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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-11T05:22:05Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=23717</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=23717"/>
		<updated>2015-07-15T08:12:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:[Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen &lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneit&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde]] erneut auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst eine Übersichtsdarstellung der Beziehung zwischen [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Belacane]] im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf âventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artuswelt]] abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disiu burc was gêheret sô, || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Enêas Kartâgô || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie sô hêrrenliche vant || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Aeneas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315] &lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Vorausdeutungen auf die Folgehandlung&lt;br /&gt;
#Erzeugung einer Erwartungshaltung beim Rezipienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u mînen kumber klage, den ich nâhe im herzen trage&#039;&#039; (24,19f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes und das mit ihr verbundene Minnekonzept. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140] Durch diese Aspekte und der damit entstehenden Rezeptionshaltung ist es dem Autor zudem möglich, die Wahrnehmung des eigenen Texts zu steuern, da der Leser somit in die Interpretation hineingezogen wird, da er stets auch die eigenen Werte und Normen als Maßstäbe für einen Vergleich ansetzt. [Draesener 1993: 348] Somit führen die intertextuellen Bezüge im Idealfall zu einer Selbstreflexion des Rezipienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Ausdruck persönlicher Ansichten Wolframs&lt;br /&gt;
#Abgrenzung von der literarischen Tradition &lt;br /&gt;
#Schärfung des Bildes der Belacane und des mit ihr verbundenen Minnekonzepts&lt;br /&gt;
#Aufrufen von Normen, Werten und Idealen --&amp;gt; Steuerung der Wahrnehmung des vorliegenden Texts &lt;br /&gt;
#Im Idealfall: Selbstreflexion des Rezipienten in Bezug auf eigene Werte, Normen und Ideale &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Obwohl hier nur sehr wenige Textstellen in Bezug auf die intertextuellen Bezüge zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; untersucht wurden, kristallisierten sich die verschiedensten Funktionen dieser Verweise und Anspielungen heraus. Auf makrotextueller Ebene eröffnet Wolfram beispielsweise durch die geschickte Platzierung der Verweise einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt. Auf mikrotextueller Ebene hingegen besitzen die behandelten Bezugspunkte die verschiedensten Funktionen. Diese reichen von der Erzeugung einer Erwartungshaltung über den Ausdrück persönlicher Ansichten hin zu einer möglichen Selbstreflexion des Rezipienten usw. Es zeichnet sich jedoch das Bild, dass jeder Verweis an sich sehr spezielle Funktionen für die einzelne Textstelle besitzt. In wieweit eine Verallgemeinerung auf weitere Stellen stattfinden kann, bleibt noch offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=23715</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
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		<updated>2015-07-15T08:06:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde]] erneut auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Belacane]] im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artuswelt]] abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disiu burc was gêheret sô, || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Enêas Kartâgô || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie sô hêrrenliche vant || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Aeneas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315] &lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Vorausdeutungen auf die Folgehandlung&lt;br /&gt;
#Erzeugung einer Erwartungshaltung beim Rezipienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u mînen kumber klage, den ich nâhe im herzen trage&#039;&#039; (24,19f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes und das mit ihr verbundene Minnekonzept. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140] Durch diese Aspekte und der damit entstehenden Rezeptionshaltung ist es dem Autor zudem möglich, die Wahrnehmung des eigenen Texts zu steuern, da der Leser somit in die Interpretation hineingezogen wird, da er stets auch die eigenen Werte und Normen als Maßstäbe für einen Vergleich ansetzt. [Draesener 1993: 348] Somit führen die intertextuellen Bezüge im Idealfall zu einer Selbstreflexion des Rezipienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Ausdruck persönlicher Ansichten Wolframs&lt;br /&gt;
#Abgrenzung von der literarischen Tradition &lt;br /&gt;
#Schärfung des Bildes der Belacane und des mit ihr verbundenen Minnekonzepts&lt;br /&gt;
#Aufrufen von Normen, Werten und Idealen --&amp;gt; Steuerung der Wahrnehmung des vorliegenden Texts &lt;br /&gt;
#Im Idealfall: Selbstreflexion des Rezipienten in Bezug auf eigene Werte, Normen und Ideale &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Obwohl hier nur sehr wenige Textstellen in Bezug auf die intertextuellen Bezüge zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; untersucht wurden, kristallisierten sich die verschiedensten Funktionen dieser Verweise und Anspielungen heraus. Auf makrotextueller Ebene eröffnet Wolfram beispielsweise durch die geschickte Platzierung der Verweise einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt. Auf mikrotextueller Ebene hingegen besitzen die behandelten Bezugspunkte die verschiedensten Funktionen. Diese reichen von der Erzeugung einer Erwartungshaltung über den Ausdrück persönlicher Ansichten hin zu einer möglichen Selbstreflexion des Rezipienten usw. Es zeichnet sich jedoch das Bild, dass jeder Verweis an sich sehr spezielle Funktionen für die einzelne Textstelle besitzt. In wieweit eine Verallgemeinerung auf weitere Stellen stattfinden kann, bleibt noch offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=23712</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=23712"/>
		<updated>2015-07-15T08:04:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.), zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation bzw. Motivierung - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern nach einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das in einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez auch in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der zwischen &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zusätzlich stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; bezeichnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer Ursache dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden.[Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen vom Ende her determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet.[ Martinez 2000: 643 ] Handlungen, die zunächst als kausal erscheinen, werden häufig im Nachhinein als final motiviert enttarnt.&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fatum&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war.[Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen.[ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert etwa die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmuret trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht werden und ihr [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geliebter]] ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision und sei final motiviert. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheinen Haferlands Überlegungen passend für die Ankunft Gahmurets in Zazamanc. Oder warum sollte Gahmuret genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die gegen diese Überlegung spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Bârucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextuellen Verweis auf  Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;]], genauer als Bezug aus Aeneas&#039; Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist hinsichtlich dieser Szene eine eindeutige Einschätzung schwierig, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffendsten, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne.[Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt.[Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er auch gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrîe verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht die Tatsache, dass Parzival am Ende vollständig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Daran anknüpfend könnte man gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der [[Der Erzähler im Parzival|Erzähler]] als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich für diese Stelle sagen, dass sowohl finale als auch kausale Motivation vorhanden sind, die Erstere jedoch dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=23705</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=23705"/>
		<updated>2015-07-15T07:53:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.), zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation bzw. Motivierung - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das in einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez auch in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zusätzlich stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; bezeichnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer Ursache dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden.[Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen vom Ende her determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet.[ Martinez 2000: 643 ] Handlungen, die zunächst als kausal erscheinen, werden häufig im Nachhinein als final motiviert enttarnt.&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fatum&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war.[Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen.[ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert etwa die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmuret trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht werden und ihr [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geliebter]] ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision und sei final motiviert. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheinen Haferlands Überlegungen passend für die Ankunft Gahmurets in Zazamanc. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die gegen diese Überlegung spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Bârucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextuellen Verweis auf  Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;]], genauer als Bezug aus Aeneas&#039; Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist hinsichtlich dieser Szene eine eindeutige Einschätzung schwierig, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffendsten, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne.[Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt.[Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er auch gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrîe verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht die Tatsache, dass Parzival am Ende vollständig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Daran anknüpfend könnte man gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass sowohl finale als auch kausale Motivation vorhanden sind, die Erstere jedoch dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=23703</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-15T07:51:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.), zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation bzw. Motivierung - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das in einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez auch in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zusätzlich stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; bezeichnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer Ursache dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[Martinez 2000: 643] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden.[Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen vom Ende her determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet.[Martinez 2000: 643] Handlungen, die zunächst als kausal erscheinen, werden häufig im Nachhinein als final motiviert enttarnt.&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fatum&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war.[Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen.[Martinez 2000: 644] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert etwa die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmuret trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht werden und ihr [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geliebter]] ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision und sei final motiviert. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheinen Haferlands Überlegungen passend für die Ankunft Gahmurets in Zazamanc. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die gegen diese Überlegung spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Bârucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextuellen Verweis auf  Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;]], genauer als Bezug aus Aeneas&#039; Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist hinsichtlich dieser Szene eine eindeutige Einschätzung schwierig, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffendsten, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne.[Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt.[Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er auch gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrîe verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht die Tatsache, dass Parzival am Ende vollständig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Daran anknüpfend könnte man gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass sowohl finale als auch kausale Motivation vorhanden sind, die Erstere jedoch dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23700</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23700"/>
		<updated>2015-07-15T07:49:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen eine wichtige Rolle spielt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine [[Das Heidentum als Hindernis|Hürde]] für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person in die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe.[Gnädinger 1974: 67ff] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschied Gahmurets von Belacane]] und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine christliche Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne. Durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitwillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (s. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (s. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], das im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival]] zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass seine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Voraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde.[Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht vielmehr, dass er durch die Empfängnis des Sakraments [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], dass die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]]. Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer tiefergehenden Beschäftigung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in die Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise dazustellen, wie ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft.[Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht.[Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert.[Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe ( 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen übernimmt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements zu, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion hinzukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.[Schmitz 2012: 155ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
*[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
*[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
*[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
*[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
*[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23699</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-15T07:48:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen eine wichtige Rolle spielt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine [[Das Heidentum als Hindernis|Hürde]] für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person in die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe.[Gnädinger 1974: 67ff] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschied Gahmurets von Belacane]] und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
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! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
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|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
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| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
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| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine christliche Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne. Durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (s. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (s. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], das im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival]] zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass seine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Voraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde.[Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht vielmehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], dass die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]]. Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer tiefergehenden Beschäftigung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in die Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise dazustellen, wie ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft.[Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht.[Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert.[Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe ( 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen übernimmt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements zu, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion hinzukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.[Schmitz 2012: 155ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
*[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
*[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
*[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
*[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
*[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23696</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23696"/>
		<updated>2015-07-15T07:47:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen eine wichtige Rolle spielt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine [[Das Heidentum als Hindernis|Hürde]] für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person in die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe.[Gnädinger 1974: 67ff] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschied Gahmurets von Belacane]] und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine christliche Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne. Durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (s. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (s. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], das im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival]] zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass seine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Voraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde.[Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht vielmehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], dass die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]]. Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer tiefergehenden Beschäftigung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in die Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise dazustellen, wie ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft.[Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht.[Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert.[Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe ( 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen übernimmt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements zu, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion hinzukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.[Schmitz 2012: 155ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
*[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
*[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
*[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
*[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
*[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23694</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-15T07:47:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen eine wichtige Rolle spielt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine [[Das Heidentum als Hindernis|Hürde]] für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person in die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe.[Gnädinger 1974: 67ff] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschied Gahmurets von Belacane]] und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine christliche Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne. Durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (s. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (s. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], das im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival]] zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass seine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Voraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde.[Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht vielmehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], dass die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]]. Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer tiefergehenden Beschäftigung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in die Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise dazustellen, wie ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft.[Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht.[Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert.[Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe ( 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen übernimmt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements zu, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion hinzukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.[Schmitz 2012: 155ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
*[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
*[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
*[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
*[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
*[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23692</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23692"/>
		<updated>2015-07-15T07:46:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen eine wichtige Rolle spielt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine [[Das Heidentum als Hindernis|Hürde]] für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person in die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe.[Gnädinger 1974: 67ff] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschied Gahmurets von Belacane]] und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
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| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine christliche Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne. Durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (s. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (s. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], das im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival]] zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass seine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Voraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde.[Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht vielmehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], dass die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]]. Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer tiefergehenden Beschäftigung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in die Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise dazustellen, wie ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft.[Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht.[Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert.[Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe ( 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen übernimmt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements zu, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion hinzukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.[Schmitz 2012: 155ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
*[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
*[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
*[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
*[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
*[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23688</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=23688"/>
		<updated>2015-07-15T07:46:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen eine wichtige Rolle spielt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine [[Das Heidentum als Hindernis|Hürde]] für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person in die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe.[Gnädinger 1974: 67ff] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschied Gahmurets von Belacane]] und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine christliche Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne. Durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (s. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (s. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], das im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival]] zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass seine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Voraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde.[Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht vielmehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], dass die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]]. Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer tiefergehenden Beschäftigung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in die Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise dazustellen, wie ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft.[Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht.[Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert.[Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe ( 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen übernimmt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements zu, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion hinzukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.[Schmitz 2012: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
*[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
*[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
*[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
*[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
*[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22525</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22525"/>
		<updated>2015-07-13T12:42:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.), zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation bzw. Motivierung - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das in einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez auch in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zusätzlich stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; bezeichnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer Ursache dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden.[Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen vom Ende her determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet.[ Martinez 2000: 643 ] Handlungen, die zunächst als kausal erscheinen, werden häufig im Nachhinein als final motiviert enttarnt.&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fatum&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war.[Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen.[Martinez 2000: 644] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert etwa die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmuret trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht werden und ihr [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geliebter]] ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision und sei final motiviert. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheinen Haferlands Überlegungen passend für die Ankunft Gahmurets in Zazamanc. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die gegen diese Überlegung spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Bârucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextuellen Verweis auf  Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;]], genauer als Bezug aus Aeneas&#039; Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist hinsichtlich dieser Szene eine eindeutige Einschätzung schwierig, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffendsten, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne.[Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt.[Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er auch gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrîe verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht die Tatsache, dass Parzival am Ende vollständig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Daran anknüpfend könnte man gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass sowohl finale als auch kausale Motivation vorhanden sind, die Erstere jedoch dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22516</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22516"/>
		<updated>2015-07-13T12:35:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.), zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation bzw. Motivierung - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das in einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez auch in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zusätzlich stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne&amp;quot; bezeichnet. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer Ursache dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden.[Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen vom Ende her determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet.[ Martinez 2000: 643 ] Handlungen, die zunächst als kausal erscheinen, werden häufig im Nachhinein als final motiviert enttarnt.&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fatum&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war.[Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen.[Martinez 2000: 644] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert etwa die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmuret trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht werden und ihr [[Isenhart (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geliebter]] ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision und sei final motiviert. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheinen Haferlands Überlegungen passend für die Ankunft Gahmurets in Zazamanc. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die gegen diese Überlegung spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Bârucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextuellen Verweis auf  Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;]], genauer als Bezug aus Aeneas&#039; Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist hinsichtlich dieser Szene eine eindeutige Einschätzung schwierig, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffendsten, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne.[Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrie verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass Parzival am Ende völlig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Man könnte daran anknüpfend gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22172</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22172"/>
		<updated>2015-07-12T17:47:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrie verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass Parzival am Ende völlig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Man könnte daran anknüpfend gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22170</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=22170"/>
		<updated>2015-07-12T17:46:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrie verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass Parzival am Ende völlig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Man könnte daran anknüpfend gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=22168</id>
		<title>Courtoisie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Courtoisie_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=22168"/>
		<updated>2015-07-12T17:44:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In diesem Artikel soll untersucht werden, welche Rolle Courtoisie im &#039;&#039;[[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival&#039;&#039;]] spielt und wie sie dargestellt wird. Courtoisie (übersetzt: Höflichkeit) wird im Parzival an vielen Stellen erwähnt. Besonders für die Ritter ist diese Lebensart sehr wichtig. Auch die Adeligen und Damen des Hofes bemühen sich um höfliches Verhalten. Im Artikel wird untersucht, wie die Courtoisie im höfischen Roman aufgenommen wurde und welche Rolle sie einnimmt. Anschließend soll gezeigt werden, was die Charaktere bzw. deren Gruppen darüber denken und wie sie Courtoisie ausführen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Entstehung der Courtoisie im Roman==&lt;br /&gt;
Courtoisie findet sich in vielen Romanen im Mittelalter. Obwohl der Begriff aus dem Französischen kommt, wird die Höflichkeit auch in den Werken aus anderen europäischen Ländern, wie z.B. Deutschland oder Italien, verwendet. In seiner Entstehungszeit hatte der Begriff noch die Form &#039;&#039;cortoisie&#039;&#039;. Im Mittelalter bildeten Literatur und Wirklichkeit keine getrennten Welten. Die Höflichkeit, wie sie in den verschiedenen Dichtungsarten vorkam, gab es somit auch im wirklichen Leben. Courtoisie war im Roman nur eine idealisierte Form, deren Annäherung man im wirklichen Leben versuchte. Es war auch geplant, dass sich die Leser und Hörer sich diesem Ideal anpassen und versuchen nach den Maximen der Ritter und Adeligen zu leben. Courtoisie war nicht nur dem Adel vorbehalten, sondern war allen Schichten zugänglich.[Stierle 1994: S. 256-258]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Courtoisie im deutschen höfischen Roman findet man erstmals im &#039;&#039;Erec&#039;&#039; Hartmanns von Aue. Hartmann übernahm die Ansätze der Courtoisie aus Chrétiens &#039;&#039;Erec et Enide&#039;&#039; und schuf damit den Begriff &amp;quot;hoevescheit&amp;quot;.[Stierle 1994: S. 258] Schon bei Chrétien soll Courtoisie ein neues Lebensgefühl und ein neues Standesbewusstsein vermitteln. Er erfand den Begriff zwar nicht, führte ihn aber in Frankreich als erstes in den höfischen Roman ein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&amp;quot;Dame, fet il, a vos seroie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:s&#039;il vos pleisoit, an ceste voie;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:je ne ving ça por autre afere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:fors por vos conpaignie fere.&amp;quot;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:(Erec et Enide 107-110)&amp;lt;ref&amp;gt;zitiert nach Stierle 1994, S. 262.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Erec bietet in dieser Textstelle der Königin an, sie zu begleiten. Er formuliert die Aussage mit einem Konditional, sodass die Königin die Möglickeit besitzt, das Angebot ablehnen zu können. Er ehrt sie zudem nicht nur als Königin, sondern auch als Frau. Er verhält sich sehr ritterlich, sodass die Königin das Angebot annimmt.[Stierle 1994: S. 262] Chrétien vermittelt im Roman viele Werte wie höfliches Zusammenleben und höfische Gespräche am Hof. Er zeigt wie sich Adelige und Ritter gegenseitig mit Courtoisie ehren und wertschätzen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Hartmann Erec übersetzte, schaffte er es auch den Geist des französischen Hofs dem deutschen Publikum zu vermitteln. Allerdings legte Hartmann nicht soviel Wert auf das höfische Verhalten, wie es Chrétien einst tat. Er verwendete großteils indirekte Rede, sodass die besondere Höflichkeit in den Unterhaltungen der Figuren Chrétiens verloren ging. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Aber auch Chrétien blieb der Courtoisie nicht immer treu. Im &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; ist die Courtoisie am Artushof nicht mehr so vertreten, wie einst in Erec et Enite. Perceval, der ohnehin das höfische Leben nicht kennt, verliert wegen der chaotischen Zustände am Hofe den Überblick und erkennt Artus nicht. Mit der Änderung des Artuskonzepts schuf Chrétien eine neue Richtung, die man bei Hartmann schließlich wiederfindet.[Stierle 1994: S.277]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wolfram übernimmt vieles dieser Verhaltensweisen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, so auch die unhöfischen Zustände am Artushof. Auch bei Wolfram erscheint Parzival ohne jegliche Ahnung über höfisches Verhalten am Hofe und blamiert sich damit vollkommen. Erst später erlernt er wichtige Normen der Courtoisie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Courtoisie am Hofe==&lt;br /&gt;
Im Parzival ist Courtoisie am Hofe sehr wichtig im Umgang untereinander. Sie ermöglicht ein gutes Zusammenleben und bildet ein vorzeigbares Verhalten gegenüber Freund und Feind. Besonders für die Adeligen ist Courtoisie sehr wichtig, da sie versuchen möglichst ihr ganzes Leben danach zu richten.&lt;br /&gt;
===Artushof===&lt;br /&gt;
Beim ersten Treffen Parzivals mit dem Artushof herrschen kaum höfische Zustände am Hofe. Die Königin wird mit Wein besudelt, während [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|König Artus]] in Gedanken verloren über den Konflikt mit Ither grübelt. [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keie]] übernimmt das Wort am Hof und verhält sich unritterlich gegenüber [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cunneware]], indem er sie schlägt, da sie ihr Gelübde nicht zu lachen wegen dem in [[Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival|Narrenkleider]] gesteckten Parzival bricht. Ebenso machen sich die Anwesenden über Parzivals Auftreten lustig und stellen ihn damit bloss. Courtoisie gilt als standesübergreifend, weswegen das Verhalten gegenüber Parzival sehr unhöflisch ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Erst gegen Ende, genauer gesagt bei der Festversammlung von [[Joflanze (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Joflanze]], zeigt der Artushof seine ganze Höflichkeit. Artus richtet ein gewaltiges Fest aus, an dem Courtoisie ständig präsent war. [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] versöhnen sich, [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] küsst ihren ehemaligen Feind und Artus nimmt Gramoflanz schließlich auch [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit allen Ehren an der Tafelrunde auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Gralshof===&lt;br /&gt;
Am [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralshof]] wird Parival wesentlich höfischer empfangen. Er wird freudig empfangen, auch wenn diese Freude nur aus dem Grund entstand, da Parzival als Erlöser von [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] vom [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&lt;br /&gt;
Gral]] prophezeit wurde. Zu Ehren Parzivals wird ein großes Fest organisiert, bei dem er mit viel Courtoisie versorgt wird. Er wird von Bediensteten eingekleidet. Am Tisch wird ihm das [[Nahrung und deren soziale Bedeutung im Parzival|Essen]] serviert und geschitten, sodass er sich ausschließlich auf das Essen zu konzentrieren braucht. Außerdem bekommt er von den Anwesenden zwei Geschenke, einmal den Mantel der [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] und das [[Parzivals Schwerter|Schwert]] von [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]]. Geschenke gelten als Zeichen der Höflichkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Gralshof ist [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremden]] gegenüber nicht sonderlich offen, sondern versucht diese zu vertreiben oder falls nötig auch zu töten.[Brunner 2008: S. 47] Höfliches Verhalten gegenüber Besuchern legen sie also nur an den Tag, wenn der Gral die Ankömmlinge prophezeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Courtoisie unter Ritter==&lt;br /&gt;
Auch unter Rittern ist Courtoisie sehr verbereitet. Viele Merkmale der ritterlichen Höflichkeit ähneln denen des Hofes. Besonders wichtig bei den Rittern ist auch der [[Minnedienst (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnedienst]], bei dem sie einer Frau höflich zur Seite stehen oder um sie werben. Parzival beherrscht nach seiner Ernennung zum Ritter keinerlei Kenntnisse über höfisches Verhalten und Minnedienst und muss dies erst von verschiedenen [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz|Lehrmeistern]] lernen.&lt;br /&gt;
===Courtoisie laut Gurnemanz===&lt;br /&gt;
Als [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] das erste Mal die unritterliche Verhaltensweise Parzivals sieht, ist er schockiert:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich pin wol innen worden || Ich habe wohl gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir râtes dürftic sît: || daß Ihr Belehrung nötig habt. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu lât der unfuoge ir strît. || Von nun an laßt schlechtes Benehmen seiner Wege gehen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival 171,14-16)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von      Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach    der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter  Knecht.   Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und  in   Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2.  Aufl.,   Berlin/New York   2003.&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] ihrem Sohn geraten hat, Gurnemanz aufzusuchen um bei ihm zu lernen, willigt der alte Ritter ein und nimmt den unerfahrenen Parzival auf und versucht ihm neben dem fairen Ritterkampf auch einige ritterliche Werte zu vermitteln. Von Gurnemanz lernt Parzival erstmals, wie man sich am Hof verhält. Er legt ihm auch wichtige christliche Werte nahe wie Barmherzigkeit, Wohltätigkeit, Güte und Demut. Er rät ihm auch zu überlegter Freigibigkeit. Ebenso erklärt er Parzival, wie man sich im Gespräch und gegenüber Damen verhält.[Bumke 2004: S. 60]] Eine der für den späteren Verlauf des Romans wichtige Aussage ist das Frageverbot:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen || ihr sollt aber nicht zögern,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || vernünftig Antwort zu geben, und zwar so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reht als jenes vrâgen stê, || daß sie an der Frage nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will Euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival, 171,17-21)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Abschnitt erklärt Gurnemanz, dass ein guter Ritter keine Fragen stellt. Ein Ritter soll nur kurze, klare Antworten geben. Der unselbstständige Parzival übernimmt diese Aussage vollkommen, was ihm schließlich auf der [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung|Gralsburg zum Verhängnis]] wird, da er die entscheidende [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frage]], die Anfortas von seinem Leid erlösen könnte, nicht stellt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Courtoisie laut Trevrizent===&lt;br /&gt;
Auch bei [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] lernt Parzival nicht nur vieles aus der Religion, sondern auch einiges, dass ihm für seine Courtoisie hilfreich sein kann. Trevrizent kritisiert Parzivals Hochmut: &amp;quot;hôchvart ie seic unde viel&amp;quot; (Parzival 472,17). Er rät seinem Neffen zur Demut: &amp;quot;diemüete ie hôchvart überstreit&amp;quot; (Parzival 473,4). Demut wurde Parzival schon von Gurnemanz ans Herz gelegt. Allerdings hat er dies ignoriert. Im Laufe seiner Abenteuer wurde Parzival durch seine Erfolge hochmütig, doch sein Versagen auf der Gralsburg hat ihn abstürzen lassen. Die [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld]] sucht er aber nicht bei sich selbst, sondern bei [[Parzivals Gotteszweifel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gott]]. Trevrizent überzeugt Parzival zu einem Leben in Demut, da Hochmut nicht nur von Gott, sondern auch von anderen Personen als schlecht angesehen wird.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. den Hochmut von Gramoflanz: Gramoflanz bevorzugt nur gegen mehrere Gegner gleichzeitig zu kämpfen. Diese überhebliche Art macht ihn bei den anderen Figuren sehr unbeliebt, bis er von Parzival lernen muss, dass es stärkere Ritter gibt als ihn. &amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Außerdem tadelt er Parzival für die versäumte Frage und widerlegt Gurnemanz Frageverbot:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unprîs der dâ bejagte, || Ehre hat er dort nicht erbeutet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît er den rehten kumber sach, || da er das Elend ansah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zo dem wirte sprach|| und nicht zum Herrn des Hauses sprach:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;hêrre, wie stêt iwer nôt?&amp;quot; || &amp;quot;Mein Herr, was ist&#039;s mit Eurer Not?&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît im sîn tumpheit daz gebôt || Seine Stumpfheit hat ihm das befohlen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er aldâ niht vrâgte, || daß er dort nicht fragte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôzer sælde in dô betrâgte.|| Ein großes Glück hat er da vorübergehen lassen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(Parzival 484,24-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trevrizent sagt, dass Parzival kein Mitleid gegenüber [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] gezeigt hat und ihm sein blinder Gehorsam gegenüber Gurnamanz&#039; Frageverbot eine wichtige Chance gekostet hat. Indirekt sagt der Einsiedler damit auch, dass es edel und höflich ist, wenn man Hilfsbedürftige nach ihrer Not fragt und ihnen gegebenfalls zur Seite steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Courtoisie der Frauen==&lt;br /&gt;
Die Courtoisie der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] hat ihre eigenen Kennzeichen. Die am häufigsten auftretende Form ist das [[Das Küssen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Küssen]]. Die meisten Frauen, unabhängig von ihrem Stand, küssen Adelige und Ritter zur Begrüßung oder als Zeichen des Dankes. Auch Küsse zur Versöhnung sind findet man im Parzival. Allerdings sind nicht alle Küsse immer freiwillig, was dann auf eine besondere Höflichkeit schließen lässt. [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] küsst ihren langjährigen Feind Gramoflanz auch nur, weil [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] sie dazu überredet hat. Sie küsst ihn zum Zeichen der Versöhnung um den Frieden wiederherzustellen: &amp;quot;ir süezer Mund rôt gevar, den künec durch suone kuste&amp;quot; (Parzival, 729,18-19).&lt;br /&gt;
Über das Küssen als Form der Courtoisie lässt sich natürlich streiten. Ein [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schöner Mann]] wird nämlich lieber geküsst als ein hässlicher. Im letzteren Fall kostet es einigen Frauen an Überwindung oder sie benötigen Überzeugungsarbeit eines Dritten, um ihre Höflichkeit zu wahren.&lt;br /&gt;
Eine weitere Form der Höflichkeit ist das Versorgen der Gäste am Tisch. Dabei handelt es sich nicht immer um Dienstmädchen, sondern auch um adelige Frauen, die anderen Anwesenden ihr Essen aufschneiden, damit diese es nur mehr zu verspeisen brauchen. Dies ist besonders bei adeligen Frauen ein sehr hoher Dienst, sich herabzulassen und so eine Arbeit zu verrichten. Es zeugt von großer Courtoisie, wenn eine Herrscherin dies macht um den Mann zu ehren, der ihr zur Seite gestanden hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Courtoisie spielt im Parzival eine große Rolle, auch wenn sie eher wie eine Randerscheinung wirkt. Mit ihrer Hilfe beschreibt Wolfram viele Umstände und Verhaltensweisen der Figuren in unterschiedlichen Situationen. Er zeigt damit wie höflich die auftretenden Figuren sind. Mit der Courtoisie ist ein anständiges Miteinander erst möglich. An Parzival selbst erkennt man gut die Erlernung der Courtoisie. Zu Beginn ist er vollkommen unerfahren und lernt erst nach und nach wie man sich als Ritter verhält. Dennoch erreicht er nie das höfische Ideal, das Gawan vorlegt. Im Vergleich zu Parzival ist dieser wesentlich geübter im Umgang mit Worten und Taten und wird somit zu einer der Idealfiguren der Courtoisie im Parzival.  &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Fußnoten&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Artûs der wîse höfsche man, Zur   immanenten Historizität der Ritterwelt im &#039;Parzival&#039; Wolframs von   Eschenbach (erstmals 1983), in: Brunner, Horst: Annäherungen, Studien   zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Berlin   2008, S. 38-49 (Philologische Studien und Quellen 210).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Aufl., Stuttgart/Weimar 2004 (Sammlung Metzler 36).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Stierle 1994] Stierle, Karlheinz: Cortoisie, Die literarische ERfindung eines höfischen Ideals, in: Poetica, Zeitschrift für Spach- und Literaturwissenschaft 26 (1994), S. 256-283.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ideale|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<title>Das Motiv des Niemandslands im Parzival (Funktion und Bedeutung)</title>
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		<updated>2015-07-12T17:26:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und bedarf der Überarbeitung.Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Raum&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Raumstrukturen&#039;&#039;&#039; bilden zusammen mit den Figuren und deren Handlung &#039;&#039;die&#039;&#039; strukturgebenden Elemente aller Epik. Herman Meyer bemerkt dazu, dass &amp;quot;Raum in der Dichtung nicht bloß eine faktische Gegebenheit bildet, sondern vor allem ein eigenständiges Gestaltungselement, das zusammen mit verschwisterten Elementen wie Zeit, Erzählperspektive, Figur und Handlungsfolge den intendierten Gehalt verkörpert und die Struktur des Werkes bestimmt.&amp;quot; [Meyer 1975: 231] Glaser betont, dass &amp;quot;Raumimaginationen im Artusroman meist nicht-mimetisch&amp;quot; sind und zudem &amp;quot;auf einen höheren Sinn verweisen&amp;quot; [Glaser 2004: 189]. Daher liegt es nahe, nicht nur danach zu Fragen, wo Räume geografisch verortbar sind, sondern auch, welcher Raumkategorie sie angehören und welche Funktion sie für das literarische Werk haben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; tauchen immer wieder Episoden auf, in denen sich die Protagonisten sozusagen im &#039;&#039;&#039;Niemandsland&#039;&#039;&#039; zwischen zwei geografisch nachvollziehbaren Orten befinden. Dieser Artikel gibt einen Überblick über eine Reihe von Szenen, die sozusagen &amp;quot;zwischen den Orten&amp;quot; stattfinden und fragt nach der Funktion und Bedeutung dieser Zwischenorte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hier besprochenen Orte grenzen sich also von den [[Geografische Orte im Parzival|geografisch nachvollziehbaren Orten]] im Parzival ab. Es wird somit weniger die Frage geklärt, wo genau die jeweiligen Szenen stattfinden, sondern nach der &#039;&#039;&#039;Funktion&#039;&#039;&#039; und der &#039;&#039;&#039;Bedeutung&#039;&#039;&#039; des Niemandslands für die jeweilige Szene und den Handlungsverlauf gefragt. Basierend auf Armin Schulz&#039; umfassender Übersicht über verschiedene Konzeptionen von Raum und Zeit [Schulz 2012: 292-316] und Andrea Glasers Analyse des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezüglich verschiedener literarischer Raum- und Bewegungskonzeptionen [Glaser 2004], versucht dieser Artikel, die semantische und handlungsbezogene Struktur der jeweiligen Zwischenorte im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu analysieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit Parzivals Verschwinden während der Gawan-Passage, beschäftigen sich folgende Artikel: [[Transzendenz und Immanenz - Parzivals Verschwinden während der Gawan-Passage]] und [[Das Motiv der Doppelung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Das Motiv der Doppelung]]. Die sehr komplexe und spezielle Raum- und Bewegungsstruktur dieser Szenen wird in diesem Artikel nicht behandelt werden, da sie den Rahmen sprengen würde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Raumkonzeptionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sämtliche hier aufgeführte Raumkonzeptionen sind den Arbeiten von Armin Schulz [Schulz 2012: 292-316] und Andrea Glaser [Glaser 2004] entnommen. Im Folgenden wird versucht, ausgewählte Szenen des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in diese einzufügen und zu analysieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sonderräume ===&lt;br /&gt;
Sonderräume sind nach Schulz prägend &amp;quot;als Gegenwelten, als Räume der Fremdheitserfahrung, in denen der Held mit dem kategorial &#039;Anderen&#039; der eigenen Kultur konfrontiert wird&amp;quot;. [Schulz 2012: 310] Einen solchen Sonderraum stellt die Einöde [[Geografische Orte im Parzival |Soltane]] dar, in der [[ Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] Parzival aufzieht. Ein zentrales Merkmal von Soltane ist die räumliche Distanz zum Hof, da diese Distanz auch eine Distanz zwischen Natur und Kultur darstellt. Bei Schulz heißt es dazu: &amp;quot;Raum und Zeit sind funktional den Erfordernissen der Handlung unterworfen; innerhalb der dargestellten Welt sind sie offensichtlich nicht absolut bestimmbar, sondern nur Relationen.&amp;quot;  [Schulz 2012: 315] Soltane als nicht genau örtlich definierbarer Sonderraum, soll als Zufluchtsort dienen, in dem Herzeloyde versucht, [[Erziehung fernab jeder Zivilisation|ihren Sohn von allem Höfischen und fernzuhalten]]. Herzeloyde will damit verhindern, dass Parzival dem ritterlichen Vorbild und Schicksal seines [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Vaters Gahmuret]] folgt, sie verlässt und möglichweise auch im Kampf getötet wird. Auffällig ist jedoch, dass obwohl Herzeloyde gerade die Distanz zum Hof sucht, sie trotzdem mit ihrer Lebensart in der Einöde an der höfischen Kultur festhält. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine ausführliche Beschreibung von [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Kindheit und Erziehung]] in Soltane findet sich an anderer Stelle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Diskontinuierliche Räume ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der mittelalterlichen Literatur generell und so auch im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden die Wege der Protagonisten zwischen zwei Orten oftmals lückenhaft dargestellt, manches Mal sogar gar nicht explizit erwähnt. Daher kommt es oft zu einer auffälligen Diskontinuität zwischen den Handlungsorten. Glaser weist darauf hin, dass es &amp;quot;den mittelalterlichen Dichtern nicht darum ging, fotografisch genaue Beschreibungen der Räume zu liefern.&amp;quot; [Glaser 2004: 24] Die Wege zwischen zwei Haupthandlungsorten, die Art und Weise der Fortbewegung, eventuelle Zwischenstationen oder Hindernisse auf der Strecke werden immer nur dann thematisiert, wenn es der Narration zugute kommt und für den Roman insgesamt von Bedeutung ist. Schulz spricht in diesem Zusammenhang auch von &#039;&#039;&#039;Insularen Räumen&#039;&#039;&#039; und merkt an, dass der Raum in der Erzählung nur dann von Interesse ist, &amp;quot;wenn er für denjenigen, der ihn durchquert, gefährlich wird&amp;quot; (wie dies oft bei Grenzen wie Flüssen oder Schluchten oder Naturphänomenen wie Schneestürmen der Fall ist) oder wenn durch den umgebenden Raum die &amp;quot;Lage eines Kultur-Ortes wie etwa einer Stadt oder einer Burg [...] genauer bestimmt&amp;quot; wird [Schulz 2012: 302]. Ist es also für die Narration nicht vonnöten, den Reiseweg oder den Bewegungsraum genauer zu beschreiben, werden &amp;quot;Reisestrecken&amp;quot; zu &amp;quot;bloßen Linien, die insulare Kultur-Orte miteinander verbinden&amp;quot; [Schulz 2012: ebenda]. In diesem Fall erscheinen Raumwechsel als diskontinuierliche Sprünge von einem Raum zum anderen [Schulz 2012: Vgl. ebenda].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwellenräume ===&lt;br /&gt;
Als Schwellenräume kann man diejenigen räumlichen Strukturen bezeichnen, die den Bereich zwischen zwei unterschiedlichen Sphären markieren. [Glaser 2004: 50] Wird die Sphäre des Artushofs verlassen, so tritt man in die Sphäre der [[Das wilde-Motiv im Parzival|Natur oder des Magischen]] ein. Der Übergang von einer Sphäre zur anderen kann durch einen Raum führen, der durch besondere Eigenschaften gekennzeichnet ist. Das Land um die Gralsburg, &#039;&#039;&#039;Terre de Salvaesche&#039;&#039;&#039;, ist ein solcher Schwellenraum. Es wird vor allem &amp;quot;mittels nicht-räumlicher Kategorien wie Wildnis, Hinterhalt oder der Gefahr des Verirrens charakterisiert&amp;quot; [Glaser 2004: 81]. Bei seiner Beschreibung dominieren zudem Vagheit und Ungenauigkeit, die zu seiner geheimnisvollen Aura beitragen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Sigune am Felsenhang ====&lt;br /&gt;
Das erste Treffen (138,9 – 142,2) findet an einem Felsenhang statt, nachdem Parzival von [[Das Zelt als Zeichen und Handlungsraum | Jeschutes Zelt ]] mit dem Ziel des Artushofs in [[Geografische Orte im Parzival | Nantes]] weggeritten ist. Jeschute, von Orilus verstoßen, reitet Parzival nach. Dieser trifft die ihm noch unbekannte [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] wehklagend an einem Felsenhang sitzend, den toten Schîânatulander in ihrem Schoß wiegend:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus kom unser tœrscher knabe || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || So kam unser närrischer Knabe&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geriten eine halden abe. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || einen Abhang herabgeritten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîbes stimme er er hôrte || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Die Stimme einer Frau hörte er -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor eines velses orte || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || er wollte gerade um die Spitze eines Felsens biegen. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (138,9-12)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sigune eröffnet dem ahnungslosen Knaben seinen Namen und klärt ihn über seine Herkunft und Familie auf (140,15 ff.). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo genau sich der Ort befindet, an dem dieses Aufeinandertreffen passiert, lässt sich nicht sagen. Es kann jedoch nicht weit entfernt von [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Orilus&#039; und Jeschutes Zeltlager]] sein, da im Text keinerlei Anzeichen für einen längeren Ritt oder jegliche Indikatoren für Distanz gegeben zu finden sind. Erst nachdem Parzival aufbricht, um Sigunes und sein eigenes familiäres Unglück, über das sie ihn nun aufgeklärt hat, im Kampf zu rächen, ist davon die Rede, dass er einer befestigten, breiten Straße folgt:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eine strâze er dô gevienc || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || So kam er auf eine Straße,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu gein den Berteneysen gienc: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || die zu den Berteneysen ging,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu was gestrîcht unde breit. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || die war gepflastert und breit.|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (142,3-5)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist auffällig, dass auf dem Weg zu Sigune keinerlei örtliche Angaben gemacht werden, wohingegen die Straße auf der Parzival Sigune verlässt, explizit beschrieben wird. Dies dient dem Zweck, Sigunes Erscheinen mit einer Aura von Unnahbarkeit und Heimlichkeit zu umgeben. Sigune und die Orte ihrer &amp;quot;Erscheinung&amp;quot; sind dem Mystischen zuzuschreiben und tauchen immer nur an Stellen im Roman auf, wo Parzival mithilfe der [[Providenz und Kontingenz im Parzival | Providenz]] geleitet werden muss. [[Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals|Sigune]] versucht zwar, ihn durch Weisen der falschen Richtung vor Unheil zu bewahren, trotzdem führt die Straße ihn zielgerichtet zum Artushof nach Nantes. Der Ort am Felsenhang, an dem Parzival Sigune trifft, ist insofern ein Schwellenraum, in dem Parzival die Grenze zwischen dem mystisch-magischen Gralsland Terre de Salvaesche und seiner verwunschenen Burg überschreitet, um in die Sphäre der ritterlich-höfischen Artusgesellschaft überzutreten. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Weg nach Munsalvaesche ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Ritt von [[Geografische Orte im Parzival|Pelrapeire]] nach [[Geografische Orte im Parzival | Munsalvaesche]] erfolgt mit großer Schnelligkeit, ohne dass der Reiter dies bewusst wollte, denn Parzival ist in Gedanken bei seiner Frau [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Condwiramurs]] (224,1-30). Ohne auf Wegen zu reiten (da er dem Pferd die Führung überlassen hat), kommt Parzival innerhalb eines Tages bis an einen See, wo er auf einen Fischer trifft. Der Rezipient erfährt nichts über das Verhältnis zur geographischen Lage zu Pelrapeire, außer dass die Strecke weiter ist als von Graharz nach Brobarz (224,27-30). So entsteht eine semantische Verunsicherung, die noch durch die fehlenden Beschreibungen des Sees und der vagen Beschreibung der Burg verstärkt wird.[Glaser 2004: 71-76] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  mit gewalt den zoum daz ros || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Das Pferd hatte sich zum Herren des Zügels gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| truog über ronen und durchez moz: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || und führte ihn über Baumstämme und durch das Ried;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wandez wîste niemend hant.|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || denn niemandes Hand gab ihm die Richtung. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (224,19-21)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Weg fort von Munsalvaesche ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nachdem Parzival den [[ Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung | Fauxpas des Frageversäumnisses]] auf der Gralsburg begangen hat, verlässt er die menschenleere Burg (247,1 ff.). Dabei begreift er weder, was dort geschehen, noch wo genau er eigentlich gewesen ist. Er folgt Hufspuren (247,10-12), die er im Hof und außerhalb der Burg entdeckt hat, die sich aber schlussendlich im Nichts verlieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl der huop sich nâch || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; ||Parzivâl machte sich in Eile  auf den Weg,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vast ûf die slâ dier dâ sach || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || immer den Spuren nach, die er da eingetrampelt sah. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (248,17-18)&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do begunde krenken sich ir spor: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Ihre Spuren wurden immer schwächer:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sich schieden die dâ riten vor. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Sie hatten sich getrennt, die dort vor ihm geritten waren.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir slâ wart smal, die ê was breit: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Ihre Fährte, die zuerst breit gewesen war, wurde schmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er verlôs se gar: daz was im leit || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || und schließlich verlor er sie ganz. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (249,5-8)&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
|} &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tatsache, dass sich die Spuren verlieren, verstärkt wiederum die mystisch-magische Aura von Munsalvaesche und der umliegenden Terre de Salvaesche und bewirkt zudem, dass die Burg allein von Auserwählten gefunden werden kann. Hier zeigt sich, &amp;quot;dass die Raumvorstellungen im Artusroman noch stark von mythischem Substrat, besonders von der keltischen Vorstellung der &#039;Anderen Welt&#039;, beeinflusst sind.&amp;quot; [Glaser 2004: 20] Munsalvaesche und das umgebende Gralsland können dementsprechend als dieser [https://de.wikipedia.org/wiki/Keltische_Anderswelt &amp;quot;Anderswelt&amp;quot;] zugehörig gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als besondere Grenze oder Schwelle um die Gralsburg stellt sich auch die Gefahr durch die Templeisen dar. Diese Gralsritter durchstreifen das Land um Munsalvaesche und bekämpfen rigoros jeden Ritter, der ohne dafür ausgewählt zu sein, versucht, sich der Burg zu nähern. Sie stellen also eine starke, für die Meisten undurchdringliche Schwelle dar. Dass Parzival sie überwinden konnte, beweist von Anfang an seine Auserwähltheit zum Gral.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Sigune auf der Linde ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unweit von Munsalvaesche - Parzival nennt die Distanz von &#039;&#039;ein mîle oder mêr&#039;&#039; (250,13 eine Meile oder mehr) - trifft der Held erneut unerwartet auf seine nun merklich gealterte Cousine Sigune, die diesmal auf einer Linde sitzt (249,11 – 255,30). Sie klärt Parzival über den Fauxpas auf, den er begangen hat und nennt ihm den Namen der Burg und ihrer Bewohner. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival reitet von Sigune fort und trifft alsbald wieder auf frische Fußspuren, denen er folgt und die ihn erneut zu Orilus und Jeschute leiten. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Rezipient erhält auch im weiteren Verlauf der Geschichte nur spärliche visuelle Informationen über das Gralsland. Sigune erklärt, dass innerhalb von 30 Meilen um die Gralsburg nur bewaldetes Land zu finden ist, weder Dörfer noch bebautes Land (250,20-30)[Glaser 2004: Vgl.84]. Einzig betont wird die Stellung von Munsalvaesche im Zentrum der menschenleeren, kreisförmigen Terre de Salvaesche, die erneut die besondere Wichtigkeit der Burg hervorhebt. &lt;br /&gt;
Das Gralsland wird insgesamt nicht durch visuelle Besonderheiten oder genaue Beschreibungen gekennzeichnet. Zentral ist stattdessen die Vielzahl &amp;quot;semantischer Verunsicherungen&amp;quot;, die Vagheit und &amp;quot;Rätselhaftigkeit&amp;quot;, die darauf verweisen, &amp;quot;dass Terre de Salvaesche mit der Gralsburg eine transzendente Sphäre bildet, die von der Artuswelt streng geschieden ist.&amp;quot; [Glaser 2004: 84] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Sigunes Klause ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da sich das Gralsland Terre de Salvaesche vor allem durch das Fehlen von expliziten topografischen und visuellen Beschreibungen auszeichnet, sind es vor allem die sich in ihm befindenden Personen, die es kennzeichnen. &lt;br /&gt;
Obwohl Wolfram nicht deutlich sagt, dass sich Sigunes (ebenso wie Trevrizents) Klause in der Terre de Salvaesche befindet, lässt sich dies jedoch aufgrund mehrerer Hinweise ableiten. Sigunes Klause liegt in einem &#039;&#039;walt&#039;&#039; (435,4), und Parzivals Weg führt erneut (Vgl. 224,20) über &#039;&#039;ronen&#039;&#039; (436,26 über Baumstämme) und &#039;&#039;âne strâzen&#039;&#039; (436,26 ohne Straßen). Auch wird mehrfach die umgebende Wildnis betont: 436,29-30; 438,24-25; Kundrie bringt Essen --&amp;gt; nicht weit von Munsalvaesche (438,29ff), Parz trifft bald Gralsritter (443,16f.), der betont, dass Mundalvaesche nah ist  [Glaser 2004: Vgl. 82-83]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Trevrizents Klause ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl die Klause von Sigune als auch die Klause von Trevrizent befinden sich auf der Schwelle zur Terre de Salvaesche (Vgl. auch: [[Die Figur des Aussteigers aus der höfischen Welt im Parzival]]).&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] fungiert als Parzivals Berater und Lehrer, erklärt und deutet ihm die Ereignisse um das Gralsritual auf der [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] Munsalvaesche. Seine Einsiedlerklause - als Ort zwischen den Haupthandlungsorten Munsalvaesche und Artushof - bietet eine ideale, distanzierte Beobachterposition. Hier kann Trevrizent seinen Erinnerungen an die Zeit auf Munsalvaesche nachgehen und Parzival davon berichten. Trevrizent ist Munsalvaesche hier in seinen Gedanken einerseits nah, andererseits aber zeitlich und örtlich entfernt genug, um aus der Distanz Parzival zu unterrichten und zu  beraten. Parallel dazu ist auch der &amp;quot;Zwischenort&amp;quot; seiner Klause Munsalvaesche gleichzeitig örtlich nah und fern. Parzival kann hier wichtige Lektionen über den Gral und das Leben im Allgemeinen lernen, bevor er auf das Artuslager und die höfische Gesellschaft stößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bewegungsräume ===&lt;br /&gt;
Die Konzepte &#039;&#039;&#039;[[Raumsemantik|Bewegungsraum]]&#039;&#039;&#039; und &#039;&#039;&#039;Schwellenraum&#039;&#039;&#039; sind selten streng voneinander abgrenzbar. Meist kann ein Raum beiden Kategorien zugeordnet werden, da in ihm die Bewegung die Überwindung einer Schwelle beinhaltet. Aus diesem Grund sind auch die Beispiele dieses Artikels nicht streng an eine der beiden Kategorien gebunden, sondern können auch der jeweils anderen zugeordnet werden.&lt;br /&gt;
Glaser unterscheidet jedoch explizit die Bewegung von Figuren im Raum und von Räumen, die sich mit Figuren mitbewegen (zum Beispiel der Artushof). [Glaser 2004: 19] Im Folgenden wird allerdings nur die Bewegung von Figuren behandelt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Terre Marveile ====&lt;br /&gt;
Sowohl die Terre de Salvaesche als auch die &#039;&#039;&#039;Terre Marveile&#039;&#039;&#039; können als &#039;&#039;&#039;Schwellenraum&#039;&#039;&#039; gelesen werden, da sie beide eine zum Artushof abgegrenzte Sphäre um ihr jeweiliges Zentrum (Schastel Marveile bzw. Munsalvaesche) darstellen. Auch sind beide den Kategorien der Natur und Magie zuzuordnen. Gleichzeitig ist in ihnen aber auch die Bewegung des jeweilig Helden von zentraler Bedeutung, so dass sie auch der Kategorie der &#039;&#039;&#039;Bewegungsräume&#039;&#039;&#039; angehören.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Parzivals Ritt nach Munsalvaesche von Passivität (er überließ dem Pferd die Führung) und extremer Schnelligkeit gekennzeichnet war, nähert sich Gawan Schastel Marveile aktiv (das Schloss ist sein erklärtes Ziel), auf gekennzeichneten Wegen, aber wegen seines schwachen Pferdes langsam und mähsam. Im Gegensatz zu Parzival reist Gawan auch nicht alleine, sondern in Begleitung von Orgeluse. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Terre Marveile ist nicht wie Terre de Salvaesche menschenleer, dunkel und bewaldet, sondern zum Teil bebaut und es erlaubt Gawan einen weiten, offenen Blick. Insofern ist dieser Bewegungsraum stark vom Blick Gawans ausgehend, visuell geprägt. [Glaser 2004: Vgl. 92] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei der Terre de Salvaesche auch, nennt Wolram zunächst nicht den Namen des Landes und der Burg, was auch hier eine Aura des Geheimnisvollen bewirken soll - wenn diese durch das Fehlen starker Vagheit und semantischer Verunsicherungen schwächer erscheint, als im Fall des Gralslandes. Erst viel später erhält Gawan genauere Informationen von Arnive (658,15-22). Einen deutlicheren Unsicherheitsfaktor bildet demgegenüber Plippalinots rätselhafte Warnung vor einer Gefahr, die Schastel Marveile umgibt. Welche diese genau ist, lässt er offen. Ebenso jedoch wie die Templeisen die Gralsburg bewachen, bewacht der Ritter Lischoys sozusagen als menschliche Grenze das Schloss Clinschors. Daneben kann auch der Naturraum selbst als Gefahr angesehen werden, denn im Gegensatz zu unserem heutigen positiven, manchmal sogar sehnsuchtsvollem Empfinden dafür, sahen die Menschen im Mittelalter die Natur als unbeherrsch-, unberechenbar und gefährlich an [Glaser 2004: Vgl. 25].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Land um Schastel Marveile gibt es zudem zwei &#039;&#039;&#039;Schwellen&#039;&#039;&#039;, die es zu überwinden gilt: &lt;br /&gt;
Zum Einen den Fluss, den Wolfram mit den Worten &#039;&#039;schefraehe&#039;&#039; (??? schiffbar), &#039;&#039;snel&#039;&#039; (??? reißend) und &#039;&#039;breit&#039;&#039; beschreibt und der von Gawan und Orgeluse mit Hilfe des Fährmanns Plippalinot überquert werden kann. Die Schwellenfunktion des Flusses scheint insofern, eben weil er unproblematisch bewältigt wird, weniger stark zu sein, obwohl Glaser darauf hinweist, dass Gewässer im Mittelalter meist eine tiefergehende mythologische Bedeutung inne hatten. [Glaser 2004: Vgl. 91] Vielmehr steht die Überquerung des Flusses hier wohl im Zusammenhang mit Gawans Weg durch die Terre Marveile als Bewegungsraum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Schwelle in der Terre Marveile ist eine weitaus stärkere: Der Graben &#039;&#039;Li gweiz prelljûs&#039;&#039; (602,6 ff.).&lt;br /&gt;
Wolfram betont hier stark die akustischen (das Rauschen des Wassers) und visuellen Aspekte (das tiefe, weite Tal ohne Furt) des Naturraums. [Glaser 2004: Vgl. 96 ff.] Insofern handelt es sich hierbei um eine Schwelle, &amp;quot;die ausschließlich durch die topografischen Verhältnisse an sich gekennzeichnet ist und bei der semantische Verunsicherungen keinerlei Rolle spielen.&amp;quot; [Glaser 2004: 97] Da Gawan den Graben als Prüfung überwinden muss, was sehr anschaulich und dramatisch beschrieben wird, stellt sich der Raum selbst hier als Gegner des Helden dar. &#039;&#039;Li gweiz prelljûs&#039;&#039; kann also als Bewegungs- und Schwellenraum gleichermaßen gedeutet werden und stellt seinerseits einen geografischen Ort inmitten des mystischen Niemandsland dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Fazit=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Szenen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die jenseits von geografisch verortbaren Räumen stattfinden, sind nicht einfach willkürlich gesetzt. Wolfram nutzt das Motiv des Niemandslands vor allem als Mittel, um den Übergang der Protagonisten von einer Sphäre mit einer speziellen Ordnung zu einer gänzlich anderen zu unterstreichen. Dabei steht die Bewegung des Helden und die Überwindung einer oder mehrerer konkreter Grenzen oder Schwellen im Zentrum. Schulz verweist darauf, dass die Ordnung der Welt meist in einfachen gegensätzlichen Kontrastpaaren aufgemacht werden kann: &amp;quot;&#039;oben vs. unten&#039; [...] &#039;Diesseits vs. Jenseits&#039;&amp;quot;, aber auch &amp;quot;&#039;Gewöhnlichem vs. Außergewöhnlichem&#039;, dem Eigenen und dem Fremden, dem Höfischen und dem Nicht-Höfischen [...] etc.&amp;quot; [Schulz 2012: 293]. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; geht es dabei vor allem um die Differenz zwischen dem Bereich der Gralsburg, also um die Sphäre der Natur, der Magie und der Mystik, und dem Bereich des Artushofs, also der Welt des Hofes, der Kultur und der Ritter. Der Eintritt von einem Raum in den anderen, wird deutlich gemacht durch das Überschreiten einer räumlichen und meist gleichzeitig &amp;quot;semantischen Grenze&amp;quot; in der Narration [Schulz 2012: Vgl. 293-294]. Besonders in der mittelalterlichen Erzähltradition werden solche &amp;quot;Transgressionen [...] weitaus häufiger topographisch markiert als in neueren Texten&amp;quot; [Schulz 2012: 294]. Gleichzeitig stellt die Bewegung der Figuren durch das Niemandsland einen wichtigen Aspekt in Wolframs Werk dar, wodurch die Räume gleichzeitig den Schwellen- und Bewegungsräumen zugeordnet werden können. Das Niemandsland im &#039;&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&#039; umgibt immer einen konkreten geografischen Ort, der zusätzlich zu seinen eigenen Besonderheiten insbesondere durch den umgebenden Raum gekennzeichnet wird. Innerhalb des Niemandslands gibt es zudem konkrete, fixe Orte, wie die Klausen Sigunes und Trevrizents, den See Brumbane, oder den Graben &#039;&#039;Li gweis prelljûs&#039;&#039;. Sie sind ebenso jeweils durch ihr Umgebung gekennzeichnet und gehören kategorial der umgebenden Späre an (mystisch-magische Terre de Salvaesche oder Terre marveile).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis =&lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Glaser 2004] Glaser, Andrea: Der Held und sein Raum. Frankfurt am Main, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Meyer 1975] Meyer, Herman: Raumgestaltung und Raumsymbolik in der Erzählkunst. In: Ritter, Alexander [Hg.]: Landschaft und Raum in der Erzählkunst. Darmstadt, 1975. S. 208-231. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuler-Lang 2014] Schuler-Lang, Larissa: Wildes Erzählen - Erzählen vom Wilden. Parzival, Busant und Wolfdietrich D. Berlin, 2014. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012] Schulz, Armin: Räume und Zeiten. In: Braun, Manuel/ Dunkel, Alexandra/ Müller Jan-Dirk: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. Berlin/Boston, 2012. S.292-316. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Raum]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=22156</id>
		<title>Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=22156"/>
		<updated>2015-07-12T17:23:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] präsentiert in seinem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die heidnische Welt des Orientalen als tugendhaft und vollkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verleiht ihr moralisch hoch angesehene Akteure, wie [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] oder die [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Gralsbotin Cundrîe]]. Diese Darstellung ist mit Blick auf die literarische Tradition durchaus ungewöhnlich, da Heiden sonst als moralisch verwerflicher Gegenentwurf zum Abendland präsentiert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Die hier angewendete Definition des Orients ist die von Paul Kunitzsch, der den &amp;quot;zeitgenössischen mittelalterlichen Orient, d.h. die islamische Welt, die ja immer die fremde, feindliche, exotische Gegenwelt zu der bekannten heimischen Umwelt der Dichter darstellt[e].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere in den Gahmuret-Büchern findet jedoch keine derartige Abgrenzung zwischen Heiden und Christen statt. Vielmehr lässt sich Gahmuret als Söldner bei einem orientalen Herrscher anheuern und geht später sogar eine Liebesbeziehung ein, aus der ein Kind entsteht. &lt;br /&gt;
Der Artikel befasst sich damit, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt. Wichtig ist dabei, den historischen Kontext zu beachten, der im Gegensatz zu Wolframs Handlung von gewaltsamen Konfrontationen heidnischer und christlicher Kultur –in Form der Kreuzzüge- geprägt war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historischer Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Ist der Entstehungszeitraum des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts richtig datiert, so fällt er in den Zeitraum des vierten Kreuzzuges (1202-1204). Im Zuge dieses Kreuzzuges, der von Papst Innozenz III. angestoßen wurde, eroberten die Kreuzfahrer Konstantinopel und ganz Griechenland. [LexMa 2003: Sp.5012] Die Kreuzzüge wirkten sich in Bezug auf die ritterlich-höfische Literatur in soweit aus, dass Heiden vornehmlich in kriegerischen Situationen auftauchen, wobei es sich nicht nur um interkulturelle sondern auch um intrakulturelle Auseinandersetzungen handelt. [Schotte 2009: 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Tradition ==&lt;br /&gt;
In mittelalterlicher Literatur existierten von Beginn an Darstellungen des Orients. Bis zu den Kreuzzügen entnahmen die Autoren ihr Wissen vor allem antiken Quellen und der christlichen Kirchenlehre. Mit Beginn der Kreuzzüge wurde vor allem darauf Wert gelegt, das Christentum als die einzig richtige Religion zu charakterisieren und heidnische Glaubensvorstellungen abzuwerten. Hierfür wurden Heiden äußerlich als hässlich und märchenhaft dargestellt. Ebenso wurde den Heiden generell eine dunkle Hautfarbe zugesprochen, die als ein Verweis auf die Hölle angesehen wurde. Walther von der Vogelweide ging sogar so weit, dass er den Teufel als &#039;&#039;hellemor&#039;&#039; bezeichnete. [Raucheisen 1997: 49ff.] Aufgrund der Kreuzzüge und des sich ausweitenden Handels zwischen Orient und Okzident, löste sich das literarische Bild der Heiden in den ritterlich-höfischen Romanen zunehmend von den kirchlichen Vorstellungen ab. Grundsätzlich wurden die Heiden aufgrund ihrer Religion weiterhin als verdammt angesehen, in der Literatur wurde aber zunehmend Wert auf die höfischen und ritterlichen Verhaltensweisen orientaler Gesellschaften gelegt. Trotz dieser zunehmenden Offenheit, blieben dennoch die typischen Motive des schlechten und hässlichen Heiden bestehen [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufeinandertreffen der Kulturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das Aufeinandertreffen der Kulturen findet, wie Kathrin Clench herausgearbeitet hat, auf drei verschiedenen Ebenen statt - intradiegetisch, extradiegetisch und auf der Ebene der Rezipienten. [Chlench 2014] Diese Einteilung dient im Weiteren als Orientierung. Hier wird nun die Berührung und Vermischung der Kulturen dahingehend analysiert, welche Funktion sie für ihre jeweilige Ebene besitzen. Abschließend findet eine Gesamtbewertung der Darstellung Wolframs statt, die die Ergebnisse in die historische Situation und die literarische Tradition einordnet. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Intradiegetische Ebene ===&lt;br /&gt;
Hier sollen die Berührungspunkte der Kulturen auf der intradiegetischen Ebene, also innerhalb der erzählten Welt, hinsichtlich ihrer Darstellung und Funktion analysiert werden. Da sich Christen und Heiden an vielzähligen Stellen begegnen und die kulturellen Grenzen damit einhergehend verschmelzen, werden im Folgenden nur exemplarische Stellen untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gahmuret und der Bâruc ====&lt;br /&gt;
Bereits zu Beginn des Romans findet ein Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur statt und zwar durch den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orientaufenthalt]] Gahmurets. Hier sind besonders zwei Aspekte interessant, einerseits Gahmurets [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldnerdienst beim Bâruc]] (14,10) und andererseits seine Beziehung mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Auf letzteres soll an dieser Stelle vorerst nicht eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk hier auf dem Söldnerdienst des christlichen Ritters liegt. &lt;br /&gt;
Gahmuret beschließt den mächtigsten Herrscher der Welt aufzusuchen – den heidnischen König Bâruc (13,20ff.). Jener wird von Wolfram allerdings nicht nur als mächtig in Bezug auf [[Gegenüberstellung der Herrschaftskonzenptionen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|weltliche Herrschaft]] dargestellt, sondern auch durch die Analogie zum [[Religion im parzival|Papst]] als religiöser Herrscher (13,26ff.). Beate Kellner interpretiert die Figur des Bârucs so, dass &#039;&#039;„der bâruc, […], zum hybriden Konstrukt [wird], in dem sich Christliches und Islamischen verschränken“&#039;&#039;. [Kellner 2009: 29] Hingegen sieht Alfred Raucheisen hier weniger eine Verschränkung als eine Gegenüberstellung der Kulturen. Er argumentiert, dass der Bâruc den Typus einer vorbildlichen und weit entwickelten Herrschaft repräsentiere. Somit handle es sich nicht um eine Verschränkung, sondern um die Repräsentierung eines positiven Gegenentwurfs zu christlichen Herrschaftsstrukturen, die die Bewunderung der fortgeschrittenen Feudalstruktur im Orient durch die deutschen Ritter ausdrücke. [Raucheisen 1997: 65ff.] Eine Funktion von Gahmurets Soldrittertum könnte zudem die sein, die Realität abzubilden. Denn aufgrund des historischen Hintergrunds sind vermutlich viele Ritter, denen kein großes Erbe vorherbestimmt war, in den Orient gezogen, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.&lt;br /&gt;
Nicht nur bei Gahmurets Eintritt in die orientale Welt, sondern auch bei seinem Austritt – genauer seinem Tod – treffen die heidnische und christliche Kultur aufeinander. Der tote Ritter bekommt von Bâruc ein christliches Begräbnis. Deutlich wird dies vor allem an dem Kreuz, das auf Gahmurets Grab angebracht wird (107,10). Allerdings wird betont, dass &#039;&#039;„ir orden kan niht kriouzes phlegn“&#039;&#039; (107,17). Die Heiden werden hier zwar als sehr gönnerhaft (&#039;&#039;diu kost dem bâruc ringe was&#039;&#039; (106,30)) dargestellt, aber gleichzeitig wird ihr Unwissen über die christliche Religion präsentiert. In der Forschung wird diese Darstellung so gedeutet, dass auf diese Weise Wolframs Bewunderung des Orients zu Tage trete. [Kellner 2009: 33] In Bezug darauf, lässt sich diese Textstelle in die von Raucheisen beschriebene Entwicklung einordnen, dass sich das Bild der Heiden durch die beginnende Ablösung höfischer Literatur von der Kirche veränderte. Die Heiden irren zwar stets in ihrem Glauben, aber es werden zunehmend ihre ritterlichen Qualitäten betont. [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Cundrîe ====&lt;br /&gt;
Besonders deutlich wird das Aufeinandertreffen der Kulturen in Form von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrîe]]. Durch ihre [[Das wilde-Motiv im Parzival|wilde]] Erscheinung wird sie bei ihrem ersten Auftreten schon rein durch ihr Äußerliches (313-314,10) von der höfischen Welt abgegrenzt. Durch diese sehr ausdrucksstarke Beschreibung wirkt sie trotz ihrer abendländischen Bildung (314,20) [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|fremd]]. Manuela Schotte sieht darin die Besonderheit in dieser Szene, in der Cundrîe von Außen an den [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artushof]] kommt und Parzival anklagt (314,26-30). Denn aufgrund ihrer Fremdheit und der gleichzeitigen Tugendhaftigheit ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 318,9) eigne sie sich besonders dafür, in die Rolle der Anklägerin zu schlüpfen. Ihre moralische Stärke legitimiere sie dabei als Heidin Kritik zu äußern, die von den Rezipienten ernst genommen geworden sei.[Schotte 2009: 82f.] Die Begegnung von Figuren aus den verschiedenen Kulturen eröffnet somit einen Raum, in dem Kritik an der höfischen Welt geübt werden kann. Die Vermischung der Kulturen in einer Person führt besonders dazu, sie dazu zu legitimieren, Kritik zu äußern. Dabei geht es nach Jörn Reichel nicht darum, die prinzipiell die tradierten höfischen Normen zu verneinen, &#039;&#039;&amp;quot;sondern um die Überprüfung ihrer Tragfähigkeit in einer konkreten Situation&amp;quot;&#039;&#039;. [Reichel 1976: 392]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf wird [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, weiterhin von der christlichen Welt abgegrenzt. Ganz im Gegenteil, sie wird ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] und übernimmt sogar die besonders wichtige Aufgabe der Gralsbotin (781f.). Diese Veränderung ihrer Position spiegelt sich auch in ihrer Erscheinung wieder. So trägt sie einerseits das [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswappen]] (780,13) und andererseits beschreibt Wolfram ihr Äußeres zwar als wild, aber keineswegs abwertend (780,18-26). Es findet also eine zunehmende Vermischung der Kulturen statt. Hinsichtlich ihrer Rolle als moralische Bewertungsinstanz ist hier eine Einschränkung ihrer Rolle zu vermerken. Denn sie stellt fest, dass sie mit ihrer vorherigen Anklage geirrt hat und entschuldigt sich bei [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Parzival (799,28-780,29). Schotte folgert hieraus, dass aus der Revidierung der Aussagen Cundrîes eine große Aufwertung und Bestätigung der christlichen Charaktere folge. Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundrîes Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009: 85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Feirefiz ====&lt;br /&gt;
Die Gestalt des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] nimmt mit Blick auf die Begegnung der Kulturen eine besondere Stellung ein. Die anderen heidnischen Figuren nehmen nur christliche und höfische Verhaltensweisen an oder bekommen dazugehörige Tugenden zugesprochen, bei Feirefiz hingegen findet sogar eine genealogische Verbindung statt.  Dies zeigt auch an seiner äußeren Erscheinung, insbesondere seiner Hautfarbe (&#039;&#039;wiz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; 57,18). Das Aufeinandertreffen der Kulturen spielt bei jedem Auftreten von Feirefiz eine wichtige Rolle. Besonders aber bei seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] und bei seinem [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Kampf gegen Parzival]]. Letzterer soll nun exemplarisch für viele andere Szenen, in denen Feirefiz auf das Christentum trifft, auf die Funktion der Vermischung der Kulturen hin analysiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf der beiden [[Parzival und Feirefiz|Brüder]] wird von Wolfram so eingeführt: &#039;&#039;nune mac ich disen heiden vom getouften niht gescheiden&#039;&#039; (738,11f.). Der Autor macht dadurch kenntlich, dass das Aufeinandertreffen für ihn unvermeidlich ist. Allerdings geht es nicht nur um die zwei Figuren, sondern auch um die unterschiedlichen Kulturen. Deutlich wird dies dadurch, dass wie eben häufig von dem &#039;&#039;heiden&#039;&#039; und dem &#039;&#039;getouften&#039;&#039; die Rede ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitere Beispiele hierfür: 740,13f.; 742,16; 745,13 uvm.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig wird anhand dessen auch der größte Unterschied zwischen den Brüdern markiert - die [[Religion im parzival|Religion]]. Mit Blick auf die literarische Tradition könnte in dem Kampf erwartet werden, dass der Heide dem Christen unterliegt, da letzterer nach mittelalterlicher Vorstellung unter dem Schutz Gottes steht und durch die ritterliche Schulung besser ausgebildet ist. Im Bruderkampf geschieht dies jedoch nicht. Denn obwohl Feirefiz im Orient aufgewachsen ist, scheint er alle [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ritterlichen Tugenden]] ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 745,21f.; &#039;&#039;manheit [..] zuht&#039;&#039; 745,10) und Fähigkeiten zu besitzen. An einer Stelle schreibt Wolfram sogar, dass er &#039;&#039;höfschliche&#039;&#039; sprach (744,26). Hier wird dem Heiden Feirefiz eine höfische Verhaltensweise attestiert, was darauf hindeutet, dass er dies bereits in seiner Erziehung beigebracht bekam. Unter Einbezug der Figur [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacanes]] ist dies mehr als wahrscheinlich, da diese selbst alle Verhaltensweisen einer höfischen Dame kennt. Feirefiz besitzt jedoch nicht nur eine höfische Ausbildung wie es scheint, sondern er ermahnt Parzival sogar, seine &#039;&#039;zühte&#039;&#039; anzustrengen (747,20). Für die Rezipienten muss die Ermahnung eines Christen durch einen Heiden sehr paradox gewirkt haben. Der [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremde]] kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;, das heißt mit der eigenen christlichen Kultur.[Kellner 2009: 41]&amp;lt;ref&amp;gt;Kellner bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Arbeiten von Alfred Schütz, s. Schütz, Alfred: Grundzüge einer Theorie des Selbstverstehens, in: Ders.: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt a.M. 1974, S. 137-197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Funktion des Aufeinandertreffens der Kulturen in Form des Bruderkampfes wäre also die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Identität, was jedoch viel mehr eine Funktion auf der Ebene des Rezipienten darstellt als auf der Handlungsebene. &lt;br /&gt;
Auf der Handlungsebene besitzt diese Szene jedoch auch eine sehr wichtige Funktion. Wie bereits angesprochen, ist der  größte Unterschied in dieser Szene, dass Feirefiz nicht getauft ist. Im Weiteren wird dieser jedoch noch getauft (818,13ff.). Nun kann angenommen werden, dass sich der Heide Feirefiz in dem Kampf mit seinem Bruder in christlichen Qualitäten, wie der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] beweisen kann, die für die [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] notwendig sind. Daher könnte gesagt werden, dass das kriegerische Aufeinandertreffen der Kulturen an dieser Stelle dazu da ist, die spätere [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] zu rechtfertigen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf diese Szene kann festgehalten werden, dass die wichtigste Funktion der Begegnung der Kulturen in Gestalt von Feirefiz  die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, durch das Implementieren des Eigenen in eine fremde Figur, ist. So ist wohl auch Beate Kellners These zu verstehen: &#039;&#039;&amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um die Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot;&#039;&#039;[Kellner 2009: 37f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Extradiegetische Ebene === &lt;br /&gt;
Nicht nur in der erzählten Welt selbst, sondern auch in Bezug auf das Wissen über diese, spielt das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur eine entscheidende Rolle und zwar in Bezug auf die Frage nach der Herkunft des Wissens über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]]. Wolfram gibt an, dass die erste Person, die das Wissen um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] niederschrieb der Heide [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Flegetânîs]] gewesen sei (453, 25-30). Interessant ist an dieser Stelle, dass Flegetânîs, &#039;&#039;der ein kalp bette als ob ez waer sîn got&#039;&#039; (454,2f.), gleichzeitig als &#039;&#039;wiser&#039;&#039; (454,5) bezeichnet wird. Seine Weisheit bzw. Bildung wird weiter anhand seiner Kenntnis der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gestirne]], in denen er die Geschichte über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] las (454, 21ff.), veranschaulicht. Hervorzuheben ist nun, dass Flegetânîs zwar als erster das Wissen über den Gral niederschrieb, dieses allerdings nicht verstand. Erst durch den getauften [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], der aus Toledo stammt, wurde die wahre Bedeutung erkannt (453,11-24). Die Frage, die sich nun stellt, ist die, warum Wolfram das Wissen über das christliche [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Symbol des Grals]] zunächst von einem Heiden aufschreiben lässt, um es erst dann von einem Christen durchschauen zu lassen? Kathrin Chlench stellt dafür die These auf, dass Wolfram die Überlegenheit des Christentums -insbesondere die Fähigkeit der inneren Erkenntnis nach Augustinus- darstellen und gleichzeitig seine Wertschätzung der heidnischen Bildung, vor allem der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Astrologie]], zum Ausdruck bringen wollte. [Chlench 2014: 73] Um diese Bewunderung der heidnischen Kultur herauszustellen, betont der Autor die Fähigkeiten des Individuums Flegetânîs und wertet gleichzeitig die Religion ab. In Bezug auf die von Alfred Raucheisen beschriebene Entwicklung der Heidendarstellung im Laufe der Kreuzzüge, könnte diese Stelle exemplarisch für die Offenheit gegenüber der anderen Kultur und den gleichzeitig fortexistierenden Vorbehalten und abwertenden Motiven gegenüber dem Heidentum stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ebene der Rezipienten ===&lt;br /&gt;
Bei der Ebene des [[Adressaten des Parzivals|Rezipienten]] geht es um die Auseinandersetzung zwischen den realen Hörern mit den von ihnen gehörten Inhalten. Genauer geht es hier um die Konfrontation der christlichen Rezipienten von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit den Situationen, in denen Heiden vorkommen. Sowohl auf intradiegetischer Ebene als auch auf der extradiegetischen Ebene hat sich gezeigt, dass die Heiden positiv dargestellt werden und ihr einziger Makel meist der vermeintlich &amp;quot;falsche&amp;quot; Glaube ist. Insbesondere die beschriebene moralische Vortrefflichkeit der Nicht-Christen fällt dabei auf. Doch hier ergibt sich nun ein Problem, denn durch ihr gutes Verhalten erfüllen die Heiden im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht die ihnen sonst zugeschriebene Rolle des Verwerflichen. Für die Protagonisten selbst scheint dies kein Problem darzustellen, beispielsweise bei [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der sich ohne zu zögern [[Die Funktion der Taufe im Parzival|taufen]] lässt. Kathrin Chlench setzt nun an diesem Punkt an und behauptet, dass die Diskrepanz zwischen Verhalten und Rollenidentität der Heiden zu einer Beschäftigung mit der islamischen Religion selbst in Form von Feirefiz führe. Durch die fehlende Bewertung dieses Unterschiedes würde der Rezipient dazu aufgefordert werden, sich mit der Hybriden Identität auseinanderzusetzen. [Chlench 2014: 74].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Es wurde nun an vielen Stellen das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur analysiert. Wie sich gezeigt hat, ist die Frage, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt, nicht eindeutig zu beantworten. Beispielsweise kann Gahmurets Begegnung mit dem Bâruc so bewertet werden, dass durch den heidnischen Herrscher ein alternatives Herrschaftskonzept präsentiert wird. Die Funktion wäre also so etwas wie das Erzeugen einer Alteritätserfahrung. Gleichzeitig ist die  vermeintliche Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Heidentum stets präsent, wie sich bei dem Kyot-Exkurs an der Fähigkeit zur Erkenntnis zeigt. Hier scheinen die Heiden in einer lediglich dienenden Funktion aufzutreten. Bei der ambivalenten Figur der Cundrîe kann dagegen davon ausgegangen werden, dass sie die völlige Verschmelzung der Kulturen in Form von Feirefiz vorbereitet. Die Vermischung der Kulturen in ihrer Person dient jedoch auch dazu, sie als kritisierende Instanz am Artushof zu legitimieren. Insgesamt ist jedoch die wichtigste Funktion des Aufeinandertreffens der Figuren in der Auseinandersetzung der Rezipienten mit sich selbst und ihrer Kultur auszumachen. Dies wird erst möglich, in dem Wolfram den heidnischen Charakteren christliche und höfische Attribute verleiht. Was weniger die intendierte Funktion des Autors betrifft, sondern viel mehr den mentalitätsgeschichtlichen Wert des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; ist, dass deutlich das sich wandelnde Bild des Orients zu Tage kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Chlench 2014]Chlench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009]Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’, in: Ludger Grenzmann et al. (Hgg.):&lt;br /&gt;
Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bd. 1: Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Berlin/NewYork 2009  S. 23-50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*LexMa 2003] Kreuzzüge, IV. Der 4. Kreuzzug, in: LexMA Bd.4, München 2003, Sp. 1512. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997]Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland. Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm, Frankfurt a.M./New York 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichel 1976]Reichel, Jörn: Willehalm und die höfische Welt, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte Bd. 70 (1976), S. 399-409.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heidentum]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=22094</id>
		<title>Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur</title>
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		<updated>2015-07-12T15:46:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] präsentiert in seinem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die heidnische Welt des Orientalen als tugendhaft und vollkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verleiht ihr moralisch hoch angesehene Akteure, wie [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] oder die [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Gralsbotin Cundrîe]]. Diese Darstellung ist mit Blick auf die literarische Tradition durchaus ungewöhnlich, da Heiden sonst als moralisch verwerflicher Gegenentwurf zum Abendland präsentiert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Die hier angewendete Definition des Orients ist die von Paul Kunitzsch, der den &amp;quot;zeitgenössischen mittelalterlichen Orient, d.h. die islamische Welt, die ja immer die fremde, feindliche, exotische Gegenwelt zu der bekannten heimischen Umwelt der Dichter darstellt[e].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere in den Gahmuret-Büchern findet jedoch keine derartige Abgrenzung zwischen Heiden und Christen statt. Vielmehr lässt sich Gahmuret als Söldner bei einem orientalen Herrscher anheuern und geht später sogar eine Liebesbeziehung ein, aus der ein Kind entsteht. &lt;br /&gt;
Der Artikel befasst sich damit, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt. Wichtig ist dabei, den historischen Kontext zu beachten, der im Gegensatz zu Wolframs Handlung von gewaltsamen Konfrontationen heidnischer und christlicher Kultur –in Form der Kreuzzüge- geprägt war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historischer Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Ist der Entstehungszeitraum des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts richtig datiert, so fällt er in den Zeitraum des vierten Kreuzzuges (1202-1204). Im Zuge dieses Kreuzzuges, der von Papst Innozenz III. angestoßen wurde, eroberten die Kreuzfahrer Konstantinopel und ganz Griechenland. [LexMa 2003: Sp.5012] Die Kreuzzüge wirkten sich in Bezug auf die ritterlich-höfische Literatur in soweit aus, dass Heiden vornehmlich in kriegerischen Situationen auftauchen, wobei es sich nicht nur um interkulturelle sondern auch um intrakulturelle Auseinandersetzungen handelt. [Schotte 2009: 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Tradition ==&lt;br /&gt;
In mittelalterlicher Literatur existierten von Beginn an Darstellungen des Orients. Bis zu den Kreuzzügen entnahmen die Autoren ihr Wissen vor allem antiken Quellen und der christlichen Kirchenlehre. Mit Beginn der Kreuzzüge wurde vor allem darauf Wert gelegt, das Christentum als die einzig richtige Religion zu charakterisieren und heidnische Glaubensvorstellungen abzuwerten. Hierfür wurden Heiden äußerlich als hässlich und märchenhaft dargestellt. Ebenso wurde den Heiden generell eine dunkle Hautfarbe zugesprochen, die als ein Verweis auf die Hölle angesehen wurde. Walther von der Vogelweide ging sogar so weit, dass er den Teufel als &#039;&#039;hellemor&#039;&#039; bezeichnete. [Raucheisen 1997: 49ff.] Aufgrund der Kreuzzüge und des sich ausweitenden Handels zwischen Orient und Okzident, löste sich das literarische Bild der Heiden in den ritterlich-höfischen Romanen zunehmend von den kirchlichen Vorstellungen ab. Grundsätzlich wurden die Heiden aufgrund ihrer Religion weiterhin als verdammt angesehen, in der Literatur wurde aber zunehmend Wert auf die höfischen und ritterlichen Verhaltensweisen orientaler Gesellschaften gelegt. Trotz dieser zunehmenden Offenheit, blieben dennoch die typischen Motive des schlechten und hässlichen Heiden bestehen [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufeinandertreffen der Kulturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das Aufeinandertreffen der Kulturen findet, wie Kathrin Clench herausgearbeitet hat, auf drei verschiedenen Ebenen statt - intradiegetisch, extradiegetisch und auf der Ebene der Rezipienten. [Chlench 2014] Diese Einteilung dient im Weiteren als Orientierung. Hier wird nun die Berührung und Vermischung der Kulturen dahingehend analysiert, welche Funktion sie für ihre jeweilige Ebene besitzen. Abschließend findet eine Gesamtbewertung der Darstellung Wolframs statt, die die Ergebnisse in die historische Situation und die literarische Tradition einordnet. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Intradiegetische Ebene ===&lt;br /&gt;
Hier sollen die Berührungspunkte der Kulturen auf der intradiegetischen Ebene, also innerhalb der erzählten Welt, hinsichtlich ihrer Darstellung und Funktion analysiert werden. Da sich Christen und Heiden an vielzähligen Stellen begegnen und die kulturellen Grenzen damit einhergehend verschmelzen, werden im Folgenden nur exemplarische Stellen untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gahmuret und der Bâruc ====&lt;br /&gt;
Bereits zu Beginn des Romans findet ein Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur statt und zwar durch den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orientaufenthalt]] Gahmurets. Hier sind besonders zwei Aspekte interessant, einerseits Gahmurets [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldnerdienst beim Bâruc]] (14,10) und andererseits seine Beziehung mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Auf letzteres soll an dieser Stelle vorerst nicht eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk hier auf dem Söldnerdienst des christlichen Ritters liegt. &lt;br /&gt;
Gahmuret beschließt den mächtigsten Herrscher der Welt aufzusuchen – den heidnischen König Bâruc (13,20ff.). Jener wird von Wolfram allerdings nicht nur als mächtig in Bezug auf [[Gegenüberstellung der Herrschaftskonzenptionen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|weltliche Herrschaft]] dargestellt, sondern auch durch die Analogie zum [[Religion im parzival|Papst]] als religiöser Herrscher (13,26ff.). Beate Kellner interpretiert die Figur des Bârucs so, dass &#039;&#039;„der bâruc, […], zum hybriden Konstrukt [wird], in dem sich Christliches und Islamischen verschränken“&#039;&#039;. [Kellner 2009: 29] Hingegen sieht Alfred Raucheisen hier weniger eine Verschränkung als eine Gegenüberstellung der Kulturen. Er argumentiert, dass der Bâruc den Typus einer vorbildlichen und weit entwickelten Herrschaft repräsentiere. Somit handle es sich nicht um eine Verschränkung, sondern um die Repräsentierung eines positiven Gegenentwurfs zu christlichen Herrschaftsstrukturen, die die Bewunderung der fortgeschrittenen Feudalstruktur im Orient durch die deutschen Ritter ausdrücke. [Raucheisen 1997: 65ff.] Eine Funktion von Gahmurets Soldrittertum könnte zudem die sein, die Realität abzubilden. Denn aufgrund des historischen Hintergrunds sind vermutlich viele Ritter, denen kein großes Erbe vorherbestimmt war, in den Orient gezogen, um dort ihren Lebensunterhalt zu verdienen.&lt;br /&gt;
Nicht nur bei Gahmurets Eintritt in die orientale Welt, sondern auch bei seinem Austritt – genauer seinem Tod – treffen die heidnische und christliche Kultur aufeinander. Der tote Ritter bekommt von Bâruc ein christliches Begräbnis. Deutlich wird dies vor allem an dem Kreuz, das auf Gahmurets Grab angebracht wird (107,10). Allerdings wird betont, dass &#039;&#039;„ir orden kan niht kriouzes phlegn“&#039;&#039; (107,17). Die Heiden werden hier zwar als sehr gönnerhaft (&#039;&#039;diu kost dem bâruc ringe was&#039;&#039; (106,30)) dargestellt, aber gleichzeitig wird ihr Unwissen über die christliche Religion präsentiert. In der Forschung wird diese Darstellung so gedeutet, dass auf diese Weise Wolframs Bewunderung des Orients zu Tage trete. [Kellner 2009: 33] In Bezug darauf, lässt sich diese Textstelle in die von Raucheisen beschriebene Entwicklung einordnen, dass sich das Bild der Heiden durch die beginnende Ablösung höfischer Literatur von der Kirche veränderte. Die Heiden irren zwar stets in ihrem Glauben, aber es werden zunehmend ihre ritterlichen Qualitäten betont. [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Cundrîe ====&lt;br /&gt;
Besonders deutlich wird das Aufeinandertreffen der Kulturen in Form von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrîe]]. Durch ihre [[Das wilde-Motiv im Parzival|wilde]] Erscheinung wird sie bei ihrem ersten Auftreten schon rein durch ihr Äußerliches (313-314,10) von der höfischen Welt abgegrenzt. Durch diese sehr ausdrucksstarke Beschreibung wirkt sie trotz ihrer abendländischen Bildung (314,20) [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|fremd]]. Manuela Schotte sieht darin die Besonderheit in dieser Szene, in der Cundrîe von Außen an den [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artushof]] kommt und Parzival anklagt (314,26-30). Denn aufgrund ihrer Fremdheit und der gleichzeitigen Tugendhaftigheit ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 318,9) eigne sie sich besonders dafür, in die Rolle der Anklägerin zu schlüpfen. Ihre moralische Stärke legitimiere sie dabei als Heidin Kritik zu äußern, die von den Rezipienten ernst genommen geworden sei.[Schotte 2009: 82f.] Die Begegnung von Figuren aus den verschiedenen Kulturen eröffnet somit einen Raum, in dem Kritik an der höfischen Welt geübt werden kann. Die Vermischung der Kulturen in einer Person führt besonders dazu, sie dazu zu legitimieren, Kritik zu äußern. Dabei geht es nach Jörn Reichel nicht darum, die prinzipiell die tradierten höfischen Normen zu verneinen, &#039;&#039;&amp;quot;sondern um die Überprüfung ihrer Tragfähigkeit in einer konkreten Situation&amp;quot;&#039;&#039;. [Reichel 1976: 392]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf wird [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrîe]] jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, weiterhin von der christlichen Welt abgegrenzt. Ganz im Gegenteil, sie wird ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] und übernimmt sogar die besonders wichtige Aufgabe der Gralsbotin (781f.). Diese Veränderung ihrer Position spiegelt sich auch in ihrer Erscheinung wieder. So trägt sie einerseits das [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswappen]] (780,13) und andererseits beschreibt Wolfram ihr Äußeres zwar als wild, aber keineswegs abwertend (780,18-26). Es findet also eine zunehmende Vermischung der Kulturen statt. Hinsichtlich ihrer Rolle als moralische Bewertungsinstanz ist hier eine Einschränkung ihrer Rolle zu vermerken. Denn sie stellt fest, dass sie mit ihrer vorherigen Anklage geirrt hat und entschuldigt sich bei [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Parzival (799,28-780,29). Schotte folgert hieraus, dass aus der Revidierung der Aussagen Cundrîes eine große Aufwertung und Bestätigung der christlichen Charaktere folge. Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundrîes Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009: 85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Feirefiz ====&lt;br /&gt;
Die Gestalt des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] nimmt mit Blick auf die Begegnung der Kulturen eine besondere Stellung ein. Die anderen heidnischen Figuren nehmen nur christliche Verhaltensweisen an, bei Feirefiz hingegen findet sogar eine genealogische Verbindung statt.  Dies zeigt auch an seiner äußeren Erscheinung, insbesondere seiner Hautfarbe (&#039;&#039;wiz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; 57,18). Das Aufeinandertreffen der Kulturen spielt bei jedem Auftreten von Feirefiz eine wichtige Rolle. Besonders aber bei seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] und bei seinem Kampf gegen Parzival. Letzterer soll nun exemplarisch für viele andere Szenen, in denen Feirefiz auf das Christentum trifft, auf die Funktion der Berührung der Kulturen hin analysiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf der beiden [[Parzival und Feirefiz|Brüder]] wird von Wolfram so eingeführt: &#039;&#039;nune mac ich disen heiden vom getouften niht gescheiden&#039;&#039; (738,11f.). Der Autor macht dadurch kenntlich, dass das Aufeinandertreffen für ihn unvermeidlich ist. Allerdings geht es nicht nur um die zwei Figuren, sondern auch um die unterschiedlichen Kulturen. Deutlich wird dies dadurch, dass wie eben häufig von dem &#039;&#039;heiden&#039;&#039; und dem &#039;&#039;getouften&#039;&#039; die Rede ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitere Beispiele hierfür: 740,13f.; 742,16; 745,13 uvm.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig wird anhand dessen auch der größte Unterschied zwischen den Brüdern markiert - die [[Religion im parzival|Religion]]. Mit Blick auf die literarische Tradition könnte in dem Kampf nun erwartet werden, dass der Heide dem Christen unterliegt, da letzterer ja unter dem Schutz Gottes steht und durch die ritterliche Schulung besser ausgebildet ist. Im Bruderkampf geschieht dies jedoch nicht. Denn obwohl Feirefiz im Orient aufgewachsen ist, scheint er alle [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ritterlichen Tugenden]] ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 745,21f.; &#039;&#039;manheit [..] zuht&#039;&#039; 745,10) und Fähigkeiten zu besitzen. An einer Stelle schreibt Wolfram sogar, dass er &#039;&#039;höfschliche&#039;&#039; sprach (744,26). Hier wird dem Heiden Feirefiz eine höfische Verhaltensweise attestiert, was darauf hindeutet, dass er dies bereits in seiner Erziehung beigebracht bekam. Unter Einbezug der Figur [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacanes]] ist dies mehr als wahrscheinlich, da diese selbst alle Verhaltensweisen einer höfischen Dame kennt. Feirefiz besitzt jedoch nicht nur eine höfische Ausbildung wie es scheint, sondern er ermahnt Parzival sogar, seine &#039;&#039;zühte&#039;&#039; anzustrengen (747,20). Für die Rezipienten muss die Ermahnung eines Christen durch einen Heiden sehr paradox gewirkt haben. Der [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremde]] kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;.[Kellner 2009: 41]&amp;lt;ref&amp;gt;Kellner bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Arbeiten von Alfred Schütz, s. Schütz, Alfred: Grundzüge einer Theorie des Selbstverstehens, in: Ders.: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt a.M. 1974, S. 137-197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Funktion des Aufeinandertreffens der Kulturen in Form des Bruderkampfes wäre also die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Identität, was jedoch viel mehr eine Funktion auf der Ebene des Rezipienten ist als auf der Handlungsebene. &lt;br /&gt;
Auf der Handlungsebene besitzt diese Szene jedoch auch eine sehr wichtige Funktion. Wie bereits angesprochen, ist der  größte Unterschied in dieser Szene, dass Feirefiz nicht getauft ist. Im Weiteren wird dieser jedoch noch getauft (818,13ff.). Nun kann angenommen werden, dass sich der Heide Feirefiz in dem Kampf mit seinem Bruder in christlichen Qualitäten, wie der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] beweisen kann, die für die [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] notwendig sind. Daher könnte gesagt werden, dass das kriegerische Aufeinandertreffen der Kulturen an dieser Stelle dazu da ist, die spätere [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] zu rechtfertigen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf diese Szene kann festgehalten werden, dass die wichtigste Funktion der Begegnung der Kulturen in Gestalt von Feirefiz  die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, durch das Implementieren des Eigenen in eine fremde Figur, ist. So ist wohl auch Beate Kellners These zu verstehen: &#039;&#039;&amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um die Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot;&#039;&#039;[Kellner 2009: 37f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Extradiegetische Ebene === &lt;br /&gt;
Nicht nur in der erzählten Welt selbst, sondern auch in Bezug auf das Wissen über diese, spielt das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur eine entscheidende Rolle und zwar in Bezug auf die Frage nach der Herkunft des Wissens über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]]. Wolfram gibt an, dass die erste Person, die das Wissen um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] niederschrieb der Heide [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Flegetanis]] gewesen sei (453, 25-30). Interessant ist an dieser Stelle, dass Flegetanis, &#039;&#039;der ein kalp bette als ob ez waer ein got&#039;&#039; (454,2f.), gleichzeitig als &#039;&#039;wiser&#039;&#039; (454,5) bezeichnet wird. Seine Weisheit bzw. Bildung wird im Weiteren anhand seiner Kenntnis der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gestirne]], in denen er die Geschichte über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] las (454, 21ff.), veranschaulicht. Hervorzuheben ist nun, dass Flegetanis zwar als erster das Wissen über den Gral niederschrieb, dieses allerdings nicht verstand. Erst durch den getauften [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], der aus Toledo stammt, wurde die wahre Bedeutung erkannt (453,11-24). Die Frage, die sich nun stellt, ist die, warum Wolfram das Wissen über das christliche [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Symbol des Grals]] zunächst von einem Heiden aufschreiben lässt, um es erst dann von einem Christen durchschauen zu lassen? Kathrin Chlench stellt dafür die These auf, dass Wolfram die Überlegenheit des Christentums -insbesondere die Fähigkeit der inneren Erkenntnis nach Augustinus- darstellen und gleichzeitig seine Wertschätzung der heidnischen Bildung, vor allem der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Astrologie]], zum Ausdruck bringen wollte. [Chlench 2014: 73] Um diese Bewunderung der heidnischen Kultur zum Ausdruck bringen zu können, betont der Autor die Fähigkeiten des Individuums Flegetanis und wertet gleichzeitig die Religion ab. In Bezug auf die von Alfred Raucheisen beschriebene Entwicklung der Heidendarstellung im Laufe der Kreuzzüge, könnte diese Stelle exemplarisch für die Offenheit gegenüber der anderen Kultur und den gleichzeitig fortexistierenden Vorbehalten und abwertenden Motiven gegenüber dem Heidentum stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ebene der Rezipienten ===&lt;br /&gt;
Bei der Ebene des [[Adressaten des Parzivals|Rezipienten]] geht es um die Auseinandersetzung zwischen den realen Hörern mit dem von ihnen gehörten Inhalt. Genauer geht es hier, um die Konfrontation der christlichen Rezipienten von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit den Situationen, in denen Heiden vorkommen. Sowohl auf intradiegetischer Ebene als auch auf der extradiegetischen Ebene hat sich gezeigt, dass die Heiden positiv dargestellt werden und ihr einiger Makel meist der Glaube ist. Insbesondere die beschriebene moralische Vortrefflichkeit der Nicht-Christen fällt dabei auf. Doch hier ergibt sich nun ein Problem, denn durch ihr gutes Verhalten erfüllen die Heiden im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht die ihnen sonst zugeschriebene Rolle des Verwerflichen. Für die Protagonisten selbst scheint dies kein Problem darzustellen, beispielsweise bei [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der sich ohne zu zögern taufen lässt. Kathrin Chlench setzt nun an diesem Punkt an und behauptet, dass die Diskrepanz zwischen Verhalten und Rollenidentität der Heiden zu. Durch die fehlende Bewertung dieses Unterschiedes würde der Rezipient dazu aufgefordert werden, sich mit der Hybriden Identität auseinanderzusetzen. [Chlench 2014: 74].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Es wurde nun an vielen Stellen das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur analysiert. Wie sich gezeigt hat, ist die Frage, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt, nicht eindeutig zu beantworten. Beispielsweise kann Gahmurets Begegnung mit dem Baruc so bewertet werden, dass durch den heidnischen Herrscher ein alternatives Herrschaftskonzept präsentiert wird. Die Funktion wäre also so etwas wie das Erzeugen einer Alteritätserfahrung. Gleichzeitig ist die  vermeintliche Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Heidentum stets präsent, wie sich bei dem Kyot-Exkurs an der Fähigkeit zur Erkenntnis zeigt. Bei der ambivalenten Figur der Cundrie kann dagegen davon ausgegangen werden, dass sie die völlige Verschmelzung der Kulturen in Form von Feirefiz vorbereitet. Insgesamt ist jedoch die wichtigste Funktion des Aufeinandertreffens der Figuren in der Auseinandersetzung der Rezipienten mit sich selbst auszumachen. Dies wird erst möglich, in dem Wolfram den heidnischen Charakteren christliche und höfische Attribute verleiht. Was weniger die intendierte Funktion des Autors betrifft, sondern viel mehr den mentalitätsgeschichtlichen Wert des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; ist, dass deutlich das sich wandelnde Bild des Orients zu Tage kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis =&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Chlench 2014]Chlench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009]Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’, in: Ludger Grenzmann et al. (Hgg.):&lt;br /&gt;
Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bd. 1: Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Berlin/NewYork 2009  S. 23-50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*LexMa 2003] Kreuzzüge, IV. Der 4. Kreuzzug, in: LexMA Bd.4, München 2003, Sp. 1512. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997]Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland. Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm, Frankfurt a.M./New York 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichel 1976]Reichel, Jörn: Willehalm und die höfische Welt, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte Bd. 70 (1976), S. 399-409.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heidentum]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=21677</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T15:26:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen in Erscheinung tritt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine Hürde für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe. [Gnädinger 1974: 67-69] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim Abschied Gahmurets von Belacane und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol lêren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît unser ê diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  &#039;&#039;&#039;!! Mittelhochdeutsch 56,25f.  !!  Neuhochdeutsch&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || frouwe, wiltu toufen dich, || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || du maht ouch noch erwerben mich.||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine religiöse Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne, durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (vgl. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (vgl. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], die im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival zu, als er schreibt: &#039;&#039;dâ streit der triwen lûterheit: grôz triwe aldâ triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass eine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Zugangsvoraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde. [Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht viel mehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (vgl. 814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe so ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], da die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strîte&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]].Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer engeren Auseinandersetzung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion geworden. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft. [Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht. [Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert. [Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe (vgl. 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der Parzival auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen besitzt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion dazukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21676</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21676"/>
		<updated>2015-07-11T15:21:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hêr Heinrich von Veldeke sînen buom || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kunst gein iwerm arde maz: || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het er uns dô bescheiden baz|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wie man iuch süle behalten! || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde]] erneut auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret und Belacane]] im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Aeneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artuswelt]] abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disiu burc was gêheret sô, || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Enêas Kartâgô || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie sô hêrrenliche vant || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Aeneas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315] &lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Vorausdeutungen auf die Folgehandlung&lt;br /&gt;
#Erzeugung einer Erwartungshaltung beim Rezipienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u mînen kumber klage, den ich nâhe im herzen trage&#039;&#039; (24,19f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes und das mit ihr verbundene Minnekonzept. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140] Durch diese Aspekte und der damit entstehenden Rezeptionshaltung ist es dem Autor zudem möglich, die Wahrnehmung des eigenen Texts zu steuern, da der Leser somit in die Interpretation hineingezogen wird, da er stets auch die eigenen Werte und Normen als Maßstäbe für einen Vergleich ansetzt. [Draesener 1993: 348] Somit führen die intertextuellen Bezüge im Idealfall zu einer Selbstreflexion des Rezipienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Ausdruck persönlicher Ansichten Wolframs&lt;br /&gt;
#Abgrenzung von der literarischen Tradition &lt;br /&gt;
#Schärfung des Bildes der Belacane und des mit ihr verbundenen Minnekonzepts&lt;br /&gt;
#Aufrufen von Normen, Werten und Idealen --&amp;gt; Steuerung der Wahrnehmung des vorliegenden Texts &lt;br /&gt;
#Im Idealfall: Selbstreflexion des Rezipienten in Bezug auf eigene Werte, Normen und Ideale &lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
Obwohl hier nur sehr wenige Textstellen in Bezug auf die intertextuellen Bezüge zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; untersucht wurden, kristallisierten sich die verschiedensten Funktionen dieser Verweise und Anspielungen heraus. Auf makrotextueller Ebene eröffnet Wolfram beispielsweise durch die geschickte Platzierung der Verweise einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt. Auf mikrotextueller Ebene hingegen besitzen die behandelten Bezugspunkte die verschiedensten Funktionen. Diese reichen von der Erzeugung einer Erwartungshaltung über den Ausdrück persönlicher Ansichten hin zu einer möglichen Selbstreflexion des Rezipienten usw. Es zeichnet sich jedoch das Bild, dass jeder Verweis an sich sehr spezielle Funktionen für die einzelne Textstelle besitzt. In wieweit eine Verallgemeinerung auf weitere Stellen stattfinden kann, bleibt noch offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21674</id>
		<title>Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21674"/>
		<updated>2015-07-11T15:15:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] präsentiert in seinem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die heidnische Welt des Orientalen als tugendhaft und vollkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verleiht ihr moralisch hoch angesehene Akteure, wie [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]. Diese Darstellung ist mit Blick auf die literarische Tradition durchaus ungewöhnlich, da Heiden sonst als moralisch verwerflichen Gegenentwurf zum Abendland präsentiert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Die hier angewendete Definition des Orients ist die von Paul Kunitzsch, der den &amp;quot;zeitgenössischen mittelalterlichen Orient, d.h. die islamische Welt, die ja immer die fremde, feindliche, exotische Gegenwelt zu der bekannten heimischen Umwelt der Dichter darstellt[e].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere in den Gahmuret-Büchern findet jedoch keine derartige Abgrenzung zwischen Heiden und Christen statt. Vielmehr wird eine Liebesbeziehung eingegangen, aus der ein Kind entsteht. &lt;br /&gt;
Der Artikel befasst sich damit, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt. Wichtig ist dabei, den historischen Kontext zu beachten, der im Gegensatz zu Wolframs Handlung von gewaltsamen Konfrontationen heidnischer und christlicher Kultur –in Form der Kreuzzüge- geprägt war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historischer Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Ist der Entstehungszeitraum des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts richtig datiert, so fällt er in den Zeitraum des vierten Kreuzzuges (1202-1204). Im Zuge dieses Kreuzzuges, der von Papst Innozenz III. angestoßen wurde, eroberten die Kreuzfahrer Konstantinopel und ganz Griechenland. [LexMa 2003: Sp.5012] Die Kreuzzüge wirkten sich in Bezug auf die ritterlich-höfische Literatur auch in soweit aus, dass Heiden vornehmlich in kriegerischen Situationen auftauchen, wobei es sich nicht nur um interkulturelle sondern auch um intrakulturelle Auseinandersetzungen handelt. [Schotte 2009: 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Tradition ==&lt;br /&gt;
In mittelalterlicher Literatur existierten von Beginn an Darstellungen des Orients. Bis zu den Kreuzzügen entnahmen die Autoren ihr Wissen vor allem aus antiken Quellen und der christlichen Kirchenlehre. Mit Beginn der Kreuzzüge wurde vor allem darauf Wert gelegt, das Christentum als die einzig richtige Religion zu charakterisieren und heidnische Religionen abzuwerten. Dabei wurden Heiden vor allem äußerlich als hässlich und märchenhaft dargestellt. Ebenso wurde den Heiden generell eine dunkle Hautfarbe zugesprochen, die als ein Verweis auf die Hölle angesehen wurde. Walther von der Vogelweide ging sogar so weit, dass er den Teufel als &#039;&#039;hellemor&#039;&#039; bezeichnete. [Raucheisen 1997: 49ff.] Aufgrund der Kreuzzüge und des sich ausweitenden Handels zwischen Orient und Okzident, löste sich das literarische Bild der Heiden in den ritterlich-höfischen Romanen zunehmend von den kirchlichen Vorstellungen ab. Zeitgemäß wurden die Heiden aufgrund ihrer Religion weiterhin als grundsätzlich verdammt bezeichnet, in der Literatur wurde aber zunehmend Wert auf die höfischen und ritterlichen Verhaltensweisen gelegt. Trotz dieser zunehmenden Offenheit, blieben dennoch die typischen Motive des schlechten und hässlichen Heiden bestehen [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufeinandertreffen der Kulturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das Aufeinandertreffen der Kulturen findet, wie Kathrin Clench herausgearbeitet hat, auf drei verschiedenen Ebenen statt - intradiegetisch, extradiegetisch und auf der Ebene der Rezipienten. [Chlench 2014] Diese Einteilung dient im Weiteren als Orientierung. Im Folgenden werden nun die Berührungspunkte der Kulturen dahingehend analysiert, welche Funktion sie für ihre jeweilige Ebene besitzen. Abschließend findet eine Gesamtbewertung der Darstellung Wolframs statt, die die Ergebnisse in die historische Situation und die literarische Tradition einordnet. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Intradiegetische Ebene ===&lt;br /&gt;
Hier sollen die Berührungspunkte der Kulturen auf der intradiegetischen Ebene, also innerhalb der erzählten Welt, hinsichtlich ihrer Darstellung und Funktion analysiert werden. Da sich Christen und Heiden an vielzähligen Stellen begegnen, werden im Weiteren nur exemplarische Stellen untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gahmuret und der Bâruc ====&lt;br /&gt;
Bereits zu Beginn des Romans findet ein Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur statt und zwar durch den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orientaufenthalt]] Gahmurets. Hier sind besonders zwei Aspekte interessant, einerseits Gahmurets [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldnerdienst beim Bâruc]] (14,10) und andererseits seine Beziehung mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Auf letzteres soll an dieser Stelle vorerst nicht eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk hier auf dem Söldnerdienst des christlichen Ritters liegt. &lt;br /&gt;
Gahmuret beschließt den mächtigsten Herrscher der Welt aufzusuchen – den heidnischen König Bâruc (13,20ff.). Jener wird von Wolfram allerdings nicht nur als mächtig in Bezug auf [[Gegenüberstellung der Herrschaftskonzenptionen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|weltliche Herrschaft]] dargestellt, sondern auch durch die Analogie zum [[Religion im parzival|Papst]] als religiöser Herrscher (13,26ff.). Beate Kellner interpretiert die Figur des Bârucs so, dass &#039;&#039;„der bâruc, […], zum hybriden Konstrukt [wird], in dem sich Christliches und Islamischen verschränken“&#039;&#039;. [Kellner 2009: 29] Hingegen sieht Alfred Raucheisen hier weniger eine Verschränkung als eine Gegenüberstellung der Kulturen. Er argumentiert, dass der Bâruc den Typus einer vorbildlichen und weit entwickelten Herrschaft repräsentiere. Somit handle es sich nicht um eine Verschränkung, sondern um die Repräsentierung eines positiven Gegenentwurfs zu christlichen Herrschaftsstrukturen, die die Bewunderung der fortgeschrittenen Feudalstruktur im Orient durch die deutschen Ritter ausdrücke. [Raucheisen 1997: 65ff.] &lt;br /&gt;
Nicht nur bei Gahmurets Eintritt in die orientale Welt, sondern auch bei seinem Austritt – genauer seinem Tod – treffen die heidnische und christliche Kultur aufeinander. Der tote Ritter bekommt von Bâruc ein christliches Begräbnis. Deutlich wird dies vor allem an dem Kreuz, das auf Gahmurets Grab angebracht wird (107,10). Allerdings wird betont, dass &#039;&#039;„ir orden kan niht kriouzes phlegn“&#039;&#039; (107,17). Die Heiden werden hier zwar als sehr gönnerhaft (&#039;&#039;diu kost dem bâruc ringe was&#039;&#039; (106,30)) dargestellt, aber gleichzeitig wird ihr Unwissen über die christliche Religion präsentiert. In der Forschung wird diese Darstellung so gedeutet, dass auf diese Weise Wolframs Bewunderung des Orients zu Tage trete. [Kellner 2009: 33] In Bezug darauf, lässt sich diese Textstelle in die von Raucheisen beschriebene Entwicklung einordnen, dass sich das Bild der Heiden durch die beginnende Ablösung höfischer Literatur von der Kirche veränderte. Die Heiden irren zwar stets in ihrem Glauben, aber es werden zunehmend ihre ritterlichen Qualitäten betont. [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Cundrie ====&lt;br /&gt;
Besonders deutlich wird das Aufeinandertreffen der Kulturen in Form von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]]. Durch ihre [[Das wilde-Motiv im Parzival|wilde]] Erscheinung wird sie bei ihrem ersten Auftreten schon rein durch ihr Äußerliches (313-314,10) von der höfischen Welt abgegrenzt. Durch diese sehr ausdrucksstarke Beschreibung wirkt sie trotz ihrer Bildung (314,20) [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|fremd]]. Manuela Schotte sieht darin die Besonderheit in dieser Szene, in der Cundrie von Außen an den Artushof kommt und Parzival anklagt (314,26-30). Denn aufgrund ihrer Fremdheit und der gleichzeitigen Tugendhaftigheit ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 318,9) eigne sie sich besonders dafür, in die Rolle der Anklägerin zu schlüpfen. Ihre moralische Stärke legitimiere sie dabei als Heidin Kritik zu äußern, die von den Rezipienten ernst genommen geworden sei.[Schotte 2009: 82f.] Die Begegnung von Figuren aus den verschiedenen Kulturen eröffnet somit einen Raum, in dem Kritik an der höfischen Welt geübt werden kann. Dabei geht es nach Jörn Reichel nicht darum, die prinzipiell die tradierten höfischen Normen zu verneinen, &amp;quot;sondern um die Überprüfung ihrer Tragfähigkeit in einer konkreten Situation&amp;quot;. [Reichel 1976: 392]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf wird [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, weiterhin von der christlichen Welt abgegrenzt. Ganz im Gegenteil, sie wird ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] und übernimmt sogar die besonders wichtige Aufgabe der Gralsbotin (781f.). Diese Veränderung ihrer Position spiegelt sich auch in ihrer Erscheinung wieder. So trägt sie einerseits das [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswappen]] (780,13) und andererseits beschreibt Wolfram ihr Äußeres zwar als wild, aber keineswegs abwertend (780,18-26). Hinsichtlich ihrer Rolle als moralische Bewertungsinstanz ist hier eine Einschränkung ihrer Rolle zu vermerken. Denn sie stellt fest, dass sie mit ihrer vorherigen Anklage geirrt hat und entschuldigt sich bei [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Parzival (799,28-780,29). Schotte folgert hieraus, dass aus der Revidierung der Aussagen Cundries eine große Aufwertung und Bestätigung der christlichen Charaktere folge. Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundries Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009: 85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Feirefiz ====&lt;br /&gt;
Die Gestalt des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] nimmt mit Blick auf die Begegnung der Kulturen eine besondere Stellung ein. Die anderen heidnischen Figuren nehmen nur christliche Verhaltensweisen an, bei Feirefiz hingegen findet sogar eine genealogische Verbindung statt.  Dies zeigt auch an seiner äußeren Erscheinung, insbesondere seiner Hautfarbe (&#039;&#039;wiz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; 57,18). Das Aufeinandertreffen der Kulturen spielt bei jedem Auftreten von Feirefiz eine wichtige Rolle. Besonders aber bei seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] und bei seinem Kampf gegen Parzival. Letzterer soll nun exemplarisch für viele andere Szenen, in denen Feirefiz auf das Christentum trifft, auf die Funktion der Berührung der Kulturen hin analysiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf der beiden [[Parzival und Feirefiz|Brüder]] wird von Wolfram so eingeführt: &#039;&#039;nune mac ich disen heiden vom getouften niht gescheiden&#039;&#039; (738,11f.). Der Autor macht dadurch kenntlich, dass das Aufeinandertreffen für ihn unvermeidlich ist. Allerdings geht es nicht nur um die zwei Figuren, sondern auch um die unterschiedlichen Kulturen. Deutlich wird dies dadurch, dass wie eben häufig von dem &#039;&#039;heiden&#039;&#039; und dem &#039;&#039;getouften&#039;&#039; die Rede ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitere Beispiele hierfür: 740,13f.; 742,16; 745,13 uvm.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig wird anhand dessen auch der größte Unterschied zwischen den Brüdern markiert - die [[Religion im parzival|Religion]]. Mit Blick auf die literarische Tradition könnte in dem Kampf nun erwartet werden, dass der Heide dem Christen unterliegt, da letzterer ja unter dem Schutz Gottes steht und durch die ritterliche Schulung besser ausgebildet ist. Im Bruderkampf geschieht dies jedoch nicht. Denn obwohl Feirefiz im Orient aufgewachsen ist, scheint er alle [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ritterlichen Tugenden]] ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 745,21f.; &#039;&#039;manheit [..] zuht&#039;&#039; 745,10) und Fähigkeiten zu besitzen. An einer Stelle schreibt Wolfram sogar, dass er &#039;&#039;höfschliche&#039;&#039; sprach (744,26). Hier wird dem Heiden Feirefiz eine höfische Verhaltensweise attestiert, was darauf hindeutet, dass er dies bereits in seiner Erziehung beigebracht bekam. Unter Einbezug der Figur [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacanes]] ist dies mehr als wahrscheinlich, da diese selbst alle Verhaltensweisen einer höfischen Dame kennt. Feirefiz besitzt jedoch nicht nur eine höfische Ausbildung wie es scheint, sondern er ermahnt Parzival sogar, seine &#039;&#039;zühte&#039;&#039; anzustrengen (747,20). Für die Rezipienten muss die Ermahnung eines Christen durch einen Heiden sehr paradox gewirkt haben. Der [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremde]] kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;.[Kellner 2009: 41]&amp;lt;ref&amp;gt;Kellner bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Arbeiten von Alfred Schütz, s. Schütz, Alfred: Grundzüge einer Theorie des Selbstverstehens, in: Ders.: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt a.M. 1974, S. 137-197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Funktion des Aufeinandertreffens der Kulturen in Form des Bruderkampfes wäre also die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Identität, was jedoch viel mehr eine Funktion auf der Ebene des Rezipienten ist als auf der Handlungsebene. &lt;br /&gt;
Auf der Handlungsebene besitzt diese Szene jedoch auch eine sehr wichtige Funktion. Wie bereits angesprochen, ist der  größte Unterschied in dieser Szene, dass Feirefiz nicht getauft ist. Im Weiteren wird dieser jedoch noch getauft (818,13ff.). Nun kann angenommen werden, dass sich der Heide Feirefiz in dem Kampf mit seinem Bruder in christlichen Qualitäten, wie der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] beweisen kann, die für die [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] notwendig sind. Daher könnte gesagt werden, dass das kriegerische Aufeinandertreffen der Kulturen an dieser Stelle dazu da ist, die spätere [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] zu rechtfertigen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf diese Szene kann festgehalten werden, dass die wichtigste Funktion der Begegnung der Kulturen in Gestalt von Feirefiz  die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, durch das Implementieren des Eigenen in eine fremde Figur, ist. So ist wohl auch Beate Kellners These zu verstehen: &#039;&#039;&amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um die Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot;&#039;&#039;[Kellner 2009: 37f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Extradiegetische Ebene === &lt;br /&gt;
Nicht nur in der erzählten Welt selbst, sondern auch in Bezug auf das Wissen über diese, spielt das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur eine entscheidende Rolle und zwar in Bezug auf die Frage nach der Herkunft des Wissens über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]]. Wolfram gibt an, dass die erste Person, die das Wissen um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] niederschrieb der Heide [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Flegetanis]] gewesen sei (453, 25-30). Interessant ist an dieser Stelle, dass Flegetanis, &#039;&#039;der ein kalp bette als ob ez waer ein got&#039;&#039; (454,2f.), gleichzeitig als &#039;&#039;wiser&#039;&#039; (454,5) bezeichnet wird. Seine Weisheit bzw. Bildung wird im Weiteren anhand seiner Kenntnis der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gestirne]], in denen er die Geschichte über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] las (454, 21ff.), veranschaulicht. Hervorzuheben ist nun, dass Flegetanis zwar als erster das Wissen über den Gral niederschrieb, dieses allerdings nicht verstand. Erst durch den getauften [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], der aus Toledo stammt, wurde die wahre Bedeutung erkannt (453,11-24). Die Frage, die sich nun stellt, ist die, warum Wolfram das Wissen über das christliche [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Symbol des Grals]] zunächst von einem Heiden aufschreiben lässt, um es erst dann von einem Christen durchschauen zu lassen? Kathrin Chlench stellt dafür die These auf, dass Wolfram die Überlegenheit des Christentums -insbesondere die Fähigkeit der inneren Erkenntnis nach Augustinus- darstellen und gleichzeitig seine Wertschätzung der heidnischen Bildung, vor allem der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Astrologie]], zum Ausdruck bringen wollte. [Chlench 2014: 73] Um diese Bewunderung der heidnischen Kultur zum Ausdruck bringen zu können, betont der Autor die Fähigkeiten des Individuums Flegetanis und wertet gleichzeitig die Religion ab. In Bezug auf die von Alfred Raucheisen beschriebene Entwicklung der Heidendarstellung im Laufe der Kreuzzüge, könnte diese Stelle exemplarisch für die Offenheit gegenüber der anderen Kultur und den gleichzeitig fortexistierenden Vorbehalten und abwertenden Motiven gegenüber dem Heidentum stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ebene der Rezipienten ===&lt;br /&gt;
Bei der Ebene des [[Adressaten des Parzivals|Rezipienten]] geht es um die Auseinandersetzung zwischen den realen Hörern mit dem von ihnen gehörten Inhalt. Genauer geht es hier, um die Konfrontation der christlichen Rezipienten von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit den Situationen, in denen Heiden vorkommen. Sowohl auf intradiegetischer Ebene als auch auf der extradiegetischen Ebene hat sich gezeigt, dass die Heiden positiv dargestellt werden und ihr einiger Makel meist der Glaube ist. Insbesondere die beschriebene moralische Vortrefflichkeit der Nicht-Christen fällt dabei auf. Doch hier ergibt sich nun ein Problem, denn durch ihr gutes Verhalten erfüllen die Heiden im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht die ihnen sonst zugeschriebene Rolle des Verwerflichen. Für die Protagonisten selbst scheint dies kein Problem darzustellen, beispielsweise bei [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der sich ohne zu zögern taufen lässt. Kathrin Chlench setzt nun an diesem Punkt an und behauptet, dass die Diskrepanz zwischen Verhalten und Rollenidentität der Heiden zu. Durch die fehlende Bewertung dieses Unterschiedes würde der Rezipient dazu aufgefordert werden, sich mit der Hybriden Identität auseinanderzusetzen. [Chlench 2014: 74].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Es wurde nun an vielen Stellen das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur analysiert. Wie sich gezeigt hat, ist die Frage, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt, nicht eindeutig zu beantworten. Beispielsweise kann Gahmurets Begegnung mit dem Baruc so bewertet werden, dass durch den heidnischen Herrscher ein alternatives Herrschaftskonzept präsentiert wird. Die Funktion wäre also so etwas wie das Erzeugen einer Alteritätserfahrung. Gleichzeitig ist die  vermeintliche Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Heidentum stets präsent, wie sich bei dem Kyot-Exkurs an der Fähigkeit zur Erkenntnis zeigt. Bei der ambivalenten Figur der Cundrie kann dagegen davon ausgegangen werden, dass sie die völlige Verschmelzung der Kulturen in Form von Feirefiz vorbereitet. Insgesamt ist jedoch die wichtigste Funktion des Aufeinandertreffens der Figuren in der Auseinandersetzung der Rezipienten mit sich selbst auszumachen. Dies wird erst möglich, in dem Wolfram den heidnischen Charakteren christliche und höfische Attribute verleiht. Was weniger die intendierte Funktion des Autors betrifft, sondern viel mehr den mentalitätsgeschichtlichen Wert des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; ist, dass deutlich das sich wandelnde Bild des Orients zu Tage kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Chlench 2014]Chlench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009]Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’, in: Ludger Grenzmann et al. (Hgg.):&lt;br /&gt;
Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bd. 1: Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Berlin/NewYork 2009  S. 23-50.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*LexMa 2003] Kreuzzüge, IV. Der 4. Kreuzzug, in: LexMA Bd.4, München 2003, Sp. 1512. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997]Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland. Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm, Frankfurt a.M./New York 1997.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichel 1976]Reichel, Jörn: Willehalm und die höfische Welt, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte Bd. 70 (1976), S. 399-409.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Heidentum]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21671</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T15:06:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrie verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass Parzival am Ende völlig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Man könnte daran anknüpfend gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich festhalten, dass zumindest in den untersuchten Textstellen sowohl finale als auch kausale Motivation vorkommt. Beide Arten scheinen sich nicht auszuschließen, auch wenn die finale Motivation im Vordergrund steht. Die kausale Motivierung wirkt in dem Sinne vor allem unterstützend, allerdings auch lückenhaft, was gegen eine vordergründige Kausalität spricht. Hinsichtlich der kompositorischen Motivierung ist zu sagen, dass in den angesprochenen Szenen keine zu finden ist, was nicht bedeutet, dass sie nirgends im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21670</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21670"/>
		<updated>2015-07-11T15:01:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig (796,17) hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Jolie-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrie verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99] Dem entgegen steht jedoch die Tatsache, dass Parzival am Ende völlig rehabilitiert ist und erst dadurch, dass er Gottes Gnade zwischenzeitlich verloren hatte, nun durch seine Vorbildlichkeit im Glauben hervorsticht. Besonders markant ist dies an der Stelle, an der Parzival Gott für seine Gnade dankt: &#039;&#039;got vil tougen hât. wer gesaz ie an sînen rât, ode wer weiz ende sîner kraft?&#039;&#039; (797,18ff.). Man könnte daran anknüpfend gegen Stürmer-Caysas These argumentieren, dass der Erzähler als finale Instanz Parzival die Schuld nicht aus kausal-logischen Zusammenhängen aufgebürdet hat, sondern um seine Tugenden am Ende herauszustellen. &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letzterer die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21665</id>
		<title>Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21665"/>
		<updated>2015-07-11T14:46:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Historischer Hintergrund */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] präsentiert in seinem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die heidnische Welt des Orientalen als tugendhaft und vollkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verleiht ihr moralisch hoch angesehene Akteure, wie [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]. Diese Darstellung ist mit Blick auf die literarische Tradition durchaus ungewöhnlich, da Heiden sonst als moralisch verwerflichen Gegenentwurf zum Abendland präsentiert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Die hier angewendete Definition des Orients ist die von Paul Kunitzsch, der den &amp;quot;zeitgenössischen mittelalterlichen Orient, d.h. die islamische Welt, die ja immer die fremde, feindliche, exotische Gegenwelt zu der bekannten heimischen Umwelt der Dichter darstellt[e].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere in den Gahmuret-Büchern findet jedoch keine derartige Abgrenzung zwischen Heiden und Christen statt. Vielmehr wird eine Liebesbeziehung eingegangen, aus der ein Kind entsteht. &lt;br /&gt;
Der Artikel befasst sich damit, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt. Wichtig ist dabei, den historischen Kontext zu beachten, der im Gegensatz zu Wolframs Handlung von gewaltsamen Konfrontationen heidnischer und christlicher Kultur –in Form der Kreuzzüge- geprägt war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historischer Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Ist der Entstehungszeitraum des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts richtig datiert, so fällt er in den Zeitraum des vierten Kreuzzuges (1202-1204). Im Zuge dieses Kreuzzuges, der von Papst Innozenz III. angestoßen wurde, eroberten die Kreuzfahrer Konstantinopel und ganz Griechenland. [LexMa 2003: Sp.5012] Die Kreuzzüge wirkten sich in Bezug auf die ritterlich-höfische Literatur auch in soweit aus, dass Heiden vornehmlich in kriegerischen Situationen auftauchen, wobei es sich nicht nur um interkulturelle sondern auch um intrakulturelle Auseinandersetzungen handelt. [Schotte 2009: 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Tradition ==&lt;br /&gt;
In mittelalterlicher Literatur existierten von Beginn an Darstellungen des Orients. Bis zu den Kreuzzügen entnahmen die Autoren ihr Wissen vor allem aus antiken Quellen und der christlichen Kirchenlehre. Mit Beginn der Kreuzzüge wurde vor allem darauf Wert gelegt, das Christentum als die einzig richtige Religion zu charakterisieren und heidnische Religionen abzuwerten. Dabei wurden Heiden vor allem äußerlich als hässlich und märchenhaft dargestellt. Ebenso wurde den Heiden generell eine dunkle Hautfarbe zugesprochen, die als ein Verweis auf die Hölle angesehen wurde. Walther von der Vogelweide ging sogar so weit, dass er den Teufel als &#039;&#039;hellemor&#039;&#039; bezeichnete. [Raucheisen 1997: 49ff.] Aufgrund der Kreuzzüge und des sich ausweitenden Handels zwischen Orient und Okzident, löste sich das literarische Bild der Heiden in den ritterlich-höfischen Romanen zunehmend von den kirchlichen Vorstellungen ab. Zeitgemäß wurden die Heiden aufgrund ihrer Religion weiterhin als grundsätzlich verdammt bezeichnet, in der Literatur wurde aber zunehmend Wert auf die höfischen und ritterlichen Verhaltensweisen gelegt. Trotz dieser zunehmenden Offenheit, blieben dennoch die typischen Motive des schlechten und hässlichen Heiden bestehen [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufeinandertreffen der Kulturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das Aufeinandertreffen der Kulturen findet, wie Kathrin Clench herausgearbeitet hat, auf drei verschiedenen Ebenen statt - intradiegetisch, extradiegetisch und auf der Ebene der Rezipienten. [Chlench 2014] Diese Einteilung dient im Weiteren als Orientierung. Im Folgenden werden nun die Berührungspunkte der Kulturen dahingehend analysiert, welche Funktion sie für ihre jeweilige Ebene besitzen. Abschließend findet eine Gesamtbewertung der Darstellung Wolframs statt, die die Ergebnisse in die historische Situation und die literarische Tradition einordnet. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Intradiegetische Ebene ===&lt;br /&gt;
Hier sollen die Berührungspunkte der Kulturen auf der intradiegetischen Ebene, also innerhalb der erzählten Welt, hinsichtlich ihrer Darstellung und Funktion analysiert werden. Da sich Christen und Heiden an vielzähligen Stellen begegnen, werden im Weiteren nur exemplarische Stellen untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gahmuret und der Bâruc ====&lt;br /&gt;
Bereits zu Beginn des Romans findet ein Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur statt und zwar durch den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orientaufenthalt]] Gahmurets. Hier sind besonders zwei Aspekte interessant, einerseits Gahmurets [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldnerdienst beim Bâruc]] (14,10) und andererseits seine Beziehung mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Auf letzteres soll an dieser Stelle vorerst nicht eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk hier auf dem Söldnerdienst des christlichen Ritters liegt. &lt;br /&gt;
Gahmuret beschließt den mächtigsten Herrscher der Welt aufzusuchen – den heidnischen König Bâruc (13,20ff.). Jener wird von Wolfram allerdings nicht nur als mächtig in Bezug auf [[Gegenüberstellung der Herrschaftskonzenptionen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|weltliche Herrschaft]] dargestellt, sondern auch durch die Analogie zum [[Religion im parzival|Papst]] als religiöser Herrscher (13,26ff.). Beate Kellner interpretiert die Figur des Bârucs so, dass &#039;&#039;„der bâruc, […], zum hybriden Konstrukt [wird], in dem sich Christliches und Islamischen verschränken“&#039;&#039;. [Kellner 2009: 29] Hingegen sieht Alfred Raucheisen hier weniger eine Verschränkung als eine Gegenüberstellung der Kulturen. Er argumentiert, dass der Bâruc den Typus einer vorbildlichen und weit entwickelten Herrschaft repräsentiere. Somit handle es sich nicht um eine Verschränkung, sondern um die Repräsentierung eines positiven Gegenentwurfs zu christlichen Herrschaftsstrukturen, die die Bewunderung der fortgeschrittenen Feudalstruktur im Orient durch die deutschen Ritter ausdrücke. [Raucheisen 1997: 65ff.] &lt;br /&gt;
Nicht nur bei Gahmurets Eintritt in die orientale Welt, sondern auch bei seinem Austritt – genauer seinem Tod – treffen die heidnische und christliche Kultur aufeinander. Der tote Ritter bekommt von Bâruc ein christliches Begräbnis. Deutlich wird dies vor allem an dem Kreuz, das auf Gahmurets Grab angebracht wird (107,10). Allerdings wird betont, dass &#039;&#039;„ir orden kan niht kriouzes phlegn“&#039;&#039; (107,17). Die Heiden werden hier zwar als sehr gönnerhaft (&#039;&#039;diu kost dem bâruc ringe was&#039;&#039; (106,30)) dargestellt, aber gleichzeitig wird ihr Unwissen über die christliche Religion präsentiert. In der Forschung wird diese Darstellung so gedeutet, dass auf diese Weise Wolframs Bewunderung des Orients zu Tage trete. [Kellner 2009: 33] In Bezug darauf, lässt sich diese Textstelle in die von Raucheisen beschriebene Entwicklung einordnen, dass sich das Bild der Heiden durch die beginnende Ablösung höfischer Literatur von der Kirche veränderte. Die Heiden irren zwar stets in ihrem Glauben, aber es werden zunehmend ihre ritterlichen Qualitäten betont. [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Cundrie ====&lt;br /&gt;
Besonders deutlich wird das Aufeinandertreffen der Kulturen in Form von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]]. Durch ihre [[Das wilde-Motiv im Parzival|wilde]] Erscheinung wird sie bei ihrem ersten Auftreten schon rein durch ihr Äußerliches (313-314,10) von der höfischen Welt abgegrenzt. Durch diese sehr ausdrucksstarke Beschreibung wirkt sie trotz ihrer Bildung (314,20) [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|fremd]]. Manuela Schotte sieht darin die Besonderheit in dieser Szene, in der Cundrie von Außen an den Artushof kommt und Parzival anklagt (314,26-30). Denn aufgrund ihrer Fremdheit und der gleichzeitigen Tugendhaftigheit ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 318,9) eigne sie sich besonders dafür, in die Rolle der Anklägerin zu schlüpfen. Ihre moralische Stärke legitimiere sie dabei als Heidin Kritik zu äußern, die von den Rezipienten ernst genommen geworden sei.[Schotte 2009: 82f.] Die Begegnung von Figuren aus den verschiedenen Kulturen eröffnet somit einen Raum, in dem Kritik an der höfischen Welt geübt werden kann. Dabei geht es nach Jörn Reichel nicht darum, die prinzipiell die tradierten höfischen Normen zu verneinen, &amp;quot;sondern um die Überprüfung ihrer Tragfähigkeit in einer konkreten Situation&amp;quot;. [Reichel 1976: 392]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf wird [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, weiterhin von der christlichen Welt abgegrenzt. Ganz im Gegenteil, sie wird ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] und übernimmt sogar die besonders wichtige Aufgabe der Gralsbotin (781f.). Diese Veränderung ihrer Position spiegelt sich auch in ihrer Erscheinung wieder. So trägt sie einerseits das [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswappen]] (780,13) und andererseits beschreibt Wolfram ihr Äußeres zwar als wild, aber keineswegs abwertend (780,18-26). Hinsichtlich ihrer Rolle als moralische Bewertungsinstanz ist hier eine Einschränkung ihrer Rolle zu vermerken. Denn sie stellt fest, dass sie mit ihrer vorherigen Anklage geirrt hat und entschuldigt sich bei [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Parzival (799,28-780,29). Schotte folgert hieraus, dass aus der Revidierung der Aussagen Cundries eine große Aufwertung und Bestätigung der christlichen Charaktere folge. Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundries Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009: 85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Feirefiz ====&lt;br /&gt;
Die Gestalt des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] nimmt mit Blick auf die Begegnung der Kulturen eine besondere Stellung ein. Die anderen heidnischen Figuren nehmen nur christliche Verhaltensweisen an, bei Feirefiz hingegen findet sogar eine genealogische Verbindung statt.  Dies zeigt auch an seiner äußeren Erscheinung, insbesondere seiner Hautfarbe (&#039;&#039;wiz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; 57,18). Das Aufeinandertreffen der Kulturen spielt bei jedem Auftreten von Feirefiz eine wichtige Rolle. Besonders aber bei seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] und bei seinem Kampf gegen Parzival. Letzterer soll nun exemplarisch für viele andere Szenen, in denen Feirefiz auf das Christentum trifft, auf die Funktion der Berührung der Kulturen hin analysiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf der beiden [[Parzival und Feirefiz|Brüder]] wird von Wolfram so eingeführt: &#039;&#039;nune mac ich disen heiden vom getouften niht gescheiden&#039;&#039; (738,11f.). Der Autor macht dadurch kenntlich, dass das Aufeinandertreffen für ihn unvermeidlich ist. Allerdings geht es nicht nur um die zwei Figuren, sondern auch um die unterschiedlichen Kulturen. Deutlich wird dies dadurch, dass wie eben häufig von dem &#039;&#039;heiden&#039;&#039; und dem &#039;&#039;getouften&#039;&#039; die Rede ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitere Beispiele hierfür: 740,13f.; 742,16; 745,13 uvm.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig wird anhand dessen auch der größte Unterschied zwischen den Brüdern markiert - die [[Religion im parzival|Religion]]. Mit Blick auf die literarische Tradition könnte in dem Kampf nun erwartet werden, dass der Heide dem Christen unterliegt, da letzterer ja unter dem Schutz Gottes steht und durch die ritterliche Schulung besser ausgebildet ist. Im Bruderkampf geschieht dies jedoch nicht. Denn obwohl Feirefiz im Orient aufgewachsen ist, scheint er alle [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ritterlichen Tugenden]] ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 745,21f.; &#039;&#039;manheit [..] zuht&#039;&#039; 745,10) und Fähigkeiten zu besitzen. An einer Stelle schreibt Wolfram sogar, dass er &#039;&#039;höfschliche&#039;&#039; sprach (744,26). Hier wird dem Heiden Feirefiz eine höfische Verhaltensweise attestiert, was darauf hindeutet, dass er dies bereits in seiner Erziehung beigebracht bekam. Unter Einbezug der Figur [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacanes]] ist dies mehr als wahrscheinlich, da diese selbst alle Verhaltensweisen einer höfischen Dame kennt. Feirefiz besitzt jedoch nicht nur eine höfische Ausbildung wie es scheint, sondern er ermahnt Parzival sogar, seine &#039;&#039;zühte&#039;&#039; anzustrengen (747,20). Für die Rezipienten muss die Ermahnung eines Christen durch einen Heiden sehr paradox gewirkt haben. Der [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremde]] kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;.[Kellner 2009: 41]&amp;lt;ref&amp;gt;Kellner bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Arbeiten von Alfred Schütz, s. Schütz, Alfred: Grundzüge einer Theorie des Selbstverstehens, in: Ders.: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt a.M. 1974, S. 137-197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Funktion des Aufeinandertreffens der Kulturen in Form des Bruderkampfes wäre also die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Identität, was jedoch viel mehr eine Funktion auf der Ebene des Rezipienten ist als auf der Handlungsebene. &lt;br /&gt;
Auf der Handlungsebene besitzt diese Szene jedoch auch eine sehr wichtige Funktion. Wie bereits angesprochen, ist der  größte Unterschied in dieser Szene, dass Feirefiz nicht getauft ist. Im Weiteren wird dieser jedoch noch getauft (818,13ff.). Nun kann angenommen werden, dass sich der Heide Feirefiz in dem Kampf mit seinem Bruder in christlichen Qualitäten, wie der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] beweisen kann, die für die [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] notwendig sind. Daher könnte gesagt werden, dass das kriegerische Aufeinandertreffen der Kulturen an dieser Stelle dazu da ist, die spätere [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] zu rechtfertigen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf diese Szene kann festgehalten werden, dass die wichtigste Funktion der Begegnung der Kulturen in Gestalt von Feirefiz  die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, durch das Implementieren des Eigenen in eine fremde Figur, ist. So ist wohl auch Beate Kellners These zu verstehen: &#039;&#039;&amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um die Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot;&#039;&#039;[Kellner 2009: 37f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Extradiegetische Ebene === &lt;br /&gt;
Nicht nur in der erzählten Welt selbst, sondern auch in Bezug auf das Wissen über diese, spielt das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur eine entscheidende Rolle und zwar in Bezug auf die Frage nach der Herkunft des Wissens über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]]. Wolfram gibt an, dass die erste Person, die das Wissen um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] niederschrieb der Heide [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Flegetanis]] gewesen sei (453, 25-30). Interessant ist an dieser Stelle, dass Flegetanis, &#039;&#039;der ein kalp bette als ob ez waer ein got&#039;&#039; (454,2f.), gleichzeitig als &#039;&#039;wiser&#039;&#039; (454,5) bezeichnet wird. Seine Weisheit bzw. Bildung wird im Weiteren anhand seiner Kenntnis der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gestirne]], in denen er die Geschichte über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] las (454, 21ff.), veranschaulicht. Hervorzuheben ist nun, dass Flegetanis zwar als erster das Wissen über den Gral niederschrieb, dieses allerdings nicht verstand. Erst durch den getauften Kyot, der aus Toledo stammt, wurde die wahre Bedeutung erkannt (453,11-24). Die Frage, die sich nun stellt, ist die, warum Wolfram das Wissen über das christliche [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Symbol des Grals]] zunächst von einem Heiden aufschreiben lässt, um es erst dann von einem Christen durchschauen zu lassen? Kathrin Chlench stellt dafür die These auf, dass Wolfram die Überlegenheit des Christentums -insbesondere die Fähigkeit der inneren Erkenntnis nach Augustinus- darstellen und gleichzeitig seine Wertschätzung der heidnischen Bildung, vor allem der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Astrologie]], zum Ausdruck bringen wollte. [Chlench 2014: 73] Um diese Bewunderung der heidnischen Kultur zum Ausdruck bringen zu können, betont der Autor die Fähigkeiten des Individuums Flegetanis und wertet gleichzeitig die Religion ab. In Bezug auf die von Alfred Raucheisen beschriebene Entwicklung der Heidendarstellung im Laufe der Kreuzzüge, könnte diese Stelle exemplarisch für die Offenheit gegenüber der anderen Kultur und den gleichzeitig fortexistierenden Vorbehalten und abwertenden Motiven gegenüber dem Heidentum stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ebene der Rezipienten ===&lt;br /&gt;
Bei der Ebene des [[Adressaten des Parzivals|Rezipienten]] geht es um die Auseinandersetzung zwischen den realen Hörern mit dem von ihnen gehörten Inhalt. Genauer geht es hier, um die Konfrontation der christlichen Rezipienten von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit den Situationen, in denen Heiden vorkommen. Sowohl auf intradiegetischer Ebene als auch auf der extradiegetischen Ebene hat sich gezeigt, dass die Heiden positiv dargestellt werden und ihr einiger Makel meist der Glaube ist. Insbesondere die beschriebene moralische Vortrefflichkeit der Nicht-Christen fällt dabei auf. Doch hier ergibt sich nun ein Problem, denn durch ihr gutes Verhalten erfüllen die Heiden im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht die ihnen sonst zugeschriebene Rolle des Verwerflichen. Für die Protagonisten selbst scheint dies kein Problem darzustellen, beispielsweise bei [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der sich ohne zu zögern taufen lässt. Kathrin Chlench setzt nun an diesem Punkt an und behauptet, dass die Diskrepanz zwischen Verhalten und Rollenidentität der Heiden zu. Durch die fehlende Bewertung dieses Unterschiedes würde der Rezipient dazu aufgefordert werden, sich mit der Hybriden Identität auseinanderzusetzen. [Chlench 2014: 74].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Es wurde nun an vielen Stellen das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur analysiert. Wie sich gezeigt hat, ist die Frage, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt, nicht eindeutig zu beantworten. Beispielsweise kann Gahmurets Begegnung mit dem Baruc so bewertet werden, dass durch den heidnischen Herrscher ein alternatives Herrschaftskonzept präsentiert wird. Die Funktion wäre also so etwas wie das Erzeugen einer Alteritätserfahrung. Gleichzeitig ist die  vermeintliche Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Heidentum stets präsent, wie sich bei dem Kyot-Exkurs an der Fähigkeit zur Erkenntnis zeigt. Bei der ambivalenten Figur der Cundrie kann dagegen davon ausgegangen werden, dass sie die völlige Verschmelzung der Kulturen in Form von Feirefiz vorbereitet. Insgesamt ist jedoch die wichtigste Funktion des Aufeinandertreffens der Figuren in der Auseinandersetzung der Rezipienten mit sich selbst auszumachen. Dies wird erst möglich, in dem Wolfram den heidnischen Charakteren christliche und höfische Attribute verleiht. Was weniger die intendierte Funktion des Autors betrifft, sondern viel mehr den mentalitätsgeschichtlichen Wert des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; ist, dass deutlich das sich wandelnde Bild des Orients zu Tage kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Chlench 2014]Chlench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009]Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’, in: Ludger Grenzmann et al. (Hgg.):&lt;br /&gt;
Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bd. 1: Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Berlin/NewYork 2009  S. 23-50.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*LexMa 2003] Kreuzzüge, IV. Der 4. Kreuzzug, in: LexMA Bd.4, München 2003, Sp. 1512. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997]Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland. Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm, Frankfurt a.M./New York 1997.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichel 1976]Reichel, Jörn: Willehalm und die höfische Welt, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte Bd. 70 (1976), S. 399-409.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21664</id>
		<title>Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21664"/>
		<updated>2015-07-11T14:45:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] präsentiert in seinem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die heidnische Welt des Orientalen als tugendhaft und vollkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verleiht ihr moralisch hoch angesehene Akteure, wie [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]. Diese Darstellung ist mit Blick auf die literarische Tradition durchaus ungewöhnlich, da Heiden sonst als moralisch verwerflichen Gegenentwurf zum Abendland präsentiert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Die hier angewendete Definition des Orients ist die von Paul Kunitzsch, der den &amp;quot;zeitgenössischen mittelalterlichen Orient, d.h. die islamische Welt, die ja immer die fremde, feindliche, exotische Gegenwelt zu der bekannten heimischen Umwelt der Dichter darstellt[e].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere in den Gahmuret-Büchern findet jedoch keine derartige Abgrenzung zwischen Heiden und Christen statt. Vielmehr wird eine Liebesbeziehung eingegangen, aus der ein Kind entsteht. &lt;br /&gt;
Der Artikel befasst sich damit, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt. Wichtig ist dabei, den historischen Kontext zu beachten, der im Gegensatz zu Wolframs Handlung von gewaltsamen Konfrontationen heidnischer und christlicher Kultur –in Form der Kreuzzüge- geprägt war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historischer Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Ist der Entstehungszeitraum des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts richtig datiert, so fällt er in den Zeitraum des vierten Kreuzzuges (1202-1204). Im Zuge dieses Kreuzzuges, der von Papst Innozenz III. angestoßen wurde, eroberten die Kreuzfahrer Konstantinopel und ganz Griechenland. [LexMa 2008: Sp.5012] Die Kreuzzüge wirkten sich in Bezug auf die ritterlich-höfische Literatur auch in soweit aus, dass Heiden vornehmlich in kriegerischen Situationen auftauchen, wobei es sich nicht nur um interkulturelle sondern auch um intrakulturelle Auseinandersetzungen handelt. [Schotte 2009: 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Tradition ==&lt;br /&gt;
In mittelalterlicher Literatur existierten von Beginn an Darstellungen des Orients. Bis zu den Kreuzzügen entnahmen die Autoren ihr Wissen vor allem aus antiken Quellen und der christlichen Kirchenlehre. Mit Beginn der Kreuzzüge wurde vor allem darauf Wert gelegt, das Christentum als die einzig richtige Religion zu charakterisieren und heidnische Religionen abzuwerten. Dabei wurden Heiden vor allem äußerlich als hässlich und märchenhaft dargestellt. Ebenso wurde den Heiden generell eine dunkle Hautfarbe zugesprochen, die als ein Verweis auf die Hölle angesehen wurde. Walther von der Vogelweide ging sogar so weit, dass er den Teufel als &#039;&#039;hellemor&#039;&#039; bezeichnete. [Raucheisen 1997: 49ff.] Aufgrund der Kreuzzüge und des sich ausweitenden Handels zwischen Orient und Okzident, löste sich das literarische Bild der Heiden in den ritterlich-höfischen Romanen zunehmend von den kirchlichen Vorstellungen ab. Zeitgemäß wurden die Heiden aufgrund ihrer Religion weiterhin als grundsätzlich verdammt bezeichnet, in der Literatur wurde aber zunehmend Wert auf die höfischen und ritterlichen Verhaltensweisen gelegt. Trotz dieser zunehmenden Offenheit, blieben dennoch die typischen Motive des schlechten und hässlichen Heiden bestehen [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufeinandertreffen der Kulturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das Aufeinandertreffen der Kulturen findet, wie Kathrin Clench herausgearbeitet hat, auf drei verschiedenen Ebenen statt - intradiegetisch, extradiegetisch und auf der Ebene der Rezipienten. [Chlench 2014] Diese Einteilung dient im Weiteren als Orientierung. Im Folgenden werden nun die Berührungspunkte der Kulturen dahingehend analysiert, welche Funktion sie für ihre jeweilige Ebene besitzen. Abschließend findet eine Gesamtbewertung der Darstellung Wolframs statt, die die Ergebnisse in die historische Situation und die literarische Tradition einordnet. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Intradiegetische Ebene ===&lt;br /&gt;
Hier sollen die Berührungspunkte der Kulturen auf der intradiegetischen Ebene, also innerhalb der erzählten Welt, hinsichtlich ihrer Darstellung und Funktion analysiert werden. Da sich Christen und Heiden an vielzähligen Stellen begegnen, werden im Weiteren nur exemplarische Stellen untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gahmuret und der Bâruc ====&lt;br /&gt;
Bereits zu Beginn des Romans findet ein Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur statt und zwar durch den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orientaufenthalt]] Gahmurets. Hier sind besonders zwei Aspekte interessant, einerseits Gahmurets [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldnerdienst beim Bâruc]] (14,10) und andererseits seine Beziehung mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Auf letzteres soll an dieser Stelle vorerst nicht eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk hier auf dem Söldnerdienst des christlichen Ritters liegt. &lt;br /&gt;
Gahmuret beschließt den mächtigsten Herrscher der Welt aufzusuchen – den heidnischen König Bâruc (13,20ff.). Jener wird von Wolfram allerdings nicht nur als mächtig in Bezug auf [[Gegenüberstellung der Herrschaftskonzenptionen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|weltliche Herrschaft]] dargestellt, sondern auch durch die Analogie zum [[Religion im parzival|Papst]] als religiöser Herrscher (13,26ff.). Beate Kellner interpretiert die Figur des Bârucs so, dass &#039;&#039;„der bâruc, […], zum hybriden Konstrukt [wird], in dem sich Christliches und Islamischen verschränken“&#039;&#039;. [Kellner 2009: 29] Hingegen sieht Alfred Raucheisen hier weniger eine Verschränkung als eine Gegenüberstellung der Kulturen. Er argumentiert, dass der Bâruc den Typus einer vorbildlichen und weit entwickelten Herrschaft repräsentiere. Somit handle es sich nicht um eine Verschränkung, sondern um die Repräsentierung eines positiven Gegenentwurfs zu christlichen Herrschaftsstrukturen, die die Bewunderung der fortgeschrittenen Feudalstruktur im Orient durch die deutschen Ritter ausdrücke. [Raucheisen 1997: 65ff.] &lt;br /&gt;
Nicht nur bei Gahmurets Eintritt in die orientale Welt, sondern auch bei seinem Austritt – genauer seinem Tod – treffen die heidnische und christliche Kultur aufeinander. Der tote Ritter bekommt von Bâruc ein christliches Begräbnis. Deutlich wird dies vor allem an dem Kreuz, das auf Gahmurets Grab angebracht wird (107,10). Allerdings wird betont, dass &#039;&#039;„ir orden kan niht kriouzes phlegn“&#039;&#039; (107,17). Die Heiden werden hier zwar als sehr gönnerhaft (&#039;&#039;diu kost dem bâruc ringe was&#039;&#039; (106,30)) dargestellt, aber gleichzeitig wird ihr Unwissen über die christliche Religion präsentiert. In der Forschung wird diese Darstellung so gedeutet, dass auf diese Weise Wolframs Bewunderung des Orients zu Tage trete. [Kellner 2009: 33] In Bezug darauf, lässt sich diese Textstelle in die von Raucheisen beschriebene Entwicklung einordnen, dass sich das Bild der Heiden durch die beginnende Ablösung höfischer Literatur von der Kirche veränderte. Die Heiden irren zwar stets in ihrem Glauben, aber es werden zunehmend ihre ritterlichen Qualitäten betont. [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Cundrie ====&lt;br /&gt;
Besonders deutlich wird das Aufeinandertreffen der Kulturen in Form von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]]. Durch ihre [[Das wilde-Motiv im Parzival|wilde]] Erscheinung wird sie bei ihrem ersten Auftreten schon rein durch ihr Äußerliches (313-314,10) von der höfischen Welt abgegrenzt. Durch diese sehr ausdrucksstarke Beschreibung wirkt sie trotz ihrer Bildung (314,20) [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|fremd]]. Manuela Schotte sieht darin die Besonderheit in dieser Szene, in der Cundrie von Außen an den Artushof kommt und Parzival anklagt (314,26-30). Denn aufgrund ihrer Fremdheit und der gleichzeitigen Tugendhaftigheit ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 318,9) eigne sie sich besonders dafür, in die Rolle der Anklägerin zu schlüpfen. Ihre moralische Stärke legitimiere sie dabei als Heidin Kritik zu äußern, die von den Rezipienten ernst genommen geworden sei.[Schotte 2009: 82f.] Die Begegnung von Figuren aus den verschiedenen Kulturen eröffnet somit einen Raum, in dem Kritik an der höfischen Welt geübt werden kann. Dabei geht es nach Jörn Reichel nicht darum, die prinzipiell die tradierten höfischen Normen zu verneinen, &amp;quot;sondern um die Überprüfung ihrer Tragfähigkeit in einer konkreten Situation&amp;quot;. [Reichel 1976: 392]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf wird [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, weiterhin von der christlichen Welt abgegrenzt. Ganz im Gegenteil, sie wird ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] und übernimmt sogar die besonders wichtige Aufgabe der Gralsbotin (781f.). Diese Veränderung ihrer Position spiegelt sich auch in ihrer Erscheinung wieder. So trägt sie einerseits das [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswappen]] (780,13) und andererseits beschreibt Wolfram ihr Äußeres zwar als wild, aber keineswegs abwertend (780,18-26). Hinsichtlich ihrer Rolle als moralische Bewertungsinstanz ist hier eine Einschränkung ihrer Rolle zu vermerken. Denn sie stellt fest, dass sie mit ihrer vorherigen Anklage geirrt hat und entschuldigt sich bei [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Parzival (799,28-780,29). Schotte folgert hieraus, dass aus der Revidierung der Aussagen Cundries eine große Aufwertung und Bestätigung der christlichen Charaktere folge. Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundries Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009: 85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Feirefiz ====&lt;br /&gt;
Die Gestalt des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] nimmt mit Blick auf die Begegnung der Kulturen eine besondere Stellung ein. Die anderen heidnischen Figuren nehmen nur christliche Verhaltensweisen an, bei Feirefiz hingegen findet sogar eine genealogische Verbindung statt.  Dies zeigt auch an seiner äußeren Erscheinung, insbesondere seiner Hautfarbe (&#039;&#039;wiz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; 57,18). Das Aufeinandertreffen der Kulturen spielt bei jedem Auftreten von Feirefiz eine wichtige Rolle. Besonders aber bei seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] und bei seinem Kampf gegen Parzival. Letzterer soll nun exemplarisch für viele andere Szenen, in denen Feirefiz auf das Christentum trifft, auf die Funktion der Berührung der Kulturen hin analysiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf der beiden [[Parzival und Feirefiz|Brüder]] wird von Wolfram so eingeführt: &#039;&#039;nune mac ich disen heiden vom getouften niht gescheiden&#039;&#039; (738,11f.). Der Autor macht dadurch kenntlich, dass das Aufeinandertreffen für ihn unvermeidlich ist. Allerdings geht es nicht nur um die zwei Figuren, sondern auch um die unterschiedlichen Kulturen. Deutlich wird dies dadurch, dass wie eben häufig von dem &#039;&#039;heiden&#039;&#039; und dem &#039;&#039;getouften&#039;&#039; die Rede ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitere Beispiele hierfür: 740,13f.; 742,16; 745,13 uvm.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig wird anhand dessen auch der größte Unterschied zwischen den Brüdern markiert - die [[Religion im parzival|Religion]]. Mit Blick auf die literarische Tradition könnte in dem Kampf nun erwartet werden, dass der Heide dem Christen unterliegt, da letzterer ja unter dem Schutz Gottes steht und durch die ritterliche Schulung besser ausgebildet ist. Im Bruderkampf geschieht dies jedoch nicht. Denn obwohl Feirefiz im Orient aufgewachsen ist, scheint er alle [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ritterlichen Tugenden]] ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 745,21f.; &#039;&#039;manheit [..] zuht&#039;&#039; 745,10) und Fähigkeiten zu besitzen. An einer Stelle schreibt Wolfram sogar, dass er &#039;&#039;höfschliche&#039;&#039; sprach (744,26). Hier wird dem Heiden Feirefiz eine höfische Verhaltensweise attestiert, was darauf hindeutet, dass er dies bereits in seiner Erziehung beigebracht bekam. Unter Einbezug der Figur [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacanes]] ist dies mehr als wahrscheinlich, da diese selbst alle Verhaltensweisen einer höfischen Dame kennt. Feirefiz besitzt jedoch nicht nur eine höfische Ausbildung wie es scheint, sondern er ermahnt Parzival sogar, seine &#039;&#039;zühte&#039;&#039; anzustrengen (747,20). Für die Rezipienten muss die Ermahnung eines Christen durch einen Heiden sehr paradox gewirkt haben. Der [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremde]] kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;.[Kellner 2009: 41]&amp;lt;ref&amp;gt;Kellner bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Arbeiten von Alfred Schütz, s. Schütz, Alfred: Grundzüge einer Theorie des Selbstverstehens, in: Ders.: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt a.M. 1974, S. 137-197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Funktion des Aufeinandertreffens der Kulturen in Form des Bruderkampfes wäre also die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Identität, was jedoch viel mehr eine Funktion auf der Ebene des Rezipienten ist als auf der Handlungsebene. &lt;br /&gt;
Auf der Handlungsebene besitzt diese Szene jedoch auch eine sehr wichtige Funktion. Wie bereits angesprochen, ist der  größte Unterschied in dieser Szene, dass Feirefiz nicht getauft ist. Im Weiteren wird dieser jedoch noch getauft (818,13ff.). Nun kann angenommen werden, dass sich der Heide Feirefiz in dem Kampf mit seinem Bruder in christlichen Qualitäten, wie der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] beweisen kann, die für die [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] notwendig sind. Daher könnte gesagt werden, dass das kriegerische Aufeinandertreffen der Kulturen an dieser Stelle dazu da ist, die spätere [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] zu rechtfertigen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf diese Szene kann festgehalten werden, dass die wichtigste Funktion der Begegnung der Kulturen in Gestalt von Feirefiz  die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, durch das Implementieren des Eigenen in eine fremde Figur, ist. So ist wohl auch Beate Kellners These zu verstehen: &#039;&#039;&amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um die Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot;&#039;&#039;[Kellner 2009: 37f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Extradiegetische Ebene === &lt;br /&gt;
Nicht nur in der erzählten Welt selbst, sondern auch in Bezug auf das Wissen über diese, spielt das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur eine entscheidende Rolle und zwar in Bezug auf die Frage nach der Herkunft des Wissens über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]]. Wolfram gibt an, dass die erste Person, die das Wissen um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] niederschrieb der Heide [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Flegetanis]] gewesen sei (453, 25-30). Interessant ist an dieser Stelle, dass Flegetanis, &#039;&#039;der ein kalp bette als ob ez waer ein got&#039;&#039; (454,2f.), gleichzeitig als &#039;&#039;wiser&#039;&#039; (454,5) bezeichnet wird. Seine Weisheit bzw. Bildung wird im Weiteren anhand seiner Kenntnis der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gestirne]], in denen er die Geschichte über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] las (454, 21ff.), veranschaulicht. Hervorzuheben ist nun, dass Flegetanis zwar als erster das Wissen über den Gral niederschrieb, dieses allerdings nicht verstand. Erst durch den getauften Kyot, der aus Toledo stammt, wurde die wahre Bedeutung erkannt (453,11-24). Die Frage, die sich nun stellt, ist die, warum Wolfram das Wissen über das christliche [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Symbol des Grals]] zunächst von einem Heiden aufschreiben lässt, um es erst dann von einem Christen durchschauen zu lassen? Kathrin Chlench stellt dafür die These auf, dass Wolfram die Überlegenheit des Christentums -insbesondere die Fähigkeit der inneren Erkenntnis nach Augustinus- darstellen und gleichzeitig seine Wertschätzung der heidnischen Bildung, vor allem der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Astrologie]], zum Ausdruck bringen wollte. [Chlench 2014: 73] Um diese Bewunderung der heidnischen Kultur zum Ausdruck bringen zu können, betont der Autor die Fähigkeiten des Individuums Flegetanis und wertet gleichzeitig die Religion ab. In Bezug auf die von Alfred Raucheisen beschriebene Entwicklung der Heidendarstellung im Laufe der Kreuzzüge, könnte diese Stelle exemplarisch für die Offenheit gegenüber der anderen Kultur und den gleichzeitig fortexistierenden Vorbehalten und abwertenden Motiven gegenüber dem Heidentum stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ebene der Rezipienten ===&lt;br /&gt;
Bei der Ebene des [[Adressaten des Parzivals|Rezipienten]] geht es um die Auseinandersetzung zwischen den realen Hörern mit dem von ihnen gehörten Inhalt. Genauer geht es hier, um die Konfrontation der christlichen Rezipienten von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit den Situationen, in denen Heiden vorkommen. Sowohl auf intradiegetischer Ebene als auch auf der extradiegetischen Ebene hat sich gezeigt, dass die Heiden positiv dargestellt werden und ihr einiger Makel meist der Glaube ist. Insbesondere die beschriebene moralische Vortrefflichkeit der Nicht-Christen fällt dabei auf. Doch hier ergibt sich nun ein Problem, denn durch ihr gutes Verhalten erfüllen die Heiden im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht die ihnen sonst zugeschriebene Rolle des Verwerflichen. Für die Protagonisten selbst scheint dies kein Problem darzustellen, beispielsweise bei [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der sich ohne zu zögern taufen lässt. Kathrin Chlench setzt nun an diesem Punkt an und behauptet, dass die Diskrepanz zwischen Verhalten und Rollenidentität der Heiden zu. Durch die fehlende Bewertung dieses Unterschiedes würde der Rezipient dazu aufgefordert werden, sich mit der Hybriden Identität auseinanderzusetzen. [Chlench 2014: 74].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Es wurde nun an vielen Stellen das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur analysiert. Wie sich gezeigt hat, ist die Frage, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt, nicht eindeutig zu beantworten. Beispielsweise kann Gahmurets Begegnung mit dem Baruc so bewertet werden, dass durch den heidnischen Herrscher ein alternatives Herrschaftskonzept präsentiert wird. Die Funktion wäre also so etwas wie das Erzeugen einer Alteritätserfahrung. Gleichzeitig ist die  vermeintliche Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Heidentum stets präsent, wie sich bei dem Kyot-Exkurs an der Fähigkeit zur Erkenntnis zeigt. Bei der ambivalenten Figur der Cundrie kann dagegen davon ausgegangen werden, dass sie die völlige Verschmelzung der Kulturen in Form von Feirefiz vorbereitet. Insgesamt ist jedoch die wichtigste Funktion des Aufeinandertreffens der Figuren in der Auseinandersetzung der Rezipienten mit sich selbst auszumachen. Dies wird erst möglich, in dem Wolfram den heidnischen Charakteren christliche und höfische Attribute verleiht. Was weniger die intendierte Funktion des Autors betrifft, sondern viel mehr den mentalitätsgeschichtlichen Wert des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; ist, dass deutlich das sich wandelnde Bild des Orients zu Tage kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Chlench 2014]Chlench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009]Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’, in: Ludger Grenzmann et al. (Hgg.):&lt;br /&gt;
Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bd. 1: Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Berlin/NewYork 2009  S. 23-50.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*LexMa 2003] Kreuzzüge, IV. Der 4. Kreuzzug, in: LexMA Bd.4, München 2003, Sp. 1512. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997]Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland. Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm, Frankfurt a.M./New York 1997.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichel 1976]Reichel, Jörn: Willehalm und die höfische Welt, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte Bd. 70 (1976), S. 399-409.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21663</id>
		<title>Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Aufeinandertreffen_christlicher_und_heidnischer_Kultur&amp;diff=21663"/>
		<updated>2015-07-11T14:40:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] präsentiert in seinem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die heidnische Welt des Orientalen als tugendhaft und vollkommen.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Er verleiht ihr moralisch hoch angesehene Akteure, wie [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]. Diese Darstellung ist mit Blick auf die literarische Tradition durchaus ungewöhnlich, da Heiden sonst als moralisch verwerflichen Gegenentwurf zum Abendland präsentiert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Die hier angewendete Definition des Orients ist die von Paul Kunitzsch, der den &amp;quot;zeitgenössischen mittelalterlichen Orient, d.h. die islamische Welt, die ja immer die fremde, feindliche, exotische Gegenwelt zu der bekannten heimischen Umwelt der Dichter darstellt[e].&amp;quot;&amp;lt;/ref&amp;gt; Insbesondere in den Gahmuret-Büchern findet jedoch keine derartige Abgrenzung zwischen Heiden und Christen statt. Vielmehr wird eine Liebesbeziehung eingegangen, aus der ein Kind entsteht. &lt;br /&gt;
Der Artikel befasst sich damit, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt. Wichtig ist dabei, den historischen Kontext zu beachten, der im Gegensatz zu Wolframs Handlung von gewaltsamen Konfrontationen heidnischer und christlicher Kultur –in Form der Kreuzzüge- geprägt war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Historischer Hintergrund ==&lt;br /&gt;
Ist der Entstehungszeitraum des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit dem ersten Jahrzehnt des 13. Jahrhunderts richtig datiert, so fällt er in den Zeitraum des vierten Kreuzzuges (1202-1204). Im Zuge dieses Kreuzzuges, der von Papst Innozenz III. angestoßen wurde, eroberten die Kreuzfahrer Konstantinopel und ganz Griechenland. [LexMa 2008: Sp.5012] Die Kreuzzüge wirkten sich in Bezug auf die ritterlich-höfische Literatur auch in soweit aus, dass Heiden vornehmlich in kriegerischen Situationen auftauchen, wobei es sich nicht nur um interkulturelle sondern auch um intrakulturelle Auseinandersetzungen handelt. [Schotte 2009: 42]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literarische Tradition ==&lt;br /&gt;
In mittelalterlicher Literatur existierten von Beginn an Darstellungen des Orients. Bis zu den Kreuzzügen entnahmen die Autoren ihr Wissen vor allem aus antiken Quellen und der christlichen Kirchenlehre. Mit Beginn der Kreuzzüge wurde vor allem darauf Wert gelegt, das Christentum als die einzig richtige Religion zu charakterisieren und heidnische Religionen abzuwerten. Dabei wurden Heiden vor allem äußerlich als hässlich und märchenhaft dargestellt. Ebenso wurde den Heiden generell eine dunkle Hautfarbe zugesprochen, die als ein Verweis auf die Hölle angesehen wurde. Walther von der Vogelweide ging sogar so weit, dass er den Teufel als &#039;&#039;hellemor&#039;&#039; bezeichnete. [Raucheisen 1997: 49ff.] Aufgrund der Kreuzzüge und des sich ausweitenden Handels zwischen Orient und Okzident, löste sich das literarische Bild der Heiden in den ritterlich-höfischen Romanen zunehmend von den kirchlichen Vorstellungen ab. Zeitgemäß wurden die Heiden aufgrund ihrer Religion weiterhin als grundsätzlich verdammt bezeichnet, in der Literatur wurde aber zunehmend Wert auf die höfischen und ritterlichen Verhaltensweisen gelegt. Trotz dieser zunehmenden Offenheit, blieben dennoch die typischen Motive des schlechten und hässlichen Heiden bestehen [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Aufeinandertreffen der Kulturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das Aufeinandertreffen der Kulturen findet, wie Kathrin Clench herausgearbeitet hat, auf drei verschiedenen Ebenen statt - intradiegetisch, extradiegetisch und auf der Ebene der Rezipienten. [Chlench 2014] Diese Einteilung dient im Weiteren als Orientierung. Im Folgenden werden nun die Berührungspunkte der Kulturen dahingehend analysiert, welche Funktion sie für ihre jeweilige Ebene besitzen. Abschließend findet eine Gesamtbewertung der Darstellung Wolframs statt, die die Ergebnisse in die historische Situation und die literarische Tradition einordnet. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
=== Intradiegetische Ebene ===&lt;br /&gt;
Hier sollen die Berührungspunkte der Kulturen auf der intradiegetischen Ebene, also innerhalb der erzählten Welt, hinsichtlich ihrer Darstellung und Funktion analysiert werden. Da sich Christen und Heiden an vielzähligen Stellen begegnen, werden im Weiteren nur exemplarische Stellen untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Gahmuret und der Bâruc ====&lt;br /&gt;
Bereits zu Beginn des Romans findet ein Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur statt und zwar durch den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orientaufenthalt]] Gahmurets. Hier sind besonders zwei Aspekte interessant, einerseits Gahmurets [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldnerdienst beim Bâruc]] (14,10) und andererseits seine Beziehung mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Auf letzteres soll an dieser Stelle vorerst nicht eingegangen werden, da das Hauptaugenmerk hier auf dem Söldnerdienst des christlichen Ritters liegt. &lt;br /&gt;
Gahmuret beschließt den mächtigsten Herrscher der Welt aufzusuchen – den heidnischen König Bâruc (13,20ff.). Jener wird von Wolfram allerdings nicht nur als mächtig in Bezug auf [[Gegenüberstellung der Herrschaftskonzenptionen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|weltliche Herrschaft]] dargestellt, sondern auch durch die Analogie zum [[Religion im parzival|Papst]] als religiöser Herrscher (13,26ff.). Beate Kellner interpretiert die Figur des Bârucs so, dass &#039;&#039;„der bâruc, […], zum hybriden Konstrukt [wird], in dem sich Christliches und Islamischen verschränken“&#039;&#039;. [Kellner 2009: 29] Hingegen sieht Alfred Raucheisen hier weniger eine Verschränkung als eine Gegenüberstellung der Kulturen. Er argumentiert, dass der Bâruc den Typus einer vorbildlichen und weit entwickelten Herrschaft repräsentiere. Somit handle es sich nicht um eine Verschränkung, sondern um die Repräsentierung eines positiven Gegenentwurfs zu christlichen Herrschaftsstrukturen, die die Bewunderung der fortgeschrittenen Feudalstruktur im Orient durch die deutschen Ritter ausdrücke. [Raucheisen 1997: 65ff.] &lt;br /&gt;
Nicht nur bei Gahmurets Eintritt in die orientale Welt, sondern auch bei seinem Austritt – genauer seinem Tod – treffen die heidnische und christliche Kultur aufeinander. Der tote Ritter bekommt von Bâruc ein christliches Begräbnis. Deutlich wird dies vor allem an dem Kreuz, das auf Gahmurets Grab angebracht wird (107,10). Allerdings wird betont, dass &#039;&#039;„ir orden kan niht kriouzes phlegn“&#039;&#039; (107,17). Die Heiden werden hier zwar als sehr gönnerhaft (&#039;&#039;diu kost dem bâruc ringe was&#039;&#039; (106,30)) dargestellt, aber gleichzeitig wird ihr Unwissen über die christliche Religion präsentiert. In der Forschung wird diese Darstellung so gedeutet, dass auf diese Weise Wolframs Bewunderung des Orients zu Tage trete. [Kellner 2009: 33] In Bezug darauf, lässt sich diese Textstelle in die von Raucheisen beschriebene Entwicklung einordnen, dass sich das Bild der Heiden durch die beginnende Ablösung höfischer Literatur von der Kirche veränderte. Die Heiden irren zwar stets in ihrem Glauben, aber es werden zunehmend ihre ritterlichen Qualitäten betont. [Raucheisen 1997: 59]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Cundrie ====&lt;br /&gt;
Besonders deutlich wird das Aufeinandertreffen der Kulturen in Form von [[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]]. Durch ihre [[Das wilde-Motiv im Parzival|wilde]] Erscheinung wird sie bei ihrem ersten Auftreten schon rein durch ihr Äußerliches (313-314,10) von der höfischen Welt abgegrenzt. Durch diese sehr ausdrucksstarke Beschreibung wirkt sie trotz ihrer Bildung (314,20) [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|fremd]]. Manuela Schotte sieht darin die Besonderheit in dieser Szene, in der Cundrie von Außen an den Artushof kommt und Parzival anklagt (314,26-30). Denn aufgrund ihrer Fremdheit und der gleichzeitigen Tugendhaftigheit ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 318,9) eigne sie sich besonders dafür, in die Rolle der Anklägerin zu schlüpfen. Ihre moralische Stärke legitimiere sie dabei als Heidin Kritik zu äußern, die von den Rezipienten ernst genommen geworden sei.[Schotte 2009: 82f.] Die Begegnung von Figuren aus den verschiedenen Kulturen eröffnet somit einen Raum, in dem Kritik an der höfischen Welt geübt werden kann. Dabei geht es nach Jörn Reichel nicht darum, die prinzipiell die tradierten höfischen Normen zu verneinen, &amp;quot;sondern um die Überprüfung ihrer Tragfähigkeit in einer konkreten Situation&amp;quot;. [Reichel 1976: 392]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf wird [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] jedoch nicht, wie zu erwarten wäre, weiterhin von der christlichen Welt abgegrenzt. Ganz im Gegenteil, sie wird ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] und übernimmt sogar die besonders wichtige Aufgabe der Gralsbotin (781f.). Diese Veränderung ihrer Position spiegelt sich auch in ihrer Erscheinung wieder. So trägt sie einerseits das [[Wappen und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralswappen]] (780,13) und andererseits beschreibt Wolfram ihr Äußeres zwar als wild, aber keineswegs abwertend (780,18-26). Hinsichtlich ihrer Rolle als moralische Bewertungsinstanz ist hier eine Einschränkung ihrer Rolle zu vermerken. Denn sie stellt fest, dass sie mit ihrer vorherigen Anklage geirrt hat und entschuldigt sich bei [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und Parzival (799,28-780,29). Schotte folgert hieraus, dass aus der Revidierung der Aussagen Cundries eine große Aufwertung und Bestätigung der christlichen Charaktere folge. Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundries Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009: 85]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Feirefiz ====&lt;br /&gt;
Die Gestalt des [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] nimmt mit Blick auf die Begegnung der Kulturen eine besondere Stellung ein. Die anderen heidnischen Figuren nehmen nur christliche Verhaltensweisen an, bei Feirefiz hingegen findet sogar eine genealogische Verbindung statt.  Dies zeigt auch an seiner äußeren Erscheinung, insbesondere seiner Hautfarbe (&#039;&#039;wiz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; 57,18). Das Aufeinandertreffen der Kulturen spielt bei jedem Auftreten von Feirefiz eine wichtige Rolle. Besonders aber bei seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] und bei seinem Kampf gegen Parzival. Letzterer soll nun exemplarisch für viele andere Szenen, in denen Feirefiz auf das Christentum trifft, auf die Funktion der Berührung der Kulturen hin analysiert werden.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf der beiden [[Parzival und Feirefiz|Brüder]] wird von Wolfram so eingeführt: &#039;&#039;nune mac ich disen heiden vom getouften niht gescheiden&#039;&#039; (738,11f.). Der Autor macht dadurch kenntlich, dass das Aufeinandertreffen für ihn unvermeidlich ist. Allerdings geht es nicht nur um die zwei Figuren, sondern auch um die unterschiedlichen Kulturen. Deutlich wird dies dadurch, dass wie eben häufig von dem &#039;&#039;heiden&#039;&#039; und dem &#039;&#039;getouften&#039;&#039; die Rede ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Weitere Beispiele hierfür: 740,13f.; 742,16; 745,13 uvm.&amp;lt;/ref&amp;gt; Gleichzeitig wird anhand dessen auch der größte Unterschied zwischen den Brüdern markiert - die [[Religion im parzival|Religion]]. Mit Blick auf die literarische Tradition könnte in dem Kampf nun erwartet werden, dass der Heide dem Christen unterliegt, da letzterer ja unter dem Schutz Gottes steht und durch die ritterliche Schulung besser ausgebildet ist. Im Bruderkampf geschieht dies jedoch nicht. Denn obwohl Feirefiz im Orient aufgewachsen ist, scheint er alle [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ritterlichen Tugenden]] ([[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] 745,21f.; &#039;&#039;manheit [..] zuht&#039;&#039; 745,10) und Fähigkeiten zu besitzen. An einer Stelle schreibt Wolfram sogar, dass er &#039;&#039;höfschliche&#039;&#039; sprach (744,26). Hier wird dem Heiden Feirefiz eine höfische Verhaltensweise attestiert, was darauf hindeutet, dass er dies bereits in seiner Erziehung beigebracht bekam. Unter Einbezug der Figur [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacanes]] ist dies mehr als wahrscheinlich, da diese selbst alle Verhaltensweisen einer höfischen Dame kennt. Feirefiz besitzt jedoch nicht nur eine höfische Ausbildung wie es scheint, sondern er ermahnt Parzival sogar, seine &#039;&#039;zühte&#039;&#039; anzustrengen (747,20). Für die Rezipienten muss die Ermahnung eines Christen durch einen Heiden sehr paradox gewirkt haben. Der [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Fremde]] kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;.[Kellner 2009: 41]&amp;lt;ref&amp;gt;Kellner bezieht sich bei ihren Aussagen auf die Arbeiten von Alfred Schütz, s. Schütz, Alfred: Grundzüge einer Theorie des Selbstverstehens, in: Ders.: Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt, Frankfurt a.M. 1974, S. 137-197.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine Funktion des Aufeinandertreffens der Kulturen in Form des Bruderkampfes wäre also die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur und Identität, was jedoch viel mehr eine Funktion auf der Ebene des Rezipienten ist als auf der Handlungsebene. &lt;br /&gt;
Auf der Handlungsebene besitzt diese Szene jedoch auch eine sehr wichtige Funktion. Wie bereits angesprochen, ist der  größte Unterschied in dieser Szene, dass Feirefiz nicht getauft ist. Im Weiteren wird dieser jedoch noch getauft (818,13ff.). Nun kann angenommen werden, dass sich der Heide Feirefiz in dem Kampf mit seinem Bruder in christlichen Qualitäten, wie der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] beweisen kann, die für die [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] notwendig sind. Daher könnte gesagt werden, dass das kriegerische Aufeinandertreffen der Kulturen an dieser Stelle dazu da ist, die spätere [[Die Funktion der Taufe im Parzival|Taufe]] zu rechtfertigen. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Basierend auf diese Szene kann festgehalten werden, dass die wichtigste Funktion der Begegnung der Kulturen in Gestalt von Feirefiz  die Auseinandersetzung mit der eigenen Kultur, durch das Implementieren des Eigenen in eine fremde Figur, ist. So ist wohl auch Beate Kellners These zu verstehen: &#039;&#039;&amp;quot;Es geht um die Verknüpfung des Heterogenen und Widersprüchlichen, nicht um die Auflösung, nicht um deren Verschwinden.&amp;quot;&#039;&#039;[Kellner 2009: 37f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Extradiegetische Ebene === &lt;br /&gt;
Nicht nur in der erzählten Welt selbst, sondern auch in Bezug auf das Wissen über diese, spielt das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur eine entscheidende Rolle und zwar in Bezug auf die Frage nach der Herkunft des Wissens über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]]. Wolfram gibt an, dass die erste Person, die das Wissen um den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] niederschrieb der Heide [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Flegetanis]] gewesen sei (453, 25-30). Interessant ist an dieser Stelle, dass Flegetanis, &#039;&#039;der ein kalp bette als ob ez waer ein got&#039;&#039; (454,2f.), gleichzeitig als &#039;&#039;wiser&#039;&#039; (454,5) bezeichnet wird. Seine Weisheit bzw. Bildung wird im Weiteren anhand seiner Kenntnis der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gestirne]], in denen er die Geschichte über den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] las (454, 21ff.), veranschaulicht. Hervorzuheben ist nun, dass Flegetanis zwar als erster das Wissen über den Gral niederschrieb, dieses allerdings nicht verstand. Erst durch den getauften Kyot, der aus Toledo stammt, wurde die wahre Bedeutung erkannt (453,11-24). Die Frage, die sich nun stellt, ist die, warum Wolfram das Wissen über das christliche [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Symbol des Grals]] zunächst von einem Heiden aufschreiben lässt, um es erst dann von einem Christen durchschauen zu lassen? Kathrin Chlench stellt dafür die These auf, dass Wolfram die Überlegenheit des Christentums -insbesondere die Fähigkeit der inneren Erkenntnis nach Augustinus- darstellen und gleichzeitig seine Wertschätzung der heidnischen Bildung, vor allem der [[Astrologie im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Astrologie]], zum Ausdruck bringen wollte. [Chlench 2014: 73] Um diese Bewunderung der heidnischen Kultur zum Ausdruck bringen zu können, betont der Autor die Fähigkeiten des Individuums Flegetanis und wertet gleichzeitig die Religion ab. In Bezug auf die von Alfred Raucheisen beschriebene Entwicklung der Heidendarstellung im Laufe der Kreuzzüge, könnte diese Stelle exemplarisch für die Offenheit gegenüber der anderen Kultur und den gleichzeitig fortexistierenden Vorbehalten und abwertenden Motiven gegenüber dem Heidentum stehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ebene der Rezipienten ===&lt;br /&gt;
Bei der Ebene des [[Adressaten des Parzivals|Rezipienten]] geht es um die Auseinandersetzung zwischen den realen Hörern mit dem von ihnen gehörten Inhalt. Genauer geht es hier, um die Konfrontation der christlichen Rezipienten von Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit den Situationen, in denen Heiden vorkommen. Sowohl auf intradiegetischer Ebene als auch auf der extradiegetischen Ebene hat sich gezeigt, dass die Heiden positiv dargestellt werden und ihr einiger Makel meist der Glaube ist. Insbesondere die beschriebene moralische Vortrefflichkeit der Nicht-Christen fällt dabei auf. Doch hier ergibt sich nun ein Problem, denn durch ihr gutes Verhalten erfüllen die Heiden im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nicht die ihnen sonst zugeschriebene Rolle des Verwerflichen. Für die Protagonisten selbst scheint dies kein Problem darzustellen, beispielsweise bei [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der sich ohne zu zögern taufen lässt. Kathrin Chlench setzt nun an diesem Punkt an und behauptet, dass die Diskrepanz zwischen Verhalten und Rollenidentität der Heiden zu. Durch die fehlende Bewertung dieses Unterschiedes würde der Rezipient dazu aufgefordert werden, sich mit der Hybriden Identität auseinanderzusetzen. [Chlench 2014: 74].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Es wurde nun an vielen Stellen das Aufeinandertreffen der heidnischen und christlichen Kultur analysiert. Wie sich gezeigt hat, ist die Frage, welchen Zweck diese Vermischung heidnischer und christlicher Kultur für die Handlung und die Wirkung auf den Rezipienten besitzt, nicht eindeutig zu beantworten. Beispielsweise kann Gahmurets Begegnung mit dem Baruc so bewertet werden, dass durch den heidnischen Herrscher ein alternatives Herrschaftskonzept präsentiert wird. Die Funktion wäre also so etwas wie das Erzeugen einer Alteritätserfahrung. Gleichzeitig ist die  vermeintliche Überlegenheit des Christentums gegenüber dem Heidentum stets präsent, wie sich bei dem Kyot-Exkurs an der Fähigkeit zur Erkenntnis zeigt. Bei der ambivalenten Figur der Cundrie kann dagegen davon ausgegangen werden, dass sie die völlige Verschmelzung der Kulturen in Form von Feirefiz vorbereitet. Insgesamt ist jedoch die wichtigste Funktion des Aufeinandertreffens der Figuren in der Auseinandersetzung der Rezipienten mit sich selbst auszumachen. Dies wird erst möglich, in dem Wolfram den heidnischen Charakteren christliche und höfische Attribute verleiht. Was weniger die intendierte Funktion des Autors betrifft, sondern viel mehr den mentalitätsgeschichtlichen Wert des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; ist, dass deutlich das sich wandelnde Bild des Orients zu Tage kommt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Chlench 2014]Chlench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009]Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach ‚Parzival’, in: Ludger Grenzmann et al. (Hgg.):&lt;br /&gt;
Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. Bd. 1: Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Berlin/NewYork 2009  S. 23-50.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*LexMa] Kreuzzüge, IV. Der 4. Kreuzzug: in Brepolis Medieval Encyclopaedias - Lexikon des Mittelalters Online, Sp. 1512. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Raucheisen 1997]Raucheisen, Alfred: Orient und Abendland. Ethisch-moralische Aspekte in Wolframs Epen Parzival und Willehalm, Frankfurt a.M./New York 1997.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichel 1976]Reichel, Jörn: Willehalm und die höfische Welt, in: Euphorion. Zeitschrift für Literaturgeschichte Bd. 70 (1976), S. 399-409.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21646</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21646"/>
		<updated>2015-07-11T13:11:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] Doch warum wurde Parzival überhaupt von Cundrie verflucht und verliert infolgedessen die Huld Gottes? Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich ausgehend davon die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann? Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99]&lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21645</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21645"/>
		<updated>2015-07-11T12:56:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Schuld===&lt;br /&gt;
Parzival handelt nicht immer seinem Stand entsprechend, beispielsweise lädt er Schuld auf sich, als er den Roten &amp;quot;Roten Ritter&amp;quot; tötet (155,4-18). Infolgedessen verliert er die Huld Gottes. Mit Blick auf das weitere Geschehen stellt sich die Frage, ob Parzival die Huld verliert, weil er seinen Verwandten getötet hat oder damit er sie am Ende wiedergewinnen kann?&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Einen interessanten Aspekt für die Beantwortung dieser Frage, bietet Uta Störmer-Caysa, die darauf verweist, dass Schuld immer entstehe, weil man einen Fehler begangen habe. Sie geht sogar so weit und bezeichnet die Schuld als &#039;&#039;&amp;quot;moralische[n] Sproß der Kausalität&amp;quot;&#039;&#039;.[Störmer-Caysa 2007: 99]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Weg zu Parzivals Berufung als Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.]  &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21641</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T12:36:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Parzivals Berufung zum Gralskönig */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich für diese Stelle sagen, dass die finale Motivation die kausale dominiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21639"/>
		<updated>2015-07-11T12:33:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. Diese Aussage spricht für eine kausale Motivation, da Parzival nun Gralskönig wird, weil er es sich erkämpft hat. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft, was sich zum Beispiel an ihrer Aussage: &#039;&#039;du hâst der sêlê ruowe erstriten (782,29)&#039;&#039;, zeigt. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Erz%C3%A4hler_im_Parzival&amp;diff=21638</id>
		<title>Der Erzähler im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Erz%C3%A4hler_im_Parzival&amp;diff=21638"/>
		<updated>2015-07-11T12:19:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolfram von Eschenbachs Parzival]] und befindet sich noch in Bearbeitung.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;ich bin Wolfram von Eschenbach,&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;unt kann ein teil mit sange&#039;&#039;,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;unt bin ein habendiu Zange&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;mînen Zorn gein einem wîbe:&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(114, 12-15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen des Romans [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival]] von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] tritt dieser als Erzähler der Geschichte in der Vordergrund. Doch lässt sich daher die Rolle des Erzähler immer mit der des Autoren gleichsetzten? In diesem Artikel soll folglich der Frage nachgegangen werden, inwieweit Autor und Erzähler übereinstimmen. Zudem soll geklärt werden, welche Funktionen dem Erzähler im Kontext des Versromans zukommen und in welchem Verhältnis der Erzähler zum seinem Publikum steht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Das Publikum ==&lt;br /&gt;
Der folgende Abschnitt lehnt sich an Eberhard Nellmanns Ausführung zum Publikum in seinem Buch &amp;quot;Wolframs Erzähltechniken&amp;quot; an.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über das real existierende Publikum, welches Wolfram in seinem Werk adressiert, ist kaum etwas bekannt. Vereinzelt werden Namen oder Orte (230, 13) genannt, die dem Wirkungskreis von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] zuzuordnen sind, jedoch ist nicht davon auszugehen, dass es ein solches reales Publikum gab.&lt;br /&gt;
Das Bild, das Wolfram von seinem Publikum zeichnet, ist in der damaligen Literatur einzigartig. Mittels Appellen an Gruppen innerhalb der Zuhörerschaft werden Aussagen über deren moralische und geistige Qualitäten gemacht. Zudem gibt es Lob und Kritik für die Zuhörer, je nachdem wie willkommen sie dem Vortragenden sind.&lt;br /&gt;
Der Roman ist demnach nicht für ein reales Publikum geschrieben, sondern in einer fiktiven Vortragssituation gedacht. Das hier angelegte Erzähler-Figuren-Modell agiert mit dem Typus des fiktiven Erzählers, dem eine fiktive Leser- oder Zuhörerschaft gegenübersteht. Aus diesem Grund wird im folgenden Artikel das Publikum als fiktives Publikum angesehen und dementsprechend analysiert. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Publikum fungiert in diversen Szenen als Partner des Erzählers, beispielweise die Damen, welche er direkt anspricht &amp;quot;&#039;&#039;swâ twingende frouwen sint, die sulen im heiles wünschen nuo:&#039;&#039;&amp;quot; (293, 24f) um sie zu Empathie für seinen Helden zu bewegen oder sich für seine Aussagen zu entschuldigen (313, 26ff). Des Weiteren lässt sich die Zuhörerschaft nicht als heterogene Masse bezeichnen, das sich der Erzähler an Jung und Alt sowie Frauen und Ritter wendet. Unterteilt ist diese Masse in einen erwünschten und einen weniger willkommenen Teil. Der dem Erzähler lästige Teil seiner Zuhörer bezeichnet er als &amp;quot;&#039;&#039;tumbe[n] luit[en]&#039;&#039;&amp;quot; (1, 169) oder &amp;quot;&#039;&#039;ungetriuwen&#039;&#039;&amp;quot; (404, 13) über die er ein hartes Urteil spricht indem er sagen, dass er lieber zu Bäumen und Tieren sprechen würde, als zu ihnen (241, 21-30) [Nellmann 1973: 1-6].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viel lieber spricht der Erzähler zu den &amp;quot;&#039;&#039;getriuwe[n]&amp;quot;&#039;&#039; (224,6f), den &amp;quot;&#039;&#039;guot[en]&amp;quot;(&#039;&#039;738, 14f) und den &amp;quot;&#039;&#039;wîse[n]&amp;quot;&#039;&#039; (338, 16). Laut Gustav Ehrismann ist &amp;quot;&#039;&#039;getriuwe&#039;&#039;&amp;quot; (224, 6f) eines der Schlüsselworte im Parzival, welches im Gegensatz zu &amp;quot;&#039;&#039;ungetriuwen&#039;&#039;&amp;quot; (404, 13) steht und das Thema des Parzival darstellt &amp;quot;&#039;&#039;ein mӕre will i&#039;u niuwen, daz seit von grôzen triuwen,&amp;quot;&#039;&#039; (4, 9f) [Ehrismann 1908: 428ff]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diesem besonderen Teil des Publikums wendet sich der Erzähler immer bei speziellen Themen zu und appelliert an sie. So ruft er bei Passagen über [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] die Frauen im Publikum an oder bei Erzählungen von [[Ritter als Heimatlose in Wolframs Parzival|Rittern]] die Ritter im Publikum. Hiermit knüpft er eine besondere Bindung zwischen den Figuren seiner Erzählung und seinen Zuhörern. Diese Form der Einflussnahme auf die Zuhörerschaft generiert eine fiktives Idealpublikum, das dem Erzähler alle rhetorischen Freiheiten lässt [Nellmann 1973: 8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erzählerfigur ==&lt;br /&gt;
Die erzählende Instanz im Parzival besitzt ein sehr dominantes Auftreten. Sie  erschließt dem Publikum die Bedeutung des Erzählten, indem sie verschiedene Rollen annimmt [Bumke 2004: 215ff]. Diese Rollen werden im weiteren Verlauf dieses Abschnittes noch genauer erläutert. Zunächst soll jedoch auf die Selbstdarstellung des Erzählers eingegangen werden. Jene wurden früher oft als Aussagen des Autoren über sich selbst interpretiert, denn die Erzählerfigur sagt über sich: &amp;quot;&#039;&#039;ich bin Wolfram von Eschenbach&#039;&#039;&amp;quot;(114, 12). Auf das Verhältnis zwischen Autor und [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Wer erzählt im Parzival?|Erzähler]] wird nun näher eingegangen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Verhältnis Erzähler und Autor ===&lt;br /&gt;
Trotz der individuellen Züge und den zahlreichen Ich-Aussagen des Erzählers lässt er sich nicht automatisch mit dem Autoren Wolfram von Eschenbach gleichsetzten. Zwar nennt er die Namen literarischer Wegbegleiter oder wichtiger Autoren, unter anderem Hartmann von Aue (143, 21), sowie Regionen in denen Wolfram  tätig war. Gleichwohl gilt für die erzählende Instanz dasselbe, wie für das Publikum, &amp;quot;Rückschlüsse auf den realen Autor sind möglich, aber notwendigerweise unsicher&amp;quot; [Nellmann 1973: 13]. So formuliert es Eberhard Nellmann in seinem Buch zu Wolframs Erzähltechnik. Neuere Ansätze argumentieren mit der historischen Subjektivität des Erzähler-Ichs. Hierbei wird klar zwischen dem Werk, dessen Teil die Erzählerfigur ist, und dem eigentlichen Sprechen des Autoren getrennt. Folglich wird eine &amp;quot;Erzählerfiktion&amp;quot; [Dallapiazza 2009: 129] geschaffen, die ihn greifbar werden lässt. Der Erzähler ist eine Figur des Romans, &amp;quot;eine poetische Konstruktion&amp;quot;[Dallapiazza 2009: 129].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Selbstdarstellung des Erzählers ===&lt;br /&gt;
Unter den Selbstaussagen des Erzählers versteht man Äußerungen der Erzählinstanz in Bezug auf verschieden Themen, unter anderem Frauen, Familie, [[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Charaktereigenschaften]], [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mînne]], Krieg und den [[Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival|Stand]]. Durch die parallele oder gegensätzliche Positionierung zu diesen im Roman angeschnittenen Bereichen entwirft der Erzähler ein Selbstbildnis, das dem Rezipienten Aufschluss über die Charaktereigenschaften seiner Figur gibt. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kommt der Erzähler innerhalb der Geschichte auf [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|schöne]] Frauen zu sprechen, so verlässt er die berichtende Ebene und bringt seine eigenen Bedürfnisse ins Spiel. Beispielsweise wünscht er sich von solch einer Frau geküsst zu werden &amp;quot;&#039;&#039;ichn holt ein kus durch suone dâ&#039;&#039;&amp;quot; (450, 3) oder er versinkt in Selbstmitleid, weil er nicht von ihr geküsst wird (807,4-9). Daraus lässt sich vorerst schließen, dass unsere Erzählerfigur keine hohe Mînnefähigkeit besitzt und daher wenig Chancen bei den Damen hat.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diverse Kampfszenen kommentiert die erzählende Instanz eher schüchtern und zurückhaltend. Sie lässt nur verlauten, dass &amp;quot;&#039;&#039;mir tӕte ein ligen drinne wê&#039;&#039;&amp;quot; (289, 10), beispielhaft in der Blutstropfenszene oder auch bei Gahmurets Kämpfen (75, 21f). Folglich profiliert sich der Erzähler im Kampf als unerfahren und schwächlich, wodurch er die Rolle des Untergebenen annimmt [Nellmann 1973: 14].&lt;br /&gt;
&amp;quot;&#039;&#039;ez ist wunder, ob ich armer man die rîcheit iu gesagen kann, die der heiden für zimierde truoc&#039;&#039;&amp;quot; (735, 9ff) diese Selbstaussagen zur finanziellen Situation unseres Erzähler verdeutlicht, dass er nicht nur keinen Reichtum besitzt, sondern eher zur ärmlicheren Bevölkerungsschicht zu zählen ist. Zumal er seine Armut auch schon bei der Beschreibung von Parzivals Bett (242, 26-30) thematisiert. Seine Not wird allerdings schon viel früher deutlich. Da nicht einmal die Mäuse etwas zu lachen haben, wenn sie bei ihm zu Hause nach Essen sich (184, 27-185, 8). Die Erzählerfigur ist so arm, dass es seinen Verpflichtungen aus Hausherr nicht nachkommen kann und seine Familie hungert. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztlich zeichnet der Erzähler das Selbstbild eines bemitleidenswerten und armen Mannes, der der bürgerlichen Durchschnittsbevölkerung entstammt. Dieses Bildnis dient der Erheiterung des Publikums und bildet einen Kontrast zu Punk und Protz der Erzählung. Folglich lässt sich der Erzähler als [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antiparzival]] und [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antigawan]] auffassen, der die Funktion des humorvollen Gegenpol zu den Protagonisten erfüllt [Nellmann 1973: 14ff]. Aufgrund der bürgerlichen Eigenschaften und alltäglichen Probleme des Erzählers, ist es dem Publikum möglich, sich mit ihm zu identifizieren. Sie erkennen sich im liebenden Ehemann (216, 26ff) wieder, der seinen Frau nicht dem anzüglichen Blicken der Ritter aussetzten will, und können somit Empathie für den von Erzähler geschilderten Helden entwickeln. An dessen Schicksal sie nun nachdrücklich interessiert sind [Nellmann 1973: 16].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Rollen des Erzählers ===&lt;br /&gt;
Wie schon im oberen Abschnitt angesprochen, übernimmt der Erzähler gerne verschiedene Rollen. Beispielweise in Bezug auf Kampfszenen profiliert er sich als Untergebener (289, 9f). Gleichzeitig macht er sich über Segremors lustig, indem er verkündet ungern neben ihm im Schnee liegen zu wollen. Zudem schlüpft die Erzählerfigur auch mal in die Rolle des Zuhörers (271, 14f), und stellt Fragen dann seine Zuhörerschaft (397, 1f), wodurch diese aufgefordert sind, ihren Teil zur Erzählung beizutragen. Teilweise nimmt sich der Erzähler auch ganz aus der Verantwortung zurück, indem er beispielsweise berichtet, bei der [[Das Liebesverhältnis zwischen Obîe und Meljanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hochzeit von Obie und Meljan]]z nicht dabei gewesen zu sein und daher nicht zu wissen, was dort passiert ist (397, 8f). Somit spielt er hier den Unwissenden. Weiterführende Analysen des Romans würden sicher noch weitere Rollenbilder, die neben dem Regisseur, der über allem thront, dem Untergebenen und dem Unwissenden, existieren [Dallapiazza 2009: 130].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzählereingriffe ==&lt;br /&gt;
=== Typen und Funktionen ===&lt;br /&gt;
Gekennzeichnet sind die Eingriffe des Erzählers meist durch den Wechsel des Erzähltempus vom Präteritum zum Präsens. Dadurch wird die Geschichte, welche eigentlich in der Vergangenheit spielt, in die Gegenwart der Zuhörer und des Erzählers übertragen [Bumke 2004: 218]. Häufig bestehen diese Eingriffe aus eingeworfenen Fragen ans Publikum, Erläuterungen, Bewertungen, Kommentar oder weiteren Zwischenbemerkungen. Diese bewirken den Eindruck einer stockenden beziehungsweise sprunghaften Erzählung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beglaubigungen sind eine Form von Erzählereingriffen. Solche Beglaubigungsformeln sind ein wichtiger Bestandteil der mittelalterlichen Literatur, die durch Wiedererzählen geprägt ist. Diese erfordert die Versicherung die Wahrheit zu sagen, sowie die eigene Quellentreue zu bestätigen [Nellmann 1973:50]. Weitere Ausführungen hierzu befinden sich im Artikel zur [[Frau Aventiure in Wolframs Parzival]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittels Sprichwörtern uns Sentenzen, wie beispielweise &#039;&#039;&amp;quot;wîpheit vert mit triuwen:&amp;quot;&#039;&#039;(167, 29), wird ein latentes Spannungsverhältnis zwischen dem Normalen und etwas Besonderen erzeugt. Eigentlich ist ein Bad nehmen nichts besonderes, allerdings fühlt sich Parzival durch die Anwesenheit der Damen unbehaglich. Daher bittet es sie zu gehen, bevor er aus der Wanne steigt. Daher wirkt die Sentenz fehl am Platz und birgt daher etwas komisches in sich [Bumke 2004: 219]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die zeitgeschichtlichen Anspielungen des Erzählers stören den Erzählfluss. Diese handeln ähnlich von Sachverhalten, die nichts mit der Erzählung zu tun haben. Sie werden kontrastiv oder vergleichend zu aktuellen Erzählung herangezogen. Beispielhaft hierfür steht der Kamin in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] (230, 9-13) oder der Vergleich der Königsschwester mit einer Gräfin (409, 8f). Diese Vergleiche passen nicht wirklich, da es für eine Königsschwester kaum schicklich sein dürfte, mit einer Gräfin gleichgesetzt zu werden. Diese Anspielungen bewirken daher eher eine Verfremdung, da die Verbindung überraschend und willkürlich erscheint [Bumke 2004: 220].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Erzählmittel ===&lt;br /&gt;
Dieses sind prägnant für die Darstellungs- und Ausdrucksform des Erzählten. In Wolframs erzählen lassen sich besonders zwei Erzählmittel aus machen, zum eine Beschreibungen und zu anderen die [[Bildlichkeit als Erzählmittel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Bildlichkeit]]. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Exemplarisch sollen die Eigenarten von Wolframs Beschreibungen am Beispiel der Darstellung des [[Geografische Orte im Parzival|&amp;quot;&#039;&#039;Schastel marveil&#039;&#039;&amp;quot;]] (564, 26- 565, 12) veranschaulicht werden. Zunächst berichtet der Erzähler über die enorme Größe der Burg sowie die Unmöglichkeit der Überwindung ihrer Mauern (565, 1f). Des Weiteren stellt er einzelne Bestandteil der Burg in Relation zu realen Exponaten um seinen Schilderungen glaubhaft zu gestalten. Beispielsweise wird die Wiese inmitten des Burghofs mit dem [https://de.wikipedia.org/wiki/Lechfeld Lechfeld] verglichen, um ihre enorme Ausdehnung zu veranschaulichen. Zudem wird ein Dach mit dem Gefieder eines Pfauen in Beziehung gesetzt (565, 8ff), um dessen Besonderheit zu zeigen. Die Darstellung des Auffallenden und teils Grotesken entspricht nicht dem typischen und schemenhaften Beschreibens des höfischen Romans [Bumke 2004: 222]. Folglich kann es auch nicht dieselbe Intention haben, nämlich das Beschriebene zu veranschaulichen. Vielmehr macht es sich Wolfram zu Ziel durch seine Darstellungen eine emotionale Reaktion bei seinem Publikum auszulösen, damit dieses emphatisch mit seinem Helden mit fiebert. Alles in allem lassen sich Wolframs Beschreibungen als Erlebnisberichte verstehen [Bumke 2004: 222].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Bildlichkeit, die Umschreibungen, Vergleiche und [[Metaphorik als Stilmittel|Metaphern]] enthält wirkt bei Wolfram befremdlich. Die zeigt unter anderem auch die Darstellung der Herzogin von Logrois, wie sie auch [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] wirkt (593, 14-18). Indem sie mit Nieswurz verglichen wird, entsteht eine komische Verzerrung, da ein unangenehmes Gefühl mit einer schönen Frau gleichgesetzt wird. Einen weiteren irritierenden Vergleich betrifft [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]] Körper. Dieser wird mit dem aufgespießten Hasen gleichgesetzt um ihre Schlankheit zu veranschaulichen. Jedoch wirkt dieser Vergleich aus heutiger Sicht nicht sehr schmeichelhaft. Die Bilder, die Wolfram hier verwendet, wirken skurril und befremdlich und entsprechen nicht den Lehren der Poetik [Bumke 2004: 222]. Weitere Ausführungen hierzu finden sich im Artikel zur [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik im Parzival]]. Ein letztes Bild, dass hier noch angesprochen wird bezieht sich auf die Übertragung von etwas Abstrakten mittels eines Bildes in etwas Konkretes. &amp;quot;&#039;&#039;sîn [[Der Zorn im Parzival - Merkmale und Funktionalität (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Zorn]] begunde limmen und als ein lewe brimmen.&#039;&#039;&amp;quot; (42, 13f) steht exemplarisch für mehrere solche Darstellungen im Parzival. Dieser Bildhaftigkeit beeinflusst die Zuhörer und Leser und führt im besten Fall zu einem Erkenntnisgewinn [Bumke 2004: 222].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die verschiedenen Erzählereingriffe und verwendeten Erzählmittel sind durch die Ausarbeitung der Erzählinstanz angesiedelt. Sie funktionieren durch die Interaktion des Erzählers mit seinem Publikum. Dadurch wird eine Reflexionsebene geschaffen, die die Frage nach der Kompetenz des Erzählers sowie dessen eigentlicher Funktion und Bedeutung für die Erzählung aufwirft und zur Diskussion anregt [Bumke 2004: 221f].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Subjektivität und Fiktionalität ==&lt;br /&gt;
Wolframs Erzählen geht über die reine Unterscheidung von fiktiven und faktualen Sprechen hinaus. Es ist vielmehr von einer &amp;quot;Verschiebung der Fiktionsebenen&amp;quot; [Dallapiazza 2009: 131] auszugehen. Dabei treten zwei Ebenen deutlich hervor. Zum einen die faktuale extradiegetische Ebene der Erzählinstanz und zum anderen die fiktive intradiegetische Ebene dessen, was erzählt wird [Dallapiazza 2009: 131]. Diese erfordern aber noch weitergehende Untersuchungen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
== Literaturangaben ==&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
* Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übers. von Dieter Kühn, 2 Bde., Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. J.B. Metzler Stuttgart/Weimar, Stuttgart 2004.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Berlin 2009.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Ehrismann 1908]Ehrismann, Gustav: Über Wolframs Ethik. ZfdA 49, 1908. S. 405-465. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973]Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik - Untersuchungen zur Funktion des Erzählers, Wiesbaden 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach|Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erzählstruktur]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Subjektivität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Figuren]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21633</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T11:56:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Gahmurets Aufeinandertreffen mit Belacane */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Ankunft in Zazamanc ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei  Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da Anfortas Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21629</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T11:42:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Gahmurets Aufeinandertreffen mit Belacane */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Aufeinandertreffen mit Belacane ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei  Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da Anfortas Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21628</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21628"/>
		<updated>2015-07-11T11:41:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird.&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Aufeinandertreffen mit Belacane ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014: 73] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, ist eine eindeutig zuzuordnen, wie diese Stelle motiviert ist, da es sowohl Hinweise auf eine kausale als auch auf eine finale Motivation gibt. Dennoch wirkt die Erklärung Haferlands am zutreffend, dass sich finale und kausale Motivation nicht ausschließen müssten, da alles, was von hinten motiviert sei, zusätzlich kausal motiviert sein könne. [Haferland 2014: 76f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei  Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da Anfortas Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21625</id>
		<title>Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21625"/>
		<updated>2015-07-11T11:29:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befinden sich zahlreiche Hinweise auf andere Texte und deren Autoren. Dieser Artikel soll kurz auf die Definition von &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039; eingehen, dabei aber die verschiedenen Positionen in der Forschung auslassen. Hauptaugenmerk soll auf verschiedenen Formen von &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039; liegen. Der Artikel soll generell auf diese Formen eingehen und gleichtzeitig überprüfen, ob diese im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begriff &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039; wurde in den späten sechziger Jahren von Julia Kristeva geprägt, die sich auf Michail Bachtins Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; rückbezog. Sie beschreibt mit dem Begriff &amp;quot;den Bezug von Texten auf andere Texte&amp;quot; und geht sogar, wie auch die späteren Poststrukturalisten, so weit zu sagen, dass sich jeder Text wie ein Mosaik aus Zitaten zusammengebaut sei, weshalb jeder Text eine Absorption und Transformation eines anderen Texts sei. [Martinez 1997: 151]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Formen der Markierung von Intertextualität allgemein und speziell im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Ulrich Broich liegt Intertextualität vor, wenn der Autor sich darüber bewusst ist, andere Texte in seinem eigenen verwendet zu haben und diese Absicht vom Leser erkannt wird. [Broich/Pfister 1985: 31] Allerdings kann der Grad der Markierung der Intertextualität unterschiedlich sein, das heißt, dass Intertextualität jeweils leichter oder schwerer erkennbar ist. [Broich/Pfister 1985: 32] Wenn der Autor davon ausgeht, dass er in seinem Text auf einen Text verweist, der dem Publikum bekannt ist, kann sogar ganz auf eine Markierung verzichtet werden. [Broich/Pfister 1985: 32] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im mittelalterlichen Literaturbetrieb war es üblich, den eigenen Text auf eine Quelle zu beziehen. [Schu 2002: 133] Im Hinblick auf den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sicher, dass [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] sich auf den &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; von Chrétien als Hauptquelle bezogen hat. [Schu 2002: 133] Wolfram selbst nennt jedoch den &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; nicht konkret als Quelle, sondern beruft sich vielmehr auf &amp;quot;eine mündliche Erzählung als Quelle&amp;quot; [Schu 2002: 133], die nicht spezifiziert wird zum Beispiel als er sagt &#039;&#039;ein maere wil i&#039;u niuwen&#039;&#039; ([e]rzähl euch die Geschichte neu, 4,9) &amp;lt;ref&amp;gt;Sämtliche Zitate folgen der Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, hrsg. Eberhard  Nellmann, 2 Bde., Frankfurt a. M. 1994.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;als uns die âventiure saget&#039;&#039; ([w]ie uns die Histoire erzählt, 12,3). Somit weiß der Rezipient, dass auf eine andere Quelle Bezug genommen wird, der Erzähler lässt aber aus, um welche es sich explizit handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markierung in Nebentexten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Autor sich in seinem Werk auf einen anderen Text bezieht, kann der Bezug auf einen anderen Text folgendermaßen identifiziert werden:&lt;br /&gt;
# in einem Nebentext&lt;br /&gt;
# im Titel oder Untertitel [Broich/Pfister 1985: 35-38] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markierung im inneren Kommunikationssystem===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Markierungen im inneren Kommunikationssystem können verschiedene Formen vorliegen: &lt;br /&gt;
# Nur der Leser, nicht aber die Figuren, ist sich darüber bewusst, dass die Charaktere dem Schema von Figuren aus anderen Texten folgen.  &lt;br /&gt;
# Charaktere selbst können zu einem Text Stellung beziehen und sich entweder damit identifizieren oder distanzieren. &lt;br /&gt;
# Der Autor führt den Text, auf den er sich beziehen will, als physischen Gegenstand ein.&lt;br /&gt;
# Der Autor lässt Figuren aus anderen Texten auftreten. [Broich/Pfister 1985: 39-40]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für den ersten Typ kann an der Stelle gefunden werden, als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] auf dem Weg zu einem [[Das Tjostieren im Parzival|Zweikampf]] ist und er unterwegs an der Burg Schanpfanzun vorbeikommt, die von außerordentlicher Schönheit ist. Um diese herauszustreichen, verweist der Erzähler auf die römische Mythologie, genauer auf [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|Vergils Aeneis]] (399,11-14):&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disiu burc was gehêret sô, || Diese Burg war derart schön -    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Enêas Kartâgô  || dem Äneas schien Karthago &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie sô hêrrenliche vant, || längst nicht derart majestätisch;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant. || Dido starb dort, Pfand der Venus…      &lt;br /&gt;
|}                                                                             &lt;br /&gt;
Äneas zog einst in Karthago ein und verliebte sich in die Herrscherin Karthagos, Dido, welche sich später aus Liebe zu ihm das Leben nahm. [Draesner 1993: 313-315] So wie einst die Stadt Karthago vor dem Helden Äneas lag, erscheint nun auch die Burg Schanpfazun vor Gawan. [Draesner 1993: 314f.] Zwar hat dieser Vergleich den Effekt, die außerordentliche Schönheit der Burg Schanpfanzun zu unterstreichen, letztendlich dient es aber mehr dazu, Gawan als &amp;quot;zweiten Äneas&amp;quot; darzustellen. [Draesner 1993: 315] So wie einst Äneas in Karthago freundlich empfangen wurde, wird nun auch Gawan auf der Burg Schanpfanzun empfangen. [Draesner 1993: 315] Bisher steht Gawans Ankunft auf der Burg im Zeichen des Kampfes, zugleich soll aber die Erwähnung Didos, der Geliebten des Äneas, auf die bevorstehende Begegnung mit [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonie]] und damit auf ein &amp;quot;&#039;tragisches&#039; Liebesabenteuer&amp;quot; hinweisen. [Draesner 1993: 315-316] An dieser Stelle ist sich allerdings nur der Leser bewusst, dass Gawans Schicksal das des Äneas&#039; reflektiert, nicht aber die Figur selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiele für das konkrete Auftreten von Figuren aus anderen Erzählungen kann im Hinblick auf die vielen Figuren des &amp;quot;arthurischen Erzählens&amp;quot;  wie etwas [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ginover]], [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keye]] oder [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] beobachtet werden, die mit den Charakteren  im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Zeit und Handlungsraum teilen [Draesner 1993: 195] und  dadurch eine &amp;quot;werkübergreifende Erzählwelt&amp;quot; schaffen. [Draesner 1993: 195] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird im Falle der oben genannten Charaktere auf die Artussage allgemein hingewiesen, können ebenfalls Verweise auf konkrete Werke rund um den arturischen Heldenstoff gefunden werden. An dieser Stelle wäre auf die Szene hinzuweisen, als [[Parzivals Begegnung mit den Rittern (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival im Wald zum ersten Mal Rittern begegnet]], die den Frauenräuber Meljakanz verfolgen, der Imane von der Beafontane entführt hat (125,1-16). Die Figur des Meljakanz taucht konkret im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; Hartmanns von Aue auf, wo Meljakanz als Entführer der Königin Ginover  auftritt. [Drasener 1993: 194] Durch die Erwähnung von Meljakanz im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; wird hier nun explizit auf die Ginover-Entführung im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; verwiesen. Zwar handelt es sich im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; um die Königin Ginover und im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; um Imane, jedoch können eindeutige Parallelen hinsichtlich der Entführung und der Entführten gezogen werden. [Draesner 1993: 195]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markierung im äußeren Kommunikationssystem ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier können wieder verschiedene Typen vorliegen: &lt;br /&gt;
# Markierung von Intertextualität erfolgt innerhalb des Textes, von der aber nur die Leser und nicht etwa die Figuren Kenntnis haben. &lt;br /&gt;
# Markierung der Intertextualität durch Anführungszeichen, andere Druck- oder Schrifttypen&lt;br /&gt;
# Stilkontrast [Broich/Pfister 1985: 41-44]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
Für den ersten Typ kann hier exemplarisch eine [[Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals|Sigune-Szene]] herangezogen werden. Parzival  befindet sich auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039; und entdeckt im Wald [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], die um ihren [[Sakralisierung des toten Leibs: Ein Vergleich zwischen Wolframs Parzival und Willehalm|toten Geliebten Schionatulander]] trauert und ihm über den Tod hinaus treu sein will (435,13-436,3). An dieser Stelle geht der Erzähler auf den &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; Hartmanns von Aue ein (436,4-7):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob sie worden waer sîn wîp, || Wär sie seine Frau geworden -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ hete sich frou Lûnete || was Lunete ihrer Herrin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesûmet an sô gaeher bete || voreilig geraten hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  als di riet ir selber frouwen. || damit hätte sie gezögert!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler bezieht sich hier auf Laudine im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;, die den Rat ihrer Dame Lunete befolgt und Iwein, den Mörder ihres Mannes, heiratet (1000-2445). &amp;lt;ref&amp;gt;Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein. Herausgegeben und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a.M. 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Iwein erbittet sich nach der Hochzeit ein Jahr, um auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039; fahren zu können, kehrt dann aber nicht rechtzeitig zurück und wird von Laudine verstoßen (2910-3215).&amp;lt;ref&amp;gt;Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.  Herausgegeben und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a.M.  2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hier weiß nur der Rezipient, dass auf einen anderen Text Bezug genommen wird und nicht etwa die Figur selbst. Der Vergleich an dieser Stelle mit dem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; hat zur Folge, dass [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes Treue]] als besonders tugendhaft dargestellt wird, insofern sie sich nach dem Tod ihres Geliebten nicht wieder auf eine neue Beziehung, wie Wolfram das bei Laudine kritisiert, einlassen möchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; können viele intertextuelle Bezüge gefunden werden, die auf die unterschiedlichste Weise im Text repräsentiert sind.. Wie im Mittelalter üblich, bezieht sich der Text auf eine Hauptquelle. Es treten Figuren wie [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und sein [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hof]] auf, die aus dem arturischen Sagenstoff stammen, aber auch Figuren, die auf einen bestimmten anderen Text hinweisen. Die Figuren können entweder selbst im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auftreten, oder aber der Erzähler verweist auf Figuren aus anderen Texten, was wiederum dann nur für den Rezipienten, nicht aber für die Charaktere selbst, sichtbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturangaben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Broich/Pfister 1985] Broich, Ulrich, Manfred Pfister (Hrsg.): Intertextualität. Formen, Funktionen,  anglistische Fallstudien, Tübingen 1985.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike: Wege durch erzählte Welten. Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt a.M. 1993.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Cornelia Schu: Vom erzählten Abenteuer, Frankfurt a.M. 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]] [[Kategorie:Intertextualität]] [[Kategorie:Metanarration]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Motivation_im_Parzival&amp;diff=21624</id>
		<title>Motivation im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T11:27:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Handlung in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endet damit, dass [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] getauft wird und er Repanse de Schoye heiratet (811ff.),zudem wird [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] erlöst (795,29) uvm.&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Frage die hier behandelt wird, ist, wie es soweit kommt bzw. wie das Geschehen bis zu diesem Ende der Handlung vorangetrieben wird. In der Literaturwissenschaft gibt es für diesen Aspekt der Textanalyse - die Motivation - verschiedene Modelle.&amp;lt;ref&amp;gt;s. Schulz, Armin: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive, Berlin/New York 2012, S.322f.; Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646. &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Im Folgenden wird sich jedoch in erster Linie auf die Arbeiten von Matias Martinez bezogen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Motivation nach Martinez ==&lt;br /&gt;
Laut Matias Martinez folgen in den meisten Erzählungen die einzelnen Ereignisse nicht einfach nur chronologisch aufeinander, sondern einem Prinzip, welches durch bestimmte Regeln und Gesetzte festgelegt sei. Martinez spricht dabei von Motivierung als &amp;quot;&#039;&#039;Ursache oder Begründung für das einem narrativen (dramatischen oder im engeren Sinne erzählenden) Text dargestellte Geschehen.&#039;&#039;&amp;quot;[ Martinez 2000: 643 ] Hinsichtlich der Funktion dieses narrativen Konzepts verweist er auf die Erzeugung von Kohärenz der Handlung. Die finale und kausale Motivierung werden von Martinez zudem in der erzählten Welt selbst angesiedelt und bilden einen Teil dieser. Seinen Annahmen legt er die Arbeiten von Clemens Lugowski zu Grunde, der in &amp;quot;Motvation von vorne&amp;quot; und &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot; unterscheidet. Martinez ordnet der letzteren Kategorie sowohl die finale als auch die kompositorische Motivation zu. Zudem stellt er fest, dass sich die verschiedenen Motivationsarten nicht unbedingt ausschließen müssen, sondern in vormodernen Texten die finale Motivation meist die kausale Motivation dominiert.[Harms 2013: vgl. 50f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kausale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Kausale Motivation wird häufig auch als &amp;quot;Motivation von vorne bezeichnet&amp;quot;. Der Grund hierfür liegt darin, dass die Motivation in diesem Fall wie eine Ursache-Wirkungs-Kette funktioniert, d.h. ein Ereignis stellt das Ergebnis einer solchen dar. Eine derartige Motivation können &#039;&#039;&amp;quot;psychologische Beweggründe der Protagonisten für ihre Handlungen, auch nicht-intentionale Ursachen wie Zufälle, Naturereignisse oder Gemengenlagen von Handlungen&amp;quot;&#039;&#039; sein.[ Martinez 2000: 643 ] Damit derartige kausale Zusammenhänge im Text klar werden, müssten sie nach Uta Störmer-Caysa möglichst wirklichkeitsgetreu und detailliert erzählt werden. [Störmer-Caysa 2007: 96]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Finale Motivierung ===&lt;br /&gt;
Von einer finalen Motivation wird gesprochen, wenn das Geschehen durch eine allmächtige und übergeordnete Macht gelenkt wird, die die Handlungen determiniert. Die Protagonisten besitzen keine Möglichkeit selbst auf die Entwicklung einzuwirken, sondern folgen nur dem übergeordnetem Plan. Insgesamt ist der Handlungsverlauf vom Ende her bestimmt und ergebnisorientiert ausgerichtet. [ Martinez 2000: 643 ] &lt;br /&gt;
Ein Beispiel für eine finale Motivation ist in Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; zu finden, deren Handlung von dem Schicksal (&#039;&#039;fortuna&#039;&#039;) vorangetrieben wird. Eine derartige Motivierung des Geschehens wurde vor allem als Sinnbildungsmuster für sonst nicht erklärbare Handlungen eingesetzt. Zudem muss davon ausgegangen werden, dass von den Zeitgenossen Wolframs stets eine teleologische Deutung mitgedacht wurde, da Gott für sie immer und überall präsent war. [Störmer-Caysa 2007: 96ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kompositorische Motivierung ===&lt;br /&gt;
Die kompositorische Motivation nach Martinez ist auf einzelne Motive, Handlungen oder Ereignisse gerichtet, die eine funktionale Stellung in der Gesamtkomposition einnehmen. [ Martinez 2000: 644 ] Dies kann man sich wie folgt vorstellen: Beispielsweise wird zu Beginn einer Erzählung ein Schwert erwähnt. So muss am Ende der Handlung das Schwert die Rettung für den Helden darstellen, auch wenn es während der Zwischenhandlung nicht einmal erwähnt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Motivation im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nun wird analysiert, welche der genannten Formen von Motivation im Wolframs Roman vorkommen. Dabei wird zugunsten einer genauen und exemplarischen Analyse einzelner Textabschnitte, auf eine ganzheitliche Untersuchung verzichtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmurets Aufeinandertreffen mit Belacane ===&lt;br /&gt;
Gahmurets trifft genau zu dem Zeitpunkt vor der Burg von [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] ein, als diese und ihr Volk durch eine Belagerung bedroht wird und ihr Geliebter ermordet wurde. Auf den ersten Blick wirkt Gahmurets Landung genau an diesem Strand wie ein Zufall. Unter Einbezug der Überlegungen Harald Haferlands zu der Darstellung finaler Motivation in Texten erscheint diese Zufälligkeit allerdings in einem anderen Licht. Haferland, der sich bei seinen Überlegungen auf die Arbeiten von Max Lüthi (1947) bezieht, spricht davon, dass bei finaler Motivation häufig eine raumzeitliche Passung stattfinde. Er folgert daraus, dass es sich nicht um Zufall handle, wenn eine Figur zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort erscheine. Es handle sich viel mehr um eine Präzision. [Haferland 2014] Übertragen auf die oben genannte Stelle im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, erscheint diese genau passend für diese Überlegungen. Oder warum sollte Gahmuret, der einfach losfährt, genau zu dem Zeitpunkt irgendwo im Orient vor einer Burg auftauchen, die gerade belagert wird? Eine mögliche Erklärung, die dagegen spricht, ist die, dass er als [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Söldner]] des Barucs eben dorthin geschickt wird. Weiter wäre ein Argument gegen eine finale Motivation, dass Gahmuret durch einen Meeressturm zufällig genau an diesen Strand gespült wird (16,20). Ausgehend von Martinez&#039; Definition kausaler Motivation, zu der auch Naturereignisse zählen, würde diese Gegebenheit eindeutig für eine Ursache-Wirkungs-Kette sprechen. Wenn man diese Stelle nun aber weniger mit Blick auf das Naturereignis betrachtet, sondern vielmehr als [[Intertextualität: Parzival und die Aeneis|intertextueller Verweis auf  Vergils Aeneis]], genauer als Bezug zu Aeneas Landung in Karthago (Aeneis, 1,100-155), so ist die Stelle anders zu bewerten. In Vergils Werk ist der Meeressturm durch die Götter bestimmt und somit kann der intertextuelle Verweis an dieser Stelle auch auf eine finale, hier göttliche, Motivierung hindeuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzivals Berufung zum Gralskönig ===&lt;br /&gt;
[[Cundrîe - Figur des Wendepunktes|Cundrie]], die Gralsbotin, spricht kurz vor ihrer Rede über die Erwählung davon, dass sich Parzival die Berufung &#039;&#039;erstriten&#039;&#039; (782, 29) habe. In ihrer Rede wird jedoch deutlich, dass sie die Berufung zum Gralskönig eng an die Gnade Gottes knüpft. [Schuhmann 2008: 183] Es scheint, als ob an dieser Stelle finale und kausale Motivation aufeinandertreffen, weshalb die Frage, wie Parzivals Berufung zum Gralskönig hier und an anderen Stellen motiviert ist, besonders interessant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stephan Fuchs-Jolie beginnt mit seiner Analyse bei  Parzivals Weg zur Gralsburg und arbeitet ein Problem bei der Übertragung des vorgegebenen Erzählziels (finales Paradigma) auf die syntagmatische Ebene der Handlungsabfolge heraus. Er sieht Parzivals Ankunft bei [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] nicht als eine kausale Folge an. So erlange Parzival zwar die Huld Gottes am Ende wieder, um die er gekämpft habe, allerdings habe er sie nicht bekommen, weil er gekämpft habe. Dies spricht für eine finale Motivation. Joli-Fuchs erwähnt jedoch gleichzeitig, dass Parzival die Huld Gottes auch nicht ohne Kämpfen bekommen habe.[Fuchs-Jolie 2007: 54f.] &lt;br /&gt;
Hervorzuheben ist auch die Erzählung des Rituals an sich, da Anfortas Bitte, dass Parzival ihn erlösen möge, sehr spontan wirkt (795,10). Allerdings wirkt diese Spontanität an dieser Stelle unnötig, da dem Rezipienten, als auch Parzival klar ist, dass letztere die entscheidende Frage gleich stellen wird. [Fuchs-Jolie 2007: 53]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Fuchs-Jolie 2007] Fuchs-Jolie, Stephan: lebendec begrabn. Ein Versuch über Parzivals Unsichtbarkeit, in: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arturischen Roman, Tübingen 2007, S.33-56.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haferland 2014] Haferland, Harald: &amp;quot;Motivation von hinten&amp;quot;. Durchschaubarkeit des Erzählens und Finalität in der Geschichte des Ezählens, 2014, URL: https://www.diegesis.uni-wuppertal.de/index.php/diegesis/article/view/160/226  (abgerufen am 25.06.2014).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Harms 2013] Harms, Björn Michael: Narrative &amp;gt;Motivation von unten&amp;lt;. Zur Versionenkonstitution von &amp;gt;Virginal&amp;lt; und &amp;gt;Laurin&amp;lt;, Berlin/Boston 2013.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[* Martinez 2000] Martinez, Matias: Motivierung, in: Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft (=Bd.2), Berlin/New York 2000, Sp.643-646.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuhmann 2008] Schuhmann, Martin: Reden und Erzählen. Figurenrede in Wolframs Parzival und Titurel. Heidelberg 2008.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Störmer-Caysa 2007] Störmer-Caysa, Uta: Grundstrukturen mittelalterlicher Erzählung. Raum und Zeit im höfischen Roman, Berlin 2007.&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Erzähltheorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Funktion_der_Taufe_im_Parzival&amp;diff=21583</id>
		<title>Die Funktion der Taufe im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-11T07:39:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Taufe ist ein christliches Ritual, welches in [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolframs]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; an mehreren Stellen in Erscheinung tritt. In Christentum ist die Taufe das Aufnahmeritual in die religiöse Gemeinschaft. Für Gahmuret stellt sie jedoch eine Hürde für die Heirat mit [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] dar, wohingegen sie für seinen Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz ]] vielmehr die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Die Frage ist nun, ob die Taufe nur eine religiöse Funktion oder auch andere Aufgabe erfüllt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe als christliches Ritual ==&lt;br /&gt;
Generell ist die Taufe das Ritual, durch welches eine Person die religiöse Gemeinschaft der Christen aufgenommen wird. Aus diesem Grund ist die Taufe an sich ein transzendenter Akt. Außerdem war zu Wolframs Zeit die Ansicht verbreitet, dass seit dem Sündenfall Adams jede Seele dem Teufel gehöre, bis sie diesem durch das Sakrament der Taufe genommen werde. Die drei entscheidende Elemente bei der Taufe sind: Glaube, Wasser und Trinität.[Gnädinger 1974: 57f.] Hinsichtlich des Mittelalters müssen in Bezug auf die Taufe zusätzlich die Überlegungen des Augustinus mit berücksichtigt werden. So ging dieser davon aus, dass man durch die Taufe das göttliche Licht empfange, welches zu innerem Verstehen und Sehen führe. [Gnädinger 1974: 67-69] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Taufe auf intradiegetischer Ebene ==&lt;br /&gt;
Die Taufe tritt an zwei Stellen der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;-Handlung am stärksten in Erscheinung - beim Abschied Gahmurets von Belacane und bei der Taufe von Feirefiz. Nun werden beide Stellen hinsichtlich der Funktion der Taufe in den jeweiligen Situationen untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ritual an sich wird im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch vor der Taufe von [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] charakterisiert. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (752, 27-30)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|der touf sol leren triuwe. || Die Taufe gießt Treue in die Seelen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sit unser e diu niuwe || Darum ist unsere Religion, der Neue Bund,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nach Kriste wart genennet: || nach Christus benannt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an Kriste ist triwe erkennet. || denn in Christus hat die Treue Gestalt angenommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesen Versen wird vor allem die religiöse Dimension der Taufe verdeutlicht, wobei besonders der Aspekt der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] hervorgehoben wird. Dieser wird durch die Personifikation der Treue in Jesus (752,30) eine besondere Stellung zugewiesen. Die Taufe erscheint dadurch als ein religiöses Ritual, das einerseits [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] voraussetzt und andererseits diese lehrt. Zusätzlich wird der Taufe die Folge zugesprochen am &#039;&#039;urteillichen ende uns loesen sol gebande&#039;&#039; (107,23f.). Hierdurch wird noch einmal die Wichtigkeit der Taufe nicht nur im Diesseits, sondern auch besonders für das Jenseits betont. Dem mittelalterlichen Rezipienten, der stets auf seinen Seelenheil bedacht war, wird hierdurch die Notwendigkeit der Taufe vor Augen geführt. Die in der Forschung diskutierte Tränentaufe, wird hier nicht miteinbezogen, da es im Folgenden um das durch einen Priester verliehene Sakrament der Taufe gehen soll.&amp;lt;ref&amp;gt;Zur Tränentaufe s. beispielsweise Gnädinger, Louise (S.69). &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
Das erste mal wird die Taufe bei der [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abreise Gahmurets aus Zazamanc]] erwähnt. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
!  !! Mittelhochdeutsch  !!  Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|56,25f. || &#039;&#039;frouwe, wiltu toufen dich,&#039;&#039; || Meine Dame, wenn du dich taufen lässt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| || &#039;&#039;du maht ouch noch erwerben mich.&#039;&#039;||   vielleicht kannst du mich dann doch noch wiedergewinnen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Gegensatz zur religiösen Funktion der Taufe - der Integration in eine religiöse Gemeinschaft - stellt sie hier ein Moment der Abgrenzung dar. Gahmuret verwendet die Taufe hier als den Grund, warum er nicht weiter mit Belacane zusammen sein kann. Zwar stellt er ihr in Aussicht, dass sie, indem sie sich taufen ließe, ihn zurückgewinnen könne, durch die Konstruktion des Verses mit den Wörtern &#039;&#039;ouch noch&#039;&#039; (56,26) wird jedoch ausgedrückt, dass dies eher unwahrscheinlich ist. Aus diesem Grund wird an dieser Stelle suggeriert, dass es sehr abwegig ist, dass ein Heide oder eine Heidin getauft wird, auch wenn Belacane sich bereitweillig taufen ließe (57,7f.). Die Taufe eröffnet eine [[Das Heidentum als Hindernis|Kluft zwischen heidnischer und christlicher Kultur]], die für die Lebenswelt der Protagonisten weitreichende Folgen besitzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]], der von seiner [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Mutter Belacane erzogen wurde, gehört bis zu seiner Taufe nicht dem Christentum an und glaubt auch nicht an den Gott der Christen. Dies zeigt sich beispielsweise in der [[Antikenrezeption im Mittelalter|Anrufung Jupiters]], als er den Gral nicht sehen kann (vgl. 810, 26). Zu diesem Zeitpunkt ist Feirefiz noch deutlich in seinem &amp;quot;heidnischen&amp;quot; Glauben verankert. Allerdings lässt er sich nur wenige Verse später taufen (vgl. 813ff.). Die sich aufdrängende Frage ist nun die, warum sich Feirefiz so schnell umentscheidet und welche Bedeutung die Taufe für ihn und für die Darstellung des Christentums im Parzival besitzt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zu Beginn muss jedoch geklärt werden, inwieweit Feirefiz das oben angesprochene Kriterium der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]], die im Parzival eng mit der Taufe zusammenhängt, erfüllt. Wolfram spricht Feirefiz die Treue bei dem Kampf gegen Parzival zu, als er schreibt: &#039;&#039;da streit der triwen luterheit: groz triwe alda triwen streit&#039;&#039; (741,21f.). Somit könnte gesagt werden, dass eine Taufe ab diesem Zeitpunkt in Bezug auf die zu erfüllenden Tugenden legitimiert ist. Durch den Besitz dieser Tugend, aber auch durch den Vollzug der Taufe findet hier eine Verschränkung von heidnischer und christlicher Kultur statt. Es ist jedoch nicht von einer Überblendung des Heidnischen durch das Christliche zu sprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist, wie die Taufe an Feirefiz herangetragen wird und wie er darauf reagiert. So bitten [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] und der Wirt ihn, sich taufen zu lassen, damit er den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] sehen könne (813, 23ff.). Wie hier erklärt wird, ist die Taufe eine Zugangsvoraussetzung, um den Gral sehen zu können bzw. ein Teil der [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsgemeinschaft]] zu werden. Gnädinger stellt hierzu die These auf, dass durch die Taufe die Erbschuld, die die Heiden nach zeitgenössischer Ansicht besessen hätten, weggewaschen würde. [Gnädinger 1974: 66] Dieser Grund sich taufen zu lassen, wirkt für Feirefiz  irrelevant. In seinem Interesse steht viel mehr, dass er durch die Empfängnis des Sakramtens [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]] heiraten kann (vgl. 814,1f.). Für Feirefiz ist die Taufe so ein Mittel zum Zweck und er handelt nicht aus religiösen Motiven. Dies erzeugt dadurch [[Komik und Erzählen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Komik]], da die sexuelle Begierde Feirefiz&#039; auf den sakralen Ernst der Taufe stößt. Auf diese Weise kommt dem Sakrament hier die Funktion zu, Komik zu erzeugen.[Ridder 2002: 148f.] Besonders hervorgehoben wird dies durch seine Aussage: &#039;&#039;holt man den touf mit strite&#039;&#039;(814,25). Anscheinend sieht er die Taufe als etwas zu erkämpfendes, wodurch seine Unwissenheit und sein Unverständnis der christlichen Kultur gegenüber offenbart wird. Im Vordergrund steht an dieser Stelle das [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Aufeinandertreffen von Christen und Heiden]].Kritik wird durch Wolfram aber nicht geäußert, was für den zeitgenössischen Rezipienten äußerst verwunderlich gewesen sein dürfte. Diese Verwunderung könnte zu einer engeren Auseinandersetzung der Rezipienten mit der Thematik der Taufe und den Gründen sich taufen zu lassen, geführt haben. Folglich wäre dies eine Auseinandersetzung der christlichen Zuhörer mit sich selbst und ihrer Religion geworden. Somit bekäme die Taufe, sofern eine derartige Reflexion der Rezipienten stattfand, auch diese Funktion. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Bezug auf die Funktion der Taufe in der Gahmuret-Handlung ist auffällig, dass die Taufe hier kein abgrenzendes sondern integratives Ritual darstellt. Denn durch die Taufe wird Feirefiz in Gralsgesellschaft eingeführt. In diesem Handlungsraum hat die Religion eine größere Bedeutung als in der Gesellschaft am und um den Artushof. Folglich geht es hier weniger um eine religiöse Funktion, wie beispielsweise ein Heide bekehrt werden soll, sondern um die Hervorhebung der Geschlossenheit und Exklusivität der Gralsgesellschaft. [Schotte 2009: 80] Gnädinger führt einen weiteren Aspekt ein, indem sie durch das erneute Aufgreifen der Taufe bei Feirefiz eine Fortführung der Gahmuret-Handlung sieht. [Gnädinger 1974: 54]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf der Handlung nimmt diese Taufe eine wichtige Funktion ein, da Feirefiz durch die in den heilsgeschichtlichen Plan eingeordnet wird und den christlichen Glauben in Indien verbreitet (822,27-30). Erst hierdurch gewinnt die von Komik durchzogene Taufe von Feirefiz eine gewisse Ernsthaftigkeit und ihren religiösen Wert. [Schmitz 2012: 155] Hinsichtlich der Einordnung in den Heilsplan sieht Joachim Bumke die Funktion eben genau in der Einordnung Feirefiz&#039; in dieses Wirken, wodurch er mit Bezug auf die [[Motivation im Parzival|Motivation]] die Taufe als reine Formalie sieht. [Bumke 1991: 238f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die anfangs gestellte Zwischenfrage, warum sich Feirefiz so schnell für eine Taufe entscheidet ist klar, da er sich zum Zeitpunkt des Vollzugs weniger für den christlichen Glauben als für die Liebe zur Gralsträgerin Repanse de Schoye entscheidet. Dies stellt für den Verliebten keine schwierige Entscheidung dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Taufe auf extradiegetischer Ebene == &lt;br /&gt;
Das Sakrament der Taufe spielt im Parzival nicht nur innerhalb der eigentlichen Handlung eine entscheidende Rolle, sondern auch mit Blick auf die Quellenfrage. So verweist Wolfram darauf, dass nicht ein Christ, sondern der Heide Flegetanis die Geschichte um den Gral niedergeschrieben habe (vgl. 553f.). Allerdings sei die Erkenntnis dessen, was dort aufgeschrieben wurde, erst durch [[Wolfram, Kyot, frou âventiure — Zum Ursprung der Geschichte in Wolframs Parzival|Kyot]], &#039;&#039;dem es half daz im der touf was bi&#039;&#039; (543,18) geschehen. An dieser Textstelle wird laut Clench eindeutig das augustinische Verständnis der Taufe deutlich, da nur einem Getauften, der nach das Licht Gottes empfangen habe, inneres Verstehen möglich wäre.&amp;lt;ref&amp;gt;Aufbauend auf dieser Schlussfolgerung wird nochmals verdeutlicht, dass der Parzival auch eine bedeutende Quelle für die Mentalitätsgeschichte des Mittelalters bildet.&amp;lt;/ref&amp;gt; [Clench 2014: 70f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Abschließend lässt sich sagen, dass die Taufe auf intradiegetischer Ebene neben der Aufnahme in die christliche Gemeinschaft verschiedene Funktionen besitzt. In der Gahmuret-Handlung kommt ihr die Rolle eines trennenden Elements, wohingegen sie bei Feirefiz die Türen zur Gralsgemeinschaft öffnet. Durch die fehlende Kritik an den Gründen für die Taufe auf Seiten des Heiden, kann zudem vermutet werden, dass hier die Funktion dazukommt, dass die Taufe zu einer Selbstreflexion der zeitgenössichen Rezipienten führen sollte. Im Gegensatz dazu, wird auf der extradiegetischen Ebene durch die Taufe die Überlegenheit des Christentums herausgestellt. Es ist deutlich geworden, dass der Taufe im Parzival noch viel mehr Funktionen zukommen als die reine Aufnahme in die Gemeinschaft der Christen. Die Taufe erhält, wie Schmitz schreibt, erst im Nachhinein durch die einsetzende Christianisierung in Indien eine religiöse Aufwertung, bei der Taufhandlung an sich tritt die religiöse Funktion der Taufe erst einmal in den Hintergrund.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 1991] Bumke, Joachim: Parzival und Feirefiz - Priester Johannes - Lohehangrin: Der offene Schluss des Parzival von Wolfram von Eschenbach, in: DVjs 61 (1991), S. 230-364. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Clench 2014] Clench, Kathrin: Die Wahrnehmung göttlichen Wirkens im interreligiösen Kontakt am Beispiel des &amp;gt;Parzival&amp;lt; Wolframs von Eschenbach, in: Thomas, Honegger et al. (Hgg.): Gottes Werk und Adams Beitrag: Formen der Interaktion zwischen Menschen und Gott im Mittelalter, Berlin 2014, S. 63-76.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Gnädinger 1974] Louise, Gnädinger: Wasser - Taufe -Tränen, in: Wolfram Studien 2 (1974), S. 53-71. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Ridder 2002] Ridder, Klaus: Narrheit und Heiligkeit. Komik im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolframs von Eschenbach, in: Wolfram Studien 17 (2002), S. 136-156. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmitz 2012] Schmitz, Michaela: Der Schluss des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach. Kommentar zum 16. Buch, Berlin 2012. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Germanistische Arbeiten zu Sprache und Kulturgeschichte 49 (2009). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Religion]] [[Category:Feirefiz]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21582</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21582"/>
		<updated>2015-07-11T07:27:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden wird folgende Ausgabe als Grundlage der Überlegungen verwendet: Binder, Edith/Binder Gerhard (Hgg. und Übers.): P. Vergilius Maro. Aeneis, Stuttgart 2009.&amp;lt;/ref&amp;gt; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der Herzeloyde wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde erneut auf &#039;&#039;aventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315] &lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Vorausdeutungen auf die Folgehandlung&lt;br /&gt;
#Erzeugung einer Erwartungshaltung beim Rezipienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes und das mit ihr verbundene Minnekonzept. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140] Durch diese Aspekte und der damit entstehenden Rezeptionshaltung ist es dem Autor zudem möglich, die Wahrnehmung des eigenen Texts zu steuern, da der Leser somit in die Interpretation hineingezogen wird, da er stets auch die eigenen Werte und Normen als Maßstäbe für einen Vergleich ansetzt. [Draesener 1993: 348] Somit führen die intertextuellen Bezüge im Idealfall zu einer Selbstreflexion des Rezipienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Ausdruck persönlicher Ansichten Wolframs&lt;br /&gt;
#Abgrenzung von der literarischen Tradition &lt;br /&gt;
#Schärfung des Bildes der Belacane und des mit ihr verbundenen Minnekonzepts&lt;br /&gt;
#Aufrufen von Normen, Werten und Idealen --&amp;gt; Steuerung der Wahrnehmung des vorliegenden Texts &lt;br /&gt;
#Im Idealfall: Selbstreflexion des Rezipienten in Bezug auf eigene Werte, Normen und Ideale &lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
Obwohl hier nur sehr wenige Textstellen in Bezug auf die intertextuellen Bezüge zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; untersucht wurden, kristallisierten sich die verschiedensten Funktionen dieser Verweise und Anspielungen heraus. Auf makrotextueller Ebene eröffnet Wolfram beispielsweise durch die geschickte Platzierung der Verweise einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt. Auf mikrotextueller Ebene hingegen besitzen die behandelten Bezugspunkte die verschiedensten Funktionen. Diese reichen von der Erzeugung einer Erwartungshaltung über den Ausdrück persönlicher Ansichten hin zu einer möglichen Selbstreflexion des Rezipienten usw. Es zeichnet sich jedoch das Bild, dass jeder Verweis an sich sehr spezielle Funktionen für die einzelne Textstelle besitzt. In wieweit eine Verallgemeinerung auf weitere Stellen stattfinden kann, bleibt noch offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21532</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
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		<updated>2015-07-10T15:23:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der Herzeloyde wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde erneut auf &#039;&#039;aventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315] &lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Vorausdeutungen auf die Folgehandlung&lt;br /&gt;
#Erzeugung einer Erwartungshaltung beim Rezipienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes und das mit ihr verbundene Minnekonzept. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140] Durch diese Aspekte und der damit entstehenden Rezeptionshaltung ist es dem Autor zudem möglich, die Wahrnehmung des eigenen Texts zu steuern, da der Leser somit in die Interpretation hineingezogen wird, da er stets auch die eigenen Werte und Normen als Maßstäbe für einen Vergleich ansetzt. [Draesener 1993: 348] Somit führen die intertextuellen Bezüge im Idealfall zu einer Selbstreflexion des Rezipienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Ausdruck persönlicher Ansichten Wolframs&lt;br /&gt;
#Abgrenzung von der literarischen Tradition &lt;br /&gt;
#Schärfung des Bildes der Belacane und des mit ihr verbundenen Minnekonzepts&lt;br /&gt;
#Aufrufen von Normen, Werten und Idealen --&amp;gt; Steuerung der Wahrnehmung des vorliegenden Texts &lt;br /&gt;
#Im Idealfall: Selbstreflexion des Rezipienten in Bezug auf eigene Werte, Normen und Ideale &lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
Obwohl hier nur sehr wenige Textstellen in Bezug auf die intertextuellen Bezüge zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; untersucht wurden, kristallisierten sich die verschiedensten Funktionen dieser Verweise und Anspielungen heraus. Auf makrotextueller Ebene eröffnet Wolfram beispielsweise durch die geschickte Platzierung der Verweise einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt. Auf mikrotextueller Ebene hingegen besitzen die behandelten Bezugspunkte die verschiedensten Funktionen. Diese reichen von der Erzeugung einer Erwartungshaltung über den Ausdrück persönlicher Ansichten hin zu einer möglichen Selbstreflexion des Rezipienten usw. Es zeichnet sich jedoch das Bild, dass jeder Verweis an sich sehr spezielle Funktionen für die einzelne Textstelle besitzt. In wieweit eine Verallgemeinerung auf weitere Stellen stattfinden kann, bleibt noch offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21529</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21529"/>
		<updated>2015-07-10T15:15:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der Herzeloyde wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde erneut auf &#039;&#039;aventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315] &lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Vorausdeutungen auf die Folgehandlung&lt;br /&gt;
#Erzeugung einer Erwartungshaltung beim Rezipienten&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes und das mit ihr verbundene Minnekonzept. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140] Durch diese Aspekte und der damit entstehenden Rezeptionshaltung ist es dem Autor zudem möglich, die Wahrnehmung des eigenen Texts zu steuern, da der Leser somit in die Interpretation hineingezogen wird, da er stets auch die eigenen Werte und Normen als Maßstäbe für einen Vergleich ansetzt. [Drasener 1993: 348] Somit führen die intertextuellen Bezüge im Idealfall zu einer Selbstreflexion des Rezipienten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Insgesamt lassen sich hier folgende Funktionen der textuellen Verweise feststellen:&lt;br /&gt;
#Ausdruck persönlicher Ansichten Wolframs&lt;br /&gt;
#Abgrenzung von der literarischen Tradition &lt;br /&gt;
#Schärfung des Bildes der Belacane und des mit ihr verbundenen Minnekonzepts&lt;br /&gt;
#Aufrufen von Normen, Werten und Idealen --&amp;gt; Steuerung der Wahrnehmung des vorliegenden Texts &lt;br /&gt;
#Im Idealfall: Selbstreflexion des Rezipienten in Bezug auf eigene Werte, Normen und Ideale &lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21527</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21527"/>
		<updated>2015-07-10T15:03:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. Hinsichtlich der Figur der Herzeloyde wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob sie mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde erneut auf &#039;&#039;aventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Ulrike Draesner verweist in Bezug auf diese und andere Bewertungen darauf, dass hier Wolframs Subjektivität deutlich werde und auch persönliche Ansichten seinerseits deutlich markiert würden. Somit übernimmt der Bezug auf die Aeneis an dieser Stelle auch die Darstellung der Ansicht Wolframs.[Draesner 1993: 141]&amp;lt;ref&amp;gt;Interdisziplinär betrachtet bieten derartige Textstellen gute Zugänge zu historischen Wahrnehmungsmustern.&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21507</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21507"/>
		<updated>2015-07-10T13:49:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonies]]. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie]]. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.] Die Nähe zu der Figur der Dido durch die signifikanten Anspielungen und die eben genannten Differenzen schärfen zudem das Bild Belacanes. Aufgrund der vielen Stellen an denen die Trauer Belacanes hervorgehoben wird, könnte nun der Einwand genannt werden, dass selbst ein kundiger Rezipient nicht alle intertextuellen Bezüge erkennt. Michael Dallapiazza widerspricht jedoch einer derartigen These, indem er darauf verweist, dass selbst wenn nicht jedes Detail verstanden werde, trotzdem die bedeutendsten Normen, Werte und Ideale die in Zusammenhang mit dem jeweiligen Aspekt stehen, aufgerufen würden. [Dallapiazza 2009: 140]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Figur der Dido wurde in der Forschung auch darüber diskutiert, ob Herzeloyde mit Lavinia gleichzusetzen sei. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch ein großer Unterschied zwischen beiden auf. Lavinia und Aeneas sind bis zu ihrem Lebensende glücklich vereint, wohingegen Gahmuret nach der Heirat mit Herzeloyde erneut auf &#039;&#039;aventiure&#039;&#039;-Fahrt geht und ohne sie im Orient stirbt. Aus diesem Grund wird meist davon abgesehen, Lavinia und Herzeloyde gleichzusetzen. Es wurde vielmehr die These entwickelt, dass es sich bei der Mutter Parzivals um eine zweite unglückliche Dido handle. [Bloetzer Ehret 2003: 196]&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21505</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21505"/>
		<updated>2015-07-10T13:32:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minneexkurses]]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So wird Gahmuret, wie Aeneas, in durch einen Meeressturm in das Land[[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]] getrieben (16,20), in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frau]] mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht nur die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
Auf der mikrotextuellen Ebene sind an sehr vielen Stellen Verweise auf die &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu finden. Aufgrund der Vielzahl werden hier nur zwei Stellen exemplarisch für viele weitere Bezüge analysiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen  zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg Antikonies. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21503</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21503"/>
		<updated>2015-07-10T13:19:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines Minneexkurses:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So trifft Gahmuret, wie Aeneas, in einem fremden Land auf eine [[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]], in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine Frau mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen  zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg Antikonies. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahumretbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21502</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21502"/>
		<updated>2015-07-10T13:18:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines Minneexkurses:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So trifft Gahmuret, wie Aeneas, in einem fremden Land auf eine [[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]], in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine Frau mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen  zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg Antikonies. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahrumetbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21501</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21501"/>
		<updated>2015-07-10T13:16:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Begriffsverwendung: Intertextualität */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://%5Bhttp://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister%20http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf%5D Intertextualität nach Manfred Pfister] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines Minneexkurses:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So trifft Gahmuret, wie Aeneas, in einem fremden Land auf eine [[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]], in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine Frau mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen  zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg Antikonies. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahrumetbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21500</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21500"/>
		<updated>2015-07-10T13:15:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: /* Begriffsverwendung: Intertextualität */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Intertextualität beschreibt allgemein den Bezug eines Textes auf einen oder mehrere andere Texte. Solche Bezüge sind schon seit der Antike in Romanen und anderen Textsorten zu finden. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde der Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt, die bei ihren Arbeiten auf den Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; Bachtins zurückgriff. Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren. Eine klare Unterscheidung zwischen den einzelnen Bezugsformen ist nun wichtig, um den Begriff der Intertextualität deutlich abzugrenzen:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen [Martinez 1997: 150f.]&lt;br /&gt;
Klar ist, dass im Folgenden der letzte Begriff im Mittelpunkt stehen soll. Allerdings ist die bisherige Definition noch sehr weitläufig, weshalb auch die sechs Kriterien zur Skalierung von [http://Intertextualität%20nach%20Manfred%20Pfister http://www.geisteswissenschaften.fu-berlin.de/v/littheo/methoden/intertextualitaet/darstellungen/vanhelt_pfister.pdf] verwendet werden: Referentialität, Kommunikativität, Autoreflexivität, Strukturalität, Selektivität, Dialogizität.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines Minneexkurses:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mit kunst gein iwerm arde maz:&#039;&#039; || überaus kunstvoll, Euer Wesen mit einem Baum verglichen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;wie man iuch süle behalten!&#039;&#039; || wie man euch halten kann!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So trifft Gahmuret, wie Aeneas, in einem fremden Land auf eine [[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]], in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine Frau mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen  zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg Antikonies. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahrumetbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21499</id>
		<title>Intertextualität: Parzival und die Aeneis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t:_Parzival_und_die_Aeneis&amp;diff=21499"/>
		<updated>2015-07-10T13:00:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;[[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] verwendet in seinem Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuelle Bezüge]] zu Vergils &#039;&#039;Aeneis&#039;&#039; beziehungsweise Veldekes &#039;&#039;Eineit&#039;&#039;. Die Verweise auf die Aeneis sind auf zwei Arten im Text realisiert. Einerseits gibt es direkte Bezüge wie etwa der Vergleich zwischen der Burg in Karthago und [[Geografische Orte im Parzival|Schanpflanzun]] (399,11-12),&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden immer zitiert aus: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&amp;lt;/ref&amp;gt; andererseits gibt es Ähnlichkeiten auf der makrotextuellen Ebene. An dieser Stelle sind die [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Liebesbeziehungen Gawans]] zu nennen, die parallele Strukturen zur Handlung zwischen Aeneas und Dido und später Lavinia aufweisen. &lt;br /&gt;
Das Ziel dieses Artikels ist es nun, die Funktion dieser [[Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|intertextuellen Bezüge]] herauszuarbeiten. Dabei wird besonders die durch die Verweise entstehende Rezeptionshaltung der [[Adressaten des Parzivals|Textadressaten]] in den Blick genommen, wobei sich insbesondere auf die mikrotextuelle Ebene bezogen wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Begriffsverwendung: Intertextualität==&lt;br /&gt;
Schon seit der Antike beziehen sich Texte aufeinander. In den späten 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts wurde dieser Begriff vor allem durch Julia Kristeva geprägt. &lt;br /&gt;
Hermeneutisch-strukturalistische Ansätze sehen die Intertextualität in erster Linie als ein Verfahren, welches zur innerliterarischen Sinnbildung führt. Dabei gibt es, wie Genette herausarbeitet, verschiedene Arten eine derartige Transtextualität im Text zu implementieren:&lt;br /&gt;
# Paratextualität: beigeordnete Texte&lt;br /&gt;
# Metatextualität: Im Text wird ein anderer Text kommentiert&lt;br /&gt;
# Architextualität: taxonomische Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gattung &lt;br /&gt;
# Hypertextualität: Überlagerung von Texten (der spätere Text kann ohne den früheren Text nicht existieren) &lt;br /&gt;
# Intertextualität: Präsenz eines Textes in einem anderen, in Form von Zitaten, Plagiaten oder Anspielungen&lt;br /&gt;
Wie bereits angesprochen, soll es hier um den letzten Aspekt gehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Vergils Aeneis und Veldekes Eineit ==&lt;br /&gt;
Die Frage, welche Fassung den Bezugstext für Wolframs Arbeiten darstellt, ist nicht eindeutig zu beantworten. Wahrscheinlich ist, dass ihm mehrere Vorlagen zur Verfügung standen. &lt;br /&gt;
Zunächst muss davon ausgegangen werden, dass Wolfram, der höchstwahrscheinlich die Schule der [[Septem artes liberales|&#039;&#039;septem artes liberales&#039;&#039;]] durchlief, mit Vergils antiker Version vertraut war. Bezüglich der mittelalterlichen Fassungen von Chrétien de Troyes und Heinrich von Veldeke ist unklar, ob er auf beide referiert.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine gute Analyse Veldekes &amp;quot;Eneas&amp;quot; bietet Lienert, Elisabeth: Deutsche Antikeromane des Mittelalters, Berlin 2001. &amp;lt;/ref&amp;gt; Ein Argument, das dafür spricht, dass dem Autor des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zumindest eine Ausgabe von Veldekes Eineit vorlag, ist die direkte Erwähnung Veldekes während eines Minneexkurses:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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! Mittelhochdeutsch (292,18-21) !! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
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| &#039;&#039;hêr Heinrich von Veldeke sînen buom&#039;&#039; || Herr Heinrich von Veldeke hat bekanntlich einmal,&lt;br /&gt;
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| &#039;&#039;het er uns dô bescheiden baz&#039;&#039;|| Wenn er uns nur deutlicher auseinandergelegt hätte,&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Aufgrund dieser direkten Erwähnung Veldekes wird im Folgenden vorausgesetzt, dass Wolfram in Kenntnis dessen &#039;&#039;Eineit&#039;&#039; war. Zudem muss mit Blick auf die vielen intertextuellen Verweise, auch zu anderen Werken wie dem [[Intertextualität: Parzival und Erec|Erec]], von einem gebildeten Publikum ausgegangen werden.[Dallapiazza 2009: 139]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Makrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intertextuelle Ähnlichkeiten auf der makrostrukturellen Ebene beziehen sich in erster Linie auf parallele Erzählstrukturen. In den zwei Gahumretbüchern sind derartige vergleichbare Strukturen zwischen der &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; und &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu finden. So trifft Gahmuret, wie Aeneas, in einem fremden Land auf eine [[Orientalismus im Parzival|orientalische Herrscherin]], in die er sich verliebt. Das Glück währt jedoch nur kurze Zeit und [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Gahmuret reist heimlich in einer Nacht ab]], um eine erneute Meeresreise zu unternehmen. Anschließend gelangt er in ein neues Reich. Dort trifft er eine Frau mit der er eine christliche Hochzeit feiert. &lt;br /&gt;
Zunächst eine Überblicksdarstellung der Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane im Vergleich zu Veldekes Eineit, die sich an die Arbeiten von Petrus Tax anlehnt:[Tax 1973: 25]&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Eineit !! Parzival&lt;br /&gt;
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| Äneas gewinnt die Liebe der verwitweten Dido, deren Mann von ihrem Bruder erschlagen wurde || Gahmuret gewinnt Belakanes Liebe, ihr Geliebter wurde zuvor im Kampf getötet&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Äneas verlässt Dido auf Befehl der Götter --&amp;gt; Dido nimmt sich das Leben || Gahmuret verlässt Belakane, um auf aventiure-Fahrt zugehen, Belakane bekommt einen gemeinsamen Sohn&lt;br /&gt;
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| Äneas heiratet Lavinia || Gahmuret heiratet Herzeloyde&lt;br /&gt;
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| Äneas erhält vor de Kampf gegen Turnus eine Rüstung|| Gahmuret erhält eine Rüstung&lt;br /&gt;
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Die Frage ist, warum Wolfram diese Strukturen der Aeneis/Eineit auf seinen Parzival überträgt und nicht die Struktur des Artusromans anwendet. Eine Möglichkeit besteht darin, dass indem sich Gahmuret der christlichen Welt und somit auch der Artuswelt abwendet, auch eine anderes Erzählschema notwendig wird. Das Artusschema in einer erzählten Welt anzusiedeln, die von heidnischer Kultur geprägt ist, erscheint als nicht kohärent.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt auf der makrotextuellen Ebene ist die Einrahmung von [[Gawan und die Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans Liebeshandlung]] durch die intertextuellen Verweise auf die Eineit beziehungsweise auf das darin von Veldeke entwickelte Minnekonzept. Durch die Platzierung der Textstellen (292, 18-21 und 532) eröffnet Wolfram einen Exkurs, der eine minnetheoretische Diskussion entfaltet, bei der er sich genauer mit Veldekes Vorstellungen dazu auseinandersetzt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mikrotextuelle Ebene ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gawan als Aeneas ===&lt;br /&gt;
Die Figur des [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawans]] erweckt bei der Analyse hinsichtlich der Intertextualität besondere Aufmerksamkeit, was insbesondere an folgender Textstelle liegt:  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch (399,11-14)!! Neuhochdeutsch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;disiu burc was gêheret sô,&#039;&#039; || Diese Burg war so herrlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz Enêas Kartâgô&#039;&#039; || dass Enêas so viel Majestät &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;nie sô hêrrenliche vant&#039;&#039; || nicht einmal an Kartâgô fand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant&#039;&#039; || wo der Dîdô Tod der edlen  zu einem Pfand der Liebe wurde. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Textstelle betont auf den ersten Blick die Herrlichkeit und den [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Reichtum]] der Burg Antikonies. Das Interessante ist jedoch vielmehr, die direkte Erwähnung von Enêas. Dieser intertextuelle Verweis befindet sich zu Beginn des achten Buches und somit noch vor dem ersten Aufeinandertreffen von Gawan und Antikonie. Die Funktion dieser Textstelle wird besonders deutlich, wenn die entstehende Erwartungshaltung der Rezipienten miteinbezogen wird. Denn durch diese Anspielung auf Didos Burg und die damit verbundene unglückliche Liebesbeziehung zwischen Aeneas und Dido, wird bereits vor dem ersten Treffen darauf verwiesen, dass die Liebe der beiden nicht von Dauer sein wird. &lt;br /&gt;
Zudem wird der Gawan-Handlung eine erotische Dimension hinzugefügt, indem wie eben beschrieben, ein tragisches Liebesabenteuer angedeutet wird. Das Leben Gawans war zuvor hauptsächlich von Kämpfen, unter anderem gegen Meljanz (384ff.), geprägt. Durch diese Anspielung wird schon vor der eigentlichen Begegnung der Liebenden der Handlung eine weitere Dimension verliehen. Allerdings wird die Erwartung des Rezipienten enttäuscht, da es zu keiner sexuellen Interaktion zwischen den beiden kommt.[Draesner 1993: 315]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Belacane als Dido ===&lt;br /&gt;
Bei der Anaylse der Figur der heidnischen Königin von [[Zazamanc]], [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], werden die Parallelen zur karthargischen Königin Dido besonders deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hierbei lohnt es sich zunächst zu betrachten, wie Belacane stilisiert wird. Bei der ersten Begegnung von Gahmuret und Belacane sagt sie: &#039;&#039;ob i&#039;u minen kumber klage, den ich nahe im herzen trage&#039;&#039; (24,13f.). Durch diese Aussage wird sie als trauernde Witwe dargestellt. Mit Blick auf die makrotextuelle Ebene ist hier klar eine Parallele des Aufeinandertreffens zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; zu erkennen. Hinsichtlich der mikrotextuellen Ebene ist jedoch vielmehr von einer Distanzierung zu sprechen. Denn im Vergleich zur &#039;&#039;Aeneis/Eineit&#039;&#039; erzählt nicht der Gast von seinem Schicksal, sondern die Gastgeberin schildert ihr Unglück. Dieser Bericht, der einer Totenklage ähnelt, taucht noch an weiteren Stellen des Romans auf (vgl. 26,9ff.; 28,7f.). Durch die Trauer wird der Königin die Eigenschaft der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] verliehen, welche im Parzival zu dem Idealbild einer Frau gehört.&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. &#039;&#039;wîpheit, dîn ordenlîcher site, dem vert und fuor ie triwe mite&#039;&#039; (116,13f.). &amp;lt;/ref&amp;gt; Auf diese Weise distanziert sich Wolfram von seinen literarischen Vorbildern, die die Figur der Dido deutlich negativer darstellen. [Bloetzer Ehret 2003: 185ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Zusammenfassung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis == &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bloetzer Ehret 2003] Bloetzer Ehret, Dominique. Didos Leid als literarisches Erbe in den Gahrumetbüchern, in:  Études Médiévales. Revue 5 (2003). S. 182-197.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009] Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach: Parzival, Berlin 2009. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike. &amp;quot;Wege durch erzählte Welten.&amp;quot; Intertextuelle Verweise als Mittel der Bedeutungskonstitution in Wolframs Parzival. Frankfurt am Main (1993).&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Tax 1973] Tax, Petrus W.: Gahmuret zwischen Äneas und Parzival, in: ZfdPh 92 (1973), S. 24-37. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Category:Parzival]] [[Category:Wolfram von Eschenbach]] [[Category:Intertextuelle Bezüge]] [[Category:Minne]] [[Category:Gawan]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21442</id>
		<title>Intertextualität im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Intertextualit%C3%A4t_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21442"/>
		<updated>2015-07-10T10:18:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Isabel Raff: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befinden sich zahlreiche Hinweise auf andere Texte und deren Autoren. Dieser Artikel soll kurz auf die Definition von &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039; eingehen, dabei aber die verschiedenen Positionen in der Forschung auslassen. Hauptaugenmerk soll auf verschiedenen Formen von &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039; liegen. Der Artikel soll generell auf diese Formen eingehen und gleichtzeitig überprüfen, ob diese im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorkommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Begriff &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Begriff &#039;&#039;Intertextualität&#039;&#039; wurde in den späten sechziger Jahren von Julia Kristeva geprägt, die sich auf Michail Bachtins Begriff der &#039;&#039;Dialogizität&#039;&#039; rückbezog. Sie beschreibt mit dem Begriff &amp;quot;den Bezug von Texten auf andere Texte&amp;quot; und geht sogar, wie auch die späteren Poststrukturalisten, so weit zu sagen, dass sich jeder Text wie ein Mosaik aus Zitaten zusammengebaut sei, weshalb jeder Text eine Absorption und Transformation eines anderen Texts sei. [Martinez 1997: 151]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Formen der Markierung von Intertextualität allgemein und speziell im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Ulrich Broich liegt Intertextualität vor, wenn der Autor sich darüber bewusst ist, andere Texte in seinem eigenen verwendet zu haben und diese Absicht vom Leser erkannt wird. [Broich/Pfister 1985: 31] Allerdings kann der Grad der Markierung der Intertextualität unterschiedlich sein, das heißt, dass Intertextualität jeweils leichter oder schwerer erkennbar ist. [Broich/Pfister 1985: 32] Wenn der Autor davon ausgeht, dass er in seinem Text auf einen Text verweist, der dem Publikum bekannt ist, kann sogar ganz auf eine Markierung verzichtet werden. [Broich/Pfister 1985: 32] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im mittelalterlichen Literaturbetrieb war es üblich, den eigenen Text auf eine Quelle zu beziehen. [Schu 2002: 133] Im Hinblick auf den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sicher, dass [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] sich auf den &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; von Chrétien als Hauptquelle bezogen hat. [Schu 2002: 133] Wolfram selbst nennt jedoch den &#039;&#039;Perceval&#039;&#039; nicht konkret als Quelle, sondern beruft sich vielmehr auf &amp;quot;eine mündliche Erzählung als Quelle&amp;quot; [Schu 2002: 133], die nicht spezifiziert wird zum Beispiel als er sagt &#039;&#039;ein maere wil i&#039;u niuwen&#039;&#039; ([e]rzähl euch die Geschichte neu, 4,9) &amp;lt;ref&amp;gt;Sämtliche Zitate folgen der Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Nach der Ausgabe Karl Lachmanns revidiert und kommentiert von Eberhard Nellmann, übertragen von Dieter Kühn, hrsg. Eberhard  Nellmann, 2 Bde., Frankfurt a. M. 1994.&amp;lt;/ref&amp;gt; oder &#039;&#039;als uns die âventiure saget&#039;&#039; ([w]ie uns die Histoire erzählt, 12,3). Somit weiß der Rezipient, dass auf eine andere Quelle Bezug genommen wird, der Erzähler lässt aber aus, um welche es sich explizit handelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markierung in Nebentexten===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn ein Autor sich in seinem Werk auf einen anderen Text bezieht, kann der Bezug auf einen anderen Text folgendermaßen identifiziert werden:&lt;br /&gt;
# in einem Nebentext&lt;br /&gt;
# im Titel oder Untertitel [Broich/Pfister 1985: 35-38] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markierung im inneren Kommunikationssystem===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei Markierungen im inneren Kommunikationssystem können verschiedene Formen vorliegen: &lt;br /&gt;
# Nur der Leser, nicht aber die Figuren, ist sich darüber bewusst, dass die Charaktere dem Schema von Figuren aus anderen Texten folgen.  &lt;br /&gt;
# Charaktere selbst können zu einem Text Stellung beziehen und sich entweder damit identifizieren oder distanzieren. &lt;br /&gt;
# Der Autor führt den Text, auf den er sich beziehen will, als physischen Gegenstand ein.&lt;br /&gt;
# Der Autor lässt Figuren aus anderen Texten auftreten. [Broich/Pfister 1985: 39-40]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Beispiel für den ersten Typ kann an der Stelle gefunden werden, als [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gawan]] auf dem Weg zu einem [[Das Tjostieren im Parzival|Zweikampf]] ist und er unterwegs an der Burg Schanpfanzun vorbeikommt, die von außerordentlicher Schönheit ist. Um diese herauszustreichen, verweist der Erzähler auf die römische Mythologie, genauer auf Vergils Aeneis (399,11-14):&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disiu burc was gehêret sô, || Diese Burg war derart schön -    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz Enêas Kartâgô  || dem Äneas schien Karthago &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie sô hêrrenliche vant, || längst nicht derart majestätisch;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ froun Dîdôn tôt was minnen pfant. || Dido starb dort, Pfand der Venus…      &lt;br /&gt;
|}                                                                             &lt;br /&gt;
Äneas zog einst in Karthago ein und verliebte sich in die Herrscherin Karthagos, Dido, welche sich später aus Liebe zu ihm das Leben nahm. [Draesner 1993: 313-315] So wie einst die Stadt Karthago vor dem Helden Äneas lag, erscheint nun auch die Burg Schanpfazun vor Gawan. [Draesner 1993: 314f.] Zwar hat dieser Vergleich den Effekt, die außerordentliche Schönheit der Burg Schanpfanzun zu unterstreichen, letztendlich dient es aber mehr dazu, Gawan als &amp;quot;zweiten Äneas&amp;quot; darzustellen. [Draesner 1993: 315] So wie einst Äneas in Karthago freundlich empfangen wurde, wird nun auch Gawan auf der Burg Schanpfanzun empfangen. [Draesner 1993: 315] Bisher steht Gawans Ankunft auf der Burg im Zeichen des Kampfes, zugleich soll aber die Erwähnung Didos, der Geliebten des Äneas, auf die bevorstehende Begegnung mit [[Antikonie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Antikonie]] und damit auf ein &amp;quot;&#039;tragisches&#039; Liebesabenteuer&amp;quot; hinweisen. [Draesner 1993: 315-316] An dieser Stelle ist sich allerdings nur der Leser bewusst, dass Gawans Schicksal das des Äneas&#039; reflektiert, nicht aber die Figur selbst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispiele für das konkrete Auftreten von Figuren aus anderen Erzählungen kann im Hinblick auf die vielen Figuren des &amp;quot;arthurischen Erzählens&amp;quot;  wie etwas [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]], [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ginover]], [[Keie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Keye]] oder [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] beobachtet werden, die mit den Charakteren  im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Zeit und Handlungsraum teilen [Draesner 1993: 195] und  dadurch eine &amp;quot;werkübergreifende Erzählwelt&amp;quot; schaffen. [Draesner 1993: 195] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wird im Falle der oben genannten Charaktere auf die Artussage allgemein hingewiesen, können ebenfalls Verweise auf konkrete Werke rund um den arturischen Heldenstoff gefunden werden. An dieser Stelle wäre auf die Szene hinzuweisen, als [[Parzivals Begegnung mit den Rittern (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival im Wald zum ersten Mal Rittern begegnet]], die den Frauenräuber Meljakanz verfolgen, der Imane von der Beafontane entführt hat (125,1-16). Die Figur des Meljakanz taucht konkret im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; Hartmanns von Aue auf, wo Meljakanz als Entführer der Königin Ginover  auftritt. [Drasener 1993: 194] Durch die Erwähnung von Meljakanz im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; wird hier nun explizit auf die Ginover-Entführung im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; verwiesen. Zwar handelt es sich im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; um die Königin Ginover und im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; um Imane, jedoch können eindeutige Parallelen hinsichtlich der Entführung und der Entführten gezogen werden. [Draesner 1993: 195]&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Markierung im äußeren Kommunikationssystem ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier können wieder verschiedene Typen vorliegen: &lt;br /&gt;
# Markierung von Intertextualität erfolgt innerhalb des Textes, von der aber nur die Leser und nicht etwa die Figuren Kenntnis haben. &lt;br /&gt;
# Markierung der Intertextualität durch Anführungszeichen, andere Druck- oder Schrifttypen&lt;br /&gt;
# Stilkontrast [Broich/Pfister 1985: 41-44]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
       &lt;br /&gt;
Für den ersten Typ kann hier exemplarisch eine [[Sigunes Bedeutung für die Entwicklung Parzivals|Sigune-Szene]] herangezogen werden. Parzival  befindet sich auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039; und entdeckt im Wald [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]], die um ihren [[Sakralisierung des toten Leibs: Ein Vergleich zwischen Wolframs Parzival und Willehalm|toten Geliebten Schionatulander]] trauert und ihm über den Tod hinaus treu sein will (435,13-436,3). An dieser Stelle geht der Erzähler auf den &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; Hartmanns von Aue ein (436,4-7):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob sie worden waer sîn wîp, || Wär sie seine Frau geworden -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ hete sich frou Lûnete || was Lunete ihrer Herrin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesûmet an sô gaeher bete || voreilig geraten hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  als di riet ir selber frouwen. || damit hätte sie gezögert!&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler bezieht sich hier auf Laudine im &#039;&#039;Iwein&#039;&#039;, die den Rat ihrer Dame Lunete befolgt und Iwein, den Mörder ihres Mannes, heiratet (1000-2445). &amp;lt;ref&amp;gt;Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein. Herausgegeben und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a.M. 2008.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Iwein erbittet sich nach der Hochzeit ein Jahr, um auf &#039;&#039;âventiure&#039;&#039; fahren zu können, kehrt dann aber nicht rechtzeitig zurück und wird von Laudine verstoßen (2910-3215).&amp;lt;ref&amp;gt;Hartmann von Aue: Gregorius. Der arme Heinrich. Iwein.  Herausgegeben und übersetzt von Volker Mertens, Frankfurt a.M.  2008.&amp;lt;/ref&amp;gt; Auch hier weiß nur der Rezipient, dass auf einen anderen Text Bezug genommen wird und nicht etwa die Figur selbst. Der Vergleich an dieser Stelle mit dem &#039;&#039;Iwein&#039;&#039; hat zur Folge, dass [[Sigunes triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigunes Treue]] als besonders tugendhaft dargestellt wird, insofern sie sich nach dem Tod ihres Geliebten nicht wieder auf eine neue Beziehung, wie Wolfram das bei Laudine kritisiert, einlassen möchte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; können viele intertextuelle Bezüge gefunden werden, die auf die unterschiedlichste Weise im Text repräsentiert sind.. Wie im Mittelalter üblich, bezieht sich der Text auf eine Hauptquelle. Es treten Figuren wie [[König Artus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artus]] und sein [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Hof]] auf, die aus dem arturischen Sagenstoff stammen, aber auch Figuren, die auf einen bestimmten anderen Text hinweisen. Die Figuren können entweder selbst im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auftreten, oder aber der Erzähler verweist auf Figuren aus anderen Texten, was wiederum dann nur für den Rezipienten, nicht aber für die Charaktere selbst, sichtbar ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturangaben==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Broich/Pfister 1985] Broich, Ulrich, Manfred Pfister (Hrsg.): Intertextualität. Formen, Funktionen,  anglistische Fallstudien, Tübingen 1985.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Draesner 1993] Draesner, Ulrike: Wege durch erzählte Welten. Verlag Peter Lang GmbH, Frankfurt a.M. 1993.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Martinez 1997] Martinez, Matias: Intertextualität, in: Literaturwissenschaftliches Lexikon. Grundbegriffe der Grammatik, Berlin 1997, S.150f. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Cornelia Schu: Vom erzählten Abenteuer, Frankfurt a.M. 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]] [[Kategorie:Intertextualität]] [[Kategorie:Metanarration]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Isabel Raff</name></author>
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