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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-11T06:35:07Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29296</id>
		<title>Reinhart der Sieger (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Reinhart_der_Sieger_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29296"/>
		<updated>2020-08-14T13:45:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Luca.baumann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Spätestens, nachdem er dem Wolf Isegrin begegnet, kommt es zu einem Wendepunkt in Geschichte.&lt;br /&gt;
Auf einmal gelingen ihm seine Listen und Tricks, mit seiner Gerissenheit fügt er nicht nur Isengrin, sondern auch anderen Tieren erheblichen Schaden zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie und wann Reinhart [[ Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)| von einem Verlierer]] &lt;br /&gt;
zu einem Sieger wird, dem nahezu jede seiner Listen gelingt, wird in diesem Artikel genauer untersucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts Entwicklung oder Reinharts Vielschichtigkeit? - Erzählstruktur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinharts Listen erst im Laufe der Handlung von Erfolg gekrönt sind, lässt sich nicht leugnen. Fraglich ist jedoch, inwiefern diese Entwicklung erzähltheoretisch gedeutet werden kann. In Bezug auf die Erzählstruktur des Tierepos Reinhart Fuchs gibt es hierbei nach Kurt Ruh [Ruh 1980] und Karl Bertau [Bertau 1983] zwei verschiedene Ansätze.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Bertau handelt es sich demnach bei dem Tierepos um eine paradigmatische Episodensammlung, in der alle Ereignisse und Szenen unabhängig von ihrer zeitlichen Abfolge gedeutet werden können. Das hieße, dass eine zeitliche Einordnung der Niederlagen Reinharts als irrelevant zu betrachten wäre. Darüber hinaus wäre bei diesem Deutungsansatz eine Analyse in Bezug auf Reinharts Entwicklung dahingehend nichtssagend, dass Reinharts Niederlagen auch gegen Ende der Handlung stehen könnten. Reinhart würde sich also nicht vom Verlierer zum Gewinner entwickeln, sondern wäre von Anfang an beides.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für eine Analyse Reinhart des Gewinners scheint Ruhs Ansatz jedoch ergiebiger zu sein. Die Struktur kann man demnach als syntagmatische Reihung ansehen, bei der die chronologische Abfolge sowohl für Entwicklungen in der Handlung als auch in Bezug auf die Entwicklungen und Veränderungen der Figuren ausschlaggebend wäre. In diesem Zusammenhang wäre Reinharts schlechter Tag beziehungsweise Reinharts Niederlagen zu Beginn als eine Art Vorhandlung zu sehen, der zwei gleich große Hauptteile (Fuchs-Wolf-Auseinandersetzung und König Vrevels Hoftag), die sich kontrastierend gegenüberstehen, folgen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Ein Unglückstag Reinharts, und dies, obschon er seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; mannigfach unter Beweis stellt. Das steht im krassen Gegensatz zum Erfolg von Reinharts Finten in der Haupthandlung. Das epische Vorzeichen ist wohl deshalb verquer gesetzt, weil es im Hinblick auf die späteren, vielfach kriminell zu nennenden Taten des Protagonisten nötig schien, diesem beim Publikum einige Sympathien zu sichern: dem Erfolglosen mit reichen Gaben werden sie nie verwehrt.&amp;quot;[Ruh 1980:18]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Demnach kann man die Handlungsabfolge als eine Art antithetische Gegenüberstellung von Reinharts Niederlagen zu Beginn, und seinen Erfolgen im weiteren Handlungsverlauf beschreiben, die letztlich mit Reinharts &amp;quot;Gesamtsieg&amp;quot; endet. Die anfänglichen Misserfolgen sollen hierbei beim Rezipienten eine Art Mitgefühl oder gar Sympathie gegenüber Reinhart evozieren. Diese Empathie gegenüber des Protagonisten könnte ein Urteil des Lesers über dessen Folgetaten und Verbrechen dahingehend milde ausfallen lassen, da er Reinhart zu Beginn der Handlung mehr die Opfer- als die Täterrolle zuschreibt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Mehr zu Reinharts Niederlagen und Reinhart als Verlierer finden Sie [[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|hier]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts letzte Niederlage ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach Reinharts Niederlagen gegen Hahn, Meise und Raben trifft er auf den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs) |Kater Diephret]]. Dieses Treffen stellt eine wichtige Wendung in der Gesamthandlung des Epos dar, denn durch den Kater erlebt er seine letzte Niederlage.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Teil der Episode (Niederlage) trifft Reinhart auf den Kater und möchte ihn in die Falle eines Jägers locken. Reinhart bittet den Kater, ihm zu zeigen, wie schnell er sprinten kann. Was Reinhart nicht weiß: Der Kater kennt die Falle bereits. Somit kann er einfach über die Falle springen, ohne sich in Gefahr zu bringen. Im Folgenden bittet der Kater den Fuchs, ihm zu folgen. Reinhart willigt ein, was sich als unklug herausstellt. Als die beiden erneut auf die Falle zusprinten, bleibt der Kater dahinter abrupt stehen und stößt Reinhart, der an ihm aufprallt, direkt in die Falle des Jägers.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zweiter Teil der Episode (Sieg): Reinhart ist in der Falle gefangen. Nun ist er auf seine Raffinesse angewiesen, um am Leben zu bleiben. Der Jäger kommt und schlägt mit ganzer Kraft, in Richtung der Falle, um Reinhart zu töten. Im letzten Moment kann Reinhart seinen Kopf zur Seite ziehen, sodass der Jäger ihn verfehlt, die Falle zerspringt und er fliehen kann&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Episode ist dahingehend von enormer Wichtigkeit, dass sie sowohl Reinharts letzte Niederlage als auch den ersten Sieg des Fuchses umfasst. So scheitert Reinhart erneut mit einer seiner Listen gegen ein, ihm physisch unterlegenes, Tier, kann sich aber im darauffolgenden Moment gegen den menschlichen Jäger behaupten, sein Leben retten und gleichzeitig den Grundstein für seine weiteren Siege legen. &lt;br /&gt;
Kurt Ruh bezeichnet die Episode als eine Art Abschluss einer vorspielartigen Aventiuren Reihe. Anknüpfend daran beginnt nun mit der Wolf-Fuchs-Auseinandersetzung der erste der zwei großen Hauptteile, aus dem Reinhart als Sieger hervorgeht. Vgl.[Ruh 1980: 16]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinhart in der Falle ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart mochte niht gevliehen,     ||  Reinhart konnte nicht fliehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit dem hovbte wanckt er hin baz,  ||  Aber er konnte seinen Kopf bewegen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der zi t tet er daz.  || und so riss er ihn genau zum richtigen Zeitpunkt fort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr slvc, daz die drvhe brach,  || Der Bauer schlug auf die Falle, sodass diese zerbrach.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinharte nie liber geschach:          || Reinhart geschah noch nie etwas besseres,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wonte han verlern daz leben,        || hatte er sich doch schon damit abgefunden, sein Leben zu lassen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine kel was vm vunf schillige geben.   ||  Der Preis für seinen Kragen betrug fünf Schilling.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sich niht sovmte,  ||  Reinhart verweilte nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die herberge er rovmte,  || an dem Ort, an dem er sich befand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dvchte da vil vngemach.  || und an dem er sich sehr unwohl fühlte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der gebvr im iemerliche nach sach.          || Der Bauer konnte ihm nur noch jämmerlich hinterhersehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er begende sich seihen scheiden,       || Er begann sich selbst zu rügen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mvste mit anderm gvte gelden.  ||  da er jetzt anders an Geld herankommen musste.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|} (RF,372-384) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine geistesgegenwärtige Handlung gelingt es Reinhart, seinen Kopf in letzter Sekunde aus der Schlinge zu ziehen und sich selbst und sein Leben zu retten. Inwiefern diese Szene als eine Art Wendepunkt in Reinharts Geschichte betrachtet werden kann, wird im Folgenden genauer betrachtet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Reinharts erster Sieg ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch Reinharts ersten Sieg (dem Entkommen aus der Falle des Jägers) kommt es zu einem Wendepunkt im Epos. Hierbei ist vor allem zu erwähnen, dass dieser erste Sieg die Ebene der Tierwelt verlässt, indem Reinhart aus der Falle des Jägers, und somit der Falle eines Menschen, entkommen kann. Dietl beschreibt die Situation, in der sich Reinhart befindet, als eine Art aufkommenden Konflikt mit der Welt der Menschen: &amp;quot;Nach einer Art Duell mit dem Kater Dieprecht, dem es Reinhart missgönnt hatte, dass er mit der Gegenwelt, nämlich der Welt der Menschen, nicht im Konflikt steht, sitzt Reinhart in einer Fuchsfalle gefangen, die ihrerseits deutlicher Ausdruck seines Konflikts mit der menschlichen Welt ist.&amp;quot; [Dietl 2010: 47]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Laut Hübner verliert Reinhart zu Beginn außerdem aufgrund seiner körperlichen Überlegenheit. Nach dieser Argumentation wäre der physisch überlegene Mensch seinem Gegner, in Person von Reinhart, nun insofern unterlegen, dass er es mit seiner List und seiner Gerissenheit nicht aufnehmen kann: &amp;quot;Wenn Reinhart der physisch Stärkere ist, wie in den Anfangsepisoden mit den schwächeren Tieren (V.13–384), reicht seine Schlauheit nicht für den Handlungserfolg.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dem Moment, als Reinhart dem Tod entwischen kann, wird die Handlung, anders als beim Rest des Epos, aus unterschiedlichen Sichtweisen geschildert. So wechselt die Erzählperspektive immer wieder zwischen Reinhart und dem Jäger. Der Jäger wird darüber hinaus als Bauer beschrieben, Heinrich beschreibt somit neben der Differenzierung zwischen Mensch und Tier auch den Gegensatz zu Moralvorstellungen der ritterlichen Gewaltausübung.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Gegner, im Moment noch mit den Augen des Fuchses gesehen, ist ein Jäger, ein Mensch, also Gestalt der Gegenwelt, von der Reinhart keine ritterliche Gewaltregulierung gegenüber einem wilden Tier erwarten kann.&amp;quot; [Dietl 2010:48]&lt;br /&gt;
Aufgrund der Gewaltbereitschaft des Bauers, der danach strebt, sich durch die Tötung des Fuchses finanziell zu bereichern, ist Reinhart auf eine List angewiesen.&lt;br /&gt;
Vgl.[Dietl 2010: 46-48]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ===&lt;br /&gt;
Im Laufe der [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Handlung]] gelingen Reinhart seine Listen und Tricks immer besser. Zwar gerät er weiterhin in Notsituationen, es gelingt ihm jedoch immer wieder, sich aus diesen zu befreien und sie darüber hinaus zu seinem Vorteil auszunutzen. Der Begriff der &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist hierbei als vielschichtig anzusehen, wie folgende Beispiele verdeutlichen sollen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Beleg  !! Übersetzung !! Erzählkontext und Deutung &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do was im kvndikeite zit.&amp;quot; (V. 307) || Da war es Zeit für seine Geschicklichkeit. || Reinhart flüchtet vor den Hunden eines Jägers, nachdem sein Versuch, den Raben Diezelin zu überlisten, gescheitert ist. Seine &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; unterscheidet sich dahingehend von den anderen Textbeispielen, dass sich Reinhart hier auf der Flucht, und nicht auf der Jagd befindet. Die Übersetzung mit „Geschicklichkeit“ scheint hier treffender als „List“ zu sein, da der Fuchs eher in die passive Rolle gedrängt wird und somit auf eine Situation reagieren muss, statt sie aktiv zu initiieren.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;do bedorfte er wol kvndikeit&amp;quot; (V. 364) || Nun musste er geistesgegenwärtig handeln.  || Durch den Jäger, in dessen Falle sich Reinhart befindet, wird das Leben des Fuchses bedroht. Hierbei handelt sich bei der benötigten &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; um mehr als nur eine harmlose List oder einen Streich. Vielmehr beschreibt sie, dass Reinhart präzise und schnell handeln muss. Darüber hinaus ist mit seiner geistesgegenwärtigen Handlung ein enormes Risiko verbunden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &amp;quot;siner amien warf er dvrch den mvnt / sinen zagel dvrch kvndikeit&amp;quot; (V. 1162f.)|| Er wedelte seiner Freundin mit dem Schwanz  durch das Maul, um sie zu provozieren. || Reinhart streicht der Wolfsgattin Hersant mit seinem Schwanz durch das Gesicht, um sie zu provozieren. Diese fällt auf Reinharts Trick herein, folgt dem Fuchs zu einer Dachshöhle und wird letzten Endes von ihm vergewaltigt. Anders als bei den Textstellen zuvor geht es hierbei nicht darum, dass Reinhart auf &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; angewiesen ist, um sich selbst zu retten. Vielmehr nutzt er sie, um der Wölfin zu schaden und seine sexuellen Gelüste zu befriedigen. Im Gegensatz zu den Textstellen zuvor könnte man hier also von einer vorsätzlichen Anwendung von &#039;&#039;kundikeit&#039;&#039; sprechen. &lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== &amp;quot;kündikeit&amp;quot; im Sinne von Schlauheit ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass Reinhart seinen Opfern in Sachen Schlauheit um Längen überlegen ist, ist unbestreitbar. Es stellt sich jedoch die Frage, wie der Fuchs diese Überlegenheit zu seinem Vorteil nutzen kann und welche Rolle dabei seine Co-Akteure einnehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Dafür gibt es bei Heinrich zwei Möglichkeiten: Der Schlaue kann eine Handlungssituation so arrangieren, dass die Deutung durch den Co-Akteur vorhersehbar und dem Handlungsziel des Akteurs dienlich ist...&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Möglichkeit spiegelt vor allem die anfänglichen Misserfolge Reinharts wider. So versucht er beispielsweise ein Vöglein zu seinem Fressen zu machen, indem er ihm schmeichelt und ihm die besten Absichten vorheuchelt. Das Vöglein, in diesem Fall Reinharts Co-Akteur, durchschaut jedoch Reinharts Handlungsziel und kann sich vor ihm in Sicherheit bringen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;...oder eine bereits vorgefundene Handlungssituation gegenüber dem Co-Akteur so deuten, dass die Übernahme der Deutung durch den Co-Akteur wahrscheinlich und dem Handlungsziel dienlich ist.&amp;quot; [Huebner 2016:88]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessanter wird es, wenn Reinhart nicht selbst Initiator der Handlung ist, sondern auf eine bereits vorhandene Ausgangslage zurückgreifen kann. Als zentrale Episode ist hierbei der Hoftag zu nennen, da es Reinhart hier nicht nur gelingt, seine Schlauheit zu seinem eigenen Vorteil, sondern auch zum Leidwesen der anderen Tiere zu nutzen. Reinharts Co-Akteur stellt hierbei der König Vrevel dar. Um am König Rache zu nehmen, hat sich nämlich der Ameisenkönig in das Ohr des Löwen eingenistet und bereitet diesem starke Schmerzen. Dem Fuchs gelingt es, Vrevels Egoismus und seinen Wunsch nach Heilung dahingehend auszunutzen, dass dieser Reinharts Bestrafung aus den Augen verliert. Aber Reinhart gelingt es nicht nur, durch seine Schlauheit einer Strafe zu entgehen. Zusätzlich gelingt es ihm, den König dazu zu bringen, den Wolf Isegrin zu häuten, dem Bären Brun und auch dem Kater Diepreht das Fell abzuziehen und damit seine Hauptwidersacher unschädlich zu machen. &lt;br /&gt;
Das gelingt ihm, indem er geschickt argumentiert und die Gewalttaten des Königs als obligatorisch für seine Heilung darstellt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zusätzlich zu seiner Schlauheit verfügt Reinhart hierbei auch über eine ausgeprägte Redegewandtheit und kann sich für jede seiner Taten rechtfertigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sieger durch die Macht der Rechtfertigung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seiner &amp;quot;kündikeit&amp;quot; ist Reinhart den anderen Tieren im Reinhart Fuchs auch durch seine Redegewandtheit überlegen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;...[S]o gerät[...]vor allem die Figur des Fuchses in den Fokus; dieser weiß sich - trotz physischer Unterlegenheit - gegen Rivalen wie auch gegenüber dem Herrscher [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)| (Der Löwe Vrevel) ]] zu behaupten, da er mehr als jeder andere über die &amp;quot;Macht der Rechtfertigung&amp;quot; verfügt. [Neudeck 2016:12]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als Reinhart den Hoftag erreicht, werden ihm von allen Seiten seine Verbrechen vorgeworfen. nahezu alle Tieren betrachten ihn als schuldig und fordern eine Strafe durch den König. Anstatt auf die Vorwürfe und Klagen der anderen Tiere einzugehen, verlagert Reinhart das Thema der Diskussion gekonnt von sich auf die Rahmenbedingungen des einberufenen Hoftags.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartes Iiste waren gros,    ||  Reinharts Listenreichtum war groß,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,kvnic, was sol dirre doz? ||  und so sprach er: &amp;quot;König, was soll diese Aufregung?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin in mangen hof kvmen, || Ich bin schon an viele Höfe gekommen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ich seiden han vernvmen  || jedoch habe ich selten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| solche vngezogenheit.          || eine solche Zuchtlosigkeit gesehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des war, iz ist mir vur evh leit.&#039; || Wahrlich, es tut mir Leid für Euch.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (RF,1865-1869)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend lenkt Reinhart das Gespräch dahingehend, dass ausschließlich die Heilung des Königs im Mittelpunkt steht, wodurch es ihm nicht nur gelingt, seine Verbrechen in den Hintergrund zu drängen, sondern darüber hinaus Unheil über den gesamten Hoftag und seine Teilnehmer zu bringen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Menschliche vs. tierische Handlungsmotive  ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Je nach anthropologischer oder animalischer Auslegung des Reinhart Fuchs ist bei Reinharts Handlungsmotiven zwischen menschlichen und tierischen Motive zu unterscheiden. Oder anders: Je nach Interpretationskontext decken sich Reinharts Handlungsintentionen mit allgemeinen Motiven von Menschen beziehungsweise denen von Tieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Karnivorische Ernährung (animalisch) ===&lt;br /&gt;
&amp;quot;Zudem ist das Movens der Fuchs-Aventiure nicht &#039;&#039;êre&#039;&#039;, sondern Hunger.&amp;quot; [Ruh 1980:17]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nahrungstrieb der Tiere stellt wohl eines der zentralsten animalischen Motive dar und kann somit als Abgrenzungsmerkmal zur Anthropologie angesehen werden. Reinharts Motive scheinen im Epos jedoch ein wenig differenzierter zu sein. Die Nahrungsbeschaffung spielt demnach in einzelnen Episoden immer wieder mit, ist jedoch mehr als beiläufig, als zentral anzusehen. Nichtsdestotrotz darf Reinharts Nahrungstrieb auch nicht völlig unerwähnt bleiben, da sich dieser der Rittertugend, und somit den ritterlichen Motiven (dem Streben nach Ruhm und Ehre), antithetisch gegenüberstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Rache (anthropologisch) ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über den reinen Selbsterhaltungstrieb hinaus kann außerdem Rache als leitendes Motiv des Handelns Reinharts angesehen werden. Das Potential hierfür zeigt sich im Verlauf des Werkes immer wieder als Reaktion auf Episoden, in denen Reinhart als Verlierer hervorgeht ([[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)]],[[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)]])und in der Konfrontation mit der Wolfsfamilie, nachdem diese ihn um Nahrung betrogen hat. Das Verlangen nach Rache ist also eine menschliche Reaktion auf die Nicht-Erfüllung seiner tierischen Bedürfnisse. &lt;br /&gt;
Dieser Wunsch nach Rache findet seine finale Realisierung in der Hoftagsepisode. Durch die Manipulation des Löwen Vrevels gelingt es Reinhart, mit nur einer einzigen großen List, Rache an allem Tieren zu nehmen, die ihm schadeten oder von denen er sich betrogen fühlte. Somit ist hier nicht nur das Bedürfnis nach Vergeltung an sich, sondern im speziellen auch die Umsetzung Reinharts durch eine geschickte und durchdachte Täuschung als eine klar menschliche Eigenschaft zu deuten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Selbsterhaltung === &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein;&lt;br /&gt;
bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.&amp;quot; [Huebner 2016:87]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch seine Schlauheit gelingt es Reinhart nicht nur, seine physische Unterlegenheit zu kompensieren. Zusätzlich gewährleistet sie die Selbsterhaltung des Fuchses, indem er Gefahrensituationen meistert und durch seine Listen (und auf Kosten der anderen Tiere) an Nahrung gelangt. Demnach würde Reinharts Hauptmotiv nicht darauf basieren, den anderen Tieren zu schaden, sondern vielmehr darauf, sein Leben, seine Stellung in der Gesellschaft und in gewisser Weise auch seine kognitive Überlegenheit zu sichern beziehungsweise zu erhalten.&lt;br /&gt;
Der Selbsterhaltungstrieb kann zwar im allgemeinen auch als tierische Eigenschaft gesehen werden, die jedes Lebewesen innehat, im speziellen Fall des Reinhart Fuchs wird dieser Trieb nicht nur auf Erhaltung, sondern auch auf Verbesserung ausgeweitet. So wäre zum Beispiel der Wunsch nach einer Allianz mit dem Wolf nicht nur reinem Überlebenswillen geschuldet, sondern ist auf eine durchdachte Planung seitens Reinhart zurückzuführen. Das Streben nach Besserem und das bewusste Realisieren, wie dies zu erreichen ist, übersteigt den rein tierischen Selbsterhaltungstrieb und hebt so diese Eigenschaft auf ein anthropologisches Level.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man das Epos als ein paradigmatisch zu deutendes Gesamtwerk, lässt sich vor allem beim Hauptakteur, dem Fuchs Reinhart,	&lt;br /&gt;
eine Entwicklung auf verschiedenen Ebenen feststellen. Hierbei spielen unterschiedliche Deutungskontexte wie Animalität und Anthropologie nicht nur in Bezug auf Reinharts Handlungsmotive eine wichtige Rolle, sondern bringen auch die Charakterisierung Reinharts in verschiedene Deutungszusammenhänge. 	&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass sich Reinhart nach, und vor allem erst durch seine anfänglichen Niederlagen von einem Verlierer zum Sieger entwickelt. Aufgrund seiner physischen Unterlegenheit gegenüber seinen Gegnern in den Episoden, aus denen er als Sieger hervorgeht, ist er hauptsächlich auf seine &amp;quot;kündikeit&amp;quot; und seine rhetorischen Fähigkeiten angewiesen und nutzt diese ohne Skrupel zu seinem Vorteil. Durch seine Schlauheit und seine Fähigkeit, sich vor allen anderen Tieren, für jeden Tatbestand und jede Anschuldigung, rechtfertigen zu können, gelingt es ihm stets, jede Situation zu seinen Gunsten zu nutzen. 	&lt;br /&gt;
Indem es Reinhart gelingt, den König Vrevel beim königlichen Hoftag dazu zu bringen, die Verstümmelung einzelner Tiere anzuordnen, begeht er nicht nur ein grausames Verbrechen an seinen Verwandten, sondern stürzt darüber hinaus die gesamte Ordnung des Tierstaates, um diesen in Schutt und Asche zurückzulassen.&lt;br /&gt;
	&lt;br /&gt;
Der Tod des Löwenkönigs beendet die vorliegende Herrschaftsform und schließt die Gesamthandlung, aus der Reinhart unmissverständlich als Gesamtsieger hervorgeht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Reinhart Fuchs: Eine antihöfische Kontrafaktur, in: Höfische Epik des deutschen Mittelalters, Berlin 1980&lt;br /&gt;
* [*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016] Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeihen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Luca.baumann</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Minne-Diskurs_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29295</id>
		<title>Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Minne-Diskurs_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29295"/>
		<updated>2020-08-14T13:15:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Luca.baumann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt den &#039;&#039;&#039;Minne-Diskurs&#039;&#039;&#039; zwischen Reinhart und der Wölfin Hersant, wobei die Repräsentation von Sexualität und deren Polarität zwischen &#039;höfischem&#039;/&#039;sittlichem&#039; und &#039;niederem&#039;/&#039;animalischem&#039; Begehren im Vordergrund steht. Dieses Spannungsverhältnis bietet die Grundlage für die im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]] dargestellte Satire der höfischen Minne des Hochmittelalters als Teil einer christlichen, feudalen Gesellschaftsordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sozio-kulturelle Kontextualisierung der &amp;quot;Minne&amp;quot;==&lt;br /&gt;
Dem zentralen Begriff der Minne kommt im Mittelhochdeutschen eine ganze Bandbreite von Bedeutungen zu. Das Wort &amp;quot;Minne&amp;quot; fand in Verben, in Adjektiven und etlichen substantivischen Komposita seine Anwendung. So konnte man &amp;quot;minnen&amp;quot;, konnte &amp;quot;minne-lich&amp;quot;  oder gar ein &amp;quot;minne-diep&amp;quot; sein. &amp;quot;Minne&amp;quot; kann die unterschiedlichsten Alternativen einer generellen &amp;quot;Liebe&amp;quot; sein. Das Bedeutungsspektrum reicht von Beschreibungen über Liebes-Werben bis hin zum eigentlichen Liebes-Akt mit allerlei handfesten sexuellen Handlungen. Dieses überaus pluralistische Bedeutungsspektrum hat zur Folge, dass diese Wortfamilie in den unterschiedlichsten Kontexten des alltäglichen Lebens angewandt wurde. Die höfische [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist als ritterlich-adelige Liebeslyrik Ausdruck eines  meist nicht sexuell konnotierten Wohlwollens eines (ritterlichen) Minnesängers gegenüber einer höfischen, hochgestellten Frau. Weiter gab es aber auch Kontexte, in denen der Werbende explizit um eine Belohnung in Form von sexuellen Handlungen bemüht war. Der Minnesang, zu dem die &#039;Hohe Minne&#039; gehört, kommt ursprünglich aus Frankreich, entstand ab Mitte des 12. Jahrhunderts und wurde Teil einer europaweiten Hofkultur.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
===&#039;Die Hohe Minne&#039;===&lt;br /&gt;
Trotz ausschweifender Verehrung der Dame beklagen die Texte der öffentlichen Vortragskunst in typisierten Mustern ohne subjektiven Ausdruck die Unmöglichkeit einer tatsächlichen sexuellen Vereinigung. Der Ausdruck der Anziehung ist im Rahmen der Vasallität Teil des Dienstes an den Herrschenden und der kulturell fokussierten Triebbeherrschung, die Teil der Codizes der höfischen Klasse waren.  Diese dienen, ähnlich der &amp;quot;kultivierten Gewalt&amp;quot;, der Kommunikation und Selbstvergewisserung zwischen Gleichgesinnten. [Dietl 2009:42f] Während die Themen Intimität, Liebe und Begehren reflektiert und verhandelt werden, soll die Beharrlichkeit des Sängers nach andauernder Zurückweisung durch die Hofdame dessen Wert steigern (Minneparadox). Die kontinuierliche Arbeit an der Kunst des Werbens galt demnach als Tugend, die den Charakter des Minnesängers formt und auszeichnet. &amp;lt;br&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Minne-Diskurs im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]] referiert auf diese Tradition, weicht jedoch mit kritischem Blick von ihr ab. Das zeigt sich auf den Ebenen des Handlungsverlaufs und der Sympathielenkung und wird zudem durch die Tatsache verstärkt, dass es sich bei den Figuren um Tiere handelt. Der Minnedienst des Fuchses an der adeligen Wölfin Hersant ist der Beginn einer weiteren List Reinharts: [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs|der Vergewaltigung dieser und der damit einhergehenden Demütigung Isengrins]]. Damit veranschaulicht der Minne-Diskurs im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]] beispielhaft die zeitgenössische Ständekritik und Satire der christlich-höfischen Liebes- und Sexual[[Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)|moral]] [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich des Glîchezâres]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inhalt der Episode==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Wolfsfamilie als adelige Familie ===&lt;br /&gt;
Die Lebensformen des mittelalterlichen Adels werden auf die Wolfsfamilie übertragen. Im Text deuten darauf in der Episode der Begegnung des Fuchses mit der Familie (V. 385)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben des Artikels beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819).&amp;lt;/ref&amp;gt; folgende Anhaltspunkte:&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Als Anrede für Isengrin verwendet Reinhart den Titel &amp;quot;herre&amp;quot; (RF V. 389). Dieser unterscheidet sich von den Familienbezeichnungen, mit denen der Fuchs alle vorangegangenen Tiere ansprach. Beispiele hierfür sind etwa &amp;quot;neve&amp;quot; (RF V. 315) für den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]] oder &amp;quot;gevater&amp;quot; (RF V. 178) für die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Auch Hersant spricht Reinhart mit ihrem Adelstitel &amp;quot;vrowen&amp;quot; (RF V. 391) an, der &#039;hohe Dame&#039; bedeutet und in der Zweitnennung die Ehe zwischen den beiden Wölfen schließen lässt.&lt;br /&gt;
* Reinhart bietet sich als &amp;quot;geselle[]&amp;quot; (RF V. 396) an, er gibt an, der Familie dienen zu wollen. (RF V. 390-393)&lt;br /&gt;
* Nach dem Angebot zieht sich die Wolfsfamilie zurück und bespricht sich. Isengrin lässt sich von seiner Frau, die als Mitregentin ein Entscheidungsrecht hat, beraten. (RF V 402-403)&lt;br /&gt;
* Wie oben bereits erwähnt, markiert der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnesang]] (RF V. 409) die höfische Standeszugehörigkeit der Familie.&lt;br /&gt;
* Ein zusätzlicher Hinweis auf den adeligen Stand der Familie ist die Jagd, zu der Isengrin mit seinen Söhnen aufbricht (RF V. 414f.). Sie gilt als privilegierte Freizeitbeschäftigung im Mittelalter, ist im Fall der Wölfe jedoch überlebensnotwendig. (RF V. 443f., mehr zur Mensch-Tier-Grenze siehe unten)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach Reinharts vorangegangenen &amp;quot;[[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|Fehlaventiuren]]&amp;quot; [Ruh 1980:18], schließt er mit Isengrin einvernehmlich einen Gesellenvertrag ab und macht sich damit zum Diener und Mitglied der Familie. Der Herr Wolf übergibt ihm feierlich seine Ehefrau und macht sich auf die Jagd. Dabei werden Reinharts schlechte Absichten bereits von der Erzählstimme antizipiert:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  sin wip nam er bi der hant      || Seine Frau nahm er [Isengrin] an der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere       || und übergab sie feierlich Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere.  || (und) dessen Treuepflicht und dessen Tugend.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.  || Reinhart warb um seine Gevatterin/Freundin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin || Nun hatte aber Isengrin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einen vbelen kamerere.  ||  einen bösen Kammerdiener.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.   || Von hier an kamen merkwürdige Geschichten auf.&lt;br /&gt;
|} Reinhart Fuchs, V. 416-422&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Minnesang ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Formulierungen aus Reinharts Minne-Diskurs sind vom deutschen Nachdichter des &#039;Roman de Renard&#039; übernommen [Ruh 1980:15]:&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sprach zv der vrowen:  || Reinhart sagte zu der hohen Dame:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;gevatere, mochtet ir beschowen  || &#039;Gevatterin, bitte seht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grozen kvmmer, den ich trage:  || den großen Kummer, den ich trage:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von eweren minnen, daz ist min clage,  || Wegen dem Minnedienst an Ihnen, das ist meine Klage,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bin ich harte sere wunt.&#039;  || leide ich sehr stark.&#039;&lt;br /&gt;
|} Reinhart Fuchs, V. 423-427&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hersants Zurückweisung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reaktion erhält Reinhart von Hersant jedoch eine grobe Zurückweisung, die gegen die Tradition der höfischen Minne verstößt:&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Tv zv, Reinhart, dinen mvnt!&#039;  || &#039;Mach zu, Reinhart, deinen Mund!&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sprach er Ysengrinis wip,  || sprach Isengrins Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;min herre hat so schonen lip,  || &#039;Mein Mann hat einen so schönen Körper,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ich wol frvndes schal enpern.  || dass ich bestimmt auf einen Geliebten verzichten kann.&lt;br /&gt;
|} Reinhart Fuchs, V. 416-431&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dieser Zurückweisung führt Reinhart seinen Minnesang fort (V.435-449). Nach den Regeln der &#039;Hohen Minne&#039; beklagt Reinhart die Unmöglichkeit der &#039;&#039;&amp;quot;minne&amp;quot;&#039;&#039; (V.448) zwischen ihm und der Wölfin, wobei er auf die Ständeordnung verweist.  Als Isengrin von der Jagd zurückkehrt, tut Reinhart so, als wäre nichts geschehen (V. 428-431). Die Erzählinstanz bezeichnet ihn dabei ironisierend als &#039;&#039;&amp;quot;hobischere&amp;quot;&#039;&#039; (V. 441). Der Begriff - ursprünglich wertneutral oder positiv verwendet für Männer, die Frauen &#039;&#039;hofieren&#039;&#039; - wird im Reinhart Fuchs erstmals negativ konnotiert.[Erlei 2010:353f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik an der christlich-höfischen Sittenordnung==&lt;br /&gt;
===Der Sittenbruch der hohen Dame Hersant===&lt;br /&gt;
Während Reinhart trotz der groben Zurückweisung Hersants vorerst die Rolle des beharrlichen Minnesängers beibehält und damit als &#039;&#039;&amp;quot;hobischere&amp;quot;&#039;&#039; (V. 441) - wenn auch aus List - der christlichen Tradition folgt, bricht Hersant mit ihr.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Obwohl nach den Sittenregeln der Höfischen Minne offensichtlich ist, dass der Geschlechtsakt zwischen den beiden höfischen Figuren angesichts des potentiellen Ehebruchs und der Unterschiede im sozialen Status unzulässig und die Rollendichtung somit keine Abbildung der Wirklichkeit ist, interpretiert Hersant Reinharts Aussagen wörtlich. Interessant ist das an dieser Stelle aufgezeigte Spannungsfeld der christlichen Sitten zwischen Hersants ehelicher Treue und der Minne-Beziehung zum Ritter: Einerseits betont die hohe Dame ihre bedingungslose Loyalität und Liebe zu ihrem Gatten Isengrin (V. 430) und lässt diese zunächst als Grundmotivation ihrer groben Zurückweisung gelten. Andererseits verletzt sie mit ihrem unangemessenen Wortlaut gegen die Tradition der Minne und macht damit einen obszönen, rücksichtslosen und unmanierlichen Eindruck, der ihrem Stand nicht angemessen ist. Damit reduziert sie das Ritual auf das Sexuelle. Die Episode offenbart aber auch, dass sich Hersant selbst nicht nach den christlichen Sitten zu richten scheint, denn sie begründet ihre Zurückweisung nicht mit diesen, sondern mit ihrem eigenen sexuellen Verlangen, was die folgenden Punkte veranschaulichen:&lt;br /&gt;
* Hersant ist auf Körperlichkeiten fixiert. Ihre &#039;Loyalität&#039; zu Isengrin drückt sie durch ihre Bewunderung für seinen &#039;&#039;&amp;quot;schonen lip&amp;quot;&#039;&#039; (V. 430) aus, nicht durch ihre Ehe. Reinhart hingegen weist sie auch nicht mit der Begründung des Ehebruchs zurück, sondern weil er ihr &#039;&#039;&amp;quot;zu swach&amp;quot;&#039;&#039; (V. 433) erscheint. Das kann entweder ein erneuter Verweis auf Reinharts körperliche Beschaffenheit, jedoch auch auf seine Persönlichkeit oder seinen niederen Stand sein.&lt;br /&gt;
* In ihrer Zurückweisung lässt Hersant durchscheinen, dass sie sich durchaus die Möglichkeit eines Liebhabers offenlässt. Im Konjunktiv drückt sie aus, dass sie sich durchaus einen Liebhaber aussuchen würde, der attraktiver als Reinhart oder ihm höher gestellt sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung des Tierseins für die Kritik der christlichen Moral===&lt;br /&gt;
Die Orientierung Hersants an ihrer Libido setzt sie in Kontrast zu ihrer höfisch-adelig stilisierten Ehe als animalisch-primitiv herab. In dieser Episode lassen sich an Hersants Reaktion die Widersprüchlichkeiten der Trennung zwischen Mensch und Tier ablesen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zunächst grenzt das Werk die tierische Gegenwelt des Waldes von der menschlichen, höfischen Umgebung ab. Dennoch wird die Möglichkeit des Transfers auf menschliches Verhalten durch die Beibehaltung des Waldes als Raum für ritterliche &#039;&#039;aventiuren&#039;&#039; in Artusromanen und der Übertragung menschlicher Habitus (s. oben) gewahrt.[Dietl 2009:53] &lt;br /&gt;
Die Kritik der höfisch-christlichen Sexualmoral gilt in diesem Fall den Menschen, die das Tiersein durch die Annahme eines Mensch-Tier-Dualismus ablehnen. Gängige Begründungen dafür sind der christliche Schöpfungsbericht oder die menschliche Fähigkeit zu Kultur, Recht und komplexen Gesellschaftsformen.[Kompatscher-Gufler 2017:32ff.]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beispielhaft lässt sich Hersants Position im Spannungsverhältnis auf den Menschen übertragen: Zwar beherrscht er mit seiner Kultur seit dem Ackerbau und der Viehzucht das Natürliche und Animalische[Kompatscher-Gufler 2017:32], wird jedoch als Tier auch von seiner Triebhaftigkeit und seiner Libido geleitet, weil die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Lebewesen fließend sind.[Kompatscher-Gufler 2017:44] In der christlichen Kultur wird der zweite Punkt zugunsten des ersten geleugnet.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Moralisches Patt zwischen Reinhart und Hersant===&lt;br /&gt;
Während der listige Fuchs in den vorangehenden Episoden eindeutig als die einzige amoralisch handelnde Figur gilt, demonstriert das Tierepos nun beginnend mit Hersants Sittenbruch zusätzlich moralisch verwerfliche Handlungen bei den anderen Tieren. Die moralische Beurteilung der Figuren wird verkompliziert, wodurch [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich der Glîchezâre]] den Grundstein für seine Kritik der Moral und Gesellschaftsordnung legt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Orientiert an der christlichen Gesellschaftsordnung problematisiert der Handlungsverlauf nun die moralische Überlegenheit Hersants über Reinhart. Formal und ausdrücklich wegen seines egoistischen Strebens handelt Reinhart im Rahmen des sozio-anthropologischen Modells der aristotelisch-thomistischen Tugendethik, nach der moralisch gutes Handeln langfristig erfolgreicher sei.[Hübner 2016: 83] Dem Minneparadox als Teil der aristokratisch-höfischen Moral[Hübner 2016: 83] zufolge veredelt Reinharts Beharrlichkeit trotz der erfahrenen Zurückweisung zusätzlich seinen Charakter. Dieses kulturelle Handlungswissen wird in Reinharts Minne-Diskurs mithilfe der [[Erzählstruktur (Reinhart Fuchs)|Erzählinstanz]] jedoch subversiv unterlaufen: Trotz der Erfüllung der Formalitäten strebt Reinhart nicht nach einem &amp;quot;dauerhaft gute[m] Leben möglichst vieler Einzelner&amp;quot;[Hübner 2016: 84], sondern nach seinem eigenen Vorteil, was zynisch durch die Erzählstimme angedeutet und durch den weiteren Handlungsverlauf wiederholt bestätigt wird (z.B. durch die [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs|Vergewaltigung Hersants]]). Hierin zeigt sich jedoch die Schlauheit Reinharts:  Sie &amp;quot;besteht [...] in der Instrumentalisierung rechts- oder tugendgemäßer Handlungsregeln für nicht rechts- oder tugendgemäße Handlungsziele&amp;quot;.[Hübner 2016: 88]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aussage trifft auch auf Hersant zu. Unter den Einschränkungen des im Hinblick auf die sittlichen Verfehlungen der Minnesang-Konstellation oben Ausgeführten verweist auch sie formal auf die christliche Tugend der ehelichen Treue. Allerdings offenbart die Interpretation ihrer Aussage ebenfalls ihre triebgesteuerten und somit unsittlichen Absichten.[Mecklenburg 2017:94] Im Hinblick auf [[Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)|die im Epos konkurrierenden Handlungsvorgaben bildet diese Szene einen Wendepunkt im Epos]]. Dieses spitzt sich auf die Erkenntnis zu, dass nicht nur Reinhart, sondern auch sein gesamtes Umfeld heuchlerisch und opportunistisch handeln. Das oben eingeführte, sensible Spiel mit der Mensch-Tier-Grenze verschärft hier die Kritik der Moral: Tiere unterliegen aufgrund ihrer Vernunftlosigkeit voll und ganz ihren Instinkten, der Mensch jedoch ist oft gezwungen, zwischen seinen Trieben und einer gesellschaftlichen Moral zu vermitteln. Bezeichnend für diese Interpretation ist das zeitgenössische Sprichwort, dass der Mensch mehr zu fürchten sei als alle Tiere: &#039;&#039;homo plus est timendus prae omnibus animalibus&#039;&#039;.[Hübner 2016:87]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Bruch der Sitten und das entstehende Leid wird außerdem  im Rückblick auf die Vergewaltigung am Hoftag sogar vom Dachs in einem Minne-Diskurs relativiert, indem dieser betont, dass &amp;quot;svldter dinge vil gesdtiht&amp;quot;. (V. 1394) Seine Aussage kann als Verweis auf eine historische Realität gelesen werden, in der tatsächlich sexuelle Verhältnisse zwischen Ritter und Dame eingegangen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Der Minne-Diskurs zwischen Reinhart und Hersant vermittelt im sensiblen Spiel mit der Mensch-Tier-Grenze eine Facette der Gesellschaftskritik, auf die sich das Werk Reinhart Fuchs zuspitzt. Diese soll die Bigotterie der feudalen Gesellschaftsordnung offenbaren, in der die Tugenden, die sie eigentlich legitimieren, nur oberflächlich gelten und während dem Landfrieden nicht einmal vom [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König]] beachtet werden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Tierepos Reinhart Fuchs stammt aus der Zeit der allmählichen Überwindung des Minnesangs. Kritische Reflexionen über die Einseitigkeit und restriktive Formalität der Hohen Minne und damit einhergehende satirische Elemente waren im zeitgenössischen Minnesang weit verbreitet. Ziel war eine Gegenüberstellung dieser Liebes- und Sexualmoral mit alternativen, beispielsweise auf Gegenseitigkeit basierenden Liebeskonzepten.[Hummelink 2018:6f.] Der satirische Trick des Autors, im Minnesang &#039;&#039;das Tier im Menschen hervorzubringen&#039;&#039;, ermöglicht ihm die Kritik der beschriebenen Liebesordnung als Teil der höfischen Herrschaft und Tugenden: Die &#039;&#039;kultivierte&#039;&#039;, gesellschaftliche Ordnung dient als Mittel für das Verdecken von menschlichem, entfesseltem Eigennutz zur Befriedigung &#039;primitiver&#039; Bedürfnisse wie etwa Sex.[Dietl 2009:54]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Durch das höfisch-galante Vorspiel, schon als solches parodistisch durch die undamenhafte Replik der mehrfach als &#039;&#039;edel&#039;&#039; [...] apostrophierten Partnerin, erhält die Reinhart-Hersant-Minne ein zusätzliches Element literarischer Kritik. Höfische Minne ist, ungeachtet der Theorie &#039;&#039;hôher minne&#039;&#039;  und nobler Worte, &#039;&#039;bîligen&#039;&#039; im Ehebruch.&amp;quot; [Ruh 1980:15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2009] Dietl, C. (2009). Violentia und potestas (pp. 41-54). Walter de Gruyter.&lt;br /&gt;
*[*Erlei 2010] Erlei, S. (2010). &amp;quot; Höfisch&amp;quot; im Mittelhochdeutschen: die Verwendung eines Programmworts der höfischen Kultur in den deutschsprachigen Texten vor 1300 (Vol. 22). Peter Lang.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, G. (2016). Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs ‘.&lt;br /&gt;
*[*Hummelink 2018] Hummelink, H. A. B. (2018). Erotik im Minnesang. Der Einfluss des Geschlechts des lyrischen Ichs auf das Provozieren der Erotik.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler, G. (2017): Human-animal studies: eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende. Mensch-Tier-Grenze (pp. 31-48). 2017.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, M. (2017) Abenteuerliche Überkreuzungen : Vormoderne intersektional (pp. 73-98).&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, K. (1977). Höfische Epik des deutschen Mittelalters. &amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Tierepik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Reinhart Fuchs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Heinrich der Glîchezare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tiere]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: historischer Kontext]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Artikel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Luca.baumann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Minne-Diskurs_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29294</id>
		<title>Der Minne-Diskurs (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_Minne-Diskurs_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29294"/>
		<updated>2020-08-14T11:18:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Luca.baumann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt den &#039;&#039;&#039;Minne-Diskurs&#039;&#039;&#039; zwischen Reinhart und der Wölfin Hersant, wobei die Repräsentation von Sexualität und deren Polarität zwischen &#039;höfischem&#039;/&#039;sittlichem&#039; und &#039;niederem&#039;/&#039;animalischem&#039; Begehren im Vordergrund steht. Dieses Spannungsverhältnis bietet die Grundlage für die im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]] dargestellte Satire der höfischen Minne des Hochmittelalters als Teil einer christlichen, feudalen Gesellschaftsordnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sozio-kulturelle Kontextualisierung der &amp;quot;Minne&amp;quot;==&lt;br /&gt;
Dem zentralen Begriff der Minne kommt im Mittelhochdeutschen eine ganze Bandbreite von Bedeutungen zu. Das Wort &amp;quot;Minne&amp;quot; fand in Verben, in Adjektiven und etlichen substantivischen Komposita seine Anwendung. So konnte man &amp;quot;minnen&amp;quot;, konnte &amp;quot;minne-lich&amp;quot;  oder gar ein &amp;quot;minne-diep&amp;quot; sein. &amp;quot;Minne&amp;quot; kann die unterschiedlichsten Alternativen einer generellen &amp;quot;Liebe&amp;quot; sein. Das Bedeutungsspektrum reicht von Beschreibungen über Liebes-Werben bis hin zum eigentlichen Liebes-Akt mit allerlei handfesten sexuellen Handlungen. Dieses überaus pluralistische Bedeutungsspektrum hat zur Folge, dass diese Wortfamilie in den unterschiedlichsten Kontexten des alltäglichen Lebens angewandt wurde. Die höfische [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minne]] ist als ritterlich-adelige Liebeslyrik Ausdruck eines  meist nicht sexuell konnotierten Wohlwollens eines (ritterlichen) Minnesängers gegenüber einer höfischen, hochgestellten Frau. Weiter gab es aber auch Kontexte, in denen der Werbende explizit um eine Belohnung in Form von sexuellen Handlungen bemüht war. Der Minnesang, zu dem die &#039;Hohe Minne&#039; gehört, kommt ursprünglich aus Frankreich, entstand ab Mitte des 12. Jahrhunderts und wurde Teil einer europaweiten Hofkultur.&amp;lt;br&amp;gt; &lt;br /&gt;
===&#039;Die Hohe Minne&#039;===&lt;br /&gt;
Trotz ausschweifender Verehrung der Dame beklagen die Texte der öffentlichen Vortragskunst in typisierten Mustern ohne subjektiven Ausdruck die Unmöglichkeit einer tatsächlichen sexuellen Vereinigung. Der Ausdruck der Anziehung ist im Rahmen der Vasallität Teil des Dienstes an den Herrschenden und der kulturell fokussierten Triebbeherrschung, die Teil der Codizes der höfischen Klasse waren.  Diese dienen, ähnlich der &amp;quot;kultivierten Gewalt&amp;quot;, der Kommunikation und Selbstvergewisserung zwischen Gleichgesinnten. [Dietl 2009:42f] Während die Themen Intimität, Liebe und Begehren reflektiert und verhandelt werden, soll die Beharrlichkeit des Sängers nach andauernder Zurückweisung durch die Hofdame dessen Wert steigern (Minneparadox). Die kontinuierliche Arbeit an der Kunst des Werbens galt demnach als Tugend, die den Charakter des Minnesängers formt und auszeichnet. &amp;lt;br&amp;gt; &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Minne-Diskurs im Tierepos [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]] referiert auf diese Tradition, weicht jedoch mit kritischem Blick von ihr ab. Das zeigt sich auf den Ebenen des Handlungsverlaufs und der Sympathielenkung und wird zudem durch die Tatsache verstärkt, dass es sich bei den Figuren um Tiere handelt. Der Minnedienst des Fuchses an der adeligen Wölfin Hersant ist der Beginn einer weiteren List Reinharts: [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs|der Vergewaltigung dieser und der damit einhergehenden Demütigung Isengrins]]. Damit veranschaulicht der Minne-Diskurs im [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)|Reinhart Fuchs]] beispielhaft die zeitgenössische Ständekritik und Satire der christlich-höfischen Liebes- und Sexual[[Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)|moral]] [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich des Glîchezâres]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Inhalt der Episode==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Wolfsfamilie als adelige Familie ===&lt;br /&gt;
Die Lebensformen des mittelalterlichen Adels werden auf die Wolfsfamilie übertragen. Im Text deuten darauf in der Episode der Begegnung des Fuchses mit der Familie (V. 385)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben des Artikels beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, hg., übers. und erläutert von Karl-Heinz Göttert, bibliographisch ergänzte Ausg., Stuttgart 2005 (Reclams Universal-Bibliothek 9819).&amp;lt;/ref&amp;gt; folgende Anhaltspunkte:&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
* Als Anrede für Isengrin verwendet Reinhart den Titel &amp;quot;herre&amp;quot; (RF V. 389). Dieser unterscheidet sich von den Familienbezeichnungen, mit denen der Fuchs alle vorangegangenen Tiere ansprach. Beispiele hierfür sind etwa &amp;quot;neve&amp;quot; (RF V. 315) für den [[Fuchs und Kater (Reinhart Fuchs)|Kater]] oder &amp;quot;gevater&amp;quot; (RF V. 178) für die [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)|Meise]]. Auch Hersant spricht Reinhart mit ihrem Adelstitel &amp;quot;vrowen&amp;quot; (RF V. 391) an, der &#039;hohe Dame&#039; bedeutet und in der Zweitnennung die Ehe zwischen den beiden Wölfen schließen lässt.&lt;br /&gt;
* Reinhart bietet sich als &amp;quot;geselle[]&amp;quot; (RF V. 396) an, er gibt an, der Familie dienen zu wollen. (RF V. 390-393)&lt;br /&gt;
* Nach dem Angebot zieht sich die Wolfsfamilie zurück und bespricht sich. Isengrin lässt sich von seiner Frau, die als Mitregentin ein Entscheidungsrecht hat, beraten. (RF V 402-403)&lt;br /&gt;
* Wie oben bereits erwähnt, markiert der [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Minnesang]] (RF V. 409) die höfische Standeszugehörigkeit der Familie.&lt;br /&gt;
* Ein zusätzlicher Hinweis auf den adeligen Stand der Familie ist die Jagd, zu der Isengrin mit seinen Söhnen aufbricht (RF V. 414f.). Sie gilt als privilegierte Freizeitbeschäftigung im Mittelalter, ist im Fall der Wölfe jedoch überlebensnotwendig. (RF V. 443f., mehr zur Mensch-Tier-Grenze siehe unten)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach Reinharts vorangegangenen &amp;quot;[[Reinhart der Verlierer (Reinhart Fuchs)|Fehlaventiuren]]&amp;quot; [Ruh 1980:18], schließt er mit Isengrin einvernehmlich einen Gesellenvertrag ab und macht sich damit zum Diener und Mitglied der Familie. Der Herr Wolf übergibt ihm feierlich seine Ehefrau und macht sich auf die Jagd. Dabei werden Reinharts schlechte Absichten bereits von der Erzählstimme antizipiert:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  sin wip nam er bi der hant      || Seine Frau nahm er [Isengrin] an der Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde bevalch si Reinharte sere       || und übergab sie feierlich Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an sine trewe vnde an sine ere.  || (und) dessen Treuepflicht und dessen Tugend.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart warb vmb di gevatern sin.  || Reinhart warb um seine Gevatterin/Freundin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hat aber er Ysengrin || Nun hatte aber Isengrin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einen vbelen kamerere.  ||  einen bösen Kammerdiener.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hi hebent sich vremde mere.   || Von hier an kamen merkwürdige Geschichten auf.&lt;br /&gt;
|} Reinhart Fuchs, V. 416-422&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Reinharts Minnesang ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Formulierungen aus Reinharts Minne-Diskurs sind vom deutschen Nachdichter des &#039;Roman de Renard&#039; übernommen [Ruh 1980:15]:&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sprach zv der vrowen:  || Reinhart sagte zu der hohen Dame:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;gevatere, mochtet ir beschowen  || &#039;Gevatterin, bitte seht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grozen kvmmer, den ich trage:  || den großen Kummer, den ich trage:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von eweren minnen, daz ist min clage,  || Wegen dem Minnedienst an Ihnen, das ist meine Klage,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bin ich harte sere wunt.&#039;  || leide ich sehr stark.&#039;&lt;br /&gt;
|} Reinhart Fuchs, V. 423-427&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hersants Zurückweisung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als Reaktion erhält Reinhart von Hersant jedoch eine grobe Zurückweisung, die gegen die Tradition der höfischen Minne verstößt:&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;Tv zv, Reinhart, dinen mvnt!&#039;  || &#039;Mach zu, Reinhart, deinen Mund!&#039;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sprach er Ysengrinis wip,  || sprach Isengrins Frau,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;min herre hat so schonen lip,  || &#039;Mein Mann hat einen so schönen Körper,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ich wol frvndes schal enpern.  || dass ich bestimmt auf einen Geliebten verzichten kann.&lt;br /&gt;
|} Reinhart Fuchs, V. 416-431&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach dieser Zurückweisung führt Reinhart seinen Minnesang fort (V.435-449). Nach den Regeln der &#039;Hohen Minne&#039; beklagt Reinhart die Unmöglichkeit der &#039;&#039;&amp;quot;minne&amp;quot;&#039;&#039; (V.448) zwischen ihm und der Wölfin, wobei er auf die Ständeordnung verweist.  Als Isengrin von der Jagd zurückkehrt, tut Reinhart so, als wäre nichts geschehen (V. 428-431). Die Erzählinstanz bezeichnet ihn dabei ironisierend als &#039;&#039;&amp;quot;hobischere&amp;quot;&#039;&#039; (V. 441). Der Begriff - ursprünglich wertneutral oder positiv verwendet für Männer, die Frauen &#039;&#039;hofieren&#039;&#039; - wird im Reinhart Fuchs erstmals negativ konnotiert.[Erlei 2010:353f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Kritik an der christlich-höfischen Sittenordnung==&lt;br /&gt;
===Der Sittenbruch der hohen Dame Hersant===&lt;br /&gt;
Während Reinhart trotz der groben Zurückweisung Hersants vorerst die Rolle des beharrlichen Minnesängers beibehält und damit als &#039;&#039;&amp;quot;hobischere&amp;quot;&#039;&#039; (V. 441) - wenn auch aus List - der christlichen Tradition folgt, bricht Hersant mit ihr.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Obwohl nach den Sittenregeln der Höfischen Minne offensichtlich ist, dass der Geschlechtsakt zwischen den beiden höfischen Figuren angesichts des potentiellen Ehebruchs und der Unterschiede im sozialen Status unzulässig und die Rollendichtung somit keine Abbildung der Wirklichkeit ist, interpretiert Hersant Reinharts Aussagen wörtlich. Interessant ist das an dieser Stelle aufgezeigte Spannungsfeld der christlichen Sitten zwischen Hersants ehelicher Treue und der Minne-Beziehung zum Ritter: Einerseits betont die hohe Dame ihre bedingungslose Loyalität und Liebe zu ihrem Gatten Isengrin (V. 430) und lässt diese zunächst als Grundmotivation ihrer groben Zurückweisung gelten. Andererseits verletzt sie mit ihrem unangemessenen Wortlaut gegen die Tradition der Minne und macht damit einen obszönen, rücksichtslosen und unmanierlichen Eindruck, der ihrem Stand nicht angemessen ist. Damit reduziert sie das Ritual auf das Sexuelle. Die Episode offenbart aber auch, dass sich Hersant selbst nicht nach den christlichen Sitten zu richten scheint, denn sie begründet ihre Zurückweisung nicht mit diesen, sondern mit ihrem eigenen sexuellen Verlangen, was die folgenden Punkte veranschaulichen:&lt;br /&gt;
* Hersant ist auf Körperlichkeiten fixiert. Ihre &#039;Loyalität&#039; zu Isengrin drückt sie durch ihre Bewunderung für seinen &#039;&#039;&amp;quot;schonen lip&amp;quot;&#039;&#039; (V. 430) aus, nicht durch ihre Ehe. Reinhart hingegen weist sie auch nicht mit der Begründung des Ehebruchs zurück, sondern weil er ihr &#039;&#039;&amp;quot;zu swach&amp;quot;&#039;&#039; (V. 433) erscheint. Das kann entweder ein erneuter Verweis auf Reinharts körperliche Beschaffenheit, jedoch auch auf seine Persönlichkeit oder seinen niederen Stand sein.&lt;br /&gt;
* In ihrer Zurückweisung lässt Hersant durchscheinen, dass sie sich durchaus die Möglichkeit eines Liebhabers offenlässt. Im Konjunktiv drückt sie aus, dass sie sich durchaus einen Liebhaber aussuchen würde, der attraktiver als Reinhart oder ihm höher gestellt sei.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Bedeutung des Tierseins für die Kritik der christlichen Moral===&lt;br /&gt;
Die Orientierung Hersants an ihrer Libido setzt sie im Kontrast zu ihrer höfisch-adelig stilisierten Ehe als animalisch-primitiv herab. In dieser Episode lassen sich an Hersants Reaktion die Widersprüchlichkeiten der Trennung zwischen Mensch und Tier ablesen. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Zunächst grenzt das Werk die tierische Gegenwelt des Waldes von der menschlichen, höfischen Umgebung ab. Dennoch wird die Möglichkeit des Transfers auf menschliches Verhalten durch die Beibehaltung des Waldes als Raum für ritterliche &#039;&#039;aventiuren&#039;&#039; in Artusromanen und der Übertragung menschlicher Habitus (s. oben) gewahrt.[Dietl 2009:53] &lt;br /&gt;
Die Kritik der höfisch-christlichen Sexualmoral gilt in diesem Fall den Menschen, die das Tiersein durch die Annahme eines Mensch-Tier-Dualismus ablehnen. Gängige Begründungen dafür sind der christliche Schöpfungsberichtoder mit die menschliche Fähigkeit zu Kultur, Recht und komplexen Gesellschaftsformen.[Kompatscher-Gufler 2017:32ff.]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Beispielhaft lässt sich Hersants Position im Spannungsverhältnis auf den Menschen übertragen: Zwar beherrscht er mit seiner Kultur seit dem Ackerbau und der Viehzucht das Natürliche und Animalische[Kompatscher-Gufler 2017:32], wird jedoch als Tier auch von seiner Triebhaftigkeit und seiner Libido geleitet, weil die Übergänge zwischen den unterschiedlichen Lebewesen fließend sind.[Kompatscher-Gufler 2017:44] In der christlichen Kultur wird der zweite Punkt zugunsten des ersten geleugnet.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Moralisches Patt zwischen Reinhart und Hersant===&lt;br /&gt;
Während der listige Fuchs in den vorangehenden Episoden eindeutig als die einzige amoralisch handelnde Figur gilt, demonstriert das Tierepos nun beginnend mit Hersants Sittenbruch zusätzlich moralisch verwerfliche Handlungen bei den anderen Tieren. Die moralische Beurteilung der Figuren wird verkompliziert, wodurch [[Heinrich der Glîchezâre|Heinrich der Glîchezâre]] den Grundstein für seine Kritik der Moral und Gesellschaftsordnung legt.&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Orientiert an der christlichen Gesellschaftsordnung problematisiert der Handlungsverlauf nun die moralische Überlegenheit Hersants über Reinhart. Formal und ausdrücklich wegen seines egoistischen Strebens handelt Reinhart im Rahmen des sozio-anthropologischen Modells der aristotelisch-thomistischen Tugendethik, nach der moralisch gutes Handeln langfristig erfolgreicher sei.[Hübner 2016: 83] Dem Minneparadox als Teil der aristokratisch-höfischen Moral[Hübner 2016: 83] zufolge veredelt Reinharts Beharrlichkeit trotz der erfahrenen Zurückweisung zusätzlich seinen Charakter. Dieses kulturelle Handlungswissen wird in Reinharts Minne-Diskurs mithilfe der [[Erzählstruktur (Reinhart Fuchs)|Erzählinstanz]] jedoch subversiv unterlaufen: Trotz der Erfüllung der Formalitäten strebt Reinhart nicht nach einem &amp;quot;dauerhaft gute[m] Leben möglichst vieler Einzelner&amp;quot;[Hübner 2016: 84], sondern nach seinem eigenen Vorteil, was zynisch durch die Erzählstimme angedeutet und durch den weiteren Handlungsverlauf wiederholt bestätigt wird (z.B. durch die [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs|Vergewaltigung Hersants]]). Hierin zeigt sich jedoch die Schlauheit Reinharts:  Sie &amp;quot;besteht [...] in der Instrumentalisierung rechts- oder tugendgemäßer Handlungsregeln für nicht rechts- oder tugendgemäße Handlungsziele&amp;quot;.[Hübner 2016: 88]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Aussage trifft auch auf Hersant zu. Unter den Einschränkungen durch die oben ausgeführten im Hinblick auf die sittlichen Verfehlungen der Minnesang-Konstellation verweist auch sie formal auf die christliche Tugend der ehelichen Treue. Allerdings offenbart die Interpretation ihrer Aussage ebenfalls ihre triebgesteuerten und somit unsittlichen Absichten.[Mecklenburg 2017:94] Im Hinblick auf [[Moral und Gewissen (Reinhart Fuchs)|die im Epos konkurrierenden Handlungsvorgaben bildet diese Szene einen Wendepunkt im Epos]]. Dieses spitzt sich auf die Erkenntnis zu, dass nicht nur Reinhart, sondern auch sein gesamtes Umfeld heuchlerich und opportunistisch handeln. Das oben eingeführte, sensible Spiel mit der Mensch-Tier-Grenze verschärft hier die Kritik der Moral: Tiere unterliegen aufgrund ihrer Vernunftlosigkeit voll und ganz ihren Instinkten, der Mensch jedoch ist oft gezwungen, zwischen seinen Trieben und einer gesellschaftlichen Moral zu vermitteln. Bezeichnend für diese Interpretation ist das zeitgenössische Sprichwort, dass der Mensch mehr zu fürchten sei als alle Tiere: &#039;&#039;homo plus est timendus prae omnibus animalibus&#039;&#039;.[Hübner 2016:87]&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Bruch der Sitten und das entstehende Leid wird außerdem  im Rückblick auf die Vergewaltigung am Hoftag sogar vom Dachs in einem Minne-Diskurs relativiert, indem dieser betont, dass &amp;quot;svldter dinge vil gesdtiht&amp;quot;. (V. 1394) Seine Aussage kann als Verweis auf eine historische Realität gelesen werden, in der tatsächlich sexuelle Verhältnisse zwischen Ritter und Dame eingegangen wurden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
Der Minne-Diskurs zwischen Reinhart und Hersant vermittelt im sensiblen Spiel mit der Mensch-Tier-Grenze eine Facette der Gesellschaftskritik, auf die sich das Werk Reinhart Fuchs zuspitzt. Diese soll die Bigotterie der feudalen Gesellschaftsordnung offenbaren, in der die Tugenden, die sie eigentlich legitimieren nur oberflächlich gelten und während dem Landfrieden nicht einmal vom [[Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)|König]] beachtet werden. &amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Tierepos Reinhart Fuchs stammt aus der Zeit der allmählichen Überwindung des Minnesangs. Kritische Reflexionen über die Einseitigkeit und restriktive Formalität der Hohen Minne und damit einhergehende satirische Elemente waren im zeitgenössischen Minnesang weit verbreitet. Ziel war eine Gegenüberstellung dieser Liebes- und Sexualmoral mit alternativen, beispielsweise auf Gegenseitigkeit basierenden Liebeskonzepten.[Hummelink 2018:6f.] Der satirische Trick des Autors, im Minnesang &#039;&#039;das Tier im Menschen hervorzubringen&#039;&#039;, ermöglicht ihm die Kritik der beschriebenen Liebesordnung als Teil der höfischen Herrschaft und Tugenden: Die &#039;&#039;kultivierte&#039;&#039;, gesellschaftliche Ordnung dient als Mittel für das Verdecken von menschlichem, entfesseltem Eigennutz zur Befriedigung &#039;primitiver&#039; Bedürfnisse wie etwa Sex.[Dietl 2009:54]&lt;br /&gt;
&amp;lt;br&amp;gt;&amp;lt;br&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;quot;Durch das höfisch-galante Vorspiel, schon als solches parodistisch durch die undamenhafte Replik der mehrfach als &#039;&#039;edel&#039;&#039; [...] apostrophierten Partnerin, erhält die Reinhart-Hersant-Minne ein zusätzliches Element literarischer Kritik. Höfische Minne ist, ungeachtet der Theorie &#039;&#039;hôher minne&#039;&#039;  und nobler Worte, &#039;&#039;bîligen&#039;&#039; im Ehebruch.&amp;quot; [Ruh 1980:15]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellenverzeichnis==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2009] Dietl, C. (2009). Violentia und potestas (pp. 41-54). Walter de Gruyter.&lt;br /&gt;
*[*Erlei 2010] Erlei, S. (2010). &amp;quot; Höfisch&amp;quot; im Mittelhochdeutschen: die Verwendung eines Programmworts der höfischen Kultur in den deutschsprachigen Texten vor 1300 (Vol. 22). Peter Lang.&lt;br /&gt;
*[*Hübner 2016] Hübner, G. (2016). Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs ‘.&lt;br /&gt;
*[*Hummelink 2018] Hummelink, H. A. B. (2018). Erotik im Minnesang. Der Einfluss des Geschlechts des lyrischen Ichs auf das Provozieren der Erotik.&lt;br /&gt;
*[*Kompatscher-Gufler 2017] Kompatscher-Gufler, G. (2017): Human-animal studies: eine Einfuehrung fuer Studierende und Lehrende. Mensch-Tier-Grenze (pp. 31-48). 2017.&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, M. (2017) Abenteuerliche Überkreuzungen : Vormoderne intersektional (pp. 73-98).&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980] Ruh, K. (1977). Höfische Epik des deutschen Mittelalters. &amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Tierepik]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Reinhart Fuchs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Heinrich der Glîchezare]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Literarische Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Tiere]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: historischer Kontext]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Frauen im Mittelalter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Artikel]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ideale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Luca.baumann</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_L%C3%B6we_Vrevel_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29293</id>
		<title>Der Löwe Vrevel (Reinhart Fuchs)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_L%C3%B6we_Vrevel_(Reinhart_Fuchs)&amp;diff=29293"/>
		<updated>2020-08-13T14:08:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Luca.baumann: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Diese Seite befasst sich anhand von Textbelegen mit der Figur des königlichen Löwen Vrevel im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot;. Hierbei werden vor allem die Ameisenepisode sowie die &amp;quot;Heilung&amp;quot; Vrevels durch die Hauptfigur, den Fuchs Reinhart, analysiert und gedeutet. Des Weiteren erfolgt eine Analyse des Löwen als Symbol im Mittelalter und dessen Rolle im Kontext des Tierepos.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Löwe und Ameise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Episode, welche den zweiten großen Teil des &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; (den Hoftag) einleitet, beginnt nach der Vergewaltigung Hersants durch Reinhart (nachzulesen im Artikel über [[Sexuelle Gewalt im Reinhart Fuchs]]) und dem darauf folgenden Streit und der Trennung von Reinhart und [[Isegrin (Reinhart Fuchs)]]. Der Szene vorangehend erfolgt eine kurze Vorstellung Vrevels als König und Herrscher über das Land, in welchem alle vorangehenden Episoden stattfinden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einem ameizen hvfen wold er gan, || Er wollte zu einem Ameisenhaufen gehen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nv hiez er si alle stille stan || Dort hielt er alle dazu an, innezuhalten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde sagte in vremde mere, || und verkündete ihnen die dreiste Botschaft,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er ir herre were.  || dass er nun ihr Herr sei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des enwolden si niht volgen,|| Dem wollten sie nicht folgen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des wart sin mvt erbolgen. || worüber er sehr erzürnt war. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor zorne er vf die burc spranc, || Zornig sprang er auf ihre Festung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit kranken tieren er do ranc,|| und kämpfte mit den kleinen Tieren,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|in dvchte, daz iz im tete not. || weil er glaubte, dass er dazu verpflichtet sei.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ir lagen da me danne tvsent tot || Über tausend von ihnen starben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde vil mange sere wunt, || und viele von ihnen wurden verwundet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gnvc bleibe ir ovch gesvnt. || doch ein paar von ihnen blieben unverletzt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sinen zorn er vaste ane in rach, || Voller Zorn rächte er sich an ihnen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die bvrk er an den grvnt brach. || und zerstörte die Festung bis auf die Grundmauern.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er hatte in geschadet ane maze, || Er hatte ihnen unermessliches Leid zugefügt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do hvb er sich sine straze. || als er sich wieder auf den Weg machte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| di ameyzen begonden clagen || Die Ameisen klagten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde irn grozen schaden sagen, || und berichteten von dem großen Schaden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| den si hatten an irem chvnne. || den ihr Volk angenommen hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| z[ ]ergangen was ir wunne, || Ihre Freude war vergangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz waz in ein iemerlicher tac. || das war ein schrecklicher Tag.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}(RF, 1251-1271) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach diesem Abschnitt, welcher das gewaltsame und brutale Vorgehen Vrevels gegen das Ameisenvolk illustriert, liegt der Fokus auf dem zuvor abwesenden Ameisenkönig, der seine Festung nun zerstört, und sein Volk getötet und verletzt vorfindet. Daraufhin fasst er den Entschluss, eigenständig Rache an dem zu nehmen, der seinen Untertanen so ein Leid zugefügt hat. Hierfür beschließt er, durch das Ohr in das Gehirn des Königs einzudringen und diesem von dort aus Schmerzen zuzufügen (vgl. RF V. 1299-1307).&lt;br /&gt;
Am Ende der Szene wird verdeutlicht, dass Reinhart, im Gebüsch lauernd, die Geschehnisse als einziger beobachtet hat: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do gesach iz Reinhart || Dies sah Reinhart&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was verborgen da bi. || der unweit im Verborgenen lag.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(RF, 1302f.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sein Wissen um den Hergang des Zusammentreffens wird prägend für den des Hoftages. Somit kann diese Szene als Wendepunkt des Tierepos gesehen werden, der nun von episodenhaften Erzählung der Missetaten Reinharts und dem Leiden Isegrins zu einer relativ zusammenhängenden Erzählung des Hoftages (mit episodenhaften Einschüben) wechselt. Sie legt außerdem den Grundstein für den weiteren Verlauf der Beziehung zwischen Reinhart und Vrevel, welche im nächsten Abschnitt näher erläutert werden soll.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Löwe und Reinhart ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Ablauf des Zusammentreffens ===&lt;br /&gt;
Im Rahmen der großen Episode des Hoftages findet das Zusammentreffen von Reinhart und Vrevel statt. Kurz nach Eintreffen Reinharts nach der dritten und letzten Vorladung findet ein persönliches Gespräch der beiden Figuren statt, das nun in den Vordergrund rückt und die Szenerie des Hoftages sowie alle weiteren Teilnehmer vorerst in den Hintergrund verbannt:&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhartes liste waren gros, || Reinharts Verschlagenheit hatte keine Grenzen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,kvnic, was sol dirre doz? || er sagt: &amp;quot;König, was soll dieser Lärm?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich bin in mangen hof kvmen, || Ich bin schon an manchen Hof gekommen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ich selden han vernvmen || doch noch nie habe ich&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| solche vngezogenheit. || solch eine Ungehorsamkeit erlebt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des war, iz ist mir vur evh leit.&#039; || Die tut mir wahrlich leid für euch.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kvnic sprach: ,iz ist also.&#039; || Darauf antwortete der König: &amp;quot;So ist es eben.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vberbrechten verbot man do. || Daraufhin wurden die Einwürfe untersagt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart sprach: ,evch enpevtet den dienst sin, || Reinhart sagte:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| reicher kvnich, meister Pendin, || &amp;quot;Mächtiger König, euch bietet Meister Bendin seine Dienste an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein artzt von Salerne, || ein Arzt aus Salerno,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der sehe ewer ere gerne, || der euch sehr schätzt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde dar zv alle, di da sint, || wie es alle dort tun - &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| beide di alden vnt di kint. || ob alt oder jung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vnde geschiht evch an dem liebe icht, || Sollte euch irgendetwas zustoßen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz enmvgen si vberwinden niht. || so werden sie nicht darüber hinwegkommen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| herre, ich was zv Salerne , || Herr, ich war deshalb in Salerno&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar vmme, daz ich gerne  || weil ich euch unbedingt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| evh hvlfe von diesen sichtagen. || von eurer Krankheit befreien möchte. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich weiz wol, daz allez ewer dagen  || Ich weiß genau, dass euer ganzer Schmerz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in dem hovbet ist, swaz iz mvge sin. || im Kopf begründet liegt, was es auch immer es sein könnte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| evch enpevtet meister Bendin, || Meister Bendin lässt Euch ausrichten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir evh niht svlt vergezzen, || dass Ihr es nicht vergessen dürft,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn svlt tegliche ezzen || täglich die Heilkräuter zu essen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre lactewerien, di er evh hat gesant.&#039; || die er für euch gesendet hat.&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ,daz leist ich&#039;, sprach der kvnic ze hant || &amp;quot;Das werde ich tun&amp;quot;, sagte der König sofort.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(RF,1865-1889) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier wird deutlich, dass es Reinhart nun gelingt, den Fokus des Königs vom eigentlichen Anlass des Zusammentreffens, der Verurteilung Reinharts für seine Verbrechen an anderen Tieren, abzulenken und so einer Rechtsprechung zu entgehen. Der Hoftag wird somit zur Bühne, auf der Reinhart mit Hilfe des Königs Vrevel als seine Marionette Rache an allen verüben kann, die ihm schaden wollen. Im Unterschied zu vorangehenden Episoden, ist hier jedoch nicht von Beginn an klar, dass Reinhart mit seiner List auch Vrevel schaden will. Es scheint zunächst so, als würde er ihn wirklich ausschließlich aufgrund seiner Leichtgläubigkeit und Machtposition ausnutzen, jedoch nicht, dass er zwingend böse Absichten gegenüber Vrevel selbst hat. Dies steht im klaren Kontrast zu den vorherigen Listen (vgl. [[Fuchs und Meise (Reinhart Fuchs)]]), bei denen von Beginn an klar kommuniziert wurde, dass Reinharts Gegenspieler Leid davontragen würden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nichtsdestotrotz wird auch Vrevel am Ende ein Opfer Reinharts, als dieser ihn nach vollbrachter Rache (für welche er die Verzweiflung des Königs über seine Krankheit ausnutzte) mit Hilfe eines Trankes umbringt:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|-&lt;br /&gt;
! Mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er sprach: ,herre, ich wil ev geben einen tranc, ||Er sagte: &amp;quot;Herr, ich will Euch einen Trank geben, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| so sit ir ze hant genesen.&#039; || danach seid ihr sofort genesen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der kvnic sprach: ,daz sol wesen.&#039; || Der König antwortete: &amp;quot;So soll es sein.&amp;quot;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do brov er des kvniges tot. || Da braute er des Königs Tod. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Reinhart was vbele vnde rot,  || Reinhart war übel und rot, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz tet er da vil wol schin: || was er jetzt klar zeigte: &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er vergab dem herren sin. || er vergiftete seinen Herrn.  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(RF V. 2168-2174) &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf Heinrich der Glîchezâre (1976): Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch/Neuhochdeutsch, Stuttgart: Reclam.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Folgen des Zusammentreffens ===&lt;br /&gt;
In Folge der Täuschung durch Reinhart und des unverdienten Vertrauens, welches Vrevel ihm entgegenbringt, findet in der Episode eine Rollenverschiebung statt, durch welche Vrevel seine Machtposition verliert und Reinhart in die Rolle des Richters und Vollstreckers schlüpft. (vgl. [Ruh 1980:27] ). Somit besiegelt Vrevel durch seine Leichtgläubigkeit und Verzweiflung über seine Krankheit nicht nur sein eigenes, sondern auch das Schicksal aller Tiere, die nun Reinharts List zum Opfer fallen. Dadurch ist die Charakterschwäche einer einzigen Figur Auslöser für eine „kollektive Katastrophe“ [Neudeck 2016: 23], in Folge derer zahlreiche Tiere und sogar Vrevel selbst ihr Leben verlieren. Diese Vorfälle können jedoch nicht nur als tragische Einzelschicksale gedeutet werden. Durch den Tod des Königs und anderer hochgestellter Tiere am Hof ist die gesamte monarchische Gesellschaft in Gefahr: „[Reinhart] zerstört auch nachhaltig die politische Ordnung in der Tiergesellschaft, indem er am Ende sogar selbst Hand anlegt und ihre monarchische Spitze beseitigt.“ [Neudeck 2016: 23]. Vrevel, als König stellvertretend für Recht und Ordnung im Tier-Königreich, besiegelte durch seine Entscheidung, Reinhart zu vertrauen, seinen eigenen Tod und somit auch das Ende der Tiergesellschaft, wie sie bis dato bestand.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Charakterisierung ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Hintergünde der Namensgebung ===&lt;br /&gt;
Der vom Autor gewählte Name ‚Vrevel‘ ist zweideutig: Er trägt einerseits die Bedeutung &amp;quot;Kühnheit&amp;quot;, andererseits aber auch &amp;quot;Gewalttätigkeit&amp;quot;.[Dietl 2010:51]  &lt;br /&gt;
Interessanterweise ist dies der einzige Name, mit welchem der Autor des Tierepos von der französischen Vorlage abweicht. Im französischen &amp;quot;Roman de Renard&amp;quot; heißt der Löwe ursprünglich &amp;quot;Noble&amp;quot;. Diese intentionale Ersetzung ändert nicht nur den Namen, sondern auch den Charakter des Löwenkönigs: &amp;quot;Dem höfischen, jovialen Nobel [...] steht der zugleich lächerlich-würdelose wie tyrannisch-willkürliche Vrevel gegenüber&amp;quot; [Ruh 1980:23] [Dietl 2010:51]. Der König verliert damit höfische Qualitäten und wird passend zu seinen Handlungen in ein brutales, gewalttätiges Licht gerückt. Wie im ersten Abschnitt (Löwe uns Ameise) näher erläutert, kreiert auch die im Handlungsverlauf erste Begegnung des Lesers mit der neu auftretenden Figur im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; ein stark negatives Bild seines Charakter. Das dort begangene Verbrechen gegen das Ameisenvolk bestätigt die moderne Bedeutung seines Namens (&amp;quot;Untat&amp;quot;), wodurch die anfängliche Skepsis des Lesers gegenüber der Figur bestärkt und eine negative Assoziation hervorgerufen wird. Dies war, trotz der abweichenden Bedeutung des Wortes ‚Vrevel‘ im Mittelhochdeutschen, wohl bereits zur Entstehungszeit der Fall. Denn obwohl die Deutung eine andere war, „[…] bezeichnet [das Wort] durchweg negative Qualitäten: ‚Herrschsucht‘, ‚Frechheit‘, ‚Leichtfertigkeit‘, ‚Rechtsbeugung‘.“ [Ruh 1980:23]. Diese sind also in ihrer negativen Konnotation identisch mit der modernen Bedeutung und darüber hinaus in ihrer letzteren Lesart sogar weitaus präziser auf bestimmte Aspekte des Tierepos zugeschnitten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Historische Bezüge ===&lt;br /&gt;
Der Gifttod Vrevels gibt Hinweise auf mögliche historische Hintergründe der Herrscherfigur. Aufgrund dieses Details ist eine Verbindung zu Kaiser Heinrich VI. denkbar, welcher so als Vorlage für die Königsfigur angesehen werden könnte. Im Dienste der antistaufischen Propaganda wurde in der &amp;quot;Sächsischen Weltchronik&amp;quot; (1230) das Gerücht verbreitet, beim Tod des Kaisers im Jahre 1197 handle es sich um eine Vergiftung [Ruh 1980:28]. Dort wird der Kaiser in erstaunlicher Kongruenz mit der Figur des Vrevel als tyrannischer Willkürherrscher und als Feigling gegenüber den deutschen Fürsten dargestellt. Eine Gleichsetzung zwischen Vrevel und Heinrich VI. ist indes nicht legitim. Es sind lediglich einzelne Andeutungen, die ein antistaufisches Publikum auf staufische Verhältnisse aufmerksam machen [Ruh 1980:28].&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken und Schwächen ===&lt;br /&gt;
Die bereits durch die Namensgebung zu vermutende Rechtsbeugung findet ihre Realisierung am Hoftag, welchen Vrevel infolge seiner Erkrankung einberuft: „Der König deutet die Krankheit als Strafe Gottes für ein lange Zeit versäumtes Hofgericht.“ [Ruh 1980: 23]. Bei diesem soll die Rechtsprechung über Reinharts Verbrechen erfolgen (genauer nachzulesen im Artikel [[Inhaltsangabe (Reinhart Fuchs)]] ) und König Vrevel agiert als Richter. Reinhart kommt letztendlich jedoch ohne Strafe davon, während Vrevel und Angehörige seines Hofes ihr Leben lassen müssen. Dies alles geschieht infolge einer List Reinharts, für welche er sein Wissen über die Ursache für die Krankheit des Königs nutzt, um sich als Arzt auszugeben und dem König ein Heilmittel für dessen Leid anzubieten. Das Verwerfliche an diesem Heilmittel ist, dass es nicht etwa eine bestimmte Kräutermischung ist, sondern laut Reinhart die Haut eines alten Wolfes, ein Bärenfell und eine Mütze aus Katzenfell, sowie ein gekochtes Huhn, Eberspeck und ein Gürtel aus Hirschleder benötigt werde. All dies fordert der König nun von den Tieren seines Hoftages ein. Da diese der Forderung nicht nachkommen wollen, setzt Vrevel diese mit Gewalt um und wird durch jene Anordnung zum Henker. An dieser Stelle „[…] bricht sich der Egoismus des kranken Herrschers Bahn […]“ [Neudeck 2016: 22] und es wird deutlich, dass ihm die Chance auf Heilung mehr bedeutet als das Leben seiner Untertanen. Hier zeigt sich nicht nur die eigennützige Veranlagung der Königs, sondern in besonderem Maße auch dessen Leichtgläubigkeit. Er vertraut lieber einem Fremden, der ihm Heilung verspricht, als den Angehörigen seines Hoftages, die ihn vor den Listen Reinharts warnen und um Gnade für sich selbst bitten. Somit zeigt sich in der Opferung der Tiere nicht nur die Machtposition und körperliche Stärke des Königs, welche ihn zu einem solchen Handeln ermächtigen, sondern in besonderem Maße auch die charakterliche Schwäche, die ihn anfällig für Manipulation und Reinharts Versprechen macht. Hierdurch gerät nicht nur die persönliche Schwäche der Figur, sondern auch „[…] die Schwachstelle monarchischer Gesellschaft in den Blick: die unsichere Eignung des Herrschers im Allgemeinen sowie seine Manipulierbarkeit im Besonderen.“ [Neudeck 2016: 22]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Religiöse Aspekte ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vrevels Handlung wird noch auf einer weiteren als der moralischen Ebene verwerflich, wenn wir auf die eigentliche Begründung für die Einberufung des Hoftages zurückblicken. Der König führt seine Schmerzen auf eine göttliche Strafe zurück, was nahelegt, dass Vrevel als religiöse und gläubige Figur anzusehen ist (aufgrund des historischen Kontextes und der Entstehungszeit des Textes kann von einem christlich-katholischen Glauben ausgegangen werden). Somit verstößt die Entscheidung, andere Tiere zu opfern, gegen ein Gebot seiner Religion und er macht sich nicht nur moralisch, sondern auch gegenüber seinem Gott schuldig. Seine Verzweiflung und Angst geht also soweit, dass er seinen eigenen Glauben und die damit einhergehenden Werte verrät, um sich selbst zu retten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Datei:Charakteristiken Vrevel.PNG ‎|gerahmt|rechts]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im rechten Schaubild werden nun nochmal die wichtigsten Charakteristiken Vrevels aufgearbeitet. Dabei wird deutlich, dass die Figur sowohl von mit (körperlicher) Stärke verbundenen  (rot) als auch von eher mit Schwäche konnotierten Attributen (grün) definiert wird. Somit ist die Figur Vrevel ein sehr zwiespältiger Charakter. Einer körperlichen Stärke wird geistige und persönliche Schwäche entgegengestellt, der Brutalität, mit der er das Ameisenvolk angreift, steht eine starke Verletzlichkeit und Angst, sein eigenes Leben betreffend, gegenüber. Es wird das klassische (mittelalterliche) Bild eines autoritären und starken Herrschers gezeichnet, das jedoch gleichzeitig durch die Darstellung von Verzweiflung und Angst durchbrochen wird, und so seine persönlichen Schwächen in den Vordergrund rückt.&lt;br /&gt;
Vrevel vereint in sich selbst die Gegensätze, welche sich schon in früheren Abschnitten des Textes gegenüberstanden. Bereits in Form des Konflikts zwischen Wölfen und Fuchs wird die körperliche Stärke (der Wölfe) dem Geist und der List Reinharts entgegengestellt. In beiden Fällen, sowohl diesem Konflikt als auch im inneren Konflikt Vrevels, siegt der Geist über den Körper. Im Falle Reinharts ist dies eine Stärke, im Falle Vrevels jedoch eine klare Schwäche, wodurch der Ausgang eines Zusammentreffens der beiden Figuren bereits vorherbestimmt war.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bewertung des Handeln Vrevels ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
„Das Handlungsziel kann unter der Voraussetzung der Tiernatur kein Gegenstand eines moralischen Urteils sein; bei der Übertragung aufs Menschliche fällt es unter das Naturrecht auf Selbsterhaltung.“ [Huebner 2016:87] &lt;br /&gt;
Will man das Verhalten Vrevels also bewerten, so kann man keine rein menschlichen Maßstäbe hierfür ansetzen. Auf der menschlichen Ebene der Moral wäre die Opferung anderer Tiere zum eigenen Nutzen verwerflich und zeugt von schlechtem Charakter. Folgen wir aber Machiavellis Ansatz (vgl. [Huebner 2016] ) , nach welchem jedem Lebewesen naturgegeben das Recht auf Selbsterhaltung zusteht, wird eine andere Facette von Vrevels Handeln beleuchtet. Es bleibt weiterhin eigennützig und skrupellos, doch wird es durch seine Schmerzen und die Todesangst, die er durch ebendiese empfindet, legitimiert. Sein Selbsterhaltungstrieb setzt ein und jede darauffolgende Handlung dient allein der Erfüllung seines Naturrechtes. &lt;br /&gt;
Der Rahmen, in welchem die Handlung stattfindet – die tierische Inszenierung eines typisch menschlich-feudalen Hoftages –, verleitet dazu, die tierischen Akteure zu sehr zu anthropomorphisieren und daher fälschlicherweise menschliche Maßstäbe für moralisches Handeln anzuwenden. Es muss jedoch beachtet werden, dass die im Tierepos dargestellten Figuren sowohl menschliche als auch tierische Eigenschaften haben, infolge derer beide Aspekte der Figur für eine Bewertung herangezogen werden müssen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Opfer oder Täter? ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Täter ===&lt;br /&gt;
Der königliche Löwe Vrevel ist ein zwiegespaltener Charakter, der, ähnlich wie Reinhart, sowohl Opfer- als auch Täterepisoden durchlebt. In seinem ersten Auftritt im Text wird er ganz klar als Täter dargestellt. Sein Angriff auf das Ameisenkönigreich trotz eines vereinbarten Landfriedens (vgl. V 1247 ff.) und in besonderem Maße die Reaktion des Königs auf die Weigerung des Ameisenvolkes, sich ihm zu unterwerfen, die Zerstörung ihrer Festung und die Ermordung vieler Tiere, zeichnen das Bild eines machtsüchtigen und rücksichtslosen Herrschers. Seine körperliche Stärke und Überlegenheit dienen ihm als vorrangiges Mittel zu Machterhalt und -gewinn. Die darauffolgende Szene, in welcher der König der Ameisen sich an Vrevel für seine Untaten rächen will, dafür in dessen Kopf krabbelt und ihm unerträgliche Schmerzen bereitet, wirkt wie eine angebrachte Reaktion und nachvollziehbare Strafe für die vorherigen Verbrechen.&lt;br /&gt;
Auch die Entscheidung, seine eigenen Untertanen für den egoistischen Wunsch nach Heilung zu opfern, unterstreicht das klare Bild eines Täters, der aktiv zum Leid anderer beiträgt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Opfer ===&lt;br /&gt;
Doch nicht nur der Racheakt des Ameisenkönigs an sich, sondern vor allem auch, dass Reinhart diese Szene beobachtet, spielt eine Schlüsselrolle im weiteren Schicksal Vrevels, welcher nach seiner anfänglichen Untat und dem vermeintlichen Beweis von Stärke zunehmend eine Opferrolle einnimmt und kontinuierlich mehr und mehr Schwächen offenbart. &lt;br /&gt;
Als er in Folge seiner Schmerzen (die er göttlicher Bestrafung gleichstellt) Gericht hält, wird an mehreren Stellen verdeutlicht, wie abhängig der König von seiner eigenen Gefolgschaft ist. Nicht nur lässt er sich mehrfach zu einem Aufschub der Rechtsprechung (durch die dreimalige Vorladung Reinharts) überreden, er fällt das Urteil über Reinharts Strafmaß auch nicht selbst, sondern gibt diese Aufgabe an einen anderen ab. Diese Handlung hinterfragt klar die vorhergehende Darstellung Vrevels als rücksichtslosen und machtbesessenen Herrscher, da die Übertragung dieser Entscheidung auf einen anderen eine Form von Gewaltenteilung und die Existenz anderer Tiere mit Einfluss im Königreich andeutet. Gleichzeitig ist dies aber auch ein klares Zeichen fehlenden Durchsetzungsvermögens und der Unsicherheit, was seine eigenen Entscheidungen betrifft. In der Position eines Herrschers machen ihn diese Eigenschaften angreifbar und schlussendlich zum Opfer seiner eigenen Berater sowie Reinharts.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Fazit ===&lt;br /&gt;
Im folgenden finden sich noch einmal zusammengefasst die Handlungen, welche Vrevel als Opfer oder als Täter darstellen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable sortable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Opfer !! Täter &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Befall durch Ameisenkönig (Racheakt)  || Angriff auf Ameisenvolk&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beeinflussung durch Kamel, Elefant und Krimel  || Herrschaftsanspruch trotz Landfriedens&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Beeinflussung und Täuschung durch Reinhart  || ordnet Ermordung seiner Gefolgsleute an  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Ermordung durch Reinhart  ||  nimmt Leid und Tod anderer im Tausch gegen eigene Gesundheit in Kauf&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Figur Vrevel kann hier weder klar als Opfer, noch klar als Täter identifiziert werden. Abschließend kann aber argumentiert werden, dass sich die Opferrolle Vrevels in der Konsequenz erst durch den Angriff auf das Ameisenvolk entwickelt hat. Da kein Hintergrundwissen über Ereignisse vorliegt, in die Vrevel davor involviert war, kann dieser Gewaltakt als Auslöser für alle folgenden Handlungen gesehen werden. Wäre Vrevel also nicht eigenständig zum Täter geworden, wäre die Rache des Ameisenkönigs, in dessen Folge auch der Hoftag und somit der Kontakt zu Reinhart, welcher seinen Tod besiegelte, ausgeblieben und der König nicht zum Opfer geworden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Löwe als Symbol im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die &#039;Natur&#039; des Löwen ===&lt;br /&gt;
In den mittelalterlichen Bestiarien, Tierdichtungen, die angebliche Eigenschaften von Tieren mit christlicher Heilslehre verbinden und die Weiterführungen des &amp;quot;Physiologus&amp;quot; waren, wurden dem Löwen ganz bestimmte, Christus-ähnliche Eigenschaften zugeordnet. So wird ihm beispielsweise nachgesagt, mit offenen Augen zu schlafen, wie auch Christus, dessen Herz  auch im Schlaf immer offen sei. Auch nachdem er am Kreuz in den ewigen ‚Schlaf‘ fiel, wacht er noch über die Menschheit. Des Weiteren wird einem Löwenvater nachgesagt, er könnte totgeborene Löwenkinder am dritten Tag nach deren Tod durch ein Brüllen wiedererwecken - eine weitere Parallele zur Geschichte Christi. In diesen Tierdichtungen wird der Löwe außerdem oftmals als barmherzig und gütig beschrieben, von ruhiger Natur und Unschuldigen gegenüber milde. „Besonders diese Natur des Löwen entwickelte sich im späteren Verlauf des Mittelalters zu einer der vorbildlichsten Herrschertugenden.“ [Nunez 2016] Daraus folgend ist die Darstellung eines Herrschers als Löwen bzw. die Implikation, dass ein Löwe der geborene Herrscher ist, wie sie auch im &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; angenommen wird, sowohl heilsgeschichtlich als auch moralisch gestützt. &lt;br /&gt;
Neben der christlich-positiven Deutung des Löwen bestand jedoch auch eine negative Konnotation: „Neben dem Drachen stand er oft für Laster, für das Bedrohen des Sünders und die Mächte des Bösen. Er war also sowohl der Christuslöwe als auch der teuflische Löwe, und beide hatten eine herrscherliche Stellung: der eine über die himmlischen Mächte und die Schöpfung und der andere über die Dämonen und die wiedergöttliche Welt.“ [Nunez 2016]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Adaption der Löwensymbolik im Reinhart Fuchs ===&lt;br /&gt;
Im Reinhart Fuchs werden beide Seiten der Löwensymbolik durch die Figur des Vrevel veranschaulicht. Im ersten Auftritt zeigt er sich als brutaler und rücksichtsloser Herrscher, der aus reiner Machtgier das Ameisenvolk angreift; durch die Einberufung des Hoftages als Reaktion auf seine Schmerzen, die er als göttliche Strafe empfindet, zeigt er sich jedoch als gläubiger und demütiger Christ, der seinem Herrn dienen will. Während des tatsächlichen Hoftages entsteht zunächst der Eindruck, er sei an einer gerechten und fairen Rechtsprechung interessiert, als er nicht nur die Opfer Reinharts ausführlich über dessen Verbrechen berichten lässt, sondern auch (nach Empfehlung seiner Berater) ebendiesen mehrmals vorlädt, bevor ein Urteil gefällt wird. Er erfüllt somit zunächst augenscheinlich die Herrschertugenden, die einem Löwen laut mittelalterlicher Tiersymbolik zugeschrieben werden. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies ändert sich jedoch, als Vrevel sich entscheidet einen Teil der Mitglieder seines Hoftages zu opfern, um sich selbst von seiner Krankheit zu heilen. Hier verkehrt sich die so oft gezogene Parallele zwischen Löwen und Christus ins Gegenteil – Vrevel kann die Entscheidung treffen, seine eigene Gesundheit aufs Spiel zu setzen, sich selbst zu opfern, um andere Tiere zu retten. Er verfolgt jedoch egoistische Ziele und statt sich selbst für das Wohlergehen der Anderen zu opfern, wie Christus sich für die menschlichen Sünden kreuzigen ließ, beschließt er stattdessen, das Leben unschuldiger Tiere, die eigentlich unter seinem Schutz stehen sollten, für sein eigenes Wohl zu opfern. Auf diese Weise bricht der &amp;quot;Reinhart Fuchs&amp;quot; mit der üblicheren, positiveren Konnotation des Löwen und zeigt diesen in der Figur eines brutalen und egoistischen Herrschers, welcher nicht nur die ihm zugeschriebenen Tugenden nicht erfüllen kann, sondern diese auch verrät.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literatur ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Ruh 1980]Ruh, Kurt: Höfische Epik des deutschen Mittelalters. Bd. 2: &#039;Reinhart Fuchs&#039;, &#039;Lanzelet&#039;, Wolfram von Eschenbach, Gottfried von Straßburg, Berlin 1980 (Grundlagen der Germanistik 25), S. 13-33&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Neudeck 2016]Neudeck, Otto: Der Fuchs und seine Opfer: Prekäre Herrschaft im Zeichen von Macht und Gewalt. Die Fabel vom kranken Löwen und seiner Heilung in hochmittelalterlicher Tierepik, in: Reflexion des politischen in der europäischen Tierepik, München 2016.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Bertau 1983] Bertau, Karl: &#039;Reinhart Fuchs&#039;. Ästhetische Form als historische Form, in: ders.: Über Literaturgeschichte. Literarischer Kunstcharakter und Geschichte in der höfischen Epik um 1200, München 1983, S. 19-29.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Huebner 2016] Hübner, Gert: Schläue und Urteil. Handlungswissen im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Techniken der Sympathiesteuerung in Erzähltexten der Vormoderne. Potentiale und Probleme, hg. von Friedrich M. Dimpel und Hans Rudolf Velten, Heidelberg 2016, S. 77-96&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Mecklenburg 2017] Mecklenburg, Michael: mir ist lait, daz der man min / ane zagel muz wesen (V. 1058f.). Zur Überlagerung von Animalität, Geschlecht und Emotion in Heinrichs Reinhart Fuchs, in: Abenteuerliche ‚Überkreuzungen‘. Vormoderne intersektional, hg. von Susanne Schul, Mareike Böth und Michael Mecklenburg, Göttingen 2017 (Aventiuren 12), S. 73-98&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Dietl 2010] Dietl, Cora: ‚Violentia‘ und ‚potestas‘. Ein füchsischer Blick auf ritterliche Tugend und gerechte Herrschaft im ‚Reinhart Fuchs‘, in: Dichtung und Didaxe. Lehrhaftes Sprechen in der deutschen Literatur des Mittelalters, hg. von Henrike Lähnemann und Sandra Linden, Berlin 2010, S. 41-54&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Kolb 1983] Kolb, Herbert: Nobel und Vrevel. Die Figur des Königs in der Reinhart-Fuchs-Epik, in: Virtus et fortuna. Zur deutschen Literatur zwischen 1400 und 1720. Festschrift für Hans-Gert Roloff zu seinem 50. Geburtstag, hg. von Joseph Strelka und Jörg Jungmayr, Bern 1983, S. 328-350.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Nunez 2016] Nunez, Luisina: Die Entwicklung des Löwen als okzidentales Herrschersymbol im Früh- und Hochmittelalter, München 2016, GRIN Verlag, &lt;br /&gt;
https://www.grin.com/document/466004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Achtung!: Wenn du Ausgabe von Reinhart Fuchs zitieren willst, welche uns Herrn Gebert hochlud, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dann beachte das Erscheinungsdatum und verwende die Harvard-Referenz:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
*[*Heinrich der Glîchezâre 2005] Heinrich der Glîchezære: Reinhart Fuchs. Mittelhochdeutsch / Neuhochdeutsch, hrsg., übers. und erläu. von Karl-Heinz Götter, Reclam: Stuttgart 2005.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Luca.baumann</name></author>
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