starke Nachkommen haben, wird folglich auch immer in einer kleinen Gruppe von starken Tieren (Hofgefolge) bleiben, kann und wird aber aufgrund seiner vererbten physischen Eigenschaften nie ein stärkeres Tier werden. Damit kann der Bär seinem gebürtigen Stand nach nie den Löwen an Stärke übertreffen. Genauso wird der Wolf immer ein relativ starkes Tier bleiben, aber nie Nachkommen haben, die plötzlich stärker sind. Schließlich wird man in eine Position eingeboren, wobei es der physischen Gestalt nach unmöglich ist in der Position ab oder aufzusteigen und man sich in einer Gruppe von Tieren wiederfindet, die von unterschiedlichem Geschlecht sein können, sich aber in ihrem Grad der Stärke ähneln. Anzumerken ist hier auch, dass die angeborene Kraft kein Zufall ist, sondern göttliche Fügung. Im Reinhart Fuchs wird mehrmals angedeutet, dass die Kraft des Geschlechts von Gott vorgesehen ist. Der König &amp;quot;Vrevel&amp;quot; ist nach Gott der Herrscher und deutet selbst seine Schmerzen als Bestrafung Gottes, weil er seiner (göttlich herbeigefügten) Aufgabe als oberster Richter im Gerichtstag nicht nachkam (vgl. RF; V. 1245-1246, 1318-1320 )[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eine Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beschreibung der besonderen Strukturen lässt eine zentrale Figur aus. Zunächst lässt sich beschreiben, dass auch Reinhart einer Gattung angehört, welche ihn (nach der hier geschilderten Ordnung) in eine spezifische hierarchische Position zwingt. Schwieriger wird es Reinhart einer Gruppe aus ähnlich starken Tieren zuordnen, denn teils bricht er das Bündnis zu gleichgestellten (siehe die Vetternschaft mit dem Kater Diepreth) teils hält er an selbigem fest (siehe Bündnis mit dem Dachs Krimel). Es fällt nicht nur schwer eine geeignete Gruppe für ihn zu finden, viel schwerer fällt es unter den genannten Kriterien ihn in eine hierarchische Position einzuordnen. Er ist einerseits mit anderen Tieren seiner Stärke vergleichbar, anderseits in seiner Position und Machtstellung unvergleichbar und besonders. Aufgrund der Unmöglichkeit einer Festsetzung in eine Position kann man gar von einer Möglichkeit der Bewegung zwischen den Gruppen sprechen. Diese Besonderheit ist für die aufgeführte Art der Ordnung eine direkte Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Allgemeine Parallelen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Analyse sollte eines schon deutlich geworden sein: Die Ordnung der Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs ähnelt stark der Ordnung, in der man zur Lebenszeit des Autors lebte. In der Tat war die Gesellschaft des Hochmittelalters äußerst autoritär geordnet. Die Mächte und Gewalten waren klar verteilt, sodass es im groben nur zwei Arten von Menschen gab: die Herrschenden und die Beherrschten. Ein Individuum, das mit mehr Macht ausgestattet war und Gewalten zur Verfügung hatte, stand, um es einfach zu sagen, über demjenigen, der keine oder weniger Macht oder weniger an Gewalt zur Verfügung hatte und sich damit beherrschen ließ. Auch wenn es bei dieser Art der Macht weniger um physische Statur ging, als um Ressourcen, Zwang und Bedrohung, ist auch diese hierarchische Ordnung, wie auch die der Tiere, grundlegend auf Gewalt und Macht aufgestellt. Nun sind die drei prominenten großen Stände des Mittelalters - Adel, Klerus und Bauern -, wie die Gruppen im RF, in diese Ordnung eingebettet, sodass auch diese hierarchisch übereinander geordnet sind. Die Mitglieder eines Standes hatten einen ähnlichen Grad an Macht und dieselben, dem Stand eignen Aufgaben. Tatsächlich wurde dieses Konstrukt, wie auch das Konstrukt in RF, graphisch häufig in Form einer Pyramide dargestellt. Dies Stände in dem Konstrukt waren jedoch - orientiert an der großen Trinität - nur sehr grobe Gruppierungen nach den generellsten Aufgaben und Machtansprüchen, unter denen wiederum viele kleine Gruppen subsumiert wurden. Jeder Stand hatte - gemäß dem Schaubild der allgemeinen Ordnung - für sich selbst nochmals eine interne hierarchische Struktur. Beispielsweise gab es im Stand des Adels sehr wohl weiter hierarchische Aufteilung, wobei an der obersten Spitze der Pyramide der König stand, darunter der Hochadel, Ritter und dann der niedere Adel. Weiter war auch die Zugehörigkeit zu einem Stand oder zu einer Gruppe eines Standes von Geburt an determiniert und von Gott vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einschränkung auf den Adel====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprechen wir nun von der Ordnung der Tiere im Reinhart Fuchs ist zu beachten, dass die meisten der handelnden Figuren in Reinhart Fuchs Teil des Adels sind, sodass wir die meiste Zeit nicht die gesamte Ordnung mit allen Ständen betrachten, sondern nur die inneren Strukturen des adeligen Standes. Wenn wir also die Ordnung der Tiere in Reinhart Fuchs im besonderen betrachten, dann schauen wir nur auf das oberste Drittel der Pyramide. Wie Ruh sagt, sind alle handelnden Figuren in Reinhart Fuchs dem Stand des Adels angehörig, sodass die Tierwelt in Reinhart Fuchs größtenteils eine adelige Welt darstellt (vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]. Die meisten Gruppen in Reinhart Fuchs stellen somit Teile der hierarchischen Struktur der adeligen Welt wieder, in der der kleine Adel unter Hochadel und zuletzt dem König stand. Ein kleiner Teil der Gruppen im Reinhart Fuchs ist aber auch von der Art, dass sie kein Teil des Adels sind. Wann sprechen wir also bei den Tieren in Reinhart Fuchs von Adel und wann nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen können offensichtlich diejenigen Tiere als Adel bezeichnet werden, die explizit einem Hofapparat angehören, welcher ganz ohne Metaphorisches Gewand deutlich eine obere adelige Struktur darstellt (bspw. Brun der Hofkaplan). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen liefert die Benennung und Bezeichnung der Tiere ein klares Indiz für ihren adeligen Status. Während diejenigen Tiere, die von adeligem Status sind, eine definite Bezeichnung (bspw. der Ameisenherr, Brun der Bär, Ysengrin, der Hirsch, der Leopard, der Löwe Vrevel) tragen, tragen Tiere ohne adeligen Status eine indefinite Bezeichnung, sind keine handelnden Figuren in Reinhart Fuchs und stehen eher am Rande des Geschehens (bspw. die kleinen Tiere, Marder, viele -, einige -, eine Maus, eine Meise, Ameisenvolk). Man nehme beispielsweise die Gruppe der kleinen Tiere, die nicht näher beschrieben werden kann, weil sie aufzuzählen ein zu großer Aufwand wäre (vgl. RF, V. 1118-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Dagegen ist ein Tier mit definitem Artikel, bspw. der Hase, ein bestimmter aus der unbestimmten Menge von Tieren seines Geschlechts gewählte Figur. Dieser definite Status suggeriert Bekanntheit und Ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die definiten Tiere tragen manchmal sogar einen Namen, sind &amp;quot;Barone&amp;quot;, &amp;quot;Herren&amp;quot; und &amp;quot;Höflinge&amp;quot; und sprechen sich auch dementsprechend an ((vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]). Dabei könnte man vermuten, dass das Geschlecht (die Spezies/Rasse des Tiers) den Nachnamen oder auch den Stand bezeichnet, weil man mit dem Namen des Geschlechts schon eine gewissen Grad an Macht assoziiert (Z.b: Maus, Ameise, Wolf).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere im Stand des Adels====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stand der Tiere in Reinhart Fuchs ist also vorwiegend der Adel. An der Spitze (der kleinen Pyramide) dieses Adels steht der König Vrevel. Unter ihm der Hochadel in Form seines Hofapparats, mit prominenten und äußerst starken Tieren, wie zum Beispiel: Brun der Bär, der Hirsch, der Leopard. Von dieser Spitze des Adels steigt man nach und nach ganz im Sinne der allgemeinen Ordnung zu  - relativ zur höheren Position - schwächeren Tieren und Gruppen von schächeren Tieren, wie zum Beispiel der Wolf und seine Verbündeten/Verwandten. Bis man zu den kleinsten und schwächsten Tieren und Gruppierungen von Tieren gelangt, die noch zum Adel gehören. Dazu gehören Beispielsweise der Ameisenkönig oder auch Scetecler und seine Hennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere in anderen Ständen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiere die nicht dem Stand des Adels angehören sind in Stände zu ordnen, die unterhalb des Adels liegen. Sie sind nach der allgemeinen Ordnung Gruppen aus Individuen, die über weniger Macht verfügen als der Adel. Diese Gruppen wären in Reinhart Fuchs beispielsweise das Ameisenvolk (ohne seinen Herr) oder die Schar der unbenannten kleinen Tieren.&lt;br /&gt;
Explizit werden keine Aussagen über den Stand Klerus oder den der Bauern bzw. Unfreien getroffen. Abseits von kleineren zynischen Anmerkungen Reinharts zum Mönch- und Klosterleben (vgl. RF, V. 655-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980; 20,21)[Ruh 1980]. Es können Vermutungen darüber angestellt werden, ob Reinhart oder seine Fürsprecher aufgrund ihrer Intelligenz, ihres Alters und Weisheit, oder ihrer Affinität, als Fuchs oder Dachs in einer Höhle (Kloster) zu leben, zum Stand des Klerus gehören. Auch der Klerus war privilegiert und stand auf der Seite der Beherrschenden. Einige graphische Illustrationen der mittelalterlichen Gesellschaft sehen selbst von der Pyramide ab und nehmen das Bild einer Zwiebel. Wobei der Adel und der Klerus sich die Position an der Spitze der Zwiebel teilen. Bei den Fürsprechern Reinharts kann man von solch einer Position ausgehen. Das würde heißen, dass das Kamel, der Elefant und der Dachs weniger dem höheren Adel angehören als der höheren Geistlichkeit, welche auch im Feld des Adels mitspielen konnte. Doch bei Reinhart muss man von solchen Vermutungen absehen. Denn er ist es, der keine Position wirklich einnimmt oder über längere Zeit besetzt hält. Er ist die einzige Figur, der es in diesem Sinne sogar gelingt, die Leiter zu erklimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich beschreibt die Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs eine feudale Ordnung. Das heißt sie nimmt - mit einigen Ausnahmen - nur den Stand des Adels aus der drei - Stände - Ordnung herraus und beschreibt diese Subkultur. Dabei beruft sich die Ordnung der Tiere in Reinhart auf eine allgemeine Ordnung, wie sie auch im Mittelalter für alle Stände inklusive dem adeligen Stand galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mögliche Kritik des Autors==&lt;br /&gt;
Nachdem gezeigt wurde, wie die Ordnung der Tiere im allgemeinen und besonderen aufgebaut ist und dass diese Darstellung tatsächlich Parallelen zur mittelalterlichen Ständeordnung aufweist, bleibt jetzt noch die Frage offen, welche Schlüsse man aus diesen Vergleichen ziehen kann. &lt;br /&gt;
Klar ist: &amp;quot;Heinrich&amp;quot; illustriert die mittelalterliche Ordnung im Gewand von metaphorischen Tierfiguren und ihrem Verhalten miteinander. &lt;br /&gt;
Mit dieser Erkenntnis können jetzt Umstände, die in der Welt der Tiere auftreten, interpretiert und auf die mittelalterliche Welt übertragen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun also angebracht, die Aussagen, die in Reinhart Fuchs stecken, herauszugreifen, zu interpretieren und auf die mittelalterliche Welt anzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Menschliche oder Tierische Ordnung?===&lt;br /&gt;
Betrachtet man die Ordnung im Reinhart Fuchs, stellt man fest, dass vieles tierisch ist, aber auch menschlich wirkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man die Ordnung im Reinhart in einzelne Kriterien zerlegt und versucht diese Kriterien, entweder einer tierischen Ordnung oder einer menschlichen Ordnung (des Mittelalters) zuzuordnen, stößt man auf ein Problem. Denn es gibt wenige Kriterien in der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche definitiv zu der einen oder zu der anderen Art von Ordnung gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich gibt es nur zwei Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche klarerweise menschlich oder tierisch sind. Diese Punkte sind in dem Sinne klarerweise der einen Art von Ordnung zuzuordnen, als es sie in der anderen gar nicht geben könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erst Kriterium ist der Fakt, dass alle handelnden Figuren im Reinhart Fuchs Tiere, das heißt von tierischer Gestalt, Aussehen und Bewegung sind. Alle Subjekte auf die sich die Ordnung bezieht sind dementsprechend Tiere. So etwas kann es in einer menschlichen Ordnung nicht geben, weil hier offensichtlich alle Subjekte, auf die sich die Ordnung bezieht, Menschen sind. Tiere sind als Subjekt aus der menschlichen Ordnung kategorisch ausgeschlossen sein. Das erste Kriterium ist also klarerweise der tierischen Ordnung zuzuordnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Kriterium ist der Fakt, dass die meisten der Figuren in der Ordnung im Reinhart Fuchs einer expliziten Kultur angehören. Die Subjekte haben genügend Kognition Titel und Namen zu vergeben, eine Kultur zu erhalten (Rechtsprechung, Institutionen usw.) und dies mit Worten zu kommunizieren. Es ist ausgeschlossen, dass sich die Tiere in einer natürlichen tierischen Ordnung Titel und Namen geben und sich dementsprechend anreden - auch wenn sie das in anderer Form tatsächlich tun. Diese Bestandteile einer Kultur, insbesondere die Fähigkeit zur Sprache und Vergabe von offensichtlich menschlichen Titeln, wie &amp;quot;Herr&amp;quot;, können ausschließlich Teil einer menschlichen Ordnung sein. Dieses Kriterium ist also klarerweise der menschlichen Ordnung zuzuordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Uneindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle anderen Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs sind sehr schwer einer Art von Ordnung zuzuordnen, wenn es nicht gar unmöglich ist. Es gibt also ein großen Rest an Aspekten, welcher weder der menschlichen Ordnung noch der tierischen Ordnung zugeteilt werden kann. Umgekehrt könnte man sagen, dass die meisten Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs von der Art sind, dass sie sowohl menschlich als auch tierisch sein können. Bei diesen Kriterien kann man sich nicht entscheiden, mit welcher Art von Ordnung man es zu tun hat, weil es zu keiner klarerweise passt und gleichzeitig zu beiden. Das ist der Punkt, welchen Heinrich uns aufs Deutlichste unter die Nase reiben möchte. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der These ein paar beispielhafte Kriterien der Ordnung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst ist das Kriterium der Macht im Reinhart Fuchs ganz klar die Kraft und mit ihr verbunden die Gewaltbereitschaft. Wie deutlich ist der Grad an dieser Art der Macht entscheidend für die Position in der Hierarchie. In einer tierischen Ordnung wird der Stärkere das Rudel führen, über Handlungen entscheiden und über die Schachen richten. Das ist ein grundlegendes Gesetzt der Natur, nämlich das Recht des Stärkeren. Aber auch in der mittelalterlichen Gesellschaft der Menschen ist Kraft und Gewalt ein nicht wegzudenkendes Kriterium der Macht. Gewalt sollte zwar das letzte Mittel der Machtausübung sein, sie ist aber unentbehrlich und dementsprechend grundlegendstes Kriterium der Macht. Zugegeben es gibt in einer menschlichen Gesellschaft durchaus andere Formen der Macht, wie Erpressung oder Beziehungen und weiter ist auch Kraft nur übertragen als eine Art Zugang zu Kraft (nicht der König, sondern sein Heer kämpft) zu verstehen. Aber die Form, die greift, wenn alle anderen Formen der Macht in der menschlichen Ordnung wegfallen (bspw. durch Aufstände oder Krieg), ist die allgemeinste Form der Macht, die Gewalt und (übertragene) Kraft. Wenn bspw. die Bauern ihre Tribute nicht mehr zahlen wollen oder unter kriegerischen Auseinandersetzung die Ressourcen zur Diplomatie fehlen, dann muss die Ordnung mit Händen und Füßen wiederhergestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Punkt ist der grobe Aufbau der Ordnung in Reinhart Fuchs. Wie es im Tierreich eine lineare Hierarchie von den schwachen zu den starken Tieren - nach dem Motto die Einen fressen, die Anderen werden gefressen - gibt, so gibt es auch in der mittelalterlichen Ordnung der Menschen eine lineare Hierarchie. Sie zeichnet vom schwächeren Individuum zum nächst stärkeren Individuum eine Leiter, deren Ende dadurch erkennbar ist, weil über dieser Position keine weitere folgt. Manch einer könnte behaupten, dass diese Form der Macht und dieser Aufbau der Macht auch heute noch unausgesprochen vorhanden ist. Denn für jeden Menschen gibt es auch heute noch einen anderen, der über jenem steht und einen weitern, der über diesem steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner ist auch der besondere Aufbau der Ordnung im Reinhart Fuchs schwer zuzuordnen. Sowohl Tiere als auch Menschen fügen sich in Gruppen zusammen, wobei die Mitglieder dieser Gruppen von ähnlicher Art sind und diese relativ zu den anderen Gruppen und ihren Mitgliedern unterschiedlich. Die Tiere gehen mit Tieren gleicher Stärke Zweckbeziehungen ein (so wie der Dachs und der Fuchs ), um voneinander zu profitieren. Sie bleiben in ihren Familien und bei ihrer Art, weil diese von gleicher Stärke ist und ähnliche Probleme bzw. Bedürfnisse haben (bspw. ein Rudel Wölfe aus unterschiedlichen). Und sie schließen sich zu größeren Gemeinschaften aus unterschiedlichen Tieren von ähnlicher Stärke, ähnlicher Größe, ähnlichen Problemen und ähnlichen Bedürfnissen zusammen (bspw. Antilopen, Zebras und Gnus). Genauso pflegen es auch die Menschen - innerhalb einer allgemeinen Ordnung - Zweckbeziehungen zu führen, sich mit Gleichgesinnten und ähnlich Beschaffenen zu verbünden und innerhalb der Familie und des Standes zu bleiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Zugehörigkeit zu den Gruppen sowohl beim Menschen als auch beim Tier scharf geregelt. Wie beim Tier, so wird man bei den Menschen in einen gewissen Stand und in eine gewisse Gruppe eingeboren. Sowohl bei den Menschen (als angeborener Stand mit oder ohne Privilegien) als auch bei den Tieren (als angeborene Größe und Statur) scheint es gar unmöglich über diese angeborenen Grenzen hinweg zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst Intrigen, Bündnisbrüche und Treuebrüche, wie sie im Reinhart Fuchs vorkommen, sind bei einer menschlichen Ordnung nicht ausgeschlossen. Sowohl bei den Tieren als auch bei den Menschen schickt sich immer wieder jemand an eine Machtstellung in Frage zu stellen oder ein Übereinkommen aus eigenen Interessen zu brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Folgerung und Kritik====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Punkte sollen nur auf die große implizite Frage hindeuten, welche Heinrich dem Rezipienten stellt: Sag mir, spreche ich von einer menschlichen oder einer tierischen Ordnung? Und die Antwort, die er hören will ist: Ich weiß es nicht. Dieses ernüchternde Ergebnisse soll aufmuntern darüber nachzudenken, welche Dinge den Rezipienten dazu bringen zu glauben, man habe es mit keiner von beiden oder mit beiden gleichzeitig zu tun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner bezieht Heinrich mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung in Reinhart Fuchs zu der Ständegesellschaft des Mittelalters diese schwere Frage auch auf die Ordnung des Mittelalters. Heinrich weist hier darauf hin, dass auch im Kontext der mittelalterlichen Ordnung der Menschen die Frage, ob es sich tatsächlich um eine menschliche Ordnung handelt oder nicht, immer schwerer wird. Jedem sollte daraus klar werden, dass menschliche und tierische Ordnung sich in vielerlei Hinsicht zunehmend ähnlicher werden und die Grenzen gar drohen gänzlich zu verschwinden. Folglich sollte jeder daran arbeiten diese Grenzen zwischen tierischer Ordnung und menschlicher Ordnung wieder trennscharf zu machen. Denn es bleibt die Intuition, dass unsere Ordnung der tierischen weitaus überlegen ist, wodurch die Unterscheidung leicht ausfallen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich will also mit dem Erschaffen einer verblüffend menschenähnlichen Gemeinschaft aus Tieren zu bedenken geben, dass die menschliche Ordnung droht in Zustände zu verkommen, in denen man sie gar nicht mehr von der tierischen unterscheiden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kritik zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung===&lt;br /&gt;
Die Figuren und ihre Beschaffenheit sind für eine Ordnung von zentraler Bedeutung. Auf sie wirkt die Ordnung ein und von ihnen wird die Ordnung aufrecht gehalten. Bei der Wahl einer adäquaten Metapher für die Figuren der menschlichen Ordnung, kam Heinrich auf Tiere. Schon das ist Indiz für eine kritisches Urteil über die handelnden Figuren in der menschlichen Ordnung, nämlich die Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====[[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Figurencharakteristik]] und Handlungsmotiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein lässt sich sagen, dass die [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|handelnden Figuren in Reinhart Fuchs]] Tiere sind. &lt;br /&gt;
Diese Tiere nehmen vorwiegend menschliche Eigenschaften an, nicht zuletzt die Fähigkeit zu Sprechen. Neben ihrer Gestalt und ihrem Aussehen macht sie wenig zu wirklichen Tieren. Doch die meisten Eigenschaften und Charakteristika der Tiere - außer ein paar Ausnahmen bei dem die Tiere beschrieben werden -  werden dem Leser erst durch ihr Handeln bewusst (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Folglich ist das, was sie überhaupt zur Handlung treibt, von äußerstem Interesse. Das vorwiegende Motiv, welches die Tiere zum Handeln bewegt, ist von solcher Art, dass es wiedermal sowohl dem Tier als auch dem Menschen zugeordnet werden kann. Es handelt sich um den Drang nach Nahrung, nach Sex, nach Selbsterhaltung und nach Macht. Kurzum: Es handelt sich um den Drang grundlegendste Bedürfnisse zu befriedigen. Beispiele hierfür wären, der Drang des Wolfes nach Futter(vgl. RF, V. 648-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der (egoistische) Drang des Löwen zur Selbsterhaltung (vgl. RF, V. 1873-1891)[Heinrich der Glîchezâre 2005] und der Drang des Elefanten und des Kamels nach Macht (vgl. RF, V. 2097-2108, 2120-2135)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Aus dieser Art Drang werden die meisten Handlungen begangen und wiederum aus diesen Handlungen realisieren sich die Charaktereigenschaften der Tiere (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben wir es nun in der Ordnung des Reinhart Fuchs mit menschenähnlichen Tieren zu tun oder eher mit Menschen, welche noch einiges vom Tier mit sich tragen? Auch diese Entscheidung macht uns Heinrich schwer. Tatsächlich gibt es Eigenschaften die klarerweise für Tiere sprechen und Eigenschaften die klarerweise für Menschen sprechen. Aber das Motiv zu handeln, woraus die meisten Eigenschaften - außer natürlich die tierische oder menschliche Gestalt selbst - hervorgehen, ist sowohl tierisch als auch menschlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an Eigenschaften und Motiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Figuren im Reinhart Fuchs offensichtlich von tierischer Gestalt sind, bleibt offen, ob diese zusammengenommen tatsächlich Tiere sind oder doch Menschen. Mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung von Reinhart Fuchs zur Ständegesellschaft des Mittelalters, kann dieser Befund auch auf die Figuren der mittelalterlichen Ordnung übertragen werden. Heinrich sagt hier aus, dass auch die Figuren in der Gesellschaft des Mittelalters, d.h. die Menschen, in ihren Eigenschaften und Motiven zu Handeln so verkommen sind, dass es auch bei ihnen schwer fällt, zu entscheiden, ob es sich bei ihnen um Menschen oder Tiere handelt, obwohl sie ihr Gestalt nach klarerweise Menschen sein sollten. &lt;br /&gt;
Wenn solch eine Entscheidung schwer fällt, dann scheint einiges fragwürdig. &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung aussehen?&amp;quot;, &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung handeln?&amp;quot; und &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung beschaffen sein?&amp;quot;, damit klar wird, dass sie Menschen sind. Die Kritik soll eben all diese Fragen im Rezipienten aufrufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Nebenfolge des Handlungsmotivs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Art des Handlungsmotivs hat noch eine verhängnisvolle Nebenfolge, welche wiederum eine unschöne Charaktereigenschaft realisiert. Während das Ziel die Bedürfnisse zu befriedigen emsig verfolgt wird, mangelt es vor und bei der Ausführung der Handlung meist an der richtigen Überlegung, sodass viele der Handlungen der Tiere unbedacht und naiv wirken (bspw. der Wolf, der wegen seines Handlungsmotiv seinen Schwanz verlieren musste oder der Löwe, der der wegen seines Handlungsmotivs sein Leben verlieren musste). Die Tiere im Reinhart Fuchs geraten so häufig in eine Art Tunnelblick, der ihnen die Übersicht über die Handlungsumstände verwährt. Schließlich sind die Tiere dann, wenn das Motiv greift, nur auf die Befriedigung der Bedürfnisse aus und lassen andere Bemühungen um bspw. Vernunft fallen. Diese Nebenfolge des Handelns aus Begierde macht sie schwach und lässt sie nicht zuletzt oft dumm dastehen. Diese Nebenfolge tritt ebenfalls sowohl beim Tier als auch beim Menschen auf. Wie Tiere, so lassen sich auch Menschen viel zu oft von ihrem Trieb zu unüberlegten Handlungen verleiten, sodass sie dann auch oft naiv und unaufmerksam durch das Leben gehen. Heinrich weist darauf hin, dass auch dieser Punkt die Entscheidung, ob es sich bei den Figuren der mittelalterlichen Ordnung wirklich um Menschen handeln, schwerer macht. Weiter realisiert hier das Handlungsmotiv eine der problematischsten Charaktereigenschaften, die dem Meschen wie auch dem Tier eigen ist: das dumme Handeln aus Trieb. Darüber hinaus gibt er aber auch zu bedenken, dass eben diese Unüberlegtheit in manchen Handlungen - wie man noch sehen wird - den Menschen, so stark er auch ist, am verwundbarsten macht. Mit anderen Worten: Wir stellen uns oftmals genauso dumm an wie Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an einzelnen Vertretern der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen groben Kritikpunkten zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung werden dann auch einzelne Vertreter der Ordnung kritisch auseinander genommen. Allem voran der König leidet unter seinen charakterlichen Defiziten. Er ist wie sein Name &amp;quot;[[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|Vrevel]]&amp;quot; sagt zwar überaus stark, aber in vielen Situationen tollkühn und dummdreist (vgl. Bertau 1983, 21)[Bertau 1983]. Er, der gerade den Frieden erklärt hat, führt aus Zorn über Befehlsverweigerung kurz darauf wieder Krieg. Er kämpft als Größter gegen kleine Tiere und fühlt sich nach der göttlichen Aufgabe des Adels &amp;quot;tu protege&amp;quot; auch noch dazu verpflichtet (vgl. Neudeck 2016, 21)[Neudeck 2016]. Aus seinem Toben und seiner unüberlegten Gewalt erntet er die Quittung. Er muss für seine dummdreiste Art leiden und lässt gar am Höhepunkt der Handlung aus Angst vor dem eigenen Tod sein Leid zum Grund für weiters Blutvergießen werden. Aufgrund seines blinden Handeln um das Ziel der Selbsterhaltung zu erreichen, gerät er in den bereits erwähnten Tunnelblick. Dieser bewirkt, dass er keine Übersicht über die Handlungssituation mehr hat und sich nur noch auf sein Ziel konzentriert. All seine Macht nützt ihm nun nichts mehr, denn er handelt, wie beim Ameisenvolk, nach seinem Trieb, ist dadurch unaufmerksam und kann überlistet werden. Der Löwe und damit auch der König allgemein gesprochen, wird als ein tyrannisch-willkürlicher Machthaber skizziert, dessen bestimmte triebhafte Motive ihn zu Handlung führen, die ihn untreu, ungerecht und nicht zuletzt dumm aussehen lassen (vgl. RF, V. 1890-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980, 23)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Nach diesem überaus deutlichen Urteil Heinrichs über den obersten Machthaber, nimmt er sich den ganzen weiteren höheren Adel vor. Auch diese &amp;quot;Tiere&amp;quot;, d.h. auch Administrale des Königs, sind durch ihre Eigenschaften und Handlungsmotive äußerst kritisch gezeichnet. Beispielsweise handelt Brun der Bär nur aus Gier nach Nahrung, sodass der ehemals große Hofkaplan naiv wird und an einem Machtvolleren scheitert kann (vgl. RF, V. 1525-1559)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So ergeht es auch mehrfach [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|dem Wolf Isengrin]] (vgl. RF, V. 648-815, 873-955)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der aus Gier naiv wird und an dem selbigen Machtvolleren scheitern. Weiter ergeht es so auch dem Elefanten und dem Kamel, die aus Gier nach Macht, unüberlegt in fremde Lande reisen, nur um ebenfalls zu scheitern.&lt;br /&gt;
Ganz allgemein verfügt der größte Teil der Tiere im Reinhart Fuchs über eben solche Handlungsmotive, sodass der Großteil der Tiere auch als dumm bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich zeigt mit seinen verblüffend menschlichen Tieren nicht nur das allgemeine Problem der Figuren der mittelalterlichen Gesellschaft, sondern demonstriert auch an einzelnen Figuren der Ordnung, wie schwerwiegend sich die Defizite auswirken. &lt;br /&gt;
Er kritisiert folglich nicht nur den Menschen, der durch seine Motive und Eigenschaften gar nicht mehr vom Tier unterschieden werden kann, sondern explizit auch den König, seine direkten Bediensteten und größere Teile adeliger Gesellschaft, mit unter Barone, Weise aus fernen Ländern und etliche &amp;quot;Herren&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gefahr der Sprengung der Ordnung===&lt;br /&gt;
Zuletzt kommen wir zur größten und durchschlagskräftigsten Kritik Heinrichs an der gesellschaftlichen Ordnung des Mittelalters. Wo es noch bei den anderen Kritiken um die unbefriedigende Form und Beschaffenheit der Ordnung ging, geht es jetzt um etwas das die Ordnung als solche bedroht. Denn die Ordnung und ihr Aufbau ist so mangelhaft, dass sie Lücken aufweist. Diese Lücken können ferner von einer entsprechenden Figur, welche sie erkannt hat, aufgebrochen werden. Die Folge daraus ist nichts geringeres als eine katastrophale Sprengung der Ordnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Figur Reinhart Fuchs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommt die Hauptfigur der Erzählungs &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; ins Spiel. Auch Reinhart ist eine Figur der allgemeinen Ordnung in Reinhart Fuchs. Dementsprechend steht auch er nach seiner Gattung, seiner Kraft und Größe in einer spezifischen hierarchischen Position, sodass einige Tiere über ihm stehen und andere unter ihm. Trotzdem umgibt er sich, wie kein andere Figur, mit Tieren, die hierarchisch weit über ihm stehen. Ferner scheint es so als wäre er keiner Gruppe zugehörig, er steht nicht an irgendeiner Position fest, er ist vielmehr in ständiger Bewegung. Ultimativ gelingt es ihm alle Position zu übersteigen, dem obersten gegenüberzustehen und eben diesen verheerend seiner Position zu berauben. Wie kann es sein, dass ein relativ kleiner und schwacher Fuchs viele stärkere Tiere übergeht und selbst dem stärksten Tier &amp;quot;das Wasser reichen kann&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016, 22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Reinharts Mittel zur Macht====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart erkennt seine körperliche Unterlegenheit gegenüber anderen Tieren. Aber Reinhart gibt nicht wie andere Tiere auf und beugt sich dem allgegenwärtigen Recht des stärkeren, sondern behilft sich eines anderen Mittels. Wie auch Hübner sagt, geht &amp;quot;aus seiner Not der körperlichen Unterlegenheit&amp;quot; ein anderes Mittel zur Selbsterhaltung hervor. So könne Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit &amp;quot;&#039;&#039;kundekeit&#039;&#039;&amp;quot; für seine Selbsterhaltung sorgen (vgl. Hübner 2016, 87)[Hübner 2016]. Immer wenn Reinhart sich einem stärkeren Tier ausgesetzt fühlt, befleißigt er sich im Angesicht der Gefahr eines anderen Mittels der Macht, um der Kraft des Gegenübers die Stirn zu bieten. Er führt also neben der Kraft und Gewalt ein weiteres, von der allgemeinen Ordnung nicht vorgesehenes Kriterium der Macht auf das Spielfeld. Reinharts Mittel scheint zudem größere Wirkung zu haben als das Mittel, welches die allgemeine Ordnung vorsieht. Intelligenz verhilft dem Inhaber mithin zu einem größeren Grad an Macht als es Stärke tun könnte. Dies hat folgenden Grund: Die Intelligenz befähigt den Intelligenten genau das auszunutzen, was den Starken unabhängig von seinem Grad an Stärke machtlos macht. Die starken Tiere lassen sich von ihren Handlungsmotiven in unüberlegte Handlungen treiben. Genau dann, wenn die starken Tiere so unaufmerksam und so unüberlegt in ihrem Handeln sind, kann der Intelligente daraus seinen Vorteil ziehen. In dem Sinne besteht Intelligenz hier zunächst in der &amp;quot;aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation&amp;quot; (vgl. Hübner 2016, 88)[Hübner 2016]. Reinhart ist sich über Begierden seiner viel stärkeren Gegenüber bewusst, führt sie in unüberlegte Handlungen und macht es sich so leicht die Dummen zu überlisten (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Reinhart hat folglich ein Rezept für seinen Erfolg. Er ist einer von wenigen Intelligenten Tieren und sieht sich in vielen Situationen gezwungen im Angesicht von Gefahr seine Intelligenz zu seinem Vorteil zu nutzen. Dies gelingt ihm deshalb so gut, weil die meisten Tiere die gleichen Handlungsmotive haben, welche für Reinhart gut vorhersehbar sind (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980]. Zudem verfügt Reinhart über weitere Fähigkeiten, wie z.B.: Rethorik, welche es ihm erlauben seinen Gegenüber gemäß seiner Motive zu Handlungen zu überreden, die ihn verwundbar machen. Reinhart weiß es den &amp;quot;Willen der anderen zu kanalisieren&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016; 23,24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
Den absurden Höhepunkt findet dies in der Überlistung der obersten Instanz der alten Hirarchie (vgl. RF, V. 2220-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So kann Reinhart, wie bei allen anderen starken Tieren, auch das stärkste Tier durchschauen, seine Handlungsmotive vorhersehen, diese durch seine Redekunst zu seinem Vorteil ausnutzen und dann, wenn der Dumme am verwundbarsten ist, zuschlagen. &lt;br /&gt;
Reinhart hat es geschafft, sich mit seiner (erlernten) Intelligenz über die Grenzen seiner Gattung hinwegzusetzen, seine ehemals festen Position der Hierarchie zu verlassen, in andere Positionen zu wandern und letztendlich sich über die Instanz zu stellen, über der niemand anderes stehen dürfte. Er sprengt damit die alte allgemeine Ordnung und erschafft eigens eine neue, in der das Kriterium der Macht Intelligenz ist (vgl. Neudeck 2016; 24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertragen auf die Gesellschaft des Mittelalters zeigt Heinrich hiermit, dass die vorherrschende Ordnung mit den unüberwindbaren Ständen und der allbekannten Machtverteilung nicht unzerstörbar ist. In der Tat ist sie, sieht man auf die anderen Punkte der Kritik, durch ihren  Aufbau und Beschaffenheit - insbesondere die monarchische Spitze- in einer solch miserablen Verfassung, dass sie gestürzt werden kann. Dafür braucht es nicht einmal einen stärkeren König, der es vermag die Ordnung mit Gewalt zu stürzen. Es genügt eine winzige Figur, die es versteht die miserable Verfassung der Ordnung zu ihrem Vorteil auszunutzen, um die Ordnung in ihren Grundfesten zu sprengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verbunden richtet Heinrich einen Appell an alle Rezipienten. Sollte man weiter auf Motiven, Charaktereigenschaften und Ordnung verharrt, welche man mehr oder weniger mit den Tieren teilt, ohne dass man etwas gegen diese Mängel unternimmt, so bleibt auch die Gefahr einer Sprengung der Ordnung. Kurz: Wenn man sich weiter so dumm anstellt, findet sich schnell jemand, der schlauer ist. Da man nicht schnell genug über sich selbst gerichtet hat, wird dieser dann über den Adel richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit: konstruktive Satire oder doch destruktive Kritik?==&lt;br /&gt;
===Aufgreifen der Hypothese===&lt;br /&gt;
Die Entscheidung solche Parallelen sichtbar und damit verbunden den kritischen Bezug auf die mittelalterliche Gesellschaft deutlich zu machen, wurde, so lautete die Hypothese, nicht ohne Grund gefällt.  &lt;br /&gt;
Nur welchen Grund hat Heinrich, solch scharfe Aussagen zu treffen? Ferner: Welches Ziel verfolgt er mit dem Einfügen dieser unterschwelligen Aussagen? Sind seine Ziele genauso drastisch wie seine Aussagen? Befindet Heinrich eine Reorganisation für nötig? Oder ist es ihm etwa ein Anliegen, mit der feudalen Subgesellschaft abzurechnen? Weshalb sonst sollte er vor allem so kritisch gegen den adeligen Teil des Spektrums der Ordnung vorgehen. Er kritisiert Hofstaat, Administration, feudale Moral und nicht zuletzt die ultimative Machtinstanz, den Monarchen. Macht ihn das nicht anti-feudal? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich ist nicht anti-feudal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von solchen Argumentationen ist aus verschieden Gründen abzusehen(vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980] . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Anonymität des Namens &amp;quot;Heinrich&amp;quot;, kann man davon ausgehen, dass der Autor, wie die meisten Autoren dieser Zeit, selbst dem Stand nach adelig war. Er schrieb über den Stand, von dem er am meisten interne Informationen sammeln konnte. Nur mit der grundlegenden Auseinandersetzung der Struktur des Adels konnte er zu einer solchen expliziten und empfindlich genauen kritischen Haltung insbesondere gegenüber den Figuren des Adels gelangen. Er war aber in diesem Sinne keinesfalls um eine destruktive Kritik bemüht, denn er war faktisch Teil des Standes. Mit Auflösung oder dramatischer Reorganisation der Stände inklusive des Adels wäre auch er als privilegiertes Mitglied des Adels negativ betroffen. Dies hätte kaum seine Absicht sein können (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus war die Literatur, die er schrieb, in der Form exklusiv, als sie ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Das Publikum war dementsprechend Adel, sodass es sich anbot, auch über den Adel zu schreiben. Die Kultur, die im Adel vertreten war, war in größtem Grade unterschiedlich zu der, die in der &amp;quot;wirklichen&amp;quot; Welt vorherrschte. Die Welt, in der die Handlung stattfindet, und die Themen, um die sich die Handlung dreht, sollten, damit das geneigte Publikum thematisch anknüpfen kann und &amp;quot;mitspielt&amp;quot;, möglichst nahe an der Realität des Publikums sein. Kein Adeliger hatte vor, bei solch einer Lesung über den Hunger der Bauern, die unfairen Lehensabgaben geschweige denn über die alltäglichen Probleme des einzelnen Bauern nachzudenken, sondern wollte sich allen voran amüsieren. Helden, Bösewichte, schöne Jungfrauen, Kämpfe und politische Intrigen waren da unterhaltsamer. Man musste sozusagen die Themen und Inhalte der Welt in verträgliche Happen schneiden, sodass das adelige Publikum bereit war die Inhalte anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich schreibt keine destruktive Kritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man, wenn man es genau nimmt, auch nicht von einer harten Kritik, wie in einem heutigen sozialkritischen Roman, sprechen, sondern von einer kritischen Satire. Die Kritik war nicht als scharfe Ermahnung oder eine strenge Belehrung, sondern eher als satirisches Aufheitern zum Nachdenken gedacht.&lt;br /&gt;
Heinrich wollte kaum darstellen, wie und warum die Ordnung zum Scheitern verurteilt ist, oder nach Illustration der Untragbarkeit der derzeitigen Situation in der Weise gar zu einer Reorganisation raten. Er war kein Revolutionär. Denn er selbst profitierte aus der Aufrechterhaltung des Adels und der geläufigen Ständeordnung. Wie Ruh pointiert, müsse derjenige, der schon &amp;quot;eine Welt gewonnen&amp;quot; hat, eine selbstkritische Position gewinnen, nicht um Gewonnenes zu zerschlagen, sondern um es zu bewahren (vgl. Bertau 1983, 28)[Bertau 1983] (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. Außerdem gab es zu dieser Zeit (12. Jahrhundert) keine weitere Ideologie, welche den Adelsstand hätte gefährden und eine destruktive Kritik hätte begrüßen können (vgl. Ruh 1980, 32)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich fand während seines Lebens in der adeligen Gesellschaft - vermutlich in der eigenen Erfahrung mit dem Adel - seine Gründe die Strukturen kritisch zu erwähnen. Ob Heinrich nun selbst oder durch einen Auftraggeber zu einem Grund kam die Idealwelt zu &amp;quot;demaskieren&amp;quot; (vgl. Ruh 1980, 16,32)[Ruh 1980] ist weniger wichtig. Wichtiger war die Wirkung, die er sich von seinem Handeln versprach. &lt;br /&gt;
Ziel war nicht mehr als in angeheiterter Stimmung dem adeligen Publikum unterschwellig einige kritische Themen zu vermitteln und sie so anzustimmen über diese nachzudenken.&lt;br /&gt;
Er wies auf Gefahren und Bedrohungen hin, um ein längeres Fortbestehen der Ordnung zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas war mit Sicherheit nicht seine primäre Aufgabe als Schreiber. Die tatsächliche Aufgabe eines Schreibers war generell Geschichten zu sammeln und diese zum Amüsement der feudalen Gesellschaft aufzubereiten. &lt;br /&gt;
Heinrich im Besonderen ist zu Gute zu halten, dass er es inhaltlich nicht bei bloßer Unterhaltung beließ, sondern einen Schritt weiterging. Er nutze seinen Einfluss bei der richtenden Gesellschaft, schrieb satirisch-unterhaltsam und verstecke in diesem satirischen Gewand seinen konstruktiven Beitrag zur Erhaltung der Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler, Gabriela: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung für Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983, S. 19-29.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 13-32.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 11 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_St%C3%A4ndegesellschaft_der_Tiere_in_%22Reinhart_Fuchs%22&amp;diff=29475</id>
		<title>Die Ständegesellschaft der Tiere in &quot;Reinhart Fuchs&quot;</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_St%C3%A4ndegesellschaft_der_Tiere_in_%22Reinhart_Fuchs%22&amp;diff=29475"/>
		<updated>2020-09-01T14:24:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Einführung mit Hypothese */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel verbindet eine &#039;&#039;Analyse der Herrschafts-Hierarchie&#039;&#039; der Tiere in &#039;&#039;&amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;&#039;&#039; mit einer &#039;&#039;Interpretation der einhergehenden Parallelen&#039;&#039; zur Standesgesellschaft des Mittelalters.&lt;br /&gt;
Die Interpretation lenkt hierbei den Fokus auf verborgene &#039;&#039;kritische Aussagen des Autors&#039;&#039; zu Gesellschaft, Macht und Ordnung und schließt mit einem &#039;&#039;Ausblick auf das Ziel&#039;&#039;, welches der Autor verfolgt haben könnte, als er jene Aussagen getroffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Unterfangens==&lt;br /&gt;
Weshalb sollte eine Analyse und eine Interpretation vorgenommen werden? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor weist implizit darauf hin, dass die Tiere detaillierter betrachtet sollten, da sie neben ihrer Tiergestalt nur zu geringem Teil wirklich &amp;quot;Tier&amp;quot; seien.&lt;br /&gt;
Das Motiv für dieses Unterfangen bildet der Umstand, dass sich der Autor dazu entschloss, den Tieren in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; unübersehbar menschliche Eigenschaften zuzusprechen. Somit ist es den Lesern möglich, die Tiere als menschliche Karikaturen zu sehen und Parallelen zwischen ihrem Zusammenleben und dem Zusammenleben der Menschen zu Lebenszeit des Autors zu ziehen. Die Idee des Autors, die hier im Hintergrund steht, wird auch &amp;quot;Anthropomorphismus&amp;quot; genannt. Kompatscher-Gufler beschreibt diese als eine Praxis, bei der man Tieren (bis zu einem gewissen Grad) menschliche Eigenschaften zuspreche, um Analogien zu deren Welt und ihrem Erleben zu erhalten (vgl. Kompatscher-Gufler 2017, 36)[Kompatscher-Gufler 2017]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Autor den Tieren in dieser Manier vermutlich nicht ohne Grund menschliche Eigenschaften zusprach, werden sich unter dem metaphorischem Gewand der Tiergestalt noch weitere Inhalte verstecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einführung mit Hypothese==&lt;br /&gt;
Lange vor der Zeit von freier Marktwirtschaft und der Idee &amp;quot;selbstgemachter Chancen&amp;quot; war die soziale Ordnung des Alltags noch äußerst streng gegliedert. Von Gott gegeben - so könnte man sagen - fügten sich die Menschen in einen ihnen angeborenen Stand ein, der spezifische Rechte, Pflichten, Privilegien und gesellschaftliche Funktionen vorsah. So betete man unterwürfig, verteidigte das Vaterland oder - wie die meisten es taten - arbeitete mit dem Ziel, seinen Teil zum gemeinsamen Leben beizutragen. &lt;br /&gt;
Tatsache ist: Die alltägliche Realität unterschied sich in vielerlei Hinsicht (christliche Tugend, Stände, Machtausübung) von der theoretisch idealisierten Ordnung.&lt;br /&gt;
Immer, wenn es Auschreitungen gegen die Ordnung gab, reagierten die Konstrukteure mit Mahnungen zur (selbstverständlichen) Normativität und Propaganda der ritterlichen bzw. geistlichen Tugenden. Es kam trotzdem immer wieder vor, dass sich einige Figuren innerhalb der Ordnung, sei es aus Ungerechtigkeit oder aus Angst, genötigt fühlten, gegen die Ordnung vorzugehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ordnung war sehr alt, wodurch sie jeder als Norm ansah. Das heißt aber nicht, dass die Ordnung so ideal war, wie sie der herrschende Teil bewertete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hypothese===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind jene Autoren dieser Zeit, denen sowohl das &amp;quot;Idealisierte&amp;quot; an der Ordnung als auch die Gefahr in der Differenz zur realen Situation bewusst war. Deshalb manifestierten sie die tatsächlichen Verhältnisse ihrer Zeit in ihren Veröffentlichungen. Vielleicht sogar, um das überwiegend feudale Publikum über die Realität im Gewand der Metapher aufzuklären. Einer dieser Autoren war &amp;quot;[[Heinrich der Glîchezâre]]&amp;quot;, der Autor des Tierepos &amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;. Im Hintergrund der oben aufgeführten Annahmen lässt sich folgende Hypothese aufstellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Spielmann&amp;quot; lässt nicht ohne Grund Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters erahnen. Er will das vorwiegend feudale Publikum über die maroden Strukturen der Ordnung aufklären.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Analyse==&lt;br /&gt;
Die Analyse soll methodisch die Gesellschaft der Tiere von den groben hin zu den besonderen Strukturen durchleuchten. Um die grundlegendsten Strukturen der Ordnung zu analysieren, ist es naheliegend, nach notwendigen Bedingungen - d.h. Existenzbedingungen - für eine grundlegende hierarchische Strukturen zu suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine simple hierarchische Ordnung verlangt mindestens zwei notwendige Grundsatzannahmen. Die Figuren in der Ordnung müssen sich (1) im allgemeinen wie im besonderen voneinander unterscheiden und (2) ein Kriterium dieser Unterscheidung (das Spezifikum) muss den Grund dafür darstellen, dass die Figur eine bestimmte hierarchische Position einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sicherung der Grundsatzannahmen: Übersetzung exemplarischer Textbelege ===&lt;br /&gt;
Zunächst sei also durch einige Textstellen belegt, dass die Tiere im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; (1) keineswegs von der gleichen Art sind und (2) bei einigen eine spezifische Eigenschaft besonderes ausgeprägt ist, welche ihnen eine hohe Position in der Hierarchie zusichert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(1) Die Tiere unterscheiden sich grundlegend voneinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;groß&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&#039;&#039;Kursiver Text&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was der helfant vnde der wisen, || Das waren der Elefant und der Wisent,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di dovchten Reinharten risen, ||  welche Reinhart wie Riesen vorkamen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die hinde vnde der hirz Randolt, ||  die Hinde und der Hirsch Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die waren Ysengrine holt, || welche Isengrin zugetan waren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Brvn der bere vnde daz wilde swin || Brun der Bär und das Wildschwein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wolden mit Ysengrine sin. || wollten Isengrin zur Seite stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|zv nennen alle mich niht bestat, || Ich befleißige mich nicht alle zu nennen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swelich tier grozen lip hat, || aber jedes große Tier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mit Ysengrine da; || war mit Isengrin da;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1103-1111)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;klein&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hase vnde daz kvneclin || Der Hase und das Kaninchen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnd ander manic tierlin, || und verschiedene andere kleine Tiere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des ich niht nennen wil, || die ich nicht alle nennen will, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der qvam dar vzer moze vil. || kamen in unzählbaren Massen herbei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;schön&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da was manic tier lvssam|| Es waren viele stattliche Tiere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnser beider kunne.|| unserer Verwandschaft da.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1220-1221)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;furchterregend und stark&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Isengrine qvamen die svne sin,|| Mit Isengrin kamen dann sogleich seine Söhne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|manic tier vreisam || und viele gefährliche Tiere;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Ysengrine qvamen dar san; ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1188-1190)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche die &#039;&#039;Klug oder Weise&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz einwiderredete nieman || Niemand gab Widerrede,&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|wen ein olbente von Thvschalan, || bis auf ein Kamel von Thuskulum,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di was vrvmic vnde wis	 ||  das war Fromm, Weise&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde dar zv vor alter gris. || und darüber hinaus von greisem Alter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1437-1440)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(2) Es gibt ein Spezifikum, welches einerseits ein weiteres Unterscheidungskriterium bildet und andererseits die Position in der Hierarchie rechtfertigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von hohem Grad, besteigt man eine hohe Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein lewe, der was Vervil genant,|| Ein Löwe namens Frevel,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gewaltic vber daz lant. || Herrscher über das ganze Land.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(...)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|si leisten alle sin gebot, || sie leisten alle seinem Befehl Gehorsam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was ir herre ane got. || er war nach Gott ihr Herrscher. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1241-1242; 1245-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des enwolden si niht volgen, || dem wollten sie nicht Folge leisten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des wart sin mvt erbolgen. || dadurch wurde sein Gemüt erzürnt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zorne er vf die burc spranc, || er sprang vor Zorn auf die Festung, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit kranken tieren er do ranc,|| da kämpfte er mit schwachen Tieren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte, daz iz im tete not.|| denn er dachte, dass er dazu verpflichtet sei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1255-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von niedrigem Grade, bleibt man auf einer niedrigeren Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der hase gesach des kvniges zorn, || Der Hase sah den Zorn des Königs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do want er zage sin verlorn. || da ahnte er, der Feigling, sein Verderben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ist noch der hasen sit. || Das ist noch immer des Hasens Art. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einordnung der Textstellen in den Handlungszusammenhang====&lt;br /&gt;
Textbelege (1) und (2) sind Ausschnitte aus dem Anfang der Gerichttags-Episode. Reinhart gewinnt schnell wieder die Überhand über das Geschehen und die Tiere um sich. Nach einer ganzen schmachvollen Episode, in der Ysengrin auf verschiedenste Weisen von Reinhart gedemütigt und entmannt wurde, konnte sich selbiger wieder mit seiner Familie vereinigen und ist zur Fehde entschlossen. Einem Verwandten des Fuchses, dem Luchs, ist es zu verdanken, dass doch ein rechtlicher Weg einschlagen wurde. Er bewirkt einen Gerichtstag, an dem Reinhart sich verantworten soll. Den Anfang dieses Gerichtages macht eine Aufzählung der Teilnehmer, welche zum Teil in (1) und (2) wiederzufinden ist. Unglücklicherweise ist jene Tagung nicht von langer Dauer und führt zu einer plötzlichen Flucht des Angeklagten mit anschließender Verfolgungsjagd bis in einen Dachsbau. Damit nicht genug, lässt sich der Verfolgte nochmals zu einer Untat an der Frau des Klägers herab.&lt;br /&gt;
Textbelege (3) und (4) schließen direkt daran an. Denn der bestürzte Ysengrin kam nur allzu spät mit seinem in (4) beschriebenen Gefolge hinterher, um eine Chance zu haben, den Missbrauch an seiner Gattin zu verhindern. Mit diesem Unglück konfrontiert, bricht er ihn große Klagen aus. Er nennt unter anderem die glückliche Heirat des Paares (3), währenddessen der Täter schon längst geflohen ist. Damit endet die Episode des Gerichtstags (vgl. auch Ruh 1980; 21,22)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1035-1238)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textbelege (6) und (7) sind Ausschnitte aus einer Zwischenepisode, welche direkt auf die Gerichtags-Episode folgt und den Ursprung der handlungskonstitutiven Krankheit, an der der König leidet, erklären soll. Der in (6) beschriebene König hat einen Landesfrieden beschlossen. Doch als er auf ein Ameisenvolk stößt, fordert er die unweigerliche Gefolgschaft der Ameisen. Nach der Weigerung der Ameisen den Befehlen des Königs Folge zu leisten (7), überspringt dieser ein Ultimatum und erklärt dem kleinen Volk kurzerhand den Krieg. Der Ameisenherr kommt zu spät zum Geschehen hinzu und erfährt von seinem aufgebrachten Volk, ihre vortrefflichen Burgen seien von dem Tyrann zerstört worden. Mit Rache in Absicht kriecht der Ameisenherr in einer ruhigen Minute in das Ohr des Königs, um dem Kriegstreiber schreckliche Kopfschmerzen zu bescheren. Der &amp;quot;Vrevel&amp;quot;, von Kopfschmerzen heimgesucht, deutet dies als ein Urteil Gottes aufgrund der Versäumnis des Gerichtstags und ruft prompt einen Hoftag ein.&lt;br /&gt;
Dieser Hoftag bildet eine erneute Gerichtssituation, in der nun aber der König auf dem Richterstuhl sitzt. Viele große und kleine Tiere, manche sogar aus fernen Lande, kamen zu dieser großen Versammlung. Ysengrin trägt, in Abwesenheit von Rheinhart, dem Plenum seine Klagen vor, in deren Anbetracht die Wut des Königs erneut entfacht wird (8). Über Reinhart wird anschließend übereinstimmend geurteilt. Doch ein Kamel aus Tusculum, welches dem Hoftag auch beiwohnte, erhob Einspruch (5). Es plädierte auf das Recht Reinharts, man müsse ihn dementsprechend erst dreimal vorladen. Nach dreimaliger Vorladung erscheint Reinhart dann doch. Seine Anwesenheit bedingt schließlich eine Kette von Ereignissen, die ultimativ zum Kollaps des Herrschaftskonstrukts und damit zur Klimax der Erzählung führen (vgl. auch Ruh 1980; 23,24,25)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1239-2248)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
Aus den Grundannahmen lässt sich schließen, dass sich die Tiere in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; durch ihre Spezies und deren biologisch-evolutionäre Eigenschaften unterscheiden.&lt;br /&gt;
Ferner unterscheiden sich die Tiere nicht nur und leben in einer offenen pluralistischen Gemeinschaft, sondern sind an eine hierarchische Ordnung gebunden. Diese Ordnung verlangt eben diese dargelegten Differenzen und sortiert selbige nach einem Kriterium in eine Rangfolge. &lt;br /&gt;
Die Tiere unterscheiden sich durch ihre Größe und ihre äußere Gestalt, welche ihnen entsprechende Kräfte geben, sodass das große und fülligste Tier kräftiger ist als das kleine und schmächtige. Diejenigen Tiere, die nun durch ihre Gestalt an größerer Kraft verfügen, stehen über denen, die durch ihre Gestalt weniger oder keine Kraft zur Verfügung haben. Die Stellung wird dann durch das &amp;quot;Betätigen der Kraft&amp;quot;, d.h. die Gewaltausübung, gesichert und aufrechterhalten, somit ist auch die Gewaltbereitschaft ein wichtiger Faktor für die hierarchische Stellung. Der Löwe sichert bspw. seine Stellung gegenüber den Ameisen, welche seine Stellung in Frage stellten (vgl. RF, 1252-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stellung in der Hierarchie wird also durch die Macht eines Individuums über das Andere gerechtfertigt, wobei hier das Kriterium der Macht physische Kraft und Gewalt ist (vgl. auch Neudeck 2016; 12,13,22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Besonderen===&lt;br /&gt;
====Gruppenbildung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Figuren in der Erzählungen fügen sich in diese grobe Ordnung ein und besetzten gemäß ihrem spezifischem Grad an Macht eine Position in selbiger. Es ist jedoch nicht nur die Stellung des Einzelnen in der Ordnung, die im Laufe der Erzählung explizit wird, vielmehr werden auch anhand von Merkmalen der Zugehörigkeit kleinere Gruppierungen erkennbar, die sich in die allgemeine Ordnung einfügen. Die Mitglieder der jeweiligen Gruppierungen liegen ungefähr auf einer Ebene der Hierarchie. Man kann sagen, dass die starken Tiere sich anderen starken Tieren zugehörig fühlen und die schwachen anderen schwachen - bspw. die Tiere des Hofapperates oder die Hühner.  Da diese Gruppen aber genauso Teil der allgemeinen Ordnung sind wie auch der Einzelne in der Gruppe, gibt es auch innerhalb der Gruppe solche, die einen Herrschaftsanspruch über die anderen Mitglieder haben - bspw. der Wolf Isengrin als oberstes Mitglied des Wolfsrudels. Damit gestaltet sich die Hierarchie der Tiere in Reinhart Fuchs so, dass auf Mikroebene ein Individuum (nach seinem Geschlecht) über dem anderen steht, wobei auf Makroebene eine Gruppe (von stärkeren unterschiedlichen Geschlechts) über der Anderen steht. Ferner: Wenn die Rede von einer Vetternschaft ist, so ist die Bindung in einer Gruppe von gleich starken oder gleich schwachen (Bspw. die Vetternschaft zwischen Katze, Fuchs, Luchs und Wolf (vgl. RF; 313-315, 453-455, 1070-1078)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint. Wenn aber die Rede von Geschlecht ist, so ist die spezifische Gattung des Tiers (bspw. Füchse oder Ameisen (vgl. RF, 1267-1269, 1164-1166, 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint, welches es in eine spezifische, der Gattung eigene Position in der Hierarchie zwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quantität und Qualität der Gruppen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Gruppe varriert, wie deutlich wurde, in der Qualität ihrer Mitglieder - d.h. in der physischen Beschaffenheit -, aber auch in der Quantität der Mitglieder. Dabei sind die Gruppen mit den stärksten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die kleinsten (siehe kleine Hofgefolgschaft), und die Gruppen mit den schwächsten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die größten (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005], sodass die Hierarchie graphischen am besten als eine Pyramide vorstellbar ist. Klettert man die Pyramide vom Boden hinauf, so startet man in einer ersten riesigen Gruppe, deren Mitgliedern von schwächster Gestalt sind. Mit zunehmender Höhe werden die Gruppen dann immer kleiner und ihre Mitglieder immer stärker, bis man sich an der Spitze der Pyramide befindet, an der keine Gruppe mehr steht, sondern ein einziges Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Position der Gruppen in der Hierarchie====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der die oberste Stellung in der Hierarchie einnimmt, ist der Stärkste und Gewaltbereiteste, der Löwenkönig (vgl. RF, V. 1240-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Er nimmt eine singuläre Postion ein und steht - in der vorherrschenden Ordnung - mit keiner anderen Figur auf einer Höhe. Er ist die Figur, bei der es am einfachsten gelingt sie in eine Position einzuordnen, weil es keine andere Figur gibt, die über vergleichbare Stärke verfügt wie sie. Direkt darunter befindet sich eine Gruppe aus äußerst starken Tieren unterschiedlichsten Geschlechts, welche den Hofapparat bildet. Dazu gehören beispielsweise Brun der Bär, der Leopard, Reinhold der Hirsch und Weitere (vgl. RF, V. 1329-1339)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Andere beispielhafte Gruppen wären - hierarchisch absteigend - die Wolfsfamilie und deren Verbündete/Verwandten im Gerichtstag (vgl. RF, V. )[Heinrich der Glîchezâre 2005] , der Hahn Dizelin und seine Hennen, das Volk der Ameisen und die Schar der unbenannten kleinen Tiere, die in dem Sinne eine Gruppe bilden, als es von ihnen so viele gibt und sie so unwichtig für die Handlung sind, dass sie zu benennen nicht nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zugehörigkeit und Bindung zur Gruppe====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde deutlich: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist nicht gewählt. Ganz ihm Gegenteil sind die objektiven Eigenschaften, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bzw. einer Gattung determinieren, durch die Natur verteilt und grundlegend nicht veränderbar. Denn eine Maus kann aufgrund ihres Geschlechts nicht plötzlich einen Löwen gebären, sondern auf ewig nur Mäuse. Diese Maus und die Gruppe von schwachen Tieren, zu der sie gehört, kann weder selbst im Rang aufsteigen noch Nachkommen zeugen, die das können werden. Letztendlich sind die Figuren durch ihre Gattung relativ fest an ihre Position in der Hierarchie gebunden. Beispielsweise ist ein Bär ein starkes Tier und wird auch immer starke Nachkommen haben, wird folglich auch immer in einer kleinen Gruppe von starken Tieren (Hofgefolge) bleiben, kann und wird aber aufgrund seiner vererbten physischen Eigenschaften nie ein stärkeres Tier werden. Damit kann der Bär seinem gebürtigen Stand nach nie den Löwen an Stärke übertreffen. Genauso wird der Wolf immer ein relativ starkes Tier bleiben, aber nie Nachkommen haben, die plötzlich stärker sind. Schließlich wird man in eine Position eingeboren, wobei es der physischen Gestalt nach unmöglich ist in der Position ab oder aufzusteigen und man sich in einer Gruppe von Tieren wiederfindet, die von unterschiedlichem Geschlecht sein können, sich aber in ihrem Grad der Stärke ähneln. Anzumerken ist hier auch, dass die angeborene Kraft kein Zufall ist, sondern göttliche Fügung. Im Reinhart Fuchs wird mehrmals angedeutet, dass die Kraft des Geschlechts von Gott vorgesehen ist. Der König &amp;quot;Vrevel&amp;quot; ist nach Gott der Herrscher und deutet selbst seine Schmerzen als Bestrafung Gottes, weil er seiner (göttlich herbeigefügten) Aufgabe als oberster Richter im Gerichtstag nicht nachkam (vgl. RF; V. 1245-1246, 1318-1320 )[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eine Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beschreibung der besonderen Strukturen lässt eine zentrale Figur aus. Zunächst lässt sich beschreiben, dass auch Reinhart einer Gattung angehört, welche ihn (nach der hier geschilderten Ordnung) in eine spezifische hierarchische Position zwingt. Schwieriger wird es Reinhart einer Gruppe aus ähnlich starken Tieren zuordnen, denn teils bricht er das Bündnis zu gleichgestellten (siehe die Vetternschaft mit dem Kater Diepreth) teils hält er an selbigem fest (siehe Bündnis mit dem Dachs Krimel). Es fällt nicht nur schwer eine geeignete Gruppe für ihn zu finden, viel schwerer fällt es unter den genannten Kriterien ihn in eine hierarchische Position einzuordnen. Er ist einerseits mit anderen Tieren seiner Stärke vergleichbar, anderseits in seiner Position und Machtstellung unvergleichbar und besonders. Aufgrund der Unmöglichkeit einer Festsetzung in eine Position kann man gar von einer Möglichkeit der Bewegung zwischen den Gruppen sprechen. Diese Besonderheit ist für die aufgeführte Art der Ordnung eine direkte Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Allgemeine Parallelen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Analyse sollte eines schon deutlich geworden sein: Die Ordnung der Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs ähnelt stark der Ordnung, in der man zur Lebenszeit des Autors lebte. In der Tat war die Gesellschaft des Hochmittelalters äußerst autoritär geordnet. Die Mächte und Gewalten waren klar verteilt, sodass es im groben nur zwei Arten von Menschen gab: die Herrschenden und die Beherrschten. Ein Individuum, das mit mehr Macht ausgestattet war und Gewalten zur Verfügung hatte, stand, um es einfach zu sagen, über demjenigen, der keine oder weniger Macht oder weniger an Gewalt zur Verfügung hatte und sich damit beherrschen ließ. Auch wenn es bei dieser Art der Macht weniger um physische Statur ging, als um Ressourcen, Zwang und Bedrohung, ist auch diese hierarchische Ordnung, wie auch die der Tiere, grundlegend auf Gewalt und Macht aufgestellt. Nun sind die drei prominenten großen Stände des Mittelalters - Adel, Klerus und Bauern -, wie die Gruppen im RF, in diese Ordnung eingebettet, sodass auch diese hierarchisch übereinander geordnet sind. Die Mitglieder eines Standes hatten einen ähnlichen Grad an Macht und dieselben, dem Stand eignen Aufgaben. Tatsächlich wurde dieses Konstrukt, wie auch das Konstrukt in RF, graphisch häufig in Form einer Pyramide dargestellt. Dies Stände in dem Konstrukt waren jedoch - orientiert an der großen Trinität - nur sehr grobe Gruppierungen nach den generellsten Aufgaben und Machtansprüchen, unter denen wiederum viele kleine Gruppen subsumiert wurden. Jeder Stand hatte - gemäß dem Schaubild der allgemeinen Ordnung - für sich selbst nochmals eine interne hierarchische Struktur. Beispielsweise gab es im Stand des Adels sehr wohl weiter hierarchische Aufteilung, wobei an der obersten Spitze der Pyramide der König stand, darunter der Hochadel, Ritter und dann der niedere Adel. Weiter war auch die Zugehörigkeit zu einem Stand oder zu einer Gruppe eines Standes von Geburt an determiniert und von Gott vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einschränkung auf den Adel====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprechen wir nun von der Ordnung der Tiere im Reinhart Fuchs ist zu beachten, dass die meisten der handelnden Figuren in Reinhart Fuchs Teil des Adels sind, sodass wir die meiste Zeit nicht die gesamte Ordnung mit allen Ständen betrachten, sondern nur die inneren Strukturen des adeligen Standes. Wenn wir also die Ordnung der Tiere in Reinhart Fuchs im besonderen betrachten, dann schauen wir nur auf das oberste Drittel der Pyramide. Wie Ruh sagt, sind alle handelnden Figuren in Reinhart Fuchs dem Stand des Adels angehörig, sodass die Tierwelt in Reinhart Fuchs größtenteils eine adelige Welt darstellt (vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]. Die meisten Gruppen in Reinhart Fuchs stellen somit Teile der hierarchischen Struktur der adeligen Welt wieder, in der der kleine Adel unter Hochadel und zuletzt dem König stand. Ein kleiner Teil der Gruppen im Reinhart Fuchs ist aber auch von der Art, dass sie kein Teil des Adels sind. Wann sprechen wir also bei den Tieren in Reinhart Fuchs von Adel und wann nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen können offensichtlich diejenigen Tiere als Adel bezeichnet werden, die explizit einem Hofapparat angehören, welcher ganz ohne Metaphorisches Gewand deutlich eine obere adelige Struktur darstellt (bspw. Brun der Hofkaplan). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen liefert die Benennung und Bezeichnung der Tiere ein klares Indiz für ihren adeligen Status. Während diejenigen Tiere, die von adeligem Status sind, eine definite Bezeichnung (bspw. der Ameisenherr, Brun der Bär, Ysengrin, der Hirsch, der Leopard, der Löwe Vrevel) tragen, tragen Tiere ohne adeligen Status eine indefinite Bezeichnung, sind keine handelnden Figuren in Reinhart Fuchs und stehen eher am Rande des Geschehens (bspw. die kleinen Tiere, Marder, viele -, einige -, eine Maus, eine Meise, Ameisenvolk). Man nehme beispielsweise die Gruppe der kleinen Tiere, die nicht näher beschrieben werden kann, weil sie aufzuzählen ein zu großer Aufwand wäre (vgl. RF, V. 1118-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Dagegen ist ein Tier mit definitem Artikel, bspw. der Hase, ein bestimmter aus der unbestimmten Menge von Tieren seines Geschlechts gewählte Figur. Dieser definite Status suggeriert Bekanntheit und Ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die definiten Tiere tragen manchmal sogar einen Namen, sind &amp;quot;Barone&amp;quot;, &amp;quot;Herren&amp;quot; und &amp;quot;Höflinge&amp;quot; und sprechen sich auch dementsprechend an ((vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]). Dabei könnte man vermuten, dass das Geschlecht (die Spezies/Rasse des Tiers) den Nachnamen oder auch den Stand bezeichnet, weil man mit dem Namen des Geschlechts schon eine gewissen Grad an Macht assoziiert (Z.b: Maus, Ameise, Wolf).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere im Stand des Adels====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stand der Tiere in Reinhart Fuchs ist also vorwiegend der Adel. An der Spitze (der kleinen Pyramide) dieses Adels steht der König Vrevel. Unter ihm der Hochadel in Form seines Hofapparats, mit prominenten und äußerst starken Tieren, wie zum Beispiel: Brun der Bär, der Hirsch, der Leopard. Von dieser Spitze des Adels steigt man nach und nach ganz im Sinne der allgemeinen Ordnung zu  - relativ zur höheren Position - schwächeren Tieren und Gruppen von schächeren Tieren, wie zum Beispiel der Wolf und seine Verbündeten/Verwandten. Bis man zu den kleinsten und schwächsten Tieren und Gruppierungen von Tieren gelangt, die noch zum Adel gehören. Dazu gehören Beispielsweise der Ameisenkönig oder auch Scetecler und seine Hennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere in anderen Ständen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiere die nicht dem Stand des Adels angehören sind in Stände zu ordnen, die unterhalb des Adels liegen. Sie sind nach der allgemeinen Ordnung Gruppen aus Individuen, die über weniger Macht verfügen als der Adel. Diese Gruppen wären in Reinhart Fuchs beispielsweise das Ameisenvolk (ohne seinen Herr) oder die Schar der unbenannten kleinen Tieren.&lt;br /&gt;
Explizit werden keine Aussagen über den Stand Klerus oder den der Bauern bzw. Unfreien getroffen. Abseits von kleineren zynischen Anmerkungen Reinharts zum Mönch- und Klosterleben (vgl. RF, V. 655-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980; 20,21)[Ruh 1980]. Es können Vermutungen darüber angestellt werden, ob Reinhart oder seine Fürsprecher aufgrund ihrer Intelligenz, ihres Alters und Weisheit, oder ihrer Affinität, als Fuchs oder Dachs in einer Höhle (Kloster) zu leben, zum Stand des Klerus gehören. Auch der Klerus war privilegiert und stand auf der Seite der Beherrschenden. Einige graphische Illustrationen der mittelalterlichen Gesellschaft sehen selbst von der Pyramide ab und nehmen das Bild einer Zwiebel. Wobei der Adel und der Klerus sich die Position an der Spitze der Zwiebel teilen. Bei den Fürsprechern Reinharts kann man von solch einer Position ausgehen. Das würde heißen, dass das Kamel, der Elefant und der Dachs weniger dem höheren Adel angehören als der höheren Geistlichkeit, welche auch im Feld des Adels mitspielen konnte. Doch bei Reinhart muss man von solchen Vermutungen absehen. Denn er ist es, der keine Position wirklich einnimmt oder über längere Zeit besetzt hält. Er ist die einzige Figur, der es in diesem Sinne sogar gelingt, die Leiter zu erklimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich beschreibt die Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs eine feudale Ordnung. Das heißt sie nimmt - mit einigen Ausnahmen - nur den Stand des Adels aus der drei - Stände - Ordnung herraus und beschreibt diese Subkultur. Dabei beruft sich die Ordnung der Tiere in Reinhart auf eine allgemeine Ordnung, wie sie auch im Mittelalter für alle Stände inklusive dem adeligen Stand galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mögliche Kritik des Autors==&lt;br /&gt;
Nachdem gezeigt wurde, wie die Ordnung der Tiere im allgemeinen und besonderen aufgebaut ist und dass diese Darstellung tatsächlich Parallelen zur mittelalterlichen Ständeordnung aufweist, bleibt jetzt noch die Frage offen, welche Schlüsse man aus diesen Vergleichen ziehen kann. &lt;br /&gt;
Klar ist: &amp;quot;Heinrich&amp;quot; illustriert die mittelalterliche Ordnung im Gewand von metaphorischen Tierfiguren und ihrem Verhalten miteinander. &lt;br /&gt;
Mit dieser Erkenntnis können jetzt Umstände, die in der Welt der Tiere auftreten, interpretiert und auf die mittelalterliche Welt übertragen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun also angebracht, die Aussagen, die in Reinhart Fuchs stecken, herauszugreifen, zu interpretieren und auf die mittelalterliche Welt anzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Menschliche oder Tierische Ordnung?===&lt;br /&gt;
Betrachtet man die Ordnung im Reinhart Fuchs, stellt man fest, dass vieles tierisch ist, aber auch menschlich wirkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man die Ordnung im Reinhart in einzelne Kriterien zerlegt und versucht diese Kriterien, entweder einer tierischen Ordnung oder einer menschlichen Ordnung (des Mittelalters) zuzuordnen, stößt man auf ein Problem. Denn es gibt wenige Kriterien in der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche definitiv zu der einen oder zu der anderen Art von Ordnung gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich gibt es nur zwei Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche klarerweise menschlich oder tierisch sind. Diese Punkte sind in dem Sinne klarerweise der einen Art von Ordnung zuzuordnen, als es sie in der anderen gar nicht geben könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erst Kriterium ist der Fakt, dass alle handelnden Figuren im Reinhart Fuchs Tiere, das heißt von tierischer Gestalt, Aussehen und Bewegung sind. Alle Subjekte auf die sich die Ordnung bezieht sind dementsprechend Tiere. So etwas kann es in einer menschlichen Ordnung nicht geben, weil hier offensichtlich alle Subjekte, auf die sich die Ordnung bezieht, Menschen sind. Tiere sind als Subjekt aus der menschlichen Ordnung kategorisch ausgeschlossen sein. Das erste Kriterium ist also klarerweise der tierischen Ordnung zuzuordnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Kriterium ist der Fakt, dass die meisten der Figuren in der Ordnung im Reinhart Fuchs einer expliziten Kultur angehören. Die Subjekte haben genügend Kognition Titel und Namen zu vergeben, eine Kultur zu erhalten (Rechtsprechung, Institutionen usw.) und dies mit Worten zu kommunizieren. Es ist ausgeschlossen, dass sich die Tiere in einer natürlichen tierischen Ordnung Titel und Namen geben und sich dementsprechend anreden - auch wenn sie das in anderer Form tatsächlich tun. Diese Bestandteile einer Kultur, insbesondere die Fähigkeit zur Sprache und Vergabe von offensichtlich menschlichen Titeln, wie &amp;quot;Herr&amp;quot;, können ausschließlich Teil einer menschlichen Ordnung sein. Dieses Kriterium ist also klarerweise der menschlichen Ordnung zuzuordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Uneindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle anderen Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs sind sehr schwer einer Art von Ordnung zuzuordnen, wenn es nicht gar unmöglich ist. Es gibt also ein großen Rest an Aspekten, welcher weder der menschlichen Ordnung noch der tierischen Ordnung zugeteilt werden kann. Umgekehrt könnte man sagen, dass die meisten Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs von der Art sind, dass sie sowohl menschlich als auch tierisch sein können. Bei diesen Kriterien kann man sich nicht entscheiden, mit welcher Art von Ordnung man es zu tun hat, weil es zu keiner klarerweise passt und gleichzeitig zu beiden. Das ist der Punkt, welchen Heinrich uns aufs Deutlichste unter die Nase reiben möchte. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der These ein paar beispielhafte Kriterien der Ordnung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst ist das Kriterium der Macht im Reinhart Fuchs ganz klar die Kraft und mit ihr verbunden die Gewaltbereitschaft. Wie deutlich ist der Grad an dieser Art der Macht entscheidend für die Position in der Hierarchie. In einer tierischen Ordnung wird der Stärkere das Rudel führen, über Handlungen entscheiden und über die Schachen richten. Das ist ein grundlegendes Gesetzt der Natur, nämlich das Recht des Stärkeren. Aber auch in der mittelalterlichen Gesellschaft der Menschen ist Kraft und Gewalt ein nicht wegzudenkendes Kriterium der Macht. Gewalt sollte zwar das letzte Mittel der Machtausübung sein, sie ist aber unentbehrlich und dementsprechend grundlegendstes Kriterium der Macht. Zugegeben es gibt in einer menschlichen Gesellschaft durchaus andere Formen der Macht, wie Erpressung oder Beziehungen und weiter ist auch Kraft nur übertragen als eine Art Zugang zu Kraft (nicht der König, sondern sein Heer kämpft) zu verstehen. Aber die Form, die greift, wenn alle anderen Formen der Macht in der menschlichen Ordnung wegfallen (bspw. durch Aufstände oder Krieg), ist die allgemeinste Form der Macht, die Gewalt und (übertragene) Kraft. Wenn bspw. die Bauern ihre Tribute nicht mehr zahlen wollen oder unter kriegerischen Auseinandersetzung die Ressourcen zur Diplomatie fehlen, dann muss die Ordnung mit Händen und Füßen wiederhergestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Punkt ist der grobe Aufbau der Ordnung in Reinhart Fuchs. Wie es im Tierreich eine lineare Hierarchie von den schwachen zu den starken Tieren - nach dem Motto die Einen fressen, die Anderen werden gefressen - gibt, so gibt es auch in der mittelalterlichen Ordnung der Menschen eine lineare Hierarchie. Sie zeichnet vom schwächeren Individuum zum nächst stärkeren Individuum eine Leiter, deren Ende dadurch erkennbar ist, weil über dieser Position keine weitere folgt. Manch einer könnte behaupten, dass diese Form der Macht und dieser Aufbau der Macht auch heute noch unausgesprochen vorhanden ist. Denn für jeden Menschen gibt es auch heute noch einen anderen, der über jenem steht und einen weitern, der über diesem steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner ist auch der besondere Aufbau der Ordnung im Reinhart Fuchs schwer zuzuordnen. Sowohl Tiere als auch Menschen fügen sich in Gruppen zusammen, wobei die Mitglieder dieser Gruppen von ähnlicher Art sind und diese relativ zu den anderen Gruppen und ihren Mitgliedern unterschiedlich. Die Tiere gehen mit Tieren gleicher Stärke Zweckbeziehungen ein (so wie der Dachs und der Fuchs ), um voneinander zu profitieren. Sie bleiben in ihren Familien und bei ihrer Art, weil diese von gleicher Stärke ist und ähnliche Probleme bzw. Bedürfnisse haben (bspw. ein Rudel Wölfe aus unterschiedlichen). Und sie schließen sich zu größeren Gemeinschaften aus unterschiedlichen Tieren von ähnlicher Stärke, ähnlicher Größe, ähnlichen Problemen und ähnlichen Bedürfnissen zusammen (bspw. Antilopen, Zebras und Gnus). Genauso pflegen es auch die Menschen - innerhalb einer allgemeinen Ordnung - Zweckbeziehungen zu führen, sich mit Gleichgesinnten und ähnlich Beschaffenen zu verbünden und innerhalb der Familie und des Standes zu bleiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Zugehörigkeit zu den Gruppen sowohl beim Menschen als auch beim Tier scharf geregelt. Wie beim Tier, so wird man bei den Menschen in einen gewissen Stand und in eine gewisse Gruppe eingeboren. Sowohl bei den Menschen (als angeborener Stand mit oder ohne Privilegien) als auch bei den Tieren (als angeborene Größe und Statur) scheint es gar unmöglich über diese angeborenen Grenzen hinweg zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst Intrigen, Bündnisbrüche und Treuebrüche, wie sie im Reinhart Fuchs vorkommen, sind bei einer menschlichen Ordnung nicht ausgeschlossen. Sowohl bei den Tieren als auch bei den Menschen schickt sich immer wieder jemand an eine Machtstellung in Frage zu stellen oder ein Übereinkommen aus eigenen Interessen zu brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Folgerung und Kritik====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Punkte sollen nur auf die große implizite Frage hindeuten, welche Heinrich dem Rezipienten stellt: Sag mir, spreche ich von einer menschlichen oder einer tierischen Ordnung? Und die Antwort, die er hören will ist: Ich weiß es nicht. Dieses ernüchternde Ergebnisse soll aufmuntern darüber nachzudenken, welche Dinge den Rezipienten dazu bringen zu glauben, man habe es mit keiner von beiden oder mit beiden gleichzeitig zu tun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner bezieht Heinrich mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung in Reinhart Fuchs zu der Ständegesellschaft des Mittelalters diese schwere Frage auch auf die Ordnung des Mittelalters. Heinrich weist hier darauf hin, dass auch im Kontext der mittelalterlichen Ordnung der Menschen die Frage, ob es sich tatsächlich um eine menschliche Ordnung handelt oder nicht, immer schwerer wird. Jedem sollte daraus klar werden, dass menschliche und tierische Ordnung sich in vielerlei Hinsicht zunehmend ähnlicher werden und die Grenzen gar drohen gänzlich zu verschwinden. Folglich sollte jeder daran arbeiten diese Grenzen zwischen tierischer Ordnung und menschlicher Ordnung wieder trennscharf zu machen. Denn es bleibt die Intuition, dass unsere Ordnung der tierischen weitaus überlegen ist, wodurch die Unterscheidung leicht ausfallen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich will also mit dem Erschaffen einer verblüffend menschenähnlichen Gemeinschaft aus Tieren zu bedenken geben, dass die menschliche Ordnung droht in Zustände zu verkommen, in denen man sie gar nicht mehr von der tierischen unterscheiden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kritik zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung===&lt;br /&gt;
Die Figuren und ihre Beschaffenheit sind für eine Ordnung von zentraler Bedeutung. Auf sie wirkt die Ordnung ein und von ihnen wird die Ordnung aufrecht gehalten. Bei der Wahl einer adäquaten Metapher für die Figuren der menschlichen Ordnung, kam Heinrich auf Tiere. Schon das ist Indiz für eine kritisches Urteil über die handelnden Figuren in der menschlichen Ordnung, nämlich die Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====[[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Figurencharakteristik]] und Handlungsmotiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein lässt sich sagen, dass die [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|handelnden Figuren in Reinhart Fuchs]] Tiere sind. &lt;br /&gt;
Diese Tiere nehmen vorwiegend menschliche Eigenschaften an, nicht zuletzt die Fähigkeit zu Sprechen. Neben ihrer Gestalt und ihrem Aussehen macht sie wenig zu wirklichen Tieren. Doch die meisten Eigenschaften und Charakteristika der Tiere - außer ein paar Ausnahmen bei dem die Tiere beschrieben werden -  werden dem Leser erst durch ihr Handeln bewusst (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Folglich ist das, was sie überhaupt zur Handlung treibt, von äußerstem Interesse. Das vorwiegende Motiv, welches die Tiere zum Handeln bewegt, ist von solcher Art, dass es wiedermal sowohl dem Tier als auch dem Menschen zugeordnet werden kann. Es handelt sich um den Drang nach Nahrung, nach Sex, nach Selbsterhaltung und nach Macht. Kurzum: Es handelt sich um den Drang grundlegendste Bedürfnisse zu befriedigen. Beispiele hierfür wären, der Drang des Wolfes nach Futter(vgl. RF, V. 648-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der (egoistische) Drang des Löwen zur Selbsterhaltung (vgl. RF, V. 1873-1891)[Heinrich der Glîchezâre 2005] und der Drang des Elefanten und des Kamels nach Macht (vgl. RF, V. 2097-2108, 2120-2135)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Aus dieser Art Drang werden die meisten Handlungen begangen und wiederum aus diesen Handlungen realisieren sich die Charaktereigenschaften der Tiere (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben wir es nun in der Ordnung des Reinhart Fuchs mit menschenähnlichen Tieren zu tun oder eher mit Menschen, welche noch einiges vom Tier mit sich tragen? Auch diese Entscheidung macht uns Heinrich schwer. Tatsächlich gibt es Eigenschaften die klarerweise für Tiere sprechen und Eigenschaften die klarerweise für Menschen sprechen. Aber das Motiv zu handeln, woraus die meisten Eigenschaften - außer natürlich die tierische oder menschliche Gestalt selbst - hervorgehen, ist sowohl tierisch als auch menschlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an Eigenschaften und Motiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Figuren im Reinhart Fuchs offensichtlich von tierischer Gestalt sind, bleibt offen, ob diese zusammengenommen tatsächlich Tiere sind oder doch Menschen. Mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung von Reinhart Fuchs zur Ständegesellschaft des Mittelalters, kann dieser Befund auch auf die Figuren der mittelalterlichen Ordnung übertragen werden. Heinrich sagt hier aus, dass auch die Figuren in der Gesellschaft des Mittelalters, d.h. die Menschen, in ihren Eigenschaften und Motiven zu Handeln so verkommen sind, dass es auch bei ihnen schwer fällt, zu entscheiden, ob es sich bei ihnen um Menschen oder Tiere handelt, obwohl sie ihr Gestalt nach klarerweise Menschen sein sollten. &lt;br /&gt;
Wenn solch eine Entscheidung schwer fällt, dann scheint einiges fragwürdig. &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung aussehen?&amp;quot;, &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung handeln?&amp;quot; und &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung beschaffen sein?&amp;quot;, damit klar wird, dass sie Menschen sind. Die Kritik soll eben all diese Fragen im Rezipienten aufrufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Nebenfolge des Handlungsmotivs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Art des Handlungsmotivs hat noch eine verhängnisvolle Nebenfolge, welche wiederum eine unschöne Charaktereigenschaft realisiert. Während das Ziel die Bedürfnisse zu befriedigen emsig verfolgt wird, mangelt es vor und bei der Ausführung der Handlung meist an der richtigen Überlegung, sodass viele der Handlungen der Tiere unbedacht und naiv wirken (bspw. der Wolf, der wegen seines Handlungsmotiv seinen Schwanz verlieren musste oder der Löwe, der der wegen seines Handlungsmotivs sein Leben verlieren musste). Die Tiere im Reinhart Fuchs geraten so häufig in eine Art Tunnelblick, der ihnen die Übersicht über die Handlungsumstände verwährt. Schließlich sind die Tiere dann, wenn das Motiv greift, nur auf die Befriedigung der Bedürfnisse aus und lassen andere Bemühungen um bspw. Vernunft fallen. Diese Nebenfolge des Handelns aus Begierde macht sie schwach und lässt sie nicht zuletzt oft dumm dastehen. Diese Nebenfolge tritt ebenfalls sowohl beim Tier als auch beim Menschen auf. Wie Tiere, so lassen sich auch Menschen viel zu oft von ihrem Trieb zu unüberlegten Handlungen verleiten, sodass sie dann auch oft naiv und unaufmerksam durch das Leben gehen. Heinrich weist darauf hin, dass auch dieser Punkt die Entscheidung, ob es sich bei den Figuren der mittelalterlichen Ordnung wirklich um Menschen handeln, schwerer macht. Weiter realisiert hier das Handlungsmotiv eine der problematischsten Charaktereigenschaften, die dem Meschen wie auch dem Tier eigen ist: das dumme Handeln aus Trieb. Darüber hinaus gibt er aber auch zu bedenken, dass eben diese Unüberlegtheit in manchen Handlungen - wie man noch sehen wird - den Menschen, so stark er auch ist, am verwundbarsten macht. Mit anderen Worten: Wir stellen uns oftmals genauso dumm an wie Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an einzelnen Vertretern der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen groben Kritikpunkten zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung werden dann auch einzelne Vertreter der Ordnung kritisch auseinander genommen. Allem voran der König leidet unter seinen charakterlichen Defiziten. Er ist wie sein Name &amp;quot;[[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|Vrevel]]&amp;quot; sagt zwar überaus stark, aber in vielen Situationen tollkühn und dummdreist (vgl. Bertau 1983, 21)[Bertau 1983]. Er, der gerade den Frieden erklärt hat, führt aus Zorn über Befehlsverweigerung kurz darauf wieder Krieg. Er kämpft als Größter gegen kleine Tiere und fühlt sich nach der göttlichen Aufgabe des Adels &amp;quot;tu protege&amp;quot; auch noch dazu verpflichtet (vgl. Neudeck 2016, 21)[Neudeck 2016]. Aus seinem Toben und seiner unüberlegten Gewalt erntet er die Quittung. Er muss für seine dummdreiste Art leiden und lässt gar am Höhepunkt der Handlung aus Angst vor dem eigenen Tod sein Leid zum Grund für weiters Blutvergießen werden. Aufgrund seines blinden Handeln um das Ziel der Selbsterhaltung zu erreichen, gerät er in den bereits erwähnten Tunnelblick. Dieser bewirkt, dass er keine Übersicht über die Handlungssituation mehr hat und sich nur noch auf sein Ziel konzentriert. All seine Macht nützt ihm nun nichts mehr, denn er handelt, wie beim Ameisenvolk, nach seinem Trieb, ist dadurch unaufmerksam und kann überlistet werden. Der Löwe und damit auch der König allgemein gesprochen, wird als ein tyrannisch-willkürlicher Machthaber skizziert, dessen bestimmte triebhafte Motive ihn zu Handlung führen, die ihn untreu, ungerecht und nicht zuletzt dumm aussehen lassen (vgl. RF, V. 1890-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980, 23)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Nach diesem überaus deutlichen Urteil Heinrichs über den obersten Machthaber, nimmt er sich den ganzen weiteren höheren Adel vor. Auch diese &amp;quot;Tiere&amp;quot;, d.h. auch Administrale des Königs, sind durch ihre Eigenschaften und Handlungsmotive äußerst kritisch gezeichnet. Beispielsweise handelt Brun der Bär nur aus Gier nach Nahrung, sodass der ehemals große Hofkaplan naiv wird und an einem Machtvolleren scheitert kann (vgl. RF, V. 1525-1559)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So ergeht es auch mehrfach [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|dem Wolf Isengrin]] (vgl. RF, V. 648-815, 873-955)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der aus Gier naiv wird und an dem selbigen Machtvolleren scheitern. Weiter ergeht es so auch dem Elefanten und dem Kamel, die aus Gier nach Macht, unüberlegt in fremde Lande reisen, nur um ebenfalls zu scheitern.&lt;br /&gt;
Ganz allgemein verfügt der größte Teil der Tiere im Reinhart Fuchs über eben solche Handlungsmotive, sodass der Großteil der Tiere auch als dumm bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich zeigt mit seinen verblüffend menschlichen Tieren nicht nur das allgemeine Problem der Figuren der mittelalterlichen Gesellschaft, sondern demonstriert auch an einzelnen Figuren der Ordnung, wie schwerwiegend sich die Defizite auswirken. &lt;br /&gt;
Er kritisiert folglich nicht nur den Menschen, der durch seine Motive und Eigenschaften gar nicht mehr vom Tier unterschieden werden kann, sondern explizit auch den König, seine direkten Bediensteten und größere Teile adeliger Gesellschaft, mit unter Barone, Weise aus fernen Ländern und etliche &amp;quot;Herren&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gefahr der Sprengung der Ordnung===&lt;br /&gt;
Zuletzt kommen wir zur größten und durchschlagskräftigsten Kritik Heinrichs an der gesellschaftlichen Ordnung des Mittelalters. Wo es noch bei den anderen Kritiken um die unbefriedigende Form und Beschaffenheit der Ordnung ging, geht es jetzt um etwas das die Ordnung als solche bedroht. Denn die Ordnung und ihr Aufbau ist so mangelhaft, dass sie Lücken aufweist. Diese Lücken können ferner von einer entsprechenden Figur, welche sie erkannt hat, aufgebrochen werden. Die Folge daraus ist nichts geringeres als eine katastrophale Sprengung der Ordnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Figur Reinhart Fuchs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommt die Hauptfigur der Erzählungs &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; ins Spiel. Auch Reinhart ist eine Figur der allgemeinen Ordnung in Reinhart Fuchs. Dementsprechend steht auch er nach seiner Gattung, seiner Kraft und Größe in einer spezifischen hierarchischen Position, sodass einige Tiere über ihm stehen und andere unter ihm. Trotzdem umgibt er sich, wie kein andere Figur, mit Tieren, die hierarchisch weit über ihm stehen. Ferner scheint es so als wäre er keiner Gruppe zugehörig, er steht nicht an irgendeiner Position fest, er ist vielmehr in ständiger Bewegung. Ultimativ gelingt es ihm alle Position zu übersteigen, dem obersten gegenüberzustehen und eben diesen verheerend seiner Position zu berauben. Wie kann es sein, dass ein relativ kleiner und schwacher Fuchs viele stärkere Tiere übergeht und selbst dem stärksten Tier &amp;quot;das Wasser reichen kann&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016, 22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Reinharts Mittel zur Macht====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart erkennt seine körperliche Unterlegenheit gegenüber anderen Tieren. Aber Reinhart gibt nicht wie andere Tiere auf und beugt sich dem allgegenwärtigen Recht des stärkeren, sondern behilft sich eines anderen Mittels. Wie auch Hübner sagt, geht &amp;quot;aus seiner Not der körperlichen Unterlegenheit&amp;quot; ein anderes Mittel zur Selbsterhaltung hervor. So könne Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit &amp;quot;&#039;&#039;kundekeit&#039;&#039;&amp;quot; für seine Selbsterhaltung sorgen (vgl. Hübner 2016, 87)[Hübner 2016]. Immer wenn Reinhart sich einem stärkeren Tier ausgesetzt fühlt, befleißigt er sich im Angesicht der Gefahr eines anderen Mittels der Macht, um der Kraft des Gegenübers die Stirn zu bieten. Er führt also neben der Kraft und Gewalt ein weiteres, von der allgemeinen Ordnung nicht vorgesehenes Kriterium der Macht auf das Spielfeld. Reinharts Mittel scheint zudem größere Wirkung zu haben als das Mittel, welches die allgemeine Ordnung vorsieht. Intelligenz verhilft dem Inhaber mithin zu einem größeren Grad an Macht als es Stärke tun könnte. Dies hat folgenden Grund: Die Intelligenz befähigt den Intelligenten genau das auszunutzen, was den Starken unabhängig von seinem Grad an Stärke machtlos macht. Die starken Tiere lassen sich von ihren Handlungsmotiven in unüberlegte Handlungen treiben. Genau dann, wenn die starken Tiere so unaufmerksam und so unüberlegt in ihrem Handeln sind, kann der Intelligente daraus seinen Vorteil ziehen. In dem Sinne besteht Intelligenz hier zunächst in der &amp;quot;aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation&amp;quot; (vgl. Hübner 2016, 88)[Hübner 2016]. Reinhart ist sich über Begierden seiner viel stärkeren Gegenüber bewusst, führt sie in unüberlegte Handlungen und macht es sich so leicht die Dummen zu überlisten (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Reinhart hat folglich ein Rezept für seinen Erfolg. Er ist einer von wenigen Intelligenten Tieren und sieht sich in vielen Situationen gezwungen im Angesicht von Gefahr seine Intelligenz zu seinem Vorteil zu nutzen. Dies gelingt ihm deshalb so gut, weil die meisten Tiere die gleichen Handlungsmotive haben, welche für Reinhart gut vorhersehbar sind (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980]. Zudem verfügt Reinhart über weitere Fähigkeiten, wie z.B.: Rethorik, welche es ihm erlauben seinen Gegenüber gemäß seiner Motive zu Handlungen zu überreden, die ihn verwundbar machen. Reinhart weiß es den &amp;quot;Willen der anderen zu kanalisieren&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016; 23,24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
Den absurden Höhepunkt findet dies in der Überlistung der obersten Instanz der alten Hirarchie (vgl. RF, V. 2220-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So kann Reinhart, wie bei allen anderen starken Tieren, auch das stärkste Tier durchschauen, seine Handlungsmotive vorhersehen, diese durch seine Redekunst zu seinem Vorteil ausnutzen und dann, wenn der Dumme am verwundbarsten ist, zuschlagen. &lt;br /&gt;
Reinhart hat es geschafft, sich mit seiner (erlernten) Intelligenz über die Grenzen seiner Gattung hinwegzusetzen, seine ehemals festen Position der Hierarchie zu verlassen, in andere Positionen zu wandern und letztendlich sich über die Instanz zu stellen, über der niemand anderes stehen dürfte. Er sprengt damit die alte allgemeine Ordnung und erschafft eigens eine neue, in der das Kriterium der Macht Intelligenz ist (vgl. Neudeck 2016; 24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertragen auf die Gesellschaft des Mittelalters zeigt Heinrich hiermit, dass die vorherrschende Ordnung mit den unüberwindbaren Ständen und der allbekannten Machtverteilung nicht unzerstörbar ist. In der Tat ist sie, sieht man auf die anderen Punkte der Kritik, durch ihren  Aufbau und Beschaffenheit - insbesondere die monarchische Spitze- in einer solch miserablen Verfassung, dass sie gestürzt werden kann. Dafür braucht es nicht einmal einen stärkeren König, der es vermag die Ordnung mit Gewalt zu stürzen. Es genügt eine winzige Figur, die es versteht die miserable Verfassung der Ordnung zu ihrem Vorteil auszunutzen, um die Ordnung in ihren Grundfesten zu sprengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verbunden richtet Heinrich einen Appell an alle Rezipienten. Sollte man weiter auf Motiven, Charaktereigenschaften und Ordnung verharrt, welche man mehr oder weniger mit den Tieren teilt, ohne dass man etwas gegen diese Mängel unternimmt, so bleibt auch die Gefahr einer Sprengung der Ordnung. Kurz: Wenn man sich weiter so dumm anstellt, findet sich schnell jemand, der schlauer ist. Da man nicht schnell genug über sich selbst gerichtet hat, wird dieser dann über den Adel richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit: konstruktive Satire oder doch destruktive Kritik?==&lt;br /&gt;
===Aufgreifen der Hypothese===&lt;br /&gt;
Die Entscheidung solche Parallelen sichtbar und damit verbunden den kritischen Bezug auf die mittelalterliche Gesellschaft deutlich zu machen, wurde, so lautete die Hypothese, nicht ohne Grund gefällt.  &lt;br /&gt;
Nur welchen Grund hat Heinrich, solch scharfe Aussagen zu treffen? Ferner: Welches Ziel verfolgt er mit dem Einfügen dieser unterschwelligen Aussagen? Sind seine Ziele genauso drastisch wie seine Aussagen? Befindet Heinrich eine Reorganisation für nötig? Oder ist es ihm etwa ein Anliegen, mit der feudalen Subgesellschaft abzurechnen? Weshalb sonst sollte er vor allem so kritisch gegen den adeligen Teil des Spektrums der Ordnung vorgehen. Er kritisiert Hofstaat, Administration, feudale Moral und nicht zuletzt die ultimative Machtinstanz, den Monarchen. Macht ihn das nicht anti-feudal? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich ist nicht anti-feudal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von solchen Argumentationen ist aus verschieden Gründen abzusehen(vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980] . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Anonymität des Namens &amp;quot;Heinrich&amp;quot;, kann man davon ausgehen, dass der Autor, wie die meisten Autoren dieser Zeit, selbst dem Stand nach adelig war. Er schrieb über den Stand, von dem er am meisten interne Informationen sammeln konnte. Nur mit der grundlegenden Auseinandersetzung der Struktur des Adels konnte er zu einer solchen expliziten und empfindlich genauen kritischen Haltung insbesondere gegenüber den Figuren des Adels gelangen. Er war aber in diesem Sinne keinesfalls um eine destruktive Kritik bemüht, denn er war faktisch Teil des Standes. Mit Auflösung oder dramatischer Reorganisation der Stände inklusive des Adels wäre auch er als privilegiertes Mitglied des Adels negativ betroffen. Dies hätte kaum seine Absicht sein können (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus war die Literatur, die er schrieb, in der Form exklusiv, als sie ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Das Publikum war dementsprechend Adel, sodass es sich anbot, auch über den Adel zu schreiben. Die Kultur, die im Adel vertreten war, war in größtem Grade unterschiedlich zu der, die in der &amp;quot;wirklichen&amp;quot; Welt vorherrschte. Die Welt, in der die Handlung stattfindet, und die Themen, um die sich die Handlung dreht, sollten, damit das geneigte Publikum thematisch anknüpfen kann und &amp;quot;mitspielt&amp;quot;, möglichst nahe an der Realität des Publikums sein. Kein Adeliger hatte vor, bei solch einer Lesung über den Hunger der Bauern, die unfairen Lehensabgaben geschweige denn über die alltäglichen Probleme des einzelnen Bauern nachzudenken, sondern wollte sich allen voran amüsieren. Helden, Bösewichte, schöne Jungfrauen, Kämpfe und politische Intrigen waren da unterhaltsamer. Man musste sozusagen die Themen und Inhalte der Welt in verträgliche Happen schneiden, sodass das adelige Publikum bereit war die Inhalte anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich schreibt keine destruktive Kritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man, wenn man es genau nimmt, auch nicht von einer harten Kritik, wie in einem heutigen sozialkritischen Roman, sprechen, sondern von einer kritischen Satire. Die Kritik war nicht als scharfe Ermahnung oder eine strenge Belehrung, sondern eher als satirisches Aufheitern zum Nachdenken gedacht.&lt;br /&gt;
Heinrich wollte kaum darstellen, wie und warum die Ordnung zum Scheitern verurteilt ist, oder nach Illustration der Untragbarkeit der derzeitigen Situation in der Weise gar zu einer Reorganisation raten. Er war kein Revolutionär. Denn er selbst profitierte aus der Aufrechterhaltung des Adels und der geläufigen Ständeordnung. Wie Ruh pointiert, müsse derjenige, der schon &amp;quot;eine Welt gewonnen&amp;quot; hat, eine selbstkritische Position gewinnen, nicht um Gewonnenes zu zerschlagen, sondern um es zu bewahren (vgl. Bertau 1983, 28)[Bertau 1983] (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. Außerdem gab es zu dieser Zeit (12. Jahrhundert) keine weitere Ideologie, welche den Adelsstand hätte gefährden und eine destruktive Kritik hätte begrüßen können (vgl. Ruh 1980, 32)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich fand während seines Lebens in der adeligen Gesellschaft - vermutlich in der eigenen Erfahrung mit dem Adel - seine Gründe die Strukturen kritisch zu erwähnen. Ob Heinrich nun selbst oder durch einen Auftraggeber zu einem Grund kam die Idealwelt zu &amp;quot;demaskieren&amp;quot; (vgl. Ruh 1980, 16,32)[Ruh 1980] ist weniger wichtig. Wichtiger war die Wirkung, die er sich von seinem Handeln versprach. &lt;br /&gt;
Ziel war nicht mehr als in angeheiterter Stimmung dem adeligen Publikum unterschwellig einige kritische Themen zu vermitteln und sie so anzustimmen über diese nachzudenken.&lt;br /&gt;
Er wies auf Gefahren und Bedrohungen hin, um ein längeres Fortbestehen der Ordnung zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas war mit Sicherheit nicht seine primäre Aufgabe als Schreiber. Die tatsächliche Aufgabe eines Schreibers war generell Geschichten zu sammeln und diese zum Amüsement der feudalen Gesellschaft aufzubereiten. &lt;br /&gt;
Heinrich im Besonderen ist zu Gute zu halten, dass er es inhaltlich nicht bei bloßer Unterhaltung beließ, sondern einen Schritt weiterging. Er nutze seinen Einfluss bei der richtenden Gesellschaft, schrieb satirisch-unterhaltsam und verstecke in diesem satirischen Gewand seinen konstruktiven Beitrag zur Erhaltung der Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler, Gabriela: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung für Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983, S. 19-29.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 13-32.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 11 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_St%C3%A4ndegesellschaft_der_Tiere_in_%22Reinhart_Fuchs%22&amp;diff=29474</id>
		<title>Die Ständegesellschaft der Tiere in &quot;Reinhart Fuchs&quot;</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_St%C3%A4ndegesellschaft_der_Tiere_in_%22Reinhart_Fuchs%22&amp;diff=29474"/>
		<updated>2020-09-01T14:20:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Das Motiv für dieses Unternehmen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel verbindet eine &#039;&#039;Analyse der Herrschafts-Hierarchie&#039;&#039; der Tiere in &#039;&#039;&amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;&#039;&#039; mit einer &#039;&#039;Interpretation der einhergehenden Parallelen&#039;&#039; zur Standesgesellschaft des Mittelalters.&lt;br /&gt;
Die Interpretation lenkt hierbei den Fokus auf verborgene &#039;&#039;kritische Aussagen des Autors&#039;&#039; zu Gesellschaft, Macht und Ordnung und schließt mit einem &#039;&#039;Ausblick auf das Ziel&#039;&#039;, welches der Autor verfolgt haben könnte, als er jene Aussagen getroffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Unterfangens==&lt;br /&gt;
Weshalb sollte eine Analyse und eine Interpretation vorgenommen werden? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor weist implizit darauf hin, dass die Tiere detaillierter betrachtet sollten, da sie neben ihrer Tiergestalt nur zu geringem Teil wirklich &amp;quot;Tier&amp;quot; seien.&lt;br /&gt;
Das Motiv für dieses Unterfangen bildet der Umstand, dass sich der Autor dazu entschloss, den Tieren in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; unübersehbar menschliche Eigenschaften zuzusprechen. Somit ist es den Lesern möglich, die Tiere als menschliche Karikaturen zu sehen und Parallelen zwischen ihrem Zusammenleben und dem Zusammenleben der Menschen zu Lebenszeit des Autors zu ziehen. Die Idee des Autors, die hier im Hintergrund steht, wird auch &amp;quot;Anthropomorphismus&amp;quot; genannt. Kompatscher-Gufler beschreibt diese als eine Praxis, bei der man Tieren (bis zu einem gewissen Grad) menschliche Eigenschaften zuspreche, um Analogien zu deren Welt und ihrem Erleben zu erhalten (vgl. Kompatscher-Gufler 2017, 36)[Kompatscher-Gufler 2017]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Autor den Tieren in dieser Manier vermutlich nicht ohne Grund menschliche Eigenschaften zusprach, werden sich unter dem metaphorischem Gewand der Tiergestalt noch weitere Inhalte verstecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einführung mit Hypothese==&lt;br /&gt;
Lange vor der Zeit von freier Marktwirtschaft und der Idee &amp;quot;selbstgemachter Chancen&amp;quot; war die soziale Ordnung des Alltags noch äußerst streng gegliedert. Von Gott gegeben - so könnte man sagen - fügten sich die Menschen in einen ihnen angeborenen Stand ein, der spezifische Rechte, Pflichten, Privilegien und gesellschaftliche Funktionen vorsah. So betete man unterwürfig, verteidigte das Vaterland oder - wie die meisten es taten - arbeitete mit dem Ziel seinen Teil zum gemeinsamen Leben beizutragen. &lt;br /&gt;
Tatsache ist: Die alltägliche Realität unterschied sich in vielerlei Hinsicht (christliche Tugend, Stände, Machtausübung) von der theoretisch idealisierten Ordnung.&lt;br /&gt;
Immer wenn es Auschreitungen gegen die Ordnung gab, reagierten die Konstrukteure mit Mahnungen zur (selbstverständlichen) Normativität und Propaganda der ritterlichen bzw. geistlichen Tugenden. Es kam trotzdem immer wieder vor, dass sich einige Figuren der Ordnung, sei es aus Ungerechtigkeit oder aus Angst, genötigt fühlten gegen die Ordnung vorzugehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ordnung war sehr alt, wodurch sie jeder als Norm ansah. Das heißt aber nicht, dass die Ordnung so Ideal war, wie sie der herrschende Teil bewertete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eine Hypothese===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind diejenigen Autoren dieser Zeit, denen sowohl das &amp;quot;Idealisierte&amp;quot; an der Ordnung als auch die Gefahr in der Differenz zur realen Situation bewusst war. Deshalb manifestierten sie die tatsächlichen Verhältnisse ihrer Zeit in ihren Veröffentlichungen. Vielleicht sogar, um das überwiegend feudale Publikum über die Realität im Gewand der Metapher aufzuklären. Einer war &amp;quot;[[Heinrich der Glîchezâre]]&amp;quot; der Autor des Tierepos &amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;. Im Hintergrund der oben aufgeführten Annahmen lässt sich folgende Hypothese aufstellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Spielmann&amp;quot; lässt nicht ohne Grund Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters erahnen. Er will das vorwiegend feudale Publikum über die maroden Strukturen der Ordnung aufklären!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Analyse==&lt;br /&gt;
Die Analyse soll methodisch die Gesellschaft der Tiere von den groben hin zu den besonderen Strukturen durchleuchten. Um die grundlegendsten Strukturen der Ordnung zu analysieren, ist es naheliegend, nach notwendigen Bedingungen - d.h. Existenzbedingungen - für eine grundlegende hierarchische Strukturen zu suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine simple hierarchische Ordnung verlangt mindestens zwei notwendige Grundsatzannahmen. Die Figuren in der Ordnung müssen sich (1) im allgemeinen wie im besonderen voneinander unterscheiden und (2) ein Kriterium dieser Unterscheidung (das Spezifikum) muss den Grund dafür darstellen, dass die Figur eine bestimmte hierarchische Position einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sicherung der Grundsatzannahmen: Übersetzung exemplarischer Textbelege ===&lt;br /&gt;
Zunächst sei also durch einige Textstellen belegt, dass die Tiere im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; (1) keineswegs von der gleichen Art sind und (2) bei einigen eine spezifische Eigenschaft besonderes ausgeprägt ist, welche ihnen eine hohe Position in der Hierarchie zusichert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(1) Die Tiere unterscheiden sich grundlegend voneinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;groß&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&#039;&#039;Kursiver Text&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was der helfant vnde der wisen, || Das waren der Elefant und der Wisent,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di dovchten Reinharten risen, ||  welche Reinhart wie Riesen vorkamen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die hinde vnde der hirz Randolt, ||  die Hinde und der Hirsch Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die waren Ysengrine holt, || welche Isengrin zugetan waren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Brvn der bere vnde daz wilde swin || Brun der Bär und das Wildschwein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wolden mit Ysengrine sin. || wollten Isengrin zur Seite stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|zv nennen alle mich niht bestat, || Ich befleißige mich nicht alle zu nennen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swelich tier grozen lip hat, || aber jedes große Tier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mit Ysengrine da; || war mit Isengrin da;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1103-1111)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;klein&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hase vnde daz kvneclin || Der Hase und das Kaninchen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnd ander manic tierlin, || und verschiedene andere kleine Tiere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des ich niht nennen wil, || die ich nicht alle nennen will, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der qvam dar vzer moze vil. || kamen in unzählbaren Massen herbei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;schön&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da was manic tier lvssam|| Es waren viele stattliche Tiere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnser beider kunne.|| unserer Verwandschaft da.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1220-1221)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;furchterregend und stark&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Isengrine qvamen die svne sin,|| Mit Isengrin kamen dann sogleich seine Söhne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|manic tier vreisam || und viele gefährliche Tiere;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Ysengrine qvamen dar san; ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1188-1190)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche die &#039;&#039;Klug oder Weise&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz einwiderredete nieman || Niemand gab Widerrede,&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|wen ein olbente von Thvschalan, || bis auf ein Kamel von Thuskulum,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di was vrvmic vnde wis	 ||  das war Fromm, Weise&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde dar zv vor alter gris. || und darüber hinaus von greisem Alter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1437-1440)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(2) Es gibt ein Spezifikum, welches einerseits ein weiteres Unterscheidungskriterium bildet und andererseits die Position in der Hierarchie rechtfertigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von hohem Grad, besteigt man eine hohe Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein lewe, der was Vervil genant,|| Ein Löwe namens Frevel,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gewaltic vber daz lant. || Herrscher über das ganze Land.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(...)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|si leisten alle sin gebot, || sie leisten alle seinem Befehl Gehorsam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was ir herre ane got. || er war nach Gott ihr Herrscher. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1241-1242; 1245-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des enwolden si niht volgen, || dem wollten sie nicht Folge leisten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des wart sin mvt erbolgen. || dadurch wurde sein Gemüt erzürnt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zorne er vf die burc spranc, || er sprang vor Zorn auf die Festung, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit kranken tieren er do ranc,|| da kämpfte er mit schwachen Tieren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte, daz iz im tete not.|| denn er dachte, dass er dazu verpflichtet sei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1255-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von niedrigem Grade, bleibt man auf einer niedrigeren Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der hase gesach des kvniges zorn, || Der Hase sah den Zorn des Königs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do want er zage sin verlorn. || da ahnte er, der Feigling, sein Verderben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ist noch der hasen sit. || Das ist noch immer des Hasens Art. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einordnung der Textstellen in den Handlungszusammenhang====&lt;br /&gt;
Textbelege (1) und (2) sind Ausschnitte aus dem Anfang der Gerichttags-Episode. Reinhart gewinnt schnell wieder die Überhand über das Geschehen und die Tiere um sich. Nach einer ganzen schmachvollen Episode, in der Ysengrin auf verschiedenste Weisen von Reinhart gedemütigt und entmannt wurde, konnte sich selbiger wieder mit seiner Familie vereinigen und ist zur Fehde entschlossen. Einem Verwandten des Fuchses, dem Luchs, ist es zu verdanken, dass doch ein rechtlicher Weg einschlagen wurde. Er bewirkt einen Gerichtstag, an dem Reinhart sich verantworten soll. Den Anfang dieses Gerichtages macht eine Aufzählung der Teilnehmer, welche zum Teil in (1) und (2) wiederzufinden ist. Unglücklicherweise ist jene Tagung nicht von langer Dauer und führt zu einer plötzlichen Flucht des Angeklagten mit anschließender Verfolgungsjagd bis in einen Dachsbau. Damit nicht genug, lässt sich der Verfolgte nochmals zu einer Untat an der Frau des Klägers herab.&lt;br /&gt;
Textbelege (3) und (4) schließen direkt daran an. Denn der bestürzte Ysengrin kam nur allzu spät mit seinem in (4) beschriebenen Gefolge hinterher, um eine Chance zu haben, den Missbrauch an seiner Gattin zu verhindern. Mit diesem Unglück konfrontiert, bricht er ihn große Klagen aus. Er nennt unter anderem die glückliche Heirat des Paares (3), währenddessen der Täter schon längst geflohen ist. Damit endet die Episode des Gerichtstags (vgl. auch Ruh 1980; 21,22)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1035-1238)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textbelege (6) und (7) sind Ausschnitte aus einer Zwischenepisode, welche direkt auf die Gerichtags-Episode folgt und den Ursprung der handlungskonstitutiven Krankheit, an der der König leidet, erklären soll. Der in (6) beschriebene König hat einen Landesfrieden beschlossen. Doch als er auf ein Ameisenvolk stößt, fordert er die unweigerliche Gefolgschaft der Ameisen. Nach der Weigerung der Ameisen den Befehlen des Königs Folge zu leisten (7), überspringt dieser ein Ultimatum und erklärt dem kleinen Volk kurzerhand den Krieg. Der Ameisenherr kommt zu spät zum Geschehen hinzu und erfährt von seinem aufgebrachten Volk, ihre vortrefflichen Burgen seien von dem Tyrann zerstört worden. Mit Rache in Absicht kriecht der Ameisenherr in einer ruhigen Minute in das Ohr des Königs, um dem Kriegstreiber schreckliche Kopfschmerzen zu bescheren. Der &amp;quot;Vrevel&amp;quot;, von Kopfschmerzen heimgesucht, deutet dies als ein Urteil Gottes aufgrund der Versäumnis des Gerichtstags und ruft prompt einen Hoftag ein.&lt;br /&gt;
Dieser Hoftag bildet eine erneute Gerichtssituation, in der nun aber der König auf dem Richterstuhl sitzt. Viele große und kleine Tiere, manche sogar aus fernen Lande, kamen zu dieser großen Versammlung. Ysengrin trägt, in Abwesenheit von Rheinhart, dem Plenum seine Klagen vor, in deren Anbetracht die Wut des Königs erneut entfacht wird (8). Über Reinhart wird anschließend übereinstimmend geurteilt. Doch ein Kamel aus Tusculum, welches dem Hoftag auch beiwohnte, erhob Einspruch (5). Es plädierte auf das Recht Reinharts, man müsse ihn dementsprechend erst dreimal vorladen. Nach dreimaliger Vorladung erscheint Reinhart dann doch. Seine Anwesenheit bedingt schließlich eine Kette von Ereignissen, die ultimativ zum Kollaps des Herrschaftskonstrukts und damit zur Klimax der Erzählung führen (vgl. auch Ruh 1980; 23,24,25)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1239-2248)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
Aus den Grundannahmen lässt sich schließen, dass sich die Tiere in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; durch ihre Spezies und deren biologisch-evolutionäre Eigenschaften unterscheiden.&lt;br /&gt;
Ferner unterscheiden sich die Tiere nicht nur und leben in einer offenen pluralistischen Gemeinschaft, sondern sind an eine hierarchische Ordnung gebunden. Diese Ordnung verlangt eben diese dargelegten Differenzen und sortiert selbige nach einem Kriterium in eine Rangfolge. &lt;br /&gt;
Die Tiere unterscheiden sich durch ihre Größe und ihre äußere Gestalt, welche ihnen entsprechende Kräfte geben, sodass das große und fülligste Tier kräftiger ist als das kleine und schmächtige. Diejenigen Tiere, die nun durch ihre Gestalt an größerer Kraft verfügen, stehen über denen, die durch ihre Gestalt weniger oder keine Kraft zur Verfügung haben. Die Stellung wird dann durch das &amp;quot;Betätigen der Kraft&amp;quot;, d.h. die Gewaltausübung, gesichert und aufrechterhalten, somit ist auch die Gewaltbereitschaft ein wichtiger Faktor für die hierarchische Stellung. Der Löwe sichert bspw. seine Stellung gegenüber den Ameisen, welche seine Stellung in Frage stellten (vgl. RF, 1252-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stellung in der Hierarchie wird also durch die Macht eines Individuums über das Andere gerechtfertigt, wobei hier das Kriterium der Macht physische Kraft und Gewalt ist (vgl. auch Neudeck 2016; 12,13,22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Besonderen===&lt;br /&gt;
====Gruppenbildung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Figuren in der Erzählungen fügen sich in diese grobe Ordnung ein und besetzten gemäß ihrem spezifischem Grad an Macht eine Position in selbiger. Es ist jedoch nicht nur die Stellung des Einzelnen in der Ordnung, die im Laufe der Erzählung explizit wird, vielmehr werden auch anhand von Merkmalen der Zugehörigkeit kleinere Gruppierungen erkennbar, die sich in die allgemeine Ordnung einfügen. Die Mitglieder der jeweiligen Gruppierungen liegen ungefähr auf einer Ebene der Hierarchie. Man kann sagen, dass die starken Tiere sich anderen starken Tieren zugehörig fühlen und die schwachen anderen schwachen - bspw. die Tiere des Hofapperates oder die Hühner.  Da diese Gruppen aber genauso Teil der allgemeinen Ordnung sind wie auch der Einzelne in der Gruppe, gibt es auch innerhalb der Gruppe solche, die einen Herrschaftsanspruch über die anderen Mitglieder haben - bspw. der Wolf Isengrin als oberstes Mitglied des Wolfsrudels. Damit gestaltet sich die Hierarchie der Tiere in Reinhart Fuchs so, dass auf Mikroebene ein Individuum (nach seinem Geschlecht) über dem anderen steht, wobei auf Makroebene eine Gruppe (von stärkeren unterschiedlichen Geschlechts) über der Anderen steht. Ferner: Wenn die Rede von einer Vetternschaft ist, so ist die Bindung in einer Gruppe von gleich starken oder gleich schwachen (Bspw. die Vetternschaft zwischen Katze, Fuchs, Luchs und Wolf (vgl. RF; 313-315, 453-455, 1070-1078)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint. Wenn aber die Rede von Geschlecht ist, so ist die spezifische Gattung des Tiers (bspw. Füchse oder Ameisen (vgl. RF, 1267-1269, 1164-1166, 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint, welches es in eine spezifische, der Gattung eigene Position in der Hierarchie zwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quantität und Qualität der Gruppen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Gruppe varriert, wie deutlich wurde, in der Qualität ihrer Mitglieder - d.h. in der physischen Beschaffenheit -, aber auch in der Quantität der Mitglieder. Dabei sind die Gruppen mit den stärksten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die kleinsten (siehe kleine Hofgefolgschaft), und die Gruppen mit den schwächsten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die größten (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005], sodass die Hierarchie graphischen am besten als eine Pyramide vorstellbar ist. Klettert man die Pyramide vom Boden hinauf, so startet man in einer ersten riesigen Gruppe, deren Mitgliedern von schwächster Gestalt sind. Mit zunehmender Höhe werden die Gruppen dann immer kleiner und ihre Mitglieder immer stärker, bis man sich an der Spitze der Pyramide befindet, an der keine Gruppe mehr steht, sondern ein einziges Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Position der Gruppen in der Hierarchie====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der die oberste Stellung in der Hierarchie einnimmt, ist der Stärkste und Gewaltbereiteste, der Löwenkönig (vgl. RF, V. 1240-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Er nimmt eine singuläre Postion ein und steht - in der vorherrschenden Ordnung - mit keiner anderen Figur auf einer Höhe. Er ist die Figur, bei der es am einfachsten gelingt sie in eine Position einzuordnen, weil es keine andere Figur gibt, die über vergleichbare Stärke verfügt wie sie. Direkt darunter befindet sich eine Gruppe aus äußerst starken Tieren unterschiedlichsten Geschlechts, welche den Hofapparat bildet. Dazu gehören beispielsweise Brun der Bär, der Leopard, Reinhold der Hirsch und Weitere (vgl. RF, V. 1329-1339)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Andere beispielhafte Gruppen wären - hierarchisch absteigend - die Wolfsfamilie und deren Verbündete/Verwandten im Gerichtstag (vgl. RF, V. )[Heinrich der Glîchezâre 2005] , der Hahn Dizelin und seine Hennen, das Volk der Ameisen und die Schar der unbenannten kleinen Tiere, die in dem Sinne eine Gruppe bilden, als es von ihnen so viele gibt und sie so unwichtig für die Handlung sind, dass sie zu benennen nicht nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zugehörigkeit und Bindung zur Gruppe====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde deutlich: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist nicht gewählt. Ganz ihm Gegenteil sind die objektiven Eigenschaften, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bzw. einer Gattung determinieren, durch die Natur verteilt und grundlegend nicht veränderbar. Denn eine Maus kann aufgrund ihres Geschlechts nicht plötzlich einen Löwen gebären, sondern auf ewig nur Mäuse. Diese Maus und die Gruppe von schwachen Tieren, zu der sie gehört, kann weder selbst im Rang aufsteigen noch Nachkommen zeugen, die das können werden. Letztendlich sind die Figuren durch ihre Gattung relativ fest an ihre Position in der Hierarchie gebunden. Beispielsweise ist ein Bär ein starkes Tier und wird auch immer starke Nachkommen haben, wird folglich auch immer in einer kleinen Gruppe von starken Tieren (Hofgefolge) bleiben, kann und wird aber aufgrund seiner vererbten physischen Eigenschaften nie ein stärkeres Tier werden. Damit kann der Bär seinem gebürtigen Stand nach nie den Löwen an Stärke übertreffen. Genauso wird der Wolf immer ein relativ starkes Tier bleiben, aber nie Nachkommen haben, die plötzlich stärker sind. Schließlich wird man in eine Position eingeboren, wobei es der physischen Gestalt nach unmöglich ist in der Position ab oder aufzusteigen und man sich in einer Gruppe von Tieren wiederfindet, die von unterschiedlichem Geschlecht sein können, sich aber in ihrem Grad der Stärke ähneln. Anzumerken ist hier auch, dass die angeborene Kraft kein Zufall ist, sondern göttliche Fügung. Im Reinhart Fuchs wird mehrmals angedeutet, dass die Kraft des Geschlechts von Gott vorgesehen ist. Der König &amp;quot;Vrevel&amp;quot; ist nach Gott der Herrscher und deutet selbst seine Schmerzen als Bestrafung Gottes, weil er seiner (göttlich herbeigefügten) Aufgabe als oberster Richter im Gerichtstag nicht nachkam (vgl. RF; V. 1245-1246, 1318-1320 )[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eine Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beschreibung der besonderen Strukturen lässt eine zentrale Figur aus. Zunächst lässt sich beschreiben, dass auch Reinhart einer Gattung angehört, welche ihn (nach der hier geschilderten Ordnung) in eine spezifische hierarchische Position zwingt. Schwieriger wird es Reinhart einer Gruppe aus ähnlich starken Tieren zuordnen, denn teils bricht er das Bündnis zu gleichgestellten (siehe die Vetternschaft mit dem Kater Diepreth) teils hält er an selbigem fest (siehe Bündnis mit dem Dachs Krimel). Es fällt nicht nur schwer eine geeignete Gruppe für ihn zu finden, viel schwerer fällt es unter den genannten Kriterien ihn in eine hierarchische Position einzuordnen. Er ist einerseits mit anderen Tieren seiner Stärke vergleichbar, anderseits in seiner Position und Machtstellung unvergleichbar und besonders. Aufgrund der Unmöglichkeit einer Festsetzung in eine Position kann man gar von einer Möglichkeit der Bewegung zwischen den Gruppen sprechen. Diese Besonderheit ist für die aufgeführte Art der Ordnung eine direkte Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Allgemeine Parallelen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Analyse sollte eines schon deutlich geworden sein: Die Ordnung der Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs ähnelt stark der Ordnung, in der man zur Lebenszeit des Autors lebte. In der Tat war die Gesellschaft des Hochmittelalters äußerst autoritär geordnet. Die Mächte und Gewalten waren klar verteilt, sodass es im groben nur zwei Arten von Menschen gab: die Herrschenden und die Beherrschten. Ein Individuum, das mit mehr Macht ausgestattet war und Gewalten zur Verfügung hatte, stand, um es einfach zu sagen, über demjenigen, der keine oder weniger Macht oder weniger an Gewalt zur Verfügung hatte und sich damit beherrschen ließ. Auch wenn es bei dieser Art der Macht weniger um physische Statur ging, als um Ressourcen, Zwang und Bedrohung, ist auch diese hierarchische Ordnung, wie auch die der Tiere, grundlegend auf Gewalt und Macht aufgestellt. Nun sind die drei prominenten großen Stände des Mittelalters - Adel, Klerus und Bauern -, wie die Gruppen im RF, in diese Ordnung eingebettet, sodass auch diese hierarchisch übereinander geordnet sind. Die Mitglieder eines Standes hatten einen ähnlichen Grad an Macht und dieselben, dem Stand eignen Aufgaben. Tatsächlich wurde dieses Konstrukt, wie auch das Konstrukt in RF, graphisch häufig in Form einer Pyramide dargestellt. Dies Stände in dem Konstrukt waren jedoch - orientiert an der großen Trinität - nur sehr grobe Gruppierungen nach den generellsten Aufgaben und Machtansprüchen, unter denen wiederum viele kleine Gruppen subsumiert wurden. Jeder Stand hatte - gemäß dem Schaubild der allgemeinen Ordnung - für sich selbst nochmals eine interne hierarchische Struktur. Beispielsweise gab es im Stand des Adels sehr wohl weiter hierarchische Aufteilung, wobei an der obersten Spitze der Pyramide der König stand, darunter der Hochadel, Ritter und dann der niedere Adel. Weiter war auch die Zugehörigkeit zu einem Stand oder zu einer Gruppe eines Standes von Geburt an determiniert und von Gott vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einschränkung auf den Adel====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprechen wir nun von der Ordnung der Tiere im Reinhart Fuchs ist zu beachten, dass die meisten der handelnden Figuren in Reinhart Fuchs Teil des Adels sind, sodass wir die meiste Zeit nicht die gesamte Ordnung mit allen Ständen betrachten, sondern nur die inneren Strukturen des adeligen Standes. Wenn wir also die Ordnung der Tiere in Reinhart Fuchs im besonderen betrachten, dann schauen wir nur auf das oberste Drittel der Pyramide. Wie Ruh sagt, sind alle handelnden Figuren in Reinhart Fuchs dem Stand des Adels angehörig, sodass die Tierwelt in Reinhart Fuchs größtenteils eine adelige Welt darstellt (vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]. Die meisten Gruppen in Reinhart Fuchs stellen somit Teile der hierarchischen Struktur der adeligen Welt wieder, in der der kleine Adel unter Hochadel und zuletzt dem König stand. Ein kleiner Teil der Gruppen im Reinhart Fuchs ist aber auch von der Art, dass sie kein Teil des Adels sind. Wann sprechen wir also bei den Tieren in Reinhart Fuchs von Adel und wann nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen können offensichtlich diejenigen Tiere als Adel bezeichnet werden, die explizit einem Hofapparat angehören, welcher ganz ohne Metaphorisches Gewand deutlich eine obere adelige Struktur darstellt (bspw. Brun der Hofkaplan). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen liefert die Benennung und Bezeichnung der Tiere ein klares Indiz für ihren adeligen Status. Während diejenigen Tiere, die von adeligem Status sind, eine definite Bezeichnung (bspw. der Ameisenherr, Brun der Bär, Ysengrin, der Hirsch, der Leopard, der Löwe Vrevel) tragen, tragen Tiere ohne adeligen Status eine indefinite Bezeichnung, sind keine handelnden Figuren in Reinhart Fuchs und stehen eher am Rande des Geschehens (bspw. die kleinen Tiere, Marder, viele -, einige -, eine Maus, eine Meise, Ameisenvolk). Man nehme beispielsweise die Gruppe der kleinen Tiere, die nicht näher beschrieben werden kann, weil sie aufzuzählen ein zu großer Aufwand wäre (vgl. RF, V. 1118-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Dagegen ist ein Tier mit definitem Artikel, bspw. der Hase, ein bestimmter aus der unbestimmten Menge von Tieren seines Geschlechts gewählte Figur. Dieser definite Status suggeriert Bekanntheit und Ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die definiten Tiere tragen manchmal sogar einen Namen, sind &amp;quot;Barone&amp;quot;, &amp;quot;Herren&amp;quot; und &amp;quot;Höflinge&amp;quot; und sprechen sich auch dementsprechend an ((vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]). Dabei könnte man vermuten, dass das Geschlecht (die Spezies/Rasse des Tiers) den Nachnamen oder auch den Stand bezeichnet, weil man mit dem Namen des Geschlechts schon eine gewissen Grad an Macht assoziiert (Z.b: Maus, Ameise, Wolf).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere im Stand des Adels====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stand der Tiere in Reinhart Fuchs ist also vorwiegend der Adel. An der Spitze (der kleinen Pyramide) dieses Adels steht der König Vrevel. Unter ihm der Hochadel in Form seines Hofapparats, mit prominenten und äußerst starken Tieren, wie zum Beispiel: Brun der Bär, der Hirsch, der Leopard. Von dieser Spitze des Adels steigt man nach und nach ganz im Sinne der allgemeinen Ordnung zu  - relativ zur höheren Position - schwächeren Tieren und Gruppen von schächeren Tieren, wie zum Beispiel der Wolf und seine Verbündeten/Verwandten. Bis man zu den kleinsten und schwächsten Tieren und Gruppierungen von Tieren gelangt, die noch zum Adel gehören. Dazu gehören Beispielsweise der Ameisenkönig oder auch Scetecler und seine Hennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere in anderen Ständen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiere die nicht dem Stand des Adels angehören sind in Stände zu ordnen, die unterhalb des Adels liegen. Sie sind nach der allgemeinen Ordnung Gruppen aus Individuen, die über weniger Macht verfügen als der Adel. Diese Gruppen wären in Reinhart Fuchs beispielsweise das Ameisenvolk (ohne seinen Herr) oder die Schar der unbenannten kleinen Tieren.&lt;br /&gt;
Explizit werden keine Aussagen über den Stand Klerus oder den der Bauern bzw. Unfreien getroffen. Abseits von kleineren zynischen Anmerkungen Reinharts zum Mönch- und Klosterleben (vgl. RF, V. 655-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980; 20,21)[Ruh 1980]. Es können Vermutungen darüber angestellt werden, ob Reinhart oder seine Fürsprecher aufgrund ihrer Intelligenz, ihres Alters und Weisheit, oder ihrer Affinität, als Fuchs oder Dachs in einer Höhle (Kloster) zu leben, zum Stand des Klerus gehören. Auch der Klerus war privilegiert und stand auf der Seite der Beherrschenden. Einige graphische Illustrationen der mittelalterlichen Gesellschaft sehen selbst von der Pyramide ab und nehmen das Bild einer Zwiebel. Wobei der Adel und der Klerus sich die Position an der Spitze der Zwiebel teilen. Bei den Fürsprechern Reinharts kann man von solch einer Position ausgehen. Das würde heißen, dass das Kamel, der Elefant und der Dachs weniger dem höheren Adel angehören als der höheren Geistlichkeit, welche auch im Feld des Adels mitspielen konnte. Doch bei Reinhart muss man von solchen Vermutungen absehen. Denn er ist es, der keine Position wirklich einnimmt oder über längere Zeit besetzt hält. Er ist die einzige Figur, der es in diesem Sinne sogar gelingt, die Leiter zu erklimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich beschreibt die Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs eine feudale Ordnung. Das heißt sie nimmt - mit einigen Ausnahmen - nur den Stand des Adels aus der drei - Stände - Ordnung herraus und beschreibt diese Subkultur. Dabei beruft sich die Ordnung der Tiere in Reinhart auf eine allgemeine Ordnung, wie sie auch im Mittelalter für alle Stände inklusive dem adeligen Stand galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mögliche Kritik des Autors==&lt;br /&gt;
Nachdem gezeigt wurde, wie die Ordnung der Tiere im allgemeinen und besonderen aufgebaut ist und dass diese Darstellung tatsächlich Parallelen zur mittelalterlichen Ständeordnung aufweist, bleibt jetzt noch die Frage offen, welche Schlüsse man aus diesen Vergleichen ziehen kann. &lt;br /&gt;
Klar ist: &amp;quot;Heinrich&amp;quot; illustriert die mittelalterliche Ordnung im Gewand von metaphorischen Tierfiguren und ihrem Verhalten miteinander. &lt;br /&gt;
Mit dieser Erkenntnis können jetzt Umstände, die in der Welt der Tiere auftreten, interpretiert und auf die mittelalterliche Welt übertragen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun also angebracht, die Aussagen, die in Reinhart Fuchs stecken, herauszugreifen, zu interpretieren und auf die mittelalterliche Welt anzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Menschliche oder Tierische Ordnung?===&lt;br /&gt;
Betrachtet man die Ordnung im Reinhart Fuchs, stellt man fest, dass vieles tierisch ist, aber auch menschlich wirkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man die Ordnung im Reinhart in einzelne Kriterien zerlegt und versucht diese Kriterien, entweder einer tierischen Ordnung oder einer menschlichen Ordnung (des Mittelalters) zuzuordnen, stößt man auf ein Problem. Denn es gibt wenige Kriterien in der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche definitiv zu der einen oder zu der anderen Art von Ordnung gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich gibt es nur zwei Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche klarerweise menschlich oder tierisch sind. Diese Punkte sind in dem Sinne klarerweise der einen Art von Ordnung zuzuordnen, als es sie in der anderen gar nicht geben könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erst Kriterium ist der Fakt, dass alle handelnden Figuren im Reinhart Fuchs Tiere, das heißt von tierischer Gestalt, Aussehen und Bewegung sind. Alle Subjekte auf die sich die Ordnung bezieht sind dementsprechend Tiere. So etwas kann es in einer menschlichen Ordnung nicht geben, weil hier offensichtlich alle Subjekte, auf die sich die Ordnung bezieht, Menschen sind. Tiere sind als Subjekt aus der menschlichen Ordnung kategorisch ausgeschlossen sein. Das erste Kriterium ist also klarerweise der tierischen Ordnung zuzuordnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Kriterium ist der Fakt, dass die meisten der Figuren in der Ordnung im Reinhart Fuchs einer expliziten Kultur angehören. Die Subjekte haben genügend Kognition Titel und Namen zu vergeben, eine Kultur zu erhalten (Rechtsprechung, Institutionen usw.) und dies mit Worten zu kommunizieren. Es ist ausgeschlossen, dass sich die Tiere in einer natürlichen tierischen Ordnung Titel und Namen geben und sich dementsprechend anreden - auch wenn sie das in anderer Form tatsächlich tun. Diese Bestandteile einer Kultur, insbesondere die Fähigkeit zur Sprache und Vergabe von offensichtlich menschlichen Titeln, wie &amp;quot;Herr&amp;quot;, können ausschließlich Teil einer menschlichen Ordnung sein. Dieses Kriterium ist also klarerweise der menschlichen Ordnung zuzuordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Uneindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle anderen Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs sind sehr schwer einer Art von Ordnung zuzuordnen, wenn es nicht gar unmöglich ist. Es gibt also ein großen Rest an Aspekten, welcher weder der menschlichen Ordnung noch der tierischen Ordnung zugeteilt werden kann. Umgekehrt könnte man sagen, dass die meisten Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs von der Art sind, dass sie sowohl menschlich als auch tierisch sein können. Bei diesen Kriterien kann man sich nicht entscheiden, mit welcher Art von Ordnung man es zu tun hat, weil es zu keiner klarerweise passt und gleichzeitig zu beiden. Das ist der Punkt, welchen Heinrich uns aufs Deutlichste unter die Nase reiben möchte. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der These ein paar beispielhafte Kriterien der Ordnung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst ist das Kriterium der Macht im Reinhart Fuchs ganz klar die Kraft und mit ihr verbunden die Gewaltbereitschaft. Wie deutlich ist der Grad an dieser Art der Macht entscheidend für die Position in der Hierarchie. In einer tierischen Ordnung wird der Stärkere das Rudel führen, über Handlungen entscheiden und über die Schachen richten. Das ist ein grundlegendes Gesetzt der Natur, nämlich das Recht des Stärkeren. Aber auch in der mittelalterlichen Gesellschaft der Menschen ist Kraft und Gewalt ein nicht wegzudenkendes Kriterium der Macht. Gewalt sollte zwar das letzte Mittel der Machtausübung sein, sie ist aber unentbehrlich und dementsprechend grundlegendstes Kriterium der Macht. Zugegeben es gibt in einer menschlichen Gesellschaft durchaus andere Formen der Macht, wie Erpressung oder Beziehungen und weiter ist auch Kraft nur übertragen als eine Art Zugang zu Kraft (nicht der König, sondern sein Heer kämpft) zu verstehen. Aber die Form, die greift, wenn alle anderen Formen der Macht in der menschlichen Ordnung wegfallen (bspw. durch Aufstände oder Krieg), ist die allgemeinste Form der Macht, die Gewalt und (übertragene) Kraft. Wenn bspw. die Bauern ihre Tribute nicht mehr zahlen wollen oder unter kriegerischen Auseinandersetzung die Ressourcen zur Diplomatie fehlen, dann muss die Ordnung mit Händen und Füßen wiederhergestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Punkt ist der grobe Aufbau der Ordnung in Reinhart Fuchs. Wie es im Tierreich eine lineare Hierarchie von den schwachen zu den starken Tieren - nach dem Motto die Einen fressen, die Anderen werden gefressen - gibt, so gibt es auch in der mittelalterlichen Ordnung der Menschen eine lineare Hierarchie. Sie zeichnet vom schwächeren Individuum zum nächst stärkeren Individuum eine Leiter, deren Ende dadurch erkennbar ist, weil über dieser Position keine weitere folgt. Manch einer könnte behaupten, dass diese Form der Macht und dieser Aufbau der Macht auch heute noch unausgesprochen vorhanden ist. Denn für jeden Menschen gibt es auch heute noch einen anderen, der über jenem steht und einen weitern, der über diesem steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner ist auch der besondere Aufbau der Ordnung im Reinhart Fuchs schwer zuzuordnen. Sowohl Tiere als auch Menschen fügen sich in Gruppen zusammen, wobei die Mitglieder dieser Gruppen von ähnlicher Art sind und diese relativ zu den anderen Gruppen und ihren Mitgliedern unterschiedlich. Die Tiere gehen mit Tieren gleicher Stärke Zweckbeziehungen ein (so wie der Dachs und der Fuchs ), um voneinander zu profitieren. Sie bleiben in ihren Familien und bei ihrer Art, weil diese von gleicher Stärke ist und ähnliche Probleme bzw. Bedürfnisse haben (bspw. ein Rudel Wölfe aus unterschiedlichen). Und sie schließen sich zu größeren Gemeinschaften aus unterschiedlichen Tieren von ähnlicher Stärke, ähnlicher Größe, ähnlichen Problemen und ähnlichen Bedürfnissen zusammen (bspw. Antilopen, Zebras und Gnus). Genauso pflegen es auch die Menschen - innerhalb einer allgemeinen Ordnung - Zweckbeziehungen zu führen, sich mit Gleichgesinnten und ähnlich Beschaffenen zu verbünden und innerhalb der Familie und des Standes zu bleiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Zugehörigkeit zu den Gruppen sowohl beim Menschen als auch beim Tier scharf geregelt. Wie beim Tier, so wird man bei den Menschen in einen gewissen Stand und in eine gewisse Gruppe eingeboren. Sowohl bei den Menschen (als angeborener Stand mit oder ohne Privilegien) als auch bei den Tieren (als angeborene Größe und Statur) scheint es gar unmöglich über diese angeborenen Grenzen hinweg zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst Intrigen, Bündnisbrüche und Treuebrüche, wie sie im Reinhart Fuchs vorkommen, sind bei einer menschlichen Ordnung nicht ausgeschlossen. Sowohl bei den Tieren als auch bei den Menschen schickt sich immer wieder jemand an eine Machtstellung in Frage zu stellen oder ein Übereinkommen aus eigenen Interessen zu brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Folgerung und Kritik====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Punkte sollen nur auf die große implizite Frage hindeuten, welche Heinrich dem Rezipienten stellt: Sag mir, spreche ich von einer menschlichen oder einer tierischen Ordnung? Und die Antwort, die er hören will ist: Ich weiß es nicht. Dieses ernüchternde Ergebnisse soll aufmuntern darüber nachzudenken, welche Dinge den Rezipienten dazu bringen zu glauben, man habe es mit keiner von beiden oder mit beiden gleichzeitig zu tun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner bezieht Heinrich mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung in Reinhart Fuchs zu der Ständegesellschaft des Mittelalters diese schwere Frage auch auf die Ordnung des Mittelalters. Heinrich weist hier darauf hin, dass auch im Kontext der mittelalterlichen Ordnung der Menschen die Frage, ob es sich tatsächlich um eine menschliche Ordnung handelt oder nicht, immer schwerer wird. Jedem sollte daraus klar werden, dass menschliche und tierische Ordnung sich in vielerlei Hinsicht zunehmend ähnlicher werden und die Grenzen gar drohen gänzlich zu verschwinden. Folglich sollte jeder daran arbeiten diese Grenzen zwischen tierischer Ordnung und menschlicher Ordnung wieder trennscharf zu machen. Denn es bleibt die Intuition, dass unsere Ordnung der tierischen weitaus überlegen ist, wodurch die Unterscheidung leicht ausfallen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich will also mit dem Erschaffen einer verblüffend menschenähnlichen Gemeinschaft aus Tieren zu bedenken geben, dass die menschliche Ordnung droht in Zustände zu verkommen, in denen man sie gar nicht mehr von der tierischen unterscheiden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kritik zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung===&lt;br /&gt;
Die Figuren und ihre Beschaffenheit sind für eine Ordnung von zentraler Bedeutung. Auf sie wirkt die Ordnung ein und von ihnen wird die Ordnung aufrecht gehalten. Bei der Wahl einer adäquaten Metapher für die Figuren der menschlichen Ordnung, kam Heinrich auf Tiere. Schon das ist Indiz für eine kritisches Urteil über die handelnden Figuren in der menschlichen Ordnung, nämlich die Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====[[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Figurencharakteristik]] und Handlungsmotiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein lässt sich sagen, dass die [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|handelnden Figuren in Reinhart Fuchs]] Tiere sind. &lt;br /&gt;
Diese Tiere nehmen vorwiegend menschliche Eigenschaften an, nicht zuletzt die Fähigkeit zu Sprechen. Neben ihrer Gestalt und ihrem Aussehen macht sie wenig zu wirklichen Tieren. Doch die meisten Eigenschaften und Charakteristika der Tiere - außer ein paar Ausnahmen bei dem die Tiere beschrieben werden -  werden dem Leser erst durch ihr Handeln bewusst (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Folglich ist das, was sie überhaupt zur Handlung treibt, von äußerstem Interesse. Das vorwiegende Motiv, welches die Tiere zum Handeln bewegt, ist von solcher Art, dass es wiedermal sowohl dem Tier als auch dem Menschen zugeordnet werden kann. Es handelt sich um den Drang nach Nahrung, nach Sex, nach Selbsterhaltung und nach Macht. Kurzum: Es handelt sich um den Drang grundlegendste Bedürfnisse zu befriedigen. Beispiele hierfür wären, der Drang des Wolfes nach Futter(vgl. RF, V. 648-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der (egoistische) Drang des Löwen zur Selbsterhaltung (vgl. RF, V. 1873-1891)[Heinrich der Glîchezâre 2005] und der Drang des Elefanten und des Kamels nach Macht (vgl. RF, V. 2097-2108, 2120-2135)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Aus dieser Art Drang werden die meisten Handlungen begangen und wiederum aus diesen Handlungen realisieren sich die Charaktereigenschaften der Tiere (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben wir es nun in der Ordnung des Reinhart Fuchs mit menschenähnlichen Tieren zu tun oder eher mit Menschen, welche noch einiges vom Tier mit sich tragen? Auch diese Entscheidung macht uns Heinrich schwer. Tatsächlich gibt es Eigenschaften die klarerweise für Tiere sprechen und Eigenschaften die klarerweise für Menschen sprechen. Aber das Motiv zu handeln, woraus die meisten Eigenschaften - außer natürlich die tierische oder menschliche Gestalt selbst - hervorgehen, ist sowohl tierisch als auch menschlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an Eigenschaften und Motiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Figuren im Reinhart Fuchs offensichtlich von tierischer Gestalt sind, bleibt offen, ob diese zusammengenommen tatsächlich Tiere sind oder doch Menschen. Mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung von Reinhart Fuchs zur Ständegesellschaft des Mittelalters, kann dieser Befund auch auf die Figuren der mittelalterlichen Ordnung übertragen werden. Heinrich sagt hier aus, dass auch die Figuren in der Gesellschaft des Mittelalters, d.h. die Menschen, in ihren Eigenschaften und Motiven zu Handeln so verkommen sind, dass es auch bei ihnen schwer fällt, zu entscheiden, ob es sich bei ihnen um Menschen oder Tiere handelt, obwohl sie ihr Gestalt nach klarerweise Menschen sein sollten. &lt;br /&gt;
Wenn solch eine Entscheidung schwer fällt, dann scheint einiges fragwürdig. &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung aussehen?&amp;quot;, &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung handeln?&amp;quot; und &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung beschaffen sein?&amp;quot;, damit klar wird, dass sie Menschen sind. Die Kritik soll eben all diese Fragen im Rezipienten aufrufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Nebenfolge des Handlungsmotivs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Art des Handlungsmotivs hat noch eine verhängnisvolle Nebenfolge, welche wiederum eine unschöne Charaktereigenschaft realisiert. Während das Ziel die Bedürfnisse zu befriedigen emsig verfolgt wird, mangelt es vor und bei der Ausführung der Handlung meist an der richtigen Überlegung, sodass viele der Handlungen der Tiere unbedacht und naiv wirken (bspw. der Wolf, der wegen seines Handlungsmotiv seinen Schwanz verlieren musste oder der Löwe, der der wegen seines Handlungsmotivs sein Leben verlieren musste). Die Tiere im Reinhart Fuchs geraten so häufig in eine Art Tunnelblick, der ihnen die Übersicht über die Handlungsumstände verwährt. Schließlich sind die Tiere dann, wenn das Motiv greift, nur auf die Befriedigung der Bedürfnisse aus und lassen andere Bemühungen um bspw. Vernunft fallen. Diese Nebenfolge des Handelns aus Begierde macht sie schwach und lässt sie nicht zuletzt oft dumm dastehen. Diese Nebenfolge tritt ebenfalls sowohl beim Tier als auch beim Menschen auf. Wie Tiere, so lassen sich auch Menschen viel zu oft von ihrem Trieb zu unüberlegten Handlungen verleiten, sodass sie dann auch oft naiv und unaufmerksam durch das Leben gehen. Heinrich weist darauf hin, dass auch dieser Punkt die Entscheidung, ob es sich bei den Figuren der mittelalterlichen Ordnung wirklich um Menschen handeln, schwerer macht. Weiter realisiert hier das Handlungsmotiv eine der problematischsten Charaktereigenschaften, die dem Meschen wie auch dem Tier eigen ist: das dumme Handeln aus Trieb. Darüber hinaus gibt er aber auch zu bedenken, dass eben diese Unüberlegtheit in manchen Handlungen - wie man noch sehen wird - den Menschen, so stark er auch ist, am verwundbarsten macht. Mit anderen Worten: Wir stellen uns oftmals genauso dumm an wie Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an einzelnen Vertretern der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen groben Kritikpunkten zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung werden dann auch einzelne Vertreter der Ordnung kritisch auseinander genommen. Allem voran der König leidet unter seinen charakterlichen Defiziten. Er ist wie sein Name &amp;quot;[[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|Vrevel]]&amp;quot; sagt zwar überaus stark, aber in vielen Situationen tollkühn und dummdreist (vgl. Bertau 1983, 21)[Bertau 1983]. Er, der gerade den Frieden erklärt hat, führt aus Zorn über Befehlsverweigerung kurz darauf wieder Krieg. Er kämpft als Größter gegen kleine Tiere und fühlt sich nach der göttlichen Aufgabe des Adels &amp;quot;tu protege&amp;quot; auch noch dazu verpflichtet (vgl. Neudeck 2016, 21)[Neudeck 2016]. Aus seinem Toben und seiner unüberlegten Gewalt erntet er die Quittung. Er muss für seine dummdreiste Art leiden und lässt gar am Höhepunkt der Handlung aus Angst vor dem eigenen Tod sein Leid zum Grund für weiters Blutvergießen werden. Aufgrund seines blinden Handeln um das Ziel der Selbsterhaltung zu erreichen, gerät er in den bereits erwähnten Tunnelblick. Dieser bewirkt, dass er keine Übersicht über die Handlungssituation mehr hat und sich nur noch auf sein Ziel konzentriert. All seine Macht nützt ihm nun nichts mehr, denn er handelt, wie beim Ameisenvolk, nach seinem Trieb, ist dadurch unaufmerksam und kann überlistet werden. Der Löwe und damit auch der König allgemein gesprochen, wird als ein tyrannisch-willkürlicher Machthaber skizziert, dessen bestimmte triebhafte Motive ihn zu Handlung führen, die ihn untreu, ungerecht und nicht zuletzt dumm aussehen lassen (vgl. RF, V. 1890-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980, 23)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Nach diesem überaus deutlichen Urteil Heinrichs über den obersten Machthaber, nimmt er sich den ganzen weiteren höheren Adel vor. Auch diese &amp;quot;Tiere&amp;quot;, d.h. auch Administrale des Königs, sind durch ihre Eigenschaften und Handlungsmotive äußerst kritisch gezeichnet. Beispielsweise handelt Brun der Bär nur aus Gier nach Nahrung, sodass der ehemals große Hofkaplan naiv wird und an einem Machtvolleren scheitert kann (vgl. RF, V. 1525-1559)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So ergeht es auch mehrfach [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|dem Wolf Isengrin]] (vgl. RF, V. 648-815, 873-955)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der aus Gier naiv wird und an dem selbigen Machtvolleren scheitern. Weiter ergeht es so auch dem Elefanten und dem Kamel, die aus Gier nach Macht, unüberlegt in fremde Lande reisen, nur um ebenfalls zu scheitern.&lt;br /&gt;
Ganz allgemein verfügt der größte Teil der Tiere im Reinhart Fuchs über eben solche Handlungsmotive, sodass der Großteil der Tiere auch als dumm bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich zeigt mit seinen verblüffend menschlichen Tieren nicht nur das allgemeine Problem der Figuren der mittelalterlichen Gesellschaft, sondern demonstriert auch an einzelnen Figuren der Ordnung, wie schwerwiegend sich die Defizite auswirken. &lt;br /&gt;
Er kritisiert folglich nicht nur den Menschen, der durch seine Motive und Eigenschaften gar nicht mehr vom Tier unterschieden werden kann, sondern explizit auch den König, seine direkten Bediensteten und größere Teile adeliger Gesellschaft, mit unter Barone, Weise aus fernen Ländern und etliche &amp;quot;Herren&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gefahr der Sprengung der Ordnung===&lt;br /&gt;
Zuletzt kommen wir zur größten und durchschlagskräftigsten Kritik Heinrichs an der gesellschaftlichen Ordnung des Mittelalters. Wo es noch bei den anderen Kritiken um die unbefriedigende Form und Beschaffenheit der Ordnung ging, geht es jetzt um etwas das die Ordnung als solche bedroht. Denn die Ordnung und ihr Aufbau ist so mangelhaft, dass sie Lücken aufweist. Diese Lücken können ferner von einer entsprechenden Figur, welche sie erkannt hat, aufgebrochen werden. Die Folge daraus ist nichts geringeres als eine katastrophale Sprengung der Ordnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Figur Reinhart Fuchs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommt die Hauptfigur der Erzählungs &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; ins Spiel. Auch Reinhart ist eine Figur der allgemeinen Ordnung in Reinhart Fuchs. Dementsprechend steht auch er nach seiner Gattung, seiner Kraft und Größe in einer spezifischen hierarchischen Position, sodass einige Tiere über ihm stehen und andere unter ihm. Trotzdem umgibt er sich, wie kein andere Figur, mit Tieren, die hierarchisch weit über ihm stehen. Ferner scheint es so als wäre er keiner Gruppe zugehörig, er steht nicht an irgendeiner Position fest, er ist vielmehr in ständiger Bewegung. Ultimativ gelingt es ihm alle Position zu übersteigen, dem obersten gegenüberzustehen und eben diesen verheerend seiner Position zu berauben. Wie kann es sein, dass ein relativ kleiner und schwacher Fuchs viele stärkere Tiere übergeht und selbst dem stärksten Tier &amp;quot;das Wasser reichen kann&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016, 22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Reinharts Mittel zur Macht====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart erkennt seine körperliche Unterlegenheit gegenüber anderen Tieren. Aber Reinhart gibt nicht wie andere Tiere auf und beugt sich dem allgegenwärtigen Recht des stärkeren, sondern behilft sich eines anderen Mittels. Wie auch Hübner sagt, geht &amp;quot;aus seiner Not der körperlichen Unterlegenheit&amp;quot; ein anderes Mittel zur Selbsterhaltung hervor. So könne Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit &amp;quot;&#039;&#039;kundekeit&#039;&#039;&amp;quot; für seine Selbsterhaltung sorgen (vgl. Hübner 2016, 87)[Hübner 2016]. Immer wenn Reinhart sich einem stärkeren Tier ausgesetzt fühlt, befleißigt er sich im Angesicht der Gefahr eines anderen Mittels der Macht, um der Kraft des Gegenübers die Stirn zu bieten. Er führt also neben der Kraft und Gewalt ein weiteres, von der allgemeinen Ordnung nicht vorgesehenes Kriterium der Macht auf das Spielfeld. Reinharts Mittel scheint zudem größere Wirkung zu haben als das Mittel, welches die allgemeine Ordnung vorsieht. Intelligenz verhilft dem Inhaber mithin zu einem größeren Grad an Macht als es Stärke tun könnte. Dies hat folgenden Grund: Die Intelligenz befähigt den Intelligenten genau das auszunutzen, was den Starken unabhängig von seinem Grad an Stärke machtlos macht. Die starken Tiere lassen sich von ihren Handlungsmotiven in unüberlegte Handlungen treiben. Genau dann, wenn die starken Tiere so unaufmerksam und so unüberlegt in ihrem Handeln sind, kann der Intelligente daraus seinen Vorteil ziehen. In dem Sinne besteht Intelligenz hier zunächst in der &amp;quot;aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation&amp;quot; (vgl. Hübner 2016, 88)[Hübner 2016]. Reinhart ist sich über Begierden seiner viel stärkeren Gegenüber bewusst, führt sie in unüberlegte Handlungen und macht es sich so leicht die Dummen zu überlisten (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Reinhart hat folglich ein Rezept für seinen Erfolg. Er ist einer von wenigen Intelligenten Tieren und sieht sich in vielen Situationen gezwungen im Angesicht von Gefahr seine Intelligenz zu seinem Vorteil zu nutzen. Dies gelingt ihm deshalb so gut, weil die meisten Tiere die gleichen Handlungsmotive haben, welche für Reinhart gut vorhersehbar sind (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980]. Zudem verfügt Reinhart über weitere Fähigkeiten, wie z.B.: Rethorik, welche es ihm erlauben seinen Gegenüber gemäß seiner Motive zu Handlungen zu überreden, die ihn verwundbar machen. Reinhart weiß es den &amp;quot;Willen der anderen zu kanalisieren&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016; 23,24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
Den absurden Höhepunkt findet dies in der Überlistung der obersten Instanz der alten Hirarchie (vgl. RF, V. 2220-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So kann Reinhart, wie bei allen anderen starken Tieren, auch das stärkste Tier durchschauen, seine Handlungsmotive vorhersehen, diese durch seine Redekunst zu seinem Vorteil ausnutzen und dann, wenn der Dumme am verwundbarsten ist, zuschlagen. &lt;br /&gt;
Reinhart hat es geschafft, sich mit seiner (erlernten) Intelligenz über die Grenzen seiner Gattung hinwegzusetzen, seine ehemals festen Position der Hierarchie zu verlassen, in andere Positionen zu wandern und letztendlich sich über die Instanz zu stellen, über der niemand anderes stehen dürfte. Er sprengt damit die alte allgemeine Ordnung und erschafft eigens eine neue, in der das Kriterium der Macht Intelligenz ist (vgl. Neudeck 2016; 24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertragen auf die Gesellschaft des Mittelalters zeigt Heinrich hiermit, dass die vorherrschende Ordnung mit den unüberwindbaren Ständen und der allbekannten Machtverteilung nicht unzerstörbar ist. In der Tat ist sie, sieht man auf die anderen Punkte der Kritik, durch ihren  Aufbau und Beschaffenheit - insbesondere die monarchische Spitze- in einer solch miserablen Verfassung, dass sie gestürzt werden kann. Dafür braucht es nicht einmal einen stärkeren König, der es vermag die Ordnung mit Gewalt zu stürzen. Es genügt eine winzige Figur, die es versteht die miserable Verfassung der Ordnung zu ihrem Vorteil auszunutzen, um die Ordnung in ihren Grundfesten zu sprengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verbunden richtet Heinrich einen Appell an alle Rezipienten. Sollte man weiter auf Motiven, Charaktereigenschaften und Ordnung verharrt, welche man mehr oder weniger mit den Tieren teilt, ohne dass man etwas gegen diese Mängel unternimmt, so bleibt auch die Gefahr einer Sprengung der Ordnung. Kurz: Wenn man sich weiter so dumm anstellt, findet sich schnell jemand, der schlauer ist. Da man nicht schnell genug über sich selbst gerichtet hat, wird dieser dann über den Adel richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit: konstruktive Satire oder doch destruktive Kritik?==&lt;br /&gt;
===Aufgreifen der Hypothese===&lt;br /&gt;
Die Entscheidung solche Parallelen sichtbar und damit verbunden den kritischen Bezug auf die mittelalterliche Gesellschaft deutlich zu machen, wurde, so lautete die Hypothese, nicht ohne Grund gefällt.  &lt;br /&gt;
Nur welchen Grund hat Heinrich, solch scharfe Aussagen zu treffen? Ferner: Welches Ziel verfolgt er mit dem Einfügen dieser unterschwelligen Aussagen? Sind seine Ziele genauso drastisch wie seine Aussagen? Befindet Heinrich eine Reorganisation für nötig? Oder ist es ihm etwa ein Anliegen, mit der feudalen Subgesellschaft abzurechnen? Weshalb sonst sollte er vor allem so kritisch gegen den adeligen Teil des Spektrums der Ordnung vorgehen. Er kritisiert Hofstaat, Administration, feudale Moral und nicht zuletzt die ultimative Machtinstanz, den Monarchen. Macht ihn das nicht anti-feudal? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich ist nicht anti-feudal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von solchen Argumentationen ist aus verschieden Gründen abzusehen(vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980] . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Anonymität des Namens &amp;quot;Heinrich&amp;quot;, kann man davon ausgehen, dass der Autor, wie die meisten Autoren dieser Zeit, selbst dem Stand nach adelig war. Er schrieb über den Stand, von dem er am meisten interne Informationen sammeln konnte. Nur mit der grundlegenden Auseinandersetzung der Struktur des Adels konnte er zu einer solchen expliziten und empfindlich genauen kritischen Haltung insbesondere gegenüber den Figuren des Adels gelangen. Er war aber in diesem Sinne keinesfalls um eine destruktive Kritik bemüht, denn er war faktisch Teil des Standes. Mit Auflösung oder dramatischer Reorganisation der Stände inklusive des Adels wäre auch er als privilegiertes Mitglied des Adels negativ betroffen. Dies hätte kaum seine Absicht sein können (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus war die Literatur, die er schrieb, in der Form exklusiv, als sie ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Das Publikum war dementsprechend Adel, sodass es sich anbot, auch über den Adel zu schreiben. Die Kultur, die im Adel vertreten war, war in größtem Grade unterschiedlich zu der, die in der &amp;quot;wirklichen&amp;quot; Welt vorherrschte. Die Welt, in der die Handlung stattfindet, und die Themen, um die sich die Handlung dreht, sollten, damit das geneigte Publikum thematisch anknüpfen kann und &amp;quot;mitspielt&amp;quot;, möglichst nahe an der Realität des Publikums sein. Kein Adeliger hatte vor, bei solch einer Lesung über den Hunger der Bauern, die unfairen Lehensabgaben geschweige denn über die alltäglichen Probleme des einzelnen Bauern nachzudenken, sondern wollte sich allen voran amüsieren. Helden, Bösewichte, schöne Jungfrauen, Kämpfe und politische Intrigen waren da unterhaltsamer. Man musste sozusagen die Themen und Inhalte der Welt in verträgliche Happen schneiden, sodass das adelige Publikum bereit war die Inhalte anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich schreibt keine destruktive Kritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man, wenn man es genau nimmt, auch nicht von einer harten Kritik, wie in einem heutigen sozialkritischen Roman, sprechen, sondern von einer kritischen Satire. Die Kritik war nicht als scharfe Ermahnung oder eine strenge Belehrung, sondern eher als satirisches Aufheitern zum Nachdenken gedacht.&lt;br /&gt;
Heinrich wollte kaum darstellen, wie und warum die Ordnung zum Scheitern verurteilt ist, oder nach Illustration der Untragbarkeit der derzeitigen Situation in der Weise gar zu einer Reorganisation raten. Er war kein Revolutionär. Denn er selbst profitierte aus der Aufrechterhaltung des Adels und der geläufigen Ständeordnung. Wie Ruh pointiert, müsse derjenige, der schon &amp;quot;eine Welt gewonnen&amp;quot; hat, eine selbstkritische Position gewinnen, nicht um Gewonnenes zu zerschlagen, sondern um es zu bewahren (vgl. Bertau 1983, 28)[Bertau 1983] (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. Außerdem gab es zu dieser Zeit (12. Jahrhundert) keine weitere Ideologie, welche den Adelsstand hätte gefährden und eine destruktive Kritik hätte begrüßen können (vgl. Ruh 1980, 32)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich fand während seines Lebens in der adeligen Gesellschaft - vermutlich in der eigenen Erfahrung mit dem Adel - seine Gründe die Strukturen kritisch zu erwähnen. Ob Heinrich nun selbst oder durch einen Auftraggeber zu einem Grund kam die Idealwelt zu &amp;quot;demaskieren&amp;quot; (vgl. Ruh 1980, 16,32)[Ruh 1980] ist weniger wichtig. Wichtiger war die Wirkung, die er sich von seinem Handeln versprach. &lt;br /&gt;
Ziel war nicht mehr als in angeheiterter Stimmung dem adeligen Publikum unterschwellig einige kritische Themen zu vermitteln und sie so anzustimmen über diese nachzudenken.&lt;br /&gt;
Er wies auf Gefahren und Bedrohungen hin, um ein längeres Fortbestehen der Ordnung zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas war mit Sicherheit nicht seine primäre Aufgabe als Schreiber. Die tatsächliche Aufgabe eines Schreibers war generell Geschichten zu sammeln und diese zum Amüsement der feudalen Gesellschaft aufzubereiten. &lt;br /&gt;
Heinrich im Besonderen ist zu Gute zu halten, dass er es inhaltlich nicht bei bloßer Unterhaltung beließ, sondern einen Schritt weiterging. Er nutze seinen Einfluss bei der richtenden Gesellschaft, schrieb satirisch-unterhaltsam und verstecke in diesem satirischen Gewand seinen konstruktiven Beitrag zur Erhaltung der Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler, Gabriela: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung für Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983, S. 19-29.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 13-32.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 11 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_St%C3%A4ndegesellschaft_der_Tiere_in_%22Reinhart_Fuchs%22&amp;diff=29473</id>
		<title>Die Ständegesellschaft der Tiere in &quot;Reinhart Fuchs&quot;</title>
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		<updated>2020-09-01T14:17:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Artikel verbindet eine &#039;&#039;Analyse der Herrschafts-Hierarchie&#039;&#039; der Tiere in &#039;&#039;&amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;&#039;&#039; mit einer &#039;&#039;Interpretation der einhergehenden Parallelen&#039;&#039; zur Standesgesellschaft des Mittelalters.&lt;br /&gt;
Die Interpretation lenkt hierbei den Fokus auf verborgene &#039;&#039;kritische Aussagen des Autors&#039;&#039; zu Gesellschaft, Macht und Ordnung und schließt mit einem &#039;&#039;Ausblick auf das Ziel&#039;&#039;, welches der Autor verfolgt haben könnte, als er jene Aussagen getroffen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv für dieses Unternehmen==&lt;br /&gt;
Weshalb sollte man überhaupt eine Analyse und eine Interpretation unternehmen? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor weist implizit darauf hin, dass man sich die Tiere näher anschauen sollte. Sie sind nämlich neben ihrer Tiergestalt nur zu geringem Teil wirklich &amp;quot;Tier&amp;quot;.&lt;br /&gt;
Das Motiv für dieses Unternehmen bildet der Umstand, dass sich der Autor dazu entschloss, den Tieren in Reinhart Fuchs unübersehbare menschliche Eigenschaften zuzusprechen. Somit ist es uns möglich, diese als Karikaturen von Menschen zu sehen und ultimativ Parallelen zwischen ihrem Zusammenleben und dem Zusammenleben der Menschen zur Lebenszeit des Autors zu ziehen. Die Idee des Autors, die hier im Hintergrund steht, wird heute auch &amp;quot;Anthropomorphismus&amp;quot; genannt. Kompatscher-Gufler beschreibt diese treffend als eine Praxis, bei der man Tieren (bis zu einem gewissen Grad) menschliche Eigenschaften zuspreche, um Analogien zu deren Welt und ihrem Erleben zu erhalten (vgl. Kompatscher-Gufler 2017, 36)[Kompatscher-Gufler 2017]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da der Autor den Tieren in dieser Manier menschliche Eigenschaften zusprach und das vermutlich nicht ohne Grund, werden sich unter deren metaphorischem Gewand der Tiergestalt noch viele weitere Inhalte verstecken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einführung mit Hypothese==&lt;br /&gt;
Lange vor der Zeit von freier Marktwirtschaft und der Idee &amp;quot;selbstgemachter Chancen&amp;quot; war die soziale Ordnung des Alltags noch äußerst streng gegliedert. Von Gott gegeben - so könnte man sagen - fügten sich die Menschen in einen ihnen angeborenen Stand ein, der spezifische Rechte, Pflichten, Privilegien und gesellschaftliche Funktionen vorsah. So betete man unterwürfig, verteidigte das Vaterland oder - wie die meisten es taten - arbeitete mit dem Ziel seinen Teil zum gemeinsamen Leben beizutragen. &lt;br /&gt;
Tatsache ist: Die alltägliche Realität unterschied sich in vielerlei Hinsicht (christliche Tugend, Stände, Machtausübung) von der theoretisch idealisierten Ordnung.&lt;br /&gt;
Immer wenn es Auschreitungen gegen die Ordnung gab, reagierten die Konstrukteure mit Mahnungen zur (selbstverständlichen) Normativität und Propaganda der ritterlichen bzw. geistlichen Tugenden. Es kam trotzdem immer wieder vor, dass sich einige Figuren der Ordnung, sei es aus Ungerechtigkeit oder aus Angst, genötigt fühlten gegen die Ordnung vorzugehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ordnung war sehr alt, wodurch sie jeder als Norm ansah. Das heißt aber nicht, dass die Ordnung so Ideal war, wie sie der herrschende Teil bewertete.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Eine Hypothese===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant sind diejenigen Autoren dieser Zeit, denen sowohl das &amp;quot;Idealisierte&amp;quot; an der Ordnung als auch die Gefahr in der Differenz zur realen Situation bewusst war. Deshalb manifestierten sie die tatsächlichen Verhältnisse ihrer Zeit in ihren Veröffentlichungen. Vielleicht sogar, um das überwiegend feudale Publikum über die Realität im Gewand der Metapher aufzuklären. Einer war &amp;quot;[[Heinrich der Glîchezâre]]&amp;quot; der Autor des Tierepos &amp;quot;[[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]]&amp;quot;. Im Hintergrund der oben aufgeführten Annahmen lässt sich folgende Hypothese aufstellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der &amp;quot;Spielmann&amp;quot; lässt nicht ohne Grund Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters erahnen. Er will das vorwiegend feudale Publikum über die maroden Strukturen der Ordnung aufklären!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Analyse==&lt;br /&gt;
Die Analyse soll methodisch die Gesellschaft der Tiere von den groben hin zu den besonderen Strukturen durchleuchten. Um die grundlegendsten Strukturen der Ordnung zu analysieren, ist es naheliegend, nach notwendigen Bedingungen - d.h. Existenzbedingungen - für eine grundlegende hierarchische Strukturen zu suchen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine simple hierarchische Ordnung verlangt mindestens zwei notwendige Grundsatzannahmen. Die Figuren in der Ordnung müssen sich (1) im allgemeinen wie im besonderen voneinander unterscheiden und (2) ein Kriterium dieser Unterscheidung (das Spezifikum) muss den Grund dafür darstellen, dass die Figur eine bestimmte hierarchische Position einnimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sicherung der Grundsatzannahmen: Übersetzung exemplarischer Textbelege ===&lt;br /&gt;
Zunächst sei also durch einige Textstellen belegt, dass die Tiere im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; (1) keineswegs von der gleichen Art sind und (2) bei einigen eine spezifische Eigenschaft besonderes ausgeprägt ist, welche ihnen eine hohe Position in der Hierarchie zusichert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(1) Die Tiere unterscheiden sich grundlegend voneinander.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;groß&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&#039;&#039;Kursiver Text&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was der helfant vnde der wisen, || Das waren der Elefant und der Wisent,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di dovchten Reinharten risen, ||  welche Reinhart wie Riesen vorkamen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die hinde vnde der hirz Randolt, ||  die Hinde und der Hirsch Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die waren Ysengrine holt, || welche Isengrin zugetan waren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Brvn der bere vnde daz wilde swin || Brun der Bär und das Wildschwein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wolden mit Ysengrine sin. || wollten Isengrin zur Seite stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|zv nennen alle mich niht bestat, || Ich befleißige mich nicht alle zu nennen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swelich tier grozen lip hat, || aber jedes große Tier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz was mit Ysengrine da; || war mit Isengrin da;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1103-1111)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;klein&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der hase vnde daz kvneclin || Der Hase und das Kaninchen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnd ander manic tierlin, || und verschiedene andere kleine Tiere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des ich niht nennen wil, || die ich nicht alle nennen will, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der qvam dar vzer moze vil. || kamen in unzählbaren Massen herbei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;schön&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da was manic tier lvssam|| Es waren viele stattliche Tiere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnser beider kunne.|| unserer Verwandschaft da.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1220-1221)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche, die &#039;&#039;furchterregend und stark&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Isengrine qvamen die svne sin,|| Mit Isengrin kamen dann sogleich seine Söhne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|manic tier vreisam || und viele gefährliche Tiere;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit Ysengrine qvamen dar san; ||  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1188-1190)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gibt solche die &#039;&#039;Klug oder Weise&#039;&#039; sind.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz einwiderredete nieman || Niemand gab Widerrede,&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|wen ein olbente von Thvschalan, || bis auf ein Kamel von Thuskulum,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|di was vrvmic vnde wis	 ||  das war Fromm, Weise&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde dar zv vor alter gris. || und darüber hinaus von greisem Alter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1437-1440)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;(2) Es gibt ein Spezifikum, welches einerseits ein weiteres Unterscheidungskriterium bildet und andererseits die Position in der Hierarchie rechtfertigt.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von hohem Grad, besteigt man eine hohe Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ein lewe, der was Vervil genant,|| Ein Löwe namens Frevel,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gewaltic vber daz lant. || Herrscher über das ganze Land.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(...)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|si leisten alle sin gebot, || sie leisten alle seinem Befehl Gehorsam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er was ir herre ane got. || er war nach Gott ihr Herrscher. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1241-1242; 1245-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des enwolden si niht volgen, || dem wollten sie nicht Folge leisten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des wart sin mvt erbolgen. || dadurch wurde sein Gemüt erzürnt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor zorne er vf die burc spranc, || er sprang vor Zorn auf die Festung, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit kranken tieren er do ranc,|| da kämpfte er mit schwachen Tieren, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte, daz iz im tete not.|| denn er dachte, dass er dazu verpflichtet sei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1255-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ist das Spezifikum von niedrigem Grade, bleibt man auf einer niedrigeren Position.&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutsche Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der hase gesach des kvniges zorn, || Der Hase sah den Zorn des Königs,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do want er zage sin verlorn. || da ahnte er, der Feigling, sein Verderben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ist noch der hasen sit. || Das ist noch immer des Hasens Art. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (vgl. RF, V. 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einordnung der Textstellen in den Handlungszusammenhang====&lt;br /&gt;
Textbelege (1) und (2) sind Ausschnitte aus dem Anfang der Gerichttags-Episode. Reinhart gewinnt schnell wieder die Überhand über das Geschehen und die Tiere um sich. Nach einer ganzen schmachvollen Episode, in der Ysengrin auf verschiedenste Weisen von Reinhart gedemütigt und entmannt wurde, konnte sich selbiger wieder mit seiner Familie vereinigen und ist zur Fehde entschlossen. Einem Verwandten des Fuchses, dem Luchs, ist es zu verdanken, dass doch ein rechtlicher Weg einschlagen wurde. Er bewirkt einen Gerichtstag, an dem Reinhart sich verantworten soll. Den Anfang dieses Gerichtages macht eine Aufzählung der Teilnehmer, welche zum Teil in (1) und (2) wiederzufinden ist. Unglücklicherweise ist jene Tagung nicht von langer Dauer und führt zu einer plötzlichen Flucht des Angeklagten mit anschließender Verfolgungsjagd bis in einen Dachsbau. Damit nicht genug, lässt sich der Verfolgte nochmals zu einer Untat an der Frau des Klägers herab.&lt;br /&gt;
Textbelege (3) und (4) schließen direkt daran an. Denn der bestürzte Ysengrin kam nur allzu spät mit seinem in (4) beschriebenen Gefolge hinterher, um eine Chance zu haben, den Missbrauch an seiner Gattin zu verhindern. Mit diesem Unglück konfrontiert, bricht er ihn große Klagen aus. Er nennt unter anderem die glückliche Heirat des Paares (3), währenddessen der Täter schon längst geflohen ist. Damit endet die Episode des Gerichtstags (vgl. auch Ruh 1980; 21,22)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1035-1238)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Textbelege (6) und (7) sind Ausschnitte aus einer Zwischenepisode, welche direkt auf die Gerichtags-Episode folgt und den Ursprung der handlungskonstitutiven Krankheit, an der der König leidet, erklären soll. Der in (6) beschriebene König hat einen Landesfrieden beschlossen. Doch als er auf ein Ameisenvolk stößt, fordert er die unweigerliche Gefolgschaft der Ameisen. Nach der Weigerung der Ameisen den Befehlen des Königs Folge zu leisten (7), überspringt dieser ein Ultimatum und erklärt dem kleinen Volk kurzerhand den Krieg. Der Ameisenherr kommt zu spät zum Geschehen hinzu und erfährt von seinem aufgebrachten Volk, ihre vortrefflichen Burgen seien von dem Tyrann zerstört worden. Mit Rache in Absicht kriecht der Ameisenherr in einer ruhigen Minute in das Ohr des Königs, um dem Kriegstreiber schreckliche Kopfschmerzen zu bescheren. Der &amp;quot;Vrevel&amp;quot;, von Kopfschmerzen heimgesucht, deutet dies als ein Urteil Gottes aufgrund der Versäumnis des Gerichtstags und ruft prompt einen Hoftag ein.&lt;br /&gt;
Dieser Hoftag bildet eine erneute Gerichtssituation, in der nun aber der König auf dem Richterstuhl sitzt. Viele große und kleine Tiere, manche sogar aus fernen Lande, kamen zu dieser großen Versammlung. Ysengrin trägt, in Abwesenheit von Rheinhart, dem Plenum seine Klagen vor, in deren Anbetracht die Wut des Königs erneut entfacht wird (8). Über Reinhart wird anschließend übereinstimmend geurteilt. Doch ein Kamel aus Tusculum, welches dem Hoftag auch beiwohnte, erhob Einspruch (5). Es plädierte auf das Recht Reinharts, man müsse ihn dementsprechend erst dreimal vorladen. Nach dreimaliger Vorladung erscheint Reinhart dann doch. Seine Anwesenheit bedingt schließlich eine Kette von Ereignissen, die ultimativ zum Kollaps des Herrschaftskonstrukts und damit zur Klimax der Erzählung führen (vgl. auch Ruh 1980; 23,24,25)[Ruh 1980] (vgl. RF, V. 1239-2248)[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
Aus den Grundannahmen lässt sich schließen, dass sich die Tiere in &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; durch ihre Spezies und deren biologisch-evolutionäre Eigenschaften unterscheiden.&lt;br /&gt;
Ferner unterscheiden sich die Tiere nicht nur und leben in einer offenen pluralistischen Gemeinschaft, sondern sind an eine hierarchische Ordnung gebunden. Diese Ordnung verlangt eben diese dargelegten Differenzen und sortiert selbige nach einem Kriterium in eine Rangfolge. &lt;br /&gt;
Die Tiere unterscheiden sich durch ihre Größe und ihre äußere Gestalt, welche ihnen entsprechende Kräfte geben, sodass das große und fülligste Tier kräftiger ist als das kleine und schmächtige. Diejenigen Tiere, die nun durch ihre Gestalt an größerer Kraft verfügen, stehen über denen, die durch ihre Gestalt weniger oder keine Kraft zur Verfügung haben. Die Stellung wird dann durch das &amp;quot;Betätigen der Kraft&amp;quot;, d.h. die Gewaltausübung, gesichert und aufrechterhalten, somit ist auch die Gewaltbereitschaft ein wichtiger Faktor für die hierarchische Stellung. Der Löwe sichert bspw. seine Stellung gegenüber den Ameisen, welche seine Stellung in Frage stellten (vgl. RF, 1252-1259)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Stellung in der Hierarchie wird also durch die Macht eines Individuums über das Andere gerechtfertigt, wobei hier das Kriterium der Macht physische Kraft und Gewalt ist (vgl. auch Neudeck 2016; 12,13,22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Ordnung im Besonderen===&lt;br /&gt;
====Gruppenbildung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Figuren in der Erzählungen fügen sich in diese grobe Ordnung ein und besetzten gemäß ihrem spezifischem Grad an Macht eine Position in selbiger. Es ist jedoch nicht nur die Stellung des Einzelnen in der Ordnung, die im Laufe der Erzählung explizit wird, vielmehr werden auch anhand von Merkmalen der Zugehörigkeit kleinere Gruppierungen erkennbar, die sich in die allgemeine Ordnung einfügen. Die Mitglieder der jeweiligen Gruppierungen liegen ungefähr auf einer Ebene der Hierarchie. Man kann sagen, dass die starken Tiere sich anderen starken Tieren zugehörig fühlen und die schwachen anderen schwachen - bspw. die Tiere des Hofapperates oder die Hühner.  Da diese Gruppen aber genauso Teil der allgemeinen Ordnung sind wie auch der Einzelne in der Gruppe, gibt es auch innerhalb der Gruppe solche, die einen Herrschaftsanspruch über die anderen Mitglieder haben - bspw. der Wolf Isengrin als oberstes Mitglied des Wolfsrudels. Damit gestaltet sich die Hierarchie der Tiere in Reinhart Fuchs so, dass auf Mikroebene ein Individuum (nach seinem Geschlecht) über dem anderen steht, wobei auf Makroebene eine Gruppe (von stärkeren unterschiedlichen Geschlechts) über der Anderen steht. Ferner: Wenn die Rede von einer Vetternschaft ist, so ist die Bindung in einer Gruppe von gleich starken oder gleich schwachen (Bspw. die Vetternschaft zwischen Katze, Fuchs, Luchs und Wolf (vgl. RF; 313-315, 453-455, 1070-1078)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint. Wenn aber die Rede von Geschlecht ist, so ist die spezifische Gattung des Tiers (bspw. Füchse oder Ameisen (vgl. RF, 1267-1269, 1164-1166, 1481-1483)[Heinrich der Glîchezâre 2005]) gemeint, welches es in eine spezifische, der Gattung eigene Position in der Hierarchie zwingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Quantität und Qualität der Gruppen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jede Gruppe varriert, wie deutlich wurde, in der Qualität ihrer Mitglieder - d.h. in der physischen Beschaffenheit -, aber auch in der Quantität der Mitglieder. Dabei sind die Gruppen mit den stärksten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die kleinsten (siehe kleine Hofgefolgschaft), und die Gruppen mit den schwächsten Tieren nach der Menge ihrer Mitglieder die größten (vgl. RF, V. 1113-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005], sodass die Hierarchie graphischen am besten als eine Pyramide vorstellbar ist. Klettert man die Pyramide vom Boden hinauf, so startet man in einer ersten riesigen Gruppe, deren Mitgliedern von schwächster Gestalt sind. Mit zunehmender Höhe werden die Gruppen dann immer kleiner und ihre Mitglieder immer stärker, bis man sich an der Spitze der Pyramide befindet, an der keine Gruppe mehr steht, sondern ein einziges Tier.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Position der Gruppen in der Hierarchie====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Derjenige, der die oberste Stellung in der Hierarchie einnimmt, ist der Stärkste und Gewaltbereiteste, der Löwenkönig (vgl. RF, V. 1240-1246)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Er nimmt eine singuläre Postion ein und steht - in der vorherrschenden Ordnung - mit keiner anderen Figur auf einer Höhe. Er ist die Figur, bei der es am einfachsten gelingt sie in eine Position einzuordnen, weil es keine andere Figur gibt, die über vergleichbare Stärke verfügt wie sie. Direkt darunter befindet sich eine Gruppe aus äußerst starken Tieren unterschiedlichsten Geschlechts, welche den Hofapparat bildet. Dazu gehören beispielsweise Brun der Bär, der Leopard, Reinhold der Hirsch und Weitere (vgl. RF, V. 1329-1339)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Andere beispielhafte Gruppen wären - hierarchisch absteigend - die Wolfsfamilie und deren Verbündete/Verwandten im Gerichtstag (vgl. RF, V. )[Heinrich der Glîchezâre 2005] , der Hahn Dizelin und seine Hennen, das Volk der Ameisen und die Schar der unbenannten kleinen Tiere, die in dem Sinne eine Gruppe bilden, als es von ihnen so viele gibt und sie so unwichtig für die Handlung sind, dass sie zu benennen nicht nötig ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zugehörigkeit und Bindung zur Gruppe====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wurde deutlich: Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe ist nicht gewählt. Ganz ihm Gegenteil sind die objektiven Eigenschaften, die die Zugehörigkeit zu einer Gruppe bzw. einer Gattung determinieren, durch die Natur verteilt und grundlegend nicht veränderbar. Denn eine Maus kann aufgrund ihres Geschlechts nicht plötzlich einen Löwen gebären, sondern auf ewig nur Mäuse. Diese Maus und die Gruppe von schwachen Tieren, zu der sie gehört, kann weder selbst im Rang aufsteigen noch Nachkommen zeugen, die das können werden. Letztendlich sind die Figuren durch ihre Gattung relativ fest an ihre Position in der Hierarchie gebunden. Beispielsweise ist ein Bär ein starkes Tier und wird auch immer starke Nachkommen haben, wird folglich auch immer in einer kleinen Gruppe von starken Tieren (Hofgefolge) bleiben, kann und wird aber aufgrund seiner vererbten physischen Eigenschaften nie ein stärkeres Tier werden. Damit kann der Bär seinem gebürtigen Stand nach nie den Löwen an Stärke übertreffen. Genauso wird der Wolf immer ein relativ starkes Tier bleiben, aber nie Nachkommen haben, die plötzlich stärker sind. Schließlich wird man in eine Position eingeboren, wobei es der physischen Gestalt nach unmöglich ist in der Position ab oder aufzusteigen und man sich in einer Gruppe von Tieren wiederfindet, die von unterschiedlichem Geschlecht sein können, sich aber in ihrem Grad der Stärke ähneln. Anzumerken ist hier auch, dass die angeborene Kraft kein Zufall ist, sondern göttliche Fügung. Im Reinhart Fuchs wird mehrmals angedeutet, dass die Kraft des Geschlechts von Gott vorgesehen ist. Der König &amp;quot;Vrevel&amp;quot; ist nach Gott der Herrscher und deutet selbst seine Schmerzen als Bestrafung Gottes, weil er seiner (göttlich herbeigefügten) Aufgabe als oberster Richter im Gerichtstag nicht nachkam (vgl. RF; V. 1245-1246, 1318-1320 )[Heinrich der Glîchezâre 2005].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eine Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Beschreibung der besonderen Strukturen lässt eine zentrale Figur aus. Zunächst lässt sich beschreiben, dass auch Reinhart einer Gattung angehört, welche ihn (nach der hier geschilderten Ordnung) in eine spezifische hierarchische Position zwingt. Schwieriger wird es Reinhart einer Gruppe aus ähnlich starken Tieren zuordnen, denn teils bricht er das Bündnis zu gleichgestellten (siehe die Vetternschaft mit dem Kater Diepreth) teils hält er an selbigem fest (siehe Bündnis mit dem Dachs Krimel). Es fällt nicht nur schwer eine geeignete Gruppe für ihn zu finden, viel schwerer fällt es unter den genannten Kriterien ihn in eine hierarchische Position einzuordnen. Er ist einerseits mit anderen Tieren seiner Stärke vergleichbar, anderseits in seiner Position und Machtstellung unvergleichbar und besonders. Aufgrund der Unmöglichkeit einer Festsetzung in eine Position kann man gar von einer Möglichkeit der Bewegung zwischen den Gruppen sprechen. Diese Besonderheit ist für die aufgeführte Art der Ordnung eine direkte Bedrohung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parallelen zur Ständegesellschaft des Mittelalters==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Allgemeine Parallelen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Analyse sollte eines schon deutlich geworden sein: Die Ordnung der Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs ähnelt stark der Ordnung, in der man zur Lebenszeit des Autors lebte. In der Tat war die Gesellschaft des Hochmittelalters äußerst autoritär geordnet. Die Mächte und Gewalten waren klar verteilt, sodass es im groben nur zwei Arten von Menschen gab: die Herrschenden und die Beherrschten. Ein Individuum, das mit mehr Macht ausgestattet war und Gewalten zur Verfügung hatte, stand, um es einfach zu sagen, über demjenigen, der keine oder weniger Macht oder weniger an Gewalt zur Verfügung hatte und sich damit beherrschen ließ. Auch wenn es bei dieser Art der Macht weniger um physische Statur ging, als um Ressourcen, Zwang und Bedrohung, ist auch diese hierarchische Ordnung, wie auch die der Tiere, grundlegend auf Gewalt und Macht aufgestellt. Nun sind die drei prominenten großen Stände des Mittelalters - Adel, Klerus und Bauern -, wie die Gruppen im RF, in diese Ordnung eingebettet, sodass auch diese hierarchisch übereinander geordnet sind. Die Mitglieder eines Standes hatten einen ähnlichen Grad an Macht und dieselben, dem Stand eignen Aufgaben. Tatsächlich wurde dieses Konstrukt, wie auch das Konstrukt in RF, graphisch häufig in Form einer Pyramide dargestellt. Dies Stände in dem Konstrukt waren jedoch - orientiert an der großen Trinität - nur sehr grobe Gruppierungen nach den generellsten Aufgaben und Machtansprüchen, unter denen wiederum viele kleine Gruppen subsumiert wurden. Jeder Stand hatte - gemäß dem Schaubild der allgemeinen Ordnung - für sich selbst nochmals eine interne hierarchische Struktur. Beispielsweise gab es im Stand des Adels sehr wohl weiter hierarchische Aufteilung, wobei an der obersten Spitze der Pyramide der König stand, darunter der Hochadel, Ritter und dann der niedere Adel. Weiter war auch die Zugehörigkeit zu einem Stand oder zu einer Gruppe eines Standes von Geburt an determiniert und von Gott vorgesehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Einschränkung auf den Adel====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sprechen wir nun von der Ordnung der Tiere im Reinhart Fuchs ist zu beachten, dass die meisten der handelnden Figuren in Reinhart Fuchs Teil des Adels sind, sodass wir die meiste Zeit nicht die gesamte Ordnung mit allen Ständen betrachten, sondern nur die inneren Strukturen des adeligen Standes. Wenn wir also die Ordnung der Tiere in Reinhart Fuchs im besonderen betrachten, dann schauen wir nur auf das oberste Drittel der Pyramide. Wie Ruh sagt, sind alle handelnden Figuren in Reinhart Fuchs dem Stand des Adels angehörig, sodass die Tierwelt in Reinhart Fuchs größtenteils eine adelige Welt darstellt (vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]. Die meisten Gruppen in Reinhart Fuchs stellen somit Teile der hierarchischen Struktur der adeligen Welt wieder, in der der kleine Adel unter Hochadel und zuletzt dem König stand. Ein kleiner Teil der Gruppen im Reinhart Fuchs ist aber auch von der Art, dass sie kein Teil des Adels sind. Wann sprechen wir also bei den Tieren in Reinhart Fuchs von Adel und wann nicht? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum einen können offensichtlich diejenigen Tiere als Adel bezeichnet werden, die explizit einem Hofapparat angehören, welcher ganz ohne Metaphorisches Gewand deutlich eine obere adelige Struktur darstellt (bspw. Brun der Hofkaplan). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen liefert die Benennung und Bezeichnung der Tiere ein klares Indiz für ihren adeligen Status. Während diejenigen Tiere, die von adeligem Status sind, eine definite Bezeichnung (bspw. der Ameisenherr, Brun der Bär, Ysengrin, der Hirsch, der Leopard, der Löwe Vrevel) tragen, tragen Tiere ohne adeligen Status eine indefinite Bezeichnung, sind keine handelnden Figuren in Reinhart Fuchs und stehen eher am Rande des Geschehens (bspw. die kleinen Tiere, Marder, viele -, einige -, eine Maus, eine Meise, Ameisenvolk). Man nehme beispielsweise die Gruppe der kleinen Tiere, die nicht näher beschrieben werden kann, weil sie aufzuzählen ein zu großer Aufwand wäre (vgl. RF, V. 1118-1120)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Dagegen ist ein Tier mit definitem Artikel, bspw. der Hase, ein bestimmter aus der unbestimmten Menge von Tieren seines Geschlechts gewählte Figur. Dieser definite Status suggeriert Bekanntheit und Ansehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die definiten Tiere tragen manchmal sogar einen Namen, sind &amp;quot;Barone&amp;quot;, &amp;quot;Herren&amp;quot; und &amp;quot;Höflinge&amp;quot; und sprechen sich auch dementsprechend an ((vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980]). Dabei könnte man vermuten, dass das Geschlecht (die Spezies/Rasse des Tiers) den Nachnamen oder auch den Stand bezeichnet, weil man mit dem Namen des Geschlechts schon eine gewissen Grad an Macht assoziiert (Z.b: Maus, Ameise, Wolf).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere im Stand des Adels====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Stand der Tiere in Reinhart Fuchs ist also vorwiegend der Adel. An der Spitze (der kleinen Pyramide) dieses Adels steht der König Vrevel. Unter ihm der Hochadel in Form seines Hofapparats, mit prominenten und äußerst starken Tieren, wie zum Beispiel: Brun der Bär, der Hirsch, der Leopard. Von dieser Spitze des Adels steigt man nach und nach ganz im Sinne der allgemeinen Ordnung zu  - relativ zur höheren Position - schwächeren Tieren und Gruppen von schächeren Tieren, wie zum Beispiel der Wolf und seine Verbündeten/Verwandten. Bis man zu den kleinsten und schwächsten Tieren und Gruppierungen von Tieren gelangt, die noch zum Adel gehören. Dazu gehören Beispielsweise der Ameisenkönig oder auch Scetecler und seine Hennen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Hierarchische Position der Tiere in anderen Ständen====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tiere die nicht dem Stand des Adels angehören sind in Stände zu ordnen, die unterhalb des Adels liegen. Sie sind nach der allgemeinen Ordnung Gruppen aus Individuen, die über weniger Macht verfügen als der Adel. Diese Gruppen wären in Reinhart Fuchs beispielsweise das Ameisenvolk (ohne seinen Herr) oder die Schar der unbenannten kleinen Tieren.&lt;br /&gt;
Explizit werden keine Aussagen über den Stand Klerus oder den der Bauern bzw. Unfreien getroffen. Abseits von kleineren zynischen Anmerkungen Reinharts zum Mönch- und Klosterleben (vgl. RF, V. 655-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980; 20,21)[Ruh 1980]. Es können Vermutungen darüber angestellt werden, ob Reinhart oder seine Fürsprecher aufgrund ihrer Intelligenz, ihres Alters und Weisheit, oder ihrer Affinität, als Fuchs oder Dachs in einer Höhle (Kloster) zu leben, zum Stand des Klerus gehören. Auch der Klerus war privilegiert und stand auf der Seite der Beherrschenden. Einige graphische Illustrationen der mittelalterlichen Gesellschaft sehen selbst von der Pyramide ab und nehmen das Bild einer Zwiebel. Wobei der Adel und der Klerus sich die Position an der Spitze der Zwiebel teilen. Bei den Fürsprechern Reinharts kann man von solch einer Position ausgehen. Das würde heißen, dass das Kamel, der Elefant und der Dachs weniger dem höheren Adel angehören als der höheren Geistlichkeit, welche auch im Feld des Adels mitspielen konnte. Doch bei Reinhart muss man von solchen Vermutungen absehen. Denn er ist es, der keine Position wirklich einnimmt oder über längere Zeit besetzt hält. Er ist die einzige Figur, der es in diesem Sinne sogar gelingt, die Leiter zu erklimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich beschreibt die Gesellschaft der Tiere in Reinhart Fuchs eine feudale Ordnung. Das heißt sie nimmt - mit einigen Ausnahmen - nur den Stand des Adels aus der drei - Stände - Ordnung herraus und beschreibt diese Subkultur. Dabei beruft sich die Ordnung der Tiere in Reinhart auf eine allgemeine Ordnung, wie sie auch im Mittelalter für alle Stände inklusive dem adeligen Stand galt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Mögliche Kritik des Autors==&lt;br /&gt;
Nachdem gezeigt wurde, wie die Ordnung der Tiere im allgemeinen und besonderen aufgebaut ist und dass diese Darstellung tatsächlich Parallelen zur mittelalterlichen Ständeordnung aufweist, bleibt jetzt noch die Frage offen, welche Schlüsse man aus diesen Vergleichen ziehen kann. &lt;br /&gt;
Klar ist: &amp;quot;Heinrich&amp;quot; illustriert die mittelalterliche Ordnung im Gewand von metaphorischen Tierfiguren und ihrem Verhalten miteinander. &lt;br /&gt;
Mit dieser Erkenntnis können jetzt Umstände, die in der Welt der Tiere auftreten, interpretiert und auf die mittelalterliche Welt übertragen werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es scheint nun also angebracht, die Aussagen, die in Reinhart Fuchs stecken, herauszugreifen, zu interpretieren und auf die mittelalterliche Welt anzuwenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Menschliche oder Tierische Ordnung?===&lt;br /&gt;
Betrachtet man die Ordnung im Reinhart Fuchs, stellt man fest, dass vieles tierisch ist, aber auch menschlich wirkt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Schwierigkeit====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man die Ordnung im Reinhart in einzelne Kriterien zerlegt und versucht diese Kriterien, entweder einer tierischen Ordnung oder einer menschlichen Ordnung (des Mittelalters) zuzuordnen, stößt man auf ein Problem. Denn es gibt wenige Kriterien in der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche definitiv zu der einen oder zu der anderen Art von Ordnung gehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Eindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Tatsächlich gibt es nur zwei Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs, welche klarerweise menschlich oder tierisch sind. Diese Punkte sind in dem Sinne klarerweise der einen Art von Ordnung zuzuordnen, als es sie in der anderen gar nicht geben könnte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erst Kriterium ist der Fakt, dass alle handelnden Figuren im Reinhart Fuchs Tiere, das heißt von tierischer Gestalt, Aussehen und Bewegung sind. Alle Subjekte auf die sich die Ordnung bezieht sind dementsprechend Tiere. So etwas kann es in einer menschlichen Ordnung nicht geben, weil hier offensichtlich alle Subjekte, auf die sich die Ordnung bezieht, Menschen sind. Tiere sind als Subjekt aus der menschlichen Ordnung kategorisch ausgeschlossen sein. Das erste Kriterium ist also klarerweise der tierischen Ordnung zuzuordnen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zweite Kriterium ist der Fakt, dass die meisten der Figuren in der Ordnung im Reinhart Fuchs einer expliziten Kultur angehören. Die Subjekte haben genügend Kognition Titel und Namen zu vergeben, eine Kultur zu erhalten (Rechtsprechung, Institutionen usw.) und dies mit Worten zu kommunizieren. Es ist ausgeschlossen, dass sich die Tiere in einer natürlichen tierischen Ordnung Titel und Namen geben und sich dementsprechend anreden - auch wenn sie das in anderer Form tatsächlich tun. Diese Bestandteile einer Kultur, insbesondere die Fähigkeit zur Sprache und Vergabe von offensichtlich menschlichen Titeln, wie &amp;quot;Herr&amp;quot;, können ausschließlich Teil einer menschlichen Ordnung sein. Dieses Kriterium ist also klarerweise der menschlichen Ordnung zuzuordnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Uneindeutige Kriterien der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle anderen Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs sind sehr schwer einer Art von Ordnung zuzuordnen, wenn es nicht gar unmöglich ist. Es gibt also ein großen Rest an Aspekten, welcher weder der menschlichen Ordnung noch der tierischen Ordnung zugeteilt werden kann. Umgekehrt könnte man sagen, dass die meisten Kriterien der Ordnung im Reinhart Fuchs von der Art sind, dass sie sowohl menschlich als auch tierisch sein können. Bei diesen Kriterien kann man sich nicht entscheiden, mit welcher Art von Ordnung man es zu tun hat, weil es zu keiner klarerweise passt und gleichzeitig zu beiden. Das ist der Punkt, welchen Heinrich uns aufs Deutlichste unter die Nase reiben möchte. &lt;br /&gt;
Zur Unterstützung der These ein paar beispielhafte Kriterien der Ordnung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst ist das Kriterium der Macht im Reinhart Fuchs ganz klar die Kraft und mit ihr verbunden die Gewaltbereitschaft. Wie deutlich ist der Grad an dieser Art der Macht entscheidend für die Position in der Hierarchie. In einer tierischen Ordnung wird der Stärkere das Rudel führen, über Handlungen entscheiden und über die Schachen richten. Das ist ein grundlegendes Gesetzt der Natur, nämlich das Recht des Stärkeren. Aber auch in der mittelalterlichen Gesellschaft der Menschen ist Kraft und Gewalt ein nicht wegzudenkendes Kriterium der Macht. Gewalt sollte zwar das letzte Mittel der Machtausübung sein, sie ist aber unentbehrlich und dementsprechend grundlegendstes Kriterium der Macht. Zugegeben es gibt in einer menschlichen Gesellschaft durchaus andere Formen der Macht, wie Erpressung oder Beziehungen und weiter ist auch Kraft nur übertragen als eine Art Zugang zu Kraft (nicht der König, sondern sein Heer kämpft) zu verstehen. Aber die Form, die greift, wenn alle anderen Formen der Macht in der menschlichen Ordnung wegfallen (bspw. durch Aufstände oder Krieg), ist die allgemeinste Form der Macht, die Gewalt und (übertragene) Kraft. Wenn bspw. die Bauern ihre Tribute nicht mehr zahlen wollen oder unter kriegerischen Auseinandersetzung die Ressourcen zur Diplomatie fehlen, dann muss die Ordnung mit Händen und Füßen wiederhergestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Punkt ist der grobe Aufbau der Ordnung in Reinhart Fuchs. Wie es im Tierreich eine lineare Hierarchie von den schwachen zu den starken Tieren - nach dem Motto die Einen fressen, die Anderen werden gefressen - gibt, so gibt es auch in der mittelalterlichen Ordnung der Menschen eine lineare Hierarchie. Sie zeichnet vom schwächeren Individuum zum nächst stärkeren Individuum eine Leiter, deren Ende dadurch erkennbar ist, weil über dieser Position keine weitere folgt. Manch einer könnte behaupten, dass diese Form der Macht und dieser Aufbau der Macht auch heute noch unausgesprochen vorhanden ist. Denn für jeden Menschen gibt es auch heute noch einen anderen, der über jenem steht und einen weitern, der über diesem steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner ist auch der besondere Aufbau der Ordnung im Reinhart Fuchs schwer zuzuordnen. Sowohl Tiere als auch Menschen fügen sich in Gruppen zusammen, wobei die Mitglieder dieser Gruppen von ähnlicher Art sind und diese relativ zu den anderen Gruppen und ihren Mitgliedern unterschiedlich. Die Tiere gehen mit Tieren gleicher Stärke Zweckbeziehungen ein (so wie der Dachs und der Fuchs ), um voneinander zu profitieren. Sie bleiben in ihren Familien und bei ihrer Art, weil diese von gleicher Stärke ist und ähnliche Probleme bzw. Bedürfnisse haben (bspw. ein Rudel Wölfe aus unterschiedlichen). Und sie schließen sich zu größeren Gemeinschaften aus unterschiedlichen Tieren von ähnlicher Stärke, ähnlicher Größe, ähnlichen Problemen und ähnlichen Bedürfnissen zusammen (bspw. Antilopen, Zebras und Gnus). Genauso pflegen es auch die Menschen - innerhalb einer allgemeinen Ordnung - Zweckbeziehungen zu führen, sich mit Gleichgesinnten und ähnlich Beschaffenen zu verbünden und innerhalb der Familie und des Standes zu bleiben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem ist die Zugehörigkeit zu den Gruppen sowohl beim Menschen als auch beim Tier scharf geregelt. Wie beim Tier, so wird man bei den Menschen in einen gewissen Stand und in eine gewisse Gruppe eingeboren. Sowohl bei den Menschen (als angeborener Stand mit oder ohne Privilegien) als auch bei den Tieren (als angeborene Größe und Statur) scheint es gar unmöglich über diese angeborenen Grenzen hinweg zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Selbst Intrigen, Bündnisbrüche und Treuebrüche, wie sie im Reinhart Fuchs vorkommen, sind bei einer menschlichen Ordnung nicht ausgeschlossen. Sowohl bei den Tieren als auch bei den Menschen schickt sich immer wieder jemand an eine Machtstellung in Frage zu stellen oder ein Übereinkommen aus eigenen Interessen zu brechen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Folgerung und Kritik====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
All diese Punkte sollen nur auf die große implizite Frage hindeuten, welche Heinrich dem Rezipienten stellt: Sag mir, spreche ich von einer menschlichen oder einer tierischen Ordnung? Und die Antwort, die er hören will ist: Ich weiß es nicht. Dieses ernüchternde Ergebnisse soll aufmuntern darüber nachzudenken, welche Dinge den Rezipienten dazu bringen zu glauben, man habe es mit keiner von beiden oder mit beiden gleichzeitig zu tun. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ferner bezieht Heinrich mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung in Reinhart Fuchs zu der Ständegesellschaft des Mittelalters diese schwere Frage auch auf die Ordnung des Mittelalters. Heinrich weist hier darauf hin, dass auch im Kontext der mittelalterlichen Ordnung der Menschen die Frage, ob es sich tatsächlich um eine menschliche Ordnung handelt oder nicht, immer schwerer wird. Jedem sollte daraus klar werden, dass menschliche und tierische Ordnung sich in vielerlei Hinsicht zunehmend ähnlicher werden und die Grenzen gar drohen gänzlich zu verschwinden. Folglich sollte jeder daran arbeiten diese Grenzen zwischen tierischer Ordnung und menschlicher Ordnung wieder trennscharf zu machen. Denn es bleibt die Intuition, dass unsere Ordnung der tierischen weitaus überlegen ist, wodurch die Unterscheidung leicht ausfallen sollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich will also mit dem Erschaffen einer verblüffend menschenähnlichen Gemeinschaft aus Tieren zu bedenken geben, dass die menschliche Ordnung droht in Zustände zu verkommen, in denen man sie gar nicht mehr von der tierischen unterscheiden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kritik zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung===&lt;br /&gt;
Die Figuren und ihre Beschaffenheit sind für eine Ordnung von zentraler Bedeutung. Auf sie wirkt die Ordnung ein und von ihnen wird die Ordnung aufrecht gehalten. Bei der Wahl einer adäquaten Metapher für die Figuren der menschlichen Ordnung, kam Heinrich auf Tiere. Schon das ist Indiz für eine kritisches Urteil über die handelnden Figuren in der menschlichen Ordnung, nämlich die Menschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====[[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Figurencharakteristik]] und Handlungsmotiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allgemein lässt sich sagen, dass die [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|handelnden Figuren in Reinhart Fuchs]] Tiere sind. &lt;br /&gt;
Diese Tiere nehmen vorwiegend menschliche Eigenschaften an, nicht zuletzt die Fähigkeit zu Sprechen. Neben ihrer Gestalt und ihrem Aussehen macht sie wenig zu wirklichen Tieren. Doch die meisten Eigenschaften und Charakteristika der Tiere - außer ein paar Ausnahmen bei dem die Tiere beschrieben werden -  werden dem Leser erst durch ihr Handeln bewusst (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Folglich ist das, was sie überhaupt zur Handlung treibt, von äußerstem Interesse. Das vorwiegende Motiv, welches die Tiere zum Handeln bewegt, ist von solcher Art, dass es wiedermal sowohl dem Tier als auch dem Menschen zugeordnet werden kann. Es handelt sich um den Drang nach Nahrung, nach Sex, nach Selbsterhaltung und nach Macht. Kurzum: Es handelt sich um den Drang grundlegendste Bedürfnisse zu befriedigen. Beispiele hierfür wären, der Drang des Wolfes nach Futter(vgl. RF, V. 648-750)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der (egoistische) Drang des Löwen zur Selbsterhaltung (vgl. RF, V. 1873-1891)[Heinrich der Glîchezâre 2005] und der Drang des Elefanten und des Kamels nach Macht (vgl. RF, V. 2097-2108, 2120-2135)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. Aus dieser Art Drang werden die meisten Handlungen begangen und wiederum aus diesen Handlungen realisieren sich die Charaktereigenschaften der Tiere (vgl. Ruh 1980, 30)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Haben wir es nun in der Ordnung des Reinhart Fuchs mit menschenähnlichen Tieren zu tun oder eher mit Menschen, welche noch einiges vom Tier mit sich tragen? Auch diese Entscheidung macht uns Heinrich schwer. Tatsächlich gibt es Eigenschaften die klarerweise für Tiere sprechen und Eigenschaften die klarerweise für Menschen sprechen. Aber das Motiv zu handeln, woraus die meisten Eigenschaften - außer natürlich die tierische oder menschliche Gestalt selbst - hervorgehen, ist sowohl tierisch als auch menschlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an Eigenschaften und Motiv====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl die Figuren im Reinhart Fuchs offensichtlich von tierischer Gestalt sind, bleibt offen, ob diese zusammengenommen tatsächlich Tiere sind oder doch Menschen. Mit den offensichtlichen Parallelen der Ordnung von Reinhart Fuchs zur Ständegesellschaft des Mittelalters, kann dieser Befund auch auf die Figuren der mittelalterlichen Ordnung übertragen werden. Heinrich sagt hier aus, dass auch die Figuren in der Gesellschaft des Mittelalters, d.h. die Menschen, in ihren Eigenschaften und Motiven zu Handeln so verkommen sind, dass es auch bei ihnen schwer fällt, zu entscheiden, ob es sich bei ihnen um Menschen oder Tiere handelt, obwohl sie ihr Gestalt nach klarerweise Menschen sein sollten. &lt;br /&gt;
Wenn solch eine Entscheidung schwer fällt, dann scheint einiges fragwürdig. &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung aussehen?&amp;quot;, &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung handeln?&amp;quot; und &amp;quot;Wie sollen die Figuren in einer Ordnung beschaffen sein?&amp;quot;, damit klar wird, dass sie Menschen sind. Die Kritik soll eben all diese Fragen im Rezipienten aufrufen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Nebenfolge des Handlungsmotivs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch die Art des Handlungsmotivs hat noch eine verhängnisvolle Nebenfolge, welche wiederum eine unschöne Charaktereigenschaft realisiert. Während das Ziel die Bedürfnisse zu befriedigen emsig verfolgt wird, mangelt es vor und bei der Ausführung der Handlung meist an der richtigen Überlegung, sodass viele der Handlungen der Tiere unbedacht und naiv wirken (bspw. der Wolf, der wegen seines Handlungsmotiv seinen Schwanz verlieren musste oder der Löwe, der der wegen seines Handlungsmotivs sein Leben verlieren musste). Die Tiere im Reinhart Fuchs geraten so häufig in eine Art Tunnelblick, der ihnen die Übersicht über die Handlungsumstände verwährt. Schließlich sind die Tiere dann, wenn das Motiv greift, nur auf die Befriedigung der Bedürfnisse aus und lassen andere Bemühungen um bspw. Vernunft fallen. Diese Nebenfolge des Handelns aus Begierde macht sie schwach und lässt sie nicht zuletzt oft dumm dastehen. Diese Nebenfolge tritt ebenfalls sowohl beim Tier als auch beim Menschen auf. Wie Tiere, so lassen sich auch Menschen viel zu oft von ihrem Trieb zu unüberlegten Handlungen verleiten, sodass sie dann auch oft naiv und unaufmerksam durch das Leben gehen. Heinrich weist darauf hin, dass auch dieser Punkt die Entscheidung, ob es sich bei den Figuren der mittelalterlichen Ordnung wirklich um Menschen handeln, schwerer macht. Weiter realisiert hier das Handlungsmotiv eine der problematischsten Charaktereigenschaften, die dem Meschen wie auch dem Tier eigen ist: das dumme Handeln aus Trieb. Darüber hinaus gibt er aber auch zu bedenken, dass eben diese Unüberlegtheit in manchen Handlungen - wie man noch sehen wird - den Menschen, so stark er auch ist, am verwundbarsten macht. Mit anderen Worten: Wir stellen uns oftmals genauso dumm an wie Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Kritik an einzelnen Vertretern der Ordnung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter diesen groben Kritikpunkten zu den Figuren der mittelalterlichen Ordnung werden dann auch einzelne Vertreter der Ordnung kritisch auseinander genommen. Allem voran der König leidet unter seinen charakterlichen Defiziten. Er ist wie sein Name &amp;quot;[[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|Vrevel]]&amp;quot; sagt zwar überaus stark, aber in vielen Situationen tollkühn und dummdreist (vgl. Bertau 1983, 21)[Bertau 1983]. Er, der gerade den Frieden erklärt hat, führt aus Zorn über Befehlsverweigerung kurz darauf wieder Krieg. Er kämpft als Größter gegen kleine Tiere und fühlt sich nach der göttlichen Aufgabe des Adels &amp;quot;tu protege&amp;quot; auch noch dazu verpflichtet (vgl. Neudeck 2016, 21)[Neudeck 2016]. Aus seinem Toben und seiner unüberlegten Gewalt erntet er die Quittung. Er muss für seine dummdreiste Art leiden und lässt gar am Höhepunkt der Handlung aus Angst vor dem eigenen Tod sein Leid zum Grund für weiters Blutvergießen werden. Aufgrund seines blinden Handeln um das Ziel der Selbsterhaltung zu erreichen, gerät er in den bereits erwähnten Tunnelblick. Dieser bewirkt, dass er keine Übersicht über die Handlungssituation mehr hat und sich nur noch auf sein Ziel konzentriert. All seine Macht nützt ihm nun nichts mehr, denn er handelt, wie beim Ameisenvolk, nach seinem Trieb, ist dadurch unaufmerksam und kann überlistet werden. Der Löwe und damit auch der König allgemein gesprochen, wird als ein tyrannisch-willkürlicher Machthaber skizziert, dessen bestimmte triebhafte Motive ihn zu Handlung führen, die ihn untreu, ungerecht und nicht zuletzt dumm aussehen lassen (vgl. RF, V. 1890-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005] (vgl. Ruh 1980, 23)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Nach diesem überaus deutlichen Urteil Heinrichs über den obersten Machthaber, nimmt er sich den ganzen weiteren höheren Adel vor. Auch diese &amp;quot;Tiere&amp;quot;, d.h. auch Administrale des Königs, sind durch ihre Eigenschaften und Handlungsmotive äußerst kritisch gezeichnet. Beispielsweise handelt Brun der Bär nur aus Gier nach Nahrung, sodass der ehemals große Hofkaplan naiv wird und an einem Machtvolleren scheitert kann (vgl. RF, V. 1525-1559)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So ergeht es auch mehrfach [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|dem Wolf Isengrin]] (vgl. RF, V. 648-815, 873-955)[Heinrich der Glîchezâre 2005], der aus Gier naiv wird und an dem selbigen Machtvolleren scheitern. Weiter ergeht es so auch dem Elefanten und dem Kamel, die aus Gier nach Macht, unüberlegt in fremde Lande reisen, nur um ebenfalls zu scheitern.&lt;br /&gt;
Ganz allgemein verfügt der größte Teil der Tiere im Reinhart Fuchs über eben solche Handlungsmotive, sodass der Großteil der Tiere auch als dumm bezeichnet werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich zeigt mit seinen verblüffend menschlichen Tieren nicht nur das allgemeine Problem der Figuren der mittelalterlichen Gesellschaft, sondern demonstriert auch an einzelnen Figuren der Ordnung, wie schwerwiegend sich die Defizite auswirken. &lt;br /&gt;
Er kritisiert folglich nicht nur den Menschen, der durch seine Motive und Eigenschaften gar nicht mehr vom Tier unterschieden werden kann, sondern explizit auch den König, seine direkten Bediensteten und größere Teile adeliger Gesellschaft, mit unter Barone, Weise aus fernen Ländern und etliche &amp;quot;Herren&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Gefahr der Sprengung der Ordnung===&lt;br /&gt;
Zuletzt kommen wir zur größten und durchschlagskräftigsten Kritik Heinrichs an der gesellschaftlichen Ordnung des Mittelalters. Wo es noch bei den anderen Kritiken um die unbefriedigende Form und Beschaffenheit der Ordnung ging, geht es jetzt um etwas das die Ordnung als solche bedroht. Denn die Ordnung und ihr Aufbau ist so mangelhaft, dass sie Lücken aufweist. Diese Lücken können ferner von einer entsprechenden Figur, welche sie erkannt hat, aufgebrochen werden. Die Folge daraus ist nichts geringeres als eine katastrophale Sprengung der Ordnung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Figur Reinhart Fuchs====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier kommt die Hauptfigur der Erzählungs &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; ins Spiel. Auch Reinhart ist eine Figur der allgemeinen Ordnung in Reinhart Fuchs. Dementsprechend steht auch er nach seiner Gattung, seiner Kraft und Größe in einer spezifischen hierarchischen Position, sodass einige Tiere über ihm stehen und andere unter ihm. Trotzdem umgibt er sich, wie kein andere Figur, mit Tieren, die hierarchisch weit über ihm stehen. Ferner scheint es so als wäre er keiner Gruppe zugehörig, er steht nicht an irgendeiner Position fest, er ist vielmehr in ständiger Bewegung. Ultimativ gelingt es ihm alle Position zu übersteigen, dem obersten gegenüberzustehen und eben diesen verheerend seiner Position zu berauben. Wie kann es sein, dass ein relativ kleiner und schwacher Fuchs viele stärkere Tiere übergeht und selbst dem stärksten Tier &amp;quot;das Wasser reichen kann&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016, 22)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Reinharts Mittel zur Macht====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart erkennt seine körperliche Unterlegenheit gegenüber anderen Tieren. Aber Reinhart gibt nicht wie andere Tiere auf und beugt sich dem allgegenwärtigen Recht des stärkeren, sondern behilft sich eines anderen Mittels. Wie auch Hübner sagt, geht &amp;quot;aus seiner Not der körperlichen Unterlegenheit&amp;quot; ein anderes Mittel zur Selbsterhaltung hervor. So könne Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit &amp;quot;&#039;&#039;kundekeit&#039;&#039;&amp;quot; für seine Selbsterhaltung sorgen (vgl. Hübner 2016, 87)[Hübner 2016]. Immer wenn Reinhart sich einem stärkeren Tier ausgesetzt fühlt, befleißigt er sich im Angesicht der Gefahr eines anderen Mittels der Macht, um der Kraft des Gegenübers die Stirn zu bieten. Er führt also neben der Kraft und Gewalt ein weiteres, von der allgemeinen Ordnung nicht vorgesehenes Kriterium der Macht auf das Spielfeld. Reinharts Mittel scheint zudem größere Wirkung zu haben als das Mittel, welches die allgemeine Ordnung vorsieht. Intelligenz verhilft dem Inhaber mithin zu einem größeren Grad an Macht als es Stärke tun könnte. Dies hat folgenden Grund: Die Intelligenz befähigt den Intelligenten genau das auszunutzen, was den Starken unabhängig von seinem Grad an Stärke machtlos macht. Die starken Tiere lassen sich von ihren Handlungsmotiven in unüberlegte Handlungen treiben. Genau dann, wenn die starken Tiere so unaufmerksam und so unüberlegt in ihrem Handeln sind, kann der Intelligente daraus seinen Vorteil ziehen. In dem Sinne besteht Intelligenz hier zunächst in der &amp;quot;aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation&amp;quot; (vgl. Hübner 2016, 88)[Hübner 2016]. Reinhart ist sich über Begierden seiner viel stärkeren Gegenüber bewusst, führt sie in unüberlegte Handlungen und macht es sich so leicht die Dummen zu überlisten (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
Reinhart hat folglich ein Rezept für seinen Erfolg. Er ist einer von wenigen Intelligenten Tieren und sieht sich in vielen Situationen gezwungen im Angesicht von Gefahr seine Intelligenz zu seinem Vorteil zu nutzen. Dies gelingt ihm deshalb so gut, weil die meisten Tiere die gleichen Handlungsmotive haben, welche für Reinhart gut vorhersehbar sind (vgl. Ruh 1980, 31)[Ruh 1980]. Zudem verfügt Reinhart über weitere Fähigkeiten, wie z.B.: Rethorik, welche es ihm erlauben seinen Gegenüber gemäß seiner Motive zu Handlungen zu überreden, die ihn verwundbar machen. Reinhart weiß es den &amp;quot;Willen der anderen zu kanalisieren&amp;quot; (vgl. Neudeck 2016; 23,24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
Den absurden Höhepunkt findet dies in der Überlistung der obersten Instanz der alten Hirarchie (vgl. RF, V. 2220-2235)[Heinrich der Glîchezâre 2005]. So kann Reinhart, wie bei allen anderen starken Tieren, auch das stärkste Tier durchschauen, seine Handlungsmotive vorhersehen, diese durch seine Redekunst zu seinem Vorteil ausnutzen und dann, wenn der Dumme am verwundbarsten ist, zuschlagen. &lt;br /&gt;
Reinhart hat es geschafft, sich mit seiner (erlernten) Intelligenz über die Grenzen seiner Gattung hinwegzusetzen, seine ehemals festen Position der Hierarchie zu verlassen, in andere Positionen zu wandern und letztendlich sich über die Instanz zu stellen, über der niemand anderes stehen dürfte. Er sprengt damit die alte allgemeine Ordnung und erschafft eigens eine neue, in der das Kriterium der Macht Intelligenz ist (vgl. Neudeck 2016; 24)[Neudeck 2016].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Zusammenfassung ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Übertragen auf die Gesellschaft des Mittelalters zeigt Heinrich hiermit, dass die vorherrschende Ordnung mit den unüberwindbaren Ständen und der allbekannten Machtverteilung nicht unzerstörbar ist. In der Tat ist sie, sieht man auf die anderen Punkte der Kritik, durch ihren  Aufbau und Beschaffenheit - insbesondere die monarchische Spitze- in einer solch miserablen Verfassung, dass sie gestürzt werden kann. Dafür braucht es nicht einmal einen stärkeren König, der es vermag die Ordnung mit Gewalt zu stürzen. Es genügt eine winzige Figur, die es versteht die miserable Verfassung der Ordnung zu ihrem Vorteil auszunutzen, um die Ordnung in ihren Grundfesten zu sprengen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit verbunden richtet Heinrich einen Appell an alle Rezipienten. Sollte man weiter auf Motiven, Charaktereigenschaften und Ordnung verharrt, welche man mehr oder weniger mit den Tieren teilt, ohne dass man etwas gegen diese Mängel unternimmt, so bleibt auch die Gefahr einer Sprengung der Ordnung. Kurz: Wenn man sich weiter so dumm anstellt, findet sich schnell jemand, der schlauer ist. Da man nicht schnell genug über sich selbst gerichtet hat, wird dieser dann über den Adel richten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit: konstruktive Satire oder doch destruktive Kritik?==&lt;br /&gt;
===Aufgreifen der Hypothese===&lt;br /&gt;
Die Entscheidung solche Parallelen sichtbar und damit verbunden den kritischen Bezug auf die mittelalterliche Gesellschaft deutlich zu machen, wurde, so lautete die Hypothese, nicht ohne Grund gefällt.  &lt;br /&gt;
Nur welchen Grund hat Heinrich, solch scharfe Aussagen zu treffen? Ferner: Welches Ziel verfolgt er mit dem Einfügen dieser unterschwelligen Aussagen? Sind seine Ziele genauso drastisch wie seine Aussagen? Befindet Heinrich eine Reorganisation für nötig? Oder ist es ihm etwa ein Anliegen, mit der feudalen Subgesellschaft abzurechnen? Weshalb sonst sollte er vor allem so kritisch gegen den adeligen Teil des Spektrums der Ordnung vorgehen. Er kritisiert Hofstaat, Administration, feudale Moral und nicht zuletzt die ultimative Machtinstanz, den Monarchen. Macht ihn das nicht anti-feudal? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich ist nicht anti-feudal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von solchen Argumentationen ist aus verschieden Gründen abzusehen(vgl. Ruh 1980, 29)[Ruh 1980] . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz der Anonymität des Namens &amp;quot;Heinrich&amp;quot;, kann man davon ausgehen, dass der Autor, wie die meisten Autoren dieser Zeit, selbst dem Stand nach adelig war. Er schrieb über den Stand, von dem er am meisten interne Informationen sammeln konnte. Nur mit der grundlegenden Auseinandersetzung der Struktur des Adels konnte er zu einer solchen expliziten und empfindlich genauen kritischen Haltung insbesondere gegenüber den Figuren des Adels gelangen. Er war aber in diesem Sinne keinesfalls um eine destruktive Kritik bemüht, denn er war faktisch Teil des Standes. Mit Auflösung oder dramatischer Reorganisation der Stände inklusive des Adels wäre auch er als privilegiertes Mitglied des Adels negativ betroffen. Dies hätte kaum seine Absicht sein können (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus war die Literatur, die er schrieb, in der Form exklusiv, als sie ausschließlich dem Adel vorbehalten war. Das Publikum war dementsprechend Adel, sodass es sich anbot, auch über den Adel zu schreiben. Die Kultur, die im Adel vertreten war, war in größtem Grade unterschiedlich zu der, die in der &amp;quot;wirklichen&amp;quot; Welt vorherrschte. Die Welt, in der die Handlung stattfindet, und die Themen, um die sich die Handlung dreht, sollten, damit das geneigte Publikum thematisch anknüpfen kann und &amp;quot;mitspielt&amp;quot;, möglichst nahe an der Realität des Publikums sein. Kein Adeliger hatte vor, bei solch einer Lesung über den Hunger der Bauern, die unfairen Lehensabgaben geschweige denn über die alltäglichen Probleme des einzelnen Bauern nachzudenken, sondern wollte sich allen voran amüsieren. Helden, Bösewichte, schöne Jungfrauen, Kämpfe und politische Intrigen waren da unterhaltsamer. Man musste sozusagen die Themen und Inhalte der Welt in verträgliche Happen schneiden, sodass das adelige Publikum bereit war die Inhalte anzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Heinrich schreibt keine destruktive Kritik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So kann man, wenn man es genau nimmt, auch nicht von einer harten Kritik, wie in einem heutigen sozialkritischen Roman, sprechen, sondern von einer kritischen Satire. Die Kritik war nicht als scharfe Ermahnung oder eine strenge Belehrung, sondern eher als satirisches Aufheitern zum Nachdenken gedacht.&lt;br /&gt;
Heinrich wollte kaum darstellen, wie und warum die Ordnung zum Scheitern verurteilt ist, oder nach Illustration der Untragbarkeit der derzeitigen Situation in der Weise gar zu einer Reorganisation raten. Er war kein Revolutionär. Denn er selbst profitierte aus der Aufrechterhaltung des Adels und der geläufigen Ständeordnung. Wie Ruh pointiert, müsse derjenige, der schon &amp;quot;eine Welt gewonnen&amp;quot; hat, eine selbstkritische Position gewinnen, nicht um Gewonnenes zu zerschlagen, sondern um es zu bewahren (vgl. Bertau 1983, 28)[Bertau 1983] (vgl. Ruh 1980, 33)[Ruh 1980]. Außerdem gab es zu dieser Zeit (12. Jahrhundert) keine weitere Ideologie, welche den Adelsstand hätte gefährden und eine destruktive Kritik hätte begrüßen können (vgl. Ruh 1980, 32)[Ruh 1980].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrich fand während seines Lebens in der adeligen Gesellschaft - vermutlich in der eigenen Erfahrung mit dem Adel - seine Gründe die Strukturen kritisch zu erwähnen. Ob Heinrich nun selbst oder durch einen Auftraggeber zu einem Grund kam die Idealwelt zu &amp;quot;demaskieren&amp;quot; (vgl. Ruh 1980, 16,32)[Ruh 1980] ist weniger wichtig. Wichtiger war die Wirkung, die er sich von seinem Handeln versprach. &lt;br /&gt;
Ziel war nicht mehr als in angeheiterter Stimmung dem adeligen Publikum unterschwellig einige kritische Themen zu vermitteln und sie so anzustimmen über diese nachzudenken.&lt;br /&gt;
Er wies auf Gefahren und Bedrohungen hin, um ein längeres Fortbestehen der Ordnung zu sichern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So etwas war mit Sicherheit nicht seine primäre Aufgabe als Schreiber. Die tatsächliche Aufgabe eines Schreibers war generell Geschichten zu sammeln und diese zum Amüsement der feudalen Gesellschaft aufzubereiten. &lt;br /&gt;
Heinrich im Besonderen ist zu Gute zu halten, dass er es inhaltlich nicht bei bloßer Unterhaltung beließ, sondern einen Schritt weiterging. Er nutze seinen Einfluss bei der richtenden Gesellschaft, schrieb satirisch-unterhaltsam und verstecke in diesem satirischen Gewand seinen konstruktiven Beitrag zur Erhaltung der Ordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler, Gabriela: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung für Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983, S. 19-29.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 13-32.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 11 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29472</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29472"/>
		<updated>2020-09-01T14:15:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Schlussbetrachtung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt, anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen Weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn zielt auch die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen besteht, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu Recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist Reinhart auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebe. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu Genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und den Raben deswegen hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht, den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er jedoch selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater sind physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis schließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und überlistet Isengrin so. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzen, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere als Unterstützung um Isengrin versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs, bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigt den Fuchs oder erhebt Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Die einzige Ausnahme bildet das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und ihrem Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal vorladen lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet zurückschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht, den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher zuvor brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hatte. Dessen Lehensherr rächte sich daraufhin und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzt die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils entwickelt sich ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation von Reinharts Handlungen wird die Vergewaltigung vor den Augen von Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird der Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit, noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässige. Diesen Pflichten will er nun nachkommen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen tritt, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition als der den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs zu demonstrieren. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst im Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und vieler Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch seine Taten und sein Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit, sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch klassifizieren, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche Eigenschaften projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigem Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielungen auf das Wirken des Bösen sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, da er wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark der Fuchs als Tier negativ behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen und biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in welchen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr allein im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug und scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List ohne jegliche Empathie auszuführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29471</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T14:12:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Die Darstellung des Fuchses */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt, anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen Weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn zielt auch die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen besteht, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu Recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist Reinhart auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebe. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu Genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und den Raben deswegen hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht, den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er jedoch selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater sind physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis schließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und überlistet Isengrin so. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzen, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere als Unterstützung um Isengrin versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs, bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigt den Fuchs oder erhebt Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Die einzige Ausnahme bildet das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und ihrem Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal vorladen lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet zurückschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht, den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher zuvor brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hatte. Dessen Lehensherr rächte sich daraufhin und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzt die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils entwickelt sich ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation von Reinharts Handlungen wird die Vergewaltigung vor den Augen von Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird der Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit, noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässige. Diesen Pflichten will er nun nachkommen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen tritt, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition als der den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs zu demonstrieren. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst im Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und vieler Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch seine Taten und sein Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit, sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch klassifizieren, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche Eigenschaften projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigem Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielungen auf das Wirken des Bösen sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, da er wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark der Fuchs als Tier negativ behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen und biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29470</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T14:09:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Widerspiegelung der Menschen im Tierepos */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt, anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen Weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn zielt auch die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen besteht, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu Recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist Reinhart auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebe. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu Genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und den Raben deswegen hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht, den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er jedoch selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater sind physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis schließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und überlistet Isengrin so. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzen, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere als Unterstützung um Isengrin versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs, bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigt den Fuchs oder erhebt Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Die einzige Ausnahme bildet das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und ihrem Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal vorladen lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet zurückschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht, den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher zuvor brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hatte. Dessen Lehensherr rächte sich daraufhin und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzt die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils entwickelt sich ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation von Reinharts Handlungen wird die Vergewaltigung vor den Augen von Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird der Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit, noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässige. Diesen Pflichten will er nun nachkommen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen tritt, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition als der den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs zu demonstrieren. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst im Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und vieler Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039; werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch seine Taten und sein Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit, sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch klassifizieren, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche Eigenschaften projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29469</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T14:04:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt, anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen Weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn zielt auch die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen besteht, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu Recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist Reinhart auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebe. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu Genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und den Raben deswegen hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht, den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er jedoch selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater sind physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis schließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und überlistet Isengrin so. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzen, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere als Unterstützung um Isengrin versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs, bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigt den Fuchs oder erhebt Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Die einzige Ausnahme bildet das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und ihrem Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal vorladen lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet zurückschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht, den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher zuvor brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hatte. Dessen Lehensherr rächte sich daraufhin und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzt die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils entwickelt sich ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation von Reinharts Handlungen wird die Vergewaltigung vor den Augen von Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird der Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit, noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässige. Diesen Pflichten will er nun nachkommen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen tritt, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition als der den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs zu demonstrieren. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch dessen Taten und Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit , sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch zuweisen, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29468</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T14:00:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart als Täter und Opfer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt, anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen Weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn zielt auch die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen besteht, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu Recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist Reinhart auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebe. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu Genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und den Raben deswegen hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht, den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er jedoch selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater sind physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis schließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und überlistet Isengrin so. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzen, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere als Unterstützung um Isengrin versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs, bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigt den Fuchs oder erhebt Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Die einzige Ausnahme bildet das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und ihrem Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal vorladen lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet zurückschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht, den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher zuvor brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hatte. Dessen Lehensherr rächte sich daraufhin und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzt die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils entwickelt sich ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation von Reinharts Handlungen wird die Vergewaltigung vor den Augen von Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird der Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit, noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässigte. Diese Pflichten will er nun aufholen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus, und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag, lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene  Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen trete, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition zu demonstrieren, als der, den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch dessen Taten und Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit , sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch zuweisen, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29467</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29467"/>
		<updated>2020-09-01T13:48:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt, anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen Weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn zielt auch die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen besteht, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu Recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist Reinhart auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebe. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und deswegen den Raben hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater waren physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis abschließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und führt Isengrin so hinters Licht. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzten, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere um Isengrin als Unterstützung versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigte den Fuchs oder erhob Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Bis auf das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal laden lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet heimschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hat. Dessen Lehensherr rächte sich und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzte die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils wird ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation Reinharts Handlungen, wird die Vergewaltigung, vor den Augen Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit; noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabrere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals als schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässigte. Diese Pflichten will er nun aufholen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus, und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag, lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene  Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen trete, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition zu demonstrieren, als der, den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch dessen Taten und Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit , sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch zuweisen, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29466</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T13:40:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung  Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.  */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrügen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin, und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster, von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine kvndikeit als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich, als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn ziele die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen bestehe, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell einfach überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist er auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebt. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10 ). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und seine Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und deswegen den Raben hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater waren physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis abschließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und führt Isengrin so hinters Licht. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzten, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere um Isengrin als Unterstützung versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigte den Fuchs oder erhob Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Bis auf das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal laden lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet heimschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hat. Dessen Lehensherr rächte sich und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzte die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils wird ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation Reinharts Handlungen, wird die Vergewaltigung, vor den Augen Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit; noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabrere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals als schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässigte. Diese Pflichten will er nun aufholen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus, und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag, lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene  Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen trete, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition zu demonstrieren, als der, den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch dessen Taten und Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit , sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch zuweisen, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Figurencharakteristik_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29465</id>
		<title>Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T13:38:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Beitrag analysiert die Figur Reinhart Fuchs und dessen Charakter aus dem gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre]]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei werden verschiedene Verse mit Wortbelegen von &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; und das Verhalten des Protagonisten in den Episoden untersucht und auf&lt;br /&gt;
Deutungen und Zitate zurückgegriffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verse mit Wortbelegen „kvndikeit“ und Belege zur Charakterisierung &amp;lt;ref&amp;gt; Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995. &amp;lt;/ref&amp;gt; === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart trifft auf die Meise und versucht sie zu überlisten. Diese aber habe schon viel über den Fuchs gehört und ist vorgewarnt.&#039;&#039; (RF, V. 189 - 191) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die meyse sprach: &amp;quot;Reinhart,  ||  Die Meise sprach: &amp;quot;Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ist vil manic ubel [] art || man hat mir häufig genug von vielen deiner bösen Eigenschaften&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dir gesagt dicke. […]&amp;quot;||   berichtet. […]&amp;quot;    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart freut sich darauf, sie zu überlisten. Die Meise möchte Reinharts Vertrauen testen und ihm drei Küsse geben, während er die Augen schließen soll: Sie wirft Dreck von ihrem Ast herunter. Reinhart hat nur Böses im Sinn und versucht, danach zu schnappen. Die Meise weiß nun, dass er sie zu fangen versucht.&#039;&#039; (RF, V. 197 - 199) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Reinhart wart vil gemeit ||  Reinhart  war sehr vergnügt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  von der cleinen leckerheit,|| über die kleine Hinterlist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vrevte sich vaste. ||  er freute sich sehr.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Die Meise entkommt Reinharts Hinterlist, der nun traurig über sein Scheitern ist. Doch er hat schon eine neue List in Aussicht am Rabe Diezelin.&#039;&#039; (RF, V. 213-219)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro ||  Deshalb war er traurig und betrübt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: &#039;herre, wie kvmt ditz so, ||  und sprach: &#039;Herr, wie kommt es,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mich ein voglin hat betrogen? ||  dass mich ein Vogel betrogen konnte? &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das mvet mich, daz ist vngelogen.&#039;  ||  Das ärgert mich, das ist nicht gelogen.&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| REinhart kvndikeite pflac, ||  Reinhart pflegte seine Listigkeit,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch ist hevte niht sin tac, ||  doch ist heute nicht sein Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iz im nach heile mvege ergan.||  denn nach dem Glück geht es den Sorgen entgegen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Während Reinharts Verbündeter, der Wolf Isengrin und seine Söhne auf Beutejagd sind, wittert Reinhart die Gelegenheit und [[Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)|umwirbt Isengrins Frau Hersant]]. Später [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs |vergewaltigt Reinhart sie]] sogar.&#039;&#039; (RF, V. 416 - 421) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin wip nam er bi der hant||  Er nahm seine Frau bei der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere || und empfahl sie inständig an Reinharts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere. ||  Treue und an seine Ehre.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.||  Aber Reinhart warb um seine Gevatterin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin einen vbelen kamerere. || Da hatte Isengrin aber einen üblen Kämmerer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.  ||    Denn von jetzt an begeben sich schändliche Geschichten. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Reinhart beginnt Hersant schamlos zu verführen und vergewaltigt sie anschließend vor den Augen ihres Mannes. Die Wölfin will ihren Liebhaber Reinhart zum Beweis ihrer Unschuld totbeißen, wird von ihm aber provoziert.&#039;&#039; (RF, V. 1162-1163)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| siner amien warf er dvrch den mvnt ||    Hinterlistig wedelte er seiner Geliebten  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zagel dvrch kvndikeit. ||  den Schwanz durch ihren Mund. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&#039;&#039;Isengrin wird von einem Ritter versehentlich gerettet: Dieser will ihn eigentlich töten, schneidet dem Wolf aber lediglich den Schwanz mit seinem Schwert ab, woraufhin dieser fliehen kann. Reinhart flüchtete schon längst vorher und macht sich auf den Weg ins Kloster,von dem er wusste, dass dort viele Hühner gehalten werden.&#039;&#039; (RF, V. 823 - 826) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart, der uil hat gelogin, || Reinhart, der selbst schon viel gelogen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt noh hut betrogin.|| wird heute noch selbst betrogen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| doch behalf ime sin kundigkeit von notlichir arbeit. || Doch half ihm seine listige Art aus feindlicher Bedrängnis.    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Der Fuchs Reinhart gibt sich als Pilger und Arzt aus und verspricht, den kranken König durch einen Trank zu heilen, jedoch braut Reinhart ihm seinen Tod: Der Trank ist vergiftet. So entkommt Reinhart dem Gerichtstag und damit seinem Urteil.&#039;&#039;( RF, V. 2172 - 2175) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot, || Reinhart war böse und rot,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin:|| das machte er nun vollends deutlich:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin.||  er vergiftet seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Protagonist und seine Charaktereigenschaften ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kvndikeit ===&lt;br /&gt;
Reinhart Fuchs wird als Protagonist oft mit dem Wort &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; beschrieben, das je nach Kontext positiv oder negativ ausgelegt werden kann. Das Wort wird unter anderem mit &#039;Einfall&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;do was im kvndikeite zit&#039;&#039; || Da brauchte er dringend einen Einfall. &amp;quot; (RF, V. 307) oder &#039;Geschicklichkeit&#039; &amp;quot;&#039;&#039;do bedorfte er wol kvndikeit&#039;&#039; || Jetzt kam es wohl auf seine Geschicklichkeit an. &amp;quot; (RF, V. 3640) übersetzt, aber auch mit &#039;Listigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;ez sold in wol erlozen Reinhart mit seiner kvndikeit.&#039;&#039; || Reinhart hätte ihn wohl von seiner Listigkeit erlösen können.&amp;quot; (RF, V.1420-1421)  oder &#039;Hinterlistigkeit&#039;, &amp;quot;&#039;&#039;nieman evch gezelen mack Reinharts kvndikeit [...]&#039;&#039;|| Niemand kann euch erzählen, wie hinterlistig Reinhart war [...] &amp;quot; (RF, V. 1822-1823).[Heinrich der Glîchezâre 1995]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs stellt anderen Tieren mit Vergnügen eine Falle oder hintergeht sie und erfreut sich daran, wenn er erfolgreich war. Als schlauer und kluger Fuchs ist er den Tieren im Tierepos oft überlegen und nutzt deren Leichtgläubigkeit und Naivität gerne mit einer List aus. Die Redewendung &amp;quot;schlau wie ein Fuchs&amp;quot; zu sein, ist auch im heutigen Sprachgebrauch noch sehr präsent und unterstützt dieses Bild zusätzlich. Hinterlistig ist jemand, der heimlich bestrebt anderen Schaden zuzufügen oder sie zu betrügen. &amp;lt;ref&amp;gt; https://www.duden.de/rechtschreibung/hinterlistig &amp;lt;/ref&amp;gt;  Listig sein bedeutet, &amp;quot;die Fähigkeit verfügend, sich Umstände zur Erreichung seiner Absichten zu bedienen, die anderen verborgen sind&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt;https://www.duden.de/rechtschreibung/listig&amp;lt;/ref&amp;gt; Und genau diese Eigenschaften besitzt Reinhart Fuchs: Er ist fähig, andere zu hintergehen und seine kvndikeit als Fuchs auszunutzen, denn die meisten Tiere erkennen seine Überlegenheit nicht. Er ist schlau genug, die Absichten anderer Tiere vorauszusehen und deren Verhalten zu kalkulieren. Es bereitet dem Fuchs Freude, andere zu betrügen und seine Listen vergnügen ihn. &amp;quot;&#039;&#039;Reinhart begonde uben baz sine Liste, die er hat.&#039;&#039;  ||  Reinhart setzte am liebsten seine Listen ein, die er besaß.&amp;quot; (RF, V. 104-105). Auch wenn er anfänglich wenig erfolgreich ist, scheut er nicht davor, wiederholt und erneut Listen zu planen. Der Fuchs gibt nicht auf und bleibt hartnäckig.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der schlaue Fuchs ===&lt;br /&gt;
Die Schlauheit Reinharts gilt nicht nur in den Handlungsmitteln, sondern auch in den Handlungszielen als amoralisch. Bei der Untersuchung und Deutung seiner Gründe und Ernährung der Ziele trifft man auf Rache, ehebrecherisches Begehren und Machtgewinn. Den Wolf schädigt er mehrmals aus Rache, da er die gemeinsame Beute nicht mit seinem Verbündeten teilt. An Bär, Kater, Löwe und vielen weiteren rächt der Fuchs sich, weil sie ihn zu Tode verklagen wollen. Die Wölfin Hersant begehrt Reinhart erst tatsächlich, vergewaltigt sie jedoch schließlich, als Rache am Wolf, der versuchte, Reinhart dem Tode auszuliefern. Auf Rache und Machtgewinn ziele die ganze Interaktion mit dem Löwen, wodurch der Fuchs am Ende alle Feinde beseitigen kann. &#039;&#039;Reinhart was vbele und rot [...].&#039;&#039; (RF, V. 2172). [Heinrich der Glîchezâre 1995]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die &amp;quot;Co-Akteure&amp;quot; agieren auf &amp;quot;unvorsichtigem Vertrauen auf Tugend und Recht, vor allem aus Gier&amp;quot; und handeln ihrer Tiernatur entsprechend: Der Wolf ist verfressen, der Löwe gierig nach Macht, Hersant ehebruchwillig, Bär und Kater können Honig und Mäuse nicht widerstehen. Reinhart besitzt die Schlauheit, die in der aktionalen Kontrolle über die Deutung der Handlungsaktionen bestehe, dieses Verhalten der Tiere einzuschätzen und zu kalkulieren. Vor allem in der Konstruktion mit dem Wolf wird deutlich, dass Isengrin zwar der physisch stärkere, aber Reinhart intellektuell einfach überlegen ist und zusammen mit seinen schlauen Handlungssträngen für seine Selbsterhaltung sorgen kann. Festzuhalten ist jedoch der Grund für sein Misserfolg: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren [...], reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Hübner 2016: 92]  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Prozess gegen Reinhart Fuchs wird das Recht jedoch als Instrument für amoralisches Handeln des Löwen benutzt. Fragwürdig ist, ob das Todesurteil Reinharts gerechtfertigt ist oder ob er sich trotz seines amoralischen Handelns zu recht entzieht. &amp;quot;Es gibt weder einen Grund zur Sympathie mit dem Fuchs&amp;quot;, noch zum Mitleid für dessen Opfer, &amp;quot;sondern nur ein kühles Urteil der instrumentellen Vernunft, dass schlechte Schlauheit größeren Handlungserfolg verspricht [...].&amp;quot; [Hübner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Liebe und Minne ===&lt;br /&gt;
Sicherlich ist er auch ein einsames Tier, denn er macht sich nicht viele Freunde: Allen Tiere, denen er begegnet, fügt er in verschiedenster Weise Leid zu und schikaniert sie. Der Leser selbst kann über die Dummheit der anderen Tiere nur lachen und entwickelt Sympathie für den schlauen Fuchs. Für seine Einsamkeit ist Reinhart aufgrund dessen aber selbst verantwortlich, denn die Brunnenepisode verdeutlicht, dass auch Reinhart eine Frau an seiner Seite hat. Der Fuchs meint, im Spiegelbild des Brunnenwassers (RF, V. 840 - 849)[Heinrich der Glîchezâre 1995] seine Frau zu erblicken, die er wie sich selbst liebt. Aber er könne es nicht lassen, noch eine Geliebte, eine [[ Der Minne-Diskurs  (Reinhart Fuchs) |Minne ]] zu haben. Die tiefere, emotionale Bindung bestehe aber zu der Ehefrau, denn er erkennt sie in seinem eigenen Spiegelbild und springt zu ihr hinunter.  &amp;quot;Damit ist die Beziehung zwischen Fuchs-Mann und Fuchs-Frau entlang der im literarischen Diskurshöfischer Literatur diskutierten Idee einer Trennung von Ehe und Minne konstruiert [...].&amp;quot; [Mecklenburg 2017: 97]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Protagonist ===&lt;br /&gt;
Zu Beginn des Tierepos wird Reinhart Fuchs als &amp;quot;außergewöhnliches Tier&amp;quot; bezeichnet, das sein ganzes Trachten und seine Sinne auf Betrug und schlaue Winkelzüge richte und sich auf vielerlei Bosheit wohl verstanden habe (RF, V. 1-10 ). Schon im Prolog wird regelrecht vor dem Fuchs gewarnt: &#039;&#039;Iz hate vil vnchvste erkant vnd ist Reinhart genant&#039;&#039;  ||  Er trug viel Bosheit mit sich und wurde Reinhart genannt (RF, V. 9-10).[Heinrich der Glîchezâre 1995]   Auch im Tierreich erzählt man sich nur Schlechtes über Reinhart, ebenso habe die Meise schon viel &amp;quot;manic ubel&amp;quot;, über ihn und seine Taten gehört, also von vielen seiner üblen Eigenschaften. &lt;br /&gt;
Als Reinhart den König vergiftet, wird er als &#039;&#039;vbele und rot&#039;&#039;, böse und rot betitelt. Im Tierepos wird die Rolle des Protagonisten einem Fuchs zugeordnet. Dieses Tier ist den anderen Tieren körperlich nicht oft überlegen, aber er trotzt mit seiner Überlegenheit in Klugheit und Listigkeit. Die Hauptrolle kann nur einem Fuchs mit den zentralen Charaktereigenschaften Reinharts, wie seine Schlauheit, Hinterlistigkeit, Tücke und seine Freude daran, zugeordnet werden, die er bewusst einsetzt, um seine Handlungsziele zu erreichen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart als Täter und Opfer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Verlierer]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den anfänglichen Episoden scheitert Reinhart zu genüge: Er will Bauer Lanzelins Hühner stehlen, die sich aber in Sicherheit bringen. Reinhart schnappt sich mit einer List den Hahn Scantecler, der dem Fuchs aber wieder entkommen kann, indem er ihn provoziert. Auch die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs) | Meise]] entwischt Reinhart, die schon vor ihm gewarnt wurde. Der Rabe Diezelin ergatterte einen Käse, den der Fuchs begehrt und deswegen den Raben hintergehen will. Er bringt sich dabei jedoch selbst in Gefahr, vor der er sich im letzten Moment noch retten kann. Anschließend begegnet Reinhart dem [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) | Kater Diepreht]]. Der Fuchs versucht den Kater in eine Wildfalle zu locken, in die er selbst hinein fällt und sich noch rechtzeitig mit einer List vor der Axt eines Bauern retten kann. All diesen Tieren versucht Reinhart Leid zuzufügen und will sie zu seinen Gunsten hintergehen. Jedoch gelingt ihm zunächst keine seiner Taten und seine Opfer kommen immer wieder davon.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Reinhart muss am Anfang bei seinen hinterlistigen Taten scheitern, um die Sympathie der Leser und anderer Tieren zu gewinnen. Hätte er in den anfänglichen Episoden nicht verloren, hätte der Wolf Isengrin nicht in ein Bündnis mit dem Fuchs eingewilligt. Publikum und Tiere hätten kein Mitleid empfunden und Reinhart wäre nicht so ungeschoren davon gekommen. Allerdings sind seine bislang vollbrachten Taten noch harmlos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs) | Reinhart der Sieger]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart scheiterte anfänglich bei körperlich unterlegenen Tieren, denn Hahn, Meise, Rabe und Kater waren physisch deutlich schwächer als er. Mit seinen unzähligen Listen und seinem hinterlistigen Charakter gleicht er nun jegliche körperliche Überlegenheit anderer Tiere aus: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl Reinhart Fuchs mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs) | Wolf Isengrin]]  ein Bündnis abschließt, wird der Wolf immer und immer wieder zum Opfer; &amp;quot;&#039;&#039;Reinhartis driuwe warin laz, […].&#039;&#039; ||  Reinharts Treue war unzuverlässig.&amp;quot; (RF, V. 753). Mehrfach nutzt der Fuchs Isengrins Dummheit und Naivität aus. Weil der Wolf Isengrin von Natur aus verfressen ist, lockt Reinhart ihn wiederholt mit Futter und führt Isengrin so hinters Licht. Reinhart gelingen viele Listen, bis hin zur grausamen Kastration Isengrins und der Beschneidung seines Schwanzes, das mittelhochdeutsche Wort &#039;&#039;zagel&#039;&#039;. Als wäre es damit noch nicht genug, [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs | vergewaltigt]]  Reinhart Isengrins Frau Hersant, die er schon lange begehrt, vor den Augen ihres Mannes. Reinharts nicht aufzuhaltender Drang, Isengrin sowohl seelisch, als auch körperlich zu verletzten, nimmt Isengrin alles: von seiner Männlichkeit bis hin zu seiner Würde und seinem Stolz.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart Fuchs als &amp;quot;Opfer&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs schadet im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs) | Tierepos]] vielen Tieren, nutzt deren Naivität aus und hintergeht sogar seine Verbündeten. Wiederholt setzt Reinhart seine Listen ein und strebt lediglich nach seinem eigenen Wohlergehen, wobei er dabei bereitwillig in Kauf nimmt, dass er andere verletzt und ihnen Schaden zufügt. Die Bedürfnisse seiner Umwelt interessieren ihn nicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seiner Taten muss er sich vor Gericht behaupten, wo ihm die Todesstrafe droht. Niemand setzt sich vorerst für eine Verhandlung im Sinne einer verbindlichen Justiz ein und die Episode der Gerichtsverhandlung offenbart dadurch auch den Egoismus und die Rücksichtslosigkeit der anderen Tiere. Auf diese Weise wird der Angeklagte vor Gericht selbst zum Opfer, denn ihm wird die formale Möglichkeit verwehrt, sich gegen die zahlreichen Anschuldigungen zu verteidigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gerechtigkeit unter den Tieren ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich will der Wolf Isengrin Rache an Reinhart Fuchs nehmen und setzt einen Gerichtstag an, zu dem sich viele Tiere um Isengrin als Unterstützung versammeln, während Reinhart nur Krimel, einen Dachs bei sich hat. &lt;br /&gt;
Die anwesenden Tiere fordern gemeinsam ein unverzügliches Urteil beziehungsweise eine Strafe für Reinhart, um sich an ihm zu rächen und ihn für all seine Taten büßen zu lassen. Alle sind sich einig, auch der König und gleichzeitig Richter, der [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs) | Löwe Vrevel]]. Niemand verteidigte den Fuchs oder erhob Gegenrede gegen das ihm drohende Urteil. Bis auf das Kamel, welches &amp;quot;gottesfürchtig und weise&amp;quot; (V. 1439)[Heinrich der Glîchezâre 1995] ist, denn es erinnert an ein Gerichtsverfahren im Sinne des Rechts: Der Angeklagte müsse drei Mal vor Gericht geladen werden, erscheine er nicht, wird er dafür mit dem Leben bezahlen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts Listenreichtum und seinen zahlreichen Schandtaten lassen sich in keinster Weise rechtfertigen. Allerdings fällen die Tiere in ihrer Wut und Zorn auf den Angeklagten ein vorschnelles Urteil, ohne sich der Gerechtigkeit, die sie selbst fordern, zu besinnen und in ihrem Sinn zu handeln. Reinhart wird hier selbst kurz zum Opfer der Gesellschaft im Tierepos. Aus dieser Rolle kann er sich aber auch wieder befreien und greift dabei auf seine Eigenschaft &#039;&#039;kvndikeit&#039;&#039; zurück, auf seine Schlauheit und seine Hinterlistigkeit, denn &#039;&#039;Reinhartes liste waren gros […].&#039;&#039;  ||  Reinharts Listenreichtum war unendlich […]. (RF, V. 1865).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Gerichtstag ===&lt;br /&gt;
Der König erweist sich zunächst als Gerichtsherr, der das Verfahren gegen den Fuchs ordnungsgemäß leitet, indem er den abwesenden Reinhart nach Lehnsrecht dreimal laden lässt. Ebenso droht er ihm, als der Fuchs die Königsboten übel zugerichtet heimschickt, rechtskonform mit Verbannung und Tod. Reinhart kehrt schließlich verkleidet als Arzt und Pilger bei dem Hoftag ein und verspricht den König Löwe Vrevel zu heilen, welcher brutal und aggressiv das Ameisenvolk zerstört hat. Dessen Lehensherr rächte sich und drang über das Ohr in das Hirn des Löwen ein, was dem Löwen Todesqualen verursachte. König Vrevel nutzte die Situation zu seinen Gunsten egoistisch aus: &amp;quot;Dem Fuchs vorbehaltlos vertrauend, lässt Vrevel nicht nur den Wolf enthäuten, sondern er opfert auch eine Reihe anderer Vasallen seiner Gesundheit. Nachdem deshalb die meisten übrigen Untertanen des Königs  geflohen sind, heilt der falsche Arzt seinen königlichen Patienten nun mehr, um ihn dann zu vergiften und sich aus dem Staub zu machen.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Aus der Gerichtsverhandlung und der Fällung eines Urteils wird ein dramatischer Ausgang. Der Fuchs nutzt den Einwand des Kamels, dass auch ihm eine gerechte Verurteilung zustehe, und tötet im Gegenzug seinen Richter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart überwiegt als Täter ===&lt;br /&gt;
Der Protagonist handelt alles andere als gerecht, denn Reinharts Listen und Schandtaten sind nicht zu rechtfertigen, vor allem nicht die Vergewaltigung Hersants. Von [[Heinrich der Glîchezâre | Heinrich der Glîchezâre]] wird die Vergewaltigung nur kurz und undetailliert angeschnitten. Aber bei einer genauerer Interpretation Reinharts Handlungen, wird die Vergewaltigung, vor den Augen Hersants Mann Isengrin, seinem eigentlichen Verbündeten, zum Höhepunkt seiner Ungerechtigkeit. Darauf aufbauend wird Wolf Isengrin weder verdiente Gerechtigkeit; noch einen Ausgleich für die ihm zugefügten psychischen und körperlichen Schmerzen erlangen können. Reinhart überwindet am Ende den König Vrevel und das Gesellschaftssystem im Tierepos und kommt ungestraft davon. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die groteske, gar makabrere Pointe der Verstümmlung Reinharts an Isengrin ist, dass diese Tat dem Wolf letztendlich das Leben rettet. Als die Klosterbrüder den Wolf zufällig im Brunnen entdecken und ihn heraus ziehen, lassen sie ihn halbtot liegen, denn es werden &amp;quot;die am Wolfskörper sichtbaren Folgen der Fuchslisten als Tonsur und Beschneidung&amp;quot; von den Mönchen interpretiert und er überlebt. Wenn Rezipient*innen über diese Situation lachen, dann lachen sie eigentlich über den abwesenden Reinhart Fuchs, der auf eine brutale Art ein Lebensretter ist. [Mecklenburg 2017: 75ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fuchs bereut seine Taten nie und würde sich auch niemals als schuldig für all seine mutwilligen Taten bekennen. Trotzdem wird Reinhart nicht einmal ansatzweise zur Rechenschaft gezogen und kommt ungestraft, als Sieger über alle, davon:  &#039;&#039;Reinhart was vbele vnde rot, daz tet er da vil wol schin: er vergab dem herren sin.&#039;&#039; (RF, V. 2172-2175).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gewalt und Macht in der Gesellschaft der Tiere == &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herrschaft durch König Vrevel ===&lt;br /&gt;
Der Hoftag des Königs Vrevel bietet die Gelegenheit für einen Gerichtstag, bei dem die von Reinhart Fuchs geschädigten Tiere Anklage gegen ihn erheben. Da die Szene in feudaler Anarchie endet, ermöglicht diese Episode die Steigerung in das Dramatische. Zu einer Katastrophe führt vor allem die &amp;quot;problematische Figur des Königs&amp;quot;. Vrevel geht davon aus, dass seine Schmerzen, die tatsächlich von der in sein Gehirn gedrungenen Ameise stammen, eine Bestrafung Gottes seien, da er seine königlichen Pflichten vernachlässigte. Diese Pflichten will er nun aufholen und den Gerichtstag vollziehen. Der Löwe bricht jedoch am Ende in Egoismus aus, und bringt deswegen nicht nur seine Untertanen um, sondern häutet auch den Wolf, um daraus Nutzen für seine Gesundheit zu ziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus Vrevels brutalem Verhalten in der Ameisenepisode und auch aus dem gewaltsamen Vorgehen im Hoftag, lässt sich schließen, dass die königliche Macht im Tierepos allein auf Gewalt basiert und ausgeübt wird. &amp;quot;Rücksichtsloser Machtgebrauch, bloß äußerliche Rechtlichkeit, bestechliche Gerechtigkeit königliche Treulosigkeit bestimmen die öffentlichen Verhältnisse im Tierstaat. Deswegen bringt der König zunächst seine Vasallen um, um schließlich selber umgebracht zu werden.&amp;quot; [Neudeck 2016: 22] Ebenso gerate die Schwachstelle der monarchischen Herrschaft in den Fokus: &amp;quot;die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie die Manipulierbarkeit [...]&amp;quot; durch beispielsweise Kommunikation und Gewalt. Die monarchische Spitze der feudalen Gesellschaftsordnung, die durch den Löwen Vrevel verkörpert wird, impliziere gleichzeitig eine prekäre Schwachstelle. Die neugeschaffene  Textsorte Tierepos ermögliche &amp;quot;eine kritische Reflexion des Politischen, die in einer pragmatisch-illusionslosen Darstellung politischen Handelns fassbar wird.&amp;quot; [Neudeck 2016: 24]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Anti-Held Reinhart ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Eine besondere Rolle kommt dem Protagonisten zu. Reinhart ist es nämlich, der durch seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; die wahre Natur der Tierfiguren entlarvt [...], weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot;, wie  König Vrevel, der nur nach seiner Gesundheit strebt, und dafür das Recht mit Füßen trete, ebenso seine Getreuen schinden lässt und wie der Kapellan, der Bär Brun und der Kater Dieprecht, die aufgrund ihrer Gefräßigkeit vom amtlichen Auftrag abgelenkt werden. [Ruh 1980: 30ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch Reinhart nutzt Gewalt immer wieder, um seine Machtposition zu demonstrieren, als der, den anderen Tieren deutlich überlegene, schlaue Fuchs. &lt;br /&gt;
Der Protagonist bekomme am Ende die Rolle des &amp;quot;Anti-Helden&amp;quot; zugeschrieben: Er gewinnt den Gerichtstag, indem er alle Kläger umbringt, die ihm nach dem Leben trachten, und &amp;quot;zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung der Tiergesellschaft&amp;quot;, denn auch die monarchische Spitze, den König, stürzt und beseitigt er gnadenlos. [Neudeck 2016: 22ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Widerspiegelung der Menschen im Tierepos ==&lt;br /&gt;
=== Die politische Argumentation nach Ruh ===&lt;br /&gt;
Die Welt und die Gesellschaft der Tiere im Tierepos &#039;Reinhart Fuchs&#039; seien nach Kurt Ruh ausschließlich die Widerspieglung der adligen Welt und deren Vertreter. Er stellt die These auf, dass die gezielte politische Satire auf der Standeskritik beruhe, die der Tierdichtung als solcher eigen sei. Als Voraussetzung dafür werden die Tiere als &amp;quot;Barone&amp;quot; oder &amp;quot;Herren&amp;quot; dargestellt. &amp;quot;Aber nicht, um [...] die feudale Welt idealiter oder auch nur abbildend darzustellen, sondern um sie der Kritik zu unterwerfen. Diese Kritik wächst aus ihr selbst, nicht aus der Ideologie eines anderen Standes. [...] Die Episierung geschieht, indem die Tiere handelnd ihre eigene Natur enthüllen. Das heißt zugleich, dass sie - und dies ist die grundlegende Anthropomorphisierung der Tiergeschichte - sich zu verstellen vermögen oder auch in einem neutralen Zustand zu verharren.&amp;quot; Die wahre Natur manifestiere sich erst in dem Zwang der grundlegenden biologischen Bedürfniserfüllung. [Ruh 1980: 29ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Man kann auch sagen: die Tiere geben sich menschlich, nehmen noble Lebensformen, Sitte, Vernunft, Ideologien in Anspruch, handeln indes immer als Tiere, ihrer Natur entsprechend. Das aber bedeutet, da die handelnden Tiere die Menschenwelt spiegeln, Demaskierung. Der Widerspruch zwischen Ideal und Wirklichkeit tut sich drastisch auf, die Menschen, hier die adlige Gesellschaft, enthüllen ihre wahren, nämlich die kreatürlichen Kräfte. […]&amp;quot;  Die höfische Epik stelle die adlige Gesellschaft und deren Verständnis von &#039;&#039;êre, triuwe&#039;&#039; und &#039;&#039;milte&#039;&#039; dar. Die Beziehung zwischen Wolf und Fuchs basiere auf &#039;&#039;untriuwe&#039;&#039;, ebenso wie der König zu seinen Untertanen agiert. [Ruh 1980: 30]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Rolle des Fuchses ====&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs entlarvt die eigentlichen Beweggründe der Handelnden: Die Eitelkeit Scanteclers und Dizelin, die Gefräßigkeit und die Dummheit des Wolfes und viele der Teilnehmer am Hoftag, &amp;quot;weil die Repräsentanten des Tieradels nicht ihren Idealen und Pflichten, sondern ihren natürlichen Interessen und Begierden folgen.&amp;quot; Der Begriff der untriuwe werde nicht in der Figur des Protagonisten thematisiert. &amp;quot;Der hypostasierte untriuwe-Begriff in einer Person führt zur Vorstellung, die Welt wäre in bester Ordnung, wenn nur der Erzgauner Reinhart nicht wäre.&amp;quot; [Ruh 1980: 31] Die Dreistigkeit des Fuchses, jeden zu hintergehen und auszunutzen steht im direkten Vergleich zum Verhalten des königlichen Herrschers und dessen Untertanen, deren Handlungen nur von egoistischen Zielen und natürlichen Trieben, wie Bedürfnisbefriedigung geprägt sind. Reinhart ist nicht der alleinige Schelm, der Fokus wird durch dessen Taten und Verhalten auf den egoistischen, dummen Adel gelenkt, der vom schlauen Reinhart Fuchs entlarvt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Paradoxie nach Mecklenburg ===&lt;br /&gt;
Mecklenburg untersucht die paradoxe und &amp;quot;widersprüchliche Überkreuzung&amp;quot; von Anthropomorphie und Animalität. &amp;quot;Menschen haben einen freien Willen, sie wissen im Listhandeln die Hintergehbarkeit von Ausdruck zu nutzen; Tiere besitzen keine Willensfreiheit , sie folgen ihren Instinkten und sind, so sie zu den Wildtieren gehören, nicht an Bedingungen menschlicher Sozialräume angepasst.&amp;quot; Explizites Verhalten bestimmter Charaktere kann er nur als tierisch zuweisen, beispielsweise die Beschwerde Hersants in der Öffentlichkeit über das Fehlen des &#039;&#039;zagels&#039;&#039; ihres Mannes, und dadurch kann er verschiedene Eigenschaften der Tiere nicht auf menschliche projizieren. Die an ihre Handlung und Figuren herangetragene alltagspraktische Logik könne auf paradoxe Weise zwar in ihrer Geltung enthoben werden, das an den Figuren vorgeführte Exempel könne aber doch wieder auf die Bewältigung eines alltagspraktischen Problems hin beziehbar werden. [Mecklenburg 2017: 80]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Darstellung des Fuchses ==&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs im Mittelalter ===&lt;br /&gt;
In mittelalterlichen Lehrbüchern, wie im altdeutschen &amp;quot;Physiologus&amp;quot;, wird der Fuchs überwiegend mit negativen Aspekten assoziiert. Ebenso wird der Fuchs in Verbindung mit dem Teufel gebracht und ein Vergleich zwischen sündigen Verhalten des Tieres und der Menschen gezogen. Das Verhalten des Tieres weise jedoch partiell so unheimliche und untierische Züge auf, dass die Anspielung auf das Wirken des Böse sichtbar sind.  Auch im altdeutschen &amp;quot;Titian&amp;quot; zeichne sich ein Mensch, der als ein Fuchs bezeichnet wird, als jemand aus, dessen Absichten nicht durchschaubar oder moralisch einwandfrei sind. In den mittelalterlichen &#039;Predigtmärchen&#039; wird der &amp;quot;Prototyp des &#039;menschlichen Fuchses&#039;&amp;quot; von vier negativen Eigenschaften dominiert: Habsucht, Verzweiflung, Falschheit und Verschlagenheit.  [Müllneritsch 2010: 301]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Das Tier als Begleiter des Bösen ===  &lt;br /&gt;
Der Fuchs wurde in vielen Kulturen mit Tabuwörtern bezeichnet, der wohl aufgrund des Aberglaubens nicht bei seinem Namen genannt werden solle. Bei einem morgendlichen Spaziergang einen Fuchs zu sehen, deute auf Glück oder Unglück hin, meistens aber sei das Tier ein Indiz für nahendes Unglück. Springe ein Fuchs über einen Kirchweg, kündige er so Leichen an und ein Traum von einem Fuchs offenbare eine bevorstehende Begegnung mit einem hinterlistigen Menschen. [Müllneritsch 2010: 296ff] All diese abergläubischen Beispiele beweisen, wie stark negativ der Fuchs als Tier behaftet ist, und dass sich dieses Bild bis hin zur Angst vor dem Fuchs steigert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Fuchs als Metapher ===  &lt;br /&gt;
Warum der Fuchs als hinterlistig assoziiert wird, lässt sich allein aus seinem natürlichen/ biologischen Verhalten schließen: &amp;quot;Gut versteckt wartet er auf seine Beute, um sie dann unvermittelt anzuspringen; wenn ein Mensch so etwas beobachtet oder möglicherweise selbst von einem Fuchs angefallen wird, ist es nicht verwunderlich, wenn das Tier in Folge als heimtückisch gilt.&amp;quot; [Müllneritsch 2010: 302]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Schlussbetrachtung ==&lt;br /&gt;
Der Protagonist Reinhart Fuchs wird häufig durch verschiedene Auslegungen des Wortes &#039;kvndikeit&#039; beschrieben. Im Tierepos werden Reinharts unzählige Listen thematisiert, wobei er sich wiederholt einen Spaß auf Kosten anderer erlaubt. Einige seiner Tücken und Listen schlagen über das Ziel hinaus: Sowohl die Vergewaltigung Hersants, als auch die Verstümmelung Isengrins sind weder zu tolerieren, noch zu rechtfertigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sympathieträger wird er durch die anfänglichen Episoden, in denen er scheitert und als Verlierer heraus geht, er jedoch anschließend dennoch noch zum Sieger des Tierepos aufsteigt. Zum Gerichtstag rückt dann die Gerechtigkeit der Tiergesellschaft in den Vordergrund und Reinhart steht nicht mehr alleine im Fokus. Trotzdem ist Reinhart böse und hinterlistig genug, er scheut sich nicht davor, auch noch seinen Richter und gleichzeitig den König der Gesellschaft, Löwe Vrevel, umzubringen. Nach Kurt Ruh ist hier die zielende Absicht des Autors, den Rezipient*innen die Augen zu öffnen. Denn Reinhart Fuchs ist nicht der alleinige ungerechte Täter, sondern auch die Herrschaft des Tierreichs, stellvertretend für die Schicht des Adels. Trotz aller Interpretationen und Auslegungen können die grausamen Taten Reinharts nicht gerechtfertigt werden. Als hinterlistiger Fuchs wird er für all seine Schandtaten nie zur Rechenschaft gezogen, im Gegenteil: Der König zieht bis zuletzt unwissentlich einen Nutzen aus Reinhart, dem schlauen und einfallsreichen Fuchs, der niemals büßen oder bezahlen muss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ruh interpretiert das Tierepos von Heinrich der Glîchezâre und deutet die politische Kritik Heinrichs. Er betitelt das Tierepos als eine &amp;quot;gezielte politische Satire&amp;quot;, die auf der Standeskritik beruhe. Mecklenburg hingegen diskutiert die Anthropomorphisierung und die Animalität in der Geschichte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schlussendlich charakterisieren Reinhart zwei verschiedene Seiten: Mit seinem schlauen, klugen Einfalls- und Ideenreichtum ist er nicht nur jeder Situation, sondern ebenso jedem Tier in der Geschichte überlegen. Diese Überlegenheit nutzt er allerdings schamlos ohne Rücksicht auf seine Umwelt aus, und fügt so vielen anderen willkürlich Leid zu. Er sieht als einziger die Dummheit aller in der Tiergesellschaft und geht mit offenen Augen durchs Leben. Dabei fällt ihm auf, dass die anderen Tiere nur egoistisch und nach ihren eigenen Vorteilen, Bedürfnissen und ihrem Begehren handeln. Dieses Verhalten kann der Protagonist bis zum dramatischen Ende einkalkulieren und ausnutzen. Paradox zu seiner Klugheit stehen zentral Reinharts hinterlistige Eigenschaften, zu betrügen und amoralisch jede List auszuführen und das alles, ohne jegliche Empathie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 1995] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hg. Karl-Heinz Götter, Stuttgart 1995.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (RF, V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, Göttingen 2017, S. 75 - 81.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Müllneritsch 2010] Müllneritsch, Helga: Die Darstellung des Fuchses. Graz 2010, S. 291 - 304.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs. Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980, S. 24 - 31.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016, S. 21 - 24.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 86 - 94.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29464</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T13:23:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jägers locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bezeichnet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Dies ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort liefern. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; bezeichnet Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da sich Reinhart so ein Stück weit bei den Lesern beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und damit einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was im nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne seine Darstellung als Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungene Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch mit ihr sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird die Sympathie für Reinhart so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21] schadeten.&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belang, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als Reinhart beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier hervor, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und andererseits auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge treiben und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und Reinhart verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Reinhart ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, in welche er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn bereits an dieser Stelle als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar aufgrund des Katers in die Falle, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hier schafft es Reinhart, mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als der Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern in seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er mit seiner Raffinesse ausführt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Der Hahn, den er beinahe überlistet, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von deren Existenz er selbst bereits im Vorfeld wusste, was im späteren Verlauf des Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglich misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, durch welchen er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch Stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Dies wird durch seine Niederlagen ersichtlich, denn durch diese wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29462</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T13:22:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jägers locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bezeichnet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Dies ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort liefern. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; bezeichnet Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da sich Reinhart so ein Stück weit bei den Lesern beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und damit einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was im nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne seine Darstellung als Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungene Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch mit ihr sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird die Sympathie für Reinhart so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21] schadeten.&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belang, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als Reinhart beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier hervor, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und andererseits auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge treiben und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und Reinhart verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Reinhart ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, in welche er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn bereits an dieser Stelle als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar aufgrund des Katers in die Falle, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hier schafft es Reinhart, mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als der Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern in seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er mit seiner Raffinesse ausführt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Der Hahn, den er beinahe überlistet, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von deren Existenz er selbst bereits im Vorfeld wusste, was im späteren Verlauf des Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29461</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T13:13:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Vom Verlierer zum Sieger */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jägers locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bezeichnet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Dies ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort liefern. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; bezeichnet Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da sich Reinhart so ein Stück weit bei den Lesern beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und damit einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was im nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne seine Darstellung als Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungene Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch mit ihr sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird die Sympathie für Reinhart so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21] schadeten.&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belang, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als Reinhart beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier hervor, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und andererseits auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge treiben und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und Reinhart verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Reinhart ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, in welche er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn bereits an dieser Stelle als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar aufgrund des Katers in die Falle, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hier schafft es Reinhart, mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29460</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T13:10:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Beweggründe für Reinhart als Verlierer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jägers locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bezeichnet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Dies ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort liefern. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; bezeichnet Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da sich Reinhart so ein Stück weit bei den Lesern beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und damit einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was im nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne seine Darstellung als Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungene Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch mit ihr sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird die Sympathie für Reinhart so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21] schadeten.&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belang, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als Reinhart beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier hervor, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und andererseits auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge treiben und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und Reinhart verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29459</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T12:57:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Erzählstruktur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jägers locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bezeichnet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Dies ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort liefern. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29458</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29458"/>
		<updated>2020-09-01T12:54:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart und der Kater Diepreht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jägers locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29457</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T12:54:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart und der Kater Diepreht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf einen Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle eines Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn so in Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29456</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29456"/>
		<updated>2020-09-01T12:53:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart und der Rabe Diezelin */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt in seinen Besitz bringen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und dass der Käse neben ihm schädlich für ihn sei. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse aus seiner Reichweite bringen könne. Schon hier versucht Reinhart, von seiner Selbstinszenierung als Opfer profitieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse beiseitelegt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29455</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T12:48:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart und die Meise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den darauffolgenden Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29454</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T12:48:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart und die Meise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch, die Meise zu täuschen und zu hintergehen, misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29453</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T12:47:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart und der Hahn Scantecler */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm aus dem Maul, als Reinhart kurz spricht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch die Meise zu täuschen und zu hintergehen misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Verlierer_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29452</id>
		<title>Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T12:46:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Übersicht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] gelingen [[Figurencharakteristik (Reinhart Fuchs)|Reinhart]] meistens seine Listen und er [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|schadet somit anderen Tieren]].&lt;br /&gt;
Oft aber, beziehungsweise anfangs, kann Reinhart nicht gewinnen und ist somit der &amp;quot;Verlierer&amp;quot;, weshalb er sich gerade aufgrund seiner versuchten Listen selbst das Leben schwer macht, denn &amp;quot;[a]uch der Listige [...] hat&#039;s schwer im Daseinskampf.&amp;quot; [Ruh 1980: 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im folgenden Artikel wird neben passenden Übersetzungen von Textausschnitten aufgezeigt, in welchen Situationen des Epos Reinhart als Verlierer hervorgeht und wieso das so ist. Des Weiteren setzt sich dieser Artikel damit auseinander, in welchem Zusammenhang diese Passagen mit denen des [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Siegers Reinhart]] stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Niederlagen Reinharts mit übersetzten Textstellen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Hahn Scantecler===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene steht relativ am Anfang des Tierepos. Reinhart treibt sein Unwesen auf dem Hof von Bauer Lanzelin und versucht, den Hahn Scantecler zu täuschen. Durch ein Loch im Zaun kommt Reinhart in das Gehege. Die Hühner haben große Angst. Reinhart erzählt Scantecler, dass sein Vater ihn hineinkommen lassen würde. Als der Hahn auf den Geheiß von Reinhart singt, packt dieser ihn am Hals.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als er im entweich, da want er sam vro |||  als er ihm entweichen konnte, wand er so glücklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den hals vz Reinhartes mvnde |||  den Hals aus Reinharts Maul&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vloc zv der stvnde |||  er flog in diesem Augenblick&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vf einen bovm, do er genas |||  auf einen Baum, der ihn am Leben hielt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart harte trvric was. |||  Reinhart war sehr traurig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 148-152) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart schafft es, Scantecler zu packen, jedoch entflieht er ihm, als Reinhart kurz spricht, aus dem Maul.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und die Meise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch zornig aufgrund des Vorfalls mit Scantecler trifft Reinhart auf die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Sie selbst kennt Reinhart und ihr ist bewusst, zu welchen Listen Reinhart in der Lage ist. Sie spricht davon, Angst vor seinen Augen zu haben, weshalb sie von ihm verlangt, die Augen zu schließen, damit sie ihn küssen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein mist si vnder irn fvz nam, || Sie nahm Dreck in ihren Fuß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von aste ze aste si qvam || und sie sprang von Ast zu Ast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde liez ez im vallen an den mvnt || und ließ es ihm direkt ins Maul fallen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do wart ir vil schire chvnt || da war ihr gleich bekannt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irz gevatern schalkeit: || dass ihr Vetter arglistig war:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die zene waren ime gereit || mit gefletschten Zähnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mist er do begripfte, || bekam er den Dreck ab,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin gevater im entwischte || seine Vetterin entkam ihm.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hat harte grozen vliz || Er hatte große Mühe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vm einen swachen inbiz. || für eine kleine Mahlzeit.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart er trvric vnde vnvro || Das hatte ihn sehr unglücklich gestimmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 203-213)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reinhart die Augen schließt, wirft ihm die Meise Dreck in sein Gesicht und nimmt ihn somit auf den Arm. So ist sein Versuch die Meise zu täuschen und zu hintergehen misslungen. Es ist genau das Gegenteil passiert.&lt;br /&gt;
Diese kleine Episode unterscheidet sich von der, in der Reinhart dem Hahn unterliegt. Hier kommt die Meise nicht nur gerade so mit dem Leben davon, sondern nimmt Reinhart, indem sie ihm Dreck in den Mund wirft, auf den Arm und erniedrigt ihn somit. Aufgrunddessen kann man der Meise eine Gewisse &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; zusprechen, die man sonst, vor allem in den nächsten Situationen, nur von Reinhart selbst erwarten kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der Rabe Diezelin ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rabe Diezelin hat ein Stück Käse, das Reinhart unbedingt unter seine Fittiche bekommen möchte. Dies versucht er mit einer List: Er sagt dem Raben, dass er ihm etwas vorsingen solle. Reinhart gaukelt vor, selbst verletzt zu sein und der Käse neben ihm sei schädlich für ihn. Deshalb fragt er den Raben, ob er den Käse von ihm wegnehmen könne. Schon hier versucht Reinhart davon zu profitieren, sich als Opfer zu inszenieren. An anderer Stelle kann er so seinen Status als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Gewinner]] etablieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der rabe wolde nemen dan || Der Rabe wollte beiseite nehmen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den kese, er wandes haben danc. || den Käse, er dachte, er bekäme dafür ein Danke.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart balde vf spranc, || Plötzlich sprang Reinhart auf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gelich als er niht were wunt. || als wäre er gar nicht verletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do tet er sinem neven kvnt || so zeigte er seinem Vetter&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin trewe, ern weste niht, was er an im rach: || seine &amp;quot;Treue&amp;quot;, er wusste nicht, was er an ihm rächen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil er im do vz brach ||  darauf riss er ihm viele&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vedern, daz er im entran mit not, || seiner Federn hinaus, sodass er gerade noch davonkam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der neve was Reinharte ze rot. || sein Vetter hatte Reinharts Hintergedanken erkannt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 276-284)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Rabe den Käse wegnimmt, beißt ihm Reinhart seine Federn aus. Diezelin kann gerade noch so davonkommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart und der [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater Diepreht]] ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Episode trifft Reinhart auf den Kater namens Diepreht. Reinhart möchte ihn betrügen und ihn in eine Falle von einem Jäger locken, indem er behauptet, sehen zu wollen, wie schnell Diepreht sprinten kann. Er lockt ihn in die Richtung der Falle. Reinhart weiß jedoch nicht, dass der Kater die Falle bereits kennt und darüber springt, ohne sich zu verletzen. Nun aber will Diephret, dass Reinhart ihm folgt. Das tut er. Wieder springt der Kater über die Falle, bleibt aber direkt dahinter stehen, sodass Reinhart gegen ihn prallt und in die Falle gerät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || &amp;quot;Lauf mir nach, ich lasse dich Zeuge werden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| edele sprvnge ane lygen.&#039; ||  von ungelogen edlen Sprüngen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sie wolden beide ein ander betrigen. || Jetzt wollten sie sich beide gegenseitig betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart lief seinem Vetter nach, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| donen was dem vorderen niht gach. || der Vordere der beiden hatte es nicht eilig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann plötzlich stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sinem neven stiez er sich, || Reinhart stieß gegen ihn,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| deiswar, daz was niht vnbillich;. || diese Tat war völlig gerechtfertigt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der vuz im in die vallen qvam. || der Fuß war nun in der Falle gefangen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 346-355)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Information finden Sie in diesem Artikel unter der Überschrift &amp;quot;Vom Verlierer zum Sieger&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann im Epos ganz klar unterscheiden, in welchen Situationen [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Reinhart der Sieger]] ist und in welchen er eine Niederlage einstecken muss. Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] befassen sich in ihren Texten mit der Erzählstruktur und vertreten dabei unterschiedliche Meinungen. Kurt Ruh spricht von einer &amp;quot;syntagmatischen Episodensammlung&amp;quot;. Dies bedeutet eine fortlaufende und auf sich aufbauende Geschichte mehrerer Teile des Epos, die genau in dieser Reihenfolge stehen müssen, um sinnvoll und in sich stimmig zu sein. Karl Bertau hingegen spricht von einer paradigmatischen Episodensammlung. Das ist dahingehend interessant, da es nach Bertaus Auffassung irrelevant sei, in welchen Episoden Reinhart Gewinner und in welchen er Verlierer ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man nun die Frage, ob Reinhart ein [[Reinhart der Sieger|Sieger]] oder ein Verlierer sei, kann die Herangehensweise der syntagmatischen Erzählung eine Antwort geben. Mithilfe derer kann eine Entwicklung Reinharts, nämlich von seinen Niederlagen zu seinen Siegen, festgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Erzählung baut syntagmatisch und in chronologischer Abfolge aufeinander auf, sodass er erst als Verlierer, dann als Sieger und am Ende als Gewinner gegen das gesamte Tierreich im Epos hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beweggründe für Reinhart als Verlierer==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; meint Kurt Ruh in seinem Text die Passagen des Epos, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht. Sie bilden laut Ruh deshalb den ersten Teil, da er sich so bei dem Leser ein Stück weit beliebt macht. Diese &amp;quot;Sympathie&amp;quot; ist im folgenden Teil sehr wichtig: &amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Symphatien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Somit ist Reinhart in diesen Fällen das Opfer.&lt;br /&gt;
Doch nicht nur beim Publikum macht er sich beliebt: Aufgrund seiner misslungenen Listen und einhergehenden Niederlagen ist Reinhart bemitleidenswert, sodass der Wolf Isengrin auf ihn aufmerksam wird, was ihm nächsten Absatz genauer untersucht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mithilfe dieser vorangegangenen misslungenen Aktionen (&amp;quot;Dreimal jagt Reinhart vergeblich: 1. den Hahn Scantecler - das Geschrei seiner Lieblingshenne Pinte rettet ihn; 2. die Meise - sie entfliegt ihm gewitzt; 3. den Raben Dizelin - er entkommt ihm, weil durch höhere Fügung Jäger mit Hunden nahen.&amp;quot; [Bertau 1983: 20]) von Reinhart ergibt sich überhaupt die Möglichkeit, dass Reinhart Symphatie nicht nur beim Publikum, sondern auch bei anderen Tieren erwirbt. So zum Beispiel schließt er ein Bündnis mit dem [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]], der im Fortlauf des Epos noch den allergrößten Schaden von Reinhart nehmen soll. Ohne ihn als dargestellen Verlierer wäre es wohl nie so weit gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um genau diese Sympathie beim Leser und den anderen Figuren zu erhalten, finden sich Reinharts misslungenen Listen zurecht am Anfang des Epos. Hübner spricht in seinem Text &amp;quot;Schläue und Urteil&amp;quot; darüber, dass sich Intelligenz dadurch auszeichnet, Situationen richtig einzuschätzen - was eben Reinhart anfangs nicht gelingt. (&amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88])&lt;br /&gt;
Somit wird deutlich, dass das Handeln darüber bewertet wird, ob eine Person (Figuren im Reinhart Fuchs als Modelle menschlichen Handelns) bemitleidet werden kann und dadurch sympathisiert wird oder nicht. Hätte Reinhart von Anfang an jede seiner Listen erfolgreich angewandt, hätte er dieses Mitleid und die einhergehende Sympathie nicht erlangen können.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nun stellt sich die Frage, wie Reinhart diese Sympathie trotz seiner Taten halten kann. Reinhart sorgt für den &amp;quot;Schwanzverlust&amp;quot; des Wolfes und kann trotz dessen nicht klar zu einer Seite - beliebt oder unbeliebt - zugeordnet werden. Das liegt daran, dass durch eben diese Animalisierung (tierische Figuren im Epos als Modelle menschlichen Handelns) eben jene Moral verfliegt, da nun ja nur Tiere ihren Trieben nachgehen. Michael Mecklenburg spricht in seinem Text &amp;quot;Abenteuerliche Überkreuzungen&amp;quot; von &amp;quot;[der] Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]. Darüber hinaus wird seine Sympathie so erklärt, dass aufgrund der &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
Der &#039;&#039;appetitus&#039;&#039; kann hier als solcher Verstanden werden, trotz menschlicher Züge den Drängen und Trieben eines Raubtieres nachzugehen, weshalb die unmoralischen Taten in ein nicht allzu großes Licht gerückt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart wird im Epos mehrfach als &amp;quot;der Böse&amp;quot; dargestellt, aufgrund seiner Taten, Listen und Machenschaften, die anderen Tieren schadeten, eben genau nach seinem &amp;quot;schlechten Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 21].&lt;br /&gt;
Damit Reinhart sich selbst retten kann, auch nach seinen Listen und der Anklage, ist es von Belangen, eine passende Situation zu schaffen, um sich aus der Misere zu ziehen. &amp;quot;Für den Handlungserfolg der Schlauheit braucht es gleichwohl außerdem eine geeignete Handlungssituation, die Reinhart ausnutzen, und eine Situationsdeutung, die er dem Bären einreden kann: Reinhart kennt einen Baum, der als Bärenfalle taugt, weil ein Bauer ihn durch einen Keil gespalten hat, und stellt ihn dem Bären als Bienenwohnsitz vor.&amp;quot; [Huebner 2016:93]&lt;br /&gt;
Diese Situationen gab es anfangs nicht. Als er beispielsweise den Hahn in seinem Maul trägt, muss er gleichzeitig vor dem Bauern flüchten, was seine Situation erschwert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine wichtige Tatsache bei Reinharts Niederlagen ist, dass er in jeder dieser Situationen einem körperlich Schwächeren gegenübersteht: der Meise, dem Raben, dem Hahn und dem Kater. Vor allem die Meise und der Kater stechen hier heraus, da sie nicht nur lebend vor Reinhart davonkommen, sondern ihn einerseits ausdrücklich ärgern (die Meise, die ihm Dreck ins Gesicht wirft) und auch in ernsthafte Gefahr bringen (der Kater, der Reinhart in eine Wildfalle lockt und ihm somit sich selbst und fast dem Tod überlässt).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei größeren Tieren, die ihm körperlich überlegen sind, kann er durch seine Listen und geistliche &#039;&#039;Geritztheit&#039;&#039; seine Gegner in die Enge zwingen und sich so als Sieger darstellen. &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Beispiele dafür sind, dass er den Wolf seines Schwanzes entzieht und ihn somit &amp;quot;entmannt&amp;quot; und erniedrigt oder der Bär, der aufgrund Reinharts Hinterlistigkeit großen Schaden über sich ergehen lassen muss. Sind die Gegner aber kleiner und nicht physisch stärker, wie der Hahn, die Meise, der Rabe und der Kater, reicht seine Hinterlist nicht aus und verliert somit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vom Verlierer zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Direkt nach der Begegnung mit dem Kater nimmt die Geschichte eine Wendung. Er ist nach wie vor gefangen in der Falle des Bauern, nachdem er aufgrund des Katers hineingeriet. Als der Bauer nun Reinharts Kehle mit der Axt treffen will, zieht Reinhart im letzten Moment seinen Kopf beiseite, sodass die Falle zerspringt und er fliehen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Neuhochdeutsch || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die axs er vfheben began || Er [der Bauer] begann, die Axt zu heben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug mit so viel Kraft, wie er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte nicht abhauen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz, || seinen Kopf hob er genau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zit tet er daz. || genau rechtzeitig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach, || Der Bauer schlug zu, sodass die Falle zerbrach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach: || Reinhart war sowas tolles noch nie passiert:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlorn daz leben, || er erwartete seinen Tod,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillinge geben. || seine Kehle war fünf Schillinge wert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF, 370-378) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie aus der hier übersetzten Textstelle hervorgeht, kommt Reinhart mit dem Leben davon. Jedoch ist nun fraglich, ob man ihn hier schon als [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] bezeichnen kann, oder eben als überlebenden &amp;quot;Nicht-Verlierer&amp;quot;, denn in seinen folgenden Listen schadet er anderen Tieren und bleibt nicht einfach am Leben. Entscheidend ist hier vor allem, dass diese Szene einen Wendepunkt im Tierepos darstellt. Die Befreiung Reinharts aus der Wildfalle bildet nun den Abschluss einer vorspielartigen Aventiurenreihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste von zwei großen Hauptteilen, in welchem Reinhart nun als Sieger hervorgehen wird. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren lässt sich sagen, dass in dieser Situation der Gegner ganz klar ein Mensch ist. Er gelangt zwar in die Falle aufgrund des Katers, Gefahr für sein Leben ist aber zweifelsohne der Bauer. Auch dieser Umstand bekräftigt wieder Hübners These, dass &amp;quot;Reinhart vor allem gegen physisch überlegene Gegner zum Handlungserfolg kommt&amp;quot; [Huebner 2016: 87], da der Bauer mit seiner Axt durchaus als überlegener Gegenspieler eingestuft werden kann. Hierbei schafft es Reinhart dann mit Geschick und Cleverness zum Handlungserfolg zu kommen, was in diesem Fall die Flucht aus der Wildfalle bedeutet. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den folgenden Situationen sind die Gegner fast immer Tiere, die er in die &amp;quot;Falle&amp;quot; von Menschen lockt, wie Cora Dietl in ihrem Text beschreibt: &amp;quot;Er lockt andere Tiere – meistens den Wolf Ysengrin, zum krönenden Abschluss aber den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]], den er endlich in einen Konflikt mit den Menschen bringen kann – in Fallen, indem er sie auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt.&amp;quot; [Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger]] ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffallend oft verliert Reinhart am Anfang des Tierepos.&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;RF&#039; besteht aus zwei gleich großen Hauptteilen, der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung mit 852 plus ca. 160 [...] Versen und König Vrevels Hoftag mit 1010 Versen; eine vorspielartige Aventiurenreihe, Reinharts schlechter Tag, mit 375 Versen geht voran.&amp;quot; [Ruh 1980: 21]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Kurt Ruh ist das Epos in mehrere Teile unterteilt. &amp;quot;Teil 1 (11-384) thematisiert das Misslingen Reinharts.&amp;quot; [Ruh 1980: 17] Dieser Teil ist anders als das Nachfolgende, da Reinhart ab dem Treffen mit dem Kater seine Listen so geschickt und raffiniert umsetzt, dass er nur noch anderen Tieren schadet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie in &amp;quot;Beweggründe für Reinhart als Verlierer&amp;quot; bereits angeschnitten, liegt der Unterschied zwischen Reinhart als Verlierer und Sieger nicht immer in seiner Figur selbst, sondern an seinen &amp;quot;Gegnern&amp;quot;. Sie sind körperlich unterlegen, weshalb seine Intelligenz, die er für das erfolgreiche Anwenden von Listen braucht und auch hat, nicht ausreicht. Als Gegensatz kann hier der Wolf Ysengrin genannt werden. Reinhart ist der körperlich Unterlegene, weshalb er durch seine Listen, die er sich durch seine Raffinesse ausdenkt, Ysengrin mehrmals erheblichen Schaden zufügen kann. &amp;quot;Weil der Wolf körperlich stärker ist, kann Reinhart nur durch intellektuelle Überlegenheit für seine Selbsterhaltung sorgen.&amp;quot; [Huebner 2016: 87] Da er nach dem ersten Treffen mit dem Kater nur noch auf körperlich Überlegene trifft und so mit seiner Hinterlistigkeit punkten kann, entwickelt er sich immer mehr zum [[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)|Sieger seiner &amp;quot;Duelle&amp;quot;]] gegen andere Tiere.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein großer Unterschied in Reinhart selbst ist, dass er die Situationen anfangs nicht für sich nutzen kann. Er möchte zwar wie in jeder folgenden Episode anderen Figuren schaden, scheitert aber daran, die Situation vorher schon einzuschätzen, denn &amp;quot;Schlauheit zeichnet sich durch die Kontrolle über die Deutung der Handlungssituation aus.&amp;quot; [Huebner 2016:88] Er geht leichtgläubig mit seinen Gegnern um. Den Hahn, den er so gut wie unter seine Fittiche nehmen konnte, entflieht ihm, weil Reinhart spricht, was nicht seiner Schläue in den nachfolgenden Episoden entspricht. Er lässt sich in eine Wildfalle locken, von der er selbst wusste, dass sie dort liegt, was ebenfalls später im Epos nicht mehr passieren wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Passagen mit Reinhart als Verlierer sind essenziell für die Weiterführung des Epos. Nur durch seine anfänglichen Niederlagen und die somit gewonnene Sympathie sowohl beim Leser als auch bei den Figuren, durch die beispielsweise der Pakt mit dem Wolf eingegangen wird, kann Reinhart am Ende der Erzählung als endgültiger Sieger hervorgehen. Die anfänglichen misslungenen Taten Reinharts bilden den Grundstein, dass er sich vom Verlierer zum Sieger entwickeln kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Niederlagen gegen physisch unterlegene Tiere und seine daraufhin gewonnenen &amp;quot;Duelle&amp;quot; mit physisch stärkeren ist seine &#039;&#039;kundekeit&#039;&#039; (Cleverness, Geritztheit) auf eine besonders wichtige Stufe zu stellen. Das wird durch seine Niederlagen ersichtlich. Durch diese nämlich wird eine Entwicklung seiner Figur im späteren Verlauf des Epos erkennbar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: Über Literaturgeschichte: Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200. 1983&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im Reinhart Fuchs. 2016&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen 2017&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹ 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29450</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:56:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst vor demihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei Weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als am eigentlichen erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch, den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, der der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern, um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart gelingt es auch Diepreht, aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wird, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch eines unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise  sein Fell, vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft, schnell zu Fuß zu sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht, in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft, diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast, diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29449</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:55:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Charakterisierung Kater Diepreht */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst vor demihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei Weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als am eigentlichen erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch, den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, der der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern, um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart gelingt es auch Diepreht, aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wird, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch eines unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise  sein Fell, vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft, schnell zu Fuß zu sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht, in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft, diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29448</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:50:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst vor demihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei Weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als am eigentlichen erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch, den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, der der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern, um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart gelingt es auch Diepreht, aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wird, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch eines unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise  sein Fell, vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29447</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:46:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst vor demihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei Weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als am eigentlichen erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch, den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, der der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern, um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart gelingt es auch Diepreht, aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29446</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29446"/>
		<updated>2020-09-01T08:45:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Interpretation der vorliegenden Textstelle */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst vor demihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei Weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als am eigentlichen erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch, den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, der der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern, um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart gelingt es auch Diepreht, aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29445</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:37:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Folgen des ersten Treffens */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst über das ihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald, lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als an der eigentlichen Freude über ein erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen, versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, die der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart, gelingt es auch Diepreht aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein, als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts, schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29444</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29444"/>
		<updated>2020-09-01T08:36:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen einen Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart, nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst über das ihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald, lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als an der eigentlichen Freude über ein erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen, versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, die der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart, gelingt es auch Diepreht aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein, als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts, schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29443</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29443"/>
		<updated>2020-09-01T08:34:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Der Konflikt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht, den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen ein Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart, nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst über das ihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald, lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als an der eigentlichen Freude über ein erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen, versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, die der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart, gelingt es auch Diepreht aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein, als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts, schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29442</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29442"/>
		<updated>2020-09-01T08:29:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Begrüßung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart, den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf, nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen ein Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart, nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst über das ihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald, lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als an der eigentlichen Freude über ein erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen, versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, die der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart, gelingt es auch Diepreht aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein, als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts, schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29441</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29441"/>
		<updated>2020-09-01T08:27:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Rollen in weiteren Texten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder, den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig, den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der auf den Baum geretteten Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender, ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf, nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen ein Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart, nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst über das ihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald, lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als an der eigentlichen Freude über ein erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen, versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, die der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart, gelingt es auch Diepreht aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein, als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts, schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Fuchs_und_Kater_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29440</id>
		<title>Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:23:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel bietet einen Überblick über die Nebenfigur Kater Diepreht im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; und beleuchtet darauf aufbauend das Verhältnis des Katers zum Protagonisten Reinhart.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart beim ersten Zusammentreffen der beiden durch eine List Dieprehts fast mit dem Leben bezahlen muss und sich in letzter Sekunde aus einer Wildfalle befreit, endet &amp;quot;Reinharts schlechter Tag&amp;quot; [Ruh 1980: 16] und er rächt sich in zwei folgenden  Zusammentreffen an Diepreht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Kater und Fuchs allgemein ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gemeinsamkeiten und Beziehung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kater und Fuchs sind auf den ersten Blick zwei sehr ähnliche Tiere, hinsichtlich Fortbewegung und Aussehen. Wichtig ist jedoch einmal festzuhalten, dass Fuchs und Kater nicht miteinander verwandt sind. Jedoch teilen die beiden Tiere einige Gemeinsamkeiten, wie etwa die gezielte Benutzung ihrer Krallen oder auch die Eigenschaft, dass beide Tiere vertikale Pupillen besitzen. &lt;br /&gt;
Im natürlichen Zusammenleben der beiden Tiere gibt es kaum Konflikte zwischen ihnen. Es gibt keine Belege für den Tod einer Katze durch den Biss eines Fuchses. Auch in der freien Wildbahn gehen sich beide meist aus dem Weg, obwohl es nachts zwangsläufig zu einigen Begegnungen kommen kann. Katzen werden von Füchsen meist einfach ignoriert, da sie dem Wissen folgen, dass Katzen durchaus wehrhafte Tiere sind. &amp;lt;ref&amp;gt; https://cat-news.net/fuchs-und-katze-2648/ &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bezeichnung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 in RF &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819). &amp;lt;/ref&amp;gt; ), welche der Fuchs Reinhart für seinen Gegenspieler Kater Diepreht im vorliegenden Tierepos verwendet, trifft also nur teilweise zu. Eigentlich besteht zwischen den beiden Tieren keine direkte Verwandtschaftsbeziehung; Ähnlichkeiten der beiden Widersacher sind jedoch nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend lässt sich über diese Verwandtschaftsbezeichnung durchaus diskutieren. Sie ist jedoch legitim, da ähnliche Verhaltensweisen und Gemeinsamkeiten vorhanden sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rollen in weiteren Texten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
In der bekannten Geschichte &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; bilden der hinterlistige Fuchs und der räudige Straßenkater ein Team. Gemeinsam versuchen die beiden immer wieder den kleinen Pinocchio hinters Licht zu führen und ihn um seine Goldstücke zu bringen. Vergleicht man dieses Verhalten der beiden Tiere mit ihrem Verhalten beim ersten Zusammentreffen im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;, lässt sich eine gewisse Ähnlichkeit zum Verhalten im &amp;quot;Pinocchio&amp;quot; erkennen. Denn auch hier versuchen beide Charaktere ständig den jeweils anderen zu betrügen und agieren ähnlich zwielichtig, wie in der bekannten italienischen Kindergeschichte. &amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Pinocchio &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; ====&lt;br /&gt;
Auch in einem bekannten Tiermärchen der Gebrüder Grimm spielen Fuchs und Katze die Hauptrollen, der Name des Märchens &amp;quot;Der Fuchs und die Katze&amp;quot; zeigt dies auch sehr deutlich. &lt;br /&gt;
Das Märchen thematisiert eine Begegnung zwischen Fuchs und Katze im Wald. Während der Fuchs übermütig und arrogant auftritt und damit prahlt, hundert Künste und einen Sack voll Listen zu beherrschen, verhält sich die Katze eher bescheiden. Sie berichtet, dass sie nur eine Kunst beherrscht: sich vor Hunden auf einen Baum retten zu können. Wenige Augenblicke später betreten mehrere Hunde die Szenerie. Die Katze kann sich auf einen Baum retten und ihre Kunst vorführen. Der Fuchs hingegen wird von den Hunden gepackt und muss sich von der, auf den Baum geretteten, Katze anhören: „Ihr bleibt mit Euren hundert Künsten stecken. Hättet ihr heraufkriechen können wie ich, so wärs nicht um Euer Leben geschehen.“ (vgl.&amp;lt;ref&amp;gt; https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Fuchs_und_die_Katze &amp;lt;/ref&amp;gt; )&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant an diesem Märchen ist zum einen, dass die Katze als Sieger hervorgeht und der Fuchs mit dem Leben bezahlen muss. Ähnlichkeiten zum ersten Aufeinandertreffen der beiden im Tierepos &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; sind durchaus erkennbar, da auch hier der Fuchs sich für deutlich schlauer hält, am Ende jedoch dem Tod nur knapp entkommen kann.&lt;br /&gt;
Zum anderen, und noch viel entscheidender ist, dass dieses Märchen aus dem 19.Jahrhundert, laut Anmerkungen Grimms, unter anderem auf der Rolle der beiden Tiere aus &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; basiert und dementsprechend die Rollen Dieprecht und Reinhart in der Entstehung dieses Märchens eingearbeitet wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erstes Aufeinandertreffen (V. 313-384) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Beschreibung der vorangegangen Ereignisse ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Beginn des Tierepos verlaufen Reinharts Pläne alles andere als erfolgreich: Nachdem ihm am Anfang des Tages der Hahn Scantecler entwischt, er sich von der [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] betrügen lässt und zusätzlich seine List am Rabe Diezelin scheitert, hofft er bei seinem Zusammentreffen mit dem Kater Dieprehht auf mehr Erfolg seiner Listen. Er ahnt jedoch nicht, dass es ihm &amp;quot;bei dieser Begegnung am schlimmsten ergehen wird&amp;quot;.[Ruh 1980: 18]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Übersetzung der Textstelle ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Text !! Neuhochdeutscher Text&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Die katze Diepreht im wider gienc, || Dort kam ihm der Kater Diepreht entgegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart si al vmbe viene. || Reinhart umarmte ihn freundlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: willekvme, neve, tvsent stvnt! || Er sagte:&amp;quot;Vetter, tausendmal willkommen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich dich han gesehen gesvnt, || Dass ich dich gesund sehe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des bin ich vro vnde gemeit. || freut mich ungemein. &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|mir ist von dir snellekeit vil geseit, || Mir hat man viel von deiner Schnelligkeit erzählt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz solt dv mich lazen sehen. || das solltest du mich sehen lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ist iz war, so wil ich iz iehen. || Ist dies  wahr, dann will ich es rühmen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach do: || Diepreht erwiderte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,neve Reinhart, ich bin vro, || &amp;quot;Vetter Reinhart, ich bin froh,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dir von mir ist wol geseit. || dass man dir Gutes von mir erzählt hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|min dinest sol dir sin bereit.&#039; || Ich will dir gerne behilflich sein.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhan vntreuwen pflac, || Aber Reinhart war unehrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wisete in, da ein drvck lac. || denn er wies ihn in eine Richtung, in der eine Wildfalle aufgestellt war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|iz was ein bose neveschaft. || Reinhart war eine böse Verwandtschaft!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nv wil ich sehen dine kraft ! || &amp;quot;Nun werde ich deine Kraft sehen!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz was ein enges phedelin, || Vor ihnen war ein enger Pfad&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv lovf, trvt neve min!` || und er rief: &amp;quot;Lauf los, mein lieber Vetter!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht weste wol die valle. || Diepreht aber wusste von der Falle &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,nv beschirme mich sente Galle || und betete: &amp;quot;Sankt Gallus, beschütze mich vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor Reinhartes vbelen dingen.&#039;  || Reinharts üblen Winkelzügen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vber die vallen begond er springen || Er sprang über die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde lief harte sere. || und lief so schnell er konnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an dem widerkere || Am Wendepunkt &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sprach zv im Reinhart: || meinte Reinhart zu ihm:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,nie kein tier sneller wart, || &amp;quot;Noch nie ist ein Tier schneller gelaufen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|denne dv, trvt neve, bist. || als du, mein lieber Neffe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich wil dich leren einen list: || Ich will dir aber noch eine weitere Kunst beibringen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv solt so hohe sprvnge ergeben, || du musst sehr hoch springen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv macht verlisen wol din leben, || sonst kommst du noch ums Leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|bestet dich ein stritiger hvnt. || wenn mal ein bissiger Hund hinter dir her ist.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir ist svst getan geverte wol kvnt.&#039; || Mir sind solche Begegnungen bekannt.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dipreht sprach: ,dv endarft noh niht iehen: || Diepreht antwortete: &amp;quot;Warte mal ab;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,lauf nach mir&#039;, ich laz dich sehen || lauf mir hinterher und ich zeige dir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|edele sprvnge ane lygen.&#039; || ungelogen die schönsten Sprünge.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sie wolden beide ein ander betrigen. || Beide hatten jetzt vor sich gegenseitig zu betrügen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart lief sinem neven nach, || Reinhart folgte seinem Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|donen was dem vorderen niht gach. || wobei es der vordere nicht eilig hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Dyprecht vber die vallen spranc || Diepreht übersprang die Falle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde gestvnt ane widerwanc. || und blieb dann wie angewurzelt stehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an sinen neven stiez er sich, || Dadurch ließ er seinen Vetter gegen sich prallen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deiswar, daz was niht vnbillich; || was wahrlich keine unrechte Tat wahr, wodurch&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|der vuz im in die vallen qvam. || Reinharts Fuß in die Falle geriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diprecht do vrlovp nam || Diepreht verabschiedete sich daraufhin&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vnde bevalch in Lucifere. || und empfahl im Lucifer.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannen hvb er sich schire. || Schnell lief er davon.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart bleib in grozer not, || Reinhart blieb in großer Not zurück:&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|er wante, den grimmigen tot || er sah den grausamen Tod schon&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil gewislichen han. ||vor seinen Augen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do gesach er den weideman, || Da erblickte er schon den Jäger,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der die drvch dar het geleit. || welcher die Falle aufgestellt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do bedorfte er wo! kvndikeit: || Hier brauchte er sicher Geschicklichkeit:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz hovbet er vf di drvch hieng. || er legte seinen Kopf über die Falle.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr lief balde vnde gieng. || Eilig kam der Jäger herbei;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die kele was im wiz als ein sne: || Reinhart´s Kehle schimmerte für ihn weiß wie Schnee:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vumf schillinge oder me || fünf oder sogar mehr Schillinge &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|want er vil gewis han. || war er hier sich gewiss schon gewonnen zu haben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die axs er vfheben began || Er begann die Axt anzuheben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde slvc, swaz er mochte erziehen. || und schlug dann so fest zu, wie es ging.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart mochte niht gevliehen, || Reinhart konnte eigentlich nicht entkommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit dem hovbte wanckt er hin baz, || doch er zog den Kopf &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|an der zi t tet er daz. || noch im richtigen Moment weg.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr slvc, daz die drvhe brach || Der Bauer hatte so fest zugeschlagen, dass die Falle zerstört wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte nie liber geschach: ||  Noch nie war Reinhart etwas Besseres geschehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wonte han verlern daz leben, || er hatte schon sein Leben verloren geglaubt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sine kel was vm vunf schillige geben. || nachdem seine Kehle auf 5 Schillinge geschätzt worden war.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sich niht sovmte, || Reinhart wartete keinen weiteren Moment,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|die herberge er rovmte, || um sein Quartier zu verlassen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte da vil vngemach. || welches ihm sehr unangenehm vorkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebvr im iemerliche nach sach. || Der Bauer schaute ihm jammernd nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er begende sich seihen scheiden, || und schimpfte auf sich selber;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er mvste mit anderm gvte gelden. || er musste jetzt mit anderer Münze bezahlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.313-384 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Die vorliegende Textstelle beinhaltet die vierte und letzte Fehlaventiure Reinharts in den ersten 375 Versen des Tierepos. Nach den Misserfolgen an dem Hahn, der Meise und dem Rabe entscheidet sich Reinhart den Kater Diepreht aufzusuchen, welcher einen &amp;quot;sportlichen Wettlauf akzeptiert.&amp;quot; [Ruh 1980: 18] Die Begrüßung &amp;quot;Vetter&amp;quot; (V.315 RF), die Reinhart für Diepreht wählt, unterstreicht die äußerlichen Ähnlichkeiten der beiden Tiere - eine direkte Verwandtschaftsbeziehung zwischen Reinhart und Diepreht gibt es jedoch nicht. Zudem steht die Beziehung im Spannungsfeld mit dem Gedanken, dass Verwandte im Normalfall zusammenhalten würden, welchen beide Charaktere im folgenden verletzen werden. Dies unterstreicht ebenso der Vers 327 &amp;quot;Reinhart war eine böse Verwandtschaft&amp;quot; (V.327 RF).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Konflikt ====&lt;br /&gt;
Als Aufhänger zum sportlichen Wettlauf, nutzt Reinhart Berichte über Dieprehts Schnelligkeit. Dennoch lässt sich Reinhart auch in dieser finalen Fehlaventiure erneut als &amp;quot;physisch stärker als sein Widersacher einstufen&amp;quot; [Huebner 2016: 87], wobei Diepreht Reinhart körperlich gesehen allerdings nur minimal unterlegen ist. Entscheidend ist Reinharts, wenn auch geringe, körperliche Überlegenheit dennoch, da so &amp;quot;seine Schlauheit erneut nicht für den Handlungserfolg ausreicht&amp;quot;.[Huebner 2016: 87] Reinharts Plan ist es, Diepreht durch ein Wettrennen abzulenken, sodass er ihn in einer Wildfalle locken kann, wobei die &amp;quot;Wildfalle in diesem Zusammenhang die menschliche Gegenwelt symbolisiert. Reinhart missgönnt es Diepreht, dass dieser nicht im Konflikt mit der Welt der Menschen steht und versucht den Kater nun in einen Konflikt mit eben dieser Welt zu verwickeln. Abschließend sitzt jedoch Reinhart in dieser Fuchsfalle gefangen, welche ihrerseits Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot;[Dietl 2010: 47] Der Konflikt Reinharts mit der menschlichen Welt wird durch die Flucht vor den Hunden des Jägers in der dritten Fehlaventiure erneut unterstrichen, was Reinhart selbst in Vers 340-344 aufgreift und zu nutzen versucht. Nachdem Diepreht Reinharts List antizipiert und die Falle überspringt, muss Reinhart sich an der Wendemarke einen neuen Plan zurechtlegen, wobei er hier Diepreht beibringen will, hoch zu springen, um sich im Notfall auch mal vor Hunden retten zu können. Erneut antizipiert Diepreht jedoch diese List und schafft es durch seinen eigen ausgedachten Plan, Reinhart in die Wildfalle zu bugsieren, in der eigentlich der Kater landen sollte. Diepreht ist sich der Gefahr in dieser Situation bewusst und weiß auch von Reinharts Heimtücke. Sein Vorteil zeichnet sich jedoch dadurch aus, dass er präventiv und aktiv agiert und selber eigene Listen plant, um sein Leben zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Abschluss ====&lt;br /&gt;
Diese Selbstverteidigungsstrategie behält der Kater auch nach seiner erfolgreichen List bei, da er Reinhart hilflos in der Wildfalle zurücklässt. Anschließend &amp;quot;empfiehlt er Reinhart zum Abschluss noch Lucifer.&amp;quot; (vgl. V. 357 RF) Diese Aussage lässt sich schwerer deuten, da Luzifer historisch zum einen als Engel, zum anderen aber als auch als Inkarnation des Teufels verstanden werden kann. In diesem Zusammenhang könnte Diepreht ihn also entweder mit dem Wunsch zur Rettung, oder mit dem Wunsch, dass Reinhart sein Leben verliert, zurücklassen, wobei die letztere Variante deutlich plausibler erscheint. Ist dies der Fall, handelt Diepreht zum Abschluss dieser Textstelle sehr abgebrüht, selbstsicher und den Umständen angepasst, da er sich nicht ein weiteres Mal auf einen lebensbedrohlichen Wettkampf mit Reinhart einlassen will, nachdem er ihn nur knapp überlisten konnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart mit großem Glück lebend aus der Wildfalle entkommt, wendet er sich an den [[Isegrin (Reinhart Fuchs)|Wolf Isegrin]]. Diese Situation stellt gewissermaßen ein Wendepunkt in der Geschichte dar, da Reinharts Unglückstag nach 375 Versen ein Ende hat. Im folgenden Abschnitt dieses Artikels soll genauer auf diesen Umstand eingegangen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Folgen des ersten Treffens ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das erste Zusammentreffen von Reinhart und Diepreht bildet den Abschluss &amp;quot;einer vorspielartigen Aventiurenreihe, welche als Reinharts [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|schlechter Tag eingeordnet werden kann]]. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile.&amp;quot;[Ruh 1980: 16] Wichtig ist, dass es Reinhart, nun nach vier unglücklichen Begegnungen, welche ihm großen Hunger und fast den Tod bescherten, gelingt, mit seinen Listen[[Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)| erfolgreich ]]zu sein, um das Pech und Unglück aus den ersten 375 Versen des Tierepos hinter sich zu lassen. Die Befreiung aus der Wildfalle leitet diesen Prozess gewissermaßen ein, da er hier mit Glück und Geschick entkommen kann. Entscheidend im nun folgenden ersten Hauptteil ist vor allem, dass es sich bei dem &amp;quot;Wolf um einen körperlich überlegenen Co-Akteur handelt, wobei Reinharts selbst erhaltende Schlauheit jetzt für den Handlungserfolg notwendig wird.&amp;quot;[Huebner 2016: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zweites Aufeinandertreffen bei dem &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; (V.1645-1742) ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Reinhart von dem Gerichtstermin geflohen ist und sich anschließend an Isengrins Frau Hersant vergangen hat, fordern Isengrin und seine Fürsprecher am Hoftag des Königs die Verhaftung und Hinrichtung Reinharts, welche auch vom Hirsch Randolt rechtens erklärt wird. Das weise Kamel aus Thuschalan besinnt die Anwesenden, dass der verdächtigte Reinhart zunächst dreimal an den Hofe [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|des Königs Vrewel]] vorgeladen werden muss. Der erste der drei Boten des Königs ist der Hofkaplan Herr Brun, der von Reinhart durch einen angeblichen Baum voller Honig hintergangen wird und dabei seine Haare auf dem Kopf verliert. Nachdem Brun geschändet an den Hof zurückkehrt, wird Diepreht zum zweiten Boten bestimmt, welcher Reinhart aufsuchen soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Des wart da gevolgot. || Dem wurde Folge geleistet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam Diebreht ze not. || wodurch Diepreht in Bedrängnis geraten sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hiez in vur in stan, || Der König ließ ihn zu sich kommen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,du solt nach Reinharte gan.&#039; || und befahl ihm: &amp;quot;Du wirst Reinhart aufsuchen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da sprach Diebreht: || Diepreht entgegnete:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,herre, daz lan ich an reht; || &amp;quot;Herr, das kann ich rechtens ablehnen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er ist min liebir kunnelinc.&#039; || denn er ist mein lieber Verwandter.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,dv enmaht durh dehein dinc || &amp;quot;Du kannst diesen Auftrag durch nichts&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sin vber werdin&#039;, sprach Randolt, || in dieser Welt loswerden&amp;quot;, sprach Randolt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,ir sint ein andir doch borholt!&#039; || &amp;quot;ihr seid einander doch sowieso wenig zugetan!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Der kvnic gebot imez an den lip. || Der König befahl es ihm bei seinem Leben&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,nu han ich cit. || und Diepreht antwortete: &amp;quot;Dann werde ich mich beeilen&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er huob sich harte balde. || Er machte sich sofort auf und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da vant er in deme walde || im Wald begegnete er dann&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neuen Reinhart, || seinem Vetter Reinhart, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunde manigen vbil art. || welcher üble Machenschaften beherrschte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nu horint, wie Reinhart sprach, || Nun hört, wie Reinhart sprach,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do er sinen neuen ane sach. || als er seinen Vetter sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,willikomen, sippebluot || &amp;quot;Willkommen Verwandter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wie we mir min herze tvot, || wie schmerzt mir mein Herz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz du mich hast vermiten so, || dass du mich so gemieden hast&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich newart nie gastes so fro.&#039; || ich war nie glücklicher über einen Gast&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht sprach: ,des habe danch! || Diepreht erwiderte: &amp;quot;Vielen Dank dafür!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ez duhte oh mih harte lanch. || Auch mir kam die Zeit ähnlich lange vor.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der kunic hat mich ze dir gesant || Der König hat mich zu dir geschickt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vnde swert sere, daz dv ime daz lant || und schwört einen Eid, dass du das Lande verlassen musst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|rumist, kumistu vur niet. || solltest du nicht vor ihn treten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vf dich clagit alliv div diet. || Das ganze Volk klagt dich an, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dv hast vil vbile getan, || denn du hast entsetzliches getan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz dv den capilan || als du den Kaplan&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider santest ane hvot.&#039; || ohne Kopffell zurückschicktest.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart sprach: ,neve gvot, || Reinhart entgegnete: &amp;quot;Lieber Vetter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gesach her Brun zeware || ich habe Herrn Brun wirklich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|niht in diseme iare, || dieses Jahr nicht gesehen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wan domich iagite lsingrin. || Außer als Isengrin mich verfolgte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|waz sagistv mir, neve min? || Was willst du mir also sagen, mein Vetter?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|woltistv sammir gan, || Wenn du mich aber begleiten willst,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich gebe dir gerne des ih han: || dann gebe ich dir gerne, was ich habe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ich han hie ein ode hus, || ich kenne hier ein verlassenes Haus,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da han ich inne manige mus || in dem ich manche Maus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gehaltin minin gestin, || als Gäste halte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da nim dv dir die bestin.&#039; || also nimm dir nur die besten davon.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Div naht was heiter unde lieht, || Die Nacht war heiter und klar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sinen neven Reinhart da verriet. || und Reinhart betrog seinen Vetter.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ze deme hus fuorter in sa. || Er führte ihn zum besagten Haus und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehte wart ze der spise ze ga. || Diepreht hatte großen Appetit auf die Speise.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|da lac ein gebur inne, || Im Haus wohnte ein Pfarrer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|deme michel unminne || welchem Reinhart oft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinhart hate gitan. || übel mitgespielt hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz muose uf Diebrehten gan. || Dafür sollte Diepreht nun büßen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|einen stric rihter vur ein loch, || Der Pfarrer hatte nämlich einen Strick vor den Eingang gehängt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|also duont gnuoge lute och noh. || wie man es heute auch noch tut. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Reinharte was da gelagot, || Eigentlich war dies für Reinhart gedacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|des kam sin neue [ ] in groze not. || aber jetzt kam sein Vetter in große Not. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dar in was Diebrehte gab, || Diepreht hastet nach drinnen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do viel er in den stric sa. || doch hing dann direkt in der Schlinge. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz gehorte des geburis wip, || Die Frau des Pfarrers wurde darauf aufmerksam &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|siv sprach: ,uf, semmir min lip!&#039; || und sie rief: &amp;quot;Wach auf, bei meinem Leben!&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur fuor uf unde irscricte... || Der Pfarrer fuhr hoch und erschrak. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|eine hepin mit der hant. || Er nahm sein Messer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|unde huop sich, da er Diebrehten vant. || und rannte zu Diepreht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er wande, daz ez ware Reinhart. || im Glauben, es wäre Reinhart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebrehtin rov div vart. || Diepreht bereute sein Vorhaben;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil harte grogezende er screi. || er heulte und schrie.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der gebur sluoc die snuor in zvei: || Da schnitt der der Pfarrer den Strick entzwei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz kam von der vinsterin. || was an der Dunkelheit lag.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht walte dannin sin, || Diepreht wollte nichts wie weg&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dem det ir sciere vil gelich: || und handelte auch direkt so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider uz huob er sich. || erhob sich und rannte davon.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht lie die muse da, || Diepreht ließ die Mäuse zurück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dannan wart ime harte ga. || und er hatte es eilig schnell wegzukommen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do lief er al die naht || Er lief die ganze Nacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wider ze haue mit grozir maht. || mit großer Anstrengung zum Hof zurück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er vant den kunic des morgenes fruo, || Früh morgens war er beim König&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mit sime stricke gie er da zuo. || und trat mit dem Strick um den Hals vor ihn. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do clagite vil harte || Diepreht beschwerte sich sehr &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|Diebreht von Reinharte. || über Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|er sprach: ,kunic, ich was in not. || und er berichtete: &amp;quot;König, ich war in einer misslichen Lage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mir walte Reinhart den dot || und Reinhart wollte mich aufgrund eurer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|frumen in iwir botescaft, || Botschaft töten, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|do beschirnde mih div gotis craft. || jedoch beschütze mich noch Gottes Kraft.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|herre, ich vnde iwer capilan || Herr, ich und euer Kaplan, &lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|suln nimme nah ime gan.&#039; || werden nie wieder zu ihm gehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1645-1742 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Diepreht von Vrewel und Randolt als zweiter Bote ausgewählt wird, merkt man bereits, dass der Kater eine gewisse Angst über das ihm drohende Wiedersehen mit Reinhart verspürt. Grund hierfür ist natürlich Dieprehts List am Ende der vierten Fehlaventiure gegenüber Reinhart. Der Kater versucht sich argumentativ durch seine Verwandtschaftsbeziehung zu Reinhart aus seiner misslichen Lage zu befreien. Er erkennt jedoch schnell, dass er bei weitem nicht die Macht besitzt, um dem König Widerstand zu leisten und akzeptiert sein Schicksal sogleich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Begrüßung ====&lt;br /&gt;
Beim Aufeinandertreffen der beiden Charaktere im Wald, lässt sich eine deutliche Ironie in Reinharts Begrüßungsworten erkennen, welcher seinen Vetter überschwänglich begrüßt und vorgibt traurig zu sein, dass er den Kater schon länger nicht mehr gesehen hat. Reinharts Freude über das Wiedersehen ist hier wahrscheinlich viel mehr durch die Möglichkeit bedingt, sich endlich an Diepreht rächen zu können, als an der eigentlichen Freude über ein erneutes Zusammentreffen der beiden. Durch diese Aussage wird klar, dass Diepreht nach dem missglückten Versuch den Fuchs zu töten, ihm in den folgenden Tagen und Wochen absichtlich aus dem Weg ging, um einer Rache zu entgehen. Dieprehts Begrüßung fällt dementsprechend auch sehr kurz und kühl aus. Seine Zurückhaltung ist möglicherweise unter anderem dadurch bedingt, dass er die Ironie in der Begrüßung Reinharts erahnt. Der Kater kommt im Zuge dessen direkt zum Grund für seinen Besuch und überbringt dem Fuchs die Botschaft des Königs. Reinhart verleumdet nun seine Tat gegenüber Brun, welcher vom Fuchs auch menschlicher Gewalt ausgesetzt wurde, und führt anschließend seine geplante List ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Katze-Maus-Klischee====&lt;br /&gt;
Anders als bei dem ersten Zusammentreffen, versucht Reinhart Diepreht nicht über einen Wettstreit hinters Licht zu führen, sondern wählt einen neueren, viel trivialeren Weg: Sein Vorhaben basiert auf dem klassische Katze-Maus-Klischee, denn er bietet dem hungrigen  Diepreht ein Haus voller Mäuse an. Der Kater begeht daraufhin einen großen Fehler. Er erkennt nicht, dass Reinhart ihm durch das Angebot zum Stillen seines Hungertriebs, welches bei vielen Tieren ein Grundbedürfnis bedeutet, eine Lüge unterbreitet. Diepreht weiß in diesem Moment, dass er den Mäusen physisch überlegen ist und es kaum Aufwand und Cleverness bedarf, mehrere von ihnen zu verspeisen. Der Drang Dieprehts, sein Grundbedürfnis des Hungers zu stillen, lässt ihn leichtsinnig und naiv werden, was Reinhart schlussendlich schamlos ausnutzt. Der Begriff &amp;quot;Bestechung, welchen Krimel anschließend am Hof des Königs verwendet&amp;quot;, beschreibt diese Situation durchaus sehr treffend. (vgl V.770-775 RF)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieprehts Leichtsinnigkeit zeigt sich dann auch, als er unvorsichtig und viel zu schnell in das angebliche &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot;, worin ein Pfarrer mit seiner Frau lebt, eindringen will. Da dem Pfarrer bereits mehrmals von Reinhart übel mitgespielt wurde, hat er zur Sicherheit ein Strick mit einer Schlaufe im Eingangsbereich aufgehängt, in der Diepreht sich dann verfängt. Der Strick ist, ähnlich wie die Wildfalle im ersten Treffen, ein Symbol der menschlichen und nicht der tierischen Gewalt, die der Kater zum Opfer fällt. &amp;quot;Reinhart lockt nun nach Isengrin und Brun zum krönenden Abschluss den Kater Diepreht in eine Falle, indem er ihn auf menschlichem Terrain der menschlichen Gewalt aussetzt. Nach seinem Scheitern beim ersten Aufeinandertreffen der beiden, gelingt es Reinhart also nun, den Kater in einen Konflikt mit den Menschen zu bringen. Ähnlich wie bei den [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiuren]], bringt der Fuchs hier Diepreht mit einer anderen Welt in Kontakt. Allerdings nicht, um seine Ehre verteidigen oder Ruhm erlangen zu können, sondern um Diepreht schaden zu können. Reinhart bemüht sich hier sogar, im Gegensatz beispielweise zu den Artusrittern, um eine Vermehrung der ‘âventiure’ zum Schaden seiner ‘Verwandten’.&amp;quot;[Dietl 2010: 50]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Flucht ====&lt;br /&gt;
Es lassen sich nun durchaus Parallelen zu Reinharts Situation zuvor in der Wildfalle erkennen, da auch Diepreht ähnlich hilflos der menschlichen Gewalt ausgesetzt wird. Wie Reinhart, gelingt es auch Diepreht aus seiner &amp;quot;Falle&amp;quot; zu entkommen. Im Gegensatz zu Reinhart ist es jedoch nicht die eigene Geschicklichkeit oder Raffinesse, die ihm hier zur Flucht verhilft, sondern vielmehr die Dunkelheit und der daraus resultierende Fehler des Pfarrers. Diepreht scheint in dieser Situation auch deutlich hilf- und ratloser zu sein, als Reinhart bei seiner Flucht. Er kann in dieser Situation, im Gegensatz zu Reinhart, keinen klaren Gedanken fassen, wirkt ängstlich, überfordert und eingeschüchtert. Dies unterstreicht auch sein &amp;quot;Schreien und Heulen&amp;quot; (vgl. V.1711 RF) und seine anschließend überhastete Flucht zurück zum Hof des Königs, wo er sogar noch mit der Schlinge um den Hals ankommt. Diese Szene zeigt sehr gut, dass Diepreht zwar ebenfalls einige Listen beherrscht, er jedoch nicht in Drucksituationen die Ruhe wie der Fuchs bewahren kann, um seinen Verstand entscheidend einzusetzen. Im Gegensatz zu Reinhart ist nicht die eigene &amp;quot;kvndikeit&amp;quot; (V.364 RF)  der Grund für die Rettung, sondern der &amp;quot;Schutz durch Gottes Kraft&amp;quot; (vgl. V.1740 RF). Reinharts Charakter und Cleverness erscheint dadurch deutlich stärker. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Resultierend aus dieser &amp;quot;Nahtod&amp;quot;-Erfahrung Dieprehts, schwört der Kater, sich nie wieder alleine mit Reinhart zu treffen; die zu Beginn dieser Szene merkbare Angst wurde durch Reinharts Rache noch intensiviert, was durch die Ereignisse im dritten und abschließenden Aufeinandertreffen der beiden Charaktere auch gerechtfertigt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge Reinharts erneuter List gegen einen Boten des Königs, wird der Löwe Vrewel umso zorniger. Wiederholt wird von den Anwesenden, unter anderem von Isengrin und dem Eber, Reinharts Todesurteil gefordert. Krimel hingegen erklärt, dass Diepreht im zweiten Aufeinandertreffen der beiden Unrecht hat, da er sich auf eine Bestechung Reinharts eingelassen habe. Deshalb wird nun Krimel selbst vom König losgeschickt, um Reinhart aufzusuchen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Drittes Aufeinandertreffen am Hof des Königs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der vorangegangen Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinhart kommt schlussendlich mit Krimel, dem dritten Boten des Königs, an den Hof, wobei er sich mit Hofgewand, Arzttasche und Kräutern als fähiger Arzt ausgibt. Der Fuchs bietet dem König an, ihn zu heilen, da er lebensrettende Informationen von Meister Bendin, einem bekannten Arzt aus Salerno, bekommen habe. Neben dem Essen von Heilkräutern, müssen auch verschiedenen Tieren die Haut und das Fell abgezogen werden, um das Leben des Königs zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Übersetzung der Textstelle(V.1901-1904)&amp;amp;(V.1932f.)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
!Mittelhochdeutscher Version !! Neuhochdeutsche Version&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|,da mite genezet ir, herre gvt. || &amp;quot;Damit werdet ihr genesen, guter Herr.&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|vz einer katzen einen hvt || Eine Mütze aus Katzenfell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|mvzet ir han ze aller not, || ist auch noch nötig&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|oder iz were, weizgot, ewer tot || oder euer Tod ist, weiß Gott, sicher.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1901-1904 RF) ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|[...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|man schinte si, ovch wart Dipreht ||  Man zog ihnen das Fell ab und auch Diepreht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|beschindet also harte. ||  wurde entblößt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(V.1932f. RF) || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:{|&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Interpretation der vorliegenden Textstelle===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese nun abschließende Textstelle, in der Diepreht das letzte mal eine entscheidende Rolle spielt, kann schlussendlich als Ergebnis der Fehde zwischen den beiden Gegenspielern Reinhart Fuchs und Kater Diepreht gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Rekapitulation des ersten beiden Zusammentreffen ====&lt;br /&gt;
Rollen wir die Fehde der beiden Tiere noch einmal chronologisch auf, erinnern wir uns an das erste Zusammentreffen der beiden, bei dem  Reinhart dem Tode ausgeliefert in einer Wildfalle zurückgelassen wird. Reinharts Ziel, Diepreht in einen Konflikt mit der menschlichen Welt zu bekommen, misslingt hier noch. Jedoch merkt man beim zweiten Aufeinandertreffen, dass Reinhart dieses Ziel nicht aus den Augen verloren hat und es schafft, einen Konflikt Dieprehts mit der menschlichen Welt zu erzwingen. Reinhart setzt den Kater menschlicher Gewalt aus, sein Ziel und seine Genugtuung ist erreicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gewalt in der Tiergemeinschaft ====&lt;br /&gt;
Zurück auf dem Terrain der Tiere kann die abschließende Textstelle ebenfalls als Krönung der erreichten Ziele Reinharts verstanden werden, da er Diepreht erfolgreich körperlich, sowie geistig überlegen ist. Reinhart verfügt über jegliche Macht - Diepreht bleibt nur die Opferrolle. Der Fuchs nutzt die Hilflosigkeit und Gewalttätigkeit des Königs aus, um unter anderem an Diepreht Rache zu nehmen, wobei die Gewaltausübung sich nun zurück auf der tierischen Ebene befindet. Es wird von Reinhart erneut keine direkte Gewalt verwendet, da sie vom König angeordnet wir, befindet sich aber jetzt nicht mehr auf der menschlichen Ebene. Die Gewalt wirkt nun deutlich persönlicher, direkter und unmittelbarer, als wenn sie von einem Menschen ausgehen würde. Kater Diepreht ist bei diesem Rachefeldzug jedoch nur noch einer unter vielen Tieren, die Reinhart zum Opfer fallen: Er bekommt in dieser Szene nicht mal mehr die Chance sich, beziehungsweise genauer gesagt, sein Fell vor Reinhart zu verteidigen. Isengrin, welcher hier ebenfalls zu Reinharts Opfern zählt, versucht als einziger zwar noch den König zur Vernunft zu bringen, jedoch bleibt dieses Vorhaben erfolglos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Dieprehts Überleben ====&lt;br /&gt;
Abschließend kann festgehalten werden, dass Diepreht mit dem Abziehen seines Fells sogar relativ gut bedient ist. Der Löwe Vrewel und das Huhn Pinte bezahlen aufgrund Reinharts Machenschaften mit dem Leben und auch der Eber und der Hirsch Randolt tragen vom Hoftag schlussendlich schwerwiegende körperliche Verstümmelungen davon. Dieprehts Überleben ist in diesem Zusammenhang sogar überraschend, denn er war es doch, der Reinhart zu Beginn des Tierepos zum Sterben in einer Wildfalle zurückließ. Eine Rache, welche den Tod Dieprehts bedeutet hätte, wäre also durchaus denkbar gewesen, unter anderem dadurch, da Diepreht dem Tod beim &amp;quot;Mäusehaus&amp;quot; noch entkommen konnte. Dieprehts Überleben lässt sich dementsprechend möglicherweise durch Reinharts Willkür erklären - er will sich einfach an jedem am Hofe anwesenden Tier rächen, auf welche Weise auch immer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Beschreibung der nachfolgenden Ereignisse===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben Diepreht, Isengrin und Brunn werden anschließend noch weitere Tiere Opfer Reinharts Rachefeldzug, bei dem unter anderem das Huhn Pinte ihr Leben lässt. Schlussendlich stirbt auch König Vrewel, nachdem ihm Reinhart einen Gifttrank verabreicht hat. Diepreht hingegen entkommt mit dem Leben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung Kater Diepreht ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diehprets Erfolg ===&lt;br /&gt;
Diepreht stellt im Tierepos eine wichtige Rolle dar und agiert dahingehend auch als Gegenspieler zum Protagonisten Reinhart Fuchs.&lt;br /&gt;
Der Kater ist einer der wenigen Akteure, dem es gelingt, Reinhart zu Beginn der Handlung zu überlisten. Neben ihm sind ausschließlich der Hahn, der Rabe und die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]] gegenüber Reinhart erfolgreich. &lt;br /&gt;
Dieser Umstand zeigt, dass Diepreht durchaus als schlauer und gerissener Charakter eingeschätzt werden kann. Beim ersten Treffen  mit dem Fuchs, antizipiert Diepreht Reinharts List und zahlt es Reinhart dann mit einer eigenen List heim. Man könnte sogar soweit gehen, ihn als hinterhältig und kaltblütig einzustufen, da Diepreht Reinhart hilflos dem Tod ausgesetzt in der Wildfalle zurücklässt. Dennoch ist sein Verhalten in dieser Situation weitestgehend verständlich, da er aus Notwehr handelt und sich selber vor Reinharts Machenschaften in Sicherheit bringen will.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach der ersten Episode kann man Diepreht also durchaus als sehr klugen Charakter einordnen, der er es nicht nur schafft schnell zu Fuß sein, sondern auch schnell im Kopf. Zudem ist im Verhalten auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Reinhart zu erkennen, da er ebenso hinterlistig agiert und keine Rücksicht auf Verluste anderer macht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Physisch gesehen ist Diepreht zwar schnell, dennoch ist Reinhart der deutlich Stärkere von beiden. &amp;quot;In solchen Situationen reicht Reinharts Schlauheit oft nicht für den Handlungserfolg aus und so ist es auch in diesem Fall, da er am ähnlich starken Diepreht scheitert.&amp;quot; [Ruh 1980: 87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bestechung durch Bedürfnisse ===&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun die zweite Episode, in der Reinhart sich am Kater rächt, lassen sich durchaus die ähnlichen Charakterzüge erkennen. Der Kater agiert wieder sehr schnell und erkennt sofort, wie er sich einen Vorteil aus der Situation verschaffen kann. Zudem stellt er wieder sein Leben über das anderer, da er die vermeintlichen Mäuse nur als Nahrung begreift und sich von Reinhart bestechen lässt.&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur ersten Episode kann man aber feststellen, dass Diepreht deutlich naiver agiert und sehr leicht auf Reinharts List hereinfällt. Eigentlich müsste er wieder antizipieren, dass Reinhart etwas heimtückisches plant, jedoch lässt er hier seinen Verstand viel zu einfach durch die Befriedigung seines Hungerdrangs beeinflussen und verliert dadurch seine Fähigkeit des cleveren Handelns. Auch bei der anschließenden Befreiung aus der misslichen Lage handelt Diepreht hektisch, unsicher und ängstlich. Es gelingt ihm nicht,  in Drucksituationen die Ruhe zu bewahren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Konkurrent und Gegenspieler ===&lt;br /&gt;
Abschließend kann man festhalten, dass Diepreht ein durchaus gefährlicher und intelligenter Gegenspieler Reinahrts ist und er es fast schafft diesen mit dem Leben bezahlen zu lassen. Diepreht handelt im Tierepos aktiv und präventiv und versucht Reinhart eher zuvorzukommen, als abzuwarten, was dieser vorhat. Dennoch handelt Diepreht auch gierig und selbstorientiert, was Reinhart schlussendlich im zweiten Treffen ausnutzen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episoden zwischen Diepreht und Reinhart können aus verschiedenen Gründen durchaus als die spannendsten im Tierepos angesehen werden. Das Handlungsergebnis und die verschiedenen Listen sind nicht sofort zu durchschauen: Diepreht gibt einen kämpfenden und cleveren Gegenpart zur Hauptfigur Reinhart ab und schafft es fast diesen zu besiegen. Der Kater gibt sich nicht kampflos geschlagen, versucht Reinhart zu trotzen und setzt aktiv seine eigene &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ein. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft geht man von dem Grundsatz &amp;quot;survival of the fittest&amp;quot; aus, vor allem in der Tierwelt, jedoch zeigen die drei ausgewählten Episoden, dass vielmehr &amp;quot;kündikeit&amp;quot;, also Listen, Raffinesse und Cleverness, zum Handlungserfolg ausschlaggebend sein können. Dieser Gedanke lässt sich auch gut auf die heutige Zeit übertragen, sei es im Sport, Beruf oder Alltag. Es zeigt, dass nicht immer nur der physisch Stärkere die Überhand gewinnt - nein, es kommt vor allem auch auf cleveres Handeln und den richtigen Plan in entscheidenden Situationen an, vor allem bei scheinbar überlegenen Gegenspielern.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zudem zeigt die Fehde zwischen Diepreht und Reinhart, dass Arroganz, welche Reinhart in der ersten Episode zeigt, Egoismus und die Maximierung der eigenen Bedürfnisse, welche Diepreht in der zweiten Episode zeigt, Charakterzüge darstellen, welche in einer funktionierenden Gesellschaft wenig wünschenswert sind. Das Tierepos zeigt dies in diesem Zusammenhang sehr passend auf, da ebendiese Verhaltensweisen weder Diepreht, noch Reinhart zum Handlungserfolg führen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Von den Anfängen bis zu Hartmann von Aue, Berlin 1967-1980 (Grundlagen der Germanistik 25)&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: Violenta und potestas: Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ›Reinhart Fuchs‹, in: Dichtung und Didaxe : Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, Berlin 2009, S.41-54.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29439</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:22:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann, wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt, die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant, bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben gibt Reinhart vor, verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81. Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei bei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle herangezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen, inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist, alle anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die zielgerichtetere und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist im macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates durch Reinharts Einwirken in eine ebenfalls willkürliche . [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt, den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot; ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze, die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral in Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29438</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29438"/>
		<updated>2020-09-01T08:20:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Moralische Überlegenheit Reinharts */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann, wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt, die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant, bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben gibt Reinhart vor, verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81. Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei bei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle herangezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen, inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist, alle anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die zielgerichtetere und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist im macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates durch Reinharts Einwirken in eine ebenfalls willkürliche . [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt, den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot; ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral im Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch, aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
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		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:10:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart als Sympathieträger (Tier) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann, wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt, die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant, bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben gibt Reinhart vor, verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81. Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei bei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist alle Anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die mehr zielgerichtete und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel, wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates in eine ebenfalls willkürliche durch Reinharts einwirken. [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot;, ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral im Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch, aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29436</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29436"/>
		<updated>2020-09-01T08:05:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann, wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt, die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant, bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren, auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, so auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben, gibt Reinhart vor verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist alle Anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die mehr zielgerichtete und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel, wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates in eine ebenfalls willkürliche durch Reinharts einwirken. [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot;, ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral im Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch, aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29435</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29435"/>
		<updated>2020-09-01T08:02:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann, wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt, die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln, rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren, auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, so auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben, gibt Reinhart vor verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist alle Anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die mehr zielgerichtete und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel, wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates in eine ebenfalls willkürliche durch Reinharts einwirken. [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot;, ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral im Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch, aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
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		<updated>2020-09-01T08:00:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral, kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite, immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern dann wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln, rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren, auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, so auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben, gibt Reinhart vor verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist alle Anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die mehr zielgerichtete und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel, wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates in eine ebenfalls willkürliche durch Reinharts einwirken. [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot;, ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral im Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch, aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29433</id>
		<title>Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Moral_und_Gewissen_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29433"/>
		<updated>2020-09-01T07:59:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Moral von [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|&amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;]] im gleichnamigen Tierepos von [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich dem Glîchezâren]] bzw. jene übergeordnete Moral des gesamten Tierepos, welche Reinhart als Protagonist durch seine Taten produziert. Betrachtete Dimensionen sind also, um zunächst die Moral von Reinhart zu klären, 1) inwiefern Reinhart einem Moralkodex unterworfen ist, wie es bei Menschen der Fall ist, und 2) in welcher Weise Reinhart vielleicht keiner Moral unterworfen ist, da es sich bei ihm um ein Tier handelt, welches lediglich versucht, zu überleben. Um die Moral des gesamten Epos zu klären, wird zudem die Frage beleuchtet, inwiefern Reinhart 3) als ein Akteur des besseren Wohles der Gesellschaft handelt, indem er mit seinen Taten gegen den unrechtmäßigen Herrscher, den [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König Vrevel]] arbeitet, oder 4) ob er nur für sich selbst agiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mensch versus Tier ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als anthropomorpher Akteur (Mensch) ===&lt;br /&gt;
Die Aspekte nach denen sich ein Mensch von einem Tier unterscheidet, sind Vernunft, Sprachvermögen, zum Teil Moral und Werte des Christentums, die besagen, dass Tiere dem Menschen unterstellt seien und unter anderem als Ernährung zu dienen hätten [Kompatscher-Gufler 2017: 33]. Neben der Moral, kommt auch der Vernunft eine tiefere Bedeutung zu. Diese wird im Abschnitt der moralischen Überlegenheit Reinharts behandelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nimmt man an, dass es sich bei Reinhart um einen [https://de.wikipedia.org/wiki/Anthropomorphismus anthropomorphen] Akteur handelt, so geschieht die Trennung von der tierischen und das gleichzeitige Hervortreten der menschlichen Seite, immer dann, wenn Reinhart sich nicht mehr nur um seines Lebens willen verteidigt oder andere überlistet, um zu Nahrung zu kommen, sondern dann wenn die Moral in Form von Abwesenheit in Erscheinung tritt. Erst dann wenn Reinhart eine Heimtücke an den Tag legt die unschuldigen Tieren, welche sich lediglich paaren und fressen, fremd ist, offenbart sich, dass es sich hier nicht nur um ein armes Tier handelt, welches sich wehrt, sondern um eine Art Rachefeldzug [Huebner 2016:92]. Dies ist zum Beispiel in folgender Situation zu sehen als Isengrin durch Reinharts Tücke fast sein Leben verliert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Isingrin pflac tumbir sinne, ||  Isengrin war in seiner Dummheit blind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime gefror der zagil drinne.  ||  schon fror ihm sein Schwanz fest.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu naht was kalt unde lieht,  || Es war eine klare und kalte Nacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sin burodir warnete sin niet.  || und sein Mitbruder dachte nicht daran ihn zu warnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartis drivwe warin laz,  || Von Treue konnte bei Reinhart keine Rede sein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gefror ie baz unde baz.  || immer mehr fror jener ein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Dirre eimir swerit&#039;, sprach Isengrin.  || &amp;quot;Der Eimer wird mir zu schwer&amp;quot;, klagte Isengrin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;da han ich gezellit drin  || &amp;quot;Ich habe schon dreißig Aale darin gezählt&amp;quot;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drizic ale&#039;, sprach Reinhart,  || antwortete Reinhart,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;diz wirt ein nuzze vart;  || &amp;quot;das Unternehmen wird sehr erfolgreich;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| kunnint ir stille gestan,  || wenn ihr Euch nur ruhig verhaltet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zehinzic wellint drin gan.&#039;  || werden hundert hineingehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} [Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.749-860]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Isengrin friert im Eis fest und verliert, nachdem Reinhart ihn zurücklässt, durch Glück lediglich seinen Schwanz. Reinhart kann in dieser Situation ein &amp;quot;Persönlichkeitsrecht&amp;quot; zugeschrieben werden, wie es bei Menschen der Fall ist, da er sich einem Tier unüblich verhält [Kompatscher-Gufler 2017:44]. Zwar fällt diese Persönlichkeit durch unmoralisches Handeln auf, dennoch handelt es sich nicht um ein logisch-animalisches Verhalten. Reinhart gewinnt durch diese Handlung nichts hinzu, der einzige Mehrwert für Reinhart scheint die Rache an Isengrin zu sein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Vergewaltigung ([[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) Hersants zeigt die Dreistigkeit Reinharts besonders deutlich. &lt;br /&gt;
Reinhart empfindet keinerlei Reue für seine Tat und hat auch kein schlechtes Gewissen, sondern bittet obendrein Frau Hersant bei ihm zu bleiben, da sie nach den Gepflogenheiten zu seinem Haushalt gehöre [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1178]. Weiter sagt er noch, er habe nichts Böses getan [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.1202]. Dies legt nahe, dass Reinhart keinen Sinn für Moral hat und er sich keiner Schuld bewusst ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das amoralische Handeln, rückt Reinhart also eher in die menschliche Ecke. Er hintergeht andere Tiere bewusst, schadet ihnen, bzw. tötet diese sogar aufgrund von Handlungszielen wie Rache, Ehebruch oder Machtgewinn. Diese Ziele fallen nicht unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung. Sein Handeln lässt sich, gemessen an einem Tier, nicht legitimieren. Im Gegensatz zu den anderen Tieren, die instinktiv ihren natürlichen Bedürfnissen nachgehen, wie es für sie als Tiere typisch ist, agiert der Fuchs eher menschlich. Sein menschliches Handeln übertrifft das tierische an Bestialität. [Huebner 2016:79]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinhart als Sympathieträger (Tier) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz allem kann Reinhart je nach Interpretation und Vorstellungen des Lesers auch zur Identifikationsfigur werden. Zur Vermeidung einer eventuellen Antipathie mit dem Fuchs dient seine Schlauheit, mit der auf das Laster der Leichtgläubigkeit und Unvorsichtigkeit seiner Co-Akteure reagiert. [Huebner 2016:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am Anfang des Epos hingegen [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|verliert Reinhart]] zunächst gegen den Hahn, die Meise, den Raben und den Kater. Diese Episoden sind ganz bewusst für den Anfang des Epos vorbehalten, da durch seine Rolle als &amp;quot;Opfer&amp;quot; Mitleid beim Leser hervorgerufen werden kann. Diese Sympathie ist laut Kurt Ruh wichtig, da seine zukünftigen Handlungen ausdrücklich hinterlistig und gemein sind. &amp;quot;Dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot; [Ruh 1980:18] Dies bedeutet, dass Reinhart so Sympathiepunkte sammelt, um nicht direkt am Anfang als Aggressor dazustehen. Somit ist die Möglichkeit gegeben, sich vom [[Reinhart der Verlierer|Verlierer]] zum [[Reinhart der Sieger|Sieger]] zu entwickeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Opfer von Ungerechtigkeiten darf auf positive Anteilnahme in Form von Unterstützung, Aufmerksamkeit und Status hoffen.[Ok 2020] Es ist nicht nur bemerkenswert, dass Reinhart, moralisch bewertet, durch diesen schlechten Start so manches Verbrechen verziehen wird und er sogar bis zum Schluss auf die Sympathie derjenigen hoffen kann, die in dem Schlaueren, auch jenen sehen der die Oberhand gewinnen sollte. Auch ist dieses Vorgehen, sofern es mit Absicht von Reinhart so herbei geführt wurde, so auch mit macchiavellistischen Charakterzügen in Verbindung zu bringen. [Ok 2020] In der Episode mit dem Raben, gibt Reinhart vor verletzt zu sein, um nah genug an den Raben zu kommen und ihn zu reißen. Dies ist möglicherweise ein Hinweis für die mit Absicht herbei geführte Rolle des Verlierers, der sich nicht an die gleichen moralischen Konventionen zu halten hat, wie ein Gewinner.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Weiteren ergibt sich so für Reinhart die Chance, ein Bündnis mit dem Wolf Isengrin einzugehen, dem er in den nächsten Episoden den größten Schaden und Schmerz zufügt. Ohne diese anfangs entwickelte Symphatie für Reinhart wäre wohl kein Pakt zustande gekommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass diese Symphatie im Laufe der Episodensammlung nicht vollends schwindet, erklärt sich mit dem Argument, dass es hier Tiere miteinander zu tun haben. Somit schwindet  &amp;quot;die Entwertung moralischer Kategorien&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81] Deshalb sind seine Taten noch eher &amp;quot;vertretbar&amp;quot;, da die Figuren als Tiere nicht nach menschlichen Trieben, sondern eben nach tierischen Trieben handeln, wobei den &amp;quot;dem Fuchs zugeschriebenen menschengleichen Eigenschaften eben doch der appetitus des Raubtiers hindurchbricht.&amp;quot; [Mecklenburg 2017:81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Moralische Überlegenheit Reinharts ==&lt;br /&gt;
Zunächst wird die Textstelle heran gezogen, in der der Löwe durch Reinhart den Tod findet [Heinrich der Glîchezâre 2005:V.2168-2183]. Reinhart hat sich zuvor erfolgreich von allen Anklagepunkten befreit, indem er die Ankläger mit Hilfe des Königs ärztlicher Behandlung aus dem Weg räumte. Doch sogar seinen Helfern, dem Elefant, dem Kamel und dem Löwen selbst,  bleibt seine Hinterlist nicht erspart:   &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich will eu geben einen tranc, || Er sagte: &amp;quot;Herr, hier ist eine Arznei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || die wird Euch sofort auf den Weg der Genesung bringen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kunic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es geschehen.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2168-2170]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Ameisenkönig schon einige Zeit zuvor von Reinhart aus dem Gehörgang des Königs entfernt worden war, wartet der König Vrevel weiterhin gutgläubig auf die verhießene Genesung. Der Löwe hat augenscheinlich seine Mündigkeit aufgegeben und überlässt sein Schicksal weiterhin seinem Arzt Reinhart. Die füchsische Schlauheit hat hier die löwenhafte Gewaltanwendung ad absurdum geführt. [Huebner 2016:78]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kuniges tot. || Da braute er des Königs Tod zusammen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was ubele unde rot, || Reinhart war böse und blutrünstig,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || wie er jetzt gänzlich deutlich machte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem Herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sol niman clagen harte; || Es soll sich aber niemand beklagen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz want er han an Reinharte? || was dachte sich jener woran er an Reinhart ist?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2171-2176]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Frage wird aufgeworfen inwiefern der König durch Selbstverschulden in diese missliche Lage geraten ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iz ist noh schade, wizze krist, || Gott weiß es ist sehr schade,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manic loser werder ist || dass so mancher Betrüger bei Hof&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze hove, danne si ein man, || geachteter ist, als ein Mann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der nie valsches began. || der nie etwas falsches getan hat.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swelch herre des volget ane not || Alle Herren die freiwillig diesem Beispiel folgend&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde teten sie deme den tot, || den Tod finden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz weren gute mere. || wären gute Nachrichten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich der Glîchezâre 2005|:V.2177-2183]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine moralische Überlegenheit Reinharts könnte sich einerseits daraus ergeben, dass er in der Lage ist alle Anderen in die Irre zu führen und somit sogar das Gewaltmonopol des Herrschers Vrevel infrage stellen kann. Andererseits ist diese moralische Überlegenheit, die sich daraus ergibt, im Wesen eine Tautologie, da erst durch das Brechen des Gewaltmonopols die Herrschaft Vrevels infrage gestellt werden kann und dessen willkürliche Gewaltanwendung Kritik auf sich ziehen mag. Hier ist die Gewalt, die von Reinhart ausgeht, um alle Feinde im Hofstaat aus dem Weg zu räumen, die mehr zielgerichtete und deshalb &lt;br /&gt;
die erfolgreichere und so auch die moralisch besser vertretbare. [Huebner 2016:90] Der Eigennutz ist macchiavellistischen Sinn der Maßstab der Moral. Jedoch wird dies sehr schnell wieder durch die weitere Bestrafung des Kamels und des Elefanten negiert, wo die Gewalt durch Reinhart eher willkürlich erscheint. Die ordnungswahrende Gewalt von Vrevel, wandelt sich hingegen aus der Sicht des Hofstaates in eine ebenfalls willkürliche durch Reinharts einwirken. [Huebner 2016:79] Allerdings ist die Legitimität eines Herrschers fast immer eine [https://de.wikipedia.org/wiki/Idem_per_idem Tautologie], die wahre Macht bezieht sich aus der Legitimierung der Untertanen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel wichtiger ist jedoch die Betrachtung der Herrschaft Vrevels im tugendethischen Sinne. Da Reinhart in der Lage war, diese Herrschaft so zu beeinflussen, dass es ein Weiterer wie Reinhart in Zukunft wieder tun könne, ergibt sich daraus eine Handlungsmoral, die erlaubt den Hofstaat und alle seine Unterstützer dem Untergang zu weihen und zu stürzen. Denn die langfristige Perspektive eines &amp;quot;glückseligen Hofstaates&amp;quot;, ist der kurzfristigen, schlechten Gewaltanwendung unterzuordnen und demnach legitim. [Huebner 2016: 90,91]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Reinharts amoralisch schlaues Handeln ist in der amoralischen Welt erfolgreich, amoralisch unschlaues Handeln führt hingegen zum Misserfolg. [Huebner 2016:81] Daher gibt es - je nach Interpretation und persönlichen Vorstellungen des Lesers - zwei unterschiedliche Ansätze die Figur Reinharts zu bewerten: Aus einer moralischen Sichtweise kann Reinhart vom Leser einerseits verachtet werden, andererseits jedoch sogar zu einer Identifikationsfigur werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Die tatsächliche herrschaftliche Machtausübung schließlich unterscheidet sich in ihrer Intention und ihrer Wirkung nicht von der hoheitlichen Gewalt. Allein der Blickwinkel ist ein anderer [...]&amp;quot;, [Dietl 2010:54] über die Moral im Reinhart Fuchs. Macchiavellis Argumente aus &amp;quot;der Fürst&amp;quot; legen in diesem Kontext nahe, dass die Anwendung von Gewalt an sich moralisch nicht verwerflich ist, solange ohnehin Gewalt ausgeübt wird. Die Krux ist jedoch, aus seiner Sicht, diese zu verschleiern und die Perspektive zu seinem eigenen Vorteil zu verschieben. Denn solange der König Vrevel der &#039;&#039;kundikeite&#039;&#039; von Reinhart nichts entgegen zu setzen hat, läuft auch die königliche Macht voll und ganz ins Leere und setzt somit den gesamten Hofstaat der Willkür eines einzelnen Akteurs aus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: Abenteuerliche Überkreuzungen, 2017.&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg, 2016.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler: &amp;quot;Mensch-Tier Grenze&amp;quot;, in: Human-animal studies. eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende, 2017, S. 31-48.&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs, eine antihöfische Kontrafaktur. 1980.&lt;br /&gt;
*[*Ok 2020] Ok, Erin, Qian, Y., Strejcek, B., &amp;amp; Aquino, K. 2020. Signaling virtuos victimhood as indicators of Dark Triad personalities. Journal of Personality and Social Psychology.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Prolog_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25079</id>
		<title>Der Prolog (Gottfried von Straßburg, Tristan)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Prolog_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25079"/>
		<updated>2018-07-03T12:01:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Inhalt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;::&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;G&#039;&#039;&#039;edaehte mans ze guote niht,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;von dem der werlde guot geschiht,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;sô waere ez allez alse niht,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;swaz guotes in der werlde geschiht.&#039;&#039;(V. 1-4)&amp;lt;ref&amp;gt;Sämtliche im Folgenden zitierte Versangaben stammen aus:  Gottfried von Straßburg: Tristan. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch. Nach dem Text von Friedrich Ranke neu hg., ins Neuhochdeutsche übers.,  mit einem Stellenkommentar und einem Nachwort von Rüdiger Krohn. Band  1-3. Stuttgart 1980&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
::Wollte man den nicht hochachten/von dem der Welt Gutes widerfährt,/so wäre alles so viel wie nicht,/was Gutes in der Welt geleistet wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung nach [Krohn 1980]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Diesen vier ersten Versen folgen weitere 240, die zusammen den Prolog in [[Gottfried von Straßburg]]s [[Tristan]] bilden.&amp;lt;br /&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Beeinflusst von der Tradition der klassisch-lateinischen Rhetorik war der Prolog im [[Mittelalter]] die Stelle im Roman, an der der Autor üblicherweise sich und seinen Auftraggeber vorstellte, eine kurze Einführung in das Thema gab und beschrieb, welchen Nutzen die Lektüre des Textes für den Leser haben würde.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Prolog im Mittelalter allgemein vgl. etwa [Brinkmann 1966]&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
„Der Prolog nahm innerhalb der mittelalterlichen Dichtungslehre einen besonderen Rang ein“[Krohn 2008: 15]. Ein Prolog war wichtig für den mittelalterlichen Schreiber, hier konnte er seine „poetische Kraft frei entfalten“, hatte „Raum für Individualität, Gelegenheit für Erklärungen und Adressen, für Grundsätzliches und Theoretisches“[Krohn 2008: ebd]. Oftmals waren nämlich die dem Prolog folgenden Inhalte und Geschichten in vielerlei Hinsicht vorgegebene Stoffe mit zwingenden Mustern in Inhalt oder Form. Als Einleitung trug der Prolog so nicht selten die Gedanken des Autors und hatte oft eine Schlüsselfunktion für die Bedeutung der Geschichte inne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund seines Inhaltes, seines bemerkenswerten Aufbaues und weil man sich außerdem durch die Aufschlüsselung seiner Aussagen mehr Verständnis für den restlichen  Text erwartete, gehört der Prolog zu den meistdiskutierten Stellen des Tristan Romans von Gottfried.&amp;lt;ref&amp;gt; [Krohn 2008: 15]&lt;br /&gt;
Siehe dazu auch Kapitel 3.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inhalt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn philosophiert der  Autor allgemein über das Gute und über seine Tätigkeit und sein Wirken  als Künstler.(1-44)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Er erklärt für das Publikum der  &#039;&#039;[[Begriff der &amp;quot;edelen herzen&amp;quot;|edelen herzen]]&#039;&#039; zu dichten und mit ihm  eine Gemeinschaft zu bilden. Das Publikum weiß um die Vorteile des  Leides, welches bei der Lektüre eine Liebesgeschichte entstehen kann. Ihre Einstellung dem Leid gegenüber vereint Autor und Publikum und schafft eine Harmonie.(45-70) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf  schildert Gottfried, welche Wirkung sein Roman als Liebesgeschichte auf  die Leser hat und warum auch ein Liebender sie lesen  sollte.(71-122).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Erläuterung, warum er  gerade den Tristanstoff als Thema seines Romans gewählt habe und wie er  bei der Bearbeitung vorgegangen sei,(123-171) betont Gottfried ein  weiteres Mal die Wirkung von Liebeserzählungen auf das  Publikum.(172-240)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Prolog endet mit der Bitte  Gottfrieds an sein Publikum, ihm Aufmerksamkeit zu schenken. Während des  gesamten Prolog geht es zudem bereits auch immer wieder um Gottfrieds  Definition der [[Minne|&#039;&#039;minne&#039;&#039;]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Aufbau und sprachliche Auffälligkeiten==&lt;br /&gt;
===Reimschema===&lt;br /&gt;
Der Prolog beginnt mit elf Strophen (1-44), die aus jeweils vier Versen bestehen und zwei Reimwörter aufweisen. Die Strophen eins bis fünf sowie  die elfte Strophe sind kreuz-, die restlichen Strophen umarmend gereimt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgen durchgehend [[Stichon|stichische Reime]] (45-244), die einmal kurz vor dem Ende (233-240) von zwei vierzeiligen Strophen unterbrochen werden. Da die Überlieferungslage an dieser Stelle lückenhaft ist, kann der Aufbau der beiden Strophen jedoch nicht als gesichert gelten.[Krohn 2008: 35f]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das folgende Textbeispiel stellt den beschriebenen Übergang von den umarmenden zu den stichischen Reimen dar:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Vers 41ff.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;T&#039;&#039;&#039;rîbe ich die zît vergebene hin,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;sô zîtic ich ze lebene bin,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;sône var ich in der werlt sus hin &#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;niht sô gewerldet,alse ich bin.&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039; &#039;&#039;&#039;I&#039;&#039;&#039;ch hân mir eine unmüezekeit&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;der werlt ze liebe vür geleit&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;und edelen herzen z&#039;einer hage,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;den herzen, den ich herze trage,&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
::&#039;&#039;der werlde, in die mîn herze siht.&#039;&#039; (V. 41-49)&lt;br /&gt;
::Wenn ich meine Zeit unnütz vertrödelte,/obwohl ich doch reif bin zum Leben,/dann wäre ich in dieser Welt/noch so sehr ein Teil der Gesellschaft, wie ich es tatsächlich bin./Ich habe mir eine Aufgabe vorgenommen-/zum Nutzen der Welt/und zur Freude edler Herzen,/jener Herzen, für die mein Herz schlägt,/und jener Welt, in die mein Herz blickt.&amp;lt;ref&amp;gt;Übersetzung nach [Krohn 1980]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Akrostichon=== &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die ersten Strophen weisen außerdem hervorgehobene Initialen auf. Sie bilden das Akrostichon DIETERICH&amp;lt;ref&amp;gt;Vermutlich ein Hinweis auf den Auftraggeber des Werkes siehe dazu [[Das Kryptogramm im Tristan|den Artikel zum Kryptogramm im Tristan]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und den Auftakt zu einem, den ganzen Roman durchziehenden [[Das Kryptogramm im Tristan|Kryptogramm]]. Im weiteren Verlauf des Romans tauchen immer wieder solche Initialen auf, die in einem verschachtelten System weitere Namen, etwa den des Autors Gotefrid, darstellen.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. etwa: [Fourquet 1973]; [Schirok 1984]; [Huber 2000: 27ff.];.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Wortwiederholungen und Paradoxien===&lt;br /&gt;
Auffallend sind zudem die Häufungen von bestimmten Wörtern in einzelnen Teilen des Prologes, etwa &#039;&#039;[[gout]]&#039;&#039; zu Beginn, in der Mitte &#039;&#039;[[sene]]&#039;&#039; und am Ende &#039;&#039;[[leben]]&#039;&#039;.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. dazu: [Schöne 1973: 152ff.]; Zur Bedeutung von &#039;&#039;gout&#039;&#039; vgl. etwa: [Peschel 1976: 28-3; 46-49]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem finden sich eine Vielzahl an Paradoxien im Prolog. So stellt Gottfried im letzten Teil Leben und Tod gegeneinander: Die [[Begriff der &amp;quot;edelen herzen&amp;quot; (Gottfried von Straßburg, Tristan)]] leben und sind gleichzeitig tot, wobei ihr Tod den Lebenden hilft zu leben. (V. 239f.)&lt;br /&gt;
Weitere Paare sind etwa &#039;&#039;liebe/leit&#039;&#039; (V. 62f.) und &#039;&#039;wunne/clage&#039;&#039; (V. 213).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsüberblick==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wie bereits erwähnt, gehört der Prolog zu den meistdiskutierten Stellen im Tristanroman.&lt;br /&gt;
So haben unter anderem die Verse elf und zwölf sowie die Interpretation der Bedeutung von &#039;[[Begriff der &amp;quot;edelen herzen&amp;quot;|edlen herzen]]&#039;&#039; &#039;&#039;(47)&#039;&#039; eine eigene Forschunsgeschichte.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Versen elf und zwölf vgl. etwa: [Quint 1966: 71ff.];[Winkelmann 1980: 244ff.]. Zur Definition der &#039;&#039;edelen herzen&#039;&#039; vgl. etwa die umfangreiche Problematisierung in [Krohn 2008: 25ff]; Auch: [Mazzadi 2000: 66ff.].&amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Generell lassen sich in der Forschungsmeinungen vier Richtungen ausmachen:&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu die Erläuterungen von: [Keck 1998: 186ff.]&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Während etwa Arthur Hatto[Hatto 1976] der Ansicht ist, zumindest der strophische Prolog habe überhaupt keine Aussage, erkennt Albrecht Schöne[Schöne 1973] im dem Textstück vor allem ethnische-, Helmut Brinkman [Brinkmann 1966]wirkungsästhetischen Inhalte. Eine vierte Gruppe wiederrum sucht einen Deutungs-Mittelweg. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit== &lt;br /&gt;
Der Prolog ist der eindrucksvolle Auftakt des &amp;quot;Tristan&amp;quot;. Er ist deshalb von Bedeutung, weil Gottfried hier Grundzüge seiner Philosophie anklingen lässt und dem Leser hilft, seinen Roman besser zu verstehen. In seiner kunstvollen Gestaltung bietet der Prolog außerdem einen Einblick in die folgende Geschichte sowie die Grundlage für das &lt;br /&gt;
[[Das Kryptogramm im Tristan Das Kryptogramm (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Kryptogramm.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
*[*Brinkmann 1966] Brinkmann, Hennig: &#039;&#039;Der Prolog im Mittelalter als literarische Erscheinung,&#039;&#039; in: &#039;&#039;Studien zur Geschichte der deutschen Sprache und Literatur Bd.2,&#039;&#039; Düsseldorf 1966, S. 79-105.&lt;br /&gt;
* [*Fourquet 1973] Fourquet, Jean: &#039;&#039;Das Kryptogramm des „Tristan“ und der Aufbau des Epos,&#039;&#039; in: &#039;&#039;Gottfried von Straßburg,&#039;&#039; hg von Alois Wolf, Darmstadt 1973 (WdF, 320), S. 362-370.&lt;br /&gt;
*[*Hatto 1976] Hatto, Arthur: &#039;&#039;Instruction,&#039;&#039; in, Gottfried. Tristan, in: hg. von Hatto, Arthur Harmondsworth 1976, S. 1-35. &lt;br /&gt;
*[*Huber 2000] Huber, Christoph: &#039;&#039;Gottfried von Straßburg. Tristan und Isolde. Eine Einführung,&#039;&#039; Berlin 2000. &lt;br /&gt;
*[*Keck 1998] Keck, Anna: &#039;&#039;Die Liebeskonzeption der mittelalterlichen Tristanromane. Zur Erzähllogik der Werke Bérouls, Eilharts, Thomas‘ und Gottfrieds,&#039;&#039; München 1998 (Beihefte zur Poetica, 22).&lt;br /&gt;
*[*Krohn 1980] Gottfried von Straßburg: &#039;&#039;Tristan. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch,  nach dem Text von Friedrich Ranke neu  hg., ins Neuhochdeutsche übers.,  mit einem Stellenkommentar und einem  Nachwort von Rüdiger Krohn, Band  1-3,&#039;&#039; Stuttgart 1980.&lt;br /&gt;
* [*Krohn 2008] Krohn, Rüdiger: &#039;&#039;Kommentar zu Gottfried von Straßburg: Tristan. Band 3,&#039;&#039; Stuttgart 2008.&lt;br /&gt;
*[*Mazzadi 2000] Mazzadi, Patrizia: &#039;&#039;Autorreflexion zur Rezeption: Prolog und Exkurse in Goffrieds “Tristan“,&#039;&#039; Trieste 2000 (Quaderni di Hesperides. Serie Saggi  2). &lt;br /&gt;
* [*Peschel 1976] Peschel, Gerd-Dietmar: &#039;&#039;Prolog Programm und Fragment-Schluß in Gofrits Tristanroman,&#039;&#039; Erlangen 1976 (Erlanger Studien, 9). &lt;br /&gt;
* [*Quint 1966] Quint, Josef: &#039;&#039;Ein Beitrag zur Textinterpretation von Gottfrieds Tristan und Wolframs Parzival. I. Zu Tristan v. 11-12. II: Der Gralstein in Wolframs Parzival und der Paradiesstein im Strassburger Alexander,&#039;&#039; in: &#039;&#039;Festschrift Helmut de Boor zum 75. Geburtstag am 24. März 1966,&#039;&#039; Tübingen 1966, S. 71-91.&lt;br /&gt;
* [*Schirok 1984] Schirok, Bernd: &#039;&#039;Zu den Akrosticha in Gottfrieds Tristan. Versuch einer kritischen und weiterführenden Bestandsaufnahme,&#039;&#039; in: &#039;&#039;ZdA&#039;&#039;, in: 113 (1984), S. 188-213. &lt;br /&gt;
*[*Schöne 1973] Schöne, Albrecht: &#039;&#039;Zu Gottfrieds Tristan-Prolog&#039;&#039;, in: &#039;&#039;Gottfried von Straßburg,&#039;&#039; hg, von Alois Wolf, Darmstadt 1973 (WdF, 320), S. 147 -181. &lt;br /&gt;
*[*Winkelmann 1980]Winkelmann, J.H.: &#039;&#039;„Das ist des lützelen ze vil“. Zur Erkenntnisproblematik in Gottfrieds Tristanroman,&#039;&#039; in: Neophil., in: 64 (1980), S. 244-261.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Szenen]] [[Kategorie:Gottfried von Straßburg]] [[Kategorie:Tristan]] [[Kategorie: Intertextuelle Bezüge]] [[Kategorie: Intratextuelle Bezüge]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Doppelwegstruktur&amp;diff=25078</id>
		<title>Doppelwegstruktur</title>
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		<updated>2018-07-03T11:59:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Prinzip des doppelten Weges */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Doppelweg gilt als das wesentliche Strukturmerkmal des &#039;&#039;&#039;Artusromans&#039;&#039;&#039;. Durch ihn erhält die literarische Gattung ihre Sinnstruktur. Vorallem beim &#039;Erec&#039;, &#039;Iwein&#039; und beim &#039;Parzival&#039; von Wolfram von Eschenbach ist dieses Strukturalement vorzufinden. Die Form wurde von Kuhn anhand von &#039;Erec&#039; entdeckt, er dient daher „als Musterbeispiel für den Artusroman“&amp;lt;ref&amp;gt;Schmid, Elisabeth (1999): Weg mit dem Doppelweg. Wider eine Selbstverständlichkeit der germanistischen Forschung. In: Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze, hrsg. Wolfzettel, Friedrich, Tübingen: Niemeyer. S.69.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Der Ritter muss seine Fehler, die er beim ersten Abenteuerweg begangen hat und die zu seinem Scheitern führten, beim zweiten Mal korrigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff: ==&lt;br /&gt;
Der Begriff Doppelweg ist von Hans Fromm geprägt, der 1969 den definitorischen Zusammenhang der Artusromane feststellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch heute wird Hartmann von Aue als der Erfinder des Doppelwegs bezeichnet, obwohl sich dieses Merkmal in ihren Grundzügen schon in den französischen Fassungen von Chrétien finden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prinzip des doppelten Weges ==&lt;br /&gt;
Die Doppelwegstruktur „beschreibt die Makrostruktur des Textes als zweiteilige (Doppelweg), wobei der zweite Teil der Handlung in sich erneut eine klare Zweiteilung aufweist (doppelter Kursus), deren Achse (Zwischeneinkehr) die Hälfte als parallel zueinander angeordnet kenntlich macht.“&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfzettel, Friederich (1999): Doppelweg und Biographie. In: Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze, hrsg. Wolfzettel, Friedrich, Tübingen: Niemeyer. S.119.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ritter, die an Artus&#039; Tafelrunde teilnehmen dürfen, haben sich durch großen Mut und Ehrenhaftigkeit in einem Abenteuer persönlich bewährt.                                                                                                    [[Datei:Artus Tafelrunde.jpg|thumb|Artus und seine Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer dieser Helden gerät durch einen Konflikt in eine Krise und ist nicht mehr berechtigt, an der Runde teilzunehmen. Er wird vom Artushof verstoßen und begibt sich freiwillig auf die Suche nach Aventiuren([[Aventiure_(Hartmann_von_Aue,_Iwein)|Aventiure]]). Diese sind für ihn vorbestimmt und nach einer bestimmten Reigenfolge von ihm zu bestehen.&lt;br /&gt;
Diese Bewährungsproben zielen darauf ab, dass sich der Ritter durch &#039;&#039;&#039;Hilfsbereitschaft&#039;&#039;&#039; und seinen &#039;&#039;&#039;Dienst an der Gesellschaft&#039;&#039;&#039; bewährt.&lt;br /&gt;
Nur so kann er sich rehabilitieren und seinen Platz in der Gesellschaft finden.&lt;br /&gt;
Hat er dies geschafft, gewinnt er auch &amp;quot;hant und lant&amp;quot;, also seine Frau und seine Besitztümer zurück. Er darf nun auch an den Artushof zurückkehren und für immer dort bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulz sagt ähnliches über den Doppelweg: &#039;&#039;Zu Beginn gewinnt der Agent durch seine erste Aventüre eine Frau, mit der er Minne eingeht. Der Ritter zerstört das Gleichgewicht von Minne und Rittertum. Sein Verfehlen wird in der ersten Aventüre aufgezeigt, da er entweder der Minne oder dem Rittertum zu sehr zugeneigt ist. Die Folge ist eine Krise. Bei einer zweiten Aventürefahrt muss sich der Held beweisen. Wobei die letzte Aventüre besonders das Verfehlen der ersten Aventüre aufgreift. Durch das Bestehen der letzten Aventüre wird der Lernprozess des Helden deutlich. Am Ende bleibt das Glück bestehen.Ebenso ist die Steigerung ein signifikantes Merkmal von dem Doppelweg.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schluz, Armin (2012): Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin: de Gruyter. S.241-244.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings bleibt zu sagen, dass die Doppelwegstruktur keine einheitliche Strukturform darstellt. Zum Beispiel Wolfzettel wirft ein: „Der schon von Zeitgenossen Chrétiens und Nachfolgern offensichtlich als Strukturformel begriffene Doppelweg stellt auch bei Chrétien keineswegs ein festes &amp;gt;typisch arthurisches&amp;lt; Schema dar, sondern erscheint eher als eine mögliche und signifikant allgemeinere Handlungsdoppelung. Die nachfolgenden Autoren spielten mit diesem Vorbild, variierten es, ignorierten es oder ebneten es ein.“ *[*Wolfzettel 1999:S.140]&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Doppelwegstruktur&amp;diff=25077</id>
		<title>Doppelwegstruktur</title>
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		<updated>2018-07-03T11:58:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Zum Begriff: */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Doppelweg gilt als das wesentliche Strukturmerkmal des &#039;&#039;&#039;Artusromans&#039;&#039;&#039;. Durch ihn erhält die literarische Gattung ihre Sinnstruktur. Vorallem beim &#039;Erec&#039;, &#039;Iwein&#039; und beim &#039;Parzival&#039; von Wolfram von Eschenbach ist dieses Strukturalement vorzufinden. Die Form wurde von Kuhn anhand von &#039;Erec&#039; entdeckt, er dient daher „als Musterbeispiel für den Artusroman“&amp;lt;ref&amp;gt;Schmid, Elisabeth (1999): Weg mit dem Doppelweg. Wider eine Selbstverständlichkeit der germanistischen Forschung. In: Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze, hrsg. Wolfzettel, Friedrich, Tübingen: Niemeyer. S.69.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Der Ritter muss seine Fehler, die er beim ersten Abenteuerweg begangen hat und die zu seinem Scheitern führten, beim zweiten Mal korrigieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zum Begriff: ==&lt;br /&gt;
Der Begriff Doppelweg ist von Hans Fromm geprägt, der 1969 den definitorischen Zusammenhang der Artusromane feststellte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Noch heute wird Hartmann von Aue als der Erfinder des Doppelwegs bezeichnet, obwohl sich dieses Merkmal in ihren Grundzügen schon in den französischen Fassungen von Chrétien finden lässt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Prinzip des doppelten Weges ==&lt;br /&gt;
Die Doppelwegstruktur „beschreibt die Makrostruktur des Textes als zweiteilige (Doppelweg), wobei der zweite Teil der Handlung in sich erneut eine klare Zweiteilung aufweist (doppelter Kursus), deren Achse (Zwischeneinkehr) die Hälfte als parallel zueinander angeordnet kenntlich macht.“&amp;lt;ref&amp;gt;Wolfzettel, Friederich (1999): Doppelweg und Biographie. In: Erzählstrukturen der Artusliteratur. Forschungsgeschichte und neue Ansätze, hrsg. Wolfzettel, Friedrich, Tübingen: Niemeyer. S.119.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ritter, die an Artus&#039; Tafelrunde teilnehmen dürfen, haben sich durch großen Mut und Ehrenhaftigkeit in einem Abenteuer persönlich bewährt.                                                                                                    [[Datei:Artus Tafelrunde.jpg|thumb|Artus und seine Tafelrunde]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einer dieser Helden gerät durch einen Konflikt in eine Krise und ist nicht mehr berechtigt, an der Runde teilzunehmen. Er wird vom Artushof verstoßen und begibt sich freiwillig auf die Suche nach Aventiuren([[Aventiure_(Hartmann_von_Aue,_Iwein)|Aventiure]]). Diese sind für ihn vorbestimmt und nach einer bestimmten Reigenfolge von ihm zu bestehen.&lt;br /&gt;
Diese Bewährungsproben zielen darauf ab, dass sich der Ritter durch &#039;&#039;&#039;Hilfsbereitschaft&#039;&#039;&#039; und seinen &#039;&#039;&#039;Dienst an der Gesellschaft&#039;&#039;&#039; bewährt.&lt;br /&gt;
Nur so kann er sich rehabilitieren und seinen Platz in der Gesellschaft finden.&lt;br /&gt;
Hat er dies geschafft, gewinnt er auch &amp;quot;hant und lant&amp;quot;, also seine Frau und seine Besitztümer zurück. Er darf auch nun an den Artushof zurückkehren und für immer dort bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schulz sagt ähnliches über den Doppelweg: &#039;&#039;Zu Beginn gewinnt der Agent durch seine erste Aventüre eine Frau, mit der er Minne eingeht. Der Ritter zerstört das Gleichgewicht von Minne und Rittertum. Sein Verfehlen wird in der ersten Aventüre aufgezeigt, da er entweder der Minne oder dem Rittertum zu sehr zugeneigt ist. Die Folge ist eine Krise. Bei einer zweiten Aventürefahrt muss sich der Held beweisen. Wobei die letzte Aventüre besonders das Verfehlen der ersten Aventüre aufgreift. Durch das Bestehen der letzten Aventüre wird der Lernprozess des Helden deutlich. Am Ende bleibt das Glück bestehen.Ebenso ist die Steigerung ein signifikantes Merkmal von dem Doppelweg.&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Schluz, Armin (2012): Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin: de Gruyter. S.241-244.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Allerdings bleibt zu sagen, dass die Doppelwegstruktur keine einheitliche Strukturform darstellt. Zum Beispiel Wolfzettel wirft ein: „Der schon von Zeitgenossen Chrétiens und Nachfolgern offensichtlich als Strukturformel begriffene Doppelweg stellt auch bei Chrétien keineswegs ein festes &amp;gt;typisch arthurisches&amp;lt; Schema dar, sondern erscheint eher als eine mögliche und signifikant allgemeinere Handlungsdoppelung. Die nachfolgenden Autoren spielten mit diesem Vorbild, variierten es, ignorierten es oder ebneten es ein.“ *[*Wolfzettel 1999:S.140]&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_mittelalterliche_St%C3%A4ndeordnung&amp;diff=25076</id>
		<title>Die mittelalterliche Ständeordnung</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_mittelalterliche_St%C3%A4ndeordnung&amp;diff=25076"/>
		<updated>2018-07-03T11:57:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Die historische Realität */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Begriff &amp;quot;Ständeordnung&amp;quot; beschreibt die gesellschaftliche Ordnung von Menschen nach Ständen bzw. dem Prinzip der Stratifikation. Es existierte im Mittelalter zunächst keine einheitliche Bezeichnung für nhd. &#039;&#039;Stand&#039;&#039;. Stattdessen waren die lateinischen Wörter &#039;&#039;status&#039;&#039;, &#039;&#039;ordo&#039;&#039;, &#039;&#039;corpus&#039;&#039;, &#039;&#039;conditio&#039;&#039; und &#039;&#039;gradus&#039;&#039;, sowie in deutschsprachigen Texten die Wörter &#039;&#039;name&#039;&#039;, &#039;&#039;leben&#039;&#039;, &#039;&#039;ê&#039;&#039;, &#039;&#039;reht&#039;&#039;, &#039;&#039;orden&#039;&#039;, &#039;&#039;art&#039;&#039; und &#039;&#039;ambet&#039;&#039; gebräuchlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird angenommen, dass mhd. &#039;&#039;stant&#039;&#039; erst im 14. Jhdt. entstanden ist und erst im 15. Jhdt. für die Ständeordnung in den Ländern verwendet wurde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Thematisierung der Ständeordnung in der mittelalterlichen Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Kleriker, Ritter, Bauer.jpg|200px|left|thumb|Kleriker, Ritter und Bauer.&lt;br /&gt;
(Cleric, Knight, and Workman). British Library, Man.-Nr. Sloane 2435 f.85, ca. 14./15. Jh.]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;In driu geteilet waren&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;von erst die liute, als ich las:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;buman, ritter und pfaffen.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;ieslich nâch sîner mâze was&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;gelich an adel und an art&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;dem andern ie&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;. [...]&#039;&#039; (Frauenlob/ Heinrich von Meissen, VII, 22, 1-6)&#039;&#039; &amp;lt;ref&amp;gt;Conzelmann, Jochen/ Redzich, Carola: Textkompendium zur Einführung in die mittelalterliche Literatur, 4. Aufl., Freiburg i. Br. 2007, S. 17.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Übersetzung: Von Anfang an waren die Menschen in drei Gruppen geteilt, wie ich gelesen habe: Bauern, Ritter und Geistliche. Sie waren, jeder auf seine Art und Weise, einander immer gleich an Adel und Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was heute als mangelnde soziale Gleichheit kritisiert würde, wurde im Mittelalter ganz anders aufgefasst: auf die Gleichheit der Stände wird in der Textpassage explizit hingewiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das nebenstehende Bild soll diese mittelalterliche Betrachtungsweise illustrieren: Geistlicher, Ritter und Bauer stehen hier auf einer Stufe, wenngleich die den Bauernstand repräsentierende Person etwas abseits steht und nicht in das Gespräch eingebunden ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;Got&#039;&#039;&#039; hât driu leben geschaffen:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;gebûre, ritter unde pfaffen; [...]&#039;&#039; (Freidank, &#039;&#039;Bescheidenheit&#039;&#039;, 27, 1-2) &amp;lt;ref&amp;gt;Bumke, Joachim: Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 12. Aufl., dtv München 2008, S. 39.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Übersetzung: Gott hat drei Stände erschaffen: Bauern, Ritter und Geistliche.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Freidank weist hier auf die religiöse Dimension hin: Die mittelalterliche Ständeordnung wurde als eine von Gott gegebene Ordnung verstanden und der Versuch eines Heraustretens aus dieser Ordnung dementsprechend als Sünde bestraft.&lt;br /&gt;
Seit dem 10. Jhdt. bestand diese Vorstellung der von Gott durchgeführten Gruppierung der Menschen entsprechend ihrer jeweiligen Tätigkeiten:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Beten (&amp;quot;Tu supplex ora&amp;quot;) --&amp;gt; Kleriker&lt;br /&gt;
* Schützen (&amp;quot;Tu protege&amp;quot;) --&amp;gt; Adlige&lt;br /&gt;
* Arbeiten/ Feld bestellen (&amp;quot;Tuque labora&amp;quot;) --&amp;gt; Bauern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die historische Realität==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heinrichs von Meissen Vorstellung von der Gleichheit der Stände kann der Realtät nicht standhalten. Es sei denn man legt zugrunde, dass von Meissen von der Gleichheit der Menschen innerhalb eines Standes sprach. Eine Gleichheit über die Standesgrenzen hinweg war jedenfalls nicht gewährleistet: Vielmehr war das Verhältnis von Herrschenden (Freie, lat. &#039;&#039;potentes&#039;&#039;) und Dienenden (Unfreie, lat. &#039;&#039;pauperes&#039;&#039;) von &#039;&#039;&#039;massiver sozialer Ungleichheit hinsichtlich rechtlicher und materieller Aspekte&#039;&#039;&#039; geprägt, was von Heinrich von Meissen idealisiert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Hugo von Trimbergs &#039;&#039;Der Renner&#039;&#039; (1300) jedoch erheben Bauern ihre kritische Stimme und stellen die vorhandene Situation in Frage:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...] &#039;&#039;&#039;wie gefüeget sich daz&#039;&#039;&#039;&#039;&#039;, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;[...]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;Sint ein liute eigen, die andern frî?&#039;&#039; (V. 1323-26)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:Übersetzung: Wie passt das zusammen, dass die einen Leute unfrei und die anderen frei sind?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folglich kann die gesellschaftliche Situation durch die Dichotomie Ideal vs. Wirklichkeit, sowie Literatur vs. Realität beschrieben werden, das heißt es herrschte ein &#039;&#039;&#039;Spannungsfeld&#039;&#039;&#039; von realer Alltagswelt&lt;br /&gt;
und utopischen Bildern/ Entwürfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zitatnachweise, Literatur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Höfische Kultur: Literatur und Gesellschaft im hohen Mittelalter, 12. Aufl., dtv München 2008.&lt;br /&gt;
* Weddige, Hilkert: Einführung in die germanistische Mediävistik, 7. Aufl., C.H.Beck München 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25075</id>
		<title>Die Entführung (Gottfried von Straßburg, Tristan)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25075"/>
		<updated>2018-07-03T11:53:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Reiz und Gefahr */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; ist zu Beginn des Tristanromans von Gottfried von Straßburg einzuordnen. In diesem Abschnitt wird Tristan von  seiner Heimat [[Parmenien (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Parmenien ]] entführt und mit seinem dramatischen Schicksal konfrontiert. Zentral in diesem Kapitel ist die Entführung, die die Handlung voran treibt. Außerdem werden grundlegende Motive des Tristanromans vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf und Deutung== &lt;br /&gt;
Direkt zu Beginn des Kapitels legen Norweger mit einem Handelsschiff im Hafen von [[landen in :: Kanoel]] an. So heißt es über das Handelsschiff:&#039;&#039;...kam ez von aventiure also,daz von norwaege über se ein koufschif.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Handelschiff wird der Begriff  [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiure ]] herangeführt. &#039;&#039;Von aventiure&#039;&#039; verdeutlicht die Zufälligkeit, mit der das Schicksal in das Leben von Tristan tritt. &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Barandun, Anina: Die Tristan-Trigonometrie des Gottfried von Straßburg.Zwei Liebende und ein Dritter.Tübingen:Narr Francke Attempo Verlag, 2009.S.50.Zitiert als Barandun.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Schiff weckt sofort die Neugierde von Tristans Brüdern. Diese bitten den Vater, das Schiff betreten zu dürfen. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass es nicht Tristans eigener Wille ist, das Schiff der [[Norweger (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Norweger ]] zu betreten. Mit dem Drängen und Betteln der Brüder kommt das Motiv der [[Dreierkonstellation (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Dreierkonstellation ]] auf.&lt;br /&gt;
Durch Dritte wird Tristan somit in sein Unglück gestürzt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun. S.51&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor selbst weißt darauf hin, dass Tristan durch das Betreten des Schiffes in sein Unglück gestürzt wird:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;hier under kamen maere Tristande z undeheile&#039;&#039; (V. 2165)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schachbrett fesselt die Aufmerksamkeit Tristans: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;von aventiure ez do geschach, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;daz Tristan in dem schiffe ersach ein schachzabelhangen&#039;&#039; (V. 2210 ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum zweiten Mal in diesem Kapitel tritt der Schlüsselbegriff &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; auf. &lt;br /&gt;
Wiederum ist es also ein [[Zufall (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Zufall ]], der zu der tragischen Wende der Handlung führt. &lt;br /&gt;
Der Protagonist gerät rein zufällig in sein tragisches Schicksal und wird gezwungen, Mittel und Wege zu finden, damit fertig zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hollandt Gisela: Die Hauptgestalten in Gottfrieds Tristan. Wesenzüge - Handlungsfunktion - Motiv der List.Berlin 1966.S 82. Zitiert als Hollandt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung wird klar, dass Tristans höfische Bildung, auf die sein Adoptivvater besonderen Wert legte, ihm zum Verhängnis wird. &lt;br /&gt;
Die Norweger, die eigentlich im Guten kamen, erliegen seiner Ausstrahlung und seinem Auftreten. Er betört sie geradezu zu mit seinen Künsten, beeindruckt sie mit seinen Fremdsprachenkenntnissen, seinem Fachwissen und seinen gesanglichen Fähigkeiten. Somit ist Tristan letztendlich „unschuldig mitverantwortlich“ &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun S51.&amp;lt;/ref&amp;gt; an seiner Entführung. &lt;br /&gt;
Er kann zwar nichts für seine überdurchschnittliche Bildung und seine höfischen Umgangsformen, jedoch provoziert er die Norweger auch in gewisser Weise damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Cornwall ausgesetzt, zeigt Tristan zwar Angst und fürchtet sich, dennoch beweißt er ein erstaunliches Maß an Reflexivität. Er nimmt sein Schicksal an, akzeptiert es als ihm gegeben und versucht Lösungen für seine neue Situation zu finden. Zweimal betet er zu Gott und äußert in seinem zweiten Gebet seine größte Qual: Er sorgt sich um die Daheimgebliebenen,&lt;br /&gt;
ihren Kummer und ihre Ungewissheit über ihn&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hollandt S.83.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und alle die mir gunden gelückes unde guotes, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;die sint nu swaeres muotes und seretruric umbe mich.&#039;&#039;(V. 2600ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tristans Lügengeschichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Begegnung der [[Pilger]] und der [[Tristan lügt gegenüber dem :: Jäger]] kommt Tristans Lügengeschichte auf (Siehe dazu den Artikel : [[List (Gottfried von Straßburg, Tristan)|List ]] ). Das erste Mal im Roman lügt [[lügt:: Tristan]] aufgrund von Eigenschutz und legt damit ein erstaunliches Improvisationstalent an den Tag.&lt;br /&gt;
Er weiß sich zu präsentieren und seine Herkunft geschickt zu verbergen. Auffällig ist auch, dass er besonders im Umgang mit den Jägern als Lehrender auftritt und nicht als Lernender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Auftreten ist dominant und selbstbewusst, bei dem Erlegen des Hirsches erklärt er seine Vorgehensweise und beeindruckt die Jäger. Auch hier wird deutlich: Die Nebenfiguren können sich der Wirkung Tristans nicht entziehen. Doch er beweißt ein gutes Gespür für die Situationen, in denen er sich befindet. Um seine Lügengeschichte stimmig wirken zu lassen, entwickelt er sogar eine Erklärung für seine vornehme Kleidung, indem er die Geschichte erzählt, er sei der Sohn eines Kaufmannes.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ebd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S 52.-S53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist der Erzählereinschnitt Gottfrieds. Anscheinend ist der Dichter gegenüber Tristans Lügengeschichten und seinem damit verbundenem Geschick positiv eingestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;tristan der hovebaere der war mit rede also gewar&#039;&#039; [...](V. 2733)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;er haete sine maze &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;an rede und an gelaze so wol&#039;&#039; [...](V. 2740ff)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Mit der Lügengeschichte wird verdeutlicht, dass sich Tristan seiner Anziehungskraft, die er ausstrahlt, bewusst ist und deswegen weiß, wie er auf die Pilger wirkt. Seine Wirkung und sein Auftreten, welches ihm bei den Händlern aus Norwegen zur Gefahr wurde, weiß er nun richtig einzusetzen. &lt;br /&gt;
Das Motiv des Schicksals, das gerade in dem Kapitel „Die Entführung“ ein wichtiger Aspekt ist, wird somit von einer interessanten Seite beleuchtet. Zwar kann sich Tristan der höheren Gewalt nicht entziehen und ist seinem Schicksal ausgeliefert, jedoch ist ihm ein Talent eigen, mit diesen schwierigen Situationen umzugehen. Mit seinen Lügen gelingt es ihm, die Richtung der Handlung zu lenken und seine eigenen Ziele durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Ebd. S 87&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reiz und Gefahr==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Motiv des Reizes und der Gefährdung ist in diesem Kapitel ein wichtiger Aspekt. Deutlicht wird, dass die höfischen Eigenschaften, die bei Tristan sehr ausgeprägt vorhanden sind, gerade durch ihre Reizhaftigkeit zur Gefahr werden. Tristan muss lernen, sie richtig einzusetzen. Zudem ist auch der Reiz des Schachbrettes der Norweger eine Gefährdung für Tristan.&lt;br /&gt;
Reiz und Gefährdung sind im Tristanroman eng miteinander verbunden und ein Teil der höfischen Welt.&lt;br /&gt;
Sein Reiz jedoch wirkt sich letztendlich positiv für ihn aus, was besonders bei der Begegnung mit den Pilgern deutlich wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;siniu cleider ,diu er an truoc,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;diu gemarcten si genuoc,durch daz si waren sere rich&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und an gewürhte wunderlich.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und sprachen in ir muote :&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;a Herre got der guote&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;wer oder wannen ist diz kint&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;des site o rehte schoene sint?&#039;&#039; (V. 2748ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; wird die Handlung des Romans ausschlaggebend vorangetrieben. &lt;br /&gt;
Fortuna spielt hier eine sehr wichtige Rolle und es wird deutlich, durch was für eine Zufälligkeit die Schicksalhaftigkeit in Tristans Leben tritt. Seine höfischen Eigenschaften werden ihm zur Gefahr, da er durch seine ungewöhnlichen Begabungen einen sehr verlockenden Reiz darstellt. &lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Geschehens jedoch gelingt es ihm, mit Hilfe seiner Lügengeschichten seine Reizhaftigkeit richtig einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gottfried von Straßburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tristan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25074</id>
		<title>Die Entführung (Gottfried von Straßburg, Tristan)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25074"/>
		<updated>2018-07-03T11:52:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Tristans Lügengeschichten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; ist zu Beginn des Tristanromans von Gottfried von Straßburg einzuordnen. In diesem Abschnitt wird Tristan von  seiner Heimat [[Parmenien (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Parmenien ]] entführt und mit seinem dramatischen Schicksal konfrontiert. Zentral in diesem Kapitel ist die Entführung, die die Handlung voran treibt. Außerdem werden grundlegende Motive des Tristanromans vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf und Deutung== &lt;br /&gt;
Direkt zu Beginn des Kapitels legen Norweger mit einem Handelsschiff im Hafen von [[landen in :: Kanoel]] an. So heißt es über das Handelsschiff:&#039;&#039;...kam ez von aventiure also,daz von norwaege über se ein koufschif.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Handelschiff wird der Begriff  [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiure ]] herangeführt. &#039;&#039;Von aventiure&#039;&#039; verdeutlicht die Zufälligkeit, mit der das Schicksal in das Leben von Tristan tritt. &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Barandun, Anina: Die Tristan-Trigonometrie des Gottfried von Straßburg.Zwei Liebende und ein Dritter.Tübingen:Narr Francke Attempo Verlag, 2009.S.50.Zitiert als Barandun.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Schiff weckt sofort die Neugierde von Tristans Brüdern. Diese bitten den Vater, das Schiff betreten zu dürfen. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass es nicht Tristans eigener Wille ist, das Schiff der [[Norweger (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Norweger ]] zu betreten. Mit dem Drängen und Betteln der Brüder kommt das Motiv der [[Dreierkonstellation (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Dreierkonstellation ]] auf.&lt;br /&gt;
Durch Dritte wird Tristan somit in sein Unglück gestürzt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun. S.51&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor selbst weißt darauf hin, dass Tristan durch das Betreten des Schiffes in sein Unglück gestürzt wird:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;hier under kamen maere Tristande z undeheile&#039;&#039; (V. 2165)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schachbrett fesselt die Aufmerksamkeit Tristans: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;von aventiure ez do geschach, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;daz Tristan in dem schiffe ersach ein schachzabelhangen&#039;&#039; (V. 2210 ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum zweiten Mal in diesem Kapitel tritt der Schlüsselbegriff &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; auf. &lt;br /&gt;
Wiederum ist es also ein [[Zufall (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Zufall ]], der zu der tragischen Wende der Handlung führt. &lt;br /&gt;
Der Protagonist gerät rein zufällig in sein tragisches Schicksal und wird gezwungen, Mittel und Wege zu finden, damit fertig zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hollandt Gisela: Die Hauptgestalten in Gottfrieds Tristan. Wesenzüge - Handlungsfunktion - Motiv der List.Berlin 1966.S 82. Zitiert als Hollandt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung wird klar, dass Tristans höfische Bildung, auf die sein Adoptivvater besonderen Wert legte, ihm zum Verhängnis wird. &lt;br /&gt;
Die Norweger, die eigentlich im Guten kamen, erliegen seiner Ausstrahlung und seinem Auftreten. Er betört sie geradezu zu mit seinen Künsten, beeindruckt sie mit seinen Fremdsprachenkenntnissen, seinem Fachwissen und seinen gesanglichen Fähigkeiten. Somit ist Tristan letztendlich „unschuldig mitverantwortlich“ &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun S51.&amp;lt;/ref&amp;gt; an seiner Entführung. &lt;br /&gt;
Er kann zwar nichts für seine überdurchschnittliche Bildung und seine höfischen Umgangsformen, jedoch provoziert er die Norweger auch in gewisser Weise damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Cornwall ausgesetzt, zeigt Tristan zwar Angst und fürchtet sich, dennoch beweißt er ein erstaunliches Maß an Reflexivität. Er nimmt sein Schicksal an, akzeptiert es als ihm gegeben und versucht Lösungen für seine neue Situation zu finden. Zweimal betet er zu Gott und äußert in seinem zweiten Gebet seine größte Qual: Er sorgt sich um die Daheimgebliebenen,&lt;br /&gt;
ihren Kummer und ihre Ungewissheit über ihn&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hollandt S.83.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und alle die mir gunden gelückes unde guotes, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;die sint nu swaeres muotes und seretruric umbe mich.&#039;&#039;(V. 2600ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tristans Lügengeschichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Begegnung der [[Pilger]] und der [[Tristan lügt gegenüber dem :: Jäger]] kommt Tristans Lügengeschichte auf (Siehe dazu den Artikel : [[List (Gottfried von Straßburg, Tristan)|List ]] ). Das erste Mal im Roman lügt [[lügt:: Tristan]] aufgrund von Eigenschutz und legt damit ein erstaunliches Improvisationstalent an den Tag.&lt;br /&gt;
Er weiß sich zu präsentieren und seine Herkunft geschickt zu verbergen. Auffällig ist auch, dass er besonders im Umgang mit den Jägern als Lehrender auftritt und nicht als Lernender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Auftreten ist dominant und selbstbewusst, bei dem Erlegen des Hirsches erklärt er seine Vorgehensweise und beeindruckt die Jäger. Auch hier wird deutlich: Die Nebenfiguren können sich der Wirkung Tristans nicht entziehen. Doch er beweißt ein gutes Gespür für die Situationen, in denen er sich befindet. Um seine Lügengeschichte stimmig wirken zu lassen, entwickelt er sogar eine Erklärung für seine vornehme Kleidung, indem er die Geschichte erzählt, er sei der Sohn eines Kaufmannes.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ebd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S 52.-S53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist der Erzählereinschnitt Gottfrieds. Anscheinend ist der Dichter gegenüber Tristans Lügengeschichten und seinem damit verbundenem Geschick positiv eingestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;tristan der hovebaere der war mit rede also gewar&#039;&#039; [...](V. 2733)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;er haete sine maze &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;an rede und an gelaze so wol&#039;&#039; [...](V. 2740ff)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Mit der Lügengeschichte wird verdeutlicht, dass sich Tristan seiner Anziehungskraft, die er ausstrahlt, bewusst ist und deswegen weiß, wie er auf die Pilger wirkt. Seine Wirkung und sein Auftreten, welches ihm bei den Händlern aus Norwegen zur Gefahr wurde, weiß er nun richtig einzusetzen. &lt;br /&gt;
Das Motiv des Schicksals, das gerade in dem Kapitel „Die Entführung“ ein wichtiger Aspekt ist, wird somit von einer interessanten Seite beleuchtet. Zwar kann sich Tristan der höheren Gewalt nicht entziehen und ist seinem Schicksal ausgeliefert, jedoch ist ihm ein Talent eigen, mit diesen schwierigen Situationen umzugehen. Mit seinen Lügen gelingt es ihm, die Richtung der Handlung zu lenken und seine eigenen Ziele durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Ebd. S 87&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reiz und Gefahr==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Motiv des Reizes und der Gefährdung ist in diesem Kapitel ein wichtiger Aspekt. Deutlicht wird, dass die höfischen Eigenschaften, die bei Tristan sehr ausgeprägt vorhanden sind, gerade durch ihre Reizhaftigkeit zur Gefahr werden. Tristan muss lernen, sie richtig einzusetzen. Zudem ist auch der Reiz des Schachbrettes der Norweger eine Gefährdung für Tristan.&lt;br /&gt;
Reiz und Gefährdung sind im Tristanroman eng miteinander verbunden und ein Teil der höfischen Welt.&lt;br /&gt;
Sein Reiz jedoch wirkt sich letztendlich positiv für ihn aus, was besonders bei der Begegnung mit den Pilgern deutlich wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;siniu cleider ,diu er an truoc,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;diu gemarcten si genuoc,durch daz si waren sere rich&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und an gewürhte wunderlich.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und sprachen in ir muote :&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;a Herre got der guote&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;wer oder wannen ist diz kint&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;des site o rehte schoene sint?&#039;&#039; (2748ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; wird die Handlung des Romans ausschlaggebend vorangetrieben. &lt;br /&gt;
Fortuna spielt hier eine sehr wichtige Rolle und es wird deutlich, durch was für eine Zufälligkeit die Schicksalhaftigkeit in Tristans Leben tritt. Seine höfischen Eigenschaften werden ihm zur Gefahr, da er durch seine ungewöhnlichen Begabungen einen sehr verlockenden Reiz darstellt. &lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Geschehens jedoch gelingt es ihm, mit Hilfe seiner Lügengeschichten seine Reizhaftigkeit richtig einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gottfried von Straßburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tristan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25073</id>
		<title>Die Entführung (Gottfried von Straßburg, Tristan)</title>
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		<updated>2018-07-03T11:51:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Handlungsverlauf und Deutung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; ist zu Beginn des Tristanromans von Gottfried von Straßburg einzuordnen. In diesem Abschnitt wird Tristan von  seiner Heimat [[Parmenien (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Parmenien ]] entführt und mit seinem dramatischen Schicksal konfrontiert. Zentral in diesem Kapitel ist die Entführung, die die Handlung voran treibt. Außerdem werden grundlegende Motive des Tristanromans vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf und Deutung== &lt;br /&gt;
Direkt zu Beginn des Kapitels legen Norweger mit einem Handelsschiff im Hafen von [[landen in :: Kanoel]] an. So heißt es über das Handelsschiff:&#039;&#039;...kam ez von aventiure also,daz von norwaege über se ein koufschif.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Handelschiff wird der Begriff  [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiure ]] herangeführt. &#039;&#039;Von aventiure&#039;&#039; verdeutlicht die Zufälligkeit, mit der das Schicksal in das Leben von Tristan tritt. &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Barandun, Anina: Die Tristan-Trigonometrie des Gottfried von Straßburg.Zwei Liebende und ein Dritter.Tübingen:Narr Francke Attempo Verlag, 2009.S.50.Zitiert als Barandun.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Schiff weckt sofort die Neugierde von Tristans Brüdern. Diese bitten den Vater, das Schiff betreten zu dürfen. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass es nicht Tristans eigener Wille ist, das Schiff der [[Norweger (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Norweger ]] zu betreten. Mit dem Drängen und Betteln der Brüder kommt das Motiv der [[Dreierkonstellation (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Dreierkonstellation ]] auf.&lt;br /&gt;
Durch Dritte wird Tristan somit in sein Unglück gestürzt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun. S.51&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor selbst weißt darauf hin, dass Tristan durch das Betreten des Schiffes in sein Unglück gestürzt wird:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;hier under kamen maere Tristande z undeheile&#039;&#039; (V. 2165)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schachbrett fesselt die Aufmerksamkeit Tristans: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;von aventiure ez do geschach, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;daz Tristan in dem schiffe ersach ein schachzabelhangen&#039;&#039; (V. 2210 ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum zweiten Mal in diesem Kapitel tritt der Schlüsselbegriff &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; auf. &lt;br /&gt;
Wiederum ist es also ein [[Zufall (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Zufall ]], der zu der tragischen Wende der Handlung führt. &lt;br /&gt;
Der Protagonist gerät rein zufällig in sein tragisches Schicksal und wird gezwungen, Mittel und Wege zu finden, damit fertig zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hollandt Gisela: Die Hauptgestalten in Gottfrieds Tristan. Wesenzüge - Handlungsfunktion - Motiv der List.Berlin 1966.S 82. Zitiert als Hollandt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung wird klar, dass Tristans höfische Bildung, auf die sein Adoptivvater besonderen Wert legte, ihm zum Verhängnis wird. &lt;br /&gt;
Die Norweger, die eigentlich im Guten kamen, erliegen seiner Ausstrahlung und seinem Auftreten. Er betört sie geradezu zu mit seinen Künsten, beeindruckt sie mit seinen Fremdsprachenkenntnissen, seinem Fachwissen und seinen gesanglichen Fähigkeiten. Somit ist Tristan letztendlich „unschuldig mitverantwortlich“ &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun S51.&amp;lt;/ref&amp;gt; an seiner Entführung. &lt;br /&gt;
Er kann zwar nichts für seine überdurchschnittliche Bildung und seine höfischen Umgangsformen, jedoch provoziert er die Norweger auch in gewisser Weise damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Cornwall ausgesetzt, zeigt Tristan zwar Angst und fürchtet sich, dennoch beweißt er ein erstaunliches Maß an Reflexivität. Er nimmt sein Schicksal an, akzeptiert es als ihm gegeben und versucht Lösungen für seine neue Situation zu finden. Zweimal betet er zu Gott und äußert in seinem zweiten Gebet seine größte Qual: Er sorgt sich um die Daheimgebliebenen,&lt;br /&gt;
ihren Kummer und ihre Ungewissheit über ihn&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hollandt S.83.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und alle die mir gunden gelückes unde guotes, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;die sint nu swaeres muotes und seretruric umbe mich.&#039;&#039;(V. 2600ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tristans Lügengeschichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Begegnung der [[Pilger]] und der [[Tristan lügt gegenüber dem :: Jäger]] kommt Tristans Lügengeschichte auf (Siehe dazu den Artikel : [[List (Gottfried von Straßburg, Tristan)|List ]] ). Das erste Mal im Roman lügt [[lügt:: Tristan]] aufgrund von Eigenschutz und legt damit ein erstaunliches Improvisationstalent an den Tag.&lt;br /&gt;
Er weiß sich zu präsentieren und seine Herkunft geschickt zu verbergen. Auffällig ist auch, dass er besonders im Umgang mit den Jägern als Lehrender auftritt und nicht als Lernender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Auftreten ist dominant und selbstbewusst, bei dem Erlegen des Hirsches erklärt er seine Vorgehensweise und beeindruckt die Jäger. Auch hier wird deutlich: Die Nebenfiguren können sich der Wirkung Tristans nicht entziehen. Doch er beweißt ein gutes Gespür für die Situationen, in denen er sich befindet. Um seine Lügengeschichte stimmig wirken zu lassen, entwickelt er sogar eine Erklärung für seine vornehme Kleidung, indem er die Geschichte erzählt, er sei der Sohn eines Kaufmannes.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ebd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S 52.-S53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist der Erzählereinschnitt Gottfrieds. Anscheinend ist der Dichter gegenüber Tristans Lügengeschichten und seinem damit verbundenem Geschick positiv eingestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;tristan der hovebaere der war mit rede also gewar&#039;&#039; [...](2733)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;er haete sine maze &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;an rede und an gelaze so wol&#039;&#039; [...](2740ff)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Mit der Lügengeschichte wird verdeutlicht, dass sich Tristan seiner Anziehungskraft, die er ausstrahlt, bewusst ist und deswegen weiß, wie er auf die Pilger wirkt. Seine Wirkung und sein Auftreten, was ihm bei den Händlern aus Norwegen zur Gefahr wurde, weiß er nun richtig einzusetzen. &lt;br /&gt;
Das Motiv des Schicksals, das gerade in dem Kapitel „Die Entführung“ ein wichtiger Aspekt ist, wird somit von einer interessanten Seite beleuchtet. Zwar kann sich Tristan der höheren Gewalt nicht entziehen und ist seinem Schicksal ausgeliefert, jedoch ist ihm ein Talent eigen, mit diesen schwierigen Situationen umzugehen. Mit seinen Lügen gelingt es ihm, die Richtung der Handlung zu lenken und seine eigenen Ziele durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Ebd. S 87&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reiz und Gefahr==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Motiv des Reizes und der Gefährdung ist in diesem Kapitel ein wichtiger Aspekt. Deutlicht wird, dass die höfischen Eigenschaften, die bei Tristan sehr ausgeprägt vorhanden sind, gerade durch ihre Reizhaftigkeit zur Gefahr werden. Tristan muss lernen, sie richtig einzusetzen. Zudem ist auch der Reiz des Schachbrettes der Norweger eine Gefährdung für Tristan.&lt;br /&gt;
Reiz und Gefährdung sind im Tristanroman eng miteinander verbunden und ein Teil der höfischen Welt.&lt;br /&gt;
Sein Reiz jedoch wirkt sich letztendlich positiv für ihn aus, was besonders bei der Begegnung mit den Pilgern deutlich wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;siniu cleider ,diu er an truoc,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;diu gemarcten si genuoc,durch daz si waren sere rich&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und an gewürhte wunderlich.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und sprachen in ir muote :&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;a Herre got der guote&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;wer oder wannen ist diz kint&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;des site o rehte schoene sint?&#039;&#039; (2748ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; wird die Handlung des Romans ausschlaggebend vorangetrieben. &lt;br /&gt;
Fortuna spielt hier eine sehr wichtige Rolle und es wird deutlich, durch was für eine Zufälligkeit die Schicksalhaftigkeit in Tristans Leben tritt. Seine höfischen Eigenschaften werden ihm zur Gefahr, da er durch seine ungewöhnlichen Begabungen einen sehr verlockenden Reiz darstellt. &lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Geschehens jedoch gelingt es ihm, mit Hilfe seiner Lügengeschichten seine Reizhaftigkeit richtig einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gottfried von Straßburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tristan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25072</id>
		<title>Die Entführung (Gottfried von Straßburg, Tristan)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Entf%C3%BChrung_(Gottfried_von_Stra%C3%9Fburg,_Tristan)&amp;diff=25072"/>
		<updated>2018-07-03T11:50:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Calimera: /* Handlungsverlauf und Deutung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; ist zu Beginn des Tristanromans von Gottfried von Straßburg einzuordnen. In diesem Abschnitt wird Tristan von  seiner Heimat [[Parmenien (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Parmenien ]] entführt und mit seinem dramatischen Schicksal konfrontiert. Zentral in diesem Kapitel ist die Entführung, die die Handlung voran treibt. Außerdem werden grundlegende Motive des Tristanromans vorgestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Handlungsverlauf und Deutung== &lt;br /&gt;
Direkt zu Beginn des Kapitels legen Norweger mit einem Handelsschiff im Hafen von [[landen in :: Kanoel]] an. So heißt es über das Handelsschiff:&#039;&#039;...kam ez von aventiure also,daz von norwaege über se ein koufschif.&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Handelschiff wird der Begriff  [[Aventiure (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Aventiure ]] herangeführt. &#039;&#039;Von aventiure&#039;&#039; verdeutlicht die Zufälligkeit, mit der das Schicksal in das Leben von Tristan tritt. &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Barandun, Anina: Die Tristan-Trigonometrie des Gottfried von Straßburg.Zwei Liebende und ein Dritter.Tübingen:Narr Francke Attempo Verlag, 2009.S.50.Zitiert als Barandun.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Schiff weckt sofort die Neugierde von Tristans Brüdern. Diese bitten den Vater, das Schiff betreten zu dürfen. Interessant ist hierbei der Aspekt, dass es nicht Tristans eigener Wille ist, das Schiff der [[Norweger (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Norweger ]] zu betreten. Mit dem Drängen und Betteln der Brüder kommt das Motiv der [[Dreierkonstellation (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Dreierkonstellation ]] auf.&lt;br /&gt;
Durch Dritte wird Tristan somit in sein Unglück gestürzt.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun. S.51&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Autor selbst weißt darauf hin, dass Tristan durch das Betreten des Schiffes in sein Unglück gestürzt wird:&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;hier under kamen maere Tristande z undeheile&#039;&#039; (2165)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Schachbrett fesselt die Aufmerksamkeit Tristans: &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;von aventiure ez do geschach, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;daz Tristan in dem schiffe ersach ein schachzabelhangen&#039;&#039; (2210 ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum zweiten Mal in diesem Kapitel tritt der Schlüsselbegriff &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; auf. &lt;br /&gt;
Wiederum ist es also ein [[Zufall (Gottfried von Straßburg, Tristan)|Zufall ]], der zu der tragischen Wende der Handlung führt. &lt;br /&gt;
Der Protagonist gerät rein zufällig in sein tragisches Schicksal und wird gezwungen, Mittel und Wege zu finden, damit fertig zu werden.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Hollandt Gisela: Die Hauptgestalten in Gottfrieds Tristan. Wesenzüge - Handlungsfunktion - Motiv der List.Berlin 1966.S 82. Zitiert als Hollandt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung wird klar, dass Tristans höfische Bildung, auf die sein Adoptivvater besonderen Wert legte, ihm zum Verhängnis wird. &lt;br /&gt;
Die Norweger, die eigentlich im Guten kamen, erliegen seiner Ausstrahlung und seinem Auftreten. Er betört sie geradezu zu mit seinen Künsten, beeindruckt sie mit seinen Fremdsprachenkenntnissen, seinem Fachwissen und seinen gesanglichen Fähigkeiten. Somit ist Tristan letztendlich „unschuldig mitverantwortlich“ &amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Barandun S51.&amp;lt;/ref&amp;gt; an seiner Entführung. &lt;br /&gt;
Er kann zwar nichts für seine überdurchschnittliche Bildung und seine höfischen Umgangsformen, jedoch provoziert er die Norweger auch in gewisser Weise damit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Cornwall ausgesetzt, zeigt Tristan zwar Angst und fürchtet sich, dennoch beweißt er ein erstaunliches Maß an Reflexivität. Er nimmt sein Schicksal an, akzeptiert es als ihm gegeben und versucht Lösungen für seine neue Situation zu finden. Zweimal betet er zu Gott und äußert in seinem zweiten Gebet seine größte Qual: Er sorgt sich um die Daheimgebliebenen,&lt;br /&gt;
ihren Kummer und ihre Ungewissheit über ihn&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Hollandt S.83.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und alle die mir gunden gelückes unde guotes, &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;die sint nu swaeres muotes und seretruric umbe mich&#039;&#039;(2600ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Tristans Lügengeschichten==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit der Begegnung der [[Pilger]] und der [[Tristan lügt gegenüber dem :: Jäger]] kommt Tristans Lügengeschichte auf (Siehe dazu den Artikel : [[List (Gottfried von Straßburg, Tristan)|List ]] ). Das erste Mal im Roman lügt [[lügt:: Tristan]] aufgrund von Eigenschutz und legt damit ein erstaunliches Improvisationstalent an den Tag.&lt;br /&gt;
Er weiß sich zu präsentieren und seine Herkunft geschickt zu verbergen. Auffällig ist auch, dass er besonders im Umgang mit den Jägern als Lehrender auftritt und nicht als Lernender.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Auftreten ist dominant und selbstbewusst, bei dem Erlegen des Hirsches erklärt er seine Vorgehensweise und beeindruckt die Jäger. Auch hier wird deutlich: Die Nebenfiguren können sich der Wirkung Tristans nicht entziehen. Doch er beweißt ein gutes Gespür für die Situationen, in denen er sich befindet. Um seine Lügengeschichte stimmig wirken zu lassen, entwickelt er sogar eine Erklärung für seine vornehme Kleidung, indem er die Geschichte erzählt, er sei der Sohn eines Kaufmannes.&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. Ebd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
S 52.-S53.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist der Erzählereinschnitt Gottfrieds. Anscheinend ist der Dichter gegenüber Tristans Lügengeschichten und seinem damit verbundenem Geschick positiv eingestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;tristan der hovebaere der war mit rede also gewar&#039;&#039; [...](2733)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;er haete sine maze &lt;br /&gt;
:&#039;&#039;an rede und an gelaze so wol&#039;&#039; [...](2740ff)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Mit der Lügengeschichte wird verdeutlicht, dass sich Tristan seiner Anziehungskraft, die er ausstrahlt, bewusst ist und deswegen weiß, wie er auf die Pilger wirkt. Seine Wirkung und sein Auftreten, was ihm bei den Händlern aus Norwegen zur Gefahr wurde, weiß er nun richtig einzusetzen. &lt;br /&gt;
Das Motiv des Schicksals, das gerade in dem Kapitel „Die Entführung“ ein wichtiger Aspekt ist, wird somit von einer interessanten Seite beleuchtet. Zwar kann sich Tristan der höheren Gewalt nicht entziehen und ist seinem Schicksal ausgeliefert, jedoch ist ihm ein Talent eigen, mit diesen schwierigen Situationen umzugehen. Mit seinen Lügen gelingt es ihm, die Richtung der Handlung zu lenken und seine eigenen Ziele durchzusetzen.&amp;lt;ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Vgl. Ebd. S 87&lt;br /&gt;
&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Reiz und Gefahr==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Motiv des Reizes und der Gefährdung ist in diesem Kapitel ein wichtiger Aspekt. Deutlicht wird, dass die höfischen Eigenschaften, die bei Tristan sehr ausgeprägt vorhanden sind, gerade durch ihre Reizhaftigkeit zur Gefahr werden. Tristan muss lernen, sie richtig einzusetzen. Zudem ist auch der Reiz des Schachbrettes der Norweger eine Gefährdung für Tristan.&lt;br /&gt;
Reiz und Gefährdung sind im Tristanroman eng miteinander verbunden und ein Teil der höfischen Welt.&lt;br /&gt;
Sein Reiz jedoch wirkt sich letztendlich positiv für ihn aus, was besonders bei der Begegnung mit den Pilgern deutlich wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;siniu cleider ,diu er an truoc,&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;diu gemarcten si genuoc,durch daz si waren sere rich&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und an gewürhte wunderlich.&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;und sprachen in ir muote :&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;a Herre got der guote&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;wer oder wannen ist diz kint&lt;br /&gt;
:&#039;&#039;des site o rehte schoene sint?&#039;&#039; (2748ff)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Kapitel &amp;quot;Die Entführung&amp;quot; wird die Handlung des Romans ausschlaggebend vorangetrieben. &lt;br /&gt;
Fortuna spielt hier eine sehr wichtige Rolle und es wird deutlich, durch was für eine Zufälligkeit die Schicksalhaftigkeit in Tristans Leben tritt. Seine höfischen Eigenschaften werden ihm zur Gefahr, da er durch seine ungewöhnlichen Begabungen einen sehr verlockenden Reiz darstellt. &lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Geschehens jedoch gelingt es ihm, mit Hilfe seiner Lügengeschichten seine Reizhaftigkeit richtig einzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweis==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gottfried von Straßburg]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tristan]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artikel]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Calimera</name></author>
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