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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<updated>2026-04-11T03:47:03Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=23190</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
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		<updated>2015-07-14T14:12:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#aetates - Lebensalter im Mittelalter | Lebensabschnitte]] orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; - Das Ende von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und &#039;&#039;Ither&#039;&#039;-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| tumpheit]]. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | einen Verwandten getötet]] hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die &#039;&#039;Adolescentia&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=23177</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=23177"/>
		<updated>2015-07-14T14:06:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#aetates - Lebensalter im Mittelalter | Lebensabschnitte]] orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; - Das Ende von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und &#039;&#039;Ither&#039;&#039;-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| tumpheit]]. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | einen Verwandten getötet]] hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die &#039;&#039;Adolescentia&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23144</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23144"/>
		<updated>2015-07-14T13:35:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]]&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu auch: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Parzivals und Jeschutes tragisches Aufeinandertreffen .28129.2C27-132.2C25.29.5B1.5D | Parzivals und Jeschutes tragisches Aufeinandertreffen]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb [[Geografische Orte im Parzival#Soltane .28Ein.C3.B6de.29 | Soltanes]] sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23142</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23142"/>
		<updated>2015-07-14T13:34:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]]&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu auch: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Parzivals und Jeschutes tragisches Aufeinandertreffen .28129.2C27-132.2C25.29.5B1.5D | Parzivals und Jeschutes tragisches Aufeinandertreffen]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb [[Geografische Orte im Parzival#Soltane.28Ein.C3.B6de.29 | Soltanes]] sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23140</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23140"/>
		<updated>2015-07-14T13:33:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]]&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu auch: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Parzivals und Jeschutes tragisches Aufeinandertreffen.28129.2C27-132.2C25.29.5B1.5D]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb [[Geografische Orte im Parzival#Soltane.28Ein.C3.B6de.29 | Soltanes]] sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23139</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23139"/>
		<updated>2015-07-14T13:32:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]]&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu auch: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Parzivals und Jeschutes tragisches Aufeinandertreffen .28129.2C27-132.2C25.29.5B1.5D]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb [[Geografische Orte im Parzival#Soltane.28Ein.C3.B6de.29 | Soltanes]] sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23135</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=23135"/>
		<updated>2015-07-14T13:28:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]] ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb [[Geografische Orte im Parzival#Soltane.28Ein.C3.B6de.29 | Soltanes]] sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22954</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22954"/>
		<updated>2015-07-14T09:55:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Der Kampf mit Ither */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#aetates - Lebensalter im Mittelalter | Lebensabschnitte]] orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| tumpheit]]. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ? | einen Verwandten getötet]] hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22950</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
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		<updated>2015-07-14T09:53:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Parzival am Artushof */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#aetates - Lebensalter im Mittelalter | Lebensabschnitte]] orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| tumpheit]]. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither einen Verwandten getötet hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22944</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22944"/>
		<updated>2015-07-14T09:48:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Parzival am Artushof */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#aetates - Lebensalter im Mittelalter | Lebensabschnitte]] orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den [[Moral und Unmoral am Artushof (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Artushof]] führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither einen Verwandten getötet hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22942</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
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		<updated>2015-07-14T09:45:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#aetates - Lebensalter im Mittelalter | Lebensabschnitte]] orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den Artushof führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither einen Verwandten getötet hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22940</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
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		<updated>2015-07-14T09:43:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]] im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der Lebensabschnitte orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den Artushof führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither einen Verwandten getötet hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22938</id>
		<title>Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22938"/>
		<updated>2015-07-14T09:42:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die praktische Unterweisung */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit den Lehren des [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]] und deren Auswirkungen auf [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]]. Die &#039;&#039;Gurnemanzsche&#039;&#039; Lehre umfasst neben einer Einführung in die Liturgie des christlichen Glaubens vor allem zwei sorgfältig gegliederte Lehreinheiten. Diese setzen sich aus einer theoretischen und einer praktischen Unterweisung zusammen. Neben der Gliederung fällt besonders die didaktische Konzeption auf, welche aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Während die meisten Lehren der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; sich auf das bloße &#039;&#039;râten&#039;&#039; beschränken, überprüft &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Umsetzung seiner Lehren direkt, wodurch er als besonders geschickter Lehrmeister heraussticht.&lt;br /&gt;
== Der Messgang und die kultisch-liturgische Seite des Christentums ==&lt;br /&gt;
Bevor die eigentliche Lehre beginnt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; zunächst die Zeit, den unerfahrenen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die religiösen Zeremonien und Riten des Christentums einzuweisen. Zu diesem Zweck lädt er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem gemeinsamen Messgang ein, welcher für den unbedarften Jüngling der erste seines Lebens ist. Im Folgenden gibt ihm sein Lehrmeister Verhaltensregeln für ein gottesfürchtiges Leben &#039;&#039;&amp;quot;der wirt zer messe in lêrte / daz noch die saelde mêrte, / opfern unde segnen sich, / und gein dem tiuvel kêrn gerich.&amp;quot;&#039;&#039; (169,17 ff.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da das Wissen über die christliche Lehre und der souveräne Umgang mit deren Regeln eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung eines Ritters darstellt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; dieser bewusst noch vor der viel umfassenderen Ritterlehre an. Der Messgang stellt damit also einen grundlegenden Exkurs dar, welcher als Fundament für den Aufbau der eigentlichen Lehre dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die theoretische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Nach dem Messgang lädt der galante Ritter &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein, welche durch die Worte &#039;&#039;&amp;quot;sus hebe ich an&amp;quot;&#039;&#039; (170,15) beendet wird. Dieser Satz markiert den Anfang der Lehre. Die Zäsur ist sowohl für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als auch für den Leser wichtig, da so deutlich wird, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die theoretische Unterweisung setzt sich aus einer Tugend- und Herrscherlehre, einer Ritterlehre sowie einer Minnelehre [Russ 2000: 63] zusammen.&lt;br /&gt;
=== Die Tugendlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre richtet sich an &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als zukünftigen Herrscher &#039;&#039;&amp;quot;ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,22) und thematisiert als Grundtugend die &#039;&#039;schame&#039;&#039;. Ohne sie wird keinem Menschen die &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; zukommen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (170,16) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sult niemer iuch verschemn. || Seid niemals unverschämt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verschamter lîp, waz touc der mêr?  || ein Leib, dem das Gefühl von Scham und Schande abgeht, was sollte der noch taugen?    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wont in der mûze rêr, || Der ist ein Habicht in der Mauser, mit dem gehts abwärts:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ im werdekeit entrîset || Sein Adel fällt ihm aus und deutet ihm den Weg, den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde in gein der helle wîset || er zur Hölle nehmen wird.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der darauffolgende zweite Rat (170,25-171,6) thematisiert die Verbundenheit sowie die Notwendigkeit zur Hilfe von Notleidenden. Konkret soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;milte&#039;&#039;, mit &#039;&#039;güete&#039;&#039; und mit &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; sich den notleidenden Menschen &#039;&#039;erbarmen&#039;&#039;, denn nur so kann aus ihm ein großer Herrscher werden.&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Rat der Tugendlehre (171,7-24) behandelt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039;. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor allem in drei Bereichen haben: Erstens im Umgang mit Besitz. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; soll sich vor Verschwendung hüten &#039;&#039;&amp;quot;wan swâ der hêrre gar vertuot, / daz ist niht hêrenlîcher muot&amp;quot;&#039;&#039; 8171,9 f.). Zweitens in Bezug auf die Habgier &#039;&#039;&amp;quot;sament er aber schaz ze sêre, / daz sint ouch unêre&amp;quot;&#039;&#039; (171,11 f.) und drittens in Gesprächssituationen. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll zu einem bewussten Sprachgebrauch führen, sodass weder zu viel gefragt, noch zu wenig gesprochen wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,17) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen  || Ihr sollt aber nicht zögern, vernünftig Antwort zu ge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || ben, und zwar so, dass sie an der Frage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rehte als jenes vrâgen stê || nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die besondere Bedeutung dieses letzten Rates der Tugendlehre ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Versagen in der Gralsburg]], hervorgerufen durch das Frageversäumnis, resultiert aus einer Fehlinterpretation dieser Lehre, wodurch diese nicht nur zu [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Parzivals Entwicklung]] beiträgt, sondern auch großes Unglück über ihn bringt.&lt;br /&gt;
=== Die Ritterlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre hat mit ihren Herrschertugenden &#039;&#039;schame&#039;&#039;, &#039;&#039;erbärme&#039;&#039;, &#039;&#039;güete&#039;&#039;, &#039;&#039;milte&#039;&#039;, &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; und &#039;&#039;mâze&#039;&#039; bereits zentrale Eigenschaften und Verhaltensweisen angesprochen, welche auch von einem guten Ritter erwartet werden. Insofern kann die Tugend- und Herrscherlehre gleichzeitig als eine theoretische Ritterlehre angesehen werden. Nichtsdestotrotz geht &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; noch einmal explizit auf das Schonungsgebot ein, gegen welches &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Kampf mit [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]] bereits verstoßen hat. Die eigentliche theoretische Ritterlehre besteht also aus einer Unterweisung zu richtigem Verhalten im Kampf: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lât erbärme bî der vrävel sîn. || Lasst bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus tuot mir râtes volge schîn.  || Zeigt, dass Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an swem ir strîtes sicherheit|| Wenn einer Euch im Kampf, um Schonung zu erkaufen, sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bezalt, ern habe iu sölhiu leit || Ehrenwort anbietet, so nehmt es an und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getân diu herzen kumber wesen, || lasst ihrn leben, er hätte Euch denn solche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nemt, und lâzet in genesen || Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Die Minnelehre ===&lt;br /&gt;
Nachdem die theoretische Ritterlehre abgeschlossen ist, leitet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Minnelehre&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ein. Bevor er mit der eigentlichen Lehre beginnt, baut er eine Art Scharnier ein, welches die Ritterlehre mit der Minnelehre verbindet. Er hält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst dazu an, auf ritterliche Hygiene zu achten (vgl. 172,1-4), da dies die Voraussetzung für den Minneerfolg zu sein scheint [Russ 2000: 64]. Von nun an soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich erst den Rost und den Dreck der Eisenrüstung von den Händen und vom Gesicht waschen, bevor er vor die Augen der Frauen tritt.&lt;br /&gt;
In der eigentlichen Minnelehre warnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor Falschheit in der Minne &#039;&#039;&amp;quot;gein werder minne valscher list / hât gein prîse kurze vrist&amp;quot;&#039;&#039; (172,15 f.) und erklärt ihm die Bedeutung des Einflusses, welche die Frau auf den Mann hat &#039;&#039;&amp;quot;daz tiuret junges mannes lîp&amp;quot;&#039;&#039; (172,10). Damit spricht er die gängige höfische Minnetheorie an, die &#039;&#039;&amp;quot;von der ethischen Vervollkommnung des Mannes durch die Frau ausgeht&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 64]. Um die Minne zu verwirklichen, muss nach &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; eine harmonische sowie untrennbare Einheit zwischen Mann und Frau bestehen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| man und wîp diu sint al ein; || Mann und Weib sind ein Leib. Das ist so&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als diu sunne die hiute schein,  || wie die Sonne, die heute aufgegangen ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch der name der heizet tac.|| und der Name, der Tag heißt. Das eine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der enwederz sich gescheiden mac. || kann sich nicht vom anderen scheiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die praktische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Die praktische Ausbildung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; bildet den zweiten Teil der &#039;&#039;Gurnemanzschen&#039;&#039; Lehre und zielt auf eine Verbesserung der ritterlichen Fähigkeiten im Kampf &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten&amp;quot;&#039;&#039; (173,12 f.). Bei &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ankunft am Hof war dieser von der langen Reise so ermüdet, dass er auf seinem Pferd hängend jegliche ritterliche Haltung verloren hatte (vgl. 162,16 f.). Durch diesen Fauxpas motiviert beginnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; mit der praktischen Unterweisung. Er lässt sich selbst ein Pferd bringen und lehrt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Kunst des [[Das Tjostieren im Parzival | Tjostierens]]:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wierz ors ûzem walap || Wie er das Pferd aus dem Galopp&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit sporen gruozes pîne  || mit den Sporen scharf ansprechen, mit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit schenkelen vliegens schîne || blitzenden, fliegenden Schenkeln herum-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf den poinder solde wenken, || reißen sollte in einen wuchtigen Anlauf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schaft ze rehte senken, || dazu den Schaft senken zu einem rechten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schilt gein tjoste vür sich nemen. || Stoß, den Schild vorhalten, bereit, die Tjost des Gegners zu empfangen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Während der praktischen Ausbildung bekommt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Gelegenheit, das Neuerlernte in einem sicheren Umfeld zu üben. Ihm werden insgesamt fünf Ritter gegenübergestellt, welche er alle in den Probetjosten besiegt &#039;&#039;&amp;quot;sus stach er ir vünve nider&amp;quot;&#039;&#039; (175,3). Während &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bis zu den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; lediglich Ratschläge zuteil wurden, besteht die Besonderheit sowie der Erfolg &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; darin, dass er die Umsetzung seiner Lehre praktisch überprüft. Insofern lässt sich sogar eine Art didaktische Konzeption konstatieren, die in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert ist: die theoretische Unterweisung - die praktische Unterweisung - lange praktische Übungsphase [Russ 2000: 65]. Dass diese didaktische Konzeption besser geeignet ist, um einen fruchtbaren Lernprozess  anzustoßen als die zu jener Zeit üblichen Methoden über physische Bestrafung, lässt uns der Erzähler wissen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (174,7) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unfuoger im sus werte || Auf diese Weise trieb er ihm un-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| baz denne ein swankel gerte  || gehobelte Sitten aus, und zwar besser, als&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu argen kinden brichet vel. || es die biegsame Rute tut, die bösen Kindern sonst die Haut zerschlägt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der Erfolg der Lehre zeigt sich des Weiteren daran, dass sie geeignet scheint, um &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Anlagen zu fördern. So lässt sich an ihm nun &#039;&#039;Gahmuretes art&#039;&#039; sehen (vgl. 174,24 f.). Am Ende der Übungsphase ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;an strîte wîs&#039;&#039; (175,6) und bereit, das Erlernte im echten Kampf umzusetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellen einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung dar&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiteres Charakteristikum der Lehren Gurnemanz stellt der aus ihr folgende Übergang Parzivals von der pueritia zur adolescentia dar. Eine Ausführliche Analyse dazu finden Sie unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Durch sie kommt der junge Held endlich dem langersehnten wahren Rittertum näher. Doch nicht nur der Eintritt ins Rittertum folgt aus der Ausbildung, auch die kognitive Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird erheblich vorangetrieben. Zuvor wurde er gehäuft als &#039;&#039;tump&#039;&#039; bezeichnet und schien ohne die Hilfe seiner Mutter oft verloren in der Welt umherzuirren. Nach der Begegnung mit &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als von seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befreit beschrieben &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Um dieser Errungenschaft auch symbolisch Nachdruck zu verleihen, legt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Torenkleidung ab. Dadurch sagt er sich zum einen von dem starken Einfluss seiner Mutter los und entledigt sich zum anderen aller sichtbaren Zeichen der &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist nun reflektierter, gewandter und letztlich erst jetzt gesellschaftsfähig im Sinne der Kenntnis höfischer und ritterlicher Sitten [Breyer 1989: 62]. &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren liegt die Erkenntnis von Erziehungsdefiziten sowie speziellen Bedürfnissen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zugrunde, weshalb sie sich als so geeignet erweisen, dessen Anlagen  zu entfalten [Green 1970: 61]. Des Weiteren begründet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Lehren, sodass er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; - anders als seine Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; - nicht bloß Ratschläge erteilt, sondern diese in Zusammenhang mit deren möglichen Folgen und Konsequenzen in einen konkreten Kontext einbettet. So soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;milte&#039;&#039; sein, denn der &#039;&#039;kumberhafte werde man&#039;&#039; (170,29) ringt ohnehin mit &#039;&#039;schame&#039;&#039; und bewirkt durch &#039;&#039;helfe&#039;&#039; &#039;&#039;gotes gruoz&#039;&#039; (171,4). Er soll &#039;&#039;mâze&#039;&#039; haben und nicht verschwenderisch sein, denn dies entspricht nicht &#039;&#039;hêrenlîche muot&#039;&#039; (171,10). Er soll mit seinem Gegenüber eine angemessene Konversation führen und den Fragen gemäß antworten, damit man ihn kennenlernen kann (vgl. 171,21) und sich den Rost vom Gesicht waschen, damit er &#039;&#039;wîbes ougen&#039;&#039; (172,6) gefällt. In der Liebe soll er nicht betrügen, denn &#039;&#039;valsche list&#039;&#039; hat &#039;&#039;kruze vrist&#039;&#039; (172,16). Mit diesen Lehren ausgestattet ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun bereit, in der erwachsenen Welt der Ritter zu bestehen und auf &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren aufbauend, seinen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern.&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Breyer 1989] Breyer, Ralph: Darstellung einer Kindheit. Das 3. Buch des &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. In: Deutsche Literatur des Mittelalters. Greifswald 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1970] Green, Dennis Howard: Advice and Narrative Action: Parzival, Herzeloyde and Gurnemanz. In: D.H. Green / L.P. Johnson / D. Wuttke (Hgg.), From Wolfram an Petrarch to Goethe and Grass. Baden-Baden 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gurnemanz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ideale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22936</id>
		<title>Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22936"/>
		<updated>2015-07-14T09:40:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die Minnelehre */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit den Lehren des [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]] und deren Auswirkungen auf [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]]. Die &#039;&#039;Gurnemanzsche&#039;&#039; Lehre umfasst neben einer Einführung in die Liturgie des christlichen Glaubens vor allem zwei sorgfältig gegliederte Lehreinheiten. Diese setzen sich aus einer theoretischen und einer praktischen Unterweisung zusammen. Neben der Gliederung fällt besonders die didaktische Konzeption auf, welche aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Während die meisten Lehren der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; sich auf das bloße &#039;&#039;râten&#039;&#039; beschränken, überprüft &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Umsetzung seiner Lehren direkt, wodurch er als besonders geschickter Lehrmeister heraussticht.&lt;br /&gt;
== Der Messgang und die kultisch-liturgische Seite des Christentums ==&lt;br /&gt;
Bevor die eigentliche Lehre beginnt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; zunächst die Zeit, den unerfahrenen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die religiösen Zeremonien und Riten des Christentums einzuweisen. Zu diesem Zweck lädt er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem gemeinsamen Messgang ein, welcher für den unbedarften Jüngling der erste seines Lebens ist. Im Folgenden gibt ihm sein Lehrmeister Verhaltensregeln für ein gottesfürchtiges Leben &#039;&#039;&amp;quot;der wirt zer messe in lêrte / daz noch die saelde mêrte, / opfern unde segnen sich, / und gein dem tiuvel kêrn gerich.&amp;quot;&#039;&#039; (169,17 ff.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da das Wissen über die christliche Lehre und der souveräne Umgang mit deren Regeln eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung eines Ritters darstellt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; dieser bewusst noch vor der viel umfassenderen Ritterlehre an. Der Messgang stellt damit also einen grundlegenden Exkurs dar, welcher als Fundament für den Aufbau der eigentlichen Lehre dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die theoretische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Nach dem Messgang lädt der galante Ritter &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein, welche durch die Worte &#039;&#039;&amp;quot;sus hebe ich an&amp;quot;&#039;&#039; (170,15) beendet wird. Dieser Satz markiert den Anfang der Lehre. Die Zäsur ist sowohl für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als auch für den Leser wichtig, da so deutlich wird, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die theoretische Unterweisung setzt sich aus einer Tugend- und Herrscherlehre, einer Ritterlehre sowie einer Minnelehre [Russ 2000: 63] zusammen.&lt;br /&gt;
=== Die Tugendlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre richtet sich an &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als zukünftigen Herrscher &#039;&#039;&amp;quot;ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,22) und thematisiert als Grundtugend die &#039;&#039;schame&#039;&#039;. Ohne sie wird keinem Menschen die &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; zukommen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (170,16) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sult niemer iuch verschemn. || Seid niemals unverschämt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verschamter lîp, waz touc der mêr?  || ein Leib, dem das Gefühl von Scham und Schande abgeht, was sollte der noch taugen?    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wont in der mûze rêr, || Der ist ein Habicht in der Mauser, mit dem gehts abwärts:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ im werdekeit entrîset || Sein Adel fällt ihm aus und deutet ihm den Weg, den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde in gein der helle wîset || er zur Hölle nehmen wird.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der darauffolgende zweite Rat (170,25-171,6) thematisiert die Verbundenheit sowie die Notwendigkeit zur Hilfe von Notleidenden. Konkret soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;milte&#039;&#039;, mit &#039;&#039;güete&#039;&#039; und mit &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; sich den notleidenden Menschen &#039;&#039;erbarmen&#039;&#039;, denn nur so kann aus ihm ein großer Herrscher werden.&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Rat der Tugendlehre (171,7-24) behandelt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039;. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor allem in drei Bereichen haben: Erstens im Umgang mit Besitz. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; soll sich vor Verschwendung hüten &#039;&#039;&amp;quot;wan swâ der hêrre gar vertuot, / daz ist niht hêrenlîcher muot&amp;quot;&#039;&#039; 8171,9 f.). Zweitens in Bezug auf die Habgier &#039;&#039;&amp;quot;sament er aber schaz ze sêre, / daz sint ouch unêre&amp;quot;&#039;&#039; (171,11 f.) und drittens in Gesprächssituationen. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll zu einem bewussten Sprachgebrauch führen, sodass weder zu viel gefragt, noch zu wenig gesprochen wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,17) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen  || Ihr sollt aber nicht zögern, vernünftig Antwort zu ge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || ben, und zwar so, dass sie an der Frage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rehte als jenes vrâgen stê || nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die besondere Bedeutung dieses letzten Rates der Tugendlehre ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Versagen in der Gralsburg]], hervorgerufen durch das Frageversäumnis, resultiert aus einer Fehlinterpretation dieser Lehre, wodurch diese nicht nur zu [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Parzivals Entwicklung]] beiträgt, sondern auch großes Unglück über ihn bringt.&lt;br /&gt;
=== Die Ritterlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre hat mit ihren Herrschertugenden &#039;&#039;schame&#039;&#039;, &#039;&#039;erbärme&#039;&#039;, &#039;&#039;güete&#039;&#039;, &#039;&#039;milte&#039;&#039;, &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; und &#039;&#039;mâze&#039;&#039; bereits zentrale Eigenschaften und Verhaltensweisen angesprochen, welche auch von einem guten Ritter erwartet werden. Insofern kann die Tugend- und Herrscherlehre gleichzeitig als eine theoretische Ritterlehre angesehen werden. Nichtsdestotrotz geht &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; noch einmal explizit auf das Schonungsgebot ein, gegen welches &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Kampf mit [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]] bereits verstoßen hat. Die eigentliche theoretische Ritterlehre besteht also aus einer Unterweisung zu richtigem Verhalten im Kampf: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lât erbärme bî der vrävel sîn. || Lasst bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus tuot mir râtes volge schîn.  || Zeigt, dass Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an swem ir strîtes sicherheit|| Wenn einer Euch im Kampf, um Schonung zu erkaufen, sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bezalt, ern habe iu sölhiu leit || Ehrenwort anbietet, so nehmt es an und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getân diu herzen kumber wesen, || lasst ihrn leben, er hätte Euch denn solche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nemt, und lâzet in genesen || Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Die Minnelehre ===&lt;br /&gt;
Nachdem die theoretische Ritterlehre abgeschlossen ist, leitet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Minnelehre&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ein. Bevor er mit der eigentlichen Lehre beginnt, baut er eine Art Scharnier ein, welches die Ritterlehre mit der Minnelehre verbindet. Er hält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst dazu an, auf ritterliche Hygiene zu achten (vgl. 172,1-4), da dies die Voraussetzung für den Minneerfolg zu sein scheint [Russ 2000: 64]. Von nun an soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich erst den Rost und den Dreck der Eisenrüstung von den Händen und vom Gesicht waschen, bevor er vor die Augen der Frauen tritt.&lt;br /&gt;
In der eigentlichen Minnelehre warnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor Falschheit in der Minne &#039;&#039;&amp;quot;gein werder minne valscher list / hât gein prîse kurze vrist&amp;quot;&#039;&#039; (172,15 f.) und erklärt ihm die Bedeutung des Einflusses, welche die Frau auf den Mann hat &#039;&#039;&amp;quot;daz tiuret junges mannes lîp&amp;quot;&#039;&#039; (172,10). Damit spricht er die gängige höfische Minnetheorie an, die &#039;&#039;&amp;quot;von der ethischen Vervollkommnung des Mannes durch die Frau ausgeht&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 64]. Um die Minne zu verwirklichen, muss nach &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; eine harmonische sowie untrennbare Einheit zwischen Mann und Frau bestehen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| man und wîp diu sint al ein; || Mann und Weib sind ein Leib. Das ist so&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als diu sunne die hiute schein,  || wie die Sonne, die heute aufgegangen ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch der name der heizet tac.|| und der Name, der Tag heißt. Das eine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der enwederz sich gescheiden mac. || kann sich nicht vom anderen scheiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die praktische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Die praktische Ausbildung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; bildet den zweiten Teil der &#039;&#039;Gurnemanzschen&#039;&#039; Lehre und zielt auf eine Verbesserung der ritterlichen Fähigkeiten im Kampf &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten&amp;quot;&#039;&#039; (173,12 f.). Bei &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ankunft am Hof war dieser von der langen Reise so ermüdet, dass er auf seinem Pferd hängend jegliche ritterliche Haltung verloren hatte (vgl. 162,16 f.). Durch diesen Fauxpas motiviert beginnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; mit der praktischen Unterweisung. Er lässt sich selbst ein Pferd bringen und lehrt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Kunst des Tjostierens:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wierz ors ûzem walap || Wie er das Pferd aus dem Galopp&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit sporen gruozes pîne  || mit den Sporen scharf ansprechen, mit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit schenkelen vliegens schîne || blitzenden, fliegenden Schenkeln herum-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf den poinder solde wenken, || reißen sollte in einen wuchtigen Anlauf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schaft ze rehte senken, || dazu den Schaft senken zu einem rechten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schilt gein tjoste vür sich nemen. || Stoß, den Schild vorhalten, bereit, die Tjost des Gegners zu empfangen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Während der praktischen Ausbildung bekommt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Gelegenheit, das Neuerlernte in einem sicheren Umfeld zu üben. Ihm werden insgesamt fünf Ritter gegenübergestellt, welche er alle in den Probetjosten besiegt &#039;&#039;&amp;quot;sus stach er ir vünve nider&amp;quot;&#039;&#039; (175,3). Während &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bis zu den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; lediglich Ratschläge zuteil wurden, besteht die Besonderheit sowie der Erfolg &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; darin, dass er die Umsetzung seiner Lehre praktisch überprüft. Insofern lässt sich sogar eine Art didaktische Konzeption konstatieren, die in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert ist: die theoretische Unterweisung - die praktische Unterweisung - lange praktische Übungsphase [Russ 2000: 65]. Dass diese didaktische Konzeption besser geeignet ist, um einen fruchtbaren Lernprozess  anzustoßen als die zu jener Zeit üblichen Methoden über physische Bestrafung, lässt uns der Erzähler wissen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (174,7) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unfuoger im sus werte || Auf diese Weise trieb er ihm un-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| baz denne ein swankel gerte  || gehobelte Sitten aus, und zwar besser, als&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu argen kinden brichet vel. || es die biegsame Rute tut, die bösen Kindern sonst die Haut zerschlägt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der Erfolg der Lehre zeigt sich des Weiteren daran, dass sie geeignet scheint, um &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Anlagen zu fördern. So lässt sich an ihm nun &#039;&#039;Gahmuretes art&#039;&#039; sehen (vgl. 174,24 f.). Am Ende der Übungsphase ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;an strîte wîs&#039;&#039; (175,6) und bereit, das Erlernte im echten Kampf umzusetzen.&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellen einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung dar&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiteres Charakteristikum der Lehren Gurnemanz stellt der aus ihr folgende Übergang Parzivals von der pueritia zur adolescentia dar. Eine Ausführliche Analyse dazu finden Sie unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Durch sie kommt der junge Held endlich dem langersehnten wahren Rittertum näher. Doch nicht nur der Eintritt ins Rittertum folgt aus der Ausbildung, auch die kognitive Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird erheblich vorangetrieben. Zuvor wurde er gehäuft als &#039;&#039;tump&#039;&#039; bezeichnet und schien ohne die Hilfe seiner Mutter oft verloren in der Welt umherzuirren. Nach der Begegnung mit &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als von seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befreit beschrieben &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Um dieser Errungenschaft auch symbolisch Nachdruck zu verleihen, legt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Torenkleidung ab. Dadurch sagt er sich zum einen von dem starken Einfluss seiner Mutter los und entledigt sich zum anderen aller sichtbaren Zeichen der &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist nun reflektierter, gewandter und letztlich erst jetzt gesellschaftsfähig im Sinne der Kenntnis höfischer und ritterlicher Sitten [Breyer 1989: 62]. &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren liegt die Erkenntnis von Erziehungsdefiziten sowie speziellen Bedürfnissen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zugrunde, weshalb sie sich als so geeignet erweisen, dessen Anlagen  zu entfalten [Green 1970: 61]. Des Weiteren begründet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Lehren, sodass er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; - anders als seine Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; - nicht bloß Ratschläge erteilt, sondern diese in Zusammenhang mit deren möglichen Folgen und Konsequenzen in einen konkreten Kontext einbettet. So soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;milte&#039;&#039; sein, denn der &#039;&#039;kumberhafte werde man&#039;&#039; (170,29) ringt ohnehin mit &#039;&#039;schame&#039;&#039; und bewirkt durch &#039;&#039;helfe&#039;&#039; &#039;&#039;gotes gruoz&#039;&#039; (171,4). Er soll &#039;&#039;mâze&#039;&#039; haben und nicht verschwenderisch sein, denn dies entspricht nicht &#039;&#039;hêrenlîche muot&#039;&#039; (171,10). Er soll mit seinem Gegenüber eine angemessene Konversation führen und den Fragen gemäß antworten, damit man ihn kennenlernen kann (vgl. 171,21) und sich den Rost vom Gesicht waschen, damit er &#039;&#039;wîbes ougen&#039;&#039; (172,6) gefällt. In der Liebe soll er nicht betrügen, denn &#039;&#039;valsche list&#039;&#039; hat &#039;&#039;kruze vrist&#039;&#039; (172,16). Mit diesen Lehren ausgestattet ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun bereit, in der erwachsenen Welt der Ritter zu bestehen und auf &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren aufbauend, seinen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern.&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Breyer 1989] Breyer, Ralph: Darstellung einer Kindheit. Das 3. Buch des &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. In: Deutsche Literatur des Mittelalters. Greifswald 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1970] Green, Dennis Howard: Advice and Narrative Action: Parzival, Herzeloyde and Gurnemanz. In: D.H. Green / L.P. Johnson / D. Wuttke (Hgg.), From Wolfram an Petrarch to Goethe and Grass. Baden-Baden 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gurnemanz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ideale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22933</id>
		<title>Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22933"/>
		<updated>2015-07-14T09:37:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit den Lehren des [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]] und deren Auswirkungen auf [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]]. Die &#039;&#039;Gurnemanzsche&#039;&#039; Lehre umfasst neben einer Einführung in die Liturgie des christlichen Glaubens vor allem zwei sorgfältig gegliederte Lehreinheiten. Diese setzen sich aus einer theoretischen und einer praktischen Unterweisung zusammen. Neben der Gliederung fällt besonders die didaktische Konzeption auf, welche aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Während die meisten Lehren der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; sich auf das bloße &#039;&#039;râten&#039;&#039; beschränken, überprüft &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Umsetzung seiner Lehren direkt, wodurch er als besonders geschickter Lehrmeister heraussticht.&lt;br /&gt;
== Der Messgang und die kultisch-liturgische Seite des Christentums ==&lt;br /&gt;
Bevor die eigentliche Lehre beginnt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; zunächst die Zeit, den unerfahrenen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die religiösen Zeremonien und Riten des Christentums einzuweisen. Zu diesem Zweck lädt er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem gemeinsamen Messgang ein, welcher für den unbedarften Jüngling der erste seines Lebens ist. Im Folgenden gibt ihm sein Lehrmeister Verhaltensregeln für ein gottesfürchtiges Leben &#039;&#039;&amp;quot;der wirt zer messe in lêrte / daz noch die saelde mêrte, / opfern unde segnen sich, / und gein dem tiuvel kêrn gerich.&amp;quot;&#039;&#039; (169,17 ff.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da das Wissen über die christliche Lehre und der souveräne Umgang mit deren Regeln eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung eines Ritters darstellt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; dieser bewusst noch vor der viel umfassenderen Ritterlehre an. Der Messgang stellt damit also einen grundlegenden Exkurs dar, welcher als Fundament für den Aufbau der eigentlichen Lehre dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die theoretische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Nach dem Messgang lädt der galante Ritter &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein, welche durch die Worte &#039;&#039;&amp;quot;sus hebe ich an&amp;quot;&#039;&#039; (170,15) beendet wird. Dieser Satz markiert den Anfang der Lehre. Die Zäsur ist sowohl für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als auch für den Leser wichtig, da so deutlich wird, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die theoretische Unterweisung setzt sich aus einer Tugend- und Herrscherlehre, einer Ritterlehre sowie einer Minnelehre [Russ 2000: 63] zusammen.&lt;br /&gt;
=== Die Tugendlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre richtet sich an &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als zukünftigen Herrscher &#039;&#039;&amp;quot;ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,22) und thematisiert als Grundtugend die &#039;&#039;schame&#039;&#039;. Ohne sie wird keinem Menschen die &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; zukommen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (170,16) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sult niemer iuch verschemn. || Seid niemals unverschämt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verschamter lîp, waz touc der mêr?  || ein Leib, dem das Gefühl von Scham und Schande abgeht, was sollte der noch taugen?    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wont in der mûze rêr, || Der ist ein Habicht in der Mauser, mit dem gehts abwärts:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ im werdekeit entrîset || Sein Adel fällt ihm aus und deutet ihm den Weg, den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde in gein der helle wîset || er zur Hölle nehmen wird.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der darauffolgende zweite Rat (170,25-171,6) thematisiert die Verbundenheit sowie die Notwendigkeit zur Hilfe von Notleidenden. Konkret soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;milte&#039;&#039;, mit &#039;&#039;güete&#039;&#039; und mit &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; sich den notleidenden Menschen &#039;&#039;erbarmen&#039;&#039;, denn nur so kann aus ihm ein großer Herrscher werden.&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Rat der Tugendlehre (171,7-24) behandelt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039;. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor allem in drei Bereichen haben: Erstens im Umgang mit Besitz. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; soll sich vor Verschwendung hüten &#039;&#039;&amp;quot;wan swâ der hêrre gar vertuot, / daz ist niht hêrenlîcher muot&amp;quot;&#039;&#039; 8171,9 f.). Zweitens in Bezug auf die Habgier &#039;&#039;&amp;quot;sament er aber schaz ze sêre, / daz sint ouch unêre&amp;quot;&#039;&#039; (171,11 f.) und drittens in Gesprächssituationen. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll zu einem bewussten Sprachgebrauch führen, sodass weder zu viel gefragt, noch zu wenig gesprochen wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,17) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen  || Ihr sollt aber nicht zögern, vernünftig Antwort zu ge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || ben, und zwar so, dass sie an der Frage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rehte als jenes vrâgen stê || nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die besondere Bedeutung dieses letzten Rates der Tugendlehre ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Versagen in der Gralsburg]], hervorgerufen durch das Frageversäumnis, resultiert aus einer Fehlinterpretation dieser Lehre, wodurch diese nicht nur zu [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Parzivals Entwicklung]] beiträgt, sondern auch großes Unglück über ihn bringt.&lt;br /&gt;
=== Die Ritterlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre hat mit ihren Herrschertugenden &#039;&#039;schame&#039;&#039;, &#039;&#039;erbärme&#039;&#039;, &#039;&#039;güete&#039;&#039;, &#039;&#039;milte&#039;&#039;, &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; und &#039;&#039;mâze&#039;&#039; bereits zentrale Eigenschaften und Verhaltensweisen angesprochen, welche auch von einem guten Ritter erwartet werden. Insofern kann die Tugend- und Herrscherlehre gleichzeitig als eine theoretische Ritterlehre angesehen werden. Nichtsdestotrotz geht &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; noch einmal explizit auf das Schonungsgebot ein, gegen welches &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Kampf mit [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]] bereits verstoßen hat. Die eigentliche theoretische Ritterlehre besteht also aus einer Unterweisung zu richtigem Verhalten im Kampf: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lât erbärme bî der vrävel sîn. || Lasst bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus tuot mir râtes volge schîn.  || Zeigt, dass Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an swem ir strîtes sicherheit|| Wenn einer Euch im Kampf, um Schonung zu erkaufen, sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bezalt, ern habe iu sölhiu leit || Ehrenwort anbietet, so nehmt es an und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getân diu herzen kumber wesen, || lasst ihrn leben, er hätte Euch denn solche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nemt, und lâzet in genesen || Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Die Minnelehre ===&lt;br /&gt;
Nachdem die theoretische Ritterlehre abgeschlossen ist, leitet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Minnelehre ein. Bevor er mit der eigentlichen Lehre beginnt, baut er eine Art Scharnier ein, welches die Ritterlehre mit der Minnelehre verbindet. Er hält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst dazu an, auf ritterliche Hygiene zu achten (vgl. 172,1-4), da dies die Voraussetzung für den Minneerfolg zu sein scheint [Russ 2000: 64]. Von nun an soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich erst den Rost und den Dreck der Eisenrüstung von den Händen und vom Gesicht waschen, bevor er vor die Augen der Frauen tritt.&lt;br /&gt;
In der eigentlichen Minnelehre warnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor Falschheit in der Minne &#039;&#039;&amp;quot;gein werder minne valscher list / hât gein prîse kurze vrist&amp;quot;&#039;&#039; (172,15 f.) und erklärt ihm die Bedeutung des Einflusses, welche die Frau auf den Mann hat &#039;&#039;&amp;quot;daz tiuret junges mannes lîp&amp;quot;&#039;&#039; (172,10). Damit spricht er die gängige höfische Minnetheorie an, die &#039;&#039;&amp;quot;von der ethischen Vervollkommnung des Mannes durch die Frau ausgeht&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 64]. Um die Minne zu verwirklichen, muss nach &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; eine harmonische sowie untrennbare Einheit zwischen Mann und Frau bestehen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| man und wîp diu sint al ein; || Mann und Weib sind ein Leib. Das ist so&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als diu sunne die hiute schein,  || wie die Sonne, die heute aufgegangen ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch der name der heizet tac.|| und der Name, der Tag heißt. Das eine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der enwederz sich gescheiden mac. || kann sich nicht vom anderen scheiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
== Die praktische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Die praktische Ausbildung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; bildet den zweiten Teil der &#039;&#039;Gurnemanzschen&#039;&#039; Lehre und zielt auf eine Verbesserung der ritterlichen Fähigkeiten im Kampf &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten&amp;quot;&#039;&#039; (173,12 f.). Bei &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ankunft am Hof war dieser von der langen Reise so ermüdet, dass er auf seinem Pferd hängend jegliche ritterliche Haltung verloren hatte (vgl. 162,16 f.). Durch diesen Fauxpas motiviert beginnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; mit der praktischen Unterweisung. Er lässt sich selbst ein Pferd bringen und lehrt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Kunst des Tjostierens:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wierz ors ûzem walap || Wie er das Pferd aus dem Galopp&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit sporen gruozes pîne  || mit den Sporen scharf ansprechen, mit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit schenkelen vliegens schîne || blitzenden, fliegenden Schenkeln herum-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf den poinder solde wenken, || reißen sollte in einen wuchtigen Anlauf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schaft ze rehte senken, || dazu den Schaft senken zu einem rechten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schilt gein tjoste vür sich nemen. || Stoß, den Schild vorhalten, bereit, die Tjost des Gegners zu empfangen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Während der praktischen Ausbildung bekommt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Gelegenheit, das Neuerlernte in einem sicheren Umfeld zu üben. Ihm werden insgesamt fünf Ritter gegenübergestellt, welche er alle in den Probetjosten besiegt &#039;&#039;&amp;quot;sus stach er ir vünve nider&amp;quot;&#039;&#039; (175,3). Während &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bis zu den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; lediglich Ratschläge zuteil wurden, besteht die Besonderheit sowie der Erfolg &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; darin, dass er die Umsetzung seiner Lehre praktisch überprüft. Insofern lässt sich sogar eine Art didaktische Konzeption konstatieren, die in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert ist: die theoretische Unterweisung - die praktische Unterweisung - lange praktische Übungsphase [Russ 2000: 65]. Dass diese didaktische Konzeption besser geeignet ist, um einen fruchtbaren Lernprozess  anzustoßen als die zu jener Zeit üblichen Methoden über physische Bestrafung, lässt uns der Erzähler wissen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (174,7) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unfuoger im sus werte || Auf diese Weise trieb er ihm un-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| baz denne ein swankel gerte  || gehobelte Sitten aus, und zwar besser, als&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu argen kinden brichet vel. || es die biegsame Rute tut, die bösen Kindern sonst die Haut zerschlägt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der Erfolg der Lehre zeigt sich des Weiteren daran, dass sie geeignet scheint, um &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Anlagen zu fördern. So lässt sich an ihm nun &#039;&#039;Gahmuretes art&#039;&#039; sehen (vgl. 174,24 f.). Am Ende der Übungsphase ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;an strîte wîs&#039;&#039; (175,6) und bereit, das Erlernte im echten Kampf umzusetzen.&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellen einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung dar&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiteres Charakteristikum der Lehren Gurnemanz stellt der aus ihr folgende Übergang Parzivals von der pueritia zur adolescentia dar. Eine Ausführliche Analyse dazu finden Sie unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Durch sie kommt der junge Held endlich dem langersehnten wahren Rittertum näher. Doch nicht nur der Eintritt ins Rittertum folgt aus der Ausbildung, auch die kognitive Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird erheblich vorangetrieben. Zuvor wurde er gehäuft als &#039;&#039;tump&#039;&#039; bezeichnet und schien ohne die Hilfe seiner Mutter oft verloren in der Welt umherzuirren. Nach der Begegnung mit &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als von seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befreit beschrieben &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Um dieser Errungenschaft auch symbolisch Nachdruck zu verleihen, legt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Torenkleidung ab. Dadurch sagt er sich zum einen von dem starken Einfluss seiner Mutter los und entledigt sich zum anderen aller sichtbaren Zeichen der &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist nun reflektierter, gewandter und letztlich erst jetzt gesellschaftsfähig im Sinne der Kenntnis höfischer und ritterlicher Sitten [Breyer 1989: 62]. &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren liegt die Erkenntnis von Erziehungsdefiziten sowie speziellen Bedürfnissen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zugrunde, weshalb sie sich als so geeignet erweisen, dessen Anlagen  zu entfalten [Green 1970: 61]. Des Weiteren begründet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Lehren, sodass er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; - anders als seine Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; - nicht bloß Ratschläge erteilt, sondern diese in Zusammenhang mit deren möglichen Folgen und Konsequenzen in einen konkreten Kontext einbettet. So soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;milte&#039;&#039; sein, denn der &#039;&#039;kumberhafte werde man&#039;&#039; (170,29) ringt ohnehin mit &#039;&#039;schame&#039;&#039; und bewirkt durch &#039;&#039;helfe&#039;&#039; &#039;&#039;gotes gruoz&#039;&#039; (171,4). Er soll &#039;&#039;mâze&#039;&#039; haben und nicht verschwenderisch sein, denn dies entspricht nicht &#039;&#039;hêrenlîche muot&#039;&#039; (171,10). Er soll mit seinem Gegenüber eine angemessene Konversation führen und den Fragen gemäß antworten, damit man ihn kennenlernen kann (vgl. 171,21) und sich den Rost vom Gesicht waschen, damit er &#039;&#039;wîbes ougen&#039;&#039; (172,6) gefällt. In der Liebe soll er nicht betrügen, denn &#039;&#039;valsche list&#039;&#039; hat &#039;&#039;kruze vrist&#039;&#039; (172,16). Mit diesen Lehren ausgestattet ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun bereit, in der erwachsenen Welt der Ritter zu bestehen und auf &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren aufbauend, seinen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern.&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Breyer 1989] Breyer, Ralph: Darstellung einer Kindheit. Das 3. Buch des &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. In: Deutsche Literatur des Mittelalters. Greifswald 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1970] Green, Dennis Howard: Advice and Narrative Action: Parzival, Herzeloyde and Gurnemanz. In: D.H. Green / L.P. Johnson / D. Wuttke (Hgg.), From Wolfram an Petrarch to Goethe and Grass. Baden-Baden 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gurnemanz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ideale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22928</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22928"/>
		<updated>2015-07-14T09:34:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen&amp;lt;ref&amp;gt;Eine Analyse der Minne im Parzival finden Sie unter: [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]] ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22926</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22926"/>
		<updated>2015-07-14T09:31:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]] ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22925</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22925"/>
		<updated>2015-07-14T09:31:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]] ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | die Lehre der Mutter]] befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22922</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22922"/>
		<updated>2015-07-14T09:29:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die verfehlte Begegnung: Jeschute */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
[[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Jeschute]] ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22918</id>
		<title>Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22918"/>
		<updated>2015-07-14T09:27:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit den Lehren des [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]] und deren Auswirkungen auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die &#039;&#039;Gurnemanzsche&#039;&#039; Lehre umfasst neben einer Einführung in die Liturgie des christlichen Glaubens vor allem zwei sorgfältig gegliederte Lehreinheiten. Diese setzen sich aus einer theoretischen und einer praktischen Unterweisung zusammen. Neben der Gliederung fällt besonders die didaktische Konzeption auf, welche aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Während die meisten Lehren der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; sich auf das bloße &#039;&#039;râten&#039;&#039; beschränken, überprüft &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Umsetzung seiner Lehren direkt, wodurch er als besonders geschickter Lehrmeister heraussticht.&lt;br /&gt;
== Der Messgang und die kultisch-liturgische Seite des Christentums ==&lt;br /&gt;
Bevor die eigentliche Lehre beginnt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; zunächst die Zeit, den unerfahrenen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die religiösen Zeremonien und Riten des Christentums einzuweisen. Zu diesem Zweck lädt er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem gemeinsamen Messgang ein, welcher für den unbedarften Jüngling der erste seines Lebens ist. Im Folgenden gibt ihm sein Lehrmeister Verhaltensregeln für ein gottesfürchtiges Leben &#039;&#039;&amp;quot;der wirt zer messe in lêrte / daz noch die saelde mêrte, / opfern unde segnen sich, / und gein dem tiuvel kêrn gerich.&amp;quot;&#039;&#039; (169,17 ff.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da das Wissen über die christliche Lehre und der souveräne Umgang mit deren Regeln eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung eines Ritters darstellt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; dieser bewusst noch vor der viel umfassenderen Ritterlehre an. Der Messgang stellt damit also einen grundlegenden Exkurs dar, welcher als Fundament für den Aufbau der eigentlichen Lehre dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die theoretische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Nach dem Messgang lädt der galante Ritter &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein, welche durch die Worte &#039;&#039;&amp;quot;sus hebe ich an&amp;quot;&#039;&#039; (170,15) beendet wird. Dieser Satz markiert den Anfang der Lehre. Die Zäsur ist sowohl für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als auch für den Leser wichtig, da so deutlich wird, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die theoretische Unterweisung setzt sich aus einer Tugend- und Herrscherlehre, einer Ritterlehre sowie einer Minnelehre [Russ 2000: 63] zusammen.&lt;br /&gt;
=== Die Tugendlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre richtet sich an &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als zukünftigen Herrscher &#039;&#039;&amp;quot;ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,22) und thematisiert als Grundtugend die &#039;&#039;schame&#039;&#039;. Ohne sie wird keinem Menschen die &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; zukommen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (170,16) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sult niemer iuch verschemn. || Seid niemals unverschämt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verschamter lîp, waz touc der mêr?  || ein Leib, dem das Gefühl von Scham und Schande abgeht, was sollte der noch taugen?    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wont in der mûze rêr, || Der ist ein Habicht in der Mauser, mit dem gehts abwärts:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ im werdekeit entrîset || Sein Adel fällt ihm aus und deutet ihm den Weg, den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde in gein der helle wîset || er zur Hölle nehmen wird.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der darauffolgende zweite Rat (170,25-171,6) thematisiert die Verbundenheit sowie die Notwendigkeit zur Hilfe von Notleidenden. Konkret soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;milte&#039;&#039;, mit &#039;&#039;güete&#039;&#039; und mit &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; sich den notleidenden Menschen &#039;&#039;erbarmen&#039;&#039;, denn nur so kann aus ihm ein großer Herrscher werden.&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Rat der Tugendlehre (171,7-24) behandelt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039;. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor allem in drei Bereichen haben: Erstens im Umgang mit Besitz. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; soll sich vor Verschwendung hüten &#039;&#039;&amp;quot;wan swâ der hêrre gar vertuot, / daz ist niht hêrenlîcher muot&amp;quot;&#039;&#039; 8171,9 f.). Zweitens in Bezug auf die Habgier &#039;&#039;&amp;quot;sament er aber schaz ze sêre, / daz sint ouch unêre&amp;quot;&#039;&#039; (171,11 f.) und drittens in Gesprächssituationen. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll zu einem bewussten Sprachgebrauch führen, sodass weder zu viel gefragt, noch zu wenig gesprochen wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,17) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen  || Ihr sollt aber nicht zögern, vernünftig Antwort zu ge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || ben, und zwar so, dass sie an der Frage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rehte als jenes vrâgen stê || nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die besondere Bedeutung dieses letzten Rates der Tugendlehre ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Versagen in der Gralsburg]], hervorgerufen durch das Frageversäumnis, resultiert aus einer Fehlinterpretation dieser Lehre, wodurch diese nicht nur zu [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Parzivals Entwicklung]] beiträgt, sondern auch großes Unglück über ihn bringt.&lt;br /&gt;
=== Die Ritterlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre hat mit ihren Herrschertugenden &#039;&#039;schame&#039;&#039;, &#039;&#039;erbärme&#039;&#039;, &#039;&#039;güete&#039;&#039;, &#039;&#039;milte&#039;&#039;, &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; und &#039;&#039;mâze&#039;&#039; bereits zentrale Eigenschaften und Verhaltensweisen angesprochen, welche auch von einem guten Ritter erwartet werden. Insofern kann die Tugend- und Herrscherlehre gleichzeitig als eine theoretische Ritterlehre angesehen werden. Nichtsdestotrotz geht &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; noch einmal explizit auf das Schonungsgebot ein, gegen welches &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Kampf mit [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]] bereits verstoßen hat. Die eigentliche theoretische Ritterlehre besteht also aus einer Unterweisung zu richtigem Verhalten im Kampf: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lât erbärme bî der vrävel sîn. || Lasst bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus tuot mir râtes volge schîn.  || Zeigt, dass Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an swem ir strîtes sicherheit|| Wenn einer Euch im Kampf, um Schonung zu erkaufen, sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bezalt, ern habe iu sölhiu leit || Ehrenwort anbietet, so nehmt es an und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getân diu herzen kumber wesen, || lasst ihrn leben, er hätte Euch denn solche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nemt, und lâzet in genesen || Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Die Minnelehre ===&lt;br /&gt;
Nachdem die theoretische Ritterlehre abgeschlossen ist, leitet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Minnelehre ein. Bevor er mit der eigentlichen Lehre beginnt, baut er eine Art Scharnier ein, welches die Ritterlehre mit der Minnelehre verbindet. Er hält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst dazu an, auf ritterliche Hygiene zu achten (vgl. 172,1-4), da dies die Voraussetzung für den Minneerfolg zu sein scheint [Russ 2000: 64]. Von nun an soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich erst den Rost und den Dreck der Eisenrüstung von den Händen und vom Gesicht waschen, bevor er vor die Augen der Frauen tritt.&lt;br /&gt;
In der eigentlichen Minnelehre warnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor Falschheit in der Minne &#039;&#039;&amp;quot;gein werder minne valscher list / hât gein prîse kurze vrist&amp;quot;&#039;&#039; (172,15 f.) und erklärt ihm die Bedeutung des Einflusses, welche die Frau auf den Mann hat &#039;&#039;&amp;quot;daz tiuret junges mannes lîp&amp;quot;&#039;&#039; (172,10). Damit spricht er die gängige höfische Minnetheorie an, die &#039;&#039;&amp;quot;von der ethischen Vervollkommnung des Mannes durch die Frau ausgeht&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 64]. Um die Minne zu verwirklichen, muss nach &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; eine harmonische sowie untrennbare Einheit zwischen Mann und Frau bestehen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| man und wîp diu sint al ein; || Mann und Weib sind ein Leib. Das ist so&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als diu sunne die hiute schein,  || wie die Sonne, die heute aufgegangen ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch der name der heizet tac.|| und der Name, der Tag heißt. Das eine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der enwederz sich gescheiden mac. || kann sich nicht vom anderen scheiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
== Die praktische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Die praktische Ausbildung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; bildet den zweiten Teil der &#039;&#039;Gurnemanzschen&#039;&#039; Lehre und zielt auf eine Verbesserung der ritterlichen Fähigkeiten im Kampf &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten&amp;quot;&#039;&#039; (173,12 f.). Bei &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ankunft am Hof war dieser von der langen Reise so ermüdet, dass er auf seinem Pferd hängend jegliche ritterliche Haltung verloren hatte (vgl. 162,16 f.). Durch diesen Fauxpas motiviert beginnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; mit der praktischen Unterweisung. Er lässt sich selbst ein Pferd bringen und lehrt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Kunst des Tjostierens:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wierz ors ûzem walap || Wie er das Pferd aus dem Galopp&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit sporen gruozes pîne  || mit den Sporen scharf ansprechen, mit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit schenkelen vliegens schîne || blitzenden, fliegenden Schenkeln herum-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf den poinder solde wenken, || reißen sollte in einen wuchtigen Anlauf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schaft ze rehte senken, || dazu den Schaft senken zu einem rechten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schilt gein tjoste vür sich nemen. || Stoß, den Schild vorhalten, bereit, die Tjost des Gegners zu empfangen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Während der praktischen Ausbildung bekommt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Gelegenheit, das Neuerlernte in einem sicheren Umfeld zu üben. Ihm werden insgesamt fünf Ritter gegenübergestellt, welche er alle in den Probetjosten besiegt &#039;&#039;&amp;quot;sus stach er ir vünve nider&amp;quot;&#039;&#039; (175,3). Während &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bis zu den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; lediglich Ratschläge zuteil wurden, besteht die Besonderheit sowie der Erfolg &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; darin, dass er die Umsetzung seiner Lehre praktisch überprüft. Insofern lässt sich sogar eine Art didaktische Konzeption konstatieren, die in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert ist: die theoretische Unterweisung - die praktische Unterweisung - lange praktische Übungsphase [Russ 2000: 65]. Dass diese didaktische Konzeption besser geeignet ist, um einen fruchtbaren Lernprozess  anzustoßen als die zu jener Zeit üblichen Methoden über physische Bestrafung, lässt uns der Erzähler wissen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (174,7) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unfuoger im sus werte || Auf diese Weise trieb er ihm un-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| baz denne ein swankel gerte  || gehobelte Sitten aus, und zwar besser, als&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu argen kinden brichet vel. || es die biegsame Rute tut, die bösen Kindern sonst die Haut zerschlägt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der Erfolg der Lehre zeigt sich des Weiteren daran, dass sie geeignet scheint, um &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Anlagen zu fördern. So lässt sich an ihm nun &#039;&#039;Gahmuretes art&#039;&#039; sehen (vgl. 174,24 f.). Am Ende der Übungsphase ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;an strîte wîs&#039;&#039; (175,6) und bereit, das Erlernte im echten Kampf umzusetzen.&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellen einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung dar&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiteres Charakteristikum der Lehren Gurnemanz stellt der aus ihr folgende Übergang Parzivals von der pueritia zur adolescentia dar. Eine Ausführliche Analyse dazu finden Sie unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Durch sie kommt der junge Held endlich dem langersehnten wahren Rittertum näher. Doch nicht nur der Eintritt ins Rittertum folgt aus der Ausbildung, auch die kognitive Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird erheblich vorangetrieben. Zuvor wurde er gehäuft als &#039;&#039;tump&#039;&#039; bezeichnet und schien ohne die Hilfe seiner Mutter oft verloren in der Welt umherzuirren. Nach der Begegnung mit &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als von seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befreit beschrieben &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Um dieser Errungenschaft auch symbolisch Nachdruck zu verleihen, legt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Torenkleidung ab. Dadurch sagt er sich zum einen von dem starken Einfluss seiner Mutter los und entledigt sich zum anderen aller sichtbaren Zeichen der &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist nun reflektierter, gewandter und letztlich erst jetzt gesellschaftsfähig im Sinne der Kenntnis höfischer und ritterlicher Sitten [Breyer 1989: 62]. &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren liegt die Erkenntnis von Erziehungsdefiziten sowie speziellen Bedürfnissen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zugrunde, weshalb sie sich als so geeignet erweisen, dessen Anlagen  zu entfalten [Green 1970: 61]. Des Weiteren begründet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Lehren, sodass er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; - anders als seine Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; - nicht bloß Ratschläge erteilt, sondern diese in Zusammenhang mit deren möglichen Folgen und Konsequenzen in einen konkreten Kontext einbettet. So soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;milte&#039;&#039; sein, denn der &#039;&#039;kumberhafte werde man&#039;&#039; (170,29) ringt ohnehin mit &#039;&#039;schame&#039;&#039; und bewirkt durch &#039;&#039;helfe&#039;&#039; &#039;&#039;gotes gruoz&#039;&#039; (171,4). Er soll &#039;&#039;mâze&#039;&#039; haben und nicht verschwenderisch sein, denn dies entspricht nicht &#039;&#039;hêrenlîche muot&#039;&#039; (171,10). Er soll mit seinem Gegenüber eine angemessene Konversation führen und den Fragen gemäß antworten, damit man ihn kennenlernen kann (vgl. 171,21) und sich den Rost vom Gesicht waschen, damit er &#039;&#039;wîbes ougen&#039;&#039; (172,6) gefällt. In der Liebe soll er nicht betrügen, denn &#039;&#039;valsche list&#039;&#039; hat &#039;&#039;kruze vrist&#039;&#039; (172,16). Mit diesen Lehren ausgestattet ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun bereit, in der erwachsenen Welt der Ritter zu bestehen und auf &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren aufbauend, seinen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern.&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Breyer 1989] Breyer, Ralph: Darstellung einer Kindheit. Das 3. Buch des &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. In: Deutsche Literatur des Mittelalters. Greifswald 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1970] Green, Dennis Howard: Advice and Narrative Action: Parzival, Herzeloyde and Gurnemanz. In: D.H. Green / L.P. Johnson / D. Wuttke (Hgg.), From Wolfram an Petrarch to Goethe and Grass. Baden-Baden 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gurnemanz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ideale]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22914</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22914"/>
		<updated>2015-07-14T09:24:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebesbeziehungen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22913</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22913"/>
		<updated>2015-07-14T09:24:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sexualität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22911</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22911"/>
		<updated>2015-07-14T09:22:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur allgemeinen Darstellung der Frau in der höfischen Epik erfahren Sie unter: [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22908</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
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		<updated>2015-07-14T09:18:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Die vollkommene Begegnung: Condwiramurs */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer [[Geografische Orte im Parzival#Pelrapeire | Pelrapeires]], sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22905</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
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		<updated>2015-07-14T09:16:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals]]. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer &#039;&#039;Pelrapeires&#039;&#039;, sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22903</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
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		<updated>2015-07-14T09:15:07Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer &#039;&#039;Pelrapeires&#039;&#039;, sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Liebe]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22900</id>
		<title>Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22900"/>
		<updated>2015-07-14T09:11:57Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit den Lehren des [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]] und deren Auswirkungen auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die &#039;&#039;Gurnemanzsche&#039;&#039; Lehre umfasst neben einer Einführung in die Liturgie des christlichen Glaubens vor allem zwei sorgfältig gegliederte Lehreinheiten. Diese setzen sich aus einer theoretischen und einer praktischen Unterweisung zusammen. Neben der Gliederung fällt besonders die didaktische Konzeption auf, welche aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Während die meisten Lehren der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; sich auf das bloße &#039;&#039;râten&#039;&#039; beschränken, überprüft &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Umsetzung seiner Lehren direkt, wodurch er als besonders geschickter Lehrmeister heraussticht.&lt;br /&gt;
== Der Messgang und die kultisch-liturgische Seite des Christentums ==&lt;br /&gt;
Bevor die eigentliche Lehre beginnt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; zunächst die Zeit, den unerfahrenen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die religiösen Zeremonien und Riten des Christentums einzuweisen. Zu diesem Zweck lädt er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem gemeinsamen Messgang ein, welcher für den unbedarften Jüngling der erste seines Lebens ist. Im Folgenden gibt ihm sein Lehrmeister Verhaltensregeln für ein gottesfürchtiges Leben &#039;&#039;&amp;quot;der wirt zer messe in lêrte / daz noch die saelde mêrte, / opfern unde segnen sich, / und gein dem tiuvel kêrn gerich.&amp;quot;&#039;&#039; (169,17 ff.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da das Wissen über die christliche Lehre und der souveräne Umgang mit deren Regeln eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung eines Ritters darstellt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; dieser bewusst noch vor der viel umfassenderen Ritterlehre an. Der Messgang stellt damit also einen grundlegenden Exkurs dar, welcher als Fundament für den Aufbau der eigentlichen Lehre dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die theoretische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Nach dem Messgang lädt der galante Ritter &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein, welche durch die Worte &#039;&#039;&amp;quot;sus hebe ich an&amp;quot;&#039;&#039; (170,15) beendet wird. Dieser Satz markiert den Anfang der Lehre. Die Zäsur ist sowohl für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als auch für den Leser wichtig, da so deutlich wird, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die theoretische Unterweisung setzt sich aus einer Tugend- und Herrscherlehre, einer Ritterlehre sowie einer Minnelehre [Russ 2000: 63] zusammen.&lt;br /&gt;
=== Die Tugendlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre richtet sich an &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als zukünftigen Herrscher &#039;&#039;&amp;quot;ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,22) und thematisiert als Grundtugend die &#039;&#039;schame&#039;&#039;. Ohne sie wird keinem Menschen die &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; zukommen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (170,16) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sult niemer iuch verschemn. || Seid niemals unverschämt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verschamter lîp, waz touc der mêr?  || ein Leib, dem das Gefühl von Scham und Schande abgeht, was sollte der noch taugen?    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wont in der mûze rêr, || Der ist ein Habicht in der Mauser, mit dem gehts abwärts:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ im werdekeit entrîset || Sein Adel fällt ihm aus und deutet ihm den Weg, den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde in gein der helle wîset || er zur Hölle nehmen wird.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der darauffolgende zweite Rat (170,25-171,6) thematisiert die Verbundenheit sowie die Notwendigkeit zur Hilfe von Notleidenden. Konkret soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;milte&#039;&#039;, mit &#039;&#039;güete&#039;&#039; und mit &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; sich den notleidenden Menschen &#039;&#039;erbarmen&#039;&#039;, denn nur so kann aus ihm ein großer Herrscher werden.&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Rat der Tugendlehre (171,7-24) behandelt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039;. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor allem in drei Bereichen haben: Erstens im Umgang mit Besitz. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; soll sich vor Verschwendung hüten &#039;&#039;&amp;quot;wan swâ der hêrre gar vertuot, / daz ist niht hêrenlîcher muot&amp;quot;&#039;&#039; 8171,9 f.). Zweitens in Bezug auf die Habgier &#039;&#039;&amp;quot;sament er aber schaz ze sêre, / daz sint ouch unêre&amp;quot;&#039;&#039; (171,11 f.) und drittens in Gesprächssituationen. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll zu einem bewussten Sprachgebrauch führen, sodass weder zu viel gefragt, noch zu wenig gesprochen wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,17) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen  || Ihr sollt aber nicht zögern, vernünftig Antwort zu ge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || ben, und zwar so, dass sie an der Frage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rehte als jenes vrâgen stê || nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die besondere Bedeutung dieses letzten Rates der Tugendlehre ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Versagen in der Gralsburg]], hervorgerufen durch das Frageversäumnis, resultiert aus einer Fehlinterpretation dieser Lehre, wodurch diese nicht nur zu [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Parzivals Entwicklung]] beiträgt, sondern auch großes Unglück über ihn bringt.&lt;br /&gt;
=== Die Ritterlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre hat mit ihren Herrschertugenden &#039;&#039;schame&#039;&#039;, &#039;&#039;erbärme&#039;&#039;, &#039;&#039;güete&#039;&#039;, &#039;&#039;milte&#039;&#039;, &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; und &#039;&#039;mâze&#039;&#039; bereits zentrale Eigenschaften und Verhaltensweisen angesprochen, welche auch von einem guten Ritter erwartet werden. Insofern kann die Tugend- und Herrscherlehre gleichzeitig als eine theoretische Ritterlehre angesehen werden. Nichtsdestotrotz geht &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; noch einmal explizit auf das Schonungsgebot ein, gegen welches &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Kampf mit [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]] bereits verstoßen hat. Die eigentliche theoretische Ritterlehre besteht also aus einer Unterweisung zu richtigem Verhalten im Kampf: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lât erbärme bî der vrävel sîn. || Lasst bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus tuot mir râtes volge schîn.  || Zeigt, dass Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an swem ir strîtes sicherheit|| Wenn einer Euch im Kampf, um Schonung zu erkaufen, sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bezalt, ern habe iu sölhiu leit || Ehrenwort anbietet, so nehmt es an und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getân diu herzen kumber wesen, || lasst ihrn leben, er hätte Euch denn solche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nemt, und lâzet in genesen || Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Die Minnelehre ===&lt;br /&gt;
Nachdem die theoretische Ritterlehre abgeschlossen ist, leitet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Minnelehre ein. Bevor er mit der eigentlichen Lehre beginnt, baut er eine Art Scharnier ein, welches die Ritterlehre mit der Minnelehre verbindet. Er hält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst dazu an, auf ritterliche Hygiene zu achten (vgl. 172,1-4), da dies die Voraussetzung für den Minneerfolg zu sein scheint [Russ 2000: 64]. Von nun an soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich erst den Rost und den Dreck der Eisenrüstung von den Händen und vom Gesicht waschen, bevor er vor die Augen der Frauen tritt.&lt;br /&gt;
In der eigentlichen Minnelehre warnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor Falschheit in der Minne &#039;&#039;&amp;quot;gein werder minne valscher list / hât gein prîse kurze vrist&amp;quot;&#039;&#039; (172,15 f.) und erklärt ihm die Bedeutung des Einflusses, welche die Frau auf den Mann hat &#039;&#039;&amp;quot;daz tiuret junges mannes lîp&amp;quot;&#039;&#039; (172,10). Damit spricht er die gängige höfische Minnetheorie an, die &#039;&#039;&amp;quot;von der ethischen Vervollkommnung des Mannes durch die Frau ausgeht&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 64]. Um die Minne zu verwirklichen, muss nach &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; eine harmonische sowie untrennbare Einheit zwischen Mann und Frau bestehen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| man und wîp diu sint al ein; || Mann und Weib sind ein Leib. Das ist so&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als diu sunne die hiute schein,  || wie die Sonne, die heute aufgegangen ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch der name der heizet tac.|| und der Name, der Tag heißt. Das eine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der enwederz sich gescheiden mac. || kann sich nicht vom anderen scheiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
== Die praktische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Die praktische Ausbildung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; bildet den zweiten Teil der &#039;&#039;Gurnemanzschen&#039;&#039; Lehre und zielt auf eine Verbesserung der ritterlichen Fähigkeiten im Kampf &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten&amp;quot;&#039;&#039; (173,12 f.). Bei &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ankunft am Hof war dieser von der langen Reise so ermüdet, dass er auf seinem Pferd hängend jegliche ritterliche Haltung verloren hatte (vgl. 162,16 f.). Durch diesen Fauxpas motiviert beginnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; mit der praktischen Unterweisung. Er lässt sich selbst ein Pferd bringen und lehrt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Kunst des Tjostierens:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wierz ors ûzem walap || Wie er das Pferd aus dem Galopp&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit sporen gruozes pîne  || mit den Sporen scharf ansprechen, mit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit schenkelen vliegens schîne || blitzenden, fliegenden Schenkeln herum-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf den poinder solde wenken, || reißen sollte in einen wuchtigen Anlauf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schaft ze rehte senken, || dazu den Schaft senken zu einem rechten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schilt gein tjoste vür sich nemen. || Stoß, den Schild vorhalten, bereit, die Tjost des Gegners zu empfangen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Während der praktischen Ausbildung bekommt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Gelegenheit, das Neuerlernte in einem sicheren Umfeld zu üben. Ihm werden insgesamt fünf Ritter gegenübergestellt, welche er alle in den Probetjosten besiegt &#039;&#039;&amp;quot;sus stach er ir vünve nider&amp;quot;&#039;&#039; (175,3). Während &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bis zu den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; lediglich Ratschläge zuteil wurden, besteht die Besonderheit sowie der Erfolg &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; darin, dass er die Umsetzung seiner Lehre praktisch überprüft. Insofern lässt sich sogar eine Art didaktische Konzeption konstatieren, die in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert ist: die theoretische Unterweisung - die praktische Unterweisung - lange praktische Übungsphase [Russ 2000: 65]. Dass diese didaktische Konzeption besser geeignet ist, um einen fruchtbaren Lernprozess  anzustoßen als die zu jener Zeit üblichen Methoden über physische Bestrafung, lässt uns der Erzähler wissen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (174,7) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unfuoger im sus werte || Auf diese Weise trieb er ihm un-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| baz denne ein swankel gerte  || gehobelte Sitten aus, und zwar besser, als&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu argen kinden brichet vel. || es die biegsame Rute tut, die bösen Kindern sonst die Haut zerschlägt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der Erfolg der Lehre zeigt sich des Weiteren daran, dass sie geeignet scheint, um &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Anlagen zu fördern. So lässt sich an ihm nun &#039;&#039;Gahmuretes art&#039;&#039; sehen (vgl. 174,24 f.). Am Ende der Übungsphase ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;an strîte wîs&#039;&#039; (175,6) und bereit, das Erlernte im echten Kampf umzusetzen.&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellen einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung dar&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiteres Charakteristikum der Lehren Gurnemanz stellt der aus ihr folgende Übergang Parzivals von der pueritia zur adolescentia dar. Eine Ausführliche Analyse dazu finden Sie unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Durch sie kommt der junge Held endlich dem langersehnten wahren Rittertum näher. Doch nicht nur der Eintritt ins Rittertum folgt aus der Ausbildung, auch die kognitive Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird erheblich vorangetrieben. Zuvor wurde er gehäuft als &#039;&#039;tump&#039;&#039; bezeichnet und schien ohne die Hilfe seiner Mutter oft verloren in der Welt umherzuirren. Nach der Begegnung mit &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als von seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befreit beschrieben &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Um dieser Errungenschaft auch symbolisch Nachdruck zu verleihen, legt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Torenkleidung ab. Dadurch sagt er sich zum einen von dem starken Einfluss seiner Mutter los und entledigt sich zum anderen aller sichtbaren Zeichen der &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist nun reflektierter, gewandter und letztlich erst jetzt gesellschaftsfähig im Sinne der Kenntnis höfischer und ritterlicher Sitten [Breyer 1989: 62]. &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren liegt die Erkenntnis von Erziehungsdefiziten sowie speziellen Bedürfnissen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zugrunde, weshalb sie sich als so geeignet erweisen, dessen Anlagen  zu entfalten [Green 1970: 61]. Des Weiteren begründet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Lehren, sodass er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; - anders als seine Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; - nicht bloß Ratschläge erteilt, sondern diese in Zusammenhang mit deren möglichen Folgen und Konsequenzen in einen konkreten Kontext einbettet. So soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;milte&#039;&#039; sein, denn der &#039;&#039;kumberhafte werde man&#039;&#039; (170,29) ringt ohnehin mit &#039;&#039;schame&#039;&#039; und bewirkt durch &#039;&#039;helfe&#039;&#039; &#039;&#039;gotes gruoz&#039;&#039; (171,4). Er soll &#039;&#039;mâze&#039;&#039; haben und nicht verschwenderisch sein, denn dies entspricht nicht &#039;&#039;hêrenlîche muot&#039;&#039; (171,10). Er soll mit seinem Gegenüber eine angemessene Konversation führen und den Fragen gemäß antworten, damit man ihn kennenlernen kann (vgl. 171,21) und sich den Rost vom Gesicht waschen, damit er &#039;&#039;wîbes ougen&#039;&#039; (172,6) gefällt. In der Liebe soll er nicht betrügen, denn &#039;&#039;valsche list&#039;&#039; hat &#039;&#039;kruze vrist&#039;&#039; (172,16). Mit diesen Lehren ausgestattet ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun bereit, in der erwachsenen Welt der Ritter zu bestehen und auf &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren aufbauend, seinen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern.&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Breyer 1989] Breyer, Ralph: Darstellung einer Kindheit. Das 3. Buch des &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. In: Deutsche Literatur des Mittelalters. Greifswald 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1970] Green, Dennis Howard: Advice and Narrative Action: Parzival, Herzeloyde and Gurnemanz. In: D.H. Green / L.P. Johnson / D. Wuttke (Hgg.), From Wolfram an Petrarch to Goethe and Grass. Baden-Baden 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gurnemanz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Wolfram von Eschenbach]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22899</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22899"/>
		<updated>2015-07-14T09:10:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer &#039;&#039;Pelrapeires&#039;&#039;, sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22893</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
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		<updated>2015-07-14T09:03:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Fußnoten */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der Lebensabschnitte orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den Artushof führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither einen Verwandten getötet hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Literarische_Figuren|Figuren]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Höfische Gesellschaft|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22888</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22888"/>
		<updated>2015-07-14T08:59:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer &#039;&#039;Pelrapeires&#039;&#039;, sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz&amp;diff=22885</id>
		<title>Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz</title>
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		<updated>2015-07-14T08:58:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit den Lehren des [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]] und deren Auswirkungen auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Die &#039;&#039;Gurnemanzsche&#039;&#039; Lehre umfasst neben einer Einführung in die Liturgie des christlichen Glaubens vor allem zwei sorgfältig gegliederte Lehreinheiten. Diese setzen sich aus einer theoretischen und einer praktischen Unterweisung zusammen. Neben der Gliederung fällt besonders die didaktische Konzeption auf, welche aus drei aufeinander aufbauenden Phasen besteht. Während die meisten Lehren der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; sich auf das bloße &#039;&#039;râten&#039;&#039; beschränken, überprüft &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Umsetzung seiner Lehren direkt, wodurch er als besonders geschickter Lehrmeister heraussticht.&lt;br /&gt;
== Der Messgang und die kultisch-liturgische Seite des Christentums ==&lt;br /&gt;
Bevor die eigentliche Lehre beginnt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; zunächst die Zeit, den unerfahrenen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die religiösen Zeremonien und Riten des Christentums einzuweisen. Zu diesem Zweck lädt er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem gemeinsamen Messgang ein, welcher für den unbedarften Jüngling der erste seines Lebens ist. Im Folgenden gibt ihm sein Lehrmeister Verhaltensregeln für ein gottesfürchtiges Leben &#039;&#039;&amp;quot;der wirt zer messe in lêrte / daz noch die saelde mêrte, / opfern unde segnen sich, / und gein dem tiuvel kêrn gerich.&amp;quot;&#039;&#039; (169,17 ff.)&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Da das Wissen über die christliche Lehre und der souveräne Umgang mit deren Regeln eine wichtige Voraussetzung für die Ausbildung eines Ritters darstellt, nimmt sich &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; dieser bewusst noch vor der viel umfassenderen Ritterlehre an. Der Messgang stellt damit also einen grundlegenden Exkurs dar, welcher als Fundament für den Aufbau der eigentlichen Lehre dient.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die theoretische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Nach dem Messgang lädt der galante Ritter &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einer gemeinsamen Mahlzeit ein, welche durch die Worte &#039;&#039;&amp;quot;sus hebe ich an&amp;quot;&#039;&#039; (170,15) beendet wird. Dieser Satz markiert den Anfang der Lehre. Die Zäsur ist sowohl für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als auch für den Leser wichtig, da so deutlich wird, dass nun erhöhte Aufmerksamkeit verlangt wird. Die theoretische Unterweisung setzt sich aus einer Tugend- und Herrscherlehre, einer Ritterlehre sowie einer Minnelehre [Russ 2000: 63] zusammen.&lt;br /&gt;
=== Die Tugendlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre richtet sich an &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als zukünftigen Herrscher &#039;&#039;&amp;quot;ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,22) und thematisiert als Grundtugend die &#039;&#039;schame&#039;&#039;. Ohne sie wird keinem Menschen die &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; zukommen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (170,16) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sult niemer iuch verschemn. || Seid niemals unverschämt -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| verschamter lîp, waz touc der mêr?  || ein Leib, dem das Gefühl von Scham und Schande abgeht, was sollte der noch taugen?    &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der wont in der mûze rêr, || Der ist ein Habicht in der Mauser, mit dem gehts abwärts:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ im werdekeit entrîset || Sein Adel fällt ihm aus und deutet ihm den Weg, den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde in gein der helle wîset || er zur Hölle nehmen wird.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der darauffolgende zweite Rat (170,25-171,6) thematisiert die Verbundenheit sowie die Notwendigkeit zur Hilfe von Notleidenden. Konkret soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;milte&#039;&#039;, mit &#039;&#039;güete&#039;&#039; und mit &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; sich den notleidenden Menschen &#039;&#039;erbarmen&#039;&#039;, denn nur so kann aus ihm ein großer Herrscher werden.&lt;br /&gt;
Der dritte und letzte Rat der Tugendlehre (171,7-24) behandelt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039;. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor allem in drei Bereichen haben: Erstens im Umgang mit Besitz. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; soll sich vor Verschwendung hüten &#039;&#039;&amp;quot;wan swâ der hêrre gar vertuot, / daz ist niht hêrenlîcher muot&amp;quot;&#039;&#039; 8171,9 f.). Zweitens in Bezug auf die Habgier &#039;&#039;&amp;quot;sament er aber schaz ze sêre, / daz sint ouch unêre&amp;quot;&#039;&#039; (171,11 f.) und drittens in Gesprächssituationen. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; soll zu einem bewussten Sprachgebrauch führen, sodass weder zu viel gefragt, noch zu wenig gesprochen wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,17) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| irn sult niht vil gevrâgen: || Ihr sollt nicht viel fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch sol iuch niht betrâgen  || Ihr sollt aber nicht zögern, vernünftig Antwort zu ge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bedâhter gegenrede, diu gê || ben, und zwar so, dass sie an der Frage&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| rehte als jenes vrâgen stê || nicht vorbeigeht, die der andere stellt:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der iuch wil mit worten spehen. || Der will euch ja kennenlernen im Gespräch.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die besondere Bedeutung dieses letzten Rates der Tugendlehre ergibt sich aus dem weiteren Verlauf der Geschichte. [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Versagen in der Gralsburg]], hervorgerufen durch das Frageversäumnis, resultiert aus einer Fehlinterpretation dieser Lehre, wodurch diese nicht nur zu [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Parzivals Entwicklung]] beiträgt, sondern auch großes Unglück über ihn bringt.&lt;br /&gt;
=== Die Ritterlehre ===&lt;br /&gt;
Die Tugendlehre hat mit ihren Herrschertugenden &#039;&#039;schame&#039;&#039;, &#039;&#039;erbärme&#039;&#039;, &#039;&#039;güete&#039;&#039;, &#039;&#039;milte&#039;&#039;, &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; und &#039;&#039;mâze&#039;&#039; bereits zentrale Eigenschaften und Verhaltensweisen angesprochen, welche auch von einem guten Ritter erwartet werden. Insofern kann die Tugend- und Herrscherlehre gleichzeitig als eine theoretische Ritterlehre angesehen werden. Nichtsdestotrotz geht &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; noch einmal explizit auf das Schonungsgebot ein, gegen welches &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Kampf mit [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Ither]] bereits verstoßen hat. Die eigentliche theoretische Ritterlehre besteht also aus einer Unterweisung zu richtigem Verhalten im Kampf: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (171,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lât erbärme bî der vrävel sîn. || Lasst bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus tuot mir râtes volge schîn.  || Zeigt, dass Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an swem ir strîtes sicherheit|| Wenn einer Euch im Kampf, um Schonung zu erkaufen, sein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| bezalt, ern habe iu sölhiu leit || Ehrenwort anbietet, so nehmt es an und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| getân diu herzen kumber wesen, || lasst ihrn leben, er hätte Euch denn solche&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nemt, und lâzet in genesen || Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
=== Die Minnelehre ===&lt;br /&gt;
Nachdem die theoretische Ritterlehre abgeschlossen ist, leitet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Minnelehre ein. Bevor er mit der eigentlichen Lehre beginnt, baut er eine Art Scharnier ein, welches die Ritterlehre mit der Minnelehre verbindet. Er hält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst dazu an, auf ritterliche Hygiene zu achten (vgl. 172,1-4), da dies die Voraussetzung für den Minneerfolg zu sein scheint [Russ 2000: 64]. Von nun an soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich erst den Rost und den Dreck der Eisenrüstung von den Händen und vom Gesicht waschen, bevor er vor die Augen der Frauen tritt.&lt;br /&gt;
In der eigentlichen Minnelehre warnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor Falschheit in der Minne &#039;&#039;&amp;quot;gein werder minne valscher list / hât gein prîse kurze vrist&amp;quot;&#039;&#039; (172,15 f.) und erklärt ihm die Bedeutung des Einflusses, welche die Frau auf den Mann hat &#039;&#039;&amp;quot;daz tiuret junges mannes lîp&amp;quot;&#039;&#039; (172,10). Damit spricht er die gängige höfische Minnetheorie an, die &#039;&#039;&amp;quot;von der ethischen Vervollkommnung des Mannes durch die Frau ausgeht&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 64]. Um die Minne zu verwirklichen, muss nach &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; eine harmonische sowie untrennbare Einheit zwischen Mann und Frau bestehen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| man und wîp diu sint al ein; || Mann und Weib sind ein Leib. Das ist so&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als diu sunne die hiute schein,  || wie die Sonne, die heute aufgegangen ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch der name der heizet tac.|| und der Name, der Tag heißt. Das eine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der enwederz sich gescheiden mac. || kann sich nicht vom anderen scheiden.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
== Die praktische Unterweisung ==&lt;br /&gt;
Die praktische Ausbildung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; bildet den zweiten Teil der &#039;&#039;Gurnemanzschen&#039;&#039; Lehre und zielt auf eine Verbesserung der ritterlichen Fähigkeiten im Kampf &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten&amp;quot;&#039;&#039; (173,12 f.). Bei &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ankunft am Hof war dieser von der langen Reise so ermüdet, dass er auf seinem Pferd hängend jegliche ritterliche Haltung verloren hatte (vgl. 162,16 f.). Durch diesen Fauxpas motiviert beginnt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; mit der praktischen Unterweisung. Er lässt sich selbst ein Pferd bringen und lehrt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Kunst des Tjostierens:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (173,30) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wierz ors ûzem walap || Wie er das Pferd aus dem Galopp&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit sporen gruozes pîne  || mit den Sporen scharf ansprechen, mit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit schenkelen vliegens schîne || blitzenden, fliegenden Schenkeln herum-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf den poinder solde wenken, || reißen sollte in einen wuchtigen Anlauf,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schaft ze rehte senken, || dazu den Schaft senken zu einem rechten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [und] den schilt gein tjoste vür sich nemen. || Stoß, den Schild vorhalten, bereit, die Tjost des Gegners zu empfangen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Während der praktischen Ausbildung bekommt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Gelegenheit, das Neuerlernte in einem sicheren Umfeld zu üben. Ihm werden insgesamt fünf Ritter gegenübergestellt, welche er alle in den Probetjosten besiegt &#039;&#039;&amp;quot;sus stach er ir vünve nider&amp;quot;&#039;&#039; (175,3). Während &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bis zu den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; lediglich Ratschläge zuteil wurden, besteht die Besonderheit sowie der Erfolg &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; darin, dass er die Umsetzung seiner Lehre praktisch überprüft. Insofern lässt sich sogar eine Art didaktische Konzeption konstatieren, die in drei aufeinander aufbauende Phasen gegliedert ist: die theoretische Unterweisung - die praktische Unterweisung - lange praktische Übungsphase [Russ 2000: 65]. Dass diese didaktische Konzeption besser geeignet ist, um einen fruchtbaren Lernprozess  anzustoßen als die zu jener Zeit üblichen Methoden über physische Bestrafung, lässt uns der Erzähler wissen:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (174,7) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unfuoger im sus werte || Auf diese Weise trieb er ihm un-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| baz denne ein swankel gerte  || gehobelte Sitten aus, und zwar besser, als&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu argen kinden brichet vel. || es die biegsame Rute tut, die bösen Kindern sonst die Haut zerschlägt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Der Erfolg der Lehre zeigt sich des Weiteren daran, dass sie geeignet scheint, um &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Anlagen zu fördern. So lässt sich an ihm nun &#039;&#039;Gahmuretes art&#039;&#039; sehen (vgl. 174,24 f.). Am Ende der Übungsphase ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;an strîte wîs&#039;&#039; (175,6) und bereit, das Erlernte im echten Kampf umzusetzen.&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellen einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung dar&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiteres Charakteristikum der Lehren Gurnemanz stellt der aus ihr folgende Übergang Parzivals von der pueritia zur adolescentia dar. Eine Ausführliche Analyse dazu finden Sie unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Durch sie kommt der junge Held endlich dem langersehnten wahren Rittertum näher. Doch nicht nur der Eintritt ins Rittertum folgt aus der Ausbildung, auch die kognitive Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird erheblich vorangetrieben. Zuvor wurde er gehäuft als &#039;&#039;tump&#039;&#039; bezeichnet und schien ohne die Hilfe seiner Mutter oft verloren in der Welt umherzuirren. Nach der Begegnung mit &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als von seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befreit beschrieben &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Um dieser Errungenschaft auch symbolisch Nachdruck zu verleihen, legt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Torenkleidung ab. Dadurch sagt er sich zum einen von dem starken Einfluss seiner Mutter los und entledigt sich zum anderen aller sichtbaren Zeichen der &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist nun reflektierter, gewandter und letztlich erst jetzt gesellschaftsfähig im Sinne der Kenntnis höfischer und ritterlicher Sitten [Breyer 1989: 62]. &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren liegt die Erkenntnis von Erziehungsdefiziten sowie speziellen Bedürfnissen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zugrunde, weshalb sie sich als so geeignet erweisen, dessen Anlagen  zu entfalten [Green 1970: 61]. Des Weiteren begründet &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; seine Lehren, sodass er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; - anders als seine Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; - nicht bloß Ratschläge erteilt, sondern diese in Zusammenhang mit deren möglichen Folgen und Konsequenzen in einen konkreten Kontext einbettet. So soll &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;milte&#039;&#039; sein, denn der &#039;&#039;kumberhafte werde man&#039;&#039; (170,29) ringt ohnehin mit &#039;&#039;schame&#039;&#039; und bewirkt durch &#039;&#039;helfe&#039;&#039; &#039;&#039;gotes gruoz&#039;&#039; (171,4). Er soll &#039;&#039;mâze&#039;&#039; haben und nicht verschwenderisch sein, denn dies entspricht nicht &#039;&#039;hêrenlîche muot&#039;&#039; (171,10). Er soll mit seinem Gegenüber eine angemessene Konversation führen und den Fragen gemäß antworten, damit man ihn kennenlernen kann (vgl. 171,21) und sich den Rost vom Gesicht waschen, damit er &#039;&#039;wîbes ougen&#039;&#039; (172,6) gefällt. In der Liebe soll er nicht betrügen, denn &#039;&#039;valsche list&#039;&#039; hat &#039;&#039;kruze vrist&#039;&#039; (172,16). Mit diesen Lehren ausgestattet ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun bereit, in der erwachsenen Welt der Ritter zu bestehen und auf &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Lehren aufbauend, seinen Wissensstand kontinuierlich zu erweitern.&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Breyer 1989] Breyer, Ralph: Darstellung einer Kindheit. Das 3. Buch des &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. In: Deutsche Literatur des Mittelalters. Greifswald 1989.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Green 1970] Green, Dennis Howard: Advice and Narrative Action: Parzival, Herzeloyde and Gurnemanz. In: D.H. Green / L.P. Johnson / D. Wuttke (Hgg.), From Wolfram an Petrarch to Goethe and Grass. Baden-Baden 1982.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gurnemanz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ausbildung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22882</id>
		<title>Adoleszenz in der Ritterwelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Adoleszenz_in_der_Ritterwelt&amp;diff=22882"/>
		<updated>2015-07-14T08:57:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: /* Literaturverzeichnis */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel behandelt die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]] und geht dabei speziell auf den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; ein. Die Einteilung der Lebensabschnitte orientiert sich im Folgenden an der [[Die_Sechs-Weltzeitalter-Lehre_und_das_mittelalterliche_Geschichtsverständnis |Sechs-Weltzeitalter-Lehre]], nach welcher zwischen sechs Etappen auf dem heilsgeschichtlichen Entwicklungsweg des Menschen unterschieden wird. Anhand von ausgewählten Sinnabschnitten und konkreten Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; analysiert der vorliegende Artikel den inkrementellen Prozess der Reifung, welcher sich auf &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Abenteuerreisen vollzieht und durch den Eintritt in die Ritterwelt manifestiert. &lt;br /&gt;
== Der Auszug aus Soltane - Das Ende von Parzivals Kindheit? ==&lt;br /&gt;
Mit dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; endet &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kindheit &#039;&#039;(infantia)&#039;&#039; zweifelsfrei im Sinne eines behüteten Aufwachsens im Einflussbereich seiner Mutter [[Herzeloyde]]. Der Text gibt allerdings keine Hinweise auf das tatsächliche Alter &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zur Zeit des Aufbruchs. Es liegt jedoch nahe, dass er sich zu diesem Zeitpunkt bereits an der Schwelle zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; befindet und damit den Großteil der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ebenfalls in &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; verbracht hat. Dieser Annahme liegt die Tatsache zugrunde, dass der junge Held bei seinem ersten Gralsbesuch noch bartlos ist &#039;&#039;&amp;quot;unt daz vor jugende niemen dran / kôs gein einer halben gran&amp;quot;&#039;&#039; (244,9 f.), was ein Charakteristikum der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; ist, zuvor aber bereits die Ehe mit [[Condwiramurs]] vollzogen (vgl. 203,1 ff.) und Kinder gezeugt hat, was der Leser allerdings erst im 16. Buch (vgl. 820 f.) erfährt und ein eindeutiges Charakteristikum der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; darstellt. Im Weiteren soll es nicht um solche Detailfragen gehen, jedoch ist es an dieser Stelle wichtig zu wissen, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich zu Beginn seiner Abenteuerreise physisch schon im fortgeschrittenen Stadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; befindet, während er kognitiv gerade erst die Schwelle zwischen &#039;&#039;infantia&#039;&#039; und &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; überschritten hat.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die erste Etappe: Artushof und Ither-Kampf ==&lt;br /&gt;
=== Die Begegnung mit &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Mit dem unbedingten Wunsch, Ritter zu werden, begibt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Suche nach dem Artushof, um sich dort ausbilden zu lassen. Auf dem Weg dorthin trifft er zunächst auf seine Cousine [[Sigune_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Sigune]], der &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die Frage nach seinem Namen den vertrauten Kosenamen &#039;&#039;&amp;quot;bon fîz, scher fîz, bêâ fîz&amp;quot;&#039;&#039; (140,6) nennt, woraufhin sie ihn erkennt. Im Anschluss erfährt unser Held zum ersten Mal seinen richtigen Namen &#039;&#039;&amp;quot;deiswâr du heizest Parzivâl&amp;quot;&#039;&#039; (140,16) und wird über seine Herkunft &#039;&#039;&amp;quot;dîn vater was ein Anschevîn [...] du bist ouch künec ze Norgâls&amp;quot;&#039;&#039; (140,25 ff.) sowie sein Verwandschaftsverhältnis zu Sigune aufgeklärt. Damit bekommt der Ritter in spe einen ersten Einblick in seine Abstammung und macht einen wichtigen Schritt in Richtung Identitätsbildung. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Sigune auf ihre Trauer anspricht, klagt sie ihm vom Tod ihres Geliebten, der in Ausübung seiner Ritterschaft gefallen ist. Um &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vor diesem Schicksal zu bewahren, weist sie ihm einen falschen Weg, in der Hoffnung, dass er den Artushof nicht findet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Artushof ===&lt;br /&gt;
Müde und erschöpft gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem Fischer, der ihn gegen das hohe Entgelt eines Ringes bei ihm übernachten lässt und ihn am nächsten Tag nach Nantes vor den Artushof führt (vgl. 143,1 ff.). Vor den Toren Artus hält der Fischer inne und verweigert &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Wunsch, mit ihm zum Hof zu reiten. Durch diese törichte Bitte offenbart der junge Held seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Der Fischer klärt den Unwissenden, der fernab von höfischem Leben aufwuchs, über die besonders edle Gesellschaft des Artushofes auf &#039;&#039;&amp;quot;diu mässenîe ist sölher art, / genaeht ir immer vilân, / daz waer vil sêre missetân&amp;quot;&#039;&#039; (144,14 ff.). Diese Szene markiert den Beginn von &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; höfischer Erziehung, welche ein wichtiger Bestandteil für dessen Erwachsenwerden ist. Nur durch die Kenntnis und den souveränen Umgang mit den Regeln der adeligen Gesellschaft kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in die Welt der Ritter eintreten. Gleichzeitig verdeutlicht diese Szene &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; allgemeine Unsicherheit. Er ist fernab von solchen gesellschaftlichen Problemen in einer behüteten bäuerlichen Umgebung aufgewachsen und ist es schlichtweg nicht gewohnt, auf sich selbst gestellt zu sein [Russ 2000: 54]. Die Lehren seiner Mutter, auf welche er sich bisher berufen konnte, bieten ihm auf dem Artushof keine Hilfe, weswegen er nicht nur physisch, sondern auch im Sinne von ratlos &#039;&#039;aleine&#039;&#039; (vgl. 144,17) zum Hof reiten muss. Noch bevor er diesen erreicht, trifft &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf den Ritter [[Ither_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Ither]], welcher ihn überaus freundlich und höflich begrüßt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist sofort von Ithers imposanter roter Rüstung fasziniert und geht gerne auf dessen Bitte ein, &#039;&#039;Ginover&#039;&#039; seine Entschuldigung vorzubringen. Auf dem Hof angekommen tritt erneut &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; zutage, da er &#039;&#039;Artus&#039;&#039; nicht für einen Individualnamen, sondern einen Gattungsbegriff von Rittern hält &#039;&#039;&amp;quot;ich sihe hie mangen Artûs&amp;quot;&#039;&#039; (147,22) [Russ 2000: 55]. Mit Hilfe des Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schließlich zu [[König_Artus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) | König Artus]]. Da dieser die edle Art &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erkennt und sich nicht von seinem Torengewand täuschen lässt &#039;&#039;&amp;quot;Du bist wol sô gehiure / rîche an koste stiure&amp;quot;&#039;&#039; (149,19f.), erklärt er sich dazu bereit, seinen Wunsch zu erfüllen und ihn zum Ritter zu machen&amp;lt;ref&amp;gt;Obwohl diese Szene durchaus als Einstiegspunkt für Parzivals Ausbildung gesehen werden kann, erfolgt die eigentliche Ausbildung erst durch Gurnemanz.&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die Ausbildung, welche aus dem unbeholfenen Draufgänger einen erwachsenen Mann machen wird, kann beginnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Kindlich bittend bringt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sein Anliegen vor, die Rüstung Ithers zu bekommen [Russ 2000: 106]. Auf das Drängen [[Keie_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Keies]] hin, gibt Artus schließlich nach und verspricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die Rüstung des Roten Ritters. Der nun folgende Kampf zeichnet sich dadurch aus, dass &#039;&#039;Ither&#039;&#039; als Ritter dargestellt wird, &#039;&#039;&amp;quot;den zu besiegen sich niemand zutraut&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 106], wodurch &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; herausragender Mut, der in dieser Szene auch als Unverstand oder Übermut interpretiert werden kann, deutlich wird. Die Kampfbegierde &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; erinnert dabei an seinen Vater [[Gahmuret_als_Ritter_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 | Gahmuret]] &#039;&#039;&amp;quot;dô was im von dem künege gâch&amp;quot;&#039;&#039; (150,29), in dessen Fußstapfen sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissend bewegt. Im darauffolgenden Kampf reiten die beiden Kontrahenten mit Zorn gegeneinander &#039;&#039;&amp;quot;der helt [=&#039;&#039;Ither&#039;&#039;] was zornes draete&amp;quot;&#039;&#039; (155,1); &#039;&#039;&amp;quot;Parzival der knappe guot / stuont al zornic ûf dem plân&amp;quot;&#039;&#039; (155,4 f.). Obwohl ihre innere Einstellung sich also gleicht, unterscheiden sie sich erheblich in Bezug auf die Art des Kämpfens: Während Ither mit ritterlichen Waffen kämpft, greift &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seinem &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; an und tötet den roten Ritter so in unritterlicher und unehrenhafter Weise (vgl. 155,9 f.). Der Kampf ist insofern von besonderer Bedeutung, da &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit Ither einen Verwandten getötet hat, was die Schwere seines ohnehin schon unehrenhaften Verhaltens noch erhöht. In seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; dreht der Held auf Abwegen den toten Ither wie eine Puppe hin und her [Siefken 1972: 113] und lässt ihn, nachdem er die Rüstung in Besitz genommen hat, unbestattet und entehrt liegen &#039;&#039;&amp;quot;Ithêrn von Gaheviez / er jaemerlîche ligen liez&amp;quot;&#039;&#039; (159,5). Anschließend erhält er von dem Knappen &#039;&#039;Iwanet&#039;&#039; eine Unterweisung, in der er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zeigt, wie eine Rüstung anzulegen ist und die Funktionsweise des Schwertes, des Schildes sowie des Speers erklärt (vgl. 156,18 - 158,12). So wird der junge &#039;&#039;knappe cluoc&#039;&#039; (156,8) zu einer Art Lehrer für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, wodurch er ihm erheblich auf seinem Weg ins Rittertum hilft. Doch trotz des Besitzes der Rüstung und den Lehren des Knappen hat &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lediglich formal die Voraussetzung für eine ritterliche Existenz erreicht [Busse 1979: 120]. Die Entwicklung vom unerfahrenen Knaben zum ehrenwerten Ritter hat noch nicht stattgefunden. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; befindet sich weiterhin in der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; und hat den Schritt zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch nicht geschafft. Dieses wird im Text an zahlreichen Stellen deutlich: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; hält gemäß den Lehren des &#039;&#039;Karnahkarnanz&#039;&#039; die Rüstung für das Alleinstellungsmerkmal eines Ritters und ist zwar bereit, sein &#039;&#039;gabylôt&#039;&#039; durch ritterliche Waffen zu ersetzen, nicht jedoch seine Torenkleidung abzulegen, da der Bezug zu seiner Mutter noch zu groß ist &#039;&#039;&amp;quot;swaz mir gap mîn muoter, / des sol vil wênic von mir komen, / ez gê ze schaden oder ze vromen.&amp;quot;&#039;&#039; (156,30). Die Rüstung, die er fortan über seiner Torenkleidung trägt, verdeckt also lediglich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; unreife Art sowie seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und stellt somit eine Parallele zu seiner innerlichen (kognitiven) Rückständigkeit dar, welche durch sein gut entwickeltes Äußeres verdeckt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die zweite Etappe: Die Lehren des Gurnemanz&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführlichere Analyse der Gurnemanzschen Lehren finden Sie unter: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz | Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]. &amp;lt;/ref&amp;gt; ==&lt;br /&gt;
=== Aufeinandertreffen ===&lt;br /&gt;
Nach dem Kampf mit &#039;&#039;Ither&#039;&#039; bricht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vom Artushof auf und gelangt zur Burg des Ritters [[Gurnemanz | Gurnemanz von Graharz]]. Dieser empfängt den vermeintlichen Ritter mit der prächtigen Rüstung freundlich und nimmt ihn in seine Burg auf. Die Ankunftszene zeigt abermals &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unreife sowie seinen Irrglauben, lediglich durch das Tragen einer Rüstung ein vollwertiger Ritter zu sein. Zum einen glaubt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, als er auf die Burg zureitet, dass sie wachsen würde, da er zunächst nur &#039;&#039;&amp;quot;eins turnes gupfen unt des dach&amp;quot;&#039;&#039; (161,4) sieht, mit abnehmender Distanz aber immer weitere Türme aus der Erde zu wachsen scheinen (vgl. 161,25 ff.). Zum anderen zeigt sich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; in Bezug zur Ritterschaft, als er sich weigert, von seinem Pferd zu steigen, da er glaubt, dass Rittersein sei fest mit dem Reiten verbunden (vgl. 163,21) [Russ 2000: 62]. Trotz dieser Fehltritte und der Torenkleidung, welche nach dem Ablegen seiner Rüstung für Aufsehen sorgt (vgl. 164,8 ff.), werden &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; aufgrund seiner makellosen äußeren Erscheinung alle Annehmlichkeiten zuteil.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Lehre ===&lt;br /&gt;
Im Unterschied zu den Rittern am Artushof erkennt &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; die Diskrepanz zwischen der äußeren Schönheit &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;ir tragt geschickede unde schîn, / ir mugt wol volkes hêrre sîn&amp;quot;&#039;&#039; (170,21 f.) auf der einen Seite und seinem kindlich naiven Verhalten &#039;&#039;&amp;quot;ir redet als ein kindelîn.&amp;quot;&#039;&#039; (170,10) auf der anderen Seite als ein Zeichen von Bedürftigkeit, belehrt zu werden: &#039;&#039;&amp;quot;ich bin wol innen worden / daz ir râtes dürftic sît&amp;quot;&#039;&#039; (171,14). &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird neuer Lehrer &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; und fängt damit an, ihm während eines gemeinsamen Messgangs&amp;lt;ref&amp;gt;Dies ist der erste Messgang, an dem Parzival teilnimmt.&amp;lt;/ref&amp;gt; die Liturgie des Christentums näher zu bringen. Nach der Messe gibt es eine gemeinsame Mahlzeit, auf welche die eigentliche Lehre folgt. Die Lehre des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; &#039;&#039;&amp;quot;setzt sich aus einer theoretischen (vgl. 170,17-173,6) und einer praktischen (vgl. 173,12-174,6) Unterweisung zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 63]. Die theoretische Unterweisung thematisiert die Tugend- und Herrscherlehre, eine Ritterlehre sowie eine Minnelehre. Die praktische Ausbildung zielt darauf ab, die ritterlichen Fertigkeiten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; zu verbessern: &#039;&#039;&amp;quot;noch sult ir lernen mêre / kunst an ritterlîchen siten.&amp;quot;&#039;&#039; (173,12).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Bedeutung ===&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; stellt für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mehr als einen Lehrer dar. Er wird zu einer Art Mentor und führt durch seine umfassende Ausbildung einen Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung herbei. Durch ihn erhält &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen Einblick in die höfischen sowie ritterlichen Sitten, deren Umsetzung und die Gründe für deren Bestehen. Auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; wird ihm ein Forum geboten, in welchem er seine Anlagen entfalten, neues Wissen erwerben und dieses in einer sicheren Umgebung erproben kann. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gewinnt durch die neuen Fertigkeiten Selbstvertrauen und beginnt zu verstehen, weshalb er sich von der bis dato omnipräsenten Mutter lösen muss, um ins Rittertum eintreten zu können. Obwohl er schon seit einiger Zeit alleine durch das Land reist, hat er erst jetzt die Voraussetzungen erreicht, um faktisch selbstständig zu sein. Mit krummer Haltung reitend und kindlichem, törichten Benehmen kam &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 173,14 ff.), nun, da er wieder geht, reitet er elegant mit den Zeichen ritterlicher Sitten am Leib und bereit, sich den kommenden Herausforderungen zu stellen (vgl. 179,13 ff.).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die dritte Etappe: Eintritt in die Adolescentia ==&lt;br /&gt;
=== Das Ende von Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; ===&lt;br /&gt;
Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; sind essentieller Bestandteil der Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Durch sie wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu einem würdigen Mitglied der Ritterschaft und kann endlich auch über das bloße Tragen einer Rüstung hinaus als Ritter bezeichnet werden. Die Begegnung stellt des Weiteren eine klare Zäsur dar: &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; war bis zu den Lehren ein äußerlich sehr weit entwickelter &amp;quot;Mann&amp;quot;, der allerdings noch &#039;&#039;tump&#039;&#039; war, was, aufgezeigt durch die regelmäßige Wiederholung des Wortes, [Welter 1974: 36] zu einem omnipräsenten Hindernis für ihn wurde. Damit einher geht, dass dieses Hindernis den Übergang von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; verhinderte. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Entwicklung konnte durch seine innere (geistige) nicht eingeholt werden. Die Rüstung verbarg lediglich seine Torenkleidung, so wie seine Schönheit sein torenhaftes Benehmen überdeckte. Nach seinem Aufbruch von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; Burg wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als frei von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bezeichnet &#039;&#039;&amp;quot;sît er tumpheit âne wart&amp;quot;&#039;&#039; (179,23). Er hat seine Torenkleidung endgültig abgelegt und ist &#039;&#039;&amp;quot;gewandter und gesellschaftsfähiger geworden&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 66]. Durch die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; kann &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seine Anlagen endlich entfalten [Russ 2000: 67] und die &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; hinter sich lassen. &lt;br /&gt;
=== Die Bewährungsprobe: Parzival in Pelrapeire ===&lt;br /&gt;
Als die Zeit der Lehre zu Ende geht, verlässt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seinen Lehrmeister nicht einfach, sondern bittet um &#039;&#039;urloup&#039;&#039; (177,9). Vor der Ankunft in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wäscht er sich den Rost vom Gesicht, bevor er die Burg betritt (186,2 f.) und wird von den Dienstleuten als ein &#039;&#039;werder gast&#039;&#039; (186,6) empfangen. Als er zur Königin [[Condwiramurs |Condwiramurs]] geführt wird, verhält er sich der Gurnemanzschen Minnelehre gemäß und gewinnt ihre Liebe durch &#039;&#039;manlîch zuht&#039;&#039; (188,15). Schnell wechselt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; von der Rolle des Lernenden in die des Lehrenden, in dem er der belagerten Bevölkerung auf &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; beratend zur Seite steht. Besonders die Tugendlehre &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; findet dabei Anwendung, als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die knappen Lebensmittel an die hungerleidende Bevölkerung verteilt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (191,1) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| teilen ez hiez diu künegîn, || Die Königin befahl, es unter die ausge-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar zou die kaese, daz vleisch, den wîn,  ||  mergelten Menschen auszuteilen, dazu den   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dirre creftelôsen diet: || Käse, das Fleisch, den Wein. Parzivâl, ihr&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl ir gast daz riet || Gast, redete ihr zu, sie solle nur immer herschenken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass er den Notleidenden hilft und seine eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund stellt (vgl. 191,5), beweist er &#039;&#039;erbärme&#039;&#039; und &#039;&#039;güete&#039;&#039;. Auch im Kampf weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Regel der Ritter einzuhalten und sich zu beherrschen. Dies wird besonders im Zweikampf mit &#039;&#039;Clamide&#039;&#039; deutlich, in dem er nach einiger Anstrengung siegt und kurz davor steht, dem Besiegten den Todesstoß zu geben &#039;&#039;&amp;quot;nu lerne waz sterben sî&amp;quot;&#039;&#039; (213,2), was erneut ein unritterliches Benehmen wäre. Im letzten Moment besinnt er sich jedoch auf seine Ausbildung und das Schonungsgebot durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (213,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dâhte der den sic hât || Da dachte der, der gesiegt hat, an den&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sân an Gurnemanzes rât, ||  Rat des Gurnemanz, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ellenthafter manheit || dass Heldentum und Mut im Kampf Er-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| erbärme solte sîn bereit || barmen finden sollen. Und so folgte er&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus volget er dem râte nâch. || dieser Regel.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich als vorbildlicher Herrscher sowie heldenhafter Ritter bewiesen hat, verwirklicht er mit der Heirat &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; auch die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Nun ist &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; erwachsen und vollends in der &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; angekommen. Sprachlich wird dies dadurch verdeutlicht, dass er von nun an als &#039;&#039;degen&#039;&#039; (vgl. 187,2; 208,23) und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; (vgl. 215,19) bezeichnet wird [Russ 2000: 75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
Nach dem Aufbruch aus &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; begibt sich der junge &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unwissentlich auf Spurensuche nach seiner wahren Identität. Als Sohn des &#039;&#039;Gahmuret&#039;&#039; liegt es in seiner Natur, auszuziehen und nach Abenteuern zu suchen. Zunächst gleicht diese Suche allerdings einem Sprung ins kalte Wasser. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist noch jung, unerfahren und &#039;&#039;tump&#039;&#039;, er ist kaum bereit, alleine durch die Welt zu ziehen. Die Lehren seiner Mutter &#039;&#039;Herzeloyde&#039;&#039; erweisen sich zunächst als praxisuntauglich&amp;lt;ref&amp;gt;Eine genauere Analyse der Erziehung Herzeloydes finden sie unter: [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; und sein Wunsch, ein Ritter zu werden, führt ihn auf einen beschwerlichen Pfad mit vielen Versuchungen und Bewährungsproben. Zu Beginn kann sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dabei nur auf seine physischen Fertigkeiten verlassen, während ihn seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; oft auf Irrwege führt. Die Welt, in der er sich bewegt, ist ihm fremd, besonders wenn er auf andere Menschen trifft, weiß &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; bloß den diffusen Rat seiner Mutter zu befolgen und jeden freundlich zu grüßen. Der Umgang mit Frauen stellt den pubertierenden Jungen vor große Schwierigkeiten&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse von Parzivals Frauenbegegnungen finden Sie unter: [[Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen | Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]] &amp;lt;/ref&amp;gt;. Höfische Sitten kennt er nicht und die Welt der Ritter hat für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; lange Zeit nur symbolischen Charakter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival geht davon aus, dass allein das Tragen einer Rüstung sowie das Reiten auf einem Pferd ihn zu einem vollwertigen Ritter machen.&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Ausgangslage für &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; langen Weg von der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039; zur &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; und schließlich ins Rittertum zeigt, dass dieser kein gerader sein kann. Geprägt durch Fehltritte gestaltet sich &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung als ein stetiger Lernprozess. Nachdem er von seiner Cousine &#039;&#039;Sigune&#039;&#039; das erste Mal seinen richtigen Namen erfährt sowie Informationen über seine wahre Abstammung erhält, begibt er sich auf die Suche nach dem Artushof, um dort die ritterliche Ausbildung zu erhalten. Doch statt eine Ausbildung zu absolvieren, wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Spielfigur höfischer Machtkämpfe und als solche in einen unehrenhaften Kampf verwickelt, in welchem er unwissentlich einen Verwandten tötet und so schon früh schwere Schuld auf sich lädt. Fortan reitet er mit der Rüstung des &#039;&#039;Ither&#039;&#039; und dem Glauben, nun ein Ritter zu sein durch das Land. In Wahrheit hat er sich durch seine Taten nur noch weiter von seinem Ziel, ein Ritter zu werden, entfernt und eindrucksvoll bewiesen, dass auch der Schritt in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; noch in weiter Ferne liegt. Die Geschehnisse am Artushof tragen letztendlich trotzdem zu &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; positiver Entwicklung bei, da er sich zum einen als starker und geschickter Krieger beweist und zum anderen durch das Lachen der &#039;&#039;Cunnewâre&#039;&#039; als zukünftiger Herrscher dekuvriert wird.&amp;lt;ref&amp;gt;Nähere Informationen zu dem Verhältnis von Parzival und Cunnewâre finden sie unter: [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival und Cunnewâre]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Nach den Ereignissen am Artushof gelangt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zur Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039;. Der freundliche Burgherr erkennt &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Defizite sowie seine Bedürftigkeit belehrt zu werden. In ihm findet &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; endlich einen geeigneten Lehrmeister. Während der folgenden Tage wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eine ausführliche Ausbildung zuteil, welche ihm erstmals auch Raum zum Üben in einer sicheren Umgebung bietet. Die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; bilden den ersehnten Wendepunkt in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Entwicklung. Als er von der Burg aufbricht, reitet er nicht mehr als unreifer und &#039;&#039;tumper&#039;&#039; Knabe durch das Land, sondern als gebildeter Mann und endlich auch als wahrhaftiger Ritter. In der belagerten Stadt &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Ausbildung das erste Mal auf die Probe gestellt. Als mutiger Mann und Ritter nimmt er sich der Probleme der Stadt an und schafft es, diese durch Großzügigkeit, Umsicht sowie ritterliche Fertigkeiten zu lösen. Mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; findet er eine Frau, deren Liebe er sich durch seine ritterlichen Taten wahrlich verdient hat. Durch die Eheschließung verwirklicht er die vollkommene &#039;&#039;minne&#039;&#039; und hat somit den Übergang in die &#039;&#039;adolescentia&#039;&#039; in allen Bereichen unter Beweis gestellt. Von nun an wird &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; als &#039;&#039;degen&#039;&#039; und &#039;&#039;wîgant&#039;&#039; bezeichnet. Die Menschen, auf welche er im weiteren Verlauf der &#039;&#039;Âventiure&#039;&#039; trifft, begegnen ihm mit Respekt und Ehrfurcht. Doch trotzdem ist die Entwicklung &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; noch nicht abgeschlossen und sein Benehmen nicht immer tadellos. Auf den Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; aufbauend, begeht er auf der [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsburg]] einen schwerwiegenden Fehler, dessen Wiedergutmachung ihn lange Zeit sowie viele Mühen kostet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1979] Busse, Werner: Verwandtschaftsstrukturen im &#039;Parzival&#039;. In: &#039;&#039;W. SCHRÖDER&#039;&#039; (Hg.), Wolfram-Studien 5. Berlin 1979.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Siefken 1972] Siefken, Hinrich: Wolframs Erzählton. Beobachtungen am dritten Buch des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: &#039;&#039;F. HUNDSNURSCHER / U. MÜLLER&#039;&#039; (Hgg.). Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Welter 1974] Welter, Hans Günther: Zur Technik der Wortwiederholungen in Wolframs Parzival. ZfdPh 93 (1974).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Entwicklung]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Adoleszenz]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Lehre]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_und_Gahmuret_im_Vergleich&amp;diff=22706</id>
		<title>Parzival und Gahmuret im Vergleich</title>
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		<updated>2015-07-13T18:47:24Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Um den Versepos &#039;Parzival&#039; zu verstehen wird in vielen Forschungstexten auf die Genealogie verwiesen. Eine Beziehung, die es in dem Werk nicht gibt, ist die zwischen Parzival und seinem Vater Gahmuret. Dennoch scheint ein Vergleich zwischen dem Vater und dem Sohn sinnvoll, da die Bücher über Gahmuret eine Erfindung von Wolfram vom Eschenbach sind. Die Vorlage von Chrétiens &#039;Li Contes del Graal ou Le roman de Perceval&#039; enthält keine elterliche Vorgeschichte. Daher soll in diesem Artikel die Unterschiede zwischen Parzival und Gahmuret aufgezeigt werden&amp;lt;ref&amp;gt;Ein weiterer Artikel beschäftigt sich mit den [[http://mediaewiki.org/wiki/Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|biografischen Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Zunächst die Erscheinung der Ritter, wie sehen sie aus, wie inszenieren sie sich. Wie werden sie in das Werk eingeführt und wie ist ihre Ausgangsposition beschaffen? Wer sind ihre Verwandten? Wie wurden sie erzogen? Durch den Vergleich sollen die Gemeinsamkeiten herausgearbeitet werden. Kann von Gahmuret auf Parzivals Werdegang geschlossen werden? Bestimmt die Vorgeschichte Gahmurets den Handlungsrahmen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Erscheinungsbilder ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Über Gahmuret selbst wird kaum etwas gesagt, außer, dass er groß und hellhäutig ist. Es wird viel mehr das beschreiben, was er an hat: so z.B. sein Schild, dass viele Zobelbälge trägt und das Bild eines Ankers hat.&lt;br /&gt;
Beim Einzug in Zazamanc wird das Aussehen von Gahmuret kaum beschrieben, sondern seine Gefolgschaft. Allerdings sieht Gahmuret so gut aus, dass man ihn lieben muss.&lt;br /&gt;
In Afrika wird vor allem seine Kleidung oder seine Kampfausrüstung beschrieben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird bereits nach der Geburt als männlich beschrieben mit starken Gliedern (112, 27). Ebenso wie sein Vater ist er hellhäutig. Auch sein Aussehen bewirkt eine positive Reaktion der Damenwelt, wie bereits sein Vater. Allerdings wird nicht Parzivals Kleidung oder pompöse Einzüge betont, es ist viel mehr Parzival selbst, der als hübsch bezeichnet wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vom Aussehen her gibt es nicht sonderlich viele Auffälligkeiten. Beide sind hellhäutig und scheinen den Frauen zu gefallen. Wobei Gahmuret sein Auftreten und seine Kleidung und bei Parzival das Aussehen selbst im Vordergrund stehen. Allerdings gibt es keine Vergleiche zwischen Vater und Sohn. Die äußerliche Ähnlichkeit der beiden wird nicht betont.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Verwandschaft ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist der zweite Sohn des Königs von Anschouwe und der Bruder von Galoes. (4,28-5,5)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In einem Brief von Belacane wird der Stammbaum vom Gahmuret deutlich. Aus dem Brief geht hervor, dass Gahmuret der Sohn des Gadîn, der Urenkel des Mazadan ist. Denn Gadîn Vater ist Addanz. Addanz Bruder heißt Brickus und dessen Vater ist Mazadan. Jener Mazadan ist aber nicht nur Gahmurets Urgroßvater, sondern auch der von Artus. Der Vater von Artus &#039;Utepandragun&#039; ist demnach der Großonkel von Gahmuret und Artus sein Großcousin.(56,1-28)&lt;br /&gt;
Über die mütterliche Seite wird nichts gesagt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival ist der zweite Sohn von Gahmuret, er stammt aus der Ehe mit [[Gahmuret und Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]] und ist das erste Kind in der Ehe. Der erste Sohn von Gahmuret ist Feirefiz, er stammt aus der &#039;Ehe&#039; mit [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]]. Wie bereits oben deutlich wird, ist Parzival über seinen Vater mit der Artusfamilie verwandt. Artus ist demnach sein Großonkel. Parzival erfährt aber erst (140,17) von seinem Vater. Die Verwandschaft mütterlicherseits wird erst später im Vers (333,30) bestimmt: &#039;&#039;Von im den Herzeloyde bar. er was ouch generbe dar.&#039;&#039; Eine genauere Auflösung von Parzivals verwandtschaftlichem Verhältnis mit der Gralsfamilie steht im Vers (455,15). Der Gralskönig Anfortas ist der Bruder von Herzylode. Sie stammen von Frimutel ab, der den Gral an Anfortas weiterreichte. Frimutel erhielt den Gral von seinem Vater Tyturel.&lt;br /&gt;
Parzival vereint folglich die Linie Artus und der Gralsfamilie.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Zwischenfazit ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beide sind die zweiten Söhne ihres Vaters. Wobei Gahmuret und sein Bruder von derselben Mutter stammen. Parzival und Feirefiz stammen von unterschiedlichen Müttern. Sowohl Gamuret, als auch Parzival stammen vom hochadeligem Geschlecht ab. Die Vermischung der arthurischen und titurelschen Geschlechtslinien prädestiniert Parzival für die Wahl des Gralskönig und verschafft ihm einen genealogisch Vorteil gegenüber seinem Vater.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei seinem [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Versagen]] auf der Gralsburg wird durch das Überreichen des Mantels von der Gralsträgerin (228,15) und dem Geschenk des Königs der Gralsburg, ein Schwert (239,22), seine Bestimmung Gralskönig zu werden angedeutet.[Mertens 2007: S.123] Es kann davon ausgegangen werden, dass die Gralsgesellschaft die Abstammung Parzivals bewusst ist. Deshalb vermuten sie wohl, dass Parzival wegen seiner Abstammung der Ritter aus der Prophezeiung (483,20) ist. Parzival selbst erfährt erst bei Trevrizent im IX. Buch von seiner Abstammung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret kennt seine Eltern und es ist ihm möglich einen ziemlich exakten Stammbaum seiner Familie zu skizzieren. Parzival hingegangen erfährt erst im Verlauf der Geschichte von seiner Abstammung. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Ausgangspositionen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater wird in einem Kampf getötet, wie bereits der Vater von Gadîn zuvor, und deshalb würde er zunächst alles verlieren, da der älteste Sohn alles erbt. Doch er bittet seinen Bruder ihn ziehen zu lassen, um nach Ruhm und Ehre streben zu können. Sein Bruder und seiner Mutter beschenken ihn reichlich, so dass er gut gerüstet auf Aventüre gehen kann. [Mertens 2007: vgl S.107] So viel zu den Fakten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst abgeschottet von der Außenwelt bei seiner [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], die ihn erzieht. Weil sein Vater Gahmuret im Kampf gestorben ist, befürchtet die Mutter, dass ihm gleiches widerfährt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmurets Weg als Rahmen ==&lt;br /&gt;
== Der Höhepunkt ihrer Karrieren ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Quellennachweis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gahmuret|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Genealogie|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=22703</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=22703"/>
		<updated>2015-07-13T18:39:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater/Sohn Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel soll sich mit den komplexen Vater Sohn Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beschäftigen. Als Schwerpunkt soll die Vater/Sohn Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater Gahmuret betrachtet werden wobei berücksichtigt werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater/Sohn Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Parzival ist nicht Gahmurets einziger Sohn, er hat einen älteren Halbbruder, Feirefiz, dessen Beziehung zu Gahmuret ebenfalls in diesem Artikel betrachtet werden soll. Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Weiterhin soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals Halbbruder. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Feirefiz wird geboren als Gahmuret Belakane schon wieder verlassen hat. Seine Mutter ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seien Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Feirefiz lernt seinen Vater nicht kennen und lebt somit wie Parzival ein Leben ohne Vaterfigur. &lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ohne Vater auf. Gahmuret nimmt an seiner Erziehung nicht teil, er ist wie bereits im Fall von Parzivals Halbbruder Feirefiz abwesend. Da Parzivals Mutter Herzeloyde den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Dieser soll jedoch kein Ritter werden wie sein Vater. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen die ihm vorenthält dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters. Herzeloyde versucht ihren Sohn vor dem ritterlichen, höfischen Einfluss zu schützen. Sie verbietet sogar jegliche Rede über das Rittertum: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern jedoch. Das Ritter-Sein scheint ihrem Sohn vorbestimmt zu sein. Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den direkten Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, der sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Die Brüder unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, sie weisen auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl dieser Parallelen untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen. &lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. &lt;br /&gt;
*Unsicherheiten in seiner Position als Ritter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vater]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sohn]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Familie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=22701</id>
		<title>Vater und Sohn im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Vater_und_Sohn_im_Parzival&amp;diff=22701"/>
		<updated>2015-07-13T18:36:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;== Vater/Sohn Strukturen im Parzival ==&lt;br /&gt;
Dieser Artikel soll sich mit den komplexen Vater Sohn Beziehungen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beschäftigen. Als Schwerpunkt soll die Vater/Sohn Struktur zwischen [[Protagonist:_Parzival|Parzival]] selbst und seinem Vater [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret]] betrachtet werden wobei berücksichtigt werden muss, ob man diese Struktur überhaupt als existente Vater/Sohn Beziehung im klassischen Sinne bezeichnen kann. Parzival ist nicht Gahmurets einziger Sohn, er hat einen älteren Halbbruder, Feirefiz, dessen Beziehung zu Gahmuret ebenfalls in diesem Artikel betrachtet werden soll. Von großer Relevanz sind auch die eventuellen Parallelen zwischen den beiden genannten Beziehungen. Weiterhin soll behandelt werden, welche Auswirkungen die ungewöhnliche Beziehung zu seinem Vater auf Parzival hat.  &lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Feirefiz ===&lt;br /&gt;
[[Parzival und Feirefiz|Feirefiz]] ist [[mediaewiki.org/wiki/Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Gahmuret|Gahmurets]] erster Sohn, der aus der Beziehung mit Königin [[mediaewiki.org/wiki/Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Belacane|Belakane]] entstand und somit Parzivals Halbbruder. Feirefiz findet in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am Anfang und am Ende der Geschichte Erwähnung. Feirefiz wird geboren als Gahmuret Belakane schon wieder verlassen hat. Seine Mutter ist über den Verlust ihrer Liebe untröstlich. Dennoch liebt sie ihn, selbst seine fleckige Haut wird von ihr als ein Wunder Gottes verstanden. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 57, 15-22 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu  frouwe an rehter zît genas&lt;br /&gt;
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eins suns, der zweier varwe was,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an dem got wunders wart enein: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wîz und swarzer varwe er schein.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu küngîn kust in sunder twâl &lt;br /&gt;
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vil dicke an sîniu blanken mal.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
diu muoter hiez ir kindelîn &lt;br /&gt;
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Feirefîz Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
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der war von zweierlei Farbe; an ihm &lt;br /&gt;
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wollte Gott ein Wunder wirken: Weiß&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schien seine Haut und schwarz. Die&lt;br /&gt;
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Königin küßte ihn sogleich sehr oft auf &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
seine weißen Male. Die Mutter nannte &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ihr Kindelein Feirefîz und Anschevîn.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret befindet sich zu diesem Zeitpunkt bereits nicht mehr bei seiner Frau und ihrem gemeinsamen Sohn, sondern ist auf der Suche nach neuen Abenteuern. Feirefiz lernt seien Vater also nicht kennen. Tatsächlich ist Gahmuret nicht nur bei Feirefiz’ Geburt abwesend, sondern dessen gesamtes Leben lang. Feirefiz lernt seinen Vater nicht kennen und lebt somit wie Parzival ein Leben ohne Vaterfigur. &lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Parzival ===&lt;br /&gt;
Parzival wächst ohne Vater auf. Gahmuret nimmt an seiner Erziehung nicht teil, er ist wie bereits im Fall von Parzivals Halbbruder Feirefiz abwesend. Da Parzivals Mutter Herzeloyde den Verlust ihres Ehemannes kaum überwinden kann überträgt sie diese Liebe auf ihren neugeborenen Sohn. Dieser soll jedoch kein Ritter werden wie sein Vater. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
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! Original 112, 28-30 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
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| er wart mit swerten sît ein smit,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vil fiwers er von helmen sluoc:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sîn herze manliîch ellen truoc. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Später sollte er Schmied mit Schwertern&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
werden, der viel Feuer aus den Helmen schlug. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In seinem Herzen trug er eines rechten Mannes Kraft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
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&lt;br /&gt;
Parzival wird also von seiner Mutter erzogen die ihm vorenthält dass er eigentlich ein Ritter werden sollte. Dieser Teil der Erziehung wäre in einer klassischen Familie Aufgabe des Vaters. Herzeloyde versucht ihren Sohn vor dem ritterlichen, höfischen Einfluss zu schützen. Sie verbietet sogar jegliche Rede über das Rittertum: &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original 117, 21-28 !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ez wære man oder wîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
den gebôt si allen an den lîp,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz se immer ritters wurden lût. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
‘wan friesche daz mîns herzen trût,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
welch ritters leben wære,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz wurde mir vil swære.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nu habt iuch an der witze kraft,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und helt in alle rîterschaft.’ &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| und zwar die Männer wie die Frauen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und sie verbot da allen bei Todesstrafe, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von Rittertum und Rittern auch nur einen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ton zu sprechen. “Denn wenn mein lieb-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ster Schatz erführe, was es mit dem ritter-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
lichen Leben auf sich hat, so wäre das ein&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
großes Unglück für mich. Drum seid ver-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
nünftig und haltet vor ihm alles geheim,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
was mit Ritterschaft zu tun hat. ”&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
All diese schützenden Versuche der Mutter scheitern jedoch. Das Ritter-Sein scheint ihrem Sohn vorbestimmt zu sein. Parzival findet auch ohne die direkte Hilfe oder den direkten Einfluss seines Vaters zu seiner Bestimmung und wird schließlich Ritter. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parallelen == &lt;br /&gt;
Die beiden ohne Vater aufgewachsenen Brüder weisen Parallelen in ihrem Werdegang auf. Wie bereits beschrieben wird Parzival Ritter, genauso wie sein Halbbruder, der gescheckte Feirefiz. Im Gegensatz zu Feirefiz, der sich auf der Suche nach seinem Vater Gahmuret befindet, ist Parzival auf der Suche nach dem Heiligen Gral. Die Brüder unterscheiden sich jedoch nicht nur in ihrem Verhalten und auf ihrem Weg, sie weisen auch zahlreiche Parallelen auf. Dieser Abschnitt wird eine Auswahl dieser Parallelen untersuchen. &lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, ich ach vier man &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
noch liehter danne got getân:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sagten mir von ritterschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Artûs küneclîchiu kraft&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sol mich nâch rîters êren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an schildes ambet kêren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Mutter, ich habe vier Männer getroffen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die sahen noch lichter aus als Gott. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die erzählten mir von Ritterschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Des Artûs königliche Kraft &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
soll mich in ritterliche Ehren und &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
zum Schildamt bringen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
*Große Auffälligkeiten in den nicht existierenden Vater/Sohn Beziehungen, Gahmuret pflegt keinen Kontakt zu seinen Söhnen. &lt;br /&gt;
== Auswirkungen auf Parzival ==&lt;br /&gt;
Die [[Parzival als Held ohne Vater|Vaterlosigkeit]] Parzivals wirkt sich enorm auf seine Persönlichkeit, seinen Werdegang und seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung]] aus. &lt;br /&gt;
*Unsicherheiten in seiner Position als Ritter&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturnachweise ==&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vater]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sohn]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Familie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22688</id>
		<title>Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen&amp;diff=22688"/>
		<updated>2015-07-13T18:15:46Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit den Minnebegegnungen &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039;. Dabei wird anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Alle Versangaben beziehen sich auf die genannte Textausgabe.&amp;lt;/ref&amp;gt; untersucht, unter welchen Umständen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf die verschiedenen Frauen trifft und wie sich sein jeweiliges Entwicklungsstadium auf den Umgang mit diesen auswirkt.&lt;br /&gt;
== Die verfehlte Begegnung: &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ist die erste Frau, die &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; außerhalb &#039;&#039;Soltanes&#039;&#039; sieht. Sie liegt alleine und schlafend in ihrem Zelt. Jeschute wird als wunderschön beschrieben. Sie ist die Verkörperung des mittelalterlichen Schönheitsideals und &#039;&#039;&amp;quot;truoc der minne wâfen&amp;quot;&#039;&#039; (130,4): Ihr Mund ist leuchtend rot, die Zähne strahlend weiß und gerade, die Gliedmaßen lang und die Haut weiß wie Schnee (vgl. 130,4 ff.). Der Erzähler ist so begeistert von ihrem Äußeren, dass seine Beschreibung sie als ein &#039;&#039;&amp;quot;Kunstwerk göttlicher Schöpfung&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 68] preist: &#039;&#039;&amp;quot;si was geschicket unt gesniten, / an ir was künste niht vermiten: / got selbe worthe ir süezen lîp.&amp;quot;&#039;&#039; (130,21 ff.). Sie ist ohne Zweifel eine Frau, die eine erotische Ausstrahlung hat und das Verlangen der Männer weckt. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; beeindrucken jedoch weder ihre weiblichen Reize noch ihre Schönheit. Er verspürt kein Minneverlangen, sinnliche Reize haben auf ihn noch keine Wirkung. Einzig der Ring am &#039;&#039;vingerlîn&#039;&#039; Jeschutes zieht ihn in seinen Bann (vgl. 130,26 ff.). Zu diesem Zeitpunkt ist der junge Held erst kürzlich von &#039;&#039;Soltane&#039;&#039; aufgebrochen und befindet sich noch im Entwicklungsstadium der &#039;&#039;pueritia&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals unter: [[Adoleszenz in der Ritterwelt | Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, in welchem er noch nicht empfänglich für Minne ist. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; dringt lediglich in das Zelt ein, um die Lehre &#039;&#039;Herzeloydes&#039;&#039; zu befolgen: &#039;&#039;&amp;quot;dô dâhte er an die muoter sîn: / diu riet an wîbes vingerlîn&amp;quot;&#039;&#039; (130,29 f.). Während er buchstäblich die Lehre der Mutter befolgt, deren Symbolcharakter der junge &#039;&#039;tôr&#039;&#039; nicht erkennt, raubt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; emotionslos Kuss, Umarmung und Ring (vgl. 131,13 ff.). Denn statt sich den Kuss, die Umarmung und den Ring einer Frau durch seinen Minnedienst zu verdienen, welcher sich vor allem durch einen liebe- und respektvollen Umgang auszeichnet, verhält er sich gegenüber der Herzogin genau gegenteilig. Durch sein rücksichtsloses sowie brutales Verhalten entehrt er &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; und bringt Leid über sie. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist zu diesem Zeitpunkt schlichtweg zu jung, zu unerfahren und zu &#039;&#039;tump&#039;&#039;, um mit einer Frau wie &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; umgehen zu können. Die Begegnung zeigt, wie weit er noch von der Verwirklichung der wahren Minnelehre entfernt ist [Boesch 1977: 35]. Während die Begegnung für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; vorerst ohne Konsequenzen bleibt,&amp;lt;ref&amp;gt;Genau genommen zieht er sogar einen Nutzen aus dem Vorfall, da er den geraubten Ring später als Entgelt für eine Übernachtung bei einem gierigen Fischer nutzt.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; von ihrem Mann &#039;&#039;Orilus&#039;&#039; bitter bestraft. Erst im fünften Buch der Geschichte begegnet er den Eheleuten ein zweites Mal und macht sein Vergehen wieder wett.&amp;lt;ref&amp;gt;Siehe hierzu: [[Parzival, Jeschute und Orilus (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival, Jeschute und Orilus]] &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die verfrühte Begegnung: &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Während die Begegnung mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; ein reiner Zufall war, ist die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; durch ihren Vater [[Gurnemanz]] arrangiert. Nachdem &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; sich während seiner Ausbildung bei ihm&amp;lt;ref&amp;gt;Eine ausführliche Analyse der Ausbildung Parzivals finden Sie unter: [[Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt; durch seine ritterlichen Fähigkeiten als potentieller Herrscher qualifiziert hat, möchte &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ihn an sich und seine Familie binden. Diesen Wunsch offenbart er ihm allerdings erst kurz vor seiner Abreise:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (178,8) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ôwê daz ich niht sterben kan, || Ach, das ich nicht sterben kann,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît Lîâz diu schoene magt || da Lîâze, das schöne Mädchen   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch mîn lant iu niht behagt || und mein Land dazu Euch nicht gefällt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Doch auch im Vorfeld gibt es von &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; immer wieder implizite sowie explizite Äußerungen, die sein Interesse an dieser Verbindung offenbaren. Zum einen hegt er die Hoffnung, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; &#039;&#039;heinlîche&#039;&#039; werden (176,23), zum anderen fordert er seine Tochter bei einem gemeinsamen Abendessen ausdrücklich dazu auf, sich von &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; küssen zu lassen (vgl. 175,26). Obwohl ihm also augenscheinlich viel an der Verbindung liegt, fordert er &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zu zurückhaltend-höfischem Verhalten auf, wodurch klar wird, dass die Bindung an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine andere Qualität haben soll als die an &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039;:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|III. Buch  (175,29) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ouch solt an iuch gedinget sîn || Von Euch aber muss ich verlangen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz ir der meide ir vingerlîn || dass Ihr dem Mädchen sein Fingerringlein   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| liezet, op siz möhte hân. || lassen möchtet, ich meine: wenn sie eins hätte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Durch &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; inhärente Kritik an &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Verhalten bei &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; wird deutlich, dass diese Begegnung verfehlt war und sich so nicht noch einmal wiederholen soll. &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun wesentlich reifer ist und zudem die Erziehung &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; genossen hat, schämt sich für sein Fehlverhalten: &#039;&#039;&amp;quot;der gast begunde sich des schemen&amp;quot;&#039;&#039; (176,8).&lt;br /&gt;
Während &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; als eine sehr sinnliche und attraktive Frau beschrieben wurde, steht &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; eine Frau gegenüber, die sich vor allem durch ihre Reinheit auszeichnet. Zwar ist sie auch hübsch und hat &#039;&#039;blanke hende&#039;&#039; (176,18) sowie einen &#039;&#039;minneclîch lîp&#039;&#039; (176,11), doch ist sie primär an &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und an &#039;&#039;zühten rîch&#039;&#039; (176,12 ff.). Trotzdem hat &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; einen viel stärkeren Einfluss auf &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Das Verhältnis zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; bleibt zwar während seines Aufenthaltes eher distanziert [Delabar 1990: 231], gleichwohl verliebt sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in sie (vgl. 179, 16 ff.). Nach einem für beide Seiten schmerzlichen Abschied macht sich der junge Ritter innerlich aufgewühlt wieder auf den Weg, um ritterliche Abenteuer zu erleben. Die &#039;&#039;minne&#039;&#039; zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; geht ihm dabei immer wieder durch den Kopf (vgl. 179,25 f.). &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; weiß jetzt allerdings, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterlichen Dienst erwerben muss. Insofern ist die Liebe zu &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verfrüht, da er sie sich nicht durch Dienste in der Ritterschaft verdient hat. Die Begegnung mit Liaze verdeutlicht vor allem, dass &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; nun die Schönheit von Frauen wahrnimmt und fähig ist, Liebe sowie Sehnsucht zu empfinden. Des Weiteren wird &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; edle Art hervorgehoben, denn er &#039;&#039;&amp;quot;erliegt nicht der Gefahr des verligen, indem er sich ins  „gemachte Nest&amp;quot; setzt, sondern ist erfüllt vom Streben nach Ritterschaft.&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 71].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die vollkommene Begegnung: &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ==&lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; auf &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; trifft, befindet er sich zunächst in einem Zustand emotionaler Verwirrung und denkt an &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; zurück:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,2) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâze ist dort, Lîâze ist hie. || Lîâze ist weit fort, Lîâze ist hier.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir wil got sorge mâzen:  ||  Gott will meine Schmerzen nach ihr lindern,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nu sihe ich Lîâzen, || ich sehe jetzt Lîâze vor mir,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des werden Gurnemanzes kint. || das Kind des edlen Gurnemanz.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Dadurch, dass der Anblick &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; in &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; die &#039;&#039;minne&#039;&#039; nach Liaze auslöst, wird gleich zu Beginn indirekt Bezug auf die bevorstehende Condwiramurs-Minne genommen. Die verfrühte Begegnung  mit Liaze präfiguriert also die vollkommene Begegnung mit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; [Cosman 1965: 232]. Auch der Erzählerkommentar verdeutlicht &#039;&#039;Liazes&#039;&#039; Vorbotenrolle:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,6) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Lîâzen schoene was ein wint || Die Schönheit der Lîâze war nur ein Wind vor&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein der meide diu hie saz, ||  dem Mädchen, das hier saß.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an der got wunsches niht vergaz || An ihr - sie war des Landes Herrin - hatte Gott mit nichts gespart.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; wird im Weiteren als vollkommen in allen Bereichen beschrieben. Ihre äußere Schönheit übertrifft die aller anderen Frauen (vgl. 187,12-19), schon ihr Name &#039;&#039;&amp;quot;Condwîr âmûrs&amp;quot;&#039;&#039; (187,21) bedeutet &#039;&#039;schoener lîp&#039;&#039; (187,23), was nach mittelalterlicher Auffassung auch innere Schönheit impliziert, da der Name Ausdruck des Wesens einer Person ist [Russ 2000: 72]. Dieser Zusammenhang zwischen äußerer und innerer Schönheit hat das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zum Vorbild, nach welchem ein schönes Erscheinungsbild kausal mit einem guten Charakter verknüpft ist.&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zum Thema Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter und speziell im Parzival finden Sie unter: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&amp;lt;/ref&amp;gt; Somit kann eine Parallele zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; gezogen werden: &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; äußere Schönheit ist gleichzeitg Zeichen seiner edlen Art und seines Heldenmutes und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; makelloses Äußeres spiegelt ihre innere Reinheit wieder. Auch &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; ist von der Schönheit &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; überwältigt (vgl. 188,14) und bemüht sich die Lehren des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; verwirklichend, so höflich wie möglich zu sein, weshalb er nicht das Wort ergreift und zunächst schweigt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (188,15) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn manlîch zuht was im sô ganz, || Er hatte sich die Regeln seiner Erziehung zum Ritter völlig zu eigen gemacht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sît in der werde Gurnamanz ||  von dem Tag an, da der edle Gurnemanz ihm seine&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von sîner tumpheit geschiet || kindliche Dummheit nahm und ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unde im vrâgen widerriet || besonders das Fragen - zur Unzeit und am falschen Ort, so war&#039;s gemeint - verbot.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Fehlinterpretation des Schweigegebots führt dazu, dass sich &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; zunächst unwohl fühlt, da sie glaubt, dass ihr Gast aufgrund ihres durch die Belagerung gezeichneten Körpers&amp;lt;ref&amp;gt;Als Parzival nach Pelrapeire kommt, befindet sich die Bevölkerung dort in einer Notlage. Durch eine langwierige Belagerung herrscht Nahrungsmittelknappheit, wodurch auch der schöne Körper Condwirmaurs gezeichnet ist.&amp;lt;/ref&amp;gt; nicht mit ihr spricht. Nach einer Weile erkennt sie allerdings, dass &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schweigen andere Gründe hat (vgl. 188,25) und ergreift selbst die Initiative. Die ersten Gespräche der beiden haben nicht gerade romantische Themen zum Sujet. Sie stehen ganz im Zeichen der Not durch die Belagerung (vgl. 190,7 ff.). Doch gerade diese Not ist es auch, die &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; des Nachts in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Schlafgemach führt. Es ist also nicht die &#039;&#039;minne&#039;&#039;, sondern ein Hilfegesuch, welches den beiden ihre erste gemeinsame Nacht beschert (vgl. 192,13). &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; vertraut &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der sich als würdig erweist und ihr Hilfe anbietet &#039;&#039;&amp;quot;mit mîner hant ir sît gewert / als ez mîn lîp volbringen mac.&amp;quot;&#039;&#039; (195,30). Die Bedeutung dieser Nacht liegt allerdings nicht in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Kampfansage an die Belagerer &#039;&#039;Pelrapeires&#039;&#039;, sondern in der Intimität, welche die beiden wie selbstverständlich teilen. Obwohl &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; anbietet, anstelle seiner in dem Bett zu schlafen, legt sich diese &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Nähe suchend einfach dazu (vgl. 193,23 ff.). Trotzdem bleiben beide keusch und es gibt keine Minneerfüllung (vgl. 193,12 ff.). &lt;br /&gt;
Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; am nächsten Tag &#039;&#039;Kingrun&#039;&#039; im Kampf besiegt, ergreift wieder &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; die Initiative und erklärt ihm öffentlich ihre Liebe:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (199,25) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dructe in vaste an ir lîp, || Sie drückte ihn fest an ihren Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si sprach &amp;gt;ichn wirde niemer wîp ||  sie sprach: &amp;gt;Ich will auf Erden keinen anderen zum&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf erde deheines man, || Mann nehmen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan den ich umbevangen hân.&amp;lt; || als den ich hier in meinen Armen halte.&amp;lt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Die Besonderheit der &#039;&#039;minne&#039;&#039; zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; besteht darin, dass sie in den Nächten vor und nach der Eheschließung enthaltsam bleiben. Erst in der dritten Nacht nach der Eheschließung wird die &#039;&#039;minne&#039;&#039; erfüllt&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Vermählung von Parzival und Condwiramurs finden Sie unter: [[Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Dies geschieht aber nur bedingt aufgrund sinnlicher Lust. Primär denkt &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; an die Verwirklichung der Lehren seiner Mutter und &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; (vgl. 203,2). Die Enthaltsamkeit darf dabei allerdings nicht als ein Zeichen fehlender Liebe interpretiert werden. Wie stark die Liebe zwischen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; und &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ist, zeigt die Abschiedsszene. Als &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; durch &#039;&#039;âventiure zil&#039;&#039; (223,23) und seiner Mutter wegen (223,19) aufbricht, stellt seine Frau weder überhöhte Forderungen an seine ritterliche Bewährung, noch hindert sie ihn an der Erfüllung seiner Ritterschaft:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|IV. Buch  (223,27) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er was ir liep, so&#039;z maere giht: || Sie hatte ihn lieb, so sagt uns die Geschichte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sine wolde im versagen niht. ||  und wollte ihm keinen Wunsch abschlagen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
Auch als die beiden sich nach Jahren der Trennung, in welchen &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; seiner Ritterschaft nachgeht, wiedersehen, begegnet &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; ihm ohne Vorwurf [Stein 1993: 123]. Das Verhalten &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; während der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Blutstropfenszene]] zeigt außerdem, dass die Liebe auch während der Trennung bestehen bleibt [Dallapiazza 1986: 101]. Die Entdeckung dreier Blutstropfen im Schnee erinnern ihn an die Schönheit &#039;&#039;Condwirmarus&#039;&#039;, woraufhin &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in eine Art Trance verfällt:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|VI. Buch  (283,14) || &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er pflac der wâren minne || So gab er sich wahrer Liebe zu ihr hin,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir gar âne wenken ||  nichts konnte ihn von ihr ablenken.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Frauenbegegnungen könnten unterschiedlicher nicht sein. Das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; verläuft schlichtweg katastrophal: Durch seine grobe, unbeholfene Art sowie Defizite in seiner Erziehung und Entwicklung erniedrigt und entwürdigt er diese, wodurch er auch große Schande über sich bringt. Von seiner heldenhaften, edlen Art erkennt man im Verhalten &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; gegenüber wenig. &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Benehmen bezeugt während dieser Begegnung lediglich seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;. Von dieser wird ihn &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; befreien, dessen Tochter &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; die zweite Frau ist, die der junge Ritter näher kennenlernt. Im Gegensatz zu &#039;&#039;Jeschute&#039;&#039; stellt das Zusammentreffen mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; keinen Zufall dar. Von &#039;&#039;Parzvials&#039;&#039; edler Art sowie dessen ritterlichen Fähigkeiten überzeugt, arrangiert sein Lehrmeister &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; das Aufeinandertreffen. Dieser möchte &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; mit seiner Tochter verheiraten und ihn so an seine Familie binden. Obwohl sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; in &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; verliebt, trägt auch diese Begegnung keine Früchte. Für &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, der nun verstanden hat, dass er sich die &#039;&#039;minne&#039;&#039; einer Frau erst durch ritterliche Heldentaten sowie höfisches Benehmen verdienen muss, kommt die Begegnung mit &#039;&#039;Liaze&#039;&#039; schlichtweg zu früh. Anstatt sich auf der Burg des &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; ins gemachte Nest zu setzen, zieht er weiter, entschlossen, sein Rittertum unter Beweis zu stellen. Die Gelegenheit dafür bietet sich ihm in &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, einer Burg, deren Bevölkerung von Belagerern umringt große Not leidet. Die Königin von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039;, &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039;, ist die dritte Frau in &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Leben. Mutig zieht er gegen die Belagerer in die Schlacht und besiegt diese letztlich. Unter der Bevölkerung von &#039;&#039;Pelrapeire&#039;&#039; verteilt er die knappen Lebensmittel und stellt somit seine Großzügigkeit sowie sein Mitgefühl unter Beweis. Gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verhält sich &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; zunächst zurückhaltend und - den Lehren &#039;&#039;Gurnemanz&#039;&#039; folgend - schweigsam. Nachdem sie &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; Unsicherheit erkennt und daraufhin die Initiative ergreift, geht er allerdings auch auf sie ein und steht ihr in langen Gesprächen mit Rat beiseite. Sein Benehmen ihr gegenüber ist nun tadellos und entspricht höfischer Norm. Durch seine ritterlichen Taten, seine Großzügigkeit gegenüber der leidenden Bevölkerung und seinem Einfühlungsvermögen gegenüber &#039;&#039;Condwiramurs&#039;&#039; verdient er sich ihre &#039;&#039;minne&#039;&#039;. Die darauffolgende Eheschließung der beiden komplettiert deren Minnebeziehung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival- und Lancelot-Romanen: hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart / Leipzig 2000.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Boesch 1977] Boesch, Bruno: Lehrhafte Literatur: Lehre in der Dichtung und Lehrdichtung im deutschen Mittelalter. Berlin 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu sippe unt hoch gesellschaft. Studien zu Funktion des Verwandtschaftsbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival. Göppingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Cosman 1965] Cosman, Madeleine Pelner: The Education of the Hero in Arthurian Romance. Chapel Hill 1965.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stein 1993] Stein, Alexandra: &#039;wort unde werc&#039;. Studien zum narrativen Diskurs im &#039;Parzival&#039; Wolframs von Eschenbach. Frankfurt/M. 1993.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1986] Dallapiazza, Michael: Privatheit und Intimität als literarische Lebensformen in Wolframs von Eschenbach Parzival. 1986.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Minne]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Frauen]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22368</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22368"/>
		<updated>2015-07-13T10:40:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;[[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzival]]&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnediensten]]. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]] und Kampf&amp;lt;ref&amp;gt;Nähres hierzu:[[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Verbindung_von_Tod.2C_Kampf_und_Minnedienst|Verbindung von Tod, Kampf und Minnedienst]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22366</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22366"/>
		<updated>2015-07-13T10:38:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039; [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzival] &#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnediensten]]. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]] und Kampf&amp;lt;ref&amp;gt;Nähres hierzu:[[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Verbindung_von_Tod.2C_Kampf_und_Minnedienst|Verbindung von Tod, Kampf und Minnedienst]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22365</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
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		<updated>2015-07-13T10:37:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;[[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzival]&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnediensten]]. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]] und Kampf&amp;lt;ref&amp;gt;Nähres hierzu:[[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Verbindung_von_Tod.2C_Kampf_und_Minnedienst|Verbindung von Tod, Kampf und Minnedienst]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_als_Held_ohne_Vater&amp;diff=22363</id>
		<title>Parzival als Held ohne Vater</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_als_Held_ohne_Vater&amp;diff=22363"/>
		<updated>2015-07-13T10:36:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Bedeutung der fehlenden Vater-Sohn Beziehung für den Protagonisten &#039;&#039;[[Protagonist:_Parzival|Parzival]]&#039;&#039; im gleichnamigen [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Roman]]&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]. Neben der allgemeinen Rolle des Mannes in mittelalterlichen Familien bietet der folgende Text eine Analyse der problematischen Identitätsbildung Parzivals anhand ausgewählter Textstellen. Inwiefern ist die Vaterfigur in Parzivals Kindheit präsent, obgleich alle Informationen über den Vater und seine Wurzeln von ihm ferngehalten werden? Kann die These gestützt werden, dass der Vater, trotz der fehlender physischen Anwesenheit, stets allgegenwärtig ist? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Mann als Familienoberhaupt und Erbnachfolger im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der mediävistischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogieforschung] herrscht Konsens über die hohe Bedeutung verwandtschaftlicher Beziehungen in der mittellaterliche Gesellschaft. Im Regelfall hielt die Familie &#039;&#039;&amp;quot;wie Pech und Schwefel zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Althoff 1990: 32]. Die Verwandtschaft unterstütze sich in vielen Gebieten gegenseitig, ob im kriegerischen Bereich als Fehde- oder Rachegemeinschaft, in der Politik oder auch in religiösen Angelegenheiten wie Gebetshilfe. Die hierarchische Spitze einer mittelalterlichen Familie ist der Mann in seiner Rolle als Oberhaupt der Familie und als Erbnachfolger [Althoff 1990: 31ff]. Die Weitergabe des Erbes an den Sohn diente gerade im Adelsgeschlecht zu einer dauerhaften Herrschaftsbildung [Althoff 1990: 55]. Dabei wurde nicht nur der Besitz, sondern auch die Titel weiter gegeben. Dementsprechend spielt die Vater-Sohn Beziehungs im Mittelalter eine besondere Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Position ein Mensch in der mittelalterlichen Gesellschaft einnahm, entschied im wesentlichen seine Herkunft. Dieses hatte zur Folge, dass die eigene Abstammung im Fokus stand. &#039;&#039;&amp;quot;Anhand der Genealogie der Familie wurde der soziale Status gemessen&amp;quot;&#039;&#039; [Schommers 2010: 10]. In Adelskreisen dienten die Vorfahren auch als Argument für die eigene Vornehmheit. Das Wissen über die Ahnenreihen wurde meist für längere Zeit nur mündlich weitergegeben [Althoff 1990: 75].  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Familienstruktur zeigt sich auch in der wachsenden Bedeutung der Vater-Sohn Beziehung in der Literatur des 12. Jahrhunderts [Kullmann 1992: 141]. Die Thematik des verstorbenen, unbekannten oder verheimlichten Vaters ist immer wieder in höfischen Romanen zu finden, beispielsweise in Wirnts von Grafenberg &#039;&#039;Wigalois&#039;&#039; oder Gottfrieds von Straßburg &#039;&#039;Tristan&#039;&#039;. Es erschwert den Romanfiguren ihren Platz in der höfisch-mittelalerlichen Gesellschaft zu finden und eine eigene Identität zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Elternvorgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im Buch I+II behandelte Geschichte von Parzivals Eltern [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]], mit dem Fokus auf den Vater, lässt zum einen wichtige Themen des Romans erahnen und legt zum anderen den Grundstein für die Identitätssuche&amp;lt;ref&amp;gt;Parzivals Suche nach der &amp;quot;eigenen Identität&amp;quot; kann auch als Suche nach der ihm &amp;quot;zustehenden Identität&amp;quot;, der ihm zustehende Platz in der Gesellschaft, betrachtet werden [Schommers 2010: 10]. &amp;lt;/ref&amp;gt; des Protagonisten. [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmurets]] Begierde nach [[Das_Tjostieren_im_Parzival|ritterlichen Kämpfen]] und Turnieren, sein Verlangen nach Ruhm und Ehre und seine daraus folgende Ruhelosigkeit, die ihn nicht sesshaft werden ließ, ist prägend für die Parzivalhandlung. Sein Tod im ritterlichen Kampf ist die Bedingung für Parzivals abgeschottete Kindheit und die ausgebliebene höfische Erziehung [Schommers 2010: 73]. &#039;&#039;&amp;quot;Durch die dynastischen Voraussetzungen, die Parzival als Kind eines Ritters und einer Angehörigen der Gralsdynastie zur Welt kommen lassen, wird er zugleich als Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzivals Verbindung zum Artushof wird schon in Gahmuret Abschiedsbrief an Belacane angedeutet, als er seine Abstammung von Utepandragûn, Vater von Artus, erklärt (V. 56,4ff).&amp;lt;/ref&amp;gt; und als Graskönig geboren&amp;quot;&#039;&#039; [Schommers 2010: 77]. Die zwingende Konsequenz des Verlusts der Vaterfigur vor Parzivals Geburt ist die dominante [[Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)|Mutter-Sohn Beziehung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Kindheit ohne Vater ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protagonist Parzival wir schon im Prolog genannt, bevor er im Roman das erste Mal auftritt. Sein unerschrockener Kampfesmut und seine strahlende Schönheit lassen sich an dieser Stelle schon erahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 4,14-18: || &#039;&#039;sîn herze in dar an nicht betrouc,&#039;&#039;  || Da hat sein Herz ihn nicht enttäuscht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;er stahl, swa er ze strîte quam,&#039;&#039;  || Er war ein Stahl in jedem Streit, wo immer er auch hinkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîn hant dâ sigelîchen nam&#039;&#039;  || Seine Hand hat mit dem Recht des Siegers &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;vil managen lobelîchen prîs&#039;&#039;.  || manche Ehre und viel Ruhm an sich genommen; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;er küene, traclîche wîs,&#039;&#039;  || kühn und spät erst weise war der Held, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ein Bild von einem Helden gezeichnet, &#039;&#039;&amp;quot;das sich unproblematisch in den Kosmos des ritterlichen Abenteuer- und Minenromans Hartmanischer Prägung einzufügen scheint&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 236] . Das &#039;&#039;traclîche wîs&#039;&#039; - Werden und das zuvor im Prolog erwähnte [[Das_Elsterngleichnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Elsterngleichnis]] weisen jedoch schon hier auf Parzivals unbeständigen Lebensweg hin [Schommers 2010: 77] [Schu 2002: 236]. Das, was er an körperlicher Kraft und Schönheit im Übermaß besitzt, das fehlt ihm an geistiger Stärke. Gahmurets Präsenz, sein Erbe in Form der körperlichen Voraussetzungen, und gleichzeitig seine Abstinenz, seine fehlende Erziehung, sind schon hier erkennbar.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protagonist tritt erst im dritten Buch als handelnde Person in Erscheinung, als sich seine Mutter Herzeloyde für eine Isolation in Soltane entscheidet. Diesen Schritt macht sie zum einem aus &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (V. 116,19) um ihres Seelenheilswillen und zum anderen um ihren Sohn zu schützen. Herzeloyde fürchtet sich davor, dass ihr Sohn den gleichen Weg wie ihr Ehemann geht und bei ritterlichen Kämpfen auch den Tod findet. Den einzigen Ausweg sieht sie in der totalen Isolation von der Ritterwelt  und höfischen Kultur. In einer Gesellschaft, die von der höfischen Kultur dominiert wird und den Regeln dieser folgt, drängt sich zwangsläufig die Frage auf, inwiefern der Versuch der Isolation von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 145]: &#039;&#039;&amp;quot;Angesichts der Omnipräsenz des Rittertums ist Herzeloydes Rückzug aus Soltane somit ein vergeblicher und von vornherein zum Scheitern verurteilter Versuch, der verhängnisvollen Dynamik der ritterlichen Zivilisation zu entfliehen.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ungeachtet dessen wird Parzival als &#039;&#039;&amp;quot;des werden Gahmuretes kint&amp;quot;&#039;&#039; (V. 117,15) bezeichnet und auf diese Weise mit der väterlich-ritterlichen Lebenswelt in Verbindung gebracht. Der Erzähler kommentiert kritisch die Entscheidung Herzeloydes Parzival seine Herkunft vorzuenthalten [Schu 2002: 237].   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 117,30 -118, 2: || &#039;&#039;der knappe alsus verborgen wart&#039;&#039;  || So wurde der Knabe verborgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;zer waste in Soltâne erzogn,&#039;&#039;  || im wilden Wald von Soltâne erzogen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an küneclîcher furore betrogn;&#039;&#039;  || und um königliche Lebensart gebracht &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Er (Parzival) hat keinen Lehrmeister, wird weder in körperlicher Ertüchtigung noch in der Jagd erzielt geschult, erhält keine musikalische Ausbildung und keine höfischen Verhaltenslehren. Parzival wird also zunächst nicht erzogen, sondern wächst (behütet) auf&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 40]. Herzeloyde zieht Parzival zwar mit aller Liebe und Hingabe auf, er wird aber nicht gebührend seinem Stand erzogen. Es ist der Versuch der Mutter den Sohn nur über die Beziehung zu sich selber zu definieren. So ist es unabwendbar, dass Parzival diese für ihn konstruierte Welt verlässt auf der Suche nach Identität [Schommers 2010: 80] [Schu 2002: 237].&lt;br /&gt;
Der Versuch Herzeloydes ihren Sohn isoliert von der Außenwelt und dem höfischen Leben und Rittertum aufzuziehen erschwert Parzivals langen Prozess seiner Identitätssuche. Das Erbe Gahmurets kann die Mutter auch durch völlige Abgeschiedenheit nicht unterdrücken und so ist der Vater stets präsent, wie im Folgenden dargestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Vogel-Episode ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival ist in der Lage sich eigens Pfeil und Bogen zu schnitzen und damit auf die Jagd zu gehen. Diese Tätigkeit ist keinesfalls von der Mutter geprägt, sondern ist in der rittlerich-höfischen Erziehung zu finden. Die Vogeljagd gehört im Mittelalter zu der klassischen Erziehung des Adels und scheint wie ein Instinkt bei Parzival zu sein. Das Spannungsverhältnis zwischen der Bestimmung und der Erziehung des Protagonisten zeigt sich schon in dieser ersten Erfahrung. Es ist ein sehr ambivalentes Erlebnis, denn wenn er die Vögel tötet, so stimmt es ihn traurig und er bereut es, lauscht er nur ihrem Gesang, dann wird er unruhig und es quält ihn das Verlangen [Schu 2002: 238] . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 118,14 - 18: || &#039;&#039;erne kunde hiht gesorgen,&#039;&#039;  || Er kannte keinen Kummer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ez enwære ob im der vogelsanc,&#039;&#039;  || außer wenn über ihm die Vögel sangen; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die süeze in sîn herze dranc&#039;&#039;  || das drang ihm so süß ins Herz &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz erstracte im sîniu brüstelîn.&#039;&#039;  || und machte ihm sein Kinderbrüstelein weit. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al weinde er lief zer künegîn,&#039;&#039;  || Weinend lief er dann zur Königin. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene zeigt sehr deutlich den Konflikt zwischen der gewaltfreien harmonisierten mütterlichen Welt und der von Gewalt geprägten ritterlichen Welt des Vaters. Eine Verbindung dieser zwei Welten ist jedoch kaum möglich. An dieser Stelle kann der Leser erahnen, dass Parzival den mütterlich geprägten Raum verlassen muss um seiner Sehnsucht und seinem Verlangen nachzugehen [Schommers 2010: 82]. Es ist ein verzweifelter und aussichtsloser Versuch Herzeloydes alle Vögel auszurotten um den innerlichen Konflikt Parzivals zu beenden (V. 118, 29ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herzeloydes Lehre und Erziehung&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ausmaß der fehlenden Erziehung Parzivals wird im ersten Dialog zwischen ihm und seiner Mutter deutlich. In seiner ersten Äußerung fragt er sie, warum sie die Vögel tötet und bittet sie damit aufzuhören (V. 119, 10f). Die Mutter stimmt ihrem Sohn zu und begründet dies mit dem Verstoß gegen das Gebot Gottes, der daraufhin fragt: &#039;&#039;&amp;quot;ôwê muoter, waz ist got?&amp;quot;&#039;&#039; (V. 119, 17). Herzeloyde hat Parzival in keiner Weise religiös erzogen und so fehlt dem Protagonisten jede Vorstellung von Gott. Das Geschick mit Waffen zu hantieren und zu Jagen ist ihm angeboren, doch es fehlt ihm jeglicher Umgang mit der Religion und der höfischen Gesellschaft [Schommers 2010: 83]  [Schu 2002: 238]. Sein völliges Unvermögen zur Reflexion zeigt sein Umgang mit Herzeloydes Licht-Metaphorik (V. 119,  18ff) als Erklärung auf seine Frage, was Gott sei. Er ist nicht imstande in dieser Erläuterung die Metaphorik zu erkennen und diese auf irgendeine Weise zu deuten. Diese Kompetenz würde vermutlich bei einer ritterlichen Erziehung nicht in diesem Ausmaß fehlen. So ist es auch nicht überraschend, dass er die Ritter, denen er im Wald von Soltane begegnet, aufgrund ihrer glänzenden und strahlenden Rüstung für Gott hält (V. 122, 21ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Gotteslehre ist folgenschwer für die Mutter-Sohn Beziehung, da es zu Parzivals Entschluss führt Ritter zu werden. Er möchte selbst zu so einem Lichtwesen werden, da er in diesen Gott zu erkennen glaubt [Schommers 2010: 85]. &#039;&#039;&amp;quot;In der Begegnung mit den Rittern ist die Verwechslung dieser mit Gott komisch und tragisch zugleich, die anthropomorphe Gottesvorstellung Parzivals wird ihn in einen tiefen Konflikt mit diesem Gott führen, der seine Helferrolle aus Parzivals Sicht nicht gerecht geworden ist&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 248]. Es ist bittere Ironie, dass gerade Herzeloydes Versuch, Parzival in der Einöde jegliche höfische und ritterliche Erziehung zu verweigern, letztendlich mit dazu führt, dass Parzival aus Soltane wegzieht um Ritter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzival zwischen &amp;quot;Schönheit&amp;quot; und &amp;quot;tumpfheit&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals tumpheit]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler zeichnet ein Bild von Parzival als Knabe, der nur so vor Schönheit (V. 118, 11) und Kraft (V. 120, 8ff) strotzt. Seine Jagd beschränkt sich nun nicht mehr nur auf Vögel, sondern er bringt auch erlegte Wildtiere nach Hause, die er ohne Mühe trägt (V. 1290, 2ff). Trotz seiner &#039;&#039;&amp;quot;unstandesgemäßen Erziehung&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 243] deuten diese angeborenen Fähigkeiten und sein Äußeres schon auf seine spätere Karriere als Ritter hin. In der von Natur dominierten Umgebung von Soltane, in der Parzival sich richtig zu bewegen weiß, wird er nirgends als &#039;&#039;tôr&#039;&#039; oder &#039;&#039;tump&#039;&#039; betitelt. Erst als er in Kontakt mit der ihm fremden Ritterwelt kommt, wird dieses Charakteristikum deutlich. Die Funktion dieser Begegnung ist unter anderem, diese &#039;&#039;tumpeit&#039;&#039; zu zeigen [Russ 2000: 47]. Während der Begegnung mit den Rittern im Wald von Soltane wird Parzival wegen seiner Unwissenheit und seinem Verhalten als &#039;&#039;tœrsche Wâleise&#039;&#039; (V. 121, 9) und als &#039;&#039;&amp;quot;knappen der vil tumpheit wielt&amp;quot;&#039;&#039; (V. 124, 16) beschrieben. Dessen ungeachtet sieht der Fürst Karnahkarnanz in Parzivals Schönheit ein Zeichen seiner ritterlichen Abstammung (V. 123,11). Auffällig ist, dass sein Äußeres, seine außergewöhnliche Schönheit, von dem Fürsten als Indiz für Ritterlichkeit angesehen wird, obwohl seine Dummheit und seine Unwissenheit so dominant in der Begegnung sind. Karnahkarnanz zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist und gibt mit dieser Beurteilung auch dem Leser einen wichtigen Baustein für seine Sicht auf den Protagonisten [Schu 2002: 247]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,17 - 21: || &#039;&#039;der fürste sprach &#039;got hüete dîn.&#039;&#039;  || Der Fürst sprach: &amp;quot;Gott schütze dich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ôwî wan wær dîn schœne mîn!&#039;&#039;  || Ach, hätte ich nur deine Schönheit!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;dir hete got den wünsch gegebn,&#039;&#039;  || Dir hat Gott die Fülle dessen, was ein Mensch nur wünschen kann, geschenkt -  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob du mit witzen soldest lebn.&#039;&#039;.  || wenn nur deinem Wege auch Verstand gegeben wäre! &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;diu gotes kraft dir virre leit.&#039; &#039;&#039;  || Möge Gottes Macht Leid von dir fernhalten.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Begegnung mit den Rittern bekommt Parzival nur einen lückenhaften Eindruck des Ritterdaseins und somit bleibt ihm die Ambivalenz dessen verschlossen. Es sind fragmentarische Informationen, die er falsch deutet und so zu dem Trugschluss kommt, dass er nur zum Artushof gehen muss, wo er zum Ritter geschlagen wird und dann gegen jeden ebenfalls gerüsteten Mann kämpfen muss. Der Grund für Karnahkarnanz Reise, die Entführung einer Jungfrau durch zwei Ritter, und damit die negative Medaille des Rittertums [Pratelidis 1994: 146], dringt nicht in das Bewusstsein des Knaben [Schu 2002: 247].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Aufbruch aus Soltane ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Entschluss nach der folgenschweren Begegnung steht fest: er will zum Artushof um Ritter zu werden. Er rennt so schnell es geht zu seiner Mutter, die als wichtigste Bezugsperson die erste ist, die von seinen Plänen erfährt (V. 125, 27ff). Herzeloyde bricht zusammen, als sie von dem Zusammentreffen mit den Rittern erfährt. Sie erkennt, dass die künstlich konstruierte Welt wie ein Kartenhaus zusammenbricht und Parzivals Aufbruch unabwendbar wird. Eine letzte Chance sieht sie darin, ihn in der höfischen Welt zum Gespött der Leute zu machen, indem sie ihn in ein Narrengewand kleidet (V.129, 25). Es ist der verzweifelte Versuch Parzival den Eintritt in die höfische Gesellschaft so zu erschweren, dass er frühzeitig aufgibt und zu ihr zurückkehrt. Dabei unterschätz sie jedoch Gahmurets Erbe, welches sich nicht nur in seiner körperlichen Kraft und Schönheit zeigt, sondern auch die Sehnsucht und das Verlangen nach Abenteuer, nach [[Frau_Aventiure_in_Wolframs_Parzival|&#039;&#039;Aventiure&#039;&#039;]] widerspiegelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Gahmurets Abreise aus Anschouwe und Parzivals Aufbruch aus Soltane, so könnten diese Abschiede kaum unterschiedlicher sein&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Biografische Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Als Gahmuret seine Heimat verlässt, weiß er über seine Herkunft, sein väterliches Erbe Bescheid. Er ist standesgemäß erzogen und weiß, wie er sich in der höfischen Gesellschaft zu verhalten hat. Obgleich er das Schicksal seines Vaters, der im ritterlichen Kampf gestorben ist, nur zu gut kennt, drängt es ihn in die weite Welt. Als seine Mutter erkennt, dass sie ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen kann, versucht sie ihm so viel wie möglich mit auf den Weg zu geben. Zum Abschied gibt sie ihm &#039;&#039;&amp;quot;manec tiwer goltvaz, und manegen guldînen klôz&amp;quot;&#039;&#039; (V.10,5-6) und fünf ihrer besten Schlachtrösser (V.10,1). Auch sein Bruder spart nicht an Kostbarkeiten und so ist Gahmuret mehr als gerüstet für seine Reise. Er besticht nicht nur durch seine Schönheit und Kraft, sondern auch schon zu Beginn seiner Reise durch Bescheidenheit (V. 13,2) und Bildung (V. 12, 24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeinsamkeiten der Szene - das Sehnsucht nach Abenteuer, das Verlangen nach ritterlichen Ruhm und Ehre, der Abschied von der Mutter und ihre &amp;quot;Geschenke&amp;quot; - betonen zugleich die Unterschiede. Parzival kennt zum Zeitpunkt seines Auszugs weder seinen Vater noch seine familiäre Abstammung&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Abschied erfährt Parzival von seiner Mutter, dass die Länder Wâleis und Norgâls, die einmal Parzival gehören sollten, von Lähelin im Kampf erobert wurden. Dies ist der einzige Hinweis seiner Herkunft, den Herzeloyde ihm mit auf den Weg gibt.  &amp;lt;/ref&amp;gt;. Zum Abschied überreicht sie dem Protagonisten ein selbst geschneidertes Narrengewand mit Stiefeln aus haariger, rauer Kälberhaut (V. 127, 1ff) und ihr schlechtestes Pferd (V. 126, 22). Die [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herzeloydes_Ratschl.C3.A4ge_.28127.2C13_-_128.2C10.29|Ratschläge]], die sie Parzival mit auf den Weg gibt, sind eher fragwürdig, da sie zu knapp und unvollständig sind um sich in der Artumwelt zu bewegen. Sie zeugen von Herzeloydes Hoffnung, er scheitere und kehre dann zu ihr zurück [Russ 2000: 50]. So startet Parzival im Gegensatz  zu seinem Vater schlecht ausgerüstet, ohne höfische Manieren und ohne Wissen über seine Identität in die ritterliche Welt. Was beide jedoch verbindet ist das Verlangen nach Abenteuer und ihre angeborene Kraft und Schönheit. Der Schmerz des Verlustes nach Parzivals Abreise führt zum Tod Herzeloydes, den ihr Sohn jedoch nicht mehr mitbekommt (V. 128, 20).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
In der mittelalterliche Gesellschaft spielt die Familie, insbesondere der Mann an der Spitze der Hierarchie, eine bedeutende Rolle. Die Herkunft bestimmt nicht nur den Platz, den man in der Gesellschaft einnimmt, sondern ist zudem - insbesondere beim Erbnachfolger - Identitätsstiftend. Ist die eigene Abstammung unklar, dann fehlt auch der feste Platz im Gefüge und die Identität, die einem dadurch zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man den Zeitraum, in welchem Parzival noch unwissend ist über seine ritterliche Herkunft, so wird deutlich, dass Gahmurets Erbe stets präsent ist. Diese Anwesenheit zeigt sich nicht nur in Parzivals körperlicher Gestalt - seine Kraft und seine Schönheit - und seinen angeborenen Fähigkeiten zur Jagd. Gahmuret und Parzival verbindet insbesondere die Sehnsucht nach Aventiure, das Verlangen nach Ruhm und Ehre und die daraus folgende Ruhelosigkeit, die Sesshaftigkeit erschwert. Auch wenn Herzeloyde mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, Parzival isoliert von der höfischen Gesellschaft aufzuziehen und fernzuhalten, so kann sie das väterliche Erbe in ihrem Sohn nicht unterdrücken. Die fehlende höfische Erziehung und die Unwissenheit über seine Herkunft erschweren Parzival seine Identitätssuche, hindern ihn jedoch nicht daran, seiner Sehnsucht zu folgen und Ritter zu werden. Es hat etwas komisch-ironisches an sich, dass Parzival, gerade aufgrund der fehlenden Erziehung, die Gotteslehre seiner Mutter zum Anlass nimmt Ritter zu werden, da er in ihnen Gott zu erkennen glaubt. Es scheint, dass Herzeloydes Scheitern von Anfang an determiniert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Gahmurets und die dadurch fehlende Vaterfigur in Parzivals Kindheit ist die Basis für den langen und steinigen Weg des Protagonisten in die Artus- und Gralswelt. Parzivals Leben wäre sicherlich anders verlaufen, wenn er mit seinem Vater aufgewachsen wäre und von ihm eine standesgemäße Erziehung genossen hätte. Obgleich Parzival seinen Lebensweg ohne seinen Vater bestreitet, so ist sein &#039;&#039;&amp;quot;indirekter Einfluss (..) über die gesamte Handlung hinweg bestimmend für Parzival&amp;quot;&#039;&#039; [Schommers 2010: S. 113].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Althoff 1990] Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im frühen Mittelalter. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1990.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kullmann 1992] Kullmann, Dorothea: Verwandtschaft in epischer Dichtung. Untersuchungen zu den französischen chansons de geste und Romanen des 12. Jahrhunderts. Tübingen: Niemeyer 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival und Lancelot-Romanen. Hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart/Leipzig: Hirzel 2000. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schommers 2010] Schommers, Stephanie: Helden ohne Väter: Die Suche der Söhne nach Identität in mittelalterlicher Literatur. Marburg: Tectum Verlag 2010. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vater]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sohn]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzeloyde]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Familie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22361</id>
		<title>Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22361"/>
		<updated>2015-07-13T10:34:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Bedeutung der ersten ehelichen Begegnung zwischen Condwiramurs und dem Protagonisten &#039;&#039;[[Protagonist:_Parzival|Parzival]]&#039;&#039; im gleichnamigen [[Inhaltsangabe_&amp;quot;Parzival&amp;quot;_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Roman]]&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]. Analysiert wird die Frage, inwiefern die Enthaltsamkeit in den ersten drei Nächten ihrer Ehe ihren Ursprung in der asketisch-kirchlichen Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; hat. Dabei wird zunächst die Begrifflichkeit der &#039;&#039;Trinoctium Castitatis&#039;&#039; geklärt, um darauf aufbauend ausgewählte Textstellen im Roman zu analysieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trinoctium castitatis - die Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnacht&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Brauch der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten - auch &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; genannt - hat seinen Ursprung nicht nur im jüdisch-christlichen Glauben, sondern ist auch bei Naturvölkern zu finden. Die Angst vor &amp;quot;schädlichen Zaubereinflüssen&amp;quot; [Schuhmacher 1967: 40] und die auch schon in den Naturvölkern vorhandene Furcht vor Verunreinigung durch den Koitus sind Gründe für diesen Brauch. Niedergeschrieben ist diese Vorstellung im Buch Tobit (oder auch Tobias) des alten Testaments (Vulgata: Tobias 6, 18), wo es religiös motiviert ist [Wettlaufer 1998: 206] [Schuhmacher 1967: 40]. Diese Sitte ist &#039;&#039;&amp;quot;eine abgeleitete Regel des Volksglaubens (...), um Unglück von dem Bräutigam und der Ehe im Ganzen abzuwenden&amp;quot;&#039;&#039; [Wettlaufer 1998: 206]. Die Vorschrift der Enthaltsamkeit in den ersten Ehetagen stammt aus frühchristlicher Zeit. Die Dauer der Kontinenz ist nicht festgeschrieben, in den meisten Fällen wird jedoch von zwei bis drei Nächten gesprochen. Weit verbreitet in der Bevölkerung war der Glaube, dass diese Enthaltsamkeit Schutz bietet vor dem Einfluss böser Geistern und schädlicher Zauber. Die &amp;quot;offizielle&amp;quot; Begründung der Kirche war jedoch die Achtung des kirchlichen Segens. &#039;&#039;&amp;quot;Diese Anordnung erwuchs aus dem Gedanken, daß die biologischen, erbsüdlich belasteten Gegebenheiten des Ehelebens schändlich, verunreinigend und mit dem Übernatürlichen unvereinbar sind&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 40]. Im Mittelalter wurde dieser Ritus zwar nicht aufgehoben, der Rat war jedoch eher unverbindlicher Natur. Im späten Mittelalter rückte es dann wieder mehr in den Vordergrund. Es ist davon auszugehen, dass zu Lebzeiten Wolfram von Eschenbachs die Sitte der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; dem Publikum und dem Dichter selbst geläufig war [Schuhmacher 1967: 41].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Szene der ersten ehelichen Begegnungen zwischen Parzival und Condwiramurs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die ersten Begegnungen von Parzival und Condwiramurs vor ihrer Ehe zeugen von Zuneigung und tiefem Vertrauen. Parzival ist ihr Retter in der Not und ihr Vertrauen in den Helden beweist sie während ihres nächtlichen Besuches nach dem ersten Kennenlernen. Erfüllt von Sorge über den Krieg sucht sie Rat und Trost bei Parzival (V.192, 5ff). Der Erzähler betont, dass das Mädchen keine sexuellen Hintergedanken hat (V.192, 10ff). Auch als Parzival sie auffordert sich zu ihm zu legen (V.194,4), denken beide dabei nicht an sinnliche Freuden [Emmerling 2003: 299] [Schuhmacher 1967: 38]. Der Protagonist übernimmt die Rolle des Beschützers und siegt im Zweikampf gegen den Belagerer Kingrun. Condwiramurs verspricht ihrem Helden und neu gewonnenen Freund daraufhin die Ehe (V.200, 6ff). Der Autor beschreibt das Verhalten der frisch Vermählten in ihrer Hochzeitsnacht anfangs als scheu und zögernd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 201,21 -23: || &#039;&#039;er lac mit sölhen fuogen,&#039;&#039;  || Und als er bei ihr lag, war er so fein und bescheiden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des nu niht wil genuogen&#039;&#039;  || daß so manche von den Damen, die jetzt hier sitzen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mangiu wîp, der in sô tuot.&#039;&#039;  ||  mit ihm unzufrieden wäre, wenn einer ihr das antäte&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intimitäten tauschen die beiden in ihren ersten gemeinsamen Nächten als Ehepaar nicht aus. Erst in der dritten Nacht vollziehen sie die Ehe und schlafen miteinander (V.203,6ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zögerliche Verhalten und die Dauer der Kontinenz stimmen mit dem Brauch der Tobiasnächte überein.Die Beweggründe scheinen jedoch nicht zu der asketisch-kirchlichen Vorschrift zu passen. Es finden sich keine Anzeichen in der Szene, dass die Enthaltsamkeit als Schutz vor bösen Geistern oder schlechten Zaubereinflüssen dient. Auch der religiöse Aspekt, wie er im alten Testament zu finden ist, kann nicht durch den Text begründet werden. &#039;&#039;&amp;quot;Alles Geschehen und Erleben verbleibt hier im Bereich des Zwischenmenschlichen, Diesseitigen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 41]. Welchen Sinn haben nun die enthaltsamen Nächte? Drei Mögliche Erklärungen werden im Folgenden diskutiert/dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Naivität der Vermählten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die augenfälligste Begründung ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares mit der körperlichen Liebe, wie Emmerling sie vertritt. Dass Parzival in dem weiblichen Geschlecht in vielerlei Sicht noch sehr unbedarft ist, zeigen seine ersten Begegnungen mit Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen|Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, durch die er sich jedoch auch weiter entwickelt. Dennoch zeigt er bei allen drei Frauen seine kindliche Unerfahrenheit und seine Unberührtheit [Schuhmacher 1967: 41f]. Auch Condwiramurs zeigt ihre Unbedarftheit in der Hochzeitsnacht, da sie offenbar glaubt, nun sei die Ehe vollzogen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 202,23 -25: || &#039;&#039;sie wânde iedoch, si wær sîn wîp:&#039;&#039;  || Sie glaubte aber, sie wäre nun seine Frau.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;durch sînen minneclîchen lîp&#039;&#039;  || Sein liebenswerter Leib war ihr Grund genug, sich für verheiratet zu halten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des morgens si ir houbet bant.&#039;&#039;  ||  Am Morgen band sie sich deshalb die Haube.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ihre Begegnung in der Nacht zuvor vermittelt das Bild zweier Menschen, die noch etwas kindlich und unerfahren zu sein scheinen. Auch wenn Parzival schon einen großen Schritt von dem [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpen&#039;]]&#039; Knaben hin zu einem weisen Ritter gemacht hat, so zeigt sich, dass seine Entwicklung&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals: [[Adoleszenz_in_der_Ritterwelt|Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt; noch nicht abgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Betonung der geistlich-seelische Beziehung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt dieser verzögerten körperlichen Liebe könnte die Betonung der geistlich-seelischen Beziehung des Paares sein. Es ist eine langsame Steigerung von freundschaftlicher Annäherung und Vertrauen - dargestellt durch die ersten Treffen - über seelische Verbundenheit, bis hin zur sinnlichen Verwirklichung. Die sinnliche Liebe soll dabei keinesfalls entwertet werden [Schuhmacher 1967: 42]. In der dritten Nacht, in der das Paar die Ehe vollzieht, zeugt Parzivals Verhalten nicht von einer zwanghaften Triebhaftigkeit, sondern von einer gewissen Einsicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 203,2 -5: || &#039;&#039;von im dicke wart gedâht&#039;&#039;  || Oft dachte er daran,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;umbevâhens, daz sîn muoter riet:&#039;&#039;  || was seine Mutter vom Umarmen gesagt hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;Gurnemanz im ouch underschiet,&#039;&#039;  ||  und Gurnemanz hatte ihn auch gelehrt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;man und wîp wærn al ein.&#039;&#039;  ||  Mann und Frau seien eins.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler betont auch Condwiramurs reine Gesinnung, indem er sie von den Frauen abgrenzt, die zwar vor fremden Leuten Keuschheit vortäuschen, doch ihren Geliebten gegenüber aufdringlich sind (V.201, 24ff). Schuhmacher sieht ebenso ihr Verhalten nach der Hochzeitsnacht als ein Zeichen ihrer Reinheit und nicht ihrer Unbedarftheit bzw. Naivität. Durch die keusche und reine Art der Annäherung beweise das Paar ihre Eignung für das Gralskönigtum, da es damit eine wichtige Voraussetzung der Gralsberufung - nach [[Trevrizent_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Trevrizent]] und Titurel- erfülle. Sie seien durch die fehlende Triebhaftigkeit und dem Fokus auf die geistlich-seelische Beziehung dem Gralskönigtum würdig [Schuhmacher 1967: 43]. Emmerling stellt diese Schlussfolgerung in Frage: &#039;&#039;&amp;quot;Die Überordnung einer gefühlsmäßigen Bindung über die sinnliche Komponente (...) bedeutete jedoch vor dem Hintergrund des hohen Stellenwerts, den der &#039;Parzival&#039;-Dichter in seinem gesamten Roman der körperlichen Nähe zuschreibt, zweifellos eine Fehleinschätzung von Wolframs Modell einer idealen Minnegemeinschat und würde den Text überstrapazieren&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 301].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der &#039;&#039;getriwe staete man&#039;&#039; als Ideal? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Idem Wolfram während seiner Erzählung der enthaltsamen Nacht zu einem Gleichnis vom treuen und vorbildlichen Liebhaber wechselt, schafft er Raum für eine weitere Interpretation der &#039;&#039;trinoctium castitatis&#039;&#039;. Der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; (V.202, 3), den der Erzähler beschreibt, der nach vielen Jahren [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnedienst]] zu seiner Geliebten zurück kehrt, entscheidet sich bewusst gegen die körperlichen Zärtlichkeiten und für einen rein geistigen Austausch mit seiner Geliebten (V.202, 9ff). Mit diesem Minnediener ist keinesfalls Parzival gemeint, da die Anmerkungen nicht auf ihn passen. Weder der jahrelange Minnedienst, noch die reflektierte Haltung stimmen mit dem Protagonisten überein. Dieser Einschub hat die Funktion eines Vergleiches: &#039;&#039;&amp;quot;sus lac der Wâleise&amp;quot;&#039;&#039; (V.202, 19). Parzival lag so da, er verhielt sich so wie der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; [Wesle 1950: 19f]. Äußerlich passt Parzivals Verhalten, seine Enthaltsamkeit, mit dem des Gleichnisses überein. Die Rahmenhandlung, die Motivation und die geistige Haltung sind jedoch unterschiedlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welchen Sinn diese Sequenz während ihrer ersten enthaltsamen Hochzeitsnacht hat, ist in der Literatur verschieden diskutiert worden. Schumacher sieht in dem imaginären Ritter das Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll und einfühlsam auf die Empfindungen und Neigungen seiner Partnerin eingeht, und gleichzeitig seine eigenen Belange zurückstellt. Vergleicht man die beiden Männer, so handelt Parzival aus unbewusster reiner Gesinnung und naiver Unerfahrenheit im Gegensatz zum imaginären Liebhaber, der aus &#039;&#039;&amp;quot;reflektierter Beherrschung und höfisch-erotischeem Feingefühl&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 44] handelt. Die Zurückhaltung resultiert bei Parzival aus seiner Naivität und bei dem Minneritter aus seiner Selbstkontrolle, die seine triebhaften Neigungen unterdrückt. Es ist nicht das Bild eines derben Mannes, der auf seine Rechte als Ehemann pocht, sondern das eines vorbildlichen, kultivierten Liebhabers, der den Maximen der höfischen Minnekultur folgt. Diese anfängliche Enthaltsamkeit schafft Raum für eine viel feinere und sinnlichere erotische Beziehung und zeigt die besondere Hinwendung zum Partner [Schuhmacher 1967: 44ff]. Nach Schumacher  wechsle Wolfram über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Tertium_comparationis Tertium comparationis] - hier das äußere Verhalten beider Männer - auf die Ebene der Reflexion, zu der die frisch Vermählten nicht fähig seien, und führe so auf diesem Weg eine neue Geisteshaltung ein [Schuhmacher 1967: 44f] [Emmerling 2003: 302]. &#039;&#039;&amp;quot;Die theozentrische Sinngebung der enthaltsamen Ehenächste ist im Zeitalter des beginnenden Individualismus einer anthropozentrischen Deutung gewichen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 46]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Interpretation des Gleichnisses liefert Emmerling, die nicht das Bild einer idealen Minnebeziehung teilt. Diese Beziehung sei nichts anderes als &#039;&#039;&amp;quot;die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne: Die Liebenden sind sich durch die jahrelang aufgezwungene Distanz so fremd, dass sie im Moment der Erfüllung mit ihren Wünschen nicht umgehen können&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 302]. Das Gleichnis sei überhaupt nicht notwendig, um Parzivals Rücksichtnahme als ideale Grundlage einer Minnebeziehung darzustellen, sondern es thematisiere vielmehr die Fremdheit der Minnepartner. Die Unterschiedlichkeit der Motive und Geisteshaltung weise viel eher auf die Andersartigkeit von Parzivals Verhaltensmustern hin [Emmerling 2003: 302]. Damit soll laut Emmerling verhindert werden, dass die Zurückhaltung als reflektierte Handlung interpretiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Mittelalter übliche Sitte der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten stimmt nur rein äußerlich mit der Beschreibung der ersten Nächte von Parzival und Condwiramurs als Ehepaar überein. Die frisch Vermählten verhalten sich zurückhaltenden und vollziehen die Ehe erst in der dritten Nacht. Die religiösen und asketischen Bewegründe für die Enthaltsamkeit finden sich jedoch nicht Wolframs Werk. Der Autor gibt den Tobiasnächten, gesetzt den Fall ihm haben diese als Grundlage gedient, neue Motive. Welche Motive hinter dem enthaltsamen und zurückhaltendem Verhalten des Paares stehen, wird in der Literatur diskutiert. Die augenfälligste Begründung, wie sie Emmerling vertritt, ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares, wenn es um die körperliche Liebe. Ein weiterer, teils kritisch betrachteter, Deutungsansatz von Schuhmacher ist die Betonung der seelisch-geistlichen Beziehung, die Vorrang vor der körperlichen Liebe hat. Das Verhalten wird hier nicht als naiv oder unerfahren gedeutet, sondern es zeugt von der keuschen und reinen Art des Paares. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gleichnis des treuen, beständigen Minnediener schafft weiteren Raum für Interpretationen. Dass es sich bei diesem Ritter nicht um Parzival handelt, ist unzweifelhaft. Wozu Wolfram jedoch an genau dieser Stelle die Geschichte eines Minneritters erzählt, der nach jahrelangem Dienst zu seiner Geliebten zurückkehrt und sich dann gegen die körperliche Liebe entscheidet, ist umstritten. Das Bild des Ritter als Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll handelt und auf die Gefühle seiner Partnerin eingeht, steht dem des entfremdeten Minnepartners gegenüber. Die Frage, ob Wolfram eine ideale Minnebeziehung oder die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne darstellt, bleibt offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Emmerling 2003] Emmerling, Sonja: Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Wolframs Arbeit an einem literarischen Modell. Tübingen: Niemeyer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schuhmacher 1967] Schuhmacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach. Heidelberg: Winter 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wesle 1950] Wesle, Carl: Zu Wolframs Parzival. PBB. Heft 72, Band 1950, 1-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wettlaufer 1998] Wettlaufer, Jörg: Das Herrenrecht der ersten Nacht. Hochzeit, Herrschaft und Heiratszins im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Condwiramurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Enthaltsamkeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22360</id>
		<title>Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis</title>
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		<updated>2015-07-13T10:32:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Bedeutung der ersten ehelichen Begegnung zwischen Condwiramurs und dem Protagonisten &#039;&#039;[[Protagonist:_Parzival|Parzival]]&#039;&#039; im gleichnamigen [[Inhaltsangabe_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Roman]]&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]. Analysiert wird die Frage, inwiefern die Enthaltsamkeit in den ersten drei Nächten ihrer Ehe ihren Ursprung in der asketisch-kirchlichen Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; hat. Dabei wird zunächst die Begrifflichkeit der &#039;&#039;Trinoctium Castitatis&#039;&#039; geklärt, um darauf aufbauend ausgewählte Textstellen im Roman zu analysieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trinoctium castitatis - die Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnacht&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Brauch der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten - auch &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; genannt - hat seinen Ursprung nicht nur im jüdisch-christlichen Glauben, sondern ist auch bei Naturvölkern zu finden. Die Angst vor &amp;quot;schädlichen Zaubereinflüssen&amp;quot; [Schuhmacher 1967: 40] und die auch schon in den Naturvölkern vorhandene Furcht vor Verunreinigung durch den Koitus sind Gründe für diesen Brauch. Niedergeschrieben ist diese Vorstellung im Buch Tobit (oder auch Tobias) des alten Testaments (Vulgata: Tobias 6, 18), wo es religiös motiviert ist [Wettlaufer 1998: 206] [Schuhmacher 1967: 40]. Diese Sitte ist &#039;&#039;&amp;quot;eine abgeleitete Regel des Volksglaubens (...), um Unglück von dem Bräutigam und der Ehe im Ganzen abzuwenden&amp;quot;&#039;&#039; [Wettlaufer 1998: 206]. Die Vorschrift der Enthaltsamkeit in den ersten Ehetagen stammt aus frühchristlicher Zeit. Die Dauer der Kontinenz ist nicht festgeschrieben, in den meisten Fällen wird jedoch von zwei bis drei Nächten gesprochen. Weit verbreitet in der Bevölkerung war der Glaube, dass diese Enthaltsamkeit Schutz bietet vor dem Einfluss böser Geistern und schädlicher Zauber. Die &amp;quot;offizielle&amp;quot; Begründung der Kirche war jedoch die Achtung des kirchlichen Segens. &#039;&#039;&amp;quot;Diese Anordnung erwuchs aus dem Gedanken, daß die biologischen, erbsüdlich belasteten Gegebenheiten des Ehelebens schändlich, verunreinigend und mit dem Übernatürlichen unvereinbar sind&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 40]. Im Mittelalter wurde dieser Ritus zwar nicht aufgehoben, der Rat war jedoch eher unverbindlicher Natur. Im späten Mittelalter rückte es dann wieder mehr in den Vordergrund. Es ist davon auszugehen, dass zu Lebzeiten Wolfram von Eschenbachs die Sitte der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; dem Publikum und dem Dichter selbst geläufig war [Schuhmacher 1967: 41].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Szene der ersten ehelichen Begegnungen zwischen Parzival und Condwiramurs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die ersten Begegnungen von Parzival und Condwiramurs vor ihrer Ehe zeugen von Zuneigung und tiefem Vertrauen. Parzival ist ihr Retter in der Not und ihr Vertrauen in den Helden beweist sie während ihres nächtlichen Besuches nach dem ersten Kennenlernen. Erfüllt von Sorge über den Krieg sucht sie Rat und Trost bei Parzival (V.192, 5ff). Der Erzähler betont, dass das Mädchen keine sexuellen Hintergedanken hat (V.192, 10ff). Auch als Parzival sie auffordert sich zu ihm zu legen (V.194,4), denken beide dabei nicht an sinnliche Freuden [Emmerling 2003: 299] [Schuhmacher 1967: 38]. Der Protagonist übernimmt die Rolle des Beschützers und siegt im Zweikampf gegen den Belagerer Kingrun. Condwiramurs verspricht ihrem Helden und neu gewonnenen Freund daraufhin die Ehe (V.200, 6ff). Der Autor beschreibt das Verhalten der frisch Vermählten in ihrer Hochzeitsnacht anfangs als scheu und zögernd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 201,21 -23: || &#039;&#039;er lac mit sölhen fuogen,&#039;&#039;  || Und als er bei ihr lag, war er so fein und bescheiden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des nu niht wil genuogen&#039;&#039;  || daß so manche von den Damen, die jetzt hier sitzen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mangiu wîp, der in sô tuot.&#039;&#039;  ||  mit ihm unzufrieden wäre, wenn einer ihr das antäte&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intimitäten tauschen die beiden in ihren ersten gemeinsamen Nächten als Ehepaar nicht aus. Erst in der dritten Nacht vollziehen sie die Ehe und schlafen miteinander (V.203,6ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zögerliche Verhalten und die Dauer der Kontinenz stimmen mit dem Brauch der Tobiasnächte überein.Die Beweggründe scheinen jedoch nicht zu der asketisch-kirchlichen Vorschrift zu passen. Es finden sich keine Anzeichen in der Szene, dass die Enthaltsamkeit als Schutz vor bösen Geistern oder schlechten Zaubereinflüssen dient. Auch der religiöse Aspekt, wie er im alten Testament zu finden ist, kann nicht durch den Text begründet werden. &#039;&#039;&amp;quot;Alles Geschehen und Erleben verbleibt hier im Bereich des Zwischenmenschlichen, Diesseitigen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 41]. Welchen Sinn haben nun die enthaltsamen Nächte? Drei Mögliche Erklärungen werden im Folgenden diskutiert/dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Naivität der Vermählten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die augenfälligste Begründung ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares mit der körperlichen Liebe, wie Emmerling sie vertritt. Dass Parzival in dem weiblichen Geschlecht in vielerlei Sicht noch sehr unbedarft ist, zeigen seine ersten Begegnungen mit Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen|Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, durch die er sich jedoch auch weiter entwickelt. Dennoch zeigt er bei allen drei Frauen seine kindliche Unerfahrenheit und seine Unberührtheit [Schuhmacher 1967: 41f]. Auch Condwiramurs zeigt ihre Unbedarftheit in der Hochzeitsnacht, da sie offenbar glaubt, nun sei die Ehe vollzogen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 202,23 -25: || &#039;&#039;sie wânde iedoch, si wær sîn wîp:&#039;&#039;  || Sie glaubte aber, sie wäre nun seine Frau.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;durch sînen minneclîchen lîp&#039;&#039;  || Sein liebenswerter Leib war ihr Grund genug, sich für verheiratet zu halten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des morgens si ir houbet bant.&#039;&#039;  ||  Am Morgen band sie sich deshalb die Haube.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ihre Begegnung in der Nacht zuvor vermittelt das Bild zweier Menschen, die noch etwas kindlich und unerfahren zu sein scheinen. Auch wenn Parzival schon einen großen Schritt von dem [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpen&#039;]]&#039; Knaben hin zu einem weisen Ritter gemacht hat, so zeigt sich, dass seine Entwicklung&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals: [[Adoleszenz_in_der_Ritterwelt|Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt; noch nicht abgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Betonung der geistlich-seelische Beziehung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt dieser verzögerten körperlichen Liebe könnte die Betonung der geistlich-seelischen Beziehung des Paares sein. Es ist eine langsame Steigerung von freundschaftlicher Annäherung und Vertrauen - dargestellt durch die ersten Treffen - über seelische Verbundenheit, bis hin zur sinnlichen Verwirklichung. Die sinnliche Liebe soll dabei keinesfalls entwertet werden [Schuhmacher 1967: 42]. In der dritten Nacht, in der das Paar die Ehe vollzieht, zeugt Parzivals Verhalten nicht von einer zwanghaften Triebhaftigkeit, sondern von einer gewissen Einsicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 203,2 -5: || &#039;&#039;von im dicke wart gedâht&#039;&#039;  || Oft dachte er daran,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;umbevâhens, daz sîn muoter riet:&#039;&#039;  || was seine Mutter vom Umarmen gesagt hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;Gurnemanz im ouch underschiet,&#039;&#039;  ||  und Gurnemanz hatte ihn auch gelehrt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;man und wîp wærn al ein.&#039;&#039;  ||  Mann und Frau seien eins.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler betont auch Condwiramurs reine Gesinnung, indem er sie von den Frauen abgrenzt, die zwar vor fremden Leuten Keuschheit vortäuschen, doch ihren Geliebten gegenüber aufdringlich sind (V.201, 24ff). Schuhmacher sieht ebenso ihr Verhalten nach der Hochzeitsnacht als ein Zeichen ihrer Reinheit und nicht ihrer Unbedarftheit bzw. Naivität. Durch die keusche und reine Art der Annäherung beweise das Paar ihre Eignung für das Gralskönigtum, da es damit eine wichtige Voraussetzung der Gralsberufung - nach [[Trevrizent_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Trevrizent]] und Titurel- erfülle. Sie seien durch die fehlende Triebhaftigkeit und dem Fokus auf die geistlich-seelische Beziehung dem Gralskönigtum würdig [Schuhmacher 1967: 43]. Emmerling stellt diese Schlussfolgerung in Frage: &#039;&#039;&amp;quot;Die Überordnung einer gefühlsmäßigen Bindung über die sinnliche Komponente (...) bedeutete jedoch vor dem Hintergrund des hohen Stellenwerts, den der &#039;Parzival&#039;-Dichter in seinem gesamten Roman der körperlichen Nähe zuschreibt, zweifellos eine Fehleinschätzung von Wolframs Modell einer idealen Minnegemeinschat und würde den Text überstrapazieren&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 301].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der &#039;&#039;getriwe staete man&#039;&#039; als Ideal? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Idem Wolfram während seiner Erzählung der enthaltsamen Nacht zu einem Gleichnis vom treuen und vorbildlichen Liebhaber wechselt, schafft er Raum für eine weitere Interpretation der &#039;&#039;trinoctium castitatis&#039;&#039;. Der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; (V.202, 3), den der Erzähler beschreibt, der nach vielen Jahren [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnedienst]] zu seiner Geliebten zurück kehrt, entscheidet sich bewusst gegen die körperlichen Zärtlichkeiten und für einen rein geistigen Austausch mit seiner Geliebten (V.202, 9ff). Mit diesem Minnediener ist keinesfalls Parzival gemeint, da die Anmerkungen nicht auf ihn passen. Weder der jahrelange Minnedienst, noch die reflektierte Haltung stimmen mit dem Protagonisten überein. Dieser Einschub hat die Funktion eines Vergleiches: &#039;&#039;&amp;quot;sus lac der Wâleise&amp;quot;&#039;&#039; (V.202, 19). Parzival lag so da, er verhielt sich so wie der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; [Wesle 1950: 19f]. Äußerlich passt Parzivals Verhalten, seine Enthaltsamkeit, mit dem des Gleichnisses überein. Die Rahmenhandlung, die Motivation und die geistige Haltung sind jedoch unterschiedlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welchen Sinn diese Sequenz während ihrer ersten enthaltsamen Hochzeitsnacht hat, ist in der Literatur verschieden diskutiert worden. Schumacher sieht in dem imaginären Ritter das Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll und einfühlsam auf die Empfindungen und Neigungen seiner Partnerin eingeht, und gleichzeitig seine eigenen Belange zurückstellt. Vergleicht man die beiden Männer, so handelt Parzival aus unbewusster reiner Gesinnung und naiver Unerfahrenheit im Gegensatz zum imaginären Liebhaber, der aus &#039;&#039;&amp;quot;reflektierter Beherrschung und höfisch-erotischeem Feingefühl&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 44] handelt. Die Zurückhaltung resultiert bei Parzival aus seiner Naivität und bei dem Minneritter aus seiner Selbstkontrolle, die seine triebhaften Neigungen unterdrückt. Es ist nicht das Bild eines derben Mannes, der auf seine Rechte als Ehemann pocht, sondern das eines vorbildlichen, kultivierten Liebhabers, der den Maximen der höfischen Minnekultur folgt. Diese anfängliche Enthaltsamkeit schafft Raum für eine viel feinere und sinnlichere erotische Beziehung und zeigt die besondere Hinwendung zum Partner [Schuhmacher 1967: 44ff]. Nach Schumacher  wechsle Wolfram über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Tertium_comparationis Tertium comparationis] - hier das äußere Verhalten beider Männer - auf die Ebene der Reflexion, zu der die frisch Vermählten nicht fähig seien, und führe so auf diesem Weg eine neue Geisteshaltung ein [Schuhmacher 1967: 44f] [Emmerling 2003: 302]. &#039;&#039;&amp;quot;Die theozentrische Sinngebung der enthaltsamen Ehenächste ist im Zeitalter des beginnenden Individualismus einer anthropozentrischen Deutung gewichen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 46]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Interpretation des Gleichnisses liefert Emmerling, die nicht das Bild einer idealen Minnebeziehung teilt. Diese Beziehung sei nichts anderes als &#039;&#039;&amp;quot;die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne: Die Liebenden sind sich durch die jahrelang aufgezwungene Distanz so fremd, dass sie im Moment der Erfüllung mit ihren Wünschen nicht umgehen können&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 302]. Das Gleichnis sei überhaupt nicht notwendig, um Parzivals Rücksichtnahme als ideale Grundlage einer Minnebeziehung darzustellen, sondern es thematisiere vielmehr die Fremdheit der Minnepartner. Die Unterschiedlichkeit der Motive und Geisteshaltung weise viel eher auf die Andersartigkeit von Parzivals Verhaltensmustern hin [Emmerling 2003: 302]. Damit soll laut Emmerling verhindert werden, dass die Zurückhaltung als reflektierte Handlung interpretiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Mittelalter übliche Sitte der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten stimmt nur rein äußerlich mit der Beschreibung der ersten Nächte von Parzival und Condwiramurs als Ehepaar überein. Die frisch Vermählten verhalten sich zurückhaltenden und vollziehen die Ehe erst in der dritten Nacht. Die religiösen und asketischen Bewegründe für die Enthaltsamkeit finden sich jedoch nicht Wolframs Werk. Der Autor gibt den Tobiasnächten, gesetzt den Fall ihm haben diese als Grundlage gedient, neue Motive. Welche Motive hinter dem enthaltsamen und zurückhaltendem Verhalten des Paares stehen, wird in der Literatur diskutiert. Die augenfälligste Begründung, wie sie Emmerling vertritt, ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares, wenn es um die körperliche Liebe. Ein weiterer, teils kritisch betrachteter, Deutungsansatz von Schuhmacher ist die Betonung der seelisch-geistlichen Beziehung, die Vorrang vor der körperlichen Liebe hat. Das Verhalten wird hier nicht als naiv oder unerfahren gedeutet, sondern es zeugt von der keuschen und reinen Art des Paares. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gleichnis des treuen, beständigen Minnediener schafft weiteren Raum für Interpretationen. Dass es sich bei diesem Ritter nicht um Parzival handelt, ist unzweifelhaft. Wozu Wolfram jedoch an genau dieser Stelle die Geschichte eines Minneritters erzählt, der nach jahrelangem Dienst zu seiner Geliebten zurückkehrt und sich dann gegen die körperliche Liebe entscheidet, ist umstritten. Das Bild des Ritter als Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll handelt und auf die Gefühle seiner Partnerin eingeht, steht dem des entfremdeten Minnepartners gegenüber. Die Frage, ob Wolfram eine ideale Minnebeziehung oder die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne darstellt, bleibt offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Emmerling 2003] Emmerling, Sonja: Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Wolframs Arbeit an einem literarischen Modell. Tübingen: Niemeyer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schuhmacher 1967] Schuhmacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach. Heidelberg: Winter 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wesle 1950] Wesle, Carl: Zu Wolframs Parzival. PBB. Heft 72, Band 1950, 1-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wettlaufer 1998] Wettlaufer, Jörg: Das Herrenrecht der ersten Nacht. Hochzeit, Herrschaft und Heiratszins im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Condwiramurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Enthaltsamkeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22356</id>
		<title>Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22356"/>
		<updated>2015-07-13T10:24:10Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Bedeutung der ersten ehelichen Begegnung zwischen Condwiramurs und dem  Protagonisten &#039;&#039;[http://Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) Parzival]&#039;&#039; im gleichnamigen Roman&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]. Analysiert wird die Frage, inwiefern die Enthaltsamkeit in den ersten drei Nächten ihrer Ehe ihren Ursprung in der asketisch-kirchlichen Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; hat. Dabei wird zunächst die Begrifflichkeit der &#039;&#039;Trinoctium Castitatis&#039;&#039; geklärt, um darauf aufbauend ausgewählte Textstellen im Roman zu analysieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trinoctium castitatis - die Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnacht&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Brauch der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten - auch &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; genannt - hat seinen Ursprung nicht nur im jüdisch-christlichen Glauben, sondern ist auch bei Naturvölkern zu finden. Die Angst vor &amp;quot;schädlichen Zaubereinflüssen&amp;quot; [Schuhmacher 1967: 40] und die auch schon in den Naturvölkern vorhandene Furcht vor Verunreinigung durch den Koitus sind Gründe für diesen Brauch. Niedergeschrieben ist diese Vorstellung im Buch Tobit (oder auch Tobias) des alten Testaments (Vulgata: Tobias 6, 18), wo es religiös motiviert ist [Wettlaufer 1998: 206] [Schuhmacher 1967: 40]. Diese Sitte ist &#039;&#039;&amp;quot;eine abgeleitete Regel des Volksglaubens (...), um Unglück von dem Bräutigam und der Ehe im Ganzen abzuwenden&amp;quot;&#039;&#039; [Wettlaufer 1998: 206]. Die Vorschrift der Enthaltsamkeit in den ersten Ehetagen stammt aus frühchristlicher Zeit. Die Dauer der Kontinenz ist nicht festgeschrieben, in den meisten Fällen wird jedoch von zwei bis drei Nächten gesprochen. Weit verbreitet in der Bevölkerung war der Glaube, dass diese Enthaltsamkeit Schutz bietet vor dem Einfluss böser Geistern und schädlicher Zauber. Die &amp;quot;offizielle&amp;quot; Begründung der Kirche war jedoch die Achtung des kirchlichen Segens. &#039;&#039;&amp;quot;Diese Anordnung erwuchs aus dem Gedanken, daß die biologischen, erbsüdlich belasteten Gegebenheiten des Ehelebens schändlich, verunreinigend und mit dem Übernatürlichen unvereinbar sind&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 40]. Im Mittelalter wurde dieser Ritus zwar nicht aufgehoben, der Rat war jedoch eher unverbindlicher Natur. Im späten Mittelalter rückte es dann wieder mehr in den Vordergrund. Es ist davon auszugehen, dass zu Lebzeiten Wolfram von Eschenbachs die Sitte der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; dem Publikum und dem Dichter selbst geläufig war [Schuhmacher 1967: 41].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Szene der ersten ehelichen Begegnungen zwischen Parzival und Condwiramurs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die ersten Begegnungen von Parzival und Condwiramurs vor ihrer Ehe zeugen von Zuneigung und tiefem Vertrauen. Parzival ist ihr Retter in der Not und ihr Vertrauen in den Helden beweist sie während ihres nächtlichen Besuches nach dem ersten Kennenlernen. Erfüllt von Sorge über den Krieg sucht sie Rat und Trost bei Parzival (V.192, 5ff). Der Erzähler betont, dass das Mädchen keine sexuellen Hintergedanken hat (V.192, 10ff). Auch als Parzival sie auffordert sich zu ihm zu legen (V.194,4), denken beide dabei nicht an sinnliche Freuden [Emmerling 2003: 299] [Schuhmacher 1967: 38]. Der Protagonist übernimmt die Rolle des Beschützers und siegt im Zweikampf gegen den Belagerer Kingrun. Condwiramurs verspricht ihrem Helden und neu gewonnenen Freund daraufhin die Ehe (V.200, 6ff). Der Autor beschreibt das Verhalten der frisch Vermählten in ihrer Hochzeitsnacht anfangs als scheu und zögernd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 201,21 -23: || &#039;&#039;er lac mit sölhen fuogen,&#039;&#039;  || Und als er bei ihr lag, war er so fein und bescheiden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des nu niht wil genuogen&#039;&#039;  || daß so manche von den Damen, die jetzt hier sitzen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mangiu wîp, der in sô tuot.&#039;&#039;  ||  mit ihm unzufrieden wäre, wenn einer ihr das antäte&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intimitäten tauschen die beiden in ihren ersten gemeinsamen Nächten als Ehepaar nicht aus. Erst in der dritten Nacht vollziehen sie die Ehe und schlafen miteinander (V.203,6ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zögerliche Verhalten und die Dauer der Kontinenz stimmen mit dem Brauch der Tobiasnächte überein.Die Beweggründe scheinen jedoch nicht zu der asketisch-kirchlichen Vorschrift zu passen. Es finden sich keine Anzeichen in der Szene, dass die Enthaltsamkeit als Schutz vor bösen Geistern oder schlechten Zaubereinflüssen dient. Auch der religiöse Aspekt, wie er im alten Testament zu finden ist, kann nicht durch den Text begründet werden. &#039;&#039;&amp;quot;Alles Geschehen und Erleben verbleibt hier im Bereich des Zwischenmenschlichen, Diesseitigen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 41]. Welchen Sinn haben nun die enthaltsamen Nächte? Drei Mögliche Erklärungen werden im Folgenden diskutiert/dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Naivität der Vermählten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die augenfälligste Begründung ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares mit der körperlichen Liebe, wie Emmerling sie vertritt. Dass Parzival in dem weiblichen Geschlecht in vielerlei Sicht noch sehr unbedarft ist, zeigen seine ersten Begegnungen mit Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen|Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, durch die er sich jedoch auch weiter entwickelt. Dennoch zeigt er bei allen drei Frauen seine kindliche Unerfahrenheit und seine Unberührtheit [Schuhmacher 1967: 41f]. Auch Condwiramurs zeigt ihre Unbedarftheit in der Hochzeitsnacht, da sie offenbar glaubt, nun sei die Ehe vollzogen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 202,23 -25: || &#039;&#039;sie wânde iedoch, si wær sîn wîp:&#039;&#039;  || Sie glaubte aber, sie wäre nun seine Frau.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;durch sînen minneclîchen lîp&#039;&#039;  || Sein liebenswerter Leib war ihr Grund genug, sich für verheiratet zu halten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des morgens si ir houbet bant.&#039;&#039;  ||  Am Morgen band sie sich deshalb die Haube.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ihre Begegnung in der Nacht zuvor vermittelt das Bild zweier Menschen, die noch etwas kindlich und unerfahren zu sein scheinen. Auch wenn Parzival schon einen großen Schritt von dem [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpen&#039;]]&#039; Knaben hin zu einem weisen Ritter gemacht hat, so zeigt sich, dass seine Entwicklung&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals: [[Adoleszenz_in_der_Ritterwelt|Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt; noch nicht abgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Betonung der geistlich-seelische Beziehung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt dieser verzögerten körperlichen Liebe könnte die Betonung der geistlich-seelischen Beziehung des Paares sein. Es ist eine langsame Steigerung von freundschaftlicher Annäherung und Vertrauen - dargestellt durch die ersten Treffen - über seelische Verbundenheit, bis hin zur sinnlichen Verwirklichung. Die sinnliche Liebe soll dabei keinesfalls entwertet werden [Schuhmacher 1967: 42]. In der dritten Nacht, in der das Paar die Ehe vollzieht, zeugt Parzivals Verhalten nicht von einer zwanghaften Triebhaftigkeit, sondern von einer gewissen Einsicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 203,2 -5: || &#039;&#039;von im dicke wart gedâht&#039;&#039;  || Oft dachte er daran,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;umbevâhens, daz sîn muoter riet:&#039;&#039;  || was seine Mutter vom Umarmen gesagt hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;Gurnemanz im ouch underschiet,&#039;&#039;  ||  und Gurnemanz hatte ihn auch gelehrt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;man und wîp wærn al ein.&#039;&#039;  ||  Mann und Frau seien eins.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler betont auch Condwiramurs reine Gesinnung, indem er sie von den Frauen abgrenzt, die zwar vor fremden Leuten Keuschheit vortäuschen, doch ihren Geliebten gegenüber aufdringlich sind (V.201, 24ff). Schuhmacher sieht ebenso ihr Verhalten nach der Hochzeitsnacht als ein Zeichen ihrer Reinheit und nicht ihrer Unbedarftheit bzw. Naivität. Durch die keusche und reine Art der Annäherung beweise das Paar ihre Eignung für das Gralskönigtum, da es damit eine wichtige Voraussetzung der Gralsberufung - nach [[Trevrizent_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Trevrizent]] und Titurel- erfülle. Sie seien durch die fehlende Triebhaftigkeit und dem Fokus auf die geistlich-seelische Beziehung dem Gralskönigtum würdig [Schuhmacher 1967: 43]. Emmerling stellt diese Schlussfolgerung in Frage: &#039;&#039;&amp;quot;Die Überordnung einer gefühlsmäßigen Bindung über die sinnliche Komponente (...) bedeutete jedoch vor dem Hintergrund des hohen Stellenwerts, den der &#039;Parzival&#039;-Dichter in seinem gesamten Roman der körperlichen Nähe zuschreibt, zweifellos eine Fehleinschätzung von Wolframs Modell einer idealen Minnegemeinschat und würde den Text überstrapazieren&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 301].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der &#039;&#039;getriwe staete man&#039;&#039; als Ideal? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Idem Wolfram während seiner Erzählung der enthaltsamen Nacht zu einem Gleichnis vom treuen und vorbildlichen Liebhaber wechselt, schafft er Raum für eine weitere Interpretation der &#039;&#039;trinoctium castitatis&#039;&#039;. Der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; (V.202, 3), den der Erzähler beschreibt, der nach vielen Jahren [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnedienst]] zu seiner Geliebten zurück kehrt, entscheidet sich bewusst gegen die körperlichen Zärtlichkeiten und für einen rein geistigen Austausch mit seiner Geliebten (V.202, 9ff). Mit diesem Minnediener ist keinesfalls Parzival gemeint, da die Anmerkungen nicht auf ihn passen. Weder der jahrelange Minnedienst, noch die reflektierte Haltung stimmen mit dem Protagonisten überein. Dieser Einschub hat die Funktion eines Vergleiches: &#039;&#039;&amp;quot;sus lac der Wâleise&amp;quot;&#039;&#039; (V.202, 19). Parzival lag so da, er verhielt sich so wie der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; [Wesle 1950: 19f]. Äußerlich passt Parzivals Verhalten, seine Enthaltsamkeit, mit dem des Gleichnisses überein. Die Rahmenhandlung, die Motivation und die geistige Haltung sind jedoch unterschiedlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welchen Sinn diese Sequenz während ihrer ersten enthaltsamen Hochzeitsnacht hat, ist in der Literatur verschieden diskutiert worden. Schumacher sieht in dem imaginären Ritter das Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll und einfühlsam auf die Empfindungen und Neigungen seiner Partnerin eingeht, und gleichzeitig seine eigenen Belange zurückstellt. Vergleicht man die beiden Männer, so handelt Parzival aus unbewusster reiner Gesinnung und naiver Unerfahrenheit im Gegensatz zum imaginären Liebhaber, der aus &#039;&#039;&amp;quot;reflektierter Beherrschung und höfisch-erotischeem Feingefühl&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 44] handelt. Die Zurückhaltung resultiert bei Parzival aus seiner Naivität und bei dem Minneritter aus seiner Selbstkontrolle, die seine triebhaften Neigungen unterdrückt. Es ist nicht das Bild eines derben Mannes, der auf seine Rechte als Ehemann pocht, sondern das eines vorbildlichen, kultivierten Liebhabers, der den Maximen der höfischen Minnekultur folgt. Diese anfängliche Enthaltsamkeit schafft Raum für eine viel feinere und sinnlichere erotische Beziehung und zeigt die besondere Hinwendung zum Partner [Schuhmacher 1967: 44ff]. Nach Schumacher  wechsle Wolfram über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Tertium_comparationis Tertium comparationis] - hier das äußere Verhalten beider Männer - auf die Ebene der Reflexion, zu der die frisch Vermählten nicht fähig seien, und führe so auf diesem Weg eine neue Geisteshaltung ein [Schuhmacher 1967: 44f] [Emmerling 2003: 302]. &#039;&#039;&amp;quot;Die theozentrische Sinngebung der enthaltsamen Ehenächste ist im Zeitalter des beginnenden Individualismus einer anthropozentrischen Deutung gewichen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 46]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Interpretation des Gleichnisses liefert Emmerling, die nicht das Bild einer idealen Minnebeziehung teilt. Diese Beziehung sei nichts anderes als &#039;&#039;&amp;quot;die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne: Die Liebenden sind sich durch die jahrelang aufgezwungene Distanz so fremd, dass sie im Moment der Erfüllung mit ihren Wünschen nicht umgehen können&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 302]. Das Gleichnis sei überhaupt nicht notwendig, um Parzivals Rücksichtnahme als ideale Grundlage einer Minnebeziehung darzustellen, sondern es thematisiere vielmehr die Fremdheit der Minnepartner. Die Unterschiedlichkeit der Motive und Geisteshaltung weise viel eher auf die Andersartigkeit von Parzivals Verhaltensmustern hin [Emmerling 2003: 302]. Damit soll laut Emmerling verhindert werden, dass die Zurückhaltung als reflektierte Handlung interpretiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Mittelalter übliche Sitte der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten stimmt nur rein äußerlich mit der Beschreibung der ersten Nächte von Parzival und Condwiramurs als Ehepaar überein. Die frisch Vermählten verhalten sich zurückhaltenden und vollziehen die Ehe erst in der dritten Nacht. Die religiösen und asketischen Bewegründe für die Enthaltsamkeit finden sich jedoch nicht Wolframs Werk. Der Autor gibt den Tobiasnächten, gesetzt den Fall ihm haben diese als Grundlage gedient, neue Motive. Welche Motive hinter dem enthaltsamen und zurückhaltendem Verhalten des Paares stehen, wird in der Literatur diskutiert. Die augenfälligste Begründung, wie sie Emmerling vertritt, ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares, wenn es um die körperliche Liebe. Ein weiterer, teils kritisch betrachteter, Deutungsansatz von Schuhmacher ist die Betonung der seelisch-geistlichen Beziehung, die Vorrang vor der körperlichen Liebe hat. Das Verhalten wird hier nicht als naiv oder unerfahren gedeutet, sondern es zeugt von der keuschen und reinen Art des Paares. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gleichnis des treuen, beständigen Minnediener schafft weiteren Raum für Interpretationen. Dass es sich bei diesem Ritter nicht um Parzival handelt, ist unzweifelhaft. Wozu Wolfram jedoch an genau dieser Stelle die Geschichte eines Minneritters erzählt, der nach jahrelangem Dienst zu seiner Geliebten zurückkehrt und sich dann gegen die körperliche Liebe entscheidet, ist umstritten. Das Bild des Ritter als Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll handelt und auf die Gefühle seiner Partnerin eingeht, steht dem des entfremdeten Minnepartners gegenüber. Die Frage, ob Wolfram eine ideale Minnebeziehung oder die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne darstellt, bleibt offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Emmerling 2003] Emmerling, Sonja: Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Wolframs Arbeit an einem literarischen Modell. Tübingen: Niemeyer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schuhmacher 1967] Schuhmacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach. Heidelberg: Winter 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wesle 1950] Wesle, Carl: Zu Wolframs Parzival. PBB. Heft 72, Band 1950, 1-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wettlaufer 1998] Wettlaufer, Jörg: Das Herrenrecht der ersten Nacht. Hochzeit, Herrschaft und Heiratszins im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Condwiramurs]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Enthaltsamkeit]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22355</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22355"/>
		<updated>2015-07-13T10:23:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnediensten]]. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]] und Kampf&amp;lt;ref&amp;gt;Nähres hierzu:[[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Verbindung_von_Tod.2C_Kampf_und_Minnedienst|Verbindung von Tod, Kampf und Minnedienst]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_als_Held_ohne_Vater&amp;diff=22352</id>
		<title>Parzival als Held ohne Vater</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival_als_Held_ohne_Vater&amp;diff=22352"/>
		<updated>2015-07-13T10:18:33Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Bedeutung der fehlenden Vater-Sohn Beziehung für den Protagonisten &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach.]] Neben der allgemeinen Rolle des Mannes in mittelalterlichen Familien bietet der folgende Text eine Analyse der problematischen Identitätsbildung Parzivals anhand ausgewählter Textstellen&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt;. Inwiefern ist die Vaterfigur in Parzivals Kindheit präsent, obgleich alle Informationen über den Vater und seine Wurzeln von ihm ferngehalten werden? Kann die These gestützt werden, dass der Vater, trotz der fehlender physischen Anwesenheit, stets allgegenwärtig ist? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Der Mann als Familienoberhaupt und Erbnachfolger im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der mediävistischen [https://de.wikipedia.org/wiki/Genealogie Genealogieforschung] herrscht Konsens über die hohe Bedeutung verwandtschaftlicher Beziehungen in der mittellaterliche Gesellschaft. Im Regelfall hielt die Familie &#039;&#039;&amp;quot;wie Pech und Schwefel zusammen&amp;quot;&#039;&#039; [Althoff 1990: 32]. Die Verwandtschaft unterstütze sich in vielen Gebieten gegenseitig, ob im kriegerischen Bereich als Fehde- oder Rachegemeinschaft, in der Politik oder auch in religiösen Angelegenheiten wie Gebetshilfe. Die hierarchische Spitze einer mittelalterlichen Familie ist der Mann in seiner Rolle als Oberhaupt der Familie und als Erbnachfolger [Althoff 1990: 31ff]. Die Weitergabe des Erbes an den Sohn diente gerade im Adelsgeschlecht zu einer dauerhaften Herrschaftsbildung [Althoff 1990: 55]. Dabei wurde nicht nur der Besitz, sondern auch die Titel weiter gegeben. Dementsprechend spielt die Vater-Sohn Beziehungs im Mittelalter eine besondere Rolle.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welche Position ein Mensch in der mittelalterlichen Gesellschaft einnahm, entschied im wesentlichen seine Herkunft. Dieses hatte zur Folge, dass die eigene Abstammung im Fokus stand. &#039;&#039;&amp;quot;Anhand der Genealogie der Familie wurde der soziale Status gemessen&amp;quot;&#039;&#039; [Schommers 2010: 10]. In Adelskreisen dienten die Vorfahren auch als Argument für die eigene Vornehmheit. Das Wissen über die Ahnenreihen wurde meist für längere Zeit nur mündlich weitergegeben [Althoff 1990: 75].  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Familienstruktur zeigt sich auch in der wachsenden Bedeutung der Vater-Sohn Beziehung in der Literatur des 12. Jahrhunderts [Kullmann 1992: 141]. Die Thematik des verstorbenen, unbekannten oder verheimlichten Vaters ist immer wieder in höfischen Romanen zu finden, beispielsweise in Wirnts von Grafenberg &#039;&#039;Wigalois&#039;&#039; oder Gottfrieds von Straßburg &#039;&#039;Tristan&#039;&#039;. Es erschwert den Romanfiguren ihren Platz in der höfisch-mittelalerlichen Gesellschaft zu finden und eine eigene Identität zu entwickeln.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Elternvorgeschichte ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die im Buch I+II behandelte Geschichte von Parzivals Eltern [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmuret und Herzeloyde]], mit dem Fokus auf den Vater, lässt zum einen wichtige Themen des Romans erahnen und legt zum anderen den Grundstein für die Identitätssuche&amp;lt;ref&amp;gt;Parzivals Suche nach der &amp;quot;eigenen Identität&amp;quot; kann auch als Suche nach der ihm &amp;quot;zustehenden Identität&amp;quot;, der ihm zustehende Platz in der Gesellschaft, betrachtet werden [Schommers 2010: 10]. &amp;lt;/ref&amp;gt; des Protagonisten. [[Gahmuret_als_Ritter_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gahmurets]] Begierde nach [[Das_Tjostieren_im_Parzival|ritterlichen Kämpfen]] und Turnieren, sein Verlangen nach Ruhm und Ehre und seine daraus folgende Ruhelosigkeit, die ihn nicht sesshaft werden ließ, ist prägend für die Parzivalhandlung. Sein Tod im ritterlichen Kampf ist die Bedingung für Parzivals abgeschottete Kindheit und die ausgebliebene höfische Erziehung [Schommers 2010: 73]. &#039;&#039;&amp;quot;Durch die dynastischen Voraussetzungen, die Parzival als Kind eines Ritters und einer Angehörigen der Gralsdynastie zur Welt kommen lassen, wird er zugleich als Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Parzivals Verbindung zum Artushof wird schon in Gahmuret Abschiedsbrief an Belacane angedeutet, als er seine Abstammung von Utepandragûn, Vater von Artus, erklärt (V. 56,4ff).&amp;lt;/ref&amp;gt; und als Graskönig geboren&amp;quot;&#039;&#039; [Schommers 2010: 77]. Die zwingende Konsequenz des Verlusts der Vaterfigur vor Parzivals Geburt ist die dominante [[Mutter-Sohn-Beziehung_(Herzeloyde-Parzival)|Mutter-Sohn Beziehung]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Kindheit ohne Vater ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protagonist Parzival wir schon im Prolog genannt, bevor er im Roman das erste Mal auftritt. Sein unerschrockener Kampfesmut und seine strahlende Schönheit lassen sich an dieser Stelle schon erahnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 4,14-18: || &#039;&#039;sîn herze in dar an nicht betrouc,&#039;&#039;  || Da hat sein Herz ihn nicht enttäuscht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;er stahl, swa er ze strîte quam,&#039;&#039;  || Er war ein Stahl in jedem Streit, wo immer er auch hinkam.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîn hant dâ sigelîchen nam&#039;&#039;  || Seine Hand hat mit dem Recht des Siegers &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;vil managen lobelîchen prîs&#039;&#039;.  || manche Ehre und viel Ruhm an sich genommen; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;er küene, traclîche wîs,&#039;&#039;  || kühn und spät erst weise war der Held, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es wird ein Bild von einem Helden gezeichnet, &#039;&#039;&amp;quot;das sich unproblematisch in den Kosmos des ritterlichen Abenteuer- und Minenromans Hartmanischer Prägung einzufügen scheint&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 236] . Das &#039;&#039;traclîche wîs&#039;&#039; - Werden und das zuvor im Prolog erwähnte [[Das_Elsterngleichnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Elsterngleichnis]] weisen jedoch schon hier auf Parzivals unbeständigen Lebensweg hin [Schommers 2010: 77] [Schu 2002: 236]. Das, was er an körperlicher Kraft und Schönheit im Übermaß besitzt, das fehlt ihm an geistiger Stärke. Gahmurets Präsenz, sein Erbe in Form der körperlichen Voraussetzungen, und gleichzeitig seine Abstinenz, seine fehlende Erziehung, sind schon hier erkennbar.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Protagonist tritt erst im dritten Buch als handelnde Person in Erscheinung, als sich seine Mutter Herzeloyde für eine Isolation in Soltane entscheidet. Diesen Schritt macht sie zum einem aus &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (V. 116,19) um ihres Seelenheilswillen und zum anderen um ihren Sohn zu schützen. Herzeloyde fürchtet sich davor, dass ihr Sohn den gleichen Weg wie ihr Ehemann geht und bei ritterlichen Kämpfen auch den Tod findet. Den einzigen Ausweg sieht sie in der totalen Isolation von der Ritterwelt  und höfischen Kultur. In einer Gesellschaft, die von der höfischen Kultur dominiert wird und den Regeln dieser folgt, drängt sich zwangsläufig die Frage auf, inwiefern der Versuch der Isolation von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 145]: &#039;&#039;&amp;quot;Angesichts der Omnipräsenz des Rittertums ist Herzeloydes Rückzug aus Soltane somit ein vergeblicher und von vornherein zum Scheitern verurteilter Versuch, der verhängnisvollen Dynamik der ritterlichen Zivilisation zu entfliehen.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Ungeachtet dessen wird Parzival als &#039;&#039;&amp;quot;des werden Gahmuretes kint&amp;quot;&#039;&#039; (V. 117,15) bezeichnet und auf diese Weise mit der väterlich-ritterlichen Lebenswelt in Verbindung gebracht. Der Erzähler kommentiert kritisch die Entscheidung Herzeloydes Parzival seine Herkunft vorzuenthalten [Schu 2002: 237].   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 117,30 -118, 2: || &#039;&#039;der knappe alsus verborgen wart&#039;&#039;  || So wurde der Knabe verborgen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;zer waste in Soltâne erzogn,&#039;&#039;  || im wilden Wald von Soltâne erzogen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an küneclîcher furore betrogn;&#039;&#039;  || und um königliche Lebensart gebracht &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&amp;quot;Er (Parzival) hat keinen Lehrmeister, wird weder in körperlicher Ertüchtigung noch in der Jagd erzielt geschult, erhält keine musikalische Ausbildung und keine höfischen Verhaltenslehren. Parzival wird also zunächst nicht erzogen, sondern wächst (behütet) auf&amp;quot;&#039;&#039; [Russ 2000: 40]. Herzeloyde zieht Parzival zwar mit aller Liebe und Hingabe auf, er wird aber nicht gebührend seinem Stand erzogen. Es ist der Versuch der Mutter den Sohn nur über die Beziehung zu sich selber zu definieren. So ist es unabwendbar, dass Parzival diese für ihn konstruierte Welt verlässt auf der Suche nach Identität [Schommers 2010: 80] [Schu 2002: 237].&lt;br /&gt;
Der Versuch Herzeloydes ihren Sohn isoliert von der Außenwelt und dem höfischen Leben und Rittertum aufzuziehen erschwert Parzivals langen Prozess seiner Identitätssuche. Das Erbe Gahmurets kann die Mutter auch durch völlige Abgeschiedenheit nicht unterdrücken und so ist der Vater stets präsent, wie im Folgenden dargestellt wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Vogel-Episode ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival ist in der Lage sich eigens Pfeil und Bogen zu schnitzen und damit auf die Jagd zu gehen. Diese Tätigkeit ist keinesfalls von der Mutter geprägt, sondern ist in der rittlerich-höfischen Erziehung zu finden. Die Vogeljagd gehört im Mittelalter zu der klassischen Erziehung des Adels und scheint wie ein Instinkt bei Parzival zu sein. Das Spannungsverhältnis zwischen der Bestimmung und der Erziehung des Protagonisten zeigt sich schon in dieser ersten Erfahrung. Es ist ein sehr ambivalentes Erlebnis, denn wenn er die Vögel tötet, so stimmt es ihn traurig und er bereut es, lauscht er nur ihrem Gesang, dann wird er unruhig und es quält ihn das Verlangen [Schu 2002: 238] . &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 118,14 - 18: || &#039;&#039;erne kunde hiht gesorgen,&#039;&#039;  || Er kannte keinen Kummer,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ez enwære ob im der vogelsanc,&#039;&#039;  || außer wenn über ihm die Vögel sangen; &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die süeze in sîn herze dranc&#039;&#039;  || das drang ihm so süß ins Herz &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz erstracte im sîniu brüstelîn.&#039;&#039;  || und machte ihm sein Kinderbrüstelein weit. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al weinde er lief zer künegîn,&#039;&#039;  || Weinend lief er dann zur Königin. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Diese Szene zeigt sehr deutlich den Konflikt zwischen der gewaltfreien harmonisierten mütterlichen Welt und der von Gewalt geprägten ritterlichen Welt des Vaters. Eine Verbindung dieser zwei Welten ist jedoch kaum möglich. An dieser Stelle kann der Leser erahnen, dass Parzival den mütterlich geprägten Raum verlassen muss um seiner Sehnsucht und seinem Verlangen nachzugehen [Schommers 2010: 82]. Es ist ein verzweifelter und aussichtsloser Versuch Herzeloydes alle Vögel auszurotten um den innerlichen Konflikt Parzivals zu beenden (V. 118, 29ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Herzeloydes Lehre und Erziehung&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Ausmaß der fehlenden Erziehung Parzivals wird im ersten Dialog zwischen ihm und seiner Mutter deutlich. In seiner ersten Äußerung fragt er sie, warum sie die Vögel tötet und bittet sie damit aufzuhören (V. 119, 10f). Die Mutter stimmt ihrem Sohn zu und begründet dies mit dem Verstoß gegen das Gebot Gottes, der daraufhin fragt: &#039;&#039;&amp;quot;ôwê muoter, waz ist got?&amp;quot;&#039;&#039; (V. 119, 17). Herzeloyde hat Parzival in keiner Weise religiös erzogen und so fehlt dem Protagonisten jede Vorstellung von Gott. Das Geschick mit Waffen zu hantieren und zu Jagen ist ihm angeboren, doch es fehlt ihm jeglicher Umgang mit der Religion und der höfischen Gesellschaft [Schommers 2010: 83]  [Schu 2002: 238]. Sein völliges Unvermögen zur Reflexion zeigt sein Umgang mit Herzeloydes Licht-Metaphorik (V. 119,  18ff) als Erklärung auf seine Frage, was Gott sei. Er ist nicht imstande in dieser Erläuterung die Metaphorik zu erkennen und diese auf irgendeine Weise zu deuten. Diese Kompetenz würde vermutlich bei einer ritterlichen Erziehung nicht in diesem Ausmaß fehlen. So ist es auch nicht überraschend, dass er die Ritter, denen er im Wald von Soltane begegnet, aufgrund ihrer glänzenden und strahlenden Rüstung für Gott hält (V. 122, 21ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Gotteslehre ist folgenschwer für die Mutter-Sohn Beziehung, da es zu Parzivals Entschluss führt Ritter zu werden. Er möchte selbst zu so einem Lichtwesen werden, da er in diesen Gott zu erkennen glaubt [Schommers 2010: 85]. &#039;&#039;&amp;quot;In der Begegnung mit den Rittern ist die Verwechslung dieser mit Gott komisch und tragisch zugleich, die anthropomorphe Gottesvorstellung Parzivals wird ihn in einen tiefen Konflikt mit diesem Gott führen, der seine Helferrolle aus Parzivals Sicht nicht gerecht geworden ist&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 248]. Es ist bittere Ironie, dass gerade Herzeloydes Versuch, Parzival in der Einöde jegliche höfische und ritterliche Erziehung zu verweigern, letztendlich mit dazu führt, dass Parzival aus Soltane wegzieht um Ritter zu werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzival zwischen &amp;quot;Schönheit&amp;quot; und &amp;quot;tumpfheit&amp;quot;&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals tumpheit]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler zeichnet ein Bild von Parzival als Knabe, der nur so vor Schönheit (V. 118, 11) und Kraft (V. 120, 8ff) strotzt. Seine Jagd beschränkt sich nun nicht mehr nur auf Vögel, sondern er bringt auch erlegte Wildtiere nach Hause, die er ohne Mühe trägt (V. 1290, 2ff). Trotz seiner &#039;&#039;&amp;quot;unstandesgemäßen Erziehung&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 243] deuten diese angeborenen Fähigkeiten und sein Äußeres schon auf seine spätere Karriere als Ritter hin. In der von Natur dominierten Umgebung von Soltane, in der Parzival sich richtig zu bewegen weiß, wird er nirgends als &#039;&#039;tôr&#039;&#039; oder &#039;&#039;tump&#039;&#039; betitelt. Erst als er in Kontakt mit der ihm fremden Ritterwelt kommt, wird dieses Charakteristikum deutlich. Die Funktion dieser Begegnung ist unter anderem, diese &#039;&#039;tumpeit&#039;&#039; zu zeigen [Russ 2000: 47]. Während der Begegnung mit den Rittern im Wald von Soltane wird Parzival wegen seiner Unwissenheit und seinem Verhalten als &#039;&#039;tœrsche Wâleise&#039;&#039; (V. 121, 9) und als &#039;&#039;&amp;quot;knappen der vil tumpheit wielt&amp;quot;&#039;&#039; (V. 124, 16) beschrieben. Dessen ungeachtet sieht der Fürst Karnahkarnanz in Parzivals Schönheit ein Zeichen seiner ritterlichen Abstammung (V. 123,11). Auffällig ist, dass sein Äußeres, seine außergewöhnliche Schönheit, von dem Fürsten als Indiz für Ritterlichkeit angesehen wird, obwohl seine Dummheit und seine Unwissenheit so dominant in der Begegnung sind. Karnahkarnanz zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist und gibt mit dieser Beurteilung auch dem Leser einen wichtigen Baustein für seine Sicht auf den Protagonisten [Schu 2002: 247]:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,17 - 21: || &#039;&#039;der fürste sprach &#039;got hüete dîn.&#039;&#039;  || Der Fürst sprach: &amp;quot;Gott schütze dich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ôwî wan wær dîn schœne mîn!&#039;&#039;  || Ach, hätte ich nur deine Schönheit!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;dir hete got den wünsch gegebn,&#039;&#039;  || Dir hat Gott die Fülle dessen, was ein Mensch nur wünschen kann, geschenkt -  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob du mit witzen soldest lebn.&#039;&#039;.  || wenn nur deinem Wege auch Verstand gegeben wäre! &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;diu gotes kraft dir virre leit.&#039; &#039;&#039;  || Möge Gottes Macht Leid von dir fernhalten.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Durch die Begegnung mit den Rittern bekommt Parzival nur einen lückenhaften Eindruck des Ritterdaseins und somit bleibt ihm die Ambivalenz dessen verschlossen. Es sind fragmentarische Informationen, die er falsch deutet und so zu dem Trugschluss kommt, dass er nur zum Artushof gehen muss, wo er zum Ritter geschlagen wird und dann gegen jeden ebenfalls gerüsteten Mann kämpfen muss. Der Grund für Karnahkarnanz Reise, die Entführung einer Jungfrau durch zwei Ritter, und damit die negative Medaille des Rittertums [Pratelidis 1994: 146], dringt nicht in das Bewusstsein des Knaben [Schu 2002: 247].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzivals Aufbruch aus Soltane ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Entschluss nach der folgenschweren Begegnung steht fest: er will zum Artushof um Ritter zu werden. Er rennt so schnell es geht zu seiner Mutter, die als wichtigste Bezugsperson die erste ist, die von seinen Plänen erfährt (V. 125, 27ff). Herzeloyde bricht zusammen, als sie von dem Zusammentreffen mit den Rittern erfährt. Sie erkennt, dass die künstlich konstruierte Welt wie ein Kartenhaus zusammenbricht und Parzivals Aufbruch unabwendbar wird. Eine letzte Chance sieht sie darin, ihn in der höfischen Welt zum Gespött der Leute zu machen, indem sie ihn in ein Narrengewand kleidet (V.129, 25). Es ist der verzweifelte Versuch Parzival den Eintritt in die höfische Gesellschaft so zu erschweren, dass er frühzeitig aufgibt und zu ihr zurückkehrt. Dabei unterschätz sie jedoch Gahmurets Erbe, welches sich nicht nur in seiner körperlichen Kraft und Schönheit zeigt, sondern auch die Sehnsucht und das Verlangen nach Abenteuer, nach [[Frau_Aventiure_in_Wolframs_Parzival|&#039;&#039;Aventiure&#039;&#039;]] widerspiegelt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Gahmurets Abreise aus Anschouwe und Parzivals Aufbruch aus Soltane, so könnten diese Abschiede kaum unterschiedlicher sein&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Biografische_Parallelen_zwischen_Gahmuret_und_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Biografische Parallelen zwischen Gahmuret und Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Als Gahmuret seine Heimat verlässt, weiß er über seine Herkunft, sein väterliches Erbe Bescheid. Er ist standesgemäß erzogen und weiß, wie er sich in der höfischen Gesellschaft zu verhalten hat. Obgleich er das Schicksal seines Vaters, der im ritterlichen Kampf gestorben ist, nur zu gut kennt, drängt es ihn in die weite Welt. Als seine Mutter erkennt, dass sie ihn nicht von seinem Vorhaben abbringen kann, versucht sie ihm so viel wie möglich mit auf den Weg zu geben. Zum Abschied gibt sie ihm &#039;&#039;&amp;quot;manec tiwer goltvaz, und manegen guldînen klôz&amp;quot;&#039;&#039; (V.10,5-6) und fünf ihrer besten Schlachtrösser (V.10,1). Auch sein Bruder spart nicht an Kostbarkeiten und so ist Gahmuret mehr als gerüstet für seine Reise. Er besticht nicht nur durch seine Schönheit und Kraft, sondern auch schon zu Beginn seiner Reise durch Bescheidenheit (V. 13,2) und Bildung (V. 12, 24).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gemeinsamkeiten der Szene - das Sehnsucht nach Abenteuer, das Verlangen nach ritterlichen Ruhm und Ehre, der Abschied von der Mutter und ihre &amp;quot;Geschenke&amp;quot; - betonen zugleich die Unterschiede. Parzival kennt zum Zeitpunkt seines Auszugs weder seinen Vater noch seine familiäre Abstammung&amp;lt;ref&amp;gt;Zum Abschied erfährt Parzival von seiner Mutter, dass die Länder Wâleis und Norgâls, die einmal Parzival gehören sollten, von Lähelin im Kampf erobert wurden. Dies ist der einzige Hinweis seiner Herkunft, den Herzeloyde ihm mit auf den Weg gibt.  &amp;lt;/ref&amp;gt;. Zum Abschied überreicht sie dem Protagonisten ein selbst geschneidertes Narrengewand mit Stiefeln aus haariger, rauer Kälberhaut (V. 127, 1ff) und ihr schlechtestes Pferd (V. 126, 22). Die [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Herzeloydes_Ratschl.C3.A4ge_.28127.2C13_-_128.2C10.29|Ratschläge]], die sie Parzival mit auf den Weg gibt, sind eher fragwürdig, da sie zu knapp und unvollständig sind um sich in der Artumwelt zu bewegen. Sie zeugen von Herzeloydes Hoffnung, er scheitere und kehre dann zu ihr zurück [Russ 2000: 50]. So startet Parzival im Gegensatz  zu seinem Vater schlecht ausgerüstet, ohne höfische Manieren und ohne Wissen über seine Identität in die ritterliche Welt. Was beide jedoch verbindet ist das Verlangen nach Abenteuer und ihre angeborene Kraft und Schönheit. Der Schmerz des Verlustes nach Parzivals Abreise führt zum Tod Herzeloydes, den ihr Sohn jedoch nicht mehr mitbekommt (V. 128, 20).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
In der mittelalterliche Gesellschaft spielt die Familie, insbesondere der Mann an der Spitze der Hierarchie, eine bedeutende Rolle. Die Herkunft bestimmt nicht nur den Platz, den man in der Gesellschaft einnimmt, sondern ist zudem - insbesondere beim Erbnachfolger - Identitätsstiftend. Ist die eigene Abstammung unklar, dann fehlt auch der feste Platz im Gefüge und die Identität, die einem dadurch zusteht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Betrachtet man den Zeitraum, in welchem Parzival noch unwissend ist über seine ritterliche Herkunft, so wird deutlich, dass Gahmurets Erbe stets präsent ist. Diese Anwesenheit zeigt sich nicht nur in Parzivals körperlicher Gestalt - seine Kraft und seine Schönheit - und seinen angeborenen Fähigkeiten zur Jagd. Gahmuret und Parzival verbindet insbesondere die Sehnsucht nach Aventiure, das Verlangen nach Ruhm und Ehre und die daraus folgende Ruhelosigkeit, die Sesshaftigkeit erschwert. Auch wenn Herzeloyde mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln versucht, Parzival isoliert von der höfischen Gesellschaft aufzuziehen und fernzuhalten, so kann sie das väterliche Erbe in ihrem Sohn nicht unterdrücken. Die fehlende höfische Erziehung und die Unwissenheit über seine Herkunft erschweren Parzival seine Identitätssuche, hindern ihn jedoch nicht daran, seiner Sehnsucht zu folgen und Ritter zu werden. Es hat etwas komisch-ironisches an sich, dass Parzival, gerade aufgrund der fehlenden Erziehung, die Gotteslehre seiner Mutter zum Anlass nimmt Ritter zu werden, da er in ihnen Gott zu erkennen glaubt. Es scheint, dass Herzeloydes Scheitern von Anfang an determiniert ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der frühe Tod Gahmurets und die dadurch fehlende Vaterfigur in Parzivals Kindheit ist die Basis für den langen und steinigen Weg des Protagonisten in die Artus- und Gralswelt. Parzivals Leben wäre sicherlich anders verlaufen, wenn er mit seinem Vater aufgewachsen wäre und von ihm eine standesgemäße Erziehung genossen hätte. Obgleich Parzival seinen Lebensweg ohne seinen Vater bestreitet, so ist sein &#039;&#039;&amp;quot;indirekter Einfluss (..) über die gesamte Handlung hinweg bestimmend für Parzival&amp;quot;&#039;&#039; [Schommers 2010: S. 113].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Althoff 1990] Althoff, Gerd: Verwandte, Freunde und Getreue. Zum politischen Stellenwert der Gruppenbindungen im frühen Mittelalter. Darmstadt: Wiss. Buchges. 1990.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kullmann 1992] Kullmann, Dorothea: Verwandtschaft in epischer Dichtung. Untersuchungen zu den französischen chansons de geste und Romanen des 12. Jahrhunderts. Tübingen: Niemeyer 1992.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Russ 2000] Russ, Anja: Kindheit und Adoleszenz in den deutschen Parzival und Lancelot-Romanen. Hohes und spätes Mittelalter. Stuttgart/Leipzig: Hirzel 2000. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schommers 2010] Schommers, Stephanie: Helden ohne Väter: Die Suche der Söhne nach Identität in mittelalterlicher Literatur. Marburg: Tectum Verlag 2010. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Vater]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Sohn]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Herzeloyde]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Familie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Erziehung]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22350</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22350"/>
		<updated>2015-07-13T10:16:12Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt;.. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnediensten]]. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]] und Kampf&amp;lt;ref&amp;gt;Nähres hierzu:[[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Verbindung_von_Tod.2C_Kampf_und_Minnedienst|Verbindung von Tod, Kampf und Minnedienst]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Parzival] Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22349</id>
		<title>Die Vermählung Parzivals mit Condwiramurs - Trinoctium Castitatis</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Verm%C3%A4hlung_Parzivals_mit_Condwiramurs_-_Trinoctium_Castitatis&amp;diff=22349"/>
		<updated>2015-07-13T10:11:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Bedeutung der ersten ehelichen Begegnung zwischen Condwiramurs und dem  Protagonisten &#039;&#039;[http://Inhaltsangabe_%22Parzival%22_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival) Parzival]&#039;&#039; im gleichnamigen Roman von [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]. Analysiert wird die Frage, inwiefern die Enthaltsamkeit in den ersten drei Nächten ihrer Ehe ihren Ursprung in der asketisch-kirchlichen Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; hat. Dabei wird zunächst die Begrifflichkeit der &#039;&#039;Trinoctium Castitatis&#039;&#039; geklärt, um darauf aufbauend ausgewählte Textstellen im Roman zu analysieren.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Trinoctium castitatis - die Vorschrift der &amp;quot;Tobiasnacht&amp;quot; ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Brauch der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten - auch &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; genannt - hat seinen Ursprung nicht nur im jüdisch-christlichen Glauben, sondern ist auch bei Naturvölkern zu finden. Die Angst vor &amp;quot;schädlichen Zaubereinflüssen&amp;quot; [Schuhmacher 1967: 40] und die auch schon in den Naturvölkern vorhandene Furcht vor Verunreinigung durch den Koitus sind Gründe für diesen Brauch. Niedergeschrieben ist diese Vorstellung im Buch Tobit (oder auch Tobias) des alten Testaments (Vulgata: Tobias 6, 18), wo es religiös motiviert ist [Wettlaufer 1998: 206] [Schuhmacher 1967: 40]. Diese Sitte ist &#039;&#039;&amp;quot;eine abgeleitete Regel des Volksglaubens (...), um Unglück von dem Bräutigam und der Ehe im Ganzen abzuwenden&amp;quot;&#039;&#039; [Wettlaufer 1998: 206]. Die Vorschrift der Enthaltsamkeit in den ersten Ehetagen stammt aus frühchristlicher Zeit. Die Dauer der Kontinenz ist nicht festgeschrieben, in den meisten Fällen wird jedoch von zwei bis drei Nächten gesprochen. Weit verbreitet in der Bevölkerung war der Glaube, dass diese Enthaltsamkeit Schutz bietet vor dem Einfluss böser Geistern und schädlicher Zauber. Die &amp;quot;offizielle&amp;quot; Begründung der Kirche war jedoch die Achtung des kirchlichen Segens. &#039;&#039;&amp;quot;Diese Anordnung erwuchs aus dem Gedanken, daß die biologischen, erbsüdlich belasteten Gegebenheiten des Ehelebens schändlich, verunreinigend und mit dem Übernatürlichen unvereinbar sind&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 40]. Im Mittelalter wurde dieser Ritus zwar nicht aufgehoben, der Rat war jedoch eher unverbindlicher Natur. Im späten Mittelalter rückte es dann wieder mehr in den Vordergrund. Es ist davon auszugehen, dass zu Lebzeiten Wolfram von Eschenbachs die Sitte der &amp;quot;Tobiasnächte&amp;quot; dem Publikum und dem Dichter selbst geläufig war [Schuhmacher 1967: 41].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Szene der ersten ehelichen Begegnungen zwischen Parzival und Condwiramurs ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon die ersten Begegnungen von Parzival und Condwiramurs vor ihrer Ehe zeugen von Zuneigung und tiefem Vertrauen. Parzival ist ihr Retter in der Not und ihr Vertrauen in den Helden beweist sie während ihres nächtlichen Besuches nach dem ersten Kennenlernen. Erfüllt von Sorge über den Krieg sucht sie Rat und Trost bei Parzival (V.192, 5ff). Der Erzähler betont, dass das Mädchen keine sexuellen Hintergedanken hat (V.192, 10ff). Auch als Parzival sie auffordert sich zu ihm zu legen (V.194,4), denken beide dabei nicht an sinnliche Freuden [Emmerling 2003: 299] [Schuhmacher 1967: 38]. Der Protagonist übernimmt die Rolle des Beschützers und siegt im Zweikampf gegen den Belagerer Kingrun. Condwiramurs verspricht ihrem Helden und neu gewonnenen Freund daraufhin die Ehe (V.200, 6ff). Der Autor beschreibt das Verhalten der frisch Vermählten in ihrer Hochzeitsnacht anfangs als scheu und zögernd.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 201,21 -23: || &#039;&#039;er lac mit sölhen fuogen,&#039;&#039;  || Und als er bei ihr lag, war er so fein und bescheiden,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des nu niht wil genuogen&#039;&#039;  || daß so manche von den Damen, die jetzt hier sitzen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mangiu wîp, der in sô tuot.&#039;&#039;  ||  mit ihm unzufrieden wäre, wenn einer ihr das antäte&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Intimitäten tauschen die beiden in ihren ersten gemeinsamen Nächten als Ehepaar nicht aus. Erst in der dritten Nacht vollziehen sie die Ehe und schlafen miteinander (V.203,6ff). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das zögerliche Verhalten und die Dauer der Kontinenz stimmen mit dem Brauch der Tobiasnächte überein.Die Beweggründe scheinen jedoch nicht zu der asketisch-kirchlichen Vorschrift zu passen. Es finden sich keine Anzeichen in der Szene, dass die Enthaltsamkeit als Schutz vor bösen Geistern oder schlechten Zaubereinflüssen dient. Auch der religiöse Aspekt, wie er im alten Testament zu finden ist, kann nicht durch den Text begründet werden. &#039;&#039;&amp;quot;Alles Geschehen und Erleben verbleibt hier im Bereich des Zwischenmenschlichen, Diesseitigen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 41]. Welchen Sinn haben nun die enthaltsamen Nächte? Drei Mögliche Erklärungen werden im Folgenden diskutiert/dargestellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Naivität der Vermählten ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die augenfälligste Begründung ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares mit der körperlichen Liebe, wie Emmerling sie vertritt. Dass Parzival in dem weiblichen Geschlecht in vielerlei Sicht noch sehr unbedarft ist, zeigen seine ersten Begegnungen mit Frauen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Minnebegegnungen_-_Parzival_und_die_Frauen|Minnebegegnungen - Parzival und die Frauen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;, durch die er sich jedoch auch weiter entwickelt. Dennoch zeigt er bei allen drei Frauen seine kindliche Unerfahrenheit und seine Unberührtheit [Schuhmacher 1967: 41f]. Auch Condwiramurs zeigt ihre Unbedarftheit in der Hochzeitsnacht, da sie offenbar glaubt, nun sei die Ehe vollzogen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 202,23 -25: || &#039;&#039;sie wânde iedoch, si wær sîn wîp:&#039;&#039;  || Sie glaubte aber, sie wäre nun seine Frau.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;durch sînen minneclîchen lîp&#039;&#039;  || Sein liebenswerter Leib war ihr Grund genug, sich für verheiratet zu halten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des morgens si ir houbet bant.&#039;&#039;  ||  Am Morgen band sie sich deshalb die Haube.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon ihre Begegnung in der Nacht zuvor vermittelt das Bild zweier Menschen, die noch etwas kindlich und unerfahren zu sein scheinen. Auch wenn Parzival schon einen großen Schritt von dem [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpen&#039;]]&#039; Knaben hin zu einem weisen Ritter gemacht hat, so zeigt sich, dass seine Entwicklung&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zur Entwicklung Parzivals: [[Adoleszenz_in_der_Ritterwelt|Adoleszenz in der Ritterwelt]]&amp;lt;/ref&amp;gt; noch nicht abgeschlossen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Die Betonung der geistlich-seelische Beziehung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein weiterer Aspekt dieser verzögerten körperlichen Liebe könnte die Betonung der geistlich-seelischen Beziehung des Paares sein. Es ist eine langsame Steigerung von freundschaftlicher Annäherung und Vertrauen - dargestellt durch die ersten Treffen - über seelische Verbundenheit, bis hin zur sinnlichen Verwirklichung. Die sinnliche Liebe soll dabei keinesfalls entwertet werden [Schuhmacher 1967: 42]. In der dritten Nacht, in der das Paar die Ehe vollzieht, zeugt Parzivals Verhalten nicht von einer zwanghaften Triebhaftigkeit, sondern von einer gewissen Einsicht:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 203,2 -5: || &#039;&#039;von im dicke wart gedâht&#039;&#039;  || Oft dachte er daran,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;umbevâhens, daz sîn muoter riet:&#039;&#039;  || was seine Mutter vom Umarmen gesagt hatte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;Gurnemanz im ouch underschiet,&#039;&#039;  ||  und Gurnemanz hatte ihn auch gelehrt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;man und wîp wærn al ein.&#039;&#039;  ||  Mann und Frau seien eins.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Erzähler betont auch Condwiramurs reine Gesinnung, indem er sie von den Frauen abgrenzt, die zwar vor fremden Leuten Keuschheit vortäuschen, doch ihren Geliebten gegenüber aufdringlich sind (V.201, 24ff). Schuhmacher sieht ebenso ihr Verhalten nach der Hochzeitsnacht als ein Zeichen ihrer Reinheit und nicht ihrer Unbedarftheit bzw. Naivität. Durch die keusche und reine Art der Annäherung beweise das Paar ihre Eignung für das Gralskönigtum, da es damit eine wichtige Voraussetzung der Gralsberufung - nach [[Trevrizent_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Trevrizent]] und Titurel- erfülle. Sie seien durch die fehlende Triebhaftigkeit und dem Fokus auf die geistlich-seelische Beziehung dem Gralskönigtum würdig [Schuhmacher 1967: 43]. Emmerling stellt diese Schlussfolgerung in Frage: &#039;&#039;&amp;quot;Die Überordnung einer gefühlsmäßigen Bindung über die sinnliche Komponente (...) bedeutete jedoch vor dem Hintergrund des hohen Stellenwerts, den der &#039;Parzival&#039;-Dichter in seinem gesamten Roman der körperlichen Nähe zuschreibt, zweifellos eine Fehleinschätzung von Wolframs Modell einer idealen Minnegemeinschat und würde den Text überstrapazieren&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 301].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der &#039;&#039;getriwe staete man&#039;&#039; als Ideal? ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Idem Wolfram während seiner Erzählung der enthaltsamen Nacht zu einem Gleichnis vom treuen und vorbildlichen Liebhaber wechselt, schafft er Raum für eine weitere Interpretation der &#039;&#039;trinoctium castitatis&#039;&#039;. Der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; (V.202, 3), den der Erzähler beschreibt, der nach vielen Jahren [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnedienst]] zu seiner Geliebten zurück kehrt, entscheidet sich bewusst gegen die körperlichen Zärtlichkeiten und für einen rein geistigen Austausch mit seiner Geliebten (V.202, 9ff). Mit diesem Minnediener ist keinesfalls Parzival gemeint, da die Anmerkungen nicht auf ihn passen. Weder der jahrelange Minnedienst, noch die reflektierte Haltung stimmen mit dem Protagonisten überein. Dieser Einschub hat die Funktion eines Vergleiches: &#039;&#039;&amp;quot;sus lac der Wâleise&amp;quot;&#039;&#039; (V.202, 19). Parzival lag so da, er verhielt sich so wie der &#039;&#039;getriwe stæte man&#039;&#039; [Wesle 1950: 19f]. Äußerlich passt Parzivals Verhalten, seine Enthaltsamkeit, mit dem des Gleichnisses überein. Die Rahmenhandlung, die Motivation und die geistige Haltung sind jedoch unterschiedlich.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Welchen Sinn diese Sequenz während ihrer ersten enthaltsamen Hochzeitsnacht hat, ist in der Literatur verschieden diskutiert worden. Schumacher sieht in dem imaginären Ritter das Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll und einfühlsam auf die Empfindungen und Neigungen seiner Partnerin eingeht, und gleichzeitig seine eigenen Belange zurückstellt. Vergleicht man die beiden Männer, so handelt Parzival aus unbewusster reiner Gesinnung und naiver Unerfahrenheit im Gegensatz zum imaginären Liebhaber, der aus &#039;&#039;&amp;quot;reflektierter Beherrschung und höfisch-erotischeem Feingefühl&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 44] handelt. Die Zurückhaltung resultiert bei Parzival aus seiner Naivität und bei dem Minneritter aus seiner Selbstkontrolle, die seine triebhaften Neigungen unterdrückt. Es ist nicht das Bild eines derben Mannes, der auf seine Rechte als Ehemann pocht, sondern das eines vorbildlichen, kultivierten Liebhabers, der den Maximen der höfischen Minnekultur folgt. Diese anfängliche Enthaltsamkeit schafft Raum für eine viel feinere und sinnlichere erotische Beziehung und zeigt die besondere Hinwendung zum Partner [Schuhmacher 1967: 44ff]. Nach Schumacher  wechsle Wolfram über das [https://de.wikipedia.org/wiki/Tertium_comparationis Tertium comparationis] - hier das äußere Verhalten beider Männer - auf die Ebene der Reflexion, zu der die frisch Vermählten nicht fähig seien, und führe so auf diesem Weg eine neue Geisteshaltung ein [Schuhmacher 1967: 44f] [Emmerling 2003: 302]. &#039;&#039;&amp;quot;Die theozentrische Sinngebung der enthaltsamen Ehenächste ist im Zeitalter des beginnenden Individualismus einer anthropozentrischen Deutung gewichen&amp;quot;&#039;&#039; [Schuhmacher 1967: 46]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Eine andere Interpretation des Gleichnisses liefert Emmerling, die nicht das Bild einer idealen Minnebeziehung teilt. Diese Beziehung sei nichts anderes als &#039;&#039;&amp;quot;die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne: Die Liebenden sind sich durch die jahrelang aufgezwungene Distanz so fremd, dass sie im Moment der Erfüllung mit ihren Wünschen nicht umgehen können&amp;quot;&#039;&#039; [Emmerling 2003: 302]. Das Gleichnis sei überhaupt nicht notwendig, um Parzivals Rücksichtnahme als ideale Grundlage einer Minnebeziehung darzustellen, sondern es thematisiere vielmehr die Fremdheit der Minnepartner. Die Unterschiedlichkeit der Motive und Geisteshaltung weise viel eher auf die Andersartigkeit von Parzivals Verhaltensmustern hin [Emmerling 2003: 302]. Damit soll laut Emmerling verhindert werden, dass die Zurückhaltung als reflektierte Handlung interpretiert wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der im Mittelalter übliche Sitte der Enthaltsamkeit in den ersten drei Ehenächten stimmt nur rein äußerlich mit der Beschreibung der ersten Nächte von Parzival und Condwiramurs als Ehepaar überein. Die frisch Vermählten verhalten sich zurückhaltenden und vollziehen die Ehe erst in der dritten Nacht. Die religiösen und asketischen Bewegründe für die Enthaltsamkeit finden sich jedoch nicht Wolframs Werk. Der Autor gibt den Tobiasnächten, gesetzt den Fall ihm haben diese als Grundlage gedient, neue Motive. Welche Motive hinter dem enthaltsamen und zurückhaltendem Verhalten des Paares stehen, wird in der Literatur diskutiert. Die augenfälligste Begründung, wie sie Emmerling vertritt, ist die Naivität und die Unerfahrenheit des Paares, wenn es um die körperliche Liebe. Ein weiterer, teils kritisch betrachteter, Deutungsansatz von Schuhmacher ist die Betonung der seelisch-geistlichen Beziehung, die Vorrang vor der körperlichen Liebe hat. Das Verhalten wird hier nicht als naiv oder unerfahren gedeutet, sondern es zeugt von der keuschen und reinen Art des Paares. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Gleichnis des treuen, beständigen Minnediener schafft weiteren Raum für Interpretationen. Dass es sich bei diesem Ritter nicht um Parzival handelt, ist unzweifelhaft. Wozu Wolfram jedoch an genau dieser Stelle die Geschichte eines Minneritters erzählt, der nach jahrelangem Dienst zu seiner Geliebten zurückkehrt und sich dann gegen die körperliche Liebe entscheidet, ist umstritten. Das Bild des Ritter als Ideal eines Liebhabers, der rücksichtsvoll handelt und auf die Gefühle seiner Partnerin eingeht, steht dem des entfremdeten Minnepartners gegenüber. Die Frage, ob Wolfram eine ideale Minnebeziehung oder die Perversion des Konzeptes der Hohen Minne darstellt, bleibt offen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Emmerling 2003] Emmerling, Sonja: Geschlechterbeziehungen in den Gawan-Büchern des &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Wolframs Arbeit an einem literarischen Modell. Tübingen: Niemeyer 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schuhmacher 1967] Schuhmacher, Marlis: Die Auffassung der Ehe in den Dichtungen Wolframs von Eschenbach. Heidelberg: Winter 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wesle 1950] Wesle, Carl: Zu Wolframs Parzival. PBB. Heft 72, Band 1950, 1-38.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wettlaufer 1998] Wettlaufer, Jörg: Das Herrenrecht der ersten Nacht. Hochzeit, Herrschaft und Heiratszins im Mittelalter und in der frühen Neuzeit. Frankfurt am Main/New York: Campus Verlag 1998.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ehe]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Condwiramurs]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22347</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22347"/>
		<updated>2015-07-13T10:10:20Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minnedienst_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minnediensten]]. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]] und Kampf&amp;lt;ref&amp;gt;Nähres hierzu:[[Der_Tod_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Verbindung_von_Tod.2C_Kampf_und_Minnedienst|Verbindung von Tod, Kampf und Minnedienst]]&amp;lt;/ref&amp;gt; ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22340</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22340"/>
		<updated>2015-07-13T10:03:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] gemacht.&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &amp;quot;runde&amp;quot; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz näher gebracht&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den Lehren des Gurnemanz: [[Die_theoretische_und_praktische_Ausbildung_Parzivals_durch_Gurnemanz|Die theoretische und praktische Ausbildung Parzivals durch Gurnemanz]]&amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V.124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (V.755, 20f.; weiter V. 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem [[Minne_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Minne]]taten. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V.156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V.280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V.499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V.177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen(V.160,2 ff.). Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V.283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V.299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V.320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V.325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Minne und Kampf ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (V.473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V.249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V.804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V.465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22323</id>
		<title>Der ritterliche Kampf im Parzival - ein Vergleich der Artus- und Gralswelt</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Der_ritterliche_Kampf_im_Parzival_-_ein_Vergleich_der_Artus-_und_Gralswelt&amp;diff=22323"/>
		<updated>2015-07-13T09:41:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Maja: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Gegenstand dieses Artikels ist die Analyse der Bedeutung des ritterlichen Zweikampfes am Artushof und in der Gralsfamilie in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbachs]] Werk &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Im Folgenden werden beide Systeme anhand ausgewählter Textstellen verglichen&amp;lt;ref&amp;gt;Ein allgemeiner Vergleich wird im Artikel [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] behandelt&amp;lt;/ref&amp;gt; und ihre Stärken und Schwächen in Bezug auf den Kampf analysiert. Dabei wird untersucht, wie sich jeweils das Ideal zur realen Umsetzung verhält.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Artuswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bei der ersten Begegnung Parzivals mit dem Fürst Karnahkarnanz wird deutlich, dass ein Ritter der Artusrunde sich über den ritterlichen Zweikampf definiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 124,6 - 10: || &#039;&#039;‘nu sich, swer an mich strîtes gert,&#039;&#039;  || &amp;quot;Schau her: Wenn einer mich zum Kampf fordert,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des selben wer ich mich mit slegn:&#039;&#039;  || dann wehre ich mich mit Schlägen. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;für die sîne muoz ich an mich legn,&#039;&#039;  || Um mich vor den Schlägen des anderen zu bewahren, ziehe ich dieses Ding hier an,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und für den schuz und für  den stich&#039;&#039;  || und auch zum Schutz vor Schüssen und Stichen &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mouz ich alsus wâpen mich.’&#039;&#039;  || muß ich die Rüstung tragen.&amp;quot; &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ziel junger Ritter - und auch des jungen Parzivals - ist es aufgrund der eigenen ehrenvollen Taten von Artus in seinem Gefolge aufgenommen zu werden, da dies die höchste Anerkennung bedeutet. Die Tafelrunde selbst ist ein &#039;&#039;&amp;quot;fester Orientierungsmaßstab für ritterliche Ehre&amp;lt;ref&amp;gt;Warum &#039;&#039;êre&#039;&#039; so wichtig für die Feudalaristokratie ist, ergibt sich aus ihrem [[Narrenkleid_und_Rüstung:_Standesidentität_im_Parzival|Standesbewusstseins]]. Der Adel definiert sich selbst als Kriegerkaste und damit sind Fähigkeiten und Erfolg im Kampf entscheidend für Prestige und soziale Stellung im hierarchischen Gesellschaftsgefüge. &#039;&#039;êre&#039;&#039; ist dabei ein nach außen gerichtetes öffentliches Gut, definiert als Ruf, Ansehen oder guter Name. Hauchbrichs spricht im Zusammenhang von fehlender Ehre von dem Menschen als unbelegte Puppe, dem das Eigentlich des Menschseins fehlt. Damit ist Ehre identisch mit Leben, macht dieses sogar mit aus. Dabei arbeitet er heraus, dass das Herzstück von Ehre Tapferkeit ist, die sich nur im Kampf manifestieren kann.[Haubrichs 1996:35 f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  &amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 376]. Der Erwerb der Ehre kann sowohl durch die Aufnahme durch Artus geschehen, als auch durch den Sieg über einen Artusritter&amp;lt;ref&amp;gt;Orilus beispielsweise rühmt sich mit dem Sieg über acht Ritter der Tafelrunde (V.135,7-12)&amp;lt;/ref&amp;gt;. Es gehört zu den allgemein anerkannten Normen, sich die Ehre durch den Sieg im Zweikampf zu erwerben [Schu 2002: 376] [Brunner 2008: 42]. Bedeutend sind dabei die Taten, von deren Nachricht der Artushof auch erfährt&amp;lt;ref&amp;gt;&amp;quot;Der Artushof ist ein Art Katasteramt dieses Ruhmes - nur jene Tat zählt, die dort gemeldet wird (...).&amp;quot; [Brunner 2008: 42]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Bestenfalls wird die Nachricht des Sieges durch den Besiegten selbst überbracht [Brunner 2008: 42]. Auch Parzival schickt die besiegten Ritter zum Artushof und jeder einzelne von ihnen verhilft dem Protagonisten zu mehr Ruhm. Die Anerkennung durch die Gesellschaft ist in Fällen, in denen durch den Kampf unschuldige Frauen beschützt oder gerettet werden, zweifellos zu erwarten&amp;lt;ref&amp;gt;Beispiele für einen Kampf, welcher der Befreiung einer in Bedrängnis geratenen Dame dient, sind Gahmurets Einsatz für Belakane und Parzivals erfolgreicher Kampf den Clamide.&amp;lt;/ref&amp;gt;.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Tafelrunde folgt dem Prinzip der Gleichheit, wie auch schon der &#039;&#039;&amp;quot;runde&amp;quot;&#039;&#039; Tisch zum Ausdruck bringt. Anders ausgedrückt sind in der Theorie alle, auch der König, auf einer Ebene [Brunner 2008: 42]. Diese Vorstellung der Gleichheit ist eine sehr fortschrittliche Denkweise. Unterschieden wird nur aufgrund des bereits erwähnten Ruhmes durch Taten, sprich durch gewonnene Zweikämpfe&amp;lt;ref&amp;gt;vgl. [Pratelidis 1994: 148]: &#039;&#039;&amp;quot;Die ritterliche Bewährung ist ein Kernelement arturischen Denkens, nach dem sich das Ansehen der einzelnen Ritter bemißt.&amp;quot;&#039;&#039;&amp;lt;/ref&amp;gt;. Der Artusritter folgt dabei einer &#039;&#039;&amp;quot;kodifizierten Ethik&amp;quot;&#039;&#039; [Brunner 2008: 42]. Dem Protagonisten Parzival werden diese Handlungsregeln im Kampf vom greisen Gurnemanz von Graharz  näher gebracht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 171, 25-30: || &#039;&#039;lât derberem bî der vrävel sîn.&#039;&#039;  || Laßt bei aller wilden Kühnheit auch das Mitleid zu.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sus tuot mir râtes volge schîn.&#039;&#039;  || Zeigt, daß Ihr meinem Rat gehorsam seid:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;an wem ir strîtes sicherheit&#039;&#039;  || Wenn einer Euch im Kampf, um Schonen zu erkaufen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;bezalt, ern hab iu sölhiu leit&#039;&#039;  || sein Ehrenwort anbietet,   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;getân diu herzen kumber wesn,&#039;&#039;  || so nehmt es an und laßt ihn leben,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die nemt, und lâzet in genesn.&#039;&#039;  || er hätte Euch denn solche Leiden angetan, die das Herz ganz tief verwunden. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gehört  zu dem &amp;quot;Ehrenkodex&amp;quot; eines Ritters, den Besiegen nicht zu töten, sondern in Gewahrsam zu nehmen, da Leid so vermieden werden soll. Zudem besteht stets die Gefahr, dass der Sieger in einem [[Kämpfe mit Verwandten im Parzival - Zerstörung dynastischer Identität ?|verwandtschaftlichen Verhältnis]] zum Besiegten steht. Parzival hatte zuvor seinen Verwandten Ither von Gaheviez auf einer Weise getötet, die nicht einem Artusritter gebührt&amp;lt;ref&amp;gt;Parzival besiegt Ither nicht in einem regulären ritterlichen Kampf mit Schild und Speer, sondern mit einem Wurfspieß (V.159,9ff)&amp;lt;/ref&amp;gt; (V.155, 4ff). Dieses Verhalten ist durch die fehlenden höfischen und ritterlichen Erziehung der Mutter Herzeloyde verschuldet&amp;lt;ref&amp;gt;Ausführlicher hierzu: [[Parzivals_Erziehung_durch_Herzeloyde_und_ihre_Folgen_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen]]&amp;lt;/ref&amp;gt;. Die totale Unwissenheit über die Ritterwelt bedingt auch seine [[Parzivals_tumpheit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|&#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;]]. In seinem weiteren Werdegang hält sich Parzival an den Ehrenkodex, welchen ihn Gurnemanz lehrt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Positiv zu beurteilen ist, dass der Hof den &amp;quot;Wert&amp;quot; eines Menschen, ungeachtet der äußeren Umstände, richtig einschätzen kann. Obwohl Parzivals &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039;die erste Begegnung mit Rittern im Wald von Soltane dominiert, sieht Karnahkarnanz dessen außergewöhnliche Schönheit als Indiz für seine ritterliche Abstammung. Der Fürst zeigt in seinen Worten, die er zum Abschied an Parzival richtet, die Erkenntnis, dass an diesem Knaben etwas besonders ist (V. 124, 17ff). Ebenso erkennt der Hof Parzivals ritterliche Art trotz seinem ersten Auftritt in Narrengewändern. &lt;br /&gt;
Da die Tafelrunde wie gezeigt, dem Prinzip der Gleichheit und einer Trennung von Außen und Innen entspricht, ist es auch möglich, den heidnischen Freireiz als gewaltigen, ruhmvollen Ritter darzustellen:&#039;&#039;swaz ie mit swerten wære geschehn, / &#039;daz ist gein diesem stritte ein niht.&#039;&#039;&#039; (755, 20 f.; weiter 756, 10) Es zeigt sich, dass seine ritterliche Ausbildung vollkommen ist, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Verhalten im Kampf mit seinem Bruder und seinem Minnetaten. (734, 29; 735, 2; 736, 25; 736, 7) Damit offenbart sich, dass das Prinzip der Tafelrunde eines der [[die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival|Inklusion]] ist, das prinzipiell alle Schranken zu sprengen vermag, sei es vermeintliche Standesschranken, wie bei Parzival oder Religiöse, wie bei seinem orientalischen Halbbruder.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===  Schwächen in der realen Umsetzung&amp;lt;ref&amp;gt; Weite Indizien für einen defizitären Zustand des Artushofes und Erklärungsversuche für diese Konditionen bietet der Artikel [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival| Paradoxon der Gewalt im Parzival]]bei den Unterpunkten &amp;quot;Das dynastische Defizit am Artushof&amp;quot; und &amp;quot;Die Normhorizonte und ihre Korrumpierung.&amp;lt;/ref&amp;gt; ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist für einen Ritter auch möglich in moralisch fragwürdigen Kämpfen Ehre zu erlangen [Schu 2002: 377]. Parzival handelt zwar gegen die Moralvorstellungen des Artushofes, indem er Ither tötet, trotzdem lobt der Knappe Iwanet&amp;lt;ref&amp;gt;Iwanets Verständnis des Kampfes, dessen einziges Ziel das Lob der Frauen ist, zeugt von kindlicher Naivität und versinnbildlich die unausgereifte Stufe des arturischen Rittertums [Pratelidis 1994: 148f]&amp;lt;/ref&amp;gt; den Sieger, welcher mit dieser Tat die Ehre Ithers erworben habe (V. 156, 12ff). Auch von der Artusgemeinschaft selbst wird die Tat anerkannt, da es unter anderem ein Grund dafür ist, dass er in die Tafelrunde aufgenommen wird (V. 280, 10ff). Kritisch wird die Handlung in dem Moment betrachtet, in welchem Trevrizient Parzivals Tötungshandlung als einer seiner &#039;&#039;zwuo grôze stünde&#039;&#039; (V. 499, 20) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch wenn der Tod im Kampf vermieden werden soll, so ist das Leid durch Ritter, die im Kampf gestorben sind, im ganzen Werk omnipräsent, insbesondere durch die Trauer der Frauen. Es verdeutlicht die grundsätzliche Gefahr, die von einem [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leben als Ritter ausgeht]] [Schu 2002: 377]. Auch Gurnemanz musste diese leidvolle Erfahrung machen, da er seine drei Kinder im Kampf gestorben sind (V. 177, 23ff). Er hat ein desillusioniertes Bild des Rittertums:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 177, 25-26: || &#039;&#039;sus lônt jedoch diu ritterschaft:&#039;&#039;  || So aber lohnt die Ritterschaft gewöhnlich ihren Mann:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ir zagel ist jâmerstrick haft.&#039;&#039;  || An ihrem Schwanz hat sie für ihn des Jammers Schlinge angebunden.  &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Der Kampf als universelle Konfliktlösung? ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Die Artusgemeinschaft wird in dem Moment Teil dieser Problematik, wenn sie nicht nur keine Sanktionen erlassen, sondern auch noch eine Tat anerkennen, wie im Falle Parzivals, die nicht der Normvorstellung entspricht.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei diesem Vorfall ist allerdings zu beachten, dass Artus laut Delabar keine andere Möglichkeit bleibt, auf Ithers &amp;quot;Putschversuch&amp;quot; zu reagieren. Da Ither zu seiner eignen Sippe gehört, ist es ihm nicht erlaubt, einen Kämpfer zu schicken um diese Streitigkeit beizulegen, denn das würde gegen das sippeninterne Tötungsverbot verstoßen. Parzival, ein vermeintlicher Externer, ist demnach das einzige Mittel um seinen drohenden Ehrverlust, durch die Gefährdung Ithers zu verhindern.[Delabar 1990: 100 f.] Infolgedessen muss die Tafelrunde Parzivals Taten anerkennen. Es findet eine Hierarchisierung von Machtsicherung und Tötungsverbot statt, die zwangsläufig zugunsten des Erhalts von Artus Königswürde ablaufen muss. Trotz seiner Zwangsläufigkeit ist dieses Vorgehen im Roman negativ konnotiert, wie Ginovers Klagen darüber verdeutlichen.(160,2 ff.) Dies beweist, dass der ritterliche Zweikampf und damit die Idee des Rittertums in Konfliktsituationen, beispielsweise innerhalb einer Sippe, an seine Grenzen stößt.&amp;lt;/ref&amp;gt; Ein weiteres Beispiel für die problematische Kontrolle der Gewalt und Inkonsequenz am Artushof ist das Aufeinandertreffen von Parzival mit den Artusrittern, als diese auf der Suche nach dem roten Ritter sind. Artus hatte den Rittern zuvor das Versprechen abgenommen, dass sie erst mit seiner Zustimmung einen Zweikampf beginnen sollten. Diese Regel soll ein Ausarten von Kampf und Gewalt verhindern. Doch schon bei der ersten Gelegenheit handelt Artus inkonsequent, als einer der Ritter von ihm die Erlaubnis fordert gegen den noch unerkannten Parzival kämpfen zu dürfen (V. 283, 27ff). Ziel des Kampfes ist nicht die Verteidigung des Lagers, sondern das von Eigennutz geprägte Streben nach &#039;&#039;prîs&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 150]. Artus reagiert zunächst abweisend und erklärt Segramors, er solle sein Temperament zügeln und verweist auf die noch bevorstehenden zahlreichen Kämpfe (V. 286, 2ff). Dennoch stimmt er letztendlich dem Zweikampf zu und lässt ihn seiner Kampfesgier nachgehen. Nach dem Scheitern Segramors stellt sich auch Artus` Seneschall Keie dem vermeintlichen Aggressor gegenüber. Er befürchtet, dass der Sieg des unbekannten Ritters den Ruf und das Ansehen des Artushofes schädigen könnte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 290,16 - 18: || &#039;&#039;‘tavelrunder hât unêre,&#039;&#039;  || Die Tafelrunde ist geschändet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ob manz im niht bezîte wert.&#039;&#039;  || wenn da nicht jemand einschreitet. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ûf unsern prîs sîn ellen zert. &#039;&#039;  || Von unserer Ehre mästet sich sein Heldentum.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dem erneuten Scheitern eines Ritters der Tafelrunde, schafft erst Gawan durch den Verzicht auf den ritterlichen Zweikampf Parzival aus seiner Minneversunkenheit zu befreien (V. 299, 27ff). Gawans besonnene Art steht im Kontrast zur destruktiven Aventiuresucht der zwei Artusritter. &#039;&#039;&amp;quot;Der ritterliche Zweikampf, das macht Wolframs Konzeption der [[Die_Blutstropfenszene_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Blutstropfenszene]] deutlich, ist nicht das geeignete Mittel, die vermeintliche Herausforderungssituation einer Lösung zuzuführen. Der Idee des Rittertums werden hier deutlich Grenzen gesetzt&amp;quot;&#039;&#039; [Pratelidis 1994: 151]. Wie schon in der ersten Szene am Artushof fällt auch hier ein kritisches Licht auf die Ritter der Tafelrunde [Schu 2002: 379].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Die Ehre als Maß aller Dinge ====&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival wird ehrenvoll in die Tafelrunde aufgenommen, doch schon kurz darauf wird sein neuer Platz in Frage gestellt. Die Gralsbotin [[Das_Bild_der_Frau_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Cundrie|Cundrie]] verflucht Parzival und betrachtet seine Angehörigkeit zur Tafelrunde als Entehrung dieser. Auch wenn Parzival nicht vom Hof ausgeschlossen wird, so bricht er auf um seine Ehre wiederzuerlangen. Diese Abgang zeigt den hohen Stellenwert der Ehre für einen Ritter. Auch Gawan ergeht es nicht besser, da Kingrimursel ihn beschuldigt seinen Herrn heimtückisch erschlagen zu haben und aus diesem Grund ihn zum Zweikampf herausfordert (V. 320, 15ff). Gawan ist nicht wie die anderen Ritter getrieben von Kampfeslust, wie bereits in seiner Begegnung mit Parzival deutlich wurde. Nichtsdestotrotz muss er ich der Herausforderung stellen um, wie auch schon Parzval zuvor, seine Ehre wiederzuerlangen (V. 325, 5ff).  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Thematik der Ehre, die im Kampf erlangt und bestätigt werden muss, unabhängig vom Willen zu kämpfen, wird auf Gawans Weg nach Schanpfanzun&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres hierzu: [[Gawans_Abenteuer_auf_dem_Weg_zum_Gerichtskampf_gegen_Kingrimursel_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Gawans Abenteuer auf dem Weg zum Gerichtskampf gegen Kingrimursel (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; aufgegriffen [Schu 2002: 381]. Er gerät in einen Gewissenskonflikt, als er auf einen militärischen Aufmarsch trifft:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 350, 1-7: || &#039;&#039; Er dâhte ‘sol ich strîten sehn,&#039;&#039;  || Er überlegte nämlich: &amp;quot;Wenn ich den anderen beim Kämpfen zusehe &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und sol des niht von mir geschehn,&#039;&#039;  || und ich selber muß mich da heraushalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sost al mîn prîs verloschen gar.&#039;&#039;  || so ist all mein Ruhm erloschen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;kum ab ich durch strîten dar&#039;&#039;  || Wenn ich aber zum Kämpfen dorthin gehe   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;und wirde ich dâ geletzet,&#039;&#039;  || und werde dann aufgehalten,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mit wârheit ist entsetzet&#039;&#039;  || so ist ohne jeden Zweifel&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;al mîn werltlîcher prîs.&#039;&#039;  || mein Ruhm bei den Menschen niedergeworfen. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gawan schafft es letztendlich beiden Verpflichtungen nachzugehen und sowohl durch den Kampf vor der Stadt Bearosche &#039;&#039;êre&#039;&#039; und &#039;&#039;prîs&#039;&#039; zu erlangen, als auch sich seinem Zweikampf in Schanpfanzun zu stellen. Es ist bemerkenswert, dass auch Parzival unerkannt im gegnerischen Lager Ehre und Ruhm durch siegreiche Kämpfe erwirbt. Folglich spielt es keine Rolle auf welcher Seite man Kämpf, es zählt nur der Sieg. Beide handeln nach dem Ehrenkodex, da sie ihre Gegner gefangen nehmen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Minne und Kampf ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf vor Bearosche ist aber auch ein Beispiel für die negative Seite des Kampfes. Gawan erfährt im Kampf durch die umgekehrten Schilder der Berteneisen vom Tode Ilinot (V. 383, 1ff). Auch Artus Sohn musste im Kampf sterben. Diese Szene erinnert an Gahmurets Kampf in Kanvoleis, wo er auch durch umgedrehte Schilder von dem Tod seines Bruders erfährt (V. 80, 6ff). Sowohl Ilinot als auch Galeos starben im Minnekampf. &#039;&#039;&amp;quot;Die intratextuelle Referenz dient hier dazu, an das Thema der in Minnekämpfen Getöteten zu erinnern, die aporetische Verknüpfung von Minne und Kampf wird so als Problemhorizont memoriert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 382]. Da jedoch der Kampf im Falle einer Belagerung der letzte Lösungsweg - die ultima ratio - ist, kann der Gawans Kampfeinsatz als notwendiges Mittel gesehen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Bedeutung des Kampfes in der Gralswelt ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Funktionsweise ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gralsgemeinschaft funktioniert nach anderen Regeln als das höfische Artusrittertum. Es ist ein Art christlicher Ritterorden, der im Dienste des Grals in völliger Abgeschiedenheit in seinem Bereich Terre de Salvaesche lebt [Brunner 2008: 46]. Die Ritter der Gralsgemeinschaft sind defensive Kämpfer, da ein Kampf nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist [Schu 2002: 387]. Falls es zum Kampf kommt, wird dieser auf eine sehr aggressive Weise geführt und endet für einen meist tödlich [Pratelidis 1994: 157]. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 492, 8-10: || &#039;&#039;si nement niemens sicherheit,&#039;&#039;  || Die geben niemals Pardon,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;si wâgnt ir lebn gein jenes lebn:&#039;&#039;  || sie setzen ihr Leben gegen das des anderen auf die Waage:  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ist für sünde in dâ gegebn.&#039;&#039;  || Das ist ihnen aufgegeben für Sünde. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Kampf auf Leben und Tod steht im Kontrast zum arturischen Ehrenkodex, der eine Gefangennahme vorsieht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Stärken/Ideal ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl der Kampf nur den Zweck der Verteidigung hat, ist er ein fester Bestandteil der Gralsritterschaft [Pratelidis 1994: 157]. Er dient allerdings nicht primär dem eigenen Ruhm oder der Ehre, sondern nur der Gemeinschaft. Aufgabe der Ritter ist es das Gralsgeheimnis zu schützen (473, 5ff). Die christlich-religiöse Prägung des Gralsrittertums könnte eine Erklärung für diese Haltung zum Kampf sein. Diese Vorstellung einer defensiven Streitmacht ist eine moderne Sichtweise, die wir auch heute noch in unserer Gesellschaft verankert haben.  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Schwächen in der realen Umsetzung ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl ein Kampf in der Gralsgesellschaft nur durch die Verteidigung des eigenen Territoriums legitimiert ist, werden trotzdem immer wieder Kämpfe aus anderen Beweggründen geführt. Auch die Gralsritter stellen sich dem Kampf, um die Liebe einer Dame für sich zu gewinnen. Die Bewährung in Minnekämpfen ist nicht nur in der Artusgesellschaft eine weit verbreitete Praxis. Auch die weiblichen Mitglieder der Gralsgemeinschaft wählen, insofern es möglich ist, unter den Männern den &amp;quot;besten Ritter&amp;quot; als Ehemann aus und wenden damit die gleichen Kriterien an wie auch die Frauen am Artushof. Ein Zweikampf ist die gängigste Form der Dame zu zeigen, dass sie einem geehrte Ritter ihre Minne schenkt [Schu 2002: 386]. &#039;&#039;&amp;quot;Hier zeigt sich einmal mehr, daß sich in der Hochschätzung erfolgreichen Kampfesmuts Artus- und Gralswelt nicht prinzipiell unterscheiden&amp;quot;&#039;&#039;  [Schu 2002: 386].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch Minnekämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Leid und die Trauer, welches aus dieser Art des Liebesbeweises erwächst, finden sich somit auch der Gralsgemeinschaft wieder. Eine zentrale Figur, die das Leider der Frauen verkörpert, ist Parzivals Cousine [[Sigune_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Sigune]]. Ihr Geliebter Schianatulanders starb bei einem Zweikampf gegen Orilus. Sigune fühlt sich mitverantwortlich für seinen Tod, da sie seine Bewährung im Minnekampf forderte:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 141, 17-24: || &#039;&#039;in unser zweier dienste den tôt&#039;&#039;  || in deinem und meinem Dienst hat er den Tod &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;hât er bejagt, und jâmmers nôt&#039;&#039;  || für sich erjagt, und für mich aber hoffnungslose&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir nâch sîner minne.&#039;&#039;  || Sehnsucht nach seiner Liebe.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hete kranke sinne,&#039;&#039;  || Schwachsinnig war ich,  &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz ich im niht minne gap:&#039;&#039;  || daß ich ihm nicht Liebe geben wollte!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;des hât der sorgen urhap&#039;&#039;  || So hat denn der erste Grund allen Leids&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mir Freude versehrôten:&#039;&#039;  || auch mein Glück zerhauen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;nu minne i`n alsô tôten.&#039;&#039;  || Jetzt bin ich die Geliebte dieses Toten.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
   &lt;br /&gt;
Parzival kreuzt ihren Weg vier mal im Laufe des Handlung und in jede ihrer Begegnungen ist ihre Tiefe und verzweifelte Trauer allgegenwärtig. Bei ihrem ersten Treffen hält die klagende Sigune ihren toten Geliebten im Arm (V.138, 9ff), den sie auch Jahre später einbalsamiert auf einer Linde betrauert (V. 249, 11ff). Die Trauer hat sie auch Jahre später nicht überwunden, als Parzival ihr in einer Klausel begegnet, in welcher sie Schionatulander in einem Sarg bestattet hat (V. 435, 2ff). Bei ihrer letzten Begegnung findet Parzival seine Cousine tot vor dem Sarg. &#039;&#039;„Sigune ist ihrem Geliebten nachgestorben“&#039;&#039; [Bumke 2004: 120]. Sie wird in den Sarg Schionatulanders gebettet und beigesetzt (V. 804, 4ff). Sigune zeigt durch die selbst gewählte Isolation ein leben lang Reue für ihr Verhalten und wird zu einer zentralen Leidens-Figur im Text [Schu 2002: 385]. Sie ist aber mit ihrem Leid, welches seinen Ursprung im Minnekampf hat, kein Einzelfall, sondern steht repräsentativ für die trauernden Frauen in der höfischen Gesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch [[Anfortas_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Anfortas]], der Gralskönig, selbst bringt [[Das Paradoxon der Gewalt im Parzival|Leid in die Gralsgemeinschaft]], indem ihm ein Heide im Minnekampf eine nicht heilende Wunde zufügte. Dieses tat er noch als einfacher Gralsritter für seine Geliebte [[Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Orgeluse]]. Damit verstößt Anfortas sowohl gegen das Keuschheitsgebot, welches den Rittern weltliche Liebe untersagt, als auch gegen die Regel, die einen Kampf nur im Verteidigungsfall legitimiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==== Leid durch aggressive Verteidigungskämpfe ====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die äußerst aggressive Weise der Verteidigung, der Kampf auf Leben und Tod, ist auch eine Quelle für Schmerz und Leid. Es ist jedoch nicht ersichtlich, weshalb die Tötung des Gegners eingefordert wird, wenn es um die Verteidigung des Gralsterritoriums geht. Allein die Tatsache, dass die Burg nicht mit Absicht gefunden werden kann, wie auch Parzival durch seine lange Suche zeigt, wirft ein kritisches Bild auf Gralsgesellschaft. Es wird deutlich, dass die Gralswelt kein &amp;quot;utopisch anmutender Friedensbezirk&amp;quot; [Pratelidis 1994: 122] ist. Dieses Verhalten steht im Gegensatz zum Ehrenkodex der Artusritter, die die Tötung des Gegners versuchen zu vermeiden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Bei ihrer zweiten Begegnung von Parzival und seiner Cousine berichtet Sigune ihm, dass schon viele Männer den Tod im Bereich Terre de Salvaesche gefunden haben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 {| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;&#039;Mittelhochdeutsches Orginal&#039;&#039;&#039;  || &#039;&#039;&#039;Übersetzung&#039;&#039;&#039;   &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| V. 250, 3-10: || &#039;&#039;si sprach &#039;ez [ist] widerzæme&#039;  || sie sagte: &amp;quot;Es ist ganz ungewöhnlich,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz iemen an sich næme&#039;&#039;  || daß jemand eine Reise &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;sîne reise in dise waste.&#039;&#039;  || in dieses wüste Land unternommen haben sollte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;unkundem gaste&#039;&#039;  || Dem Fremden, der sich nicht auskennt, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;mac hie wol grôzer schade geschehn.&#039;&#039;  || kann hier leicht böses Unglück zustoßen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;ich hânz gehôrt und gesehn&#039;&#039;  || Ich habe gehört und gesehen,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;daz hie vil liute ir lîp verlurn,&#039;&#039;  || daß viele Leute hier den Leib verloren &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|        || &#039;&#039;die werlîche`n tôt erkurn.&#039;&#039;  || und den Tod gefunden haben mit Waffen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ein Anreiz für die Ritter, den Kampf auf Leben und Tod zu führen, ist die Option, im Falle des eigenen Todes das Himmelreich zu erwerben [Schu 2002: 388]. Dieses steht jedoch im Kontrast zu dem Leid und Schmerz, welche durch den Tod ausgelöst werden, und der Gefahr einen Verwandten zu töten. Dass Ethos und die Regelung im Widerspruch zueinander stehen, wird durch die These der Verwandtschaft aller Menschen&amp;lt;ref&amp;gt;Näheres zu den verschiedenen Verwandschaftssystemen und der These von der Verwandtschaft aller: [[Verwandtschaftssysteme_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Verwandtschaftssysteme im Parzival (Wolfram von Eschenbach)]] &amp;lt;/ref&amp;gt; durch Trevrizent aufgezeigt (V. 465, 1ff). Unter der Annahme dieses Verwandtschaftssystems stellt sich folglich die Frage, inwiefern die Tötung eines Eindringlings gefordert werden kann, der prinzipiell ein Verwandter ist. Gerade der Kontrast zum Schonungsgebot der Artusritter fordert ein kritisches Hinterfragen dieser Vorgehensweise. &#039;&#039;&amp;quot;Die postuliere Idealität des Gralsreiches wird durch diesen &#039;Mangel an Menschlichkeit&#039; nicht unwesentlich relativiert&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 389].&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Artus- und die Gralswelt hinsichtlich des ritterlichen Kampfes, so zeigen beide Modelle Stärken und Schwächen. Während die Intention zum Kampf in der Gralsgemeinschaft im Idealfall nur die Verteidigung ist, so fordert die Ritterkonzeption am Artushof keinen Kampf zu scheuen. Die Artusgesellschaft hat wiederum einen gesellschaftlich verträglicheren Umgang mit den Besiegten, da diese laut ihrem Ehrenkodex verschont werden sollen. Deutlich radikaler ist die Gralsgemeinschaft, die um Leben und Tod kämpfen und keine Gefangenen dulden. Im Hinblick auf dem Ehrerwerb durch einen Kampf unterscheiden sich die Modelle nicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dass das Ideal nicht unbedingt der Wirklichkeit entspricht, zeigt sich sowohl in der Artus- als auch der Gralswelt. Am Artushof kann auch durch fragwürdige Kämpfe Ruhm und Ehre erlangt werden, was auch zu grundlosen Auseinandersetzungen führt. Es besteht die Gefahr, dass die Gewalt ausartet. Leid und Schmerz durch den Tod im Zweikampf kann auch das Schonungsgebot nicht gänzlich verhindern. Auch in der Gralsfamilie entsteht immer wieder Leid durch Kämpfe, insbesondere wenn es um die Minne einer Frau geht. Aber auch die Radikalität, mit der die Gralsritter kämpfen, hat schon viele das Leben gekostet. Das Modell der Ritterschaft und der Tod sind untrennbar miteinander verbunden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Analyse beider Modelle zeigt, dass die Stärken der einen die Schwächen der anderen enthüllen und somit kein System dem anderen überlegen ist. &#039;&#039;&amp;quot;Die Verdopplung der gesellschaftlichen Bezugsräume dient also (...) der Relativierung und Entidealisierung: eine positive Utopie zeichnet sich nicht ab, dafür aber in Ansätzen ein positives zur Konfliktvermeidung, durch Beschränkung ritterlicher Kämpfe auf den Verteidigungsfall (...) zum einen, durch die Umsetzung des Schonungsgebots zum anderen&amp;quot;&#039;&#039; [Schu 2002: 390]. &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
== Literaturverzeichnis ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Primärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Sekundärliteratur ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Achte Auflage. Stuttgart/Weimar: 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Brunner 2008] Brunner, Horst: Annäherungen. Studien zur deutschen Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit. Berlin: Schmidt 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Delabar 1990] Delabar, Walter: Erkantiu Sippe unt hoch Gesellschaft. Studien zur Funktion des Verwandtschaftsverbandes in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: Ulrich Müller &amp;amp; Franz Hundsnurscher &amp;amp; Cornelius Sommer (Hrsgg.), Göppinger Arbeiten zur Germanistik, Nr, 518, Göppingen 1990. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Haubrichs 1996] Haubrichs, Wolfgang: Ehre und Konflikt. Zur untersubjektiven Konstitution der adeligen Persönlichkeit im frühen Mittelalter, in: Kurt Gärtner u.a. (Hrsgg.): Spannungen und Konflikte menschlichen Zusammenlebens in der deutschen Literatur des Mittelalters : Bristoler Colloquium 1993. Tübingen 1996, S. 35-58.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pratelidis 1994] Pratelidis, Konstantin: Tafelrunde und Gral. Die Artuswelt und ihr Verhältnis zur Gralswelt im Parzival &amp;quot;Wolframs von Eschenbach&amp;quot;. Würzburg: Königshausen und Neumann 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schu 2002] Schu, Cornelia: Vom erzählten Abenteuer zum Abenteuer des Erzählens. Überlegungen zur Romanhaftigkeit von Wolframs Parzival. Frankfurt am Main: Lang 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fußnoten ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gewalt]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Kampf]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Maja</name></author>
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