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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12991</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-12-11T15:59:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen, und deren böse Gegner sind schon aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versucht einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter. Dies schlägt sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit nieder. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszugehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem Wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Entstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt; Quellen und Nachweise für diese These finden sich bei [Wisbey 1975: S. 23f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das Erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
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[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
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[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
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[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
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[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
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[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
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[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
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[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
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[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
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[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
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[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
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[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Max_Zesch&amp;diff=12986</id>
		<title>Benutzer Diskussion:Max Zesch</title>
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		<updated>2012-08-15T07:07:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&#039;&#039;&#039;Willkommen bei &#039;&#039;MediaeWiki&#039;&#039;!&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
Wir hoffen, dass du viele gute Informationen beisteuerst.&lt;br /&gt;
Möglicherweise möchtest du zunächst die [[Help:Inhaltsverzeichnis|Ersten Schritte]] lesen.&lt;br /&gt;
Nochmal: Willkommen und viel Spaß! [[Benutzer:Bent Gebert|BG]] 21:15, 30. Apr. 2012 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/0/07/Parsival_-_1_Act1-_Vorspiel_-_Bayreuther_Festspiele_1951.ogg&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich bin bei meiner Arbeit an &amp;quot;Die Rezeption des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;quot; auf einen Text gestoßen, der für deinen Artikel zur Oper Richard Wagners interessant ist: Wynn, Marianne: &amp;quot;Mittelalterliche Literatur in der Rezeption. Richard Wagner und Wolframs Parzival&amp;quot;. In: Archiv für Kulturgeschichte. 1983, Vol. 65, Issue 2, S. 431-449.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Grüße&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Anna|Anna]] 17:10, 12. Jun. 2012 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hey,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das ist cool, dass Du an mich gedacht hast - danke Dir. Ich werte den dann bei Zeiten aus! --[[Benutzer:Max Zesch|Max Zesch]] 17:31, 12. Jun. 2012 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
----------&lt;br /&gt;
Vielen Dank für den Syntax-Hinweis, ich hab&#039;s verbessert. Viele Grüße, --[[Benutzer:Bent Gebert|BG]] 15:11, 9. Jul. 2012 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Danke für die Korrektur betreff den HaRvardreferences :P ich Depp :D --[[Benutzer:Rabenmund|Rabenmund]] 18:51, 16. Jul. 2012 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Wahrnung einer guten Freundin==&lt;br /&gt;
Hör mal Max, wenn du weiter hier im MediaeWiki rumarbeitest, werde ich dich völlig für verrückt erklären. Das ist krank. Geh raus an den See und denk nicht an das Mittelalter. Bist du in Freiburg? Dann geh ich mit:) Lg--[[Benutzer:Firlefanz|Firlefanz]] 09:07, 15. Aug. 2012 (CEST)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12963</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12963"/>
		<updated>2012-07-25T14:52:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Die Liebesbeziehung zu Belacane */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. &amp;lt;ref&amp;gt;Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane: [Noltze 1995: vgl.: S.109-119.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat, und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seinem Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden, der zwar wegen der [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Verzauberung durch Feen]] durchaus Liebe verspürt, doch diese eher aus dem Zwang heraus entsteht, als aus wirklichen Gefühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während teilweise die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[enden durch:: Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12962</id>
		<title>Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12962"/>
		<updated>2012-07-25T14:51:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Erneutes Zusammentreffen(307-327) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Parzival zum ersten Mal an den Artushof kommt, geschieht ein Ereignis, das zwar lediglich in einer kurzen Passage des Romans beschrieben wird, dadurch aber nicht an Bedeutung verliert. Das Gelächter der Cunnewâre beeinflusst[[lacht über:: Parzival| ]][[beeinflusst:: hat Auswirkungen auf::Parzivals Handeln als Ritter| ]] Parzivals Handeln als Ritter. Im Folgenden sollen die Stellen analysiert werden, an denen Parzival und Cunnewâre einander begegnen und es soll genauer auf die Bedeutung des Gelächters der Cunnewâre für den Roman eingegangen werden.&lt;br /&gt;
=Handlungsverlauf=&lt;br /&gt;
Im Verlauf der Handlung begegnen sich Parzival und Cunnewâre zwei Mal. Die Zeit zwischen den beiden Treffen wird überbrückt, indem Parzival immer wieder von ihm besiegte Ritter zu Cunnewâre schickt, um seine Schuld zu begleichen.&lt;br /&gt;
==Parzivals Ankunft am Artushof (145-151)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Schon kurz nachdem Parzival seine [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] verlassen hat, reitet er zum Artushof. Sein Aussehen und auch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] entsprechen in keiner Weise den Ansprüchen und den Konventionen der Zeit. Am Artushof herrschen ebenfalls ungewöhnliche Zustände; wegen der Taten des roten Ritters [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] ist die Gesellschaft in heller Aufregung. (Zu den Umständen am Artushof bei Parzivals Ankunft: [Bumke 2004: vgl.:S. 59.]). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Gelächter der Cunnewâre (151, 19)==&lt;br /&gt;
Als Parzival sich aufmacht, um gegen [[kämpft gegen::Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zu kämpfen und an den Fenstern der Burg vorbeireitet, wird er von dem Hofstaat, unter anderen auch von der Dame Cunnewâre, beobachtet. Die Dame hat geschworen nicht zu lachen, bis sie den Edelsten aller Ritter sieht: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ saz frou Cunnewâre || Dort bei ihnen saß die Dame Cunnewâre&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu fiere und diu clâre. || auch in ihrem klaren Glanz und mit edlem Stolz.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu enlachte dcheinen wîs, || Die lachte niemals, unter gar keinen Umständen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine sæhe in die den hôhsten prîs || bis zu dem Tag, da ihr der vor Augen käme, der höchsten Ruhm auf Erden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hete od solt erwerben: || hätte oder gewinnen sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wolt ê sus ersterben. || Anders wollte sie&#039;s nicht tun, eher wollte sie sterben. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| allez lachen si vermeit, || Nicht das kleinste Lachen war ihr auf die Lippen gekommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz daz der knappe für si reit:|| bis zu dem Augenblick, da sie den Knappen dort unten reiten sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do erlachte ir minneclîcher munt.|| Da kam ein Lacher über ihren süßen Mund.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(152, 11-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untrennbar mit Cunnewâres Lachen &amp;lt;ref&amp;gt; Fritsch-Rößler weißt auf den Zusammenhang zwischen Jeschute und Cunneware hin. In ihrer Schrift legt sie Wert auf die Beschreibung des Mundes, auf den die Aufmerksamkeit durch das Lachen gelenkt wird. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 79.] Dass Cunneware zu Lachen beginnt, als die Parzival das erste Mal sieht, steht im Widerspruch zu den Reaktionen, mit denen andere Frauen Parzival begegnen. Sigune beginnt zu klagen, als sie ihn sieht und seine Mutter und Jeschute bringt Parzival zum Weinen statt zum Lachen. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 80.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ist das Verhalten des Antanor verknüpft. Dieser, der durch seine Verschweigenheit für einen Toren gehalten wurde (&amp;quot;Der verswigene Antanor, der durch swîgen dâht ein tôr&amp;quot; [152, 22f]), hatte geschworen nicht mehr zu sprechen, bis das Mädchen gelacht habe. &lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Keie]], ein Artusritter, beurteilt das Lachen als schandhaft für die Dame und als eine &amp;quot;Beleidigung aller anderen Ritter des Artushofes&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 226.] Dass diese einen so unhöfischen Narren mit ihrem Lachen kennzeichnet, obwohl so viele edlere Ritter vor ihre Augen getreten waren, veranlasst ihn, die Dame zu [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schlagen]][[wird geschlagen von:: Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ]]. &amp;quot;ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stap sô dran gehabt, unz daz sîn siusen gar verswanc, durch die wât unt durch ir vel ez dranc.&amp;quot; (&amp;quot;Obwohl ihr Rücken keinen Eid zu leisten hat, kam er doch in heftige Brührung mit dem Richterstab, der auf sie niedersauste, bis er ganz zerschlissen war.&amp;quot; [151, 27-30]). Antanor, der seine wiedergefundene Stimme dazu nutzt, Keie zu tadeln, wird ebenfalls durch Keies Schläge bestraft ( Vgl.: 153, 9-13). Parzival will die beiden sofort durch den Wurf eines Spießes rächen, unterlässt es allerdings wegen des Getümmels um sie herum. Parzival ist der Einzige, den die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gewalt]] zu stören scheint. Der Artushof unternimmt nichts gegen die brutale Züchtigung und äußert sich auch nicht darüber. Dies führt zu einem negativen Bild der Artusgesellschaft und zu einer &amp;quot;Problematisierung des höfischen Umfelds&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 228.] (Mehr dazu [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |hier]].)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Sendungen an den Artushof (199/ 215/ 267)==&lt;br /&gt;
Parzival sieht die Bestrafung der Cunnewâre als [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|seine eigene Schuld]] an und versucht, sie wiedergutzumachen. Die Bestrafung des Antanor tut ihm zwar leid, er hat aber nicht den Drang diese zu sühnen. Alle von ihm besiegten Ritter schickt er deshalb an den Artushof, damit sie sich der Cunnewâre unterwerfen, wie es im Mittelalter üblich war, wenn ein Ritter für eine Dame kämpfte. Die von Parzival geschickten Ritter steigen, gemessen an ihrem Ansehen, an Wichtigkeit. Der erste Besiegte ist der Knappe des Clamide, gefolgt von Clamide selbst. Dieser, der die Frau des Parzival ebenfalls begehrt, wird von Parzival vor die Wahl gestellt zu sterben oder sich Cunnewâre zu unterwerfen. Der letzte von Parzival besiegte ist Cunnewâres [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Bruder Orilus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneutes Zusammentreffen(307-327)==&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival Cunnewâre nun lange Zeit nicht gesehen, sie aber keineswegs vergessen hat, treffen sie ein zweites Mal aufeinander. Die Artusgesellschaft ist losgezogen, um Parzival zu suchen und ihn zur Tafelrunde einzuladen. Sie finden ihn schließlich, doch dem Zusammentreffen mit der Artusgesellschaft geht die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Blutstropfenszene]] vorraus, bei der ein Knappe der Cunnewâre eine Rolle spielt. Dieser findet den in Trance versetzten Parzival im Schnee und fordert die Artusritter auf, gegen den Fremden zu kämpfen. Erst [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] setzt dem Missverständnis ein Ende. Cunnewâre dankt Parzival für die Sendungen der Ritter, die seine erfolgreichen Kämpfe bewiesen haben: &amp;quot;ich hete lachen gar vermiten, unz iuch mîn herze erkande, dô mich an freuden pfande Keie, der mich dô sô sluoc. daz habt gerochen ir gennuoc&amp;quot; (&amp;quot;Ich hatte kein einziges Mal gelacht bis zu dem Augenblick, da Euch mein Herz erkannte und Keie mir meine Freude gleich wieder wegnahm, als er mich so schlug. Das habt ihr völlig gerächt.&amp;quot; [306, 1-4]), da er nicht nur die erwähnten Ritter, sondern auch Keie im Kampf besiegt hat und ihm starke Schmerzen zugefügt hatte. Die Dankesworte werden durch die hässliche [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] unterbrochen, die Parzival schwere Vorwürfe macht. Bei ihrem Auftreten kommt es zu einer für die Figur der Cunnewâre interessanten Szene. Nachdem die Rede der Cundrie beendet ist, ist die gesamte Gesellschaft des Artushofs nicht nur durch [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ihr Aussehen]], sondern auch durch ihre Beschuldigungen erschreckt. Von den erschütterten Frauen ist Cunnewâre die Erste, die zu weinen beginnt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cunnewâr daz êrste weinen huop, || Cunneware fing als erste zu weinen an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Parzivâl den degen balt || daß Parzival, der junge Held,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe surzier sus beschalt, || so sehr beschimpft war und beschuldigt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein alsô wunderlîch geschaf. || von diesem absonderlichen Geschöpf, Cundrie la suziere.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(319, 12-15)&lt;br /&gt;
Bevor Parzival erneut aufbricht, erhält der besiegte Clamide Cunnewâre zur Frau, &amp;quot;denn er war krank nach ihrer Liebe&amp;quot; (&amp;quot;wan dem was nâch ir minne wê&amp;quot; [327, 27]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Das Lachen - Geste oder Prophezeiung?=&lt;br /&gt;
Nach der Beschreibung der relevanten Textstellen, soll nun eine Interpretation folgen, die die Stellung und Funktion von Cunnewâres Lachen im Roman beschreibt.&lt;br /&gt;
==Die Textstelle in der Forschung==&lt;br /&gt;
Trotz der Kürze dieser Textstelle sind in der Forschung interessante Diskussionen entstanden. Ein Vergleich zwischen der Erwähnung der Cunnewâre bei Wolfram von Eschenbach und der bei Chrétien de Troyes zeigt lohnende Ergebnisse. &amp;lt;ref&amp;gt; Siehe hierzu den Aufsatz von [Nyholm 1997: vgl. S. 223-237.]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier fällt besonders die Einbeziehung des &amp;quot;Märchenmotiv[s] des ausziehenden Dümmlings&amp;quot; [Nyholm 1997: S. 223.] auf, welches mit Parzival verglichen werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt; Wolfram von Eschenbach nimmt bei seiner Version des Romans einige Änderungen vor, die für die Cunnewâre Szene nicht unbedeutend sind und bei Nyholm 1997 ausgewertet sind. Einen weiteren Bereich, den die Forschung miteinbezieht ist die Funktion und Interpretation von Gesten und Körpersprache im Mittelalter im Allgemeinen, der ebenfalls interessante Ergebnisse liefert.[Philipowski 2003: vgl.: S.9-25.]) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fritsch-Rößler weist deutlich darauf hin, dass aus dem Text nicht klar hervorgeht, seit wann Cunneware nicht mehr gelacht hat. Es besteht einerseits die Möglichkeit, dass sie seit ihrer Geburts nie gelacht hat, für die manche Indizien sprechen oder dass sie ein Gelübde abgelegt hat und seitdem nicht mehr lachte.[Fritsch-Rößler 1997: Vgl.: S. 80.] Welche der Möglichkeiten nun auch die Richtige sein mag, Parzivals Erscheinen ist eine Erlösung für Cunneware. Durch seine Erlösungstat führt er &amp;quot;Cunneware der echten Menschlichkeit zu&amp;quot;. [Fritsch-Rößler 1997: S. 82.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seeber weist darauf hin, dass das Lachen von Cunneware von einer reinen Gebärde zu einem Symbol wird, das Parzivals gesamte Wandlung zum Ritter begleitet. [Seeber 2010: Vgl.: S. 154.] Das Lachen gewinnt an Bedeutung für die Interaktion und die Gebärde kommt der Sprache gleich: &amp;quot;Wolfram verortet die Gebärde neu und weist ihr eigene Konnotationen zu, die den Rahmen des gewohnten Wissesn sprengen undd neue Bereiche der Verwendung erschließen&amp;quot;. [Seeber 2010: S. 155.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Funktion des Lachens==&lt;br /&gt;
Behält man nun die vorgestellten von der Forschung mit einbezogenen Bereiche im Hinterkopf, stößt man auf zwei mögliche Funktionen der Cunnewâreszene. Die erste Deutung bezieht sich auf die Veränderungen von Wolfram von Eschenbach im Vergleich zu Chrétien de Troyes. Bei Eschenbach erscheint Parzival als Narr am Artushof, der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ohne höfische Erziehung]] und in komischer Kleidung tatsächlich lächerlich wirkt. Schon der Ritter Iwein, dem Parzival zuerst begegnet, muss über sein Verhalten und Auftreten lachen (147, 24). So könnte auch Cunnewâres Lachen die Funktion einer von Parzivals lächerlichem Aussehen motivierte Geste erfüllen. &amp;quot;Sie ist bedeutungsvoll, weil sie den inneren Zustand Cunnewâres sichtbar abbildet, das Lachen verweist auf ihre innere Verfassung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 9.] Damit erfüllte Parzival sogar tatsächlich den Plan der [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die Leute zum Lachen zu bringen. Doch statt, wie es diesem Plan entspräche, durch die Lächerlichkeit am Rittersein gehindert zu werden, wird Parzival durch das Lachen der Cunnewâre der Weg zum Ritter erst geebnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei genauerem Betrachten ist eine Deutung des Lachens allein als Ausdruck von Belustigung unbefriedigend. Es muss hinzugezogen werden, dass zwar Parzivals Handeln und Sprechen, ebenso sein Auftreten und seine Kleidung, nicht jedoch sein Körper Gegenstand des Spotts sind. [Dartmann 2005: S. 230.] Letzter wird stattdessen sehr gelobt, er gilt als &amp;quot;ein Bild des Vollkommenen&amp;quot; (148,30) und wird für seinen &amp;quot;Glanz&amp;quot; (148, 24) bewundert. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Die zweite Interpretation schreibt dem Lachen deshalb eine prophetische Funktion zu. Die Tatsache, dass das Lachen beschränkt war auf den edelsten Ritter, der der Dame begegnet, was Parzival zum Zeitpunkt des Gelächters keinesfalls ist, sagt vorraus, dass er ein solcher werden wird, sogar werden muss. Man könnte diese Vorrausdeutung als sich selbst erfüllende Prophezeihung deuten, weil Parzival die Bestrafung, die die Dame seinetwegen erfährt, nur durch edle Rittertaten rächen kann. Seine besiegten Gegner, die er zu ihr schickt, sind die Zeugen seiner Entwicklung zum Ritter und die Boten der Wahrheit, die in der Prophezeihung steckte.[Philipowski 2003: vgl.: S. 21.] &amp;lt;br /&amp;gt; Der Kreislauf, den das Gelächter einleitet, ist folgender: &amp;quot;das Gelächter [provoziert] Gewalt, die Gewalt Frauendienst, Frauendienst Ehre und Ehre Erlösung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 22.] &amp;lt;br /&amp;gt; Aufgrund dieses Kreislaufs bewirkt auch Keie mit der Bestrafung das Gegenteil seiner eigentlichen Intention. Er ärgert sich über die Auswahl der Cunnewâre, scheint doch der erwählte alles andere als ein tugendhafter Ritter zu sein, und leitet durch deren Bestrafung Parzivals Entwicklung zum Ritter erst ein. Die Begebenheit wird später der Grund sein, der Parzival zum Besten aller Ritter macht. [Philipowski 2003: vgl.: S. 22.] Es ist nämlich erst das Lachen der Cunnewâre, welches ihm &amp;quot;die Verpflichtung auferlegt, sich als Ritter zu bewähren&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 227.] In diesem Sinne kann das Lachen als ein &amp;quot;notwendiges Element für den Handlungsfortgang&amp;quot; interpretiert werden.[Dartmann 2005: S. 227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man diesen Kreislauf nicht als zwingend anerkennen, sondern sieht den Weg des Parzival zum Ritter schon ohne das Gelächter als vorherbestimmt an, so bleibt dennoch die Wahrheit der Vorhersage der Cunnewâre. Es könnte durchaus sein, dass Parzival den Weg zum Ritter auch ohne Cunnewâre gegangen wäre, allein aus seiner Begeisterung für das Rittertum und dem Wunsch ein Solcher zu sein. Sicher wäre er aber nicht so schnell zum Ritter der Tafelrunde geworden. Durch die Sendungen sieht nicht nur Cunnewâre, sondern auch der gesamte Artushof die Beweise für seine Taten, was [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] dazu veranlasst, ihn zu suchen und in die Tafelrunde aufzunehmen (siehe Unterpunkt 1.4). Keie ist ebenfalls überzeugt von der Wahrheit der Vorhersage, denn würde er das Lachen der Cunneware nicht als eine bedeutende Kennzeichnung wahrnehmen, gäbe es keinen Grund für ihn, sie zu schlagen. Er akzeptiert den prophetischen Charakter des Lachens, vertraut Cunneware aber gleichzeitig zu wenig, um ihre Wahl für richtig zu halten. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S.85.] Statt eine positive Entwicklung Parzivals zu erwarten, sieht er nur seinen momentanen Zustand und fühlt sich in seiner Ritterehre gekränkt.&amp;lt;ref&amp;gt; Wie groß das Missverständnis zwischen Cunneware und Keie eigentlich ist, beschreibt Fritsch Rößler sehr überzeugend. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Keie Cunnewares Lachen als Spott über alle anderen Ritter empfindet und so statt &amp;quot;Hochschätzung und Affirmation&amp;quot; in dem Lachen &amp;quot;Minderschätzung und Degradierung&amp;quot; sieht.[Fritsch-Rößler 1997: S. 87.] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bleibt noch die Tatsache, dass Parzival noch bevor er überhaupt ein Ritter ist, schon vornehmer und edler ist als alle anderen Ritter, die der Dame begegnet sind. In seinem Inneren steckt schon zu diesem Zeitpunkt die größte Tugend, die Cunnewâre bereits erkennt. &amp;quot;Parzival, der vornehmste Ritter der Welt, [erfüllt] die Bedingungen des Lachens nur durch seine Anwesenheit und nicht durch seine Taten&amp;quot;.[Nyholm 1997: S. 223.] Seine Eignung zum Gralskönig, bei dem auf die Veranlagung und innere Größe wert gelegt wird, ist hier schon vorrausgedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt; In der Forschung wird thematisiert, dass nicht sicher ist, worauf Cunnewares Lachen wirklich verweist. Verweist es auf Parzivals Prädestination zum Gralskönig, also auf das Ende des Romans oder auf &amp;quot;Parzivals Fähigkeit, die Gralsburg zu finden und den Gral zu schauen (dann allerding vor der Mitleidsfragenforderung zu versagen)&amp;quot;, also auf die Mitte des Romans? [Fritsch-Rößler 1997: S. 83.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Parzivals Tugend durch Cundrie angezweifelt wird, beginnt Cunneware zu weinen. Dieser dem Lachen entgegengesetzte Gefühlsausbruch, lässt sich, wie ihr Lachen, ebenfalls auf zwei verschiedene Arten deuten. Einerseits könnte es ihren inneren Zustand abbilden, ihr Erschrecken über Cundrie und ihr Mitleid mit Parzival, andererseits verwandelt sich Parzival, der durch ihr Lachen noch als bester aller Ritter gekennzeichnet wurde, nun durch böse Anschuldigungen und durch das Weinen der Cunnewâre in einen fehlerhaften und schlechten Charakter. Doch statt Cundrie wird später Cunneware mit ihrer Prophezeiung Recht behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre=&lt;br /&gt;
Ein letzter Punkt, der noch zu untersuchen bleibt, ist die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre. Wie oben schon erwähnt, ist das Kämpfen im Dienst einer Dame im Mittelalter durchaus üblich. Doch Cunnewâre und Parzival sind nicht verheiratet und Parzival kämpft auch nicht um Cunnewâres Gunst. Trotzdem ist Parzival indirekt [[kämpft für::Cunnewâres| ]] Cunnewares Ritter. Wolfram bricht hier also mit der üblichen Minne-Praxis, indem Cunnewâre zwar Parzivals &amp;quot;Dienstherrin, aber nicht [seine] Minnedame&amp;quot; ist. [Dartmann 2005: S.228.] Das heißt wiederum, dass ungewöhnlicherweise &amp;quot;nicht Minne, sondern die Wiederherstellung des gemeinsamen Ansehens&amp;quot; angestrebt wird. [Dartmann 2005: S. 233]&lt;br /&gt;
In der Forschung wird das Lachen der Cunnewâre ferner mit einem Zeichen verglichen, das ein Ritter beim Kampf bei sich trägt, wie der Ärmel der Obilot auf Gawans Schild.[Nyholm 1997: vgl.: S. 235.] Es kann also gesagt werden, dass Parzival eine permanenten Verbindung zu Cunnewâre hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus verdeutlicht die Tatsache, dass Parzival Cunnewâre [[wird gerächt von:: Parzival| ]] rächen muss, die Schwäche der Frauen. Cunnewâres &amp;quot;Handlungsspielraum [,ihre Schande zu selbst rächen,] ist gering&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 163.] Die Darstellung der Cunnewâre unterstreicht also die untergeordnete Stellung, die [[Das Frauenbild im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen im Mittelalter]] oft hatten.&lt;br /&gt;
[[hängt zusammen mit:: Komik_und_Erzählen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[verwirklichen::Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[findet statt am::Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
==Pimärtexte==&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard   Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dartmann 2005]  [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5911/diss_dartmann_buchblock.pdf  Dartmann, Christine: Das &#039;&#039;lachen&#039;&#039; der &#039;&#039;vrouwe&#039;&#039;, Untersuchungen zur  Funktion von &#039;&#039;lachen&#039;&#039; in mittelhochdeutscher Epik und Minnesang,  Münster 2005.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Fritsch-Rößler 1997] Fritsch-Rößler, Waltraud: Lachen und Schlagen. Reden als Kulturtechnik in Wolframs &#039;Parzival&#039;, in: Krause, Burkhardt(Hg.): Verstehen durch Vernunft, Festschrift für Werner Hoffmann, Wien 1997, S.75-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nyholm 1997] Nyholm, Kurt: Warum lacht Cunnewâre? Überlegungen zu Parzival 151, 11-19, in: Andersson, Bo/Müller, Gernot(Hg.): Kleine Beiträge zur Germanistik, Festschrift für John Evert Härd, Uppsala 1997, S. 223-237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Philipowski 2003] Philipowski, Katharina: Das Gelächter der Cunnewâre, in: Zeitschrift für Germanistik 1 (2003), S. 9-25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seeber 2010] Seeber, Stefan: Poetik des Lachens, Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200, Diss., Berlin/ New York 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]] [[Kategorie: Gewalt|Kategorie]] [[Kategorie: Artushof|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12961</id>
		<title>Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T14:51:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Gelächter der Cunnewâre (151, 19) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Parzival zum ersten Mal an den Artushof kommt, geschieht ein Ereignis, das zwar lediglich in einer kurzen Passage des Romans beschrieben wird, dadurch aber nicht an Bedeutung verliert. Das Gelächter der Cunnewâre beeinflusst[[lacht über:: Parzival| ]][[beeinflusst:: hat Auswirkungen auf::Parzivals Handeln als Ritter| ]] Parzivals Handeln als Ritter. Im Folgenden sollen die Stellen analysiert werden, an denen Parzival und Cunnewâre einander begegnen und es soll genauer auf die Bedeutung des Gelächters der Cunnewâre für den Roman eingegangen werden.&lt;br /&gt;
=Handlungsverlauf=&lt;br /&gt;
Im Verlauf der Handlung begegnen sich Parzival und Cunnewâre zwei Mal. Die Zeit zwischen den beiden Treffen wird überbrückt, indem Parzival immer wieder von ihm besiegte Ritter zu Cunnewâre schickt, um seine Schuld zu begleichen.&lt;br /&gt;
==Parzivals Ankunft am Artushof (145-151)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Schon kurz nachdem Parzival seine [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] verlassen hat, reitet er zum Artushof. Sein Aussehen und auch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] entsprechen in keiner Weise den Ansprüchen und den Konventionen der Zeit. Am Artushof herrschen ebenfalls ungewöhnliche Zustände; wegen der Taten des roten Ritters [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] ist die Gesellschaft in heller Aufregung. (Zu den Umständen am Artushof bei Parzivals Ankunft: [Bumke 2004: vgl.:S. 59.]). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Gelächter der Cunnewâre (151, 19)==&lt;br /&gt;
Als Parzival sich aufmacht, um gegen [[kämpft gegen::Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zu kämpfen und an den Fenstern der Burg vorbeireitet, wird er von dem Hofstaat, unter anderen auch von der Dame Cunnewâre, beobachtet. Die Dame hat geschworen nicht zu lachen, bis sie den Edelsten aller Ritter sieht: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ saz frou Cunnewâre || Dort bei ihnen saß die Dame Cunnewâre&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu fiere und diu clâre. || auch in ihrem klaren Glanz und mit edlem Stolz.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu enlachte dcheinen wîs, || Die lachte niemals, unter gar keinen Umständen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine sæhe in die den hôhsten prîs || bis zu dem Tag, da ihr der vor Augen käme, der höchsten Ruhm auf Erden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hete od solt erwerben: || hätte oder gewinnen sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wolt ê sus ersterben. || Anders wollte sie&#039;s nicht tun, eher wollte sie sterben. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| allez lachen si vermeit, || Nicht das kleinste Lachen war ihr auf die Lippen gekommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz daz der knappe für si reit:|| bis zu dem Augenblick, da sie den Knappen dort unten reiten sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do erlachte ir minneclîcher munt.|| Da kam ein Lacher über ihren süßen Mund.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(152, 11-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untrennbar mit Cunnewâres Lachen &amp;lt;ref&amp;gt; Fritsch-Rößler weißt auf den Zusammenhang zwischen Jeschute und Cunneware hin. In ihrer Schrift legt sie Wert auf die Beschreibung des Mundes, auf den die Aufmerksamkeit durch das Lachen gelenkt wird. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 79.] Dass Cunneware zu Lachen beginnt, als die Parzival das erste Mal sieht, steht im Widerspruch zu den Reaktionen, mit denen andere Frauen Parzival begegnen. Sigune beginnt zu klagen, als sie ihn sieht und seine Mutter und Jeschute bringt Parzival zum Weinen statt zum Lachen. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 80.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ist das Verhalten des Antanor verknüpft. Dieser, der durch seine Verschweigenheit für einen Toren gehalten wurde (&amp;quot;Der verswigene Antanor, der durch swîgen dâht ein tôr&amp;quot; [152, 22f]), hatte geschworen nicht mehr zu sprechen, bis das Mädchen gelacht habe. &lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Keie]], ein Artusritter, beurteilt das Lachen als schandhaft für die Dame und als eine &amp;quot;Beleidigung aller anderen Ritter des Artushofes&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 226.] Dass diese einen so unhöfischen Narren mit ihrem Lachen kennzeichnet, obwohl so viele edlere Ritter vor ihre Augen getreten waren, veranlasst ihn, die Dame zu [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schlagen]][[wird geschlagen von:: Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ]]. &amp;quot;ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stap sô dran gehabt, unz daz sîn siusen gar verswanc, durch die wât unt durch ir vel ez dranc.&amp;quot; (&amp;quot;Obwohl ihr Rücken keinen Eid zu leisten hat, kam er doch in heftige Brührung mit dem Richterstab, der auf sie niedersauste, bis er ganz zerschlissen war.&amp;quot; [151, 27-30]). Antanor, der seine wiedergefundene Stimme dazu nutzt, Keie zu tadeln, wird ebenfalls durch Keies Schläge bestraft ( Vgl.: 153, 9-13). Parzival will die beiden sofort durch den Wurf eines Spießes rächen, unterlässt es allerdings wegen des Getümmels um sie herum. Parzival ist der Einzige, den die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gewalt]] zu stören scheint. Der Artushof unternimmt nichts gegen die brutale Züchtigung und äußert sich auch nicht darüber. Dies führt zu einem negativen Bild der Artusgesellschaft und zu einer &amp;quot;Problematisierung des höfischen Umfelds&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 228.] (Mehr dazu [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |hier]].)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Sendungen an den Artushof (199/ 215/ 267)==&lt;br /&gt;
Parzival sieht die Bestrafung der Cunnewâre als [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|seine eigene Schuld]] an und versucht, sie wiedergutzumachen. Die Bestrafung des Antanor tut ihm zwar leid, er hat aber nicht den Drang diese zu sühnen. Alle von ihm besiegten Ritter schickt er deshalb an den Artushof, damit sie sich der Cunnewâre unterwerfen, wie es im Mittelalter üblich war, wenn ein Ritter für eine Dame kämpfte. Die von Parzival geschickten Ritter steigen, gemessen an ihrem Ansehen, an Wichtigkeit. Der erste Besiegte ist der Knappe des Clamide, gefolgt von Clamide selbst. Dieser, der die Frau des Parzival ebenfalls begehrt, wird von Parzival vor die Wahl gestellt zu sterben oder sich Cunnewâre zu unterwerfen. Der letzte von Parzival besiegte ist Cunnewâres [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Bruder Orilus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneutes Zusammentreffen(307-327)==&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival Cunnewâre nun lange Zeit nicht gesehen, sie aber keineswegs vergessen hat, treffen sie ein zweites Mal aufeinander. Die Artusgesellschaft ist losgezogen, um Parzival zu suchen und ihn zur Tafelrunde einzuladen. Sie finden ihn schließlich, doch dem Zusammentreffen mit der Artusgesellschaft geht die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Blutstropfenszene]] vorraus, bei der ein Knappe der Cunnewâre eine Rolle spielt. Dieser findet den in Trance versetzten Parzival im Schnee und fordert die Artusritter auf, gegen den Fremden zu kämpfen. Erst [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] setzt dem Missverständnis ein Ende. Cunnewâre dankt Parzival für die Sendungen der Ritter, die seine erfolgreichen Kämpfe bewiesen haben: &amp;quot;ich hete lachen gar vermiten, unz iuch mîn herze erkande, dô mich an freuden pfande Keie, der mich dô sô sluoc. daz habt gerochen ir gennuoc&amp;quot; (&amp;quot;Ich hatte kein einziges Mal gelacht bis zu dem Augenblick, da Euch mein Herz erkannte und Keie mir meine Freude gleich wieder wegnahm, als er mich so schlug. Das habt ihr völlig gerächt.&amp;quot; [306, 1-4]), da er nicht nur die erwähnten Ritter, sondern auch Keie im Kampf besiegt hat und ihm starke Schmerzen zugefügt hatte. Die Dankesworte werden durch die hässliche [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] unterbrochen, die Parzival schwere Vorwürfe macht. Bei ihrem Auftreten kommt es zu einer für die Figur der Cunnewâre interessanten Szene. Nachdem die Rede der Cundrie beendet ist, ist die gesamte Gesellschaft des Artushofs nicht nur durch [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ihr Aussehen]], sondern auch durch ihre Beschuldigungen erschreckt. Von den erschütterten Frauen ist Cunnewâre die Erste, die zu weinen beginnt:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cunnewâr daz êrste weinen huop, || Cunneware fing als erste zu weinen an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Parzivâl den degen balt || daß Parzival, der junge Held,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe surzier sus beschalt, || so sehr beschimpft war und beschuldigt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein alsô wunderlîch geschaf. || von diesem absonderlichen Geschöpf, Cundrie la suziere.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(319, 12-15)&lt;br /&gt;
Bevor Parzival erneut aufbricht, erhält der besiegte Clamide Cunnewâre zur Frau, &amp;quot;denn er war krank nach ihrer Liebe&amp;quot; (&amp;quot;wan dem was nâch ir minne wê&amp;quot; [327, 27]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Das Lachen - Geste oder Prophezeiung?=&lt;br /&gt;
Nach der Beschreibung der relevanten Textstellen, soll nun eine Interpretation folgen, die die Stellung und Funktion von Cunnewâres Lachen im Roman beschreibt.&lt;br /&gt;
==Die Textstelle in der Forschung==&lt;br /&gt;
Trotz der Kürze dieser Textstelle sind in der Forschung interessante Diskussionen entstanden. Ein Vergleich zwischen der Erwähnung der Cunnewâre bei Wolfram von Eschenbach und der bei Chrétien de Troyes zeigt lohnende Ergebnisse. &amp;lt;ref&amp;gt; Siehe hierzu den Aufsatz von [Nyholm 1997: vgl. S. 223-237.]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier fällt besonders die Einbeziehung des &amp;quot;Märchenmotiv[s] des ausziehenden Dümmlings&amp;quot; [Nyholm 1997: S. 223.] auf, welches mit Parzival verglichen werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt; Wolfram von Eschenbach nimmt bei seiner Version des Romans einige Änderungen vor, die für die Cunnewâre Szene nicht unbedeutend sind und bei Nyholm 1997 ausgewertet sind. Einen weiteren Bereich, den die Forschung miteinbezieht ist die Funktion und Interpretation von Gesten und Körpersprache im Mittelalter im Allgemeinen, der ebenfalls interessante Ergebnisse liefert.[Philipowski 2003: vgl.: S.9-25.]) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fritsch-Rößler weist deutlich darauf hin, dass aus dem Text nicht klar hervorgeht, seit wann Cunneware nicht mehr gelacht hat. Es besteht einerseits die Möglichkeit, dass sie seit ihrer Geburts nie gelacht hat, für die manche Indizien sprechen oder dass sie ein Gelübde abgelegt hat und seitdem nicht mehr lachte.[Fritsch-Rößler 1997: Vgl.: S. 80.] Welche der Möglichkeiten nun auch die Richtige sein mag, Parzivals Erscheinen ist eine Erlösung für Cunneware. Durch seine Erlösungstat führt er &amp;quot;Cunneware der echten Menschlichkeit zu&amp;quot;. [Fritsch-Rößler 1997: S. 82.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seeber weist darauf hin, dass das Lachen von Cunneware von einer reinen Gebärde zu einem Symbol wird, das Parzivals gesamte Wandlung zum Ritter begleitet. [Seeber 2010: Vgl.: S. 154.] Das Lachen gewinnt an Bedeutung für die Interaktion und die Gebärde kommt der Sprache gleich: &amp;quot;Wolfram verortet die Gebärde neu und weist ihr eigene Konnotationen zu, die den Rahmen des gewohnten Wissesn sprengen undd neue Bereiche der Verwendung erschließen&amp;quot;. [Seeber 2010: S. 155.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Funktion des Lachens==&lt;br /&gt;
Behält man nun die vorgestellten von der Forschung mit einbezogenen Bereiche im Hinterkopf, stößt man auf zwei mögliche Funktionen der Cunnewâreszene. Die erste Deutung bezieht sich auf die Veränderungen von Wolfram von Eschenbach im Vergleich zu Chrétien de Troyes. Bei Eschenbach erscheint Parzival als Narr am Artushof, der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ohne höfische Erziehung]] und in komischer Kleidung tatsächlich lächerlich wirkt. Schon der Ritter Iwein, dem Parzival zuerst begegnet, muss über sein Verhalten und Auftreten lachen (147, 24). So könnte auch Cunnewâres Lachen die Funktion einer von Parzivals lächerlichem Aussehen motivierte Geste erfüllen. &amp;quot;Sie ist bedeutungsvoll, weil sie den inneren Zustand Cunnewâres sichtbar abbildet, das Lachen verweist auf ihre innere Verfassung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 9.] Damit erfüllte Parzival sogar tatsächlich den Plan der [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die Leute zum Lachen zu bringen. Doch statt, wie es diesem Plan entspräche, durch die Lächerlichkeit am Rittersein gehindert zu werden, wird Parzival durch das Lachen der Cunnewâre der Weg zum Ritter erst geebnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei genauerem Betrachten ist eine Deutung des Lachens allein als Ausdruck von Belustigung unbefriedigend. Es muss hinzugezogen werden, dass zwar Parzivals Handeln und Sprechen, ebenso sein Auftreten und seine Kleidung, nicht jedoch sein Körper Gegenstand des Spotts sind. [Dartmann 2005: S. 230.] Letzter wird stattdessen sehr gelobt, er gilt als &amp;quot;ein Bild des Vollkommenen&amp;quot; (148,30) und wird für seinen &amp;quot;Glanz&amp;quot; (148, 24) bewundert. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Die zweite Interpretation schreibt dem Lachen deshalb eine prophetische Funktion zu. Die Tatsache, dass das Lachen beschränkt war auf den edelsten Ritter, der der Dame begegnet, was Parzival zum Zeitpunkt des Gelächters keinesfalls ist, sagt vorraus, dass er ein solcher werden wird, sogar werden muss. Man könnte diese Vorrausdeutung als sich selbst erfüllende Prophezeihung deuten, weil Parzival die Bestrafung, die die Dame seinetwegen erfährt, nur durch edle Rittertaten rächen kann. Seine besiegten Gegner, die er zu ihr schickt, sind die Zeugen seiner Entwicklung zum Ritter und die Boten der Wahrheit, die in der Prophezeihung steckte.[Philipowski 2003: vgl.: S. 21.] &amp;lt;br /&amp;gt; Der Kreislauf, den das Gelächter einleitet, ist folgender: &amp;quot;das Gelächter [provoziert] Gewalt, die Gewalt Frauendienst, Frauendienst Ehre und Ehre Erlösung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 22.] &amp;lt;br /&amp;gt; Aufgrund dieses Kreislaufs bewirkt auch Keie mit der Bestrafung das Gegenteil seiner eigentlichen Intention. Er ärgert sich über die Auswahl der Cunnewâre, scheint doch der erwählte alles andere als ein tugendhafter Ritter zu sein, und leitet durch deren Bestrafung Parzivals Entwicklung zum Ritter erst ein. Die Begebenheit wird später der Grund sein, der Parzival zum Besten aller Ritter macht. [Philipowski 2003: vgl.: S. 22.] Es ist nämlich erst das Lachen der Cunnewâre, welches ihm &amp;quot;die Verpflichtung auferlegt, sich als Ritter zu bewähren&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 227.] In diesem Sinne kann das Lachen als ein &amp;quot;notwendiges Element für den Handlungsfortgang&amp;quot; interpretiert werden.[Dartmann 2005: S. 227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man diesen Kreislauf nicht als zwingend anerkennen, sondern sieht den Weg des Parzival zum Ritter schon ohne das Gelächter als vorherbestimmt an, so bleibt dennoch die Wahrheit der Vorhersage der Cunnewâre. Es könnte durchaus sein, dass Parzival den Weg zum Ritter auch ohne Cunnewâre gegangen wäre, allein aus seiner Begeisterung für das Rittertum und dem Wunsch ein Solcher zu sein. Sicher wäre er aber nicht so schnell zum Ritter der Tafelrunde geworden. Durch die Sendungen sieht nicht nur Cunnewâre, sondern auch der gesamte Artushof die Beweise für seine Taten, was [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] dazu veranlasst, ihn zu suchen und in die Tafelrunde aufzunehmen (siehe Unterpunkt 1.4). Keie ist ebenfalls überzeugt von der Wahrheit der Vorhersage, denn würde er das Lachen der Cunneware nicht als eine bedeutende Kennzeichnung wahrnehmen, gäbe es keinen Grund für ihn, sie zu schlagen. Er akzeptiert den prophetischen Charakter des Lachens, vertraut Cunneware aber gleichzeitig zu wenig, um ihre Wahl für richtig zu halten. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S.85.] Statt eine positive Entwicklung Parzivals zu erwarten, sieht er nur seinen momentanen Zustand und fühlt sich in seiner Ritterehre gekränkt.&amp;lt;ref&amp;gt; Wie groß das Missverständnis zwischen Cunneware und Keie eigentlich ist, beschreibt Fritsch Rößler sehr überzeugend. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Keie Cunnewares Lachen als Spott über alle anderen Ritter empfindet und so statt &amp;quot;Hochschätzung und Affirmation&amp;quot; in dem Lachen &amp;quot;Minderschätzung und Degradierung&amp;quot; sieht.[Fritsch-Rößler 1997: S. 87.] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bleibt noch die Tatsache, dass Parzival noch bevor er überhaupt ein Ritter ist, schon vornehmer und edler ist als alle anderen Ritter, die der Dame begegnet sind. In seinem Inneren steckt schon zu diesem Zeitpunkt die größte Tugend, die Cunnewâre bereits erkennt. &amp;quot;Parzival, der vornehmste Ritter der Welt, [erfüllt] die Bedingungen des Lachens nur durch seine Anwesenheit und nicht durch seine Taten&amp;quot;.[Nyholm 1997: S. 223.] Seine Eignung zum Gralskönig, bei dem auf die Veranlagung und innere Größe wert gelegt wird, ist hier schon vorrausgedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt; In der Forschung wird thematisiert, dass nicht sicher ist, worauf Cunnewares Lachen wirklich verweist. Verweist es auf Parzivals Prädestination zum Gralskönig, also auf das Ende des Romans oder auf &amp;quot;Parzivals Fähigkeit, die Gralsburg zu finden und den Gral zu schauen (dann allerding vor der Mitleidsfragenforderung zu versagen)&amp;quot;, also auf die Mitte des Romans? [Fritsch-Rößler 1997: S. 83.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Parzivals Tugend durch Cundrie angezweifelt wird, beginnt Cunneware zu weinen. Dieser dem Lachen entgegengesetzte Gefühlsausbruch, lässt sich, wie ihr Lachen, ebenfalls auf zwei verschiedene Arten deuten. Einerseits könnte es ihren inneren Zustand abbilden, ihr Erschrecken über Cundrie und ihr Mitleid mit Parzival, andererseits verwandelt sich Parzival, der durch ihr Lachen noch als bester aller Ritter gekennzeichnet wurde, nun durch böse Anschuldigungen und durch das Weinen der Cunnewâre in einen fehlerhaften und schlechten Charakter. Doch statt Cundrie wird später Cunneware mit ihrer Prophezeiung Recht behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre=&lt;br /&gt;
Ein letzter Punkt, der noch zu untersuchen bleibt, ist die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre. Wie oben schon erwähnt, ist das Kämpfen im Dienst einer Dame im Mittelalter durchaus üblich. Doch Cunnewâre und Parzival sind nicht verheiratet und Parzival kämpft auch nicht um Cunnewâres Gunst. Trotzdem ist Parzival indirekt [[kämpft für::Cunnewâres| ]] Cunnewares Ritter. Wolfram bricht hier also mit der üblichen Minne-Praxis, indem Cunnewâre zwar Parzivals &amp;quot;Dienstherrin, aber nicht [seine] Minnedame&amp;quot; ist. [Dartmann 2005: S.228.] Das heißt wiederum, dass ungewöhnlicherweise &amp;quot;nicht Minne, sondern die Wiederherstellung des gemeinsamen Ansehens&amp;quot; angestrebt wird. [Dartmann 2005: S. 233]&lt;br /&gt;
In der Forschung wird das Lachen der Cunnewâre ferner mit einem Zeichen verglichen, das ein Ritter beim Kampf bei sich trägt, wie der Ärmel der Obilot auf Gawans Schild.[Nyholm 1997: vgl.: S. 235.] Es kann also gesagt werden, dass Parzival eine permanenten Verbindung zu Cunnewâre hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus verdeutlicht die Tatsache, dass Parzival Cunnewâre [[wird gerächt von:: Parzival| ]] rächen muss, die Schwäche der Frauen. Cunnewâres &amp;quot;Handlungsspielraum [,ihre Schande zu selbst rächen,] ist gering&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 163.] Die Darstellung der Cunnewâre unterstreicht also die untergeordnete Stellung, die [[Das Frauenbild im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen im Mittelalter]] oft hatten.&lt;br /&gt;
[[hängt zusammen mit:: Komik_und_Erzählen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[verwirklichen::Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[findet statt am::Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
==Pimärtexte==&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard   Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dartmann 2005]  [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5911/diss_dartmann_buchblock.pdf  Dartmann, Christine: Das &#039;&#039;lachen&#039;&#039; der &#039;&#039;vrouwe&#039;&#039;, Untersuchungen zur  Funktion von &#039;&#039;lachen&#039;&#039; in mittelhochdeutscher Epik und Minnesang,  Münster 2005.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Fritsch-Rößler 1997] Fritsch-Rößler, Waltraud: Lachen und Schlagen. Reden als Kulturtechnik in Wolframs &#039;Parzival&#039;, in: Krause, Burkhardt(Hg.): Verstehen durch Vernunft, Festschrift für Werner Hoffmann, Wien 1997, S.75-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nyholm 1997] Nyholm, Kurt: Warum lacht Cunnewâre? Überlegungen zu Parzival 151, 11-19, in: Andersson, Bo/Müller, Gernot(Hg.): Kleine Beiträge zur Germanistik, Festschrift für John Evert Härd, Uppsala 1997, S. 223-237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Philipowski 2003] Philipowski, Katharina: Das Gelächter der Cunnewâre, in: Zeitschrift für Germanistik 1 (2003), S. 9-25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seeber 2010] Seeber, Stefan: Poetik des Lachens, Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200, Diss., Berlin/ New York 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]] [[Kategorie: Gewalt|Kategorie]] [[Kategorie: Artushof|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12960</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12960"/>
		<updated>2012-07-25T14:50:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Die schönen Männer */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt; Quellen und Nachweise für diese These finden sich bei [Wisbey 1975: S. 23f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das Erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12959</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12959"/>
		<updated>2012-07-25T14:50:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S. 179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um die erste Ansprache an Frau Minne in die [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]] einzubetten, muss die [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustan verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006]. &amp;lt;/ref&amp;gt;) Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant, wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt; Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11) Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen. Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen. Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert, andererseits scheinen die erhobenen Vorwürfe eher im Widerspruch zur Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der Blutstropden-Episode wird Parzival von der Minne nicht zu sündhaften Begierden verführt, sondern er erlebt die Liebe als eine beseligende Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als positive Eigenschaft wird die Verbindung zwischen frou Minne und frou Liebe genannt. Letztere wurde unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2006].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude, der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...] [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe verloren, weil er stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich seiner Not nie erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen. Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34- 63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin, dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt. In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu den Menschen und verursachen viel [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006: S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot; (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967: S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage. Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird, obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist: Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin. [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
[[Datei:Der_verletzte_Gawan_auf_schastel_marveile.jpg|thumb|230px|Gawan ist nach dem Kampf auf Schastel marveile verletzt und wird von den Königinnen gepflegt.]]&lt;br /&gt;
Der dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen Eigenschaften der Liebe. An Gawan [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]] wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat. Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in der Vergangenheit viele Opfer in Gawans [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje| bedingungslosen Liebe]] der [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar: &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihr Einwirken von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt es auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Funktion der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] So könnte sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stand auch die Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung steht hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch uneinig, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und auch der Erzähler bemüht sich um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache, Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm, mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130, zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]][[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12953</id>
		<title>Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12953"/>
		<updated>2012-07-25T11:59:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Der Liebesbrief der Ampflîse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Beziehung zu der Königin [[Eltern von::Parzival| ]][[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ist eine von zwei [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gahmurets]]. Im Folgenden wird die Beziehung genau am Text nachgewiesen, um dann als Grundlage für [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aussagen über Gahmurets Beziehungen]] allgemein und sein Verhalten in der Ehe zu dienen. [[sind Beispiel für:: Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[leben aus::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[sind Beispiel für::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Das Turnier in Kanvoleis==&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret  [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacâne]] zurückgelassen  hat, bestreitet er viele Kämpfe und kommt schließlich zu seinem Cousin  nach Spanien, mit dem er auf Ritterfahrt fährt. Sie reisen nach Wâleis,  wo die Königin Herzeloyde [[Kennenlernen bei:: Das Turnier von Kanvoleis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ein Turnier]]  veranstaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Turnieren in mittelalterlichen Romanen: [Czerwinski 1975].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist verwitwet, da ihr vorheriger Ehemann im Kampf ums Leben kam. Um einen König für ihre beiden Königreiche zu finden, hat sie sich selbst als Preis für den Sieger des Turniers ausgesetzt. &lt;br /&gt;
Zu dem Turnier sind die berühmtesten und heldenhaftesten Ritter geladen. Gahmuret zieht mit einer großen Schar, Lärm und [[Die_höfische_Pracht_im Parzival_(Wolfram_von Eschenbach,_Parzival)|Pracht]] in die Stadt ein: (&amp;quot;höfslîchen durch die stat, der helt begunde trecken, die slâfenden wecken. (Mit Pracht hielt da der Held seinen Einzug in die Stadt und weckte alle, die noch schliefen.&amp;quot;) (62,27-30) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon im Vorfeld des Turniers spricht man von ihm als großem Kämpfer und so kommt auch Herzeloyde zu Ohren, welch heldenhafter und tapferer Ritter an ihrem Turnier teilnehmen wird. Sie ist von Anfang an neugierig auf diesen edlen Mann und kann es nicht erwarten, ihn zu sehen: &amp;quot;wê wanne kumt er et selbe drîn? (Doch ach, wann kommt er selber denn herein?&amp;quot;) (62, 26) Als Gahrmuret und Herzeloyde sich dann das erste Mal begegnen, ist es vor allem der Ritter, der von dieser Situation gebannt ist: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dem liehten schîne, ||  || Angesichts des hellen Glanzes,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der von der künegîn erschein, ||  || der von der Königin ausging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| derzuct im neben sich sîn bein: ||  || schlug es ihm das Bein herab - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf rihte sich der degen wert, ||  || hochgereckt der edle Held&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vederspil, daz gert. ||  || wie ein Falke, beutegierig! &lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(64, 4-8)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zuvor noch mit vornehmer Lässigkeit auf dem Sattel liegende Bein &amp;quot;zuckt in die Reiterhaltung zurück. [..] Der bloße Anblick einer Frau fährt ihm in die Glieder&amp;quot;.[Wiegand 1972: vgl. S. 261]Diese unkontrollierte Geste macht Gahmurets innere Anspannung deutlich, da plötzlich nicht nur &amp;quot;strit&amp;quot;, sondern auch &amp;quot;wibes gruoz&amp;quot; und eventuell &amp;quot;minne&amp;quot; in Aussicht sind.[Wiegand 1972: S. 262]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Turnierteilnehmer sind nach [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaft]] aufgeteilt. Es kämpfen zwei große Parteien gegeneinander (zur detaillierten Beschreibung der Turnierteilnehmer vergleiche [Bumke 2004: S. 49f.]). Bevor das Turnier jedoch beginnt, treten einige Ritter in Vorkämpfen gegeneinander an. Gahmuret, der ebenfalls an den Vorübungen teilnimmt, besiegt alle, die gegen ihn antreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Liebesbrief der Ampflîse===&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret die ersten Kämpfe beendet hat, reitet er zu seinem Zelt zurück. Dort wird er von Boten der Königin Ampflîse empfangen und bekommt einen Brief ausgehändigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine interessante Abhandlung zu Ampflîse findet sich bei [Gibbs 1980: S. 48-53] und auch der zwar kurze, aber dennoch lesenwerte Beitrag von [Naumann 1938: S. 138] lohnt sich. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Königin Frankreichs hat sich in Gahmuret verliebt und bietet ihm ihre Hand und ihr Land an. (&amp;quot;Kum wider, und nim von mîner hant, krône, zepter unde ein lant. daz ist mich an erstorben: daz hât dîn minne erworben&amp;quot; [77, 1-3]) Dafür schenkt sie ihm Truhen voller Kostbarkeiten. Ampflîse ist für Gahmuret keine Unbekannte, da beide zusammen am französischen Hof erzogen wurden (94, 24-25]. Nachdem der Ritter erkennt, von wem der Brief stammt, verbeugt er sich (76, 21), was die Hochachtung deutlich macht, die er vor der französischen Königin empfindet.[Wiegand 1972: vgl. S. 263] Die Konkurrenzsituation zur Königin Herzloyde spricht sie offen an:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine ruoche obez diu künigin siht: || Mag die Königen dort es ruhig sehen, was kümmert&#039;s mich?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez mac mir vil geschaden niht. || Es kann mir nicht viel schaden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin schœner unde rîcher|| Ich bin schöner als sie und mächtiger&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde kan och minneclîcher || und liebenswerter, und ich weiß besser als sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minne enphân und minne gebn || Liebe zu empfangen und Liebe zu geben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiltu nâch werder minne lebn|| Wenn du nach wirklich edler Liebe leben willst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô hab dir mîne krône || so gehört dir meine Krone,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch minne ze lône || sie soll der Lohn der Liebe sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(77, 11-18)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret während der ersten Kämpfe lustlos zu Werke gegangen ist, ist er nach dem Erhalt des Briefes wieder Minneritter: &amp;quot;er wolt sich arbeiten (Er wollte sich nun tummeln&amp;quot;) (77, 25).[Wiegand 1972: vgl. S. 264.] Tiefe Zuneigung zu Ampflîse hat seine Kräfte gestärkt, bereits im Vorturnier werden die meisten Ritter besiegt. Daher wird das geplante Turnier abgesagt und Herzeloyde erklärt Gahmuret zum Sieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Liebesforderung der Herzeloyde===&lt;br /&gt;
Nachdem Herzeloyde die Vorkämpfe für beendet erklärt hat, reitet sie zu Gahmurets Zelt, um ihn kennenzulernen. Schon im Vorfeld kann sie es kaum erwarten ihm zu begegnen und ergreift, als er keine Anstalten macht zu ihr zu kommen, selbst die Initiative. &amp;quot;Seitdem sie zuerst von Gahmuret gehört hat, interessiert sich Herzeloyde ausschließlich für ihn.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 467.] Als Herzeloyde und Gahmuret sich hinsetzen, ist sie sofort &amp;quot;gefangen von seiner Liebe&amp;quot; (84, 1), nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu sich heran: &amp;quot;er saz für sie sô nâhe nidr, daz sin begreif und zôch in widr, anderhalb vast an ir lîp. (Er setzte sich so nahe vor ihr nieder, daß sie ihn zu sich her zog ganz eng an ihren Leib.&amp;quot;) (84, 3-5) Diese Geste wird in der Forschung als für eine adelige Dame höchst ungewöhnlich angesehen, da eine Solche in der Öffentlichkeit gewöhnlich Zurückhaltung zu üben hat. [Hartmann 2000: vgl.:S.197.] &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;quot;Der Erzähler kommentiert dieses spontane Zugreifen Herzeloydes in scheinbar entrüsteter Verwunderung, als er betont, daß es sich sogar um eine Jungfrau handle, die ihre erotische Gereiztheit so offen an den Tag legte.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 468.] Außerdem wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass Gahmuret in dieser Passage wiederholt als &amp;quot;Gast&amp;quot; bezeichtnet wird,  dies stellt ein Verweis auf seine Fremdheit und innere Zurückgezogenheit dar. [Lewis 1975: vgl.: S. 467.]&lt;br /&gt;
Im starken Gegensatz zur lichten, hell strahlenden Herzeloyde (Vgl.: 84, 13-15) steht allerdings Gahmuret, der von großer Traurigkeit befallen ist: (&amp;quot;wan daz grôze jâmer unters sluoc (wäre da bloß die Traurigkeit nicht gewesen:&amp;quot;) (84, 16). Sein Kummer erklärt sich einerseits aus den schlechten Nachrichten aus Anschouwe, die ihm über seine Verwandten gebracht worden sind, und andererseits von der Sehnsucht nach [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]], seiner Frau. Herzeloyde fordert nun ihr Recht an Gahmuret ein: &amp;quot;von herzen eine süeze bete ([...], eine süße Bitte kam ihr von Herzen:&amp;quot;)(86,30) Weil die Gesandten der Ampf1îse aber ebenfalls auf Gahmuret einreden und ihn für Ampflîse gewinnen wollen, sieht Herzeloyde keine andere Möglichkeit als ihr Recht vor Gericht einzufordern und bittet Gahmuret so lange zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gerichtsspruch==&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fordert Herzeloyde erneut die Ehe von Gahmuret ein (94, 2-4). Dieser wehrt sich jedoch dagegen und nennt seine Traurigkeit und seine Sehnsucht nach Belacane als Grund dafür (94, 5-10). Herzeloyde verlangt von Gahmuret, die &amp;quot;Mohrin zu lassen, wo sie ist&amp;quot; (94, 13f) und auch die Königin von Frankreich, der Gahmuret viel zu verdanken hat (94, 21-23), zu vergessen. Gahmuret weist darauf hin, dass kein Turnier stattgefunden habe, das er hätte gewinnen können (95, 14-16), doch das Gericht spricht Herzeloyde schließlich das Recht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Ehe mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
Bevor[[heiraten::Herzeloyde und Gahmuret| ]] Herzeloyde und Gahmuret heiraten, verlangt er von ihr, ihn zu Turnieren fahren zu lassen, wenn er dazu Lust verspüre. Andernfalls würde er den alten Trick anwenden und von ihr, wie von Belacane, fortlaufen: &amp;quot;sô kan ich noch den altel slich, als dô ich mînem wîbe entran (so weiß ich noch den alten Schlich von früher, als ich meiner Frau entlief.&amp;quot;) (96, 30f). Herzeloyde spricht ihm ein Turnier im Monat zu. (Vgl.: [[Âventiure und Ehe]]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungen bis zur Hochzeit erscheinen nicht nur für heutiges Verständnis seltsam, sondern waren wohl auch ein &amp;quot;grotesker Vorgang im Licht der höfischen Gesellschaftskonventionen&amp;quot; [Bumke 2004: S. 51.] &amp;lt;br /&amp;gt; Dennoch gibt sich Herzeloyde nach der Hochzeit alle Mühe Gahmuret glücklich zu machen, was ihr auch zu gelingen scheint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| juncfrouwen unt diu künegîn|| Adelige Mädchen und die Königin führten ihn dahin, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in fuorten dâ er freude vant|| wo er Freude fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und al sîn trûren gar verswant|| und wo seine Trauer ganz und gar vertilgt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| entschumphiert wart sîn riwe||In den Staib geworfen wurde da sein Leid,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sîn hôchgemüete al niwe||mit neuem Leben erhob sich seine kühne Seele:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz muose iedoch bî liebe sîn|| Die war nun geliebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(100, 8-14)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Hochzeit von Gahmuret und Herzeloyde stellt der [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzähler]] Gahmurets Verhalten und die Natur nebeneinander. Nach Herzeloydes Versprechungen, er werde eine glückliche Ehe mit ihr führen, folgt die Beschreibung der Natur, die grünt und blüht. (Vgl.: 96, 12-22) Die &amp;quot;süße Luft des Mai&amp;quot; (96, 19) lässt die Natur gedeihen und Gahmuret wird von Feen dazu gebracht Liebe zu spüren und Liebe zu suchen. &amp;quot;[T]rotzdem zeigt doch das Ineinander der Schilderung von innerer und äußerer Natur, daß Gahmuret der äußeren Natur vergleichbar ist, und daß er in seinem inneren Lebensrhytmus ähnlich unfrei ist wie diese. [Wiegand 1972: S. 266.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gahmurets Tod==&lt;br /&gt;
In den folgenden Monaten, in denen Gahmuret auf Turnierfahrten fährt, trägt er ein Seidenhemd der Herzeloyde als Zeichen auf seinem Schild, welches sie nach seiner Rückkehr immer wieder anzieht. Dieses Ritual dient als Zeichen für die eheliche Liebe. [Bumke 2004: vgl. S.50] Seine letzte Ritterfahrt unternimmt er zu [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Im_Dienst_des_B.C3.A2ruc_.2813.2C18_-_15.2C30.29|Bâruc]], seinem alten Herrn, um sich nochmals in seine Dienste zu stellen. Dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg, Gahmuret hilft ihm und kämpft an seiner Seite. Es ist umstritten, ob er im Rahmen dieser Fahrt zu [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]] zurückkehren wollte. Gahmuret wird in einer Schlacht von Ipomidôn getötet, weil sein Helm durch eine &amp;quot;heidnische List&amp;quot; (105,17) manipuliert wird.  Ein Ritter verwendet Bocksblut, um Gahmurets Helm weich wie einen Schwamm werden zu lassen. Bevor Herzeloyde von seinem Tod erfährt, hat sie bereits einen schrecklichen Traum. Dieser kann als prophetischer Traum bezeichnet werden, der die Folgen von Gahmurets Tod auf Herzeloyde selbst beleuchtet und ihren eigenen Tod bei Parzivals Aufbruch voraussieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Dem Traum der Herzeloyde wurde in der Forschung einige Aufmerksamkeit gewidmet. Interessante Ergebnisse liefert vor allem [Hatto 1968]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Tod ihres Mannes erwägt Herzeloyde sich ebenfalls zu töten, entscheidet sich aber stattdessen, ihren gemeinsamen Sohn, mit dem sie schwanger ist, zu retten. &amp;quot;Gahmurets Tod läßt Herzeloyde alle gesellschaftlichen Konventionen vergessen. Sie küßt ihren Busen und redet zu der Milch darin&amp;quot; [Bumke 2004: S. 52.] &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liebt das Kind abgöttisch und wirkt [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|mit ihrer Erziehung]] stark auf sein Verhalten ein. Nachdem ihr geliebter Mann Gahmuret sie verlassen hat, versucht sie mit allen Mitteln ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren. Als dieser sie jedoch auch zurücklässt, stirbt sie aus Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Verschwindens==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Büchern I und II des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erscheint immer wieder das Motiv des Verschwindens. Schon zu Beginn verlässt Gahmuret seine Mutter und seinen Bruder, um die Welt zu erkunden und sich einen Namen als ruhmreicher Ritter zu machen. Hier zeigt sich zum ersten, dass Gahmuret geliebte Menschen für sein ritterliches Dasein verlässt. [Dallapiazza 2009: vgl. S. 34.] Im weiteren Verlauf der Handlung verlässt er auch seine Ehefrau Belacane, um sich Abenteuern hinzugeben. Ein drittes Mal findet sich dieses Motiv, wie oben geschildert, beim Verlassen von Herzeloyde. Ähnlich wie bei seiner ersten Frau erlebt er die Geburt seines Sohnes nicht. Inwieweit Gahmuret den Konflikt zwischen seiner Abenteuerlust und der Fürsorge für geliebte Menschen lösen kann, wird an [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtext==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1975] Czerwinski, Peter: Die Schlacht- und Turnierdarstellungen in den deutschen höfischen Romanen des 12. und 13. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1975. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gibbs 1980] Gibbs, Marion E.: Ampflise im Parzival und im Titurel, in: Wolfram Studien 6 (1980), S. 48-53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hartmann 2000] Hartmann, Heiko: Gahmuret und Herzeloyde. Kommentar zum zweiten Buch des Parzival. Wolfram von Eschenbach, Band 1, Herne 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hatto 1968] Hatto, Arthur T.: Herzeloyde&#039;s Dragon Dream, in: German Life&amp;amp;Letters 22 (1968), S. 16-31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Lewis 1975] Lewis, Gertrude J.: Die unheilige Herzeloyde. Ein ikonoklastischer Versuch, in: JEGP 74 (1975), S. 465-485.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin, New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[ist vergleichbar mit:: Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12952</id>
		<title>Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12952"/>
		<updated>2012-07-25T11:55:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Gahmurets Tod */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Beziehung zu der Königin [[Eltern von::Parzival| ]][[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ist eine von zwei [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gahmurets]]. Im Folgenden wird die Beziehung genau am Text nachgewiesen, um dann als Grundlage für [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aussagen über Gahmurets Beziehungen]] allgemein und sein Verhalten in der Ehe zu dienen. [[sind Beispiel für:: Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[leben aus::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[sind Beispiel für::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Das Turnier in Kanvoleis==&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret  [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacâne]] zurückgelassen  hat, bestreitet er viele Kämpfe und kommt schließlich zu seinem Cousin  nach Spanien, mit dem er auf Ritterfahrt fährt. Sie reisen nach Wâleis,  wo die Königin Herzeloyde [[Kennenlernen bei:: Das Turnier von Kanvoleis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ein Turnier]]  veranstaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Turnieren in mittelalterlichen Romanen: [Czerwinski 1975].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist verwitwet, da ihr vorheriger Ehemann im Kampf ums Leben kam. Um einen König für ihre beiden Königreiche zu finden, hat sie sich selbst als Preis für den Sieger des Turniers ausgesetzt. &lt;br /&gt;
Zu dem Turnier sind die berühmtesten und heldenhaftesten Ritter geladen. Gahmuret zieht mit einer großen Schar, Lärm und [[Die_höfische_Pracht_im Parzival_(Wolfram_von Eschenbach,_Parzival)|Pracht]] in die Stadt ein: (&amp;quot;höfslîchen durch die stat, der helt begunde trecken, die slâfenden wecken. (Mit Pracht hielt da der Held seinen Einzug in die Stadt und weckte alle, die noch schliefen.&amp;quot;) (62,27-30) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon im Vorfeld des Turniers spricht man von ihm als großem Kämpfer und so kommt auch Herzeloyde zu Ohren, welch heldenhafter und tapferer Ritter an ihrem Turnier teilnehmen wird. Sie ist von Anfang an neugierig auf diesen edlen Mann und kann es nicht erwarten, ihn zu sehen: &amp;quot;wê wanne kumt er et selbe drîn? (Doch ach, wann kommt er selber denn herein?&amp;quot;) (62, 26) Als Gahrmuret und Herzeloyde sich dann das erste Mal begegnen, ist es vor allem der Ritter, der von dieser Situation gebannt ist: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dem liehten schîne, ||  || Angesichts des hellen Glanzes,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der von der künegîn erschein, ||  || der von der Königin ausging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| derzuct im neben sich sîn bein: ||  || schlug es ihm das Bein herab - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf rihte sich der degen wert, ||  || hochgereckt der edle Held&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vederspil, daz gert. ||  || wie ein Falke, beutegierig! &lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(64, 4-8)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zuvor noch mit vornehmer Lässigkeit auf dem Sattel liegende Bein &amp;quot;zuckt in die Reiterhaltung zurück. [..] Der bloße Anblick einer Frau fährt ihm in die Glieder&amp;quot;.[Wiegand 1972: vgl. S. 261]Diese unkontrollierte Geste macht Gahmurets innere Anspannung deutlich, da plötzlich nicht nur &amp;quot;strit&amp;quot;, sondern auch &amp;quot;wibes gruoz&amp;quot; und eventuell &amp;quot;minne&amp;quot; in Aussicht sind.[Wiegand 1972: S. 262]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Turnierteilnehmer sind nach [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaft]] aufgeteilt. Es kämpfen zwei große Parteien gegeneinander (zur detaillierten Beschreibung der Turnierteilnehmer vergleiche [Bumke 2004: S. 49f.]). Bevor das Turnier jedoch beginnt, treten einige Ritter in Vorkämpfen gegeneinander an. Gahmuret, der ebenfalls an den Vorübungen teilnimmt, besiegt alle, die gegen ihn antreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Liebesbrief der Ampflîse===&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret die ersten Kämpfe beendet hat, reitet er zu seinem Zelt zurück. Dort wird er von Boten der Königin Ampflîse empfangen und bekommt einen Brief ausgehändigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine interessante Abhandlung zu Amflîse findet sich bei [Gibbs 1980: S. 48-53] und auch der zwar kurze, aber dennoch lesenwerte Beitrag von [Naumann 1938: S. 138] lohnt sich. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Königin Frankreichs hat sich in Gahmuret verliebt und bietet ihm ihre Hand und ihr Land an. (&amp;quot;Kum wider, und nim von mîner hant, krône, zepter unde ein lant. daz ist mich an erstorben: daz hât dîn minne erworben&amp;quot; (77, 1-3)) Dafür schenkt sie ihm Truhen voller Kostbarkeiten. Ampflîse ist für Gahmuret keine Unbekannte, da beide zusammen am französischen Hof erzogen wurden (94, 24-25]. Nachdem der Ritter erkennt, von wem der Brief stammt, verbeugt er sich (76, 21), was die Hochachtung deutlich macht, die er vor der französischen Königin empfindet.[Wiegand 1972: vgl. S. 263] Die Konkurrenzsituation zur Königin Herzloyde spricht sie offen an:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine ruoche obez diu künigin siht: || Mag die Königen dort es ruhig sehen, was kümmert&#039;s mich?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez mac mir vil geschaden niht. || Es kann mir nicht viel schaden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin schœner unde rîcher|| Ich bin schöner als sie und mächtiger&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde kan och minneclîcher || und liebenswerter, und ich weiß besser als sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minne enphân und minne gebn || Liebe zu empfangen und Liebe zu geben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiltu nâch werder minne lebn|| Wenn du nach wirklich edler Liebe leben willst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô hab dir mîne krône || so gehört dir meine Krone,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch minne ze lône || sie soll der Lohn der Liebe sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(77, 11-18)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret während der ersten Kämpfe lustlos zu Werke gegangen ist, ist er nach dem Erhalt des Briefes wieder Minneritter: &amp;quot;er wolt sich arbeiten (Er wollte sich nun tummeln&amp;quot;) (77, 25).[Wiegand 1972: vgl. S. 264.] Tiefe Zuneigung zu Ampflîse hat seine Kräfte gestärkt, bereits im Vorturnier werden die meisten Ritter besiegt. Daher wird das geplante Turnier abgesagt und Herzeloyde erklärt Gahmuret zum Sieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Liebesforderung der Herzeloyde===&lt;br /&gt;
Nachdem Herzeloyde die Vorkämpfe für beendet erklärt hat, reitet sie zu Gahmurets Zelt, um ihn kennenzulernen. Schon im Vorfeld kann sie es kaum erwarten ihm zu begegnen und ergreift, als er keine Anstalten macht zu ihr zu kommen, selbst die Initiative. &amp;quot;Seitdem sie zuerst von Gahmuret gehört hat, interessiert sich Herzeloyde ausschließlich für ihn.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 467.] Als Herzeloyde und Gahmuret sich hinsetzen, ist sie sofort &amp;quot;gefangen von seiner Liebe&amp;quot; (84, 1), nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu sich heran: &amp;quot;er saz für sie sô nâhe nidr, daz sin begreif und zôch in widr, anderhalb vast an ir lîp. (Er setzte sich so nahe vor ihr nieder, daß sie ihn zu sich her zog ganz eng an ihren Leib.&amp;quot;) (84, 3-5) Diese Geste wird in der Forschung als für eine adelige Dame höchst ungewöhnlich angesehen, da eine Solche in der Öffentlichkeit gewöhnlich Zurückhaltung zu üben hat. [Hartmann 2000: vgl.:S.197.] &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;quot;Der Erzähler kommentiert dieses spontane Zugreifen Herzeloydes in scheinbar entrüsteter Verwunderung, als er betont, daß es sich sogar um eine Jungfrau handle, die ihre erotische Gereiztheit so offen an den Tag legte.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 468.] Außerdem wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass Gahmuret in dieser Passage wiederholt als &amp;quot;Gast&amp;quot; bezeichtnet wird,  dies stellt ein Verweis auf seine Fremdheit und innere Zurückgezogenheit dar. [Lewis 1975: vgl.: S. 467.]&lt;br /&gt;
Im starken Gegensatz zur lichten, hell strahlenden Herzeloyde (Vgl.: 84, 13-15) steht allerdings Gahmuret, der von großer Traurigkeit befallen ist: (&amp;quot;wan daz grôze jâmer unters sluoc (wäre da bloß die Traurigkeit nicht gewesen:&amp;quot;) (84, 16). Sein Kummer erklärt sich einerseits aus den schlechten Nachrichten aus Anschouwe, die ihm über seine Verwandten gebracht worden sind, und andererseits von der Sehnsucht nach [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]], seiner Frau. Herzeloyde fordert nun ihr Recht an Gahmuret ein: &amp;quot;von herzen eine süeze bete ([...], eine süße Bitte kam ihr von Herzen:&amp;quot;)(86,30) Weil die Gesandten der Ampf1îse aber ebenfalls auf Gahmuret einreden und ihn für Ampflîse gewinnen wollen, sieht Herzeloyde keine andere Möglichkeit als ihr Recht vor Gericht einzufordern und bittet Gahmuret so lange zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gerichtsspruch==&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fordert Herzeloyde erneut die Ehe von Gahmuret ein (94, 2-4). Dieser wehrt sich jedoch dagegen und nennt seine Traurigkeit und seine Sehnsucht nach Belacane als Grund dafür (94, 5-10). Herzeloyde verlangt von Gahmuret, die &amp;quot;Mohrin zu lassen, wo sie ist&amp;quot; (94, 13f) und auch die Königin von Frankreich, der Gahmuret viel zu verdanken hat (94, 21-23), zu vergessen. Gahmuret weist darauf hin, dass kein Turnier stattgefunden habe, das er hätte gewinnen können (95, 14-16), doch das Gericht spricht Herzeloyde schließlich das Recht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Ehe mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
Bevor[[heiraten::Herzeloyde und Gahmuret| ]] Herzeloyde und Gahmuret heiraten, verlangt er von ihr, ihn zu Turnieren fahren zu lassen, wenn er dazu Lust verspüre. Andernfalls würde er den alten Trick anwenden und von ihr, wie von Belacane, fortlaufen: &amp;quot;sô kan ich noch den altel slich, als dô ich mînem wîbe entran (so weiß ich noch den alten Schlich von früher, als ich meiner Frau entlief.&amp;quot;) (96, 30f). Herzeloyde spricht ihm ein Turnier im Monat zu. (Vgl.: [[Âventiure und Ehe]]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungen bis zur Hochzeit erscheinen nicht nur für heutiges Verständnis seltsam, sondern waren wohl auch ein &amp;quot;grotesker Vorgang im Licht der höfischen Gesellschaftskonventionen&amp;quot; [Bumke 2004: S. 51.] &amp;lt;br /&amp;gt; Dennoch gibt sich Herzeloyde nach der Hochzeit alle Mühe Gahmuret glücklich zu machen, was ihr auch zu gelingen scheint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| juncfrouwen unt diu künegîn|| Adelige Mädchen und die Königin führten ihn dahin, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in fuorten dâ er freude vant|| wo er Freude fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und al sîn trûren gar verswant|| und wo seine Trauer ganz und gar vertilgt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| entschumphiert wart sîn riwe||In den Staib geworfen wurde da sein Leid,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sîn hôchgemüete al niwe||mit neuem Leben erhob sich seine kühne Seele:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz muose iedoch bî liebe sîn|| Die war nun geliebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(100, 8-14)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Hochzeit von Gahmuret und Herzeloyde stellt der [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzähler]] Gahmurets Verhalten und die Natur nebeneinander. Nach Herzeloydes Versprechungen, er werde eine glückliche Ehe mit ihr führen, folgt die Beschreibung der Natur, die grünt und blüht. (Vgl.: 96, 12-22) Die &amp;quot;süße Luft des Mai&amp;quot; (96, 19) lässt die Natur gedeihen und Gahmuret wird von Feen dazu gebracht Liebe zu spüren und Liebe zu suchen. &amp;quot;[T]rotzdem zeigt doch das Ineinander der Schilderung von innerer und äußerer Natur, daß Gahmuret der äußeren Natur vergleichbar ist, und daß er in seinem inneren Lebensrhytmus ähnlich unfrei ist wie diese. [Wiegand 1972: S. 266.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gahmurets Tod==&lt;br /&gt;
In den folgenden Monaten, in denen Gahmuret auf Turnierfahrten fährt, trägt er ein Seidenhemd der Herzeloyde als Zeichen auf seinem Schild, welches sie nach seiner Rückkehr immer wieder anzieht. Dieses Ritual dient als Zeichen für die eheliche Liebe. [Bumke 2004: vgl. S.50] Seine letzte Ritterfahrt unternimmt er zu [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Im_Dienst_des_B.C3.A2ruc_.2813.2C18_-_15.2C30.29|Bâruc]], seinem alten Herrn, um sich nochmals in seine Dienste zu stellen. Dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg, Gahmuret hilft ihm und kämpft an seiner Seite. Es ist umstritten, ob er im Rahmen dieser Fahrt zu [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]] zurückkehren wollte. Gahmuret wird in einer Schlacht von Ipomidôn getötet, weil sein Helm durch eine &amp;quot;heidnische List&amp;quot; (105,17) manipuliert wird.  Ein Ritter verwendet Bocksblut, um Gahmurets Helm weich wie einen Schwamm werden zu lassen. Bevor Herzeloyde von seinem Tod erfährt, hat sie bereits einen schrecklichen Traum. Dieser kann als prophetischer Traum bezeichnet werden, der die Folgen von Gahmurets Tod auf Herzeloyde selbst beleuchtet und ihren eigenen Tod bei Parzivals Aufbruch voraussieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Dem Traum der Herzeloyde wurde in der Forschung einige Aufmerksamkeit gewidmet. Interessante Ergebnisse liefert vor allem [Hatto 1968]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Tod ihres Mannes erwägt Herzeloyde sich ebenfalls zu töten, entscheidet sich aber stattdessen, ihren gemeinsamen Sohn, mit dem sie schwanger ist, zu retten. &amp;quot;Gahmurets Tod läßt Herzeloyde alle gesellschaftlichen Konventionen vergessen. Sie küßt ihren Busen und redet zu der Milch darin&amp;quot; [Bumke 2004: S. 52.] &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liebt das Kind abgöttisch und wirkt [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|mit ihrer Erziehung]] stark auf sein Verhalten ein. Nachdem ihr geliebter Mann Gahmuret sie verlassen hat, versucht sie mit allen Mitteln ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren. Als dieser sie jedoch auch zurücklässt, stirbt sie aus Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Verschwindens==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Büchern I und II des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erscheint immer wieder das Motiv des Verschwindens. Schon zu Beginn verlässt Gahmuret seine Mutter und seinen Bruder, um die Welt zu erkunden und sich einen Namen als ruhmreicher Ritter zu machen. Hier zeigt sich zum ersten, dass Gahmuret geliebte Menschen für sein ritterliches Dasein verlässt. [Dallapiazza 2009: vgl. S. 34.] Im weiteren Verlauf der Handlung verlässt er auch seine Ehefrau Belacane, um sich Abenteuern hinzugeben. Ein drittes Mal findet sich dieses Motiv, wie oben geschildert, beim Verlassen von Herzeloyde. Ähnlich wie bei seiner ersten Frau erlebt er die Geburt seines Sohnes nicht. Inwieweit Gahmuret den Konflikt zwischen seiner Abenteuerlust und der Fürsorge für geliebte Menschen lösen kann, wird an [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtext==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1975] Czerwinski, Peter: Die Schlacht- und Turnierdarstellungen in den deutschen höfischen Romanen des 12. und 13. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1975. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gibbs 1980] Gibbs, Marion E.: Ampflise im Parzival und im Titurel, in: Wolfram Studien 6 (1980), S. 48-53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hartmann 2000] Hartmann, Heiko: Gahmuret und Herzeloyde. Kommentar zum zweiten Buch des Parzival. Wolfram von Eschenbach, Band 1, Herne 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hatto 1968] Hatto, Arthur T.: Herzeloyde&#039;s Dragon Dream, in: German Life&amp;amp;Letters 22 (1968), S. 16-31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Lewis 1975] Lewis, Gertrude J.: Die unheilige Herzeloyde. Ein ikonoklastischer Versuch, in: JEGP 74 (1975), S. 465-485.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin, New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[ist vergleichbar mit:: Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12948</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12948"/>
		<updated>2012-07-25T11:52:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Hässlichkeit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt; Quellen und Nachweise für diese These finden sich bei [Wisbey 1975: S. 23f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das Erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12945</id>
		<title>Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12945"/>
		<updated>2012-07-25T11:50:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Die Ehe mit Herzeloyde */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Beziehung zu der Königin [[Eltern von::Parzival| ]][[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ist eine von zwei [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gahmurets]]. Im Folgenden wird die Beziehung genau am Text nachgewiesen, um dann als Grundlage für [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aussagen über Gahmurets Beziehungen]] allgemein und sein Verhalten in der Ehe zu dienen. [[sind Beispiel für:: Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[leben aus::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[sind Beispiel für::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Das Turnier in Kanvoleis==&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret  [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacâne]] zurückgelassen  hat, bestreitet er viele Kämpfe und kommt schließlich zu seinem Cousin  nach Spanien, mit dem er auf Ritterfahrt fährt. Sie reisen nach Wâleis,  wo die Königin Herzeloyde [[Kennenlernen bei:: Das Turnier von Kanvoleis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ein Turnier]]  veranstaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Turnieren in mittelalterlichen Romanen: [Czerwinski 1975].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist verwitwet, da ihr vorheriger Ehemann im Kampf ums Leben kam. Um einen König für ihre beiden Königreiche zu finden, hat sie sich selbst als Preis für den Sieger des Turniers ausgesetzt. &lt;br /&gt;
Zu dem Turnier sind die berühmtesten und heldenhaftesten Ritter geladen. Gahmuret zieht mit einer großen Schar, Lärm und [[Die_höfische_Pracht_im Parzival_(Wolfram_von Eschenbach,_Parzival)|Pracht]] in die Stadt ein: (&amp;quot;höfslîchen durch die stat, der helt begunde trecken, die slâfenden wecken. (Mit Pracht hielt da der Held seinen Einzug in die Stadt und weckte alle, die noch schliefen.&amp;quot;) (62,27-30) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon im Vorfeld des Turniers spricht man von ihm als großem Kämpfer und so kommt auch Herzeloyde zu Ohren, welch heldenhafter und tapferer Ritter an ihrem Turnier teilnehmen wird. Sie ist von Anfang an neugierig auf diesen edlen Mann und kann es nicht erwarten, ihn zu sehen: &amp;quot;wê wanne kumt er et selbe drîn? (Doch ach, wann kommt er selber denn herein?&amp;quot;) (62, 26) Als Gahrmuret und Herzeloyde sich dann das erste Mal begegnen, ist es vor allem der Ritter, der von dieser Situation gebannt ist: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dem liehten schîne, ||  || Angesichts des hellen Glanzes,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der von der künegîn erschein, ||  || der von der Königin ausging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| derzuct im neben sich sîn bein: ||  || schlug es ihm das Bein herab - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf rihte sich der degen wert, ||  || hochgereckt der edle Held&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vederspil, daz gert. ||  || wie ein Falke, beutegierig! &lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(64, 4-8)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zuvor noch mit vornehmer Lässigkeit auf dem Sattel liegende Bein &amp;quot;zuckt in die Reiterhaltung zurück. [..] Der bloße Anblick einer Frau fährt ihm in die Glieder&amp;quot;.[Wiegand 1972: vgl. S. 261]Diese unkontrollierte Geste macht Gahmurets innere Anspannung deutlich, da plötzlich nicht nur &amp;quot;strit&amp;quot;, sondern auch &amp;quot;wibes gruoz&amp;quot; und eventuell &amp;quot;minne&amp;quot; in Aussicht sind.[Wiegand 1972: S. 262]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Turnierteilnehmer sind nach [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaft]] aufgeteilt. Es kämpfen zwei große Parteien gegeneinander (zur detaillierten Beschreibung der Turnierteilnehmer vergleiche [Bumke 2004: S. 49f.]). Bevor das Turnier jedoch beginnt, treten einige Ritter in Vorkämpfen gegeneinander an. Gahmuret, der ebenfalls an den Vorübungen teilnimmt, besiegt alle, die gegen ihn antreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Liebesbrief der Ampflîse===&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret die ersten Kämpfe beendet hat, reitet er zu seinem Zelt zurück. Dort wird er von Boten der Königin Ampflîse empfangen und bekommt einen Brief ausgehändigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine interessante Abhandlung zu Amflîse findet sich bei [Gibbs 1980: S. 48-53] und auch der zwar kurze, aber dennoch lesenwerte Beitrag von [Naumann 1938: S. 138] lohnt sich. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Königin Frankreichs hat sich in Gahmuret verliebt und bietet ihm ihre Hand und ihr Land an. (&amp;quot;Kum wider, und nim von mîner hant, krône, zepter unde ein lant. daz ist mich an erstorben: daz hât dîn minne erworben&amp;quot; (77, 1-3)) Dafür schenkt sie ihm Truhen voller Kostbarkeiten. Ampflîse ist für Gahmuret keine Unbekannte, da beide zusammen am französischen Hof erzogen wurden (94, 24-25]. Nachdem der Ritter erkennt, von wem der Brief stammt, verbeugt er sich (76, 21), was die Hochachtung deutlich macht, die er vor der französischen Königin empfindet.[Wiegand 1972: vgl. S. 263] Die Konkurrenzsituation zur Königin Herzloyde spricht sie offen an:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine ruoche obez diu künigin siht: || Mag die Königen dort es ruhig sehen, was kümmert&#039;s mich?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez mac mir vil geschaden niht. || Es kann mir nicht viel schaden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin schœner unde rîcher|| Ich bin schöner als sie und mächtiger&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde kan och minneclîcher || und liebenswerter, und ich weiß besser als sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minne enphân und minne gebn || Liebe zu empfangen und Liebe zu geben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiltu nâch werder minne lebn|| Wenn du nach wirklich edler Liebe leben willst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô hab dir mîne krône || so gehört dir meine Krone,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch minne ze lône || sie soll der Lohn der Liebe sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(77, 11-18)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret während der ersten Kämpfe lustlos zu Werke gegangen ist, ist er nach dem Erhalt des Briefes wieder Minneritter: &amp;quot;er wolt sich arbeiten (Er wollte sich nun tummeln&amp;quot;) (77, 25).[Wiegand 1972: vgl. S. 264.] Tiefe Zuneigung zu Ampflîse hat seine Kräfte gestärkt, bereits im Vorturnier werden die meisten Ritter besiegt. Daher wird das geplante Turnier abgesagt und Herzeloyde erklärt Gahmuret zum Sieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Liebesforderung der Herzeloyde===&lt;br /&gt;
Nachdem Herzeloyde die Vorkämpfe für beendet erklärt hat, reitet sie zu Gahmurets Zelt, um ihn kennenzulernen. Schon im Vorfeld kann sie es kaum erwarten ihm zu begegnen und ergreift, als er keine Anstalten macht zu ihr zu kommen, selbst die Initiative. &amp;quot;Seitdem sie zuerst von Gahmuret gehört hat, interessiert sich Herzeloyde ausschließlich für ihn.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 467.] Als Herzeloyde und Gahmuret sich hinsetzen, ist sie sofort &amp;quot;gefangen von seiner Liebe&amp;quot; (84, 1), nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu sich heran: &amp;quot;er saz für sie sô nâhe nidr, daz sin begreif und zôch in widr, anderhalb vast an ir lîp. (Er setzte sich so nahe vor ihr nieder, daß sie ihn zu sich her zog ganz eng an ihren Leib.&amp;quot;) (84, 3-5) Diese Geste wird in der Forschung als für eine adelige Dame höchst ungewöhnlich angesehen, da eine Solche in der Öffentlichkeit gewöhnlich Zurückhaltung zu üben hat. [Hartmann 2000: vgl.:S.197.] &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;quot;Der Erzähler kommentiert dieses spontane Zugreifen Herzeloydes in scheinbar entrüsteter Verwunderung, als er betont, daß es sich sogar um eine Jungfrau handle, die ihre erotische Gereiztheit so offen an den Tag legte.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 468.] Außerdem wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass Gahmuret in dieser Passage wiederholt als &amp;quot;Gast&amp;quot; bezeichtnet wird,  dies stellt ein Verweis auf seine Fremdheit und innere Zurückgezogenheit dar. [Lewis 1975: vgl.: S. 467.]&lt;br /&gt;
Im starken Gegensatz zur lichten, hell strahlenden Herzeloyde (Vgl.: 84, 13-15) steht allerdings Gahmuret, der von großer Traurigkeit befallen ist: (&amp;quot;wan daz grôze jâmer unters sluoc (wäre da bloß die Traurigkeit nicht gewesen:&amp;quot;) (84, 16). Sein Kummer erklärt sich einerseits aus den schlechten Nachrichten aus Anschouwe, die ihm über seine Verwandten gebracht worden sind, und andererseits von der Sehnsucht nach [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]], seiner Frau. Herzeloyde fordert nun ihr Recht an Gahmuret ein: &amp;quot;von herzen eine süeze bete ([...], eine süße Bitte kam ihr von Herzen:&amp;quot;)(86,30) Weil die Gesandten der Ampf1îse aber ebenfalls auf Gahmuret einreden und ihn für Ampflîse gewinnen wollen, sieht Herzeloyde keine andere Möglichkeit als ihr Recht vor Gericht einzufordern und bittet Gahmuret so lange zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gerichtsspruch==&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fordert Herzeloyde erneut die Ehe von Gahmuret ein (94, 2-4). Dieser wehrt sich jedoch dagegen und nennt seine Traurigkeit und seine Sehnsucht nach Belacane als Grund dafür (94, 5-10). Herzeloyde verlangt von Gahmuret, die &amp;quot;Mohrin zu lassen, wo sie ist&amp;quot; (94, 13f) und auch die Königin von Frankreich, der Gahmuret viel zu verdanken hat (94, 21-23), zu vergessen. Gahmuret weist darauf hin, dass kein Turnier stattgefunden habe, das er hätte gewinnen können (95, 14-16), doch das Gericht spricht Herzeloyde schließlich das Recht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Ehe mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
Bevor[[heiraten::Herzeloyde und Gahmuret| ]] Herzeloyde und Gahmuret heiraten, verlangt er von ihr, ihn zu Turnieren fahren zu lassen, wenn er dazu Lust verspüre. Andernfalls würde er den alten Trick anwenden und von ihr, wie von Belacane, fortlaufen: &amp;quot;sô kan ich noch den altel slich, als dô ich mînem wîbe entran (so weiß ich noch den alten Schlich von früher, als ich meiner Frau entlief.&amp;quot;) (96, 30f). Herzeloyde spricht ihm ein Turnier im Monat zu. (Vgl.: [[Âventiure und Ehe]]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungen bis zur Hochzeit erscheinen nicht nur für heutiges Verständnis seltsam, sondern waren wohl auch ein &amp;quot;grotesker Vorgang im Licht der höfischen Gesellschaftskonventionen&amp;quot; [Bumke 2004: S. 51.] &amp;lt;br /&amp;gt; Dennoch gibt sich Herzeloyde nach der Hochzeit alle Mühe Gahmuret glücklich zu machen, was ihr auch zu gelingen scheint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| juncfrouwen unt diu künegîn|| Adelige Mädchen und die Königin führten ihn dahin, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in fuorten dâ er freude vant|| wo er Freude fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und al sîn trûren gar verswant|| und wo seine Trauer ganz und gar vertilgt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| entschumphiert wart sîn riwe||In den Staib geworfen wurde da sein Leid,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sîn hôchgemüete al niwe||mit neuem Leben erhob sich seine kühne Seele:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz muose iedoch bî liebe sîn|| Die war nun geliebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(100, 8-14)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Hochzeit von Gahmuret und Herzeloyde stellt der [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzähler]] Gahmurets Verhalten und die Natur nebeneinander. Nach Herzeloydes Versprechungen, er werde eine glückliche Ehe mit ihr führen, folgt die Beschreibung der Natur, die grünt und blüht. (Vgl.: 96, 12-22) Die &amp;quot;süße Luft des Mai&amp;quot; (96, 19) lässt die Natur gedeihen und Gahmuret wird von Feen dazu gebracht Liebe zu spüren und Liebe zu suchen. &amp;quot;[T]rotzdem zeigt doch das Ineinander der Schilderung von innerer und äußerer Natur, daß Gahmuret der äußeren Natur vergleichbar ist, und daß er in seinem inneren Lebensrhytmus ähnlich unfrei ist wie diese. [Wiegand 1972: S. 266.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gahmurets Tod==&lt;br /&gt;
In den folgenden Monaten, in denen Gahmuret auf Turnierfahrten fährt, trägt er ein Seidenhemd der Herzeloyde als Zeichen auf seinem Schild, welches sie nach seiner Rückkehr immer wieder anzieht. Dieses Ritual dient als Zeichen für die eheliche Liebe. [Bumke 2004: vgl. S.50] Seine letzte Ritterfahrt unternimmt er zum [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Im_Dienst_des_B.C3.A2ruc_.2813.2C18_-_15.2C30.29|Bâruc]], seinem alten Herrn, um sich nochmals in seine Dienste zu stellen. Dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg und Gahmuret hilft ihm und kämpft an seiner Seite. Es ist umstritten, ob er im Rahmen dieser Fahrt zu [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]] zurückkehren wollte. Gahmuret wird in einer Schlacht von Ipomidôn getötet. Dies jedoch nur, weil sein Helm durch eine &amp;quot;heidnische List&amp;quot; (105,17) manipuliert wird.  Ein Ritter nimmt Bocksblut, gießt es in ein Glas und schlägt es auf dem  Helm des Gahmuret entzwei. Dieser wird daraufhin weich wie ein Schwamm. Bevor Herzeloyde von seinem Tod erfährt, hat sie bereits einen schrecklichen Traum. Dieser kann als prophetischer Traum bezeichnet werden, der die Folgen von Gahmurets Tod auf Herzeloyde selbst beleuchtet und ihren eigenen Tod bei Parzivals Aufbruch voraussieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Dem Traum der Herzeloyde wurde in der Forschung einige Aufmerksamkeit gewidmet. Interessante Ergebnisse liefert vor allem [Hatto 1968]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Tod ihres Mannes erwägt Herzeloyde sich ebenfalls zu töten, entscheidet sich aber stattdessen, ihren gemeinsamen Sohn, mit dem sie schwanger ist, zu retten. &amp;quot;Gahmurets Tod läßt Herzeloyde alle gesellschaftlichen Konventionen vergessen. Sie küßt ihren Busen und redet zu der Milch darin&amp;quot; [Bumke 2004: S. 52.] &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liebt das Kind abgöttisch und wirkt [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|mit ihrer Erziehung]] stark auf sein Verhalten ein. Nachdem ihr geliebter Mann Gahmuret sie verlassen hat, versucht sie mit allen Mitteln ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren. Als dieser sie jedoch auch zurücklässt, stirbt sie aus Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Verschwindens==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Büchern I und II des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erscheint immer wieder das Motiv des Verschwindens. Schon zu Beginn verlässt Gahmuret seine Mutter und seinen Bruder, um die Welt zu erkunden und sich einen Namen als ruhmreicher Ritter zu machen. Hier zeigt sich zum ersten, dass Gahmuret geliebte Menschen für sein ritterliches Dasein verlässt. [Dallapiazza 2009: vgl. S. 34.] Im weiteren Verlauf der Handlung verlässt er auch seine Ehefrau Belacane, um sich Abenteuern hinzugeben. Ein drittes Mal findet sich dieses Motiv, wie oben geschildert, beim Verlassen von Herzeloyde. Ähnlich wie bei seiner ersten Frau erlebt er die Geburt seines Sohnes nicht. Inwieweit Gahmuret den Konflikt zwischen seiner Abenteuerlust und der Fürsorge für geliebte Menschen lösen kann, wird an [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtext==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1975] Czerwinski, Peter: Die Schlacht- und Turnierdarstellungen in den deutschen höfischen Romanen des 12. und 13. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1975. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gibbs 1980] Gibbs, Marion E.: Ampflise im Parzival und im Titurel, in: Wolfram Studien 6 (1980), S. 48-53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hartmann 2000] Hartmann, Heiko: Gahmuret und Herzeloyde. Kommentar zum zweiten Buch des Parzival. Wolfram von Eschenbach, Band 1, Herne 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hatto 1968] Hatto, Arthur T.: Herzeloyde&#039;s Dragon Dream, in: German Life&amp;amp;Letters 22 (1968), S. 16-31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Lewis 1975] Lewis, Gertrude J.: Die unheilige Herzeloyde. Ein ikonoklastischer Versuch, in: JEGP 74 (1975), S. 465-485.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin, New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[ist vergleichbar mit:: Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12944</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12944"/>
		<updated>2012-07-25T11:50:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Auswertungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. &amp;lt;ref&amp;gt;Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane: [Noltze 1995: vgl.: S.109-119.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat, und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seinem Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden, der zwar wegen der [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Verzauberung durch Feen]] durchaus Liebe verspürt, doch diese eher aus dem Zwang heraus entsteht, als aus wirklichen Gefühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während teilweise die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[enden durch:: Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12939</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12939"/>
		<updated>2012-07-25T11:48:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Beginn der Beziehungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. &amp;lt;ref&amp;gt;Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane: [Noltze 1995: vgl.: S.109-119.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat, und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seinem Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden, der zwar wegen der [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Verzauberung durch Feen]] durchaus Liebe verspürt, doch diese eher aus dem Zwang heraus entsteht, als aus wirklichen Gefühlen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung ebenfalls eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[enden durch:: Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12932</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12932"/>
		<updated>2012-07-25T11:44:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Auswertungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S. 179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um die erste Ansprache an Frau Minne in die [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]] einzubetten, muss die [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustan verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006]. &amp;lt;/ref&amp;gt;) Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant, wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt; Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11) Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen. Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen. Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert, andererseits scheinen die erhobenen Vorwürfe eher im Widerspruch zur Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der Blutstropden-Episode wird Parzival von der Minne nicht zu sündhaften Begierden verführt, sondern er erlebt die Liebe als eine beseligende Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als positive Eigenschaft wird die Verbindung zwischen frou Minne und frou Liebe genannt. Letztere wurde unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2006].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude, der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...] [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe verloren, weil er stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich seiner Not nie erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen. Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34- 63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin, dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt. In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu den Menschen und verursachen viel [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006: S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot; (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967: S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage. Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird, obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist: Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin. [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
[[Datei:Der_verletzte_Gawan_auf_schastel_marveile.jpg|thumb|230px|Gawan ist nach dem Kampf auf Schastel marveile verletzt und wird von den Königinnen gepflegt.]]&lt;br /&gt;
Der dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen Eigenschaften der Liebe. An Gawan [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]] wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat. Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in der Vergangenheit viele Opfer in Gawans [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje| bedingungslosen Liebe]] der [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar: &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihr Einwirken von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt es auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach der Funktion der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] So könnte sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stand auch die Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung steht hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch uneinig, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und auch der Erzähler bemüht sich um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache, Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm, mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130, zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]][[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12926</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T11:39:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. &amp;lt;ref&amp;gt;Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane: [Noltze 1995: vgl.: S.109-119.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat, und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seinem Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden.&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung ebenfalls eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[enden durch:: Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12903</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T11:18:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S. 179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um die erste Ansprache an Frau Minne in die [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]] einzubetten, muss die [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustan verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006]. &amp;lt;/ref&amp;gt;) Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant, wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt; Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11) Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen. Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen. Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert, andererseits scheinen die erhobenen Vorwürfe eher im Widerspruch zur Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der Blutstropden-Episode wird Parzival von der Minne nicht zu sündhaften Begierden verführt, sondern er erlebt die Liebe als eine beseligende Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als positive Eigenschaft wird die Verbindung zwischen frou Minne und frou Liebe genannt. Letztere wurde unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2006].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude, der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...] [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe verloren, weil er stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich seiner Not nie erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen. Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34- 63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin, dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt. In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu den Menschen und verursachen viel [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006: S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot; (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967: S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage. Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird, obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist: Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin. [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen Eigenschaften der Liebe. An Gawan [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]] wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat. Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in der Vergangenheit viele Opfer in Gawans [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje| bedingungslosen Liebe]] der [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm, mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130, zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]][[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12894</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12894"/>
		<updated>2012-07-25T11:13:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Der dritte Exkurs (585-587) */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006]. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2006].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl.,  Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12890</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12890"/>
		<updated>2012-07-25T11:09:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Vater von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. (Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane vergleiche: [Noltze 1995: S.109-119.]) Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seiner Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden.&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung ebenfalls eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[enden durch:: Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12886</id>
		<title>Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12886"/>
		<updated>2012-07-25T11:07:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Beziehung zu der Königin [[Eltern von::Parzival| ]][[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ist eine von zwei [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gahmurets]]. Im Folgenden wird die Beziehung genau am Text nachgewiesen, um dann als Grundlage für [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aussagen über Gahmurets Beziehungen]] allgemein und sein Verhalten in der Ehe zu dienen. [[sind Beispiel für:: Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[leben aus::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[sind Beispiel für::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Das Turnier in Kanvoleis==&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret  [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacâne]] zurückgelassen  hat, bestreitet er viele Kämpfe und kommt schließlich zu seinem Cousin  nach Spanien, mit dem er auf Ritterfahrt fährt. Sie reisen nach Wâleis,  wo die Königin Herzeloyde [[Kennenlernen bei:: Das Turnier von Kanvoleis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ein Turnier]]  veranstaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Turnieren in mittelalterlichen Romanen: [Czerwinski 1975].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist verwitwet, da ihr vorheriger Ehemann im Kampf ums Leben kam. Um einen König für ihre beiden Königreiche zu finden, hat sie sich selbst als Preis für den Sieger des Turniers ausgesetzt. &lt;br /&gt;
Zu dem Turnier sind die berühmtesten und heldenhaftesten Ritter geladen. Gahmuret zieht mit einer großen Schar, Lärm und [[Die_höfische_Pracht_im Parzival_(Wolfram_von Eschenbach,_Parzival)|Pracht]] in die Stadt ein: (&amp;quot;höfslîchen durch die stat, der helt begunde trecken, die slâfenden wecken. (Mit Pracht hielt da der Held seinen Einzug in die Stadt und weckte alle, die noch schliefen.&amp;quot;) (62,27-30) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon im Vorfeld des Turniers spricht man von ihm als großem Kämpfer und so kommt auch Herzeloyde zu Ohren, welch heldenhafter und tapferer Ritter an ihrem Turnier teilnehmen wird. Sie ist von Anfang an neugierig auf diesen edlen Mann und kann es nicht erwarten, ihn zu sehen: &amp;quot;wê wanne kumt er et selbe drîn? (Doch ach, wann kommt er selber denn herein?&amp;quot;) (62, 26) Als Gahrmuret und Herzeloyde sich dann das erste Mal begegnen, ist es vor allem der Ritter, der von dieser Situation gebannt ist: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dem liehten schîne, ||  || Angesichts des hellen Glanzes,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der von der künegîn erschein, ||  || der von der Königin ausging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| derzuct im neben sich sîn bein: ||  || schlug es ihm das Bein herab - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf rihte sich der degen wert, ||  || hochgereckt der edle Held&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vederspil, daz gert. ||  || wie ein Falke, beutegierig! &lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(64, 4-8)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zuvor noch mit vornehmer Lässigkeit auf dem Sattel liegende Bein &amp;quot;zuckt in die Reiterhaltung zurück. [..] Der bloße Anblick einer Frau fährt ihm in die Glieder&amp;quot;.[Wiegand 1972: vgl. S. 261]Diese unkontrollierte Geste macht Gahmurets innere Anspannung deutlich, da plötzlich nicht nur &amp;quot;strit&amp;quot;, sondern auch &amp;quot;wibes gruoz&amp;quot; und eventuell &amp;quot;minne&amp;quot; in Aussicht sind.[Wiegand 1972: S. 262]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Turnierteilnehmer sind nach [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaft]] aufgeteilt. Es kämpfen zwei große Parteien gegeneinander (zur detaillierten Beschreibung der Turnierteilnehmer vergleiche [Bumke 2004: S. 49f.]). Bevor das Turnier jedoch beginnt, treten einige Ritter in Vorkämpfen gegeneinander an. Gahmuret, der ebenfalls an den Vorübungen teilnimmt, besiegt alle, die gegen ihn antreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Liebesbrief der Ampflîse===&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret die ersten Kämpfe beendet hat, reitet er zu seinem Zelt zurück. Dort wird er von Boten der Königin Ampflîse empfangen und bekommt einen Brief ausgehändigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine interessante Abhandlung zu Amflîse findet sich bei [Gibbs 1980: S. 48-53] und auch der zwar kurze, aber dennoch lesenwerte Beitrag von [Naumann 1938: S. 138] lohnt sich. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Königin Frankreichs hat sich in Gahmuret verliebt und bietet ihm ihre Hand und ihr Land an. (&amp;quot;Kum wider, und nim von mîner hant, krône, zepter unde ein lant. daz ist mich an erstorben: daz hât dîn minne erworben&amp;quot; (77, 1-3)) Dafür schenkt sie ihm Truhen voller Kostbarkeiten. Ampflîse ist für Gahmuret keine Unbekannte, da beide zusammen am französischen Hof erzogen wurden (94, 24-25]. Nachdem der Ritter erkennt, von wem der Brief stammt, verbeugt er sich (76, 21), was die Hochachtung deutlich macht, die er vor der französischen Königin empfindet.[Wiegand 1972: vgl. S. 263] Die Konkurrenzsituation zur Königin Herzloyde spricht sie offen an:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine ruoche obez diu künigin siht: || Mag die Königen dort es ruhig sehen, was kümmert&#039;s mich?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez mac mir vil geschaden niht. || Es kann mir nicht viel schaden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin schœner unde rîcher|| Ich bin schöner als sie und mächtiger&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde kan och minneclîcher || und liebenswerter, und ich weiß besser als sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minne enphân und minne gebn || Liebe zu empfangen und Liebe zu geben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiltu nâch werder minne lebn|| Wenn du nach wirklich edler Liebe leben willst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô hab dir mîne krône || so gehört dir meine Krone,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch minne ze lône || sie soll der Lohn der Liebe sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(77, 11-18)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret während der ersten Kämpfe lustlos zu Werke gegangen ist, ist er nach dem Erhalt des Briefes wieder Minneritter: &amp;quot;er wolt sich arbeiten (Er wollte sich nun tummeln&amp;quot;) (77, 25).[Wiegand 1972: vgl. S. 264.] Tiefe Zuneigung zu Ampflîse hat seine Kräfte gestärkt, bereits im Vorturnier werden die meisten Ritter besiegt. Daher wird das geplante Turnier abgesagt und Herzeloyde erklärt Gahmuret zum Sieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Liebesforderung der Herzeloyde===&lt;br /&gt;
Nachdem Herzeloyde die Vorkämpfe für beendet erklärt hat, reitet sie zu Gahmurets Zelt, um ihn kennenzulernen. Schon im Vorfeld kann sie es kaum erwarten ihm zu begegnen und ergreift, als er keine Anstalten macht zu ihr zu kommen, selbst die Initiative. &amp;quot;Seitdem sie zuerst von Gahmuret gehört hat, interessiert sich Herzeloyde ausschließlich für ihn.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 467.] Als Herzeloyde und Gahmuret sich hinsetzen, ist sie sofort &amp;quot;gefangen von seiner Liebe&amp;quot; (84, 1), nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu sich heran: &amp;quot;er saz für sie sô nâhe nidr, daz sin begreif und zôch in widr, anderhalb vast an ir lîp. (Er setzte sich so nahe vor ihr nieder, daß sie ihn zu sich her zog ganz eng an ihren Leib.&amp;quot;) (84, 3-5) Diese Geste wird in der Forschung als für eine adelige Dame höchst ungewöhnlich angesehen, da eine Solche in der Öffentlichkeit gewöhnlich Zurückhaltung zu üben hat. [Hartmann 2000: vgl.:S.197.] &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;quot;Der Erzähler kommentiert dieses spontane Zugreifen Herzeloydes in scheinbar entrüsteter Verwunderung, als er betont, daß es sich sogar um eine Jungfrau handle, die ihre erotische Gereiztheit so offen an den Tag legte.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 468.] Außerdem wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass Gahmuret in dieser Passage wiederholt als &amp;quot;Gast&amp;quot; bezeichtnet wird,  dies stellt ein Verweis auf seine Fremdheit und innere Zurückgezogenheit dar. [Lewis 1975: vgl.: S. 467.]&lt;br /&gt;
Im starken Gegensatz zur lichten, hell strahlenden Herzeloyde (Vgl.: 84, 13-15) steht allerdings Gahmuret, der von großer Traurigkeit befallen ist: (&amp;quot;wan daz grôze jâmer unters sluoc (wäre da bloß die Traurigkeit nicht gewesen:&amp;quot;) (84, 16). Sein Kummer erklärt sich einerseits aus den schlechten Nachrichten aus Anschouwe, die ihm über seine Verwandten gebracht worden sind, und andererseits von der Sehnsucht nach [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]], seiner Frau. Herzeloyde fordert nun ihr Recht an Gahmuret ein: &amp;quot;von herzen eine süeze bete ([...], eine süße Bitte kam ihr von Herzen:&amp;quot;)(86,30) Weil die Gesandten der Ampf1îse aber ebenfalls auf Gahmuret einreden und ihn für Ampflîse gewinnen wollen, sieht Herzeloyde keine andere Möglichkeit als ihr Recht vor Gericht einzufordern und bittet Gahmuret so lange zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gerichtsspruch==&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fordert Herzeloyde erneut die Ehe von Gahmuret ein (94, 2-4). Dieser wehrt sich jedoch dagegen und nennt seine Traurigkeit und seine Sehnsucht nach Belacane als Grund dafür (94, 5-10). Herzeloyde verlangt von Gahmuret, die &amp;quot;Mohrin zu lassen, wo sie ist&amp;quot; (94, 13f) und auch die Königin von Frankreich, der Gahmuret viel zu verdanken hat (94, 21-23), zu vergessen. Gahmuret weist darauf hin, dass kein Turnier stattgefunden habe, das er hätte gewinnen können (95, 14-16), doch das Gericht spricht Herzeloyde schließlich das Recht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Ehe mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
Bevor[[heiraten::Herzeloyde und Gahmuret| ]] Herzeloyde und Gahmuret heiraten, verlangt er von ihr, ihn zu Turnieren fahren zu lassen, wenn er dazu Lust verspüre. Andernfalls würde er den alten Trick anwenden und von ihr, wie von Belacane, fortlaufen: &amp;quot;sô kan ich noch den altel slich, als dô ich mînem wîbe entran (so weiß ich noch den alten Schlich von früher, als ich meiner Frau entlief.&amp;quot;) (96, 30f). Herzeloyde spricht ihm ein Turnier im Monat zu. (Vgl.: [[Âventiure und Ehe]]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungen bis zur Hochzeit erscheinen nicht nur für heutiges Verständnis seltsam, sondern waren wohl auch ein &amp;quot;grotesker Vorgang im Licht der höfischen Gesellschaftskonventionen&amp;quot; [Bumke 2004: S. 51.] &amp;lt;br /&amp;gt; Dennoch gibt sich Herzeloyde nach der Hochzeit alle Mühe Gahmuret glücklich zu machen, was ihr auch zu gelingen scheint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| juncfrouwen unt diu künegîn|| Adelige Mädchen und die Königin führten ihn dahin, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in fuorten dâ er freude vant|| wo er Freude fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und al sîn trûren gar verswant|| und wo seine Trauer ganz und gar vertilgt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| entschumphiert wart sîn riwe||In den Staib geworfen wurde da sein Leid,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sîn hôchgemüete al niwe||mit neuem Leben erhob sich seine kühne Seele:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz muose iedoch bî liebe sîn|| Die war nun geliebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(100, 8-14)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Hochzeit von Gahmuret und Herzeloyde, werden Gahmurets Verhalten und die Natur nebeneinander gestellt. Nach Herzeloydes Versprechungen, er werde eine glückliche Ehe mit ihr führen, folgt die Beschreibung der Natur, die grünt und blüht. (Vgl.: 96, 12-22) Die &amp;quot;süße Luft des Mai&amp;quot; (96, 19) lässt die Natur gedeihen und Gahmuret wird von Feen dazu gebracht Liebe zu spüren und Liebe zu suchen. &amp;quot;[T]rotzdem zeigt doch das Ineinander der Schilderung von innerer und äußerer Natur, daß Gahmuret der äußeren Natur vergleichbar ist, und daß er in seinem inneren Lebensrhytmus ähnlich unfreu ist wie diese. [Wiegand 1972: S. 266.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gahmurets Tod==&lt;br /&gt;
In den folgenden Monaten, in denen Gahmuret auf Turnierfahrten fährt, trägt er ein Seidenhemd der Herzeloyde als Zeichen auf seinem Schild, welches sie nach seiner Rückkehr immer wieder anzieht. Dieses Ritual dient als Zeichen für die eheliche Liebe. [Bumke 2004: vgl. S.50] Seine letzte Ritterfahrt unternimmt er zum [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Im_Dienst_des_B.C3.A2ruc_.2813.2C18_-_15.2C30.29|Bâruc]], seinem alten Herrn, um sich nochmals in seine Dienste zu stellen. Dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg und Gahmuret hilft ihm und kämpft an seiner Seite. Es ist umstritten, ob er im Rahmen dieser Fahrt zu [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]] zurückkehren wollte. Gahmuret wird in einer Schlacht von Ipomidôn getötet. Dies jedoch nur, weil sein Helm durch eine &amp;quot;heidnische List&amp;quot; (105,17) manipuliert wird.  Ein Ritter nimmt Bocksblut, gießt es in ein Glas und schlägt es auf dem  Helm des Gahmuret entzwei. Dieser wird daraufhin weich wie ein Schwamm. Bevor Herzeloyde von seinem Tod erfährt, hat sie bereits einen schrecklichen Traum. Dieser kann als prophetischer Traum bezeichnet werden, der die Folgen von Gahmurets Tod auf Herzeloyde selbst beleuchtet und ihren eigenen Tod bei Parzivals Aufbruch voraussieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Dem Traum der Herzeloyde wurde in der Forschung einige Aufmerksamkeit gewidmet. Interessante Ergebnisse liefert vor allem [Hatto 1968]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Tod ihres Mannes erwägt Herzeloyde sich ebenfalls zu töten, entscheidet sich aber stattdessen, ihren gemeinsamen Sohn, mit dem sie schwanger ist, zu retten. &amp;quot;Gahmurets Tod läßt Herzeloyde alle gesellschaftlichen Konventionen vergessen. Sie küßt ihren Busen und redet zu der Milch darin&amp;quot; [Bumke 2004: S. 52.] &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liebt das Kind abgöttisch und wirkt [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|mit ihrer Erziehung]] stark auf sein Verhalten ein. Nachdem ihr geliebter Mann Gahmuret sie verlassen hat, versucht sie mit allen Mitteln ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren. Als dieser sie jedoch auch zurücklässt, stirbt sie aus Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Verschwindens==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Büchern I und II des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erscheint immer wieder das Motiv des Verschwindens. Schon zu Beginn verlässt Gahmuret seine Mutter und seinen Bruder, um die Welt zu erkunden und sich einen Namen als ruhmreicher Ritter zu machen. Hier zeigt sich zum ersten, dass Gahmuret geliebte Menschen für sein ritterliches Dasein verlässt. [Dallapiazza 2009: vgl. S. 34.] Im weiteren Verlauf der Handlung verlässt er auch seine Ehefrau Belacane, um sich Abenteuern hinzugeben. Ein drittes Mal findet sich dieses Motiv, wie oben geschildert, beim Verlassen von Herzeloyde. Ähnlich wie bei seiner ersten Frau erlebt er die Geburt seines Sohnes nicht. Inwieweit Gahmuret den Konflikt zwischen seiner Abenteuerlust und der Fürsorge für geliebte Menschen lösen kann, wird an [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtext==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1975] Czerwinski, Peter: Die Schlacht- und Turnierdarstellungen in den deutschen höfischen Romanen des 12. und 13. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1975. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gibbs 1980] Gibbs, Marion E.: Ampflise im Parzival und im Titurel, in: Wolfram Studien 6 (1980), S. 48-53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hartmann 2000] Hartmann, Heiko: Gahmuret und Herzeloyde. Kommentar zum zweiten Buch des Parzival. Wolfram von Eschenbach, Band 1, Herne 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hatto 1968] Hatto, Arthur T.: Herzeloyde&#039;s Dragon Dream, in: German Life&amp;amp;Letters 22 (1968), S. 16-31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Lewis 1975] Lewis, Gertrude J.: Die unheilige Herzeloyde. Ein ikonoklastischer Versuch, in: JEGP 74 (1975), S. 465-485.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin, New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[ist vergleichbar mit:: Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12885</id>
		<title>Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12885"/>
		<updated>2012-07-25T11:06:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Parzival zum ersten Mal an den Artushof kommt, geschieht ein Ereignis, das zwar lediglich in einer kurzen Passage des Romans beschrieben wird, dadurch aber nicht an Bedeutung verliert. Das Gelächter der Cunnewâre beeinflusst[[lacht über:: Parzival| ]][[beeinflusst:: hat Auswirkungen auf::Parzivals Handeln als Ritter| ]] Parzivals Handeln als Ritter. Im Folgenden sollen die Stellen analysiert werden, an denen Parzival und Cunnewâre einander begegnen und es soll genauer auf die Bedeutung des Gelächters der Cunnewâre für den Roman eingegangen werden.&lt;br /&gt;
=Handlungsverlauf=&lt;br /&gt;
Im Verlauf der Handlung begegnen sich Parzival und Cunnewâre zwei Mal. Die Zeit zwischen den beiden Treffen wird überbrückt, indem Parzival immer wieder von ihm besiegte Ritter zu Cunnewâre schickt, um seine Schuld zu begleichen.&lt;br /&gt;
==Parzivals Ankunft am Artushof (145-151)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Schon kurz nachdem Parzival seine [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] verlassen hat, reitet er zum Artushof. Sein Aussehen und auch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] entsprechen in keiner Weise den Ansprüchen und den Konventionen der Zeit. Am Artushof herrschen ebenfalls ungewöhnliche Zustände; wegen der Taten des roten Ritters [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] ist die Gesellschaft in heller Aufregung. (Zu den Umständen am Artushof bei Parzivals Ankunft: [Bumke 2004: vgl.:S. 59.]). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Gelächter der Cunnewâre (151, 19)==&lt;br /&gt;
Als Parzival sich aufmacht, um gegen [[kämpft gegen::Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zu kämpfen und an den Fenstern der Burg vorbeireitet, wird er von dem Hofstaat, unter anderen auch von der Dame Cunnewâre, beobachtet. Die Dame hat geschworen nicht zu lachen, bis sie den Edelsten aller Ritter sieht: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ saz frou Cunnewâre || Dort bei ihnen saß die Dame Cunnewâre&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu fiere und diu clâre. || auch in ihrem klaren Glanz und mit edlem Stolz.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu enlachte dcheinen wîs, || Die lachte niemals, unter gar keinen Umständen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine sæhe in die den hôhsten prîs || bis zu dem Tag, da ihr der vor Augen käme, der höchsten Ruhm auf Erden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hete od solt erwerben: || hätte oder gewinnen sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wolt ê sus ersterben. || Anders wollte sie&#039;s nicht tun, eher wollte sie sterben. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| allez lachen si vermeit, || Nicht das kleinste Lachen war ihr auf die Lippen gekommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz daz der knappe für si reit:|| bis zu dem Augenblick, da sie den Knappen dort unten reiten sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do erlachte ir minneclîcher munt.|| Da kam ein Lacher über ihren süßen Mund.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(152, 11-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untrennbar mit Cunnewâres Lachen &amp;lt;ref&amp;gt; Fritsch-Rößler weißt auf den Zusammenhang zwischen Jeschute und Cunneware hin. In ihrer Schrift legt sie Wert auf die Beschreibung des Mundes, auf den die Aufmerksamkeit durch das Lachen gelenkt wird. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 79.] Dass Cunneware zu Lachen beginnt, als die Parzival das erste Mal sieht, steht im Widerspruch zu den Reaktionen, mit denen andere Frauen Parzival begegnen. Sigune beginnt zu klagen, als sie ihn sieht und seine Mutter und Jeschute bringt Parzival zum Weinen statt zum Lachen. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 80.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ist das Verhalten des Antanor verknüpft. Dieser, der durch seine Verschweigenheit für einen Toren gehalten wurde (&amp;quot;Der verswigene Antanor, der durch swîgen dâht ein tôr&amp;quot; [152, 22f]), hatte geschworen nicht mehr zu sprechen, bis das Mädchen gelacht habe. &lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Keie]], ein Artusritter, beurteilt das Lachen als schandhaft für die Dame und als eine &amp;quot;Beleidigung aller anderen Ritter des Artushofes&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 226.] Dass diese einen so unhöfischen Narren mit ihrem Lachen kennzeichnet, obwohl so viele edlere Ritter vor ihre Augen getreten waren, veranlasst ihn, die Dame zu [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schlagen]][[wird geschlagen von:: Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ]]. &amp;quot;ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stap sô dran gehabt, unz daz sîn siusen gar verswanc, durch die wât unt durch ir vel ez dranc.&amp;quot; (&amp;quot;Obwohl ihr Rücken keinen Eid zu leisten hat, kam er doch in heftige Brührung mit dem Richterstab, der auf sie niedersauste, bis er ganz zerschlissen war.&amp;quot; [151, 27-30]). Antanor, der seine wiedergefundene Stimme dazu nutzt, Keie zu tadeln, wird ebenfalls durch Keies Schläge bestraft ( Vgl.: 153, 9-13). Parzival will die beiden sofort durch den Wurf eines Spießes rächen, unterlässt es allerdings wegen des Getümmels um sie herum. Parzival ist der Einzige, den die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gewalt]] zu stören scheint. Der Artushof unternimmt nichts gegen die brutale Züchtigung und äußert sich auch nicht darüber. Dies führt zu einem negativen Bild der Artusgesellschaft und zu einer &amp;quot;Problematisierung des höfischen Umfelds&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 228.] (Mehr dazu [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |hier]].)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Sendungen an den Artushof (199/ 215/ 267)==&lt;br /&gt;
Parzival sieht die Bestrafung der Cunnewâre als [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|seine eigene Schuld]] an und versucht, sie wiedergutzumachen. Die Bestrafung des Antanor tut ihm zwar leid, er hat aber nicht den Drang diese zu sühnen. Alle von ihm besiegten Ritter schickt er deshalb an den Artushof, damit sie sich der Cunnewâre unterwerfen, wie es im Mittelalter üblich war, wenn ein Ritter für eine Dame kämpfte. Die von Parzival geschickten Ritter steigen, gemessen an ihrem Ansehen, an Wichtigkeit. Der erste Besiegte ist der Knappe des Clamide, gefolgt von Clamide selbst. Dieser, der die Frau des Parzival ebenfalls begehrt, wird von Parzival vor die Wahl gestellt zu sterben oder sich Cunnewâre zu unterwerfen. Der letzte von Parzival besiegte ist Cunnewâres [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Bruder Orilus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneutes Zusammentreffen(307-327)==&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival Cunnewâre nun lange Zeit nicht gesehen, sie aber keineswegs vergessen hat, treffen sie ein zweites Mal aufeinander. Die Artusgesellschaft ist losgezogen, um Parzival zu suchen und ihn zur Tafelrunde einzuladen. Sie finden ihn schließlich, doch dem Zusammentreffen mit der Artusgesellschaft geht die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Blutstropfenszene]] vorraus, bei der ein Knappe der Cunnewâre eine Rolle spielt. Dieser findet den in Trance versetzten Parzival im Schnee und fordert die Artusritter auf, gegen den Fremden zu kämpfen. Erst [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] setzt dem Missverständnis ein Ende. Cunnewâre dankt Parzival für die Sendungen der Ritter, die seine erfolgreichen Kämpfe bewiesen haben: &amp;quot;ich hete lachen gar vermiten, unz iuch mîn herze erkande, dô mich an freuden pfande Keie, der mich dô sô sluoc. daz habt gerochen ir gennuoc&amp;quot; (&amp;quot;Ich hatte kein einziges Mal gelacht bis zu dem Augenblick, da Euch mein Herz erkannte und Keie mir meine Freude gleich wieder wegnahm, als er mich so schlug. Das habt ihr völlig gerächt.&amp;quot; [306, 1-4]), da er nicht nur die erwähnten Ritter, sondern auch Keie im Kampf besiegt hat und ihm starke Schmerzen zugefügt hatte. Die Dankesworte werden durch die hässliche [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] unterbrochen, die Parzival schwere Vorwürfe macht. Bei ihrem Auftreten kommt es zu einer für die Figur der Cunnewâre interessanten Szene. Nachdem die Rede der Cundrie beendet ist, ist die gesamte Gesellschaft des Artushofs nicht nur durch [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ihr Aussehen]], sondern auch durch ihre Beschuldigungen erschreckt. Von den erschütterten Frauen ist Cunnewâre die Erste, die zu weinen beginnt:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cunnewâr daz êrste weinen huop, || Cunneware fing als erste zu weinen an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Parzivâl den degen balt || daß Parzival, der junge Held,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe surzier sus beschalt, || so sehr beschimpft war und beschuldigt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein alsô wunderlîch geschaf. || von diesem absonderlichen Geschöpf, Cundrie la suziere.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(319, 12-15)&lt;br /&gt;
Bevor Parzival erneut aufbricht, erhält der besiegte Clamide Cunnewâre zur Frau, &amp;quot;denn er war krank nach ihrer Liebe&amp;quot; (&amp;quot;wan dem was nâch ir minne wê&amp;quot; [327, 27]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Das Lachen - Geste oder Prophezeiung?=&lt;br /&gt;
Nach der Beschreibung der relevanten Textstellen, soll nun eine Interpretation folgen, die die Stellung und Funktion von Cunnewâres Lachen im Roman beschreibt.&lt;br /&gt;
==Die Textstelle in der Forschung==&lt;br /&gt;
Trotz der Kürze dieser Textstelle sind in der Forschung interessante Diskussionen entstanden. Ein Vergleich zwischen der Erwähnung der Cunnewâre bei Wolfram von Eschenbach und der bei Chrétien de Troyes zeigt lohnende Ergebnisse. &amp;lt;ref&amp;gt; Siehe hierzu den Aufsatz von [Nyholm 1997: vgl. S. 223-237.]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier fällt besonders die Einbeziehung des &amp;quot;Märchenmotiv[s] des ausziehenden Dümmlings&amp;quot; [Nyholm 1997: S. 223.] auf, welches mit Parzival verglichen werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt; Wolfram von Eschenbach nimmt bei seiner Version des Romans einige Änderungen vor, die für die Cunnewâre Szene nicht unbedeutend sind und bei Nyholm 1997 ausgewertet sind. Einen weiteren Bereich, den die Forschung miteinbezieht ist die Funktion und Interpretation von Gesten und Körpersprache im Mittelalter im Allgemeinen, der ebenfalls interessante Ergebnisse liefert.[Philipowski 2003: vgl.: S.9-25.]) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fritsch-Rößler weist deutlich darauf hin, dass aus dem Text nicht klar hervorgeht, seit wann Cunneware nicht mehr gelacht hat. Es besteht einerseits die Möglichkeit, dass sie seit ihrer Geburts nie gelacht hat, für die manche Indizien sprechen oder dass sie ein Gelübde abgelegt hat und seitdem nicht mehr lachte.[Fritsch-Rößler 1997: Vgl.: S. 80.] Welche der Möglichkeiten nun auch die Richtige sein mag, Parzivals Erscheinen ist eine Erlösung für Cunneware. Durch seine Erlösungstat führt er &amp;quot;Cunneware der echten Menschlichkeit zu&amp;quot;. [Fritsch-Rößler 1997: S. 82.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seeber weist darauf hin, dass das Lachen von Cunneware von einer reinen Gebärde zu einem Symbol wird, das Parzivals gesamte Wandlung zum Ritter begleitet. [Seeber 2010: Vgl.: S. 154.] Das Lachen gewinnt an Bedeutung für die Interaktion und die Gebärde kommt der Sprache gleich: &amp;quot;Wolfram verortet die Gebärde neu und weist ihr eigene Konnotationen zu, die den Rahmen des gewohnten Wissesn sprengen undd neue Bereiche der Verwendung erschließen&amp;quot;. [Seeber 2010: S. 155.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Funktion des Lachens==&lt;br /&gt;
Behält man nun die vorgestellten von der Forschung mit einbezogenen Bereiche im Hinterkopf, stößt man auf zwei mögliche Funktionen der Cunnewâreszene. Die erste Deutung bezieht sich auf die Veränderungen von Wolfram von Eschenbach im Vergleich zu Chrétien de Troyes. Bei Eschenbach erscheint Parzival als Narr am Artushof, der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ohne höfische Erziehung]] und in komischer Kleidung tatsächlich lächerlich wirkt. Schon der Ritter Iwein, dem Parzival zuerst begegnet, muss über sein Verhalten und Auftreten lachen (147, 24). So könnte auch Cunnewâres Lachen die Funktion einer von Parzivals lächerlichem Aussehen motivierte Geste erfüllen. &amp;quot;Sie ist bedeutungsvoll, weil sie den inneren Zustand Cunnewâres sichtbar abbildet, das Lachen verweist auf ihre innere Verfassung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 9.] Damit erfüllte Parzival sogar tatsächlich den Plan der [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die Leute zum Lachen zu bringen. Doch statt, wie es diesem Plan entspräche, durch die Lächerlichkeit am Rittersein gehindert zu werden, wird Parzival durch das Lachen der Cunnewâre der Weg zum Ritter erst geebnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei genauerem Betrachten ist eine Deutung des Lachens allein als Ausdruck von Belustigung unbefriedigend. Es muss hinzugezogen werden, dass zwar Parzivals Handeln und Sprechen, ebenso sein Auftreten und seine Kleidung, nicht jedoch sein Körper Gegenstand des Spotts sind. [Dartmann 2005: S. 230.] Letzter wird stattdessen sehr gelobt, er gilt als &amp;quot;ein Bild des Vollkommenen&amp;quot; (148,30) und wird für seinen &amp;quot;Glanz&amp;quot; (148, 24) bewundert. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Die zweite Interpretation schreibt dem Lachen deshalb eine prophetische Funktion zu. Die Tatsache, dass das Lachen beschränkt war auf den edelsten Ritter, der der Dame begegnet, was Parzival zum Zeitpunkt des Gelächters keinesfalls ist, sagt vorraus, dass er ein solcher werden wird, sogar werden muss. Man könnte diese Vorrausdeutung als sich selbst erfüllende Prophezeihung deuten, weil Parzival die Bestrafung, die die Dame seinetwegen erfährt, nur durch edle Rittertaten rächen kann. Seine besiegten Gegner, die er zu ihr schickt, sind die Zeugen seiner Entwicklung zum Ritter und die Boten der Wahrheit, die in der Prophezeihung steckte.[Philipowski 2003: vgl.: S. 21.] &amp;lt;br /&amp;gt; Der Kreislauf, den das Gelächter einleitet, ist folgender: &amp;quot;das Gelächter [provoziert] Gewalt, die Gewalt Frauendienst, Frauendienst Ehre und Ehre Erlösung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 22.] &amp;lt;br /&amp;gt; Aufgrund dieses Kreislaufs bewirkt auch Keie mit der Bestrafung das Gegenteil seiner eigentlichen Intention. Er ärgert sich über die Auswahl der Cunnewâre, scheint doch der erwählte alles andere als ein tugendhafter Ritter zu sein, und leitet durch deren Bestrafung Parzivals Entwicklung zum Ritter erst ein. Die Begebenheit wird später der Grund sein, der Parzival zum Besten aller Ritter macht. [Philipowski 2003: vgl.: S. 22.] Es ist nämlich erst das Lachen der Cunnewâre, welches ihm &amp;quot;die Verpflichtung auferlegt, sich als Ritter zu bewähren&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 227.] In diesem Sinne kann das Lachen als ein &amp;quot;notwendiges Element für den Handlungsfortgang&amp;quot; interpretiert werden.[Dartmann 2005: S. 227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man diesen Kreislauf nicht als zwingend anerkennen, sondern sieht den Weg des Parzival zum Ritter schon ohne das Gelächter als vorherbestimmt an, so bleibt dennoch die Wahrheit der Vorhersage der Cunnewâre. Es könnte durchaus sein, dass Parzival den Weg zum Ritter auch ohne Cunnewâre gegangen wäre, allein aus seiner Begeisterung für das Rittertum und dem Wunsch ein Solcher zu sein. Sicher wäre er aber nicht so schnell zum Ritter der Tafelrunde geworden. Durch die Sendungen sieht nicht nur Cunnewâre, sondern auch der gesamte Artushof die Beweise für seine Taten, was [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] dazu veranlasst, ihn zu suchen und in die Tafelrunde aufzunehmen (siehe Unterpunkt 1.4). Keie ist ebenfalls überzeugt von der Wahrheit der Vorhersage, denn würde er das Lachen der Cunneware nicht als eine bedeutende Kennzeichnung wahrnehmen, gäbe es keinen Grund für ihn, sie zu schlagen. Er akzeptiert den prophetischen Charakter des Lachens, vertraut Cunneware aber gleichzeitig zu wenig, um ihre Wahl für richtig zu halten. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S.85.] Statt eine positive Entwicklung Parzivals zu erwarten, sieht er nur seinen momentanen Zustand und fühlt sich in seiner Ritterehre gekränkt.&amp;lt;ref&amp;gt; Wie groß das Missverständnis zwischen Cunneware und Keie eigentlich ist, beschreibt Fritsch Rößler sehr überzeugend. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Keie Cunnewares Lachen als Spott über alle anderen Ritter empfindet und so statt &amp;quot;Hochschätzung und Affirmation&amp;quot; in dem Lachen &amp;quot;Minderschätzung und Degradierung&amp;quot; sieht.[Fritsch-Rößler 1997: S. 87.] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bleibt noch die Tatsache, dass Parzival noch bevor er überhaupt ein Ritter ist, schon vornehmer und edler ist als alle anderen Ritter, die der Dame begegnet sind. In seinem Inneren steckt schon zu diesem Zeitpunkt die größte Tugend, die Cunnewâre bereits erkennt. &amp;quot;Parzival, der vornehmste Ritter der Welt, [erfüllt] die Bedingungen des Lachens nur durch seine Anwesenheit und nicht durch seine Taten&amp;quot;.[Nyholm 1997: S. 223.] Seine Eignung zum Gralskönig, bei dem auf die Veranlagung und innere Größe wert gelegt wird, ist hier schon vorrausgedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt; In der Forschung wird thematisiert, dass nicht sicher ist, worauf Cunnewares Lachen wirklich verweist. Verweist es auf Parzivals Prädestination zum Gralskönig, also auf das Ende des Romans oder auf &amp;quot;Parzivals Fähigkeit, die Gralsburg zu finden und den Gral zu schauen (dann allerding vor der Mitleidsfragenforderung zu versagen)&amp;quot;, also auf die Mitte des Romans? [Fritsch-Rößler 1997: S. 83.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Parzivals Tugend durch Cundrie angezweifelt wird, beginnt Cunneware zu weinen. Dieser dem Lachen entgegengesetzte Gefühlsausbruch, lässt sich, wie ihr Lachen, ebenfalls auf zwei verschiedene Arten deuten. Einerseits könnte es ihren inneren Zustand abbilden, ihr Erschrecken über Cundrie und ihr Mitleid mit Parzival, andererseits verwandelt sich Parzival, der durch ihr Lachen noch als bester aller Ritter gekennzeichnet wurde, nun durch böse Anschuldigungen und durch das Weinen der Cunnewâre in einen fehlerhaften und schlechten Charakter. Doch statt Cundrie wird später Cunneware mit ihrer Prophezeiung Recht behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre=&lt;br /&gt;
Ein letzter Punkt, der noch zu untersuchen bleibt, ist die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre. Wie oben schon erwähnt, ist das Kämpfen im Dienst einer Dame im Mittelalter durchaus üblich. Doch Cunnewâre und Parzival sind nicht verheiratet und Parzival kämpft auch nicht um Cunnewâres Gunst. Trotzdem ist Parzival indirekt [[kämpft für::Cunnewâres| ]] Cunnewares Ritter. Wolfram bricht hier also mit der üblichen Minne-Praxis, indem Cunnewâre zwar Parzivals &amp;quot;Dienstherrin, aber nicht [seine] Minnedame&amp;quot; ist. [Dartmann 2005: S.228.] Das heißt wiederum, dass ungewöhnlicherweise &amp;quot;nicht Minne, sondern die Wiederherstellung des gemeinsamen Ansehens&amp;quot; angestrebt wird. [Dartmann 2005: S. 233]&lt;br /&gt;
In der Forschung wird das Lachen der Cunnewâre ferner mit einem Zeichen verglichen, das ein Ritter beim Kampf bei sich trägt, wie der Ärmel der Obilot auf Gawans Schild.[Nyholm 1997: vgl.: S. 235.] Es kann also gesagt werden, dass Parzival eine permanenten Verbindung zu Cunnewâre hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus verdeutlicht die Tatsache, dass Parzival Cunnewâre [[wird gerächt von:: Parzival| ]] rächen muss, die Schwäche der Frauen. Cunnewâres &amp;quot;Handlungsspielraum [,ihre Schande zu selbst rächen,] ist gering&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 163.] Die Darstellung der Cunnewâre unterstreicht also die untergeordnete Stellung, die [[Das Frauenbild im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen im Mittelalter]] oft hatten.&lt;br /&gt;
[[hängt zusammen mit:: Komik_und_Erzählen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[verwirklichen::Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[findet statt am::Moral_und_Unmoral_am_Artushof_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
==Pimärtexte==&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard   Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dartmann 2005]  [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5911/diss_dartmann_buchblock.pdf  Dartmann, Christine: Das &#039;&#039;lachen&#039;&#039; der &#039;&#039;vrouwe&#039;&#039;, Untersuchungen zur  Funktion von &#039;&#039;lachen&#039;&#039; in mittelhochdeutscher Epik und Minnesang,  Münster 2005.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Fritsch-Rößler 1997] Fritsch-Rößler, Waltraud: Lachen und Schlagen. Reden als Kulturtechnik in Wolframs &#039;Parzival&#039;, in: Krause, Burkhardt(Hg.): Verstehen durch Vernunft, Festschrift für Werner Hoffmann, Wien 1997, S.75-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nyholm 1997] Nyholm, Kurt: Warum lacht Cunnewâre? Überlegungen zu Parzival 151, 11-19, in: Andersson, Bo/Müller, Gernot(Hg.): Kleine Beiträge zur Germanistik, Festschrift für John Evert Härd, Uppsala 1997, S. 223-237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Philipowski 2003] Philipowski, Katharina: Das Gelächter der Cunnewâre, in: Zeitschrift für Germanistik 1 (2003), S. 9-25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seeber 2010] Seeber, Stefan: Poetik des Lachens, Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200, Diss., Berlin/ New York 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]] [[Kategorie: Gewalt|Kategorie]] [[Kategorie: Artushof|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Komik_und_Erz%C3%A4hlen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12872</id>
		<title>Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Komik_und_Erz%C3%A4hlen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12872"/>
		<updated>2012-07-25T10:59:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der Text befasst sich mit der Komik als ein bedeutendes Merkmal des [[charakterisiert::Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzählers]] im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach. Da Humor auf Parametern beruht, die durchaus abhängig von Zeit und Raum sind, ist es schwierig, den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf Textstellen zu durchsuchen, über die die Menschen im Mittelalter gelacht haben. Dies wird erschwert, da es zu dieser Zeit keine gültige Komiktheorie gab. Dennoch wird versucht, diesen Punkt zu berücksichtigen.    &lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;wes spotte ich der getriwen diet? mîn alt unfuoge mir daz riet&#039;&#039; (487, 11-12).&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Textsangaben des Primärtextes aus Wolfram von  Eschenbach: Parzival.  Nach der Ausgabe  Karl Lachmanns, revidiert und  kommentiert von Eberhard Nellman, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt  a. M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;  So beschreibt der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen eigenen Wesenszug, als er sich spöttisch über den Mangel an Nahrung auslässt, der beim Einsiedler [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] vorherrscht. Nicht nur an dieser Stelle ist erkennbar, dass Komik ein wichtiges Merkmal des Werkes ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Erzählstil Wolframs im Parzival zeichnet sich in besonderem Maße durch komische Elemente aus. Dies wird in zahlreichen Texten der Forschungsliteratur, die sich mit der Narratologie oder der Komik als Spezifikum des Erzählens im Parzival auseinandersetzen, erwähnt. Dallapiazza schreibt, dass bereits die frühe Forschung &amp;quot;auf eine besondere Gegenwart von Komik und Humor als Kennzeichen von Wolframs Erzählen&amp;quot; aufmerksam geworden ist. [Dallapiazza 2009: S. 177] Tomasek führt weiter an, dass die Komikverwendung &amp;quot;noch nie dagewesene Ausmaße&amp;quot; erreicht und &amp;quot;zum Bestandteil einer neuen Erzählqualität&amp;quot; wird. [Tomasek 2005: S. 94] Wehrli macht deutlich, dass es der Humor ist, der den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Wesentlichen vom &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; Chrétiens unterscheidet.[Wehrli 1966: S. 108]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dabei lässt sich die Komik im Werk in verschiedene Bereiche aufteilen, auf die im Folgenden genauer eingegangen werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wortspiele==&lt;br /&gt;
Im Werk sind häufig Wortspiele anzutreffen, die einen ambigen Charakter aufweisen und deren ungeläufigere Bedeutung wörtlich genommen wird. Das Beispiel, welches am häufigsten dieser Kategorie zugeordnet wird, ist die sogenannte [[befasst sich mit::Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Jeschute]]-Szene:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nantes iemen vilân,&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;der het ir unreht getân:&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wan si hete wênc an ir.&#039;&#039;(257, 23-25)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch die zahlreichen Löcher des zerrissenen Kleids scheint Jeschutes nackte Haut, ihr unhöfisches Aussehen wird durch das französische Wort &amp;quot;vilân&amp;quot; beschrieben, das Dallapiazza wie folgt beschreibt: &amp;quot;Ein vilân ist ein Bauer, eigentlich gar kein wirklicher Mensch&amp;quot;.[Dallapiazza 2009: S. 142] Aber auch eine zweite, deutsche Bedeutung lässt sich dem Wort zuordnen. Übersetzt man es mit &amp;quot;viel an&amp;quot;, wird diesem im übernächsten Vers &amp;quot;wenig an&amp;quot; gegenübergesetzt.[Bumke 2004: S. 225]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zahlreiche weitere Wortspiele dieser Art lassen sich im Text finden, beispielsweise die Mitteilung an Fürst Hermann von Thüringen, sein &amp;quot;ingesinde&amp;quot; müsse besser &amp;quot;ûzgesinde&amp;quot; heißen (297, 17-18). Dieter Kühn übersetzt hier nicht ganz wortgetreu mit &amp;quot;Gesinde&amp;quot; und &amp;quot;Gesindel&amp;quot;.&amp;lt;br /&amp;gt;Auch unter diesen Punkt fallen fremdartig klingende Namen, die selbst den Rezipienten im Mittelalter unbekannt waren und durch ihren seltsamen Klang zur Komik beigetragen haben. Dazu gehören &amp;quot;Mahmumelin, Kingrimursel, Plippalinot, Schipelpjonte usw&amp;quot;.[Bumke 2004: S. 225]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Komik des menschlichen Körpers==&lt;br /&gt;
Witze über Funktionen des menschlichen Körpers sind der wichtigste Faktor, der die Komik des Werkes ausmacht. Dazu lassen sich vor allem Aussagen über die Nahrungsaufnahme zählen, auch als Küchenhumor bezeichnet, ebenso Berichte über die Sexualität Menschen und anrüchige Andeutungen in diese Richtung. Wehrli bezeichnet sie als die &amp;quot;Sphären der populärsten Komik&amp;quot;.[Wehrli 1966: S. 111]&lt;br /&gt;
===Küchenhumor===&lt;br /&gt;
Der Erzähler berichtet mit starker Hingabe und überraschend häufig von Begebenheiten, an denen Menschen Nahrung zu sich nehmen. Dazu gehört unter anderem die Speisung durch den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] in [[Parzival auf Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] (238, 8-240, 22). Aber auch das Gegenteil zur Völlerei wird umfassend beschrieben, zum Beispiel wie bereits erwähnt beim asketisch lebenden Trevrizent und durch die eingefallenen Bäuche der hungernden Menschen in Belrapeire.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sexualität===&lt;br /&gt;
Noch ausführlicher als der Beschreibung der Nahrungsaufnahme widmet sich der Erzähler den zahlreichen Facetten des erotischen Witzes. Nach Seeber bietet der Text &amp;quot;einen Erzähler, der [durch Obszönitäten] bewusst den Stilbruch kultiviert&amp;quot;.[Seeber 2010: S. 187] Interessant ist seine Erkenntnis, dass im Werk sexuelle Anspielungen häufiger vorkommen, als in anderen Texten der Zeit.[Seeber 2010: S. 187]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Szenen wie den Überfall auf Jeschute oder das Ablehnen des Handtuches nach dem Bade trotz der Anwesenheit von Damen bei Gurnemanz, wobei der Erzähler vermutet, dass einige der Frauen gerne geprüft hätten, ob ihm &amp;quot;dort unten was passiert war&amp;quot; (167, 27-30), gibt es viele. Als derben Scherz kommentiert Nellmann auch folgendes Textzitat:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wâren meide, als von der zît, ||  || es waren Mädchen in dem Alter,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den man diu besten jâr noch gît. ||  || das nach wie vor als schönstes gilt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich pin des unervaeret, ||  || Ich wage noch den nächsten Schritt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| heten sie geschæret ||  || wenn sie sich gemausert hätten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein valke sîn gevidere: ||  || wie der Falke im Gefieder,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ rede ich niht widere ||  || so sagte ich bestimmt nicht nein. (424, 1-6.)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Das Mausern des Falken kann hier als Metaher für die beginnende Schambehaarung angesehen werden.[Nellmann 2006: S. 655]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sinn der Komik ==&lt;br /&gt;
Da die komischen Stellen im Werk so vielfältig sind, haben zahlreiche Literaturwissenschaftler versucht, ein &amp;quot;sinngebendes Gedankenmodell&amp;quot; dahinter zu finden. Dallapiazza gibt an, dass die Komik zur erzählerischen Strategie Wolframs gehört, die die Subjektivität des Erzählers deutlich macht und somit Distanz zwischen Erzähltem und Erzähler beziehungsweise Erzähltem und Publikum schafft.[Dallapiazza 2009: S. 143] Seeber führt den Gedanken fort: Er ist der Meinung, dass das &amp;quot;Lachen [..] auf durchdachter poetologischer Formung&amp;quot;[Seeber 2010: S. 212] beruhe, die Komik den Rezipienten bei der Überbrückung der inhaltlichen Brüche unterstütze und er somit konkret an der Dichtung partizipiere.[Seeber 2010: S. 217] Bumke hingegen gibt an, dass es sehr schwierig erscheint, &amp;quot;auf die Frage nach dem Sinn der Komik eine befriedigende Antwort zu geben&amp;quot;.[Bumke 2004: 224]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Bibliographie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [*Bumke 2004] Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. 8., völlig neu bearb. Aufl., Stuttgart; Weimar: Metzler, 2004. 		             &lt;br /&gt;
* [*Dallapiazza 2009] Michael Dallapiazza: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Berlin: Erich Schmidt Verlag, 2009.&lt;br /&gt;
* [*Nellmann 2006] Wolfram von  Eschenbach: Parzival.  Nach der Ausgabe  Karl Lachmanns, revidiert und  kommentiert von Eberhard Nellman, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt  a. M.: Deutscher Klassiker Verlag, 2006. &lt;br /&gt;
* [*Seeber 2010] Stefan Seeber: Poetik des Lachens. Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200. Berlin[u.a.]: De Gruyter, 2010. 		&lt;br /&gt;
* [*Tomasek 2005] Tomas Tomasek: Bemerkungen zur Komik und zum &amp;quot;Humor&amp;quot; bei Wolfram von Eschenbach. In: Komik und Sakralität. Aspekte einer ästhetischen Paradoxie in Mittelalter und früher Neuzeit. Hg: Anja Grebe, Nikolais Staubach. Frankfurt a. M.; Berlin; Bern; Wien [u.a.]: Lang, 2005.&lt;br /&gt;
* [*Wehrli 1966] Max Wehrli: Wolframs Humor. In: Wolfram von Eschenbach. Hg: Heinz Rupp. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[wird ausdrückt in:: Die_Hauptunterschiede_zwischen_Chrétiens_Conte_du_Graal_und_Wolframs_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[zeigt sich in::Erzählmittel_und_Erzählstil_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artusroman]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gestaltung]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählermerkmale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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		<title>Entstehungsgeschichte und historischer Hintergrund (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:55:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entstehungsgeschichte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]], insbesondere dessen Quellen. Weiterhin werden außerliterarische Verweise untersucht, die eine Einbettung des Werkes in einen realgeschichtlichen Kontext zulassen. Zum Schluss wird auf den historischen Hintergrund eingegangen.&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram von Eschenbach.jpg|200px|thumb|right|Herr Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
==Der Autor==&lt;br /&gt;
Alle Erkenntnisse über [[verweist auf::Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach ]] stammen von Aussagen seines Erzählers in den verschiedenen Werken. Historisch belegt ist er nicht. Tief zerstritten ist die Forschung in der Frage, ob Wolfram eine literarische Bildung durchlaufen hat oder nicht. Über sich selbst sagt der Dichter: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine kan decheinen buochstap. ||  || denn ich bin nicht schriftgelehrt!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ nement genuoge ir urhap: ||  || Schriften: Sauerteig für viele,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disiu âventiure ||  || doch sie lenken nicht bei mir&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vert âne der buoche stiure. ||  || den Ablauf der histoire! (115, 27-30.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Textangaben des Primärtextes aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Bumke sieht in dieser Aussage nicht zwangsläufig eine Botschaft über Wolframs Bildung, sondern vielmehr eine polemische Abgrenzung gegen bildungsbewusste Dichter, die lateinisch gebildet waren.[Bumke 2004: S. 6] Dazu zählen Autoren wie Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue und Gottfried von Straßburg. Die Forschung hat sich heute weitgehend darauf verständigt, dass Wolfram des Lesens und Schreibens mächtig war, wobei in den einzelnen Abstufungen der Gelehrsamkeit Wolframs weiter Uneinigkeit besteht.[Nellmann 1996: S. 327]&lt;br /&gt;
==Die Quellen==&lt;br /&gt;
Die heutige Forschung ist sich einig, dass der &#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039; von Chrétien de Troyes die wichtigste literarische Quelle für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewesen ist. Die Handlung folgt in weiten Teilen der französischen Vorlage, zahlreiche wörtliche Zitate untermauern diesen Eindruck. Und dennoch ist Wolfram verhältnismäßig frei mit der Umgestaltung des Textes verfahren. Zunächst ist der Textkorpus des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in etwa doppelt so lang, dies liegt wohl auch an dem Umstand, dass die Handlung des &#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039; mitten in der zweiten Gauvain-Passage abbricht.[Bumke 2004: S. 238] Weiterhin haben bei Wolfram zahlreiche Figuren erst einen Namen bekommen oder wurden umbenannt, die Gestaltung des Grals unterscheidet sich zum Original ebenso wie die Verwandtschaftsverhältnisse der auftretenden Personen.[Bumke 2004: S. 239] Auch neu ist die zentrale Rolle der [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], die ein wichtiges Kriterium des Erzählers darstellt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Neben der Hauptquelle werden häufig weitere französische, orientalische, deutsche und lateinische Quellen angegeben, deren Stoffe in die Handlung des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit eingewoben wurden. Hier lässt sich beispielsweise der &#039;&#039;Lucidarius&#039;&#039; erwähnen, eine Art mittelalterliche Enzyklopädie, aus der Wolfram vermutlich Teile seines astrologischen [[Wissen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wissens]] entnommen hat.[Deinert 1960: S.159] Durchaus interessant ist der Fakt, dass diese von zahlreichen Literaturwissenschaftlern getragenen Erkenntnisse in Opposition zu eigenen Aussagen des Erzählers über seine Vorlagen stehen: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob von Troys meister Cristjân ||  || Blieb Meister Chrétien de Troyes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disem mære hât unreht getân, ||  || dieser Geschichte etwas schuldig, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz mac wol zürnen Kyôt, ||  || so ist Kyot mit Recht empört:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der uns diu rehten mære enbôt. ||  || die wahre Geschichte vermittelte er.&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(827, 1-4)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Textangaben des Primärtextes aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellman, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Gegensatz zu Chrétien, der im Werk nur einmal beschrieben wird, ist Kyot an mehreren Stellen anzutreffen. Ausführlich berichtet der Erzähler, dass der Provenzale &amp;quot;den astronomischen Traktat von Flegetanis ins Lateinische übertragen haben&amp;quot; soll (453, 5-455, 22).[Bumke 2004: S. 245] Problematisch ist, dass Kyot historisch nicht belegt ist und er keine bekannten schriftlichen Zeugnisse hinterlassen hat. Im Werk selbst sind die Angaben über die vermeintliche Quelle teilweise widersprüchlich, woraus heute viele Forscher schließen, dass Kyot eine Erfindung Wolframs von Eschenbach ist.[Bumke 2004: S. 245] Dennoch, oder gerade aus diesem Grund, hat sich die Forschung intensiv mit Kyot auseinandergesetzt. Der Grund: Das &amp;quot;Kyotproblem ist für unser Wolframbild wesentlich&amp;quot;.[Lofmark 1977: S. 69] Lofmark macht deutlich, dass die Quellenangaben fingierten Charakter haben, dies aber nicht zwangsläufig bedeutet, Wolfram habe sie aus dem Nichts erfunden.[Lofmark 1977: S. 65] &amp;quot;Den großen Provenzalen der Kyotexkurse konnte Wolfram persönlich nicht kennen, wohl aber einen lateinkundigen Gelehrten, nach dem jener erdichtet werden konnte.[Lofmark 1977: S. 66]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Außerliterarische Verweise==&lt;br /&gt;
===Fürst Herrmann von Thüringen===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;von Düringen fürste Herman, etslîch dîn ingesinde ich maz, daz ûzgesinde hieze baz.&#039;&#039; (297, 16-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gemeint ist Hermann I., Landgraf von Thüringen, unter dessen Regentschaft der Literaturbetrieb am Thüringer Hof enorm gefördert wurde. Auch für Wolfram spielte er eine wichtige Rolle, so wird er beispielsweise als der Auftraggeber des &#039;&#039;Willehalm&#039;&#039; angesehen. Weitere Dichter, die am Hof gearbeitet haben, sind Heinrich von Veldeke, Herbort von Fritzlar und Walther von der Vogelweide.[Bumke 2004: S. 13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Graf von Wertheim===&lt;br /&gt;
Der Graf von Wertheim wird vom Erzähler erwähnt, als von den Zuständen in Belrapeire berichtet wird. Da von &#039;&#039;mîn hêrre der grâf von Wertheim&#039;&#039; (184, 4) die Rede ist, gibt es Annahmen, dass dieser der Auftraggeber des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sei. Ebenso gut möglich ist es jedoch, dass die Anrede nur eine Höflichkeitsfloskel ist.[Bumke 2004: S. 13] Gemeint ist jedenfalls Poppo I. oder dessen Sohn Poppo II, beide urkundlich als Grafen von Wertheim erwähnt.[Bumke 2004: S. 13]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfurter Weinberg===&lt;br /&gt;
Im siebten Buch werden die zertrampelten Wiesen vor Bearosche mit den gleichen Schäden am Erfurter Weinberg verglichen: &#039;&#039;Erfurter wîngarte giht von treten noch der selben nôt.&#039;&#039; (379, 18-19) Damit bezieht sich der Erzähler auf eine reale Begebenheit, nämlich die dort 1203 stattgefundene Belagerung der Truppen Philipps von Schwaben, den staufischen Part des [[Der deutsche Thronstreit um 1200|deutschen Thronstreits]].[Bumke 2004: S. 20] Zur Datierung trägt diese Randnotiz entscheidend bei, da die Weingärten &amp;quot;noch&amp;quot; immer in dem selben Zustand sind, die Ereignisse können zur Zeit der Entstehung des Werkes noch nicht lange zurück liegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Vergleiche mit realen Orten===&lt;br /&gt;
Hierzu gehört der Anger von Abenberg, der mit den verwaisten Wiesen auf [[Parzival auf Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] verglichen wird. (227, 13-14) Auch Trüdingen, deren &#039;&#039;Trühendingær phanne mit kraphen&#039;&#039; (184, 24-25) erwähnt wird und Dollnstein, deren Frauen an Fastnacht spaßeshalber kämpfen (409, 8-9), fallen in diese Kategorie. Auffällig ist, dass alle drei Ortschaften in der Nähe des heutigen Wolframs-Eschenbach liegen und somit eventuell Rückschlüsse auf die Herkunft des Dichters zulassen.[Bumke 2004: S. 17]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Historischer Hintergrund==&lt;br /&gt;
Das Werk ist höchstwahrscheinlich zu Ende des 12. und zu Beginn des 13. Jahrhunderts niedergeschrieben worden. Somit fällt es in die Zeit des [[verweist auf::Der deutsche Thronstreit um 1200|deutschen Thronstreits]] und &amp;quot;entsteht also genau in dem Jahrzehnt, das auf den Zerfall des Reiches folgt und das von Unruhen, Unsicherheit und politischem Chaos gekennzeichnet ist&amp;quot;.[Dallapiazza 2009: S. 14]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Bibliographie ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
* [*Bumke 2004] Joachim Bumke: Wolfram von Eschenbach. 8., völlig neu  bearb. Aufl., Stuttgart; Weimar, 2004.&lt;br /&gt;
* [*Dallapiazza 2009] Michael Dallapiazza: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Berlin, 2009.&lt;br /&gt;
* [*Deinert 1960] Deinert, Wilhelm: Ritter und Kosmos im Parzival. Eine  Untersuchung der Sternenkunde Wolframs von Eschenbach, München 1960. &lt;br /&gt;
* [*Lofmark 1977] Carl Lofmark: Zur Interpretation der Kyotstellen im &#039;Parzival&#039;. In: Wolfram-Studien, Berlin 1977, Band 4, S. 33-70.&lt;br /&gt;
* [*Nellmann 1996] Nellmann, Eberhard: Zu Wolframs Bildung und zum  Literaturkonzept des Parzival, in: Stierle, Karlheinz: Poetica.  Zeitschrift für Sprach- und Literaturwissenschaft, 28. Band, Heft 3-4,  München 1996, S.327-344.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[beeinflusst:: Die_Rezeption_des_&amp;quot;Parzival&amp;quot;| ]] [[wird ausgedrückt in::Die_Hauptunterschiede_zwischen_Chrétiens_Conte_du_Graal_und_Wolframs_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[hat Einfluss auf::Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artusroman]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entstehungsgeschichte]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Historischer Kontext]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Außerliterarische Verweise]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie:Quellen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Schuld,_S%C3%BChne_und_Erl%C3%B6sung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12851</id>
		<title>Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Schuld,_S%C3%BChne_und_Erl%C3%B6sung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12851"/>
		<updated>2012-07-25T10:48:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Schuld, Sühne und Erlösung sind im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] nicht so eindeutig zu klären, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Jeder der Begriffe ([[Parzivals Schuld | Schuld]] — Sühne — Erlösung) kann aus zumindest zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden, die es herauszuarbeiten gilt.&amp;lt;ref&amp;gt; Die ganz unterschiedlichen, sich zum Teil widersprechenden Perspektiven auf den &amp;quot;Parzival&amp;quot; scheinen dabei keineswegs der fehlenden Stringenz und Folgerichtigkeit der Handlung geschuldet. Ganz im Gegenteil: Es lässt sich anhand von Wolframs poetologischen Äußerungen eindeutig der Wille zu Kippbildern, zu Multiperspektivität und in gewisser Weise auch zu Unschärfe erkennen. Vgl. dazu  insbesonders Pz. I, 1, 15-24.&lt;br /&gt;
Außerdem: [[Die poetologischen Äußerungen des Erzählers (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Die poetologischen Äußerungen des Erzählers]] und [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Elsterngleichnis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs angelegte Handlungsstruktur scheint zunächst denkbar einfach, geradezu prototypisch. Der auserwählte und zunehmend anerkannte Held Parzival versagt in dem entscheidenden Moment, wird in aller Öffentlichkeit geächtet, stürzt in eine tiefe Depression, kämpft sich wieder hoch und besteht letzten Endes die große finale Prüfung und erlöst damit die Gesellschaft. Doch [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] wäre nicht Wolfram und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; wäre nicht so wirkungsmächtig [[Die Rezeption des &amp;quot;Parzival&amp;quot;|rezipiert]] worden,[Bumke 2004: S. 255-258.] wenn nicht neben dieser oberflächlichen Handlungsebene mindestens eine weitere, tiefer schürfende Bedeutungsebene möglich wäre.[Brunner 2006: S. 38] Der Artikel setzt sich zum Ziel, in Abgrenzung zur – ebenfalls vollkommen berechtigten – offensichtlichen Handlung, jene subtiler und vager angelegte Deutungsebene herauszuarbeiten; alles unter der Trias: [[Parzivals Schuld | Schuld]] – Sühne – Erlösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Frage der Schuld==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Anfänglich scheint die Sachlage klar und eindeutig. Parzival kommt zum Gral nach Munsalvaesche, tritt vor [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und – [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | versagt]]: Er versäumt es, die Mitleidsfrage zu stellen. Für dieses Scheitern Parzvials können mindestens zwei Gründe angeführt werden:&lt;br /&gt;
# Parzival lädt in mehrerlei Hinsicht Schuld auf sich: Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]], Schändung [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Jeschutes]], Tod der Mutter[Schu 2001: 253-255.]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch den Artikel: [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals tumpheit]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Parzival legt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz‘]] Lehren zu dogmatisch aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dieses vermeintliche Versagen Parzivals zu relativieren, bedarf es einer intensiveren Betrachtung der Herkunft Parzivals:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen Ausgang nimmt die eigentliche Parzivalhandlung damit, dass seine Mutter, [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], ihn nach seiner Geburt von jeglicher «höfischen» Welt fernhalten will. Sie [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| erzieht]] ihn fernab der Zivilisation in einem Wald. Dort genießt er weder eine Ausbildung in ritterlichen Tugenden, wovor ihn seine Mutter ja bewusst schützen will, noch ist ihm eine ernstzunehmende religiöse Erziehung vergönnt. Auf seine Nachfrage, was Gott sei, vermittelt ihm seine Mutter nur ein kindlich-naives Bild von Gott:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
» sun, ich sage dirz âne spot.&lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
„Mein Sohn, ich will’s dir sagen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
er ist noch liehter denne der tac,&lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________&amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
ganz im Ernst: Er ist noch heller &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
der antlitzes sich bewac &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
als der Tag; Er macht sich &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
nâch menschen antlitze.   &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
zum Ebenbild des Menschen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
sun, merke eine witze,        &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
Und merke dir die Lehre, Sohn:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
und flêhe in umbe dîne nôt:&lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
bete zu Ihm in der Not.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
sîn triwe der werlde ie helfe bôt. «   &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
Schon immer stand Er zu den Menschen..“  [Wolfram von Eschenbach 1997: 203f.]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die unzureichende und defizitäre Erziehung Parzivals allein reicht aber nicht aus, um die Frage der Schuld aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Für das dogmatische Auslegen der Lehren Gurnemanz‘, in gewisser Weise auch für die Schändung Jeschutes, kann Parzival mit seiner Herkunft und Erziehung entschuldigt werden. Nicht aber für die Tötung Ithers: Als Jäger muss Parzival den Tod des Gegners billigend in Kauf genommen haben.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Kontext ist es interessant zu sehen, wie Parzival nach Munsalvaesche, also zum Gral, gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| »mit gewalt den zoum daz ros|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| „Sein Roß ließ er wild die Zügel schleifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| truog über ronen und durchez mos:|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| über Stämme und durch Sumpf&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wandez wîste niemens hant. «|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| es war da keine Hand die lenkte.“ [Wolfram von Eschenbach 1997: S. 375.]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Hatte er zuvor noch Condwirarmurs gebeten, ihm „urloup“ zu gewähren, damit er seine Mutter besuchen kann, so überlässt Parzival beim Losreiten bewusst seinem Pferd die Zügel.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Motiv des „Zügel loslassen“ soll später ein zweites Mal auftauchen: Parzival überlässt seinem Pferd die Zügel, um sein Gottesverhältnis zu klären und gelangt prompt zum frommen Einsiedler Trevrizent (vgl.: Pz. IX, 452, 1-9).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch das engmaschige und eigentlich undurchdringbare Netz von Verteidigungsposten um die Gralsburg herum gelangt Parzival also unversehrt nach Munsalvaesche – wie auch später (Vgl. Anm. 4) lässt sich hinter der Lenkung des Pferdes eben doch Gottes langer Arm vermuten: Parzival wurde bewusst zum Gral berufen; er ist eben nicht zufällig vorbei geritten.&lt;br /&gt;
Für die Frage der Schuld ist das ein nicht zu überschätzender Sachverhalt, entscheidet doch bewusst eben jene transzendente und unfehlbare Instanz,[Bumke 2004: S. 141f.] dass der Gralsritter auch zum Gral gelangt.[Brall 1983: S. 254f.] Es wird demnach jemand berufen, der aufgrund seiner defizitären Erziehung und seiner mit Sünden beladenen Seele letztlich vor dem Gral überhaupt keine Chance auf Erfolg haben kann. Pointiert könnte man feststellen: Der Gral beruft den Richtigen zur falschen Zeit und ist am Scheitern selbst schuld.[Knaeble 2011: S. 297]&amp;lt;ref&amp;gt; Spiewok sieht im gesamten &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs eine Unterminierung der Kirche bzw. kirchlicher Institutionen. Vgl dazu: [Spiewok 1977: S. 32-36.] Siehe zu diesem Aspekt auch die [[Diskussion:Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Disskusionsseite]] zu diesem Artikel!&amp;lt;/ref&amp;gt;[Schu 2001: 290; 297.][Blank 1971: S. 140.]&amp;lt;ref&amp;gt; Blank stellt die Frage &amp;quot;Warum das Nichterkennen schuldhaft&amp;quot; sein sollte.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Brall 1983: S. 262.]&amp;lt;ref&amp;gt; Ähnlich wie Blank diskutiert auch Brall die Frage nach Parzivals Schuld vor dem Hintergrund, dass &amp;quot;die Gralsgemeinschaft [...]selbst im Bann von Handlungsunfähigkeit und Sprachlosigkeit&amp;quot; steht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Frage der Sühne==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl. 335r.)]]&lt;br /&gt;
Nach dem vermeintlichen Versagen Parzivals und seiner öffentlichen Ächtung am Artushof durch [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] ist Parzival also gezwungen seine „êre“ wiederherzustellen. Hinzu kommt, dass er sein Verhältnis zu Gott klären muss, nachdem er sich zwischenzeitlich vollständig von diesem losgesagt und die Theodizeefrage gestellt hatte (siehe auch Hauptartikel: [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Parzivals Gottesbild]]). Wiederum scheint auf den ersten Blick alles klar. Parzival erringt großartigen ritterlichen Ruhm, klärt sein Gottesbild beim frommen Einsiedler Trevrizent und wird anschließend zum Gral berufen – jetzt erfolgreicher als im ersten Anlauf. Doch diese „innere Umkehr“ Parzivals wird in der neueren Forschung mit Recht immer wieder angezweifelt.[Dallapiazza 2009: S. 92][Bumke 2004: S. 131f.] Parzival dringt nicht zu einem Zustand der [[Wahrnehmung und Erkenntnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erkenntnis]] seiner Verfehlungen durch, sondern bekommt sie lediglich vorgehalten. Nachdem ihm Trevrizent seine Sünden anlastet (vgl. 499,20 &amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;), äußert sich Parzival mit keinem Wort dazu. Auch der Erzähler enthält sich jeglichen Kommentars. &amp;quot;Was er von den theologischen Ausführungen verstanden hat&amp;quot;, [Bumke 2001: S. 360] bleibt also im Ungewissen. Er benötigt hingegen immer wieder Figuren ([[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîe]], [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]]…), die ihm seine Fehltritte aufzeigen. Eine Gabe zur Reflexion weist der Gralsritter bis zuletzt nicht wirklich auf. Allein die Reflektion seiner Verfehlungen durch Personen aus seinem Umfeld scheint aber nicht auszureichen; er muss auch immer wieder darauf hingewiesen werden, wie er sich ein zweites Mal vorm Gral zu verhalten habe. Zu einem selbstbestimmten und aus sich selbst erfolgreichen Grals-Ritter wird Parzival jedenfalls nicht – er bleibt bis zuletzt die von der Gesellschaft indoktrinierte und determinierte Erlöserfigur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Frage der Erlösung==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival gelingt es im zweiten Anlauf nun endlich die Mitleidsfrage zu stellen: Er besteht vor dem Gral. Anfortas und die Gralsgesellschaft können aufatmen – der [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Leiden_.28472.2C21.E2.80.93483.2C18.29|leidende]] Gralskönig wurde geheilt und damit die Gesellschaft von ihrem Übel befreit. Doch diese Sichtweise scheint bei eingehenderer Betrachtung zu beschränkt und wird auch von Wolfram nur in einem bezeichnend kurzen Abschnitt abgehandelt (vgl. Pz. XVI, 796, 3-15). Der große Rest des sechzehnten Buches widmet sich eben nicht Anfortas, seinen [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|geheilten Leiden]] und die damit einhergehende Erlösung der Gesellschaft — ganz im Gegenteil: Der Geheilte tritt völlig in den Hintergrund.[Dallapiazza 2009: S. 77f.] Der eigentlich Erlöste ist der Erlöser selbst. Er hat sich von seinem Versagen der ersten Begegnung mit dem Gral, von der zuvor aufgeladenen Schuld und seiner Abkehr von Gott erlöst und kann deshalb im Anschluss auch zum Gralskönig erhoben werden. Trotz seines nur bedingt geklärten Gottesverhältnis hat er seinen ihm zugeschrieben Platz in der Gesellschaft gefunden und ist deswegen in seinem sozialen Status vollständig rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Die [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Erlösung]] des Anfortas durch die Mitleidsfrage Parzivals ist die Selbsterlösung Parzivals von den Schatten der Vergangenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 1997] Wolfram von Eschenbach: Parzival, hrsg. von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a. M. 1997. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Text und Kultur: mittelalterliche Literatur 1150 - 1450 (DFG-Symposion 2000), hrsg v. Ursula Peters, Stuttgart/Weimar 2001, S.  355-370. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflage, Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2006] Brunner, Horst: Wolfram von Eschenbach. Auf den Spuren der Dichter und Denker durch Franken, Gunzenhausen 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blank 1971] Blank, Walter: Mittelalterliche Dichtung der Theologie? Zur Schuld Parzivals, in: ZfdA 100 (1971), S. 133-148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brall 1983] Brall, Helmut: Gralsuche und Adelsheil. Studien zu Wolframs Parzival, Heidelberg 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011] Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs &amp;gt;Parzival&amp;lt;, Berlin/New York  2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2001] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum &amp;quot;Abenteuer des Erzählens&amp;quot;. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Frankfurt u.a. 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Spiewok 1977] Wolfram von Eschenbach: Parzival, hrsgg., übertr. und eingeleitet von Wolfgang Spiewok, Leipzig 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion|Kategorie]][[Kategorie:Philosophie|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Schuld:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Erlösung:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Philosophie:: Wolframs von Eschnbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;| ]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Schuld,_S%C3%BChne_und_Erl%C3%B6sung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12849</id>
		<title>Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Schuld,_S%C3%BChne_und_Erl%C3%B6sung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12849"/>
		<updated>2012-07-25T10:47:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Schuld, Sühne und Erlösung sind im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] nicht so eindeutig zu klären, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Jeder der Begriffe ([[Parzivals Schuld | Schuld]] — Sühne — Erlösung) kann aus zumindest zwei unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden, die es herauszuarbeiten gilt.&amp;lt;ref&amp;gt; Die ganz unterschiedlichen, sich zum Teil widersprechenden Perspektiven auf den &amp;quot;Parzival&amp;quot; scheinen dabei keineswegs der fehlenden Stringenz und Folgerichtigkeit der Handlung geschuldet. Ganz im Gegenteil: Es lässt sich anhand von Wolframs poetologischen Äußerungen eindeutig der Wille zu Kippbildern, zu Multiperspektivität und in gewisser Weise auch zu Unschärfe erkennen. Vgl. dazu  insbesonders Pz. I, 1, 15-24.&lt;br /&gt;
Außerdem: [[Die poetologischen Äußerungen des Erzählers (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Die poetologischen Äußerungen des Erzählers]] und [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Elsterngleichnis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Einleitung==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Die im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs angelegte Handlungsstruktur scheint zunächst denkbar einfach, geradezu prototypisch. Der auserwählte und zunehmend anerkannte Held Parzival versagt in dem entscheidenden Moment, wird in aller Öffentlichkeit geächtet, stürzt in eine tiefe Depression, kämpft sich wieder hoch und besteht letzten Endes die große finale Prüfung und erlöst damit die Gesellschaft. Doch [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram]] wäre nicht Wolfram und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; wäre nicht so wirkungsmächtig [[Die Rezeption des &amp;quot;Parzival&amp;quot;|rezipiert]] worden,[Bumke 2004: S. 255-258.] wenn nicht neben dieser oberflächlichen Handlungsebene mindestens eine weitere, tiefer schürfende Bedeutungsebene möglich wäre.[Brunner 2006: S. 38] Der Artikel setzt sich zum Ziel, in Abgrenzung zur – ebenfalls vollkommen berechtigten – offensichtlichen Handlung, jene subtiler und vager angelegte Deutungsebene herauszuarbeiten; alles unter der Trias: [[Parzivals Schuld | Schuld]] – Sühne – Erlösung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Frage der Schuld==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Anfänglich scheint die Sachlage klar und eindeutig. Parzival kommt zum Gral nach Munsalvaesche, tritt vor [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und – [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | versagt]]: Er versäumt es, die Mitleidsfrage zu stellen. Für dieses Scheitern Parzvials können mindestens zwei Gründe angeführt werden:&lt;br /&gt;
# Parzival lädt in mehrerlei Hinsicht Schuld auf sich: Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]], Schändung [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Jeschutes]], Tod der Mutter[Schu 2001: 253-255.]&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu auch den Artikel: [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals tumpheit]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
# Parzival legt [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz‘]] Lehren zu dogmatisch aus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um dieses vermeintliche Versagen Parzivals zu relativieren, bedarf es einer intensiveren Betrachtung der Herkunft Parzivals:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seinen Ausgang nimmt die eigentliche Parzivalhandlung damit, dass seine Mutter, [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], ihn nach seiner Geburt von jeglicher «höfischen» Welt fernhalten will. Sie [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| erzieht]] ihn fernab der Zivilisation in einem Wald. Dort genießt er weder eine Ausbildung in ritterlichen Tugenden, wovor ihn seine Mutter ja bewusst schützen will, noch ist ihm eine ernstzunehmende religiöse Erziehung vergönnt. Auf seine Nachfrage, was Gott sei, vermittelt ihm seine Mutter nur ein kindlich-naives Bild von Gott:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
» sun, ich sage dirz âne spot.&lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
„Mein Sohn, ich will’s dir sagen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
er ist noch liehter denne der tac,&lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________&amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
ganz im Ernst: Er ist noch heller &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
der antlitzes sich bewac &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
als der Tag; Er macht sich &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
nâch menschen antlitze.   &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
zum Ebenbild des Menschen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
sun, merke eine witze,        &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
Und merke dir die Lehre, Sohn:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
und flêhe in umbe dîne nôt:&lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
bete zu Ihm in der Not.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
sîn triwe der werlde ie helfe bôt. «   &lt;br /&gt;
|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| &lt;br /&gt;
Schon immer stand Er zu den Menschen..“  [Wolfram von Eschenbach 1997: 203f.]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die unzureichende und defizitäre Erziehung Parzivals allein reicht aber nicht aus, um die Frage der Schuld aus einem anderen Blickwinkel zu betrachten.&amp;lt;ref&amp;gt;Für das dogmatische Auslegen der Lehren Gurnemanz‘, in gewisser Weise auch für die Schändung Jeschutes, kann Parzival mit seiner Herkunft und Erziehung entschuldigt werden. Nicht aber für die Tötung Ithers: Als Jäger muss Parzival den Tod des Gegners billigend in Kauf genommen haben.&amp;lt;/ref&amp;gt; In diesem Kontext ist es interessant zu sehen, wie Parzival nach Munsalvaesche, also zum Gral, gelangt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| »mit gewalt den zoum daz ros|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| „Sein Roß ließ er wild die Zügel schleifen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| truog über ronen und durchez mos:|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| über Stämme und durch Sumpf&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wandez wîste niemens hant. «|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| es war da keine Hand die lenkte.“ [Wolfram von Eschenbach 1997: S. 375.]&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Hatte er zuvor noch Condwirarmurs gebeten, ihm „urloup“ zu gewähren, damit er seine Mutter besuchen kann, so überlässt Parzival beim Losreiten bewusst seinem Pferd die Zügel.&amp;lt;ref&amp;gt;Das Motiv des „Zügel loslassen“ soll später ein zweites Mal auftauchen: Parzival überlässt seinem Pferd die Zügel, um sein Gottesverhältnis zu klären und gelangt prompt zum frommen Einsiedler Trevrizent (vgl.: Pz. IX, 452, 1-9).&amp;lt;/ref&amp;gt; Durch das engmaschige und eigentlich undurchdringbare Netz von Verteidigungsposten um die Gralsburg herum gelangt Parzival also unversehrt nach Munsalvaesche – wie auch später (Vgl. Anm. 4) lässt sich hinter der Lenkung des Pferdes eben doch Gottes langer Arm vermuten: Parzival wurde bewusst zum Gral berufen; er ist eben nicht zufällig vorbei geritten.&lt;br /&gt;
Für die Frage der Schuld ist das ein nicht zu überschätzender Sachverhalt, entscheidet doch bewusst eben jene transzendente und unfehlbare Instanz,[Bumke 2004: S. 141f.] dass der Gralsritter auch zum Gral gelangt.[Brall 1983: S. 254f.] Es wird demnach jemand berufen, der aufgrund seiner defizitären Erziehung und seiner mit Sünden beladenen Seele letztlich vor dem Gral überhaupt keine Chance auf Erfolg haben kann. Pointiert könnte man feststellen: Der Gral beruft den Richtigen zur falschen Zeit und ist am Scheitern selbst schuld.[Knaeble 2011: S. 297]&amp;lt;ref&amp;gt; Spiewok sieht im gesamten &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs eine Unterminierung der Kirche bzw. kirchlicher Institutionen. Vgl dazu: [Spiewok 1977: S. 32-36.] Siehe zu diesem Aspekt auch die [[Diskussion:Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Disskusionsseite]] zu diesem Artikel!&amp;lt;/ref&amp;gt;[Schu 2001: 290; 297.][Blank 1971: S. 140.]&amp;lt;ref&amp;gt; Blank stellt die Frage &amp;quot;Warum das Nichterkennen schuldhaft&amp;quot; sein sollte.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Brall 1983: S. 262.]&amp;lt;ref&amp;gt; Ähnlich wie Blank diskutiert auch Brall die Frage nach Parzivals Schuld vor dem Hintergrund, dass &amp;quot;die Gralsgemeinschaft [...]selbst im Bann von Handlungsunfähigkeit und Sprachlosigkeit&amp;quot; steht.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Frage der Sühne==&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|250px|Parzival kommt zu Trevrizent (UB Heidelberg, Cod. Pal. germ. 339, Bd. 2, Bl. 335r.)]]&lt;br /&gt;
Nach dem vermeintlichen Versagen Parzivals und seiner öffentlichen Ächtung am Artushof durch [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] ist Parzival also gezwungen seine „êre“ wiederherzustellen. Hinzu kommt, dass er sein Verhältnis zu Gott klären muss, nachdem er sich zwischenzeitlich vollständig von diesem losgesagt und die Theodizeefrage gestellt hatte (siehe auch Hauptartikel: [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Parzivals Gottesbild]]). Wiederum scheint auf den ersten Blick alles klar. Parzival erringt großartigen ritterlichen Ruhm, klärt sein Gottesbild beim frommen Einsiedler Trevrizent und wird anschließend zum Gral berufen – jetzt erfolgreicher als im ersten Anlauf. Doch diese „innere Umkehr“ Parzivals wird in der neueren Forschung mit Recht immer wieder angezweifelt.[Dallapiazza 2009: S. 92][Bumke 2004: S. 131f.] Parzival dringt nicht zu einem Zustand der [[Wahrnehmung und Erkenntnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erkenntnis]] seiner Verfehlungen durch, sondern bekommt sie lediglich vorgehalten. Nachdem ihm Trevrizent seine Sünden anlastet (vgl. 499,20 &amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten  Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer  Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;), äußert sich Parzival mit keinem Wort dazu. Auch der Erzähler enthält sich jeglichen Kommentars. &amp;quot;Was er von den theologischen Ausführungen verstanden hat&amp;quot;, [Bumke 2001: S. 360] bleibt also im Ungewissen. Er benötigt hingegen immer wieder Figuren ([[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîe]], [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]]…), die ihm seine Fehltritte aufzeigen. Eine Gabe zur Reflexion weist der Gralsritter bis zuletzt nicht wirklich auf. Allein die Reflektion seiner Verfehlungen durch Personen aus seinem Umfeld scheint aber nicht auszureichen; er muss auch immer wieder darauf hingewiesen werden, wie er sich ein zweites Mal vorm Gral zu verhalten habe. Zu einem selbstbestimmten und aus sich selbst erfolgreichen Grals-Ritter wird Parzival jedenfalls nicht – er bleibt bis zuletzt die von der Gesellschaft indoktrinierte und determinierte Erlöserfigur.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zur Frage der Erlösung==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival gelingt es im zweiten Anlauf nun endlich die Mitleidsfrage zu stellen: Er besteht vor dem Gral. Anfortas und die Gralsgesellschaft können aufatmen – der [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas.27_Leiden_.28472.2C21.E2.80.93483.2C18.29|leidende]] Gralskönig wurde geheilt und damit die Gesellschaft von ihrem Übel befreit. Doch diese Sichtweise scheint bei eingehenderer Betrachtung zu beschränkt und wird auch von Wolfram nur in einem bezeichnend kurzen Abschnitt abgehandelt (vgl. Pz. XVI, 796, 3-15). Der große Rest des sechzehnten Buches widmet sich eben nicht Anfortas, seinen [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|geheilten Leiden]] und die damit einhergehende Erlösung der Gesellschaft — ganz im Gegenteil: Der Geheilte tritt völlig in den Hintergrund.[Dallapiazza 2009: S. 77f.] Der eigentlich Erlöste ist der Erlöser selbst. Er hat sich von seinem Versagen der ersten Begegnung mit dem Gral, von der zuvor aufgeladenen Schuld und seiner Abkehr von Gott erlöst und kann deshalb im Anschluss auch zum Gralskönig erhoben werden. Trotz seines nur bedingt geklärten Gottesverhältnis hat er seinen ihm zugeschrieben Platz in der Gesellschaft gefunden und ist deswegen in seinem sozialen Status vollständig rehabilitiert.&lt;br /&gt;
Die [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Anfortas_Heilung_.28787.2C1.E2.80.93796.2C21.29|Erlösung]] des Anfortas durch die Mitleidsfrage Parzivals ist die Selbsterlösung Parzivals von den Schatten der Vergangenheit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 1997] Wolfram von Eschenbach: Parzival, hrsg. von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a. M. 1997. &lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Text und Kultur: mittelalterliche Literatur 1150 - 1450 (DFG-Symposion 2000), hrsg v. Ursula Peters, Stuttgart/Weimar 2001, S.  355-370. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflage, Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2006] Brunner, Horst: Wolfram von Eschenbach. Auf den Spuren der Dichter und Denker durch Franken, Gunzenhausen 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blank 1971] Blank, Walter: Mittelalterliche Dichtung der Theologie? Zur Schuld Parzivals, in: ZfdA 100 (1971), S. 133-148.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brall 1983] Brall, Helmut: Gralsuche und Adelsheil. Studien zu Wolframs Parzival, Heidelberg 1983.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knaeble 2011] Knaeble, Susanne: Höfisches Erzählen von Gott. Funktion und narrative Entfaltung des Religiösen in Wolframs &amp;gt;Parzival&amp;lt;, Berlin/New York  2011. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2001] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum &amp;quot;Abenteuer des Erzählens&amp;quot;. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Frankfurt u.a. 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Spiewok 1977] Wolfram von Eschenbach: Parzival, hrsgg., übertr. und eingeleitet von Wolfgang Spiewok, Leipzig 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion|Kategorie]][[Kategorie:Philosophie|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Schuld:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Erlösung:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
[[Philosophie:: Wolframs von Eschnbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;| ]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12843</id>
		<title>Inhaltsangabe &quot;Parzival&quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12843"/>
		<updated>2012-07-25T10:43:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Autorbild_Wolfram_von_Eschenbach_Codex_Manesse.jpg|thumb|400px|(Autorbild Wolframs von Eschenbach im Codex Manesse (UB Heidelberg, cpg 848, fol. 149v))]]&lt;br /&gt;
Der Artikel soll einen Überblick über [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] von Eschenbach Hauptwerk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; verschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Übersicht der wichtigsten Personen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund des umfangreichen Stoffes, werden an dieser Stelle nur die wichtigsten literarischen Figuren aufgeführt. Dies soll auf keinen Fall über den immensen Figurenreichtum [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] Werk hinwegtäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verwandtschaftstafel=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur besseren Übersicht der unten angeführten [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]]:&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum_Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival ist der namensgebende Protagonist Wolframs Werk. Er ist der Sohn von [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] und [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] und somit ein Angehöriger beider Gesellschaften: Mütterlicherseits der Grals- und väterlicherseits der Artusgesellschaft. Er wird von der Umwelt abgesondert in Soltane [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|aufgezogen]], was sich für das Werk als folgenträchtig herausstellen soll. Da Parzivals Geschick handlungsbestimmend ist, wird im Abschnitt [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Inhalt|Inhalt]] dieses Artikel ausführlicher auf seine Person eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gawan===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan ist die zweite Hauptfigur in &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Er ist der Sohn von König Lot und seiner Frau Sangive und damit in enger Verwandtschaft zu [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]], dessen Neffe er ist. Auch seine Figur wird im inhaltlichen Teil weiter unten ausführlich erläutert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist der Sohn Utepandraguns, des alten Königs. Artus ist mit Ginover verheiratet und hat einen Sohn mit ihr: Ilinot. Er ist der oberste Vertreter des säkularen Artushofes und besitzt allein das Recht Anwärter zum Ritter zu schlagen und in die Tafelrunde aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] ist der leidende Gralskönig. Er ist der Sohn von Frimutel und Enkel von Titurel, die zuvor Gralskönige waren. Parzival ist ein Neffe des Anfortas.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weil er in früheren Zeiten auf minne-Fahrt für [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] war, wurde ihm von einer übernatürlichen Kraft ein Speer ins Gemächt gestoßen, an dessen Wunde er bis zur endgültigen Heilung durch Parzival leidet. Mit dem Leiden des Gralskönig geht ein Leiden der ganzen Gralsgesellschaft einher, die besonderen Anteil an der Wunde nehmen. Am Leben wird Anfortas lediglich durch die lebensspendende Gralsschau gehalten, ansonsten würde er an den unsäglichen Schmerzen zugrunde gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] ist ein frommer Einsiedler, der alleine in einer Klause im Wald lebt. Er ist ein Bruder Anfortas&#039; und war einst Mitglied der Gralsgesellschaft. Für die Handlung ist er von ganz besonderer Bedeutung, weil er Parzival die erste ernstzunehmende religiöse Erziehung vermitteln will. Außerdem klärt er Parzival über die Beschaffenheit des Grals auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Orgeluse===&lt;br /&gt;
Orgeluse ist der Schönheitshierarchie des Erzählers nach die zweitschönste Frau nach Condwirarmurs. Sie steht mit den anderen Figuren in keinem benannten verwandtschaftlichen Verhältnis.&lt;br /&gt;
Orgeluse ist nicht nur indirekt Grund für die Verwundung Anfortas&#039;, sondern spielt auch einen umfangreichen Part im zweiten Handlungsstrang Gawans. Er versucht sie für sich zu gewinnen, was ihm letztlich auch gelingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der Vater Parzifals. Er ist entfernt mit Artus verwandt und hat mit zwei Frauen jeweils ein Kind. Aus der Verbindung zu Belacane geht Feirefiz hervor; aus der zu Herzeloyde: Parzifal. Gahmuret hat den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] bereist und bringt von dort außergewöhnliche Schmucksachen mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Belacane===&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die erste [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29|Frau]] Gahmurets und Mutter von Feirefiz. Sie stammt aus dem Orient, genauer: Aus Zazamanc. [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] verlässt sie zum einen, weil es ihn nach Abenteuern gelüstet, zum anderen aber nach eigener Aussage, weil sie nicht dem christlichen Glauben angehört, nicht getauft ist.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Pz. I, 55, 24-27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist die zweite Frau Gahmurets und Mutter Parzivals. Obwohl sie eine Schwester Anfortas ist, ist über eine engere Beziehung zur Gralsgesellschaft nichts bekannt. Den zunächst zur Liäson unwilligen Gahmuret klagt sie in einem juristisch anmutenden Akt nach einem Tunier ein.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. dazu den ausführlichen Artikel zu [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Tod ihres Mannes will sie ihren gemeinsamen Tod vor dem Übel und den Gefahren des Ritterlebens beschützen und so [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|erzieht]] sie - ihn fernab von jeglicher Zivilisation - im Wald Soltane.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Feirefiz===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] ist der Halbbruder Parzivals. Beide haben den gleichen Vater - Gahmuret - aber unterschiedliche Mütter. Durch sein Auftreten am Schluss des Epos gewinnt die Handlung des &amp;quot;Parzival&amp;quot; eine außergewöhnliche Orientumrahmung&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Abschnitt [[Das_Motiv_der_Doppelung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Orient_und_Okzident|Orient und Okizent]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Feirefiz heiratet zuletzt die Gralsträgerin [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] und reist mit ihr nach Indien, um dort das sagenhafte Geschlecht der Pristerkönige zu gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwirarmurs===&lt;br /&gt;
Condwirarmurs ist die Frau [[liebt::Parzival|Parzivals]]. Sie wird als außergewöhnlich schön beschrieben und steht in keinem bekannten Verwandtschaftsverhältnis zu anderen Personen der Erzählung. Parzival rettet sie im IV. Buch vor Clamides kriegerischen Werbungsgesuchen und erhält als Dank &amp;quot;hant und lant&amp;quot; von ihr. Sie ist die Herrscherin von Pelrapeire.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Keie===&lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keie]] ist der schillernde Seneschall am Artushof. Eine ausführlichere Analyse des ambivalenten Verhaltens dieser Figur in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot; ist [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Analyse|hier]] zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cunneware===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cunneware]] ist eine Hofdame am Artushof. Ihre nicht zu unterschätzende heilsgeschichtliche Bedeutung für Parzival wird [[Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Funktion_des_Lachens|hier]] herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ginover===&lt;br /&gt;
Ginover ist die Frau an König Artus&#039; Seite. Sie ist die ranghöchste Frau am Artushof und ist damit diejenige Person, an die sich die Frauen vor Hochzeiten u.ä. wenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Titurel und Frimutel===&lt;br /&gt;
Frimutel ist der Vater Anfortas&#039;, Titurel der Großvater des Gralkönigs und zugleich Vater des Frimutel. Diese beiden Ahnen stellen die Genealogie des Gralkönigtums dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Loherangrin===&lt;br /&gt;
Loherangrin ist der Sohn von Parzival und Condwirarmurs. Er erringt großen Ruhm in Namen des Grals und erfüllt später ein eigenes Schicksal an der Seite der Fürstin von Brabant, deren Schwanenritter er ist. Richard Wagners romantische Oper &amp;quot;Lohengrin&amp;quot; widmet sich diesem Stoff ausführlicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inhalt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram_Parzival_Prolog_cpg339.jpg|thumb|220px|Wolfram, Parzival 1,1ff (Prolog) – &#039;&#039;Ist zwiffel hertzen noch gebur...&#039;&#039; ( Heidelberg, Codex Palatinus Germanicus Cod. Pal. germ. 339, fol. 6r)]]&lt;br /&gt;
===Prolog (I, 1,1 - 4,26)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003].&amp;lt;/ref&amp;gt;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]]&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. dazu auch den Artikel: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Elsterngleichnis]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ist einer der umstrittensten und in der Froschung meist diskutierten Textstellen des &#039;Parzival&#039;. Allein für den Handlungsgang besitzt er keinerlei Evidenz: Der Prolog vereinigt in sich eher &amp;quot;zentrale Ideen des Werks, in ehtischer wie poetologischer Hinsicht&amp;quot;.[Dallapiazza 2009: S. 32] Dabei ist vor allem die &amp;quot;Elsternfarbigkeit&amp;quot; ein starkes Bild, das sich eben nicht nur auf die äußere farbliche Geschecktheit bezieht(vgl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]&#039; Hautfarbe), sondern auf die Lauterkeit und Integrität des Charakters der literarischen Figur im Gesamten.[Dallapiazza 2009: S. 33]&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Text und Deutung des Prologs vergleiche unbedingt auch [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Elsterngleichnis]] inklusive der Literaturangaben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vorgeschichte: Gahmurets Ritterfahrten (I+II)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] zieht auf Abenteuerfahrt ins [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Morgenland]], weil er als jüngerer [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sohn]] des König Gandins von Anschouwe nicht erbberechtig ist. Dort angekommen begibt er sich in den Dienst des heidnischen Baruc von Baldac(Kalif von Bagdad) und wird zu einem angesehen Ritter. Auf seinen aventîure-Fahrten im Orient gelangt er unter anderem nach Zazamanc, wo er die schwarze Königin Belacane antrifft, die sich von einer Übermacht des Feindes umzingelt sieht. Gahmuret besiegt die Anführer der Belagerer, kehrt in die Stadt zurück und heiratet Belacane.&amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlicher hierzu: [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Liebesbeziehung_zu_Belacane|Liebesbeziehung zu Belacane]] und [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Gahmuret wird zum anerkannten König von Zazamanc, doch die Ruhe währt nur kurz: Er verlässt die Königin - getrieben von Abenteuerlust - in einer Nacht- und Nebelaktion und hinterlässt lediglich einen [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]]. Wenige Monate später gebiert Belacane Gahmuret einen Sohne: [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]; Gahmuret gelangt nach längerer Seefahrt nach Spanien.[Bumke 2004: S. 44f.] Wieder im Abendlang gelandet, gewinnt er in einem Tunier Hand und Land von Herzeloyde,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. unbedingt auch:[[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, verlässt allerdings auch diese relativ bald und findet - diesmal wieder im Dienst des Baruc - auf einer Abenteuerfahrt den Tod. Herzeloyde ist bereits mit Parzival schwanger, empfängt ihn aber erst nach dem Ableben Gahmurets.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival I - Jugend, Erziehung, erste Gralsbegegnung und Aufnahme in die Artusrunde (III-VI)===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram_Parz_Soltane_cpg339_87r.jpg|thumb|220px|(Herzeloyde und Parzival im Wald von Soltane. Aus:  Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, I. Buch, Blatt 87r.)]]&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] hat sich mit Parzival in die Einöde von Soltane zurückgezogen. Sie [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|erzieht]] ihn fernab von jeglicher Zivilisation, um ihn vor den negativen Seiten des Ritterlebens zu schützen - der Grund für den Tod ihres Mannes Gahmuret. Bei seiner liebsten Beschäftigung - der Jagd - trifft der jugendliche Parzival auf drei Ritter, die er aufgrund seiner defizitären Erziehung und ihrer glänzenden Rüstung für himmlische Wesen hält.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu den Abschnitt [[Das_Gottesbild_Parzivals_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Phase_1:_Das_Gottesbild_der_Mutter|Das Gottesbild der Mutter]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Zutiefst beeindruckt vom strahlenden Glanz der drei Personen kehrt er zur Mutter zurück, verlangt nach einem Pferd und will - dem Hinweis der Ritter folgend - zum Artushof aufbrechen, um selbst Ritter zu werden. Seine Mutter, die ihn gerade davor hatte bewahren wollen, unternimmt einen letzten Versuch der Abwehr indem sie ihn in ein Narrengewand kleidet; sein Auftreten soll lächerlich&amp;lt;ref&amp;gt;Das Lachen spielt im bezug auf Parzivals Werdegang eine besondere Rolle. Zunächst im negativen Sinne lächerlich angezogen, wird eben jenes Lachen Cunnewares evoziert, das Parzival in seiner heilsgeschichtlichen Zukunft das erste Mal bestätigt. Vgl. dazu den Abschnitt: [[Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Funktion_des_Lachens|Cunneware - Die Funktion des Lachens]]&amp;lt;/ref&amp;gt; wirken und deswegen unerfolgreich sein. Sie gibt ihrem Sohn dennoch vier Lehren mit auf den Weg: Er solle Wasserläufe nur an hellen Stellen zu überqueren, freundlich zu jedermann sein, die Lehren erfahrener Männer wertschätzen und Kuss und Ring schöner Damen gewinnen. Als Parzival jedoch endgültig aufbricht, sinkt Herzeloyde - von Parzival ungesehen - tot zu Boden.&lt;br /&gt;
Auf seinem Weg zum Artushof kommt es zum ersten Zwischenfall, in dem er die Lehren seiner Mutter zu dogmatisch auslegt: er raubt Orilus&#039; Frau Jeschute gewaltsam Ring und Spange.&amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlicher dazu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival, Jeschute und Orilus]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Später hört er im Wald die Schreie einer um ihren toten Mann klagenden Frau. Es ist Parzivals Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], von der seinen Namen und seine königliche Abstammung erfährt.&lt;br /&gt;
Schließlich gelangt er zum Artushof, und erfährt von der Notwendigkeit der Ritterrüstung, um zur Artusrunde zugelassen zu werden. Er tötet den Unruhestifter Ither, nimmt sich seine rote Rüstung und gelangt anschließend zu [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der ihm eine erste höfische Erziehung zukommen lässt. Nachdem er seinen Mentor wieder verlassen hat, befreit Parzival die Königin Condirarmus, die in der Hauptstadt Pelrapeire ihres Landes Brobarz belagert wird. Er gewinnt Hand und Land von ihr, bleibt aber nicht lange vor Ort, sondern bricht auf, um das ungewisse Schicksal seiner Mutter zu ergründen. Auf dieser Fahrt gelangt er [[Parzival auf Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das erste Mal]] zum Gral, nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]], wo er es versäumt die Mitleidsfrage zu stellen und damit scheitert.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Scheitern Parzivals und der ausführlichen Forschungsdebatte: [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld, Sühne und Erlösung]] und [[Parzivals Schuld]], sowie [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Versagen in der Gralsburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als er am Folgetagg seines Versagens die Gralsburg leer findet, zieht er unwillig davon. Auf dem weiteren Weg trifft er seine Cousine Sigune wieder, die ihn, als sie erfährt, dass Parzival die erlösende Frage nicht gestellt hat, verflucht. Kurz vor [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus&#039;]] Zeltlager, verfällt Parzival aufgrund von drei [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen]] in Trance, bis schließlich der verständige [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] seinen Mantel darüber breitet und den Zauber löst. Angekommen im Heerlager Artus&#039;, wird Parzival zum Ritter geschlagen, doch auch hier verweilt er nicht lange, da er durch die Gralsbotin [[die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîe]] vor versammelter Gesellschaft verflucht wird; sich von Gott lossagend, flüchet er sich in Rittertaten.[Bumke 2004: S. 54-79][Spiewok 1977: S. 22-25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gawan I - Bearosche und Schanpfanzun (VII-VIII)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan muss nach Ascalun reiten, um dort einen Zweikampf zu absolvieren. Auf dem Weg dorthin, gelangt er nach Bearosche, wo gerade ein großer Kampf ansteht. Aufgrund von Gawans Terminverpflichtung ist er zunächst nicht gewillt in den Kampf einzusteifen, vollbringt aber letztlich die Kriegsentscheidende Tat, indem er den Anführer des gegnerischen Heers - Meljanz - gefangen nimmt.&lt;br /&gt;
Angekommen in Ascalun hat Gawan ein Minneerlebnis mit der Schwester seines Zweikampfgegners Vergulacht, der tagsüber zur Jagd ausgeritten ist. Antikonie und Gawan werden in flagranti erwischt und es kommt zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadtmannschaft und Gawan, der sich waffenlos nur notdürftig zu verteidigen weiß. Schlichtend tritt der Landgraf Kingrimursel auf den Plan, dessen Aufgabe es war, Gawan das sichere Geleit zum Austragungsort des Zweikampfes zu gewährleisten. Er stellt sich gegen seine eigene Stadtwache, anschließend sogar gegen seinen König Vergulacht. Doch die Situation eskaliert nicht; der Zweikampf wird um ein Jahr verschoben und Gawan muss die Bürde tragen, die Vergulacht zuvor vom Roten Ritter auferlegt wurde: Hilfe bei der Suche nach dem Gral.[Bumke 2004: S. 79-86][Spiewok 1977: S. 25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival II - Parzival bei Trevrizent (IX)===&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|220px|(Parzival reitet von links auf den vor seiner Klause sitzenden und in einem Buch lesenden Einsiedler Trevrizent zu.)]]&lt;br /&gt;
Bereits vier Jahre sind vergangen, seit Parzival das erste Mal auf Munsalvaesche war. Er irrt nach wie vor ziellos durch die Lande auf der Suche nach dem Gral und hegt auch immernoch seinen Groll auf Gott. Zum dritten Mal nun trifft Parzival wieder auf Sigune, die fortwährend um ihren Geliebten klagt und sich in der Klause eingemauert hat. Er versöhnt sich mit ihr und sie versucht, ihm den Weg nach Munsalvaesche zu erklären, doch außer einem verstreuten Gralsritter, den Parzival besiegt, sieht er nichts von der Gralsburg. Doch er gelangt zu [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]], seinem Oheim, der in langen Gesprächen mit Parzival dessen Verfehlungen zu ergründen sucht. Trevrizent erklärt ihm nicht nur seine Sichtweise der Versäumnisse Parzivals sondern lässt ihm auch die erste ernstzunehmende religiöse Erziehung zukommen. Er erteilt dem Helden die Absolution und versucht ihn mit Gott zu versöhnen.&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival über die Beschaffenheit des Grals durch Trevrizent unterrichtet wurde, bricht er nach vierzehn Tagen wieder auf und setzt seine Gralsuche fort. Die Parzivalhandlung wird erneut abgeblendet und Gawan tritt wieder hervor.[Bumke 2004: S. 87-94][Spiewok 1977: S. 26]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gawan II - Gawan und Orgeluse (X-XIV)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Gralsuche trifft Gawan auf die Herzogin [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] von Logroys, zu der er sofort in Liebe entbrennt. Er begibt sich in ihren [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]], den sie allerdings nur mit Hohn und Spott vergilt. Orgeluses ganzes Handeln zielt darauf ab, den Tod ihres geliebten Cidegasts zu rächen, der durch [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] erschlagen wurde. Alle Ritter, die sie in ihren Dienst aufnimmt, müssen sich ihrem Rachegedanken vollkommen unterordnen. Bevor es allerdings zur direkten Auseinandersetzung mit Gramoflanz kommt, gilt es für Gawan einige Abenteuer zu bestehen.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Abenteuer: Sieg über Lischoys Gwelljus; Sieg über den Turkoyten Florand von Itolac und sein Hauptabenteuer: [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan im Schastel marveile]], in dem zahlreiche durch den Magier [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] verzauberte Personen befreut, unter anderem seine Großmutter Arnive, seine Mutter Sangive und seine Schwestern Itonje und Cundrie.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem Gawan alle ihm auferlegten Herausforderungen absolviert hat, hält ihn auch Orgeluse für wert, Gramoflanz entgegen zu treten. Dieser bricht, nachdem Gawan sich zu erkennen gegeben hat, seinen Grundsatz nur gegen zwei Ritter gleichzeitig anzutreten und der Zweikampf wird in einer großartigen Kulisse auf dem Feld von Joflanze vereinbart.&lt;br /&gt;
Doch dieser Zweikampf wird zwei Mal erheblich gestört. Zunächst als Gawan den mit geschlossenem Visier reitenden Parzival für Gramoflanz hält, ihn angreift und sich das Missverständnis erst kurz vor der sich für Gawan abzeichenenden Niederlage auflöst. Daraufhin wird das Kräftemessen auf den Folgetag verschoben, an dem nun aber Gramoflanz in eine Auseinandersetzung mit Parzival gerät, ebenfalls fast verliert und der Zweikampf wiederum verschoben wird. Izwischen konnte Artus zwischen Gramoflanz und Gawan dergestalt vermitteln, dass Gramoflanz die von ihm geliebte Schwester Gawans - [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] zur Frau bekommt; die beiden Ritter versöhnen sich und der lange aufgeschobene Zweikampf findet nun endgültig nicht statt. Auch Orgeluse sieht von ihren Rachegedanken ab und befindet Gawan auch ohne Sieg über Gramoflanz für wert seine Frau zu werden.[Bumke 2004: S. 95-115][Spiewok 1977: S. 25-27]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival III - Gralskönigtum (XV-XVI)===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram_Parz_Feirefiz_cpg339_540v.jpg|thumb|220px|(Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden  Feirefiz. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau,  Werkstatt Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, I. Buch,  Blatt 540v.)]]&lt;br /&gt;
Im fünfzehnten Buch treffen erstmals die beiden Halbbrüder Parzival und Feirefiz aufeinander. Feirefiz war mit einem großen Heer aus dem Orient aufgebrochen, um seinen Vater Gahmuret zu suchen. Als die Geschwister sich nicht erkennen, entbrennt ein [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kampf]] zwischen ihnen, der sein Ende erst im Zerbrechen Parzivals Schwert findet. Großmütig wirft der Heidenkönig sein Schwert ebenfalls beiseite, ergibt sich Parzival zu erkennen und die beiden legen auf der Stelle ihre Kampfhandlung nieder. Glücklich reiten sie ins Lager nach Joflanze, wo sie von Artus und Gawan freudig begrüßt werden. Auf dem Fest zu Ehren Feirefiz&#039; am Folgetag erscheint [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîe]] und verkündet Parzivals Berufung zum Gralskönig. Dieser dürfe außerdem eine weitere Person seiner Wahl mitbringen - er wählt Feirefiz. In Munsalvaesche angekommen stellt Parzival endlich die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende]] Mitleidsfrage und kann sich nun zum Gralskönig aufschwingen. Er sieht endlich auch seine inzwischen ebenfalls zur Gralsburg gerufene Frau Condirarmus wieder, die ihm in der Zwischenzeit bereits zwei Söhne geschenkt hat: Loherangrin und Kardeiz. Die Söhne Parzivals sichern die Nachfolge in beiden Welten (Kardeiz über die weltlichen Herrschaftsgebiete Parzivals; Loherangrin ist als Nachfolger des Gralkönigs ausersehen) und Feirefiz heiratet, nachdem er getauft wurde, die Gralträgerin [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]], zieht mit ihr nach Indien und begründet dort das Geschlecht der Priesterkönige.&lt;br /&gt;
Der letzte Teil der Handlung befasst sich ausführlicher mit dem Schicksal Loherangrins. Dieser rettet und heiratet die Fürstin von Brabant, kehrt aber letztlich wieder auf die Gralsburg zurück, da seine Frau den durch Gott vorgebenen Grundatz verletzt und Loherangrin nach seiner Herkunft befragt.[Bumke 2004: S. 115-124][Spiewok 1977: S. 27f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Epilog (XVI, 827, 1-30)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Epilog schließt&amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Besprechung des Schlussteils ist [[Der Schluss (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] zu finden.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Parzivalepos ab. Er formuliert ein letztes Mal die Leitthemantik des Werkes, das Ziel zugleich Gott und den Menschen zu gefallen. In beiden Sphären, der transzendenten und der immanenten, sich zu bewähren und zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swes lebn sich sô verendet,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Wer sein Leben so beschließt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz got niht wirt gepfendet|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| daß Gott der Seele nicht beraubt wird,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sêle durch des lîbes schulde,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| weil der Leib zum Schuldner wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und der doch der werlde hulde|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| und wer sich doch die Gunst der Welt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| behalten kan mit werdekeit,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| erhält und seine Würde wahrt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ein nütziu arbeit.|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| für den war Mühe nicht umsonst.&amp;lt;ref&amp;gt;Pz. XVI, 827, 19-24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival verkörpert dieses Ideal zuletzt, wenn er sowohl ein geachtetes Mitglied der Tafelrunde, als auch der Herrscher des Grals ist.&amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlicher dazu: [[Das Motiv der Doppelung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Motiv der Doppelung]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&amp;lt;harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Primärtext===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Spiewok 1977] Wolfram von Eschenbach: Parzival, übersetzt und eingeleitet von W. Spiewok, Leipzig 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]][[Kategorie: Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Charakterisiert:: Literarische Figuren| ]]&lt;br /&gt;
[[Inhalt:: Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival| ]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12835</id>
		<title>Inhaltsangabe &quot;Parzival&quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12835"/>
		<updated>2012-07-25T10:41:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Datei:Autorbild_Wolfram_von_Eschenbach_Codex_Manesse.jpg|thumb|400px|(Autorbild Wolframs von Eschenbach im Codex Manesse (UB Heidelberg, cpg 848, fol. 149v))]]&lt;br /&gt;
Der Artikel soll einen Überblick über [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] von Eschenbach Hauptwerk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; verschaffen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Übersicht der wichtigsten Personen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund des umfangreichen Stoffes, werden an dieser Stelle nur die wichtigsten literarischen Figuren aufgeführt. Dies soll auf keinen Fall über den immensen Figurenreichtum [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] Werk hinwegtäuschen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verwandtschaftstafel=== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zur besseren Übersicht der unten angeführten [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]]:&lt;br /&gt;
[[Datei:Stammbaum_Parzival.JPG]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival ist der namensgebende Protagonist Wolframs Werk. Er ist der Sohn von [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] und [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] und somit ein Angehöriger beider Gesellschaften: Mütterlicherseits der Grals- und väterlicherseits der Artusgesellschaft. Er wird von der Umwelt abgesondert in Soltane [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|aufgezogen]], was sich für das Werk als folgenträchtig herausstellen soll. Da Parzivals Geschick handlungsbestimmend ist, wird im Abschnitt [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Inhalt|Inhalt]] dieses Artikel ausführlicher auf seine Person eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gawan===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan ist die zweite Hauptfigur in &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Er ist der Sohn von König Lot und seiner Frau Sangive und damit in enger Verwandtschaft zu [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| König Artus]], dessen Neffe er ist. Auch seine Figur wird im inhaltlichen Teil weiter unten ausführlich erläutert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Artus===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] ist der Sohn Utepandraguns, des alten Königs. Artus ist mit Ginover verheiratet und hat einen Sohn mit ihr: Ilinot. Er ist der oberste Vertreter des säkularen Artushofes und besitzt allein das Recht Anwärter zum Ritter zu schlagen und in die Tafelrunde aufzunehmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Anfortas===&lt;br /&gt;
[[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] ist der leidende Gralskönig. Er ist der Sohn von Frimutel und Enkel von Titurel, die zuvor Gralskönige waren. Parzival ist ein Neffe des Anfortas.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Weil er in früheren Zeiten auf minne-Fahrt für [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] war, wurde ihm von einer übernatürlichen Kraft ein Speer ins Gemächt gestoßen, an dessen Wunde er bis zur endgültigen Heilung durch Parzival leidet. Mit dem Leiden des Gralskönig geht ein Leiden der ganzen Gralsgesellschaft einher, die besonderen Anteil an der Wunde nehmen. Am Leben wird Anfortas lediglich durch die lebensspendende Gralsschau gehalten, ansonsten würde er an den unsäglichen Schmerzen zugrunde gehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] ist ein frommer Einsiedler, der alleine in einer Klause im Wald lebt. Er ist ein Bruder Anfortas&#039; und war einst Mitglied der Gralsgesellschaft. Für die Handlung ist er von ganz besonderer Bedeutung, weil er Parzival die erste ernstzunehmende religiöse Erziehung vermitteln will. Außerdem klärt er Parzival über die Beschaffenheit des Grals auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Orgeluse===&lt;br /&gt;
Orgeluse ist der Schönheitshierarchie des Erzählers nach die zweitschönste Frau nach Condwirarmurs. Sie steht mit den anderen Figuren in keinem benannten verwandtschaftlichen Verhältnis.&lt;br /&gt;
Orgeluse ist nicht nur indirekt Grund für die Verwundung Anfortas&#039;, sondern spielt auch einen umfangreichen Part im zweiten Handlungsstrang Gawans. Er versucht sie für sich zu gewinnen, was ihm letztlich auch gelingt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gahmuret===&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der Vater Parzifals. Er ist entfernt mit Artus verwandt und hat mit zwei Frauen jeweils ein Kind. Aus der Verbindung zu Belacane geht Feirefiz hervor; aus der zu Herzeloyde: Parzifal. Gahmuret hat den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] bereist und bringt von dort außergewöhnliche Schmucksachen mit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Belacane===&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ist die erste [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29|Frau]] Gahmurets und Mutter von Feirefiz. Sie stammt aus dem Orient, genauer: Aus Zazamanc. [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] verlässt sie zum einen, weil es ihn nach Abenteuern gelüstet, zum anderen aber nach eigener Aussage, weil sie nicht dem christlichen Glauben angehört, nicht getauft ist.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Pz. I, 55, 24-27.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Herzeloyde===&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ist die zweite Frau Gahmurets und Mutter Parzivals. Obwohl sie eine Schwester Anfortas ist, ist über eine engere Beziehung zur Gralsgesellschaft nichts bekannt. Den zunächst zur Liäson unwilligen Gahmuret klagt sie in einem juristisch anmutenden Akt nach einem Tunier ein.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. dazu den ausführlichen Artikel zu [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach dem Tod ihres Mannes will sie ihren gemeinsamen Tod vor dem Übel und den Gefahren des Ritterlebens beschützen und so [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|erzieht]] sie - ihn fernab von jeglicher Zivilisation - im Wald Soltane.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Feirefiz===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] ist der Halbbruder Parzivals. Beide haben den gleichen Vater - Gahmuret - aber unterschiedliche Mütter. Durch sein Auftreten am Schluss des Epos gewinnt die Handlung des &amp;quot;Parzival&amp;quot; eine außergewöhnliche Orientumrahmung&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. den Abschnitt [[Das_Motiv_der_Doppelung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Orient_und_Okzident|Orient und Okizent]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Feirefiz heiratet zuletzt die Gralsträgerin [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] und reist mit ihr nach Indien, um dort das sagenhafte Geschlecht der Pristerkönige zu gründen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Condwirarmurs===&lt;br /&gt;
Condwirarmurs ist die Frau [[liebt::Parzival|Parzivals]]. Sie wird als außergewöhnlich schön beschrieben und steht in keinem bekannten Verwandtschaftsverhältnis zu anderen Personen der Erzählung. Parzival rettet sie im IV. Buch vor Clamides kriegerischen Werbungsgesuchen und erhält als Dank &amp;quot;hant und lant&amp;quot; von ihr. Sie ist die Herrscherin von Pelrapeire.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Keie===&lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keie]] ist der schillernde Seneschall am Artushof. Eine ausführlichere Analyse des ambivalenten Verhaltens dieser Figur in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot; ist [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Analyse|hier]] zu finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Cunneware===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cunneware]] ist eine Hofdame am Artushof. Ihre nicht zu unterschätzende heilsgeschichtliche Bedeutung für Parzival wird [[Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Funktion_des_Lachens|hier]] herausgearbeitet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ginover===&lt;br /&gt;
Ginover ist die Frau an König Artus&#039; Seite. Sie ist die ranghöchste Frau am Artushof und ist damit diejenige Person, an die sich die Frauen vor Hochzeiten u.ä. wenden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Titurel und Frimutel===&lt;br /&gt;
Frimutel ist der Vater Anfortas&#039;, Titurel der Großvater des Gralkönigs und zugleich Vater des Frimutel. Diese beiden Ahnen stellen die Genealogie des Gralkönigtums dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Loherangrin===&lt;br /&gt;
Loherangrin ist der Sohn von Parzival und Condwirarmurs. Er erringt großen Ruhm in Namen des Grals und erfüllt später ein eigenes Schicksal an der Seite der Fürstin von Brabant, deren Schwanenritter er ist. Richard Wagners romantische Oper &amp;quot;Lohengrin&amp;quot; widmet sich diesem Stoff ausführlicher.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inhalt==&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram_Parzival_Prolog_cpg339.jpg|thumb|220px|Wolfram, Parzival 1,1ff (Prolog) – &#039;&#039;Ist zwiffel hertzen noch gebur...&#039;&#039; ( Heidelberg, Codex Palatinus Germanicus Cod. Pal. germ. 339, fol. 6r)]]&lt;br /&gt;
===Prolog (I, 1,1 - 4,26)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003].&amp;lt;/ref&amp;gt;===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]]&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. dazu auch den Artikel: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Elsterngleichnis]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ist einer der umstrittensten und in der Froschung meist diskutierten Textstellen des &#039;Parzival&#039;. Allein für den Handlungsgang besitzt er keinerlei Evidenz: Der Prolog vereinigt in sich eher &amp;quot;zentrale Ideen des Werks, in ehtischer wie poetologischer Hinsicht&amp;quot;.[Dallapiazza 2009: S. 32] Dabei ist vor allem die &amp;quot;Elsternfarbigkeit&amp;quot; ein starkes Bild, das sich eben nicht nur auf die äußere farbliche Geschecktheit bezieht(vgl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]&#039; Hautfarbe), sondern auf die Lauterkeit und Integrität des Charakters der literarischen Figur im Gesamten.[Dallapiazza 2009: S. 33]&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Text und Deutung des Prologs vergleiche unbedingt auch [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Elsterngleichnis]] inklusive der Literaturangaben.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Vorgeschichte: Gahmurets Ritterfahrten (I+II)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] zieht auf Abenteuerfahrt ins [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Morgenland]], weil er als jüngerer [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sohn]] des König Gandins von Anschouwe nicht erbberechtig ist. Dort angekommen begibt er sich in den Dienst des heidnischen Baruc von Baldac(Kalif von Bagdad) und wird zu einem angesehen Ritter. Auf seinen aventîure-Fahrten im Orient gelangt er unter anderem nach Zazamanc, wo er die schwarze Königin Belacane antrifft, die sich von einer Übermacht des Feindes umzingelt sieht. Gahmuret besiegt die Anführer der Belagerer, kehrt in die Stadt zurück und heiratet Belacane.&amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlicher hierzu: [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Liebesbeziehung_zu_Belacane|Liebesbeziehung zu Belacane]] und [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Gahmuret wird zum anerkannten König von Zazamanc, doch die Ruhe währt nur kurz: Er verlässt die Königin - getrieben von Abenteuerlust - in einer Nacht- und Nebelaktion und hinterlässt lediglich einen [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]]. Wenige Monate später gebiert Belacane Gahmuret einen Sohne: [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]; Gahmuret gelangt nach längerer Seefahrt nach Spanien.[Bumke 2004: S. 44f.] Wieder im Abendlang gelandet, gewinnt er in einem Tunier Hand und Land von Herzeloyde,&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. unbedingt auch:[[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]].&amp;lt;/ref&amp;gt;, verlässt allerdings auch diese relativ bald und findet - diesmal wieder im Dienst des Baruc - auf einer Abenteuerfahrt den Tod. Herzeloyde ist bereits mit Parzival schwanger, empfängt ihn aber erst nach dem Ableben Gahmurets.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival I - Jugend, Erziehung, erste Gralsbegegnung und Aufnahme in die Artusrunde (III-VI)===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram_Parz_Soltane_cpg339_87r.jpg|thumb|220px|(Herzeloyde und Parzival im Wald von Soltane. Aus:  Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau, Werkstatt  Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, I. Buch, Blatt 87r.)]]&lt;br /&gt;
[[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] hat sich mit Parzival in die Einöde von Soltane zurückgezogen. Sie [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|erzieht]] ihn fernab von jeglicher Zivilisation, um ihn vor den negativen Seiten des Ritterlebens zu schützen - der Grund für den Tod ihres Mannes Gahmuret. Bei seiner liebsten Beschäftigung - der Jagd - trifft der jugendliche Parzival auf drei Ritter, die er aufgrund seiner defizitären Erziehung und ihrer glänzenden Rüstung für himmlische Wesen hält.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. dazu den Abschnitt [[Das_Gottesbild_Parzivals_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Phase_1:_Das_Gottesbild_der_Mutter|Das Gottesbild der Mutter]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Zutiefst beeindruckt vom strahlenden Glanz der drei Personen kehrt er zur Mutter zurück, verlangt nach einem Pferd und will - dem Hinweis der Ritter folgend - zum Artushof aufbrechen, um selbst Ritter zu werden. Seine Mutter, die ihn gerade davor hatte bewahren wollen, unternimmt einen letzten Versuch der Abwehr indem sie ihn in ein Narrengewand kleidet; sein Auftreten soll lächerlich&amp;lt;ref&amp;gt;Das Lachen spielt im bezug auf Parzivals Werdegang eine besondere Rolle. Zunächst im negativen Sinne lächerlich angezogen, wird eben jenes Lachen Cunnewares evoziert, das Parzival in seiner heilsgeschichtlichen Zukunft das erste Mal bestätigt. Vgl. dazu den Abschnitt: [[Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Funktion_des_Lachens|Cunneware - Die Funktion des Lachens]]&amp;lt;/ref&amp;gt; wirken und deswegen unerfolgreich sein. Sie gibt ihrem Sohn dennoch vier Lehren mit auf den Weg: Er solle Wasserläufe nur an hellen Stellen zu überqueren, freundlich zu jedermann sein, die Lehren erfahrener Männer wertschätzen und Kuss und Ring schöner Damen gewinnen. Als Parzival jedoch endgültig aufbricht, sinkt Herzeloyde - von Parzival ungesehen - tot zu Boden.&lt;br /&gt;
Auf seinem Weg zum Artushof kommt es zum ersten Zwischenfall, in dem er die Lehren seiner Mutter zu dogmatisch auslegt: er raubt Orilus&#039; Frau Jeschute gewaltsam Ring und Spange.&amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlicher dazu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival, Jeschute und Orilus]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Später hört er im Wald die Schreie einer um ihren toten Mann klagenden Frau. Es ist Parzivals Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], von der seinen Namen und seine königliche Abstammung erfährt.&lt;br /&gt;
Schließlich gelangt er zum Artushof, und erfährt von der Notwendigkeit der Ritterrüstung, um zur Artusrunde zugelassen zu werden. Er tötet den Unruhestifter Ither, nimmt sich seine rote Rüstung und gelangt anschließend zu [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]], der ihm eine erste höfische Erziehung zukommen lässt. Nachdem er seinen Mentor wieder verlassen hat, befreit Parzival die Königin Condirarmus, die in der Hauptstadt Pelrapeire ihres Landes Brobarz belagert wird. Er gewinnt Hand und Land von ihr, bleibt aber nicht lange vor Ort, sondern bricht auf, um das ungewisse Schicksal seiner Mutter zu ergründen. Auf dieser Fahrt gelangt er [[Parzival auf Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das erste Mal]] zum Gral, nach [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]], wo er es versäumt die Mitleidsfrage zu stellen und damit scheitert.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Scheitern Parzivals und der ausführlichen Forschungsdebatte: [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld, Sühne und Erlösung]] und [[Parzivals Schuld]], sowie [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Versagen in der Gralsburg]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als er am Folgetagg seines Versagens die Gralsburg leer findet, zieht er unwillig davon. Auf dem weiteren Weg trifft er seine Cousine Sigune wieder, die ihn, als sie erfährt, dass Parzival die erlösende Frage nicht gestellt hat, verflucht. Kurz vor [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus&#039;]] Zeltlager, verfällt Parzival aufgrund von drei [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfen]] in Trance, bis schließlich der verständige [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] seinen Mantel darüber breitet und den Zauber löst. Angekommen im Heerlager Artus&#039;, wird Parzival zum Ritter geschlagen, doch auch hier verweilt er nicht lange, da er durch die Gralsbotin [[die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîe]] vor versammelter Gesellschaft verflucht wird; sich von Gott lossagend, flüchet er sich in Rittertaten.[Bumke 2004: S. 54-79][Spiewok 1977: S. 22-25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gawan I - Bearosche und Schanpfanzun (VII-VIII)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan muss nach Ascalun reiten, um dort einen Zweikampf zu absolvieren. Auf dem Weg dorthin, gelangt er nach Bearosche, wo gerade ein großer Kampf ansteht. Aufgrund von Gawans Terminverpflichtung ist er zunächst nicht gewillt in den Kampf einzusteifen, vollbringt aber letztlich die Kriegsentscheidende Tat, indem er den Anführer des gegnerischen Heers - Meljanz - gefangen nimmt.&lt;br /&gt;
Angekommen in Ascalun hat Gawan ein Minneerlebnis mit der Schwester seines Zweikampfgegners Vergulacht, der tagsüber zur Jagd ausgeritten ist. Antikonie und Gawan werden in flagranti erwischt und es kommt zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen der Stadtmannschaft und Gawan, der sich waffenlos nur notdürftig zu verteidigen weiß. Schlichtend tritt der Landgraf Kingrimursel auf den Plan, dessen Aufgabe es war, Gawan das sichere Geleit zum Austragungsort des Zweikampfes zu gewährleisten. Er stellt sich gegen seine eigene Stadtwache, anschließend sogar gegen seinen König Vergulacht. Doch die Situation eskaliert nicht; der Zweikampf wird um ein Jahr verschoben und Gawan muss die Bürde tragen, die Vergulacht zuvor vom Roten Ritter auferlegt wurde: Hilfe bei der Suche nach dem Gral.[Bumke 2004: S. 79-86][Spiewok 1977: S. 25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival II - Parzival bei Trevrizent (IX)===&lt;br /&gt;
[[Datei:Parzival_kommt_zum_Einsiedler_Trevrizent.jpg|thumb|220px|(Parzival reitet von links auf den vor seiner Klause sitzenden und in einem Buch lesenden Einsiedler Trevrizent zu.)]]&lt;br /&gt;
Bereits vier Jahre sind vergangen, seit Parzival das erste Mal auf Munsalvaesche war. Er irrt nach wie vor ziellos durch die Lande auf der Suche nach dem Gral und hegt auch immernoch seinen Groll auf Gott. Zum dritten Mal nun trifft Parzival wieder auf Sigune, die fortwährend um ihren Geliebten klagt und sich in der Klause eingemauert hat. Er versöhnt sich mit ihr und sie versucht, ihm den Weg nach Munsalvaesche zu erklären, doch außer einem verstreuten Gralsritter, den Parzival besiegt, sieht er nichts von der Gralsburg. Doch er gelangt zu [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]], seinem Oheim, der in langen Gesprächen mit Parzival dessen Verfehlungen zu ergründen sucht. Trevrizent erklärt ihm nicht nur seine Sichtweise der Versäumnisse Parzivals sondern lässt ihm auch die erste ernstzunehmende religiöse Erziehung zukommen. Er erteilt dem Helden die Absolution und versucht ihn mit Gott zu versöhnen.&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival über die Beschaffenheit des Grals durch Trevrizent unterrichtet wurde, bricht er nach vierzehn Tagen wieder auf und setzt seine Gralsuche fort. Die Parzivalhandlung wird erneut abgeblendet und Gawan tritt wieder hervor.[Bumke 2004: S. 87-94][Spiewok 1977: S. 26]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gawan II - Gawan und Orgeluse (X-XIV)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf der Gralsuche trifft Gawan auf die Herzogin [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] von Logroys, zu der er sofort in Liebe entbrennt. Er begibt sich in ihren [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]], den sie allerdings nur mit Hohn und Spott vergilt. Orgeluses ganzes Handeln zielt darauf ab, den Tod ihres geliebten Cidegasts zu rächen, der durch [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] erschlagen wurde. Alle Ritter, die sie in ihren Dienst aufnimmt, müssen sich ihrem Rachegedanken vollkommen unterordnen. Bevor es allerdings zur direkten Auseinandersetzung mit Gramoflanz kommt, gilt es für Gawan einige Abenteuer zu bestehen.&amp;lt;ref&amp;gt; Die Abenteuer: Sieg über Lischoys Gwelljus; Sieg über den Turkoyten Florand von Itolac und sein Hauptabenteuer: [[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan im Schastel marveile]], in dem zahlreiche durch den Magier [[Clinschor (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Clinschor]] verzauberte Personen befreut, unter anderem seine Großmutter Arnive, seine Mutter Sangive und seine Schwestern Itonje und Cundrie.&amp;lt;/ref&amp;gt; Nachdem Gawan alle ihm auferlegten Herausforderungen absolviert hat, hält ihn auch Orgeluse für wert, Gramoflanz entgegen zu treten. Dieser bricht, nachdem Gawan sich zu erkennen gegeben hat, seinen Grundsatz nur gegen zwei Ritter gleichzeitig anzutreten und der Zweikampf wird in einer großartigen Kulisse auf dem Feld von Joflanze vereinbart.&lt;br /&gt;
Doch dieser Zweikampf wird zwei Mal erheblich gestört. Zunächst als Gawan den mit geschlossenem Visier reitenden Parzival für Gramoflanz hält, ihn angreift und sich das Missverständnis erst kurz vor der sich für Gawan abzeichenenden Niederlage auflöst. Daraufhin wird das Kräftemessen auf den Folgetag verschoben, an dem nun aber Gramoflanz in eine Auseinandersetzung mit Parzival gerät, ebenfalls fast verliert und der Zweikampf wiederum verschoben wird. Izwischen konnte Artus zwischen Gramoflanz und Gawan dergestalt vermitteln, dass Gramoflanz die von ihm geliebte Schwester Gawans - [[Itonje (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Itonje]] zur Frau bekommt; die beiden Ritter versöhnen sich und der lange aufgeschobene Zweikampf findet nun endgültig nicht statt. Auch Orgeluse sieht von ihren Rachegedanken ab und befindet Gawan auch ohne Sieg über Gramoflanz für wert seine Frau zu werden.[Bumke 2004: S. 95-115][Spiewok 1977: S. 25-27]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Parzival III - Gralskönigtum (XV-XVI)===&lt;br /&gt;
[[Datei:Wolfram_Parz_Feirefiz_cpg339_540v.jpg|thumb|220px|(Zweikampf zwischen Parzival und dem Heiden  Feirefiz. Aus: Wolfram von Eschenbach, Parzival (Handschrift), Hagenau,  Werkstatt Diebold Lauber, um 1443-1446, Cod. Pal. germ. 339, I. Buch,  Blatt 540v.)]]&lt;br /&gt;
Im fünfzehnten Buch treffen erstmals die beiden Halbbrüder Parzival und Feirefiz aufeinander. Feirefiz war mit einem großen Heer aus dem Orient aufgebrochen, um seinen Vater Gahmuret zu suchen. Als die Geschwister sich nicht erkennen, entbrennt ein [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kampf]] zwischen ihnen, der sein Ende erst im Zerbrechen Parzivals Schwert findet. Großmütig wirft der Heidenkönig sein Schwert ebenfalls beiseite, ergibt sich Parzival zu erkennen und die beiden legen auf der Stelle ihre Kampfhandlung nieder. Glücklich reiten sie ins Lager nach Joflanze, wo sie von Artus und Gawan freudig begrüßt werden. Auf dem Fest zu Ehren Feirefiz&#039; am Folgetag erscheint [[Die Gralsbotin Cundrîe|Cundrîe]] und verkündet Parzivals Berufung zum Gralskönig. Dieser dürfe außerdem eine weitere Person seiner Wahl mitbringen - er wählt Feirefiz. In Munsalvaesche angekommen stellt Parzival endlich die [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Zur_Frage_der_Erl.C3.B6sung|erlösende]] Mitleidsfrage und kann sich nun zum Gralskönig aufschwingen. Er sieht endlich auch seine inzwischen ebenfalls zur Gralsburg gerufene Frau Condirarmus wieder, die ihm in der Zwischenzeit bereits zwei Söhne geschenkt hat: Loherangrin und Kardeiz. Die Söhne Parzivals sichern die Nachfolge in beiden Welten (Kardeiz über die weltlichen Herrschaftsgebiete Parzivals; Loherangrin ist als Nachfolger des Gralkönigs ausersehen) und Feirefiz heiratet, nachdem er getauft wurde, die Gralträgerin [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]], zieht mit ihr nach Indien und begründet dort das Geschlecht der Priesterkönige.&lt;br /&gt;
Der letzte Teil der Handlung befasst sich ausführlicher mit dem Schicksal Loherangrins. Dieser rettet und heiratet die Fürstin von Brabant, kehrt aber letztlich wieder auf die Gralsburg zurück, da seine Frau den durch Gott vorgebenen Grundatz verletzt und Loherangrin nach seiner Herkunft befragt.[Bumke 2004: S. 115-124][Spiewok 1977: S. 27f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Epilog (XVI, 827, 1-30)===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Epilog schließt&amp;lt;ref&amp;gt; Eine ausführliche Besprechung des Schlussteils ist [[Der Schluss (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] zu finden.&amp;lt;/ref&amp;gt; das Parzivalepos ab. Er formuliert ein letztes Mal die Leitthemantik des Werkes, das Ziel zugleich Gott und den Menschen zu gefallen. In beiden Sphären, der transzendenten und der immanenten, sich zu bewähren und zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swes lebn sich sô verendet,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Wer sein Leben so beschließt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz got niht wirt gepfendet|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| daß Gott der Seele nicht beraubt wird,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sêle durch des lîbes schulde,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| weil der Leib zum Schuldner wurde,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und der doch der werlde hulde|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| und wer sich doch die Gunst der Welt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| behalten kan mit werdekeit,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| erhält und seine Würde wahrt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ist ein nütziu arbeit.|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;|| für den war Mühe nicht umsonst.&amp;lt;ref&amp;gt;Pz. XVI, 827, 19-24.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival verkörpert dieses Ideal zuletzt, wenn er sowohl ein geachtetes Mitglied der Tafelrunde, als auch der Herrscher des Grals ist.&amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlicher dazu: [[Das Motiv der Doppelung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Motiv der Doppelung]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literatur==&lt;br /&gt;
&amp;lt;harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
===Primärtext===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 20003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Spiewok 1977] Wolfram von Eschenbach: Parzival, übersetzt und eingeleitet von W. Spiewok, Leipzig 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Handlung]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival]][[Kategorie: Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Charakterisiert:: Literarische Figuren| ]]&lt;br /&gt;
[[Inhalt:: Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival| ]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12831</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12831"/>
		<updated>2012-07-25T10:37:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Primärliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Vater von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. (Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane vergleiche: [Noltze 1995: S.109-119.]) Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seiner Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden.&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung ebenfalls eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12830</id>
		<title>Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12830"/>
		<updated>2012-07-25T10:36:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die beiden ersten Bücher des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von Wolfram von Eschenbach behandeln [[hat Auswirkungen auf::Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|den Werdegang von Vater von Parzivals Vater Gahmuret]]. Dieser ist grob räumlich zu gliedern in den Aufbruch aus dem Königreichs seines Vaters, den [[Reise nach:: Die_Darstellung_des_Orients_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Im_K.C3.B6nigreich_Zazamanc_.2816.2C1_-_58.2C26.29|Aufenthalt in Zazamanc]] bei der Königin [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und den in Wâleis bei der Königin [[liebt::Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]]. Die Liebesbeziehungen zu den beiden Königinnen laufen sehr unterschiedlich ab, was im Folgenden behandelt werden soll. [[Vater von:: Parzival| ]] [[Vater von::Feirefiz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist verantwortlich für::Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[werden beeinflusst durch::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[ist Beispiel für::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[Enden durch::Gewalt_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Belacane==&lt;br /&gt;
Eine detaillierte Beschreibung der [[liebt::Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane]] ist bereits zu finden. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Beziehung der beiden seit ihrem Beginn auf Gegenseitigkeit beruht. Als die beiden sich kennenlernen, wird Belacane sehr positiv geschildert [28, 10-20]&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;, und auch Belacanes Augen sagen ihr, dass Gahmuret ein schöner Mann sei (&amp;quot;ir ougen dem herzen sân, daz er wære wol getân.&amp;quot; [29,1f.]). Beide sind sich in ihrem &amp;quot;Einverständnis und Begehren&amp;quot; (29,6f.) einig. Trotz der gegenseitigen Liebe, die sie für einander empfinden, verlässt Gahmuret die schwangere Ehefrau. Ihm fehlen, wie sich später herausstellt, Bewährungsproben, in denen er seine Ritterlichkeit beweisen und Ruhm gewinnen kann. (Zur Interpretation der Langeweile Gahmurets bei Belakane vergleiche: [Noltze 1995: S.109-119.]) Später bereut Gahmuret sehr, dass er die schöne Belakane verlassen hat, wie im Folgenden noch geschildert werden wird. Obwohl er in der Ferne ist und von zwei Frauen gleichzeitig begehrt wird (Vgl.: [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Gahmuret und Herzeloyde]]), steht er noch zu Belacane, versichert seine Liebe zu ihr und versucht ihr treu zu bleiben: &amp;quot;dô sprach er frouwe, ich hân ein wîp: diu ist mir lieber danne der lîp.&amp;quot; (&amp;quot;Da sprach er: Meine Dame, ich habe schon eine Frau, die habe ich mehr lieb als meinen eigenen Leib.&amp;quot; [94, 5f]). Gleichzeitig belastet ihn die Trennung von Belacane: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir werdiu kiusche mir den lîp || Wahrhaft edel in ihrem keuschen Wesen zwingt sie doch meinen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch ir minne jâmers mant. || nach ihrer Liebe zu weinen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mich tuot frô Belakâne || Die Königin Belakâne nimmt mir das Glück&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manlîcher freuden âne: || das ich mit Mannesmut gewann-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez ist doch vil manlich || und doch ist es erst richtig mannhaft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|swer minnen wankes schamet sich || wenn einer sich schämen kann über seinene Verrat in der Liebe.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(90, 22-28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Er macht sich Vorwürfe wegen der Lüge, die er zum Vorwand seines Verlassens gemacht hat und bereut sie verlassen zu haben, da die Sehnsucht nach ihr ihm die Freude an den Ritterkämpfen nimmt. Es besteht die Möglichkeit, dass Gahmurets letzte Fahrt zurück in den Orient auch eine Fahrt zurück zu Balacane sein sollte. [Dallapiazza 2009: vgl.: S. 117.] &amp;lt;br /&amp;gt; Er versucht auch, aus seinem Fehler zu lernen, und trifft mit [[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ein Abkommen, das ihm erlauben soll, seine Rittertaten mit seiner Streben nach Ruhm zu vereinbaren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Liebesbeziehung zu Herzeloyde==&lt;br /&gt;
[[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]] führen eine Liebesbeziehung, in der es deutliche Parallelen zu seiner ersten Ehe gibt, aber auch einige Unterschiede.&lt;br /&gt;
===Gemeinsamkeiten===&lt;br /&gt;
Obwohl sich beide Frauen in Wesen, Charakter, Hautfarbe und Religion sehr unterscheiden, bemüht sich der Erzähler um klare Parallelen zwischen beiden Ehen. Das Kennenlernen beider Frauen verläuft ähnlich. Gahmuret kommt in fremde Länder und trifft auf eine Frau, deren früherer Liebhaber oder Mann verstorben ist und die deshalb Schutz und Hilfe benötigt. Durch Kämpfe, die Gahmuret keineswegs scheut, und viele Siege gewinnt er auf Anhieb die Bewunderung und Liebe beider Frauen. Nach ritterlichem Ideal erkämpft er sich Ruhm und &amp;quot;hant und lant&amp;quot; einer schönen, keuschen und tugenhaften Dame. Beide Frauen werden von Gahmuret schnell wieder verlassen, um Rittertaten zu vollbringen und jeder hinterlässt er einen Sohn. [Bumke 2004: Vgl.: S. 49.]. &amp;lt;br /&amp;gt; Beide Frauen leiden sehr unter diesem Verlust, Belacane überlebt ihn nicht und Herzeloyde bringt sich nur um ihres Sohnes willen nicht um. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich beide Liebesbeziehungen dennoch &amp;quot;auf keine einheitliche Botschaft reduzieren&amp;quot; [Dallapiazza 2009: S. 117.]&amp;lt;br /&amp;gt; Diese These bestätigt sich an den folgenden Unterschieden.&lt;br /&gt;
===Unterschiede===&lt;br /&gt;
====Beginn der Beziehungen====&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belakane entwickelt sich, wie bereits beschrieben, mit beiderseitigem Einverständnis und Zutun. Wie für seine Zeit üblich, erkämpft sich Gahmuret das Herz der Dame durch ritterliche Taten. Obwohl Belacane ein großes Interesse an der Ehe mit Gahmuret hat und deshalb die Annäherung auch größtenteils von ihr ausgeht, ist dieses Interesse nicht mit Herzeloydes Eingreifen vergleichbar. Die Handlungen, die zu Gahmurets zweiter Ehe führen gehen von Herzloyde allein aus. Herzeloyde kämpft sehr engagiert und sicher um Gahmurets Liebe, handelt dabei aber auch rücksichtlos. Einerseits sticht sie seine ehemalige Frau Belacane mit harten Worten aus dem Rennen und beachtet auch Gahmurets Neigung zu Ampflise nicht. Obwohl Gahmuret sie bittet, auf seine Gefühle und sein Unglück Rücksicht zu nehmen, zieht sie vor Gericht. Das radikale Vorgehen der Herzeloyde steht im starken Gegensatz zu dem nun fast schon romantischen Bündnis zwischen Belacane und Gahmuret. Für mittelalterliches Denken muss dieses egoistische Verlangen der Herzeloyde grotesk gewirkt haben. Nachdem Gahmuret nun zu dieser neuen Ehe gezwungen wurde, gibt es keine Beschreibung von wirklicher Liebe, die Gahmuret Herzeloyde entgegenbringt. Es wird von Glück in der Ehe gesprochen, das Gahmurets Traurigkeit vertreibt, und das Hemd auf seinem Schild verdeutlicht, dass er durchaus bereit ist, sich zu seiner neuen Herrin zu bekennen. Die große Liebe und Vergötterung, die Herzeloyde für ihren Gatten empfindet, scheint allerdings auf Gahmurets Seite keine Entsprechung zu finden.&lt;br /&gt;
====Religion====&lt;br /&gt;
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Ehen ist die Religion der beiden Frauen. Bei der Beschreibung der Belacane durch den Erzähler und auch bei den Empfindungen des Gahmuret scheint die Tatsache, dass Belacane eine Heidin ist, kaum eine Rolle zu spielen. Im Gegenteil, sie wird in Schönheit und Charakter einer getauften Frau gleichgesetzt. Gahmurets Abschiedsbrief rückt Belacanes Religion allerdings wieder in den Vordergrund. Dieser Begründung wirkt allerdings in Anbetracht der Vorherigen Handlung und aufgrund einer [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Ehe_mit_Herzeloyde|Äußerung]], die Gahmuret Herzeloyde gegenüber macht, nur vorgetäuscht. Die Widersprüchlichkeit des Abschiedsbriefs ist kaum zu übersehen, bietet doch Belakane sogar selbst an, sich taufen zu lassen. Es stört Gahmuret nicht ihre Religion, sondern die Unvereinbarkeit von [[Âventiure_und_Ehe|Aventiure und Ehe]], von der im [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Fazit| Folgenden]] noch gesprochen werden wird. Dennoch muss dem mittelalterlichen Leser die Verbindung zwischen Herzloyde und Gahmuret allein schon wegen der religiösen Gründe besser erschienen sein.&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Die beiden einerseits ähnlichen und andererseits sehr unterschiedlichen Ehen lassen Schlüsse über Gahmurets Verhalten in seiner Liebesbeziehung zu. Gahmuret ist bereit, eine Frau zu lieben, sie zu beschützen und bei ihr zu stehen. Belakane liebt er seit der ersten Begegnung mit ihr die Trauer, die Gahmuret als [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Gerichtsspruch| Argument gegen eine neue Hochzeit]] mit Herzeloyde anführt, ist Kennzeichen dafür, dass er seine Frau nicht völlig vergessen hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dennoch ist Gahmuret nicht ehrlich zu seiner ersten Frau. In seinem [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Der_Abschiedsbrief|Abschiedsbrief]] führt er statt der Wahrheit ein fadenscheiniges Argument an. Ohne einen für sie verständlichen Grund für sein Verschwinden zu nennen und ohne sich persönlich von seiner Frau zu verabschieden, lässt Gahmuret die schwangere Ehefrau zurück. Was nach bloßer Feigheit aussieht, bringt für Belacane großes Unglück. Sollte Gahmuret wirklich geplant haben zu ihr zurückzukehren, so kommt diese Einsicht zu spät und bedeutet gleichzeitig einen Verrat an seiner neuen Frau. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seine beiden Frauen zeichnen sich durch eine grenzenlose Liebe zu ihm aus, die enttäuscht wird und letzten Endes zu beider [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Tod]] führt. Teilweise ungewollt, aber auch nicht unschuldig, bringt Gahmuret [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]] und Trauer für die Frauen. Die Tragik, die mit den beiden Liebesgeschichten einhergeht, ist der Tatsache verschuldet, dass Gahmuret nicht in der Lage ist, die beiden Ziele seines Lebens, Aventiure und Ehe, zu vereinen. Sein großer Wille zu Rittertaten, der in der Beziehung mit Belacane unterdrückt blieb und den er bei Herzeloyde zwar ausleben kann, aber auch nicht überlebt, treibt sich als Keil zwischen ihn und seine Bereitschaft, für seine Ehefrauen da zu sein. Warum Gahmuret nicht versucht in den beiden Königreichen der Belakane Möglichkeiten zur Erwerbung ritterlichen Ruhms sucht, bleibt ebenfalls unbeantwortet. Beide Frauen gehen unterschiedlich mit Gahmurets Kampfeslust um, aber keine der beiden hat mit ihrer Vorgehensweise Erfolg. Weder das Unterdrücken von Gahmurets Neigung, noch das Ausleben derselben, führt zu einem glücklichen Ende. Die Frauen scheinen an ihrer Situation unschuldig, doch auch Gahmuret selbst ist zwischen den beiden Zielen in seinem Herzen zerrissen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Forschung ist sich über diesen Punkt uneinig. Während die eben dargestellte Sichtweise in der Forschung ebenfalls eingenommen wird, ist Wiegand der Meinung, dass Gahmuret durchaus eine Lösung für sein Problem findet. &amp;lt;ref&amp;gt;Zu der ersten Forschungsmeinung vgl. den Forschungsbericht bei [Wiegand 1972: vgl.:S. 269] und [Blamires 1966: vgl.: S. 38.]. Naumann ist der Meinung, dass Gahmuret, nachdem er vor beiden Frauen geflohen ist, allein im Dienst der Ampflise stirbt, die immer seine Minneherrin gewesen ist. [Naumann 1938: vgl.: S. 138.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Für ihn ist die Verbindung von &amp;quot;minne und strit&amp;quot; in der Ehe mit Herzeloyde trotz seines Todes ein Erfolg: &amp;quot;Der ständige Wechsel [...] und die mit dieser Lebensweise verbundene Steigerung der werdekeit und des ritterlichen pris ist die- gemessen an Parzivals Anlagen- optimale Lösung.&amp;quot; [Wiegand 1972: S. 269.] Da der Tod im Minnedienst der Herzeloyde geschieht (er trägt das Minnezeichen Herzeloydes), ist dies die letzte Vollendung der Vereinigung seiner Lebensziele minne und strit. &amp;lt;ref&amp;gt;Um diese Meinung vertreten zu können, muss man natürlich davon ausgehen, dass Gahmuret nicht zurück zum Königreich des Baruc gereist ist, um Belakane erneut zu begegnen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Hinweis für die Sichtweise, dass Gahmuret nicht nur für seine Kampfeslust, sondern auch für die Liebe starb, ist Gahmurets Erwähnung im [[Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dritten Minneexkurs]]. Hier führt der Erzähler den Vater Parzivals und seinen Bruder als Opfer von Frau Minne an: &amp;quot;Gâlôesen und Gamureten, die habt ir bêde übertreten, daz ir se gâbet an den rê&amp;quot; (&amp;quot;Gâlôes und Gamuret, die beiden habt ihr niedergeritten und sie hingegeben an den Mord.&amp;quot; [586, 19-21])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswirkungen auf den Roman==&lt;br /&gt;
Nach dieser Vorgeschichte hat der Leser nun schon Erwartungen an den weiteren Verlauf des Romans und somit an die Vorgehensweise Parzivals. Geht man davon aus, dass Parzival nicht nur seine [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Stärke]], sondern auch Mut und Tatendrang von seinem Vater geerbt hat, hat man böse Vorahnungen für seine Liebesbeziehungen. Diese Vorahnungen scheinen beim Verlassen seiner Mutter bestätigt zu werden, die an der entgültigen Trennung von Gahmuret und seinem Sohn stirbt. Auch seine Frau Condwiramurs verlässt Parzival, einerseits um seine Mutter zu suchen, andererseits aber &amp;quot;ouch durch âventiure zil&amp;quot; (223, 23). &lt;br /&gt;
„Das Schicksal der Herzeloyde und der Belacane scheint damit auch für Condwiramurs vorgezeichnet; kein Wort des Bedauerns steht auf Seiten Parzivals beim Abschied.“ [Dallapiazza 1990: S. 169.]&lt;br /&gt;
Die Unvereinbarkeit von Gahmurets zwei Zielen, Ruhm und Liebe, beginnt sich auch für Parzival abzuzeichnen.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu den erwähnten Zielen vergleiche: [Ernst 1998: S. 215-243.].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch er vermisst Condwiramurs und ist vor Trauer wie [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|gelähmt]], wie Gahmuret löst er bei sich selbst und bei seiner Frau Trauer aus. Während Gahmurets Streben nach Ruhm ohne konkretes Ziel geblieben ist, weshalb sein Tod in einem Kampf fast vorhersegbar war, kann Parzival aber, nachdem der Gral gefunden ist, zu Condwiramurs zurückkehren. So bildet er das postive Gegenbeispiel zu seinem Vater. &amp;lt;br /&amp;gt;Stimmt man der gegensätzlichen Forschungsmeinung zu, nach der es Gahmuret gelingt die beiden Ziele in seinem Inneren zu gelungener Ausführung zu bringen, kann man wohl sagen, dass Parzival dem Beispiel seines Vaters folgt. Er kehrt wie Gahmuret zu seiner Frau zurück und hat so sein Bedürfnis nach Ruhm befriedigt und trotzdem gelingt seine Ehe mit Condwiramurs. Die [[Der_Schluss_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Abgeschlossene_Handlungsstr.C3.A4nge| abgeschlossenen Handlungstränge]] der Parzival-Handlung deuten jedoch an, dass Parzival mit dem Erreichen des Grals sein Streben nach Ruhm befriedigen und nach der Wiedervereinigung mit seiner Ehefrau nicht nach weiterer Aventiure strebt.&lt;br /&gt;
Zur Bedeutung der Gahmuretpartie als Ganze sei auf den [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Bedeutung_f.C3.BCr_den_Roman|betreffenden Artikel]] und auf [Ortmann 1973: S. 664-710.] verwiesen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Blamires 1966] Blamires, David: Characterization and Individuality in Wolfram&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;, Camebridge 1966.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1990] Dallapiazza, Michael: Emotionalität und Geschlechterbeziehung bei Chrétien, Hartmann und Wolfram, in: Schulze- Belli, Paola/Dallapiazza, Michael: Liebe und Aventiure im Artusroman des Mittelalters, Beiträge der Triester Tagung 1988, Göppingen 1990, S. 167-184.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ernst 1998] Ernst, Ulrich: Liebe und Gewalt im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Ehlert, Trude: Chevaliers errants, demoiselles et l&#039;Autre: höfische und nachhöfische Literatur im europäischen Mittelalter, Festschrift für Xenja von Ertzdorff, Göppingen 1998, S. 215-243.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: bî den dûhten in diu wîle lanc- Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?, in: Lindemann, Dorothee(Hrsg) u. a.:bickelwort und wildiu mære, Festschrift für Eberhard Nellmann, Göppingen 1995, S. 109-119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ortmann 1973] Ortmann, Christa: Ritterschaft. Zur Bedeutung der Gahmuretgeschichte, in: DVJG 47 (1973), S. 664-710.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Personenkonstellation|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12813</id>
		<title>Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12813"/>
		<updated>2012-07-25T10:29:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Primärtexte */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Beziehung zu der Königin [[Eltern von::Parzival| ]][[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ist eine von zwei [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gahmurets]]. Im Folgenden wird die Beziehung genau am Text nachgewiesen, um dann als Grundlage für [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aussagen über Gahmurets Beziehungen]] allgemein und sein Verhalten in der Ehe zu dienen. [[sind Beispiel für:: Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[leben aus::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[sind Beispiel für::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Das Turnier in Kanvoleis==&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret  [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacâne]] zurückgelassen  hat, bestreitet er viele Kämpfe und kommt schließlich zu seinem Cousin  nach Spanien, mit dem er auf Ritterfahrt fährt. Sie reisen nach Wâleis,  wo die Königin Herzeloyde [[Kennenlernen bei:: Das Turnier von Kanvoleis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ein Turnier]]  veranstaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Turnieren in mittelalterlichen Romanen: [Czerwinski 1975].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist verwitwet, da ihr vorheriger Ehemann im Kampf ums Leben kam. Um einen König für ihre beiden Königreiche zu finden, hat sie sich selbst als Preis für den Sieger des Turniers ausgesetzt. &lt;br /&gt;
Zu dem Turnier sind die berühmtesten und heldenhaftesten Ritter geladen. Gahmuret zieht mit einer großen Schar, Lärm und [[Die_höfische_Pracht_im Parzival_(Wolfram_von Eschenbach,_Parzival)|Pracht]] in die Stadt ein: (&amp;quot;höfslîchen durch die stat, der helt begunde trecken, die slâfenden wecken. (Mit Pracht hielt da der Held seinen Einzug in die Stadt und weckte alle, die noch schliefen.&amp;quot;) (62,27-30) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon im Vorfeld des Turniers spricht man von ihm als großem Kämpfer und so kommt auch Herzeloyde zu Ohren, welch heldenhafter und tapferer Ritter an ihrem Turnier teilnehmen wird. Sie ist von Anfang an neugierig auf diesen edlen Mann und kann es nicht erwarten, ihn zu sehen: &amp;quot;wê wanne kumt er et selbe drîn? (Doch ach, wann kommt er selber denn herein?&amp;quot;) (62, 26) Als Gahrmuret und Herzeloyde sich dann das erste Mal begegnen, ist es vor allem der Ritter, der von dieser Situation gebannt ist: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dem liehten schîne, ||  || Angesichts des hellen Glanzes,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der von der künegîn erschein, ||  || der von der Königin ausging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| derzuct im neben sich sîn bein: ||  || schlug es ihm das Bein herab - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf rihte sich der degen wert, ||  || hochgereckt der edle Held&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vederspil, daz gert. ||  || wie ein Falke, beutegierig! &lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(64, 4-8)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zuvor noch mit vornehmer Lässigkeit auf dem Sattel liegende Bein &amp;quot;zuckt in die Reiterhaltung zurück. [..] Der bloße Anblick einer Frau fährt ihm in die Glieder&amp;quot;.[Wiegand 1972: vgl. S. 261]Diese unkontrollierte Geste macht Gahmurets innere Anspannung deutlich, da plötzlich nicht nur &amp;quot;strit&amp;quot;, sondern auch &amp;quot;wibes gruoz&amp;quot; und eventuell &amp;quot;minne&amp;quot; in Aussicht sind.[Wiegand 1972: S. 262]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Turnierteilnehmer sind nach [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaft]] aufgeteilt. Es kämpfen zwei große Parteien gegeneinander (zur detaillierten Beschreibung der Turnierteilnehmer vergleiche [Bumke 2004: S. 49f.]). Bevor das Turnier jedoch beginnt, treten einige Ritter in Vorkämpfen gegeneinander an. Gahmuret, der ebenfalls an den Vorübungen teilnimmt, besiegt alle, die gegen ihn antreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Liebesbrief der Ampflîse===&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret die ersten Kämpfe beendet hat, reitet er zu seinem Zelt zurück. Dort wird er von Boten der Königin Ampflîse empfangen und bekommt einen Brief ausgehändigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine interessante Abhandlung zu Amflîse findet sich bei [Gibbs 1980: S. 48-53] und auch der zwar kurze, aber dennoch lesenwerte Beitrag von [Naumann 1938: S. 138] lohnt sich. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Königin Frankreichs hat sich in Gahmuret verliebt und bietet ihm ihre Hand und ihr Land an. (&amp;quot;Kum wider, und nim von mîner hant, krône, zepter unde ein lant. daz ist mich an erstorben: daz hât dîn minne erworben&amp;quot; (77, 1-3)) Dafür schenkt sie ihm Truhen voller Kostbarkeiten. Ampflîse ist für Gahmuret keine Unbekannte, da beide zusammen am französischen Hof erzogen wurden (94, 24-25]. Nachdem der Ritter erkennt, von wem der Brief stammt, verbeugt er sich (76, 21), was die Hochachtung deutlich macht, die er vor der französischen Königin empfindet.[Wiegand 1972: vgl. S. 263] Die Konkurrenzsituation zur Königin Herzloyde spricht sie offen an:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine ruoche obez diu künigin siht: || Mag die Königen dort es ruhig sehen, was kümmert&#039;s mich?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez mac mir vil geschaden niht. || Es kann mir nicht viel schaden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin schœner unde rîcher|| Ich bin schöner als sie und mächtiger&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde kan och minneclîcher || und liebenswerter, und ich weiß besser als sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minne enphân und minne gebn || Liebe zu empfangen und Liebe zu geben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiltu nâch werder minne lebn|| Wenn du nach wirklich edler Liebe leben willst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô hab dir mîne krône || so gehört dir meine Krone,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch minne ze lône || sie soll der Lohn der Liebe sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(77, 11-18)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret während der ersten Kämpfe lustlos zu Werke gegangen ist, ist er nach dem Erhalt des Briefes wieder Minneritter: &amp;quot;er wolt sich arbeiten (Er wollte sich nun tummeln&amp;quot;) (77, 25).[Wiegand 1972: vgl. S. 264.] Tiefe Zuneigung zu Ampflîse hat seine Kräfte gestärkt, bereits im Vorturnier werden die meisten Ritter besiegt. Daher wird das geplante Turnier abgesagt und Herzeloyde erklärt Gahmuret zum Sieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Liebesforderung der Herzeloyde===&lt;br /&gt;
Nachdem Herzeloyde die Vorkämpfe für beendet erklärt hat, reitet sie zu Gahmurets Zelt, um ihn kennenzulernen. Schon im Vorfeld kann sie es kaum erwarten ihm zu begegnen und ergreift, als er keine Anstalten macht zu ihr zu kommen, selbst die Initiative. &amp;quot;Seitdem sie zuerst von Gahmuret gehört hat, interessiert sich Herzeloyde ausschließlich für ihn.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 467.] Als Herzeloyde und Gahmuret sich hinsetzen, ist sie sofort &amp;quot;gefangen von seiner Liebe&amp;quot; (84, 1), nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu sich heran: &amp;quot;er saz für sie sô nâhe nidr, daz sin begreif und zôch in widr, anderhalb vast an ir lîp. (Er setzte sich so nahe vor ihr nieder, daß sie ihn zu sich her zog ganz eng an ihren Leib.&amp;quot;) (84, 3-5) Diese Geste wird in der Forschung als für eine adelige Dame höchst ungewöhnlich angesehen, da eine Solche in der Öffentlichkeit gewöhnlich Zurückhaltung zu üben hat. [Hartmann 2000: vgl.:S.197.] &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;quot;Der Erzähler kommentiert dieses spontane Zugreifen Herzeloydes in scheinbar entrüsteter Verwunderung, als er betont, daß es sich sogar um eine Jungfrau handle, die ihre erotische Gereiztheit so offen an den Tag legte.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 468.] Außerdem wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass Gahmuret in dieser Passage wiederholt als &amp;quot;Gast&amp;quot; bezeichtnet wird,  dies stellt ein Verweis auf seine Fremdheit und innere Zurückgezogenheit dar. [Lewis 1975: vgl.: S. 467.]&lt;br /&gt;
Im starken Gegensatz zur lichten, hell strahlenden Herzeloyde (Vgl.: 84, 13-15) steht allerdings Gahmuret, der von großer Traurigkeit befallen ist: (&amp;quot;wan daz grôze jâmer unters sluoc (wäre da bloß die Traurigkeit nicht gewesen:&amp;quot;) (84, 16). Sein Kummer erklärt sich einerseits aus den schlechten Nachrichten aus Anschouwe, die ihm über seine Verwandten gebracht worden sind, und andererseits von der Sehnsucht nach [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]], seiner Frau. Herzeloyde fordert nun ihr Recht an Gahmuret ein: &amp;quot;von herzen eine süeze bete ([...], eine süße Bitte kam ihr von Herzen:&amp;quot;)(86,30) Weil die Gesandten der Ampf1îse aber ebenfalls auf Gahmuret einreden und ihn für Ampflîse gewinnen wollen, sieht Herzeloyde keine andere Möglichkeit als ihr Recht vor Gericht einzufordern und bittet Gahmuret so lange zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gerichtsspruch==&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fordert Herzeloyde erneut die Ehe von Gahmuret ein (94, 2-4). Dieser wehrt sich jedoch dagegen und nennt seine Traurigkeit und seine Sehnsucht nach Belacane als Grund dafür (94, 5-10). Herzeloyde verlangt von Gahmuret, die &amp;quot;Mohrin zu lassen, wo sie ist&amp;quot; (94, 13f) und auch die Königin von Frankreich, der Gahmuret viel zu verdanken hat (94, 21-23), zu vergessen. Gahmuret weist darauf hin, dass kein Turnier stattgefunden habe, das er hätte gewinnen können (95, 14-16), doch das Gericht spricht Herzeloyde schließlich das Recht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Ehe mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
Bevor[[heiraten::Herzeloyde und Gahmuret| ]] Herzeloyde und Gahmuret heiraten, verlangt er von ihr, ihn zu Turnieren fahren zu lassen, wenn er dazu Lust verspüre. Andernfalls würde er den alten Trick anwenden und von ihr, wie von Belacane, fortlaufen: &amp;quot;sô kan ich noch den altel slich, als dô ich mînem wîbe entran (so weiß ich noch den alten Schlich von früher, als ich meiner Frau entlief.&amp;quot;) (96, 30f). Herzeloyde spricht ihm ein Turnier im Monat zu. (Vgl.: [[Âventiure und Ehe]]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungen bis zur Hochzeit erscheinen nicht nur für heutiges Verständnis seltsam, sondern waren wohl auch ein &amp;quot;grotesker Vorgang im Licht der höfischen Gesellschaftskonventionen&amp;quot; [Bumke 2004: S. 51.] &amp;lt;br /&amp;gt; Dennoch gibt sich Herzeloyde nach der Hochzeit alle Mühe Gahmuret glücklich zu machen, was ihr auch zu gelingen scheint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| juncfrouwen unt diu künegîn|| Adelige Mädchen und die Königin führten ihn dahin, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in fuorten dâ er freude vant|| wo er Freude fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und al sîn trûren gar verswant|| und wo seine Trauer ganz und gar vertilgt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| entschumphiert wart sîn riwe||In den Staib geworfen wurde da sein Leid,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sîn hôchgemüete al niwe||mit neuem Leben erhob sich seine kühne Seele:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz muose iedoch bî liebe sîn|| Die war nun geliebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(100, 8-14)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Hochzeit von Gahmuret und Herzeloyde, werden Gahmurets Verhalten und die Natur nebeneinander gestellt. Nach Herzeloydes Versprechungen, er werde eine glückliche Ehe mit ihr führen, folgt die Beschreibung der Natur, die grünt und blüht. (Vgl.: 96, 12-22) Die &amp;quot;süße Luft des Mai&amp;quot; (96, 19) lässt die Natur gedeihen und Gahmuret wird von Feen dazu gebracht Liebe zu spüren und Liebe zu suchen. &amp;quot;[T]rotzdem zeigt doch das Ineinander der Schilderung von innerer und äußerer Natur, daß Gahmuret der äußeren Natur vergleichbar ist, und daß er in seinem inneren Lebensrhytmus ähnlich unfreu ist wie diese. [Wiegand 1972: S. 266.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gahmurets Tod==&lt;br /&gt;
In den folgenden Monaten, in denen Gahmuret auf Turnierfahrten fährt, trägt er ein Seidenhemd der Herzeloyde als Zeichen auf seinem Schild, welches sie nach seiner Rückkehr immer wieder anzieht. Dieses Ritual dient als Zeichen für die eheliche Liebe. [Bumke 2004: vgl. S.50] Seine letzte Ritterfahrt unternimmt er zum [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Im_Dienst_des_B.C3.A2ruc_.2813.2C18_-_15.2C30.29|Bâruc]], seinem alten Herrn, um sich nochmals in seine Dienste zu stellen. Dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg und Gahmuret hilft ihm und kämpft an seiner Seite. Es ist umstritten, ob er im Rahmen dieser Fahrt zu [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]] zurückkehren wollte. Gahmuret wird in einer Schlacht von Ipomidôn getötet. Dies jedoch nur, weil sein Helm durch eine &amp;quot;heidnische List&amp;quot; (105,17) manipuliert wird.  Ein Ritter nimmt Bocksblut, gießt es in ein Glas und schlägt es auf dem  Helm des Gahmuret entzwei. Dieser wird daraufhin weich wie ein Schwamm. Bevor Herzeloyde von seinem Tod erfährt, hat sie bereits einen schrecklichen Traum. Dieser kann als prophetischer Traum bezeichnet werden, der die Folgen von Gahmurets Tod auf Herzeloyde selbst beleuchtet und ihren eigenen Tod bei Parzivals Aufbruch voraussieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Dem Traum der Herzeloyde wurde in der Forschung einige Aufmerksamkeit gewidmet. Interessante Ergebnisse liefert vor allem [Hatto 1968]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Tod ihres Mannes erwägt Herzeloyde sich ebenfalls zu töten, entscheidet sich aber stattdessen, ihren gemeinsamen Sohn, mit dem sie schwanger ist, zu retten. &amp;quot;Gahmurets Tod läßt Herzeloyde alle gesellschaftlichen Konventionen vergessen. Sie küßt ihren Busen und redet zu der Milch darin&amp;quot; [Bumke 2004: S. 52.] &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liebt das Kind abgöttisch und wirkt [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|mit ihrer Erziehung]] stark auf sein Verhalten ein. Nachdem ihr geliebter Mann Gahmuret sie verlassen hat, versucht sie mit allen Mitteln ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren. Als dieser sie jedoch auch zurücklässt, stirbt sie aus Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Verschwindens==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Büchern I und II des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erscheint immer wieder das Motiv des Verschwindens. Schon zu Beginn verlässt Gahmuret seine Mutter und seinen Bruder, um die Welt zu erkunden und sich einen Namen als ruhmreicher Ritter zu machen. Hier zeigt sich zum ersten, dass Gahmuret geliebte Menschen für sein ritterliches Dasein verlässt. [Dallapiazza 2009: vgl. S. 34.] Im weiteren Verlauf der Handlung verlässt er auch seine Ehefrau Belacane, um sich Abenteuern hinzugeben. Ein drittes Mal findet sich dieses Motiv, wie oben geschildert, beim Verlassen von Herzeloyde. Ähnlich wie bei seiner ersten Frau erlebt er die Geburt seines Sohnes nicht. Inwieweit Gahmuret den Konflikt zwischen seiner Abenteuerlust und der Fürsorge für geliebte Menschen lösen kann, wird an [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtext==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1975] Czerwinski, Peter: Die Schlacht- und Turnierdarstellungen in den deutschen höfischen Romanen des 12. und 13. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1975. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gibbs 1980] Gibbs, Marion E.: Ampflise im Parzival und im Titurel, in: Wolfram Studien 6 (1980), S. 48-53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hartmann 2000] Hartmann, Heiko: Gahmuret und Herzeloyde. Kommentar zum zweiten Buch des Parzival. Wolfram von Eschenbach, Band 1, Herne 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hatto 1968] Hatto, Arthur T.: Herzeloyde&#039;s Dragon Dream, in: German Life&amp;amp;Letters 22 (1968), S. 16-31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Lewis 1975] Lewis, Gertrude J.: Die unheilige Herzeloyde. Ein ikonoklastischer Versuch, in: JEGP 74 (1975), S. 465-485.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin, New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12812</id>
		<title>Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12812"/>
		<updated>2012-07-25T10:29:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Beziehung zu der Königin [[Eltern von::Parzival| ]][[Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Herzeloyde]] ist eine von zwei [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gahmurets]]. Im Folgenden wird die Beziehung genau am Text nachgewiesen, um dann als Grundlage für [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aussagen über Gahmurets Beziehungen]] allgemein und sein Verhalten in der Ehe zu dienen. [[sind Beispiel für:: Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[leben aus::Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]] [[sind Beispiel für::Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
==Das Turnier in Kanvoleis==&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret  [[Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacâne]] zurückgelassen  hat, bestreitet er viele Kämpfe und kommt schließlich zu seinem Cousin  nach Spanien, mit dem er auf Ritterfahrt fährt. Sie reisen nach Wâleis,  wo die Königin Herzeloyde [[Kennenlernen bei:: Das Turnier von Kanvoleis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ein Turnier]]  veranstaltet.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu den Turnieren in mittelalterlichen Romanen: [Czerwinski 1975].&amp;lt;/ref&amp;gt; Sie ist verwitwet, da ihr vorheriger Ehemann im Kampf ums Leben kam. Um einen König für ihre beiden Königreiche zu finden, hat sie sich selbst als Preis für den Sieger des Turniers ausgesetzt. &lt;br /&gt;
Zu dem Turnier sind die berühmtesten und heldenhaftesten Ritter geladen. Gahmuret zieht mit einer großen Schar, Lärm und [[Die_höfische_Pracht_im Parzival_(Wolfram_von Eschenbach,_Parzival)|Pracht]] in die Stadt ein: (&amp;quot;höfslîchen durch die stat, der helt begunde trecken, die slâfenden wecken. (Mit Pracht hielt da der Held seinen Einzug in die Stadt und weckte alle, die noch schliefen.&amp;quot;) (62,27-30) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;. Schon im Vorfeld des Turniers spricht man von ihm als großem Kämpfer und so kommt auch Herzeloyde zu Ohren, welch heldenhafter und tapferer Ritter an ihrem Turnier teilnehmen wird. Sie ist von Anfang an neugierig auf diesen edlen Mann und kann es nicht erwarten, ihn zu sehen: &amp;quot;wê wanne kumt er et selbe drîn? (Doch ach, wann kommt er selber denn herein?&amp;quot;) (62, 26) Als Gahrmuret und Herzeloyde sich dann das erste Mal begegnen, ist es vor allem der Ritter, der von dieser Situation gebannt ist: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von dem liehten schîne, ||  || Angesichts des hellen Glanzes,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der von der künegîn erschein, ||  || der von der Königin ausging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| derzuct im neben sich sîn bein: ||  || schlug es ihm das Bein herab - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf rihte sich der degen wert, ||  || hochgereckt der edle Held&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ein vederspil, daz gert. ||  || wie ein Falke, beutegierig! &lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
(64, 4-8)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das zuvor noch mit vornehmer Lässigkeit auf dem Sattel liegende Bein &amp;quot;zuckt in die Reiterhaltung zurück. [..] Der bloße Anblick einer Frau fährt ihm in die Glieder&amp;quot;.[Wiegand 1972: vgl. S. 261]Diese unkontrollierte Geste macht Gahmurets innere Anspannung deutlich, da plötzlich nicht nur &amp;quot;strit&amp;quot;, sondern auch &amp;quot;wibes gruoz&amp;quot; und eventuell &amp;quot;minne&amp;quot; in Aussicht sind.[Wiegand 1972: S. 262]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Turnierteilnehmer sind nach [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaft]] aufgeteilt. Es kämpfen zwei große Parteien gegeneinander (zur detaillierten Beschreibung der Turnierteilnehmer vergleiche [Bumke 2004: S. 49f.]). Bevor das Turnier jedoch beginnt, treten einige Ritter in Vorkämpfen gegeneinander an. Gahmuret, der ebenfalls an den Vorübungen teilnimmt, besiegt alle, die gegen ihn antreten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Liebesbrief der Ampflîse===&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret die ersten Kämpfe beendet hat, reitet er zu seinem Zelt zurück. Dort wird er von Boten der Königin Ampflîse empfangen und bekommt einen Brief ausgehändigt.&amp;lt;ref&amp;gt; Eine interessante Abhandlung zu Amflîse findet sich bei [Gibbs 1980: S. 48-53] und auch der zwar kurze, aber dennoch lesenwerte Beitrag von [Naumann 1938: S. 138] lohnt sich. &amp;lt;/ref&amp;gt; Die Königin Frankreichs hat sich in Gahmuret verliebt und bietet ihm ihre Hand und ihr Land an. (&amp;quot;Kum wider, und nim von mîner hant, krône, zepter unde ein lant. daz ist mich an erstorben: daz hât dîn minne erworben&amp;quot; (77, 1-3)) Dafür schenkt sie ihm Truhen voller Kostbarkeiten. Ampflîse ist für Gahmuret keine Unbekannte, da beide zusammen am französischen Hof erzogen wurden (94, 24-25]. Nachdem der Ritter erkennt, von wem der Brief stammt, verbeugt er sich (76, 21), was die Hochachtung deutlich macht, die er vor der französischen Königin empfindet.[Wiegand 1972: vgl. S. 263] Die Konkurrenzsituation zur Königin Herzloyde spricht sie offen an:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ine ruoche obez diu künigin siht: || Mag die Königen dort es ruhig sehen, was kümmert&#039;s mich?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez mac mir vil geschaden niht. || Es kann mir nicht viel schaden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin schœner unde rîcher|| Ich bin schöner als sie und mächtiger&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde kan och minneclîcher || und liebenswerter, und ich weiß besser als sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minne enphân und minne gebn || Liebe zu empfangen und Liebe zu geben.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiltu nâch werder minne lebn|| Wenn du nach wirklich edler Liebe leben willst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô hab dir mîne krône || so gehört dir meine Krone,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch minne ze lône || sie soll der Lohn der Liebe sein.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(77, 11-18)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nachdem Gahmuret während der ersten Kämpfe lustlos zu Werke gegangen ist, ist er nach dem Erhalt des Briefes wieder Minneritter: &amp;quot;er wolt sich arbeiten (Er wollte sich nun tummeln&amp;quot;) (77, 25).[Wiegand 1972: vgl. S. 264.] Tiefe Zuneigung zu Ampflîse hat seine Kräfte gestärkt, bereits im Vorturnier werden die meisten Ritter besiegt. Daher wird das geplante Turnier abgesagt und Herzeloyde erklärt Gahmuret zum Sieger.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Liebesforderung der Herzeloyde===&lt;br /&gt;
Nachdem Herzeloyde die Vorkämpfe für beendet erklärt hat, reitet sie zu Gahmurets Zelt, um ihn kennenzulernen. Schon im Vorfeld kann sie es kaum erwarten ihm zu begegnen und ergreift, als er keine Anstalten macht zu ihr zu kommen, selbst die Initiative. &amp;quot;Seitdem sie zuerst von Gahmuret gehört hat, interessiert sich Herzeloyde ausschließlich für ihn.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 467.] Als Herzeloyde und Gahmuret sich hinsetzen, ist sie sofort &amp;quot;gefangen von seiner Liebe&amp;quot; (84, 1), nimmt ihn in den Arm und zieht ihn zu sich heran: &amp;quot;er saz für sie sô nâhe nidr, daz sin begreif und zôch in widr, anderhalb vast an ir lîp. (Er setzte sich so nahe vor ihr nieder, daß sie ihn zu sich her zog ganz eng an ihren Leib.&amp;quot;) (84, 3-5) Diese Geste wird in der Forschung als für eine adelige Dame höchst ungewöhnlich angesehen, da eine Solche in der Öffentlichkeit gewöhnlich Zurückhaltung zu üben hat. [Hartmann 2000: vgl.:S.197.] &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;quot;Der Erzähler kommentiert dieses spontane Zugreifen Herzeloydes in scheinbar entrüsteter Verwunderung, als er betont, daß es sich sogar um eine Jungfrau handle, die ihre erotische Gereiztheit so offen an den Tag legte.&amp;quot; [Lewis 1975: S. 468.] Außerdem wird in der Forschung darauf hingewiesen, dass Gahmuret in dieser Passage wiederholt als &amp;quot;Gast&amp;quot; bezeichtnet wird,  dies stellt ein Verweis auf seine Fremdheit und innere Zurückgezogenheit dar. [Lewis 1975: vgl.: S. 467.]&lt;br /&gt;
Im starken Gegensatz zur lichten, hell strahlenden Herzeloyde (Vgl.: 84, 13-15) steht allerdings Gahmuret, der von großer Traurigkeit befallen ist: (&amp;quot;wan daz grôze jâmer unters sluoc (wäre da bloß die Traurigkeit nicht gewesen:&amp;quot;) (84, 16). Sein Kummer erklärt sich einerseits aus den schlechten Nachrichten aus Anschouwe, die ihm über seine Verwandten gebracht worden sind, und andererseits von der Sehnsucht nach [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]], seiner Frau. Herzeloyde fordert nun ihr Recht an Gahmuret ein: &amp;quot;von herzen eine süeze bete ([...], eine süße Bitte kam ihr von Herzen:&amp;quot;)(86,30) Weil die Gesandten der Ampf1îse aber ebenfalls auf Gahmuret einreden und ihn für Ampflîse gewinnen wollen, sieht Herzeloyde keine andere Möglichkeit als ihr Recht vor Gericht einzufordern und bittet Gahmuret so lange zu bleiben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gerichtsspruch==&lt;br /&gt;
Am nächsten Morgen fordert Herzeloyde erneut die Ehe von Gahmuret ein (94, 2-4). Dieser wehrt sich jedoch dagegen und nennt seine Traurigkeit und seine Sehnsucht nach Belacane als Grund dafür (94, 5-10). Herzeloyde verlangt von Gahmuret, die &amp;quot;Mohrin zu lassen, wo sie ist&amp;quot; (94, 13f) und auch die Königin von Frankreich, der Gahmuret viel zu verdanken hat (94, 21-23), zu vergessen. Gahmuret weist darauf hin, dass kein Turnier stattgefunden habe, das er hätte gewinnen können (95, 14-16), doch das Gericht spricht Herzeloyde schließlich das Recht zu. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Ehe mit Herzeloyde==&lt;br /&gt;
Bevor[[heiraten::Herzeloyde und Gahmuret| ]] Herzeloyde und Gahmuret heiraten, verlangt er von ihr, ihn zu Turnieren fahren zu lassen, wenn er dazu Lust verspüre. Andernfalls würde er den alten Trick anwenden und von ihr, wie von Belacane, fortlaufen: &amp;quot;sô kan ich noch den altel slich, als dô ich mînem wîbe entran (so weiß ich noch den alten Schlich von früher, als ich meiner Frau entlief.&amp;quot;) (96, 30f). Herzeloyde spricht ihm ein Turnier im Monat zu. (Vgl.: [[Âventiure und Ehe]]) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Entwicklungen bis zur Hochzeit erscheinen nicht nur für heutiges Verständnis seltsam, sondern waren wohl auch ein &amp;quot;grotesker Vorgang im Licht der höfischen Gesellschaftskonventionen&amp;quot; [Bumke 2004: S. 51.] &amp;lt;br /&amp;gt; Dennoch gibt sich Herzeloyde nach der Hochzeit alle Mühe Gahmuret glücklich zu machen, was ihr auch zu gelingen scheint:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| juncfrouwen unt diu künegîn|| Adelige Mädchen und die Königin führten ihn dahin, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in fuorten dâ er freude vant|| wo er Freude fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und al sîn trûren gar verswant|| und wo seine Trauer ganz und gar vertilgt wurde.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| entschumphiert wart sîn riwe||In den Staib geworfen wurde da sein Leid,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und sîn hôchgemüete al niwe||mit neuem Leben erhob sich seine kühne Seele:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz muose iedoch bî liebe sîn|| Die war nun geliebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(100, 8-14)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach der Hochzeit von Gahmuret und Herzeloyde, werden Gahmurets Verhalten und die Natur nebeneinander gestellt. Nach Herzeloydes Versprechungen, er werde eine glückliche Ehe mit ihr führen, folgt die Beschreibung der Natur, die grünt und blüht. (Vgl.: 96, 12-22) Die &amp;quot;süße Luft des Mai&amp;quot; (96, 19) lässt die Natur gedeihen und Gahmuret wird von Feen dazu gebracht Liebe zu spüren und Liebe zu suchen. &amp;quot;[T]rotzdem zeigt doch das Ineinander der Schilderung von innerer und äußerer Natur, daß Gahmuret der äußeren Natur vergleichbar ist, und daß er in seinem inneren Lebensrhytmus ähnlich unfreu ist wie diese. [Wiegand 1972: S. 266.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gahmurets Tod==&lt;br /&gt;
In den folgenden Monaten, in denen Gahmuret auf Turnierfahrten fährt, trägt er ein Seidenhemd der Herzeloyde als Zeichen auf seinem Schild, welches sie nach seiner Rückkehr immer wieder anzieht. Dieses Ritual dient als Zeichen für die eheliche Liebe. [Bumke 2004: vgl. S.50] Seine letzte Ritterfahrt unternimmt er zum [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Im_Dienst_des_B.C3.A2ruc_.2813.2C18_-_15.2C30.29|Bâruc]], seinem alten Herrn, um sich nochmals in seine Dienste zu stellen. Dieser befindet sich zu diesem Zeitpunkt im Krieg und Gahmuret hilft ihm und kämpft an seiner Seite. Es ist umstritten, ob er im Rahmen dieser Fahrt zu [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacâne]] zurückkehren wollte. Gahmuret wird in einer Schlacht von Ipomidôn getötet. Dies jedoch nur, weil sein Helm durch eine &amp;quot;heidnische List&amp;quot; (105,17) manipuliert wird.  Ein Ritter nimmt Bocksblut, gießt es in ein Glas und schlägt es auf dem  Helm des Gahmuret entzwei. Dieser wird daraufhin weich wie ein Schwamm. Bevor Herzeloyde von seinem Tod erfährt, hat sie bereits einen schrecklichen Traum. Dieser kann als prophetischer Traum bezeichnet werden, der die Folgen von Gahmurets Tod auf Herzeloyde selbst beleuchtet und ihren eigenen Tod bei Parzivals Aufbruch voraussieht. &amp;lt;ref&amp;gt;Dem Traum der Herzeloyde wurde in der Forschung einige Aufmerksamkeit gewidmet. Interessante Ergebnisse liefert vor allem [Hatto 1968]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dem Tod ihres Mannes erwägt Herzeloyde sich ebenfalls zu töten, entscheidet sich aber stattdessen, ihren gemeinsamen Sohn, mit dem sie schwanger ist, zu retten. &amp;quot;Gahmurets Tod läßt Herzeloyde alle gesellschaftlichen Konventionen vergessen. Sie küßt ihren Busen und redet zu der Milch darin&amp;quot; [Bumke 2004: S. 52.] &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie liebt das Kind abgöttisch und wirkt [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|mit ihrer Erziehung]] stark auf sein Verhalten ein. Nachdem ihr geliebter Mann Gahmuret sie verlassen hat, versucht sie mit allen Mitteln ihren Sohn vor demselben Schicksal zu bewahren. Als dieser sie jedoch auch zurücklässt, stirbt sie aus Trauer.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Das Motiv des Verschwindens==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In den Büchern I und II des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erscheint immer wieder das Motiv des Verschwindens. Schon zu Beginn verlässt Gahmuret seine Mutter und seinen Bruder, um die Welt zu erkunden und sich einen Namen als ruhmreicher Ritter zu machen. Hier zeigt sich zum ersten, dass Gahmuret geliebte Menschen für sein ritterliches Dasein verlässt. [Dallapiazza 2009: vgl. S. 34.] Im weiteren Verlauf der Handlung verlässt er auch seine Ehefrau Belacane, um sich Abenteuern hinzugeben. Ein drittes Mal findet sich dieses Motiv, wie oben geschildert, beim Verlassen von Herzeloyde. Ähnlich wie bei seiner ersten Frau erlebt er die Geburt seines Sohnes nicht. Inwieweit Gahmuret den Konflikt zwischen seiner Abenteuerlust und der Fürsorge für geliebte Menschen lösen kann, wird an [[Gahmurets_Liebesbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Czerwinski 1975] Czerwinski, Peter: Die Schlacht- und Turnierdarstellungen in den deutschen höfischen Romanen des 12. und 13. Jahrhunderts, Diss., Berlin 1975. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gibbs 1980] Gibbs, Marion E.: Ampflise im Parzival und im Titurel, in: Wolfram Studien 6 (1980), S. 48-53.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hartmann 2000] Hartmann, Heiko: Gahmuret und Herzeloyde. Kommentar zum zweiten Buch des Parzival. Wolfram von Eschenbach, Band 1, Herne 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hatto 1968] Hatto, Arthur T.: Herzeloyde&#039;s Dragon Dream, in: German Life&amp;amp;Letters 22 (1968), S. 16-31.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Lewis 1975] Lewis, Gertrude J.: Die unheilige Herzeloyde. Ein ikonoklastischer Versuch, in: JEGP 74 (1975), S. 465-485.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Naumann 1938] Naumann, Hans: Deutsche Kultur im Zeitalter des Rittertums, Potsdam 1938.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin, New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebesbeziehungen|Kategorie]] [[Kategorie: Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12805</id>
		<title>Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12805"/>
		<updated>2012-07-25T10:23:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Parzival zum ersten Mal an den Artushof kommt, geschieht ein Ereignis, das zwar lediglich in einer kurzen Passage des Romans beschrieben wird, dadurch aber nicht an Bedeutung verliert. Das Gelächter der Cunnewâre beeinflusst[[lacht über:: Parzival| ]][[beeinflusst:: hat Auswirkungen auf::Parzivals Handeln als Ritter| ]] Parzivals Handeln als Ritter. Im Folgenden sollen die Stellen analysiert werden, an denen Parzival und Cunnewâre einander begegnen und es soll genauer auf die Bedeutung des Gelächters der Cunnewâre für den Roman eingegangen werden.&lt;br /&gt;
=Handlungsverlauf=&lt;br /&gt;
Im Verlauf der Handlung begegnen sich Parzival und Cunnewâre zwei Mal. Die Zeit zwischen den beiden Treffen wird überbrückt, indem Parzival immer wieder von ihm besiegte Ritter zu Cunnewâre schickt, um seine Schuld zu begleichen.&lt;br /&gt;
==Parzivals Ankunft am Artushof (145-151)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Schon kurz nachdem Parzival seine [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] verlassen hat, reitet er zum Artushof. Sein Aussehen und auch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] entsprechen in keiner Weise den Ansprüchen und den Konventionen der Zeit. Am Artushof herrschen ebenfalls ungewöhnliche Zustände; wegen der Taten des roten Ritters [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] ist die Gesellschaft in heller Aufregung. (Zu den Umständen am Artushof bei Parzivals Ankunft: [Bumke 2004: vgl.:S. 59.]). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Gelächter der Cunnewâre (151, 19)==&lt;br /&gt;
Als Parzival sich aufmacht, um gegen [[kämpft gegen::Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zu kämpfen und an den Fenstern der Burg vorbeireitet, wird er von dem Hofstaat, unter anderen auch von der Dame Cunnewâre, beobachtet. Die Dame hat geschworen nicht zu lachen, bis sie den Edelsten aller Ritter sieht: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ saz frou Cunnewâre || Dort bei ihnen saß die Dame Cunnewâre&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu fiere und diu clâre. || auch in ihrem klaren Glanz und mit edlem Stolz.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu enlachte dcheinen wîs, || Die lachte niemals, unter gar keinen Umständen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine sæhe in die den hôhsten prîs || bis zu dem Tag, da ihr der vor Augen käme, der höchsten Ruhm auf Erden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hete od solt erwerben: || hätte oder gewinnen sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wolt ê sus ersterben. || Anders wollte sie&#039;s nicht tun, eher wollte sie sterben. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| allez lachen si vermeit, || Nicht das kleinste Lachen war ihr auf die Lippen gekommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz daz der knappe für si reit:|| bis zu dem Augenblick, da sie den Knappen dort unten reiten sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do erlachte ir minneclîcher munt.|| Da kam ein Lacher über ihren süßen Mund.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(152, 11-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untrennbar mit Cunnewâres Lachen &amp;lt;ref&amp;gt; Fritsch-Rößler weißt auf den Zusammenhang zwischen Jeschute und Cunneware hin. In ihrer Schrift legt sie Wert auf die Beschreibung des Mundes, auf den die Aufmerksamkeit durch das Lachen gelenkt wird. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 79.] Dass Cunneware zu Lachen beginnt, als die Parzival das erste Mal sieht, steht im Widerspruch zu den Reaktionen, mit denen andere Frauen Parzival begegnen. Sigune beginnt zu klagen, als sie ihn sieht und seine Mutter und Jeschute bringt Parzival zum Weinen statt zum Lachen. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 80.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ist das Verhalten des Antanor verknüpft. Dieser, der durch seine Verschweigenheit für einen Toren gehalten wurde (&amp;quot;Der verswigene Antanor, der durch swîgen dâht ein tôr&amp;quot; [152, 22f]), hatte geschworen nicht mehr zu sprechen, bis das Mädchen gelacht habe. &lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Keie]], ein Artusritter, beurteilt das Lachen als schandhaft für die Dame und als eine &amp;quot;Beleidigung aller anderen Ritter des Artushofes&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 226.] Dass diese einen so unhöfischen Narren mit ihrem Lachen kennzeichnet, obwohl so viele edlere Ritter vor ihre Augen getreten waren, veranlasst ihn, die Dame zu [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schlagen]][[wird geschlagen von:: Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ]]. &amp;quot;ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stap sô dran gehabt, unz daz sîn siusen gar verswanc, durch die wât unt durch ir vel ez dranc.&amp;quot; (&amp;quot;Obwohl ihr Rücken keinen Eid zu leisten hat, kam er doch in heftige Brührung mit dem Richterstab, der auf sie niedersauste, bis er ganz zerschlissen war.&amp;quot; [151, 27-30]). Antanor, der seine wiedergefundene Stimme dazu nutzt, Keie zu tadeln, wird ebenfalls durch Keies Schläge bestraft ( Vgl.: 153, 9-13). Parzival will die beiden sofort durch den Wurf eines Spießes rächen, unterlässt es allerdings wegen des Getümmels um sie herum. Parzival ist der Einzige, den die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gewalt]] zu stören scheint. Der Artushof unternimmt nichts gegen die brutale Züchtigung und äußert sich auch nicht darüber. Dies führt zu einem negativen Bild der Artusgesellschaft und zu einer &amp;quot;Problematisierung des höfischen Umfelds&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 228.] (Mehr dazu [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |hier]].)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Sendungen an den Artushof (199/ 215/ 267)==&lt;br /&gt;
Parzival sieht die Bestrafung der Cunnewâre als [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|seine eigene Schuld]] an und versucht, sie wiedergutzumachen. Die Bestrafung des Antanor tut ihm zwar leid, er hat aber nicht den Drang diese zu sühnen. Alle von ihm besiegten Ritter schickt er deshalb an den Artushof, damit sie sich der Cunnewâre unterwerfen, wie es im Mittelalter üblich war, wenn ein Ritter für eine Dame kämpfte. Die von Parzival geschickten Ritter steigen, gemessen an ihrem Ansehen, an Wichtigkeit. Der erste Besiegte ist der Knappe des Clamide, gefolgt von Clamide selbst. Dieser, der die Frau des Parzival ebenfalls begehrt, wird von Parzival vor die Wahl gestellt zu sterben oder sich Cunnewâre zu unterwerfen. Der letzte von Parzival besiegte ist Cunnewâres [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Bruder Orilus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneutes Zusammentreffen(307-327)==&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival Cunnewâre nun lange Zeit nicht gesehen, sie aber keineswegs vergessen hat, treffen sie ein zweites Mal aufeinander. Die Artusgesellschaft ist losgezogen, um Parzival zu suchen und ihn zur Tafelrunde einzuladen. Sie finden ihn schließlich, doch dem Zusammentreffen mit der Artusgesellschaft geht die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Blutstropfenszene]] vorraus, bei der ein Knappe der Cunnewâre eine Rolle spielt. Dieser findet den in Trance versetzten Parzival im Schnee und fordert die Artusritter auf, gegen den Fremden zu kämpfen. Erst [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] setzt dem Missverständnis ein Ende. Cunnewâre dankt Parzival für die Sendungen der Ritter, die seine erfolgreichen Kämpfe bewiesen haben: &amp;quot;ich hete lachen gar vermiten, unz iuch mîn herze erkande, dô mich an freuden pfande Keie, der mich dô sô sluoc. daz habt gerochen ir gennuoc&amp;quot; (&amp;quot;Ich hatte kein einziges Mal gelacht bis zu dem Augenblick, da Euch mein Herz erkannte und Keie mir meine Freude gleich wieder wegnahm, als er mich so schlug. Das habt ihr völlig gerächt.&amp;quot; [306, 1-4]), da er nicht nur die erwähnten Ritter, sondern auch Keie im Kampf besiegt hat und ihm starke Schmerzen zugefügt hatte. Die Dankesworte werden durch die hässliche [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] unterbrochen, die Parzival schwere Vorwürfe macht. Bei ihrem Auftreten kommt es zu einer für die Figur der Cunnewâre interessanten Szene. Nachdem die Rede der Cundrie beendet ist, ist die gesamte Gesellschaft des Artushofs nicht nur durch [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ihr Aussehen]], sondern auch durch ihre Beschuldigungen erschreckt. Von den erschütterten Frauen ist Cunnewâre die Erste, die zu weinen beginnt:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cunnewâr daz êrste weinen huop, || Cunneware fing als erste zu weinen an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Parzivâl den degen balt || daß Parzival, der junge Held,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe surzier sus beschalt, || so sehr beschimpft war und beschuldigt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein alsô wunderlîch geschaf. || von diesem absonderlichen Geschöpf, Cundrie la suziere.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(319, 12-15)&lt;br /&gt;
Bevor Parzival erneut aufbricht, erhält der besiegte Clamide Cunnewâre zur Frau, &amp;quot;denn er war krank nach ihrer Liebe&amp;quot; (&amp;quot;wan dem was nâch ir minne wê&amp;quot; [327, 27]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Das Lachen - Geste oder Prophezeiung?=&lt;br /&gt;
Nach der Beschreibung der relevanten Textstellen, soll nun eine Interpretation folgen, die die Stellung und Funktion von Cunnewâres Lachen im Roman beschreibt.&lt;br /&gt;
==Die Textstelle in der Forschung==&lt;br /&gt;
Trotz der Kürze dieser Textstelle sind in der Forschung interessante Diskussionen entstanden. Ein Vergleich zwischen der Erwähnung der Cunnewâre bei Wolfram von Eschenbach und der bei Chrétien de Troyes zeigt lohnende Ergebnisse. &amp;lt;ref&amp;gt; Siehe hierzu den Aufsatz von [Nyholm 1997: vgl. S. 223-237.]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier fällt besonders die Einbeziehung des &amp;quot;Märchenmotiv[s] des ausziehenden Dümmlings&amp;quot; [Nyholm 1997: S. 223.] auf, welches mit Parzival verglichen werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt; Wolfram von Eschenbach nimmt bei seiner Version des Romans einige Änderungen vor, die für die Cunnewâre Szene nicht unbedeutend sind und bei Nyholm 1997 ausgewertet sind. Einen weiteren Bereich, den die Forschung miteinbezieht ist die Funktion und Interpretation von Gesten und Körpersprache im Mittelalter im Allgemeinen, der ebenfalls interessante Ergebnisse liefert.[Philipowski 2003: vgl.: S.9-25.]) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fritsch-Rößler weist deutlich darauf hin, dass aus dem Text nicht klar hervorgeht, seit wann Cunneware nicht mehr gelacht hat. Es besteht einerseits die Möglichkeit, dass sie seit ihrer Geburts nie gelacht hat, für die manche Indizien sprechen oder dass sie ein Gelübde abgelegt hat und seitdem nicht mehr lachte.[Fritsch-Rößler 1997: Vgl.: S. 80.] Welche der Möglichkeiten nun auch die Richtige sein mag, Parzivals Erscheinen ist eine Erlösung für Cunneware. Durch seine Erlösungstat führt er &amp;quot;Cunneware der echten Menschlichkeit zu&amp;quot;. [Fritsch-Rößler 1997: S. 82.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seeber weist darauf hin, dass das Lachen von Cunneware von einer reinen Gebärde zu einem Symbol wird, das Parzivals gesamte Wandlung zum Ritter begleitet. [Seeber 2010: Vgl.: S. 154.] Das Lachen gewinnt an Bedeutung für die Interaktion und die Gebärde kommt der Sprache gleich: &amp;quot;Wolfram verortet die Gebärde neu und weist ihr eigene Konnotationen zu, die den Rahmen des gewohnten Wissesn sprengen undd neue Bereiche der Verwendung erschließen&amp;quot;. [Seeber 2010: S. 155.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Funktion des Lachens==&lt;br /&gt;
Behält man nun die vorgestellten von der Forschung mit einbezogenen Bereiche im Hinterkopf, stößt man auf zwei mögliche Funktionen der Cunnewâreszene. Die erste Deutung bezieht sich auf die Veränderungen von Wolfram von Eschenbach im Vergleich zu Chrétien de Troyes. Bei Eschenbach erscheint Parzival als Narr am Artushof, der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ohne höfische Erziehung]] und in komischer Kleidung tatsächlich lächerlich wirkt. Schon der Ritter Iwein, dem Parzival zuerst begegnet, muss über sein Verhalten und Auftreten lachen (147, 24). So könnte auch Cunnewâres Lachen die Funktion einer von Parzivals lächerlichem Aussehen motivierte Geste erfüllen. &amp;quot;Sie ist bedeutungsvoll, weil sie den inneren Zustand Cunnewâres sichtbar abbildet, das Lachen verweist auf ihre innere Verfassung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 9.] Damit erfüllte Parzival sogar tatsächlich den Plan der [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die Leute zum Lachen zu bringen. Doch statt, wie es diesem Plan entspräche, durch die Lächerlichkeit am Rittersein gehindert zu werden, wird Parzival durch das Lachen der Cunnewâre der Weg zum Ritter erst geebnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei genauerem Betrachten ist eine Deutung des Lachens allein als Ausdruck von Belustigung unbefriedigend. Es muss hinzugezogen werden, dass zwar Parzivals Handeln und Sprechen, ebenso sein Auftreten und seine Kleidung, nicht jedoch sein Körper Gegenstand des Spotts sind. [Dartmann 2005: S. 230.] Letzter wird stattdessen sehr gelobt, er gilt als &amp;quot;ein Bild des Vollkommenen&amp;quot; (148,30) und wird für seinen &amp;quot;Glanz&amp;quot; (148, 24) bewundert. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Die zweite Interpretation schreibt dem Lachen deshalb eine prophetische Funktion zu. Die Tatsache, dass das Lachen beschränkt war auf den edelsten Ritter, der der Dame begegnet, was Parzival zum Zeitpunkt des Gelächters keinesfalls ist, sagt vorraus, dass er ein solcher werden wird, sogar werden muss. Man könnte diese Vorrausdeutung als sich selbst erfüllende Prophezeihung deuten, weil Parzival die Bestrafung, die die Dame seinetwegen erfährt, nur durch edle Rittertaten rächen kann. Seine besiegten Gegner, die er zu ihr schickt, sind die Zeugen seiner Entwicklung zum Ritter und die Boten der Wahrheit, die in der Prophezeihung steckte.[Philipowski 2003: vgl.: S. 21.] &amp;lt;br /&amp;gt; Der Kreislauf, den das Gelächter einleitet, ist folgender: &amp;quot;das Gelächter [provoziert] Gewalt, die Gewalt Frauendienst, Frauendienst Ehre und Ehre Erlösung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 22.] &amp;lt;br /&amp;gt; Aufgrund dieses Kreislaufs bewirkt auch Keie mit der Bestrafung das Gegenteil seiner eigentlichen Intention. Er ärgert sich über die Auswahl der Cunnewâre, scheint doch der erwählte alles andere als ein tugendhafter Ritter zu sein, und leitet durch deren Bestrafung Parzivals Entwicklung zum Ritter erst ein. Die Begebenheit wird später der Grund sein, der Parzival zum Besten aller Ritter macht. [Philipowski 2003: vgl.: S. 22.] Es ist nämlich erst das Lachen der Cunnewâre, welches ihm &amp;quot;die Verpflichtung auferlegt, sich als Ritter zu bewähren&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 227.] In diesem Sinne kann das Lachen als ein &amp;quot;notwendiges Element für den Handlungsfortgang&amp;quot; interpretiert werden.[Dartmann 2005: S. 227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man diesen Kreislauf nicht als zwingend anerkennen, sondern sieht den Weg des Parzival zum Ritter schon ohne das Gelächter als vorherbestimmt an, so bleibt dennoch die Wahrheit der Vorhersage der Cunnewâre. Es könnte durchaus sein, dass Parzival den Weg zum Ritter auch ohne Cunnewâre gegangen wäre, allein aus seiner Begeisterung für das Rittertum und dem Wunsch ein Solcher zu sein. Sicher wäre er aber nicht so schnell zum Ritter der Tafelrunde geworden. Durch die Sendungen sieht nicht nur Cunnewâre, sondern auch der gesamte Artushof die Beweise für seine Taten, was [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] dazu veranlasst, ihn zu suchen und in die Tafelrunde aufzunehmen (siehe Unterpunkt 1.4). Keie ist ebenfalls überzeugt von der Wahrheit der Vorhersage, denn würde er das Lachen der Cunneware nicht als eine bedeutende Kennzeichnung wahrnehmen, gäbe es keinen Grund für ihn, sie zu schlagen. Er akzeptiert den prophetischen Charakter des Lachens, vertraut Cunneware aber gleichzeitig zu wenig, um ihre Wahl für richtig zu halten. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S.85.] Statt eine positive Entwicklung Parzivals zu erwarten, sieht er nur seinen momentanen Zustand und fühlt sich in seiner Ritterehre gekränkt.&amp;lt;ref&amp;gt; Wie groß das Missverständnis zwischen Cunneware und Keie eigentlich ist, beschreibt Fritsch Rößler sehr überzeugend. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Keie Cunnewares Lachen als Spott über alle anderen Ritter empfindet und so statt &amp;quot;Hochschätzung und Affirmation&amp;quot; in dem Lachen &amp;quot;Minderschätzung und Degradierung&amp;quot; sieht.[Fritsch-Rößler 1997: S. 87.] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bleibt noch die Tatsache, dass Parzival noch bevor er überhaupt ein Ritter ist, schon vornehmer und edler ist als alle anderen Ritter, die der Dame begegnet sind. In seinem Inneren steckt schon zu diesem Zeitpunkt die größte Tugend, die Cunnewâre bereits erkennt. &amp;quot;Parzival, der vornehmste Ritter der Welt, [erfüllt] die Bedingungen des Lachens nur durch seine Anwesenheit und nicht durch seine Taten&amp;quot;.[Nyholm 1997: S. 223.] Seine Eignung zum Gralskönig, bei dem auf die Veranlagung und innere Größe wert gelegt wird, ist hier schon vorrausgedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt; In der Forschung wird thematisiert, dass nicht sicher ist, worauf Cunnewares Lachen wirklich verweist. Verweist es auf Parzivals Prädestination zum Gralskönig, also auf das Ende des Romans oder auf &amp;quot;Parzivals Fähigkeit, die Gralsburg zu finden und den Gral zu schauen (dann allerding vor der Mitleidsfragenforderung zu versagen)&amp;quot;, also auf die Mitte des Romans? [Fritsch-Rößler 1997: S. 83.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Parzivals Tugend durch Cundrie angezweifelt wird, beginnt Cunneware zu weinen. Dieser dem Lachen entgegengesetzte Gefühlsausbruch, lässt sich, wie ihr Lachen, ebenfalls auf zwei verschiedene Arten deuten. Einerseits könnte es ihren inneren Zustand abbilden, ihr Erschrecken über Cundrie und ihr Mitleid mit Parzival, andererseits verwandelt sich Parzival, der durch ihr Lachen noch als bester aller Ritter gekennzeichnet wurde, nun durch böse Anschuldigungen und durch das Weinen der Cunnewâre in einen fehlerhaften und schlechten Charakter. Doch statt Cundrie wird später Cunneware mit ihrer Prophezeiung Recht behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre=&lt;br /&gt;
Ein letzter Punkt, der noch zu untersuchen bleibt, ist die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre. Wie oben schon erwähnt, ist das Kämpfen im Dienst einer Dame im Mittelalter durchaus üblich. Doch Cunnewâre und Parzival sind nicht verheiratet und Parzival kämpft auch nicht um Cunnewâres Gunst. Trotzdem ist Parzival indirekt [[kämpft für::Cunnewâres| ]] Cunnewares Ritter. Wolfram bricht hier also mit der üblichen Minne-Praxis, indem Cunnewâre zwar Parzivals &amp;quot;Dienstherrin, aber nicht [seine] Minnedame&amp;quot; ist. [Dartmann 2005: S.228.] Das heißt wiederum, dass ungewöhnlicherweise &amp;quot;nicht Minne, sondern die Wiederherstellung des gemeinsamen Ansehens&amp;quot; angestrebt wird. [Dartmann 2005: S. 233]&lt;br /&gt;
In der Forschung wird das Lachen der Cunnewâre ferner mit einem Zeichen verglichen, das ein Ritter beim Kampf bei sich trägt, wie der Ärmel der Obilot auf Gawans Schild.[Nyholm 1997: vgl.: S. 235.] Es kann also gesagt werden, dass Parzival eine permanenten Verbindung zu Cunnewâre hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus verdeutlicht die Tatsache, dass Parzival Cunnewâre [[wird gerächt von:: Parzival| ]] rächen muss, die Schwäche der Frauen. Cunnewâres &amp;quot;Handlungsspielraum [,ihre Schande zu selbst rächen,] ist gering&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 163.] Die Darstellung der Cunnewâre unterstreicht also die untergeordnete Stellung, die [[Das Frauenbild im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen im Mittelalter]] oft hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
==Pimärtexte==&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard   Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dartmann 2005]  [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5911/diss_dartmann_buchblock.pdf  Dartmann, Christine: Das &#039;&#039;lachen&#039;&#039; der &#039;&#039;vrouwe&#039;&#039;, Untersuchungen zur  Funktion von &#039;&#039;lachen&#039;&#039; in mittelhochdeutscher Epik und Minnesang,  Münster 2005.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Fritsch-Rößler 1997] Fritsch-Rößler, Waltraud: Lachen und Schlagen. Reden als Kulturtechnik in Wolframs &#039;Parzival&#039;, in: Krause, Burkhardt(Hg.): Verstehen durch Vernunft, Festschrift für Werner Hoffmann, Wien 1997, S.75-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nyholm 1997] Nyholm, Kurt: Warum lacht Cunnewâre? Überlegungen zu Parzival 151, 11-19, in: Andersson, Bo/Müller, Gernot(Hg.): Kleine Beiträge zur Germanistik, Festschrift für John Evert Härd, Uppsala 1997, S. 223-237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Philipowski 2003] Philipowski, Katharina: Das Gelächter der Cunnewâre, in: Zeitschrift für Germanistik 1 (2003), S. 9-25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seeber 2010] Seeber, Stefan: Poetik des Lachens, Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200, Diss., Berlin/ New York 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]] [[Kategorie: Gewalt|Kategorie]] [[Kategorie: Artushof|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12804</id>
		<title>Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Cunneware_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12804"/>
		<updated>2012-07-25T10:22:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Parzival zum ersten Mal an den Artushof kommt, geschieht ein Ereignis, das zwar lediglich in einer kurzen Passage des Romans beschrieben wird, dadurch aber nicht an Bedeutung verliert. Das Gelächter der Cunnewâre beeinflusst[[lacht über:: Parzival| ]][[beeinflusst:: hat Auswirkungen auf::Parzivals Handeln als Ritter| ]] Parzivals Handeln als Ritter. Im Folgenden sollen die Stellen analysiert werden, an denen Parzival und Cunnewâre einander begegnen und es soll genauer auf die Bedeutung des Gelächters der Cunnewâre für den Roman eingegangen werden.&lt;br /&gt;
=Handlungsverlauf=&lt;br /&gt;
Im Verlauf der Handlung begegnen sich Parzival und Cunnewâre zwei Mal. Die Zeit zwischen den beiden Treffen wird überbrückt, indem Parzival immer wieder von ihm besiegte Ritter zu Cunnewâre schickt, um seine Schuld zu begleichen.&lt;br /&gt;
==Parzivals Ankunft am Artushof (145-151)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Schon kurz nachdem Parzival seine [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] verlassen hat, reitet er zum Artushof. Sein Aussehen und auch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] entsprechen in keiner Weise den Ansprüchen und den Konventionen der Zeit. Am Artushof herrschen ebenfalls ungewöhnliche Zustände; wegen der Taten des roten Ritters [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] ist die Gesellschaft in heller Aufregung. (Zu den Umständen am Artushof bei Parzivals Ankunft: [Bumke 2004: vgl.:S. 59.]). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Gelächter der Cunnewâre (151, 19)==&lt;br /&gt;
Als Parzival sich aufmacht, um gegen [[kämpft gegen::Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zu kämpfen und an den Fenstern der Burg vorbeireitet, wird er von dem Hofstaat, unter anderen auch von der Dame Cunnewâre, beobachtet. Die Dame hat geschworen nicht zu lachen, bis sie den Edelsten aller Ritter sieht: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ saz frou Cunnewâre || Dort bei ihnen saß die Dame Cunnewâre&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu fiere und diu clâre. || auch in ihrem klaren Glanz und mit edlem Stolz.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu enlachte dcheinen wîs, || Die lachte niemals, unter gar keinen Umständen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine sæhe in die den hôhsten prîs || bis zu dem Tag, da ihr der vor Augen käme, der höchsten Ruhm auf Erden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hete od solt erwerben: || hätte oder gewinnen sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wolt ê sus ersterben. || Anders wollte sie&#039;s nicht tun, eher wollte sie sterben. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| allez lachen si vermeit, || Nicht das kleinste Lachen war ihr auf die Lippen gekommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz daz der knappe für si reit:|| bis zu dem Augenblick, da sie den Knappen dort unten reiten sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do erlachte ir minneclîcher munt.|| Da kam ein Lacher über ihren süßen Mund.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(152, 11-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untrennbar mit Cunnewâres Lachen &amp;lt;ref&amp;gt; Fritsch-Rößler weißt auf den Zusammenhang zwischen Jeschute und Cunneware hin. In ihrer Schrift legt sie wert auf die Beschreibung des Mundes, auf den die Aufmerksamkeit durch das Lachen gelenkt wird. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 79.] Dass Cunneware zu Lachen beginnt, als die Parzival das erste Mal sieht, steht im Widerspruch zu den Reaktionen, mit denen andere Frauen Parzival begegnen. Sigune beginnt zu klagen, als sie ihn sieht und seine Mutter und Jeschute bringt Parzival zum Weinen statt zum Lachen. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S. 80.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ist das Verhalten des Antanor verknüpft. Dieser, der durch seine Verschweigenheit für einen Toren gehalten wurde (&amp;quot;Der verswigene Antanor, der durch swîgen dâht ein tôr&amp;quot; [152, 22f]), hatte geschworen nicht mehr zu sprechen, bis das Mädchen gelacht habe. &lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Keie]], ein Artusritter, beurteilt das Lachen als schandhaft für die Dame und als eine &amp;quot;Beleidigung aller anderen Ritter des Artushofes&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 226.] Dass diese einen so unhöfischen Narren mit ihrem Lachen kennzeichnet, obwohl so viele edlere Ritter vor ihre Augen getreten waren, veranlasst ihn, die Dame zu [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schlagen]][[wird geschlagen von:: Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ]]. &amp;quot;ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stap sô dran gehabt, unz daz sîn siusen gar verswanc, durch die wât unt durch ir vel ez dranc.&amp;quot; (&amp;quot;Obwohl ihr Rücken keinen Eid zu leisten hat, kam er doch in heftige Brührung mit dem Richterstab, der auf sie niedersauste, bis er ganz zerschlissen war.&amp;quot; [151, 27-30]). Antanor, der seine wiedergefundene Stimme dazu nutzt, Keie zu tadeln, wird ebenfalls durch Keies Schläge bestraft ( Vgl.: 153, 9-13). Parzival will die beiden sofort durch den Wurf eines Spießes rächen, unterlässt es allerdings wegen des Getümmels um sie herum. Parzival ist der Einzige, den die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gewalt]] zu stören scheint. Der Artushof unternimmt nichts gegen die brutale Züchtigung und äußert sich auch nicht darüber. Dies führt zu einem negativen Bild der Artusgesellschaft und zu einer &amp;quot;Problematisierung des höfischen Umfelds&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 228.] (Mehr dazu [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |hier]].)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Sendungen an den Artushof (199/ 215/ 267)==&lt;br /&gt;
Parzival sieht die Bestrafung der Cunnewâre als [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|seine eigene Schuld]] an und versucht, sie wiedergutzumachen. Die Bestrafung des Antanor tut ihm zwar leid, er hat aber nicht den Drang diese zu sühnen. Alle von ihm besiegten Ritter schickt er deshalb an den Artushof, damit sie sich der Cunnewâre unterwerfen, wie es im Mittelalter üblich war, wenn ein Ritter für eine Dame kämpfte. Die von Parzival geschickten Ritter steigen, gemessen an ihrem Ansehen, an Wichtigkeit. Der erste Besiegte ist der Knappe des Clamide, gefolgt von Clamide selbst. Dieser, der die Frau des Parzival ebenfalls begehrt, wird von Parzival vor die Wahl gestellt zu sterben oder sich Cunnewâre zu unterwerfen. Der letzte von Parzival besiegte ist Cunnewâres [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Bruder Orilus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneutes Zusammentreffen(307-327)==&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival Cunnewâre nun lange Zeit nicht gesehen, sie aber keineswegs vergessen hat, treffen sie ein zweites Mal aufeinander. Die Artusgesellschaft ist losgezogen, um Parzival zu suchen und ihn zur Tafelrunde einzuladen. Sie finden ihn schließlich, doch dem Zusammentreffen mit der Artusgesellschaft geht die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Blutstropfenszene]] vorraus, bei der ein Knappe der Cunnewâre eine Rolle spielt. Dieser findet den in Trance versetzten Parzival im Schnee und fordert die Artusritter auf, gegen den Fremden zu kämpfen. Erst [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] setzt dem Missverständnis ein Ende. Cunnewâre dankt Parzival für die Sendungen der Ritter, die seine erfolgreichen Kämpfe bewiesen haben: &amp;quot;ich hete lachen gar vermiten, unz iuch mîn herze erkande, dô mich an freuden pfande Keie, der mich dô sô sluoc. daz habt gerochen ir gennuoc&amp;quot; (&amp;quot;Ich hatte kein einziges Mal gelacht bis zu dem Augenblick, da Euch mein Herz erkannte und Keie mir meine Freude gleich wieder wegnahm, als er mich so schlug. Das habt ihr völlig gerächt.&amp;quot; [306, 1-4]), da er nicht nur die erwähnten Ritter, sondern auch Keie im Kampf besiegt hat und ihm starke Schmerzen zugefügt hatte. Die Dankesworte werden durch die hässliche [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] unterbrochen, die Parzival schwere Vorwürfe macht. Bei ihrem Auftreten kommt es zu einer für die Figur der Cunnewâre interessanten Szene. Nachdem die Rede der Cundrie beendet ist, ist die gesamte Gesellschaft des Artushofs nicht nur durch [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ihr Aussehen]], sondern auch durch ihre Beschuldigungen erschreckt. Von den erschütterten Frauen ist Cunnewâre die Erste, die zu weinen beginnt:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cunnewâr daz êrste weinen huop, || Cunneware fing als erste zu weinen an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Parzivâl den degen balt || daß Parzival, der junge Held,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe surzier sus beschalt, || so sehr beschimpft war und beschuldigt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein alsô wunderlîch geschaf. || von diesem absonderlichen Geschöpf, Cundrie la suziere.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(319, 12-15)&lt;br /&gt;
Bevor Parzival erneut aufbricht, erhält der besiegte Clamide Cunnewâre zur Frau, &amp;quot;denn er war krank nach ihrer Liebe&amp;quot; (&amp;quot;wan dem was nâch ir minne wê&amp;quot; [327, 27]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Das Lachen - Geste oder Prophezeiung?=&lt;br /&gt;
Nach der Beschreibung der relevanten Textstellen, soll nun eine Interpretation folgen, die die Stellung und Funktion von Cunnewâres Lachen im Roman beschreibt.&lt;br /&gt;
==Die Textstelle in der Forschung==&lt;br /&gt;
Trotz der Kürze dieser Textstelle sind in der Forschung interessante Diskussionen entstanden. Ein Vergleich zwischen der Erwähnung der Cunnewâre bei Wolfram von Eschenbach und der bei Chrétien de Troyes zeigt lohnende Ergebnisse. &amp;lt;ref&amp;gt; Siehe hierzu den Aufsatz von [Nyholm 1997: vgl. S. 223-237.]. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier fällt besonders die Einbeziehung des &amp;quot;Märchenmotiv[s] des ausziehenden Dümmlings&amp;quot; [Nyholm 1997: S. 223.] auf, welches mit Parzival verglichen werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt; Wolfram von Eschenbach nimmt bei seiner Version des Romans einige Änderungen vor, die für die Cunnewâre Szene nicht unbedeutend sind und bei Nyholm 1997 ausgewertet sind. Einen weiteren Bereich, den die Forschung miteinbezieht ist die Funktion und Interpretation von Gesten und Körpersprache im Mittelalter im Allgemeinen, der ebenfalls interessante Ergebnisse liefert.[Philipowski 2003: vgl.: S.9-25.]) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fritsch-Rößler weist deutlich darauf hin, dass aus dem Text nicht klar hervorgeht, seit wann Cunneware nicht mehr gelacht hat. Es besteht einerseits die Möglichkeit, dass sie seit ihrer Geburts nie gelacht hat, für die manche Indizien sprechen oder dass sie ein Gelübde abgelegt hat und seitdem nicht mehr lachte.[Fritsch-Rößler 1997: Vgl.: S. 80.] Welche der Möglichkeiten nun auch die Richtige sein mag, Parzivals Erscheinen ist eine Erlösung für Cunneware. Durch seine Erlösungstat führt er &amp;quot;Cunneware der echten Menschlichkeit zu&amp;quot;. [Fritsch-Rößler 1997: S. 82.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seeber weist darauf hin, dass das Lachen von Cunneware von einer reinen Gebärde zu einem Symbol wird, das Parzivals gesamte Wandlung zum Ritter begleitet. [Seeber 2010: Vgl.: S. 154.] Das Lachen gewinnt an Bedeutung für die Interaktion und die Gebärde kommt der Sprache gleich: &amp;quot;Wolfram verortet die Gebärde neu und weist ihr eigene Konnotationen zu, die den Rahmen des gewohnten Wissesn sprengen undd neue Bereiche der Verwendung erschließen&amp;quot;. [Seeber 2010: S. 155.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Funktion des Lachens==&lt;br /&gt;
Behält man nun die vorgestellten von der Forschung mit einbezogenen Bereiche im Hinterkopf, stößt man auf zwei mögliche Funktionen der Cunnewâreszene. Die erste Deutung bezieht sich auf die Veränderungen von Wolfram von Eschenbach im Vergleich zu Chrétien de Troyes. Bei Eschenbach erscheint Parzival als Narr am Artushof, der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ohne höfische Erziehung]] und in komischer Kleidung tatsächlich lächerlich wirkt. Schon der Ritter Iwein, dem Parzival zuerst begegnet, muss über sein Verhalten und Auftreten lachen (147, 24). So könnte auch Cunnewâres Lachen die Funktion einer von Parzivals lächerlichem Aussehen motivierte Geste erfüllen. &amp;quot;Sie ist bedeutungsvoll, weil sie den inneren Zustand Cunnewâres sichtbar abbildet, das Lachen verweist auf ihre innere Verfassung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 9.] Damit erfüllte Parzival sogar tatsächlich den Plan der [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die Leute zum Lachen zu bringen. Doch statt, wie es diesem Plan entspräche, durch die Lächerlichkeit am Rittersein gehindert zu werden, wird Parzival durch das Lachen der Cunnewâre der Weg zum Ritter erst geebnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei genauerem Betrachten ist eine Deutung des Lachens allein als Ausdruck von Belustigung unbefriedigend. Es muss hinzugezogen werden, dass zwar Parzivals Handeln und Sprechen, ebenso sein Auftreten und seine Kleidung, nicht jedoch sein Körper Gegenstand des Spotts sind. [Dartmann 2005: S. 230.] Letzter wird stattdessen sehr gelobt, er gilt als &amp;quot;ein Bild des Vollkommenen&amp;quot; (148,30) und wird für seinen &amp;quot;Glanz&amp;quot; (148, 24) bewundert. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Die zweite Interpretation schreibt dem Lachen deshalb eine prophetische Funktion zu. Die Tatsache, dass das Lachen beschränkt war auf den edelsten Ritter, der der Dame begegnet, was Parzival zum Zeitpunkt des Gelächters keinesfalls ist, sagt vorraus, dass er ein solcher werden wird, sogar werden muss. Man könnte diese Vorrausdeutung als sich selbst erfüllende Prophezeihung deuten, weil Parzival die Bestrafung, die die Dame seinetwegen erfährt, nur durch edle Rittertaten rächen kann. Seine besiegten Gegner, die er zu ihr schickt, sind die Zeugen seiner Entwicklung zum Ritter und die Boten der Wahrheit, die in der Prophezeihung steckte.[Philipowski 2003: vgl.: S. 21.] &amp;lt;br /&amp;gt; Der Kreislauf, den das Gelächter einleitet, ist folgender: &amp;quot;das Gelächter [provoziert] Gewalt, die Gewalt Frauendienst, Frauendienst Ehre und Ehre Erlösung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 22.] &amp;lt;br /&amp;gt; Aufgrund dieses Kreislaufs bewirkt auch Keie mit der Bestrafung das Gegenteil seiner eigentlichen Intention. Er ärgert sich über die Auswahl der Cunnewâre, scheint doch der erwählte alles andere als ein tugendhafter Ritter zu sein, und leitet durch deren Bestrafung Parzivals Entwicklung zum Ritter erst ein. Die Begebenheit wird später der Grund sein, der Parzival zum Besten aller Ritter macht. [Philipowski 2003: vgl.: S. 22.] Es ist nämlich erst das Lachen der Cunnewâre, welches ihm &amp;quot;die Verpflichtung auferlegt, sich als Ritter zu bewähren&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 227.] In diesem Sinne kann das Lachen als ein &amp;quot;notwendiges Element für den Handlungsfortgang&amp;quot; interpretiert werden.[Dartmann 2005: S. 227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man diesen Kreislauf nicht als zwingend anerkennen, sondern sieht den Weg des Parzival zum Ritter schon ohne das Gelächter als vorherbestimmt an, so bleibt dennoch die Wahrheit der Vorhersage der Cunnewâre. Es könnte durchaus sein, dass Parzival den Weg zum Ritter auch ohne Cunnewâre gegangen wäre, allein aus seiner Begeisterung für das Rittertum und dem Wunsch ein Solcher zu sein. Sicher wäre er aber nicht so schnell zum Ritter der Tafelrunde geworden. Durch die Sendungen sieht nicht nur Cunnewâre, sondern auch der gesamte Artushof die Beweise für seine Taten, was [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] dazu veranlasst, ihn zu suchen und in die Tafelrunde aufzunehmen (siehe Unterpunkt 1.4). Keie ist ebenfalls überzeugt von der Wahrheit der Vorhersage, denn würde er das Lachen der Cunneware nicht als eine bedeutende Kennzeichnung wahrnehmen, gäbe es keinen Grund für ihn, sie zu schlagen. Er akzeptiert den prophetischen Charakter des Lachens, vertraut Cunneware aber gleichzeitig zu wenig, um ihre Wahl für richtig zu halten. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S.85.] Statt eine positive Entwicklung Parzivals zu erwarten, sieht er nur seinen momentanen Zustand und fühlt sich in seiner Ritterehre gekränkt.&amp;lt;ref&amp;gt; Wie groß das Missverständnis zwischen Cunneware und Keie eigentlich ist, beschreibt Fritsch Rößler sehr überzeugend. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Keie Cunnewares Lachen als Spott über alle anderen Ritter empfindet und so statt &amp;quot;Hochschätzung und Affirmation&amp;quot; in dem Lachen &amp;quot;Minderschätzung und Degradierung&amp;quot; sieht.[Fritsch-Rößler 1997: S. 87.] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bleibt noch die Tatsache, dass Parzival noch bevor er überhaupt ein Ritter ist, schon vornehmer und edler ist als alle anderen Ritter, die der Dame begegnet sind. In seinem Inneren steckt schon zu diesem Zeitpunkt die größte Tugend, die Cunnewâre bereits erkennt. &amp;quot;Parzival, der vornehmste Ritter der Welt, [erfüllt] die Bedingungen des Lachens nur durch seine Anwesenheit und nicht durch seine Taten&amp;quot;.[Nyholm 1997: S. 223.] Seine Eignung zum Gralskönig, bei dem auf die Veranlagung und innere Größe wert gelegt wird, ist hier schon vorrausgedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt; In der Forschung wird thematisiert, dass nicht sicher ist, worauf Cunnewares Lachen wirklich verweist. Verweist es auf Parzivals Prädestination zum Gralskönig, also auf das Ende des Romans oder auf &amp;quot;Parzivals Fähigkeit, die Gralsburg zu finden und den Gral zu schauen (dann allerding vor der Mitleidsfragenforderung zu versagen)&amp;quot;, also auf die Mitte des Romans? [Fritsch-Rößler 1997: S. 83.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Parzivals Tugend durch Cundrie angezweifelt wird, beginnt Cunneware zu weinen. Dieser dem Lachen entgegengesetzte Gefühlsausbruch, lässt sich, wie ihr Lachen, ebenfalls auf zwei verschiedene Arten deuten. Einerseits könnte es ihren inneren Zustand abbilden, ihr Erschrecken über Cundrie und ihr Mitleid mit Parzival, andererseits verwandelt sich Parzival, der durch ihr Lachen noch als bester aller Ritter gekennzeichnet wurde, nun durch böse Anschuldigungen und durch das Weinen der Cunnewâre in einen fehlerhaften und schlechten Charakter. Doch statt Cundrie wird später Cunneware mit ihrer Prophezeiung Recht behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre=&lt;br /&gt;
Ein letzter Punkt, der noch zu untersuchen bleibt, ist die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre. Wie oben schon erwähnt, ist das Kämpfen im Dienst einer Dame im Mittelalter durchaus üblich. Doch Cunnewâre und Parzival sind nicht verheiratet und Parzival kämpft auch nicht um Cunnewâres Gunst. Trotzdem ist Parzival indirekt [[kämpft für::Cunnewâres| ]] Cunnewares Ritter. Wolfram bricht hier also mit der üblichen Minne-Praxis, indem Cunnewâre zwar Parzivals &amp;quot;Dienstherrin, aber nicht [seine] Minnedame&amp;quot; ist. [Dartmann 2005: S.228.] Das heißt wiederum, dass ungewöhnlicherweise &amp;quot;nicht Minne, sondern die Wiederherstellung des gemeinsamen Ansehens&amp;quot; angestrebt wird. [Dartmann 2005: S. 233]&lt;br /&gt;
In der Forschung wird das Lachen der Cunnewâre ferner mit einem Zeichen verglichen, das ein Ritter beim Kampf bei sich trägt, wie der Ärmel der Obilot auf Gawans Schild.[Nyholm 1997: vgl.: S. 235.] Es kann also gesagt werden, dass Parzival eine permanenten Verbindung zu Cunnewâre hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus verdeutlicht die Tatsache, dass Parzival Cunnewâre [[wird gerächt von:: Parzival| ]] rächen muss, die Schwäche der Frauen. Cunnewâres &amp;quot;Handlungsspielraum [,ihre Schande zu selbst rächen,] ist gering&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 163.] Die Darstellung der Cunnewâre unterstreicht also die untergeordnete Stellung, die [[Das Frauenbild im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen im Mittelalter]] oft hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
==Pimärtexte==&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard   Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dartmann 2005]  [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5911/diss_dartmann_buchblock.pdf  Dartmann, Christine: Das &#039;&#039;lachen&#039;&#039; der &#039;&#039;vrouwe&#039;&#039;, Untersuchungen zur  Funktion von &#039;&#039;lachen&#039;&#039; in mittelhochdeutscher Epik und Minnesang,  Münster 2005.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Fritsch-Rößler 1997] Fritsch-Rößler, Waltraud: Lachen und Schlagen. Reden als Kulturtechnik in Wolframs &#039;Parzival&#039;, in: Krause, Burkhardt(Hg.): Verstehen durch Vernunft, Festschrift für Werner Hoffmann, Wien 1997, S.75-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nyholm 1997] Nyholm, Kurt: Warum lacht Cunnewâre? Überlegungen zu Parzival 151, 11-19, in: Andersson, Bo/Müller, Gernot(Hg.): Kleine Beiträge zur Germanistik, Festschrift für John Evert Härd, Uppsala 1997, S. 223-237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Philipowski 2003] Philipowski, Katharina: Das Gelächter der Cunnewâre, in: Zeitschrift für Germanistik 1 (2003), S. 9-25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seeber 2010] Seeber, Stefan: Poetik des Lachens, Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200, Diss., Berlin/ New York 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]] [[Kategorie: Gewalt|Kategorie]] [[Kategorie: Artushof|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
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		<title>Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:16:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Als Parzival zum ersten Mal an den Artushof kommt, geschieht ein Ereignis, das zwar lediglich in einer kurzen Passage des Romans beschrieben wird, dadurch aber nicht an Bedeutung verliert. Das Gelächter der Cunnewâre beeinflusst[[lacht über:: Parzival| ]][[beeinflusst:: hat Auswirkungen auf::Parzivals Handeln als Ritter| ]] Parzivals Handeln als Ritter. Im Folgenden sollen die Stellen analysiert werden, an denen Parzival und Cunnewâre einander begegnen und es soll genauer auf die Bedeutung des Gelächters der Cunnewâre für den Roman eingegangen werden.&lt;br /&gt;
=Handlungsverlauf=&lt;br /&gt;
Im Verlauf der Handlung begegnen sich Parzival und Cunnewâre zwei Mal. Die Zeit zwischen den beiden Treffen wird überbrückt, indem Parzival immer wieder von ihm besiegte Ritter zu Cunnewâre schickt, um seine Schuld zu begleichen.&lt;br /&gt;
==Parzivals Ankunft am Artushof (145-151)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Schon kurz nachdem Parzival seine [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] verlassen hat, reitet er zum Artushof. Sein Aussehen und auch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] entsprechen in keiner Weise den Ansprüchen und den Konventionen der Zeit. Am Artushof herrschen ebenfalls ungewöhnliche Zustände; wegen der Taten des roten Ritters [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] ist die Gesellschaft in heller Aufregung. (Zu den Umständen am Artushof bei Parzivals Ankunft: [Bumke 2004: vgl.:S. 59.]). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
==Gelächter der Cunnewâre (151, 19)==&lt;br /&gt;
Als Parzival sich aufmacht, um gegen [[kämpft gegen::Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zu kämpfen und an den Fenstern der Burg vorbeireitet, wird er von dem Hofstaat, unter anderen auch von der Dame Cunnewâre, beobachtet. Die Dame hat geschworen nicht zu lachen, bis sie den Edelsten aller Ritter sieht: &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ saz frou Cunnewâre || Dort bei ihnen saß die Dame Cunnewâre&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu fiere und diu clâre. || auch in ihrem klaren Glanz und mit edlem Stolz.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu enlachte dcheinen wîs, || Die lachte niemals, unter gar keinen Umständen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine sæhe in die den hôhsten prîs || bis zu dem Tag, da ihr der vor Augen käme, der höchsten Ruhm auf Erden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hete od solt erwerben: || hätte oder gewinnen sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si wolt ê sus ersterben. || Anders wollte sie&#039;s nicht tun, eher wollte sie sterben. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| allez lachen si vermeit, || Nicht das kleinste Lachen war ihr auf die Lippen gekommen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz daz der knappe für si reit:|| bis zu dem Augenblick, da sie den Knappen dort unten reiten sah:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do erlachte ir minneclîcher munt.|| Da kam ein Lacher über ihren süßen Mund.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(152, 11-19)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Untrennbar mit Cunnewâres Lachen &amp;lt;ref&amp;gt; Fritsch-Rößler weißt auf den Zusammenhang zwischen Jeschute und Cunneware hin. In ihrer Schrift legt sie wert auf die Beschreibung des Mundes, auf den die Aufmerksamkeit durch das Lachen gelenkt wird. Vgl.: Fritsch-Rößler 1997: S. 79. Dass Cunneware zu Lachen beginnt, als die Parzival das erste Mal sieht, steht im Widerspruch zu den Reaktionen, mit denen andere Frauen Parzival begegnen. Sigune beginnt zu klagen, als sie ihn sieht und seine Mutter und Jeschute bringt Parzival zum Weinen statt zum Lachen. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.:S. 80.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ist das Verhalten des Antanor verknüpft. Dieser, der durch seine Verschweigenheit für einen Toren gehalten wurde (&amp;quot;Der verswigene Antanor, der durch swîgen dâht ein tôr&amp;quot; [152, 22f]), hatte geschworen nicht mehr zu sprechen, bis das Mädchen gelacht habe. &lt;br /&gt;
[[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Keie]], ein Artusritter, beurteilt das Lachen als schandhaft für die Dame und als eine &amp;quot;Beleidigung aller anderen Ritter des Artushofes&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 226.] Dass diese einen so unhöfischen Narren mit ihrem Lachen kennzeichnet, obwohl so viele edlere Ritter vor ihre Augen getreten waren, veranlasst ihn, die Dame zu [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schlagen]][[wird geschlagen von:: Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| ]]. &amp;quot;ir rüke wart kein eit gestabt: doch wart ein stap sô dran gehabt, unz daz sîn siusen gar verswanc, durch die wât unt durch ir vel ez dranc.&amp;quot; (&amp;quot;Obwohl ihr Rücken keinen Eid zu leisten hat, kam er doch in heftige Brührung mit dem Richterstab, der auf sie niedersauste, bis er ganz zerschlissen war.&amp;quot; [151, 27-30]). Antanor, der seine wiedergefundene Stimme dazu nutzt, Keie zu tadeln, wird ebenfalls durch Keies Schläge bestraft ( Vgl.: 153, 9-13). Parzival will die beiden sofort durch den Wurf eines Spießes rächen, unterlässt es allerdings wegen des Getümmels um sie herum. Parzival ist der Einzige, den die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gewalt]] zu stören scheint. Der Artushof unternimmt nichts gegen die brutale Züchtigung und äußert sich auch nicht darüber. Dies führt zu einem negativen Bild der Artusgesellschaft und zu einer &amp;quot;Problematisierung des höfischen Umfelds&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 228.] (Mehr dazu [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |hier]].)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Sendungen an den Artushof (199/ 215/ 267)==&lt;br /&gt;
Parzival sieht die Bestrafung der Cunnewâre als [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|seine eigene Schuld]] an und versucht, sie wiedergutzumachen. Die Bestrafung des Antanor tut ihm zwar leid, er hat aber nicht den Drang diese zu sühnen. Alle von ihm besiegten Ritter schickt er deshalb an den Artushof, damit sie sich der Cunnewâre unterwerfen, wie es im Mittelalter üblich war, wenn ein Ritter für eine Dame kämpfte. Die von Parzival geschickten Ritter steigen, gemessen an ihrem Ansehen, an Wichtigkeit. Der erste Besiegte ist der Knappe des Clamide, gefolgt von Clamide selbst. Dieser, der die Frau des Parzival ebenfalls begehrt, wird von Parzival vor die Wahl gestellt zu sterben oder sich Cunnewâre zu unterwerfen. Der letzte von Parzival besiegte ist Cunnewâres [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Bruder Orilus]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Erneutes Zusammentreffen(307-327)==&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival Cunnewâre nun lange Zeit nicht gesehen, sie aber keineswegs vergessen hat, treffen sie ein zweites Mal aufeinander. Die Artusgesellschaft ist losgezogen, um Parzival zu suchen und ihn zur Tafelrunde einzuladen. Sie finden ihn schließlich, doch dem Zusammentreffen mit der Artusgesellschaft geht die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Blutstropfenszene]] vorraus, bei der ein Knappe der Cunnewâre eine Rolle spielt. Dieser findet den in Trance versetzten Parzival im Schnee und fordert die Artusritter auf, gegen den Fremden zu kämpfen. Erst [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] setzt dem Missverständnis ein Ende. Cunnewâre dankt Parzival für die Sendungen der Ritter, die seine erfolgreichen Kämpfe bewiesen haben: &amp;quot;ich hete lachen gar vermiten, unz iuch mîn herze erkande, dô mich an freuden pfande Keie, der mich dô sô sluoc. daz habt gerochen ir gennuoc&amp;quot; (&amp;quot;Ich hatte kein einziges Mal gelacht bis zu dem Augenblick, da Euch mein Herz erkannte und Keie mir meine Freude gleich wieder wegnahm, als er mich so schlug. Das habt ihr völlig gerächt.&amp;quot; [306, 1-4]), da er nicht nur die erwähnten Ritter, sondern auch Keie im Kampf besiegt hat und ihm starke Schmerzen zugefügt hatte. Die Dankesworte werden durch die hässliche [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] unterbrochen, die Parzival schwere Vorwürfe macht. Bei ihrem Auftreten kommt es zu einer für die Figur der Cunnewâre interessanten Szene. Nachdem die Rede der Cundrie beendet ist, ist die gesamte Gesellschaft des Artushofs nicht nur durch [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ihr Aussehen]], sondern auch durch ihre Beschuldigungen erschreckt. Von den erschütterten Frauen ist Cunnewâre die Erste, die zu weinen beginnt:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cunnewâr daz êrste weinen huop, || Cunneware fing als erste zu weinen an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Parzivâl den degen balt || daß Parzival, der junge Held,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe surzier sus beschalt, || so sehr beschimpft war und beschuldigt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein alsô wunderlîch geschaf. || von diesem absonderlichen Geschöpf, Cundrie la suziere.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(319, 12-15)&lt;br /&gt;
Bevor Parzival erneut aufbricht, erhält der besiegte Clamide Cunnewâre zur Frau, &amp;quot;denn er war krank nach ihrer Liebe&amp;quot; (&amp;quot;wan dem was nâch ir minne wê&amp;quot; [327, 27]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Das Lachen - Geste oder Prophezeiung?=&lt;br /&gt;
Nach der Beschreibung der relevanten Textstellen, soll nun eine Interpretation folgen, die die Stellung und Funktion von Cunnewâres Lachen im Roman beschreibt.&lt;br /&gt;
==Die Textstelle in der Forschung==&lt;br /&gt;
Trotz der Kürze dieser Textstelle sind in der Forschung interessante Diskussionen entstanden. Ein Vergleich zwischen der Erwähnung der Cunnewâre bei Wolfram von Eschenbach und der bei Chrétien de Troyes zeigt lohnende Ergebnisse. &amp;lt;ref&amp;gt; Siehe hierzu den Aufsatz von Nyholm 1997. &amp;lt;/ref&amp;gt; Hier fällt besonders die Einbeziehung des &amp;quot;Märchenmotiv[s] des ausziehenden Dümmlings&amp;quot; [Nyholm 1997: S. 223.] auf, welches mit Parzival verglichen werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt; Wolfram von Eschenbach nimmt bei seiner Version des Romans einige Änderungen vor, die für die Cunnewâre Szene nicht unbedeutend sind und bei Nyholm 1997 ausgewertet sind. Einen weiteren Bereich, den die Forschung miteinbezieht ist die Funktion und Interpretation von Gesten und Körpersprache im Mittelalter im Allgemeinen, der ebenfalls interessante Ergebnisse liefert.[Philipowski 2003: vgl.: S.9-25.]) &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Fritsch-Rößler weist deutlich darauf hin, dass aus dem Text nicht klar hervorgeht, seit wann Cunneware nicht mehr gelacht hat. Es besteht einerseits die Möglichkeit, dass sie seit ihrer Geburts nie gelacht hat, für die manche Indizien sprechen oder dass sie ein Gelübde abgelegt hat und seitdem nicht mehr lachte.[Fritsch-Rößler 1997: Vgl.: S. 80.] Welche der Möglichkeiten nun auch die Richtige sein mag, Parzivals Erscheinen ist eine Erlösung für Cunneware. Durch seine Erlösungstat führt er &amp;quot;Cunneware der echten Menschlichkeit zu&amp;quot;. [Fritsch-Rößler 1997: S. 82.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Seeber weist darauf hin, dass das Lachen von Cunneware von einer reinen Gebärde zu einem Symbol wird, das Parzivals gesamte Wandlung zum Ritter begleitet. [Seeber 2010: Vgl.: S. 154.] Das Lachen gewinnt an Bedeutung für die Interaktion und die Gebärde kommt der Sprache gleich: &amp;quot;Wolfram verortet die Gebärde neu und weist ihr eigene Konnotationen zu, die den Rahmen des gewohnten Wissesn sprengen undd neue Bereiche der Verwendung erschließen&amp;quot;. [Seeber 2010: S. 155.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Funktion des Lachens==&lt;br /&gt;
Behält man nun die vorgestellten von der Forschung mit einbezogenen Bereiche im Hinterkopf, stößt man auf zwei mögliche Funktionen der Cunnewâreszene. Die erste Deutung bezieht sich auf die Veränderungen von Wolfram von Eschenbach im Vergleich zu Chrétien de Troyes. Bei Eschenbach erscheint Parzival als Narr am Artushof, der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ohne höfische Erziehung]] und in komischer Kleidung tatsächlich lächerlich wirkt. Schon der Ritter Iwein, dem Parzival zuerst begegnet, muss über sein Verhalten und Auftreten lachen (147, 24). So könnte auch Cunnewâres Lachen die Funktion einer von Parzivals lächerlichem Aussehen motivierte Geste erfüllen. &amp;quot;Sie ist bedeutungsvoll, weil sie den inneren Zustand Cunnewâres sichtbar abbildet, das Lachen verweist auf ihre innere Verfassung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 9.] Damit erfüllte Parzival sogar tatsächlich den Plan der [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die Leute zum Lachen zu bringen. Doch statt, wie es diesem Plan entspräche, durch die Lächerlichkeit am Rittersein gehindert zu werden, wird Parzival durch das Lachen der Cunnewâre der Weg zum Ritter erst geebnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei genauerem Betrachten ist eine Deutung des Lachens allein als Ausdruck von Belustigung unbefriedigend. Es muss hinzugezogen werden, dass zwar Parzivals Handeln und Sprechen, ebenso sein Auftreten und seine Kleidung, nicht jedoch sein Körper Gegenstand des Spotts sind. [Dartmann 2005: S. 230.] Letzter wird stattdessen sehr gelobt, er gilt als &amp;quot;ein Bild des Vollkommenen&amp;quot; (148,30) und wird für seinen &amp;quot;Glanz&amp;quot; (148, 24) bewundert. &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Die zweite Interpretation schreibt dem Lachen deshalb eine prophetische Funktion zu. Die Tatsache, dass das Lachen beschränkt war auf den edelsten Ritter, der der Dame begegnet, was Parzival zum Zeitpunkt des Gelächters keinesfalls ist, sagt vorraus, dass er ein solcher werden wird, sogar werden muss. Man könnte diese Vorrausdeutung als sich selbst erfüllende Prophezeihung deuten, weil Parzival die Bestrafung, die die Dame seinetwegen erfährt, nur durch edle Rittertaten rächen kann. Seine besiegten Gegner, die er zu ihr schickt, sind die Zeugen seiner Entwicklung zum Ritter und die Boten der Wahrheit, die in der Prophezeihung steckte.[Philipowski 2003: vgl.: S. 21.] &amp;lt;br /&amp;gt; Der Kreislauf, den das Gelächter einleitet, ist folgender: &amp;quot;das Gelächter [provoziert] Gewalt, die Gewalt Frauendienst, Frauendienst Ehre und Ehre Erlösung&amp;quot;. [Philipowski 2003: S. 22.] &amp;lt;br /&amp;gt; Aufgrund dieses Kreislaufs bewirkt auch Keie mit der Bestrafung das Gegenteil seiner eigentlichen Intention. Er ärgert sich über die Auswahl der Cunnewâre, scheint doch der erwählte alles andere als ein tugendhafter Ritter zu sein, und leitet durch deren Bestrafung Parzivals Entwicklung zum Ritter erst ein. Die Begebenheit wird später der Grund sein, der Parzival zum Besten aller Ritter macht. [Philipowski 2003: vgl.: S. 22.] Es ist nämlich erst das Lachen der Cunnewâre, welches ihm &amp;quot;die Verpflichtung auferlegt, sich als Ritter zu bewähren&amp;quot;. [Dartmann 2005: S. 227.] In diesem Sinne kann das Lachen als ein &amp;quot;notwendiges Element für den Handlungsfortgang&amp;quot; interpretiert werden.[Dartmann 2005: S. 227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Will man diesen Kreislauf nicht als zwingend anerkennen, sondern sieht den Weg des Parzival zum Ritter schon ohne das Gelächter als vorherbestimmt an, so bleibt dennoch die Wahrheit der Vorhersage der Cunnewâre. Es könnte durchaus sein, dass Parzival den Weg zum Ritter auch ohne Cunnewâre gegangen wäre, allein aus seiner Begeisterung für das Rittertum und dem Wunsch ein Solcher zu sein. Sicher wäre er aber nicht so schnell zum Ritter der Tafelrunde geworden. Durch die Sendungen sieht nicht nur Cunnewâre, sondern auch der gesamte Artushof die Beweise für seine Taten, was [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] dazu veranlasst, ihn zu suchen und in die Tafelrunde aufzunehmen (siehe Unterpunkt 1.4). Keie ist ebenfalls überzeugt von der Wahrheit der Vorhersage, denn würde er das Lachen der Cunneware nicht als eine bedeutende Kennzeichnung wahrnehmen, gäbe es keinen Grund für ihn, sie zu schlagen. Er akzeptiert den prophetischen Charakter des Lachens, vertraut Cunneware aber gleichzeitig zu wenig, um ihre Wahl für richtig zu halten. [Fritsch-Rößler 1997: vgl.: S.85.] Statt eine positive Entwicklung Parzivals zu erwarten, sieht er nur seinen momentanen Zustand und fühlt sich in seiner Ritterehre gekränkt.&amp;lt;ref&amp;gt; Wie groß das Missverständnis zwischen Cunneware und Keie eigentlich ist, beschreibt Fritsch Rößler sehr überzeugend. Sie weist ebenfalls darauf hin, dass Keie Cunnewares Lachen als Spott über alle anderen Ritter empfindet und so statt &amp;quot;Hochschätzung und Affirmation&amp;quot; in dem Lachen &amp;quot;Minderschätzung und Degradierung&amp;quot; sieht.[Fritsch-Rößler 1997: S. 87.] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schließlich bleibt noch die Tatsache, dass Parzival noch bevor er überhaupt ein Ritter ist, schon vornehmer und edler ist als alle anderen Ritter, die der Dame begegnet sind. In seinem Inneren steckt schon zu diesem Zeitpunkt die größte Tugend, die Cunnewâre bereits erkennt. &amp;quot;Parzival, der vornehmste Ritter der Welt, [erfüllt] die Bedingungen des Lachens nur durch seine Anwesenheit und nicht durch seine Taten&amp;quot;.[Nyholm 1997: S. 223.] Seine Eignung zum Gralskönig, bei dem auf die Veranlagung und innere Größe wert gelegt wird, ist hier schon vorrausgedeutet.&amp;lt;ref&amp;gt; In der Forschung wird thematisiert, dass nicht sicher ist, worauf Cunnewares Lachen wirklich verweist. Verweist es auf Parzivals Prädestination zum Gralskönig, also auf das Ende des Romans oder auf &amp;quot;Parzivals Fähigkeit, die Gralsburg zu finden und den Gral zu schauen (dann allerding vor der Mitleidsfragenforderung zu versagen)&amp;quot;, also auf die Mitte des Romans? [Fritsch-Rößler 1997: S. 83.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Als Parzivals Tugend durch Cundrie angezweifelt wird, beginnt Cunneware zu weinen. Dieser dem Lachen entgegengesetzte Gefühlsausbruch, lässt sich, wie ihr Lachen, ebenfalls auf zwei verschiedene Arten deuten. Einerseits könnte es ihren inneren Zustand abbilden, ihr Erschrecken über Cundrie und ihr Mitleid mit Parzival, andererseits verwandelt sich Parzival, der durch ihr Lachen noch als bester aller Ritter gekennzeichnet wurde, nun durch böse Anschuldigungen und durch das Weinen der Cunnewâre in einen fehlerhaften und schlechten Charakter. Doch statt Cundrie wird später Cunneware mit ihrer Prophezeiung Recht behalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre=&lt;br /&gt;
Ein letzter Punkt, der noch zu untersuchen bleibt, ist die Beziehung zwischen Parzival und Cunnewâre. Wie oben schon erwähnt, ist das Kämpfen im Dienst einer Dame im Mittelalter durchaus üblich. Doch Cunnewâre und Parzival sind nicht verheiratet und Parzival kämpft auch nicht um Cunnewâres Gunst. Trotzdem ist Parzival indirekt [[kämpft für::Cunnewâres| ]] Cunnewares Ritter. Wolfram bricht hier also mit der üblichen Minne-Praxis, indem Cunnewâre zwar Parzivals &amp;quot;Dienstherrin, aber nicht [seine] Minnedame&amp;quot; ist. [Dartmann 2005: S.228.] Das heißt wiederum, dass ungewöhnlicherweise &amp;quot;nicht Minne, sondern die Wiederherstellung des gemeinsamen Ansehens&amp;quot; angestrebt wird. [Dartmann 2005: S. 233]&lt;br /&gt;
In der Forschung wird das Lachen der Cunnewâre ferner mit einem Zeichen verglichen, das ein Ritter beim Kampf bei sich trägt, wie der Ärmel der Obilot auf Gawans Schild.[Nyholm 1997: vgl.: S. 235.] Es kann also gesagt werden, dass Parzival eine permanenten Verbindung zu Cunnewâre hat. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus verdeutlicht die Tatsache, dass Parzival Cunnewâre [[wird gerächt von:: Parzival| ]] rächen muss, die Schwäche der Frauen. Cunnewâres &amp;quot;Handlungsspielraum [,ihre Schande zu selbst rächen,] ist gering&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 163.] Die Darstellung der Cunnewâre unterstreicht also die untergeordnete Stellung, die [[Das Frauenbild im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen im Mittelalter]] oft hatten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
==Pimärtexte==&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach  der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard   Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dartmann 2005]  [http://miami.uni-muenster.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-5911/diss_dartmann_buchblock.pdf  Dartmann, Christine: Das &#039;&#039;lachen&#039;&#039; der &#039;&#039;vrouwe&#039;&#039;, Untersuchungen zur  Funktion von &#039;&#039;lachen&#039;&#039; in mittelhochdeutscher Epik und Minnesang,  Münster, 2005.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Fritsch-Rößler 1997] Fritsch-Rößler, Waltraud: Lachen und Schlagen. Reden als Kulturtechnik in Wolframs &#039;Parzival&#039;, in: Krause, Burkhardt(Hrsg.): Verstehen durch Vernunft, Festschrift für Werner Hoffmann, Wien 1997, S.75-98.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nyholm 1997] Nyholm, Kurt: Warum lacht Cunnewâre? Überlegungen zu Parzival 151, 11-19, in: Andersson, Bo/Müller, Gernot(Hrsg):Kleine Beiträge zur Germanistik. Festschrift für John Evert Härd. Uppsala 1997. S. 223-237.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Philipowski 2003] Philipowski, Katharina: Das Gelächter der Cunnewâre, in: Zeitschrift für Germanistik 1 (2003). S. 9-25.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seeber 2010] Seeber, Stefan: Poetik des Lachens, Untersuchungen zum mittelhochdeutschen Roman um 1200, Diss., Berlin/ New York 2010.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen im Mittelalter|Kategorie]] [[Kategorie: Nebenfiguren|Kategorie]] [[Kategorie: Gewalt|Kategorie]] [[Kategorie: Artushof|Kategorie]][[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12795</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12795"/>
		<updated>2012-07-25T10:14:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt. Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das Erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12790</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12790"/>
		<updated>2012-07-25T10:12:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Sekundärliteratur: */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt. Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12789</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:11:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt. Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klssische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12787</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12787"/>
		<updated>2012-07-25T10:10:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Innere und Äußere Schönheit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt. Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe Brinker- von der Heyde 2008. &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klssische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12786</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:09:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Platon 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt. Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe Brinker- von der Heyde 2008. &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klssische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12785</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:09:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen und deren böse Gegner aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Platon 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versuchte einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter, was sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit niederschlägt. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszügehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Enstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stehts mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005] &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen sind. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Farbe spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Mißgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt. Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Were als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufige Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibung der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe Brinker- von der Heyde 2008. &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und[[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt sie ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in Nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren Verstorbenen geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauehaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innerer Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen besteht ein Zusammenhang zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrn Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stände. Auch die Übereinstimmung von guten Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zum Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringer Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klssische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]][[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12772</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12772"/>
		<updated>2012-07-25T10:01:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006]. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; In der Ausgabe [Wolfram von Eschenbach 2006].&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl.,  Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:58:26Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006]. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl.,  Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12764</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12764"/>
		<updated>2012-07-25T09:57:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003] &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006.] &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl.,  Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12760</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12760"/>
		<updated>2012-07-25T09:56:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003.] &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Versangabe bezieht sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2006.] &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl.,  Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12756</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12756"/>
		<updated>2012-07-25T09:53:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe, mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann, übersetzung von Peter Knecht, mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl.,  Berlin/New York 2003. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12748</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:50:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
===Primärtexte===&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von  Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von  Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärliteratur===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof. Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik, Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar, Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12742</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12742"/>
		<updated>2012-07-25T09:48:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]][[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof,  Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik,  Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar. Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12740</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:47:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Integration der Exkurse im Text */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs kann noch die epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. In der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs im Zentrum. Man ist sich jedoch, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof,  Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik,  Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar. Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:44:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Ziel der Minneexkurse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin ungeklärt. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs können noch epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. Im Zentrum stand hier erneut der erste Minneexkurs. In der Forschung ist man sich uneinig, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler dennoch um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof,  Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik,  Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar. Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12733</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12733"/>
		<updated>2012-07-25T09:43:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Integration der Exkurse im Text */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin schwierig. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs können noch epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. Im Zentrum stand hier erneut der erste Minneexkurs. In der Forschung ist man sich uneinig, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler dennoch um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof,  Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik,  Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar. Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12716</id>
		<title>Ansprachen an Frau Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansprachen_an_Frau_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12716"/>
		<updated>2012-07-25T09:34:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Firlefanz: /* Ziel der Minneexkurse */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich nicht mit der Darstellung  der Minne im Parzival generell, da diese Frage bereits an  [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|anderer Stelle]] beantwortet  wird. &amp;lt;ref&amp;gt; Auch  [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|dieser  Artikel]] behandelt die Minne; in Zusammenhang mit der Figur Gawan. Will  man einen Überblick über die Darstellung der Minne in der höfischen  Literatur gewinnen, kann es auch hilfreich sein sich mit der Minne in  anderen höfischen Romanen zu befassen. [[Diskussion:Minne|In diesem  Artikel]] findet man Anregungen und Literaturempfehlungen zur Minne im  Tristan.&amp;lt;/ref&amp;gt; Stattdessen werden drei Minne-Exkurse im  Vordergrund stehen. Zwar wird Frau Minne nur im ersten und dritten  Exkurs direkt angesprochen, da aber durch die Aussagen des  [[Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Erzählers]] auch die  zweite Stelle zu diesen Exkursen zu zählen ist, soll sie ebenfalls  hinzugezogen werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Im zweiten Minneexkurs taucht das epische  Wesen &amp;quot;frou minne&amp;quot; zwar nicht auf, dafür wird sie aber an anderen  Stellen im Roman integriert. Beispielhaft ist die Erwähnung in den  Versen 396, 21-24. Diese Szene wird bei Wiegand nicht nur synthaktisch  sondern auch inhaltlich ausführlich gedeutet. [Wiegand 1972: vgl.: S.  179-186.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Ansprachen an Frau Minne werden auf ihren  Inhalt und ihren Bezug zueinander untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der  erste Exkurs (291-293)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen  sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.  Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der  Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von  Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
Um  die erste Ansprache an Frau Minne in die  [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Handlung]]  einzubetten, muss die  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]]  einbezogen werden. Die Minnetrance, in die Parzival aus Sehnsucht nach  Condwiramurs verfällt, beeinflusst den Erzähler  [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Erster_Kampf_gegen_Segramors|  frou Minne und frou Witze]] als allegorische Figuren für Parzivals  Handeln anzuführen. Die Liebe lässt Parzival in einen Traumzustand  verfallen und sobald der Verstand wieder die Gewalt über Parzival  gewinnt, besiegt er die gegen ihn antretenden Ritter in der  Tjost.&amp;lt;ref&amp;gt; Bumke weist auf einen Gegensatz &amp;quot;zwischen der  erzählerischen Inszenierung und der erzählten Handlung [hin]: Parzival  wacht gar nicht aus seiner Minne-Trance auf, während er angegriffen  wird. Als Gawan ihn wieder zu Bewußtsein bringt, weiß er nicht, daß er  gegen zwei Ritter gekämpft hat (302, 21f.)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.]  &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die nun folgende erste  Ansprache an Frau Minne stellt der Erzähler unter das Motto: &amp;quot;ich hân  geredet unser aller wort&amp;quot; (&amp;quot;Ich habe jetzt einmal für uns alle, die hier  sind, geredet&amp;quot; oder in einer anderen Übersetzung &amp;quot;ich habe gesagt, was  alle denken&amp;quot;. [293, 17])&amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von Eschenbach: Parzival,  Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt a.M. 2006. &amp;lt;/ref&amp;gt;)  Die folgenden Aussagen sieht er als für alle Anwesenden interessant,  wenn nicht sogar als allgemeingültig, an. Umso interessanter die  Vorwürfe, die der Erzähler erhebt, und die Art, wie die Liebe  dargestellt wird: Frau Minne beschert nur kurzweilige Freuden, denen  dann aber lange Demütigungen folgen, weil sie alles nieder schlägt, was  sich ihr entgegenstellt, wie edel und gutmütig es auch ist. &amp;lt;ref&amp;gt;  Wiegand weist daraufhin, dass es in der betreffenden Textzeile (291, 11)  Übersetzungsschwierigkeiten gibt. Nach umfassender Analyse kommt er zu  dem Schluss, dass Frau Minne &amp;quot;unterschiedslos über alle [siegt], die  nicht kämpfen, die sich nicht wehren&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 166.]  &amp;lt;/ref&amp;gt;  Frau Minne ist der Grund für Schande und viele Sünden, die  die Menschen begehen. Ihr wird vorgeworfen &amp;quot;sie gefährde die  gesellschaftliche Ordnung, stifte die Menschen zu verwerflichen  Handlungen an und sei eine Gefahr für das Seelenheil (291, 5ff)&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] &amp;lt;ref&amp;gt; Bei der genauen Betrachtung einzelner Verse  fallen viele intertextuelle Verweise auf. Ein Beispiel ist der Vorwurf  an die Minne, sie lassen den &amp;quot;man an sîme hêrren&amp;quot; (291, 27) sündigen.  Hiermit könnte einerseits die Liebesbeziehung zwischen  [[Entwicklung_der_Beziehung_zwischen_Tristan_und_Isolde_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)|Tristan  und Isolde]] oder auch die Beziehung zwischen Lanzelot und der Frau von  [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|König Artus]] gemeint  sein. [Martin 1903: vgl.: S. 254.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Hinterlistig und voll  &amp;quot;mörderischer Tücke&amp;quot; (292, 4) begeht die Liebe Verrat an den Menschen.  Die Macht der Liebe ist übermäßig; mit Gewalt herrscht sie über die  Menschen und verlangt sogar den Tod. &amp;lt;ref&amp;gt; Als Beispiel wird  Condwiramurs Bruder Kardeiz angeführt, nach dem einer der Söhne von  Condwiramurs und Parzival benannt ist. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Frau  Minne wird mit Irrationalität verbunden; sie ist der Riegel, der den  Verstand im Dunkeln einsperrt. Diese Aussage findet in der  Blutstropfenszene Bestätigung, wie bereits erwähnt wurde.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der  ersten Minneexkurs ist zwar einerseits durch die Handlung motiviert,  andererseits scheinen die erhobenen  Vorwürfe eher im Widerspruch zur  Handlung stehen. &amp;quot;[D]enn in der  Blutstropden-Episode wird Parzival von  der Minne nicht zu sündhaften  Begierden verführt, sondern er erlebt die  Liebe als eine beseligende  Kraft, die ihn zu tiefen Einsichten  befähigt&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 75.] Auf die Integration des Minneexkurses im  Text wird später erneut eingegangen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===frou liebe (291, 17)===&lt;br /&gt;
Als  positive Eigenschaft wird die Verbindung  zwischen frou Minne und frou  Liebe genannt. Letztere wurde  unterschiedlich übersetzt mit &amp;quot;Frau  Zärtlichkeit&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram  von Eschenbach: Parzival.  Studienausgabe.  Mittelhochdeutscher Text nach  der sechsten Ausgabe von  Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht.  Mit einer Einführung zum  Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme  der  &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New  York  2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; oder auch &amp;quot;Liebesglück&amp;quot;. &amp;lt;ref&amp;gt; Wolfram von   Eschenbach: Parzival, Nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und   kommentiert von Eberhard Nellmann, Übertragen von Dieter Kühn, Frankfurt   a.M. 2006.&amp;lt;/ref&amp;gt; In der Forschung wurde versucht eine Definition  für Frau Liebe zu finden; San Marte schreibt: &amp;quot;Endlich verbindet  Wolfram aber mit liebe den Begriff der höchsten innigsten Herzenfreude,  der beseeligenden Wonne eines die ganze Seele erfüllenden Glücks.[...]  [E]s ist die jungfräuliche Liebe, [...] die Liebe in ihrerersten  Reinheit&amp;quot;. [San-Marte 1862: S. 130.] Die Liebe bezeichnet Wolfram als  die &amp;quot;ein êre&amp;quot; (291, 15), die der Minne beizumessen ist und sie führt  frou minne erst zur ganzen Machtausübung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  dagegen kommt zu einem vollkommen gegensätzlichen Urteil. Er stellt  eine Verbindung her zwischen der Erwähnung von frou liebe und den  folgenden Anschuldigungen an frou minne, obwohl die Verse tatsächlich  unverbunden hintereinander stehen. &lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| frou minne, ir pflegt untriuwen || Frau Liebe, das ist ein altes böses Spiel, das Ihr spielt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit alten siten niuwen. || Verrat, ihr macht ihn immer wieder neu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir zucket manegem wîbe ir prîs, || Ihr raubt vielen Frauen die Ehre:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt rât in sippiu âmîs. || Ihr ratet ihnen, Verwandte zu Geliebten zu nehmen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(291, 19-22)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Geht  man nun also, wie Wiegand, davon aus, dass erst frou liebe für dieses  Treiben der frou minne verantwortlich ist, muss man zu dem Schluss  kommen, dass mit frou liebe körperliche Begierde und &amp;quot;erotisch gefärbte  Freude&amp;quot; gemeint sein muss. [Wiegand 1972: S. 171.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Erfahrungen des Erzählers mit der Minne (292, 5-17)===&lt;br /&gt;
Der  Erzähler spricht in einem Teil des Minneexkurses seine eigenen  Erfahrungen mit der Minne an. Er selbst hat das Vertrauen an die Liebe  verloren, weil er  stets nur Kummer von ihr empfangen hat. Sie hat sich  seiner Not nie  erbarmt, weshalb er nie mit den Freuden der Liebe in  Verbindung kam. Interessant, dass der Erzähler sich allein für fähig  hält über Frau Minne urteilen und ihr wahres Wesen zu erkennen, obwohl  er wegen der erlittenen Enttäuschung offenbar zu einem wenig objektiven  Ergebnis gelangt. Die Reflektion über sein eigenes Liebesleben will  Garnerus als Rechtfertigung der Anklage an Frau Minne verstanden wissen.  Der Erzähler beschreibt &amp;quot;seine Haltung als Betroffener und Ankläger  zunächst in einer fast trotzigen &#039;&#039;quid-pro-quo&#039;&#039;-Haltung (v.7f), endet  jedoch wieder mit dem resignativen Eingeständnis seiner Machtlosigkeit  der Minne gegenüber&amp;quot;. [Garnerus 1999: S. 115.] Garnerus gibt aber auch  zu bedenken, dass es zur Tradition der rhetorische Form der Schelte  gehört, das eigene Erleben mit dem Ziel einer Wirkungssteigerung  anzuführen. [Garnerus 1999: vgl. S. 115.] In der älteren Forschung wurde  versucht aus der Erzählerrede biographische Hinweise auf Wolframs von  Eschenbach Leben zu schließen. [Wiegand 1972: Vgl.: S. 172f.] Von dieser  Deutung sieht man heute jedoch ab. [Nellmann 2006: Vgl.: S. 607.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Hinweis auf Heinrich von Veldeke (18-21)===&lt;br /&gt;
Besonders interessant für den ersten Minneexkurs ist die Erwähnung Heinrichs von Veldeke.&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz || Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hât hr dan gespalten || Er hat davon nur die Frage abgespalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch sol erwerben. || wie man euch erwirbt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(292, 18-23)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In  der Forschung ist die Frage noch immer ungeklärt, auf welche Stelle bei  Heinrich von Veldeke diese Verse anspielen. Eine bekannte Stelle ist  die Liebesvereinigung zwischen Dido und Eneas im Eneasroman, die unter  einem Baum vonstatten geht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 62,34-  63,28.] Hier kann der ausladende Baum, der den Liebenden Unterschlupf  gewährt, als Symbol für die körperliche Liebe und je nach Interpretation  auch für die Minne gesehen werden, doch zu einem direkten Vergleich  zwischen der Minne und dem Baum kommt es nicht. Eine weitere Möglichkeit  wäre der Bezug auf einen verlorenen Text Veldekes, vielleicht auch auf  ein bekanntes Lied. [Kern 1998: vgl.: S. 271.] Martin weist darauf hin,  dass auch ein Gedicht den Vergleich verwendet haben könnte, das verloren  ist, &amp;quot;wie ja Veldekes Liebesgeschichte des König Salomo, von welcher in  Moru von Craon 1160ff. die Rede ist, nicht auf uns gelangte.&amp;quot; [Martin 1903: S. 255.]&lt;br /&gt;
Sollte Wolfram tatsächlich auf die Szene  im Eneasroman anspielen, ist im Hinblick auf den zweiten Minneexkurs  interessant, dass Venus bei Heinrich von Veldeke im Zusammenhang mit  dieser Liebesszene eine Erwähnung findet, die in einem folgenden  Abschnitt gedeutet wird:&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| minnecliche er sie bat, || Voller Liebe bat er sie,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz siv in gewerte, || sie möge ihm das gewähren-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des siv selbe gerte. || wonach sie doch selber verlangte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| idoch sprach siv da wider, || Trotzdem sprach sie dagegen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und er legite sie da nider, || aber er legte sie auf den Boden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als ez Venvs geriet. || von Venus beraten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
[Heinrich von Veldeke 1992: 63, 18-23.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wiegand  gibt noch zu bedenken, dass, wenn Wolfram auf die vorgestellte Stelle  im Eneasroman anspielt, die Personifikation der Minne nicht konsequent  durchgehalten wird. Bei Veldeke wird &amp;quot;frou minne&amp;quot; als Figur niemals  erwähnt, sodass der Schluss naheliegt &amp;quot;[d]aß hier das Personifizierte  fast unbemerkt an die Stelle fer Personifikation treten kann&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 175.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der zweite Exkurs (532-534)==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch  zu Beginn des zweiten Exkurses nennt Wolfram von Eschenbach &amp;quot;manec  mînen meister&amp;quot; (532, 1), auf die er die folgenden Aussagen zurückführt.  In diesem Zusammenhang ist wohl wieder an Heinrich von Veldeke zu  denken. Ein Indiz für diese Annahme ist die Tatsache, dass die  Vorstellung von den Liebesgöttern Cupido und Amor als Brüder, die nicht  dem Vorbild der römischen Götterwelt entspricht, bereits bei Veldeke  auftaucht. [Heinrich von Veldeke 1992: vgl.: 10156f.] Im zweiten Exkurs  steht die Gegenüberstellung zwei verschiedener Arten der Minne im  Vordergrund. Die erste Art wird als &amp;quot;ungehiure&amp;quot; bezeichnet, als  &amp;quot;gewalttätiges und unheimliches Ding&amp;quot; (532, 6). Amor, Cupido und Venus  bringen diese Liebe mit Pfeilen, Wurfgeschossen und heißen Fackeln zu  den Menschen und verursachen viel  [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Leid]]. Die  &amp;quot;allzu leidenschaftliche Minne&amp;quot; lehnt der Erzähler ab. [Nellmann 2006:  S. 712.] Erneut weist er darauf hin, dass er von dieser Art der Liebe  stets verschont geblieben ist. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser  verwerflichen und schlechten Liebe stellt der Erzähler &amp;quot;wâriu triuwe&amp;quot;  (532, 10) gegenüber. Die einzig richtige und wahre Liebe ist für ihn die  Liebe, die aus der Treue kommt. Diese Liebe gründet in der  &amp;quot;Aufrichtigkeit der inneren Bindung&amp;quot;. [Bumke 2004: S. 96.] Sie kommt aus  dem Inneren des Menschen, statt wie die andere Art von außen über ihn  herzufallen. [Bumke 2004: S. 97.] Wolframs Beispiel für diese &amp;quot;lûter  minne&amp;quot; (533, 21) ist die treue  [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Sigune]].[Schumacher 1967:  S. 128f.]&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Der Erzähler spricht von seiner  großen Zuneigung zu Gawan und sein Mitleid für Gawans missliche Lage.  Gäbe es eine Möglichkeit, würde er ihm mit Freuden helfen. Gawan wird,  obwohl er ein &amp;quot;starker Kämpfer&amp;quot; (532, 26) ist, von der Liebe gefangen  und gedemütigt. Es scheint klar, von welcher Liebe Gawan gefesselt ist:  Gawans irrationales Denken und die &amp;quot;zwanghafte Minne, die Gawan wehrlos  macht&amp;quot; weisen auf die erste, die verwerfliche Art der Minne hin.  [Nellmann 2006: S. 713.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Im Rahmen des zweiten Exkurses muss noch das Motiv der Jugend angesprochen werden. Die Liebe wird als &amp;quot;jung und ungezogen&amp;quot; charakterisiert (&amp;quot;ist minne ir unfuoge balt&amp;quot; [533, 9]). Der Erzähler ist der Meinung, dass man solche Ungezogenheiten der Jugend noch eher verzeihen könnte, die Minne aber für ihre Taten zu alt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der dritte Exkurs (585-587)==&lt;br /&gt;
Der  dritte Exkurs, nun wieder eine persönliche Ansprache an Frau Minne, ist  ebenfalls in der Gawanhandlung zu finden und die Figur Gawan steht auch  in ihrem Zentrum. Gawan liegt verletzt auf  [[Gawan_im_Schastel_marveile_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawans_Kampf_.28566.2C11_-_573.2C24.29|Schastel  marveile]] und wird von den nächtlichen Liebesgedanken an Orgeluse  gequält. (Vgl.: 584, 14-17) Der folgende Exkurs stellt die Minne als  zusätzliche Belastung zu seinem körperlichen Leiden dar. &lt;br /&gt;
Es  kommt zu einer praktischen Anwendung der zuvor beschriebenen  Eigenschaften der Liebe. An Gawan  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Brickus|Verwandten]]  wird gezeigt, wie die Macht der Liebe in seiner Familie gewirkt hat.  Niemand, der mit Gawan verwandt ist, soll der Minne je untreu gewesen  sein und doch haben sie viel Leid von ihr erfahren. Nachdem die Liebe in  der Vergangenheit viele Opfer in Gawans  [[Verwandtschaftsbeziehungen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Mazadan|gesamter  Familie]] gefordert hat, verlangt der Erzähler nun stattdessen Gawan zu  verschonen. Als ein Beispiel der von der Liebe gequälten Verwandten  wird auch Parzival in der Blutstropfenszene genannt. Interessant für die  weitere Handlung ist auch die Erwähnung der treuen und  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Minne_zu_Itonje|  bedingungslosen Liebe]] der  [[Itonje_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Itonje]] zu  [[Gramoflanz_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gramoflanz]], dem  Todfeind ihres Bruders.&lt;br /&gt;
Außerdem kommt es, wie schon  zuvor, erneut zu einer Erwähnung der Unerfahrenheit des Erzählers  selbst. Er, der die Minne nur aus Liedern kenne, sollte eigentlich still  schweigen und diejenigen vom Leid Gawans berichten lassen, die selbst  lieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Auswertungen==&lt;br /&gt;
Nachdem die Minneexkurse untersucht wurden, sollen sie nun auf Gemeinsamkeiten überprüft werden. Dem ersten Minneexkurs ist in der Forschung vor allem wegen seiner Einbettung in die viel untersuchte Blutstropfenszene am meisten Aufmerksamkeit gewidmet worden. Doch auch die folgenden Exkurse liefern auf dieser Vorlage interessante Ergebnisse.&lt;br /&gt;
Zu allererst sticht heraus, dass der Erzähler in allen drei Exkursen erwähnt, wie wenig Erfahrung er selbst mit der Minne hat. Mögliche Deutungen und Ziele dieser Aussagen wurden bei der Erwähnung im ersten Minneexkurs bereits thematisiert. Während sich der Erzähler bei der ersten Ansprach an Frau Minne allerdings noch für geeignet hält, die Wahrheit über Frau Minne auszusprechen und auch im zweiten Exkurs froh ist, von den Geschossen der Liebesgötter verschont geblieben zu sein, so will er im dritten Exkurs doch das Klagen den Liebenden selbst überantworten. Unterstellt man Wolfram tatsächlich eine absichtliche Klimax der Aussagen, überlässt sich der Erzähler nach anfänglich großer Vorrede über eigene Erfahrungen und Nöte immer mehr das Feld denjenigen, die statt nur von kurzfristiger Begierde befallen zu werden, die echte Liebe, die wahre Treue empfinden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Den Unterschied zwischen diesen beiden Arten der Liebe macht der Erzähler deutlich klar. &amp;quot;Minne, so heißt es da, hat ein doppeltes Gesicht, sie erfaßt Wertloses und Werthaftes.&amp;quot; [Schröder 1952: S. 175.] Die falsche Minne wird nur von der &amp;quot;gir&amp;quot; bestimmt, für diese Art von Liebe zählt nur die affektive Befriedigung von Trieben. [Schröder 1952: vgl.: S. 175.] An dieser Stelle sind noch einmal die Liebesgötter zu erwähnen. Durch ihre Einwirkung von außen werden die Menschen von dieser schlechten Minne ergriffen. Geht man davon aus, dass Wolfram mit seinem Hinweis auf Heinrich von Veldeke die angesprochene Stelle im Eneasroman implizierte, gibt auch hier eine Parallele. Eneas, der mit der Liebesvereinigung viel Leid über Dido bringt, wird in dem Moment, in dem er mit Dido allein ist, von Venus ergriffen, die ihm zu der unheilvollen Verbindung mit Dido rät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die wahre Minne dagegen verspricht ganzheitliche Liebe, in ihr verbindet sich wahre Treue mit Leidenschaft. Sie schafft eine &amp;quot;untrennbare sinnlich-seelische Einheit&amp;quot;. [Wiegand 1972: S. 156.] Diese Minne tritt in Gestalt der Ehe auf. &amp;quot;Die zahlreichen Ehestiftungen durch Artus am Schluss [730,11] erhalten von daher ihren Sinn.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 164.] &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Eine Herausforderung für die Interpretation bieten die Erwähnungen der großen Macht der Frau Minne. Teilweise ist die Forschung der Meinung dass die Minne allmächtig ist und alle Mensche ihr in gleicher Weise ausgeliefert sind. [Garnerus 1999: vgl.: S. 102.] Wiegand dagegen ist nicht der Meinung, dass von Allmacht der Frau Minne gesprochen werden kann, obwohl die Bewaffnungen der Ritter gegen sie nichts ausrichten können. [Wiegand 1972: vgl. S. 165/ 168.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ziel der Minneexkurse===&lt;br /&gt;
Die Frage nach dem Sinn der Minneexkurse bleibt weiterhin schwierig. Einerseits steht Wolfram von Eschenbach mit seiner Scheltrede auf Frau Minne in epischer Tradition. [Nellmann 2006: vgl.: S. 607.] Zugleich könnte auch sein Ziel gewesen sein &amp;quot;dem Zeitgeschmack Tribut [zu zollen], der an theoretischen Erörterungen über die Minne Gefallen findet.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 143.] Vielleicht stant Intention im Vordergrund, für die Darstellung höfischer Liebe in der Handlung, obwohl auch diese Liebesleid und sogar [[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Tod_aus_Liebe|Tod]] aufgrund von Liebe zeigt, einen Gegenmeinung zu präsentieren, die den ambivalenten Charakter der Liebe vorführt. [Bumke 2004: vgl.: S. 102.]&lt;br /&gt;
Nellmann findet eine überzeugende Begründung für das Platzieren des ersten Minneexkurses in die Blutstropfenszene: &amp;quot;Diese[r] soll zeigen, daß Parzival, frei von der früheren &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;, hier einer Macht unterliegt, die allen Menschen den Verstand raubt.&amp;quot; [Nellmann 1973: S. 142.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Integration der Exkurse im Text===&lt;br /&gt;
In einem kurzen Exkurs können noch epische Integration der Minneexkurse im Parzival beschrieben werden. Im Zentrum der Forschung stand hier erneut der erste Minneexkurs. In der Forschung ist man sich uneinig, inwiefern die erste Ansprache an die Handlung gebunden ist. Nellmann sieht eine Ansprache, die &amp;quot;sich aus[weitet] zu einem selbstständigen, nur schwach integrierter Exkurs&amp;quot;. [Nellmann 1973: S. 143.] Auch in einem anderen Kommentar wird diese Meinung vertreten: &amp;quot;Die Schelte bleibt- wenngleich im Aspekt variierend zwischen allgemeiner Anklage, persönlichem Vorwurf und Rückbezug auf die Situation des Helden- stets auf der Ebene des einseitigen Erzählerkommentars.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103.]&amp;lt;br /&amp;gt;Andererseits ist der Exkurs nicht völlig unabhängig. Wie bereits erwähnt, ist er einerseits durch die Minnetrance des Parzival direkt motiviert und andererseits bemüht sich der Erzähler dennoch um einige Einbindungen. Frau Minne wird schon in der Blutstropfenszene erwähnt und ihr wird sowohl dort, wie auch in der Ansprache Irrationalität zugeschrieben. Auch im Minneexkurs wird direkt auf Parzvals als einer der unter der machtvollen Minne Liedender verwiesen. [Garnerus 1999: vgl.: S. 103.] Außerdem lässt sich ein Bestreben nach Verknüpfung von Handlung und ein Bestreben nach Reflexion erkennen, &amp;quot;wenn der Erzähler den eben begonnenen Handlungsfasen noch einmal  unterbricht (294, 219) zu einer letzten Aufforderung an die Minne, den  Helden aus ihrem Bann zu entlassen.&amp;quot; [Garnerus 1999: S. 103]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[sagt etwas aus über:: Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist verantwortlich für:: Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[wird durchgeführt von:: Der_Erzähler_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[ist eingebettet in:: Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| ]]&lt;br /&gt;
[[handelt von:: Parzival| ]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Garnerus 1999] Garnerus, Gisela: Parzivals zweite Begegnung mit dem Artushof,  Kommentar zu Buch VI/1 von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, Herne 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinrich von Veldeke 1992] Heinrich von Veldeke: Eneasroman, hg von Hans Fromm,  mit den Miniaturen der Handschrift und einem Aufsatz von Dorothea und  Peter Diemer, Frankfurt a.M. 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kern 1998] Kern, Manfred: Edle Tropfen vom Helikon. Zur Anspielungsrezeption  der antiken Mythologie in der deutschen höfischen Lyrik und Epik,  Amsterdam 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Martin 1903] Martin, Ernst: Wolframs von Eschenbach Parzival und Titurel. Zweiter Teil: Kommentar. Halle a.S. 1903.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Nellmann 2006] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn. Frankfurt a. M. 2006. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1952] Schröder, Walter J.: Der Ritter zwischen Welt und Gott. Idee und  Problem des Parzivalromans Wolframs von Eschenbach, Weimar 1952.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schumacher 1967] Schumacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach, Heidelberg 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*San-Marte 1862] San-Marte (Pseudonym f. A. Schulz): Die Gegenstände des heiligen  Grales und von Ritters Orden, Parcival Studien 3, Halle 1862, S. 130,  zit. nach Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972, S. 169.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972] Wiegand, Herbert E.: Studien zur Minn und Ehe in Wolframs  Parzival und Hartmanns Artusepik, Berlin/ New York 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]] [[Kategorie: Liebe|Kategorie]] [[Kategorie: Minne|Kategorie]]  [[Kategorie: Erzählermerkmale|Kategorie]] [[Kategorie: Exkurse|Kategorie]] [[Kategorie: Erotik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Firlefanz</name></author>
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