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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-11T07:09:24Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12261</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T17:30:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie Leid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prolog formuliert er den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969: S. 118] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids.  Anfortas beispielsweise leidet  aus Sünde, es ist ein Leid als Strafe für die mangelnde &amp;quot;kuische&amp;quot;, welche einen Verstoß gegen die höchste ethische Forderung der Selbstbeherrschung ist. Auf der Gralsburg herrscht allerdings allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Dieser Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer ist der Ansicht, Wolfram hebe den prozessualen Charakter des Leids hervor, da er beschreibe, wie das Leid den Menschen fördere, ihn reifer mache und ihn zu Erkenntnissen und Einsichten führe, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten. Auch erkennt Maurer einen christlichen Sinn in Wolrams Darstellung des Leids. Diesen sieht er darin, dass Parzival erst nachdem er sich demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre gelange. Auch beruft sich Maure auf Trevrizent, der diese Buße und Sühne der Sünden als den Willen Gottes darstellt.[Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst. Fraglich ist allerdings, ob sich Wolfram der christlichen Überzeugung seiner Zeit anschließt, welche im Leid eine Prüfung Gottes sah, durch welche der Mensch zu einer höheren und reiferen Daseinsstufe gelangen soll. In der Darstellung Wolframs ist das Leid allseits gegenwärtigen und erhält ständig eine christliche Rechfertigung. Unklar bleibt, ob darin möglicherweise eine vorsichtige Auflehnung Wolframs zu erkennen ist, der hier die Vorstellung eines strafenden Gottes, der Leid über die Menschen bringt, in Frage stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12259</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12259"/>
		<updated>2012-07-24T17:28:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Das geistige Leid Parzivals */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969: S. 118] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids.  Anfortas beispielsweise leidet  aus Sünde, es ist ein Leid als Strafe für die mangelnde &amp;quot;kuische&amp;quot;, welche einen Verstoß gegen die höchste ethische Forderung der Selbstbeherrschung ist. Auf der Gralsburg herrscht allerdings allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Dieser Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer ist der Ansicht, Wolfram hebe den prozessualen Charakter des Leids hervor, da er beschreibe, wie das Leid den Menschen fördere, ihn reifer mache und ihn zu Erkenntnissen und Einsichten führe, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten. Auch erkennt Maurer einen christlichen Sinn in Wolrams Darstellung des Leids. Diesen sieht er darin, dass Parzival erst nachdem er sich demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre gelange. Auch beruft sich Maure auf Trevrizent, der diese Buße und Sühne der Sünden als den Willen Gottes darstellt.[Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst. Fraglich ist allerdings, ob sich Wolfram der christlichen Überzeugung seiner Zeit anschließt, welche im Leid eine Prüfung Gottes sah, durch welche der Mensch zu einer höheren und reiferen Daseinsstufe gelangen soll. In der Darstellung Wolframs ist das Leid allseits gegenwärtigen und erhält ständig eine christliche Rechfertigung. Unklar bleibt, ob darin möglicherweise eine vorsichtige Auflehnung Wolframs zu erkennen ist, der hier die Vorstellung eines strafenden Gottes, der Leid über die Menschen bringt, in Frage stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12258</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T17:26:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Das geistige Leid Parzivals */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969: S. 118] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids.  Anfortas beispielsweise leidet  aus Sünde, es ist ein Leid als Strafe für die mangelnde &amp;quot;kuische&amp;quot;, welche einen Verstoß gegen die höchste ethische Forderung der Selbstbeherrschung ist. Auf der Gralsburg herrscht allerdings allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Dieser Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer ist der Ansicht, Wolfram hebe den prozessualen Charakter des Leids hervor, da er beschreibe, wie das Leid den Menschen fördere, ihn reifer mache und ihn zu Erkenntnissen und Einsichten führe, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten. Auch erkennt Maurer einen christlichen Sinn in Wolrams Darstellung des Leids. Diesen sieht er darin, dass Parzival erst nachdem er sich demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre gelange. Auch beruft sich Maure auf Trevrizent, der diese Buße und Sühne der Sünden als den Willen Gottes darstellt.[Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst. Fraglich ist allerdings, ob sich Wolfram der christlichen Überzeugung seiner Zeit anschließt, welche im Leid eine Prüfung Gottes sah, durch welche der Mensch zu einer höheren und reiferen Daseinsstufe gelangen soll. In der Darstellung Wolframs ist das Leid allseits gegenwärtigen und erhält ständig eine christliche Rechfertigung. Ist darin vielleicht eine vorsichtige Auflehnung Wolframs zu erkennen, der hier möglicherweise die Vorstellung eines strafenden Gottes, der Leid über die Menschen bringt, in Frage stellt?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12257</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T17:12:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Das geistige Leid Parzivals */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969: S. 118] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids.  Anfortas beispielsweise leidet  aus Sünde, es ist ein Leid als Strafe für die mangelnde &amp;quot;kuische&amp;quot;, welche einen Verstoß gegen die höchste ethische Forderung der Selbstbeherrschung ist. Auf der Gralsburg herrscht allerdings allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Dieser Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer ist der Ansicht, Wolfram hebe den prozessualen Charakter des Leids hervor, da er beschreibe, wie das Leid den Menschen fördere, ihn reifer mache und ihn zu Erkenntnissen und Einsichten führe, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten. Auch erkennt Maurer einen christlichen Sinn in Wolrams Darstellung des Leids. Diesen sieht er darin, dass Parzival erst nachdem er sich demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre gelange. Auch beruft sich Maure auf Trevrizent, der diese Buße und Sühne der Sünden als den Willen Gottes darstellt.[Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12252</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12252"/>
		<updated>2012-07-24T16:59:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Parzivals Leid */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969: S. 118] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids.  Anfortas beispielsweise leidet  aus Sünde, es ist ein Leid als Strafe für die mangelnde &amp;quot;kuische&amp;quot;, welche einen Verstoß gegen die höchste ethische Forderung der Selbstbeherrschung ist. Auf der Gralsburg herrscht allerdings allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Dieser Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12250</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T16:47:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Gurnemanz */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969: S. 118] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12245</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T16:37:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ausdrücke von Leid, Schmerz und Trauer kehren fast leitmotivisch im Roman wieder: Belacanes Schmerz, der zum Tode führt, Herzeloydes Trauer, nachdem sie vom Tod Gahmurets erfahren hat, ihr Schmerz beim Abschied von Parzival, Sigunes Trauergebärden, die Trauerrituale der Gralsgemeinde, um nur einige zu nennen. Aber auch das weinen der Orgeluse (Pz. 602, 18), mit dem Anteilnahme am Geschick Gawans signalisiert wird, ist als besonders relevante Aussage zur Emotionsdarstellung gesehen worden, wie Tränen überhaupt, etwa das Weinen der Condwiramurs an Parzivals Bett, oder auch die nicht artikulierbaren kindlichen Emotionen Parzivals beim Gesang der Vögel in Soltane. Dazu kommen alle auf Liebe bezogenen sprachlichen und nichtsprachlichen Äußerungen der Figuren, wozu natürlich auch Eifersucht (Orilus-Jeschute) gehört, genauso wie Trost auf Grund von körperlicher Nähe (nach der ersten vorehelichen Nacht von Parziwal und Condwiramurs), oder Feirefiz´  Liebeswahn am Ende des Parzival. [Dallapiazza 2009: S. 126]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael. Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12242</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12242"/>
		<updated>2012-07-24T16:29:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001: S. 160] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001: S. 160]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   &amp;quot;süez&amp;quot; und &amp;quot;fier&amp;quot; betrachtet. Dabei stellt er fest, dass &amp;quot;süez&amp;quot; bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und &amp;quot;fier&amp;quot;   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
Wolframs gestaltet die Darstellung Cundries Hässlichekeit in den beiden für sie zentralen Szenen auf unterschiedliche Weise. So betont er in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er  die  Beschreibung ihres Äußeren der freudigen Stimmung dieser Szene an. Die Gralsgesellschaft ist Cundrie, da sie als Botin der erlösenden Botschaft Freude und Heil verkündete, wohlgesinnt. Wolfram verwendet nun Metaphern aus dem Bereich der Schönheitsbeschreibung um Cundries Gestalt zu beschreiben: das Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Katharine Pappas erkennt darin das Ziel Wolframs der positiven Haltung der Gralsgesellschaft, welche sich nun gegenüber Cundrie eingestellt hat und ihrer angenehmen Wirkung Ausdruck zu verleihen.[Pappas 2001: S. 170] Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch einen Kontrast zu der höfischen   Konventionen darstellen sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen&amp;quot;  zähle. Somit sei eine Beschreibung des Äußeren unnötig. [Dallapiazza  1985: S. 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine    Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer    Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit    stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem    in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit    offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,    dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin    Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“   [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie  bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog  entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas  möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich  zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu  teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und  der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und  Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn  sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den  Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs  und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12240</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12240"/>
		<updated>2012-07-24T16:28:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001: S. 160] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001: S. 160]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
Wolframs gestaltet die Darstellung Cundries Hässlichekeit in den beiden für sie zentralen Szenen auf unterschiedliche Weise. So betont er in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er  die  Beschreibung ihres Äußeren der freudigen Stimmung dieser Szene an. Die Gralsgesellschaft ist Cundrie, da sie als Botin der erlösenden Botschaft Freude und Heil verkündete, wohlgesinnt. Wolfram verwendet nun Metaphern aus dem Bereich der Schönheitsbeschreibung um Cundries Gestalt zu beschreiben: das Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Katharine Pappas erkennt darin das Ziel Wolframs der positiven Haltung der Gralsgesellschaft, welche sich nun gegenüber Cundrie eingestellt hat und ihrer angenehmen Wirkung Ausdruck zu verleihen.[Pappas 2001: S. 170] Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch einen Kontrast zu der höfischen   Konventionen darstellen sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen&amp;quot;  zähle. Somit sei eine Beschreibung des Äußeren unnötig. [Dallapiazza  1985: S. 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine    Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer    Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit    stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem    in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit    offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,    dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin    Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“   [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie  bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog  entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas  möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich  zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu  teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und  der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und  Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn  sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den  Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs  und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
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		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12239"/>
		<updated>2012-07-24T16:26:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001: S. 160] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001: S. 160]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
Wolframs gestaltet die Darstellung Cundries Hässlichekeit in den beiden für sie zentralen Szenen auf unterschiedliche Weise. So betont er in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er  die  Beschreibung ihres Äußeren der freudigen Stimmung dieser Szene an. Die Gralsgesellschaft ist Cundrie, da sie als Botin der erlösenden Botschaft Freude und Heil verkündete, wohlgesinnt. Wolfram verwendet nun Metaphern aus dem Bereich der Schönheitsbeschreibung um Cundries Gestalt zu beschreiben: das Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Katharine Pappas erkennt darin das Ziel Wolframs der positiven Haltung der Gralsgesellschaft, welche sich nun gegenüber Cundrie eingestellt hat und ihrer angenehmen Wirkung Ausdruck zu verleihen.[Pappas 2001: S. 170] Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch einen Kontrast zu der höfischen   Konventionen darstellen sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen&amp;quot;  zähle. Somit sei eine Beschreibung des Äußeren unnötig. [Dallapiazza  1985: S. 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12238</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T16:20:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001: S. 160] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001: S. 160]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
Wolframs gestaltet die Darstellung Cundries Hässlichekeit in den beiden für sie zentralen Szenen auf unterschiedliche Weise. So betont er in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er  die  Beschreibung ihres Äußeren der freudigen Stimmung dieser Szene an. Die Gralsgesellschaft ist Cundrie, da sie als Botin der erlösenden Botschaft Freude und Heil verkündete, wohlgesinnt. Wolfram verwendet nun Metaphern aus dem Bereich der Schönheitsbeschreibung um Cundries Gestalt zu beschreiben: das Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Katharine Pappar erkennt darin das Ziel Wolframs der positiven Haltung der Gralsgesellschaft, welche sich nun gegenüber Cundrie eingestellt hat und ihrer angenehmen Wirkung Ausdruck zu verleihen.[Pappas 2001: S. 170] Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch einen Kontrast zu der höfischen   Konventionen darstellen sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen&amp;quot;  zähle. Somit sei eine Beschreibung des Äußeren unnötig. [Dallapiazza  1985: S. 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12236</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12236"/>
		<updated>2012-07-24T15:54:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001: S. 160] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001: S. 160]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12234</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T15:53:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001: S. 160] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12117</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12117"/>
		<updated>2012-07-24T09:34:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Parzivals Leid */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst. [Maurer 1969: S. 120]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12116</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12116"/>
		<updated>2012-07-24T09:27:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Das geistige Leid Parzivals */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982: S. 293ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12115</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12115"/>
		<updated>2012-07-24T09:26:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Das geistige Leid Parzivals */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975: S. 223f]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12114</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12114"/>
		<updated>2012-07-24T09:23:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Das geistige Leid Parzivals */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbärmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952: S. 195f] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12111</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12111"/>
		<updated>2012-07-24T09:16:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Sigune */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-162]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12110</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T09:15:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Sigune */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006: S.160-161]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12109</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12109"/>
		<updated>2012-07-24T09:01:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot; ,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968: S.157-158] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12107</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12107"/>
		<updated>2012-07-24T08:58:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968: S. 148] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot;,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12106</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12106"/>
		<updated>2012-07-24T08:55:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot;,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza  1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12105</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12105"/>
		<updated>2012-07-24T08:54:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot;,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985: S.414]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre. [Dallapiazza 1985: S. 414ff]&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft in Cundrîes Fall sogar Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12104</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12104"/>
		<updated>2012-07-24T08:47:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot;,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985: S: 403ff]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12103</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12103"/>
		<updated>2012-07-24T08:46:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot;,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. [Dallapiazza  1985]  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12100</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T08:43:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  &amp;quot;deformitas Christi&amp;quot;,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. [Dallapiazza  1985] Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar.  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12099</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12099"/>
		<updated>2012-07-24T08:40:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  deformitas Christi,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. [Dallapiazza 1985] Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar.  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza  1985]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12098</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12098"/>
		<updated>2012-07-24T08:39:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Dichotomie von Schale und Kern */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  deformitas Christi,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. [Dallapiazza 1985] Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar.  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen.[Dallapiazza 1985]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“  [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12097</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12097"/>
		<updated>2012-07-24T08:38:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Hässlichkeit Cundrîes */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner  Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,   Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]]  , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin  Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das  Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge  fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer  &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung  kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet  werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche  Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe  nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie  klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und  [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein  Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn  er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner  verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu  hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft  in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen  hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und  Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da   es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von  Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen,  verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255,  2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald  erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau  Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem  Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten.  [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten  daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan  (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er  ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die  Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals  veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die  Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu  diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch  das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der  Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs  stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“   (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die  gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig  später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die   Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das  Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die  Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen   lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und  Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser  analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer  Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Schon ihr  Beiname, die Hexe, zeigt ihre Hässlichkeit an.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Mittelalter  wurde das Hässliche mit der Hexerei und dem Widernatürlichen verbunden.  &amp;quot;Die Beschreibung des Häßlichen deuten im christlichen Epos des  Mittelalters oft ausdrücklich auf das Widergöttliche und Diabolische als  den latenten Ursprung der Häßlichkeit zurück.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 152.]  Eine genauere Betrachtung und Erwähnung der Hexerei in Verbindung mit  Hässlichkeit findet sich bei [Eco 2007: vgl.: S. 204-214.]. &amp;lt;/ref&amp;gt;  Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung  grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase  als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre  Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch  ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein  zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]).  Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung   hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in  der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie  äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz  bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der   Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft,  sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung   widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb   des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt  untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes   Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits   [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun  auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315,  20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3)  und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe  als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und  Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der  zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich  seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme  Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes  Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke  (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] ,  die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das  mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder  überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige  Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung  gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Gleichzeitig verdeutlicht ihre  Hässlichkeit die Schlechtigkeit der Nachricht, deren Überbringerin sie  ist. Nicht nur sie selbst, sondern auch ihre Verkündungen sind  &amp;quot;hässlich&amp;quot;. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer   deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine  für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch  deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern   [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt.  Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er  als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein  Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe  stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer  des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum  auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine  Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt  und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede  erwähnt Cundrîe das   [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel   marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen   dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich   bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile   (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;   auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie   leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes   Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt.  Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle   Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,   welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie   zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den   Ruhm Parzivals Mutter   [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem   Parzival gegen  [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat,  unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich  dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger  Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen  Halbbruder in das Lager von   [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,   wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich  begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn  in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint  Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen  Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache  [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so  preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt  Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende  frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum   beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich  über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig  anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber  [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen   Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal   reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die   Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und  bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während   sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig   Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen   zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt  sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr  Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist  sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt  ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung  Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus  dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich  terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês  Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und  Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich   richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des  [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]]  berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei  ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre  Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies  revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns  und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im  Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun  in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie  nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen,  die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass  Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem  er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig  beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu  diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner  Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für  ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin  auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun  Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen  würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren  Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Cundries Bruder Malcreatiure==&lt;br /&gt;
In  den beiden oben beschriebenen Szene spielt Cundrie eine große Rolle und  beeinflusst Parzivals Entwicklung zum Gralskönig. Doch auch an anderer  Stelle wird sie erwähnt. Die indische Königin Secundille schickte sie  und ihren Bruder als &amp;quot;Kostbarkeiten&amp;quot; zur Gralsburg, um ihr Interesse am  Gral deutlich zu machen: &amp;quot;zwei mennesch wunderlîch gevar, Cundrîen unde  ir bruoder clâr&amp;quot; (&amp;quot;zwei menschliche Wunderwesen, Cundrîe und ihren  Bruder, den Lichten&amp;quot; [Pz. 519, 22f]). Malcreatiure wird von Anfortas an  [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]] weitergegeben.  &amp;lt;br /&amp;gt;Malcreatiure ist ebenso hässlich wie seine Schwester. Mit  ironischem Unterton beschreibt ihn der Erzähler: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatiure || Malcrêatiure, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || si hieß der rasant schöne Knappe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe la sueziere|| Cundrîe la sueziere,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn schwester wol getân: || die Hübsche, war seine Schwester,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er muose ur antlütze hân || und er sah genauso aus wie sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. || nur, dass er eben ein Mann war.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 517, 16-21.)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  er ist mit tierischen Attributen ausgestattet, die Zähne stehen ihm  wild im Gesicht, seine Haare sind kürzer als die seiner Schwester,  gleichen aber den Borsten eines Igels. (Vgl. Pz. 517, 22-27)Außerdem  liefert der Erzähler eine Begründung für die Hässlichkeit der  Geschwister. Es wird die Entstehung eines Stamms von Mißgestalten  beschrieben: Obwohl Adam seinen Töchtern, sobald sie schwanger waren,  immer geraten hatte von einigen Früchten nicht zu essen, packte manche  der Frauen doch die Gier und sie  handelten wie ihr &amp;quot;brœder lîp&amp;quot; (&amp;quot;ihr  schwaches Fleisch&amp;quot; [Pz. 518, 26]) es ihnen befahl. &amp;quot;sus wart verkêrt diu  mennischheit&amp;quot; (&amp;quot;so entstanden monströse Menschenwesen&amp;quot; [Pz. 518, 29]),  zu deren Vertretern Cundire und ihr Bruder gehören. Mit dieser Passage  beschreibt der Erzähler eine Art Sündenfall, dessen Strafe die  Nachkommen der Sünderinnen büßen müssen. Obwohl diese Erklärung mit der  mittelalterlichen Vorstellung von  [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#H.C3.A4sslichkeit|Hässlichkeit]]  als Kennzeichen für fehlenden Glauben übereinstimmt, steht die Passage  dennoch im Widerspruch zu Cundries gutem Charakter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram   von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser  wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch  die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht  in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr  moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die  Gleichzeitigkeit von schönen und hässlichen Attributen ist in der  Darstellung einer literarischen Figur unüblich und da man instinktiv  schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage  auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit  Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im  Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die  Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion  machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis  von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der  höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche  Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung  von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche  Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit  als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen.  Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz  einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate  Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig  füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist  mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den  Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte  ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und  Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade  deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick  der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival  seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als  verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in  der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur  Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von  Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung  üblich. [Jauß  1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und  hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de  geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer  in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man   geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen  der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle  Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht  werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten  sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der  deformitas Christi,  welche für Christen kein substantieller Verlust  Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität  des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und  Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz  des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit  gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den  Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes  deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass  Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles  Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
Auf  diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der  Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen  wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit,  welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen  Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael  Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes  Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der  Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. [Dallapiazza 1985] Er  kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung  gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre  Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone  Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen  Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar.  Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So  weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von   Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen   Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines   idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den   Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise   Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram   charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr   Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der   höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch   erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês   Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar   blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher   Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb   der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt   Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre   Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese   Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da   Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,   so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und  somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen.[Dallapiazza 1985]&lt;br /&gt;
Wolfram   bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob   diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht   Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive   süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram   als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier   als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines   Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass   Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass   Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die   Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und   ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche   sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht   verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr  als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung  seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als  positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine   Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer   Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit   stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem   in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit   offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,   dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin   Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“ [Pappas  2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt   Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten   Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram   zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander   gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels   und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und  lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe  ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an,  dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt.  Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die  Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht   man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass  Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So  betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich  wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001]  die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft  friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der   Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das   blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt   dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,   da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen   Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings   stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,   in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza  1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007]  Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß  1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12091</id>
		<title>Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12091"/>
		<updated>2012-07-24T06:43:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Vergleich mit Gawans Leid */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;   &lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist das Leid des Menschen in der Welt ein zentrales Thema. Wolfram stellt dar, wie dasLeid auf den Menschen fällt und auf individuelle Weise getragen oder überwunden werden kann. Bereits in seinem Prlolog formuliert den Leitgedanken der Geschichte. Sie soll neben Glück auch das Leid des Menschen zeigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu hoert dirre âventiure site.|| Hört lieber, was es mit der Geschichte auf sich hat:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu lât iuch wizzen beide|| Sie wird euch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von liebe und von leide:|| Glück und Leiden zeigen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,28-30)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
==Das Leid im Parzival==&lt;br /&gt;
Durch den Weg Parzivals stellt Wolfram dar, dass in der Welt zu leben heißt, Leid zu erfahren und es zu überwinden. Der Protagonist verfällt selbst immer wieder in Leid, stürzt aber auch seine Mitmenschen tiefes Leid.&amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf den Artikel [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] hinzuweisen. Er untersucht inwieweit man in diesem Fall von Parzivals Schuld sprechen kann.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das Leid kann nach Wolfram in &amp;quot;triuwe&amp;quot; getragen werden oder zum Tod führen. Wolfram beschreibt am Beispiel des Protagonisten allerdings auch, dass Leid überwunden werden kann und es möglich ist durch die Überwindung höchste Freude und Ehre zu erlangen. So wird Parzival, nachdem er aufgrund seine Schuld aus der Gralsgesellschaft verstoßen wurde &amp;lt;ref&amp;gt; Es sei an dieser Stelle verwiesen auf die Artikel [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] und [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]], in welcher die Verfluchung Parzival näher untersucht wird.&amp;lt;/ref&amp;gt; (255, 2-20; 316, 11ff), schließlich doch zum Gralskönig berufen (781, 11-30). Wolfram stellt dar, wie die  Auflehnung gegen das Leid falsche Reaktionen Parzivals hervorruft und er somit nur langsam zur richtigen Erkenntnis gelangt. Präzise beschreibt er wie der Protagonist durch das Leid wächst und was das Leid für seine seelische Existenz bedeutet.&lt;br /&gt;
Das langsame Reifen des Helden ist begleitet von leidvollem Erleben in der Welt. Das Leiden ist im Parzival ständig präsent, im menschlichen Dasein allgemein, welches hilflos dem Leiden ausgesetzt ist. Auch wird anhand einzelner Figuren dargestellt, die, da sie [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] auf sich geladen haben, in Leid geraten aber häufig auch solche, die schuldlos leiden. &lt;br /&gt;
Es folgt eine Darstellung einzelner Figuren, die innerhalb des Romans in Leid verfallen. Vor allem soll aber das Leid des Protoagonisten Parzivals und seine persönliche Entwicklung durch das Leid analysiert werden.&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
In der Vorgeschichte wird [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Leid dargestellt. Durch den Tod des Vaters wird er seines Landes sowie seiner Herrschaft beraubt und vertrieben (5, 1-30). In der Ferne versucht er sich in ritterlichen Kämpfen zu bewähren, findet dort jedoch den Tod. Dies stürzt seinen Bruder in Leid, da er ihn zurückhalten wollte. Auch den Frauen [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] bringt er Leid, das Leid der Minne und der Trauer, da er beide verlässt. Belacane verlässt er des Nachts heimlich aus Sehnsucht nach Abendteuern (54,18f). Er hinterlässt ihr einen Abschiedsbrief, in welchem er die Trennung aufgrund der unterschiedlichen Konfessionen begründet. &amp;lt;ref&amp;gt; Inwiefern diese Begründung als reine Ausrede gewertet werden kann wird in dem Artikel [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] genauer untersucht. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Trennung bricht Belacane das Herz (57, 11-12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] Leid beginnt mit dem Tod ihres geliebten Mannes [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] (110, 2-9). In Kummer und Klage versunken zieht sie sich zusammen mit ihrem Sohn in die Waldeinsamkeit zurück und nimmt das Leid auf sich:&lt;br /&gt;
(116, 28-30)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou Herzeloyde diu rîche || Die edle Herzeloyde, die Königin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir drîer lande wart ein gast: || verbannte sich selbst aus ihren drei Reichen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truoc der freuden mangels last. || sie nahm auf sich die Last des Mangels an allen guten Dingen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival jedoch loszieht um Ritter zu werden, wird das Leid für sie unerträglich. Sie stirbt schließlich an ihrem gebrochenen Herzen. &lt;br /&gt;
(128, 18-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach|| Als sie ihren Sohn nicht mehr sah,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| (der reit enwec: wemst deste baz?),|| der ritt davon - es wird ihm doch keiner je weiter, je besser nachrufen? -, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz|| da also fiel die Dame, die sich niemals hergab zu untreuen Dingen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde, aldâ si jâmer sneit|| zur Erde nieder. Und es ging der Schmerz mit Messer über sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz se ein sterben niht vermeit.|| So konnte sie dem Sterben nicht entkommen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===  &lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] leidet unter dem Tod ihres Geliebten Schionatulanders (141, 11-24). Er starb in einer Tjost, welche sie von ihm als [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]] forderte. Ihr Leid erhält einen Sinn, da sie ihre Forderung als maßlos ansieht und die Schuld für den Tod ihre Geliebten auf sich läd. Sie begiebt sich in Buße, Läuterung und Sühne, verliert ihre Schönheit, lebt in Askese fernab der Gesellschaft in tiefem Jammer und Leid versunken. Ihr Leid und ihre Klage werden im neunten Buch religiös konnotiert, da sie ihr Leid und Leben sukzessive an den Toten angleicht. In der Vereinigung mit dem Geliebten wird ihr Leid schließlich vollendet, sie findet Ruhe im Tod. [Mertens Fleury 2006]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Jeschute===&lt;br /&gt;
Parzival treibt [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]] ins Unglück, da er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;tumpheit&amp;quot;]] den Auftrag seiner Mutter ausführt. Er beraubt sie ihres Ringes, ihrer Brosche uns eines Kusses. Parzivals Vergehen an Jeschute bewirkt die Demütigung durch ihren Ehemann [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus ]](136, 23 - 137, 4). Diesem ist allerdings nicht bewusst, dass seine Gattin nicht willentlich Ehebruch beging, sondern von Parzival genötigt wurde. Wolfram beschreibt, dass Jeschute ihr Leid demütig trägt (137, 20-26), somit von Gott wieder aufgenommen wird und sich ihr Leid in große Freunde umwandelt. Jeschutes Leidensweg ist einer der Belege dafür, dass für Wolfram das Leid nicht auswegslos ist. Der Mensch kann durch den Glauben an Gott durch Gottes Gnade von seinem Leid erlöst werden. Er stellt immer wieder eine christliche Lösung für das Leid dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gurnemanz===  &lt;br /&gt;
In der Figur [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] stellt Wolfram eine Form des leidvollen menschlichen Daseins dar. [Maurer 1969] Gurnemanz leidet an der Trauer um seine drei verstorbenen Söhne und deren Mutter, welche der Verlust der Söhne selbst zum Tode führte (177, 27- 178, 26). Parzival bringt Gurnemanz weiteres Leid. Er hoffte nämlich auf die Vermählung seiner Tochter und Parzivals und sah deshalb Parzival bereits als seinen Sohn an. Da dieser jedoch Liaze nicht zur Frau nimmt, bedeutet dies für Gurnemanz den Verlust eines weiteren Sohnes:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô sprach der fürste ûz triwe erkorn|| Es sprach der Fürst, der Treueste unter den Treuen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `ir sît mîn vierder sun verlorn.|| &amp;quot;Ihr seid mein vierter Sohn, den ich verloren habe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(177, 13-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwiramurs===&lt;br /&gt;
Obwohl Parzival Condwiramurs von ihrem Leid durch die Belagerung befreite, stürzt er sie bald darauf erneut ins Leid. Er heiratete Condwiramurs und verließ sie weniger Tage nach der Hochzeit wieder um auf Abenteuerfahrt zu gehen. Sie leidet sehr unter der Trennung von ihrem Mann. Doch nicht nur Condwiramurs leidet unter der Trennung, auch Parzival sehnt sich nach seiner Ehefrau. Diese Sehnsucht quält ihn sehr: &amp;quot;got wil mîner freude niht. diu mich twinget minnen gir&amp;quot; (Parzival, 733,8-9).[Pratelidis 1994: S. 191]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] muss leiden, da er sein Leben nicht in &amp;quot;kiusche&amp;quot; verbrachte. Gerade er als Gralsskönig wäre jedoch zur Befolgung dieser ethischen Forderung in höchstem Maße verpflichtet gewesen. Sein immenses Leid folgt aus dieser Sünde:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was worden wette|| Die beiden waren fertig miteinander:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwischen im und der vröude:|| er und das Glück.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lebte niht wan töude.|| Sein Leben war nur mehr ein Sterben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 230,18-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Leid ist so groß, dass es sogar auf die ganze Gralsgesellschaft übergreift. Als Parzival auf [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] gelangt, bietet sich ihm ein Bild von &amp;quot;nôt&amp;quot; und &amp;quot;jâmer&amp;quot;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Leid==&lt;br /&gt;
Parzival ist von Geburt an mit Leid konfrontiert. Auf seinem Weg begegnet er Leid, verursacht und behebt es.&lt;br /&gt;
Bereits in seiner Kindheit erlebt er das Leid seiner Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], die in tiefer Trauer um ihren Gatten [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] ist. &lt;br /&gt;
Auch sein Rittertum ist gezeichnet von Begegnungen mit dem Leid.  Als er auf Jeschute trifft, fügt er ihr Leid zu, indem er sie durch den Raub ihres Ringes und einen Kuss entehrt. Orilus fügt Jeschute daraufhin körperliche Gewalt zu und erniedrigt sie öffentlich. Indirekt ist Perzival auch für dieses Leid Jeschutes verantwortlich.&lt;br /&gt;
Durch den Mord an seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] bringt er wiederum Leid in die Welt. Er tötet [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] und löst dadurch tiefe Trauer bei den Frauen am Artushof aus. Wiederum verursacht Parzival zunächst direkt Leid in Form des Mordes und indirekt in der Wirkung seiner Tat, die sich als Trauer um den Verstorbenen äußert.&lt;br /&gt;
In den folgenden Begegnungen wird ihm Leid vorgeführt. Zuerst durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche sich in tiefem Jammer und Trauer um ihren Geliebten Schionatulander befindet und ein weiteres Mal durch [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der um seine verstorbenen drei Söhne und seine Frau trauert. Parzival wiederum bringt Gurnemanz Leid, da er seine Tochter Liaze nicht zur Frau nimmt und somit nicht der von Gurnemanz ersehnte neue Sohn für ihn wird.&lt;br /&gt;
Nach Maurer stellt die Begegnung mit [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Leid, einen entscheidenden Einschnitt in Parzivals Entwicklung dar. [Maurer 1969] Auf Munsalvaesche begegnet er unterschiedlichen Ausdrucksformen des Leids. Es herrscht allgemein eine drückende, stumme Trauer und weitverbreitet ist der Kummer unter den Rittern und der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgesellschaft]]. Der Kummer ist Ausdruck des Mitleids gegenüber Anfortas, der sich aufgrund seiner Sünde in tiefem Leid befindet. Zu diesem Leid schweigt Parzival, genau dies wird ihm zum Verhängnis und er stürzt selbst in tiefes Leid. Jedoch wird der Vorwurf an Parzival, er habe in diesem Moment kein Mitleid empfunden, von Wolfram entkräftet. Dieser schreibt, Parzival habe sich deshalb nicht getraut zu fragen, da er sich der Lehre Gurnemanz´ erinnerte, die ihm das tölpelhafte Fragen untersagte.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch zuht in vrâgens doch verdrôz.|| doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er dâhte ´mir riet Gurnamanz|| Er dachte: &amp;gt;Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz,|| hat mir beigebracht - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| daß ich nicht viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 239,10-13)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Katharina Mertens Fleury merkt hierzu an, dass bei Parzival höfische zuht und affektive Leidenspartizipation miteinander in Spannung stünden. Zwar empfinde er Mitleid, hielte sich aber gehorsam an die Lehre Gurnemanz. Überdies habe er bisher erfahren, dass seine Neugierde bisher immer durch die Erklärung gestillt wurde. So hat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] ihn über seine Trauer aufgeklärt und auch Condwinamur berichtete über das Leid auf Pelrapeire. Katharina Mertens Fleury schließt daraus, dass Parzival damit rechnet noch über den Leidenszustand aufgeklärt zu werden. Er stelle die Frage nicht aus mangelndem Mitleid, sondern aus mangelnder Erfahrung mit dem Leid. [Mertens Fleury 2006: S.148]&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Durch das Frageversäumnis gelangt er selbst in weiteres und tieferes Leid. Bereits in der Nacht verfolgen in schwere Träume, welche ihm vorausdeuten, dass in Leid erwartet, welches er bisher nicht kannte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac:|| Parzivâl lag nicht alleine; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac|| mit ihm in seinem Bett war bis zum Morgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit.|| die böse Qual&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 245,4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Es sind Leiden, deren Ursache Parzival bei sich selber suchen muss, und  das schmerzt tiefer als angetanes Leid.“ Maurer spricht bei dem folgenden Leid vom Leid der Entehrung. [Maurer 1969: S. 119] Es trifft ihn schwer, da er gerade begonnen hatte das Leid, welches er ihnen angetan hatte,  durch di Versöhnung Orilus´ und Jeschtues wieder gutzumachen.&lt;br /&gt;
Zunächst erfährt er dies durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche ihn für sein mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas anklagt und kurz darauf verflucht ihn [[Die Gralsbotin Cundrîe |Cundrîe ]] öffentlich für seine &amp;quot;untriuwe&amp;quot;, sein mangelndes &amp;quot;erbermen&amp;quot; und unterstellt ihm, Schande über den Artushof zu bringen. Dies geschieht zu einem Zeitpunkt als Parzival gerade zu höchster Ehre emporgestiegen ist. Die Worte [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîes]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes]] berauben ihn seiner Ehre und er stürzt in tiefes Leid. Da er sich seines Versagens nicht bewusst ist, sich zu Unrecht angeklagt fühlt, verfällt er in Trotz und &amp;quot;zwîvel&amp;quot;. Dieser &amp;quot;zwîvel&amp;quot; verhärtet sich als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] ihm Gott als Trostspender vorschlägt. Er  beginnt über Gott zu lästern und sagt ihm schließlich die Feindschaft an. Die Folge des schweren Leidens der Entehrung ist somit die Absage an Gott. Wolfram stellt dadurch Parzivals falsches [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] dar, sein mangelndes Vertrauen in die Gnade Gottes. &lt;br /&gt;
Die Gotteslästerung, der Trotz gegen ihn und die Absage an Gott sind nach christlichem Verständnis Sünde. Wolfram  zeigt, dass tiefes Leid zu Sünde führt und dies ist eine bewusste und willentliche [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]], welche nun auf Parzival lastet.&lt;br /&gt;
Nach der Belehrung [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents ]] bekennt sich Parzival seiner Schuld und die &amp;quot;schame&amp;quot; verhindert, dass er völlig in Sünde verfällt. Wolfram zeigt hier einen Ausweg aus dem Leid, welches durch Sünde verschuldet wurde. Es ist der Weg der Umkehr durch &amp;quot;kiusche&amp;quot; und &amp;quot;schame&amp;quot;. Parzival erfährt durch &amp;quot;riuwe&amp;quot; die Gnade Gottes und wird somit von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Vergleich mit Gawans Leid===&lt;br /&gt;
Maurer betrachtet im Vergleich [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] Umgang mit der Entehrung. Auch er wird kurz nach Parzival von Kingrimursel öffentlich entehrt. [Maurer 1969: S.121] Er habe, so Kingrimursel, die Gesetze des Rittertums verletzt  und soll sich dafür in einem Gerichtskampf verantworten (321, 1-30). Maurer stellt fest, dass die Reaktion Gawans sich von der Parzivals unterscheidet. Gawan macht sich auf, seinem Beleidiger entgegenzutreten. Sein Weg dorthin wird ihm allerdings durch mehrere Kämpfe und Âventiuren erschwert. Anhand der Gawan-Partie (Buch VII und VIII) stellt Wolfram wiederum &amp;quot;die beiden Seiten menschlicher Existenz: Ehre und Leid&amp;quot; dar. [Maurer 1969: S. 121] Besonders in Buch VIII, so Maurer, sei die Niederlage Gawans stark betont, allerdings stelle Wolfram ein Leid auf ganz anderer Ebene dar. Gawan leide unter Misserfolg in der [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] sowie an Kampfnot. Anzumerken ist hierzu jedoch, dass das kurze Liebesverhältnis zu Obilot im siebten Buch schließlich der  jungen Frau Leid bereitet, da Gawan sie, die bittere Tränen weint, verlässt (397,  15-19). Dagegen ist die Begegnung mit Orgeluse im zehnten Buch und Gawans Werben um sie gezeichnet von Enttäuschung und Leid Gawans, da [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] Gawans Bemühungen um sie mit Spott und Schmähungen beantwortet. Anders als Parzival verzweifelt er nicht an seinem Leiden, sondern erkennt, dass er sich unterwerfen und das Leid auf sich nehmen muss. Maurer stellt die These auf, dass ein Sinn der Gawanhandlung darin läge, ein Ebenbild das Verhalten Parzivals dazustellen um somit Parzivals Umgang mit dem Leid in einem anderen Licht erscheinen zu lassen. Überdies markiere das kurzzeitige Verschwinden Parzivals aus der Handlung die neue und völlig andere Art des Leidens, welches von da an beginne. [Maurer 1969: S.121]&lt;br /&gt;
Wolfram stellt in der Figur des Parzivals das Erleiden nicht verschuldeten Leides, welches somit als Entehrung empfunden wird, dar. Sein Leid in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist geprägt von der Sehnsucht nach Condwiramurs. Auf dieses Leid reagiert Parzival, wie bereits dargestellt, impulsiv und sehr emotional. &amp;lt;ref&amp;gt; An dieser Stelle ist auf die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]] zu verweisen, in welcher Parzival in einen Trancezustand gerät, nachdem ihn drei Blutstropfen im Schnee an Condwiramur erinnerten. Auch ist auf Parzivals [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abkehr von Gott]] zu verweisen, von dem er sich verlassen fühlt &amp;lt;/ref&amp;gt; Im Vergleich zu Gawan wird deutlich, dass Gawan von Wolfram als der erfahren Ritter dargestellt, welcher wohl reflektiert und ehrenhaft handelt, wohingegen Parzival als junger unerfahrener Ritter noch vieles Lernen muss. Dieses Erlernen ist aufgrund seiner &amp;quot;tumpheit&amp;quot; allerdings oft gekoppelt an Leid. Es wird deutlich, dass Parzival und Gawan das Leid in unterschiedlichen Lebenssituationen und Entwicklungsstufen trifft. Dies wiederum bedingt den unterschiedlichen Umgang der beiden Helden mit dem Leid.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das geistige Leid Parzivals===&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Leid, welches Wolfram in seinem Werk mit besonderer Genauigkeit darstellt, beschreibt er kein körperliches Leiden, sondern das geistige. Anhand Parzivals Weg stellt er die Ursachen, das Verhalten im Leid, die Reaktion auf das Leid und die Möglichkeit der Erlösung von Leid dar. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Maurer hebt den prozessualen Charakter des Leids hervor. „Leid fördert den Menschen, macht ihn reifer, führt ihn zu Erkenntnissen und Einsichten, die ihm vor der Leiderfahrung fehlten.“ Er geht davon aus, dass Wolfram im Leid einen christlichen Sinn sieht. Denn nachdem sich Parzival demütig in sein Leid ergeben hat und für seine [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünden]] büßt, so wie es nach der Lehre Trevrizents der Wille Gottes ist, gelangt er zu Gottes Gnade und höchster Freude und Ehre. [Maurer 1969]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das für den Leidensweg Parzival zentrale Moment ist das Frageversäumnis gegenüber Anfortas. Er schweigt gegenüber dessen Leid, woraufhin er entehrt wird, in &amp;quot;zwîvel&amp;quot; gerät und sich schließlich von Gott abwendet. Ihm wird vor allem von Cundrie vorgeworfen gegenüber Anfortas´ Leid kein Mitleid gezeigt zu haben. Es stellt sich die Frage, ob Parzivals Leiden auch eine Form des Mit-Leidens darstellt, beziehungsweise in welcher Beziehung das Leiden Parzivals zu Anfortas Leid steht. Siegfried Grosse bemerkt dazu, dass &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im Parzival eine wichtige Rolle spielt. Bei seiner Untersuchung findet er 19 Belege für &amp;quot;erbarmen&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. [Grosse 1952] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ingrid Hahn untersucht die Frage, ob Parzival es tatsächlich aus mangelndem Mitleid versäumte, die Erlösungsfrage zu stellen. Sie sieht die Bedingungen der Leidensinteraktion im Wechselverhältnis von Erkennen und Erfahren, da im zwischenmenschlichen Verstehen ebenfalls eine solche innere Erkenntnis und Erfahrung voran gehen müsse. Somit sei Parzival zu diesem Zeitpunkt nicht in der Lage die Erlösungsfrage zu stellen, da es ihm persönlich an Erfahrungen mit dem Leid mangle. Erst die Erfahrung des eigenen &amp;quot;kumbers&amp;quot;, welcher aus Sünde und Leid erwachse, ermögliche das Verständnis Anfortas´ Leids. [Hahn 1975]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf ähnliche Weise betrachtet Dennis H. Green den Leidensweg Parzivals. Er betrachtet ihn als Prozess von &amp;quot;tumpheit&amp;quot; zu &amp;quot;wîsheit&amp;quot; und erklärt somit, dass das Erkennen des Leidens anderer nur mit dem Wissen um den eigenen Zustand möglich sei. Dennis H. Green sieht hierin eine christliche Motivation, denn die Erkenntnis des eigenen Leids in Demut sei die Grundlage für das Mitleid sowie für den Weg zu Gott. [Green 1982]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Folgt man diesen Thesen so lässt sich behaupten, dass Parzival auf Munsalvaesche zu dem Leid Anfortas zwar aus mangelndem Mitleid schwieg, jedoch nicht, weil er ein schlechter, sündhafter Mensch ist. Er ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Lage Mitleid in richtigem Maße zu empfinden, da es ihm an persönlichen Erfahrungen und innerer Erkenntnis mangelt. Erst durch die Lehre [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizents]] wird er von seinen Sünden, die er aufgrund seiner [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] unbewusst und nicht willentlich auf sich lud, erfahren und durch [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reue und Sühne]] innerlich reifen. Dadurch gelangt er zu dem wahren [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gottesbild]] und wird durch diese innere Wandlung von seinem Leid erlöst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Mertens Fleury 2006] Mertens Fleury, Katharina: Leiden lesen. Bedeutungen von compassio um 1200 und die Poetik des Mit-Leidens im ,Parzival` Wolframs von Eschenbach, Berlin 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1969] Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte besonders in den großen Epen der Staufischen Zeit, München 1969.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Grosse 1952] Grosse, Siegfried: Der Gedanke des Erbarmens in den deutschen Dichtungen des 12.und des 13. Jahrhunderts, Freiburg i. Br. 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens im Parzival, in: Verbum et signum. Beiträge zur mediävistischen Bedeutungsforschung. Studien zu Semantik und Sinntradition im Mittelalter Bd2, München 1975.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1982] Green, Dennis H.: The Art of Recognition in Wolframs´s Parzival, Cambridge 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral, Die   Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von   Eschenbach, Würzburg 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12090</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-24T06:41:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten offenbart Wolfram sein Verständnis für „triuwe“ im [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneverhältnis]]. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Nach Wolframs Darstellung wurde die sinnliche Leidenschaft von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht. Er beschreibt dadurch einen aktiven Eingriff der Götter, die dem Menschen die sinnliche Leidenschaft gewaltsam überbringen. Somit erscheint der Menschen jener Art der Liebe machtlos ausgeliefert. Diesen negativen Charakter unterstreicht er, indem er behauptet sie bringe nichts als Leid (Parz. 532, 1ff) und sie als die &amp;quot;ungehuire&amp;quot;  (Parz. 532, 6) bezeichnet. Am  Beispiel [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] führt er vor, wie diese Liebe den Menschen einnimmt. Gawan ist von der Liebe zu Orgeluse so überwältigt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe ausgeliefert. Doch seine  Liebe stellt Wolfram als die Liebe aus „triuwe“ dar. In der   Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner   Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum   die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft  inne  hat. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand des Liebesverhältnisses zwischen Parzival und Condwiramurs, stellt Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Als Beleg hierfür kann die Verwendung von „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ herangezogen werden. Auch inhaltlich ist nachzuweisen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; versteht. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desweiteren äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in Wolframs Darstellung in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, bringt sie es nicht über das Herz sich das Leben zu nehmen, da sie das Kind von seiner Liebe empfangen hat und eben dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgeschelcht]] beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]] mit, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] hat  sich aus Trauer über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940: S.164]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden soll anhand ihrer Person diese spezielle Art der &amp;quot;triuwe&amp;quot; erläutert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der sie einzigartig macht. Doch was macht diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich?&lt;br /&gt;
Sigunes tiefe Liebe zum Schionatulander entspringt eben dieser beispiellosen &amp;quot;triuwe&amp;quot;. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da die Liebe sie bis zuletzt  an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält seinen Leichnam in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt (141, 20-21). [Labusch 1959: S.15] Durch dieses Leid äußert sich die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triuwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott, denn Gott, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und verstößt ihn daraufhin aus der  Gralsgemeinschaft (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe eine der wichtigsten Charaktereigenschaften darstellt und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch „helfe“ unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; wird vor allem in der Hinwendung zu Parzival offenbar, für den als Wegweisein eine entscheidende Rolle in seinem Leben einnimmt. [Labusch 1959: S. 46-47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbärmen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbärmen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12089</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12089"/>
		<updated>2012-07-24T06:33:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten offenbart Wolfram sein Verständnis für „triuwe“ im [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneverhältnis]]. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Nach Wolframs Darstellung wurde die sinnliche Leidenschaft von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht. Er beschreibt dadurch einen aktiven Eingriff der Götter, die dem Menschen die sinnliche Leidenschaft gewaltsam überbringen. Somit erscheint der Menschen jener Art der Liebe machtlos ausgeliefert. Diesen negativen Charakter unterstreicht er, indem er behauptet sie bringe nichts als Leid (Parz. 532, 1ff) und sie als die &amp;quot;ungehuire&amp;quot;  (Parz. 532, 6) bezeichnet. Am  Beispiel [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] führt er vor, wie diese Liebe den Menschen einnimmt. Gawan ist von der Liebe zu Orgeluse so überwältigt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe ausgeliefert. Doch seine  Liebe stellt Wolfram als die Liebe aus „triuwe“ dar. In der   Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner   Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum   die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft  inne  hat. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand des Liebesverhältnisses zwischen Parzival und Condwiramurs, stellt Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Als Beleg hierfür kann die Verwendung von „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ herangezogen werden. Auch inhaltlich ist nachzuweisen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; versteht. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desweiteren äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in Wolframs Darstellung in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, bringt sie es nicht über das Herz sich das Leben zu nehmen, da sie das Kind von seiner Liebe empfangen hat und eben dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgeschelcht]] beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]] mit, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] hat  sich aus Trauer über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940: S.164]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden soll anhand ihrer Person diese spezielle Art der &amp;quot;triuwe&amp;quot; erläutert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der sie einzigartig macht. Doch was macht diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich?&lt;br /&gt;
Sigunes tiefe Liebe zum Schionatulander entspringt eben dieser beispiellosen &amp;quot;triuwe&amp;quot;. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da die Liebe sie bis zuletzt  an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält seinen Leichnam in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt (141, 20-21). [Labusch 1959: S.15] Durch dieses Leid äußert sich die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triuwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott, denn Gott, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und verstößt ihn daraufhin aus der  Gralsgemeinschaft (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe eine der wichtigsten Charaktereigenschaften darstellt und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch „helfe“ unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Parzival drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbärmen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbärmen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12088</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12088"/>
		<updated>2012-07-24T06:22:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten offenbart Wolfram sein Verständnis für „triuwe“ im [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneverhältnis]]. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Nach Wolframs Darstellung wurde die sinnliche Leidenschaft von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht. Er beschreibt dadurch einen aktiven Eingriff der Götter, die dem Menschen die sinnliche Leidenschaft gewaltsam überbringen. Somit erscheint der Menschen jener Art der Liebe machtlos ausgeliefert. Diesen negativen Charakter unterstreicht er, indem er behauptet sie bringe nichts als Leid (Parz. 532, 1ff) und sie als die &amp;quot;ungehuire&amp;quot;  (Parz. 532, 6) bezeichnet. Am  Beispiel [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] führt er vor, wie diese Liebe den Menschen einnimmt. Gawan ist von der Liebe zu Orgeluse so überwältigt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe ausgeliefert. Doch seine  Liebe stellt Wolfram als die Liebe aus „triuwe“ dar. In der   Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner   Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum   die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft  inne  hat. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand des Liebesverhältnisses zwischen Parzival und Condwiramurs, stellt Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Als Beleg hierfür kann die Verwendung von „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ herangezogen werden. Auch inhaltlich ist nachzuweisen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; versteht. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desweiteren äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in Wolframs Darstellung in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, bringt sie es nicht über das Herz sich das Leben zu nehmen, da sie das Kind von seiner Liebe empfangen hat und eben dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgeschelcht]] beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]] mit, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] hat  sich aus Trauer über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940: S.164]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden soll anhand ihrer Person diese spezielle Art der &amp;quot;triuwe&amp;quot; erläutert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der sie einzigartig macht. Doch was macht diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich?&lt;br /&gt;
Sigunes tiefe Liebe zum Schionatulander entspringt eben dieser beispiellosen &amp;quot;triuwe&amp;quot;. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da die Liebe sie bis zuletzt  an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält seinen Leichnam in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triuwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott, denn Gott, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und verstößt ihn daraufhin aus der  Gralsgemeinschaft (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe eine der wichtigsten Charaktereigenschaften darstellt und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch „helfe“ unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Parzival drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbärmen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbärmen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12087</id>
		<title>Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12087"/>
		<updated>2012-07-24T06:19:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Orgeluses Schönheit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Orgeluse&#039;&#039;&#039;, die Herzogin von Logroys, ist die Witwe des Cidegast und wird im späteren Verlauf des Parzivalromans zur Ehefrau des [[Gawan_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]]. Ihre Schönheit wird als außerordentlich beschrieben, die nur von [[Condwiramurs_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Condwiramurs]], der Ehefrau des Parzival, übertroffen wird. Als Witwe ist sie über lange Strecken des Romans die einzige Frau, die ihre Herrschaft selbstständig ohne Ehemann zu sichern vermag und die ihre Schönheit in Verbindung mit dem ritterlichen Minnedienst systematisch zum Erreichen ihrer Ziele einsetzt. Besonders auffällig ist ihr selbstbewusstes Auftreten und ihre spöttische Redeweise. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orgeluses Verbindung von Ehe, Rache und Minnedienst==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Orgeluse war mit dem Ritter Cidegast verheiratet, bis dieser von [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] getötet wurde. Gramoflanz entführte sie daraufhin und versuchte die Ehe zu erzwingen. Sie widersetzte sich ihm jedoch und sann fortan auf Rache. Während der Romanhandlung wird deutlich, dass sich mehrere Ritter in ihrem Dienst befinden, wie z.B. Lischoys Gweljus oder der Turkyote, die sie benutzt um einen möglichst starken Gegner für [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]] zu finden. Ebenso befand sich einst der Gralskönig [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]] in ihrem Dienst, bei dem er sich seine schwere Verletzung zuzog. Indem Wolfram von Eschenbach das Leiden des Anfortas mit der Figur Orgeluse verbindet, lässt er Orgeluse eine außerordentliche Stellung im gesamten Romangeschehen zuteilwerden. Emmerling bezeichnet Orgeluse auf Grund dieser Verflechtung als &amp;quot;Ur-Movens der gesamten Romanhandlung.&amp;quot; [Emmerling 2003: S. 325]  Orgeluse versucht ebenso Parzival in ihren Dienst zu bringen. Auffällig bei der Begegnung zwischen den beiden Figuren ist, dass der zukünftige Gralskönig Parzival im Gegensatz zu dem amtierenden Gralskönig Anfortas das Angebot von Orgeluse mit dem Verweis auf seine Gemahlin [[Condwiramurs_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Condwiramurs]] und seine Suche nach dem [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] ablehnt. Durch seine Treue zu Condwiramurs und die daraus folgende Zurückweisung von Orgeluse zeigt Parzival, dass er als zukünftiger Gralskönig würdiger ist als Anfortas. [Emmerling 2003: Vgl. S. 156] Der schönen Orgeluse fällt es jedoch schwer diese Abweisung zu akzeptieren:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mînen lîp gesach nie man, || Alle Männer, die mich sahen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine möhte wol sîn diens hân; || konnt ich für mich dienen lassen - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan einer, der truoc wâpen rôt || nur nicht den in roter Rüstung [gemeint ist Parzival]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach, er hete ein schœner wîp, || Er sagte, seine Frau sei schöner,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt diu im lieber wære. || außerdem sei sie ihm lieber - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu rede was mir swære: || dies zu hören, fiel mir schwer.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 618,19-21; 619,4-6.) &amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl  Lachmann. Übersetzung von Dieter Kühn. Kommentiert von Eberhard  Nellmann, Deutscher Klassiker Verlag, Frankfurt am Main, 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Gawan_und_Orgeluse.jpg|thumb|220px| Orgeluse nimmt Gawan in den Minnedienst auf (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl. 377v.) ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum Zweck der Rache nimmt sie aber [[Gawan_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] in ihren Dienst auf, der nicht nur ihre Prüfungen besteht, sondern auch das [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abenteuer auf Schastel marveile]] überlebt. Der Zauberer [[Clinschor_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Clinschor]] hatte entschieden, dass derjenige, der das Abenteuer auf der Burg überlebt, Herr über dieses Gebiet und die dort Lebenden sein solle. Mit Orgeluse hatte er vertraglich ausgemacht, dass sie eben dieser Person auch ihre Liebe anbieten solle. Sie hatte dadurch gehofft, [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]] anzulocken, der am Abenteuer im Schastel marveile scheitern und umkommen sollte. Durch Orgeluses Beziehungen zu Gawan und Anfortas, sowie ihrer Begegnung mit Parzival wird Orgeluse zu einer zentralen Verbindungslinie sowohl zwischen der Gawan- und der Parzival-Handlung als auch zwischen dem Gralsreich und dem Artusreich.&lt;br /&gt;
Der spätere Zweikampf zwischen [[Gawan_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] und Gramoflanz wird durch die Vermittlung von [[König_Artus_(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] mit Rücksicht auf die Liebesbeziehung zwischen [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]] und [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]], Gawans Schwester, abgesagt. Orgeluse muss ihren Hass gegenüber [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]] überwinden und ihm den Versöhnungskuss geben, was ihr sichtlich schwer fällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir süezer munt rot gevar || Da gab ihr schöner, roter Mund&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den künec durch suone kuste, || dem König einen Friedenskuß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar umb si weinens luste || Sie war dabei den Tränen nah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dâhte an Cidegastes tôt: || Ihr fiel der Tod des Cidegast ein:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô twanc si wîplîchiu nôt || die Leidensfähigkeit der Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch im dennoch ir riuwe || erzwang auch jetzt noch Schmerz um ihn.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| welt ir, des jeht für triuwe. || Nennt es Treue, wenn ihr wollt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 729,18-24.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Beschreibung Orgeluses durch den Erzähler kommt auch Orgeluses [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] (Treue), als ein zentrales Charaktermerkmal ihrer Person, zum Ausdruck. Orgeluses Rachegelüste gründen auf ihrer Treue zu Cidegast. Diese Treue führt nun dazu, dass Orgeluse nur unter Tränen Gramoflanz den Friedenskuss geben kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orgeluses Schönheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Orgeluses Aussehen wird beschrieben, als Gawan ihr das erste mal begegnet und ihn ihre Schönheit in den Bann schlägt. Das Blitzen Sangives, Itonjes und Cundries erschienen Gawan wie ein Nebeltag im Vergleich zu dem hellen Schein Orgeluses (591, 12-17). Allein [[Condwiramurs_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Condwiramurs]] schafft es, sie an Schönheit zu übertreffen. Wolfram beschreibt Orgeluse mit seiner oft verwendeten Lichtmetaphorik: Ihre Schönheit würde ausreichen um einen dunklen Raum zu erhellen.[Dallapiazza 2009: S.71] Es ist deshalb auch nicht verwunderlich, dass sich eine Vielzahl an Rittern in ihrem Dienst befinden.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit clârheit süeze was daz wîp, || Die Frau war hübsch, war voller Anmut&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol geschict unt kurtoys. || war wohlgeformt und courtois;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si hiez Orgelûse de Lôgroys. || sie hieß Orgelleuse de Logrois.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| och sagt uns d&#039;âventiur von ir, || Ferner erzählt uns die histoire,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wære ein reizel minnen gir, || sie sei der Liebeslust ein Köder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ougen süeze ân smerzen, || sei eine wahre Augenweide,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt ein spansenwe des herzen. || sei Schleudersehne für das Herz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 508,24-30.)&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Orgeluse hat Macht über die Männer, da jeder bis auf Parzival ihrer außergewöhnlichen Schönheit erliegt. [Huber 1981] Doch Orgeluse weiß die Schönheit zu ihren Gunsten einzusetzen (511, 20) und macht jene zum Gespött, die sich ihrem Willen unterwerfen (515, 11-19 und 514, 16-18). Auch Gawan ist von ihrer Gestalt in den Bann gezogen, so sehr, dass er allen Hohn und Spott in Kauf nimmt um in ihrer Gunst zu steigen (531, 9-10). Orgeluse ist für ihn Maienzeit und Blütenpracht (531, 19-26), sodass ihr &amp;quot;varwe glanz&amp;quot; (600, 19: lichter Glanz) Gawan sogar seine Schmerzen vergessen lässt(600, 17-19). &lt;br /&gt;
Wolfram weist darauf hin, dass er vorsätzlich eine Beschreibung ihrer Kleidung unterlasse, da die natürliche Schönheit dieser anmutigen Frau Kleidung genug sei:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waz si anderr kleider trüege?|| Und was sie sonst für Kleider trug, fragt ihr?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob ich nu des gewüege,|| Nun, wenn es denn sein soll, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ich prüeven solt ir wât,|| daß ich ihre Garderobe vorführe - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir liehter blic mich des erlât. || geschenkt, laß gut sein: Sie trug blitzenden Glanz am Leib, das genügt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 515, 8-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram hebt häufiger als nötig Orgeluses Schönheit hervor und erreicht es so, der besonderen Wirkung ihrer Schönheit Nachdruck zu verleihen. [Huber 1981]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Orgeluses Auftreten und Redeweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem System der [[Schönheit_und_Hässlichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Kalokagathie]] könnte man meinen, dass &amp;quot;Orgeluse ein tugendhafter, guter Mensch sein müsse&amp;quot;, sofern man also von äußerer auf innere Schönheit schließt.[Michailowitsch 2007: S. 67] Doch ihr Verhalten und ihre Rede widerspricht diesem Prinzip, denn sie verhält sich unhöfisch, ja regelrecht frech. Für [[Gawan_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]], den höfischen und vorbildlichen Ritter, hat sie zuerst nur Spott und Hohn übrig. Seine erste Aufgabe in ihrem Dienst ist eher ein Botengang, der gegenüber dem Ritter eine Demütigung darstellen soll.&lt;br /&gt;
Die Menschen in Orgeluses Gefolge sehen diese Demütigung mit Bekümmern:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;gt;mîner frowen trügeheit || &amp;gt;Unsre Herrin, sie ist falsch,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil disen man verleiten || sie will den Mann zu einer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze grôzen arbeiten. || großen Plackerei verleiten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz er ir volgen wil || Wie schlimm, daß er ihr folgen muß - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf alsus riwebæriu zil.&amp;lt; || nur leidvoll kann dies alles enden.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 513,12-16.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso traurig ist ein grauhaariger Ritter, der Gawan bittet, seiner Herrin nicht weiter zu dienen und sie folgendermaßen charakterisiert:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan diu ist bî der süeze al sûr, || Sie ist beides: süß und bitter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht als ein sunnenblicker schûr. || wie Hagelschlag aus heiterem Himmel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 514,19-20.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da zu Beginn Orgeluse, abgesehen von ihrer Schönheit, hauptsächlich negativ dargestellt wird, wendet sich der Erzähler an dieser Stelle an den Leser und bittet darum, die Herzogin nicht gleich zu verurteilen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer nu des wil volgen mir, || Wer mir hier weiter folgen will,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der mîde valsche rede gein ir. || der spreche nicht zu schlecht von ihr.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| niemen sich verspreche, || Keiner nehme den Mund zu voll,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ern wizze ê waz er reche, || bevor er weiß, was er verdammt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz er gewinne küende || bevor er in Erfahrung bringt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiez umb ir herze stüende. || wie es um ihr Herz bestellt ist.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival. 516,3-8.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Leser erfährt nämlich erst später von Orgeluses Racheplänen und erst durch dieses Wissen wird ihr Verhalten und auch die Instrumentalisierung des Minnedienstes verständlich. Ihr Verhalten verändert sich jedoch auch im Laufe des Romans, was wesentlich Gawans Bestehen der Prüfungen und dem [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Abenteuer auf Schastel marveile]] geschuldet ist. Durch ihn wird sie wieder mehr in die höfische Gesellschaft eingebunden und ordnet sich auch wieder deren Regeln unter. Außerdem gelingt es ihr, durch die Liebe zu Gawan, von ihren Racheplänen abzusehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht nur in ihrer Herrscherposition ist Orgeluse vielen Männern des Romans gleichgestellt, auch ihr Verhalten zeugt von einer gewissen Emanzipation. Als [[Gawan_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] ihr Hilfe beim Aufsteigen des Pferdes anbietet, schlägt sie diese aus und springt stattdessen &amp;quot;wie ein &#039;garzun&#039; (Knappe) aufs Pferd&amp;quot;.[Baisch 1999: S. 26] Außerdem bedient sie sich in den zahlreichen Dialogen mit [[Gawan_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] eine &amp;quot;Sprache [...], die der Roman sonst männlichen Figuren vorbehält.&amp;quot;[Baisch 1999: S. 26]&lt;br /&gt;
Indem sie durch Spott und Hohn die Ehre verschiedener Ritter angreift, bringt sie diese dazu ihr zu dienen um die Ehre wiederherzustellen, ohne das Orgeluse irgendeine Form der Entlohnung in Aussicht stellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zwischen Gawan und Orgeluse==&lt;br /&gt;
Bezüglich einer genaueren Darstellung des Minneverhältnisses zwischen Gawan und Orgeluse sei auf den separaten Artikel [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan und die Minne]] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Baisch 1999] Baisch, Martin: Orgeluse - Aspekte ihrer Konzeption in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, in: Schwierige Frauen - schwierige Männer in der Literatur des Mittelalters. hg. von Alois M. Haas und Ingrid Kasten, Bern, Berlin u.a. 1999, S. 15-33.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009 (Klassiker-Lektüren 12).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Emmerling 2003] Emmerling, Sonja: Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des Parzival. Wolframs Arbeit an einem literarischen Modell, Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Michailowitsch 2007] Michailowitsch, Ute: &amp;quot;[S]o frech dürfen schöne Frauen sonst kaum irgendwo sein&amp;quot;. Zur Orgeluse-Episode in Wolframs von Eschenbach Parzival. In: Studia Universitatis Babeş-Bolyai, Philologia Vol. 52, Issue 1, Cluj 2007, S. 65-78.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Huber 1981] Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Zürich, 1981&lt;br /&gt;
[[Kategorie:literarische Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12017</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12017"/>
		<updated>2012-07-23T17:46:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten offenbart Wolfram sein Verständnis für „triuwe“ im [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneverhältnis]]. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Nach Wolframs Darstellung wurde die sinnliche Leidenschaft von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht. Er beschreibt dadurch einen aktiven Eingriff der Götter, die dem Menschen die sinnliche Leidenschaft gewaltsam überbringen. Somit erscheint der Menschen jener Art der Liebe machtlos ausgeliefert. Diesen negativen Charakter unterstreicht er, indem er behauptet sie bringe nichts als Leid (Parz. 532, 1ff) und sie als die &amp;quot;ungehuire&amp;quot;  (Parz. 532, 6) bezeichnet. Am  Beispiel [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] führt er vor, wie diese Liebe den Menschen einnimmt. Gawan ist von der Liebe zu Orgeluse so überwältigt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe ausgeliefert. Doch seine  Liebe stellt Wolfram als die Liebe aus „triuwe“ dar. In der   Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner   Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum   die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft  inne  hat. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand des Liebesverhältnisses zwischen Parzival und Condwiramurs, stellt Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Als Beleg hierfür kann die Verwendung von „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ herangezogen werden. Auch inhaltlich ist nachzuweisen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; versteht. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desweiteren äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in Wolframs Darstellung in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, bringt sie es nicht über das Herz sich das Leben zu nehmen, da sie das Kind von seiner Liebe empfangen hat und eben dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgeschelcht]] beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]] mit, [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] hat  sich aus Trauer über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden soll anhand ihrer Person diese spezielle Art der &amp;quot;triuwe&amp;quot; erläutert werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der sie einzigartig macht. Doch was macht diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich?&lt;br /&gt;
Sigunes tiefe Liebe zum Schionatulander entspringt eben dieser beispiellosen &amp;quot;triuwe&amp;quot;. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da die Liebe sie bis zuletzt  an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält seinen Leichnam in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triuwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott, denn Gott, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und verstößt ihn daraufhin aus der  Gralsgemeinschaft (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe eine der wichtigsten Charaktereigenschaften darstellt und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch „helfe“ unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Parzival drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbärmen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbärmen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12014</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12014"/>
		<updated>2012-07-23T17:32:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten offenbart Wolfram sein Verständnis für „triuwe“ im [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneverhältnis]]. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Nach Wolframs Darstellung wurde die sinnliche Leidenschaft von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht. Er beschreibt dadurch einen aktiven Eingriff der Götter, die dem Menschen die sinnliche Leidenschaft gewaltsam überbringen. Somit erscheint der Menschen jener Art der Liebe machtlos ausgeliefert. Diesen negativen Charakter unterstreicht er, indem er behauptet sie bringe nichts als Leid (Parz. 532, 1ff) und sie als die &amp;quot;ungehuire&amp;quot;  (Parz. 532, 6) bezeichnet. Am  Beispiel [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] führt er vor, wie diese Liebe den Menschen einnimmt. Gawan ist von der Liebe zu Orgeluse so überwältigt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe ausgeliefert. Doch seine  Liebe stellt Wolfram als die Liebe aus „triuwe“ dar. In der   Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner   Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum   die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft  inne  hat. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anhand des Liebesverhältnisses zwischen Parzival und Condwiramurs, stellt Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Als Beleg hierfür kann die Verwendung von „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ herangezogen werden. Auch inhaltlich ist nachzuweisen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; versteht. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Desweiteren äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in Wolframs Darstellung in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloydes]] entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, bringt sie es nicht über das Herz sich das Leben zu nehmen, da sie das Kind von seiner Liebe empfangen hat und eben dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12006</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12006"/>
		<updated>2012-07-23T17:07:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit diesen Worten offenbart Wolfram sein Verständnis für „triuwe“ im [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneverhältnis]]. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram beruft sich die Gelehrten, welche behaupten diese sinnliche Leidenschaft sei von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht worden. Durch diesen aktiven Eingriff durch die Götter, welche dem Menschen die sinnliche Leidenschaft gewaltsam überbringen, stellt er den Menschen machtlos ausgeliefert gegenüber dieser Art von Liebe dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11995</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11995"/>
		<updated>2012-07-23T16:57:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus sein Mitegfühl gegenüber Cunneware, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde, aus reiner &amp;quot;triuwe&amp;quot;:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch ist den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls versteht. [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] bittet ihren Bruder das Duell mit [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] abzusagen, da er aus Treue zu ihr den Sieg über ihren Geliebten bereuen werde.  In diesem Fall appelliert sie, indem sie ihn auf die brüderliche Treue hinweist, an das Mitgefühl ihres Bruders (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist Mitleid zu empfinden, sich als in die Lage des Gegenüber hineinversetzen kann. Somit beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot; also moralisch richtiges Verhalten und empathisches Fühlen. Da [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sein Erstaunen darüber äußert, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff), ist es wahrscheinlich, dass auch für Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; die treibende Kraft für  moralisches Verhalten ist.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets]] Reiches den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11990</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-23T16:42:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Foschungslitertaur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus  gegenüber Cunneware aus &amp;quot;truiwe&amp;quot; sein Mitgefühl, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es  ist möglich auch den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls darstellt. Itonje  appeliert an das Mitgefühl ihres Bruders, der aus Treue zu ihr den Sieg  über ihren Geliebten Gramoflanz sicher bereuen würde (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und somit  Mitleid empfinden kann. Dieser Vorstellung folgend beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot;  moralisch richtiges Verhalten und Fühlen. Trevrizent äußert sein Erstaunen darüber, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff). Dies kann als Beleg dafür  herangezogen werden, dass auch Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als treibende Kraft für  moralisches Verhalten verstand.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten des Reiches Gahmurets den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen, 1914.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M., 1959. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam, 1940.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br., 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock, 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11989</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-23T16:41:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* &amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619: seine Wahrheit brechen könne).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus  gegenüber Cunneware aus &amp;quot;truiwe&amp;quot; sein Mitgefühl, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es  ist möglich auch den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls darstellt. Itonje  appeliert an das Mitgefühl ihres Bruders, der aus Treue zu ihr den Sieg  über ihren Geliebten Gramoflanz sicher bereuen würde (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und somit  Mitleid empfinden kann. Dieser Vorstellung folgend beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot;  moralisch richtiges Verhalten und Fühlen. Trevrizent äußert sein Erstaunen darüber, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff). Dies kann als Beleg dafür  herangezogen werden, dass auch Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als treibende Kraft für  moralisches Verhalten verstand.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten des Reiches Gahmurets den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen 1914&lt;br /&gt;
*[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar 2004&lt;br /&gt;
*[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959 &lt;br /&gt;
*[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam 1940&lt;br /&gt;
*[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br. 2002&lt;br /&gt;
* Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock 1952&lt;br /&gt;
*[*Keller 1858] Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K. Frommanns und F. Roths tzm ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von Keller, Stuttgart 1858&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11988</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11988"/>
		<updated>2012-07-23T16:40:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* &amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Konrads von Würzburg &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; beziehen sich auf folgenden Ausgabe: Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K.  Frommanns und F. Roths zum ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von  Keller, Stuttgart, 1858.&amp;lt;/ref&amp;gt;, die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619)[Keller 1858], seine Wahrheit brechen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus  gegenüber Cunneware aus &amp;quot;truiwe&amp;quot; sein Mitgefühl, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es  ist möglich auch den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls darstellt. Itonje  appeliert an das Mitgefühl ihres Bruders, der aus Treue zu ihr den Sieg  über ihren Geliebten Gramoflanz sicher bereuen würde (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und somit  Mitleid empfinden kann. Dieser Vorstellung folgend beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot;  moralisch richtiges Verhalten und Fühlen. Trevrizent äußert sein Erstaunen darüber, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff). Dies kann als Beleg dafür  herangezogen werden, dass auch Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als treibende Kraft für  moralisches Verhalten verstand.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten des Reiches Gahmurets den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen 1914&lt;br /&gt;
*[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar 2004&lt;br /&gt;
*[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959 &lt;br /&gt;
*[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam 1940&lt;br /&gt;
*[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br. 2002&lt;br /&gt;
* Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock 1952&lt;br /&gt;
*[*Keller 1858] Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K. Frommanns und F. Roths tzm ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von Keller, Stuttgart 1858&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11985</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-23T16:37:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* &amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Hartmanns &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zur &amp;quot;hövescheit&amp;quot;. In diesem Sine gehören der &amp;quot;triuwe&amp;quot; wiederum weitere Tugenden an, welche gesellschaftliche Vorzüge mit sich bringen. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)[Keller 1858], die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619)[Keller 1858], seine Wahrheit brechen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus  gegenüber Cunneware aus &amp;quot;truiwe&amp;quot; sein Mitgefühl, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es  ist möglich auch den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls darstellt. Itonje  appeliert an das Mitgefühl ihres Bruders, der aus Treue zu ihr den Sieg  über ihren Geliebten Gramoflanz sicher bereuen würde (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und somit  Mitleid empfinden kann. Dieser Vorstellung folgend beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot;  moralisch richtiges Verhalten und Fühlen. Trevrizent äußert sein Erstaunen darüber, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff). Dies kann als Beleg dafür  herangezogen werden, dass auch Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als treibende Kraft für  moralisches Verhalten verstand.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten des Reiches Gahmurets den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen 1914&lt;br /&gt;
*[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar 2004&lt;br /&gt;
*[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959 &lt;br /&gt;
*[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam 1940&lt;br /&gt;
*[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br. 2002&lt;br /&gt;
* Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock 1952&lt;br /&gt;
*[*Keller 1858] Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K. Frommanns und F. Roths tzm ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von Keller, Stuttgart 1858&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11982</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-23T16:31:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* &amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem aufgrund seiner „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben des Erec beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zu Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zum „Begriff der hövescheit“ , welcher weitere Tugenden wie gesellschaftliche Vorzüge  angehören. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)[Keller 1858], die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619)[Keller 1858], seine Wahrheit brechen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus  gegenüber Cunneware aus &amp;quot;truiwe&amp;quot; sein Mitgefühl, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es  ist möglich auch den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls darstellt. Itonje  appeliert an das Mitgefühl ihres Bruders, der aus Treue zu ihr den Sieg  über ihren Geliebten Gramoflanz sicher bereuen würde (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und somit  Mitleid empfinden kann. Dieser Vorstellung folgend beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot;  moralisch richtiges Verhalten und Fühlen. Trevrizent äußert sein Erstaunen darüber, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff). Dies kann als Beleg dafür  herangezogen werden, dass auch Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als treibende Kraft für  moralisches Verhalten verstand.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten des Reiches Gahmurets den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen 1914&lt;br /&gt;
*[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar 2004&lt;br /&gt;
*[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959 &lt;br /&gt;
*[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam 1940&lt;br /&gt;
*[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br. 2002&lt;br /&gt;
* Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock 1952&lt;br /&gt;
*[*Keller 1858] Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K. Frommanns und F. Roths tzm ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von Keller, Stuttgart 1858&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Triuwe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11981</id>
		<title>Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-23T16:28:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Darauf, dass „triuwe“ in der mittelalterlichen Gesellschaft eine große Rolle spielte, weisen zahlreiche Belege in der höfischen Dichtung hin. Bei genauerer Betrachtung dieser ist zu erkennen, dass die  Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen Begriffes mannigfaltig sind und zu  unterschiedlichen Übersetzungen im Neuhochdeutschen führen. Der  nachfolgende Artikel soll anhand beispielhafter Belege der  mittelalterlichen Dichtung über einzelne Bedeutungen der „triuwe“ in  der höfischen Dichtung aufklären. Darüber hinaus soll der „triuwe“  Begriff [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] anhand Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; in der höfischen Dichtung==&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als höfisches Standesideal=== &lt;br /&gt;
Zahlreiche  Belege zeugen  von der großen Wertschätzung, welche mittelalterliche  Dichter der „triuwe“ entgegenbrachten. So bezeichnet beispielsweise  Reinmar von Zweter diese als die höchste Tugend des vornehmen Mannes  (68,3) &amp;lt;ref&amp;gt;Reinmar von Zweter, Leipzig, 1887&amp;lt;/ref&amp;gt;.  Auch  in der Epik wird die „triuwe“ als eine der wichtigsten Eigenschaften des  Mannes dargestellt. So behauptet Hartmann von Aue in seinem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;,  „daz nimmer ein wol vrumer man/ âne triuwe werden kan.&amp;quot; (3179  f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:  Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben  und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004  &amp;lt;/ref&amp;gt;, dass es keinen angesehenen ohne Treue geben kann. Auch  zählt Hartmann die „triuwe“ zu den Vorzügen vieler seiner Helden, wie  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039;. Hier wird Gawein unter anderem durch „triuwe“  zu den ersten Helden der Tafelrunde gezählt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec  2730ff.) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben des Erec beziehen sich auf:  Hartmann von Aue: Erec. Herausgegeben von Manfred Günter Scholz,  übersetzt von Susanne Held, Frankfurt a.M. 2007&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil ritterlîchen stuont sîn muot:|| Er war von großer Ritterlichkeir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an im erschein niht wan guot:  || man kannte von ihm nur vorbildliches Verhalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rîch und edel was er genouc,   || großzügig und edelmütig war er,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn herze niemen nît entrouc.  || sein Herz war keinem feindselig gesinnt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was getriuwe  || Er war verläßlich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und milte âne riuwe,  || und vorbehaltlos freigebig,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Triuwe“  ist allerdings nicht nur Standeseigenschaft des Mannes, sondern gehört, wie Wolfram im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; anmerkt, ebenfalls zu dem Wesen der Frau:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.  116, 13-14)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die  Ausgabe: Wolfram von Eschenbach:  Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîpheit, dîn ordenlîcher site,|| Zum Wesen des Frauseins in der Ordnung der Welt gehört &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem vert und fuor ie triwe milte.|| - und gehört seit je - die Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vera  Vollmer bezeichnet „triuwe“ als eine der wichtigsten höfischen  Eigenschaften, da „sie am Hofe des [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] besonders hoch gewertet wurde“.  Sie zählt den Besitz der „triuwe“ als Wesensmerkmal zum „Begriff der hövescheit“ , welcher weitere Tugenden wie gesellschaftliche Vorzüge  angehören. Dazu zählen beispielsweise „zuht“ als feine Form im Benehmen und Miteinander, ritterliche Eigenschaften wie vor allem die „küene“ und  nicht zuletzt auch „diemüete“ als eine der wichtigsten kirchlichen  Tugenden. [Vollmer 1914: S.25]&lt;br /&gt;
Das höfische Menschenideal  beinhaltet neben den gesellschaftlichen, ritterlich-heldenhaften und  geistlichen Tugenden auch die ethischen Werte wie „wârheit“, „staete“  und „milte“. In diesen Zusammenhang zählt Vera Vollmer auch die „triuwe“.&lt;br /&gt;
„Getriuwe“  bezeichnet im absoluten Sinn eine Charaktereigenschaft und äußert  sich dann vor allem in Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit. Heranzuziehen ist hierzu die Schilderung des Pâris beispielsweise im &#039;&#039;Trojanischen Krieg&#039;&#039; Konrads von Würzburg. Der  &amp;quot;getriuwe sin&amp;quot; (1616)[Keller 1858], die Aufrichtigkeit also, so Pâris, verhindere, dass keine Schlacht, keine Liebe und kein Leid &amp;quot;zerbraeche sîne wârheit&amp;quot; (1619)[Keller 1858], seine Wahrheit brechen könne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Auch  ältere Belege (Alex. 3806, 6888&amp;lt;ref&amp;gt;Lamprecht: Alexander,  herausgegeben von Karl Kinzel, 1884&amp;lt;/ref&amp;gt; und En. 12617&amp;lt;ref&amp;gt;  Heinrich von Veldeke: Eneide. Herausgeben von Otto Behaghel, Heilbronn  1882&amp;lt;/ref&amp;gt;) sprechen dafür „triuwe“ in Verbindung mit  Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit zu bringen, da „getriuwe“ oft mit  wârhaft genannt wird.  &lt;br /&gt;
Andere Belege deuten darauf hin, dass  „triuwe“ auch als Rechtschaffenheit und „Geradheit des Wesens“ [Vollmer 1914: S. 28] verstanden wurde (Walter von der Vogelweide 30, 19). &lt;br /&gt;
Die  Bedeutung von „triuwe“ wird besonders deutlich, wenn als Gegensätze die  Begriffe „liegen“, „triegen“, „mein“ und „valsch“ verwendet werden. Da  „valsch“ etwas bezeichnet, „was nicht so ist, wie es sein soll“,  definiert Vera Vollmer „triuwe“, als den Inbegriff dessen, was so ist,  wie es sein soll. [Vollmer 1914: S.28] In diesem Sinne teilte Walter von  der Vorgelweide in einem seiner Sprüche (30,19ff) die Menschheit in die  „getriuwen“ und die „valschen“. Hier verwendet er die  Begriffe in der ethischen Bedeutung von sittlich gut und böse. Auch  Hartmann von Aue schrieb im &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; vom Vater des Helden, dass er  „seine aufrichtige Liebe in falsches Begehren verkehrte: „verkêrte sîne  triuwe guot ûf einen valschen muot&amp;quot; (Greg. 321-322)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle  Versangaben des &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; und &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; beziehen  sich auf:   Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.   Herausgegeben   und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a. M. 2004 &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Häufig werden Begriffe wie „guot“ (Erec 3687) und  „vrum“ (Iwein 3179f.) in Verbindung mit „triuwe“ gebracht. Jedoch  beschreiben diese eher die äußere Wertschätzung, wohingegen „triuwe“ die  innere Gesinnung beschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist auf die  Beziehung zwischen „triuwe“ und „êre“ hinzuweisen. So wird  im  &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; die „êre“ als Folge der „triuwe“ dargestellt. Hier  fordert Gêrnôt seine Brüder auf gegenüber Kriemhild „getriuwe“ zu sein, da das ihrem Ansehen dienlich sei: „wir suln ir sîn getriuwe,daz ist zen êren und gewant“ (Nib. 1211, 4)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben zum &#039;&#039;Nibelungenlied&#039;&#039; beziehen sich auf folgende Ausagbe: Das Nibelungenlied. Nach dem Text von Karl Bartsch und Helmut de Boor. Ins Neuhochdeutsche übersetzt und kommentiert von Siegfried Grosse, Stuttgart 1997&amp;lt;/ref&amp;gt; Es zeigt  sich, dass  nach dieser Auffassung „triuwe“ äußeres Ansehen und Ruhm  hervorruft.&lt;br /&gt;
Andere Belege sprechen dafür, dass „êre“ und „triuwe“ zu einem Gesamtbegriff zusammenfallen und das Gute im Menschen sowie die  innere Ehrenhaftigkeit bezeichnen. So kämpfen im &#039;&#039;Tristan&#039;&#039; Gottfrieds  von Straßburg „triuwe“ und „êre“ des Protagonisten gegen die „minn“,  als dieser sich seiner Liebe zu Isolde bewusst wird: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Trist. 11741-11743)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Tristan, dô er der minne enpfant, || Als Tristan seiner Liebe inne wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gedâhte sâ zehant || da galten seine ersten Gedanken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triuwen und der êren || der Treue und der Ehre,&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Andere  Stellen belegen, dass „triuwe“ auch mit der Bedeutung von Wort und  Versprechen verwendet wurde. Man setzte seine „triuwe“ als Bürgschaft  dafür ein, dass das Versprochene gilt und der andere „nimt“ die Treue an  (Tristan 9978f.).&lt;br /&gt;
So verlangt im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; beispielswiese Gâwân bei Keie, dass dieser mit seiner „triuwe“ das Gesagte geloben soll: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 4811f)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| „mit iuwern triuwen müezet ir || Auf Ehrenwort müßt Ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz geloben wider mich.&amp;quot; || mir das versprechen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist überdies zu unterscheiden aus  welchem Beweggrund „triuwe“  geschworen oder „getriuwe“ gehandelt wird.  Auch muss differenziert  werden, ob sie ganz freiwillig oder an Pflichten  gebunden ist.  Ehrismann bezeichnet beispielsweise die „triuwe“ als „die Tugend des   Altruismus schlechthin“ &amp;lt;ref&amp;gt; Ehrisman Otfried, ZdfA 49, S.413   &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Relative Bedeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  der Darstellung der inhaltlichen Bedeutung von „triuwe“, soll jetzt  untersucht werden zwischen welchen Personen eine Beziehung in „triuwe“  beschrieben wird und wie sich diese in der Beziehung äußert.  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung kann „triuwe“ einen unterschiedlichen Sinn  ergeben. Je nach Verhältnis der Personen zueinander äußert sich diese  als Ergebenheit bei dem Verhältnis von Fürst und Untertan, als  Wohlwollen, Liebe und Freundschaft unter Gefährten, Geschwistern,  Freunden und Liebenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen====&lt;br /&gt;
Die “triuwe“ zwischen dem Fürsten und seinen Untertanen wird  beispielsweise im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue dargestellt. Dem Grafen, gegen den Erec kämpfen muss, stehen seine Untertanen beispielswiese als „sîne getriuwen“ (Erec 4216) bei. Auch heißt es von diesen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Erec 10017-10019)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Als si ir schuldic triuwe twanc || Die Treue, zu der sie verpflichtet waren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Sô emphiengen si in alle || brachte sie alle dazu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit zühteclîchem schalle, || ihn mit Jubel zu begrüßen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Freunden und Gefährten====&lt;br /&gt;
Bei  der Betrachtung der „triuwe“ zwischen Freunden und Gefährten wird  deutlich, dass sich die „triuwe“ in unterschiedlicher Weise äußert. So  stellt der Dichter des &#039;&#039;Eneas&#039;&#039; die Trauer des Protagonisten um seinen  Freund Pallas dar (Eneide 7976f)&amp;lt;ref&amp;gt;Heinrich von Veldeke: Eneide,  herausgegeben von Otto Behaghel, Heilbronn 1882&amp;lt;/ref&amp;gt; und hebt  somit das innige Gefühl der Freundschaft und Vertrautheit unter Freunden  hervor. &lt;br /&gt;
Dagegen beweist Gawein in Hartmanns &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; dem Protagonisten  seine „triuwe“ durch wertvollen Rat und Hartmann betont  zusätzlich, dass Gawein Iwein eine treue Gesinnung erwies („der  erzeicte getriuwen muot hern Îwein sînem gesellen;  (Iwein 2700)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; zwischen Gott und den Menschen====&lt;br /&gt;
Außerdem wird „triuwe“ in der Beziehung Gottes zu den Menschen, sowie die des Menschen zu Gott genannt. Nach christlichem Verständnis gehört die Treue zum Wesen Gottes. Der Beweis dieser Treue ist nach christlichem Verständnis der Tod Christi am Kreuz. Gemäß des christlichen Verständnisses äußert sich auch der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe eine triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Bußfertigkeit zeigt sich dagegen die Treue des Menschen zu Gott. Dies lässt sich anhand Hartmanns &#039;&#039;Gregorius&#039;&#039; belegen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Greg. 76-78)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist diu wâre triuwe || Das ist die wahre Pflicht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Die er ze gote solde hân: || die er Gott gegenüber erfüllen sollte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Buoze nâch bîhte bestân. || Buße leisten nach dem Sündenbekenntnis.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
Es  liegt nahe, dass der Begriff der „triuwe“ in der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] eine wichtige  Rolle spielt. So nennt der Mindener Kanonikus Eberhard  Cersne in seinen 10 Geboten der Liebe die „triuwe“ bereits an zweiter  Stelle und Wolfram von Eschenbach bezeichnet die Minne als die wahre  Treue: „reht minne ist wâriu triuwe“ (Parz. 532,10). „Triuwe“ in der  Minne bezeichnet neben der leidenschaftlichen „minne“ das rein geistige  Moment.&lt;br /&gt;
Da der Minnedienst vom Mann geleistet wird, wird „triuwe“ in der Minne häufiger dem Mann zugeschrieben. Sie äußert sich in  Aufrichtigkeit und im allgemeinen Benehmen des Mannes.   &lt;br /&gt;
Im  Vorwurf Lunetes gegen Iwein, wird deutlich, dass „untriuwe“ als  Gegensatz die Nichtübereinstimmung von Wort und Gesinnung, also  Unaufrichtigkeit meint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Iwein 3119-3126) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz ist hie der her Îwein, || Das ist Herr Îwein hier,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der niender in den siten schein,... || der bisher nicht den Anschein erweckte,...&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz untriuwe ode ungemach || daß Untreue oder Schande&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ieman von im geschaehe, || jemandem von ihm geschehen könnte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem er triuwen verjaehe. || dem er Treue zusicherte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîniu wort diu sint guot: || Seine Worte klingen schön,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von den scheidet sich der muot. || aber seine Gesinnung ist ganz anders.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Beständigkeit und Beharrlichkeit=====&lt;br /&gt;
Häufig  findet man den Ausdruck: „minnen mit triuwen“. Dies ist nach Vera  Vollmer wohl am ehesten mit aufrichtig oder von Herzen lieben zu  verstehen.&lt;br /&gt;
Durch den Gebrauch von „unstaete“ als Negativum der  „triuwe“ zeigt sich, dass „triuwe“ in der „minne“ auch eine  Beständigkeit und Beharrlichkeit meint. Bei Hartmann von Aue tritt beispielsweise  solch eine  Verbindung von „triuwe“ und „staete“ in einem seiner Lieder auf. Hier klagt das lyrische Ich darüber, dass sein Leid von der Treue kommt (&amp;quot;Diu nôt von mînen triuwen kumt&amp;quot; (MF 214,27)&amp;lt;ref&amp;gt; Die Zitate dieses Liedes Hartmanns von Aue sind folgender Ausgabe entnommen: Blattmann Ekkehard, Die Lieder Hartmanns von Aue, Ein Zyklus, Freiburg i.Br., 1966 &amp;lt;/ref&amp;gt; ) und die Beständigkeit Schmerzen bereite (&amp;quot;mir tuot mîn staete dicke wê&amp;quot; (MF 214,31)).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Erfüllung von Pflichten=====&lt;br /&gt;
Auch äußert sich „triuwe“ in der Erfüllung der Pflichten, welche mit dem höfischen Minnedienst zusammenhängen.  &lt;br /&gt;
Vor  allem in der höfischen Epik, so Vera Vollmer, sei die Verwendung der  „triuwe“ als Synonym der „minne“ häufig und bezeichnet in diesen Fällen  das Gefühl der Liebe selbst. Beispielsweise gibt Isôt Tristan zum  Abschied einen Ring als Zeugnis der Treue und der Liebe („diz vingerlîn:  daz lât ein urkünde der triuwen unde der minne (Tris. 18307-18309)“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=====Gunst und Gegenliebe=====&lt;br /&gt;
Einige  Belege sprechen auch dafür, dass „triuwe“ in der Bedeutung von Gunst und  Gegenliebe verwendet wurde. Oft deutet der Liebende, indem er von der  „triuwe“ seiner Auserwählten spricht, an, dass er durch seinen  Minnedienst das Recht auf die Hoffnung habe, dass sein Werben um sie  erfolgreich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Wolfram Ld. 9,11)         &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Wilt an triuwe gedenken, saelic wîp, || Willst du treu sein, gute Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô gîst ein liebez ende mir. || so bereitest du mir ein gutes Ende.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&amp;quot;triuwe&amp;quot; im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 4,9-10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein maere wil i´u niuwen,|| Eine Geschichte will ich euch neu vorführen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz seit von grôzen triuwen,|| die erzählt von großer Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten macht Wolfram die „triuwe“ bereits zu Beginn seiner  Erzählung zu einem „positiven Zentralbegriff der Dichtung“ [Bumke 2004:  S. 44] und drückt seine Wertschätzung gegenüber dieser Tugend aus.  Innerhalb des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spricht Wolfram auffällig oft von der „triuwe“ und  führt sie als zentrales Motiv innerhalb zwischenmenschlicher  Beziehungen dar. So  beschreibt er beispielsweise die „triuwe“ zwischen  Liebenden und Freunde oder zwischen Gott und den Menschen. In diesen  unterschiedlichen Verhältnissen äußert sie sich in mannigfacher Form.  Auch zeigt Wolfram auf, wie „triuwe“ den Menschen in seinen Handlungen  als richtungsweisender Faktor wirkt und zu ethisch richtigen oder falschen Entschlüssen verleitet. Im Folgenden sollen nun anhand  einzelner Beispiele Aspekte Wolframs „triuwe“-Begriffs dargestellt  werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===&amp;quot;triuwe&amp;quot; als ritterliche Tugend===  &lt;br /&gt;
Der  allgemeinen Wertschätzung der  „triuwe“ in der höfischen Epik als  ritterliche Tugend entsprechend, hebt auch Wolfram die „triuwe“ als  Wesensmerkmal seiner Helden hervor. So zählt zum Beispiel auch [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane ]] die Treue zu den Eigenschaften, welche die Ritterlichkeit ihres  Geliebten beweisen und ihn somit zu einem ehrhaften Mann erheben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 26, 12-13)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir diende ein ritter, der was wert. || Ein Ritter warb um mich, der war von Adel;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was tugende ein bernde rîs. || sein Leib ein Zweig, der Frucht trug an allen Kräften.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der helt was küene unde wîs, || Dieser Mann war stark und klug:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der triwe ein reht beklibeniu fruht: || ein Edelreis der Treue,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====&amp;quot;triuwe&amp;quot; am Artushof==== &lt;br /&gt;
Zur  Aufnahme in die Tafelrunde, die als die vorbildliche ritterliche  Gemeinschaft schlechthin von allen Seiten gepriesen wird, stellt Artus  die Bedingung, dass nur derjenige Ritter aufgenommen wird, der „triuwe“  im Herzen trägt (Parz. 321, 25-30). Auch wird er selbst der „getriuwe“  genannt (Parz. 526, 9). Dies verdeutlicht  den hohen Stellenwert, den  Wolfram der „triuwe“ als Wesensmerkmal des Menschen beimisst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan,  der erste und treueste Ritter des König Artus, steht sogar im Kampf für  die Treue ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 322, 19-22)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wil glücke, iu sol Gâwânes hant || Wenn das Glück es will, soll Gâwâns Hand &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kampfe tuon daz wol bekant || Euch im Kampf belehren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz sin lîp mit triwen vert|| daß sein Leib in Treue seine Wege geht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sichs valsches hât erwert.|| und daß er Verrat noch jedesmal in die Flucht geschlagen hat.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird deutlich, dass Wolfram  „triuwe“ als ritterliche Tugend noch im Sinne vollkommener höfischer  Gesinnung versteht. [Vollmer 1914] Auch wird durch die Verwendung &amp;quot;valsch&amp;quot; an dieser Stelle deutlich, dass Wolfram diesen Begriff als Gegensatz zu &amp;quot;triuwe&amp;quot; versteht.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Besonders häufig lassen sich bei  Gurnemanz Belege dafür finden, dass Wolfram die „triuwe“ zu den  wesentlichen Merkmalen eines Ritters der Tafelrunde zählte. Gurnemanz  ist „der triwen rîche (Parz. 166,2)“ (reich an Treue) und „der fürste ûz  triwe erkorn (Parz. 177,13)“ (aus Treue zum Fürsten auserkoren).  Wolframs Achtung vor der &amp;quot;triuwe&amp;quot; kann sich in vielen positiven  Äußerungen zu dieser Tugend erkennen lassen, aber  auch dadurch, dass er immer wieder beschreibt, dass sie Zuneigung und  Achtung bei den Mitmenschen hervorruft. Beispielsweise nennt Parzival  Gurnemanz einen Fürsten „mit triwen âne schranz (Parz. 189, 17)“  (seine Treue hat keinen Kratzer).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gottes „triuwe“===           &lt;br /&gt;
Durch  die Belehrungen Parzivals ist zu erkennen, dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; zum  Wesen Gottes zählt. Bereits Herzeloyde erklärt dem kleinen Parzival,  dass Gottes Merkmal die Treue ist, der Teufel sich jedoch durch Untreue  ausweist. Wolfram verwendet hier „triwe“ und „untriwe“ in  gegensätzlicher Bedeutung und stellt sie somit als das Prinzip von gut  und böse.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 119, 24-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn triwe der werlde ie helfe bôt. || Seine Treue hat noch nie den Menschen Hilfe verweigert.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô heizet einr der helle wirt: || Auf der andern Seite aber heißt genauso einer Herr, und zwar der Hölle,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ist swarz, untriwe in niht verbirt. || der ist schwarz, der kann nicht anders als untreu handeln.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  in der Lehre Trevrizents erfährt Parzival von Gottes „triuwe“.  Trevrizent bezeichnet nun allerdings Gott als die Treue selbst und setzt  in mit &amp;quot;wârheit&amp;quot; gleich. Hier tritt wiederum das Wort „valsch“ in  gegensätzlicher Bedeutung zu „triuwe“ auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462, 18-26)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allz wenken,|| Seid nur Ihr gerade und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem was unmaere ie falscher list.|| die Schliche des Verräters sind seinem Wesen fremd.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als  Beweis für Gottes „triuwe“ führt Wolfram mehrfach den Erlösungstod  Christi an (Parz. 113, 18-26; 448, 10-13). Vera Vollmer stellt die These auf, dass  Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; hier ganz in der Bedeutung von Liebe gebraucht“.  [Vollmer 1914: S.40] Sollte dies der Fall sein, so kann man in  diesen Versen ein Bekenntnis Woflrams zum christlichen Glauben erkennen,  in dem Christus aus reiner Liebe zu den Menschen am Kreuz starb. Aber  auch andere Stellen können von einer christlicher Überzeugung Wolframs zeugen. So  erklärt Trevrizent Parzival, dass sich Gott durch den Tod Christi mit  den Menschen verband (Parz. 465,9 f) und es nun das Ziel der Christen sei, gegen die „untriwe“ anzukämpfen. In einem Gespräch mit Parzival erwähnt Feirefiz, dass durch die Taufe die „triuwe“ Gottes in die Seelen  der Menschen übergeht. Nach dieser Vorstellung hat jeder Christ Anteil  an Gotes „triuwe“ (Parz. 752, 26-30).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===relative Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot;===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In  seiner relativen Bedeutung verwendet Wolfram den Begriff der „triuwe“  ähnlich wie bereits dargestellt. So äußert beispielswiese Orilus  gegenüber Cunneware aus &amp;quot;truiwe&amp;quot; sein Mitgefühl, nachdem sie von Keie für  ihr Lachen geschlagen wurde:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 276, 13-14)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ´ich sol und muoz durch triwe klagen.|| &amp;quot;Aus Treue muß und werde ich jetzt Klage führen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê wer hât dich geslagen?|| Wer war es, der dich geschlagen hat, wehe dem!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Es  ist möglich auch den Worten Itonjes gegenüber König Artus zu entnehmen,  dass Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als Grundlage des Mitgefühls darstellt. Itonje  appeliert an das Mitgefühl ihres Bruders, der aus Treue zu ihr den Sieg  über ihren Geliebten Gramoflanz sicher bereuen würde (Parz. 711, 23-30).  Wolfram formuliert hier die Vorstellung, dass der Mensch durch &amp;quot;triuwe&amp;quot;  in der Lage ist, sich in sein Gegenüber hineinzuversetzen und somit  Mitleid empfinden kann. Dieser Vorstellung folgend beeinflusst &amp;quot;triuwe&amp;quot;  moralisch richtiges Verhalten und Fühlen. Trevrizent äußert sein Erstaunen darüber, dass Parzival gegenüber Anfortas kein Mitleid zeigte, obwohl er doch Treue im Herzen trage (Parz. 488, 25ff). Dies kann als Beleg dafür  herangezogen werden, dass auch Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als treibende Kraft für  moralisches Verhalten verstand.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wer „triuwe“ im Herzen  trägt und sich dementsprechend verhält, dem wird nach Wolframs  Darstellung Ruhm und Ehre zu Teil. Im folgenden Beispiel bitten die  Fürsten des Reiches Gahmurets den König darum, ihm eine Herrschaft im  Land zu überlassen und somit „bruoderlîche triwe (Parz. 6, 15)“ unter  Beweis zu stellen und seine „êre“ zu mehren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 6,14-16)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz der künec an Gahmurete || Der König möge doch an Gahmuret&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bruoderlîche triwe mêrte,|| der Brudertreue Respekt erweisen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sich selben êrte, || und sich so selber ehren;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Bedeutung von &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Minneverhältnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 10)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriue triuwe || Rechte Liebe ist wahre Treue&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten beschreibt Wolfram die Bedeutung, die er der „triuwe“ in  der „minne“ beimisst. Er setzt die „reht minne“, die der „triuwe“  entspringt, der sinnlichen Leidenschaft entgegen. Wolfram erklärt, dass  diese sinnliche Leidenschaft nach der Behauptung der Gelehrten von Venus  und Amor „mit Schießen und mit Feuer&amp;quot; (Parz. 532, 4-5) zu den Menschen  gebracht wird. Wolfram beschreibt im Schießen und dem Feuer, einen  aktiven Eingriff auf die Menschen und stellt dadurch den Menschen  machtlos der Liebe ausgeliefert dar. Diesen Eindruck bestärkt er noch  durch die Aussage, dass sie dem Menschen Leiden bringe (Parz. 532, 1ff).  Diese sinnliche Leidenschaft bezeichnet er zudem als die &amp;quot;ungehuire  (Parz. 532, 6)&amp;quot; und rückt sie somit in ein bedrohliches Licht.  Am  Beispiel Gawans führt er vor, wie ihn diese Liebe so sehr einnimmt, dass  er den Spott Orgeluses nicht mehr wahrnehmen kann (Parz. 531,21).&lt;br /&gt;
Auch  Parzival ist machtlos seiner Liebe in „triuwe“ ausgesetzt. In der  Blutstropfenszene gerät er „von sînen triwen (Parz. 282,21)“ (von treuen  Gedanken) an seine Geliebte in einen Trancezustand. &lt;br /&gt;
In der  Vorstellung, dass sich der Pelican aus tiefer Liebe und Treue zu seiner  Brut in die Brust beißt (Parz. 482, 11-18), verbindet Wolfram wiederum  die „triuwe“ mit dem Gefühl der Liebe, das eine überwältigende Kraft inne  hat. &lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Dagegen preist er die „wâre minne“, welche auf  „triwe“ beruht (Parz. 532, 17-18) und an der nichts Trübes ist („lûter  âne trüebe“ (Parz. 533, 26)). Wolfram erhebt  diese „minne“ zu einer  reinen, idealen und sittlichen Macht. „Triuwe“ ist nach Wolframs  Verständnis keine Eigenschaft der Minne überhaupt, sondern vielmehr  Merkmal der höfischen Minne. [Vollmer 1914: S.75] &lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Am  Beispiel des Liebesverhältnisses von Parzival und Condwiramurs, stellt  Wolfram dar, dass sich die „triuwe“ auch durch Beständigkeit und  Beharrlichkeit in der „minne“ äußert. Durch die Verwendung von  „unstaete“ (Parz. 732, 6) als Negativum zu „triuwe“ wird dies  verdeutlicht. Aber auch inhaltlich stellt Wolfram &amp;quot;triuwe&amp;quot; als  Beständigkeit in der &amp;quot;minne&amp;quot; dar. So denkt Parzival in der langen Zeit  der Trennung von Condwiramurs nur an seine Geliebte und wirbt um keine andere Frau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz.732,8-11)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz triwe het im sô bewart|| Große Treue hat &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch herze und ouch den lîp,|| sein männliches Herz und auch den Leib so gut bewacht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz für wâr nie ander wîp|| daß wahrhaftig nie eine zweite Frau&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wart gewaldec sîner minne.|| über seinen Leib Macht gewann,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  äußert sich &amp;quot;triuwe&amp;quot; in dem Gefühl tiefer inniger Liebe. Dies lässt sich  den Worten Herzeloydes entnehmen, die sie über das ungeborene Kind in  ihrem Leib äußert. Obwohl sie an der Verzweiflung über den Tod ihres  Mannes fast zerbricht und sich den eigenen Tod wünscht, kann sie sich  nicht umbringen, da sie ein Kind von seiner Liebe empfing. Dies habe all seine Treue wahr gemacht (Parz. 110, 18-22).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; des Gralsgeschlechts===&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Mit  dem Gralssgeschlecht beschreibt Wolfram  „Menschen, die aus tieferer religiöser Schicht und in stärkerer Spannung zur Welt leben [als sie  Artusgesellschaft], die daher in ihren Anlagen und Tugenden  ausgezeichnet sind“ [Labusch 1959: S. 69]. Die „triuwe“ stellt Wolfram  bereits im &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; als die hohe Tugend der Gralsgesellschaft dar, da  sie von Generation zu Generation weiter vererbt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Tit.  I, 4,4)&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Titurel, Herausgegeben,  übersetzt und mit einem Stellenkommentar sowie einer Einführung versehen  von Helmut Brackert und Stephan Fuchs-Jolie, Berlin/New York,  2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iâ , muoz al mîn geslähte  imer  wâre minne mit triwen erben || Ja, es muß mein ganzes Geschlecht  auf immer echte Minne und Treue erben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Diese  Gemeinschaft verbindet tiefes Leid, welches sie aufgrund ihrer „triuwe“  gemeinsam tragen (251, 1-20). Anfortas leidet aufgrund seiner Sünde  (472,29-30), Repanse trägt das Leid mit, Trevrizent büßt für seine  Sünden und die seines Bruders als Einsiedler im Wald und Herzeloyde hat  sich Leid über den Tod ihres Mannes (109, 19ff.) ebenfalls in die  Waldeinsamkeit zurückgezogen. Durch Sigune, welche Leid empfindet  aufgrund des Todes ihres Geliebten, sowie Parzival, der unter der  Trennung von Condwiramurs leidet und einen leidvollen Weg der Erkenntnis  geht, wird dieses Leid auch in der nächsten Generation weitergetragen. [Schwietering 1940]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Am  Beispiel Sigunes beschreibt Wolfram besonders detailliert, wie sich  diese „Sippentriwe“ [Labusch 1959: S. 70] äußert. Im Folgenden werden  anhand dieser Beschreibung die markantesten Merkmale dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot;====&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
(Parz. 249, 24-25)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al irisch triwe was ein wint,|| Alle irdische Treue war nur ein Wind,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan die man an ir lîbe sach.|| mit der verglichen, die man an ihr sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit  diesen Worten charakterisiert Wolfram Sigunes &amp;quot;triuwe&amp;quot; als einen  außergewöhnlichen Wesenszug, der Sigune einzigartig macht. Es gilt nun  zu untersuchen, was diese &amp;quot;triuwe&amp;quot; so unvergleichlich macht.&lt;br /&gt;
Aus  dieser beispielhaften &amp;quot;triuwe&amp;quot; entspringt ihre tiefe Liebe. Den  Zusammenhang von &amp;quot;minne&amp;quot; und &amp;quot;triuwe&amp;quot; beschreibt Wolfram in den folgenden  Versen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 532, 7-10) &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swem herzenlîchiu triwe ist bî,|| Wer wahre Treue im Herzen hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt nimmer minne frî,|| der wird von der Liebe nie mehr frei,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit freude, etswenn mit riuwe.|| im Glück und auch wenn einmal Leiden kommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht minne ist wâriu triuwe.|| Recht Liebe ist wahre Treue.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
                                                    &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach  dem Tod ihres Geliebten Schionatulander beginnt für Sigune ein Leben in  Trauer und Jammer, da sie bis zuletzt die Liebe an ihn bindet. Sigunes  &amp;quot;triuwe&amp;quot; äußert sich in dem „unbedingten Festhalten an ihrer Liebe zu  Schionatulander“  [Labusch 1959: S. 44]. Sie hält den Leichnam des  Geliebten lange Zeit in ihren Armen um den Schmerz über seinen Tod immer  wieder neu zu erfahren (Parz. 252, 20-26). Somit wird ihre &amp;quot;triuwe&amp;quot;  Quelle des Leidens:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 249, 14-15)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor im ûf einer linden saz|| Vor ihm auf einer Linde saß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein magt, der fuogte ir triwe nôt.|| ein Mädchen: Ihre Treue hatte sie elden gemacht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich  zieht sich Sigune in die Waldeinsamkeit zurück um selbst bis an ihr  Lebensende in treuer Klage zu verweilen. Durch diese völlige Annahme des  Leids sühnt sie für den Tod ihres Geliebten, für den sie die Schuld auf  sich nimmt. [Labusch 1959] Durch dieses Leid äußert sich wie bereits  oben erwähnt, die &amp;quot;triuwe&amp;quot; zur Gralssippe, welche im Leid vereint ist.&lt;br /&gt;
Die  Kraft der liebenden und beständigen Hingabe, welche in der &amp;quot;triwe&amp;quot; der  Gralssippe begründet ist, hat den Ursprung in Gott. Denn Gott, so  Wolfram, ist die &amp;quot;triuwe&amp;quot; selbst:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Parz. 462,18-19)&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît getriwe ân allez wenken,|| Seid nur Ihr gerad und treu,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît got selbe ein triuwe ist:|| Gott aber ist die Treue selbst,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Sigune  wirft Parzival bei ihrer zweiten Begegnung mangelndes Mitleid gegenüber  seinem Onkel Anfortas vor und schließt ihn deshalb aus der  Gralsgemeinschaft aus (255, 3-20). Dieser Verstoß macht deutlich, dass  das Mitleid in der Gralssippe einen hohen Stellebwert hat und von der  Gralssippe als verbindende Tugend angesehen wird, sodass ein Mangel an  Mitleid, den Ausschluss aus der Gemeinschaft zur Folge hat.&lt;br /&gt;
Auch  stellt Sigune die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe durch die „helfe“ gegenüber  Parzival unter Beweis. [Anders 2002: S.62] Sigune begegnet dem  Protagonisten drei Mal an wichtigen Stationen auf seinem Weg und nimmt  dabei eine wegweisende Rolle in seinem Leben ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Sigune verdeutlicht Wolfram die Bedeutung der &amp;quot;Sippentriuwe&amp;quot; [Labusch 1959: S.70] an einem extremen Beispiel. Dadurch lässt sich besonders gut erkennen, auf welche Aspekte der &amp;quot;triuwe&amp;quot; im Gralsgeschlecht besonders Wert gelegt wird und inwiefern sie sich äußert. &lt;br /&gt;
Die &amp;quot;triuwe&amp;quot; der Gralssippe beruht auf tiefer Regligiösität und Gottvertrauen, da Gott nicht nur Ursprung der „triuwe“ , sondern die &amp;quot;triuwe“ selbst ist. Diese führt ebenfalls zu einer tiefen Verbundenheit  in Liebe aber auch im Leid, das jedes Mitglied für den anderen mitträgt. Dieses mitleiden äußert sich aber auch im „erbermen“ gegenüber den  Mitmenschen, welches im Parzival eine tragende Rolle spielt, da das  mangelnde „erbermen“ zur Verstoßung des Protagonisten führt und somit  seinen Leidensweg bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Foschungslitertaur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Vollmer 1914] Vollmer Vera: Die Begriffe der Triuwe und der Staete in der höfischen Minnedichtung, Tübingen 1914&lt;br /&gt;
*[*Bumke 2004] Bumke Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8.Auflg., Berlin/Weimar 2004&lt;br /&gt;
*[*Labusch 1959] Labusch Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959 &lt;br /&gt;
*[*Schwietering 1940] Schwietering Julius: Die deutsche Dichtung des Mittelalters, Potsdam 1940&lt;br /&gt;
*[*Anders 2002] Anders Till Zmalia: Sigunes Schuld, Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerkes, Inaugural-Dissertation, Freiburg i.Br. 2002&lt;br /&gt;
* Giese Ingeborg: Sigune, Untersuchung zur Minneauffassung Wolframs von Eschenbach, Rostock 1952&lt;br /&gt;
*[*Keller 1858] Konrad von Würzburg: Der Trojanische Krieg. Nach den Vorarbeiten K. Frommanns und F. Roths tzm ersten Mal herausgegeben durch Adelbert von Keller, Stuttgart 1858&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anmerkungen===&lt;br /&gt;
[[Ausdruck für::Treue| ]]&lt;br /&gt;
[[Verbindet::Tafelrunde und Gralsgesellschaft| ]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideal|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Weltbild|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Religion|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11959</id>
		<title>Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11959"/>
		<updated>2012-07-23T14:10:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Tochter Schoysianes und Kyots ist [[Gralssippe::Sigune]] eine Cousine Parzivals und ebenfalls Mitglied der [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralssippe]]. Im Handlungsverlauf von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es zu insgesamt vier Begegnungen zwischen Sigune und dem Protagonisten. Diese sind prägend für Parzivals persönliche Entwicklung und stellen Wendepunkte in seinem Leben dar. Eine der Besonderheiten der Figur Sigunes ist, dass Wolfram von Eschenbach im Nachhinein den &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; verfasste, in welchem ihre Vorgeschichte, vor allem aber die Liebesbeziehung zu Schianatulander, dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die vier Sigune-Szenen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Sigune am Felsenhang (Pz. 138,9 – 142,2)===&lt;br /&gt;
Nach dem tragischen Tod ihres Geliebten Schianatulanders in einer Tjost gegen Orilus hat sich Sigune, ähnlich wie Herzeloyde, in den Wald zurückgezogen, um ein Dasein in Trauer um den Verstorbenen zu fristen. Auf der Suche nach dem  [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Arthushof]] wird Parzival auf schreckliche Klagerufe aufmerksam, denen er sogleich nachfolgt. Kurze Zeit später trifft er auf Sigune, die wehklagend ihren toten Geliebten im Schoß hält. Die Trauer um den Ritter Schianatulander scheint sie zu überwältigen. Ihre Verzweiflung spiegelt ihre tiefe Liebe wieder. Der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tod ]] nahm ihr nicht nur den Geliebten, sondern auch all ihre Hoffnung auf persönliches Glück. Da er in ihrem Dienst sein Leben ließ, klagt sie sich schließlich selbst an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich hete kranke sinne,|| Schwachsinnig war ich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich im niht minne gap: || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des hât der sorgen urhap || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir freude verschrôten: || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu minne i´n alsô tôten. || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 141,20-24)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:    Wolfram   von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.      Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.      Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der      Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation    von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Diese Selbstvorwürfe Sigunes steigern sich zu Selbsthass, der zerstörerische Züge annimmt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ brach frou Sigûne || Da riß die edle Sigûne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir langen zöpfe brûne || ihre langen Zöpfe, die braunen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor jâmer ûzer swarten. || vor Jammer aus der Kopfhaut&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 138, 17-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist bereits in dieser ersten Szene Sigunes besondere Art der &#039;&#039;minne&#039;&#039; und &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;. Ihre Liebe überdauert den Tod und auf diese Weise wird sie zur „Geliebten des Toten“ (Pz. Übersetzung: 141, 23-24) und sagt wie selbstverständlich: &lt;br /&gt;
„Nu minne i´n alsô tôten.(Pz. 141, 23-34)&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Parzival verkündet, den Tod Schianatulanders rächen zu wollen, weist sie ihm die falsche Richtung, weil sie um sein Leben fürchtet und nicht noch einen Toten beklagen möchte, der für sie das Leben ließ. Gleichzeitig verneint sie hiermit auch jede Art von Tröstung und verhindert dadurch die Linderung ihres [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leids]], sodass sie sich weiterhin völlig dem Schmerz und der Kasteiung hingeben kann.&lt;br /&gt;
Des Weiteren tritt Sigune als eine Art Wegweiserin in Parzivals Leben und ermöglicht ihm den „ersten Schritt zur Selbsterkenntnis“. [Bumke 2004: S. 58.] Parzival erfährt durch sie nicht nur seinen Namen, sondern auch, dass er aufgrund seiner Herkunft Erbe dreier Königreiche ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune auf der Linde (Pz. 249,11 – 255,30)===&lt;br /&gt;
Als Parzival Sigune das zweite Mal begegnet, erkennt er sie nicht wieder. Da sie das große Leid, den Schmerz um den Geliebten, als von Gott gesandt ansieht (Pz. 252, 20-22), gibt sie sich der Klage um Schionatulander völlig hin und nimmt dafür sogar den Verlust ihrer Schönheit in Kauf. Dieses Verhalten ist Ausdruck der ewigen [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Treue]], welche eine der wichtigsten Charaktereigenschaften Sigunes darstellt. Ihre ewige Treue ist Grund dafür, dass sie das Angebot Parzivals, den einbalsamierten Leichnam zu begraben, ausschlägt. Sie vermag es noch nicht, sich von ihrem Geliebten zu trennen. Bezeichnend ist allerdings, dass sie trotz ihres großen Leids zu enormer Nächstenliebe in der Lage ist. Sie bringt ihr tiefes Mitleid gegenüber dem schwer kranken [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] zum Ausdruck und sagt, dass das einzige was ihr noch Freude bereiten könnte, die Erlösung des Gralkönigs von seinem Leid wäre (Pz. 253, 19-21). Dieses Mitleid sowie die Treue und das Leid Sigunes sind zentrale  Merkmale der Gralssippe: &amp;quot;Jeder, der zu dieser Sippe gehört, vermag den  anderen zu verstehen, obwohl und weil er selbst ein Leidender ist, er vermag gerade darum in innigem Mitgefühl an seinem Leiden teilzunehmen.&amp;quot;  [Labusch 1959: S. 70.] Als Sigune dann erfährt, dass Parzival es versäumte, Anfortas die erlösende Frage zu stellen, wirft sie ihm fehlendes Mitleid und Feigheit vor und verflucht ihn als ehrlosen Mann (&amp;quot;gunêrter lîp, verfluochet man!&amp;quot; [Pz. 255, 13]). Die vom Leid überwältigte, seelisch erschütterte junge Frau zeigt hier, zu welcher Boshaftigkeit und Stärke sie dennoch in der Lage ist. Gleichzeitig beweist Sigune &amp;quot;durch ihren Fluch ihre echte &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; [gegenüber dem Gralsgeschlecht], welche sich in Härte und Strenge äußern  muss.&amp;quot; [Labusch 1959: S. 77.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune als Klausnerin (Pz. 435,1 – 442,26)===&lt;br /&gt;
Bei der dritten Begegnung erscheint Sigune als Klausnerin. Die Jahre in Trauer und das asketische Dasein nahmen ihre all ihre Schönheit, sodass Parzival sie anfangs erneut nicht wiedererkennt. Sie hat Schianatulander in der Klause begraben und verbringt seitdem die Tage betend über den Sarg gebeugt. Von nun an verharrt sie in ihrer Trauer und in völliger Hingabe zu Gott. Das Begräbnis könnte Zeichen dafür sein, dass sich Sigune mit dem [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] ihres Geliebten arrangieren konnte. Doch ob sie sich durch die Zuwendung zu Gott die Heilung ihrer Trauer und Trost erhofft, ist fraglich, da sie sich gleichzeitig völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat und jedem irdischen Glück entsagt. Mit dieser &amp;quot;&#039;Entweltlichung&#039; Sigunes&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 27.] geht auch der Verlust ihrer Schönheit einher, welcher ihren durch die Trauer und das Leid verursachten inneren Verfall widerspiegelt.  &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir dicker munt heiz rôt gevar || Ihre vollen Lippen,heiß und von roter Farbe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was dô erblichen unde bleich, || waren erblichen und bleich seit damals,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît werltlîch freude ir gar gesweich. || als das Glück der Menschenwelt sie verriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez erleit nie magt sô hôhen pîn: || Nie hat ein Mädchen so hohen Schmerz leiden müssen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch klage si muoz al eine sîn. || Der Klage hingegeben lebt sie in Einsamkeit&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 435, 26-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach Jahren hält sie fest an der Liebe zu Schianatulander und bleibt ihm über den Tod hinaus treu. Sie fühlt sich schuldig für den Tod Schianatulanders, da sie ihm zu Lebzeiten ihre [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebe]] nicht gewährte, wobei er um der Liebe Willen für sie starb. (Pz. 436, 1-3). Als Zeichen ihrer Treue trägt sie noch immer den Verlobungsring, der für sie auch vor Gott die Ehe zu Schianatulander besiegelt. Jedoch stellt Sigune dieses Zeichen der ewigen Treue nicht als freie Entscheidung dar. Der Ring stellt für sie eine Fessel ihrer Treue dar, wodurch ihre Trauer fast passive Züge annimmt. Es scheint als nehme sie jedoch in Kauf, dass ihr Leid dadurch kein Ende nimmt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ob mîner triwe ein slôz, || Er ist eine Fessel meiner Treue &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vonme herzen mîner ougen vlôz. || und macht, daß mein Herz sich ausgießt mit den Augen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 440, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Szene erfährt der Rezipient von Sigunes  direkter Verbindung zum Gral. Sie stammt von dem Gralsgeschlecht ab und  wird durch Cundrie vom [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival) | Gral]] ernährt. (Pz. 438, 29 - 439, 5) Schließlich vergibt Sigune Parzival, den sie bei ihrer letzten Begegnung verfluchte, und wünscht ihm Gottes helfende Hand auf seinem weiteren Weg. Zuletzt rät sie ihm [[Die Gralsbotin Cundrie, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] nachzureiten. Hier nimmt sie in der Rolle der Beraterin Einfluss auf den weiteren Weg Parzivals, indem sie ihn bei der Suche nach dem Gral unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigunes Tod===&lt;br /&gt;
Auf dem Weg nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] fragt Parzival die Gralsritter, die ihn beglieten, nach der Klausnerin Sigune. Die &#039;&#039;temnpleise&#039;&#039; sagen, sie wohne noch immer dort in dieser Klause. Sie bewundern Sigune darüber hinaus für ihre Treue und Geben ihrer Bewunderung Ausdruck, indem sie Sigune als &amp;quot;rehter güete ein arke (eine Arche rechter Güte)&amp;quot; (Prz. 804, 16) bezeichnen. Durch diesen Ausspruch wird deutlich, dass Sigune auf ihr gesamtes Umfeld einen prägenden Eindruck macht und sich als besonders charakterstarke Person auszeichnet. Als Parzival und seine Begleiter daraufhin die Klause aufsuchen, finden sie Sigune tot auf, in kniender Haltung vor dem Sarg ihres Geliebten. „Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“ [Bumke 2004: S. 120] und findet somit der &amp;quot;sêle ruowe&amp;quot; (Pz. 499, 30). Auf den Befehl Parzivals, wird das Grab Schianatulanders aufgebrochen und Sigune neben den Leichnam des Geliebten gelegt. Nun sind die Liebenden im Tode wiedervereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Analyse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass Sigunes Auftreten immer &amp;quot;wichtige Stationen der inneren und äußeren Handlung markiert&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 212.] Der ersten Szene geht der Tod von Parzivals Mutter voraus, das zweite Treffen findet kurz nach Parzivals Frageversäumnis auf Munsalvaesche statt, der dritten Begegnung folgt die Einkehr bei Trevrizent und bei der vierten Sigune-Szene ist Parzival schließlich Gralkönig. Folglich stehen alle Szenen, in der Sigune auf Parzival trifft, in unmittelbarer Nähe von bedeutenden inneren und äußeren Veränderungen hinsichtlich Parzivals Leben. Sigune erhellt dabei an diesen &amp;quot;neuralgischen Punkten im Handlungsablauf&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 6.] stets das Geschehen, indem sie ihrem Cousin entscheidende Hinweise und Informationen bezüglich seiner Identität gibt. Dies entspricht der im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; prominenten Technik, das bereits Erzählte nachträglich zu beleuchten. [Bumke 2004: vgl. S. 212.] Gleichzeitig stellen die vier  Sigune-Szenen vier Stadien der Trauer und der Selbstzerstörung Sigunes  dar. [Heinzle 2011: vgl. S. 924.] Das Schicksal Sigunes und der innere  Reifungsprozess Parzivals verlaufen auf diese Weise parallel. [Zmaila 2002: vgl. S. 50.]        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Braunagel 1999] Braunagel, Robert: Wolframs Sigune: Eine vergleichende Betrachtung der Sigune-Figur und ihrer Ausarbeitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; und &amp;quot;Titurel&amp;quot; des Wolfram von Eschenbach. Göppingen 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Heinzle, Joachim (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, Bd. 2, Berlin/New York 2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch, Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zmaila 2002] Zmaila, Anders Till: Sigunes Schuld. Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerks, Freiburg im Breisgau 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11958</id>
		<title>Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11958"/>
		<updated>2012-07-23T14:10:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Anmerkungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Tochter Schoysianes und Kyots ist [[Gralssippe::Sigune]] eine Cousine Parzivals und ebenfalls Mitglied der [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralssippe]]. Im Handlungsverlauf von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es zu insgesamt vier Begegnungen zwischen Sigune und dem Protagonisten. Diese sind prägend für Parzivals persönliche Entwicklung und stellen Wendepunkte in seinem Leben dar. Eine der Besonderheiten der Figur Sigunes ist, dass Wolfram von Eschenbach im Nachhinein den &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; verfasste, in welchem ihre Vorgeschichte, vor allem aber die Liebesbeziehung zu Schianatulander, dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die vier Sigune-Szenen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Sigune am Felsenhang (Pz. 138,9 – 142,2)===&lt;br /&gt;
Nach dem tragischen Tod ihres Geliebten Schianatulanders in einer Tjost gegen Orilus hat sich Sigune, ähnlich wie Herzeloyde, in den Wald zurückgezogen, um ein Dasein in Trauer um den Verstorbenen zu fristen. Auf der Suche nach dem  [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Arthushof]] wird Parzival auf schreckliche Klagerufe aufmerksam, denen er sogleich nachfolgt. Kurze Zeit später trifft er auf Sigune, die wehklagend ihren toten Geliebten im Schoß hält. Die Trauer um den Ritter Schianatulander scheint sie zu überwältigen. Ihre Verzweiflung spiegelt ihre tiefe Liebe wieder. Der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tod ]] nahm ihr nicht nur den Geliebten, sondern auch all ihre Hoffnung auf persönliches Glück. Da er in ihrem Dienst sein Leben ließ, klagt sie sich schließlich selbst an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich hete kranke sinne,|| Schwachsinnig war ich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich im niht minne gap: || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des hât der sorgen urhap || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir freude verschrôten: || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu minne i´n alsô tôten. || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 141,20-24)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:    Wolfram   von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.      Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.      Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der      Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation    von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Diese Selbstvorwürfe Sigunes steigern sich zu Selbsthass, der zerstörerische Züge annimmt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ brach frou Sigûne || Da riß die edle Sigûne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir langen zöpfe brûne || ihre langen Zöpfe, die braunen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor jâmer ûzer swarten. || vor Jammer aus der Kopfhaut&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 138, 17-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist bereits in dieser ersten Szene Sigunes besondere Art der &#039;&#039;minne&#039;&#039; und &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;. Ihre Liebe überdauert den Tod und auf diese Weise wird sie zur „Geliebten des Toten“ (Pz. Übersetzung: 141, 23-24) und sagt wie selbstverständlich: &lt;br /&gt;
„Nu minne i´n alsô tôten.(Pz. 141, 23-34)&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Parzival verkündet, den Tod Schianatulanders rächen zu wollen, weist sie ihm die falsche Richtung, weil sie um sein Leben fürchtet und nicht noch einen Toten beklagen möchte, der für sie das Leben ließ. Gleichzeitig verneint sie hiermit auch jede Art von Tröstung und verhindert dadurch die Linderung ihres [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leids]], sodass sie sich weiterhin völlig dem Schmerz und der Kasteiung hingeben kann.&lt;br /&gt;
Des Weiteren tritt Sigune als eine Art Wegweiserin in Parzivals Leben und ermöglicht ihm den „ersten Schritt zur Selbsterkenntnis“. [Bumke 2004: S. 58.] Parzival erfährt durch sie nicht nur seinen Namen, sondern auch, dass er aufgrund seiner Herkunft Erbe dreier Königreiche ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune auf der Linde (Pz. 249,11 – 255,30)===&lt;br /&gt;
Als Parzival Sigune das zweite Mal begegnet, erkennt er sie nicht wieder. Da sie das große Leid, den Schmerz um den Geliebten, als von Gott gesandt ansieht (Pz. 252, 20-22), gibt sie sich der Klage um Schionatulander völlig hin und nimmt dafür sogar den Verlust ihrer Schönheit in Kauf. Dieses Verhalten ist Ausdruck der ewigen [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Treue]], welche eine der wichtigsten Charaktereigenschaften Sigunes darstellt. Ihre ewige Treue ist Grund dafür, dass sie das Angebot Parzivals, den einbalsamierten Leichnam zu begraben, ausschlägt. Sie vermag es noch nicht, sich von ihrem Geliebten zu trennen. Bezeichnend ist allerdings, dass sie trotz ihres großen Leids zu enormer Nächstenliebe in der Lage ist. Sie bringt ihr tiefes Mitleid gegenüber dem schwer kranken [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] zum Ausdruck und sagt, dass das einzige was ihr noch Freude bereiten könnte, die Erlösung des Gralkönigs von seinem Leid wäre (Pz. 253, 19-21). Dieses Mitleid sowie die Treue und das Leid Sigunes sind zentrale  Merkmale der Gralssippe: &amp;quot;Jeder, der zu dieser Sippe gehört, vermag den  anderen zu verstehen, obwohl und weil er selbst ein Leidender ist, er vermag gerade darum in innigem Mitgefühl an seinem Leiden teilzunehmen.&amp;quot;  [Labusch 1959: S. 70.] Als Sigune dann erfährt, dass Parzival es versäumte, Anfortas die erlösende Frage zu stellen, wirft sie ihm fehlendes Mitleid und Feigheit vor und verflucht ihn als ehrlosen Mann (&amp;quot;gunêrter lîp, verfluochet man!&amp;quot; [Pz. 255, 13]). Die vom Leid überwältigte, seelisch erschütterte junge Frau zeigt hier, zu welcher Boshaftigkeit und Stärke sie dennoch in der Lage ist. Gleichzeitig beweist Sigune &amp;quot;durch ihren Fluch ihre echte &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; [gegenüber dem Gralsgeschlecht], welche sich in Härte und Strenge äußern  muss.&amp;quot; [Labusch 1959: S. 77.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune als Klausnerin (Pz. 435,1 – 442,26)===&lt;br /&gt;
Bei der dritten Begegnung erscheint Sigune als Klausnerin. Die Jahre in Trauer und das asketische Dasein nahmen ihre all ihre Schönheit, sodass Parzival sie anfangs erneut nicht wiedererkennt. Sie hat Schianatulander in der Klause begraben und verbringt seitdem die Tage betend über den Sarg gebeugt. Von nun an verharrt sie in ihrer Trauer und in völliger Hingabe zu Gott. Das Begräbnis könnte Zeichen dafür sein, dass sich Sigune mit dem [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] ihres Geliebten arrangieren konnte. Doch ob sie sich durch die Zuwendung zu Gott die Heilung ihrer Trauer und Trost erhofft, ist fraglich, da sie sich gleichzeitig völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat und jedem irdischen Glück entsagt. Mit dieser &amp;quot;&#039;Entweltlichung&#039; Sigunes&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 27.] geht auch der Verlust ihrer Schönheit einher, welcher ihren durch die Trauer und das Leid verursachten inneren Verfall widerspiegelt.  &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir dicker munt heiz rôt gevar || Ihre vollen Lippen,heiß und von roter Farbe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was dô erblichen unde bleich, || waren erblichen und bleich seit damals,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît werltlîch freude ir gar gesweich. || als das Glück der Menschenwelt sie verriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez erleit nie magt sô hôhen pîn: || Nie hat ein Mädchen so hohen Schmerz leiden müssen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch klage si muoz al eine sîn. || Der Klage hingegeben lebt sie in Einsamkeit&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 435, 26-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach Jahren hält sie fest an der Liebe zu Schianatulander und bleibt ihm über den Tod hinaus treu. Sie fühlt sich schuldig für den Tod Schianatulanders, da sie ihm zu Lebzeiten ihre [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebe]] nicht gewährte, wobei er um der Liebe Willen für sie starb. (Pz. 436, 1-3). Als Zeichen ihrer Treue trägt sie noch immer den Verlobungsring, der für sie auch vor Gott die Ehe zu Schianatulander besiegelt. Jedoch stellt Sigune dieses Zeichen der ewigen Treue nicht als freie Entscheidung dar. Der Ring stellt für sie eine Fessel ihrer Treue dar, wodurch ihre Trauer fast passive Züge annimmt. Es scheint als nehme sie jedoch in Kauf, dass ihr Leid dadurch kein Ende nimmt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ob mîner triwe ein slôz, || Er ist eine Fessel meiner Treue &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vonme herzen mîner ougen vlôz. || und macht, daß mein Herz sich ausgießt mit den Augen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 440, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Szene erfährt der Rezipient von Sigunes  direkter Verbindung zum Gral. Sie stammt von dem Gralsgeschlecht ab und  wird durch Cundrie vom [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival) | Gral]] ernährt. (Pz. 438, 29 - 439, 5) Schließlich vergibt Sigune Parzival, den sie bei ihrer letzten Begegnung verfluchte, und wünscht ihm Gottes helfende Hand auf seinem weiteren Weg. Zuletzt rät sie ihm [[Die Gralsbotin Cundrie, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] nachzureiten. Hier nimmt sie in der Rolle der Beraterin Einfluss auf den weiteren Weg Parzivals, indem sie ihn bei der Suche nach dem Gral unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigunes Tod===&lt;br /&gt;
Auf dem Weg nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] fragt Parzival die Gralsritter, die ihn beglieten, nach der Klausnerin Sigune. Die &#039;&#039;temnpleise&#039;&#039; sagen, sie wohne noch immer dort in dieser Klause. Sie bewundern Sigune darüber hinaus für ihre Treue und Geben ihrer Bewunderung Ausdruck, indem sie Sigune als &amp;quot;rehter güete ein arke (eine Arche rechter Güte)&amp;quot; (Prz. 804, 16) bezeichnen. Durch diesen Ausspruch wird deutlich, dass Sigune auf ihr gesamtes Umfeld einen prägenden Eindruck macht und sich als besonders charakterstarke Person auszeichnet. Als Parzival und seine Begleiter daraufhin die Klause aufsuchen, finden sie Sigune tot auf, in kniender Haltung vor dem Sarg ihres Geliebten. „Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“ [Bumke 2004: S. 120] und findet somit der &amp;quot;sêle ruowe&amp;quot; (Pz. 499, 30). Auf den Befehl Parzivals, wird das Grab Schianatulanders aufgebrochen und Sigune neben den Leichnam des Geliebten gelegt. Nun sind die Liebenden im Tode wiedervereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Analyse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass Sigunes Auftreten immer &amp;quot;wichtige Stationen der inneren und äußeren Handlung markiert&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 212.] Der ersten Szene geht der Tod von Parzivals Mutter voraus, das zweite Treffen findet kurz nach Parzivals Frageversäumnis auf Munsalvaesche statt, der dritten Begegnung folgt die Einkehr bei Trevrizent und bei der vierten Sigune-Szene ist Parzival schließlich Gralkönig. Folglich stehen alle Szenen, in der Sigune auf Parzival trifft, in unmittelbarer Nähe von bedeutenden inneren und äußeren Veränderungen hinsichtlich Parzivals Leben. Sigune erhellt dabei an diesen &amp;quot;neuralgischen Punkten im Handlungsablauf&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 6.] stets das Geschehen, indem sie ihrem Cousin entscheidende Hinweise und Informationen bezüglich seiner Identität gibt. Dies entspricht der im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; prominenten Technik, das bereits Erzählte nachträglich zu beleuchten. [Bumke 2004: vgl. S. 212.] Gleichzeitig stellen die vier  Sigune-Szenen vier Stadien der Trauer und der Selbstzerstörung Sigunes  dar. [Heinzle 2011: vgl. S. 924.] Das Schicksal Sigunes und der innere  Reifungsprozess Parzivals verlaufen auf diese Weise parallel. [Zmaila 2002: vgl. S. 50.]        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Braunagel 1999] Braunagel, Robert: Wolframs Sigune: Eine vergleichende Betrachtung der Sigune-Figur und ihrer Ausarbeitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; und &amp;quot;Titurel&amp;quot; des Wolfram von Eschenbach. Göppingen 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Heinzle, Joachim (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, Bd. 2, Berlin/New York 2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch, Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zmaila 2002] Zmaila, Anders Till: Sigunes Schuld. Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerks, Freiburg im Breisgau 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie Liebesbeziehungen|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11957</id>
		<title>Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Gralsbotin_Cundr%C3%AEe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11957"/>
		<updated>2012-07-23T14:09:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Quellennachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Cundrîe la suziere ist Tochter des Königs Lôts und seiner Frau  Sangive. Ihre Geschwister sind [[Gawan (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gawan]], [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje ]] , Beacur und Surdamur. Sie ist durch ihr  Engagement als Gralsbotin Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswelt]] . Einzigartig an ihrer  Person ist das Nebeneinander ihrer äußerlichen [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] , welche  durch tierische Züge fast grotesk wirkt, und der inneren Schönheit, die  sich in tiefer &amp;quot;triuwe&amp;quot;, Mitleid und Gottesfürchtigkeit ausdrückt. Ihre Erscheinung kann demnach als Negativbild des wunderschönen Parzival  betrachtet werden, der aufgrund mangelnder Bildung immer wieder  innerliche Schwäche beweist und Moral nur durch seine Fehltritte  erlernt.  Cundrîe nimmt eine tragende Rolle im Erkenntnisprozess  Parzivals ein. Sie klärt ihn nicht darüber auf, dass er Mitglied der  Gralssippe ist und [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] sein Halbbruder, vielmehr verflucht sie ihn  auch für seine Taten. Auch wenn er wohl nie bewusst falsch gehandelt  hat, so reißt sie ihn aus seiner verklärten Sicht über sein Leben und  bringt ihn dazu sein Handeln zu hinterfragen. Überdies versorgt sie  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] , welche sich in eine Klause fernab der Gesellschaft in einsamer  Trauer um ihren Geliebten Schionatulander zurückgezogen hat, mit Nahrung  und bringt auch der alten Königin Arnive Salben und Medizin.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Verfluchungsepisode 312,2-319,20==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Da  es Parzival versäumte [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] auf der Gralsburg [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Munsalvaesche ]] die  Erlösungsfrage zu stellen, verfluchte ihn seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] für sein  mangelndes Mitleid und Treue (Pz. 255, 2-20). &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:   Wolfram  von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.  Studienausgabe.     Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe  von Karl Lachmann.     Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung  zum Text der     Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation   von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer Nacht im Wald erblickt  Parzival einen [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen im Schnee]] , der ihn an seine Frau Condwiramurs  erinnert. In Liebesgedanken versunken nähert er sich dem Artushof und  wird von einem Knappe für einen Eindringling gehalten. [[Keie (Wolfram  von Eschenbach, Parzival)|Keie ]] und Segremor treten daraufhin gegen  den vermeintlichen Herausforderer an. Als [[Gawan (Wolfram von  Eschenbach, Parzival)|Gawan ]] Parzival erkennt, erlöst er ihn von seinem  Minnebann und führt ihn auf die Burg, wo er in die Gemeinschaft der  Artusrunde aufgenommen wird.  Zu Ehren Parzivals veranstaltet Artus ein  glanzvolles Fest auf Plimizoel, welches die Herrlichkeit der  Artusgesellschaft widerspiegelt. Auch scheint zu diesem Zeitpunkt  Parzivals Ruhm an seinem Höhepunkt zu sein. Doch durch das Erscheinen  Cundrîes vor der Artusrunde wird die Scheinharmonie der Tafelrundenidylle gebrochen. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Artûs her si brâhte pîn.|| Sie brachte Leid zu des Artûs Leuten.&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 312,18) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vil hôher freude se nider sluoc.|| Sie schlug alles Glück zu Boden, das über der Festversammlung lag.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(Pz. 312,30) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anfangs stellt Wolfram  sie nur als „ein magt“ (Pz. 312,4) und „diu juncfrouwe“  (Pz. 312,16) dar. Auch Cundrîe selbst stellt sich, die gesellschaftliche Form  missachtend, der Artusrunde nicht vor. Wenig später jedoch erwähnt der Erzähler ihren Spottnamen &amp;quot;la suziere&amp;quot;, die  Hexe. Diese Verbindung zum mystisch Dämonischen trägt dazu bei, dass das Publikum sie mit einer zweifelnden Distanz betrachtet, da  sich  die Frage stellt, ob dieser Name Rückschlüsse auf Cundrîes Charakter ziehen  lässt.&amp;lt;ref&amp;gt;An dieser Stelle sei auf den Artikel [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] verwiesen. Dieser analysiert unter anderem die Verbindung von äußerer und innerer Schönheit.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram beschreibt Cundrîes Gestalt als hässlich und wenig  anmutig. Ihrem Äußeren verleiht er terimorphe Züge, welche ihre  Erscheinung grotesk wirken lassen. So beschreibt Wolfram beispielsweise ihre Nase als Hundeschnauze (&amp;quot;si was genaste als ein hunt:&amp;quot; [Pz. 313, 21]), ihre Bärenohren (&amp;quot;Cundrî truoc ôren als ein ber,&amp;quot; [Pz. 313, 29]) oder auch ihren Zopf, welcher an die Rückenborsten eines Schweins erinnert (&amp;quot;ein zopf...der was sô..linde als eins swînes rückehâr.&amp;quot; [Pz. 313, 17-29]). Zu ihrer hässlichen Gestalt trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trufg dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  erwähnt überdies Cundrîes hohe Bildung, welche Respekt und Bewunderung  hervorruft.Sie spricht Latein, Französisch und Heidnisch und ist in der  Dialektik, Astronomie und Geometrie bewandert. Während sie äußerlich  eher abstoßend und wenig anmutig wirkt, so stellt sie Eleganz bezüglich  ihres Wissens unter Beweis:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,19-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der  Kontrast zwischen Cundrîes hässlichem Äußeren und ihrer Herkunft, sowie  der hohen Bildung, welche sich auch in ihrer edlen Gesinnung  widerspiegelt, machen sie zu einem einzigartigen  Charakter innerhalb  des Parzival-Romans. Die Bedeutung Cundrîes [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hässlichkeit]] im dritten Abschnitt untersucht.&lt;br /&gt;
Immer wieder unterbricht Wolfram die detaillierte Beschreibung Cundrîes durch Vorausdeutungen ihrer unheilvollen Botschaft: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wê waz solt ir komen dar? || Wehe, was hat ihr Kommen zu bedeuten?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 312,16)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Cundrîes  Botschaft wird Parzivals Ruhm zugleich zerbrechen lassen. Wie bereits  [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune ]] verflucht nun auch  Cundrîe Parzival für das Unterlassen der Erlösungsfrage (315, 20ff), sie  beschuldigt ihn [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]]  gegenüber kein Mitleid gezeigt zu haben (316, 3) und wirft ihm mangelnde  [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] und Erbarmen vor. Sein Versagen bezeichnet Cundrîe als Versagen vor Gott. Sein Schweigen machte ihn zum [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sünder]] und nun sei der zur  Hölle bestimmt. Auch wertet sie Parzivals Verhalten bezüglich seines  Rittertums und verkündet Artus, dass durch die Aufnahme Parzivals in die  Artusrunde sein Ruhm nun sinke (315, 1-10). Cundrîes Fluch richtet sich auch gegen  [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schönheit und Stärke]] , die seine innerliche  Hässlichkeit, die er beispielsweise durch das mangelnde Mitleid  gegenüber dem Fischer bewies, immer wieder überdecken. Ihre eigene  Hässlichkeit gewinnt durch die auffällige Schönheit Parzivals, die  bisher als Zeichen seiner göttlichen Erwählung gedeutet wurde, tiefere  Bedeutung. Cundrie begibt sich immer mehr in Rage und drückt immer  deutlicher ihre Verachtung gegenüber Parzival aus:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir heiles pan, ir saelden fluoch,|| Allem Heil seid Ihr Fluch und allem Glück die Pest;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ganzen prîses reht unruoch!|| allem, was Ehre hat, seid ihr so recht ein Wurm, ein Nichts.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 316,11f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine für Parzival entscheidende Rolle spielt die Begegnung mit Cundrîe auch deshalb, weil er erst durch die Gralsbotin die Namen seiner Eltern  [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] und  [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] erfährt. Entscheidend allerdings ist, dass er darüber aufgeklärt wird, dass er als Sohn [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmurets ]] der Enkel des Gralskönigs Anfortas und somit ein Mitgleid des [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgeschlechts]] ist. Auch erfährt er von seinem Halbbruder [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]] . Cundrîe stellt diesen im Gegensatz zu Parzival als einen der  reichsten Männer des Orients dar, welcher sich durch sein vorbildliches  Rittertum auszeichnet. Bedauernd stellt sie fest, dass,  während Feirefiz seine Ehre immer weiter anhäuft, Parzival mehr und mehr Schuld auf sich lädt und sich immer mehr ins Unheil begibt.&lt;br /&gt;
Am Ende ihrer Rede erwähnt Cundrîe das  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach, Parzival)|Schastel  marveile]] und berichtet über die Gefangenschaft der drei Königinnen  dort. Sie hofft auf Hilfe aus dem Kreise der Tafelrunde und tatsächlich  bricht [[Gawan_im_Schastel_marveile  (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawan]] kurz darauf zur &amp;quot;aventiure&amp;quot;  auf, mit dem Ziel die Königinnen zu befreien.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Markant ist überdies die Darstellung Cundrîes [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leid]].&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgens pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen rollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen truoc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die maget lêrt ir triuwe|| Treue lehrte dieses Mädchen, das Leid, das es im Herzen trug,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol klagen ir herzen riuwe.|| so recht hinauszuklagen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.318,5-10) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie  leidet nicht unter persönlichem Kummer, sondern empfindet solch tiefes  Mitleid, dass es sich zu persönlich empfundenem Leid entwickelt. Cundrîe  erscheint als äußerst selbstlose Person und beweist ihre edle  Gesinnung, denn ihre Klage gilt Parzivals unglücklicher Entwicklung,  welche ihrer Meinung nach in die Hölle führt. Außerdem bedauert sie  zutiefst, dass sie Botin dieser schlimmen Kunde ist, welche auch den  Ruhm Parzivals Mutter  [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] &lt;br /&gt;
befleckt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ie wart vernomn|| Wehe, daß man das aus meinem Mund hören muß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von mir, daz Herzeloyden barn|| daß der Herzeloyde Kind &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an prîse hât sus missevarn!|| sich so vergangen hat an seiner Ehre!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,2-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Berufungsepisode 778,13-786,30 ==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Nachdem  Parzival gegen [[Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Feirefiz]]  gekämpft hat, unwissend darüber, dass der Fremde sein Halbbruder ist,  gibt sich dieser zu erkennen. Parzival erfährt, dass Feirefiz ein  mächtiger Heidenkönig ist und über 25 Länder gebietet. Als Parzival  seinen Halbbruder in das Lager von  [[Joflanze_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Joflanze ]] zurückführt,  wird dieser von [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] und [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] feierlich begrüßt. Zu Ehren Feirfiz´  veranstaltet Artus ein Fest und nimmt ihn in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tafelrunde]] auf. Als das  Fest gerade im Gange ist, erscheint Cundrîe das zweite Mal. &lt;br /&gt;
Während  das erste Erscheinen Cundrîes vor der Tafelrunde nichts Gutes verhieß  und durch mehrfache [[Die Erzählstruktur im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzählerkommentare]] als unheilbringend deklariert  wurde, so preist der Erzähler bereits einleitend den zweiten zentralen  Auftritt Cundrîes vor der Tafelrunde. Auch deutet er dieses Mal die  kommende frohe Botschaft voraus:&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol dem künfteclîchen tage!|| Gesegnet sei der Tag, der nun seinen Lauf nimmt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gêrt sî ir süezen maere sage,|| Ehre sei der süßen Botschaft, die sie sagte&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als von ir munde wart vernomn!|| und die man aus ihrem Mund vernahm!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 778,13-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederum  beschreibt Wolfram präzise Cundrîes edle Kleidung. Indem er zusätzlich über ihre  Hässlichkeit schweigt, erscheint Cundrîe in einem völlig anderen und  positiveren Licht. Aber auch ihr Verhalten gegenüber [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und seinen  Rittern ist sehr viel höflicher als bei der ersten Begegnung. Diesmal  reitet sie nicht direkt in den Ring hinein, sondern erst nachdem ihr die  Erlaubnis dazu erteilt wurde. Auch grüßt sie höflich König Artus und bittet ihn  sogar um Vergebung:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si warp daz ein râche|| sie sprach, man möge alten Haß und Feindschaft &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf si verkorn waere|| gegen sie vergessen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt daz man hôrt ir maere.|| und ihre Botschaft anhören.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 779,12-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während  sie vorher nicht einmal vom Pferd stieg, so fällt sie nun demütig  Parzival zu Füßen und fleht ihn weinend an, seinem Zorn auf sie  fallen  zu lassen (Pz. 779, 22-26). Erst nachdem ihr Parzival verzeiht, gibt sie sich zu erkennen  und lässt die Schleier fallen, welche bisher ihr Gesicht verhüllten.  Wolfram beschreibt wiederum ihr Äußeres und weist sogar darauf hin, dass  es dem Leser bereits bekannt ist. Es folgt ähnlich wie bei der ersten Begegnung eine detaillierte Beschreibung Cundries Hässlichkeit. Jedoch verwendet Wolfram dieses Mal Metaphern aus dem Bereich der Schönheitsbeschreibung, lässt ihre vermeintlich terimorphen Züge zu erwähnen und trägt somit dazu bei, dass Cundriês Hässlichkeit nicht mehr abstoßend wirkt, sondern vielmehr Zuneigung und Wohlwollen hervorrufen könnte.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir antlütze ir habt vernomn:|| Ihr Gesicht ist euch bereits geschildert worden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir ougen stuonden dennoch sus,|| darin standen immer noch die gleichen Augen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gel als ein thopazîus,|| gelb wie ein Topas,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zene lanc: ir munt gap schîn|| und lange Zähne.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vîol weitîn.|| Veilchenblau wie Färberwaid war der Schimmer ihrer Lippen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz.780,18-22)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
Feierlich  richtet sie sich an Parzival und verkündet, dass er zum Herrn des [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Grals]] berufen sei. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz epitafjum ist gelesen:|| Das Epitafium ist gelesen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du solt des grâles hêrre wesen.|| du sollst der Herr des Grâls sein.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 781, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer ersten Begegnung sagte sie noch, dass die  Erlösungsfrage ihre Kraft verliere, sollte sie nicht am ersten Abend  gestellt werden. Dies revidiert sie nun. Um zu verdeutlichen, dass die  Zeit eines Neubeginns und Glück für Parzival bevorsteht, zählt sie die  [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Planeten]] auf, welche nun in ihr Haus zurückgekehrt sind und ein  Planetenajahr abschließen. Sie nennt den Namen jedes einzelnen Planeten  mit deren heidnischen Namen, die allein Feirefiz versteht (Pz. 782, 1-21). Erstaunlich  ist, dass Parzival, welcher sich bisher tölpelhaft und uneinsichtig gab,  nachdem er Cundriês Botschaft erfahren hat, sich als reif und  einsichtig beweist. Indem er seine Fehler nicht leugnet, sondern sich  ehrlich zu diesen bekennt, erkennt er Cundrîes anfänglichen Hass  gegenüber seiner Person als begründet an. Dass sie nun um seine  Vergebung buhlt, ist für ihn Zeichen Cundrîes [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]]. Neben dieser Treue  erweist sich die Gralsbotin auch als selbstlose Person. Als König Artus  Cundrîe auffordert sich nun Ruhe zu gönnen und zu äußern was zu ihrem  Wohlbefinden beitragen würde, gilt ihr erster Gedanke Arnive und den  anderen Frauen, um deren Zustand nach der Gefangenschaft sie sich sorgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Hässlichkeit Cundrîes==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram  von Eschenbach stellt mit Cundrîe eine Figur dar, welche den Leser wohl  häufig irritieren wird. Ihre äußerliche Hässlichkeit, welche durch die  Beschreibung terimorpher Züge abstoßend und grotesk wirkt, steht in  Kontrast zu der inneren Schönheit, die sie durch ihr moralisch-ethisches  Verhalten und ihre Großherzigkeit beweist. Die Gleichzeitigkeit von  schönen und hässlichen Attributen ist in der Darstellung einer  literarischen Figur unüblich und da man instinktiv schön mit gut, sowie  hässlich mit böse assoziiert, wirft das die Frage auf, was Wolfram mit  diesem Widerspruch bewirken wollte oder ob er mit Cundrîe vielleicht  sogar einen Scheinwiderspruch, von dem bereits im Prolog des Parzival  die Rede ist, darstellt. &lt;br /&gt;
Die Beschäftigung mit Cundrîe und ihrer  Hässlichkeit, sowie deren Funktion machen eine Auseinandersetzung mit  dem mittelalterlichen Verständnis von Schönheit und Hässlichkeit und  ihrer Funktionalisierung in der höfischen Dichtung nötig.&lt;br /&gt;
Nach  Jauß war äußerliche Schönheit für den mittelalterlichen Adel ein  Argument zur Durchsetzung von Rangansprüchen, da nach mittelalterlichem  Verständnis  äußerliche Schönheit der inneren Werthaftigkeit entsprach.  Somit galt Schönheit als Kennzeichen von Herrschaft und Abgrenzung von  niederen Ständen. Cundrîes vernichtende Tirade gegen den schönen Parzival zielte ins Herz einer alteuropäischen Tradition, nach der die Schönheit das adäquate Gefäß des Guten ist, Schönheit und Gutsein also wechselseitig füreinander bürgen. In den Worten des Thomas von Aquin: &amp;quot;Das Schöne ist mit dem Guten austauschbar.&amp;quot;  [Herkommer 2004] Das in den Personenbeschreibungen der höfischen Autoren beherzigte ästhetische-ethische Prinzip, nach dem die idealen Männer- und Frauengestalten gerade deshalb schön sind, weil sie gut sind und gerade deshalb gut, weil sie schön sind (vgl.: 316, 11-20), hatte im Augenblick der Begegnung zwischen der hässlichen Cundrîe und dem schönen Parzival seine Gültigkeit verloren. Der angehimmelte Schöne wird als verabscheuungswürdiger Bösewicht dargestellt.&lt;br /&gt;
Während in der deutschen höfischen Dichtung keine  vorgegebenen Muster zur Beschreibung von Personen typisch waren, so ist  der Einsatz von Hässlichkeit als Attribut des Bösen in der französischen  Dichtung üblich. [Jauß 1968] Des Öfteren treten äußerlich abstoßend  wirkende und hässlich dargestellte Feinde, Heiden und Bösewichte in der  chanson de geste zur Verkörperung des Bösen auf. Dadurch wurde  Hässlichkeit immer in Verbindung mit dem Bösen gebracht.&lt;br /&gt;
In der christlich-theologischen Dichtung begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. &lt;br /&gt;
Man  geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen der  sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle Phänomene  auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht werden, da   Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten sein können. [Pappas 2001] &lt;br /&gt;
Jauß  spricht hier von der deformitas Christi,  welche für Christen kein substantieller Verlust Christi sei, da das  spezielle Bild Christi noch immer an die Idealität des Schönen gebunden  bleibe. Die Realität des Hässlichen und Grauenvollen sei somit nur  „unvollendetes Gegenbild zur Transzendenz des vollendet Schönen“. [Jauß  1968] Das Niedrige und Böse ist somit gänzlich vom Hässlichen abgelöst.   Diese Erkenntnis wirft unter den Theologen die Frage auf, in welcher  Erscheinungsform das Wirken Gottes deutlicher zum Ausdruck kommt. Viele  Stimmen sprechen dafür, dass Hässlichkeit im Vergleich zum Schönen  deutlicher macht, dass alles Irdische, Sichtbare nur Zeichen für ein  Höheres Sein ist. [Pappas 2001]&lt;br /&gt;
Auf diesem Hintergrund stellt  sich die Frage, ob Wolfram mit der Hässlichkeit Cundrîes eben keine  Abneigung der Leser hervorrufen wollte, sondern vielmehr ihre  Vorbildlichkeit und innere Schönheit, welche er durch die ausführliche  Beschreibung ihrer moralisch-ethischen Qualitäten bereits eindeutig  hervorhebt.&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Michael Dallapiazza untersuchte bei der Frage  nach der Funktion Cundrîes Hässlichkeit die Wirkung, welche die  Beschreibung ihres Äußeren bei der Darstellung ihrer Person auf den  Leser macht. [Dallapiazza 1985] Er kam zu dem Schluss, dass Wolfram,  weil er die Hässlichkeitsbeschreibung gegenüber der Vorlage Chrestiens  von 81 auf 19 Verse kürzte, ihre Hässlichkeit nicht als abstoßend wirken  lassen wollte. Vielmehr betone Wolfram bei der Darstellung Cundrîes  ihre moralischen und sozialen Qualitäten. Er stelle sie als besonders  mitleidsfähiges Wesen dar. Mitleid drückt sich bei Cundrîe als  persönlich empfundenes Leid aus. So weint sie bittere Tränen um  Parzivals und Anfortas Unglück:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrî was selbe sorgen pfant.|| Cundrî selber war da ganz in der Gewalt des Kummers.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al weinde si die hende want,|| Sie weinte nur noch und rang die Hände.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz manec zaher den andern sluoc:|| Über viele Tränen tollten Tränenwogen hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz jâmer se ûz ir ougen trouc.|| großen Jammer ließ sie aus den Augen fließen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 318,5-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von  Anfang an komponiert Wolfram Cundrîe gegen die Klischees der höfischen  Gesellschaft, der die rein äußerliche Schönheit als Merkmal eines  idealen Menschen genügte. Michael Dallapiazza verweist hierzu auf den  Prolog, in welchem er offentsichtlich gegen eine solche Sichtweise  Stellung nehme:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist si inrehalp der brust bewart,|| Wenn nur das innen in der Brust sich sehen lassen kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so ist werder prîs dâ niht verschart.|| so wird ihr Wert und ihre Ehre ohne Scharte bleiben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 3,23f)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Wolfram  charakterisiert Cundrîe als hoch gebildete Frau, welche sich durch ihr  Äußeres von all den anderen Damen, die durch äußere Schönheit in der  höfischen Gesellschaft wertgeschätzt werden, unterscheidet. Jedoch  erhält man durch Wolframs Worte nicht den Eindruck, er wolle Cundriês  Hässlichkeit als ein Manko ihrer Person verstanden sehen:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu maget witze rîche|| Die junge Dame, sie so gelehrt war,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was gevar den unglîche|| sah ganz anders aus&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die man dâ heizet bêâ schent.|| als sonst die schönen Feinen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 313,1-3)&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar  blickt Wolfram kritisch auf die Oberflächlichkeit menschlicher  Beziehungen und möchte anhand Cundrîes diese entleerte Form innerhalb  der ritterlichen Konventionen darstellen. Nach Dallapiazza erwähnt  Wolfram, dass Ritter selten um Cundrîes Liebe kämpften, nicht um ihre  Minderwertigkeit zur Schau zu stellen, sondern um diese  Oberflächlichkeit in der höfischen Gesellschaft deutlich zu machen.  Da  Wolfram Cundrîe in ihrer gesamten Persönlichkeit darstellen wolle, sei,  so Dallapiazza, ihre unschöne Gestalt nur ein Teil eben dieser und somit  als neutraler Aspekt ihrer Person zu sehen. [Dallapiazza 1985]&lt;br /&gt;
Wolfram  bezeichnet die Gralsbotin als „diu unsüeze und doch diu fiere“. Ob  diese Charakterisierung negativ oder positiv zu deuten ist, untersucht  Michael Dallapiazza indem er die Übersetzungstendenzen der Adjektive  süez und fier betrachtet. Dabei stellt er fest, dass süez bei Wolfram  als äußerliche Schönheit und höfisches Erscheinen auftaucht, und fier  als stattlich, stolz zu verstehen ist und somit als Attribut eines  Mannes oder Ritters gebraucht wird. Michael Dallapiazza schließt, dass  Wolfram durch den Gebrauch dieses Wortes unterstreichen wollte, dass  Cundrîes Hässlichkeit weder Abscheu noch Erschrecken hervorruft. Die  Gesamtheit ihrer Person sei bestimmt durch ihren Stolz, ihre Würde und  ihre Leidensfähigkeit, nicht minder aber auch ihre Hässlichkeit, welche  sie nur unverkennbar mache, ihr positives Bild allerdings nicht  verkehre.&lt;br /&gt;
Hässlichkeit erscheint bei Wolfram nicht mehr als  ausgrenzender Faktor und ruft sogar im Falle Cundrîes Achtung seitens  der Artusgesellschaft hervor. Dadurch wird das Hässliche als positives  Element in die poetische Darstellung aufgenommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Dichotomie von Schale und Kern===&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Katharine  Pappas spricht bei der Charaktersierung Cundrîes von einer  Nichtentsprechung von Schale und Kern. Cundrîes äußere Hässlichkeit  stehe in Disharmonie zu ihrer inneren Schönheit, welche sich vor allem  in ihrer triuwe, der hohen Bildung und ihrer Mitleidsfähigkeit  offenbart. Besonders bei der Begegnung mit Parzival sei es eindeutig,  dass dem hässlichen Äußeren und vorbildlichem Inneren der Gralsbotin  Parzivals „Sündenbeladenheit bei größter körperlicher Schönheit“ [Pappas 2001: S.164] zum Zeitpunkt der Verfluchung entspricht. Sie bringt  Cundrîes Gestalt in Verbindung mit der bereits im Prolog entwickelten  Diskussion um Sein und Schein. Nach Katharine Pappas möchte Wolfram  zeigen, dass die Welt nicht in Eindeutigkeit sich zueinander  gegensätzlicher Pole aufgeht. Der Mensch hat an „beidiu teil, des himels  und der helle&amp;quot; (Pz.1,8f), er hat Teil am Himmel und der Hölle, und lebe  somit im Spannungsverhältnis zwischen Heil und Verderben. Cundrîe ist  Verkörperung ihrer eigenen Überzeugung, denn sie klagt Parzival an, dass  er zwar äußerlich schön sei, aber von den Tugenden weit entfernt. Durch  Parzival sinke der Ruhm des König Artûs und über die Gralsgesellschaft  bringe er Schande:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| tevalrunder prîses kraft|| Der Tafelrunde Kraft, die aus der Ehre kam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hât erlemt ein gesellschaft|| ist jetzt gelähmt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die drüber gap hêr Parzivâl,|| denn Ihr habt den Herrn Parzivâl zu Eurem Genossen gemacht - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der ouch dort treit diu rîters mâl.|| ich meine den da, der die äußeren Zeichen eines Ritters trägt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 315,7-10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleich der Darstellung Cundrîes Hässlichkeit===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Vergleicht  man die beiden für Cundrîe zentralen Szenen, so fällt auf, dass Wolfram  die Beschreibung ihres Äußeren unterschiedlich gestaltet. So betont er  in der Berufungsszene zwar noch immer, dass Cundrîe hässlich wie einst  war, jedoch passt er, nach Katharine Pappas, [Pappas 2001] die  Beschreibung ihres Äußeren der durch die erlösende Botschaft friedlichen  Szene an. Er verwendet Metaphern aus dem Bereich der  Schönheitsbeschreibung: Gelb der Augen vergleicht er mit Topasen, das  blau ihres Mundes mit Veilchen (780,19-22). Michael Dallapiazza stellt  dagegen die These auf, dass die Beschreibung weniger drastisch ausfällt,  da ihre Erscheinung in der ersten Szene noch gegen die höfischen  Konventionen kontrastieren sollte, in der zweiten Szene allerdings  stünde die Gralsgesellschaft bereits „vor der Pforte in eine neue Welt,  in welcher allein das Innere des Menschen zählen wird“ [Dallapiazza 1985: S. 42] und somit eine Beschreibung des Äußeren unnötig wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Beeinflusst::Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze  zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach  Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und  Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß,  Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11956</id>
		<title>Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-23T14:08:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Anmerkungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Tochter Schoysianes und Kyots ist [[Gralssippe::Sigune]] eine Cousine Parzivals und ebenfalls Mitglied der [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralssippe]]. Im Handlungsverlauf von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es zu insgesamt vier Begegnungen zwischen Sigune und dem Protagonisten. Diese sind prägend für Parzivals persönliche Entwicklung und stellen Wendepunkte in seinem Leben dar. Eine der Besonderheiten der Figur Sigunes ist, dass Wolfram von Eschenbach im Nachhinein den &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; verfasste, in welchem ihre Vorgeschichte, vor allem aber die Liebesbeziehung zu Schianatulander, dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die vier Sigune-Szenen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Sigune am Felsenhang (Pz. 138,9 – 142,2)===&lt;br /&gt;
Nach dem tragischen Tod ihres Geliebten Schianatulanders in einer Tjost gegen Orilus hat sich Sigune, ähnlich wie Herzeloyde, in den Wald zurückgezogen, um ein Dasein in Trauer um den Verstorbenen zu fristen. Auf der Suche nach dem  [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Arthushof]] wird Parzival auf schreckliche Klagerufe aufmerksam, denen er sogleich nachfolgt. Kurze Zeit später trifft er auf Sigune, die wehklagend ihren toten Geliebten im Schoß hält. Die Trauer um den Ritter Schianatulander scheint sie zu überwältigen. Ihre Verzweiflung spiegelt ihre tiefe Liebe wieder. Der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tod ]] nahm ihr nicht nur den Geliebten, sondern auch all ihre Hoffnung auf persönliches Glück. Da er in ihrem Dienst sein Leben ließ, klagt sie sich schließlich selbst an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich hete kranke sinne,|| Schwachsinnig war ich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich im niht minne gap: || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des hât der sorgen urhap || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir freude verschrôten: || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu minne i´n alsô tôten. || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 141,20-24)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:    Wolfram   von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.      Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.      Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der      Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation    von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Diese Selbstvorwürfe Sigunes steigern sich zu Selbsthass, der zerstörerische Züge annimmt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ brach frou Sigûne || Da riß die edle Sigûne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir langen zöpfe brûne || ihre langen Zöpfe, die braunen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor jâmer ûzer swarten. || vor Jammer aus der Kopfhaut&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 138, 17-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist bereits in dieser ersten Szene Sigunes besondere Art der &#039;&#039;minne&#039;&#039; und &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;. Ihre Liebe überdauert den Tod und auf diese Weise wird sie zur „Geliebten des Toten“ (Pz. Übersetzung: 141, 23-24) und sagt wie selbstverständlich: &lt;br /&gt;
„Nu minne i´n alsô tôten.(Pz. 141, 23-34)&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Parzival verkündet, den Tod Schianatulanders rächen zu wollen, weist sie ihm die falsche Richtung, weil sie um sein Leben fürchtet und nicht noch einen Toten beklagen möchte, der für sie das Leben ließ. Gleichzeitig verneint sie hiermit auch jede Art von Tröstung und verhindert dadurch die Linderung ihres [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leids]], sodass sie sich weiterhin völlig dem Schmerz und der Kasteiung hingeben kann.&lt;br /&gt;
Des Weiteren tritt Sigune als eine Art Wegweiserin in Parzivals Leben und ermöglicht ihm den „ersten Schritt zur Selbsterkenntnis“. [Bumke 2004: S. 58.] Parzival erfährt durch sie nicht nur seinen Namen, sondern auch, dass er aufgrund seiner Herkunft Erbe dreier Königreiche ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune auf der Linde (Pz. 249,11 – 255,30)===&lt;br /&gt;
Als Parzival Sigune das zweite Mal begegnet, erkennt er sie nicht wieder. Da sie das große Leid, den Schmerz um den Geliebten, als von Gott gesandt ansieht (Pz. 252, 20-22), gibt sie sich der Klage um Schionatulander völlig hin und nimmt dafür sogar den Verlust ihrer Schönheit in Kauf. Dieses Verhalten ist Ausdruck der ewigen [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Treue]], welche eine der wichtigsten Charaktereigenschaften Sigunes darstellt. Ihre ewige Treue ist Grund dafür, dass sie das Angebot Parzivals, den einbalsamierten Leichnam zu begraben, ausschlägt. Sie vermag es noch nicht, sich von ihrem Geliebten zu trennen. Bezeichnend ist allerdings, dass sie trotz ihres großen Leids zu enormer Nächstenliebe in der Lage ist. Sie bringt ihr tiefes Mitleid gegenüber dem schwer kranken [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] zum Ausdruck und sagt, dass das einzige was ihr noch Freude bereiten könnte, die Erlösung des Gralkönigs von seinem Leid wäre (Pz. 253, 19-21). Dieses Mitleid sowie die Treue und das Leid Sigunes sind zentrale  Merkmale der Gralssippe: &amp;quot;Jeder, der zu dieser Sippe gehört, vermag den  anderen zu verstehen, obwohl und weil er selbst ein Leidender ist, er vermag gerade darum in innigem Mitgefühl an seinem Leiden teilzunehmen.&amp;quot;  [Labusch 1959: S. 70.] Als Sigune dann erfährt, dass Parzival es versäumte, Anfortas die erlösende Frage zu stellen, wirft sie ihm fehlendes Mitleid und Feigheit vor und verflucht ihn als ehrlosen Mann (&amp;quot;gunêrter lîp, verfluochet man!&amp;quot; [Pz. 255, 13]). Die vom Leid überwältigte, seelisch erschütterte junge Frau zeigt hier, zu welcher Boshaftigkeit und Stärke sie dennoch in der Lage ist. Gleichzeitig beweist Sigune &amp;quot;durch ihren Fluch ihre echte &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; [gegenüber dem Gralsgeschlecht], welche sich in Härte und Strenge äußern  muss.&amp;quot; [Labusch 1959: S. 77.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune als Klausnerin (Pz. 435,1 – 442,26)===&lt;br /&gt;
Bei der dritten Begegnung erscheint Sigune als Klausnerin. Die Jahre in Trauer und das asketische Dasein nahmen ihre all ihre Schönheit, sodass Parzival sie anfangs erneut nicht wiedererkennt. Sie hat Schianatulander in der Klause begraben und verbringt seitdem die Tage betend über den Sarg gebeugt. Von nun an verharrt sie in ihrer Trauer und in völliger Hingabe zu Gott. Das Begräbnis könnte Zeichen dafür sein, dass sich Sigune mit dem [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] ihres Geliebten arrangieren konnte. Doch ob sie sich durch die Zuwendung zu Gott die Heilung ihrer Trauer und Trost erhofft, ist fraglich, da sie sich gleichzeitig völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat und jedem irdischen Glück entsagt. Mit dieser &amp;quot;&#039;Entweltlichung&#039; Sigunes&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 27.] geht auch der Verlust ihrer Schönheit einher, welcher ihren durch die Trauer und das Leid verursachten inneren Verfall widerspiegelt.  &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir dicker munt heiz rôt gevar || Ihre vollen Lippen,heiß und von roter Farbe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was dô erblichen unde bleich, || waren erblichen und bleich seit damals,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît werltlîch freude ir gar gesweich. || als das Glück der Menschenwelt sie verriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez erleit nie magt sô hôhen pîn: || Nie hat ein Mädchen so hohen Schmerz leiden müssen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch klage si muoz al eine sîn. || Der Klage hingegeben lebt sie in Einsamkeit&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 435, 26-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach Jahren hält sie fest an der Liebe zu Schianatulander und bleibt ihm über den Tod hinaus treu. Sie fühlt sich schuldig für den Tod Schianatulanders, da sie ihm zu Lebzeiten ihre [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebe]] nicht gewährte, wobei er um der Liebe Willen für sie starb. (Pz. 436, 1-3). Als Zeichen ihrer Treue trägt sie noch immer den Verlobungsring, der für sie auch vor Gott die Ehe zu Schianatulander besiegelt. Jedoch stellt Sigune dieses Zeichen der ewigen Treue nicht als freie Entscheidung dar. Der Ring stellt für sie eine Fessel ihrer Treue dar, wodurch ihre Trauer fast passive Züge annimmt. Es scheint als nehme sie jedoch in Kauf, dass ihr Leid dadurch kein Ende nimmt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ob mîner triwe ein slôz, || Er ist eine Fessel meiner Treue &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vonme herzen mîner ougen vlôz. || und macht, daß mein Herz sich ausgießt mit den Augen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 440, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Szene erfährt der Rezipient von Sigunes  direkter Verbindung zum Gral. Sie stammt von dem Gralsgeschlecht ab und  wird durch Cundrie vom [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival) | Gral]] ernährt. (Pz. 438, 29 - 439, 5) Schließlich vergibt Sigune Parzival, den sie bei ihrer letzten Begegnung verfluchte, und wünscht ihm Gottes helfende Hand auf seinem weiteren Weg. Zuletzt rät sie ihm [[Die Gralsbotin Cundrie, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] nachzureiten. Hier nimmt sie in der Rolle der Beraterin Einfluss auf den weiteren Weg Parzivals, indem sie ihn bei der Suche nach dem Gral unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigunes Tod===&lt;br /&gt;
Auf dem Weg nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] fragt Parzival die Gralsritter, die ihn beglieten, nach der Klausnerin Sigune. Die &#039;&#039;temnpleise&#039;&#039; sagen, sie wohne noch immer dort in dieser Klause. Sie bewundern Sigune darüber hinaus für ihre Treue und Geben ihrer Bewunderung Ausdruck, indem sie Sigune als &amp;quot;rehter güete ein arke (eine Arche rechter Güte)&amp;quot; (Prz. 804, 16) bezeichnen. Durch diesen Ausspruch wird deutlich, dass Sigune auf ihr gesamtes Umfeld einen prägenden Eindruck macht und sich als besonders charakterstarke Person auszeichnet. Als Parzival und seine Begleiter daraufhin die Klause aufsuchen, finden sie Sigune tot auf, in kniender Haltung vor dem Sarg ihres Geliebten. „Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“ [Bumke 2004: S. 120] und findet somit der &amp;quot;sêle ruowe&amp;quot; (Pz. 499, 30). Auf den Befehl Parzivals, wird das Grab Schianatulanders aufgebrochen und Sigune neben den Leichnam des Geliebten gelegt. Nun sind die Liebenden im Tode wiedervereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Analyse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass Sigunes Auftreten immer &amp;quot;wichtige Stationen der inneren und äußeren Handlung markiert&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 212.] Der ersten Szene geht der Tod von Parzivals Mutter voraus, das zweite Treffen findet kurz nach Parzivals Frageversäumnis auf Munsalvaesche statt, der dritten Begegnung folgt die Einkehr bei Trevrizent und bei der vierten Sigune-Szene ist Parzival schließlich Gralkönig. Folglich stehen alle Szenen, in der Sigune auf Parzival trifft, in unmittelbarer Nähe von bedeutenden inneren und äußeren Veränderungen hinsichtlich Parzivals Leben. Sigune erhellt dabei an diesen &amp;quot;neuralgischen Punkten im Handlungsablauf&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 6.] stets das Geschehen, indem sie ihrem Cousin entscheidende Hinweise und Informationen bezüglich seiner Identität gibt. Dies entspricht der im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; prominenten Technik, das bereits Erzählte nachträglich zu beleuchten. [Bumke 2004: vgl. S. 212.] Gleichzeitig stellen die vier  Sigune-Szenen vier Stadien der Trauer und der Selbstzerstörung Sigunes  dar. [Heinzle 2011: vgl. S. 924.] Das Schicksal Sigunes und der innere  Reifungsprozess Parzivals verlaufen auf diese Weise parallel. [Zmaila 2002: vgl. S. 50.]        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Braunagel 1999] Braunagel, Robert: Wolframs Sigune: Eine vergleichende Betrachtung der Sigune-Figur und ihrer Ausarbeitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; und &amp;quot;Titurel&amp;quot; des Wolfram von Eschenbach. Göppingen 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Heinzle, Joachim (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, Bd. 2, Berlin/New York 2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch, Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zmaila 2002] Zmaila, Anders Till: Sigunes Schuld. Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerks, Freiburg im Breisgau 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie Liebesbeziehungen|Kategorie]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11955</id>
		<title>Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11955"/>
		<updated>2012-07-23T14:07:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: /* Anmerkungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Tochter Schoysianes und Kyots ist [[Gralssippe::Sigune]] eine Cousine Parzivals und ebenfalls Mitglied der [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralssippe]]. Im Handlungsverlauf von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es zu insgesamt vier Begegnungen zwischen Sigune und dem Protagonisten. Diese sind prägend für Parzivals persönliche Entwicklung und stellen Wendepunkte in seinem Leben dar. Eine der Besonderheiten der Figur Sigunes ist, dass Wolfram von Eschenbach im Nachhinein den &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; verfasste, in welchem ihre Vorgeschichte, vor allem aber die Liebesbeziehung zu Schianatulander, dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die vier Sigune-Szenen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Sigune am Felsenhang (Pz. 138,9 – 142,2)===&lt;br /&gt;
Nach dem tragischen Tod ihres Geliebten Schianatulanders in einer Tjost gegen Orilus hat sich Sigune, ähnlich wie Herzeloyde, in den Wald zurückgezogen, um ein Dasein in Trauer um den Verstorbenen zu fristen. Auf der Suche nach dem  [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Arthushof]] wird Parzival auf schreckliche Klagerufe aufmerksam, denen er sogleich nachfolgt. Kurze Zeit später trifft er auf Sigune, die wehklagend ihren toten Geliebten im Schoß hält. Die Trauer um den Ritter Schianatulander scheint sie zu überwältigen. Ihre Verzweiflung spiegelt ihre tiefe Liebe wieder. Der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tod ]] nahm ihr nicht nur den Geliebten, sondern auch all ihre Hoffnung auf persönliches Glück. Da er in ihrem Dienst sein Leben ließ, klagt sie sich schließlich selbst an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich hete kranke sinne,|| Schwachsinnig war ich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich im niht minne gap: || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des hât der sorgen urhap || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir freude verschrôten: || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu minne i´n alsô tôten. || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 141,20-24)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:    Wolfram   von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.      Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.      Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der      Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation    von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Diese Selbstvorwürfe Sigunes steigern sich zu Selbsthass, der zerstörerische Züge annimmt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ brach frou Sigûne || Da riß die edle Sigûne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir langen zöpfe brûne || ihre langen Zöpfe, die braunen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor jâmer ûzer swarten. || vor Jammer aus der Kopfhaut&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 138, 17-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist bereits in dieser ersten Szene Sigunes besondere Art der &#039;&#039;minne&#039;&#039; und &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;. Ihre Liebe überdauert den Tod und auf diese Weise wird sie zur „Geliebten des Toten“ (Pz. Übersetzung: 141, 23-24) und sagt wie selbstverständlich: &lt;br /&gt;
„Nu minne i´n alsô tôten.(Pz. 141, 23-34)&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Parzival verkündet, den Tod Schianatulanders rächen zu wollen, weist sie ihm die falsche Richtung, weil sie um sein Leben fürchtet und nicht noch einen Toten beklagen möchte, der für sie das Leben ließ. Gleichzeitig verneint sie hiermit auch jede Art von Tröstung und verhindert dadurch die Linderung ihres [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leids]], sodass sie sich weiterhin völlig dem Schmerz und der Kasteiung hingeben kann.&lt;br /&gt;
Des Weiteren tritt Sigune als eine Art Wegweiserin in Parzivals Leben und ermöglicht ihm den „ersten Schritt zur Selbsterkenntnis“. [Bumke 2004: S. 58.] Parzival erfährt durch sie nicht nur seinen Namen, sondern auch, dass er aufgrund seiner Herkunft Erbe dreier Königreiche ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune auf der Linde (Pz. 249,11 – 255,30)===&lt;br /&gt;
Als Parzival Sigune das zweite Mal begegnet, erkennt er sie nicht wieder. Da sie das große Leid, den Schmerz um den Geliebten, als von Gott gesandt ansieht (Pz. 252, 20-22), gibt sie sich der Klage um Schionatulander völlig hin und nimmt dafür sogar den Verlust ihrer Schönheit in Kauf. Dieses Verhalten ist Ausdruck der ewigen [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Treue]], welche eine der wichtigsten Charaktereigenschaften Sigunes darstellt. Ihre ewige Treue ist Grund dafür, dass sie das Angebot Parzivals, den einbalsamierten Leichnam zu begraben, ausschlägt. Sie vermag es noch nicht, sich von ihrem Geliebten zu trennen. Bezeichnend ist allerdings, dass sie trotz ihres großen Leids zu enormer Nächstenliebe in der Lage ist. Sie bringt ihr tiefes Mitleid gegenüber dem schwer kranken [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] zum Ausdruck und sagt, dass das einzige was ihr noch Freude bereiten könnte, die Erlösung des Gralkönigs von seinem Leid wäre (Pz. 253, 19-21). Dieses Mitleid sowie die Treue und das Leid Sigunes sind zentrale  Merkmale der Gralssippe: &amp;quot;Jeder, der zu dieser Sippe gehört, vermag den  anderen zu verstehen, obwohl und weil er selbst ein Leidender ist, er vermag gerade darum in innigem Mitgefühl an seinem Leiden teilzunehmen.&amp;quot;  [Labusch 1959: S. 70.] Als Sigune dann erfährt, dass Parzival es versäumte, Anfortas die erlösende Frage zu stellen, wirft sie ihm fehlendes Mitleid und Feigheit vor und verflucht ihn als ehrlosen Mann (&amp;quot;gunêrter lîp, verfluochet man!&amp;quot; [Pz. 255, 13]). Die vom Leid überwältigte, seelisch erschütterte junge Frau zeigt hier, zu welcher Boshaftigkeit und Stärke sie dennoch in der Lage ist. Gleichzeitig beweist Sigune &amp;quot;durch ihren Fluch ihre echte &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; [gegenüber dem Gralsgeschlecht], welche sich in Härte und Strenge äußern  muss.&amp;quot; [Labusch 1959: S. 77.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune als Klausnerin (Pz. 435,1 – 442,26)===&lt;br /&gt;
Bei der dritten Begegnung erscheint Sigune als Klausnerin. Die Jahre in Trauer und das asketische Dasein nahmen ihre all ihre Schönheit, sodass Parzival sie anfangs erneut nicht wiedererkennt. Sie hat Schianatulander in der Klause begraben und verbringt seitdem die Tage betend über den Sarg gebeugt. Von nun an verharrt sie in ihrer Trauer und in völliger Hingabe zu Gott. Das Begräbnis könnte Zeichen dafür sein, dass sich Sigune mit dem [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] ihres Geliebten arrangieren konnte. Doch ob sie sich durch die Zuwendung zu Gott die Heilung ihrer Trauer und Trost erhofft, ist fraglich, da sie sich gleichzeitig völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat und jedem irdischen Glück entsagt. Mit dieser &amp;quot;&#039;Entweltlichung&#039; Sigunes&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 27.] geht auch der Verlust ihrer Schönheit einher, welcher ihren durch die Trauer und das Leid verursachten inneren Verfall widerspiegelt.  &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir dicker munt heiz rôt gevar || Ihre vollen Lippen,heiß und von roter Farbe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was dô erblichen unde bleich, || waren erblichen und bleich seit damals,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît werltlîch freude ir gar gesweich. || als das Glück der Menschenwelt sie verriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez erleit nie magt sô hôhen pîn: || Nie hat ein Mädchen so hohen Schmerz leiden müssen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch klage si muoz al eine sîn. || Der Klage hingegeben lebt sie in Einsamkeit&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 435, 26-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach Jahren hält sie fest an der Liebe zu Schianatulander und bleibt ihm über den Tod hinaus treu. Sie fühlt sich schuldig für den Tod Schianatulanders, da sie ihm zu Lebzeiten ihre [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebe]] nicht gewährte, wobei er um der Liebe Willen für sie starb. (Pz. 436, 1-3). Als Zeichen ihrer Treue trägt sie noch immer den Verlobungsring, der für sie auch vor Gott die Ehe zu Schianatulander besiegelt. Jedoch stellt Sigune dieses Zeichen der ewigen Treue nicht als freie Entscheidung dar. Der Ring stellt für sie eine Fessel ihrer Treue dar, wodurch ihre Trauer fast passive Züge annimmt. Es scheint als nehme sie jedoch in Kauf, dass ihr Leid dadurch kein Ende nimmt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ob mîner triwe ein slôz, || Er ist eine Fessel meiner Treue &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vonme herzen mîner ougen vlôz. || und macht, daß mein Herz sich ausgießt mit den Augen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 440, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Szene erfährt der Rezipient von Sigunes  direkter Verbindung zum Gral. Sie stammt von dem Gralsgeschlecht ab und  wird durch Cundrie vom [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival) | Gral]] ernährt. (Pz. 438, 29 - 439, 5) Schließlich vergibt Sigune Parzival, den sie bei ihrer letzten Begegnung verfluchte, und wünscht ihm Gottes helfende Hand auf seinem weiteren Weg. Zuletzt rät sie ihm [[Die Gralsbotin Cundrie, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] nachzureiten. Hier nimmt sie in der Rolle der Beraterin Einfluss auf den weiteren Weg Parzivals, indem sie ihn bei der Suche nach dem Gral unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigunes Tod===&lt;br /&gt;
Auf dem Weg nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] fragt Parzival die Gralsritter, die ihn beglieten, nach der Klausnerin Sigune. Die &#039;&#039;temnpleise&#039;&#039; sagen, sie wohne noch immer dort in dieser Klause. Sie bewundern Sigune darüber hinaus für ihre Treue und Geben ihrer Bewunderung Ausdruck, indem sie Sigune als &amp;quot;rehter güete ein arke (eine Arche rechter Güte)&amp;quot; (Prz. 804, 16) bezeichnen. Durch diesen Ausspruch wird deutlich, dass Sigune auf ihr gesamtes Umfeld einen prägenden Eindruck macht und sich als besonders charakterstarke Person auszeichnet. Als Parzival und seine Begleiter daraufhin die Klause aufsuchen, finden sie Sigune tot auf, in kniender Haltung vor dem Sarg ihres Geliebten. „Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“ [Bumke 2004: S. 120] und findet somit der &amp;quot;sêle ruowe&amp;quot; (Pz. 499, 30). Auf den Befehl Parzivals, wird das Grab Schianatulanders aufgebrochen und Sigune neben den Leichnam des Geliebten gelegt. Nun sind die Liebenden im Tode wiedervereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Analyse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass Sigunes Auftreten immer &amp;quot;wichtige Stationen der inneren und äußeren Handlung markiert&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 212.] Der ersten Szene geht der Tod von Parzivals Mutter voraus, das zweite Treffen findet kurz nach Parzivals Frageversäumnis auf Munsalvaesche statt, der dritten Begegnung folgt die Einkehr bei Trevrizent und bei der vierten Sigune-Szene ist Parzival schließlich Gralkönig. Folglich stehen alle Szenen, in der Sigune auf Parzival trifft, in unmittelbarer Nähe von bedeutenden inneren und äußeren Veränderungen hinsichtlich Parzivals Leben. Sigune erhellt dabei an diesen &amp;quot;neuralgischen Punkten im Handlungsablauf&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 6.] stets das Geschehen, indem sie ihrem Cousin entscheidende Hinweise und Informationen bezüglich seiner Identität gibt. Dies entspricht der im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; prominenten Technik, das bereits Erzählte nachträglich zu beleuchten. [Bumke 2004: vgl. S. 212.] Gleichzeitig stellen die vier  Sigune-Szenen vier Stadien der Trauer und der Selbstzerstörung Sigunes  dar. [Heinzle 2011: vgl. S. 924.] Das Schicksal Sigunes und der innere  Reifungsprozess Parzivals verlaufen auf diese Weise parallel. [Zmaila 2002: vgl. S. 50.]        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Braunagel 1999] Braunagel, Robert: Wolframs Sigune: Eine vergleichende Betrachtung der Sigune-Figur und ihrer Ausarbeitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; und &amp;quot;Titurel&amp;quot; des Wolfram von Eschenbach. Göppingen 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Heinzle, Joachim (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, Bd. 2, Berlin/New York 2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch, Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zmaila 2002] Zmaila, Anders Till: Sigunes Schuld. Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerks, Freiburg im Breisgau 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie Liebesbeziehungen|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11954</id>
		<title>Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=11954"/>
		<updated>2012-07-23T14:07:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Elisabeth Reiß: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Tochter Schoysianes und Kyots ist [[Gralssippe::Sigune]] eine Cousine Parzivals und ebenfalls Mitglied der [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralssippe]]. Im Handlungsverlauf von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; kommt es zu insgesamt vier Begegnungen zwischen Sigune und dem Protagonisten. Diese sind prägend für Parzivals persönliche Entwicklung und stellen Wendepunkte in seinem Leben dar. Eine der Besonderheiten der Figur Sigunes ist, dass Wolfram von Eschenbach im Nachhinein den &#039;&#039;Titurel&#039;&#039; verfasste, in welchem ihre Vorgeschichte, vor allem aber die Liebesbeziehung zu Schianatulander, dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die vier Sigune-Szenen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
===Sigune am Felsenhang (Pz. 138,9 – 142,2)===&lt;br /&gt;
Nach dem tragischen Tod ihres Geliebten Schianatulanders in einer Tjost gegen Orilus hat sich Sigune, ähnlich wie Herzeloyde, in den Wald zurückgezogen, um ein Dasein in Trauer um den Verstorbenen zu fristen. Auf der Suche nach dem  [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Arthushof]] wird Parzival auf schreckliche Klagerufe aufmerksam, denen er sogleich nachfolgt. Kurze Zeit später trifft er auf Sigune, die wehklagend ihren toten Geliebten im Schoß hält. Die Trauer um den Ritter Schianatulander scheint sie zu überwältigen. Ihre Verzweiflung spiegelt ihre tiefe Liebe wieder. Der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tod ]] nahm ihr nicht nur den Geliebten, sondern auch all ihre Hoffnung auf persönliches Glück. Da er in ihrem Dienst sein Leben ließ, klagt sie sich schließlich selbst an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich hete kranke sinne,|| Schwachsinnig war ich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|daz ich im niht minne gap: || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des hât der sorgen urhap || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir freude verschrôten: || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu minne i´n alsô tôten. || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 141,20-24)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:    Wolfram   von    Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung.   Studienausgabe.      Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe   von Karl Lachmann.      Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer  Einführung  zum Text der      Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation    von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Diese Selbstvorwürfe Sigunes steigern sich zu Selbsthass, der zerstörerische Züge annimmt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ brach frou Sigûne || Da riß die edle Sigûne&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir langen zöpfe brûne || ihre langen Zöpfe, die braunen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor jâmer ûzer swarten. || vor Jammer aus der Kopfhaut&lt;br /&gt;
|}  &lt;br /&gt;
(Pz. 138, 17-19)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auffällig ist bereits in dieser ersten Szene Sigunes besondere Art der &#039;&#039;minne&#039;&#039; und &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;. Ihre Liebe überdauert den Tod und auf diese Weise wird sie zur „Geliebten des Toten“ (Pz. Übersetzung: 141, 23-24) und sagt wie selbstverständlich: &lt;br /&gt;
„Nu minne i´n alsô tôten.(Pz. 141, 23-34)&amp;quot;&lt;br /&gt;
Als Parzival verkündet, den Tod Schianatulanders rächen zu wollen, weist sie ihm die falsche Richtung, weil sie um sein Leben fürchtet und nicht noch einen Toten beklagen möchte, der für sie das Leben ließ. Gleichzeitig verneint sie hiermit auch jede Art von Tröstung und verhindert dadurch die Linderung ihres [[Das Leid im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Leids]], sodass sie sich weiterhin völlig dem Schmerz und der Kasteiung hingeben kann.&lt;br /&gt;
Des Weiteren tritt Sigune als eine Art Wegweiserin in Parzivals Leben und ermöglicht ihm den „ersten Schritt zur Selbsterkenntnis“. [Bumke 2004: S. 58.] Parzival erfährt durch sie nicht nur seinen Namen, sondern auch, dass er aufgrund seiner Herkunft Erbe dreier Königreiche ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune auf der Linde (Pz. 249,11 – 255,30)===&lt;br /&gt;
Als Parzival Sigune das zweite Mal begegnet, erkennt er sie nicht wieder. Da sie das große Leid, den Schmerz um den Geliebten, als von Gott gesandt ansieht (Pz. 252, 20-22), gibt sie sich der Klage um Schionatulander völlig hin und nimmt dafür sogar den Verlust ihrer Schönheit in Kauf. Dieses Verhalten ist Ausdruck der ewigen [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Treue]], welche eine der wichtigsten Charaktereigenschaften Sigunes darstellt. Ihre ewige Treue ist Grund dafür, dass sie das Angebot Parzivals, den einbalsamierten Leichnam zu begraben, ausschlägt. Sie vermag es noch nicht, sich von ihrem Geliebten zu trennen. Bezeichnend ist allerdings, dass sie trotz ihres großen Leids zu enormer Nächstenliebe in der Lage ist. Sie bringt ihr tiefes Mitleid gegenüber dem schwer kranken [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] zum Ausdruck und sagt, dass das einzige was ihr noch Freude bereiten könnte, die Erlösung des Gralkönigs von seinem Leid wäre (Pz. 253, 19-21). Dieses Mitleid sowie die Treue und das Leid Sigunes sind zentrale  Merkmale der Gralssippe: &amp;quot;Jeder, der zu dieser Sippe gehört, vermag den  anderen zu verstehen, obwohl und weil er selbst ein Leidender ist, er vermag gerade darum in innigem Mitgefühl an seinem Leiden teilzunehmen.&amp;quot;  [Labusch 1959: S. 70.] Als Sigune dann erfährt, dass Parzival es versäumte, Anfortas die erlösende Frage zu stellen, wirft sie ihm fehlendes Mitleid und Feigheit vor und verflucht ihn als ehrlosen Mann (&amp;quot;gunêrter lîp, verfluochet man!&amp;quot; [Pz. 255, 13]). Die vom Leid überwältigte, seelisch erschütterte junge Frau zeigt hier, zu welcher Boshaftigkeit und Stärke sie dennoch in der Lage ist. Gleichzeitig beweist Sigune &amp;quot;durch ihren Fluch ihre echte &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; [gegenüber dem Gralsgeschlecht], welche sich in Härte und Strenge äußern  muss.&amp;quot; [Labusch 1959: S. 77.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune als Klausnerin (Pz. 435,1 – 442,26)===&lt;br /&gt;
Bei der dritten Begegnung erscheint Sigune als Klausnerin. Die Jahre in Trauer und das asketische Dasein nahmen ihre all ihre Schönheit, sodass Parzival sie anfangs erneut nicht wiedererkennt. Sie hat Schianatulander in der Klause begraben und verbringt seitdem die Tage betend über den Sarg gebeugt. Von nun an verharrt sie in ihrer Trauer und in völliger Hingabe zu Gott. Das Begräbnis könnte Zeichen dafür sein, dass sich Sigune mit dem [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Tod]] ihres Geliebten arrangieren konnte. Doch ob sie sich durch die Zuwendung zu Gott die Heilung ihrer Trauer und Trost erhofft, ist fraglich, da sie sich gleichzeitig völlig aus dem gesellschaftlichen Leben zurückgezogen hat und jedem irdischen Glück entsagt. Mit dieser &amp;quot;&#039;Entweltlichung&#039; Sigunes&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 27.] geht auch der Verlust ihrer Schönheit einher, welcher ihren durch die Trauer und das Leid verursachten inneren Verfall widerspiegelt.  &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir dicker munt heiz rôt gevar || Ihre vollen Lippen,heiß und von roter Farbe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was dô erblichen unde bleich, || waren erblichen und bleich seit damals,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît werltlîch freude ir gar gesweich. || als das Glück der Menschenwelt sie verriet.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez erleit nie magt sô hôhen pîn: || Nie hat ein Mädchen so hohen Schmerz leiden müssen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| durch klage si muoz al eine sîn. || Der Klage hingegeben lebt sie in Einsamkeit&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 435, 26-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch nach Jahren hält sie fest an der Liebe zu Schianatulander und bleibt ihm über den Tod hinaus treu. Sie fühlt sich schuldig für den Tod Schianatulanders, da sie ihm zu Lebzeiten ihre [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebe]] nicht gewährte, wobei er um der Liebe Willen für sie starb. (Pz. 436, 1-3). Als Zeichen ihrer Treue trägt sie noch immer den Verlobungsring, der für sie auch vor Gott die Ehe zu Schianatulander besiegelt. Jedoch stellt Sigune dieses Zeichen der ewigen Treue nicht als freie Entscheidung dar. Der Ring stellt für sie eine Fessel ihrer Treue dar, wodurch ihre Trauer fast passive Züge annimmt. Es scheint als nehme sie jedoch in Kauf, dass ihr Leid dadurch kein Ende nimmt.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ob mîner triwe ein slôz, || Er ist eine Fessel meiner Treue &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vonme herzen mîner ougen vlôz. || und macht, daß mein Herz sich ausgießt mit den Augen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Pz. 440, 15-16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Szene erfährt der Rezipient von Sigunes  direkter Verbindung zum Gral. Sie stammt von dem Gralsgeschlecht ab und  wird durch Cundrie vom [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach,  Parzival) | Gral]] ernährt. (Pz. 438, 29 - 439, 5) Schließlich vergibt Sigune Parzival, den sie bei ihrer letzten Begegnung verfluchte, und wünscht ihm Gottes helfende Hand auf seinem weiteren Weg. Zuletzt rät sie ihm [[Die Gralsbotin Cundrie, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] nachzureiten. Hier nimmt sie in der Rolle der Beraterin Einfluss auf den weiteren Weg Parzivals, indem sie ihn bei der Suche nach dem Gral unterstützt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigunes Tod===&lt;br /&gt;
Auf dem Weg nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] fragt Parzival die Gralsritter, die ihn beglieten, nach der Klausnerin Sigune. Die &#039;&#039;temnpleise&#039;&#039; sagen, sie wohne noch immer dort in dieser Klause. Sie bewundern Sigune darüber hinaus für ihre Treue und Geben ihrer Bewunderung Ausdruck, indem sie Sigune als &amp;quot;rehter güete ein arke (eine Arche rechter Güte)&amp;quot; (Prz. 804, 16) bezeichnen. Durch diesen Ausspruch wird deutlich, dass Sigune auf ihr gesamtes Umfeld einen prägenden Eindruck macht und sich als besonders charakterstarke Person auszeichnet. Als Parzival und seine Begleiter daraufhin die Klause aufsuchen, finden sie Sigune tot auf, in kniender Haltung vor dem Sarg ihres Geliebten. „Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“ [Bumke 2004: S. 120] und findet somit der &amp;quot;sêle ruowe&amp;quot; (Pz. 499, 30). Auf den Befehl Parzivals, wird das Grab Schianatulanders aufgebrochen und Sigune neben den Leichnam des Geliebten gelegt. Nun sind die Liebenden im Tode wiedervereint.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Analyse==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass Sigunes Auftreten immer &amp;quot;wichtige Stationen der inneren und äußeren Handlung markiert&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 212.] Der ersten Szene geht der Tod von Parzivals Mutter voraus, das zweite Treffen findet kurz nach Parzivals Frageversäumnis auf Munsalvaesche statt, der dritten Begegnung folgt die Einkehr bei Trevrizent und bei der vierten Sigune-Szene ist Parzival schließlich Gralkönig. Folglich stehen alle Szenen, in der Sigune auf Parzival trifft, in unmittelbarer Nähe von bedeutenden inneren und äußeren Veränderungen hinsichtlich Parzivals Leben. Sigune erhellt dabei an diesen &amp;quot;neuralgischen Punkten im Handlungsablauf&amp;quot; [Braunagel 1999: S. 6.] stets das Geschehen, indem sie ihrem Cousin entscheidende Hinweise und Informationen bezüglich seiner Identität gibt. Dies entspricht der im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; prominenten Technik, das bereits Erzählte nachträglich zu beleuchten. [Bumke 2004: vgl. S. 212.] Gleichzeitig stellen die vier  Sigune-Szenen vier Stadien der Trauer und der Selbstzerstörung Sigunes  dar. [Heinzle 2011: vgl. S. 924.] Das Schicksal Sigunes und der innere  Reifungsprozess Parzivals verlaufen auf diese Weise parallel. [Zmaila 2002: vgl. S. 50.]        &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Braunagel 1999] Braunagel, Robert: Wolframs Sigune: Eine vergleichende Betrachtung der Sigune-Figur und ihrer Ausarbeitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; und &amp;quot;Titurel&amp;quot; des Wolfram von Eschenbach. Göppingen 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Heinzle, Joachim (Hrsg.): Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch, Bd. 2, Berlin/New York 2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Labusch 1959] Labusch, Dietlinde: Studien zu Wolframs Sigune, Frankfurt a.M. 1959.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zmaila 2002] Zmaila, Anders Till: Sigunes Schuld. Eine Interpretation  der Sigunedichtung Wolframs von Eschenbach im Kontext seines  Gesamtwerks, Freiburg im Breisgau 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie Liebesbeziehungen|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Elisabeth Reiß</name></author>
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