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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-11T06:53:29Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Figur_des_Aussteigers_aus_der_h%C3%B6fischen_Welt_im_Parzival&amp;diff=24068</id>
		<title>Die Figur des Aussteigers aus der höfischen Welt im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-15T13:42:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Herzeloyde */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
In diesem Artikel werden die Aussteiger-Figuren im Parzival näher betrachtet. Die Merkmale, die einen Aussteiger als solchen kennzeichnen, sowie die Gründe für den Ausstieg. Außerdem wird auch die Wertung des Erzählers und die Funktion der einzelnen Figuren für Parzivals Werdegang dargestellt und analysiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Merkmale, die den Aussteiger charakterisieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Person, die aus einer Gesellschaft aussteigen möchte, muss zunächst Teil einer Gesellschaft sein. In diesem Artikel ist die Gesellschaft, um die sich alles dreht, die höfische Welt mit ihren Vorstellungen und Künsten. Abgesehen von dem Grund, der das Aussteigen motiviert, ist es interessant zu sehen, ob die Entscheidung aus der Gesellschaft heraus zu treten bewusst oder erzwungenermaßen erfolgt. Um diese Aspekte im Text zu betrachten, muss zunächst jedoch die Frage gestellt werden, welches die Merkmale sind, die jemanden als Teil einer Gesellschaft auszeichnen. Die Merkmale werden im nächsten Abschnitt genannt, aber nicht weiter ausgeführt, da es zu jedem dieser Merkmale Artikel gibt, die ausführlich auf ihre Natur, Bedeutung und Funktion eingehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl der höfische Mann, als auch die höfische Frau werden zunächst durch ihre [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit]] als Teil der höfischen Welt identifiziert. Zusätzlich tragen prächtige Kleidung und Schmuck dazu bei als höfisch erkannt zu werden. Genauso wichtig ist es aber auch, Gemeinschaft mit anderen höfischen Männern und Frauen zu haben - zum Beispiel im Rahmen des Essens. Daher ist auch gutes und abwechslungsreiches [[Nahrung und deren soziale Bedeutung im Parzival|Essen]] ein Merkmal der Zugehörigkeit zum höfischen Leben. Ein weiteres wichtiges Attribut des höfischen Menschen ist sein Reittier - gerade im Parzival sind die [[Tiere und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Tiere]] häufig ein Indiz für die Situation in der sich ihr Besitzer befindet. Diese Merkmale müssen nicht alle gleichzeitig auftreten, um einen Aussteiger als einen solchen zu identifizieren. Im Parzival ist dies aber der Fall. Zudem wird die Entfernung zur Gesellschaft noch durch ein letztes, selbstverständlich wirkendes Merkmal, den [[Das Motiv des Niemandslands im Parzival (Funktion und Bedeutung)|Aufenthaltsort]] der Figur(en) bekräftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== &amp;quot;Aussteiger&amp;quot; im Parzival ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Trevrizent ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] lebt als Eremit in völliger Entsagung alles Höfischen. Dies wird durch die genaue Beschreibung seiner Ernährung verdeutlicht, die das genaue Gegenteil höfischer Prachtentfaltung und [[Nahrung_und_deren_soziale_Bedeutung_im_Parzival|Nahrungsaufnahme]] ist, wie sie zum Beispiel am Artushof oder in der Gralsburg dargestellt wird. Außerdem wird auch seine Wohnstätte beschrieben, auf die das Gleiche zutrifft: Sie entspricht in keiner Art und Weise höfischen Normen. Gleichzeitig wird aber auch darauf verwiesen, dass er ein Ritter war und somit weiß, wie ein entsprechendes Leben auszusehen hat und nicht aus Unwissenheit so lebt, sondern dieses Leben bewusst gewählt hat. Im Originaltext wird er wie folgt beschrieben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hete gar versprochen || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Er hatte gelobt, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| môraz, wîn, und ouch dez prôt. ||  &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || auf Môraz, Wein und sogar Brot völlig zu verzichten. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn kiusche im dennoch mêr gebôt, ||  &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Und die Askese ihm noch mehr zur Pflicht: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der spîse het er keinen muot, ||  &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Es wäre ihm nie in den Sinn gekommen,|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vische noch fleisch, swaz trüege bluot. ||  &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Fisch zu essen oder Fleisch [...], was Blut in sich hat || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || 452, 18-22&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch der Grund für seine Askese und sein einsames Leben wird genannt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ lobet ich der gotes kraft, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Der Kraft Gottes gelobte ich da, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ich deheine rîterschaft || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || daß ich niemals wieder  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getæte nimmer mêre, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Waffen tragen wollte; || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz got durch sîn êre || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || ich betete zu Gott in seiner Herrlichkeit,   || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mînem bruoder hulfe von der nôt. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || er möge meinem Bruder von seinem Leiden helfen. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (480, 11 - 15)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese radikale Entscheidung und Umkehr lässt an das literarische Erzählmuster der &#039;&#039;conversio&#039;&#039; denken, die typischerweise durch zwei Kriterien gekennzeichnet ist: Zum einen gibt es ein klares &amp;quot;Davor&amp;quot; und &amp;quot;Danach&amp;quot; in der Erzählstruktur und beide werden klar durch eine einschneidende Wendung getrennt. Dabei wird von dem &amp;quot;Davor&amp;quot; stark gerafft berichtet, während für den Moment der Wendung und seiner Folgen mehr Erzählzeit genutzt wird. Das zweite Kriterium der &#039;&#039;conversio&#039;&#039; ist, dass die Wendung eine Art Schlüsselmoment darstellt, durch welchen Dinge anders beurteilt werden als zuvor. So wird also auch das &amp;quot;Davor&amp;quot; unter Berücksichtigung der neuen Denkmuster und Vorstellungen erzählt und beurteilt. Im Mittelalter galt die Bekehrung als die Umkehr von einem falschen zu dem richtigen und somit göttlichen Weg, der nur durch einen zusätzlichen Faktor gelingen konnte: die Buße und das dafür nötige Sündenbekenntnis. Das Leben in Einsamkeit und in totaler göttlicher Hingabe kann dann durchaus ein Zeichen für diese gelungene Umkehr sein, muss aber im Umkehrschluss nicht bedeuten, dass derjenige, der sich bekehrt und Gott nicht in der Einsamkeit sucht, keine echte Bekehrung vollzogen hat. [Biesterfeldt 2004: vgl. 214] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wenn man dieses, auf den ersten Blick, etwas sperrig wirkende Modell mit Trevrizents Werdegang vergleicht, so kann man erkennen, dass er selbst auch eine radikale Umkehr erlebt hat (siehe die Textstelle oben) und sein Leben ganz in Gottes Dienst gestellt hat. Auffallend ist aber, dass ein Punkt überhaupt nicht auf die Beschreibung passt: Der Umkehrmoment ist nicht passiert, weil er seine eigenen Sünden erkannt und bekannt hat, sondern die Krankheit seines [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Bruders]] ist der Grund für diesen Moment. Da die Krankheit aber von sündigem Verhalten (hôchvart (472, 26)) provoziert wurde, bleibt der Kern bestehen: es wird um begangener Sünden willen gebüßt. Und genau an diesem Punkt tritt Trevrizents Funktion klar zutage. Er büßt sowohl für Anfortas, doch das entscheidende Moment der Handlung ist, dass er auch für Parzival büßt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Trevrizent sich des bewac, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Trevrizent bedachte es || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach &#039;gib mir dîn sünde her: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || und sprach: &amp;quot;Gib mir deine Sünde her; || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor gote ich bin dîn wandels wer. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || ich bin vor Gott Bürge deiner Bekehrung.  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und leist als ich dir hân gesagt:  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Du aber tu, was ich dir geraten habe;  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| belîp des willen unverzagt.&#039; || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || bleib fest in diesem Willen.&amp;quot;  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (502, 24 - 28)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sigune ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Leser trifft vier Mal auf [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] und kann dabei eine Entwicklung beobachten: Sie entfernt sich immer weiter von der höfischen Welt und ihren Maßstäben. Dies kann man zum einen an den Orten festmachen, an denen man sie auffindet, zum anderen an ihrer abnehmenden Schönheit, die in dem Maße abnimmt, als sie sich immer weiter von der höfischen Lebenswelt entfernt. Man kann also an ihrer Person den &#039;&#039;Prozess des Aussteigens&#039;&#039; beobachten und nachvollziehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der ersten Begegnung Parzivals mit Sigune wird betont, dass ihr Ritter bei einer [[Das Tjostieren im Parzival|Tjost]], sprich in einem ritterlich-höfischen Rahmen, zu Tode gekommen ist. Der Verweis auf das Höfische ist hier also noch sehr prominent und wird durch den Vergleich zwischen dem Gebrauchsgegenstand &amp;quot;Spieß&amp;quot; und der höfischen Tradition des &amp;quot;tjosierens&amp;quot; dargestellt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| disen ritter meit dez gabylôt: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Diesem Ritter hier konnte ein Bauernspieß nichts böses tun, ||&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er lac ze tjostieren tôt. ||  &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || in einer Tjost wurde er getötet. ||&amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (139, 29-30)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei der nächsten Begegnung erkennt Parzival sie nicht wieder, da sie, wie er sagt, ihr &amp;quot;reideleht lanc prûnez | &amp;quot; (252, 30) Haar verloren hat und kahl ist und auch ihr &#039;&#039;rôter munt&#039;&#039; (252, 27) verschwunden ist. Der Text entschuldigt dies aber, indem er den Leser direkt anspricht: hœrt mêr Sigûnen triwe sagn | Hört aber von der Sigûne Treue reden (253, 18). Ihre Treue also ist es, die sie nun, statt des schönen Äußeren auszeichnet. Der Ort, an dem Parzival auf sie trifft, ist durch zweierlei gekennzeichnet und deutet ihre Entfernung zum Höfischen an: Zum einen durch eine &#039;&#039;linde[n]&#039;&#039; (249, 14), die auf die Natur verweist und somit auf das Gegenkonzept zur Kultur. Zum anderen durch den Nicht-Ort, der dadurch entsteht, dass er nicht fass- oder zurückverfolgbar ist: Denn Parzival folgt, vom konkreten Ort der Gralsburg aus, Spuren, die aber immer weniger werden, sodass er plötzlich jegliche visuelle Spur verliert (er verlôs se gar (249, 8)) und nur einer akustischen Spur, &amp;quot;einer frouwen stimme jæmmerlîch&amp;quot; (249, 12) folgen kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die dritte Begegnung findet an einem Ort statt, der ein Gegenkonzept zum höfischen Leben darstellt: einer Klause. Dort lebt Sigûne in Einsamkeit, nur in Gesellschaft ihres toten Geliebten. An diesem Ort ist nichts höfisch, außer ihrer Treue, die sie nach wie vor auszeichnet. Parzival erkennt sie auch dieses Mal nicht, was dafür spricht, dass ihre Schönheit im Vergleich zum vorherigen Mal noch mehr abgenommen hat. Dadurch wird darauf verwiesen, dass die Distanz zur höfischen Welt noch größer geworden ist, gleichzeitig heißt es aber, dass &amp;quot;ir leben [...] ein venje gar | ihr Leben nichts als knien und beten&amp;quot; (435, 25) war. Ihr Lebensmittelpunkt verschiebt sich also immer mehr vom höfischen Leben hin zum Leben mit Gott und in Treue zu ihrem Geliebten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das vierte und letzte Mal begegnen Parzival und die Leser Sigune als sie schon tot ist. Sie finden &amp;quot;Sigûne an ir venje tôt | Sigune auf den Knien liegend tot&amp;quot; (804, 23) und legen sie daraufhin in das gleiche Grab wie Schîanatulander, damit sie im Tod mit ihm vereint ist, nachdem sie ihre Treue bis in ihren Tod hinein bewiesen hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Jeschute und Orilus ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im III. Buch beschreibt Orilus, wie er Jeschûte bestrafen möchte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich sol velwen iweren rôten munt, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Fahl will ich euren roten Mund machen, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] iwern ougen machen rœte kunt. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  || rot soll man Eure Augen sehen. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  ||&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich sol iu fröude entêren, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  || Euer prangendes Glück will ich demütigen || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] iwer herze siuften lêren.&#039; || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  || und Euer Herz das Seufzen lehren.&amp;quot; || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt;  || (136,5-8)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der rote Mund und die Augen sind äußere Merkmale Jeschutes, das Glück und ihr Herz wiederum verweisen auf ihre innere Schönheit. Dieses System der äußeren Schönheit, die mit der inneren zusammenfällt und gleichzeitig auch auf sie verweist, ist typisch für die höfische Welt im Mittelalter. In dieser Textstelle wird genau dieses System der „Kalokagathie“ [Michel 1976: vgl.: S. 89] angewandt, indem äußere und innere Schönheit direkt miteinander verknüpft werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dadurch, dass Orilus ihr diese Merkmale nimmt, nimmt er ihr nicht nur ihre [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit]], sondern auch ihre nach außen sichtbare Identität. Sie bleibt ihm aber trotzdem treu, was ihren inneren Wert, der nun nicht mehr von ihrer äußeren Erscheinung wiedergespiegelt wird, beweist und noch zusätzlich steigert: &#039;&#039;des trûren gap ir grôze nôt, daz si noch sampfter wære tôt.&#039;&#039; (137, 25f.: Daß der so bedrückt war, das empfand sie so arg, daß selbst der Tod ihr sanfter gewesen wäre.) Die zusätzliche räumliche Trennung von der Gesellschaft und die im klapprigen, heruntergekommenen [[Tiere und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Pferd]] manifestierte Schande und Abkehr von der Geselschaft, macht die beiden vollends zu Aussteigern aus der Gesellschaft. Ganz davon abgesehen, dass die Haltung Orilus, der seine Frau zu Unrecht bestraft, ihn selbst auch aus dem Kreis des Höfischen ausschließt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orilus und Jeschute]] stehen für eine Schuld Parzivals, die er aus [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] (124, 16) begangen hat und die erst wieder gut gemacht werden muss, bevor er den Gral finden und Gralskönig werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Herzeloyde ====&lt;br /&gt;
Parzivals Mutter Herzeloyde entfernt sich bewusst von der höfischen Welt und zieht ihren Sohn in der [[Geografische_Orte_im_Parzival#Soltane_.28Ein.C3.B6de.29|Einöde von Soltane]] auf. Durch die räumliche Trennung möchte sie Parzival von der höfischen Welt fernhalten, damit dieser unter keinen Umständen den Wunsch entwickelt Ritter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si brâhte dar durch fluhtesal || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Vielmehr hatte sie das Kind des edelen Gahmuret || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gahmuretes kint.   || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || in Sicherheit bringen wollen.  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...] || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; ||   || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;wan friesche daz mîns herzen trût, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &amp;quot;Denn wenn mein Schatz erführe,  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| welch ritters leben wære, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || was es mit dem ritterlichen Leben auf sich hat, || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz wurde mir vil swære. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || so wäre das ein großes Unglück für mich. [...]&amp;quot;|| &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (117, 14 f. und 24 ff.)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das hier angedeutete Unglück wird eintreten, sobald Parzival von seiner Mutter weg und in die Welt zieht. Herzeloyde verkraftet die Trennung nämlich nicht und stirbt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Funktion als Aussteigerin ist besonders interessant, da sie als seine Mutter sowieso schon eine besondere Position einnimmt, gleichzeitig aber auch eine doppelte Funktion als Aussteigerin in seinem Leben erfüllt: Zum einen ist sie für seine [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] zu Beginn seiner Reise verantwortlich, da sie ihn um &#039;&#039;küneclîcher fuore&#039;&#039; (118, 2: um königliche Lebensart) bringt und in der Einöde aufzieht. Zusätzlich wird durch sie eine besondere Art von Schuld konstruiert, die eine andere Dimension einnimmt, als die, die sich Parzival im Zusammenhang mit Jeschute und Orilus zukommen lässt. Er wird nämlich für den Tod seiner Mutter verantwortlich gemacht, obwohl er lange Zeit nicht einmal weiß, dass sie tot ist und ihren Tod auch nicht gewollt herbeigeführt hat. Nichtsdestotrotz muss diese Schuld, wenn sie sich schon nicht wieder gut machen lässt, im Laufe der Handlung gebüßt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wertung der jeweiligen Lebenskonzepte durch den Erzähler ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Sigunes, Trevrizents als auch Jeschutes und Orilus Austritt werden klar bewertet. Herzeloydes Ausstieg aus der Gesellschaft erscheint jedoch ambivalent. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sigunes Austritt aus der Gesellschaft ist durch die deutliche Betonung der außergewöhnlichen Treue, die sie an den Tag legt, ganz klar positiv konnotiert, wie man zum Beispiel an der Aussage der Gralsritter, dass sie ein &amp;quot;rehter güete ein arke (eine Arche rechter Güte)&amp;quot; (804, 16) ist, ablesen kann. Im Gegensatz dazu ist der Ausstieg Orilus und Jeschutes aus der Gesellschaft klar negativ besetzt. Nicht aber, weil sie aus ihr heraustreten, sondern weil Jeschute, obwohl sie treu ist und keinerlei Schuld trägt, büßen muss. Negativ ist dies also, weil hier ein großes Unrecht geschieht. Trevrizent wiederum ist durch seine besondere Funktion, die ihn zu einer sehr besonderen Figur macht, positiv bewertet. Schießlich ist er es, der Parzival hilft sich mit Gott zu versöhnen und der ihn nicht nur religiös, sondern auch im ganz konkreten Sinn durch Ratschläge auf den richtigen Weg bringt, sodass er Gralskönig werden kann. Herzeloydes Ausstieg aber wirkt ambivalent, obwohl der Erzähler sie nicht kritisiert, sondern sie im Gegenteil in den höchsten Tönen lobt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die dolte ein wîp durch triuwe: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Und da war wirklich eine Frau, die litt Armut um der Treue willen: || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart ir gâbe niuwe || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || Dafür bekam sie immer neuen Reichtum im Himmel  || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze himel mit endelôser gebe. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || von der Kraft des Schenkens, die kein Ende hat. || &amp;lt;span style=&amp;quot;color:#FFFFFF&amp;quot;&amp;gt; __________ &amp;lt;/span&amp;gt; || (116, 19 - 21)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ambivalenz tritt auf, weil man die Auswirkungen ihres egoistisch wirkenden Verhaltens kennt: Die tumpheit Parzivals. Diese Folge ihres Aussteigs wird vom Erzähler aber nicht direkt, sondern nur sehr sachte und indirekt kommentiert, indem er das Wort &#039;&#039;betrogn&#039;&#039; (118, 2) verwendet um die Auswirkung dieser unhöfischen Erziehung zu beschreiben. Dieses Wort ist ganz deutlich negativ, fällt jedoch im Gegensatz zu den offensichtlichen und im Vergleich dazu sehr langen Passagen des Lobes, verhältnismäßig klein und unauffällig aus. Dadurch wird klar, dass der Erzähler die Treue positiv bewertet, die sie antreibt, die Auswirkungen für Parzival jedoch als klar negativ kommentiert. Dadurch, dass der weitere Handlungsverlauf die Auswirkungen von Herezlydes Verhalten noch klar genug aufzeigen wird, erscheint es aber nicht abwegig, dass der Erzähler den Fokus auf das Lob Herzeloydes richtet und keine offene Kritik übt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Funktionen dieser Personen für die Entwicklung Parzivals ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Weg zum Gral ist durch die Aussteiger aus der höfischen Welt geprägt. Sie erfüllen unterschiedlichste Aufgaben: Sie vermitteln wichtige Informationen, geben entscheidende Ratschläge oder verkörpern Schuld, die Parzival auf sich geladen hat und die er erst erkennen und wieder gut machen muss, bevor er Gralskönig werden kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist Trevrizent zum einen derjenige, der ihn in religiöser Hinsicht wieder auf den rechten Weg bringt und ihm auch die Gralswelt erklärt. Jeschute und Orilus stehen gemeinsam mit Herzeloyde für Fehler, die er verschuldet hat: Jeschute muss aufgrund seiner tumpheit leiden und Herzeloyde, seine eigene Mutter stirbt sogar. Somit hat er einer unschuldigen Person geschadet und Unrecht getan und den Tod seiner eigenen Mutter verschuldet. Den Fehltritt gegenüber Jeschute und Orilus, kann er dadurch wieder gut machen, dass er ihren Ruf und ihre Ehre durch Aufklärung der wahren Begebnisse wieder herstellt und für ihre Ehre kämpft (264 - 268). Den Tod seiner Mutter kann er allerdings weder rückgängig, noch wieder gut machen. An dieser Stelle tritt Trevrizent an seine Stelle, übernimmt seine Schuld und büßt für ihn (502, 25). Auch Sigune hat, wie Trevrizent, die Aufgabe Informationen zu vermitteln und ihm den Weg Richtung Gral zu weisen. Nur ist die Information, die sie weitergibt anderer Art. Sie berichtet ihm von Sachverhalten, wie seinem eigenen Namen, seiner Herkunft und klärt ihn auch über sein Versagen in der Gralsburg auf. Trevrizent dagegen liefert Parzival Hintergrundinformationen zum Gral und funiert als göttlicher Ratgeber. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann also aus diesen Beobachtungen schließen, dass Trevrizent und Sigune Parzival entscheidende Informationen und Ratschläge erteilen und ihm so den Weg zum Gral weisen und ebnen. Jeschute und Orilus, sowie seine Mutter Herzeloyde bilden dagegen - um im Bild zu bleiben - die Steine im Weg Parzivals ab, die erst beseitigt werden müssen, bevor er Gralskönig werden kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[* Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von  Eschenbach: Parzival. Studienausgabe 2. Auflage. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit Einführungen zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, Berlin 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Biesterfeldt 2004] Biesterfeldt, Corinna: Das Schlußkonzept moniage in mittelhochdeutscher Epik als Ja zu Gott und der Welt. In: Wolfram-Studien 18 (2004), S. 211--231.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Figuren|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gesellschaft|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=24037</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=24037"/>
		<updated>2015-07-15T12:22:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Parallelen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen. Feirefiz zieht los um nach seinem Vater zu suchen und trifft auf dieser Reise später auf seinen jüngeren Halbbruder Parzival.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival entschließt sich trotz der enormen Abhängigkeit von seiner Mutter dazu aufzubrechen, und Ritter zu werden. Diese Entschlossenheit hat Parzival wohl von seinem Vater geerbt, der selbst zeitlebens als Ritter auf der Suche nach großen &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; war. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zwischenfazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Stellt man die Frage nach der Existenz der Vater-Sohn-Beziehungen zwischen Parzival und Gahmuret und Feirefiz und Gahmuret, so lässt sich sagen, dass keine der beiden Beziehungen wirklich existiert. Gahmuret lernt seine Söhne nicht kennen und kann so auch nicht an ihrer Erziehung teilnehmen wie es eigentlich seine Aufgabe gewesen wäre. In beiden Fällen wird so die Erziehung der Söhne den Müttern überlassen was für die damalige Zeit sehr ungewöhnlich ist. Obwohl die beiden Söhne keine wirklichen Vaterfiguren in ihrem Leben hatten, zumindest nicht in ihrer Kindheit und frühen Jugend, entschließen sich beide dazu Ritter zu werden und folgen so dem Vorbild ihres toten Vaters. Dies ist wiederum eine Entwicklung, die für das frühe 13. Jahrhundert durchaus normal ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
Obwohl Parzival ohne seinen leiblichen Vater aufwachsen musste gab es im Laufe seines Lebens verschiedene männliche Figuren die ihn prägen. Beispiele für diese &amp;quot;Ersatzväter&amp;quot; sind Trevrizent, der ihn über seine Schuld aufklärt, und Gurnemanz und nicht zuletzt Artus. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=24023</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=24023"/>
		<updated>2015-07-15T12:14:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Gahmuret und Feirefiz */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen. Feirefiz zieht los um nach seinem Vater zu suchen und trifft auf dieser Reise später auf seinen jüngeren Halbbruder Parzival.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
Obwohl Parzival ohne seinen leiblichen Vater aufwachsen musste gab es im Laufe seines Lebens verschiedene männliche Figuren die ihn prägen. Beispiele für diese &amp;quot;Ersatzväter&amp;quot; sind Trevrizent, der ihn über seine Schuld aufklärt, und Gurnemanz und nicht zuletzt Artus. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=24017</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=24017"/>
		<updated>2015-07-15T12:10:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals &amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]], der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl. 234-378] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt um seinen Standpunkt darzulegen. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=24010</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
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		<updated>2015-07-15T12:06:37Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennenlernt. Auch in [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] Werk &#039;&#039;perceval&#039;&#039; gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: vgl.156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander. Beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen gezielten Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Erzählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht. [Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;. [Rosskopf 1972: 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter seinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot; [Rosskopf 1972: 161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil ihr Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert daran. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich, die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht sich dadurch eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbarmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites Schicksal bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Parzival hat die Rolle des ungeliebten und in Ungnade gefallenen Ithêr von Gaheviez übernommen und versucht, nicht nur die Rüstung und die damit verbundene Identität des Roten Ritters zu übernehmen, sondern sich gleichzeitig als anerkannter Ritter zu etablieren. Für Parzivals Entwicklung ist die Tötung Ithêrs ein Knackpunkt, so ist sein Tod der erste Fall in dem Parzival, wenn auch nachträglich, seine Schuld vorgehalten bekommt. Ob das Wissen um die verwandtschaftliche Beziehung zu Ithêr etwas an Parzivals Entscheidung zu kämpfen geändert hätte lässt sich nur spekulieren und ist in der Forschung nicht abschließend geklärt. Ritter zu werde glückt ihm, denn er wird in die Tafelrunde aufgenommen und schafft es schließlich sogar, König der Gralsburg zu werden. Ithêr in seiner Rolle als Roter Ritter fungiert als Puzzleteil in Parzivals Entwicklung und Erziehung. Er stimmt dem Kampf zu obwohl er sieht wie motiviert Parzival ist seine Rüstung, und somit sein Leben zu gewinnen. &lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23998</id>
		<title>Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)</title>
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		<updated>2015-07-15T11:56:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen [[Herzeloyde]] und [[Parzival als Held ohne Vater|Parzival]]. Welche Absichten hatte Herzeloyde und aus welchen Gründen? Wie verhält sich Parzival?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mutter-Sohn-Beziehungen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das positive Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival steht in einem gegensätzlichen Verhältnis zu den vielen negativ konnotierten Vater-Sohn-Beziehungen im Roman und speziell zum [[Vater und Sohn im Parzival|inexistenten Verhältnis zwischen Gahmuret und Parzival.]] Wachinger erkennt im lebensbestimmenden Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival einen Prototyp für eine funktionierende Mutter-Sohn-Beziehung.[Wachinger 2000: vgl. 1081] Weiter heißt es: „Auch das Vater-Tochter-Verhältnis ist meistens positiv gestaltet (Gurnemanz-iase, Lippaut-Obilot): Problematisch sind dagegen alle Geschwisterbeziehungen, besonders das Verhältnis von Brüdern (Galoes-Gahmuret, [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival-Feirefiz]]), aber auch das von Schwestern (Obie-Obilot) wie das von Bruder und Schwester (Orilus-Cunneware, Vergulath-Antikonie, Gawan-Itonje).&amp;quot; [Wachinger 2000: 1081]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloyde ==&lt;br /&gt;
Bereits während der Schwangerschaft ist es ihr enorm wichtig, dass das Kind gedeiht, da es Gahmurets Sohn ist: &amp;quot;Sie umfing das Kind und ihren Bauch mit Armen und mit Händen, sie sprach: Die edle Frucht von Gahmuret soll Gott mir schenken, das ist meines Herzens Bitte.&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 110,11 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es keineswegs ihrem gesellschaftlichen Stand entspricht, möchte Herzeloyde ihren Sohn nach der Geburt selbst stillen. Dabei vergleicht sie sich mit der Gottesmutter: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Die höchste Königin selber bot Jesus ihre Brust&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 113,18 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unüblich für die damalige Zeit ist nicht nur, dass sie ihren Sohn selbst stillt, sondern auch, dass sie Parzival um seine ritterliche Erziehung bringt. Denn fern ab vom ritterlichen Leben zieht sie Parzival in der Einsamkeit von Soltane auf.&lt;br /&gt;
Auslöser war der Schmerz, den sie erlebte, als ihr geliebter Mann – [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] – bei einem Kampf ums Leben kam. Sie wollte ihn vom Ritter Dasein fernhalten, damit Parzival nicht das gleiche Schicksal zu Teil wird:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch 117,24 - 28  !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `wan friesche das mîns herzen trût,  || &amp;quot;Denn wenn mein liebster Schatz erführe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| welch ritters leben wære, || was es mit dem ritterlichen Leben auf sich hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das wurde mir vil swære.  || so wäre das ein großes Unglück für mich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu habt euch an der witze kraft,  || Drum seid vernünftig &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und helt in alle rîterschaft.´   || und haltet vor ihm alles geheim, was mit Ritterschaft zu tun hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie möchte Parzival jedoch nicht nur aus Wehmut dem Ritterleben vorenthalten, sonder weil sie in einem [[Herzeloydes Traum|prophetischen Traum]] erfahren hat, dass sie selbst im Falle von Parzivals Auszug aus Soltane sterben würde. So wäre der Junge ein Vollweise, der den Rest seines Lebens ohne elterlichen Rat und Beistand bestreiten müsste. &lt;br /&gt;
In ihrem Sohn sieht Herzeloyde nach wie vor Gahmuret, wofür sie ihr königliches Leben ablegt und sich ganz auf das Mutter Dasein konzentriert. „Ihr mütterliches Empfinden äußert sich darin, daß sie Parzival, [...], von Anfang an mit Kosenamen bezeichnet: &lt;br /&gt;
113,4 &amp;gt;&#039;&#039;bon fîz, schwer fîz, bêâ fîz.&#039;&#039;&amp;lt;“[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
Dies sind nicht nur Kosenamen der Mutter für ihren Sohn, sondern sie beschreiben Parzival zugleich als einen schönen und guten Jungen, was in mehreren Situationen bestätigt wird.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Mütterlichkeit wird auch dadurch ausgedrückt, daß das Kind mittels gehäufter Diminutive (&#039;&#039;kindelîn&#039;&#039;, 112,6; &#039;&#039;kindel&#039;&#039; 122,22; &#039;&#039;vlänsel&#039;&#039;, 113,8) hilfsbedürftig erscheint und sich die Mutter ihm zuwendet: Sie liebkost (112,6) und küßt es unzählige Male (113,2).[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Vogelgezwitscher Sehnsüchte in Parzival auslöst, lässt Herzeloyde die Vögel umbringen, weil sie ihren Sohn anscheinend unglücklich machen. Sie tut dies, obwohl sie damit gegen Gottes Gebot verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival beschließt zum [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artushof]] zu reiten, um dort Ritter zu werden, versucht Herzeloyde alles, damit sie ihren Sohn nicht verliert. Als letzten Ausweg wählt sie torenhafte Kleidung für Parzival und ein lahmes Pferd, in der Hoffnung, ihr Sohn würde von allein wieder zurückkommen, wenn er nur erst mal verspottet würde.&lt;br /&gt;
Da sie aber beim Wegreiten Parzivals schon stirbt, verliert diese verzweifelte Tat jeden Sinn. Sollte eine Mutter nicht genug Vertrauen zu ihrem Kind haben und es bei allem nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen? Hätte sie Parzival deshalb nicht die besten Kleider und das beste Pferd geben sollen, die sie hätte auftreiben können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie versucht verzweifelt Parzival an sich zu binden. Er ist ihr einziges Kind und gleichzeitig die Erinnerung an [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret, ihren verstorbenen Ehemann]]. Alle Vorkehrungen, die Herzeloyde getroffen hatte, nützen ihr nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzival ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umsorgt und behütet [Bumke 2004: vgl. S. 55] hat Parzival in Soltane keine andere Bezugsperson, als seine Mutter. Da ist es nur natürlich, dass er eine starke Bindung zur Mutter entwickelt. Parzival nimmt die Lehren seiner Mutter sehr wörtlich und versteht den Sinn dahinter nicht. Dies fällt in verschiedenen Situationen außerhalb von Soltane auf, beispielsweise als er den [[Parzivals Begegnung mit den Rittern (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Rittern im Wald]] begegnet und die Gotteslehre seiner Mutter völlig falsch reflektiert. In den Situationen, in denen Parzival sich falsch verhält wird oft von Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]] gesprochen. Dennoch sucht Parzival wiederholt den Rat seiner Mutter, selbst als diese nicht mehr am Leben ist. Er fragt sich dann was sie ihm wohl geraten hätte und handelt dann nach diesen Überlegungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gemäß der Vorstellung, nach welcher der Mann der &#039;&#039;ratio&#039;&#039;, die Frau der &#039;&#039;sensualitas&#039;&#039; verpflichtet ist, werden die Erziehungsaufgaben verteilt. Die Mutter und ihre Umgebung haben das emotionale Umfeld zu schaffen, väterliche Erzieher übernehmen die körperliche und geistige Ausbildung.&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 243 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt nicht schon als Kind in den Genuss der ritterlichen Ausbildung, bei der er normalerweise von Vater, Onkel oder eines anderen Mannes der Erziehung unterwiesen worden wäre, da seine Mutter dies stets verweigert. Als er den Rittern im Wald begegnet und mit einer anderen Welt konfrontiert wird, brennt er darauf Neues kennenzulernen. Auf seinem Weg begegnet er Gurnemanz. Durch ihn erhält er dann die längst überfällige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widersprüchlich ist, dass er seine Mutter dennoch so schnell verlässt. Die Neugier und der Eindruck, den die Ritter bei ihm hinterlassen haben, sind stärker als das Bitten seiner Mutter. &lt;br /&gt;
Er erfährt erst sehr spät von [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]], dass seine Mutter nicht mehr lebt. Warum hat er sie nie besucht? Auf seiner Reise hingegen erinnert er sich immer wieder an sie und ihre Worte und versucht nach ihren Lehren zu handeln, so gut er es kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzähler ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloyde entschließt ganz bewusst Parzival in der Einsamkeit von Soltane aufzuziehen. Ohne höfisch-ritterliche Erziehung. Dieser Entschluss wird „als ein religiös motiviertes Bekenntnis zur Armut“ [Bumke 2004: S. 55] gewertet. Durch den Verzicht auf Reichtum und „weltlichen Glanz“ erlangt sie „ewige Seligkeit“. [Bumke 2004: S. 55]&lt;br /&gt;
Ihre erfolglosen Versuche Parzival nicht zu verlieren werden durch den Erzähler als Mutterliebe erachtet. [Bumke 2004: vgl. S. 55 f.]&lt;br /&gt;
Herzeloydes scheidet aus der Dichtung durch ihren Tod, als Parzival davonreitet und ihr somit das Herz bricht. Am Ende wird Herzeloyde durch den Erzähler als &amp;quot;Ein wurzel der Güte und ein Stamm der diemüete.&amp;quot; (&amp;quot;Eine Wurzel wahrer Güte und ein Stamm der Demut&amp;quot;) (128,27 f.) beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Herzeloyde und ihrem Sohn wird schon in der Schwangerschaft zu etwas Besonderem. Der Tod Gahmurets - des Kindesvaters - bringt Mutter und Kind näher zusammen. Parzival ist das Einzige was Herzeloyde übrig geblieben ist und sie versucht ihn zu beschützen wie einen Schatz.&lt;br /&gt;
Durch die alleinige Erziehung durch Herzeloyde entsteht eine &amp;quot;intime Zweierbeziehung&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 248] Parzival und ihr. &lt;br /&gt;
Als Leser kann durchaus ein Verständnis für Herzeloyde entwickelt werden. Schließlich will sie ihren Sohn nur schützen und ihn nicht auch verlieren. Dabei vergisst sie, dass Parzival Gahmurets Sohn ist und die Sehnsucht nach &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; ihm quasi im Blut liegt. [Brinker-von der Heyde 1996: vgl. S.248] So bringen ihr all die Versuche Parzival zu halten nichts. Denn am Ende reitet er davon und sie stirbt an einem gebrochenen Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
===Primärtext===&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Zweite Auflage. Berlin, New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärtexte===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart, Weimar 2004.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Brinker-von der Heyde 1996] Brinker-von der Heyde, Claudia: Geliebte Mütter - Mütterliche Geliebte. Rolleninszenierung in höfischen Romanen. Bonn 1996.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen. Hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart 2000.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verwandtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verhältnis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Beziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Herzeloyde]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Mutter]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23792</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23792"/>
		<updated>2015-07-15T09:26:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Das Elsterngleichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals &amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]], der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl. 234-378] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23789</id>
		<title>Diskussion:Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23789"/>
		<updated>2015-07-15T09:24:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hallo, interessant wäre vielleicht noch die Funktion der Ersatzväter Parzivals zu untersuchen also Gurnemanz, Artus? und Trivrizenz!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist eine gute Idee, vielen Dank!&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23788</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23788"/>
		<updated>2015-07-15T09:23:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Auswirkungen auf Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
Obwohl Parzival ohne seinen leiblichen Vater aufwachsen musste gab es im Laufe seines Lebens verschiedene männliche Figuren die ihn prägen. Beispiele für diese &amp;quot;Ersatzväter&amp;quot; sind Trevrizent, der ihn über seine Schuld aufklärt, und Gurnemanz und nicht zuletzt Artus. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23787</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23787"/>
		<updated>2015-07-15T09:23:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Auswirkungen auf Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
Obwohl Parzival ohne seinen leiblichen Vater aufwachsen musste gab es im Laufe seines Lebens verschiedene männliche Figuren die ihn prägen. Beispiele für diese &amp;quot;Ersatzväter&amp;quot; sind Trevrizent, der ihn über seine Schuld aufklärt, und Gurnemanz. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23785</id>
		<title>Parzival und Gahmuret im Vergleich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23785"/>
		<updated>2015-07-15T09:18:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Der Höhepunkt ihrer Karrieren */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Um den Versepos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu verstehen wird in vielen Forschungstexten auf die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Genealogie Genealogie] verwiesen. Eine Beziehung, die in diesem Werk nicht konkretisiert wird, ist jene zwischen [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] und seinem Vater Gahmuret, der vor der Geburt von Parzival verstarb. Dennoch scheint ein Vergleich zwischen dem Vater und seinem Sohn sinnvoll, da die Bücher über Gahmuret eine Erfindung von Wolfram vom Eschenbach sind. Die Vorlage von Chrétiens &#039;Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval&#039; enthält keine elterliche Vorgeschichte. Daher sollen in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Parzival und Gahmuret aufgezeigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit den [[http://mediaewiki.org/wiki/Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|biografischen Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst werden ihre äußeren Erscheinungsbild und die Art ihrer eigenen Inszenierung thematisiert. Wie ist ihre Ausgangsposition im Epos? Wer sind ihre Verwandten? Wie wurden sie erzogen? Durch den Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Kann von Gahmuret auf Parzivals Werdegang geschlossen werden? Bestimmt die Vorgeschichte Gahmurets den Handlungsrahmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erscheinungsbilder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Gahmuret selbst wird kaum etwas gesagt, außer, dass er groß und hellhäutig ist. Es wird viel mehr das beschreiben, was er an hat: so z.B. sein Schild, dass viele Zobelbälge trägt und das Bild eines Ankers hat.&lt;br /&gt;
Beim Einzug in Zazamanc wird das Aussehen von Gahmuret kaum beschrieben, sondern seine Gefolgschaft. Allerdings sieht Gahmuret so gut aus, dass man ihn lieben muss.&lt;br /&gt;
In Afrika wird vor allem seine Kleidung oder seine Kampfausrüstung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird bereits nach der Geburt als männlich beschrieben mit starken Gliedern (112, 27). Ebenso wie sein Vater ist er hellhäutig. Auch sein Aussehen bewirkt eine positive Reaktion der Damenwelt, wie bereits sein Vater. Allerdings wird nicht Parzivals Kleidung oder pompöse Einzüge betont, es ist viel mehr Parzival selbst, der als hübsch bezeichnet wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Aussehen her gibt es nicht sonderlich viele Auffälligkeiten. Beide sind hellhäutig und scheinen den Frauen zu gefallen. Wobei Gahmuret sein Auftreten und seine Kleidung und bei Parzival das Aussehen selbst im Vordergrund stehen. Allerdings gibt es keine Vergleiche zwischen Vater und Sohn. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden wird nicht betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der zweite Sohn des Königs von Anschouwe und der Bruder von Galoes. (4,28-5,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief von Belacane wird der Stammbaum vom Gahmuret deutlich. Aus dem Brief geht hervor, dass Gahmuret der Sohn des Gadîn, der Urenkel des Mazadan ist. Denn Gadîn Vater ist Addanz. Addanz Bruder heißt Brickus und dessen Vater ist Mazadan. Jener Mazadan ist aber nicht nur Gahmurets Urgroßvater, sondern auch der von Artus. Der Vater von Artus &#039;Utepandragun&#039; ist demnach der Großonkel von Gahmuret und Artus sein Großcousin (56,1-28).&lt;br /&gt;
Über die Verhältnisse der mütterlichen Seite erfährt der Rezipient nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die chronologische Familienabfolge &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Verwandtschaftstafel im Artikel [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; besagt, dass Feirefiz Gahmurets erst geborener Sohn ist, den er mit seiner damaligen Frau [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Belacane]] bekommt, die aus dem Orient stammt. Parzival wird von Gahmurets zweiter Frau [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] geboren. &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über die beiden Söhne von Gahmuret. [[ Parzival und Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Verwandtschaftstafel.png|500px|thumb|right|Verwandtschaftstafel]]&lt;br /&gt;
Wie bereits oben deutlich wird, ist Parzival über seinen Vater mit der Artusfamilie verwandt. Artus ist demnach sein Großonkel. Parzival erfährt aber erst (140,17) von seinem Vater und somit von der Verwandtschaft. &lt;br /&gt;
Die [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]] mütterlicherseits werden zu einem späteren Zeitpunkt im Epos bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(333,29-30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Von im den Herzeloyde bar. || Er, den Herzeloyde gebar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ouch generbe dar.  || war ja auch der rechtmäßige Erbe dort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genauere Auflösung von Parzivals verwandtschaftlichem Verhältnis mit der Gralsfamilie ist im Vers (455,15) zu finden. Der Gralskönig Anfortas ist der Bruder von Herzylode. Sie stammen von [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frimutel]] ab, der den Gral an [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] weiterreichte. Frimutel erhielt den Gral von seinem Vater Tyturel.&lt;br /&gt;
Parzival vereint also die beiden Familienlinien der Artus- und der Gralsfamilie miteinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind die zweiten Söhne ihres Vaters. Wobei Gahmuret und sein Bruder von derselben Mutter stammen. Parzival und Feirefiz stammen von unterschiedlichen Müttern. Sowohl Gamuret, als auch Parzival stammen vom hochadeligem Geschlecht ab. Die Vermischung der arthurischen und titurelschen Geschlechtslinien prädestiniert Parzival für die Wahl zum [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralskönig]] und verschafft ihm einen genealogisch Vorteil gegenüber seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei seinem [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Versagen]] auf der Gralsburg wird durch das Überreichen des Mantels von der Gralsträgerin (228,15) und dem Geschenk des Königs der Gralsburg, ein Schwert (239,22), seine Bestimmung Gralskönig zu werden angedeutet. [Mertens 2007: 123] Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gralsgesellschaft der Abstammung Parzivals bewusst ist. Deshalb vermuten sie wohl, dass Parzival wegen seiner Abstammung der Ritter aus der Prophezeiung (483,20) ist. Parzival selbst erfährt erst bei [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] im IX. Buch von seiner Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret kennt seine Eltern und es ist ihm möglich, einen ziemlich exakten Stammbaum seiner Familie zu skizzieren. Parzival hingegangen erfährt erst im Verlauf der Geschichte Stück für Stück von seiner Abstammung und seiner Bestimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspositionen und weitere Parallelen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater wird in einem Kampf getötet, wie bereits der Vater von Gadîn zuvor, und deshalb würde er zunächst alles verlieren, da der älteste Sohn nach französischen Recht alles erbt (Primogeniturrecht) [Noltze 1993: vgl. 217]. Doch Gahmuret bittet seinen Bruder ihn ziehen zu lassen, um nach Ruhm und Ehre streben zu können. Sein Bruder und seiner Mutter beschenken ihn reichlich, so dass er gut gerüstet auf Aventüre gehen kann. [Mertens 2007: vgl. 107] So wird der Königssohn von sich selbst aus, zum &#039;chevalier errant&#039;[Hermann 2009: 81]. Der Auszug aus Anschouwe wird später genauer analysiert, aus der Analyse wird deutlich, dass Gahmuret eine vorzügliche Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst zunächst abgeschottet von der Außenwelt bei seiner Mutter auf, die auch für seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] zuständig ist. Weil Herzeloyde schon einmal einen geliebten Menschen, nämlich ihren Mann Gahmuret, im Kampf verloren hat, befürchtet sie, dass ihrem Sohn das gleiche Schicksal ereilen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail mit den Vater/Sohn Strukturen im Parzival: [[Vater und Sohn im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Parzival verlässt seine Mutter um Ritter zu werden und Aventüren zu bestreiten. Die Mutter die ihn nur schmerzlich gehen lassen möchte, lässt ihn als ein Narr bekleidet ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Parallele von Gahmuret und Parzival besteht bei ihren Müttern. Denn die Mutter von Gahmuret verstirbt, als ihr Sohn Galoes stribt und Gahmuret ihr fern ist. Auch Herzeloyde stirbt, nachdem Parzival sie verlassen hat. Das Verlassen der Mutter wird später bei Trevrizent, als eine seiner Sünden vorgeworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret und Parzival ähneln sich objektiv in ihrer Ausgangsposition. Denn beide sind die zweitgeborenen und ihnen wird dadurch ein Erbe versagt. Bei Parzival ist die Situation jedoch etwas verschärft, da er keine höfische Erziehung hat. Er verlässt seine Mutter als Narr und nicht besonders ausgestattet, wohin gegen Gahmuret alles gestellt wird. Gahmuret lässt seine Mutter nicht alleine zurück, um nach Ruhm und Ehre sterben zu können. Sie bleibt bei seinem Bruder und König von Anschouwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auffälligkeit ist wohl das Sterben der Vater im ritterlichen Kampf. Es scheint wohl typisch für sie ihr Leben im Kampf zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret als Rahmenfigur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben bereits erwähnt wird der Auszug aus Anschouwe und die Wahl zum &#039;chevalier errant&#039; näher untersucht. Im Gespräch mit Galoes wird eine ganz andere Seite von Gahmuret sichtbar, als die des Kämpfers die ihm die Forschung meist zuweist.  So heißt es bei Herrmanns, in einem Zitat nach Brunner: &amp;quot;Die vor-arthurische Ritterwelt wird vor allem an Gahmuret deutlich: Sie erscheint als weite, bunte Welt des Abendteuers, des Kampfes un der Minne.&amp;quot; [Herrmann 2009: S.80]&lt;br /&gt;
Zum Auszug nach Becker: Der Text von Becker fasst zunächst Meinung der Forschung auf, die Gahmuret als defizitären Typus analysieren, so dass Parzival ihm überlegen sein kann. In diesen Texten wird er als, unreflektiert, impulsiv, &#039;man of action&#039;, &#039;der Mann der von seinem Tatendrang bestimmt&#039; wird oder gar als, &#039;one dimensional&#039;, der nur auf seine Ritterschaft bedacht ist, bezeichnet. Die ältere Forschung sieht ihn als Ritter vom alten Schlag, als vorhöfischen Typus. Er stamme aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Chanson_de_geste Chanson de geste]-Tradition, bei der das Leitmotto &#039;der Stärkste bekommt die Schönste&#039; ist. Allerdings verweist sie auf Texte in welchen Gahmuret vom Erzähler als vorbildlicher Ritter dargestellt wird. Sie möchte das vorbildliche Verhalten Gahmurets anhand der ersten Szene in der Gahmuret erscheint analysieren. Es ist sein Auszug aus Anschouwe. Gahmuret wird also nicht bei einem ritterlichen Kampf in die Erzählung eingeführt, sondern bei einem Gespräch in der Öffentlichkeit des Hofes. Nach Herrmann verhält sich Gahmuret in diesem Gespräch äußerst geschickt und sehr höfisch. Es ist Gahmuret möglich mit seinem Bruder über das Erbrecht zu sprechen, die Forderungen der Fürsten zurückzuweisen und sein eigen gewähltes Ziel, fahrender Ritter zu werden, zu erreichen. Er erlangt sein Ziel, obwohl sein Bruder ihm eine andere Position anbietet. Er schafft all dies, ohne dass die anwesenden Fürsten etwas davon. Er redet so gewandt, dass er die Sorgen seines Bruders, dem er die Erbschaft streitig machen könnte, nicht schadet. Denn nach dem Tod des Vaters kann ein Zwist zwischen den Erbenden für Unruhe sorgen und der Regenschaft des Nachfolgers schaden. Gahmuret umschifft all diese Probleme und es gelingt ihm sogar noch, dem höfischen Sprechen gerecht zu werden. Das bedeutet dass er schweigt wenn er nicht angesprochen wird und sich selbst dadurch nicht in den Mittelpunkt rückt.Spricht er dann von sich selbst, setzt er sich selbst herab, um seine Position zu verdeutlichen. Durch seine Redegewandtheit und seine vorzüglichen höfischen Manieren erreicht Gahmuret sein ersehntes Ziel erreichen und kann dabei sogar seinem Bruder helfen, indem er durch sein Sprechen seine Regenschaft stärkt.[Becker 2002: vgl.] Gahmuret ist also nicht nur ein Ritter, der nach Minne und Rittertum strebt, sondern er vereint diese Ziele mit höfisch vorbildlichen Verhalten und einem vorzüglichen Intellekt, der in seiner Redegewandtheit liegt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er eine höfische Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch sein selbst gewähltes Wappen, den Anker, trägt Gahmuret weitere Aspekte in den Roman. Das Wappen wird vom Erzähler negativ bewertet, da er für das ständige Aufbrechen in neue Räume steht, für eine Ziellosigkeit und eine Bürde.  Während der Anker sein Schild ziert, kämpft er für den Baruc von Baldac, also unter einem Heiden.[Herrmann 2009: S.82] Als Ritter des Baruc gelangt Gahmuret zu großen Ruhm und kann sogar die Hand eine Königin für sich gewinnen. Während eines Kampfes den er für Belacane führt, erkennt er seine Verwandten bei den Gegnern und es kommt zu Verhandlungen statt zum Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Fahrt in den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]], wo er nicht heimisch werden konnte, kann er Herzelyode für sich erkämpfen. Doch er handelt nicht klug für seine Ehe, er möchte noch immer &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; erleben und ritterliche Kämpfe ausfechten. Diese Entscheidung wird ihm zum Verhängnis, er stirbt durch eine List im Kampf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Höhepunkt ihrer Karrieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret wird der König von Anschouwe und durch seine Beziehungen zu Belakane und Herzeloyde wird er auch noch, zumindest kurzzeitig, Herrscher über deren Ländereien. Er wird also ein mächtiger Mann der über viele Länder regiert. Er begann seine Karriere aus dem nichts und steigt sehr weit auf. Um es mit neuhochdeutschen Worten zu sagen: Er wird vom Tellerwäscher zum Millionär. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival begibt sich als Narr auf den Weg in die Welt, er verlässt seine Mutter, begeht Fehler um Fehler auf seinem Weg zum Ritter-Sein. Sein Weg führt ihn durch verschiedene Familieneklats, er steigt zum Ritter auf, wird Roter Ritter der schließlich in die Tafelrunde aufgenommen wird und als Krönung zum König der Gralsburg gemacht wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgeschichte des Vater steckt bereits einen großen Rahmen ab. In den ersten zwei Büchern wird bereits auf eine Ziellosigkeit angespielt, die Parzival ebenso erfährt, als er 5 Jahre umhereist und versucht den Gral durch Kämpfen zu erlangen. Das dies nicht gelingen wird, kann schon aus der väterlichen Vorgeschichte entnommen werden, der wie seine Väter, bei einem Kampf getötet wird. Es scheint als führe der Kampf unweigerlich in den Tod. Zwar wird Gahmuret getötet, als er wieder das Wappen seines Vater führt, dennoch zieht es ihn in die Ferne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret stellt durch seine Orientfahrt eine Verbindung zu den Heiden dar. Auf das Verhältnis von Farben wurde im [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] angespielt und in der Orientfahrt wird das erstmals im Text das umgesetzt. Gahmuret begegnet dort Schwarzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wohl bemerkenswerteste an Gahmuret ist seine höfisches Verhalten. Vorallem bei dem Bruderkampf zwischen Parzival und Feirefiz wird deutlich, dass Parzival nach seiner &#039;Bildungsfahrt&#039;, die Regeln des höfischen Sprechens so verinnerlicht hat, wie einst sein Vater. Die Ausgangssituation des Gespräches zwischen Feirefiz und Parzival ist ähnlich der von Galoes und Gahmuret, denn theoretisch hat Feirefiz das Anrecht auf Anschouwe. In Gahmuret lässt sich zumindest der Zielpunkt Parzival höfischer Sozialisation ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso erstaunlich ist der Werdegang der beiden. Gahmuret wird als &#039;chevalier errant&#039; zum Herrescher über Zazamanc, Waleis, Norgals und Anschouwe.[Sutter 2000: S.193]&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Werdegang ist erstaunlich. Er wird der Herrescher von Anschouwe, Brobarz, Waleis, Norgals und Munsalvaesche. [Sutter 2000: S.194]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich durchaus Parallelen zwischen Parzival und Gahmuret finden. Beide legen einen gewaltigen Aufstieg zurück, wobei Parzival von seiner mütterlichen Seite her, wohl für eine größere Aufgabe bestimmt ist.&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mertens 2007] Mertens, Volker (2007): Der deutsche Artusroman, Stuttgart: Reclam 2007.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Becker 2002] Becker, Anja (2002):Parzivals redegewandter Vater. Zur Einschätzung Gahmurets und der Auszugsszene (4,27-13,8). In: Focus on German Studies 9 (2002), S.155-174.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Sutter 2000] Sutter, Rolf (2000): mit saelde ich gerbet han den gral : Genealogische Strukturanalyse zu Wolfram&#039;s von Eschenbach Parzival. Universität Tübingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1993] Holger, Noltze (1993): Gahmurtes Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &amp;quot;Parzival&amp;quot; (4,27-58,26), Würzburg: Königshausen und Neumann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23778</id>
		<title>Parzival und Gahmuret im Vergleich</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=23778"/>
		<updated>2015-07-15T09:09:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Um den Versepos &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu verstehen wird in vielen Forschungstexten auf die [http://www.duden.de/rechtschreibung/Genealogie Genealogie] verwiesen. Eine Beziehung, die in diesem Werk nicht konkretisiert wird, ist jene zwischen [[ Protagonist: Parzival | Parzival]] und seinem Vater Gahmuret, der vor der Geburt von Parzival verstarb. Dennoch scheint ein Vergleich zwischen dem Vater und seinem Sohn sinnvoll, da die Bücher über Gahmuret eine Erfindung von Wolfram vom Eschenbach sind. Die Vorlage von Chrétiens &#039;Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval&#039; enthält keine elterliche Vorgeschichte. Daher sollen in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Parzival und Gahmuret aufgezeigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit den [[http://mediaewiki.org/wiki/Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|biografischen Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zunächst werden ihre äußeren Erscheinungsbild und die Art ihrer eigenen Inszenierung thematisiert. Wie ist ihre Ausgangsposition im Epos? Wer sind ihre Verwandten? Wie wurden sie erzogen? Durch den Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Kann von Gahmuret auf Parzivals Werdegang geschlossen werden? Bestimmt die Vorgeschichte Gahmurets den Handlungsrahmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erscheinungsbilder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Gahmuret selbst wird kaum etwas gesagt, außer, dass er groß und hellhäutig ist. Es wird viel mehr das beschreiben, was er an hat: so z.B. sein Schild, dass viele Zobelbälge trägt und das Bild eines Ankers hat.&lt;br /&gt;
Beim Einzug in Zazamanc wird das Aussehen von Gahmuret kaum beschrieben, sondern seine Gefolgschaft. Allerdings sieht Gahmuret so gut aus, dass man ihn lieben muss.&lt;br /&gt;
In Afrika wird vor allem seine Kleidung oder seine Kampfausrüstung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird bereits nach der Geburt als männlich beschrieben mit starken Gliedern (112, 27). Ebenso wie sein Vater ist er hellhäutig. Auch sein Aussehen bewirkt eine positive Reaktion der Damenwelt, wie bereits sein Vater. Allerdings wird nicht Parzivals Kleidung oder pompöse Einzüge betont, es ist viel mehr Parzival selbst, der als hübsch bezeichnet wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Aussehen her gibt es nicht sonderlich viele Auffälligkeiten. Beide sind hellhäutig und scheinen den Frauen zu gefallen. Wobei Gahmuret sein Auftreten und seine Kleidung und bei Parzival das Aussehen selbst im Vordergrund stehen. Allerdings gibt es keine Vergleiche zwischen Vater und Sohn. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden wird nicht betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verwandschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der zweite Sohn des Königs von Anschouwe und der Bruder von Galoes. (4,28-5,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief von Belacane wird der Stammbaum vom Gahmuret deutlich. Aus dem Brief geht hervor, dass Gahmuret der Sohn des Gadîn, der Urenkel des Mazadan ist. Denn Gadîn Vater ist Addanz. Addanz Bruder heißt Brickus und dessen Vater ist Mazadan. Jener Mazadan ist aber nicht nur Gahmurets Urgroßvater, sondern auch der von Artus. Der Vater von Artus &#039;Utepandragun&#039; ist demnach der Großonkel von Gahmuret und Artus sein Großcousin (56,1-28).&lt;br /&gt;
Über die Verhältnisse der mütterlichen Seite erfährt der Rezipient nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die chronologische Familienabfolge &amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Verwandtschaftstafel im Artikel [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; besagt, dass Feirefiz Gahmurets erst geborener Sohn ist, den er mit seiner damaligen Frau [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Belacane]] bekommt, die aus dem Orient stammt. Parzival wird von Gahmurets zweiter Frau [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Herzeloyde]] geboren. &amp;lt;ref&amp;gt; Ausführlichere Informationen über die beiden Söhne von Gahmuret. [[ Parzival und Feirefiz]] &amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Datei:Verwandtschaftstafel.png|500px|thumb|right|Verwandtschaftstafel]]&lt;br /&gt;
Wie bereits oben deutlich wird, ist Parzival über seinen Vater mit der Artusfamilie verwandt. Artus ist demnach sein Großonkel. Parzival erfährt aber erst (140,17) von seinem Vater und somit von der Verwandtschaft. &lt;br /&gt;
Die [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsbeziehungen]] mütterlicherseits werden zu einem späteren Zeitpunkt im Epos bekannt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|(333,29-30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Von im den Herzeloyde bar. || Er, den Herzeloyde gebar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ouch generbe dar.  || war ja auch der rechtmäßige Erbe dort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genauere Auflösung von Parzivals verwandtschaftlichem Verhältnis mit der Gralsfamilie ist im Vers (455,15) zu finden. Der Gralskönig Anfortas ist der Bruder von Herzylode. Sie stammen von [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frimutel]] ab, der den Gral an [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] weiterreichte. Frimutel erhielt den Gral von seinem Vater Tyturel.&lt;br /&gt;
Parzival vereint also die beiden Familienlinien der Artus- und der Gralsfamilie miteinander. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind die zweiten Söhne ihres Vaters. Wobei Gahmuret und sein Bruder von derselben Mutter stammen. Parzival und Feirefiz stammen von unterschiedlichen Müttern. Sowohl Gamuret, als auch Parzival stammen vom hochadeligem Geschlecht ab. Die Vermischung der arthurischen und titurelschen Geschlechtslinien prädestiniert Parzival für die Wahl zum [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralskönig]] und verschafft ihm einen genealogisch Vorteil gegenüber seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei seinem [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Versagen]] auf der Gralsburg wird durch das Überreichen des Mantels von der Gralsträgerin (228,15) und dem Geschenk des Königs der Gralsburg, ein Schwert (239,22), seine Bestimmung Gralskönig zu werden angedeutet. [Mertens 2007: 123] Es kann davon ausgegangen werden, dass sich die Gralsgesellschaft der Abstammung Parzivals bewusst ist. Deshalb vermuten sie wohl, dass Parzival wegen seiner Abstammung der Ritter aus der Prophezeiung (483,20) ist. Parzival selbst erfährt erst bei [[ Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Trevrizent]] im IX. Buch von seiner Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret kennt seine Eltern und es ist ihm möglich, einen ziemlich exakten Stammbaum seiner Familie zu skizzieren. Parzival hingegangen erfährt erst im Verlauf der Geschichte Stück für Stück von seiner Abstammung und seiner Bestimmung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Ausgangspositionen und weitere Parallelen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater wird in einem Kampf getötet, wie bereits der Vater von Gadîn zuvor, und deshalb würde er zunächst alles verlieren, da der älteste Sohn nach französischen Recht alles erbt (Primogeniturrecht) [Noltze 1993: vgl. 217]. Doch Gahmuret bittet seinen Bruder ihn ziehen zu lassen, um nach Ruhm und Ehre streben zu können. Sein Bruder und seiner Mutter beschenken ihn reichlich, so dass er gut gerüstet auf Aventüre gehen kann. [Mertens 2007: vgl. 107] So wird der Königssohn von sich selbst aus, zum &#039;chevalier errant&#039;[Hermann 2009: 81]. Der Auszug aus Anschouwe wird später genauer analysiert, aus der Analyse wird deutlich, dass Gahmuret eine vorzügliche Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst zunächst abgeschottet von der Außenwelt bei seiner Mutter auf, die auch für seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] zuständig ist. Weil Herzeloyde schon einmal einen geliebten Menschen, nämlich ihren Mann Gahmuret, im Kampf verloren hat, befürchtet sie, dass ihrem Sohn das gleiche Schicksal ereilen könnte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail mit den Vater/Sohn Strukturen im Parzival: [[Vater und Sohn im Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Parzival verlässt seine Mutter um Ritter zu werden und Aventüren zu bestreiten. Die Mutter die ihn nur schmerzlich gehen lassen möchte, lässt ihn als ein Narr bekleidet ziehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine weitere Parallele von Gahmuret und Parzival besteht bei ihren Müttern. Denn die Mutter von Gahmuret verstirbt, als ihr Sohn Galoes stribt und Gahmuret ihr fern ist. Auch Herzeloyde stirbt, nachdem Parzival sie verlassen hat. Das Verlassen der Mutter wird später bei Trevrizent, als eine seiner Sünden vorgeworfen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret und Parzival ähneln sich objektiv in ihrer Ausgangsposition. Denn beide sind die zweitgeborenen und ihnen wird dadurch ein Erbe versagt. Bei Parzival ist die Situation jedoch etwas verschärft, da er keine höfische Erziehung hat. Er verlässt seine Mutter als Narr und nicht besonders ausgestattet, wohin gegen Gahmuret alles gestellt wird. Gahmuret lässt seine Mutter nicht alleine zurück, um nach Ruhm und Ehre sterben zu können. Sie bleibt bei seinem Bruder und König von Anschouwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine Auffälligkeit ist wohl das Sterben der Vater im ritterlichen Kampf. Es scheint wohl typisch für sie ihr Leben im Kampf zu lassen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret als Rahmenfigur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben bereits erwähnt wird der Auszug aus Anschouwe und die Wahl zum &#039;chevalier errant&#039; näher untersucht. Im Gespräch mit Galoes wird eine ganz andere Seite von Gahmuret sichtbar, als die des Kämpfers die ihm die Forschung meist zuweist.  So heißt es bei Herrmanns, in einem Zitat nach Brunner: &amp;quot;Die vor-arthurische Ritterwelt wird vor allem an Gahmuret deutlich: Sie erscheint als weite, bunte Welt des Abendteuers, des Kampfes un der Minne.&amp;quot; [Herrmann 2009: S.80]&lt;br /&gt;
Zum Auszug nach Becker: Der Text von Becker fasst zunächst Meinung der Forschung auf, die Gahmuret als defizitären Typus analysieren, so dass Parzival ihm überlegen sein kann. In diesen Texten wird er als, unreflektiert, impulsiv, &#039;man of action&#039;, &#039;der Mann der von seinem Tatendrang bestimmt&#039; wird oder gar als, &#039;one dimensional&#039;, der nur auf seine Ritterschaft bedacht ist, bezeichnet. Die ältere Forschung sieht ihn als Ritter vom alten Schlag, als vorhöfischen Typus. Er stamme aus der [https://de.wikipedia.org/wiki/Chanson_de_geste Chanson de geste]-Tradition, bei der das Leitmotto &#039;der Stärkste bekommt die Schönste&#039; ist. Allerdings verweist sie auf Texte in welchen Gahmuret vom Erzähler als vorbildlicher Ritter dargestellt wird. Sie möchte das vorbildliche Verhalten Gahmurets anhand der ersten Szene in der Gahmuret erscheint analysieren. Es ist sein Auszug aus Anschouwe. Gahmuret wird also nicht bei einem ritterlichen Kampf in die Erzählung eingeführt, sondern bei einem Gespräch in der Öffentlichkeit des Hofes. Nach Herrmann verhält sich Gahmuret in diesem Gespräch äußerst geschickt und sehr höfisch. Es ist Gahmuret möglich mit seinem Bruder über das Erbrecht zu sprechen, die Forderungen der Fürsten zurückzuweisen und sein eigen gewähltes Ziel, fahrender Ritter zu werden, zu erreichen. Er erlangt sein Ziel, obwohl sein Bruder ihm eine andere Position anbietet. Er schafft all dies, ohne dass die anwesenden Fürsten etwas davon. Er redet so gewandt, dass er die Sorgen seines Bruders, dem er die Erbschaft streitig machen könnte, nicht schadet. Denn nach dem Tod des Vaters kann ein Zwist zwischen den Erbenden für Unruhe sorgen und der Regenschaft des Nachfolgers schaden. Gahmuret umschifft all diese Probleme und es gelingt ihm sogar noch, dem höfischen Sprechen gerecht zu werden. Das bedeutet dass er schweigt wenn er nicht angesprochen wird und sich selbst dadurch nicht in den Mittelpunkt rückt.Spricht er dann von sich selbst, setzt er sich selbst herab, um seine Position zu verdeutlichen. Durch seine Redegewandtheit und seine vorzüglichen höfischen Manieren erreicht Gahmuret sein ersehntes Ziel erreichen und kann dabei sogar seinem Bruder helfen, indem er durch sein Sprechen seine Regenschaft stärkt.[Becker 2002: vgl.] Gahmuret ist also nicht nur ein Ritter, der nach Minne und Rittertum strebt, sondern er vereint diese Ziele mit höfisch vorbildlichen Verhalten und einem vorzüglichen Intellekt, der in seiner Redegewandtheit liegt. Es kann davon ausgegangen werden, dass er eine höfische Erziehung genoss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch sein selbst gewähltes Wappen, den Anker, trägt Gahmuret weitere Aspekte in den Roman. Das Wappen wird vom Erzähler negativ bewertet, da er für das ständige Aufbrechen in neue Räume steht, für eine Ziellosigkeit und eine Bürde.  Während der Anker sein Schild ziert, kämpft er für den Baruc von Baldac, also unter einem Heiden.[Herrmann 2009: S.82] Als Ritter des Baruc gelangt Gahmuret zu großen Ruhm und kann sogar die Hand eine Königin für sich gewinnen. Während eines Kampfes den er für Belacane führt, erkennt er seine Verwandten bei den Gegnern und es kommt zu Verhandlungen statt zum Kampf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach seiner Fahrt in den [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]], wo er nicht heimisch werden konnte, kann er Herzelyode für sich erkämpfen. Doch er handelt nicht klug für seine Ehe, er möchte noch immer &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; erleben und ritterliche Kämpfe ausfechten. Diese Entscheidung wird ihm zum Verhängnis, er stirbt durch eine List im Kampf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Höhepunkt ihrer Karrieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret wird der König von Anschouwe und von seiner Beziehung mit Belacane und seiner Hochzeit mit Herzeloyde wird er der Herrscher ihrer Länder. Er wird als ein großer Herrscher, der über viele Länder regiert. Er ist fast aus dem nichts gestartet und steigt sehr weit auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival begibt sich als Narr auf den Weg in die Welt, um Ritter zu werden. Sein Weg führt in als Ritter der Tafelrunde bis hin zum König der Gralsburg.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgeschichte des Vater steckt bereits einen großen Rahmen ab. In den ersten zwei Büchern wird bereits auf eine Ziellosigkeit angespielt, die Parzival ebenso erfährt, als er 5 Jahre umhereist und versucht den Gral durch Kämpfen zu erlangen. Das dies nicht gelingen wird, kann schon aus der väterlichen Vorgeschichte entnommen werden, der wie seine Väter, bei einem Kampf getötet wird. Es scheint als führe der Kampf unweigerlich in den Tod. Zwar wird Gahmuret getötet, als er wieder das Wappen seines Vater führt, dennoch zieht es ihn in die Ferne. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret stellt durch seine Orientfahrt eine Verbindung zu den Heiden dar. Auf das Verhältnis von Farben wurde im [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] angespielt und in der Orientfahrt wird das erstmals im Text das umgesetzt. Gahmuret begegnet dort Schwarzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das wohl bemerkenswerteste an Gahmuret ist seine höfisches Verhalten. Vorallem bei dem Bruderkampf zwischen Parzival und Feirefiz wird deutlich, dass Parzival nach seiner &#039;Bildungsfahrt&#039;, die Regeln des höfischen Sprechens so verinnerlicht hat, wie einst sein Vater. Die Ausgangssituation des Gespräches zwischen Feirefiz und Parzival ist ähnlich der von Galoes und Gahmuret, denn theoretisch hat Feirefiz das Anrecht auf Anschouwe. In Gahmuret lässt sich zumindest der Zielpunkt Parzival höfischer Sozialisation ausmachen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso erstaunlich ist der Werdegang der beiden. Gahmuret wird als &#039;chevalier errant&#039; zum Herrescher über Zazamanc, Waleis, Norgals und Anschouwe.[Sutter 2000: S.193]&lt;br /&gt;
Auch Parzivals Werdegang ist erstaunlich. Er wird der Herrescher von Anschouwe, Brobarz, Waleis, Norgals und Munsalvaesche. [Sutter 2000: S.194]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es lassen sich durchaus Parallelen zwischen Parzival und Gahmuret finden. Beide legen einen gewaltigen Aufstieg zurück, wobei Parzival von seiner mütterlichen Seite her, wohl für eine größere Aufgabe bestimmt ist.&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;span class=&amp;quot;editsection&amp;quot;&amp;gt;&amp;lt;small&amp;gt;[[#top|▲]]&amp;lt;/small&amp;gt;&amp;lt;/span&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mertens 2007] Mertens, Volker (2007): Der deutsche Artusroman, Stuttgart: Reclam 2007.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Becker 2002] Becker, Anja (2002):Parzivals redegewandter Vater. Zur Einschätzung Gahmurets und der Auszugsszene (4,27-13,8). In: Focus on German Studies 9 (2002), S.155-174.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Sutter 2000] Sutter, Rolf (2000): mit saelde ich gerbet han den gral : Genealogische Strukturanalyse zu Wolfram&#039;s von Eschenbach Parzival. Universität Tübingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1993] Holger, Noltze (1993): Gahmurtes Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &amp;quot;Parzival&amp;quot; (4,27-58,26), Würzburg: Königshausen und Neumann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Geografische_Orte_im_Parzival&amp;diff=23759</id>
		<title>Geografische Orte im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-15T08:43:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet. Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt sich die Handlung an verschiedenen Orten ab. Parzival legt im Laufe der Erzählung &#039;&#039;große Distanzen&#039;&#039; zurück. Die &#039;&#039;geografischen Örtlichkeiten&#039;&#039; sowie die sie verbindenden &#039;&#039;Wege&#039;&#039; erlauben einen spezifischen Blick auf den Roman. Der Primärtext umfasst nicht nur die &#039;&#039;Europäischen Länder des Mittelalters&#039;&#039;, sondern bildet die &#039;&#039;komplette damalige Welt&#039;&#039; ab, wie Schuler-Lang festhält. [Schuler-Lang 2014: 106] Während sich bereits ein Artikel mit den im Werk eingewobenen Wissensaspekten auseinandersetzt und dabei auch auf die [[Wissen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Geografie|geografische Bildung des Erzählers]] eingeht, verfolgt der vorliegende Eintrag die konkreten Handlungsorte.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Visualisierung der Orte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1961 hat Marianne Wynn versucht, die Umgebungen von &#039;&#039;schastel marveile&#039;&#039; und &#039;&#039;munschalveasche&#039;&#039; auf jeweils einer Karte &#039;&#039;grafisch festzuhalten&#039;&#039;. [Wynn 1961: vgl. 38-39] In der wissenschaftlichen Diskussion wird Wynns Vorhaben allerdings &#039;&#039;heftig kritisiert&#039;&#039;. Pratelidis schreibt dazu: &amp;quot;Man muss sich dessen stets bewusst sein, das Wolfram im &#039;Parzival&#039; keine nachvollziehbare Landkarte entwirft, die rekonstruiert werden könnte.&amp;quot; [Pratelidis 1994: vgl. 59-60] Auch Kugler vertritt diesen Standpunkt, wenn er von einer &amp;quot;nicht- kartographischen Räumlichkeit&amp;quot; schreibt, welche sich jeder geographischen Rekonstruktion verschließe. [Kugler 1990: 127] Schulz hält fest, dass Landkarten von mittelalterlichen Werken &amp;quot;schwer vorstellbar&amp;quot; sind und führt weiter an: &amp;quot;Räume erscheinen in mittelalterlichen Texten kaum je als kontinuierlich entfaltete.&amp;quot; [Schulz 2012: 300] Schmitz sieht in den geografischen Spielfeldern der Handlung &amp;quot;viel mehr denn reine Geographie, nämlich als Felder eines bestimmten, rigorosen Bedeutungsinhaltes&amp;quot; und führt an, dass sich &amp;quot;die literarische Geographie (sozusagen urplötzlich) zu einem &#039;glänzenden&#039;  Schema verknüpfender und koordinierender Bedeutung&amp;quot;. [Schmitz 2004: 28] Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse geht der folgende Artikel primär auf die erwähnten Orte und deren mögliche real existierenden Pendants ein.&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Visualisierungen der Orte von literarischen Werken&#039;&#039; grundsätzlich funktionieren können, zeigt Franco Moretti mit seinem Projekt &#039;&#039;Imaginative Geography&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: Moretti, Franco: Atlas of the European novel 1800-1900, London &amp;amp; New York 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das erfolgreiche Projekt veranschaulicht die Handlungsorte von klassischen Werken der Weltliteratur auf virtuellen Karten. Auch wenn solche Unterfangen teilweise nicht vollumfänglich alle Handlungsorte darstellen können, ermöglichen sie das Hervorheben von Distanzen und geben Aufschluss über den Zusammenhang der wichtigsten Orte. Leerstellen und nicht genau definierbare Orte sind dabei ebenso wichtig wie Städte und Länder, welche klar zugeordnet werden können.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Räume der mediävistischen Literatur nicht im gleichen Sinne realen Orten zuzuweisen sind, wie dies in der (Post)Moderne der Fall ist, zeigt dieser Artikel mögliche Pendants auf und legt kontroverse Meinungen innerhalb der Forschungsdiskussion offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reale Orte im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Parzival nennt Wolfram über 100 real existierende Ortsnamen aus Europa, Afrika und Asien. Explizit erwähnt werden beispielsweise Alexandrié, Antwerp, Babylôn, Brâbant, Indîâ, Kaukasa, Nantes, Stîre und Wâleis. [Heinzle 2011: 205] Referenzen auf (heute noch) bestehende Städte und Regionen könnten Lesern dabei helfen, den Text einfacher zu erfassen. Zusätzlich könnte dieser Vergleich Rückschlüsse auf wichtige zeitgenössische Orte und Regionen erlauben. Eine Einbindung in Google Karten im Sinne des Projekts Mapping Writing&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: [http://www.mappingwriting.com/about.php Projekt Mapping Writing] zur animierten Visualisierung von Literatur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ebenfalls denkbar. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wege im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Einordnung von (geografischen) Orten muss auch den zurückgelegten Wegen der Figuren Beachtung geschenkt werden. In seinem Werk &#039;&#039;Entwicklung durch Grenzüberschreitung&#039;&#039; ist Jonathan Haß vertieft auf zurückgelegte Distanzen eingegangen. Exemplarisch ordnet er Herzeloydes Rückzug in die Einöde von Soltane als topographische Grenzüberschreitung ein, bei welcher die Isolation als Selbsterhaltungszweck dient. [Haß 2002: 27]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Parzival legt im Laufe der Ereignisse große Distanzen zurück. Dieser Weg wird von Court als &#039;&#039;Entwicklungsweg&#039;&#039; bezeichnet, auf welchem der Held lernt, Unvollkommenheit und Unwissenheit zu überkommen. [Court 2009: 415]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Liste einiger ausgewählter Orte in alphabetischer Reihenfolge =&lt;br /&gt;
Für eine klare Einordnung der Handlungsorte ist es wichtig, Belege in Form von Textstellen aus dem Roman zur Analyse vorliegen zu haben. Dieser Teil des Artikels sucht nach Beschreibungen in der Romanhandlung. In einem zweiten Schritt werden dann mögliche real existierende Orte auf dem Hintergrund der Fachliteratur eingeordnet und diskutiert.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den gewählten Orten handelt es sich um eine &#039;&#039;Auswahl&#039;&#039;, die gerne auch von anderen Autoren erweitert werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ascalun==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ziel, in einem Gerichtskampf seine Unschuld zu beweisen nimmt Gawan&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet durchgehend die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In Mittelhochdeutschen Originalstellen wird natürlich die originale (mittelhochdeutsche) Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Reise in das Land Ascalun auf sich (Buch 8). Die Hauptstadt von Ascalun im &#039;&#039;Schampfanzun&#039;&#039; wird vom König Vergulath regiert, welcher Mitglied  von Artus&#039; Tafelrunde ist. Ascalun liegt im Westen im Bereich der Artushandlung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äußerlich gleicht Ascalun dem Namen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Aschkelon Stadt Askalon im heutigen Palästina]. Kunitzsch merkt an, dass Wolfram und seine Hörer dies wohl auch so empfunden haben mögen. Für ihn liegt Ascalun jedoch klar im Westen Europas. [Kunitzsch 1984: vgl. 81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bearosche ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bearosche ist eine Stadt mit Burg, welche von Gawan aufgesucht wird. Der Reichtum des Ortes wird im VI. Buch (350: 16-21) eindrücklich beschrieben. &amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 350, 16-21&lt;br /&gt;
| Gâwân gein Béârosche reit. &amp;lt;br /&amp;gt; burg und stat sô vor im lac, &amp;lt;br /&amp;gt; daz niemen bezzers hûses pflac. &amp;lt;br /&amp;gt; ouch gleste gein im schône&amp;lt;br /&amp;gt; aller ander bürge ein krône&amp;lt;br /&amp;gt; mit türnen wol gezieret.&lt;br /&gt;
| Burg und Stadt lagen vor ihm, so schön, daß nie ein Herr sich eines schönern Hauses rühmen konnte. Was ihm da so wunderbar entgegenglänzte, das war die Krone über allen Burgen, sie war mit Türmen reich geziert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die genaue Lage von Bearosche finden sich in der Forschungsliteratur noch keine konkreten Ergebnisse. Wynn ist der Meinung, dass die Gebiete Grâharz und Brôbarz weder in einem klaren geografischen Bezug zu sich selbst, noch zu anderen Teilen der sagenhaften Geografie stehen. Identische Voraussetzungen gelten bei Wynn auch für Bearosche und Schanpfanzûn. [Wynn 1961: vgl. 32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Munsalvaesche==&lt;br /&gt;
Die [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg Munsalvaesche]] ist ein zentraler Handlungsort des Romans. In ihr befindet sich [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|der heilige Gral]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie Bearosche wird auch die Burg Munsalvaesche als eindrückliches Bauwerk beschrieben &#039;&#039;(226: 14-19)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,14-19&lt;br /&gt;
| diu burc an veste niht betrogen.&amp;lt;br /&amp;gt; si stuont reht als si wäre gedræt.&amp;lt;br /&amp;gt; ez enflüge od hete der wint gewæt,&amp;lt;br /&amp;gt; mit stürme ir niht geschadet was&amp;lt;br /&amp;gt;vil türne, manec palas&amp;lt;br /&amp;gt;dâ stuont mit wunderlîcher wer.&lt;br /&gt;
| Die Burg log nicht, wenn sie sich Festung nannte. Wie gedrechselt stand sie da. Mit Sturm war ihr im Krieg nicht beizukommen, höchstens mit Wind - wenn man geflogen wäre. Viele Türme und so mancher Palas standen da in märchenhafter Macht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival heißt es, dass niemand die Lage der Burg kennt (&#039;&#039;226,13-14&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,13-14&lt;br /&gt;
| gsît wir niht wizzen wâ diu stêtt. &amp;lt;br /&amp;gt; ze arbeit ez uns lîhte ergêt.&lt;br /&gt;
| Da wir nicht wissen, wo dieser Burg steht, kann das leicht schlimm für uns ausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Region um die Burg ist in der realen Welt nur schwer zu verorten. Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Munsalvaesche erstellt. [Wynn 1961: vgl. 38]  Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Beschreibungen erstellt und zeigt die Region um Munsalvaesche.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Munsalvaesche und Umgebung2.jpeg|mini|Munsalvaesche und Umgebung nach Wynnn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thesen der älteren Forschung, wie die Rahns, der Munsalvaesche mit der Burgruine des Berges Montségur &#039;&#039;in den östlichen Pyrenäen&#039;&#039; lokalisierte, erweisen sich aus historischen wie etymologischen Gründen als problematisch &amp;lt;ref&amp;gt;Verweis auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Rahn#Rezeption_und_Kritik kritischen Artikel zur Forschungsarbeit Otto Wilhelm Rahns] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieser versuchte seiner Zeit, die Katharer mit dem Gralsmythos in Verbindung zu bringen. Er setzte dazu Munsalvaesche (okzitan. Montsalvasch, „Heilsberg“, oder Montsauvage, „Wilder Berg“) mit Montségur (okzitanisch Montsegur, „sicherer Berg“) gleich.  &amp;lt;ref&amp;gt;Nelli, René: Dictionnaire des hérésies meridionales et des mouvements hérérodex ou indéendants apparus dans le Midi de la France depuis l’établissement du christianisme, Toulouse 1968&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Horchler vermutet die Gralsburg im ehemaligen Benediktinerkloster [http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_San_Juan_de_la_Pe%C3%B1a San Juan de la Peña] in &#039;&#039;Aragonien (Spanien)&#039;&#039; und argumentiert mit der Beschreibung der Lage der Burg. Der Berg über der Burg trägt den Namen &#039;&#039;Monte San Salvador&#039;&#039;. [Horchler 2004: vgl. 37] Horchler folgert daraus: &amp;quot;Auf Okztianisch würde der Berg vermutlich ,Mont Sant Salvatge&#039; geheißen haben, oder volkstümlich ,Mont Salvatge&#039;. Aus dieser auf Mandach zurückgehenden Namensgebung hätte Wolfram im Deutschen durchaus den Namen Mulsalvaesche machen können.&amp;quot; [Horchler 2004: 37]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nantes ==&lt;br /&gt;
In der Stadt Nantes befindet sich der [[Artushof]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival reitet aus dem Wald Brizljan nach Nantes. Da er den Weg nach Nantes nicht findet, wendet er sich an einen Fischer (142, 17). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die explizite Erwähnung und die geografische Lage kann angenommen werden, dass es sich bei Nantes um die noch heute existierende [http://de.wikipedia.org/wiki/Nantes Stadt in Frankreich] handelt. In seinem Aufsatz mit dem Titel &amp;quot;Nantes - Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&amp;quot; geht Schmitz vertieft auf die Frage der Funktion literarischer Darstellungen von Landschaft ein, versäumt es dabei jedoch, den Handlungsort Nantes in der realen Welt zu lokalisieren. [Schmitz 2004: 25] Für Schmitz scheint es gegeben, dass der Ort Nantes im Parzival der französischen Stadt Nantes entspricht. Bei ihm steht nicht die eigentliche Lage im Zentrum, sondern der Weg dorthin. Er hält fest, dass &amp;quot;der Weg Parzivals aus dem Wald Brizljan nach Nantes ein relativ unkomplizierter sei und Parzival nicht allzuviel abfordere.&amp;quot;  [Schmitz 2004: 25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patelamunt ==&lt;br /&gt;
Patelamunt ist die Hauptstadt des Königreiches Zazamanc und Residenz der Königin Belacane.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Stadt wird vier Mal erwähnt (17,4: 64,17; 90,19; 97,20).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches Reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nolze hält fest, dass über die Lage der Hafen-Hauptstadt &amp;quot;in der Forschung Uneinigkeit herrscht&amp;quot;. [Noltze 1995: 93.] Für Kunitzsch ist die Unsicherheit weniger groß. Er lokalisiert Patelamunt klar: &amp;quot;Während &#039;&#039;Zazamanc&#039;&#039; in Afrika zu denken ist (...) ist &#039;&#039;Patelamunt&#039;&#039; zweifellos Wolframs umgewandelte Form des Namens einer bekannten Hafenstadt im Indusdelta, also in Indien.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 90] Im Artuslexikon steht zur Lage der Stadt: &amp;quot;Tatsächlich geht der Name aber auf Portus Patalus zurück, eine auf mittelalterlichen &#039;&#039;Mappae mundi&#039;&#039; ([[Die Ebstorfer Weltkarte|Ebstorf]], Hereford) und in den Alexanderromanen zu findenden indische Hafenestadt.&amp;quot; [Simek 2012: 273]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pelrapeire==&lt;br /&gt;
Pelrapeire ist die Hauptstadt des Landes Brobarz. Herrscherin von Pelrapeire ist Parzivals Frau Condwiramurs.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lage der Stadt im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lage Stadt wird im fünften Buch Parzival (180, 21-26) folgendermassen beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 21-26&lt;br /&gt;
| Doch reit er wênec irre, &amp;lt;br /&amp;gt;wan die slihte an der virre&amp;lt;br /&amp;gt; kom er des tages von Grâharz&amp;lt;br /&amp;gt; in daz künecrîch ze Brôbarz&amp;lt;br /&amp;gt; durch wilde gebirge hôch. &amp;lt;br /&amp;gt; der tac gein dem âbent zôch. &amp;lt;br /&amp;gt; do kam er an ein wazzer snel: &amp;lt;br /&amp;gt; daz was von sîme duzze hel: &amp;lt;br /&amp;gt; ez gâbn die velse ein ander. &amp;lt;br /&amp;gt; daz reit er nider: dô vander&amp;lt;br /&amp;gt; die stat ze Pelrapeire.&lt;br /&gt;
| Doch ritt er nicht viel irre, sondern stracks geradeaus ins Blaue, und also kam er an dem Tag von Grâharz durch ein wildes, hohes Gebirge in das Königreich Brôbarz. Der Tag ging gegen Abend zu, da kam er an ein reißendes Wasser, von Fels zu Fels hallte sein Tosen. An diesem Wasser ritt er hinab. Da sah er dieStadt Pelrapeire liegen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter heißt es im sechsten Buch &#039;&#039;&#039;(181: 5-6&#039;&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 5-6&lt;br /&gt;
| ez flôz aldâ reht in daz mer. &amp;lt;br /&amp;gt;Pelrapeir stuont wol ze wer.&lt;br /&gt;
| Das war genau dort, wo das Wasser ins Meer floß: Pelrapeire lag sehr wehrhaft da.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofmann leitet aus der Beschreibung der Lage und Darstellung der Stadt Pelrapeir(e) ab, dass es sich um die französische Stadt Grenoble handeln könnte. Die Beschreibung der Lage ist für Hofmann identisch mit jener der [http://de.wikipedia.org/wiki/La_Grande_Chartreuse grossen Kartause]. Er schreibt dazu: „Der Ausdruck zer wilder albe klûsen (Parz. 190, 22), dessen sich Wolfram bedient, passt ganz vorzüglich auf die Kartäuser, welche bekanntlich das klösterliche mit dem Einsiedlerleben vereinigten und in dieser Kombination das Wesen ihre Ordens erblickten&amp;quot;. [Hofmann 1883: 438-439.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schastel Marveile==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schastel marveile ist die Burg im Land &#039;&#039;Terre marveile&#039;&#039;. In der Burg hat Gawan mehrere Aufgaben zu erfüllen, um die von Chlinschor eingesperrten Frauen zu befreien. Für Pratedelis stellt die &amp;quot;helfe - Aventiure&amp;quot; im &amp;quot;Zauberschloss (...) den Höhepunkt von Gawans ritterlicher Karriere&amp;quot; dar. [Pratelidis 1994: 154] Erst durch die Befreiung der vierhundert gefangenen Frauen kehrt auf dem Schloss wieder Freude ein (565.23-26; 582,20; 621,17; 627; 19-21).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgt ein Fest, bei welchem die befreiten Frauen wieder mit ihren Rittern zusammengebracht werden. Dazu heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 637, 24-26&lt;br /&gt;
| dô schuof mîn hêr Gâwân&amp;lt;br /&amp;gt; daz dir vol ein ander sach;&amp;lt;br /&amp;gt;dar an in liebes vil geschach.&lt;br /&gt;
| Da hatte es mein herr Gâwân nun so eingerichtet, daß die Leute einander sahen; damit tat er ihnen viel Liebes.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Pratelidis manifestiert sich in Gawans Erlösungstat klar die &amp;quot;Vitalität arthurischer Ritterschaft.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 156] Für ihn zeigt der Autor damit &amp;quot;unmissverständlich auf, dass das Artusrittertum maßgeblich zur Wiederherstellung und Stabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung beiträgt, wenngleich nicht alle Probleme auf dem Weg der Ritterschaft behoben werden können, wie nicht zuletzt auch Parzivals Scheitern in Munsalvaesche verdeutlicht.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 154]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Schastel Marveile erstellt. [Wynn 1961: vgl. 39] Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Gedanken erstellt und zeigt die Region um Schastel Marveile.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schastel Marveile und Umgebung.jpeg|mini|Schastel Marveile und Umgebung basierend auf den Beschreibungen von Wynn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Soltane (Einöde) ==&lt;br /&gt;
Parzival wird von seiner Mutter Herzeloyde im Wald von Soltane abseits der Zivilisation aufgezogen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Mutter Herzeloyde zieht mit ihrem Sohn in die Einöde von Soltane, um Parzival von allem Höfischen fernzuhalten. Im Roman wird der Einzug in Soltane wie folgt geschildert &#039;&#039;(117: 7-9&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 117, 7-9&lt;br /&gt;
| Sich zôch diu frouwe &#039;&#039;jâmers balt&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt; ûz ir lande in &#039;&#039;einen walt&#039;&#039;,&amp;lt;br /&amp;gt; zer waste in Soltâne;&lt;br /&gt;
| Zum Jammer trieb es dieser dame hin: Sie zog fort aus ihrem Land in einen Wald, in &#039;&#039;die öde Wildnis&#039;&#039; von Soltâne.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Übersetzung &amp;quot;einen walt&amp;quot; mit &amp;quot;die öde Wildnis&amp;quot; gleichsetzt. Hierbei gilt es zu beachten, dass es sich um eine literarische Übersetzung handelt. Der Begriff ist auch durch seine Nähe zum altfranzösischen &#039;&#039;soutaine&#039;&#039; (Einsamkeit) gezeichnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genaue Ortsangabe für Soltane ist nicht möglich. Bei der Einöde von Soltane handelt sich es um einen [[Das_Motiv_des_Niemandslands_im_Parzival_(Funktion_und_Bedeutung)#Sonderräume|Sonderraum]] ausserhalb der höfischen Kultur. Dieser markiert im Parzival in der Form des Rückzugsortes in der Natur ein ein Gegenkonzept zum höfischen Leben und stellt ein Gegenkonzept dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zazamanc==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zazamanc ist ein Königreich im [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]]. Aus dem Text ist nicht klar ersichtlich, ob es auf dem afrikanischen oder asiatischen Kontinent liegt. Herrscherin über Zazamanc ist erst die Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] und dann später ihr Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]].&lt;br /&gt;
In Zazamanc vollbringt Gahmuret Heldentaten und gewinnt dabei die Anerkennung und Liebe der Königin. Die Stadt wird insgesamt 15 Mal innerhalb der Gahmuret-Belakane-Handlung und 7 Mal innerhalb der Feirefiz-Handlung erwähnt. [Kunitzsch 1984: vgl. 91]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name des Reichs von Belacane wird auch im Nibelungenlied erwähnt. Dort heißt es: &amp;quot;die arabischen sîden, wiz alsô der snê, und von Zazamanc der guoten, grüen alsâm der klê&amp;quot; (NL 362.2). [Reichert 2005: 84] Das östlich gelegene Land wird als Ursprung für Seide genannt. In der Forschungsliteratur wurde (unter anderem von Panzer) Marokko als Standort von Zazamanc vorgeschlagen. Dies wurde jedoch widerrufen, da es dort keine Mohren gebe (Noltze 1995: vgl. 88). [Kunitzsch 1984: 92] verortet Zazamanc im antiken Ort Zagazaena in der Region der libyschen Region um Syrte. Noltze sympathisiert mit der Idee von Bartsch, den Ort in Indien zu suchen. Dazu heißt es: &amp;quot;Die Fixierung auf Afrika ließ das spezifisch mittelalterliche Weltbild außer acht, demzufolge Indien und Äthiopien in unmittelbarer Nachbarschaft oder sogar Äthiopien als Teil Indiens vorgestellt wurden&amp;quot;. [Noltze 1995: 88-89] Für Kunitzsch ist die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe der Bewohner von Zazamanc ein deutliches Indiz für dessen Lage auf dem afrikanischen Kontinent, wenngleich er festhält, dass &amp;quot;Wolfram auch als Hauptstadt die indische Stadt Patelamunt einsetzt.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 91] Weiter führt Kunitzsch an, dass mit Zazamanc auch der afrikanische Völkername &#039;&#039;Garamantes&#039;&#039; in Guinea sowie der Name &#039;&#039;Casa Mansa&#039;&#039; als Residenz der Herrscher des Mali-Reiches gemeint sein könnte. [Kunitzsch 1984: 92] Laut Simek liegt Zazamanc in Afrika. [Simek 2012: 374] Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Vorstellungen über die Lage von Zazamanc innerhalb der Forschungsliteratur weit auseinanderliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Fazit=&lt;br /&gt;
Eine lückenlose Zuordnung der Handlungsorte im Parzival ist nicht möglich und nur bedingt sinnvoll. &lt;br /&gt;
Während einige Orte real existieren und noch heute identisch genannt werden (beispielsweise Nantes), lassen sich andere Lokalitäten nur ungefähr oder gar nicht eingrenzen. Dies ermöglicht zwar keine detaillierte geografische Karte, erlaubt jedoch die &#039;&#039;Eingrenzung der Handlung auf bestimmte Handlungsräume&#039;&#039;. Während die zentrale Handlung auf den Kontinenten Europa, Afrika und möglicherweise Asien vermutet werden, bleiben viele Beschreibungen vage. Dennoch liefern die Erwähnungen von Orten grundlegendes zeitgenössisches Hintergrundwissen, über welches Wolfram von Eschenbach verfügt haben muss. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben mehr oder weniger detaillierten Ortsangaben werden die zentralen Handlungsorte im Roman auf eine akribische Art und Weise beschrieben. Über Schastel Marveile und die Gralsburg Munsalvaesche wird erstaunlich detailliert berichtet. Gleichzeitig bleibt ihre Lage unklar. Dies unterstreicht den &#039;&#039;Sonderstatus dieser Orte&#039;&#039;. Für die Handlung sind sie von elementarer Wichtigkeit. Beide genannten Anlagen sind nicht leicht zu finden und verschließen sich dem gemeinen Besucher. Nellmann formuliert diesen Umstand wie folgt: &amp;quot;Wolfram vermeidet es, die räumliche Beziehung zwischen Munsalvaesche und dem Bereich von Schastel Marveile zu präzisieren. Ebenso verschleiert er die Entfernung von Pelrapeire und Terre de Salvaesche. Man hat mit Fleiß und Scharfsinn versucht, detaillierte Lagepläne der Schauplätze im &#039;Parzival&#039; zu zeichnen. Dank Wolframs Detailfreude bei geographischen Angaben (im Gegensatz zu Chrétien) gelingen diese Versuche bis zu einem gewissen Grade; jedoch scheitert die Koordination der einzelnen Schauplätze.&amp;quot; [Nellmann 1973:72]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Elemente sind zentral für die Handlungsorte Munsalvaesche und Schastel Marveile. Durch die vage Beschreibung der Lage und der gleichzeitigen detaillierten Schilderung der Räumlichkeiten und Eigenschaften der Anlagen &#039;&#039;entsteht eine [[Magie und Hexerei im Parzival|magische Komponente]].&#039;&#039;  So weiß Gawan beispielsweise, was ihn innerhalb des Zauberschlosses Schastel Marveile erwarten wird, den Weg zur Burg kann er jedoch nur mit Hilfe des Fährmanns [[Die Rolle des Fährmanns Plippalinot|Plipplalinot]] finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Court 2009] Court, Jürgen, Klöcker, Michael (Hrsg.): Wege und Welten der Religionen. Festschrift für Udo Tworuschka. Frankfurt am Main 2009. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haß 2002]  Haß, Jonathan: Entwicklung durch Grenzüberschreitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von Eschenbach: Eine Textanalyse auf Basis der Lotmanschen Raumtheorie. Hamburg 2002.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011]  Heinzle, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch. Berlin 2011.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Hofmann 1883] Hofmann, K.: Ueber die Lokalität von Pelrapeir in Wolframs Parzival. In: &#039;&#039;Romanische Forschungen&#039;&#039;1, Nr. 3 (1. Januar 1883): S. 438-429. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Horchler 2004]  Horchler, Michael: Wolfram von Eschenbach und der Jakobsweg. Eine Untersuchung zu Detailrealismen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. In. &#039;&#039;Göppinger Arbeiten zur Germanistik&#039;&#039;. Herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer. Göppingen 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kunitzsch 1984] Kunitzsch, Paul: Erneut: Der Orient in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: &#039;Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur&#039;&#039; 113, Nr. 2 (Juni 1984): S. 79-111. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kugler 1990] Kugler, Hartmut: Zur literarischen Geographie des fernen Ostens im „Parzival “und „Jüngeren Titurel “. In: Dinkelacker, Wolfgang; Grenzmann, Ludger; Höver, Werner (Hrsg.): Ja muz ich sunder riuwe sin. Festschrift für Karl Stackmann zum 15. Februar 1990. Göttingen: 1990: S 107-147. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers. Wiesbaden, 1973. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival Wolframs von Eschenbach: Würzburg 1994. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichert 2005] Reichert, Hermann (Hrsg): Das Nibelungenlied: nach der St. Galler Handschrift: Berlin 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmitz 2004] Schmitz, Bernhard: Nantes. Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 133, H.1. 2004: S. 22-44..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuler-Lang 2014] Schuler-Lang, Larissa: Wilder Erzählen - Erzählen vom Wilden. Parzival, Busant und Wolfietrich D: Berlin 2014. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012] Schulz, Armin: Räume und Zeiten. In: Braun, Manuel; Dunkel, Alexandra; Müller Jan-Dirk: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. Berlin/Boston 2012: S. 292-316..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Simek 2012] Simek, Rudolf: Artus-Lexikon. Mythos und Geschichte, Werke und Personen der europäischen Artusdichtung: Stuttgart 2012. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wynn 1961] Wynn, Marianne: Geography of Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;The Modern Language Review&#039;&#039; 56, Nr. 1 (Januar 1961): S. 28-43.  Der Artikel ist in Teilen auch [http://www.jstor.org/stable/3721685 online verfügbar].  &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] [[Kategorie: Geografie]] [[Kategorie: Wege]] [[Kategorie: Orte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Geografische_Orte_im_Parzival&amp;diff=23757</id>
		<title>Geografische Orte im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Geografische_Orte_im_Parzival&amp;diff=23757"/>
		<updated>2015-07-15T08:42:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet. Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt sich die Handlung an verschiedenen Orten ab. Parzival legt im Laufe der Erzählung &#039;&#039;große Distanzen&#039;&#039; zurück. Die &#039;&#039;geografischen Örtlichkeiten&#039;&#039; sowie die sie verbindenden &#039;&#039;Wege&#039;&#039; erlauben einen spezifischen Blick auf den Roman. Der Primärtext umfasst nicht nur die &#039;&#039;Europäischen Länder des Mittelalters&#039;&#039;, sondern bildet die &#039;&#039;komplette damalige Welt&#039;&#039; ab, wie Schuler-Lang festhält. [Schuler-Lang 2014: 106] Während sich bereits ein Artikel mit den im Werk eingewobenen Wissensaspekten auseinandersetzt und dabei auch auf die [[Wissen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Geografie|geografische Bildung des Erzählers]] eingeht, verfolgt der vorliegende Eintrag die konkreten Handlungsorte.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Visualisierung der Orte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1961 hat Marianne Wynn versucht, die Umgebungen von &#039;&#039;schastel marveile&#039;&#039; und &#039;&#039;munschalveasche&#039;&#039; auf jeweils einer Karte &#039;&#039;grafisch festzuhalten&#039;&#039;. [Wynn 1961: vgl. 38-39] In der wissenschaftlichen Diskussion wird Wynns Vorhaben allerdings &#039;&#039;heftig kritisiert&#039;&#039;. Pratelidis schreibt dazu: &amp;quot;Man muss sich dessen stets bewusst sein, das Wolfram im &#039;Parzival&#039; keine nachvollziehbare Landkarte entwirft, die rekonstruiert werden könnte.&amp;quot; [Pratelidis 1994: vgl. 59-60] Auch Kugler vertritt diesen Standpunkt, wenn er von einer &amp;quot;nicht- kartographischen Räumlichkeit&amp;quot; schreibt, welche sich jeder geographischen Rekonstruktion verschließe. [Kugler 1990: 127] Schulz hält fest, dass Landkarten von mittelalterlichen Werken &amp;quot;schwer vorstellbar&amp;quot; sind und führt weiter an: &amp;quot;Räume erscheinen in mittelalterlichen Texten kaum je als kontinuierlich entfaltete.&amp;quot; [Schulz 2012: 300] Schmitz sieht in den geografischen Spielfeldern der Handlung &amp;quot;viel mehr denn reine Geographie, nämlich als Felder eines bestimmten, rigorosen Bedeutungsinhaltes&amp;quot; und führt an, dass sich &amp;quot;die literarische Geographie (sozusagen urplötzlich) zu einem &#039;glänzenden&#039;  Schema verknüpfender und koordinierender Bedeutung&amp;quot;. [Schmitz 2004: 28] Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse geht der folgende Artikel primär auf die erwähnten Orte und deren mögliche real existierenden Pendants ein.&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Visualisierungen der Orte von literarischen Werken&#039;&#039; grundsätzlich funktionieren können, zeigt Franco Moretti mit seinem Projekt &#039;&#039;Imaginative Geography&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: Moretti, Franco: Atlas of the European novel 1800-1900, London &amp;amp; New York 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das erfolgreiche Projekt veranschaulicht die Handlungsorte von klassischen Werken der Weltliteratur auf virtuellen Karten. Auch wenn solche Unterfangen teilweise nicht vollumfänglich alle Handlungsorte darstellen können, ermöglichen sie das Hervorheben von Distanzen und geben Aufschluss über den Zusammenhang der wichtigsten Orte. Leerstellen und nicht genau definierbare Orte sind dabei ebenso wichtig wie Städte und Länder, welche klar zugeordnet werden können.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Räume der mediävistischen Literatur nicht im gleichen Sinne realen Orten zuzuweisen sind, wie dies in der (Post)Moderne der Fall ist, zeigt dieser Artikel mögliche Pendants auf und legt kontroverse Meinungen innerhalb der Forschungsdiskussion offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reale Orte im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Parzival nennt Wolfram über 100 real existierende Ortsnamen aus Europa, Afrika und Asien. Explizit erwähnt werden beispielsweise Alexandrié, Antwerp, Babylôn, Brâbant, Indîâ, Kaukasa, Nantes, Stîre und Wâleis. [Heinzle 2011: 205] Referenzen auf (heute noch) bestehende Städte und Regionen könnten Lesern dabei helfen, den Text einfacher zu erfassen. Zusätzlich könnte dieser Vergleich Rückschlüsse auf wichtige zeitgenössische Orte und Regionen erlauben. Eine Einbindung in Google Karten im Sinne des Projekts Mapping Writing&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: [http://www.mappingwriting.com/about.php Projekt Mapping Writing] zur animierten Visualisierung von Literatur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ebenfalls denkbar. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wege im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Einordnung von (geografischen) Orten muss auch den zurückgelegten Wegen der Figuren Beachtung geschenkt werden. In seinem Werk &#039;&#039;Entwicklung durch Grenzüberschreitung&#039;&#039; ist Jonathan Haß vertieft auf zurückgelegte Distanzen eingegangen. Exemplarisch ordnet er Herzeloydes Rückzug in die Einöde von Soltane als topographische Grenzüberschreitung ein, bei welcher die Isolation als Selbsterhaltungszweck dient. [Haß 2002: 27]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Parzival legt im Laufe der Ereignisse große Distanzen zurück. Dieser Weg wird von Court als &#039;&#039;Entwicklungsweg&#039;&#039; bezeichnet, auf welchem der Held lernt, Unvollkommenheit und Unwissenheit zu überkommen. [Court 2009: 415]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Liste einiger ausgewählter Orte in alphabetischer Reihenfolge =&lt;br /&gt;
Für eine klare Einordnung der Handlungsorte ist es wichtig, Belege in Form von Textstellen aus dem Roman zur Analyse vorliegen zu haben. Dieser Teil des Artikels sucht nach Beschreibungen in der Romanhandlung. In einem zweiten Schritt werden dann mögliche real existierende Orte auf dem Hintergrund der Fachliteratur eingeordnet und diskutiert.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den gewählten Orten handelt es sich um eine &#039;&#039;Auswahl&#039;&#039;, die gerne auch von anderen Autoren erweitert werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ascalun==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ziel, in einem Gerichtskampf seine Unschuld zu beweisen nimmt Gawan&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet durchgehend die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In Mittelhochdeutschen Originalstellen wird natürlich die originale (mittelhochdeutsche) Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Reise in das Land Ascalun auf sich (Buch 8). Die Hauptstadt von Ascalun im &#039;&#039;Schampfanzun&#039;&#039; wird vom König Vergulath regiert, welcher Mitglied  von Artus&#039; Tafelrunde ist. Ascalun liegt im Westen im Bereich der Artushandlung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äußerlich gleicht Ascalun dem Namen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Aschkelon Stadt Askalon im heutigen Palästina]. Kunitzsch merkt an, dass Wolfram und seine Hörer dies wohl auch so empfunden haben mögen. Für ihn liegt Ascalun jedoch klar im Westen Europas. [Kunitzsch 1984: vgl. 81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bearosche ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bearosche ist eine Stadt mit Burg, welche von Gawan aufgesucht wird. Der Reichtum des Ortes wird im VI. Buch (350: 16-21) eindrücklich beschrieben. &amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 350, 16-21&lt;br /&gt;
| Gâwân gein Béârosche reit. &amp;lt;br /&amp;gt; burg und stat sô vor im lac, &amp;lt;br /&amp;gt; daz niemen bezzers hûses pflac. &amp;lt;br /&amp;gt; ouch gleste gein im schône&amp;lt;br /&amp;gt; aller ander bürge ein krône&amp;lt;br /&amp;gt; mit türnen wol gezieret.&lt;br /&gt;
| Burg und Stadt lagen vor ihm, so schön, daß nie ein Herr sich eines schönern Hauses rühmen konnte. Was ihm da so wunderbar entgegenglänzte, das war die Krone über allen Burgen, sie war mit Türmen reich geziert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die genaue Lage von Bearosche finden sich in der Forschungsliteratur noch keine konkreten Ergebnisse. Wynn ist der Meinung, dass die Gebiete Grâharz und Brôbarz weder in einem klaren geografischen Bezug zu sich selbst, noch zu anderen Teilen der sagenhaften Geografie stehen. Identische Voraussetzungen gelten bei Wynn auch für Bearosche und Schanpfanzûn. [Wynn 1961: vgl. 32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Munsalvaesche==&lt;br /&gt;
Die [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg Munsalvaesche]] ist ein zentraler Handlungsort des Romans. In ihr befindet sich [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|der heilige Gral]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie Bearosche wird auch die Burg Munsalvaesche als eindrückliches Bauwerk beschrieben &#039;&#039;(226: 14-19)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,14-19&lt;br /&gt;
| diu burc an veste niht betrogen.&amp;lt;br /&amp;gt; si stuont reht als si wäre gedræt.&amp;lt;br /&amp;gt; ez enflüge od hete der wint gewæt,&amp;lt;br /&amp;gt; mit stürme ir niht geschadet was&amp;lt;br /&amp;gt;vil türne, manec palas&amp;lt;br /&amp;gt;dâ stuont mit wunderlîcher wer.&lt;br /&gt;
| Die Burg log nicht, wenn sie sich Festung nannte. Wie gedrechselt stand sie da. Mit Sturm war ihr im Krieg nicht beizukommen, höchstens mit Wind - wenn man geflogen wäre. Viele Türme und so mancher Palas standen da in märchenhafter Macht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival heißt es, dass niemand die Lage der Burg kennt (&#039;&#039;226,13-14&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,13-14&lt;br /&gt;
| gsît wir niht wizzen wâ diu stêtt. &amp;lt;br /&amp;gt; ze arbeit ez uns lîhte ergêt.&lt;br /&gt;
| Da wir nicht wissen, wo dieser Burg steht, kann das leicht schlimm für uns ausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Region um die Burg ist in der realen Welt nur schwer zu verorten. Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Munsalvaesche erstellt. [Wynn 1961: vgl. 38]  Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Beschreibungen erstellt und zeigt die Region um Munsalvaesche.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Munsalvaesche und Umgebung2.jpeg|mini|Munsalvaesche und Umgebung nach Wynnn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thesen der älteren Forschung, wie die Rahns, der Munsalvaesche mit der Burgruine des Berges Montségur &#039;&#039;in den östlichen Pyrenäen&#039;&#039; lokalisierte, erweisen sich aus historischen wie etymologischen Gründen als problematisch &amp;lt;ref&amp;gt;Verweis auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Rahn#Rezeption_und_Kritik kritischen Artikel zur Forschungsarbeit Otto Wilhelm Rahns] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieser versuchte seiner Zeit, die Katharer mit dem Gralsmythos in Verbindung zu bringen. Er setzte dazu Munsalvaesche (okzitan. Montsalvasch, „Heilsberg“, oder Montsauvage, „Wilder Berg“) mit Montségur (okzitanisch Montsegur, „sicherer Berg“) gleich.  &amp;lt;ref&amp;gt;Nelli, René: Dictionnaire des hérésies meridionales et des mouvements hérérodex ou indéendants apparus dans le Midi de la France depuis l’établissement du christianisme, Toulouse 1968&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Horchler vermutet die Gralsburg im ehemaligen Benediktinerkloster [http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_San_Juan_de_la_Pe%C3%B1a San Juan de la Peña] in &#039;&#039;Aragonien (Spanien)&#039;&#039; und argumentiert mit der Beschreibung der Lage der Burg. Der Berg über der Burg trägt den Namen &#039;&#039;Monte San Salvador&#039;&#039;. [Horchler 2004: vgl. 37] Horchler folgert daraus: &amp;quot;Auf Okztianisch würde der Berg vermutlich ,Mont Sant Salvatge&#039; geheißen haben, oder volkstümlich ,Mont Salvatge&#039;. Aus dieser auf Mandach zurückgehenden Namensgebung hätte Wolfram im Deutschen durchaus den Namen Mulsalvaesche machen können.&amp;quot; [Horchler 2004: 37]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nantes ==&lt;br /&gt;
In der Stadt Nantes befindet sich der [[Artushof]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival reitet aus dem Wald Brizljan nach Nantes. Da er den Weg nach Nantes nicht findet, wendet er sich an einen Fischer (142, 17). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die explizite Erwähnung und die geografische Lage kann angenommen werden, dass es sich bei Nantes um die noch heute existierende [http://de.wikipedia.org/wiki/Nantes Stadt in Frankreich] handelt. In seinem Aufsatz mit dem Titel &amp;quot;Nantes - Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&amp;quot; geht Schmitz vertieft auf die Frage der Funktion literarischer Darstellungen von Landschaft ein, versäumt es dabei jedoch, den Handlungsort Nantes in der realen Welt zu lokalisieren. [Schmitz 2004: 25] Für Schmitz scheint es gegeben, dass der Ort Nantes im Parzival der französischen Stadt Nantes entspricht. Bei ihm steht nicht die eigentliche Lage im Zentrum, sondern der Weg dorthin. Er hält fest, dass &amp;quot;der Weg Parzivals aus dem Wald Brizljan nach Nantes ein relativ unkomplizierter sei und Parzival nicht allzuviel abfordere.&amp;quot;  [Schmitz 2004: 25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patelamunt ==&lt;br /&gt;
Patelamunt ist die Hauptstadt des Königreiches Zazamanc und Residenz der Königin Belacane.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Stadt wird vier Mal erwähnt (17,4: 64,17; 90,19; 97,20).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches Reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nolze hält fest, dass über die Lage der Hafen-Hauptstadt &amp;quot;in der Forschung Uneinigkeit herrscht&amp;quot;. [Noltze 1995: 93.] Für Kunitzsch ist die Unsicherheit weniger groß. Er lokalisiert Patelamunt klar: &amp;quot;Während &#039;&#039;Zazamanc&#039;&#039; in Afrika zu denken ist (...) ist &#039;&#039;Patelamunt&#039;&#039; zweifellos Wolframs umgewandelte Form des Namens einer bekannten Hafenstadt im Indusdelta, also in Indien.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 90] Im Artuslexikon steht zur Lage der Stadt: &amp;quot;Tatsächlich geht der Name aber auf Portus Patalus zurück, eine auf mittelalterlichen &#039;&#039;Mappae mundi&#039;&#039; ([[Die Ebstorfer Weltkarte|Ebstorf]], Hereford) und in den Alexanderromanen zu findenden indische Hafenestadt.&amp;quot; [Simek 2012: 273]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pelrapeire==&lt;br /&gt;
Pelrapeire ist die Hauptstadt des Landes Brobarz. Herrscherin von Pelrapeire ist Parzivals Frau Condwiramurs.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lage der Stadt im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lage Stadt wird im fünften Buch Parzival (180, 21-26) folgendermassen beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 21-26&lt;br /&gt;
| Doch reit er wênec irre, &amp;lt;br /&amp;gt;wan die slihte an der virre&amp;lt;br /&amp;gt; kom er des tages von Grâharz&amp;lt;br /&amp;gt; in daz künecrîch ze Brôbarz&amp;lt;br /&amp;gt; durch wilde gebirge hôch. &amp;lt;br /&amp;gt; der tac gein dem âbent zôch. &amp;lt;br /&amp;gt; do kam er an ein wazzer snel: &amp;lt;br /&amp;gt; daz was von sîme duzze hel: &amp;lt;br /&amp;gt; ez gâbn die velse ein ander. &amp;lt;br /&amp;gt; daz reit er nider: dô vander&amp;lt;br /&amp;gt; die stat ze Pelrapeire.&lt;br /&gt;
| Doch ritt er nicht viel irre, sondern stracks geradeaus ins Blaue, und also kam er an dem Tag von Grâharz durch ein wildes, hohes Gebirge in das Königreich Brôbarz. Der Tag ging gegen Abend zu, da kam er an ein reißendes Wasser, von Fels zu Fels hallte sein Tosen. An diesem Wasser ritt er hinab. Da sah er dieStadt Pelrapeire liegen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter heißt es im sechsten Buch &#039;&#039;&#039;(181: 5-6&#039;&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 5-6&lt;br /&gt;
| ez flôz aldâ reht in daz mer. &amp;lt;br /&amp;gt;Pelrapeir stuont wol ze wer.&lt;br /&gt;
| Das war genau dort, wo das Wasser ins Meer floß: Pelrapeire lag sehr wehrhaft da.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofmann leitet aus der Beschreibung der Lage und Darstellung der Stadt Pelrapeir(e) ab, dass es sich um die französische Stadt Grenoble handeln könnte. Die Beschreibung der Lage ist für Hofmann identisch mit jener der [http://de.wikipedia.org/wiki/La_Grande_Chartreuse grossen Kartause]. Er schreibt dazu: „Der Ausdruck zer wilder albe klûsen (Parz. 190, 22), dessen sich Wolfram bedient, passt ganz vorzüglich auf die Kartäuser, welche bekanntlich das klösterliche mit dem Einsiedlerleben vereinigten und in dieser Kombination das Wesen ihre Ordens erblickten&amp;quot;. [Hofmann 1883: 438-439.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schastel Marveile==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schastel marveile ist die Burg im Land &#039;&#039;Terre marveile&#039;&#039;. In der Burg hat Gawan mehrere Aufgaben zu erfüllen, um die von Chlinschor eingesperrten Frauen zu befreien. Für Pratedelis stellt die &amp;quot;helfe - Aventiure&amp;quot; im &amp;quot;Zauberschloss (...) den Höhepunkt von Gawans ritterlicher Karriere&amp;quot; dar. [Pratelidis 1994: 154] Erst durch die Befreiung der vierhundert gefangenen Frauen kehrt auf dem Schloss wieder Freude ein (565.23-26; 582,20; 621,17; 627; 19-21).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgt ein Fest, bei welchem die befreiten Frauen wieder mit ihren Rittern zusammengebracht werden. Dazu heißt es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 637, 24-26&lt;br /&gt;
| dô schuof mîn hêr Gâwân&amp;lt;br /&amp;gt; daz dir vol ein ander sach;&amp;lt;br /&amp;gt;dar an in liebes vil geschach.&lt;br /&gt;
| Da hatte es mein herr Gâwân nun so eingerichtet, daß die Leute einander sahen; damit tat er ihnen viel Liebes.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Pratelidis manifestiert sich in Gawans Erlösungstat klar die &amp;quot;Vitalität arthurischer Ritterschaft.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 156] Für ihn zeigt der Autor damit &amp;quot;unmissverständlich auf, dass das Artusrittertum maßgeblich zur Wiederherstellung und Stabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung beiträgt, wenngleich nicht alle Probleme auf dem Weg der Ritterschaft behoben werden können, wie nicht zuletzt auch Parzivals Scheitern in Munsalvaesche verdeutlicht.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 154]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Schastel Marveile erstellt. [Wynn 1961: vgl. 39] Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Gedanken erstellt und zeigt die Region um Schastel Marveile.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schastel Marveile und Umgebung.jpeg|mini|Schastel Marveile und Umgebung basierend auf den Beschreibungen von Wynn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Soltane (Einöde) ==&lt;br /&gt;
Parzival wird von seiner Mutter Herzeloyde im Wald von Soltane abseits der Zivilisation aufgezogen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Mutter Herzeloyde zieht mit ihrem Sohn in die Einöde von Soltane, um Parzival von allem Höfischen fernzuhalten. Im Roman wird der Einzug in Soltane wie folgt geschildert &#039;&#039;(117: 7-9&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 117, 7-9&lt;br /&gt;
| Sich zôch diu frouwe &#039;&#039;jâmers balt&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt; ûz ir lande in &#039;&#039;einen walt&#039;&#039;,&amp;lt;br /&amp;gt; zer waste in Soltâne;&lt;br /&gt;
| Zum Jammer trieb es dieser dame hin: Sie zog fort aus ihrem Land in einen Wald, in &#039;&#039;die öde Wildnis&#039;&#039; von Soltâne.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Übersetzung &amp;quot;einen walt&amp;quot; mit &amp;quot;die öde Wildnis&amp;quot; gleichsetzt. Hierbei gilt es zu beachten, dass es sich um eine literarische Übersetzung handelt. Der Begriff ist auch durch seine Nähe zum altfranzösischen &#039;&#039;soutaine&#039;&#039; (Einsamkeit) gezeichnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genaue Ortsangabe für Soltane ist nicht möglich. Bei der Einöde von Soltane handelt sich es um einen [[Das_Motiv_des_Niemandslands_im_Parzival_(Funktion_und_Bedeutung)#Sonderräume|Sonderraum]] ausserhalb der höfischen Kultur. Dieser markiert im Parzival in der Form des Rückzugsortes in der Natur ein ein Gegenkonzept zum höfischen Leben und stellt ein Gegenkonzept dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zazamanc==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zazamanc ist ein Königreich im [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]]. Aus dem Text ist nicht klar ersichtlich, ob es auf dem afrikanischen oder asiatischen Kontinent liegt. Herrscherin über Zazamanc ist erst die Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] und dann später ihr Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]].&lt;br /&gt;
In Zazamanc vollbringt Gahmuret Heldentaten und gewinnt dabei die Anerkennung und Liebe der Königin. Die Stadt wird insgesamt 15 Mal innerhalb der Gahmuret-Belakane-Handlung und 7 Mal innerhalb der Feirefiz-Handlung erwähnt. [Kunitzsch 1984: vgl. 91]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name des Reichs von Belacane wird auch im Nibelungenlied erwähnt. Dort heißt es: &amp;quot;die arabischen sîden, wiz alsô der snê, und von Zazamanc der guoten, grüen alsâm der klê&amp;quot; (NL 362.2). [Reichert 2005: 84] Das östlich gelegene Land wird als Ursprung für Seide genannt. In der Forschungsliteratur wurde (unter anderem von Panzer) Marokko als Standort von Zazamanc vorgeschlagen. Dies wurde jedoch widerrufen, da es dort keine Mohren gebe (Noltze 1995: vgl. 88). [Kunitzsch 1984: 92] verortet Zazamanc im antiken Ort Zagazaena in der Region der libyschen Region um Syrte. Noltze sympathisiert mit der Idee von Bartsch, den Ort in Indien zu suchen. Dazu heißt es: &amp;quot;Die Fixierung auf Afrika ließ das spezifisch mittelalterliche Weltbild außer acht, demzufolge Indien und Äthiopien in unmittelbarer Nachbarschaft oder sogar Äthiopien als Teil Indiens vorgestellt wurden&amp;quot;. [Noltze 1995: 88-89] Für Kunitzsch ist die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe der Bewohner von Zazamanc ein deutliches Indiz für dessen Lage auf dem afrikanischen Kontinent, wenngleich er festhält, dass &amp;quot;Wolfram auch als Hauptstadt die indische Stadt Patelamunt einsetzt.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 91] Weiter führt Kunitzsch an, dass mit Zazamanc auch der afrikanische Völkername &#039;&#039;Garamantes&#039;&#039; in Guinea sowie der Name &#039;&#039;Casa Mansa&#039;&#039; als Residenz der Herrscher des Mali-Reiches gemeint sein könnte. [Kunitzsch 1984: 92] Laut Simek liegt Zazamanc in Afrika. [Simek 2012: 374] Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Vorstellungen über die Lage von Zazamanc innerhalb der Forschungsliteratur weit auseinanderliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Fazit=&lt;br /&gt;
Eine lückenlose Zuordnung der Handlungsorte im Parzival ist nicht möglich und nur bedingt sinnvoll. &lt;br /&gt;
Während einige Orte real existieren und noch heute identisch genannt werden (beispielsweise Nantes), lassen sich andere Lokalitäten nur ungefähr oder gar nicht eingrenzen. Dies ermöglicht zwar keine detaillierte geografische Karte, erlaubt jedoch die &#039;&#039;Eingrenzung der Handlung auf bestimmte Handlungsräume&#039;&#039;. Während die zentrale Handlung auf den Kontinenten Europa, Afrika und möglicherweise Asien vermutet werden, bleiben viele Beschreibungen vage. Dennoch liefern die Erwähnungen von Orten grundlegendes zeitgenössisches Hintergrundwissen, über welches Wolfram von Eschenbach verfügt haben muss. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben mehr oder weniger detaillierten Ortsangaben werden die zentralen Handlungsorte im Roman in einer akribischen Weise beschrieben. Über Schastel Marveile und die Gralsburg Munsalvaesche sind erstaunlich detailliert berichtet. Gleichzeitig bleibt ihre Lage unklar. Dies unterstreicht den &#039;&#039;Sonderstatus dieser Orte&#039;&#039;. Für die Handlung sind sie von elementarer Wichtigkeit. Beide genannten Anlagen sind nicht leicht zu finden und verschließen sich dem gemeinen Besucher. Nellmann formuliert diesen Umstand wie folgt: &amp;quot;Wolfram vermeidet es, die räumliche Beziehung zwischen Munsalvaesche und dem Bereich von Schastel Marveile zu präzisieren. Ebenso verschleiert er die Entfernung von Pelrapeire und Terre de Salvaesche. Man hat mit Fleiß und Scharfsinn versucht, detaillierte Lagepläne der Schauplätze im &#039;Parzival&#039; zu zeichnen. Dank Wolframs Detailfreude bei geographischen Angaben (im Gegensatz zu Chrétien) gelingen diese Versuche bis zu einem gewissen Grade; jedoch scheitert die Koordination der einzelnen Schauplätze.&amp;quot; [Nellmann 1973:72]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Elemente sind zentral für die Handlungsorte Munsalvaesche und Schastel Marveile. Durch die vage Beschreibung der Lage und der gleichzeitigen detaillierten Schilderung der Räumlichkeiten und Eigenschaften der Anlagen &#039;&#039;entsteht eine [[Magie und Hexerei im Parzival|magische Komponente]].&#039;&#039;  So weiß Gawan beispielsweise, was ihn innerhalb des Zauberschlosses Schastel Marveile erwarten wird, den Weg zur Burg kann er jedoch nur mit Hilfe des Fährmanns [[Die Rolle des Fährmanns Plippalinot|Plipplalinot]] finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Court 2009] Court, Jürgen, Klöcker, Michael (Hrsg.): Wege und Welten der Religionen. Festschrift für Udo Tworuschka. Frankfurt am Main 2009. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haß 2002]  Haß, Jonathan: Entwicklung durch Grenzüberschreitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von Eschenbach: Eine Textanalyse auf Basis der Lotmanschen Raumtheorie. Hamburg 2002.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011]  Heinzle, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch. Berlin 2011.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Hofmann 1883] Hofmann, K.: Ueber die Lokalität von Pelrapeir in Wolframs Parzival. In: &#039;&#039;Romanische Forschungen&#039;&#039;1, Nr. 3 (1. Januar 1883): S. 438-429. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Horchler 2004]  Horchler, Michael: Wolfram von Eschenbach und der Jakobsweg. Eine Untersuchung zu Detailrealismen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. In. &#039;&#039;Göppinger Arbeiten zur Germanistik&#039;&#039;. Herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer. Göppingen 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kunitzsch 1984] Kunitzsch, Paul: Erneut: Der Orient in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: &#039;Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur&#039;&#039; 113, Nr. 2 (Juni 1984): S. 79-111. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kugler 1990] Kugler, Hartmut: Zur literarischen Geographie des fernen Ostens im „Parzival “und „Jüngeren Titurel “. In: Dinkelacker, Wolfgang; Grenzmann, Ludger; Höver, Werner (Hrsg.): Ja muz ich sunder riuwe sin. Festschrift für Karl Stackmann zum 15. Februar 1990. Göttingen: 1990: S 107-147. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers. Wiesbaden, 1973. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival Wolframs von Eschenbach: Würzburg 1994. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichert 2005] Reichert, Hermann (Hrsg): Das Nibelungenlied: nach der St. Galler Handschrift: Berlin 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmitz 2004] Schmitz, Bernhard: Nantes. Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 133, H.1. 2004: S. 22-44..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuler-Lang 2014] Schuler-Lang, Larissa: Wilder Erzählen - Erzählen vom Wilden. Parzival, Busant und Wolfietrich D: Berlin 2014. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012] Schulz, Armin: Räume und Zeiten. In: Braun, Manuel; Dunkel, Alexandra; Müller Jan-Dirk: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. Berlin/Boston 2012: S. 292-316..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Simek 2012] Simek, Rudolf: Artus-Lexikon. Mythos und Geschichte, Werke und Personen der europäischen Artusdichtung: Stuttgart 2012. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wynn 1961] Wynn, Marianne: Geography of Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;The Modern Language Review&#039;&#039; 56, Nr. 1 (Januar 1961): S. 28-43.  Der Artikel ist in Teilen auch [http://www.jstor.org/stable/3721685 online verfügbar].  &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] [[Kategorie: Geografie]] [[Kategorie: Wege]] [[Kategorie: Orte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Geografische_Orte_im_Parzival&amp;diff=23739</id>
		<title>Geografische Orte im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Geografische_Orte_im_Parzival&amp;diff=23739"/>
		<updated>2015-07-15T08:26:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet. Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt sich die Handlung an verschiedenen Orten ab. Parzival legt im Laufe der Erzählung &#039;&#039;große Distanzen&#039;&#039; zurück. Die &#039;&#039;geografischen Örtlichkeiten&#039;&#039; sowie die sie verbindenden &#039;&#039;Wege&#039;&#039; erlauben einen spezifischen Blick auf den Roman. Der Primärtext umfasst nicht nur die &#039;&#039;Europäischen Länder des Mittelalters&#039;&#039;, sondern bildet die &#039;&#039;komplette damalige Welt&#039;&#039; ab, wie Schuler-Lang festhält. [Schuler-Lang 2014: 106] Während sich bereits ein Artikel mit den im Werk eingewobenen Wissensaspekten auseinandersetzt und dabei auch auf die [[Wissen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Geografie|geografische Bildung des Erzählers]] eingeht, verfolgt der vorliegende Eintrag die konkreten Handlungsorte.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Visualisierung der Orte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1961 hat Marianne Wynn versucht, die Umgebungen von &#039;&#039;schastel marveile&#039;&#039; und &#039;&#039;munschalveasche&#039;&#039; auf jeweils einer Karte &#039;&#039;grafisch festzuhalten&#039;&#039;. [Wynn 1961: vgl. 38-39] In der wissenschaftlichen Diskussion wird Wynns Vorhaben allerdings &#039;&#039;heftig kritisiert&#039;&#039;. Pratelidis schreibt dazu: &amp;quot;Man muss sich dessen stets bewusst sein, das Wolfram im &#039;Parzival&#039; keine nachvollziehbare Landkarte entwirft, die rekonstruiert werden könnte.&amp;quot; [Pratelidis 1994: vgl. 59-60] Auch Kugler vertritt diesen Standpunkt, wenn er von einer &amp;quot;nicht- kartographischen Räumlichkeit&amp;quot; schreibt, welche sich jeder geographischen Rekonstruktion verschließe. [Kugler 1990: 127] Schulz hält fest, dass Landkarten von mittelalterlichen Werken &amp;quot;schwer vorstellbar&amp;quot; sind und führt weiter an: &amp;quot;Räume erscheinen in mittelalterlichen Texten kaum je als kontinuierlich entfaltete.&amp;quot; [Schulz 2012: 300] Schmitz sieht in den geografischen Spielfeldern der Handlung &amp;quot;viel mehr denn reine Geographie, nämlich als Felder eines bestimmten, rigorosen Bedeutungsinhaltes&amp;quot; und führt an, dass sich &amp;quot;die literarische Geographie (sozusagen urplötzlich) zu einem &#039;glänzenden&#039;  Schema verknüpfender und koordinierender Bedeutung&amp;quot;. [Schmitz 2004: 28] Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse geht der folgende Artikel primär auf die erwähnten Orte und deren mögliche real existierenden Pendants ein.&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Visualisierungen der Orte von literarischen Werken&#039;&#039; grundsätzlich funktionieren können, zeigt Franco Moretti mit seinem Projekt &#039;&#039;Imaginative Geography&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: Moretti, Franco: Atlas of the European novel 1800-1900, London &amp;amp; New York 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das erfolgreiche Projekt veranschaulicht die Handlungsorte von klassischen Werken der Weltliteratur auf virtuellen Karten. Auch wenn solche Unterfangen teilweise nicht vollumfänglich alle Handlungsorte darstellen können, ermöglichen sie das Hervorheben von Distanzen und geben Aufschluss über den Zusammenhang der wichtigsten Orte. Leerstellen und nicht genau definierbare Orte sind dabei ebenso wichtig wie Städte und Länder, welche klar zugeordnet werden können.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Räume der mediävistischen Literatur nicht im gleichen Sinne realen Orten zuzuweisen sind, wie dies in der (Post)Moderne der Fall ist, zeigt dieser Artikel mögliche Pendants auf und legt kontroverse Meinungen innerhalb der Forschungsdiskussion offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reale Orte im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Parzival nennt Wolfram über 100 real existierende Ortsnamen aus Europa, Afrika und Asien. Explizit erwähnt werden beispielsweise Alexandrié, Antwerp, Babylôn, Brâbant, Indîâ, Kaukasa, Nantes, Stîre und Wâleis. [Heinzle 2011: 205] Referenzen auf (heute noch) bestehende Städte und Regionen könnten Lesern dabei helfen, den Text einfacher zu erfassen. Zusätzlich könnte dieser Vergleich Rückschlüsse auf wichtige zeitgenössische Orte und Regionen erlauben. Eine Einbindung in Google Karten im Sinne des Projekts Mapping Writing&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: [http://www.mappingwriting.com/about.php Projekt Mapping Writing] zur animierten Visualisierung von Literatur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ebenfalls denkbar. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wege im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Einordnung von (geografischen) Orten muss auch den zurückgelegten Wegen der Figuren Beachtung geschenkt werden. In seinem Werk &#039;&#039;Entwicklung durch Grenzüberschreitung&#039;&#039; ist Jonathan Haß vertieft auf zurückgelegte Distanzen eingegangen. Exemplarisch ordnet er Herzeloydes Rückzug in die Einöde von Soltane als topographische Grenzüberschreitung ein, bei welcher die Isolation als Selbsterhaltungszweck dient. [Haß 2002: 27]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Parzival legt im Laufe der Ereignisse große Distanzen zurück. Dieser Weg wird von Court als &#039;&#039;Entwicklungsweg&#039;&#039; bezeichnet, auf welchem der Held lernt, Unvollkommenheit und Unwissenheit zu überkommen. [Court 2009: 415]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Liste einiger ausgewählter Orte in alphabetischer Reihenfolge =&lt;br /&gt;
Für eine klare Einordnung der Handlungsorte ist es wichtig, Belege in Form von Textstellen aus dem Roman zur Analyse vorliegen zu haben. Dieser Teil des Artikels sucht nach Beschreibungen in der Romanhandlung. In einem zweiten Schritt werden dann mögliche real existierende Orte auf dem Hintergrund der Fachliteratur eingeordnet und diskutiert.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den gewählten Orten handelt es sich um eine &#039;&#039;Auswahl&#039;&#039;, die gerne auch von anderen Autoren erweitert werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ascalun==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ziel, in einem Gerichtskampf seine Unschuld zu beweisen nimmt Gawan&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet durchgehend die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In Mittelhochdeutschen Originalstellen wird natürlich die originale (mittelhochdeutsche) Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Reise in das Land Ascalun auf sich (Buch 8). Die Hauptstadt von Ascalun im &#039;&#039;Schampfanzun&#039;&#039; wird vom König Vergulath regiert, welcher Mitglied  von Artus&#039; Tafelrunde ist. Ascalun liegt im Westen im Bereich der Artushandlung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äußerlich gleicht Ascalun dem Namen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Aschkelon Stadt Askalon im heutigen Palästina]. Kunitzsch merkt an, dass Wolfram und seine Hörer dies wohl auch so empfunden haben mögen. Für ihn liegt Ascalun jedoch klar im Westen Europas. [Kunitzsch 1984: vgl. 81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bearosche ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bearosche ist eine Stadt mit Burg, welche von Gawan aufgesucht wird. Der Reichtum des Ortes wird im VI. Buch (350: 16-21) eindrücklich beschrieben. &amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 350, 16-21&lt;br /&gt;
| Gâwân gein Béârosche reit. &amp;lt;br /&amp;gt; burg und stat sô vor im lac, &amp;lt;br /&amp;gt; daz niemen bezzers hûses pflac. &amp;lt;br /&amp;gt; ouch gleste gein im schône&amp;lt;br /&amp;gt; aller ander bürge ein krône&amp;lt;br /&amp;gt; mit türnen wol gezieret.&lt;br /&gt;
| Burg und Stadt lagen vor ihm, so schön, daß nie ein Herr sich eines schönern Hauses rühmen konnte. Was ihm da so wunderbar entgegenglänzte, das war die Krone über allen Burgen, sie war mit Türmen reich geziert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die genaue Lage von Bearosche finden sich in der Forschungsliteratur noch keine konkreten Ergebnisse. Wynn ist der Meinung, dass die Gebiete Grâharz und Brôbarz weder in einem klaren geografischen Bezug zu sich selbst, noch zu anderen Teilen der sagenhaften Geografie stehen. Identische Voraussetzungen gelten bei Wynn auch für Bearosche und Schanpfanzûn. [Wynn 1961: vgl. 32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Munsalvaesche==&lt;br /&gt;
Die [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg Munsalvaesche]] ist ein zentraler Handlungsort des Romans. In ihr befindet sich [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|der heilige Gral]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie Bearosche wird auch die Burg Munsalvaesche als eindrückliches Bauwerk beschrieben &#039;&#039;(226: 14-19)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,14-19&lt;br /&gt;
| diu burc an veste niht betrogen.&amp;lt;br /&amp;gt; si stuont reht als si wäre gedræt.&amp;lt;br /&amp;gt; ez enflüge od hete der wint gewæt,&amp;lt;br /&amp;gt; mit stürme ir niht geschadet was&amp;lt;br /&amp;gt;vil türne, manec palas&amp;lt;br /&amp;gt;dâ stuont mit wunderlîcher wer.&lt;br /&gt;
| Die Burg log nicht, wenn sie sich Festung nannte. Wie gedrechselt stand sie da. Mit Sturm war ihr im Krieg nicht beizukommen, höchstens mit Wind - wenn man geflogen wäre. Viele Türme und so mancher Palas standen da in märchenhafter Macht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival heißt es, dass niemand die Lage der Burg kennt (&#039;&#039;226,13-14&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,13-14&lt;br /&gt;
| gsît wir niht wizzen wâ diu stêtt. &amp;lt;br /&amp;gt; ze arbeit ez uns lîhte ergêt.&lt;br /&gt;
| Da wir nicht wissen, wo dieser Burg steht, kann das leicht schlimm für uns ausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Region um die Burg ist in der realen Welt nur schwer zu verorten. Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Munsalvaesche erstellt. [Wynn 1961: vgl. 38]  Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Beschreibungen erstellt und zeigt die Region um Munsalvaesche.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Munsalvaesche und Umgebung2.jpeg|mini|Munsalvaesche und Umgebung nach Wynnn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thesen der älteren Forschung, wie die Rahns, der Munsalvaesche mit der Burgruine des Berges Montségur &#039;&#039;in den östlichen Pyrenäen&#039;&#039; lokalisierte, erweisen sich aus historischen wie etymologischen Gründen als problematisch &amp;lt;ref&amp;gt;Verweis auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Rahn#Rezeption_und_Kritik kritischen Artikel zur Forschungsarbeit Otto Wilhelm Rahns] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieser versuchte seiner Zeit, die Katharer mit dem Gralsmythos in Verbindung zu bringen. Er setzte dazu Munsalvaesche (okzitan. Montsalvasch, „Heilsberg“, oder Montsauvage, „Wilder Berg“) mit Montségur (okzitanisch Montsegur, „sicherer Berg“) gleich.  &amp;lt;ref&amp;gt;Nelli, René: Dictionnaire des hérésies meridionales et des mouvements hérérodex ou indéendants apparus dans le Midi de la France depuis l’établissement du christianisme, Toulouse 1968&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Horchler vermutet die Gralsburg im ehemaligen Benediktinerkloster [http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_San_Juan_de_la_Pe%C3%B1a San Juan de la Peña] in &#039;&#039;Aragonien (Spanien)&#039;&#039; und argumentiert mit der Beschreibung der Lage der Burg. Der Berg über der Burg trägt den Namen &#039;&#039;Monte San Salvador&#039;&#039;. [Horchler 2004: vgl. 37] Horchler folgert daraus: &amp;quot;Auf Okztianisch würde der Berg vermutlich ,Mont Sant Salvatge&#039; geheißen haben, oder volkstümlich ,Mont Salvatge&#039;. Aus dieser auf Mandach zurückgehenden Namensgebung hätte Wolfram im Deutschen durchaus den Namen Mulsalvaesche machen können.&amp;quot; [Horchler 2004: 37]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nantes ==&lt;br /&gt;
In der Stadt Nantes befindet sich der [[Artushof]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival reitet aus dem Wald Brizljan nach Nantes. Da er den Weg nach Nantes nicht findet, wendet er sich an einen Fischer (142, 17). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die explizite Erwähnung und die geografische Lage kann angenommen werden, dass es sich bei Nantes um die noch heute existierende [http://de.wikipedia.org/wiki/Nantes Stadt in Frankreich] handelt. In seinem Aufsatz mit dem Titel &amp;quot;Nantes - Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&amp;quot; geht Schmitz vertieft auf die Frage der Funktion literarischer Darstellungen von Landschaft ein, versäumt es dabei jedoch, den Handlungsort Nantes in der realen Welt zu lokalisieren. [Schmitz 2004: 25] Für Schmitz scheint es gegeben, dass der Ort Nantes im Parzival der französischen Stadt Nantes entspricht. Bei ihm steht nicht die eigentliche Lage im Zentrum, sondern der Weg dorthin. Er hält fest, dass &amp;quot;der Weg Parzivals aus dem Wald Brizljan nach Nantes ein relativ unkomplizierter sei und Parzival nicht allzuviel abfordere.&amp;quot;  [Schmitz 2004: 25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patelamunt ==&lt;br /&gt;
Patelamunt ist die Hauptstadt des Königreiches Zazamanc und Residenz der Königin Belacane.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Stadt wird vier Mal erwähnt (17,4: 64,17; 90,19; 97,20).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches Reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nolze hält fest, dass über die Lage der Hafen-Hauptstadt &amp;quot;in der Forschung Uneinigkeit herrscht&amp;quot;. [Noltze 1995: 93.] Für Kunitzsch ist die Unsicherheit weniger gross. Er lokalisiert Patelamunt klar: &amp;quot;Während &#039;&#039;Zazamanc&#039;&#039; in Afrika zu denken ist (...) ist &#039;&#039;Patelamunt&#039;&#039; zweifellos Wolframs umgewandelte Form des Namens einer bekannten Hafenstadt im Indusdelta, also in Indien.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 90] Im Artuslexikon steht zur Lage der Stadt: &amp;quot;Tatsächlich geht der Name aber auf Portus Patalus zurück, eine auf mittelalterlichen &#039;&#039;Mappae mundi&#039;&#039; ([[Die Ebstorfer Weltkarte|Ebstorf]], Hereford) und in den Alexanderromanen zu findenden indische Hafenestadt.&amp;quot; [Simek 2012: 273]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pelrapeire==&lt;br /&gt;
Pelrapeire ist die Hauptstadt des Landes Brobarz. Herrscherin von Pelrapeire ist Parzivals Frau Condwiramurs.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lage der Stadt im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lage Stadt wird im fünften Buch Parzival (180, 21-26) folgendermassen beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 21-26&lt;br /&gt;
| Doch reit er wênec irre, &amp;lt;br /&amp;gt;wan die slihte an der virre&amp;lt;br /&amp;gt; kom er des tages von Grâharz&amp;lt;br /&amp;gt; in daz künecrîch ze Brôbarz&amp;lt;br /&amp;gt; durch wilde gebirge hôch. &amp;lt;br /&amp;gt; der tac gein dem âbent zôch. &amp;lt;br /&amp;gt; do kam er an ein wazzer snel: &amp;lt;br /&amp;gt; daz was von sîme duzze hel: &amp;lt;br /&amp;gt; ez gâbn die velse ein ander. &amp;lt;br /&amp;gt; daz reit er nider: dô vander&amp;lt;br /&amp;gt; die stat ze Pelrapeire.&lt;br /&gt;
| Doch ritt er nicht viel irre, sondern stracks geradeaus ins Blaue, und also kam er an dem Tag von Grâharz durch ein wildes, hohes Gebirge in das Königreich Brôbarz. Der Tag ging gegen Abend zu, da kam er an ein reißendes Wasser, von Fels zu Fels hallte sein Tosen. An diesem Wasser ritt er hinab. Da sah er dieStadt Pelrapeire liegen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter heisst es im sechsten Buch &#039;&#039;&#039;(181: 5-6&#039;&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 5-6&lt;br /&gt;
| ez flôz aldâ reht in daz mer. &amp;lt;br /&amp;gt;Pelrapeir stuont wol ze wer.&lt;br /&gt;
| Das war genau dort, wo das Wasser ins Meer floß: Pelrapeire lag sehr wehrhaft da.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofmann leitet aus der Beschreibung der Lage und Darstellung der Stadt Pelrapeir(e) ab, dass es sich um die französische Stadt Grenoble handeln könnte. Die Beschreibung der Lage ist für Hofmann identisch mit jener der [http://de.wikipedia.org/wiki/La_Grande_Chartreuse grossen Kartause]. Er schreibt dazu: „Der Ausdruck zer wilder albe klûsen (Parz. 190, 22), dessen sich Wolfram bedient, passt ganz vorzüglich auf die Kartäuser, welche bekanntlich das klösterliche mit dem Einsiedlerleben vereinigten und in dieser Kombination das Wesen ihre Ordens erblickten&amp;quot;. [Hofmann 1883: 438-439.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schastel Marveile==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schastel marveile ist die Burg im Land &#039;&#039;Terre marveile&#039;&#039;. In der Burg hat Gawan mehrere Aufgaben zu erfüllen, um die von Chlinschor eingesperrten Frauen zu befreien. Für Pratedelis stellt die &amp;quot;helfe - Aventiure&amp;quot; im &amp;quot;Zauberschloss (...) den Höhepunkt von Gawans ritterlicher Karriere&amp;quot; dar. [Pratelidis 1994: 154] Erst durch die Befreiung der vierhundert gefangenen Frauen kehrt auf dem Schloss wieder Freude ein (565.23-26; 582,20; 621,17; 627; 19-21).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgt ein Fest, bei welchem die befreiten Frauen wieder mit ihren Rittern zusammengebracht werden. Dazu heisst es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 637, 24-26&lt;br /&gt;
| dô schuof mîn hêr Gâwân&amp;lt;br /&amp;gt; daz dir vol ein ander sach;&amp;lt;br /&amp;gt;dar an in liebes vil geschach.&lt;br /&gt;
| Da hatte es mein herr Gâwân nun so eingerichtet, daß die Leute einander sahen; damit tat er ihnen viel Liebes.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Pratelidis manifestiert sich in Gawans Erlösungstat klar die &amp;quot;Vitalität arthurischer Ritterschaft.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 156] Für ihn zeigt der Autor damit &amp;quot;unmissverständlich auf, dass das Artusrittertum maßgeblich zur Wiederherstellung und Stabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung beiträgt, wenngleich nicht alle Probleme auf dem Weg der Ritterschaft behoben werden können, wie nicht zuletzt auch Parzivals Scheitern in Munsalvaesche verdeutlicht.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 154]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Schastel Marveile erstellt. [Wynn 1961: vgl. 39] Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Gedanken erstellt und zeigt die Region um Schastel Marveile.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schastel Marveile und Umgebung.jpeg|mini|Schastel Marveile und Umgebung basierend auf den Beschreibungen von Wynn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Soltane (Einöde) ==&lt;br /&gt;
Parzival wird von seiner Mutter Herzeloyde im Wald von Soltane abseits der Zivilisation aufgezogen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Mutter Herzeloyde zieht mit ihrem Sohn in die Einöde von Soltane, um Parzival von allem Höfischen fernzuhalten. Im Roman wird der Einzug in Soltane wie folgt geschildert &#039;&#039;(117: 7-9&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 117, 7-9&lt;br /&gt;
| Sich zôch diu frouwe &#039;&#039;jâmers balt&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt; ûz ir lande in &#039;&#039;einen walt&#039;&#039;,&amp;lt;br /&amp;gt; zer waste in Soltâne;&lt;br /&gt;
| Zum Jammer trieb es dieser dame hin: Sie zog fort aus ihrem Land in einen Wald, in &#039;&#039;die öde Wildnis&#039;&#039; von Soltâne.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Übersetzung &amp;quot;einen walt&amp;quot; mit &amp;quot;die öde Wildnis&amp;quot; gleichsetzt. Hierbei gilt es zu beachten, dass es sich um eine literarische Übersetzung handelt. Der Begriff ist auch durch seine Nähe zum altfranzösischen &#039;&#039;soutaine&#039;&#039; (Einsamkeit) gezeichnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genaue Ortsangabe für Soltane ist nicht möglich. Bei der Einöde von Soltane handelt sich es um einen [[Das_Motiv_des_Niemandslands_im_Parzival_(Funktion_und_Bedeutung)#Sonderräume|Sonderraum]] ausserhalb der höfischen Kultur. Dieser markiert im Parzival in der Form des Rückzugsortes in der Natur ein ein Gegenkonzept zum höfischen Leben und stellt ein Gegenkonzept dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zazamanc==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zazamanc ist ein Königreich im [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]]. Aus dem Text ist nicht klar ersichtlich, ob es auf dem afrikanischen oder asiatischen Kontinent liegt. Herrscherin über Zazamanc ist erst die Königin Belacane und dann später ihr Sohn Feirefiz.&lt;br /&gt;
In Zazamanc vollbringt Gahmuret Heldentaten und gewinnt dabei die Anerkennung und Liebe der Königin. Die Stadt wird insgesamt 15 Mal innerhalb der Gahmuret-Belakane-Handlung und 7 Mal innerhalb der Feirefiz-Handlung erwähnt. [Kunitzsch 1984: vgl. 91]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name des Reichs von Belacane wird auch im Nibelungenlied erwähnt. Dort heisst es: &amp;quot;die arabischen sîden, wiz alsô der snê, und von Zazamanc der guoten, grüen alsâm der klê&amp;quot; (NL 362.2). [Reichert 2005: 84] Das östlich gelegene Land wird als Ursprung für Seide genannt. In der Forschungsliteratur wurde (unter anderem von Panzer) Marokko als Standort von Zazamanc vorgeschlagen. Dies wurde jedoch widerrufen, da es dort keine Mohren gebe (Noltze 1995: vgl. 88). [Kunitzsch 1984: 92] verortet Zazamanc im antiken Ort Zagazaena in der Region der libyschen Region um Syrte. Noltze sympathisiert mit der Idee von Bartsch, den Ort in Indien zu suchen. Dazu heisst es: &amp;quot;Die Fixierung auf Afrika ließ das spezifisch mittelalterliche Weltbild außer acht, demzufolge Indien und Äthiopien in unmittelbarer Nachbarschaft oder sogar Äthiopien als Teil Indiens vorgestellt wurden&amp;quot;. [Noltze 1995: 88-89] Für Kunitzsch ist die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe der Bewohner von Zazamanc ein deutliches Indiz für dessen Lage auf dem afrikanischen Kontinent, wenngleich er festhält, dass &amp;quot;Wolfram auch als Hauptstadt die indische Stadt Patelamunt einsetzt.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 91] Weiter führt Kunitzsch an, dass mit Zazamanc auch der afrikanische Völkername &#039;&#039;Garamantes&#039;&#039; in Guinea sowie der Name &#039;&#039;Casa Mansa&#039;&#039; als Residenz der Herrscher des Mali-Reiches gemeint sein könnte. [Kunitzsch 1984: 92] Laut Simek liegt Zazamanc in Afrika. [Simek 2012: 374] Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Vorstellungen über die Lage von Zazamanc innerhalb der Forschungsliteratur weit auseinanderliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Fazit=&lt;br /&gt;
Eine lückenlose Zuordnung der Handlungsorte im Parzival ist nicht möglich und nur bedingt sinnvoll. &lt;br /&gt;
Während einige Orte real existieren und noch heute identisch genannt werden (beispielsweise Nantes), lassen sich andere Lokalitäten nur ungefähr oder gar nicht eingrenzen. Dies ermöglicht zwar keine detaillierte geografische Karte, erlaubt jedoch die &#039;&#039;Eingrenzung der Handlung auf bestimmte Handlungsräume&#039;&#039;. Während die zentrale Handlung auf den Kontinenten Europa, Afrika und möglicherweise Asien vermutet werden, bleiben viele Beschreibungen vage. Dennoch liefern die Erwähnungen von Orten grundlegendes zeitgenössisches Hintergrundwissen, über welches Wolfram von Eschenbach verfügt haben muss. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben mehr oder weniger detaillierten Ortsangaben werden die zentralen Handlungsorte im Roman in einer akribischen Weise beschrieben. Über Schastel Marveile und die Gralsburg Munsalvaesche sind erstaunlich detailliert berichtet. Gleichzeitig bleibt ihre Lage unklar. Dies unterstreicht den &#039;&#039;Sonderstatus dieser Orte&#039;&#039;. Für die Handlung sind sie von elementarer Wichtigkeit. Beide genannten Anlagen sind nicht leicht zu finden und verschließen sich dem gemeinen Besucher. Nellmann formuliert diesen Umstand wie folgt: &amp;quot;Wolfram vermeidet es, die räumliche Beziehung zwischen Munsalvaesche und dem Bereich von Schastel Marveile zu präzisieren. Ebenso verschleiert er die Entfernung von Pelrapeire und Terre de Salvaesche. Man hat mit Fleiß und Scharfsinn versucht, detaillierte Lagepläne der Schauplätze im &#039;Parzival&#039; zu zeichnen. Dank Wolframs Detailfreude bei geographischen Angaben (im Gegensatz zu Chrétien) gelingen diese Versuche bis zu einem gewissen Grade; jedoch scheitert die Koordination der einzelnen Schauplätze.&amp;quot; [Nellmann 1973:72]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Elemente sind zentral für die Handlungsorte Munsalvaesche und Schastel Marveile. Durch die vage Beschreibung der Lage und der gleichzeitigen detaillierten Schilderung der Räumlichkeiten und Eigenschaften der Anlagen &#039;&#039;entsteht eine [[Magie und Hexerei im Parzival|magische Komponente]].&#039;&#039;  So weiß Gawan beispielsweise, was ihn innerhalb des Zauberschlosses Schastel Marveile erwarten wird, den Weg zur Burg kann er jedoch nur mit Hilfe des Fährmanns [[Die Rolle des Fährmanns Plippalinot|Plipplalinot]] finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Court 2009] Court, Jürgen, Klöcker, Michael (Hrsg.): Wege und Welten der Religionen. Festschrift für Udo Tworuschka. Frankfurt am Main 2009. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haß 2002]  Haß, Jonathan: Entwicklung durch Grenzüberschreitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von Eschenbach: Eine Textanalyse auf Basis der Lotmanschen Raumtheorie. Hamburg 2002.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011]  Heinzle, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch. Berlin 2011.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Hofmann 1883] Hofmann, K.: Ueber die Lokalität von Pelrapeir in Wolframs Parzival. In: &#039;&#039;Romanische Forschungen&#039;&#039;1, Nr. 3 (1. Januar 1883): S. 438-429. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Horchler 2004]  Horchler, Michael: Wolfram von Eschenbach und der Jakobsweg. Eine Untersuchung zu Detailrealismen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. In. &#039;&#039;Göppinger Arbeiten zur Germanistik&#039;&#039;. Herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer. Göppingen 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kunitzsch 1984] Kunitzsch, Paul: Erneut: Der Orient in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: &#039;Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur&#039;&#039; 113, Nr. 2 (Juni 1984): S. 79-111. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kugler 1990] Kugler, Hartmut: Zur literarischen Geographie des fernen Ostens im „Parzival “und „Jüngeren Titurel “. In: Dinkelacker, Wolfgang; Grenzmann, Ludger; Höver, Werner (Hrsg.): Ja muz ich sunder riuwe sin. Festschrift für Karl Stackmann zum 15. Februar 1990. Göttingen: 1990: S 107-147. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers. Wiesbaden, 1973. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival Wolframs von Eschenbach: Würzburg 1994. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichert 2005] Reichert, Hermann (Hrsg): Das Nibelungenlied: nach der St. Galler Handschrift: Berlin 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmitz 2004] Schmitz, Bernhard: Nantes. Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 133, H.1. 2004: S. 22-44..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuler-Lang 2014] Schuler-Lang, Larissa: Wilder Erzählen - Erzählen vom Wilden. Parzival, Busant und Wolfietrich D: Berlin 2014. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012] Schulz, Armin: Räume und Zeiten. In: Braun, Manuel; Dunkel, Alexandra; Müller Jan-Dirk: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. Berlin/Boston 2012: S. 292-316..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Simek 2012] Simek, Rudolf: Artus-Lexikon. Mythos und Geschichte, Werke und Personen der europäischen Artusdichtung: Stuttgart 2012. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wynn 1961] Wynn, Marianne: Geography of Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;The Modern Language Review&#039;&#039; 56, Nr. 1 (Januar 1961): S. 28-43.  Der Artikel ist in Teilen auch [http://www.jstor.org/stable/3721685 online verfügbar].  &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] [[Kategorie: Geografie]] [[Kategorie: Wege]] [[Kategorie: Orte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23734</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23734"/>
		<updated>2015-07-15T08:22:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Textausgabe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23732</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23732"/>
		<updated>2015-07-15T08:21:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Das Elsterngleichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals &amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]], der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23730</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23730"/>
		<updated>2015-07-15T08:20:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals &amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23729</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23729"/>
		<updated>2015-07-15T08:20:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Textausgabe */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennenlernt. Auch in Chrétien de Troyes Werk &#039;&#039;perceval&#039;&#039; gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: vgl.156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander. Beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Erzählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht. [Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;. [Rosskopf 1972: 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter seinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot; [Rosskopf 1972: 161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert daran. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich, die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht sich dadurch eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbarmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites Schicksal bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Alle Angaben beziehen sich auf diese Ausgabe des Primärtextes: &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Geografische_Orte_im_Parzival&amp;diff=23727</id>
		<title>Geografische Orte im Parzival</title>
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		<updated>2015-07-15T08:16:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet. Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; spielt sich die Handlung an verschiedenen Orten ab. Parzival legt im Laufe der Erzählung &#039;&#039;große Distanzen&#039;&#039; zurück. Die &#039;&#039;geografischen Örtlichkeiten&#039;&#039; sowie die sie verbindenden &#039;&#039;Wege&#039;&#039; erlauben einen spezifischen Blick auf den Roman. Der Primärtext umfasst nicht nur die &#039;&#039;Europäischen Länder des Mittelalters&#039;&#039;, sondern bildet die &#039;&#039;komplette damalige Welt&#039;&#039; ab, wie Schuler-Lang festhält. [Schuler-Lang 2014: 106] Während sich bereits ein Artikel mit den im Werk eingewobenen Wissensaspekten auseinandersetzt und dabei auch auf die [[Wissen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Geografie|geografische Bildung des Erzählers]] eingeht, verfolgt der vorliegende Eintrag die konkreten Handlungsorte.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Visualisierung der Orte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bereits 1961 hat Marianne Wynn versucht, die Umgebungen von &#039;&#039;schastel marveile&#039;&#039; und &#039;&#039;munschalveasche&#039;&#039; auf jeweils einer Karte &#039;&#039;grafisch festzuhalten&#039;&#039;. [Wynn 1961: vgl. 38-39] In der wissenschaftlichen Diskussion wird Wynns Vorhaben allerdings &#039;&#039;heftig kritisiert&#039;&#039;. Pratelidis schreibt dazu: &amp;quot;Man muss sich dessen stets bewusst sein, das Wolfram im &#039;Parzival&#039; keine nachvollziehbare Landkarte entwirft, die rekonstruiert werden könnte.&amp;quot; [Pratelidis 1994: vgl. 59-60] Auch Kugler vertritt diesen Standpunkt, wenn er von einer &amp;quot;nicht- kartographischen Räumlichkeit&amp;quot; schreibt, welche sich jeder geographischen Rekonstruktion verschließe. [Kugler 1990: 127] Schulz hält fest, dass Landkarten von mittelalterlichen Werken &amp;quot;schwer vorstellbar&amp;quot; sind und führt weiter an: &amp;quot;Räume erscheinen in mittelalterlichen Texten kaum je als kontinuierlich entfaltete.&amp;quot; [Schulz 2012: 300] Schmitz sieht in den geografischen Spielfeldern der Handlung &amp;quot;viel mehr denn reine Geographie, nämlich als Felder eines bestimmten, rigorosen Bedeutungsinhaltes&amp;quot; und führt an, dass sich &amp;quot;die literarische Geographie (sozusagen urplötzlich) zu einem &#039;glänzenden&#039;  Schema verknüpfender und koordinierender Bedeutung&amp;quot;. [Schmitz 2004: 28] Unter Berücksichtigung dieser Erkenntnisse geht der folgende Artikel primär auf die erwähnten Orte und deren mögliche real existierenden Pendants ein.&amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass &#039;&#039;Visualisierungen der Orte von literarischen Werken&#039;&#039; grundsätzlich funktionieren können, zeigt Franco Moretti mit seinem Projekt &#039;&#039;Imaginative Geography&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: Moretti, Franco: Atlas of the European novel 1800-1900, London &amp;amp; New York 1998.&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das erfolgreiche Projekt veranschaulicht die Handlungsorte von klassischen Werken der Weltliteratur auf virtuellen Karten. Auch wenn solche Unterfangen teilweise nicht vollumfänglich alle Handlungsorte darstellen können, ermöglichen sie das Hervorheben von Distanzen und geben Aufschluss über den Zusammenhang der wichtigsten Orte. Leerstellen und nicht genau definierbare Orte sind dabei ebenso wichtig wie Städte und Länder, welche klar zugeordnet werden können.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Auch wenn davon auszugehen ist, dass die Räume der mediävistischen Literatur nicht im gleichen Sinne realen Orten zuzuweisen sind, wie dies in der (Post)Moderne der Fall ist, zeigt dieser Artikel mögliche Pendants auf und legt kontroverse Meinungen innerhalb der Forschungsdiskussion offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reale Orte im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Parzival nennt Wolfram über 100 real existierende Ortsnamen aus Europa, Afrika und Asien. Explizit erwähnt werden beispielsweise Alexandrié, Antwerp, Babylôn, Brâbant, Indîâ, Kaukasa, Nantes, Stîre und Wâleis. [Heinzle 2011: 205] Referenzen auf (heute noch) bestehende Städte und Regionen könnten Lesern dabei helfen, den Text einfacher zu erfassen. Zusätzlich könnte dieser Vergleich Rückschlüsse auf wichtige zeitgenössische Orte und Regionen erlauben. Eine Einbindung in Google Karten im Sinne des Projekts Mapping Writing&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe dazu auch: [http://www.mappingwriting.com/about.php Projekt Mapping Writing] zur animierten Visualisierung von Literatur.&amp;lt;/ref&amp;gt; ist ebenfalls denkbar. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Wege im Parzival ==&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit der Einordnung von (geografischen) Orten muss auch den zurückgelegten Wegen der Figuren Beachtung geschenkt werden. In seinem Werk &#039;&#039;Entwicklung durch Grenzüberschreitung&#039;&#039; ist Jonathan Haß vertieft auf zurückgelegte Distanzen eingegangen. Exemplarisch ordnet er Herzeloydes Rückzug in die Einöde von Soltane als topographische Grenzüberschreitung ein, bei welcher die Isolation als Selbsterhaltungszweck dient. [Haß 2002: 27]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Parzival legt im Laufe der Ereignisse grosse Distanzen zurück. Dieser Weg wird von Court als &#039;&#039;Entwicklungsweg&#039;&#039; bezeichnet, auf welchem der Held lernt, Unvollkommenheit und Unwissenheit zu überkommen. [Court 2009: 415]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Liste einiger ausgewählter Orte in alphabetischer Reihenfolge =&lt;br /&gt;
Für eine klare Einordnung der Handlungsorte ist es wichtig, Belege in Form von Textstellen aus dem Roman zur Analyse vorliegen zu haben. Dieser Teil des Artikels sucht nach Beschreibungen in der Romanhandlung. In einem zweiten Schritt werden dann mögliche real existierende Orte auf dem Hintergrund der Fachliteratur eingeordnet und diskutiert.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei den gewählten Orten handelt es sich um eine &#039;&#039;Auswahl&#039;&#039;, die gerne auch von anderen Autoren erweitert werden darf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Ascalun==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mit dem Ziel, in einem Gerichtskampf seine Unschuld zu beweisen nimmt Gawan&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet durchgehend die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In Mittelhochdeutschen Originalstellen wird natürlich die originale (mittelhochdeutsche) Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Reise in das Land Ascalun auf sich (Buch 8). Die Hauptstadt von Ascalun im &#039;&#039;Schampfanzun&#039;&#039; wird vom König Vergulath regiert, welcher Mitglied  von Artus&#039; Tafelrunde ist. Ascalun liegt im Westen im Bereich der Artushandlung. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Äusserlich gleicht Ascalun dem Namen der [http://de.wikipedia.org/wiki/Aschkelon Stadt Askalon im heutigen Palästina]. Kunitzsch merkt an, dass Wolfram und seine Hörer dies wohl auch so empfunden haben mögen. Für ihn liegt Ascalun jedoch klar im Westen von Europa. [Kunitzsch 1984: vgl. 81]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bearosche ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bearosche ist eine Stadt mit Burg, welche von Gawan aufgesucht wird. Der Reichtum des Ortes wird im VI. Buch (350: 16-21) eindrücklich beschrieben. &amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 350, 16-21&lt;br /&gt;
| Gâwân gein Béârosche reit. &amp;lt;br /&amp;gt; burg und stat sô vor im lac, &amp;lt;br /&amp;gt; daz niemen bezzers hûses pflac. &amp;lt;br /&amp;gt; ouch gleste gein im schône&amp;lt;br /&amp;gt; aller ander bürge ein krône&amp;lt;br /&amp;gt; mit türnen wol gezieret.&lt;br /&gt;
| Burg und Stadt lagen vor ihm, so schön, daß nie ein Herr sich eines schönern Hauses rühmen konnte. Was ihm da so wunderbar entgegenglänzte, das war die Krone über allen Burgen, sie war mit Türmen reich geziert.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über die genaue Lage von Bearosche finden sich in der Forschungsliteratur keine konkreten Ergebnisse. Wynn ist der Meinung, dass die Gebiete Grâharz und Brôbarz in keinem klaren geografischen Bezug zu sich selbst, noch zu anderen Teilen der sagenhaften Geografie stehen. Identische Voraussetzungen gelten bei Wynn auch für Bearosche und Schanpfanzûn. [Wynn 1961: vgl. 32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Munsalvaesche==&lt;br /&gt;
Die [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg Munsalvaesche]] ist ein zentraler Handlungsort des Romans. In ihr befindet sich [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|der heilige Gral]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie Bearosche wird auch die Burg Munsalvaesche als eindrückliches Bauwerk beschrieben &#039;&#039;(226: 14-19)&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,14-19&lt;br /&gt;
| diu burc an veste niht betrogen.&amp;lt;br /&amp;gt; si stuont reht als si wäre gedræt.&amp;lt;br /&amp;gt; ez enflüge od hete der wint gewæt,&amp;lt;br /&amp;gt; mit stürme ir niht geschadet was&amp;lt;br /&amp;gt;vil türne, manec palas&amp;lt;br /&amp;gt;dâ stuont mit wunderlîcher wer.&lt;br /&gt;
| Die Burg log nicht, wenn sie sich Festung nannte. Wie gedrechselt stand sie da. Mit Sturm war ihr im Krieg nicht beizukommen, höchstens mit Wind - wenn man geflogen wäre. Viele Türme und so mancher Palas standen da in märchenhafter Macht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival heisst es, dass niemand die Lage der Burg kennt (&#039;&#039;226,13-14&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 226,13-14&lt;br /&gt;
| gsît wir niht wizzen wâ diu stêtt. &amp;lt;br /&amp;gt; ze arbeit ez uns lîhte ergêt.&lt;br /&gt;
| Da wir nicht wissen, wo dieser Burg steht, kann das leicht schlimm für uns ausgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Region um die Burg ist in der realen Welt nur schwer zu verorten. Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Munsalvaesche erstellt. [Wynn 1961: vgl. 38]  Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Beschreibungen erstellt und zeigt die Region um Munsalvaesche.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Munsalvaesche und Umgebung2.jpeg|mini|Munsalvaesche und Umgebung nach Wynnn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Thesen der älteren Forschung, wie die Rahns, der Munsalvaesche mit der Burgruine des Berges Montségur &#039;&#039;in den östlichen Pyrenäen&#039;&#039; lokalisierte, erweisen sich aus historischen wie etymologischen Gründen als problematisch &amp;lt;ref&amp;gt;Verweis auf [http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Rahn#Rezeption_und_Kritik kritischen Artikel zur Forschungsarbeit Otto Wilhelm Rahns] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Dieser versuchte seiner Zeit, die Katharer mit dem Gralsmythos in Verbindung zu bringen. Er setzte dazu Munsalvaesche (okzitan. Montsalvasch, „Heilsberg“, oder Montsauvage, „Wilder Berg“) mit Montségur (okzitanisch Montsegur, „sicherer Berg“) gleich.  &amp;lt;ref&amp;gt;Nelli, René: Dictionnaire des hérésies meridionales et des mouvements hérérodex ou indéendants apparus dans le Midi de la France depuis l’établissement du christianisme, Toulouse 1968&amp;lt;/ref&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Horchler vermutet die Gralsburg im ehemaligen Benediktinerkloster [http://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_San_Juan_de_la_Pe%C3%B1a San Juan de la Peña] in &#039;&#039;Aragonien (Spanien)&#039;&#039; und argumentiert mit der Beschreibung der Lage der Burg. Der Berg über der Burg trägt den Namen &#039;&#039;Monte San Salvador&#039;&#039;. [Horchler 2004: vgl. 37] Horchler folgert daraus: &amp;quot;Auf Okztianisch würde der Berg vermutlich ,Mont Sant Salvatge&#039; geheißen haben, oder volkstümlich ,Mont Salvatge&#039;. Aus dieser auf Mandach zurückgehenden Namensgebung hätte Wolfram im Deutschen durchaus den Namen Mulsalvaesche machen können.&amp;quot; [Horchler 2004: 37]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Nantes ==&lt;br /&gt;
In der Stadt Nantes befindet sich der [[Artushof]].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival reitet aus dem Wald Brizljan nach Nantes. Da er den Weg nach Nantes nicht findet, wendet er sich an einen Fischer (142, 17). &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die explizite Erwähnung und die geografische Lage kann angenommen werden, dass es sich bei Nantes um die noch heute existierende [http://de.wikipedia.org/wiki/Nantes Stadt in Frankreich] handelt. In seinem Aufsatz mit dem Titel &amp;quot;Nantes - Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&amp;quot; geht Schmitz vertieft auf die Frage der Funktion literarischer Darstellungen von Landschaft ein, versäumt es dabei jedoch, den Handlungsort Nantes in der realen Welt zu lokalisieren. [Schmitz 2004: 25] Für Schmitz scheint es gegeben, dass der Ort Nantes im Parzival der französischen Stadt Nantes entspricht. Bei ihm steht nicht die eigentliche Lage im Zentrum, sondern der Weg dorthin. Er hält fest, dass &amp;quot;der Weg Parzivals aus dem Wald Brizljan nach Nantes ein relativ unkomplizierter sei und Parzival nicht allzuviel abfordere.&amp;quot;  [Schmitz 2004: 25]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Patelamunt ==&lt;br /&gt;
Patelamunt ist die Hauptstadt des Königreiches Zazamanc und Residenz der Königin Belacane.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die Stadt wird vier Mal erwähnt (17,4: 64,17; 90,19; 97,20).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches Reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nolze hält fest, dass über die Lage der Hafen-Hauptstadt &amp;quot;in der Forschung Uneinigkeit herrscht&amp;quot;. [Noltze 1995: 93.] Für Kunitzsch ist die Unsicherheit weniger gross. Er lokalisiert Patelamunt klar: &amp;quot;Während &#039;&#039;Zazamanc&#039;&#039; in Afrika zu denken ist (...) ist &#039;&#039;Patelamunt&#039;&#039; zweifellos Wolframs umgewandelte Form des Namens einer bekannten Hafenstadt im Indusdelta, also in Indien.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 90] Im Artuslexikon steht zur Lage der Stadt: &amp;quot;Tatsächlich geht der Name aber auf Portus Patalus zurück, eine auf mittelalterlichen &#039;&#039;Mappae mundi&#039;&#039; ([[Die Ebstorfer Weltkarte|Ebstorf]], Hereford) und in den Alexanderromanen zu findenden indische Hafenestadt.&amp;quot; [Simek 2012: 273]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Pelrapeire==&lt;br /&gt;
Pelrapeire ist die Hauptstadt des Landes Brobarz. Herrscherin von Pelrapeire ist Parzivals Frau Condwiramurs.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Lage der Stadt im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Lage Stadt wird im fünften Buch Parzival (180, 21-26) folgendermassen beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 21-26&lt;br /&gt;
| Doch reit er wênec irre, &amp;lt;br /&amp;gt;wan die slihte an der virre&amp;lt;br /&amp;gt; kom er des tages von Grâharz&amp;lt;br /&amp;gt; in daz künecrîch ze Brôbarz&amp;lt;br /&amp;gt; durch wilde gebirge hôch. &amp;lt;br /&amp;gt; der tac gein dem âbent zôch. &amp;lt;br /&amp;gt; do kam er an ein wazzer snel: &amp;lt;br /&amp;gt; daz was von sîme duzze hel: &amp;lt;br /&amp;gt; ez gâbn die velse ein ander. &amp;lt;br /&amp;gt; daz reit er nider: dô vander&amp;lt;br /&amp;gt; die stat ze Pelrapeire.&lt;br /&gt;
| Doch ritt er nicht viel irre, sondern stracks geradeaus ins Blaue, und also kam er an dem Tag von Grâharz durch ein wildes, hohes Gebirge in das Königreich Brôbarz. Der Tag ging gegen Abend zu, da kam er an ein reißendes Wasser, von Fels zu Fels hallte sein Tosen. An diesem Wasser ritt er hinab. Da sah er dieStadt Pelrapeire liegen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter heisst es im sechsten Buch &#039;&#039;&#039;(181: 5-6&#039;&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 180, 5-6&lt;br /&gt;
| ez flôz aldâ reht in daz mer. &amp;lt;br /&amp;gt;Pelrapeir stuont wol ze wer.&lt;br /&gt;
| Das war genau dort, wo das Wasser ins Meer floß: Pelrapeire lag sehr wehrhaft da.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hofmann leitet aus der Beschreibung der Lage und Darstellung der Stadt Pelrapeir(e) ab, dass es sich um die französische Stadt Grenoble handeln könnte. Die Beschreibung der Lage ist für Hofmann identisch mit jener der [http://de.wikipedia.org/wiki/La_Grande_Chartreuse grossen Kartause]. Er schreibt dazu: „Der Ausdruck zer wilder albe klûsen (Parz. 190, 22), dessen sich Wolfram bedient, passt ganz vorzüglich auf die Kartäuser, welche bekanntlich das klösterliche mit dem Einsiedlerleben vereinigten und in dieser Kombination das Wesen ihre Ordens erblickten&amp;quot;. [Hofmann 1883: 438-439.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schastel Marveile==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schastel marveile ist die Burg im Land &#039;&#039;Terre marveile&#039;&#039;. In der Burg hat Gawan mehrere Aufgaben zu erfüllen, um die von Chlinschor eingesperrten Frauen zu befreien. Für Pratedelis stellt die &amp;quot;helfe - Aventiure&amp;quot; im &amp;quot;Zauberschloss (...) den Höhepunkt von Gawans ritterlicher Karriere&amp;quot; dar. [Pratelidis 1994: 154] Erst durch die Befreiung der vierhundert gefangenen Frauen kehrt auf dem Schloss wieder Freude ein (565.23-26; 582,20; 621,17; 627; 19-21).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Es folgt ein Fest, bei welchem die befreiten Frauen wieder mit ihren Rittern zusammengebracht werden. Dazu heisst es:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 637, 24-26&lt;br /&gt;
| dô schuof mîn hêr Gâwân&amp;lt;br /&amp;gt; daz dir vol ein ander sach;&amp;lt;br /&amp;gt;dar an in liebes vil geschach.&lt;br /&gt;
| Da hatte es mein herr Gâwân nun so eingerichtet, daß die Leute einander sahen; damit tat er ihnen viel Liebes.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Pratelidis manifestiert sich in Gawans Erlösungstat klar die &amp;quot;Vitalität arthurischer Ritterschaft.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 156] Für ihn zeigt der Autor damit &amp;quot;unmissverständlich auf, dass das Artusrittertum maßgeblich zur Wiederherstellung und Stabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung beiträgt, wenngleich nicht alle Probleme auf dem Weg der Ritterschaft behoben werden können, wie nicht zuletzt auch Parzivals Scheitern in Munsalvaesche verdeutlicht.&amp;quot; [Pratelidis 1994: 154]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wynn hat in ihrem Essay &#039;&#039;Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s Parzival&#039;&#039; eine Landkarte von der Umgebung um Schastel Marveile erstellt. [Wynn 1961: vgl. 39] Folgende Grafik wurde basierend auf Wynns Gedanken erstellt und zeigt die Region um Schastel Marveile.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Datei:Schastel Marveile und Umgebung.jpeg|mini|Schastel Marveile und Umgebung basierend auf den Beschreibungen von Wynn]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Soltane (Einöde) ==&lt;br /&gt;
Parzival wird von seiner Mutter Herzeloyde im Wald von Soltane abseits der Zivilisation aufgezogen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Mutter Herzeloyde zieht mit ihrem Sohn in die Einöde von Soltane, um Parzival von allem Höfischen fernzuhalten. Im Roman wird der Einzug in Soltane wie folgt geschildert &#039;&#039;(117: 7-9&#039;&#039;):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 117, 7-9&lt;br /&gt;
| Sich zôch diu frouwe &#039;&#039;jâmers balt&#039;&#039; &amp;lt;br /&amp;gt; ûz ir lande in &#039;&#039;einen walt&#039;&#039;,&amp;lt;br /&amp;gt; zer waste in Soltâne;&lt;br /&gt;
| Zum Jammer trieb es dieser dame hin: Sie zog fort aus ihrem Land in einen Wald, in &#039;&#039;die öde Wildnis&#039;&#039; von Soltâne.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es fällt auf, dass die Übersetzung &amp;quot;einen walt&amp;quot; mit &amp;quot;die öde Wildnis&amp;quot; gleichsetzt. Hierbei gilt es zu beachten, dass es sich um eine literarische Übersetzung handelt. Der Begriff ist auch durch seine Nähe zum altfranzösischen &#039;&#039;soutaine&#039;&#039; (Einsamkeit) gezeichnet.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine genaue Ortsangabe für Soltane ist nicht möglich. Bei der Einöde von Soltane handelt sich es um einen [[Das_Motiv_des_Niemandslands_im_Parzival_(Funktion_und_Bedeutung)#Sonderräume|Sonderraum]] ausserhalb der höfischen Kultur. Dieser markiert im Parzival in der Form des Rückzugsortes in der Natur ein ein Gegenkonzept zum höfischen Leben und stellt ein Gegenkonzept dar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Zazamanc==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Beschreibung im Roman&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zazamanc ist ein Königreich im [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]]. Aus dem Text ist nicht klar ersichtlich, ob es auf dem afrikanischen oder asiatischen Kontinent liegt. Herrscherin über Zazamanc ist erst die Königin Belacane und dann später ihr Sohn Feirefiz.&lt;br /&gt;
In Zazamanc vollbringt Gahmuret Heldentaten und gewinnt dabei die Anerkennung und Liebe der Königin. Die Stadt wird insgesamt 15 Mal innerhalb der Gahmuret-Belakane-Handlung und 7 Mal innerhalb der Feirefiz-Handlung erwähnt. [Kunitzsch 1984: vgl. 91]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;Mögliches reales Pendant&#039;&#039;&#039;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Name des Reichs von Belacane wird auch im Nibelungenlied erwähnt. Dort heisst es: &amp;quot;die arabischen sîden, wiz alsô der snê, und von Zazamanc der guoten, grüen alsâm der klê&amp;quot; (NL 362.2). [Reichert 2005: 84] Das östlich gelegene Land wird als Ursprung für Seide genannt. In der Forschungsliteratur wurde (unter anderem von Panzer) Marokko als Standort von Zazamanc vorgeschlagen. Dies wurde jedoch widerrufen, da es dort keine Mohren gebe (Noltze 1995: vgl. 88). [Kunitzsch 1984: 92] verortet Zazamanc im antiken Ort Zagazaena in der Region der libyschen Region um Syrte. Noltze sympathisiert mit der Idee von Bartsch, den Ort in Indien zu suchen. Dazu heisst es: &amp;quot;Die Fixierung auf Afrika ließ das spezifisch mittelalterliche Weltbild außer acht, demzufolge Indien und Äthiopien in unmittelbarer Nachbarschaft oder sogar Äthiopien als Teil Indiens vorgestellt wurden&amp;quot;. [Noltze 1995: 88-89] Für Kunitzsch ist die Beschreibung der schwarzen Hautfarbe der Bewohner von Zazamanc ein deutliches Indiz für dessen Lage auf dem afrikanischen Kontinent, wenngleich er festhält, dass &amp;quot;Wolfram auch als Hauptstadt die indische Stadt Patelamunt einsetzt.&amp;quot; [Kunitzsch 1984: 91] Weiter führt Kunitzsch an, dass mit Zazamanc auch der afrikanische Völkername &#039;&#039;Garamantes&#039;&#039; in Guinea sowie der Name &#039;&#039;Casa Mansa&#039;&#039; als Residenz der Herrscher des Mali-Reiches gemeint sein könnte. [Kunitzsch 1984: 92] Laut Simek liegt Zazamanc in Afrika. [Simek 2012: 374] Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die Vorstellungen über die Lage von Zazamanc innerhalb der Forschungsliteratur weit auseinanderliegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Fazit=&lt;br /&gt;
Eine lückenlose Zuordnung der Handlungsorte im Parzival ist nicht möglich und nur bedingt sinnvoll. &lt;br /&gt;
Während einige Orte real existieren und noch heute identisch genannt werden (beispielsweise Nantes), lassen sich andere Lokalitäten nur ungefähr oder gar nicht eingrenzen. Dies ermöglicht zwar keine detaillierte geografische Karte, erlaubt jedoch die &#039;&#039;Eingrenzung der Handlung auf bestimmte Handlungsräume&#039;&#039;. Während die zentrale Handlung auf den Kontinenten Europa, Afrika und möglicherweise Asien vermutet werden, bleiben viele Beschreibungen vage. Dennoch liefern die Erwähnungen von Orten grundlegendes zeitgenössisches Hintergrundwissen, über welches Wolfram von Eschenbach verfügt haben muss. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben mehr oder weniger detaillierten Ortsangaben werden die zentralen Handlungsorte im Roman in einer akribischen Weise beschrieben. Über Schastel Marveile und die Gralsburg Munsalvaesche sind erstaunlich detailliert berichtet. Gleichzeitig bleibt ihre Lage unklar. Dies unterstreicht den &#039;&#039;Sonderstatus dieser Orte&#039;&#039;. Für die Handlung sind sie von elementarer Wichtigkeit. Beide genannten Anlagen sind nicht leicht zu finden und verschließen sich dem gemeinen Besucher. Nellmann formuliert diesen Umstand wie folgt: &amp;quot;Wolfram vermeidet es, die räumliche Beziehung zwischen Munsalvaesche und dem Bereich von Schastel Marveile zu präzisieren. Ebenso verschleiert er die Entfernung von Pelrapeire und Terre de Salvaesche. Man hat mit Fleiß und Scharfsinn versucht, detaillierte Lagepläne der Schauplätze im &#039;Parzival&#039; zu zeichnen. Dank Wolframs Detailfreude bei geographischen Angaben (im Gegensatz zu Chrétien) gelingen diese Versuche bis zu einem gewissen Grade; jedoch scheitert die Koordination der einzelnen Schauplätze.&amp;quot; [Nellmann 1973:72]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese beiden Elemente sind zentral für die Handlungsorte Munsalvaesche und Schastel Marveile. Durch die vage Beschreibung der Lage und der gleichzeitigen detaillierten Schilderung der Räumlichkeiten und Eigenschaften der Anlagen &#039;&#039;entsteht eine [[Magie und Hexerei im Parzival|magische Komponente]].&#039;&#039;  So weiß Gawan beispielsweise, was ihn innerhalb des Zauberschlosses Schastel Marveile erwarten wird, den Weg zur Burg kann er jedoch nur mit Hilfe des Fährmanns [[Die Rolle des Fährmanns Plippalinot|Plipplalinot]] finden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Court 2009] Court, Jürgen, Klöcker, Michael (Hrsg.): Wege und Welten der Religionen. Festschrift für Udo Tworuschka. Frankfurt am Main 2009. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haß 2002]  Haß, Jonathan: Entwicklung durch Grenzüberschreitung im &amp;quot;Parzival&amp;quot; Wolframs von Eschenbach: Eine Textanalyse auf Basis der Lotmanschen Raumtheorie. Hamburg 2002.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011]  Heinzle, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch. Berlin 2011.  &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Hofmann 1883] Hofmann, K.: Ueber die Lokalität von Pelrapeir in Wolframs Parzival. In: &#039;&#039;Romanische Forschungen&#039;&#039;1, Nr. 3 (1. Januar 1883): S. 438-429. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Horchler 2004]  Horchler, Michael: Wolfram von Eschenbach und der Jakobsweg. Eine Untersuchung zu Detailrealismen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. In. &#039;&#039;Göppinger Arbeiten zur Germanistik&#039;&#039;. Herausgegeben von Ulrich Müller, Franz Hundsnurscher und Cornelius Sommer. Göppingen 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kunitzsch 1984] Kunitzsch, Paul: Erneut: Der Orient in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: &#039;Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur&#039;&#039; 113, Nr. 2 (Juni 1984): S. 79-111. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kugler 1990] Kugler, Hartmut: Zur literarischen Geographie des fernen Ostens im „Parzival “und „Jüngeren Titurel “. In: Dinkelacker, Wolfgang; Grenzmann, Ludger; Höver, Werner (Hrsg.): Ja muz ich sunder riuwe sin. Festschrift für Karl Stackmann zum 15. Februar 1990. Göttingen: 1990: S 107-147. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Nellmann 1973] Nellmann, Eberhard: Wolframs Erzähltechnik. Untersuchungen zur Funktion des Erzählers. Wiesbaden, 1973. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: Gahmurets Orientfahrt: Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27-58,26), Würzburg 1995. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral: die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival Wolframs von Eschenbach: Würzburg 1994. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Reichert 2005] Reichert, Hermann (Hrsg): Das Nibelungenlied: nach der St. Galler Handschrift: Berlin 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmitz 2004] Schmitz, Bernhard: Nantes. Spielfelder der Handlung in Wolframs &#039;Parzival&#039;. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur 133, H.1. 2004: S. 22-44..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schuler-Lang 2014] Schuler-Lang, Larissa: Wilder Erzählen - Erzählen vom Wilden. Parzival, Busant und Wolfietrich D: Berlin 2014. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schulz 2012] Schulz, Armin: Räume und Zeiten. In: Braun, Manuel; Dunkel, Alexandra; Müller Jan-Dirk: Erzähltheorie in mediävistischer Perspektive. Berlin/Boston 2012: S. 292-316..&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Simek 2012] Simek, Rudolf: Artus-Lexikon. Mythos und Geschichte, Werke und Personen der europäischen Artusdichtung: Stuttgart 2012. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wynn 1961] Wynn, Marianne: Geography of Fact and Fiction in Wolfram von Eschenbach&#039;s &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;The Modern Language Review&#039;&#039; 56, Nr. 1 (Januar 1961): S. 28-43.  Der Artikel ist in Teilen auch [http://www.jstor.org/stable/3721685 online verfügbar].  &amp;lt;br /&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] [[Kategorie: Geografie]] [[Kategorie: Wege]] [[Kategorie: Orte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23726</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
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		<updated>2015-07-15T08:16:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennenlernt. Auch in Chrétien de Troyes Werk &#039;&#039;perceval&#039;&#039; gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: vgl.156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander. Beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Erzählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht. [Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;. [Rosskopf 1972: 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter seinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot; [Rosskopf 1972: 161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert daran. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich, die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht sich dadurch eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbarmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites Schicksal bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23724</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23724"/>
		<updated>2015-07-15T08:14:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23721</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23721"/>
		<updated>2015-07-15T08:13:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals &amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In mittelhochdeutschen Zitaten wird die originale, mittelhochdeutsche Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt;jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23496</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
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		<updated>2015-07-14T20:58:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Weitere Textbeispiele */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival&amp;diff=23490</id>
		<title>Parzival</title>
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		<updated>2015-07-14T20:52:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet. Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dieser Artikel ist als &#039;&#039;Wegweiser für Besucher&#039;&#039; konzipiert, welche den Weg auf MediaeWiki gefunden haben, um mehr über Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu erfahren.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist ein &#039;&#039;mittelhochdeutscher Roman in Versform&#039;&#039; von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und stellt dessen Hauptwerk dar. Es wird angenommen, dass Wolfram den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu Beginn des 13. Jahrhunderts geschrieben hat. Das Werk ist in 25000 paarweise gereimten Versen verfasst und wird nach Lachmann in Dreissigern (Paket von 30 Zeilen) nummeriert, wobei jede Zeile einzeln zugewiesen werden kann. Das Werk ist in 16 Bücher unterteilt. [Viehhauser 2009: vgl. 1f.]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Artikel [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|ausführliche Inhaltsangabe]] von [[MediaeWiki - Das Wiki für Inhalte der Mediävistik|MediaeWiki]] bietet einen breiten Überblick über das Werk.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Viehhauser 2009] Viehhauser, Gabriel: Die &#039;Parzival&#039;-Überlieferung am Ausgang des Manuskriptzeitalters: Handschriften der Lauberwerkstatt und der Straßburger Druck. Berlin 2009. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]] [[Kategorie: Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Rolle_des_F%C3%A4hrmanns_Plippalinot&amp;diff=23487</id>
		<title>Die Rolle des Fährmanns Plippalinot</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Rolle_des_F%C3%A4hrmanns_Plippalinot&amp;diff=23487"/>
		<updated>2015-07-14T20:49:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fährmann &#039;&#039;Plippalinot&#039;&#039; muss innerhalb des Romans &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] als widersprüchliche Figur eingeordnet werden. Dieser Artikel zeigt die Schlüsselrolle Plippalinots für Gawans&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet durchgehend die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In Mittelhochdeutschen Originalstellen wird natürlich die originale (mittelhochdeutsche) Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; Reise nach &#039;&#039;Schastel marveile&#039;&#039; auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gawan trifft auf Plippalinot ==&lt;br /&gt;
Auf dem Weg zu &#039;&#039;[[Gawan im Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schastel marveile]]&#039;&#039; zeigt [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] den Weg durch einen Wald und wird dann vom Fährmann über den Fluss gesetzt, auf dessen anderer Seite sich das Schloss befindet. Gawan wird vom Ritter Lischoys Gwelljus angegriffen und besiegt diesen (536,10-543,26). Der Fährmann Plippalinot fordert darauf das Pferd von Lischoy ein und erhält überraschend den gefangenen Ritter selbst von Gawan, da dieser im erbeuteten Tier sein Eigenes erkennt. Als Gâwan dem Fährmann von seiner unerfüllten Liebe klagt, informiert ihn Plippalinot, dass hier alles abenteuerlich sei:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
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! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 538, 3-12&lt;br /&gt;
| dô sprach er &#039;hêrre, ez ist hier reht &amp;lt;br /&amp;gt; ûfem plâne unt in dem fôreht&amp;lt;br /&amp;gt; unt aldâ Chlinschor hêrre ist: &amp;lt;br /&amp;gt; zagheit noch manlîch list&amp;lt;br /&amp;gt; füegentz anders niht wan sô,&amp;lt;br /&amp;gt; hiute riwec; morgen vrô, &amp;lt;br /&amp;gt; est iu lîhte unbekant: &amp;lt;br /&amp;gt; gar âventiure ist al diz lant: &amp;lt;br /&amp;gt; sus wer ez naht und ouch den tac. &amp;lt;br /&amp;gt; bî manheit sælde helfen mac.&lt;br /&gt;
| Da sprach er: &amp;quot;Mein Herr, das ist halt, hier so Brauch, auf der Wiese und im Wald und überhaupt im ganzen Reich des Chlinschor; feiges Nichtstun ändert daran nichts und ebensowenig Tapferkeit mit Kraft und Kunst, so ist es eben: heute traurig, morgen froh. Vielleicht wißt Ihr das noch nicht: In diesem Land sind alle Wunder möglich, es ist lauter Abenteuer bei Tag und bei Nacht. Wo Mannheit ist, da kann das Glück helfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plippalinot lädt Gawan erfreut zu sich ein und beherbergt ihn für eine Nacht. Bene, die Tochter des Fährmanns legt sich in der Nacht zu Gawan (549,10 ff.). Intim werden die beiden jedoch nicht, da Gawan sofort einschläft. Bene verlässt den Raum und verbringt die Nacht bei ihrer Mutter. Im Text heißt es dazu: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
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! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 552,27-30&lt;br /&gt;
| het er iht hin zir gegert, &amp;lt;br /&amp;gt; ch wæn si hetes in gewert.&amp;lt;br /&amp;gt; er sol ouch slâfen, ob er mac.  &amp;lt;br /&amp;gt;  got hüete sîn, sô kom der tac. &lt;br /&gt;
| Wenn er etwas von ihr gewollt hätte, ich glaube, sie hätte es ihm erlaubt. Es ist aber auch besser so - er soll schlafen, wenn er kann. Gott möge ihn beschützen an dem Tag, der dann anbricht. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem Aufwachen sieht Gawan die Burg und die sich darin befindenden Frauen. Er schläft noch einmal ein und findet Bene vor, als er erneut erwacht. Gawan fragt bei Bene nach den Frauen in der Burg, was diese zu Tränen rührt. Eine Antwort bleibt sie ihm schuldig. Plippalinot stößt dazu und nimmt an, Bene weine, weil Gawan mit ihr intim geworden sei. Dies klärt sich erst nach mehrmaligem Insistieren, als Plippalinot erklärt, die Burg sei ein Ort der Gefahr: &amp;quot;dâ ist nôt ob aller nôt&amp;quot; (556,16).&lt;br /&gt;
Sowohl Plippalinot als auch Bene warnen Gawan ausdrücklich vor dem Unterfangen, Schastel marveile zu betreten (557,15-22). Gâwan folgt dem &amp;quot;ritterlichen Appell&amp;quot; am Ende jedoch trotzdem. [Mohr 1958] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Plippalinot und seine Tochter scheinen den Ritter insgeheim auf bevorstehende &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; vorbereiten zu wollen. Bene lässt Gawan seinen Schlaf und auch ihr Vater Plippalinot trifft Vorkehrungen für die Abenteuer von Gawan. So legt Bene Gawan seine Rüstung an und Plippalinot gibt ihm seinen Schild. Weiter erteilt Plippalinot Gawan klare Instruktionen zum Umgang mit dem Händler, den er vor Schastel marveile antreffen werde. Außerdem sagt ihm der Fährmann voraus, dass er in der Burg ein Bett, das &#039;&#039;lit marveile&#039;&#039;, vorfinden werde.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Plippalinots soziale Stellung==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Otto hält fest, dass Plippalinot dank seiner adligen Herkunft zwar finanziell privilegiert ist, jedoch besteht &amp;quot;seine einzige Einnahmequelle im Zusammenhang mit dem Fährdienst&amp;quot;. [Otto 1993: 209] Dass der Fährmann einer beruflichen Tätigkeit nachgeht, steht in einer elementaren Opposition zu dessen adligem Hintergrund. Otto verweist auf diesen Widerspruch, löst diesen aber wiederum auf, wenn er ausführt: &amp;quot;das Pferd des bezwungenen Lischoys (...) ist nicht die Gebühr für den Fährdienst, der Fährdienst ist nur mit seinem Lebensrecht gekoppelt.&amp;quot; [Otto 1993: 263] Folglich stellt die Möglichkeit des Fährdiensts ein Privileg und nicht primär eine bezahlte Arbeit dar.&lt;br /&gt;
Plippalinot ist als &#039;&#039;ritterlicher Fährmann&#039;&#039; einzuordnen. Er hat adlige Vorfahren (644,3-4), verkehrt jedoch nicht am Hof. Gawans Mahl im Haus des Fährmanns ist „bereits dem Gepräge und dem Stand seines Ausrichters nach ein höfisches. Doch der Ort, an dem es stattfindet, gehört nicht zur höfischen Lebenswelt.“ [Höhner 2015: 106] Das Mahl wird deutlich von höfischer Esskultur geprägt. [Höhner 2015: vgl. 107] Dieser Ausschnitt aus dem Roman verdeutlicht, was Höhner „das verzerrte Spiegelbild höfischer zuht“ nennt. [Höhner 2015: 107] Plippalinot ist Stellvertreter für die adligen Landsleute, welche durchaus im Stande sind, Gawan standesgemäß gegenüberzutreten. Gleichsam sind die beiden Welten voneinander getrennt. Als Gawan beim Mahl im Haus des Fährmanns um die Gesellschaft dessen Tochter Bene bittet, macht Plippalinot explizit auf den Standesunterschied aufmerksam (550,16-19).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Verweise auf höfisches Leben im Haus des Fährmanns ==&lt;br /&gt;
Die Wohnverhältnisse Plippalinots sind für einen Fährmann ausserordentlich ungewöhnlich. Sein Haus hat mehrere Zimmer, sowie eine &#039;&#039;kemenâte&#039;&#039;. Kemenaten sind beheizte Zimmer, welche sonst nur in Burgen als Frauengemach zu finden sind. [Höhner 2015: vgl. 107] Im Anwesen von Plippalinot finden sich eine Reihe von Luxusgütern, welche sich ein normaler Fährmann unmöglich leisten könnte. Die Fenster sind verglast (553,5), was zu Wolframs Lebenszeiten höchst selten war. [Höhner 2015: vgl. 107] Gawans Lager und das Bett werden mit höfischen Stoffen gepolstert (549,23-30 sowie 552,7-39). Der Ritter erhält als Bettdecke den Mantel von Bene, welcher aus &#039;&#039;hermelîn&#039;&#039; gefertigt ist, sowie ein Federkissen (552,22 und 552,90).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gawan und Bene ==&lt;br /&gt;
Auf die Beziehung zwischen Gawan und Bene wird bereits in einem [[Gawan_und_die_Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gawan_und_Bene|bestehenden Artikel]] kurz eingegangen. Im Hinblick auf die soziale Stellung des Fährmanns ist die Art des Umgangs von Gawan mit Bene zentral. Der Ritter spricht Bene mit &#039;&#039;frouwe&#039;&#039; an. Diese Anredeform ist auch für eine adlige Tochter eines Fährmanns nicht angemessen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Plippalinot als Brückenbauer ==&lt;br /&gt;
Ohne die Unterstützung des Fährmanns wäre Gawan nicht auf die Ereignisse in Schastel marveile vorbereitet. Der Besuch im Haus von Plippalinot ist als wichtige Station auf dem Weg ins Zauberschluss einzuordnen. Der Fährmann setzt Gawan nicht nur über den Fluss, sondern ermöglicht ihm auch eine geistige Annäherung an den unbekannten Ort. Es scheint, als wisse Plippalinot vom ersten Moment an, dass Gawan den Weg ins dorthin sowieso in Angriff nehmen wird.&lt;br /&gt;
Anfänglich verschweigt der Fährmann Informationen über das Zauberschloss und die Schwierigkeiten auf dem Weg dorthin kategorisch. Gawan insistiert und fragt wiederholt nach dem Schloss und den dortigen Begebenheiten. Die klärenden Antworten erhält er erst, als der Fährmann befürchtet, seinen Gast in dessen Standesehre verletzt zu haben. Plippalinot nimmt an, seine Tochter Bene weine, weil Gawan mit ihr geschlafen habe und beschreibt ihm darauf in einem emotionsgeladenen Moment den Weg ins Schloss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Gastgeber kümmert sich Plippalinot in seinem Haus sowohl um die physische als auch um die mentale Vorbereitung des Gastes, indem er nicht nur um dessen leibliches Wohl besorgt ist, sondern ihm auch noch diverse Annehmlichkeiten bietet und ihn mit Informationen versorgt, welche die bevorstehende &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; erst möglich machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der ambivalente Plippalinot ==&lt;br /&gt;
Der Fährmann stellt für Gawan eine Hilfe und einen Wegweiser auf seinem weiteren Weg dar. Gegenüber Parzival, der auf seiner Suche nach dem Gral zuvor auf Plippalinot stieß, erfüllt er diese Funktion jedoch nicht. Gawan insistiert, um die Informationen zu Schastel marveile und dem Wunderbett zu erhalten. Parzival demgegenüber, ist so sehr mit der Gralssuche beschäftigt, dass er Plippalinot gar nicht erst nach dem Schloss fragt. Später berichtet er Gawan von seinem Treffen mit Parzival (559,23-30). Unwissend also wird der Fährmann durch das Unterlassen der Erklärung zu einer [[Das Motiv des Niemandslands im Parzival (Funktion und Bedeutung)#Terre Marveile|Schwelle]] für Parzival. [Glaser 2004: vgl. 104-105]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
[*Glaser 2004] Glaser, Andrea: Der Held und sein Raum. Frankfurt am Main, 2004.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Höhner 2015] Höhner, Jens: Zu Tisch mit König Artus und Parzival: Mähler in epischen Texten des Mittelalters im Kontext höfischer Etikette, höfischer Kommunikationsformen und rhetorischer Darstellung. Hamburg 2015. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Mohr 1958] Mohr, Wolfgang: Parzival und Gawan. In: Euphorion, Zeitschrift für Literaturgeschichte 52, (1958). S. 1-22.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Otto 1993] Otto, Dietmar: Definition, Darstellung und Bewertung von Arbeit und Tätigkeit in den deutschen Epen des Hohen Mittelalters, Frankfurt am Main 1993.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren]] [[Kategorie: Fährmann]] [[Kategorie: Gawan]] [[Kategorie: Parzival]] [[Kategorie: Plippalinot]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ecidemon&amp;diff=23472</id>
		<title>Ecidemon</title>
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		<updated>2015-07-14T20:21:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird konstant überarbeitet. Einzelne Unterkapitel werden kontinuierlich mit Inhalt gefüllt.&amp;lt;/div&amp;gt; &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das &#039;&#039;Ecidemon&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Dieser Artikel verwendet durchgehend die neuhochdeutsche Schreibweise für Eigennamen aus dem Parzival. Dies dient der Leserlichkeit. In Mittelhochdeutschen Originalstellen wird natürlich die originale (mittelhochdeutsche) Schreibweise angegeben.&amp;lt;/ref&amp;gt; (mhd.: ecidemôn) ist ein &#039;&#039;Fabelwesen&#039;&#039;. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Das Ecidemon in der Fachliteratur ==&lt;br /&gt;
In der Fachliteratur wird das Ecidemon als &amp;quot;Wunderthier&amp;quot; [Gerhard 1868: 37] oder drachenähnliche Gestalt [Sussman 1995: xx] beschrieben. Laut  Lewis kann es keinem real existierenden Tier zugeordnet werden.[Lewis 1974: 116] Neuere Fachliteratur führt das Ecidemon unter der Kategorie &#039;&#039;Echidna&#039;&#039; auf und beschreibt diese als &amp;quot;Urschlange, Mischwesen, halb Frau, halb Schlange&amp;quot;. [Kern &amp;amp; Ebenbauer 2003: 235]  Die Identität des Ecidemon ist daher nicht abschliessend geklärt. [[Wolfram von Eschenbach (Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] &amp;quot;reiht es im [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival]] zunächst unter die Giftschlangen, bezeichnet es aber als deren Feind&amp;quot; [Kern &amp;amp; Ebenbauer 2003: 235]. Eine Übereinstimmung mit dem katzenartigen Raubtier [https://de.wikipedia.org/wiki/Ichneumon Ichneumon] ist denkbar, jedoch nicht belegt. In der Literatur des Mittelalters finden sich für das Ichneumon fast keine Belege. [Kern &amp;amp; Ebenbauer 2003: vgl. 235] Eine Verbindung mit der [https://de.wikipedia.org/wiki/Ichneumon_eumerus &#039;&#039;Schlupfwespe Ichneumon eumerus&#039;&#039;] ist ausgeschlossen, da dieser wissenschaftliche Name erst seit 1857 besteht. &amp;lt;br /&amp;gt; &lt;br /&gt;
Das Ecidemon bei Hermann von Sachsenheim (Sp 1125) ebenfalls erwähnt. Dort wird es als &#039;&#039;Salamander&#039;&#039; bezeichnet. Laut Huschenbett ist dies jedoch die Folge einer Verwechslung innerhalb der Handlung. [Huschenbett 2007: vgl. 84] Groos vertritt die These, dass Wolfram aufgrund mangelnder Lateinkenntnisse den Begriff &#039;&#039;aspis ecidemon&#039;&#039; falsch zusammengesetzt oder interpretiert hat, was wiederum zu einer unklaren Abgrenzung zwischen Schlange (Aspisviper) und Ichneumon geführt haben könnte. [Groos 1995: vgl. 44]&amp;lt;ref&amp;gt;Hoffmann geht auf die mögliche Verwechslung und die Giftschlangennamen vertieft ein&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Beschreibung im Parzival ==&lt;br /&gt;
Nachdem der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] in einer [[Das Tjostieren im Parzival|Tjost]] mit einem vergifteten Speer verletzt wird, entfernt ein Arzt die Splitter aus der Wunde (479,5-480, 10). Im Roman wird in den Versen 481,6-18 detailliert beschrieben, mit welchem möglichen Gegenmittel die Medizin auf die Vergiftung reagieren könnte. Dabei wird das Ecidemon als &#039;&#039;böse Schlange&#039;&#039; bezeichnet. Wörtlich heisst es:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:5%&amp;quot; | &lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:40%&amp;quot; | Mittelhochdeutsch&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 481, 6-18&lt;br /&gt;
| gein aspîs, ecidemon&amp;lt;br /&amp;gt; ehcontîus unt lisîs, &amp;lt;br /&amp;gt; jêcîs und mêatrîs&amp;lt;br /&amp;gt; (die argen slangenz eiter heiz tragent), &amp;lt;br /&amp;gt; swaz iemen da für weiz, &amp;lt;br /&amp;gt; unt für ander würm diez eiter tragent, &amp;lt;br /&amp;gt; swaz die wîsen arzt dâ für bejagent&amp;lt;br /&amp;gt; mit fisiken liste an würzen, &amp;lt;br /&amp;gt; (lâ dir die rede kürzen) &amp;lt;br /&amp;gt; der kein gehelfen kunde: &amp;lt;br /&amp;gt; got selbe uns der verbunde.&lt;br /&gt;
| Aspîs, ecidemon, ehcontiûs, lisîs, jêcîs und mêantrîs, das sind böse Schlangen, die haben heisses Gift; jedes Mittel, das man kennt dagegen und gegen andere Würmer, die giftig sin, alles, was gelehrte Ärzte als Medizin dafür aus Kräutern gewinnen wissen mit Klugheit und Chemie - ich kann es dir auch kürzer sagen, also: keins von  alledem hat helfen können, Gott selber will es uns nicht gönnen. das hatte er auch zum Lohn für ruhmreiche  Taten geschenkt bekommen. Dieses Tierlein hat an sich die Kraft, daß alle die giftigen Würmer es nur zu riechen brauchen, und haben dann keinen Tag mehr zu leben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] trägt auf seinem Helm ein totes Ecidemon, welches er geschenkt bekommen hat (736, 9-14). Ein weiterer Grund ist dass es ihm von der Königin Secundille befohlen wurde (768, 24-25). Das Fabeltier spendet ihm Stärke und beschützt ihn im Kampf.&amp;lt;br /&amp;gt; Neben dem Parzival findet das Tier auch in Wolframs Willhelm (369, 26. 444, 8) und im Titurel Erwähnung (2959,3 - 2960, 2).&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| border=&amp;quot;0&amp;quot; &lt;br /&gt;
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! style=&amp;quot;width:35%&amp;quot; | Neuhochdeutsche Übersetzung nach Peter Knecht&lt;br /&gt;
! style=&amp;quot;width:20%&amp;quot; |&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| 736, 9-11&lt;br /&gt;
| er truog ouch durch prîses lôn&amp;lt;br /&amp;gt; ûf dem helme ein ecidemôn: &amp;lt;br /&amp;gt; swelhe würm sint eiterhaft, &amp;lt;br /&amp;gt; von des selben tierlînes kraft&amp;lt;br /&amp;gt; hânt si lebens decheine vrist,&amp;lt;br /&amp;gt; swenn ez von in ersmecket ist.&lt;br /&gt;
| Auf dem Helm trug er ein Ecidemôn, das hatte er auch zum Lohn für ruhmreiche Taten geschenkt bekommen. Dieses Tierlein hat an sich die Kraft, dass alle die giftigen Würmer es nur zu riechen brauchen, und haben dann keinen Tag mehr zu leben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fremdbestimmung durch das Ecidemon ==&lt;br /&gt;
Durch die attribuierte Stärke kommt dem Ecidemon im Parzival eine einzigartige Funktion zu. Es hat übernatürliche Kräfte und erfüllt Aufgaben, die Gott den Menschen nicht zutraut. (461,18) Das Ecidemon ist derart mächtig, dass es die Herrschaft über Personen zu übernehmen scheint und dabei als &#039;&#039;gottähnliche Instanz&#039;&#039; agiert, welche Verantwortung übernimmt und Schutz bietet. Wenn alle Mittel zur Reinigung von Anfortas Wunde versagen, sucht die Medizin im Mittelalter nach übernatürlichen Wesen, wie dem Ecidemon. Der kräftige Ritter Feirefiz trägt auf seinem Helm ein Ecidemon, das ihm Glück bringen soll, obwohl er selbst als stark und  im Kampf mit Parzival als mächtig beschrieben wird (737,19-745,1). Es scheint, als würde ihn das Tier auf dem Helm zu fast übernatürlichen Taten bewegen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
== Textausgabe == &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York, 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Gerhard 1868] Gerhard, Eduard: Gesammelte akademische Abhandlungen und kleine Schriften. Berlin 1868. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Groos 1995] Groos, Arthur: Romancing the Grail: Genre, Science, and Quest in Wolfram&#039;s Parzival. New York 1995. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Hoffmann 1997] Hoffmann, Lothar (Hrsg.): Fachsprachen / Languages for Special Purposes. 1. Halbband. Berlin 1997. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Huschenbett 2007] Huschenbett, Dietrich: Hermann von Sachsenheim: Namen und Begriffe : Kommentar zum Verzeichnis aller Namen und ausgewählter Begriffe im Gesamtwerk. Würzburg 2007. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Kern &amp;amp; Ebenbauer 2003] Kern, Manfred &amp;amp; Ebenbauer, Alfred (Hrsg.): Lexikon der antiken Gestalten in den deutschen Texten des Mittelalters. Berlin 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Lewis 1974] Lewis, Gertrud J.: Das Tier und seine dichterische Funktion in Erec, Iwein, Parzival und Tristan. Bern und Frankfurt/M. 1974.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Sussman 1995] Sussman, Linda: The Speech of the Grail: A Journey Toward Speaking that Heals and Transforms. Hudson 1995. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Tiere]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Entstehungsgeschichte]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23461</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23461"/>
		<updated>2015-07-14T19:56:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
In diesem sprachlichen Bild wird Antikonie, die Frau des Vergulaht mit einer Tiermetapher belegt. Sie wird darin verglichen mit einem Hasen am Drehspieß und mit einer Ameise. Ausgedrückt werden soll, dass sie eine außerordentlich schlanke Taille hat. Der Erzähler wählt hierzu eine Tiermetapher, weil diese in der Regel etwas besonders animalisches und deshalb erotisches transportieren können. Gleichzeitig wird sie aber auch entmenschlicht. &amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23454</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
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		<updated>2015-07-14T19:40:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird. Hinzu kommt, dass &amp;quot;[...] dieser Bilderstil die Hörer und Leser [zwar] beeindruckt hat. Welcher Erkenntnisgewinn aus der verwirrenden Bildersprache gezogen werden konnte, [jedoch] undeutlich.&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Helm und Schild erzählen Gawan was Parzival widerfahren ist. Wolfram lässt bewusst zuerst leblose Objekte sprechen, die als objektiver Erzähler fungieren, bevor er Parzival selbst zu Wort kommen lässt. &lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dies dient weniger der Anschaulichkeit als einem komischen Verfremdungseffekt&amp;quot;[Bumke 2004:223]&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23453</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23453"/>
		<updated>2015-07-14T19:32:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Textbeispiele */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
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das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 3 ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23450</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23450"/>
		<updated>2015-07-14T19:31:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Beispiel 1: */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1 ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2: ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 3: ====&lt;br /&gt;
Hase am Bratspieß 409, 26-410, 4&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23447</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23447"/>
		<updated>2015-07-14T19:30:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe, dem Rezipienten komplexe Zusammenhänge verständlich zu erschließen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein Vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder wohl nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 1: ====&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Metaphern und andere sprachliche Bilder haben eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile des Stilmittels verstehen kann. Kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben dürften. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiter lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt, um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch.&lt;br /&gt;
==== Beispiel 2: ====&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Beispiel 3: ====&lt;br /&gt;
Hase am Bratspieß 409, 26-410, 4&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 409, 25 - 410, 4 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt, ir ougen, unde ir nasen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
baz eschict an spizze hasen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich wæne den gesâht ir nie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dort unde hie,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zwischen der hüffe unde ir brust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
minne gerende gelust.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
kunde ir lîp vil wol gereizen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
irn gesâht nie âmeizen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diu bezzers gelenkes pflac,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dan si was dâ der gürtel lac. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| ihren Mund, die &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Augen, ihre Nase. Kein Hase an seinem &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bratspieß könnte euch eine elegantere&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Figur machen, das glaube jedenfalls ich,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so war sie gebaut da zwischen Brust und&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hüfte. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihr Leib konnte sehr wohl Gelüste nach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihrer Liebe reizen. Keine Ameise könnt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr finden, die eine bessere Taille zu bie-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ten hätte als sie dort, wo ihr Gürtel lag. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23424</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23424"/>
		<updated>2015-07-14T18:59:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival. Dabei untersucht er insbesondere die Metaphorik und greift weiter auffällige Sprache auf. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache verfasst. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und um auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen exemplarischen Beispielen, welche dieses Phänomen beschreiben.&lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner [https://de.wikipedia.org/wiki/Poetik_(Aristoteles) Poetik] auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982: 77] Dies ist eine Eigenschaft, deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. Laut Bumke sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung kompliziert und nicht für jeden zu verstehen sei. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Elsterngleichnis handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe es dem Rezipienten zu erleichtern, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits zuvor erwähnt haben Metaphern und andere sprachliche Bilder eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile dessen verstehen kann. Das heißt, kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen, oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hase am Bratspieß 409, 26-410, 4&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23422</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23422"/>
		<updated>2015-07-14T18:55:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei kritisiert werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Diese ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. Im Roman heißt es dazu:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigur und wird folglich nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch eines ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Diese Angst wird in der folgenden Textstelle im Original  wie folgt beschreiben:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen, ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn sogar torenhafte Kleidung zu tragen, damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, welcher sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich zwar in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, weisen aber auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl diese Gemeinsamkeiten untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in der Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, als Parzival abreist. Vom Erzähler werden alle von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter,. Dies geht über ihren Tod hinaus und begleitet ihn auf seinem Weg. Wenn er nicht weiter weiß, denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte. [Bumke 2004: vgl. 55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Über die Frage, ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt, ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23404</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23404"/>
		<updated>2015-07-14T18:35:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennenlernt. Auch in Chrétien de Troyes Werk gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: vgl.156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander. Beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Erzählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht. [Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;. [Rosskopf 1972: 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter seinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot; [Rosskopf 1972: 161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert daran. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich, die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht sich dadurch eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbrmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites Schicksal bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise =&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23394</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23394"/>
		<updated>2015-07-14T18:25:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennenlernt. Auch in Chrétien de Troyes Werk gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: vgl.156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander. Beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Ezählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht.[Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;.[Rosskopf 1972 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter deinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot;[Rosskopf 1972:161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert deswegen. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht dadurch sich eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbrmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites  Schicksal und bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise =&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur == &lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23390</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23390"/>
		<updated>2015-07-14T18:22:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel soll sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival beschäftigen, insbesondere mit der Metaphorik. Darüber hinausgehend wird auffällige Sprache aufgegriffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen Beispielen die zeigen, was hinter der Fassade steckt. &lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner Poetik auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982:67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982:77] Dies ist eine Eigenschaft deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. So sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot; [Bumke 2004: 223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler also nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung eine sehr komplizierte sei, die nicht für jeden zu verstehen ist. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Elsterngleichnis handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe es dem Rezipienten zu erleichtern, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche.  [Haug 2003: vgl.] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004: 42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004: 204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004: 204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits zuvor erwähnt haben Metaphern und andere sprachliche Bilder eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile dessen verstehen kann. Das heißt, kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen, oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004: 27] Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot; [Bumke 2004: 28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004: 21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt. &amp;quot;Es ist wichtig, daß man alle der genannten Arten passend verwendet [...] es ist aber bei weitem das Wichtigste, daß man Metaphern zu finden weiß. Denn dies ist das Einzige, das man nicht von einem anderen erlernen kann, und ein Zeichen von Begabung.&amp;quot;[Aristoteles 1982:75-76] Wolfram von Eschenbach war beidem mächtig. Dem Verwenden der Metapher und dem Finden. Und das lässt sich nicht nur über die Metaphern im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sagen, sondern über alle sprachlichen Mittel die Wolfram einsetzt um Bilder zu evozieren und Unverständliches verständlicher zu machen oder eben umgekehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturverzeichnis = &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23365</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
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		<updated>2015-07-14T18:03:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel soll sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival beschäftigen, insbesondere mit der Metaphorik. Darüber hinausgehend wird auffällige Sprache aufgegriffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen Beispielen die zeigen, was hinter der Fassade steckt. &lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner Poetik auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982:67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982:77] Dies ist eine Eigenschaft deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. So sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004:223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot;[Bumke 2004:223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler also nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung eine sehr komplizierte sei, die nicht für jeden zu verstehen ist. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Elsterngleichnis handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe es dem Rezipienten zu erleichtern, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche. Vgl. [Haug 2003] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004:42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004:204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004:204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits zuvor erwähnt haben Metaphern und andere sprachliche Bilder eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile dessen verstehen kann. Das heißt, kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin lässt Wolfram von Eschenbach abstrakte Dinge oder Gegenstände lebendig werden. In seinen Bildern personifiziert er sie und lässt sie so zum Rezipienten sprechen. Gegenstände werden als Sprachrohr benutzt um die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen, oder Fernes in die Nähe zu rücken. Ein Beispiel hierfür findet sich gegen Ende der Erzählung im XV. Buch: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 759, 1-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwân zuo Parzivâle sprach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘neve, dîn niwez ungemach&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sagt mir dîn helm und ouch der schilt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
iu ist bêden strîtes mit gespilt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir und dem bruoder dîn:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gein wem erholt ir disen pîn?’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Gâwân sprach zu Parzivâl: »Cousin,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von deinen jüngsten Strapazen erzählt mir&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dein Helm und auch der Schild. Man hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
euch beiden in einem Kampf übel mit-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gespielt, dir und deinem Bruder. Von wem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
habt ihr euch so viel Schlimmes geholt?«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004:27]Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot;[Bumke 2004:28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004:21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt.  &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23329</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23329"/>
		<updated>2015-07-14T17:29:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Gahmuret und Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei berücksichtigt werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Seine Mutter ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz also nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigurund wird folglich wird er nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters, eines Onkels oder eines anderen Mannes. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht diese um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen ergreift sie drastische Maßnamen. Sie zwingt ihn  sogar torenhafte Kleidung zu tragen damit er verspottet würde und verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter und erfährt die notwendige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, der sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, sie weisen auch weitere zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl dieser Parallelen untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in ihrer Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, bei Parzivals Abreise. Vom Erzähler werden all die von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter, selbst als sie schon tot ist, beziehungsweise gerade dann. Wenn er nicht weiter weiß denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte.[Bumke 2004:55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23324</id>
		<title>Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23324"/>
		<updated>2015-07-14T17:28:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen [[Herzeloyde]] und [[Parzival als Held ohne Vater|Parzival]]. Welche Absichten hatte Herzeloyde und aus welchen Gründen? Wie verhält sich Parzival?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mutter-Sohn-Beziehungen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das positive Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival steht in einem gegensätzlichen Verhältnis zu den vielen negativ konnotierten Vater-Sohn-Beziehungen im Roman und speziell zum [[Vater und Sohn im Parzival|inexistenten Verhältnis zwischen Gahmuret und Parzival.]] Wachinger erkennt im lebensbestimmenden Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival einen Prototyp für eine funktionierende Mutter-Sohn-Beziehung.[Wachinger 2000: vgl. 1081] Weiter heißt es: „Auch das Vater-Tochter-Verhältnis ist meistens positiv gestaltet (Gurnemanz-iase, Lippaut-Obilot): Problematisch sind dagegen alle Geschwisterbeziehungen, besonders das Verhältnis von Brüdern (Galoes-Gahmuret, [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival-Feirefiz]]), aber auch das von Schwestern (Obie-Obilot) wie das von Bruder und Schwester (Orilus-Cunneware, Vergulath-Antikonie, Gawan-Itonje).&amp;quot; [Wachinger 2000: 1081]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloyde ==&lt;br /&gt;
Bereits während der Schwangerschaft ist es ihr enorm wichtig, dass das Kind gedeiht, da es Gahmurets Sohn ist: &amp;quot;Sie umfing das Kind und ihren Bauch mit Armen und mit Händen, sie sprach: Die edle Frucht von Gahmuret soll Gott mir schenken, das ist meines Herzens Bitte.&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 110,11 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es keineswegs ihrem gesellschaftlichen Stand entspricht, möchte Herzeloyde ihren Sohn nach der Geburt selbst stillen. Dabei vergleicht sie sich mit der Gottesmutter: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Die höchste Königin selber bot Jesus ihre Brust&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 113,18 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unüblich für die damalige Zeit ist nicht nur, dass sie ihren Sohn selbst stillt, sondern auch, dass sie Parzival um seine ritterliche Erziehung bringt. Denn fern ab vom ritterlichen Leben zieht sie Parzival in der Einsamkeit von Soltane auf.&lt;br /&gt;
Auslöser war der Schmerz, den sie erlebte, als ihr geliebter Mann – [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] – bei einem Kampf ums Leben kam. Sie wollte ihn vom Ritter Dasein fernhalten, damit Parzival nicht das gleiche Schicksal zu Teil wird (117,24 - 117,28):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch  !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `wan friesche das mîns herzen trût,  || &amp;quot;Denn wenn mein liebster Schatz erführe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| welch ritters leben wære, || was es mit dem ritterlichen Leben auf sich hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das wurde mir vil swære.  || so wäre das ein großes Unglück für mich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu habt euch an der witze kraft,  || Drum seid vernünftig &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und helt in alle rîterschaft.´   || und haltet vor ihm alles geheim, was mit Ritterschaft zu tun hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie möchte Parzival jedoch nicht nur aus Wehmut dem Ritterleben vorenthalten, sonder weil sie in einem [[Herzeloydes Traum|prophetischen Traum]] erfahren hat, dass sie selbst im Falle von Parzivals Auszug aus Soltane sterben würde. So wäre der Junge ein Vollweise, der den Rest seines Lebens ohne elterlichen Rat und Beistand bestreiten müsste. &lt;br /&gt;
In ihrem Sohn sieht Herzeloyde nach wie vor Gahmuret, wofür sie ihr königliches Leben ablegt und sich ganz auf das Mutter Dasein konzentriert. „Ihr mütterliches Empfinden äußert sich darin, daß sie Parzival, [...], von Anfang an mit Kosenamen bezeichnet: &lt;br /&gt;
113,4 &amp;gt;&#039;&#039;bon fîz, schwer fîz, bêâ fîz.&#039;&#039;&amp;lt;“[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
Dies sind nicht nur Kosenamen der Mutter für ihren Sohn, sondern sie beschreiben Parzival zugleich als einen schönen und guten Jungen, was in mehreren Situationen bestätigt wird.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Mütterlichkeit wird auch dadurch ausgedrückt, daß das Kind mittels gehäufter Diminutive (&#039;&#039;kindelîn&#039;&#039;, 112,6; &#039;&#039;kindel&#039;&#039; 122,22; &#039;&#039;vlänsel&#039;&#039;, 113,8) hilfsbedürftig erscheint und sich die Mutter ihm zuwendet: Sie liebkost (112,6) und küßt es unzählige Male (113,2).[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Vogelgezwitscher Sehnsüchte in Parzival auslöst, lässt Herzeloyde die Vögel umbringen, weil sie ihren Sohn anscheinend unglücklich machen. Sie tut dies, obwohl sie damit gegen Gottes Gebot verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival beschließt zum [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artushof]] zu reiten, um dort Ritter zu werden, versucht Herzeloyde alles, damit sie ihren Sohn nicht verliert. Als letzten Ausweg wählt sie torenhafte Kleidung für Parzival und ein lahmes Pferd, in der Hoffnung, ihr Sohn würde von allein wieder zurückkommen, wenn er nur erst mal verspottet würde.&lt;br /&gt;
Da sie aber beim Wegreiten Parzivals schon stirbt, verliert diese verzweifelte Tat jeden Sinn. Sollte eine Mutter nicht genug Vertrauen zu ihrem Kind haben und es bei allem nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen? Hätte sie Parzival deshalb nicht die besten Kleider und das beste Pferd geben sollen, die sie hätte auftreiben können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie versucht verzweifelt Parzival an sich zu binden. Er ist ihr einziges Kind und gleichzeitig die Erinnerung an [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret, ihren verstorbenen Ehemann]]. Alle Vorkehrungen, die Herzeloyde getroffen hatte, nützen ihr nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzival ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umsorgt und behütet [Bumke 2004: vgl. S. 55] hat Parzival in Soltane keine andere Bezugsperson, als seine Mutter. Da ist es nur natürlich, dass er eine starke Bindung zur Mutter entwickelt. Parzival nimmt die Lehren seiner Mutter sehr wörtlich und versteht den Sinn dahinter nicht. Dies fällt in verschiedenen Situationen außerhalb von Soltane auf, beispielsweise als er den [[Parzivals Begegnung mit den Rittern (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Rittern im Wald]] begegnet und die Gotteslehre seiner Mutter völlig falsch reflektiert. In den Situationen, in denen Parzival sich falsch verhält wird oft von Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]] gesprochen. Dennoch sucht Parzival wiederholt den Rat seiner Mutter, selbst als diese nicht mehr am Leben ist. Er fragt sich dann was sie ihm wohl geraten hätte und handelt dann nach diesen Überlegungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gemäß der Vorstellung, nach welcher der Mann der &#039;&#039;ratio&#039;&#039;, die Frau der &#039;&#039;sensualitas&#039;&#039; verpflichtet ist, werden die Erziehungsaufgaben verteilt. Die Mutter und ihre Umgebung haben das emotionale Umfeld zu schaffen, väterliche Erzieher übernehmen die körperliche und geistige Ausbildung.&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 243 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt nicht schon als Kind in den Genuss der ritterlichen Ausbildung, bei der er normalerweise von Vater, Onkel oder eines anderen Mannes der Erziehung unterwiesen worden wäre, da seine Mutter dies stets verweigert. Als er den Rittern im Wald begegnet und mit einer anderen Welt konfrontiert wird, brennt er darauf Neues kennenzulernen. Auf seinem Weg begegnet er Gurnemanz. Durch ihn erhält er dann die längst überfällige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widersprüchlich ist, dass er seine Mutter dennoch so schnell verlässt. Die Neugier und der Eindruck, den die Ritter bei ihm hinterlassen haben, sind stärker als das Bitten seiner Mutter. &lt;br /&gt;
Er erfährt erst sehr spät von [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]], dass seine Mutter nicht mehr lebt. Warum hat er sie nie besucht? Auf seiner Reise hingegen erinnert er sich immer wieder an sie und ihre Worte und versucht nach ihren Lehren zu handeln, so gut er es kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzähler ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloyde entschließt ganz bewusst Parzival in der Einsamkeit von Soltane aufzuziehen. Ohne höfisch-ritterliche Erziehung. Dieser Entschluss wird „als ein religiös motiviertes Bekenntnis zur Armut“ [Bumke 2004: S. 55] gewertet. Durch den Verzicht auf Reichtum und „weltlichen Glanz“ erlangt sie „ewige Seligkeit“. [Bumke 2004: S. 55]&lt;br /&gt;
Ihre erfolglosen Versuche Parzival nicht zu verlieren werden durch den Erzähler als Mutterliebe erachtet. [Bumke 2004: vgl. S. 55 f.]&lt;br /&gt;
Herzeloydes scheidet aus der Dichtung durch ihren Tod, als Parzival davonreitet und ihr somit das Herz bricht. Am Ende wird Herzeloyde durch den Erzähler als &amp;quot;Ein wurzel der Güte und ein Stamm der diemüete.&amp;quot; (&amp;quot;Eine Wurzel wahrer Güte und ein Stamm der Demut&amp;quot;) (128,27 f.) beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Herzeloyde und ihrem Sohn wird schon in der Schwangerschaft zu etwas Besonderem. Der Tod Gahmurets - des Kindesvaters - bringt Mutter und Kind näher zusammen. Parzival ist das Einzige was Herzeloyde übrig geblieben ist und sie versucht ihn zu beschützen wie einen Schatz.&lt;br /&gt;
Durch die alleinige Erziehung durch Herzeloyde entsteht eine &amp;quot;intime Zweierbeziehung&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 248] Parzival und ihr. &lt;br /&gt;
Als Leser kann durchaus ein Verständnis für Herzeloyde entwickelt werden. Schließlich will sie ihren Sohn nur schützen und ihn nicht auch verlieren. Dabei vergisst sie, dass Parzival Gahmurets Sohn ist und die Sehnsucht nach &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; ihm quasi im Blut liegt. [Brinker-von der Heyde 1996: vgl. S.248] So bringen ihr all die Versuche Parzival zu halten nichts. Denn am Ende reitet er davon und sie stirbt an einem gebrochenen Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
===Primärtext===&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Zweite Auflage. Berlin, New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärtexte===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart, Weimar 2004.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Brinker-von der Heyde 1996] Brinker-von der Heyde, Claudia: Geliebte Mütter - Mütterliche Geliebte. Rolleninszenierung in höfischen Romanen. Bonn 1996.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen. Hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart 2000.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verwandtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verhältnis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Beziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Herzeloyde]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Mutter]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23317</id>
		<title>Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23317"/>
		<updated>2015-07-14T17:22:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Herzeloyde */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen [[Herzeloyde]] und [[Parzival als Held ohne Vater|Parzival]]. Welche Absichten hatte Herzeloyde und aus welchen Gründen? Wie verhält sich Parzival?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mutter-Sohn-Beziehungen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das positive Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival steht in einem gegensätzlichen Verhältnis zu den vielen negativ konnotierten Vater-Sohn-Beziehungen im Roman und speziell zum [[Vater und Sohn im Parzival|inexistenten Verhältnis zwischen Gahmuret und Parzival.]] Wachinger erkennt im lebensbestimmenden Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival einen Prototyp für eine funktionierende Mutter-Sohn-Beziehung.[Wachinger 2000: vgl. 1081] Weiter heißt es: „Auch das Vater-Tochter-Verhältnis ist meistens positiv gestaltet (Gurnemanz-iase, Lippaut-Obilot): Problematisch sind dagegen alle Geschwisterbeziehungen, besonders das Verhältnis von Brüdern (Galoes-Gahmuret, [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival-Feirefiz]]), aber auch das von Schwestern (Obie-Obilot) wie das von Bruder und Schwester (Orilus-Cunneware, Vergulath-Antikonie, Gawan-Itonje).&amp;quot; [Wachinger 2000: 1081]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloyde ==&lt;br /&gt;
Bereits während der Schwangerschaft ist es ihr enorm wichtig, dass das Kind gedeiht, da es Gahmurets Sohn ist: &amp;quot;Sie umfing das Kind und ihren Bauch mit Armen und mit Händen, sie sprach: Die edle Frucht von Gahmuret soll Gott mir schenken, das ist meines Herzens Bitte.&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 110,11 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es keineswegs ihrem gesellschaftlichen Stand entspricht, möchte Herzeloyde ihren Sohn nach der Geburt selbst stillen. Dabei vergleicht sie sich mit der Gottesmutter: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Die höchste Königin selber bot Jesus ihre Brust&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 113,18 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unüblich für die damalige Zeit ist nicht nur, dass sie ihren Sohn selbst stillt, sondern auch, dass sie Parzival um seine ritterliche Erziehung bringt. Denn fern ab vom ritterlichen Leben zieht sie Parzival in der Einsamkeit von Soltane auf.&lt;br /&gt;
Auslöser war der Schmerz, den sie erlebte, als ihr geliebter Mann – [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] – bei einem Kampf ums Leben kam. Sie wollte ihn vom Ritter Dasein fernhalten, damit Parzival nicht das gleiche Schicksal zu Teil wird (117,24 - 117,28):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch  !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `wan friesche das mîns herzen trût,  || &amp;quot;Denn wenn mein liebster Schatz erführe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| welch ritters leben wære, || was es mit dem ritterlichen Leben auf sich hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das wurde mir vil swære.  || so wäre das ein großes Unglück für mich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu habt euch an der witze kraft,  || Drum seid vernünftig &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und helt in alle rîterschaft.´   || und haltet vor ihm alles geheim, was mit Ritterschaft zu tun hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie möchte Parzival jedoch nicht nur aus Wehmut dem Ritterleben vorenthalten, sonder weil sie in einem [[Herzeloydes Traum|prophetischen Traum]] erfahren hat, dass sie selbst im Falle von Parzivals Auszug aus Soltane sterben würde. So wäre der Junge ein Vollweise, der den Rest seines Lebens ohne elterlichen Rat und Beistand bestreiten müsste. &lt;br /&gt;
In ihrem Sohn sieht Herzeloyde nach wie vor Gahmuret, wofür sie ihr königliches Leben ablegt und sich ganz auf das Mutter Dasein konzentriert. „Ihr mütterliches Empfinden äußert sich darin, daß sie Parzival, [...], von Anfang an mit Kosenamen bezeichnet: &lt;br /&gt;
113,4 &amp;gt;&#039;&#039;bon fîz, schwer fîz, bêâ fîz.&#039;&#039;&amp;lt;“[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
Dies sind nicht nur Kosenamen der Mutter für ihren Sohn, sondern sie beschreiben Parzival zugleich als einen schönen und guten Jungen, was in mehreren Situationen bestätigt wird.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Mütterlichkeit wird auch dadurch ausgedrückt, daß das Kind mittels gehäufter Diminutive (&#039;&#039;kindelîn&#039;&#039;, 112,6; &#039;&#039;kindel&#039;&#039; 122,22; &#039;&#039;vlänsel&#039;&#039;, 113,8) hilfsbedürftig erscheint und sich die Mutter ihm zuwendet: Sie liebkost (112,6) und küßt es unzählige Male (113,2).[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Vogelgezwitscher Sehnsüchte in Parzival auslöst, lässt Herzeloyde die Vögel umbringen, weil sie ihren Sohn anscheinend unglücklich machen. Sie tut dies, obwohl sie damit gegen Gottes Gebot verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival beschließt zum [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artushof]] zu reiten, um dort Ritter zu werden, versucht Herzeloyde alles, damit sie ihren Sohn nicht verliert. Als letzten Ausweg wählt sie torenhafte Kleidung für Parzival und ein lahmes Pferd, in der Hoffnung, ihr Sohn würde von allein wieder zurückkommen, wenn er nur erst mal verspottet würde.&lt;br /&gt;
Da sie aber beim Wegreiten Parzivals schon stirbt, verliert diese verzweifelte Tat jeden Sinn. Sollte eine Mutter nicht genug Vertrauen zu ihrem Kind haben und es bei allem nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen? Hätte sie Parzival deshalb nicht die besten Kleider und das beste Pferd geben sollen, die sie hätte auftreiben können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie versucht verzweifelt Parzival an sich zu binden. Er ist ihr einziges Kind und gleichzeitig die Erinnerung an [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret, ihren verstorbenen Ehemann]]. Alle Vorkehrungen, die Herzeloyde getroffen hatte, nützen ihr nichts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzival ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umsorgt und behütet [Bumke 2004: vgl. S. 55] hat Parzival in Soltane keine andere Bezugsperson, als seine Mutter. Da ist es nur natürlich, dass er eine starke Bindung zur Mutter entwickelt. Parzival nimmt die Lehren seiner Mutter sehr wörtlich und versteht den Sinn dahinter nicht. Dies fällt in verschiedenen Situationen außerhalb Soltane auf. Zum Beispiel als er den [[Parzivals Begegnung mit den Rittern (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Rittern im Wald]] begegnet und die Gotteslehre seiner Mutter völlig falsch reflektiert. In den Situationen, in denen Parzival sich falsch verhält wir oft von Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]] gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gemäß der Vorstellung, nach welcher der Mann der &#039;&#039;ratio&#039;&#039;, die Frau der &#039;&#039;sensualitas&#039;&#039; verpflichtet ist, werden die Erziehungsaufgaben verteilt. Die Mutter und ihre Umgebung haben das emotionale Umfeld zu schaffen, väterliche Erzieher übernehmen die körperliche und geistige Ausbildung.&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 243 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt nicht schon als Kind in den Genuss der ritterlichen Ausbildung, bei der er normalerweise von Vater, Onkel oder eines anderen Mannes der Erziehung unterwiesen worden wäre, da seine Mutter dies stets verweigert. Als er den Rittern im Wald begegnet und mit einer anderen Welt konfrontiert wird, brennt er darauf Neues kennenzulernen. Auf seinem Weg begegnet er Gurnemanz. Durch ihn erhält er dann die längst überfällige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widersprüchlich ist, dass er seine Mutter dennoch so schnell verlässt. Die Neugier und der Eindruck, den die Ritter bei ihm hinterlassen haben, sind stärker als das Bitten seiner Mutter. &lt;br /&gt;
Er erfährt erst sehr spät von [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]], dass seine Mutter nicht mehr lebt. Warum hat er sie nie besucht? Auf seiner Reise hingegen erinnert er sich immer wieder an sie und ihre Worte und versucht nach ihren Lehren zu handeln, so gut er es kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzähler ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloyde entschließt ganz bewusst Parzival in der Einsamkeit von Soltane aufzuziehen. Ohne höfisch-ritterliche Erziehung. Dieser Entschluss wird „als ein religiös motiviertes Bekenntnis zur Armut“ [Bumke 2004: S. 55] gewertet. Durch den Verzicht auf Reichtum und „weltlichen Glanz“ erlangt sie „ewige Seligkeit“. [Bumke 2004: S. 55]&lt;br /&gt;
Ihre erfolglosen Versuche Parzival nicht zu verlieren werden durch den Erzähler als Mutterliebe erachtet. [Bumke 2004: vgl. S. 55 f.]&lt;br /&gt;
Herzeloydes scheidet aus der Dichtung durch ihren Tod, als Parzival davonreitet und ihr somit das Herz bricht. Am Ende wird Herzeloyde durch den Erzähler als &amp;quot;Ein wurzel der Güte und ein Stamm der diemüete.&amp;quot; (&amp;quot;Eine Wurzel wahrer Güte und ein Stamm der Demut&amp;quot;) (128,27 f.) beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Herzeloyde und ihrem Sohn wird schon in der Schwangerschaft zu etwas Besonderem. Der Tod Gahmurets - des Kindesvaters - bringt Mutter und Kind näher zusammen. Parzival ist das Einzige was Herzeloyde übrig geblieben ist und sie versucht ihn zu beschützen wie einen Schatz.&lt;br /&gt;
Durch die alleinige Erziehung durch Herzeloyde entsteht eine &amp;quot;intime Zweierbeziehung&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 248] Parzival und ihr. &lt;br /&gt;
Als Leser kann durchaus ein Verständnis für Herzeloyde entwickelt werden. Schließlich will sie ihren Sohn nur schützen und ihn nicht auch verlieren. Dabei vergisst sie, dass Parzival Gahmurets Sohn ist und die Sehnsucht nach &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; ihm quasi im Blut liegt. [Brinker-von der Heyde 1996: vgl. S.248] So bringen ihr all die Versuche Parzival zu halten nichts. Denn am Ende reitet er davon und sie stirbt an einem gebrochenen Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
===Primärtext===&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Zweite Auflage. Berlin, New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärtexte===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart, Weimar 2004.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Brinker-von der Heyde 1996] Brinker-von der Heyde, Claudia: Geliebte Mütter - Mütterliche Geliebte. Rolleninszenierung in höfischen Romanen. Bonn 1996.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen. Hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart 2000.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verwandtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verhältnis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Beziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Herzeloyde]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Mutter]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23314</id>
		<title>Mutter-Sohn-Beziehung (Herzeloyde-Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)&amp;diff=23314"/>
		<updated>2015-07-14T17:19:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Beziehung zwischen [[Herzeloyde]] und [[Parzival als Held ohne Vater|Parzival]]. Welche Absichten hatte Herzeloyde und aus welchen Gründen? Wie verhält sich Parzival?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Mutter-Sohn-Beziehungen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Das positive Mutter-Tochter-Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival steht in einem gegensätzlichen Verhältnis zu den vielen negativ konnotierten Vater-Sohn-Beziehungen im Roman und speziell zum [[Vater und Sohn im Parzival|inexistenten Verhältnis zwischen Gahmuret und Parzival.]] Wachinger erkennt im lebensbestimmenden Verhältnis zwischen Herzeloyde und Parzival einen Prototyp für eine funktionierende Mutter-Sohn-Beziehung.[Wachinger 2000: vgl. 1081] Weiter heißt es: „Auch das Vater-Tochter-Verhältnis ist meistens positiv gestaltet (Gurnemanz-iase, Lippaut-Obilot): Problematisch sind dagegen alle Geschwisterbeziehungen, besonders das Verhältnis von Brüdern (Galoes-Gahmuret, [[Parzival und Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival-Feirefiz]]), aber auch das von Schwestern (Obie-Obilot) wie das von Bruder und Schwester (Orilus-Cunneware, Vergulath-Antikonie, Gawan-Itonje).&amp;quot; [Wachinger 2000: 1081]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloyde ==&lt;br /&gt;
Bereits während der Schwangerschaft ist es ihr enorm wichtig, dass das Kind gedeiht, da es Gahmurets Sohn ist: &amp;quot;Sie umfing das Kind und ihren Bauch mit Armen und mit Händen, sie sprach: Die edle Frucht von Gahmuret soll Gott mir schenken, das ist meines Herzens Bitte.&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 110,11 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl es keineswegs ihrem gesellschaftlichen Stand entspricht, möchte Herzeloyde ihren Sohn nach der Geburt selbst stillen. Dabei vergleicht sie sich mit der Gottesmutter: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Die höchste Königin selber bot Jesus ihre Brust&amp;quot; [Wolfram von Eschenbach 2003: 113,18 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unüblich für die damalige Zeit ist nicht nur, dass sie ihren Sohn selbst stillt, sondern auch, dass sie Parzival um seine ritterliche Erziehung bringt. Denn fern ab vom ritterlichen Leben zieht sie Parzival in der Einsamkeit von Soltane auf.&lt;br /&gt;
Auslöser war der Schmerz, den sie erlebte, als ihr geliebter Mann – [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]] – bei einem Kampf ums Leben kam. Sie wollte ihn vom Ritter Dasein fernhalten, damit Parzival nicht das gleiche Schicksal zu Teil wird (117,24 - 117,28):&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch  !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `wan friesche das mîns herzen trût,  || &amp;quot;Denn wenn mein liebster Schatz erführe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| welch ritters leben wære, || was es mit dem ritterlichen Leben auf sich hat,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| das wurde mir vil swære.  || so wäre das ein großes Unglück für mich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu habt euch an der witze kraft,  || Drum seid vernünftig &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und helt in alle rîterschaft.´   || und haltet vor ihm alles geheim, was mit Ritterschaft zu tun hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie möchte Parzival jedoch nicht nur aus Wehmut dem Ritterleben vorenthalten, sonder weil sie in einem [[Herzeloydes Traum|prophetischen Traum]] erfahren hat, dass sie selbst im Falle von Parzivals Auszug aus Soltane sterben würde. So wäre der Junge ein Vollweise, der den Rest seines Lebens ohne elterlichen Rat und Beistand bestreiten müsste. &lt;br /&gt;
In ihrem Sohn sieht Herzeloyde nach wie vor Gahmuret, wofür sie ihr königliches Leben ablegt und sich ganz auf das Mutter Dasein konzentriert. „Ihr mütterliches Empfinden äußert sich darin, daß sie Parzival, [...], von Anfang an mit Kosenamen bezeichnet: &lt;br /&gt;
113,4 &amp;gt;&#039;&#039;bon fîz, schwer fîz, bêâ fîz.&#039;&#039;&amp;lt;“[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
Dies sind nicht nur Kosenamen der Mutter für ihren Sohn, sondern sie beschreiben Parzival zugleich als einen schönen und guten Jungen, was in mehreren Situationen bestätigt wird.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Mütterlichkeit wird auch dadurch ausgedrückt, daß das Kind mittels gehäufter Diminutive (&#039;&#039;kindelîn&#039;&#039;, 112,6; &#039;&#039;kindel&#039;&#039; 122,22; &#039;&#039;vlänsel&#039;&#039;, 113,8) hilfsbedürftig erscheint und sich die Mutter ihm zuwendet: Sie liebkost (112,6) und küßt es unzählige Male (113,2).[Russ 2000: S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als das Vogelgezwitscher Sehnsüchte in Parzival auslöst, lässt Herzeloyde die Vögel umbringen, weil sie ihren Sohn anscheinend unglücklich machen. Obwohl sie gegen Gottes Gebot verstößt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Parzival beschließt zum [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Artushof]] zu reiten, um dort Ritter zu werden, versucht Herzeloyde alles, damit sie ihren Sohn nicht verliert. Als letzten Ausweg wählt sie torenhafte Kleidung für Parzival und ein lahmes Pferd, in der Hoffnung, ihr Sohn würde von allein wieder zurückkommen, wenn er nur erst mal verspottet würde.&lt;br /&gt;
Da sie aber beim Wegreiten Parzivals schon stirbt, verliert diese verzweifelte Tat jeden Sinn. Sollte eine Mutter nicht genug Vertrauen zu ihrem Kind haben und es bei allem nach bestem Wissen und Gewissen unterstützen? Hätte sie Parzival deshalb nicht die besten Kleider und das beste Pferd geben sollen, die sie hätte auftreiben können?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sie versucht verzweifelt Parzival an sich zu binden. Er ist ihr einziges Kind und gleichzeitig die Erinnerung an [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret, ihren verstorbenen Ehemann]]. Alle Vorkehrungen, die Herzeloyde getroffen hatte, nützen ihr nichts. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzival ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Umsorgt und behütet [Bumke 2004: vgl. S. 55] hat Parzival in Soltane keine andere Bezugsperson, als seine Mutter. Da ist es nur natürlich, dass er eine starke Bindung zur Mutter entwickelt. Parzival nimmt die Lehren seiner Mutter sehr wörtlich und versteht den Sinn dahinter nicht. Dies fällt in verschiedenen Situationen außerhalb Soltane auf. Zum Beispiel als er den [[Parzivals Begegnung mit den Rittern (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Rittern im Wald]] begegnet und die Gotteslehre seiner Mutter völlig falsch reflektiert. In den Situationen, in denen Parzival sich falsch verhält wir oft von Parzivals [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]] gesprochen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Gemäß der Vorstellung, nach welcher der Mann der &#039;&#039;ratio&#039;&#039;, die Frau der &#039;&#039;sensualitas&#039;&#039; verpflichtet ist, werden die Erziehungsaufgaben verteilt. Die Mutter und ihre Umgebung haben das emotionale Umfeld zu schaffen, väterliche Erzieher übernehmen die körperliche und geistige Ausbildung.&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 243 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival kommt nicht schon als Kind in den Genuss der ritterlichen Ausbildung, bei der er normalerweise von Vater, Onkel oder eines anderen Mannes der Erziehung unterwiesen worden wäre, da seine Mutter dies stets verweigert. Als er den Rittern im Wald begegnet und mit einer anderen Welt konfrontiert wird, brennt er darauf Neues kennenzulernen. Auf seinem Weg begegnet er Gurnemanz. Durch ihn erhält er dann die längst überfällige Erziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Widersprüchlich ist, dass er seine Mutter dennoch so schnell verlässt. Die Neugier und der Eindruck, den die Ritter bei ihm hinterlassen haben, sind stärker als das Bitten seiner Mutter. &lt;br /&gt;
Er erfährt erst sehr spät von [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]], dass seine Mutter nicht mehr lebt. Warum hat er sie nie besucht? Auf seiner Reise hingegen erinnert er sich immer wieder an sie und ihre Worte und versucht nach ihren Lehren zu handeln, so gut er es kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Erzähler ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloyde entschließt ganz bewusst Parzival in der Einsamkeit von Soltane aufzuziehen. Ohne höfisch-ritterliche Erziehung. Dieser Entschluss wird „als ein religiös motiviertes Bekenntnis zur Armut“ [Bumke 2004: S. 55] gewertet. Durch den Verzicht auf Reichtum und „weltlichen Glanz“ erlangt sie „ewige Seligkeit“. [Bumke 2004: S. 55]&lt;br /&gt;
Ihre erfolglosen Versuche Parzival nicht zu verlieren werden durch den Erzähler als Mutterliebe erachtet. [Bumke 2004: vgl. S. 55 f.]&lt;br /&gt;
Herzeloydes scheidet aus der Dichtung durch ihren Tod, als Parzival davonreitet und ihr somit das Herz bricht. Am Ende wird Herzeloyde durch den Erzähler als &amp;quot;Ein wurzel der Güte und ein Stamm der diemüete.&amp;quot; (&amp;quot;Eine Wurzel wahrer Güte und ein Stamm der Demut&amp;quot;) (128,27 f.) beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Beziehung zwischen Herzeloyde und ihrem Sohn wird schon in der Schwangerschaft zu etwas Besonderem. Der Tod Gahmurets - des Kindesvaters - bringt Mutter und Kind näher zusammen. Parzival ist das Einzige was Herzeloyde übrig geblieben ist und sie versucht ihn zu beschützen wie einen Schatz.&lt;br /&gt;
Durch die alleinige Erziehung durch Herzeloyde entsteht eine &amp;quot;intime Zweierbeziehung&amp;quot; [Brinker-von der Heyde 1996: S. 248] Parzival und ihr. &lt;br /&gt;
Als Leser kann durchaus ein Verständnis für Herzeloyde entwickelt werden. Schließlich will sie ihren Sohn nur schützen und ihn nicht auch verlieren. Dabei vergisst sie, dass Parzival Gahmurets Sohn ist und die Sehnsucht nach &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; ihm quasi im Blut liegt. [Brinker-von der Heyde 1996: vgl. S.248] So bringen ihr all die Versuche Parzival zu halten nichts. Denn am Ende reitet er davon und sie stirbt an einem gebrochenen Herzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
===Primärtext===&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Zweite Auflage. Berlin, New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sekundärtexte===&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart, Weimar 2004.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Brinker-von der Heyde 1996] Brinker-von der Heyde, Claudia: Geliebte Mütter - Mütterliche Geliebte. Rolleninszenierung in höfischen Romanen. Bonn 1996.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen. Hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart 2000.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verwandtschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Verhältnis]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Beziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Herzeloyde]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Mutter]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23297</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23297"/>
		<updated>2015-07-14T16:46:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Der Rote Ritter Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennen lernen. Auch in Chrétien de Troyes Werk gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: 156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (Vgl. 203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander, beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (vgl. 156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Ezählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht.[Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;.[Rosskopf 1972 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter deinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot;[Rosskopf 1972:161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert deswegen. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht dadurch sich eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbrmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites  Schicksal und bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23295</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23295"/>
		<updated>2015-07-14T16:43:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennen lernen. Auch in Chrétien de Troyes Werk gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: 156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (Vgl. 203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander, beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (vgl. 156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
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| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
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den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
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Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
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daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
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sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
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al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
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rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
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sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
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al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
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und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
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rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
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nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
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|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
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den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
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Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
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dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
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Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
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Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
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Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
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schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
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Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
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hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
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wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
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gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
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=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Ezählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht.[Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;.[Rosskopf 1972 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
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! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter deinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot;[Rosskopf 1972:161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert deswegen. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht dadurch sich eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbrmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
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riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites  Schicksal und bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23293</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23293"/>
		<updated>2015-07-14T16:42:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Der Rote Ritter Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennen lernen. Auch in Chrétien de Troyes Werk gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: 156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (Vgl. 203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander, beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (vgl. 156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Ezählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht.[Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen was dieser zu tun bereit ist denn &amp;quot;[...] es geht also [...] nur um den Kopf des Ithers. Daß dies das eigentliche Motiv des Königs und seiner Ritter ist, zeigt auch die Reaktion Ithers auf Artus‘ Entscheidung [...]&amp;quot;.[Rosskopf 1972 162]&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 154, 11-16 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  der künec von Kukûmerlant &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sprach ‘hât Artûses hant&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dir mîn harnasch gegebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dêswâr daz tæter ouch mîn lebn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
möhtestu mirz an gewinnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sus kan er friwende minnen.’&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der König von Kukûmerlant sprach: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
»Wenn die Hand des Artûs dir meine Rü-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stung gegeben hat, so würde er dir gewiß &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
auch gern mein Leben schenken. Sie zu,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ob du es von mir kriegen kannst.«&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
 Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter deinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot;[Rosskopf 1972:161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert deswegen. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht dadurch sich eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbrmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe und dem Besitz der roten Rüstung. Parzivals prophezeites  Schicksal und bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23278</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23278"/>
		<updated>2015-07-14T16:26:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: /* Auswirkungen auf Parzival */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei berücksichtigt werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Seine Mutter ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz also nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigurund wird folglich wird er nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht sie um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen ergreift sie drastische Maßnamen. Sie verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, der sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, sie weisen auch weitere zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl dieser Parallelen untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in ihrer Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, bei Parzivals Abreise. Vom Erzähler werden all die von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter, selbst als sie schon tot ist, beziehungsweise gerade dann. Wenn er nicht weiter weiß denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte.[Bumke 2004:55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Parzival seine neue Rolle als [[Der Rote Ritter|Roter Ritter]] antritt ist er sehr unerfahren. Er schafft es nicht einmal, sich alleine die Rüstung anzuziehen obwohl er so hart um diesen Moment gekämpft hatte. Hätte er einen Vater an seiner Seite gehabt um ihn in den wichtigsten Grundlagen des Rittertums zu unterrichten, wäre er nicht auf einen Knappen angewiesen gewesen. &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23274</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
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		<updated>2015-07-14T16:16:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel soll sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival beschäftigen, insbesondere mit der Metaphorik. Darüber hinausgehend wird auffällige Sprache aufgegriffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen Beispielen die zeigen, was hinter der Fassade steckt. &lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner Poetik auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982:67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982:77] Dies ist eine Eigenschaft deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. So sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004:223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot;[Bumke 2004:223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler also nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung eine sehr komplizierte sei, die nicht für jeden zu verstehen ist. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Elsterngleichnis handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe es dem Rezipienten zu erleichtern, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche. Vgl. [Haug 2003] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004:42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004:204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004:204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits zuvor erwähnt haben Metaphern und andere sprachliche Bilder eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile dessen verstehen kann. Das heißt, kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004:27]Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot;[Bumke 2004:28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004:21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Zusammenfassend und abschließend kann man sagen, dass der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine Erzählung ist die reich an Schmuckwörtern, Bildern und anderen Stilmitteln ist. Diese rufen nicht immer positive Assoziationen beim Rezipienten hervor sondern haben manchmal sogar einen gegenteiligen Effekt. Die [[Dunkle Rede im Parzival|Dunkle Rede]] ist charakteristisch für den &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Wolfram bedient sich einer Vielzahl an sprachlichen Bildern und Metaphern, eines der wichtigsten für das Verständnis des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|das Elsterngleichnis]]. Wolfram von Eschenbach nutzt diese Metapher um den &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; klarzumachen, dass dies vielleicht keine Erzählung für sie ist. Eine Metapher kann also sowohl inkludieren indem sie vereinfacht und veranschaulicht, als auch exkludieren indem sie Einblick verwehrt. Diese Verwendung des Stilmittels unterscheidet Wolfram von anderen Autoren seiner Zeit.   &lt;br /&gt;
Allgemein gesprochen ist die Sprache, die Wolfram seinem Erzähler in den Mund legt, eine sehr besondere. Auf dem französischen Vorbild basierend, ist der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; voll von Wortneuschöpfungen und die Syntax entspricht nicht der die man aus vergleichbaren Werken dieser Zeit kennt.  &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23250</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=23250"/>
		<updated>2015-07-14T15:33:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater-Sohn-Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel untersucht die komplexen Vater-Sohn-Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Schwerpunkt liegt dabei auf der Vater-Sohn-Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gahmuret]], wobei berücksichtigt werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater-Sohn-Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Wachinger stellt das negative Vater-Sohn-Verhältnis im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dem positiven Mutter-Sohn-Verhältnis gegenüber und zeigt grundlegende Gegensätze auf. [Wachinger 2000: vgl. 1081] Für die negative Vater-Sohn-Bindung nennt er Gahmuret und Feirefiz (belastete Beziehung) und Artus und Gurnemanz (Söhne früh verloren) sowie Parzival, welcher ganz ohne Vater aufwächst. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel betrachtet auch die Beziehung zwischen Parzvials älterem Halbbruder Feirefiz (weiterer Sohn Gahmurets) und dem gemeinsamen Vater.&lt;br /&gt;
Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Des Weiteren soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals älterer Halbbruder ist. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Er wird geboren, als Gahmuret Belakane schon verlassen hat. Seine Mutter ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihren gemeinsamen Sohn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn     &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt wie bereits erwähnt nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seinen Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Seinen Vater lernt Feirefiz also nie kennen und lebt somit ein Leben ohne Vaterfigurund wird folglich wird er nur von seiner Mutter Belakane erzogen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ebenfalls ohne seinen Vater auf. Gahmuret kann an Parzivals Leben und seiner Erziehung nicht teilnehmen, da er vor seiner Geburt im Kampf getötet wurde. Da Parzivals Mutter [[Herzeloyde]] den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann, überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Ihre Angst um ihn ist derart groß, dass sie alles daran setzt dass er kein Ritter wird, wie es bereits sein Vater war. Ihre Sorge ist die einer liebenden Mutter, allerdings ist ihre Angst ebenfalls von ihrem Wissen um ihren eigenen Tod im Falle der Abreise Parzivals bestimmt. Sie weiß also die ganze Zeit, dass Parzival nicht nur ein Leben ohne Vater würde führen müssen, sondern auch, im Falle ihres Versagens (Parzivals Abreise), auch ohne Mutter.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit dieser Thematik: [[Herzeloydes Traum]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen, die ihm vorenthält, dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters. Durch die Abwesenheit der Vaterfigur für Parzival und des Ehemannes für Herzeloyde versucht sie um jeden Preis zu vermeiden, dass Parzival dasselbe Schicksal ereilt wie schon zuvor seinen Vater. Herzeloyde möchte ihren Sohn vor dem ritterlichen und höfischen Einfluss schützen. Um ihr Vorhaben umzusetzen ergreift sie drastische Maßnamen. Sie verbietet jegliche Rede über [[das Rittertum]] und Parzivals eigentliche Bestimmung: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern allerdings. Das Ritter-Sein scheint für ihren Sohn vorbestimmt, denn Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den unmittelbaren Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, der sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dem Heiligen Gral]]. Die Brüder unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, sie weisen auch weitere zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl dieser Parallelen untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival &lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. Laut Bumke begeht Herzeloyde jeden möglichen Fehler in ihrer Erziehung von Parzival. Sie versucht ihn zu beschützen, scheitert und stirbt letztendlich sogar, wie von ihr selbst in ihrem Traum vorhergesehen, bei Parzivals Abreise. Vom Erzähler werden all die von Herzeloyde unternommenen Maßnamen als Ausdruck mütterlicher Liebe gewertet. Parzival selbst steht unter einem enormen Einfluss seiner Mutter, selbst als sie schon tot ist, beziehungsweise gerade dann. Wenn er nicht weiter weiß denkt er zurück an seine Mutter und fragt sich, was sie ihm zu tun geraten hätte.[Bumke 2004:55-56] Obwohl er in Gedanken seine Mutter konsultiert, ist er ein junger Mann der versucht seine Entscheidungen reflektiert und überlegt zu treffen. Seine Vaterlosigkeit hat ihm also in diesem Punkt nicht geschadet. Von seiner Mutter hat Parzival gelernt, sensibel zu sein. Dies ist eine Eigenschaft, die ihm häufig von Vorteil ist. Ob eine Erziehung mit Vaterfigur etwas an dieser Sensibilität und dem Willen zu reflektieren geändert hätte, kann nur spekuliert werden.&amp;lt;ref&amp;gt;Für weitere Informationen zu diesem Thema siehe auch: [[Parzival als Held ohne Vater]]&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
*Unsicherheiten in seiner Position als Ritter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweise = &lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Schmid 1993] Schmid, Elisabeth. Parzival. In: Interpretationen: Mittelhochdeutsche Romane Und Heldenepen. Brunner, Horst, ed. Stuttgart: Reclam, 1993. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Wachinger 2000] Wachinger, Burghart. Deutschsprachige Literatur des Mittelalters: Studienauswahl aus dem &#039;Verfasserlexikon&#039;. Berlin 2000. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Feirefiz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Verwandtschaftsbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23245</id>
		<title>Metaphorik als Stilmittel</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Metaphorik_als_Stilmittel&amp;diff=23245"/>
		<updated>2015-07-14T15:25:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel soll sich mit den verschiedenen Stilmitteln in Wolframs Parzival beschäftigen, insbesondere mit der Metaphorik. Darüber hinausgehend wird auffällige Sprache aufgegriffen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeines ==&lt;br /&gt;
Das wohl wichtigste Werk Wolfram von Eschenbachs, &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben. Dem zeitgenössischen Leser ist der Primärtext also nicht direkt zugänglich, weshalb viele sprachliche Besonderheiten, die uns im Neuhochdeutschen auf den ersten Blick auffallen würden, verborgen bleiben. Um diesem Problem entgegen zu wirken und auf die sprachliche Vielfalt des mittelhochdeutschen Primärtextes hinzuweisen, beschäftigt sich dieser Artikel mit verschiedenen Beispielen die zeigen, was hinter der Fassade steckt. &lt;br /&gt;
Schon Aristoteles geht in seiner Poetik auf Metaphern als wichtiges Stilmittel ein. So ist nach Aristoteles eine Metapher &amp;quot;die Übertragung eines Wortes (das somit in uneigentlicher Bedeutung verwendet wird), und zwar entweder von der Gattung auf die Art oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere, oder nach den Regeln der Analogie.&amp;quot; [Aristoteles 1982:67] Die Metapher ist eines der am häufigsten benutzten Stilmittel, sowohl in der mittelhochdeutschen Literatur, als auch in der neuhochdeutschen Literatur. Sie bezeichnet immer eine Ähnlichkeit die es dem Rezipienten erleichtert, das vor ihm Stehende besser zu verstehen. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Denn gute Metaphern zu bilden bedeutet, dass man Ähnlichkeiten zu erkennen vermag.&amp;quot; [Aristoteles 1982:77] Dies ist eine Eigenschaft deren Wolfram von Eschenbach mächtig war. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden häufig komplexe Zusammenhänge in Form von Metaphern oder Gleichnissen erklärt und dargestellt, wie sich im Folgenden zeigen wird. So sollen sprachliche Bilder die Funktion haben &amp;quot;Lebendigkeit und Anschaulichkeit zu erzeugen.&amp;quot; [Bumke 2004:223] Sind Metaphern gewöhnlich positive Bilder, so nutzt der Erzähler im Parzival dunkle Bilder, die &amp;quot;[...] mitunter ins Fratzenhafte verzerrt [sind].&amp;quot;[Bumke 2004:223] Dieses Stilmittel dient dem Erzähler also nicht ausschließlich als Mittel um Dinge zu vereinfachen, er nutzt sie indes ebenfalls um zu verhindern, dass die Geschichte Parzivals jedem zugänglich ist. So sagt er deutlich, dass die Erzählung eine sehr komplizierte sei, die nicht für jeden zu verstehen ist. Er schließt damit die &#039;&#039;tumben liuten&#039;&#039; aus (1, 16).&amp;lt;ref&amp;gt;Um der Korrektheit Willen muss gesagt sein, dass es sich im Folgenden nicht bei allen Textbeispielen um Metaphern handelt. Einige sind unter der Kategorie Allegorie zu verorten. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textbeispiele ==&lt;br /&gt;
==== Das Elsterngleichnis ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beim Elsterngleichnis handelt es sich um die einleitenden Worte des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, also den Prolog, der sich in drei Abschnitte einteilen lässt. Dieses Textbeispiel befasst sich mit dem ersten dieser drei Abschnitte.&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich im Detail, auch inhaltlich mit diesem Gleichnis: [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 1, 1-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Ist  zwîvel herzen nâchgebûr,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz muoz der sêle werden sûr.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gesmæhet unde gezieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ist, swâ sich parrieret&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unverzaget mannes muot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als agelstern varwe tuot.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mac dennoch wesen geil:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wand an im sint beidiu teil,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des himels and der helle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der unstæte geselle&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hât die swarzen varwe gar.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wirt och nâch der vinster var:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sô habet sich an die blanken&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der mit stæten gedanken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| &lt;br /&gt;
Wenn Zweifel nah beim Herzen wohnt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das muss der Seele sauer werden. Schande&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Schmuck sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
stert gehen will wie die Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dem, der kann doch noch glücklich sein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
denn an ihm ist etwas von beiden: vom&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Himmel und von der Hölle. Wer sich mit &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der Treulosigkeit zusammentut, der hat&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die schwarze Farbe ganz und muss auch&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nach der Finsternis geraten. Und so hält&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der, der fest steht und treu, es mit den &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weißen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Normalerweise haben Gleichnisse und Metaphern die Aufgabe es dem Rezipienten zu erleichtern, komplexe Zusammenhänge besser zu verstehen. Im Elsterngleichnis ist dies allerdings nicht der Fall. Hier wird Offensichtliches mehr verschlüsselt als erklärt. Dies führt häufig zu Problemen bei der Übersetzung des mittelhochdeutschen Textes ins Neuhochdeutsche. Vgl. [Haug 2003] &lt;br /&gt;
Metaphern weisen auf Ähnlichkeiten hin und zeigen somit auch Unterschiede auf. Hierzu werden Bilder benutzt, die der eigentlich zu beschreibenden Tatsache sehr nahe kommen. Im Neuhochdeutschen ist es schwierig, beispielsweise für Nicht-Muttersprachler, eine solche Metapher, ein solches sprachliches Bild zu verstehen. Ähnlich verhält es sich auch mit dem Mittelhochdeutschen. Als neuhochdeutscher Rezipient versteht man zwar die einzelnen Worte, die Bedeutung der Metapher zu erkennen ist jedoch um ein vielfaches schwieriger. &lt;br /&gt;
Nach Bumke tritt das erste Problem beim Verständnis des Elsterngleichnisses und der Metapher bereits in der Fragestellung auf, ob es auf alle Personen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bezogen werden muss oder nicht. So könnte die Elsternmetaphorik sowohl von Feirefiz, dem tatsächlich elsternfarbenen, sprechen, oder von Parzival, dessen Inneres gescheckt ist.[Bumke 2004:42] Je nachdem welcher Annahme man folgt, könnte sich &#039;&#039;parrieren&#039;&#039; sowohl auf Feirefiz, den Gescheckten, als auch auf alle Personen der Erzählung beziehen. [Bumke 2004:204] Weiterhin wirft nach Bumke die semantische Vielschichtigkeit des Wortes &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; (1,1) Probleme in der Interpretation und dem Verständnis auf. [Bumke 2004:204] Mit diesem Gleichnis und der in ihr verwobenen Metaphorik fordert der Erzähler von Anfang an viel von seinem Rezipienten. Der Erzähler macht von Anfang an klar, dass die Geschichte die erzählt werden wird nicht für jeden verständlich sein wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 2, 13-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swer mit diesen schanzen allen kan,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem hât witze wol getan  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| wer da nochmithalten kann bei sämtlichen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kadenzen, den hat die Weisheit lieb &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weiterhin problematisch ist das semantische Spektrum des Begriffes &#039;&#039;agelster&#039;&#039;. So kann sich auch dieses Motiv sowohl auf Feirefiz und seine Hautfarbe beziehen die &#039;&#039;als ein agelster&#039;&#039; (57, 27) aussah, als auch auf die binären Strukturen die der Erzähler wählt um Gegensätze auszudrücken. Beispiele hierfür wären &#039;&#039;himel&#039;&#039; und &#039;&#039;helle&#039;&#039;, &#039;&#039;stæte&#039;&#039; und &#039;&#039;unstæte&#039;&#039;, &#039;&#039;gesmæhet&#039;&#039; und &#039;&#039;gezieret&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Die Metapher der Elster ist also sehr aussagekräftig für den Beginn der Erzählung über Parzivals Leben und die komplizierten Abenteuer, die den Rezipienten erwarten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Weitere Textbeispiele ===&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis ist eines der weniger außergewöhnlichen Bilder im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die meisten Bilder die der Erzähler nutzt sind sehr exotisch und besonders. Dies ist auffällig, da der damalige Rezipient viele der Bilder nicht wirklich verstehen konnte, wie beispielsweise die Bilder des Löwen und des Vogelstraußen: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 42, 10-14 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht îsen als ein strûz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und starke vlinse verslant,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz machte daz err niht envant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn zorn begunde limmen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und als ein lewe brimmen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Dass er nicht &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eisen fraß wie der Vogel Strauß und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
grobe Feuersteine, das lag nur daran, dass&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er keine fand. Sein Zorn fing an zu knurren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und brüllte wie ein Löwe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits zuvor erwähnt haben Metaphern und andere sprachliche Bilder eine deskriptive und vereinfachende, veranschaulichende Funktion. Voraussetzung hierfür ist jedoch, dass der Rezipient des rhetorischen Mittels alle Teile dessen verstehen kann. Das heißt, kennt der Leser einzelne Worte oder deren Bedeutung nicht, so verliert die Metapher ihre Wirkung. Im Falle des Löwen und des Vogelstraußen kommt es zum Glück nicht ganz so weit, kann man doch davon ausgehen, dass den Menschen zur Zeit Wolfram von Eschenbachs zumindest aus Erzählungen von den exotischen, [[Orientalismus im Parzival|orientalischen]] Tieren und ihrem Aussehen und Verhalten gehört haben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Worte zur Sprache ==&lt;br /&gt;
Der Parzival ist in mittelhochdeutscher Sprache geschrieben und kann ungefähr zu Beginn der 13. Jahrhunderts eingeordnet werden. Rückblickend ist es schwierig genaue Aussagen über Regelmäßigkeiten und Prinzipien dieser Sprache zu treffen. Weite Teile sind heute jedoch ausreichend recherchiert worden. So kann der Autor und somit seine Sprache räumlich eingegrenzt werden, nämlich auf &amp;quot;den östlichen Grenzbereich zwischen dem Mitteldeutschen und dem Oberdeutschen, also auf das Ostfränkische.&amp;quot;[Bumke 2004:22] Als weitgehend unerforscht gilt die Syntax, sie unterscheidet sich jedoch in einigen Punkten beispielsweise von der Hartmann von Aues. Auffällig sind die vielen &amp;quot;[...] Brüche, Sprünge, Disproportionen und Inkongruenzen[...].&amp;quot;[Bumke 2004:27]Dies kann zu unterschiedlichen Interpretationen des Primärtextes führen, je nach Übersetzung. Bumke weist darauf hin, dass Wolfram von Eschenbach, dessen Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf [https://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; basiert, einige Worte aus dem Französischen falsch übersetzt haben könnte. Er folgert jedoch ebenfalls, dass nicht sicher ist, ob diese Missverständnisse absichtlich von Wolfram genutzt wurden um Komik zu erzeugen. Auch das Metrum betreffend hält sich Wolfram nicht immer an die Regeln, beziehungsweise den Usus seiner Zeit. So kommt es zu ungenauen Reimen wie &amp;quot;schilt : &#039;&#039;sint, ougen : rouben, crump : junc&#039;&#039;&amp;quot;[Bumke 2004:28], und zu silbenreichen Versen und die vielfache Benutzung des Enjambements.[Bumke 2004:21-29] &lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
*Wichtiges Stilmittel das im Parzival anders als gewöhnlich zum Einsatz kommt&lt;br /&gt;
*Allgemein besondere Sprache im Parzival, sehr bilderreich&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Aristoteles 1982] Aristoteles. &#039;&#039;Poetik (Griechisch / Deutsch)&#039;&#039;. Fuhrmann, Manfred, ed. Stuttgart: Philipp Reclam, 1982. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Haug 2003] Walter Haug: Die Wahrheit der Fiktion. Studien zur weltlichen und geistlichen Literatur des Mittelalters und der frühen Neuzeit. Tübingen 2003. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Textausgabe ===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Metaphorik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Stilmittel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sprache]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23239</id>
		<title>Der Rote Ritter</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Rote_Ritter&amp;diff=23239"/>
		<updated>2015-07-14T15:17:09Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Jule Wetzel: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit der Rolle und Konzeption des Roten Ritters in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Der Rote Ritter ist eine wiederkehrende Figur, vielmehr eine Sagengestalt in der mittelalterlichen Literatur. Im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lernt der Rezipient den Roten Ritter als Ithêr von Gaheviez oder Kukûmerlant kennen. Im Laufe der Geschichte wird die Rolle des Roten Ritters jedoch von Parzival selbst übernommen, nachdem Ithêr zu Tode gekommen ist. &lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Ithêr von Gaheviez ===&lt;br /&gt;
[[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithêr]] ist der erste Rote Ritter den der Leser im Verlauf der Parzival Erzählung von Wolfram von Eschenbach kennen lernen. Auch in Chrétien de Troyes Werk gibt es einen vergleichbaren Roten Ritter. [Rosskopf 1972: 156] Ithêr war Mitglied der Tafelrunde (Vgl. 203, 28-204, 4) und ist ein Verwandter Parzivals.  Parzival und  Ithêr treffen zweimal aufeinander, beim zweiten Aufeinandertreffen wird Ithêr tödlich von Parzival verwundet (vgl. 156, 10). Zu diesem Zeitpunkt weiß Parzival jedoch nichts von dem bestehenden [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandtschaftsgrad]] zwischen Ithêr und ihm. Darüber aufgeklärt wird er erst von Trevrizent, der ihm seine Sünden erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt;Zu diesem Thema existiert ein weiterer Artikel: [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Ithêr wird aufgrund der Farbe seiner Rüstung Roter Ritter genannt. Wolfram beschreibt das Aussehen des Roten Ritters und seines Pferdes sehr genau: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 145, 15-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez was Ithêr von Gaheviez:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten rîter man in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sîn harnasch was gar sô rôt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz ez den ougen rœte bôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn ors was rôt unde snel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn gügerel,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt samît was sîn covertiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn schilt noch rœter danne ein fiur,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt was sîn kursît &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und wol an in gesniten wît,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
rôt was sîn schaft, rôt was sîn sper,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
al rôt nâch des heldes ger,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was im sîn swert gerœtet,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nâch der scherpfe iedoch gelœtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Es war Ithêr von Gaheviez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den nannte man den &#039;&#039;Roten Ritter&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Rüstung war so ganz und gar rot,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dass einem rot vor Augen wurde. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Roß war rot und kühn,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und lauter rot war dessen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kopfputz. Die Couvertüre war ein roter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Samt, sein Schild noch röter als Feuer. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ganz rot war der Streitrock, den er trug, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schön weit geschnitten, rot war sein &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Speerschaft, rot das Eisen daran, ganz rot&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hatte sich der Held sein Schwert ge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wünscht, und also hatte man es ihm in Gold &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gerötet und seine Schärfe hart gemacht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Der Rote Ritter Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival tötet Ithêr durch einen Speerwurf. Trevrizent bezeichnet diesen Mord später als unbeabsichtigt. Auch der Erzähler sieht keine Schuld bei Parzival, er schiebt die Tat auf Parzivals Jugend und seine &#039;&#039;groziu tumpheit&#039;&#039; (156,24). In oder wegen Parzivals Anwesenheit kommen im Laufe der Ezählung zahlreiche Personen zu Tode. Davon bekommt Parzival aber so gut wie nichts mit. Er bleibt von den Konsequenzen seiner Taten verschont. Im Fall Ithêr von Gaheviez verhält es sich erstmalig anders. Er tötet Ithêr bewusst, weil er dessen Rüstung besitzen möchte und weil er weiß, dass er so seinem Traum des Ritter-Seins einen großen Schritt näher kommt. Deshalb empfindet Parzival in dieser Episode auch keinerlei Unrechtsbewusstsein, obwohl er eine schwere Sünde begeht die seinem Glauben an Gott eigentlich widerspricht.[Bumke 2004:59-60] Zuvor fordert er von Artus, ihm die Rüstung Ithêrs zu überlassen. Er ist bereit zu kämpfen und &amp;quot;eine Mißbilligung durch Artus hätte ihn davon ebensowenig abhalten können, wie die Bitten der Mutter deinen Auszug aus Soltane verhindern konnten.&amp;quot;[Rosskopf 1972:161]  Parzival ist wie berauscht von der Rüstung Ithêrs. Er will sie in seinen Besitz bringen weil der Besitz ihn in seinen Augen zu einem vollwertigen Ritter machen würde. Nachdem er Ithêr getötet hat versucht er sofort sich die Rüstung anzuziehen, ist jedoch zu unerfahren und scheitert deswegen. Erst durch die Hilfe eines Knappen, der ihn noch in die wichtigsten Grundlagen des Rittertums einweist, schafft er es schließlich die langersehnte rote Rüstung zu tragen. Er versucht dadurch sich eine neue, &#039;&#039;ritterlîche&#039;&#039; Identität anzueignen. Dieser Versuch kann als misslungen interpretiert werden, weil das reine Überziehen einer neuen Identität in Form einer Rüstung noch keine neue Identität schafft. Sie ist lediglich geliehen. Dies ist zumindest eine Interpretation der Identitätsübernahme Parzivals. Bleibt man nah am Primärtext, so wird Parzival von Gurnemanz eine neue Identität zugesprochen. &lt;br /&gt;
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! Original 170, 3-6 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
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| der wirt erkante den ritter rôt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er dersiufte, in derbrmt sîn nôt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sînen gast des namn er niht erliez,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den rôten ritter er in hiez.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der Wirt erkannte den Roten Ritter, und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
er mußte seufzen: Ihn erbarmte sein trau-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
riges Geschick. Seinen Gast aber ließ er&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diesen Namen nicht einfach abtun: Er &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nannte in selber den Roten Ritter. &lt;br /&gt;
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Parzival ist nun der neue Rote Ritter und wird als solcher offiziell wahrgenommen. Doch es bleibt nicht nur bei der Identitätsübergabe. Parzivals vorhergesehenes Schicksal und bewahrheitet sich und er wird in die Tafelrunde aufgenommen. &lt;br /&gt;
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! Original 280, 12-18 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do er den künec Ithêren schôz&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und Clâmidên und Kingrûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ouch sande gein den Bertûn&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
in sînen hof besunder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
über die tafelrunder&lt;br /&gt;
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wolt er in durch gesellekeit&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
laden. durch daz er nâch im reit, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| als er den König Ithêr &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
erschoss und als er Clâmidê und vorher&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch Kingrûn gefangen an seinen Hof zu &lt;br /&gt;
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den Bertûnen sandte. Diesen Ritter wollte &lt;br /&gt;
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Artûs zur Tafelrunde laden, dort sollte er &lt;br /&gt;
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Mitglied werden. Deshalb war er aufge-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brochen, ihn zu suchen. &lt;br /&gt;
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== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Rosskopf 1972] Rosskopf, Rudolf. Der Traum Herzeloydes Und Der Rote Ritter; Erwägungen Über Die Bedeutung Des Staufisch-welfischen Thronstreites Für Wolframs Parzival. Göppingen: Kümmerle, 1972. S. 156-217. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Carnevale 2005] Carnevale, Carla. Gesellenstück Und Meisterwerk: Adolf Muschgs Roman Der Rote Ritter Zwischen Auserzählung Und Neuschöpfung Des Parzival. Frankfurt Am Main: P. Lang, 2005. Print. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim. Wolfram Von Eschenbach. 8., Völlig Neu Bearb. Aufl. ed. Stuttgart: Metzler, 2004. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Jule Wetzel</name></author>
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