<?xml version="1.0"?>
<feed xmlns="http://www.w3.org/2005/Atom" xml:lang="de">
	<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Myhla</id>
	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
	<link rel="self" type="application/atom+xml" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/api.php?action=feedcontributions&amp;feedformat=atom&amp;user=Myhla"/>
	<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php/Spezial:Beitr%C3%A4ge/Myhla"/>
	<updated>2026-04-08T13:28:52Z</updated>
	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
	<generator>MediaWiki 1.43.8</generator>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23596</id>
		<title>Memoria im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23596"/>
		<updated>2015-07-15T00:59:19Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt; Hinweis: Dieser Artikel wird im Rahmen eines Hauptseminars angefertigt und befindet sich in der Erarbeitungsphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel soll die Bedeutung der Memoria in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden. Hierfür soll zu Beginn eine Definition als Grundlage dienen und anschließend verschiedene Textstellen herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Memorialwesen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Definition ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Memoria kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gedächtnis“. Es steht als Kürzung für das Memorialwesen, welches  ein rituelles Totengedenken bezeichnet. Dieses rituelle Totengedenken ist in unterschiedlichster Art und Weise ausgeprägt. Vor allem handelt es sich hierbei um den christlichen Umgang mit dem Tod. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Todesszenen im Bezug zur Memoria ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist ein Ritter, den es immer wieder auf Ritterfahrt zieht. Die Sehnsucht nach Abenteuer und Rittertum resultieren sogar in ein Abkommen, das er mit seiner zweiten Frau Herzeloyde vor ihrer gemeinsamen Hochzeit trifft: Er möchte weiter die Freiheit besitzen, &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; und Rittertum auszuleben, wenn die beiden verheiratet sind. &lt;br /&gt;
Eines Tages verlässt er sie, um erneut an barûcs Seite im Orient zu kämpfen. Jedoch wird er in diesem Kampf auf Grund einer List durch Ipomidôn getötet. „Sînen helm versneit des spers ort durch sîn houbet wart gebort“. (106,15-16)&amp;lt;ref&amp;gt;alle angegebenen Versangaben beziehen sich auf folgende Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. 2. Auflage. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Er bleibt zunächst noch im Sattel und reitet auf ein Feld, wo er bei seinem Kaplan die Beichte ablegen kann. Dies stellt ein wichtiges Übergangsritual bei den Christen dar, denn nur so können sie das Leben von ihren Sünden befreit verlassen. Es ist somit die letzte Tat, die der Sterbende vor seinem Tod noch selbst vollbringen kann. So dass „er starp ân alle missetât“. (106,26) &lt;br /&gt;
Auch das Begräbnis ist von großer Bedeutung. „Prunkvoll wird sein Leichnam im Orient bestattet, in Bagdad, im Zentrum der islamischen Welt (106,29 – 108,28). Der bâruc scheut keine Kosten, man balsamiert den Toten ein, reich wird das Grab verziert [...]“.[Kellner 2009:32] Dem Toten wird also die letzte Ehre gegeben, Geld spielt hierfür keine Rolle.&lt;br /&gt;
Dies ist von besonderem Wert, da Gahmuret in der Fremde, im Orient stirbt. &lt;br /&gt;
Wolfram verwendet diesen, um die [[Fremdheit und Identität im Parzival|Identität des Eigenen, Vertrauten]] zu konstruieren und zu stärken. Dass er Parzivals Vater im Orient sterben lässt, wirkt wie eine Reminiszenz an seine Vergangenheit dort, die zu einer Vermischung der beiden Kulturen (und repräsentativ dafür auch zu seinem ersten Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]) führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er wart geleit ze Baldac. || Er wurde in Baldac zu Grabe gelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu kost den bâruc ringe wac. || Die Kosten achtete der Bâruc wenig.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(106, 29-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit golde wart gehêret, || Mit Gold wurde sie geadelt  und große&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz rîcheit dran gekêret || Herrlichkeit mit edlen Steinen an die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit edelem gesteine, || Gruft gewendet, in der er liegt, der Reine.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ inne lît der reine. || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,1-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barûc scheut keine Kosten für das Begräbnis und versetzt dieses sogar mit wertvollen Steinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein tiwer rubîn ist der stein || Ein seltener Rubin ist die steinere Platteüber seinem Grab:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob sîme grabe, dâ durch er schein. || Durch die hindurch schimmerte er.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,7-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls wird ein Kreuz angebracht, welches &amp;quot;unverstanden von den Heiden, wie es im Text heißt, auf dem Grab eines Christen errichtet [wird], der im Orient im Dienst des mächtigsten heidnischen Herrschers fiel. Zudem beten die Heiden Gahmuret als Gott an, der Christ wird offensichtlich dem heidnischen Götterhimmel zugerechnet, den man dem monotheistischen Islam im Mittelalter unterstellt.&amp;quot;[Kellner 2009:32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Wâleisen klagen und weinen um ihn. Seine schwangere Frau, Herzeloyde, fällt vor Schmerz und Trauer in Ohnmacht, als man ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbringt. Aufgrund ihrer Trauer zieht sie fernab des Hofes in einen abgelegenen Wald nach Soltane. Die Angst ihren Sohn ebenfalls durch den Tod zu verlieren, leitet sie zu ihrer isolierten Erziehung. In ihrem Handeln vollzieht sie eine Form der Memoria gegenüber Gahmuret: &amp;quot;da sie aber in ihrer Leibesfrucht auch den toten Gatten sieht, gilt alles, was sie dem Kinde erweist, auch Gahmuret.&amp;quot;[Roßkopf 1972: 132]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009] Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen. 2009, S. 23-50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Memoria]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23595</id>
		<title>Memoria im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23595"/>
		<updated>2015-07-15T00:58:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt; Hinweis: Dieser Artikel wird im Rahmen eines Hauptseminars angefertigt und befindet sich in der Erarbeitungsphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel soll die Bedeutung der Memoria in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden. Hierfür soll zu Beginn eine Definition als Grundlage dienen und anschließend verschiedene Textstellen herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Memorialwesen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Definition ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Memoria kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gedächtnis“. Es steht als Kürzung für das Memorialwesen, welches  ein rituelles Totengedenken bezeichnet. Dieses rituelle Totengedenken ist in unterschiedlichster Art und Weise ausgeprägt. Vor allem handelt es sich hierbei um den christlichen Umgang mit dem Tod. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Todesszenen im Bezug zur Memoria ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist ein Ritter, den es immer wieder auf Ritterfahrt zieht. Die Sehnsucht nach Abenteuer und Rittertum resultieren sogar in ein Abkommen, das er mit seiner zweiten Frau Herzeloyde vor ihrer gemeinsamen Hochzeit trifft: Er möchte weiter die Freiheit besitzen, &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; und Rittertum auszuleben, wenn die beiden verheiratet sind. &lt;br /&gt;
Eines Tages verlässt er sie, um erneut an barûcs Seite im Orient zu kämpfen. Jedoch wird er in diesem Kampf auf Grund einer List durch Ipomidôn getötet. „Sînen helm versneit des spers ort durch sîn houbet wart gebort“. (106,15-16)&amp;lt;ref&amp;gt;alle angegebenen Versangaben beziehen sich auf folgende Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. 2. Auflage. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Er bleibt zunächst noch im Sattel und reitet auf ein Feld, wo er bei seinem Kaplan die Beichte ablegen kann. Dies stellt ein wichtiges Übergangsritual bei den Christen dar, denn nur so können sie das Leben von ihren Sünden befreit verlassen. Es ist somit die letzte Tat, die der Sterbende vor seinem Tod noch selbst vollbringen kann. So dass „er starp ân alle missetât“. (106,26) &lt;br /&gt;
Auch das Begräbnis ist von großer Bedeutung. „Prunkvoll wird sein Leichnam im Orient bestattet, in Bagdad, im Zentrum der islamischen Welt (106,29 – 108,28). Der bâruc scheut keine Kosten, man balsamiert den Toten ein, reich wird das Grab verziert [...]“.[Kellner 2009:32] Dem Toten wird also die letzte Ehre gegeben, Geld spielt hierfür keine Rolle.&lt;br /&gt;
Dies ist von besonderem Wert, da Gahmuret in der Fremde, im Orient stirbt. &lt;br /&gt;
Wolfram verwendet diesen, um die [[Fremdheit und Identität im Parzival|Identität des Eigenen, Vertrauten]] zu konstruieren und zu stärken. Dass er Parzivals Vater im Orient sterben lässt, wirkt wie eine Reminiszenz an seine Vergangenheit dort, die zu einer Vermischung der beiden Kulturen (und repräsentativ dafür auch zu seinem ersten Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]) führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er wart geleit ze Baldac. || Er wurde in Baldac zu Grabe gelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu kost den bâruc ringe wac. || Die Kosten achtete der Bâruc wenig.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(106, 29-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit golde wart gehêret, || Mit Gold wurde sie geadelt  und große&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz rîcheit dran gekêret || Herrlichkeit mit edlen Steinen an die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit edelem gesteine, || Gruft gewendet, in der er liegt, der Reine.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ inne lît der reine. || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,1-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barûc scheut keine Kosten für das Begräbnis und versetzt dieses sogar mit wertvollen Steinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein tiwer rubîn ist der stein || Ein seltener Rubin ist die steinere Platteüber seinem Grab:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob sîme grabe, dâ durch er schein. || Durch die hindurch schimmerte er.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,7-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls wird ein Kreuz angebracht, welches &amp;quot;unverstanden von den Heiden, wie es im Text heißt, auf dem Grab eines Christen errichtet [wird], der im Orient im Dienst des mächtigsten heidnischen Herrschers fiel. Zudem beten die Heiden Gahmuret als Gott an, der Christ wird offensichtlich dem heidnischen Götterhimmel zugerechnet, den man dem monotheistischen Islam im Mittelalter unterstellt.&amp;quot;[Kellner 2009:32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Wâleisen klagen und weinen um ihn. Seine schwangere Frau, Herzeloyde, fällt vor Schmerz und Trauer in Ohnmacht, als man ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbringt. Aufgrund ihrer Trauer zieht sie fernab des Hofes in einen abgelegenen Wald nach Soltane. Die Angst ihren Sohn ebenfalls durch den Tod zu verlieren, leitet sie zu ihrer isolierten Erziehung. In ihrem Handeln vollzieht sie eine Form der Memoria gegenüber Gahmuret: &amp;quot;da sie aber in ihrer Leibesfrucht auch den toten Gatten sieht, gilt alles, was sie dem Kinde erweist, auch Gahmuret.&amp;quot;[Roßkopf 1972: 132]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009] Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen. 2009, S. 23-50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Memoria]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23593</id>
		<title>Memoria im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23593"/>
		<updated>2015-07-15T00:57:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Anmerkungen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt; Hinweis: Dieser Artikel wird im Rahmen eines Hauptseminars angefertigt und befindet sich in der Erarbeitungsphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel soll die Bedeutung der Memoria in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden. Hierfür soll zu Beginn eine Definition als Grundlage dienen und anschließend verschiedene Textstellen herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Memorialwesen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Definition ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Memoria kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gedächtnis“. Es steht als Kürzung für das Memorialwesen, welches  ein rituelles Totengedenken bezeichnet. Dieses rituelle Totengedenken ist in unterschiedlichster Art und Weise ausgeprägt. Vor allem handelt es sich hierbei um den christlichen Umgang mit dem Tod. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Todesszenen im Bezug zur Memoria ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist ein Ritter, den es immer wieder auf Ritterfahrt zieht. Die Sehnsucht nach Abenteuer und Rittertum resultieren sogar in ein Abkommen, das er mit seiner zweiten Frau Herzeloyde vor ihrer gemeinsamen Hochzeit trifft: Er möchte weiter die Freiheit besitzen, &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; und Rittertum auszuleben, wenn die beiden verheiratet sind. &lt;br /&gt;
Eines Tages verlässt er sie, um erneut an barûcs Seite im Orient zu kämpfen. Jedoch wird er in diesem Kampf auf Grund einer List durch Ipomidôn getötet. „Sînen helm versneit des spers ort durch sîn houbet wart gebort“. (106,15-16) Er bleibt zunächst noch im Sattel und reitet auf ein Feld, wo er bei seinem Kaplan die Beichte ablegen kann. Dies stellt ein wichtiges Übergangsritual bei den Christen dar, denn nur so können sie das Leben von ihren Sünden befreit verlassen. Es ist somit die letzte Tat, die der Sterbende vor seinem Tod noch selbst vollbringen kann. So dass „er starp ân alle missetât“. (106,26) &lt;br /&gt;
Auch das Begräbnis ist von großer Bedeutung. „Prunkvoll wird sein Leichnam im Orient bestattet, in Bagdad, im Zentrum der islamischen Welt (106,29 – 108,28). Der bâruc scheut keine Kosten, man balsamiert den Toten ein, reich wird das Grab verziert [...]“.[Kellner 2009:32] Dem Toten wird also die letzte Ehre gegeben, Geld spielt hierfür keine Rolle.&lt;br /&gt;
Dies ist von besonderem Wert, da Gahmuret in der Fremde, im Orient stirbt. Wolfram verwendet diesen, um die [[Fremdheit und Identität im Parzival|Identität des Eigenen, Vertrauten]] zu konstruieren und zu stärken. Dass er Parzivals Vater im Orient sterben lässt, wirkt wie eine Reminiszenz an seine Vergangenheit dort, die zu einer Vermischung der beiden Kulturen (und repräsentativ dafür auch zu seinem ersten Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]) führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er wart geleit ze Baldac. || Er wurde in Baldac zu Grabe gelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu kost den bâruc ringe wac. || Die Kosten achtete der Bâruc wenig.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(106, 29-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit golde wart gehêret, || Mit Gold wurde sie geadelt  und große&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz rîcheit dran gekêret || Herrlichkeit mit edlen Steinen an die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit edelem gesteine, || Gruft gewendet, in der er liegt, der Reine.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ inne lît der reine. || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,1-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barûc scheut keine Kosten für das Begräbnis und versetzt dieses sogar mit wertvollen Steinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein tiwer rubîn ist der stein || Ein seltener Rubin ist die steinere Platteüber seinem Grab:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob sîme grabe, dâ durch er schein. || Durch die hindurch schimmerte er.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,7-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls wird ein Kreuz angebracht, welches &amp;quot;unverstanden von den Heiden, wie es im Text heißt, auf dem Grab eines Christen errichtet [wird], der im Orient im Dienst des mächtigsten heidnischen Herrschers fiel. Zudem beten die Heiden Gahmuret als Gott an, der Christ wird offensichtlich dem heidnischen Götterhimmel zugerechnet, den man dem monotheistischen Islam im Mittelalter unterstellt.&amp;quot;[Kellner 2009:32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Wâleisen klagen und weinen um ihn. Seine schwangere Frau, Herzeloyde, fällt vor Schmerz und Trauer in Ohnmacht, als man ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbringt. Aufgrund ihrer Trauer zieht sie fernab des Hofes in einen abgelegenen Wald nach Soltane. Die Angst ihren Sohn ebenfalls durch den Tod zu verlieren, leitet sie zu ihrer isolierten Erziehung. In ihrem Handeln vollzieht sie eine Form der Memoria gegenüber Gahmuret: &amp;quot;da sie aber in ihrer Leibesfrucht auch den toten Gatten sieht, gilt alles, was sie dem Kinde erweist, auch Gahmuret.&amp;quot;[Roßkopf 1972: 132]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;alle angegebenen Versangaben beziehen sich auf folgende Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. 2. Auflage. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009] Kellner, Beate: Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen. 2009, S. 23-50.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Memoria]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23591</id>
		<title>Memoria im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Memoria_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23591"/>
		<updated>2015-07-15T00:55:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt; Hinweis: Dieser Artikel wird im Rahmen eines Hauptseminars angefertigt und befindet sich in der Erarbeitungsphase.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In diesem Artikel soll die Bedeutung der Memoria in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; untersucht werden. Hierfür soll zu Beginn eine Definition als Grundlage dienen und anschließend verschiedene Textstellen herangezogen werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Memorialwesen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Definition ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Memoria kommt aus dem Lateinischen und bedeutet „Gedächtnis“. Es steht als Kürzung für das Memorialwesen, welches  ein rituelles Totengedenken bezeichnet. Dieses rituelle Totengedenken ist in unterschiedlichster Art und Weise ausgeprägt. Vor allem handelt es sich hierbei um den christlichen Umgang mit dem Tod. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Todesszenen im Bezug zur Memoria ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist ein Ritter, den es immer wieder auf Ritterfahrt zieht. Die Sehnsucht nach Abenteuer und Rittertum resultieren sogar in ein Abkommen, das er mit seiner zweiten Frau Herzeloyde vor ihrer gemeinsamen Hochzeit trifft: Er möchte weiter die Freiheit besitzen, &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; und Rittertum auszuleben, wenn die beiden verheiratet sind. &lt;br /&gt;
Eines Tages verlässt er sie, um erneut an barûcs Seite im Orient zu kämpfen. Jedoch wird er in diesem Kampf auf Grund einer List durch Ipomidôn getötet. „Sînen helm versneit des spers ort durch sîn houbet wart gebort“. (106,15-16) Er bleibt zunächst noch im Sattel und reitet auf ein Feld, wo er bei seinem Kaplan die Beichte ablegen kann. Dies stellt ein wichtiges Übergangsritual bei den Christen dar, denn nur so können sie das Leben von ihren Sünden befreit verlassen. Es ist somit die letzte Tat, die der Sterbende vor seinem Tod noch selbst vollbringen kann. So dass „er starp ân alle missetât“. (106,26) &lt;br /&gt;
Auch das Begräbnis ist von großer Bedeutung. „Prunkvoll wird sein Leichnam im Orient bestattet, in Bagdad, im Zentrum der islamischen Welt (106,29 – 108,28). Der bâruc scheut keine Kosten, man balsamiert den Toten ein, reich wird das Grab verziert [...]“.[Kellner 2009:32] Dem Toten wird also die letzte Ehre gegeben, Geld spielt hierfür keine Rolle.&lt;br /&gt;
Dies ist von besonderem Wert, da Gahmuret in der Fremde, im Orient stirbt. Wolfram verwendet diesen, um die [[Fremdheit und Identität im Parzival|Identität des Eigenen, Vertrauten]] zu konstruieren und zu stärken. Dass er Parzivals Vater im Orient sterben lässt, wirkt wie eine Reminiszenz an seine Vergangenheit dort, die zu einer Vermischung der beiden Kulturen (und repräsentativ dafür auch zu seinem ersten Sohn [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]]) führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er wart geleit ze Baldac. || Er wurde in Baldac zu Grabe gelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu kost den bâruc ringe wac. || Die Kosten achtete der Bâruc wenig.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(106, 29-30)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Mit golde wart gehêret, || Mit Gold wurde sie geadelt  und große&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz rîcheit dran gekêret || Herrlichkeit mit edlen Steinen an die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit edelem gesteine, || Gruft gewendet, in der er liegt, der Reine.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ inne lît der reine. || &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,1-4)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Barûc scheut keine Kosten für das Begräbnis und versetzt dieses sogar mit wertvollen Steinen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein tiwer rubîn ist der stein || Ein seltener Rubin ist die steinere Platteüber seinem Grab:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob sîme grabe, dâ durch er schein. || Durch die hindurch schimmerte er.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(107,7-8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls wird ein Kreuz angebracht, welches &amp;quot;unverstanden von den Heiden, wie es im Text heißt, auf dem Grab eines Christen errichtet [wird], der im Orient im Dienst des mächtigsten heidnischen Herrschers fiel. Zudem beten die Heiden Gahmuret als Gott an, der Christ wird offensichtlich dem heidnischen Götterhimmel zugerechnet, den man dem monotheistischen Islam im Mittelalter unterstellt.&amp;quot;[Kellner 2009:32]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Wâleisen klagen und weinen um ihn. Seine schwangere Frau, Herzeloyde, fällt vor Schmerz und Trauer in Ohnmacht, als man ihr die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbringt. Aufgrund ihrer Trauer zieht sie fernab des Hofes in einen abgelegenen Wald nach Soltane. Die Angst ihren Sohn ebenfalls durch den Tod zu verlieren, leitet sie zu ihrer isolierten Erziehung. In ihrem Handeln vollzieht sie eine Form der Memoria gegenüber Gahmuret: &amp;quot;da sie aber in ihrer Leibesfrucht auch den toten Gatten sieht, gilt alles, was sie dem Kinde erweist, auch Gahmuret.&amp;quot;[Roßkopf 1972: 132]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;alle angegebenen Versangaben beziehen sich auf folgende Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. 2. Auflage. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt; [*Kellner 2009] Kellner, Beate. Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen. 2009, S. 23-50&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]] &lt;br /&gt;
[[Kategorie: Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Memoria]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23579</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23579"/>
		<updated>2015-07-15T00:17:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein kurzer Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (245, 1 - 30) ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Deutung und Interpretation der Träume in Wolframs Parzival ist zu beachten, dass dies natürlich fiktive Träume in Literatur sind. Somit ist die Traumdeutung in diesem Falle eher eine Deutung der durch Träume vermittelten erzählerischen Effekte und der Ansichten über Träume, die im fiktiven Traum gespiegelt werden. [Manuwald 1994: Vgl. S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Für eine chronologische Entwicklung der Traumtheorie siehe auch: Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Träume aus heutiger Sicht als ein sich im Unterbewusstsein abspielendes Phänomen betrachtet werden, werden sie im Mittelalter als &amp;quot;eine Erfahrung, die geistlich und sinnlich zugleich ist und Leib und Seele umfasst.&amp;quot;[Langer 1994: S. 80] Der Träumende wird somit vollkommen vom Traum beeinflusst, sowohl psychisch, als auch körperlich, was den Traum einflussreicher darstellt - einerseits, da er allumfassend auf das Individuum wirkt und andererseits, da das mittelalterliche Wissen hinsichtlich des Entstehens von Träumen beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum sind Träume Bestandteil des Glaubens und befinden sich &amp;quot;auf einem schmalen Grat zwischen Heiligkeit und Dämonie, zwischen Glaube und Häresie. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Aufzeichnungen der Träume und die Dikussionen über sie verfolgt.&amp;quot;[Busse 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
Die Kirche versucht hierbei als Kontrollinstanz zu wirken, welche entscheidet, welche Art von Traum (ob gottgesandt oder teuflischen Ursprungs) geträumt wurde: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Über Träume und ihre vorausdeutende Kraft Verbindliches auszusagen, ist allein Vorrecht der Klerikalen, ist Monopol der Kirche.&amp;quot;[Busse 1994: S. 57]&lt;br /&gt;
Im 12. Jahrhundert ändert sich dies mit Hereinbreichen des Wandels durch Humanismus und Entdeckung des Individuums[Busse 1994: Vgl. S. 57] und Träume werden als etwas verschleiertes, codiertes wahrgenommen, welches einer Deutung bedarf, die sich &amp;quot;von dem Stigma des Diabolischen emanzipiert.&amp;quot;[Busse 1994: S. 59]&lt;br /&gt;
Eine Unterscheidung zwischen Vision und Traum findet im Mittelalter kaum statt, was den zukunftsorientierten Charakter des Traumes unterstreicht. &lt;br /&gt;
Stets wichtig ist die prophetische Rolle des Traums, welcher Zukünftiges vorhersagt. Auch im Parzival verwendet Wolfram Träume für diesen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontext des Traumes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren. Ein Greif reißt an ihrer rechten Hand und das Bild verwandelt sich: Herzeloyde stillt einen Drachen, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literarische Traumdeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dûhte wie ein sternen blic || Ihr war, wie wenn der Blitz von&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si gein den lüften fuorte, || einem Stern sie fortführte hinaus in die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ si mit kreften ruorte || Himmel, da schlugen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manc fiurîn donerstrâle. || sie feurige Donnerstrahlen mit Macht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die flugen al zemâle || Die schossen alle auf einmal auf sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir: dô sungelt unde sanc || Von knisternden, sengenden Funken san-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von gänstern ir zöphe lanc. || gen ihre langen Zöpfe. Mit Krachen gab&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit krache gap der doner duz: || der Donner seinen Schall, und er vergoß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| brinnde zäher was sîn guz. || sich in brennenden Tränen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 28 - 104, 6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum zeigt sehr traditionelle, in der Traumdeutung bekannte Symbole, deren Entschlüsselung dadurch relativ einfach ist.&lt;br /&gt;
Wolfram kreiert eine beinahe apokalyptische Traumwelt, in der Donner und Blitz auf Herzeloyde niederprasseln. Sie ist hierbei das Zentrum, welches konzentriert den Qualen und dem Chaos ausgesetzt ist.&lt;br /&gt;
Die sinnbildliche Bedeutung dieser Naturgewalten ist eine greifbarere Repräsentation Gottes. Seit jeher wurden die Elementargewalten Blitz, Feuer und Donner nach christlicher Auffassung als Gegenwart Gottes verstanden. Diese göttliche Präsenz geht jedoch auch immer mit dem letzten Gericht einher, womit Herzeloyde Gottes letztem Urteil ausgesetzt ist. [Roßkopf 1972: Vgl. S. 55 - 61] Dafür spricht auch die Tatsache, dass ihr Traum in einem transzendentalen Rahmen stattfindet: Sie befindet sich in der Luft, also in Himmelsnähe.&lt;br /&gt;
Auch der zu Beginn auftretende, erlöschende Stern steht für ein bevorstehendes Ende. Herzeloydes Traum macht insofern nicht nur Aussagen über Parzival und dessen Lebensweg, sondern zeichnet auch das Ende ihres eigenen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust oder die Verletzung der rechten Hand repräsentiert typischerweise den Verlust eines nahen Verwandten, in diesem Falle Gahmurets.[Kratz 1973: Vgl. S. 205]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend tritt Parzival in Form eines Drachen in die Traumhandlung. Herzeloyde wird aber nicht als dessen Mutter, sondern Amme bezeichnet, die ihn stillt.[Roßkopf 1972: Vgl. S. 78] Dies erzeugt eine parasitäre Konnotation, bei der Herzeloyde &amp;quot;ausgesaugt&amp;quot; wird. Wolfram prophezeit Parzivals Mutter hier eine grausame, schmerzhafte Zukunft, die damit endet, dass das Kind, das sie gesäugt hat, sie zurücklässt.&lt;br /&gt;
Der Drache wird einerseits als das gestaltgewordene Böse verstanden, andererseits kündigt sein Erscheinen im Traum einer Schwangeren laut Bumke die Geburt eines großen Herrschers an.[Bumke 2004: Vgl. S. 52]&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum steht also im Zeichen der Doppelstruktur des Romans: In ihm ist einerseits ihr eigener Untergang, aber andererseits auch Parzivals Aufstieg angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontext des Traumes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im V. Buch erreicht Parzival [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]], wo Trauer über das Leiden des [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönigs Anfortas]] herrscht. Parzival sieht hier zum ersten Mal den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]], der in einer prunkvollen, für Parzival verwirrenden Zeremonie in den Saal der Gralsburg getragen wird. Parzival, von Gurnemanz&#039; Mahnungen beeinflusst, wagt es nicht, Fragen zu stellen und lädt damit Schuld auf sich. In der Nacht folgen auf sein [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung|Versagen]] Alpträume, die ähnlich prophetisch wie Herzeloydes Alpträume sein werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literarische Traumdeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft. Dies wird erneut unterstrichen, indem sein Traum als Ausgleich für den quälenden Traum seiner Mutter bezeichnet wird, wie eine Art [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sühne]], die Parzival ertragen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verletzlichkeit des Schlafenden [Wittmer-Butsch 1990: Vgl. S. 81] macht den Alptraum noch fürchterlicher. Im wachen Zustand wären die Qualen zu ertragen (&#039;&#039;daz heter wachende ê gedolt&#039;&#039; (245, 15)), aber im Traume liegt der Träumende angreifbar vor ihnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die prophetische Funktion seines Traumes wird in Parzivals Traum sogar direkt angesprochen. Wolfram schreibt hier von &amp;quot;&#039;&#039;künftigiu leit&#039;&#039;&amp;quot; (245, 4), die der Alptraum ihm bringt. Der Traum erhält somit einmal mehr eine sühnende Ebene: Nicht nur die Qualen von Herzeloydes Alptraum muss Parzival ausgleichen, sondern auch für sein Versagen gegenüber der Gralsgesellschaft muss er in Zukunft büßen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der prophetische Charakter von Träumen im Mittelalter wird anhand Wolframs Verwendung von Träumen sehr deutlich. Beide herausstechenden Traumbeschreibungen dienen als Omen für den Träumenden, welches den weiteren Lebensweg bestimmt. Dass dieses Omen beide Male negativ und Qualen beinhaltend ist, entspricht der zu Wolframs Zeit vorherrschenden christlich beeinflussten Skepsis gegenüber Träumen[Wittmer-Butsch 1990: Vgl. S. 145 - 149], die nicht selten mit dem Teufel in Verbindung gebracht wurden.&lt;br /&gt;
Beide Male positioniert Wolfram den Traum an Wendepunkten, die Parzivals Zukunft entscheidend prägen und ihn zudem als einen Helden zeigen, der ganz im Sinne des Elsterngleichnisses sowohl Himmel, als auch Hölle in sich trägt und erst eine Entwicklung durchlaufen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1994] Busse, Wilhelm G.: Träume sind Schäume. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 43 - 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kratz 1973] Kratz, Henry: Wolfram von Eschenbach&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. An Attempt at a Total Evaluation. Bern 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Langer 1994] Langer, Otto: Vision und Traumvision der spätmittelalterlichen dominikanischen Frauenmystik. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 67 - 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Manuwald 1994] Manuwald, Bernd: Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 15 - 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wittmer-Butsch 1990] Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23565</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23565"/>
		<updated>2015-07-14T23:53:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein kurzer Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (245, 1 - 30) ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Deutung und Interpretation der Träume in Wolframs Parzival ist zu beachten, dass dies natürlich fiktive Träume in Literatur sind. Somit ist die Traumdeutung in diesem Falle eher eine Deutung der durch Träume vermittelten erzählerischen Effekte und der Ansichten über Träume, die im fiktiven Traum gespiegelt werden. [Manuwald 1994: Vgl. S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Für eine chronologische Entwicklung der Traumtheorie siehe auch: Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Träume aus heutiger Sicht als ein sich im Unterbewusstsein abspielendes Phänomen betrachtet werden, werden sie im Mittelalter als &amp;quot;eine Erfahrung, die geistlich und sinnlich zugleich ist und Leib und Seele umfasst.&amp;quot;[Langer 1994: S. 80] Der Träumende wird somit vollkommen vom Traum beeinflusst, sowohl psychisch, als auch körperlich, was den Traum einflussreicher darstellt - einerseits, da er allumfassend auf das Individuum wirkt und andererseits, da das mittelalterliche Wissen hinsichtlich des Entstehens von Träumen beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum sind Träume Bestandteil des Glaubens und befinden sich &amp;quot;auf einem schmalen Grat zwischen Heiligkeit und Dämonie, zwischen Glaube und Häresie. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Aufzeichnungen der Träume und die Dikussionen über sie verfolgt.&amp;quot;[Busse 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
Die Kirche versucht hierbei als Kontrollinstanz zu wirken, welche entscheidet, welche Art von Traum (ob gottgesandt oder teuflischen Ursprungs) geträumt wurde: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Über Träume und ihre vorausdeutende Kraft Verbindliches auszusagen, ist allein Vorrecht der Klerikalen, ist Monopol der Kirche.&amp;quot;[Busse 1994: S. 57]&lt;br /&gt;
Im 12. Jahrhundert ändert sich dies mit Hereinbreichen des Wandels durch Humanismus und Entdeckung des Individuums[Busse 1994: Vgl. S. 57] und Träume werden als etwas verschleiertes, codiertes wahrgenommen, welches einer Deutung bedarf, die sich &amp;quot;von dem Stigma des Diabolischen emanzipiert.&amp;quot;[Busse 1994: S. 59]&lt;br /&gt;
Eine Unterscheidung zwischen Vision und Traum findet im Mittelalter kaum statt, was den zukunftsorientierten Charakter des Traumes unterstreicht. &lt;br /&gt;
Stets wichtig ist die prophetische Rolle des Traums, welcher Zukünftiges vorhersagt. Auch im Parzival verwendet Wolfram Träume für diesen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontext des Traumes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren. Ein Greif reißt an ihrer rechten Hand und das Bild verwandelt sich: Herzeloyde stillt einen Drachen, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literarische Traumdeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dûhte wie ein sternen blic || Ihr war, wie wenn der Blitz von&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si gein den lüften fuorte, || einem Stern sie fortführte hinaus in die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ si mit kreften ruorte || Himmel, da schlugen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manc fiurîn donerstrâle. || sie feurige Donnerstrahlen mit Macht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die flugen al zemâle || Die schossen alle auf einmal auf sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir: dô sungelt unde sanc || Von knisternden, sengenden Funken san-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von gänstern ir zöphe lanc. || gen ihre langen Zöpfe. Mit Krachen gab&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit krache gap der doner duz: || der Donner seinen Schall, und er vergoß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| brinnde zäher was sîn guz. || sich in brennenden Tränen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 28 - 104, 6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum zeigt sehr traditionelle, in der Traumdeutung bekannte Symbole, deren Entschlüsselung dadurch relativ einfach ist.&lt;br /&gt;
Wolfram kreiert eine beinahe apokalyptische Traumwelt, in der Donner und Blitz auf Herzeloyde niederprasseln. Sie ist hierbei das Zentrum, welches konzentriert den Qualen und dem Chaos ausgesetzt ist.&lt;br /&gt;
Die sinnbildliche Bedeutung dieser Naturgewalten ist eine greifbarere Repräsentation Gottes. Seit jeher wurden die Elementargewalten Blitz, Feuer und Donner nach christlicher Auffassung als Gegenwart Gottes verstanden. Diese göttliche Präsenz geht jedoch auch immer mit dem letzten Gericht einher, womit Herzeloyde Gottes letztem Urteil ausgesetzt ist. [Roßkopf 1972: Vgl. S. 55 - 61] Dafür spricht auch die Tatsache, dass ihr Traum in einem transzendentalen Rahmen stattfindet: Sie befindet sich in der Luft, also in Himmelsnähe.&lt;br /&gt;
Auch der zu Beginn auftretende, erlöschende Stern steht für ein bevorstehendes Ende. Herzeloydes Traum macht insofern nicht nur Aussagen über Parzival und dessen Lebensweg, sondern zeichnet auch das Ende ihres eigenen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust oder die Verletzung der rechten Hand repräsentiert typischerweise den Verlust eines nahen Verwandten, in diesem Falle Gahmurets.[Kratz 1973: Vgl. S. 205]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend tritt Parzival in Form eines Drachen in die Traumhandlung. Herzeloyde wird aber nicht als dessen Mutter, sondern Amme bezeichnet, die ihn stillt.[Roßkopf 1972: Vgl. S. 78] Dies erzeugt eine parasitäre Konnotation, bei der Herzeloyde &amp;quot;ausgesaugt&amp;quot; wird. Wolfram prophezeit Parzivals Mutter hier eine grausame, schmerzhafte Zukunft, die damit endet, dass das Kind, das sie gesäugt hat, sie zurücklässt.&lt;br /&gt;
Der Drache wird einerseits als das gestaltgewordene Böse verstanden, andererseits kündigt sein Erscheinen im Traum einer Schwangeren laut Bumke die Geburt eines großen Herrschers an.[Bumke 2004: Vgl. S. 52]&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum steht also im Zeichen der Doppelstruktur des Romans: In ihm ist einerseits ihr eigener Untergang, aber andererseits auch Parzivals Aufstieg angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontext des Traumes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im V. Buch erreicht Parzival [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]], wo Trauer über das Leiden des [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönigs Anfortas]] herrscht. Parzival sieht hier zum ersten Mal den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]], der in einer prunkvollen, für Parzival verwirrenden Zeremonie in den Saal der Gralsburg getragen wird. Parzival, von Gurnemanz&#039; Mahnungen beeinflusst, wagt es nicht, Fragen zu stellen und lädt damit Schuld auf sich. In der Nacht folgen auf sein [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung|Versagen]] Alpträume, die ähnlich prophetisch wie Herzeloydes Alpträume sein werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Literarische Traumdeutung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft. Dies wird erneut unterstrichen, indem sein Traum als Ausgleich für den quälenden Traum seiner Mutter bezeichnet wird, wie eine Art [[Schuld, Sühne und Erlösung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sühne]], die Parzival ertragen muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Verletzlichkeit des Schlafenden [Wittmer-Butsch 1990: Vgl. S. 81] macht den Alptraum noch fürchterlicher. Im wachen Zustand wären die Qualen zu ertragen (&#039;&#039;daz heter wachende ê gedolt&#039;&#039; (245, 15)), aber im Traume liegt der Träumende angreifbar vor ihnen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1994] Busse, Wilhelm G.: Träume sind Schäume. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 43 - 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kratz 1973] Kratz, Henry: Wolfram von Eschenbach&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. An Attempt at a Total Evaluation. Bern 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Langer 1994] Langer, Otto: Vision und Traumvision der spätmittelalterlichen dominikanischen Frauenmystik. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 67 - 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Manuwald 1994] Manuwald, Bernd: Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 15 - 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wittmer-Butsch 1990] Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Versagen_in_der_Gralsburg_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23552</id>
		<title>Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Versagen_in_der_Gralsburg_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23552"/>
		<updated>2015-07-14T23:35:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Verlauf der Episode */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Parzivals Versagen an der [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg Munsalvaesche]] ist eine wichtige Episode für den Fortlauf der Geschichte. Warum Parzival versagt hat und was die Konsequenzen für den Helden sind, soll dieser Artikel beleuchten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Handlung==&lt;br /&gt;
===Einbettung in den Gesamtkontext===&lt;br /&gt;
Die Munsalvaesche-Episode findet im V. Buch statt, nachdem Parzival, nach dem Erfolg in Pelrapeire, in neue Aventiure loszieht mit der Intension seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] wiederzusehen. Dass diese bereits gestorben ist, soll der Held erst später erfahren.&lt;br /&gt;
Nach dem [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Frageversäumnis in der Gralsburg]] und der Erkenntnis dessen durch seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] beginnt Parzivals Suche nach dem Gral und eine lange, beschwerliche Aventiure, die geprägt ist von Schuldzuweisungen, Gotteszweifel und letztendlich der Erlangung großer &#039;&#039;ere&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Verlauf der Episode===&lt;br /&gt;
Parzival erreicht Munsalvaesche durch Zufall, als er einen Rastplatz sucht. Ein Fischer, den er an einem See trifft, weist ihm den Weg dorthin. Dieser ist in Wirklichkeit der König der Gralsburg [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]], der auf seine Erlösung wartet.&lt;br /&gt;
Parzival wird in der Gralsburg herzlich willkommen geheißen und von allen Bewohnern, trotz ihrer Trauer, nach bester Courtoisie behandelt. Als Gastgeschenk erhält Parzival den Mantel der Königin.&lt;br /&gt;
Schon kurz nach seiner Ankunft offenbart sich der Fischer als König und lädt Parzival zu einer Festlichkeit ein, die höchst wundersam für den Helden ist.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Während der Gralsprozession schenkt Anfortas Parzival sein Schwert, mit der Begründung, er brauche es nicht mehr. Nach Speise und Trank wird Parzival von einer enttäuschten Gralsgesellschaft zu Bette gebracht und den Helden quälen in der Nacht [[Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|prophetische Träume]].&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als der Held am nächsten Morgen erwacht, findet er sich mutterseelenallein in der Burg wieder. Gekränkt und beleidigt über die schlechte Behandlung, verlässt er die Burg. Als er zum Tor hinausreitet, erscheint ein letztes Mal ein Knappe im Turm und ruft ihm einen Fluch hinterher.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Parzival verfolgt verwirrt die Spuren der Gralsgesellschaft, um schließlich auf seine Cousine [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] zu treffen, die ihn über sein Versäumnis aufklärt und ihn ebenfalls verflucht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Gralsprozession und die Versuche der Gralsgesellschaft Parzival zur Frage zu verleiten==&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Festlichkeit wird eine Lanze hereingetragen, an der sniden huop sich plout (&amp;quot;an der Schneide quoll Blut hervor&amp;quot; 231,20)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der   sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit   einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der   &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York     2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;). Diese Lanze erinnert die Gesellschaft an die Schmerzen und an die Verletzung [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas&#039;]]. Die Gralsgesellschaft beginnt bei dem Anblick der Lanze zu klagen und zu weinen (&amp;quot;da wart geweinet unt geschrin&amp;quot; 231,23). Als die Lanze herausgetragen wird, verstummt das Klagen, von Parzivals Wahrnehmung wird nichts geschildert. Er scheint also noch keine Ahnung zu haben, wieso dies Alles passiert. In einigen Forschungsarbeiten wird diese auch als Reliquie gedeutet. (Bumke)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Nach einer langen Zeremonie mit vielen Jungfrauen, die Kerzen und allerhand Speisen hereintragen, erscheint die Königin [[Repanse de Schoye (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Repanse de Schoye]]. Sie ist die Trägerin des heiligen Grals. Dieser lässt eine gewaltige Vielfalt an Speisen und Getränken erscheinen, an denen sich die Gesellschaft satt isst, während der König Anfortas bei einem trockenen Stück Brot bleibt.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt; Nachdem das Mahl beendet ist, schenkt Anfortas dem Helden sein wertvolles Schwert, da er es nicht mehr bracuht jetzt wo &amp;quot;got ame libe hat geletzet&amp;quot; (&amp;quot;[...]lahm machte am Leben! 239,27). Parzival erkennt die Geste nicht und fragt erneut nicht. Dass die Geschenke des Mantels und des Schwertes schon eine indirekte Krönung darstellen, versteht Parzival in diesem Moment nicht.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Sein Hauptaugenmerk scheint auf den prunkvollen Zeremonien zu liegen, auch wenn er das Leid erkennt, kann Parzival nicht damit umgehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Gründe für Parzivals Versagen und die Konsequenzen für ihn==&lt;br /&gt;
Parzival erkennt sofort die ganze &amp;quot;Pracht und das große Wunder&amp;quot; (&amp;quot;die  richeit unt daz wunder groz:&amp;quot; 239,09), doch erinnert er sich sofort an den Rat [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival|Gurnemanz&#039;]] und verhält sich das Fragen, denn das wäre unhöflich und würde seiner Lehre widersprechen.durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.)&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Die ausgedehnte Beschreibung des Prunkes durch den Erzähler gibt die Wahrnehmung des Helden wieder, der von dem ganzen Wundersamen so überwältigt ist, dass er sich nicht getraut hat zu fragen.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Gründe für Parzivals Versäumnis sind also die Einschüchterung durch den Prunk des Festes und die damit verbundene Besinnung auf den Rat Gurnmanz&#039;.    &lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;  &lt;br /&gt;
Es gibt mehrere Theorien wieso Parzival hier versagt hat, beziehungsweise wer Schuld am Leid Parzivals trägt. Sowohl [[Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz‘]] falsche Erziehung (oder alle weiteren seiner Erziehungen) als auch Parzival selbst oder der Gralsgesellschaft kann das Versäumnis zugeschrieben werden. Man könnte das ganze natürlich auch so deuten, dass es der Plan des Grals war, dass Parzival erst dort ankommen muss, um zu versagen, damit er daran wächst.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/ &amp;gt;  &lt;br /&gt;
Doch wer auch immer schuld daran ist, Fakt ist, dass Parzival durch das Frageversäumnis und sein Versagen an der Gralsburg eine harte Zeit bevorsteht, in der er sich beweisen muss, alle seine Sünden erkennen muss ([[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]]) und er von vielen Menschen Schuldzuweisungen erleiden muss ([[Cundrie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] und [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]]).  Obwohl Parzival sich gegen den Rat Trevrizents wendet und versucht den Gral zu erkämpfen, wird Parzival zum Gralskönig erhoben wird und das beweist, dass er von Anfang an dazu berufen war.&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsliteratur==&lt;br /&gt;
 Kordt, Christa-Maria: Parzival in Munsalvaesche. Kommentar zu Buch V/1 von Wolframs Parzival(224,1-248,30). Herne, 1997. &lt;br /&gt;
 Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflage, Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23550</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23550"/>
		<updated>2015-07-14T23:32:50Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein kurzer Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Deutung und Interpretation der Träume in Wolframs Parzival ist zu beachten, dass dies natürlich fiktive Träume in Literatur sind. Somit ist die Traumdeutung in diesem Falle eher eine Deutung der durch Träume vermittelten erzählerischen Effekte und der Ansichten über Träume, die im fiktiven Traum gespiegelt werden. [Manuwald 1994: Vgl. S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Für eine chronologische Entwicklung der Traumtheorie siehe auch: Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Träume aus heutiger Sicht als ein sich im Unterbewusstsein abspielendes Phänomen betrachtet werden, werden sie im Mittelalter als &amp;quot;eine Erfahrung, die geistlich und sinnlich zugleich ist und Leib und Seele umfasst.&amp;quot;[Langer 1994: S. 80] Der Träumende wird somit vollkommen vom Traum beeinflusst, sowohl psychisch, als auch körperlich, was den Traum einflussreicher darstellt - einerseits, da er allumfassend auf das Individuum wirkt und andererseits, da das mittelalterliche Wissen hinsichtlich des Entstehens von Träumen beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum sind Träume Bestandteil des Glaubens und befinden sich &amp;quot;auf einem schmalen Grat zwischen Heiligkeit und Dämonie, zwischen Glaube und Häresie. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Aufzeichnungen der Träume und die Dikussionen über sie verfolgt.&amp;quot;[Busse 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
Die Kirche versucht hierbei als Kontrollinstanz zu wirken, welche entscheidet, welche Art von Traum (ob gottgesandt oder teuflischen Ursprungs) geträumt wurde: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Über Träume und ihre vorausdeutende Kraft Verbindliches auszusagen, ist allein Vorrecht der Klerikalen, ist Monopol der Kirche.&amp;quot;[Busse 1994: S. 57]&lt;br /&gt;
Im 12. Jahrhundert ändert sich dies mit Hereinbreichen des Wandels durch Humanismus und Entdeckung des Individuums[Busse 1994: Vgl. S. 57] und Träume werden als etwas verschleiertes, codiertes wahrgenommen, welches einer Deutung bedarf, die sich &amp;quot;von dem Stigma des Diabolischen emanzipiert.&amp;quot;[Busse 1994: S. 59]&lt;br /&gt;
Eine Unterscheidung zwischen Vision und Traum findet im Mittelalter kaum statt, was den zukunftsorientierten Charakter des Traumes unterstreicht. &lt;br /&gt;
Stets wichtig ist die prophetische Rolle des Traums, welcher Zukünftiges vorhersagt. Auch im Parzival verwendet Wolfram Träume für diesen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren. Ein Greif reißt an ihrer rechten Hand und das Bild verwandelt sich: Herzeloyde stillt einen Drachen, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dûhte wie ein sternen blic || Ihr war, wie wenn der Blitz von&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si gein den lüften fuorte, || einem Stern sie fortführte hinaus in die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ si mit kreften ruorte || Himmel, da schlugen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manc fiurîn donerstrâle. || sie feurige Donnerstrahlen mit Macht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die flugen al zemâle || Die schossen alle auf einmal auf sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir: dô sungelt unde sanc || Von knisternden, sengenden Funken san-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von gänstern ir zöphe lanc. || gen ihre langen Zöpfe. Mit Krachen gab&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit krache gap der doner duz: || der Donner seinen Schall, und er vergoß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| brinnde zäher was sîn guz. || sich in brennenden Tränen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 28 - 104, 6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum zeigt sehr traditionelle, in der Traumdeutung bekannte Symbole, deren Entschlüsselung dadurch relativ einfach ist.&lt;br /&gt;
Wolfram kreiert eine beinahe apokalyptische Traumwelt, in der Donner und Blitz auf Herzeloyde niederprasseln. Sie ist hierbei das Zentrum, welches konzentriert den Qualen und dem Chaos ausgesetzt ist.&lt;br /&gt;
Die sinnbildliche Bedeutung dieser Naturgewalten ist eine greifbarere Repräsentation Gottes. Seit jeher wurden die Elementargewalten Blitz, Feuer und Donner nach christlicher Auffassung als Gegenwart Gottes verstanden. Diese göttliche Präsenz geht jedoch auch immer mit dem letzten Gericht einher, womit Herzeloyde Gottes letztem Urteil ausgesetzt ist. [Roßkopf 1972: Vgl. S. 55 - 61] Dafür spricht auch die Tatsache, dass ihr Traum in einem transzendentalen Rahmen stattfindet: Sie befindet sich in der Luft, also in Himmelsnähe.&lt;br /&gt;
Auch der zu Beginn auftretende, erlöschende Stern steht für ein bevorstehendes Ende. Herzeloydes Traum macht insofern nicht nur Aussagen über Parzival und dessen Lebensweg, sondern zeichnet auch das Ende ihres eigenen auf.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Verlust oder die Verletzung der rechten Hand repräsentiert typischerweise den Verlust eines nahen Verwandten, in diesem Falle Gahmurets.[Kratz 1973: Vgl. S. 205]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anschließend tritt Parzival in Form eines Drachen in die Traumhandlung. Herzeloyde wird aber nicht als dessen Mutter, sondern Amme bezeichnet, die ihn stillt.[Roßkopf 1972: Vgl. S. 78] Dies erzeugt eine parasitäre Konnotation, bei der Herzeloyde &amp;quot;ausgesaugt&amp;quot; wird. Wolfram prophezeit Parzivals Mutter hier eine grausame, schmerzhafte Zukunft, die damit endet, dass das Kind, das sie gesäugt hat, sie zurücklässt.&lt;br /&gt;
Der Drache wird einerseits als das gestaltgewordene Böse verstanden, andererseits kündigt sein Erscheinen im Traum einer Schwangeren laut Bumke die Geburt eines großen Herrschers an.[Bumke 2004: Vgl. S. 52]&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum steht also im Zeichen der Doppelstruktur des Romans: In ihm ist einerseits ihr eigener Untergang, aber andererseits auch Parzivals Aufstieg angelegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1994] Busse, Wilhelm G.: Träume sind Schäume. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 43 - 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kratz 1973] Kratz, Henry: Wolfram von Eschenbach&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. An Attempt at a Total Evaluation. Bern 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Langer 1994] Langer, Otto: Vision und Traumvision der spätmittelalterlichen dominikanischen Frauenmystik. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 67 - 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Manuwald 1994] Manuwald, Bernd: Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 15 - 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roßkopf 1972] Roßkopf, Rudolf: Der Traum Herzeloydes und der Rote Ritter. Erwägungen über die Bedeutung des staufisch-welfischen Thronstreites für Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Göppingen 1972.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23543</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23543"/>
		<updated>2015-07-14T23:17:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein kurzer Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Deutung und Interpretation der Träume in Wolframs Parzival ist zu beachten, dass dies natürlich fiktive Träume in Literatur sind. Somit ist die Traumdeutung in diesem Falle eher eine Deutung der durch Träume vermittelten erzählerischen Effekte und der Ansichten über Träume, die im fiktiven Traum gespiegelt werden. [Manuwald 1994: Vgl. S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Für eine chronologische Entwicklung der Traumtheorie siehe auch: Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Träume aus heutiger Sicht als ein sich im Unterbewusstsein abspielendes Phänomen betrachtet werden, werden sie im Mittelalter als &amp;quot;eine Erfahrung, die geistlich und sinnlich zugleich ist und Leib und Seele umfasst.&amp;quot;[Langer 1994: S. 80] Der Träumende wird somit vollkommen vom Traum beeinflusst, sowohl psychisch, als auch körperlich, was den Traum einflussreicher darstellt - einerseits, da er allumfassend auf das Individuum wirkt und andererseits, da das mittelalterliche Wissen hinsichtlich des Entstehens von Träumen beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum sind Träume Bestandteil des Glaubens und befinden sich &amp;quot;auf einem schmalen Grat zwischen Heiligkeit und Dämonie, zwischen Glaube und Häresie. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Aufzeichnungen der Träume und die Dikussionen über sie verfolgt.&amp;quot;[Busse 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
Die Kirche versucht hierbei als Kontrollinstanz zu wirken, welche entscheidet, welche Art von Traum (ob gottgesandt oder teuflischen Ursprungs) geträumt wurde: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Über Träume und ihre vorausdeutende Kraft Verbindliches auszusagen, ist allein Vorrecht der Klerikalen, ist Monopol der Kirche.&amp;quot;[Busse 1994: S. 57]&lt;br /&gt;
Im 12. Jahrhundert ändert sich dies mit Hereinbreichen des Wandels durch Humanismus und Entdeckung des Individuums[Busse 1994: Vgl. S. 57] und Träume werden als etwas verschleiertes, codiertes wahrgenommen, welches einer Deutung bedarf, die sich &amp;quot;von dem Stigma des Diabolischen emanzipiert.&amp;quot;[Busse 1994: S. 59]&lt;br /&gt;
Eine Unterscheidung zwischen Vision und Traum findet im Mittelalter kaum statt, was den zukunftsorientierten Charakter des Traumes unterstreicht. &lt;br /&gt;
Stets wichtig ist die prophetische Rolle des Traums, welcher Zukünftiges vorhersagt. Auch im Parzival verwendet Wolfram Träume für diesen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren. Etwas reißt an ihrer rechten Hand und das Bild verwandelt sich: Herzeloyde stillt einen Drachen, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si dûhte wie ein sternen blic || Ihr war, wie wenn der Blitz von&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si gein den lüften fuorte, || einem Stern sie fortführte hinaus in die&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ si mit kreften ruorte || Himmel, da schlugen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manc fiurîn donerstrâle. || sie feurige Donnerstrahlen mit Macht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die flugen al zemâle || Die schossen alle auf einmal auf sie hin:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gein ir: dô sungelt unde sanc || Von knisternden, sengenden Funken san-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von gänstern ir zöphe lanc. || gen ihre langen Zöpfe. Mit Krachen gab&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit krache gap der doner duz: || der Donner seinen Schall, und er vergoß&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| brinnde zäher was sîn guz. || sich in brennenden Tränen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 28 - 104, 6)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum zeigt sehr traditionelle, in der Traumdeutung bekannte Symbole, deren Entschlüsselung dadurch relativ einfach ist.&lt;br /&gt;
Wolfram kreiert eine beinahe apokalyptische Traumwelt, in der Donner und Blitz auf Herzeloyde niederprasseln. Sie ist hierbei das Zentrum, welches konzentriert den Qualen und dem Chaos ausgesetzt ist.&lt;br /&gt;
Die sinnbildliche Bedeutung dieser Naturgewalten ist eine greifbarere Repräsentation Gottes. Seit jeher wurden die Elementargewalten Blitz, Feuer und Donner nach christlicher Auffassung als Gegenwart Gottes verstanden. Diese göttliche Präsenz geht jedoch auch immer mit dem letzten Gericht einher, womit Herzeloyde Gottes Urteil ausgesetzt ist. [Roßkopf 1972: Vgl. S. 55 - 61] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So repräsentiert der Verlust oder die Verletzung der rechten Hand typischerweise den Verlust eines nahen Verwandten, in diesem Falle Gahmurets.[Kratz 1973: Vgl. S. 205]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1994] Busse, Wilhelm G.: Träume sind Schäume. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 43 - 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kratz 1973] Kratz, Henry: Wolfram von Eschenbach&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. An Attempt at a Total Evaluation. Bern 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Langer 1994] Langer, Otto: Vision und Traumvision der spätmittelalterlichen dominikanischen Frauenmystik. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 67 - 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Manuwald 1994] Manuwald, Bernd: Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 15 - 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23534</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23534"/>
		<updated>2015-07-14T23:01:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein kurzer Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Deutung und Interpretation der Träume in Wolframs Parzival ist zu beachten, dass dies natürlich fiktive Träume in Literatur sind. Somit ist die Traumdeutung in diesem Falle eher eine Deutung der durch Träume vermittelten erzählerischen Effekte und der Ansichten über Träume, die im fiktiven Traum gespiegelt werden. [Manuwald 1994: Vgl. S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Für eine chronologische Entwicklung der Traumtheorie siehe auch: Wittmer-Butsch, Maria Elisabeth: Zur Bedeutung von Schlaf und Traum im Mittelalter. Krems 1990. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Träume aus heutiger Sicht als ein sich im Unterbewusstsein abspielendes Phänomen betrachtet werden, werden sie im Mittelalter als &amp;quot;eine Erfahrung, die geistlich und sinnlich zugleich ist und Leib und Seele umfasst.&amp;quot;[Langer 1994: S. 80] Der Träumende wird somit vollkommen vom Traum beeinflusst, sowohl psychisch, als auch körperlich, was den Traum einflussreicher darstellt - einerseits, da er allumfassend auf das Individuum wirkt und andererseits, da das mittelalterliche Wissen hinsichtlich des Entstehens von Träumen beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum sind Träume Bestandteil des Glaubens und befinden sich &amp;quot;auf einem schmalen Grat zwischen Heiligkeit und Dämonie, zwischen Glaube und Häresie. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Aufzeichnungen der Träume und die Dikussionen über sie verfolgt.&amp;quot;[Busse 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
Die Kirche versucht hierbei als Kontrollinstanz zu wirken, welche entscheidet, welche Art von Traum (ob gottgesandt oder teuflischen Ursprungs) geträumt wurde: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Über Träume und ihre vorausdeutende Kraft Verbindliches auszusagen, ist allein Vorrecht der Klerikalen, ist Monopol der Kirche.&amp;quot;[Busse 1994: S. 57]&lt;br /&gt;
Im 12. Jahrhundert ändert sich dies mit Hereinbreichen des Wandels durch Humanismus und Entdeckung des Individuums[Busse 1994: Vgl. S. 57] und Träume werden als etwas verschleiertes, codiertes wahrgenommen, welches einer Deutung bedarf, die sich &amp;quot;von dem Stigma des Diabolischen emanzipiert.&amp;quot;[Busse 1994: S. 59]&lt;br /&gt;
Eine Unterscheidung zwischen Vision und Traum findet im Mittelalter kaum statt, was den zukunftsorientierten Charakter des Traumes unterstreicht. &lt;br /&gt;
Stets wichtig ist die prophetische Rolle des Traums, welcher Zukünftiges vorhersagt. Auch im Parzival verwendet Wolfram Träume für diesen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren. Etwas reißt an ihrer rechten Hand und das Bild verwandelt sich: Herzeloyde stillt einen Drachen, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum zeigt sehr traditionelle, in der Traumdeutung bekannte Symbole, deren Entschlüsselung dadurch relativ einfach ist.&lt;br /&gt;
So repräsentiert der Verlust oder die Verletzung der rechten Hand typischerweise den Verlust eines nahen Verwandten, in diesem Falle Gahmurets.[Kratz 1973: Vgl. S. 205]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1994] Busse, Wilhelm G.: Träume sind Schäume. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 43 - 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kratz 1973] Kratz, Henry: Wolfram von Eschenbach&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. An Attempt at a Total Evaluation. Bern 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Langer 1994] Langer, Otto: Vision und Traumvision der spätmittelalterlichen dominikanischen Frauenmystik. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 67 - 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Manuwald 1994] Manuwald, Bernd: Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 15 - 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23511</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23511"/>
		<updated>2015-07-14T22:05:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: träume im ma&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein kurzer Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
Hinsichtlich der Deutung und Interpretation der Träume in Wolframs Parzival ist zu beachten, dass dies natürlich fiktive Träume in Literatur sind. Somit ist die Traumdeutung in diesem Falle eher eine Deutung der durch Träume vermittelten erzählerischen Effekte und der Ansichten über Träume, die im fiktiven Traum gespiegelt werden. [Manuwald 1994: Vgl. S. 38]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Träume aus heutiger Sicht als ein sich im Unterbewusstsein abspielendes Phänomen betrachtet werden, werden sie im Mittelalter als &amp;quot;eine Erfahrung, die geistlich und sinnlich zugleich ist und Leib und Seele umfasst.&amp;quot;[Langer 1994: S. 80] Der Träumende wird somit vollkommen vom Traum beeinflusst, sowohl psychisch, als auch körperlich, was den Traum einflussreicher darstellt - einerseits, da er allumfassend auf das Individuum wirkt und andererseits, da das mittelalterliche Wissen hinsichtlich des Entstehens von Träumen beschränkt ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Christentum sind Träume Bestandteil des Glaubens und befinden sich &amp;quot;auf einem schmalen Grat zwischen Heiligkeit und Dämonie, zwischen Glaube und Häresie. Dieser Eindruck drängt sich auf, wenn man die Aufzeichnungen der Träume und die Dikussionen über sie verfolgt.&amp;quot;[Busse 1994: S. 53]&lt;br /&gt;
Die Kirche versucht hierbei als Kontrollinstanz zu wirken, welche entscheidet, welche Art von Traum (ob gottgesandt oder teuflischen Ursprungs) geträumt wurde: &lt;br /&gt;
&amp;quot;Über Träume und ihre vorausdeutende Kraft Verbindliches auszusagen, ist allein Vorrecht der Klerikalen, ist Monopol der Kirche.&amp;quot;[Busse 1994: S. 57]&lt;br /&gt;
Im 12. Jahrhundert ändert sich dies mit Hereinbreichen des Wandels durch Humanismus und Entdeckung des Individuums[Busse 1994: Vgl. S. 57] und Träume werden als etwas verschleiertes, codiertes wahrgenommen, welches einer Deutung bedarf, die sich &amp;quot;von dem Stigma des Diabolischen emanzipiert.&amp;quot;[Busse 1994: S. 59]&lt;br /&gt;
Eine Unterscheidung zwischen Vision und Traum findet im Mittelalter kaum statt, was den zukunftsorientierten Charakter des Traumes unterstreicht.&lt;br /&gt;
Stets wichtig ist die prophetische Rolle des Traums, welcher Zukünftiges vorhersagt. Auch im Parzival verwendet Wolfram Träume für diesen Zweck.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren, bevor sie einen Drachen stillt, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Busse 1994] Busse, Wilhelm G.: Träume sind Schäume. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 43 - 65.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Langer 1994] Langer, Otto: Vision und Traumvision der spätmittelalterlichen dominikanischen Frauenmystik. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 67 - 84.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Manuwald 1994] Manuwald, Bernd: Traum und Traumdeutung in der griechischen Antike. In: Hiestand, Rudolf (Hg.): Traum und Träumen. Inhalt - Darstellung - Funktionen einer Lebenserfahrung in Mittelalter und Renaissance. Düsseldorf 1994, S. 15 - 42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Seine_Sch%C3%B6nheit_und_St%C3%A4rke_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23501</id>
		<title>Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzival:_Seine_Sch%C3%B6nheit_und_St%C3%A4rke_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23501"/>
		<updated>2015-07-14T21:10:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel wird sich mit der Schönheit und Stärke des Parzivals beschäftigen. Immer wieder wird im Buch auf diese Eigenschaften eingegangen und es soll nun näher beleuchtet werden, wo diese Stellen zu finden sind und inwiefern diese Vorzüge Einfluss auf die Handlung nehmen. Dabei werden seine Schönheit und Stärke immer wieder im Kontrast zu seiner  [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] betrachtet werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schönheitsbegriff im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Mittelalter beschäftigte man sich auch schon mit der Schönheit und ob sie als etwas gutes anzusehen ist. Festzuhalten ist zunächst einmal, dass die mittelalterlichen Romane meistens einen schönen Helden haben. Dieser setzt sich wiederum in vielen Fällen von seinem bösen Widersacher, in Bezug auf sein Äußeres ab. Diese Vorstellung findet sich auch schon in der Antike bei Platon und in diesem Zusammenhang ist der Begriff der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; zu nennen, der innere und äußere Schönheit vereint. [Michel 1976: vgl. S. 89.]&lt;br /&gt;
Deskriptionen von Schönheit korrelieren in mittelalterlichen Texten oftmals mit Charaktereigenschaften - was schön ist, ist also auch gut, was der Schönheit einen hohen Stellenwert verleiht. Auch wichtig ist in diesem Zusammenhang die vorherrschende mittelalterliche Vorstellung, dass Licht ein Widerschein Gottes ist und alles Helle, Strahlende (Beschreibungen, die besonders auf den schönen Parzival zutreffen und wiederholt aufgegriffen werden) somit ein Zeichen von Göttlichkeit ist. [Huber 1981]&lt;br /&gt;
Ein weiterer wichtiger Punkt, der in direktem Zusammenhang mit Parzvial steht, ist der, dass Schönheit auf die Standeszugehörigkeit verweist. Ist man mit äußerlicher Schönheit beschenkt, so wird man gleichzeitig als jemand aus höherem Stand oder dem Adel zugehörig betrachtet. Interessant hierbei ist auch, dass es die Vorstellung der Vererbung von Schönheit gibt. In diesem Fall spricht man von der Schönheit der Sippe. [Wuthe 2008: vgl. S. 29.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Weitere Informationen zur Einstellung zum Aussehen im Mittelalter entnehmen Sie dem Artikel: [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheit und Hässlichkeit]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Geburt===&lt;br /&gt;
Zu Beginn der Handlung wird die Schönheit Parzivals nicht als hervorstechendstes Merkmal beschrieben, vielmehr ist die Rede davon, dass er kräftig gebaut sei und er seiner Mutter aufgrund dieser Tatsache eine schwere Geburt bereitet (112, 7f). Dennoch wird hervorgehoben, dass [[Sohn von:: Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]], seine Mutter, stolz auf seine Männlichkeit und sein Äußeres ist. [Reichert 2007: vgl. S. 47.] Er wird aufgrund seiner Männlichkeit, die wie eben erwähnt schon bei seiner Geburt vorhanden ist, immer wieder geherzt und so der Stolz der Mutter deutlich gemacht (112, 23-27).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Steigerung der Schönheit===&lt;br /&gt;
Während Parzivals Erziehung durch Herzeloyde macht [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram von Eschenbach]] deutlich, dass Parzival ein schöner Junge ist und darüber hinaus der wahren Schönheitsvortellung des Mittelalters entspricht. Dies wird in der ersten Begegnung Parzivals mit Rittern deutlich. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Dô lac diu gotes Kunst an im. || [...], dass Gott an ihm ein wahres Wunderwerk vollbracht hatte.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von der âventiure ich daz nim,  || Der Erzählung entnehme ich, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|diu mich mit wârheit des beschiet. ||  die es verlässlich überlieferte&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|nie mannes varwe baz geriet || dass es keinen schöneren Mann gegeben hat&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vor im sît Adâmes zît. || seit Adams Zeit.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
123, 13-17 &amp;lt;ref&amp;gt; Alle Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Textpassage findet sich erstmals eine starke Steigerung seiner Schönheit, denn sie wird als Gott gegeben angesehen und Parzival wird als jemand betrachtet, an dem ein Wunderwerk geschehen ist. Man kann hier sogar eine religiöse Bestimmung vorausahnen, die durch die von Gott gegebene Schönheit garantiert ist. [Huber 1981: vgl. S. 157.] Es ist festzuhalten, dass in der Szene mit den Rittern, in der Parzival sie als Götter, nicht aber als Ritter, erkennt und somit weltfremd erscheint, auf seine Schönheit verwiesen wird. Diese Technik setzt Wolfram immer wieder ein. In Situationen in denen Parzivals Weg gefährdet scheint, wird Bezug auf sein Äußeres und damit seine Verbindung zu Gott genommen. [Huber 1981: vgl. S. 157.] Auch in seiner ersten Begegnung mit [[Verwandt mit:: Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] wird wieder sofort auf seine Schönheit hingewiesen (139, 25-27). Sie erzählt ihm von ihrem bösen Schicksal, erwähnt jedoch nochmals, dass er Gottes Kunst am Körper trägt (140, 5). &lt;br /&gt;
Seine erste Begegnung mit Sigune stellt eine wichtige Station auf seinem Weg dar, da er in dieser Szene, neben seiner besonderen Schönheit, noch eine andere elementare Eigenschaft freilegt. [Huber 1981: vgl. S. 166.] Parzival zeigt Mitleid mit seiner Cousine. Er geht sogar soweit, dass er ihr Unglück rächen will (141, 25-30).&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Für Wolfram stellt das Mitleid eine wesentliche Erscheinungsform der [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&amp;quot;triuwe&amp;quot;]] (Treue, Zuverlässigkeit, Aufrichtigkeit) dar. Das Herausheben seiner Schönheit in dieser Szene kann nur heißen, dass sein von Gott verliehenes Äußeres, zugleich Signum der &amp;quot;triwe&amp;quot; und Gnade ist. Zwar ist Parzival immer noch [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tump]], doch seine Schönheit und vor allem seine &amp;quot;triwe&amp;quot; überstrahlen diesen Fakt und es treten dabei herausragende Eigenschaften unter seiner tumpheit hervor.  [Huber 1981: vgl. S. 166-167.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Begegnung mit Ither und den Rittern des Artushof===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf seinem weiteren Weg trifft er auf seinen [[Verwandt mit:: Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Verwandten Ither]], welchen er allerdings nicht als solchen erkennt. Auch dieser hebt die Schönheit Parzivals hervor und beschreibt diese mit folgenden Worten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ,gêret sî dîn süezer lîp: || Bewundern muss man deinen süßen Leib,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dich brâht zer werlde ein reine wîp || dich hat ein reines Weib zur Welt gebracht &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wol der muoter diu dich bar! ||  Wohl der Mutter, die dich gebar!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|ine gesach nie lîp sô wol gevar || Nie habe ich einen so schönen Leib gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
146, 5-8&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch hier verwendet Wolfram wieder das Mittel der Schönheit, um Parzivals spätere Tat, die Tötung seines Verwandten Ithers, zu relativieren. Klar ist, dass er mit dessen Tötung Schuld auf sich lädt, dennoch wird darüber wieder die Verbindung zu Gott gehoben und herausgestellt, dass er von Gott erwählt ist. [Huber 1981: vgl. S. 169.] Doch bevor dies geschieht, reitet Parzival weiter zum Artushof. Sein Auftreten dort wird durch seine Schönheit legitimiert, denn sie zeigt, dass er trotz seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und seines torenhaften Auftretens von höherer Art ist und somit mindestens auf einer Stufe mit den Rittern des Artushof steht. [Huber 1981: vgl. S. 168.]  Wolfram hebt bei Parzivals Einzug zum Artushof nochmals seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und seine Torheit hervor. Die Frage, wer von den ganzen &amp;quot;Artussen&amp;quot; ihn zum Ritter machen wird, zeigt diese Unwissenheit und tumpheit ganz deutlich (147, 22-23). Auch die Art wie er die Tafelrunde begrüßt, lässt seine Torheit nochmals deutlich werden. Doch wie schon öfters zuvor wird sein Aussehen vorgeschoben und gibt ihm, in gewissem Sinne, eine Entschuldigung für sein Auftreten.  Er ist ja von Gott auserwählt und keiner soll daran zweifeln müssen. [Huber 1981: vgl. S. 168.]  Hätte er nicht dieses Aussehen, wäre ihm vieles nicht möglich auf seinem Weg. Seine Schönheit rettet ihn vor seinem weltfremden Auftreten und gibt ihm, wie vorher erwähnt, eine Art Legitimation. Parzival will unbedingt die Rüstung des Ither besitzen, um nun selber wie ein echter Ritter auszusehen. An dieser Schwelle zum Unglück und zur Schuld, die Parzival auf sich lädt, verweist Wolfram ein weiteres Mal auf dessen Schönheit. Die Tatsache, dass er auserwählt ist, soll hier wieder im Kontrast zu seiner &#039;&#039;tumben&#039;&#039; Tat stehen. Die Schönheit wird hierbei nicht nur als Zeichen, sondern vielmehr als Instrument der göttlichen Gnade gesehen. [Huber 1981: vgl. S. 170.] Bevor Parzival an die Rüstung des Roten Ritters gelangt, stehen seine Schönheit und sein torenhafter Aufzug immer in Opposition zueinander. Seine Kleidung zeigt auf, dass er durch seine [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]] von &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; befallen ist, jedoch gleichzeitig durch seine äußere Erscheinung eine Verbindung zu Gott hat und durch ihn zu Höherem berufen ist. [Hahn 1975: vgl. S. 218.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie man sieht gibt es im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; schon zu Beginn des Romans eine Fülle von Schönheitsbeschreibungen des Parzival. Im weiteren Verlauf der Handlung taucht dieses Motiv immer wieder auf. Das Prinzip bleibt jedoch über weite Strecken dasselbe. Seine Schönheit wird als von Gott gegeben angesehen und er wird somit als jemand gesehen, der von ihm berufen wurde. [Huber 1981: vgl. S. 157.] Interessant ist hier nochmals herauszustellen, dass er durch sein Äußeres eine Art Legitimation seiner folgenden Taten erfährt. [Huber 1981: vgl. S. 168.] Zwar ist Parzival durch die [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erziehung der Mutter]] &#039;&#039;tumb&#039;&#039; und viellicht auch in einer gewissen Weise weltfremd, doch seine äußerliche Erscheinung lässt diese Tatsache immer wieder in den Hintergrund rücken.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Stärke==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kindheit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Neben seinem schönen Äußeren findet sich im Roman oftmals die Aussage, dass Parzival unheimlich stark sei. Vor allem wird aber zu Beginn der Handlung klar, dass er seinem Alter in körperlicher Hinsicht voraus ist. Dies zeigt sich zum einen bei seiner Geburt, bei der seine Glieder als stark beschrieben werden (112, 7-8) und darüber hinaus festgehalten wird, dass er die Glieder eines ausgewachsenen Mannes hat (112, 26-27). Zum anderen wird dies deutlich, wenn man sich seine Zeit im Wald mit seiner Mutter vor Augen führt. Obwohl er noch recht jung ist, schnitzt er sich Bogen und Bolzen und macht Jagd auf Vögel. Er zeigt sich für sein Alter ziemlich geschickt im Umgang mit der Waffe und tötet viele dieser flinken [[Tiere und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Federtiere]] (118, 3-6). Auch die Tatsache, dass er auf die Jagd nach Hirschen geht und dadurch für Nahrung für die ganze Gefolgschaft sorgt (120, 2-4), zeigt seine reife körperliche Verfassung. Es darf vermutet werden, dass er zu diesem Zeitpunkt noch nicht allzu alt ist, doch seine Fähigkeit mit dem Bogen und auch dem Speer umzugehen sind jetzt schon beeindruckend. Auch die Tatsache, dass er die geschossenen Tiere immer selbst heim trägt (120, 8-10), zeigt, dass er körperlich seinem Alter entsprechend weit voraus ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Begegnung mit Ither und ritterliche Erziehung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch in der Begegnung mit [[Kampf mit:: Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ither]] zeigen sich schon Parzivals kämpferische Fähigkeiten und die Tatsache, dass er einen Ritter nur mit einem Speer bewaffnet tötet (155, 5-9), beeindruckt. Die Tatsache, dass Parzival die Tat aus kindlicher Dummheit heraus begangen hat (156,24), überschattet jedoch seine kämpferische Leistung. Mit Ithers Tod hat der &#039;&#039;tumbe&#039;&#039; Held Sünde auf sich geladen, da die beiden verwandt sind. [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] sieht hier die zweite große Sünde des Parzival (499, 20).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seine Fähigkeiten im Kampf und seine Stärke werden in der ritterlichen Unterweisung durch [[Erlernt von:: Gurnemanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gurnemanz]] nochmals deutlicher. Parzival erfährt durch Gurnemanz zum einen eine ritterliche Erziehung und zum anderen wird er in der Kunst des Kampfes ausgebildet. In der praktischen Unterweisung zeigt er sich derart geschickt, dass er sofort alles gelernte umsetzen kann. So wird ihm gezeigt, wie eine Tjost geritten wird und Parzival kann dies direkt so gut umsetzen, dass er die erfahrenen Ritter in den Übungen gleich vom Pferd stößt. [Bumke 2004: vgl. S. 60.] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In dieser Szene wird deutlich, dass Parzival neben seiner Schönheit eine zweite herausragende Eigenschaft besitzt. Er ist derart stark und geschickt im Umgang mit der Waffe, dass er nicht lange braucht um gelerntes im Kampf anzuwenden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Kämpfe mit Gawan und Feirefiz===&lt;br /&gt;
[[Datei:Bilder-9512-6538-1600.jpg|thumb|Parzival im Zweikampf gegen den unterlegenen Gawan]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch im Kampf mit [[Kampf mit:: Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] wird deutlich, dass Parzival ein starker Kämpfer ist, jedoch durch seine [[Parzivals tumpheit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|tumpheit]] wieder in einen Verwandtschaftskampf gerät. [Bumke 2004: vgl. S. 112.] Wie auch schon vorher bei dem Aspekt der Schönheit, stehen hier tumpheit und Stärke des Parzival im Kontrast zueinander. Einerseits ist er ein außerordentlich guter und starker Kämpfer, andererseits verwickelt er sich immer wieder in Kämpfe mit Verwandten und stellt seine Fähigkeiten somit ein wenig in den Schatten. Der Kampf mit Gawan zeigt jedoch auch, wie stark Parzival wirklich ist. Seine Kraft und Stärke ist derart übermächtig, dass Gawan, der auch ein guter Kämpfer ist, eigentlich keine Chance gegen Parzival hat (688, 11-18).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einen weitere &#039;&#039;tumbe&#039;&#039; Tat zeigt sich im letzten Kampf des Parzival gegen seinen [[Bruder von:: Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Bruder]]. Auch hier kämpft er wieder gegen einen Verwandten und es ist somit festzuhalten, dass seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; bis zum Schluss bestehen bleibt. Der Kampf zwischen den beiden ist von der Stärke beider geprägt, doch es zeigt sich, dass Feirefiz ein wenig stärker zu sein scheint. Dieser Kampf überragt von seiner Qualität sicherlich alle anderen Kämpfe (738, 11- 744, 24), doch die Tatsache, dass hier zwei Brüder aufeinandertreffen, lässt diese Situation dumm und bizarr erscheinen. Durch das Zerbrechen des Schwertes Parzivals kommt es, dass er seinen ersten Kampf verliert, doch seiner Kampfkunst tut dies keinen Abbruch. [Bumke 2004: vgl. S. 115.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist festzuhalten, dass Parzival von einer außergewöhnlichen Schönheit und Stärke gesegnet ist. Immer wieder wird im Verlauf der Handlung darauf eingegangen. Seine Verbindung zu Gott wird dabei in den Vordergrund gerückt. Die Tatsache, dass er ein &#039;&#039;tumber&#039;&#039; Held ist, relativieren seine Fähigkeiten etwas. Doch zumindest seine Schönheit wird immer wieder vor seine tumpheit gestellt und als eine Art Legitimation gesehen. Er ist durch seine von Gott gegebene Schönheit mit ihm verbunden und seine Sünden werden damit etwas relativiert. Die Tatsache, dass Parzival immer wieder gegen Verwandte kämpft und ihnen dadurch Schaden zufügt, zieht sich wie ein roter Faden durch den Roman. Klar ist, dass er sehr stark ist und als einer der besten Kämpfer überhaupt dargestellt wird. Doch seine Verfehlungen, in Bezug auf die zahlreichen Verwandtenkämpfe, lassen dies in den Hintergrund rücken. Anders als bei der Schönheit findet sich in seiner Stärke keine Legitimation seiner Taten. Es wird mehrmals daraufhin gewiesen, dass er durch seine &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; und die daraus resultierenden Kämpfe Sünde auf sich lädt. Es ist somit zu sagen, dass seine Schönheit als herausstechendstes Merkmal zu sehen ist und sein Äußeres klaren positiven Einfluss auf die Handlung nimmt. Seine Stärke wird deutlich negativer dargestellt und der Einfluss auf den Handlungsverlauf ist weitestgehend schlecht und negativ. Doch zumindest ist festzuhalten, dass der Roman durch diese zwei Eigenschaften vorangetrieben wird, im positiven wie im negativen Sinne.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Quellennachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;	 		 		 	 	 		&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichert 2007] Reichert, Hermann: Mittelalterliche Literatur als Männerliteratur. Vorlesung WS 2005/2006. Wien: Facultas Verlags- und Buchhandels AG 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Huber 1981] Huber,Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs „Parzival“. Ab- handlung zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät I der Universität Zürich. Inaug. Diss. Zürich, Bern: Juris Druck + Verlag 1981. &lt;br /&gt;
 		 	 	 		&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hahn 1975] Hahn, Ingrid: Parzivals Schönheit. Zum Problem des Erkennens und Verken- nens im „Parzival“. In: Verbum et signum. Zweiter Band. Beiträge zur mediä- vistischen Bedeutungsforschung. Studien zur Semantik und Sinntradition im Mittelalter. Hrsg. von Hans Fromm, Wolfgang Harms, Uwe Ruberg. Mün- chen: Wilhelm Fink Verlag 1975 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, Stuttgart/Weimar, 8. Auflage 2004.&lt;br /&gt;
 	 &lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Motiv]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Bedeutung_des_Abenteuers_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23492</id>
		<title>Die Bedeutung des Abenteuers (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Bedeutung_des_Abenteuers_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=23492"/>
		<updated>2015-07-14T20:54:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: kleine korrekturen&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt; Hinweis: Dieser Artikel wird im Rahmen eines Hauptseminars angefertigt und befindet sich in der Erarbeitungsphase.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
In diesem Artikel soll die Bedeutung des Abenteuers näher betrachtet werden, da sowohl Gahmuret, als auch Parzival in der Ferne das Abenteuer suchen und hierfür geliebte Menschen zurück lassen. Diese [[Abschiede in Wolfram von Eschenbachs &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Abschiede]] haben meist schlimme Auswirkungen. Nicht nur Jammer, Verzweiflung, Trauer und selbst Tod resultieren aus dem Verlassenwerden, sondern im Falle Herzeloydes führt der Verlust ihres geliebten Ehemanns zu einem Traumata, welches sie schließlich dazu bewegt, ihren Sohn Parzival isoliert von der Gesellschaft in der Einöde Soltanes großzuziehen, um zu verhindern, dass auch er sich für das Abenteuer entscheidet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Gahmuret und das Abenteuer ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und seine Familie ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmurets Vater stirbt, woraufhin sein älterer Bruder Galoes gemäß der in Anschouwe herrschenden [[Erbfolgen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Primogenitur]] alles erbt und die Herrschaft übernimmt. Dieser möchte jedoch auch Gahmuret daran Anteil geben. Gahmuret allerdings möchte seinen Bruder und seine trauernde Mutter zurücklassen, um auf Ritterfahrt zu gehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich war durch mîne werdekeit || Ehre zieht mich fort,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâh ritterschaft in fremdiu lant. || zu Rittertaten reise ich in fremde Länder.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(11,6-7)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der erste Part zeigt also schon auf, dass Gahmuret geliebte Menschen verlässt, um Ruhm und Ehre in Ritterfahrten zu erlangen. Weder eine Rückkehr in seine Heimat, noch ein Wiedersehen mit seiner zurückgelassenen Familie finden statt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| muoter, bruoder, noch des lant || Die Mutter und den Bruder mitsamt seinem Land&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn ouge nimmer mêr erkôs; || sag sein Auge niemals wieder.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Belacane ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gahmuret ist mit der dunkelhäutigen Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] verheiratet, die er im Orient im Kampf vor Patelamunt gerettet hat. Doch während der [[Die Beziehung zwischen Gahmuret und Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehe mit Belacane]] wird er unglücklich. Sie ist bereits schwanger, als Gahmuret eines Tages bemerkt, dass es für ihn in seinem jetzigen Land keine Ritterschaften mehr gibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Daz er niht rîterschafte vant, || Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des was sîn freude sorgen phant. || ihn, deshalb hatten Unzufriedenheit und &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(54,19-20)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So beschließt er, eines Nachts unauffällig und heimlich abzuhauen und seine Frau zurück zu lassen, da er sich auf die Suche nach neuen ritterlichen Abenteuern begeben möchte. In seinem Abschiedsbrief lügt er Belacane hierfür an, denn er zeigt ihr auf, dass die Unstimmigkeit ihrer Religionen ein Hindernis für ihn darstellt und er somit von ihr gehen muss. Allerdings gibt er ihr die Hoffnung, dass eine Rückkehr möglich sei, wenn sie sich doch taufen lassen würde. Wie er jedoch später abermals deutlich werden lässt, musste er sich, aufgrund Belacanes Unterdrückung seines Bestrebens nach Rittertum, fortstehlen - ein Bezug zur Religion wird nicht mehr hergestellt. Trotz der Kenntnis über das ungeborene Kind ist sein Verlangen nach Ritterfahrt so stark, dass er durch das Aufbrechen zu neuen ritterlichen Abenteuern die Geburt seines ersten Sohnes [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefîz]] verpasst. Dies hat zur Folge, dass er ihn im Folgenden auch nicht mehr kennen lernt, bzw. gibt es auch für Feirefîz keine Möglichkeit mehr, seinen Vater kennen zu lernen. Belacane steht lange Zeit unter Trauer. Sie kann damit nicht leben, dass Gahmuret sie verlassen hat. Wie später durch Feirefiz erfahren wird, ist sie aufgrund der starken Liebe zu Gahmuret, die sie in einsame Traurigkeit gebracht hat, verstorben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Gahmuret und Herzeloyde ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon bald trifft Gahmuret auf seiner Ritterfahrt auf die Königin Herzeloyde. Auch diese nimmt er zur Frau, allerdings nur unter der Voraussetzung, dass er sein Recht auf Ritterschaft behalten darf und ihm weiterhin die Möglichkeit gewährt wird, auf Turniere fortreiten zu können. Er möchte nicht wieder unter der Unterdrückung einer Frau leiden. Diese garantiert ihm seinen Wunsch und lässt ihm diese Freiheit. So lässt sie ihn in die Ferne ziehen und sein Streben nach Ruhm und Ehre durch das Rittertum weiterhin ausleben. Eines Tages jedoch, als auch sie schon mit ihrem gemeinsamen Kind schwanger ist, erhält sie die Nachricht, dass Gahmuret auf Ritterfahrt zu Tode gekommen ist. Großer Jammer und Trauer breiten sich aus. So fasst Herzeloyde, als Parzival geboren wird, den Entschluss, ihn isoliert in einem Wald ohne das Wesen des Rittertums zu erziehen. Ihm wird somit dieses Wissen vorenthalten, was letztendlich mitunter zu seiner &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; führt.  Aus Sorge um Parzival möchte sie somit verhindern, dass auch er den Drang nach Ritterfahrten entwickeln wird. Sie möchte ihn vor dem selben Schicksal wie sein Vater bewahren, aber letztendlich oder sogar vorallem auch verhindern, dass sie erneut einen Verlust wie den Gahmurets durchleben muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Parzival und das Abenteuer ==&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzival und seine Mutter Herzeloyde ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival wächst ohne das Wissen über Ritterschaft in [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Soltane]] auf und ist, durch die Erziehung Herzeloydes, mit &#039;&#039;tumpheit&#039;&#039; gezeichnet. Eines Tages trifft er jedoch auf Ritter und erfährt letztendlich so doch vom Ritterwesen - auch wenn er die Ritter aufgrund ihrer prächtigen Rüstungen erst für Götter hält. &lt;br /&gt;
Durch diese Begegenung ändert sich sein Leben, denn er beschließt ebenfalls Ritter zu werden. Um zum Ritter werden zu können, macht er sich auf den Weg zu Artûs. Somit verlässt er schon bald seine Mutter, die, als er wegreitet, tot auf die Erde fällt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô si ir sun niht langer sach [(…)] || Als sie ihren Sohn nicht mehr sah, […]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô viel diu frouwe valsches laz || da also fiel die Dame , die sich niemals hergab&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûf die erde.“  || zu untreuen Dingen, zur Erde nieder. &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
128,18-21&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival bemerkt dies jedoch nicht und erfährt erst später durch Trevrizent, dass sie aufgrund seines Abschieds gestorben ist. Er zeigt ihm auf, dass er somit große [[Sünden und Vergebung im Parzival|Sünde]] in sich trägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir grôziu triwe daz geriet, || So sehr treu war sie in ihrer Liebe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| din vartsi vome leben schiet, || die Trennung von dir, als du zuletzt fortgingst, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die du jungestvon ir tæte. || schied sie vom Leben.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
499,23-25&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Parzival und Condwiramurs ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzival entschließt sich eines Tages, seine Ehefrau [[Condwiramurs]] zu verlassen, um nach seiner Mutter zu schauen, da er nicht weiß, wie es ihr geht. Allerdings ist hierbei eine weitere Intention, sich auf Abenteuerfahrt zu begeben. Jedoch hilft ihm die Liebe zu Condwirarmus, diesen Weg zu bestehen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob ihr gebietet, frouwe, || Wenn ihr befehlt meine Dame, nehme&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit urloube ich schouwe || ich Abschied; ich will schauen, wie es &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wiez umbe mîne muoter stê.“  || meiner Mutter geht.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
223,17-19&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dar will ich zeiner kurzen stunt,  || Da will ich hin zu einem kurzen Besuch &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| und ouch durch âventiure zil. || und auch um Abenteuer zu bestehen.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
223,22-23&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Fazit ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schon am Anfang des &#039;&#039;Parzivals&#039;&#039; wird deutlich, welch große Bedeutung dem Abenteuer zugeschrieben wird. Mehrmals verlässt Gahmuret geliebte Menschen, um nach Ruhm und Ehre im Ritterwesen zu streben. Das Fernweh, Rastlosigkeit und die Sehnsucht nach Abenteuer treiben ihn immer wieder fort. Auf Abenteurfahrt zu gehen ist für ihn das Wichtigste im Leben, denn er kehrt weder einmal zu seiner Familie zurück, noch möchte er die Geburt seines Sohnes erleben. Er stellt alles über die Ritterfahrt, bis er eines Tage im Orient in einem Kampf getötet wird. Auch sein Sohn Parzival trägt diese Sehnsucht in sich, was dazu führt, dass auch er mehrmals geliebte Menschen verlässt. Anfangs verfolgt er das Ziel, ein guter Ritter zu werden, später sucht auch er Gründe, um auf Ritterfahrt gehen zu können. Letztendlich gibt ihm die Liebe zu Condwiramurs die Kraft und den Segen, wieder heil nach Hause zu kommen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Anmerkungen ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;alle angegebenen Versangaben beziehen sich auf folgende Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. 2. Auflage. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Walter de Gruyter, Berlin/New York 2003&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Gahmuret]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Abenteuer]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Abschiede]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Ritterfahrten]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_literarische_Funktion_der_Orient-Episoden_im_Parzival&amp;diff=23290</id>
		<title>Die literarische Funktion der Orient-Episoden im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_literarische_Funktion_der_Orient-Episoden_im_Parzival&amp;diff=23290"/>
		<updated>2015-07-14T16:38:25Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: rechtschreib- bzw. syntaxfehler behoben&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;In Wolfram vom Eschenbachs [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Parzival]]  tauchen immer wieder fremde Figuren aus dem Orient aus, die sich durch eine spezifische Körpergestaltung auszeichnen und zu dem herkömmlichen okzidentalen Figurenkörper in Abgrenzung stehen. Durch eine genaue Analyse der Darstellung  und Funktion ihrer äußerlichen Erscheinungsform soll die These einer Annäherung von [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Orient]] und Okzident überprüft werden. Um die Grundlager dieser &amp;quot;vermeintlichen&amp;quot; Akklimatisierung herauszufiltern sollen drei Untersuchungskritierien beachtet werden: &#039;&#039;&#039;Ritterlich-höfisches Wertesystem&#039;&#039;&#039;, [[Verwandtschaftsbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | &#039;&#039;&#039;Genealogie&#039;&#039;&#039;]]  und &#039;&#039;&#039;Religion&#039;&#039;&#039;. &amp;lt;ref&amp;gt; Eine allgemeine Analyse der heidnischen und christlichen Kulturbegegnungen findet im Artikel [[Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur|Parzival: Aufeinandertreffen christlicher und heidnischer Kultur]] statt, der die These einer Annäherung ebenfalls bestätigt. Die Analyse findet aber aber anhand eines größeren Untersuchungsgegenstandes statt und liefert zusätzlich Erklärungsversuche für diese Harmonisierung. Somit steht er ergänzend zu diesem Artikel.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Der adelige Körper&amp;lt;ref&amp;gt; Es ist zu beachten, dass es eine Vielzahl von unterschiedlichen Betrachtungsweisen zum Körperdiskurs gibt. Einblicke in das Spektrum gewährt [Wolfzettel 2007]. Der interdisziplinär angelegte Band, dessen Beiträge Körperkonzepte im arthurischen Roman fokussieren, widmet sich dem Thema in gattungsgeschichtlicher Perspektive.&amp;lt;/ref&amp;gt;=&lt;br /&gt;
Um eine Analyse der orientalischen Körper sinnvoll zu gestalten, erzwingt sich eine kurze Darstellung der Ideologie des adeligen Körpers.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. dazu [Ackermann 2009] und [Schulz 2008: 16-24; 208-256] Im Folgenden werden spezielle Aspekte dieser Ideologie weiter erklärt werden.&amp;lt;/ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Kenntlichkeit der höfischen Romanfiguren unterliegt den von den äußeren Zeichen ermöglichten Bedingungen.  Das heißt für das Mittelalter und das epische Werk Wolframs, dass die Kultur auf Sichtbarkeit und Deixis angelegt ist. Körper und ihre Bewegungen sind daher als kulturelle Zeichen zu lesen, auf die sich das Gestensystem als &amp;quot;dritte Fundamentalkategorie der Kommunikation&amp;quot; stützt.  [Peters 1992:63-86] Deshalb müssen Körper-Konstruktionen im epischen Konstrukt immer als Zeichen analysiert werden, denen kommunikative Funktion inhärent ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;[...] Im Roman finden sich präsenzphantasmatasche Vorstellungen, die jedoch zumeist nicht &amp;lt;unterhalb&amp;gt; der semiotischen Ebene angesiedelt sind, sondern gewissermaßen &amp;lt;oberhalb&amp;gt;, im Sinne einer -formal, nicht inhaltlich zu verstehenden -Transzendierung der Wahrnehmungseindrücke, die eben nicht mehr rational-semiotisch zergliedert werden können. Adel wird als sichtbare Qualität erdacht.&amp;quot;[Schulz 2008:209 f.] Als Erkennungsmerkmal für die Feudalaristokratie dient dabei ein Leuchten oder Strahlen von Kleidung, Rüstung und auch Haut. Es zeigt sich eine Diaphanisierung  adeliger Körper - das heißt, sie sind so strahlend, dass sie das Auge des Betrachters überwältigen und das Wahrnehmbare wird somit der Wahrnehmung entzogen. Äußerliche Zeichen  und ihre Deutung treten dann in den Hintergrund, denn die &#039;&#039;tugent&#039;&#039; des Betrachteten steht außerhalb jeder Interpretation.[Schulz 2008:209 f.] Des Weiteren fungiert [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)#Sch.C3.B6nheit | Schönheit]] als zentrales Kriterium, um die soziale Identität des Einzelnen für die anderen anschaulich zu machen. Am Grad der Schönste kann damit auch die Idoneität, im Bezug auf Herrschaft, Kampfkraft usw. &amp;quot;abgelesen&amp;quot; werden, gleichzeitig die Eigenschaft der Schönheit inhärent nicht austauschbar wie die anderen Qualitäten. Damit inkorporiert und transportiert adelige Schönheit höfische Werte.[Schulz 2008:242]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Der orientalische Körper=&lt;br /&gt;
Der fremde Körper dient einerseits der Spiegelung von Sichtweisen auf fremde Kulturen und Auskunft über das Fremdverstehen einer Zivilisation und andererseits lassen sich Strategien der Identitätsstiftung ablesen, beispielsweise die Konstitution des Eigenen über das Andere, das sich allein darüber definiert, dass es vom Eigenen abgeschlossen ist. [Schausten 2006]&amp;lt;ref&amp;gt; Solch eine Annahme lässt sich mit der traditionellen Darstellung der Heiden in der mittelalterlichen Literatur durchaus beweisen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Daraus ergibt sich, dass das Fremde als Mangel am Eigenen definiert wird.[Schotte 2009: 15] Die Analyse von vier exemplarischen orientalischen Figuren wird zeigen, ob es auf Basis einer solchen Definition des Eigenen überhaupt zu einer Annäherung von Orient und Okzident kommen kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Bâruc von Baldac=&lt;br /&gt;
Der Bâruc&amp;lt;ref&amp;gt; Es wird hier zwar nicht explizit auf seinen eigenen Körper eingegangen, aber sein Umgang mit Gahmurets totem Körper ist eine Möglichkeit, diese Figur im Hinblick auf die These trotzdem zu untersuchen.&amp;lt;/ref&amp;gt; wird im epischen Konstrukt als höchster Herrscher der Welt vorgestellt, dem zwei Drittel der Menschheit untertan sind: &lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| im wart gesagt, ze Baldac, || Ihm war gesagt worden, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waere ein sô gewaltig man,  || in Baldac gebe es einen Mann, der sei so mächtig, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz im der erde untertan || daß ihm die zwei Teile der Erde &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| du zwei teil waeren oder mêr. ||untertan seien und sogar noch mehr. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  […] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|vil Künneke waren sîne man, || Viele Könige waren seine Vasallen, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit krôntem lîbe undertân. || gekrönte Häupter  waren ihm untertan.&lt;br /&gt;
|}(13,16-24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Religion als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Wichtiger im Zusammenhang mit der These erscheint aber die Belegung der geistlichen Spitzenfunktion des Orients durch den Bâruc: &#039;&#039;heidenschen orden man dort siht / ze Bakdac nement se ir Bâbestreht&#039;&#039; (13, 28 f.) Durch die hier offenbarte Binde- und Lösegewalt  (&#039;&#039;bâbestreht&#039;&#039; 13, 29) wird er als oberster Würdenträger der heidnischen Religion in Analogie zum christlichen Papst gesetzt. Damit findet eine komplexe Übertragung von westlicher Herrschaftstruktur und vasallitischer Bindung auf den Orient statt. Die Strukturen der abendländischen Religion werden hier eindeutig in Beziehung zu denen der christlichen Glaubensgemeinschaft gesetzt, was sich vor der Folie der christlichen Identität, die sich eben durch ihre Taufe zum Fremden abgrenzt, als besonders brisant darstellt. Wolfram vollzieht hier auf Grundlage einer Parallelisieren eine Verschränkung von Orient und Okzident, sodass &amp;quot;[…] das Ferne des Orients in den Kategorien der eigenen Ordnung als vertraut erscheinen kann.&amp;quot;[Kellner 2009: 29]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die Bestattung [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gahmurets]] manifestiert nochmals die Annäherung von Morgen- und Abendland in der Ausstattung des Grabes. Das prunkvolle Begräbnis in Baldac bekräftigt das Treueverhältis zwischen orientalischem Fürst und okzidentalem, &amp;quot;vasallischem&amp;quot; Ritter [Raucheisen 1997:65] :&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  Er wart geleit ze Baldac. || Er wurde in Baldac zu Grabe gelegt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu kost den bâruc ringe wac.|| Die Kosten achtete der Bâruc wenig.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit golde wart gehêret,  || Mit Gold wurde er geadelt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grôz rîcheit dran gekêret || und große Herrlichkeit&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit edelem gesteine,   || mit edlen Steinen an die Gruft gewendet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|dâ inne lît der reine.  || in der er liegt, der Reine.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|   […]  ||  […] &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein kriuze nâch der marter site,  || Ein Kreuz,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als uns Kristen tôt lôste,  || wie das, an dem uns Christus durch sein Leiden und den Tod erlöste,&lt;br /&gt;
|- &lt;br /&gt;
| liez man stôzen im ze trôste, || pflanzte man ihm als Trost&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ze scherm der sêle, überz grap. || und Schirm der Seele, übers Grab.&lt;br /&gt;
|&lt;br /&gt;
|} (106, 29- 107,8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Bâruc lässt den christlichen Ritter äußerst großzügig und mit einer großen religiösen Toleranz begraben, verdeutlicht durch das Symbol des Kreuzes. Raucheisen deklariert ihn deswegen als vorbildlichen Herrschertypus.[Raucheisen 1997:65] Zwar verschwimmen die Grenzen an dieser Stelle durch die Quantifikation des orientalischen Herrscher, doch werden sie nicht vollständig getilgt, was durch die Erwähnung des heidnischem Umgangs mit dem christlichen Kreuzsymbol offenbart wird. (109, 19-24)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Karnahkarnanz=&lt;br /&gt;
Karnahkarnanz ist der erste Ritter, der Parzival begegnet und damit fundamental wichtig für seine Entwicklung zum Krieger und seine Identitätsbildung.&lt;br /&gt;
==Höfisch-Ritterliches Wertesystem als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Vor allem das Äußeres von Karnahkarnanz spielt bei bei dieser ersten Begegnung eine herausragender Rolle. Im Mittelpunkt steht dabei eine Erhabenheit, eine innere tugendhafte Vollkommenheit des Kriegers, die sich durch seinen Glanz manifestiert, der das göttliche Licht reflektiert [Salama  2014: 3 ff.]: &#039;&#039;ern hete sô liehtes niht erkant&#039;&#039; (122, 1). Diese Darstellung entspricht der okzidentalen Kultur, laut der Adel eine sich im körperlichen Glanz sichtbar manifestierende Qualität ist. [Schulz 2008: 242 ff.] Die Kultur der Sichtbarkeit spiegelt sich nochmals wider, indem Karnahkarnanz sozialer Rang und Status durch eine visuelle Repräsentation lesbar wird:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ûfem touwe der wâpenroc verwant.  || Bis auf den Tau hinab fiel lang der Waffenrock. &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit guldîn schellen kleine  || Von glitzernden goldenen Glöckchen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vor iewederm beide || vor jedem Bein &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|wârn die stegreife erklenget || klingelten die Steigbügel, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| [...] || [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|sus fuor der fürste rîche, || In wunderschönem Waffenrock&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|gezimiert wünneclîche.|| ritt der gewaltige Fürst.&lt;br /&gt;
|} (122, 2-12)&lt;br /&gt;
Knäpper offenbart, dass sich Wolfram sowohl in der körperlichen Konstruktion als auch in seiner Namensgebung von seiner französischen Vorlage distanziert. Er analysiert den Namen Karnahkarnanz als orientalisch und deckt auf, dass er  auf einem altiranischen Wort basiert, welches übersetzt &#039;&#039;mythischer Glücksglanz&#039;&#039; bedeutet.[Knäpper 2011: 279 f.] Dieser Glücksglanz ist Basis eines avestischen Konzeptes, als lichthafte &lt;br /&gt;
feurige Kraft, die besonders herausragenden Menschen von den Göttern verliehen wird.[Stausberg  2002:178 f.] &lt;br /&gt;
Wolfram integriert damit ein orientalisches Konzept von äußerlicher und innerlicher Entsprechung in die Regel der christlichen Kalokagathie. &amp;lt;ref&amp;gt; Diese Regel besagt, dass die äußerliche Schönheit von repräsentativer Natur ist und damit über den sozialen oder inneren Status der Figur Ausschluss gibt.[Salama  2014:3 ff.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Die Synthese des östlichen Glücksglanzes mit der westlichen Lichtmetapher am Beispiel eines orientalischen Kriegers beweist, dass sowohl Christen als auch Heiden durch tugendhafte Taten diesen transzendentalen Glanz erlangen können. Hier wird nicht nur ein Beweis für die Verschmelzung von orientalischen und okzidentalischen Konzepten erbracht [Knäpper  2011: 282], sondern auch ein Beleg für eine ganz ähnliche traditionelle körperliche Darstellung von Idoneität. &amp;quot;[Denn]  der &amp;gt;Glücksglanz&amp;lt; ist ebenfalls an der Seite von Rittern und Helden der iranischen Epen zu finden […]&amp;quot; [Knäpper  2011: 283 f.]und ist damit ein Motiv der orientalischen Idoneität, welche als Konzept weit über den avestischen Kulturkreis hinaus prägend war. Damit zeigt sich also nicht nur die Übertragung des ritterlich-höfischen Lichtmetaphorik auf den Orient, sondern es offenbart sich, dass beide Ideale ähnliche Wurzeln haben und so ein Traditionsaustausch auf Basis dieses kulturell übergreifenden Paradigmas möglich ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Belacane=&lt;br /&gt;
Durch Gahrmurets &#039;&#039;aventiure&#039;&#039; gelangt er in das Land Zazamac, welches von der dunkelhäutigen Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Belacane]] regiert wird und sich im Krieg befindet (16, 20- 17, 20).&lt;br /&gt;
==Höfisch-Ritterliches Wertesystem als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Die Anthropologie des höfischen Romans gründet auf einem Kalokagathieideal; schön heißt gut und gut heißt adelig. Der Körper von Belacâne ist in besonderer Weise spezifisch und weist sie auf den ersten Blick durch ihre Hautfarbe als &amp;quot;Fremde&#039;&amp;quot; und durch ihre &amp;quot;Hässlichkeit&amp;quot; aus dem christlichen Kulturkreis aus. Allerdings vollzieht Wolfram an ihr eine Transformation des höfischen Frauenbildes. Denn obwohl der Erzähler bemerkt, dass ihre Hautfarbe dunkel ist:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist iht liehters denne der tac, || Wenn etwas heller wäre als der Tag,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem glîchet niht diu künegin. || dem gleicht die Königin nicht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|} (24, 6 f.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
negiert er dieses okzidentale Schönheitsideal der hellen Hautfarbe durch das transzendentale Strahlen der Königin:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der touwegen rôsen ungelîch. || der tauigen Rose ist sie aber unähnlich.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nâch swarzer varwe was ir schîn, || Von schwarzer Farbe war ihr Schein,&lt;br /&gt;
|} (24, 10 f. )&lt;br /&gt;
Diese, wie bereits oben beschriebene, zentrale Vorstellung in der mittelalterlichen Kultur gipfelt in einer Realabstraktion, die erst eine Übertragung auf eine orientalische Figur ermöglicht. &amp;quot;Indem [sich nämlich] Schönheit [...] vorrangig durch Glanz artikuliert und wahrnehmbar wird, verliert sie jede Konkretheit, obwohl sie ein körperliches Fundament hat. [...] Adelige Körper strahlen von selbst, ohne jedes äußere Licht [...]. Im Glanz wird die konkrete Gestalt des Körpers bedeutungslos [...]&amp;quot;[Schulz 2008:243] und im Falle Belacanes wird ihr eigentlich &amp;quot;unadeliger&amp;quot; Körper so nobilitiert. ( 24, 11; 32, 25) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Da im gleichen Abschnitt von ihrem unübertreffbaren &#039;&#039;wîplîchen sin&#039;&#039; (24, 8) gesprochen wird, offenbart sich, dass vorbildliches weibliches Verhalten nicht länger über die Hautfarbe definiert und relativiert ist. Wolfram erschafft hier ein &#039;&#039;Oxymoron der schwarzen Helligkeit, […] welches die schwarze Haut zugleich ästhetisiert und nobilitiert&#039;&#039; [Schmid  2004:23]  und somit die etablierte christliche Tradition der Lichtmetaphorik von &amp;quot;Hell - Gut und Dunkel - Böse&amp;quot; negiert. Der Erzähler geht noch weiter und drängt die Äußerlichkeit der weiblichen Figur, zu Gunsten ihres &#039;&#039;wîplîchen sins&#039;&#039; immer weiter in den Hintergrund.&amp;lt;ref&amp;gt;Auch die Erfahrung von Falschheit, als kontrastierende Negativfolie zum Beispiel Belacanes beweist, dass vom wahrnehmbaren Äußeren einer Person nicht immer auf ihr Inneres geschlossen werden kann.[Schulz 2008:215]&amp;lt;/ref&amp;gt; Denn obwohl der Erzähler Belacanes Schönheit oft lobt, ist Gahrmuert von ihr zuerst nicht angetan (17, 24 ff.;19, 17 ff.; 20, 4 ff.) Seine Zuneigung beginnt erst ab dem Augenblick, wo er von ihren weiblichen Tugenden erfährt. (28, 10-19). Rüdiger Schnell verweist auf das Bestreben der höfischen Literatur, Liebe über innere Werte zu begründen [Schnell  1985: 241-274] und bestätigt damit da sich hier zeichnende Bild. Damit wird eine Vergleichbarkeit aller Frauen geschaffen, auf Basis eines nach innen verlagerten Schönheitsideals, das nicht mehr auf einer Kontrastieren von hell und dunkel als Analogie von Gut und Böse fußt.[Salama  2014: 5] Damit öffnet sich der weibliche Ästhetikbegriff zu Gunsten einer Inklusion vom Orient, indem eine Exklusion der äußerlichen Unterschiede aus dem Idealvorstellungen von Weiblichkeit vollzogen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religion als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
In der Figur von Belacane zeigt sich aber nicht nur eine Anlogie zu westlichen höfischen Damen, sondern auch zum Christentum:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gahmureten dûhte sân, || Gahmuret kam es so vor,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swie sie waere ein heidenin, || als wäre nie - obwohl sie doch eine Heidin war -&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit triwen wîplîcher sin || eine Seele mit so viel wahrer Frauentreue&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| in wîbes herze nie geslouf. || in ein Herz geschlüpft wie hier&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kuische was ein reiner touf, [...] || Ihre Unschuld war ein reines Taufwasser [...]&lt;br /&gt;
|} (28, 10-14)&lt;br /&gt;
Durch ihre vorbildliche &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; vollzieht sich hier eine Taufe  [Kellner 2009: 31], die darauf hinweist, dass nicht nur der sakramentale, formale Akt der Weihe einen Menschen in die Gemeinschaft der Christen aufzunehmen vermag, sondern auch einen nach innen verlagerte Taufe, bedingt durch eine spezifische Idoneität. &amp;quot;In [Wolframs ] Zeit gab es kein höheres Lob für Ungläubige, nie zuvor wurde es in mittelhochdeutscher Literatur ausgesprochen.&amp;quot; &amp;lt;ref&amp;gt; Kellner stellt allerdings fest, dass sich diese Passagen, die sich auf eine Annäherung Belacanes zum Christem einer eindeutigen Interpretation entziehen. Denn Belacane beschließt auf Grund des Briefes von Gahmuret sich zugleich taufen zu lassen. Damit offenbart sich die Taufe für sie nur als Mittel zum Zweck um Gahrmuet an sich zu binden und deckt somit ihre innere Distanz zum Christentum auf. &#039;&#039;Raucheisen 1997:68]  Korrespondiert hier die innere Ferne zum Christentum mit der Bereitschaft zum äußeren Vollzug des Sakraments, so wurde [vorher] die innere Nähe zum Christentum als Pendant zur Taufe inszeniert. Die Episoden um Belacane umkreisen die Problematik von Nähe und Distanz zwischen Heiden und Christen, ohne diese eindeutig zu perspektivieren.&#039;&#039; [Kellner 2009:31 f.] .&amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Darstellung der Trauer Belacanes um ihren verstorbenen Geliebten wird christlich dargestellt, denn eine heidnisch konnotierte Gebräbniszeremonie fehlt.(28, 18 - 31, 25). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die ambivalente Konstruktion der  Belacane-Figur zeigt auf, dass die Königin, obgleich ihrer körperlichen Fremdheit, sehr wohl eine soziale Rolle innerhalb der christlichen Gesellschaft einnehmen kann, die einer höfischen Edelfrau.[Schnellemann 1941:161] &#039;&#039;Ihr internalisiertes habituiertes Wissen unterscheidet sich sich nicht von den okzidental-christlich höfischen Manieren und Tugenden einer höfischen Dame (28, 10 ff.). [Salama  2014: 29] Durch geringfügige Änderungen des Weiblichkeitsparadigmas der okzidentalen Welt ist es  &#039;&#039;[den] für beide Kulturen gültigen Regeln  [der] höfischer Zivilisation im literarischen Kunstwerk zumindest zeitweise [möglich,] die Grenzen zwischen der okzidental-christlichen und der orientalischen-heidnischen Welt [zu überbrücken].&#039;&#039; [Mitsch 199: 92].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Feirefiz=&lt;br /&gt;
== Genealogie als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Feirefiz Körper ist an sich schon ein Zeichen der Verbindung von Abend- und Morgenland: &#039;&#039;eins suns, der zweier varwe was, / an dem got wunders wart enein: / wîz und swarzer varwe er schein&#039;&#039; (57, 16 ff.)  Der inneren genealogische Verschränkung von Osten und Westen [Kellner 2009: 35] wird durch eine äußere Synthese von Schwarz und Weiß entsprochen.&lt;br /&gt;
Genealogie spielt hier also als integratives Modell eine wichtige Rolle für die Verschwendung der zwei Kulturen. &#039;&#039; Von besonderer Bedeutung ist dabei dass die genealogische Verbindung Westen und Osten über die Vereinigung des Blutes als Naturordnung inszeniert und gedeutet werden kann. [...]Feirefiz hat die Rolle des Grenzgängers zwischen Orient und Okzident im Blut, sie ist ihm in seiner [[Typologie der drei Menschen|Elsternfarbigkeit]] geradezu auf den Leib geschrieben [...].&#039;&#039; [Kellner 2009: 35] Die Genealogie des Kriegers ist aber auch religiös zu unterbreiten, da Feirefiz, Parzival und Gahmuret als ein Leib dargestellt werden und somit in ihrer Dreiheit eine Einheit bilden, die Assoziationen an die göttliche Trinität erweckt, die in transformierter Form hier die Einheit zwischen Christen und Heiden offenbart. Damit dehnt sich die Gotteskindschaft auf Christen und Heiden aus und Feirefiz, als orientalischer Körper mit christlichem Vater und als vollendeter Ritter, ist in den christlichen Sippenverband integrierbar und damit letztendlich auch in das christliche Weltbild. [Salama  2014: 7] &lt;br /&gt;
Grundlage dieser Grenzgänger-Figur ist sicherlich seine Verwandtschaft, die ihm sowohl christliche als auch heidnische Merkmale einbringt. Dadurch ist die Begegnung zwischen [[Parzival und Feirefiz]] nahezu unumgänglich und führt letztendlich dazu, dass beide sich im Anderen selber erkennen und ihre gesamte Identität erschließen. Das geschieht aber eben nicht durch eine Abgrenzung, sondern durch die Erkenntnis, dass sie ein Körper sind. Dies beweist noch einmal die These einer Verknüpfung von Abend- und Morgenland.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Höfisch-Ritterliches Wertesystem als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Der Heide erscheint als der gewaltigste und schönste Ritter des ganzen Epos. Besonders auffällig gestaltet sich die Beschreibung seiner Ausstattung. Äußere Schönheit basiert auf das visuelle Zusammenspiel von adeliger &#039;&#039;[[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|varwe]]&#039;&#039;, eines sichtbaren Habitus (gebærde) und einer entsprechenden Gestalt, wobei der Fokus vor allem auf prächtiger Kleidung liegt. Dieses Ideal entspricht dem Rahmenbedingungen der feudalen Kultur des Mittelalters, die auf Sichtbarkeit gegründet ist und somit auf der visuellen Repräsentation von sozialem Status, von Rand und Hierarchie basiert. [Schulz 2008: 242]&lt;br /&gt;
Schönheit wird als Teil der höfischen Qualitäten des Helden, zur Metonymie seiner gesamten Person. Der Schönste ist zugleich der Beste und auch Kultivierteste. [Schulz 2008:239] Diesem adeligen Anspruch genügt Feirefiz, wie seine Ausstattung und sein Verhalten während seines Kampfes mit seinem Halbbruder beweist. Obwohl er ein Heide ist, scheint seine ritterliche Ausbildung vollkommen zu sein, repräsentiert durch kostbare Kleidung und Rüstung, sein vorbildliches Benehmen im Kampf mit seinem Bruder und seine Minnetaten.(734, 29 / 735, 2 736, 25   736 , 7) Vor allem den kontextbestimmenden Prinzipien von &#039;&#039;milte&#039;&#039; und &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (752, 24 ff.; 28, 14)schenkt er Beachtung und befolgt sie. &lt;br /&gt;
Im Kampf mit seinem Bruder beweist er höchste Ritterlichkeit, er lobt Parzival für seine Stärke, bietet ihm eine Pause an, gesteht Parzival den Sieg zu und kommuniziert auf höchsten Niveau, indem er seinen Namen zuerst nennt. Diplomatie und Entgegenkommen des Heiden beweisen Großzügigkeit indem er ihm Ländereien schenkt (Müller: doppelter Sieg: Physisch und ideologisch, durch überlegene Menschlichkeit Ulrich Müller: Feirefiz anschevin - Überlegungen zur Fiktion einer Romangestalt Wolframs von Eschenbach, in: Negritude et Germaine. L&#039; Afrique norie das la litterature d&#039;expression Alemanne. 12ieme Congres de l&#039;Association des Germanisten de l&#039;enseignement superieur .Dakar, 12-15 avril 1979. Dakar 1983 S.37-48)&lt;br /&gt;
Somit beweist er Tapferkeit, Schönheit und Kultiviertheit, und repräsentiert somit als orientalischer Ritter den Idealtypus des Ritters. [Nauman XXXX:90]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Fremde kennt sich quasi besser in der abendländischen Kultur aus als Parzival. Hierzu könnte man die These Beate Kellners heranziehen, dass Wolfram bei dem Kampf mit dem Fremden &amp;quot;zugleich eine Auseinandersetzung mit sich selbst inszenier[e]&amp;quot;, das heißt mit der eigenen christlichen Kultur.[Kellner 2009]:41&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Religion als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Feirefiz ist insofern eine interessante Figur in Bezug auf die Fragestellung des Artikels, weil er nicht nur in den Handlungsräumen der westlichen Welt agiert, sondern sie sogar besser zu verstehen und anzuwenden weiß als beispielsweise Parzival. Er dringt jedoch nicht nur in den okzidentalen-christlichen Raum ein, sondern erkämpft sich eine soziale Rolle in ihm, indem er sich taufen lässt (814, 1-818, 19). Kellner folgert, dass die Nähe zum Christum, durch die &#039;&#039;kiusche&#039;&#039; und &#039;&#039;Tränentaufe&#039;&#039; Belacanes in ihrem Sohn zum sakramentalen Vollzug. Durch diese Inklusion scheint das Heidnische im Christlichen aufzugehen [Kellner 2009: 35] und transformiert Feirefiz von einer Exklusions-Identität zu einer Inklusions-Identität, die den westlichen Raum bis weit in den östlichen Raum eindringen lässt und damit die Grenze zwischen Orient und Okzident fundamental verschiebt.[Salama 2014: 31]&#039;&#039;Es gehört zu der Dynamik dieser Figur, sich zu einem &#039;&#039;Instrument des Integrierens und Vereinen&#039;&#039;  [Müller 2008 : 63]. zu machen.&amp;lt;ref&amp;gt;Da Feirefiz gegen Ende des epischen Konstruktes die Missionierung des Ostens einleitet, stellt sich die Frage ob das genealogische Modell der Integration nur zur Stärkungen der christlichen Dominanz dient. Dieser Eindruck wird durch die Taufe des Feirefiz relativiert, die ähnlich wie bei seiner Mutter nur ein Instrument seines Begehrens ist. (814, 1- 181, 23) In den sichtbaren Zeichen auf seinem Körper bleibt also die Heterogenität des Orient und Okzident erhalten. Dies offenbart, dass es Wolfram vielmehr um eine Verknüpfung des Heterogenen geht und nicht um eine Auflösung des Fremden im Eigenen.[Kellner 2009: 35-38] &amp;lt;/ref&amp;gt;.&lt;br /&gt;
Ein leid ein Blut usw.  738 11f.       742 16f. &lt;br /&gt;
=Cundrîe =&lt;br /&gt;
Cundrîe la suziere ist eine gelehrte Frau aus dem Land Tribalibot (517, 29), die zusammen mit ihrem Bruder von der indischen Königin Secundille zur Gralsburg als Geschenk für König Anfortas geschickt wird. Dort wird sie zur [[Die Gralsbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival) | Gralsbotin]] berufen und damit in die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach,  Parzival)|Gralswelt]] integriert. &lt;br /&gt;
== Genealogie als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu der französischen Vorlage hat Wolfram Cundrîe und ihren Bruder mit Hundeschnauzen, zottigen Gesichtern, Eberzähnen, struppigen Haaren, Bärenohren, Löwenkrallen und einer affenartigen Haut ausgestattet:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| über den hout ein zopf ir swanc|| Über den Hut schwang ein Zopf&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unz ûf den mûl: der was sô lanc, || bis auf das Maultier herunter, der war so lang,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swarz, herte und niht ze clâr, || schwarz, starr und nicht eben blond und licht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| linde als eins swînes rückenhar. || so weich wie die Rückenborsten einer Sau.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was genaset als ein hunt: || In der Visage trug sie eine Hundeschnauze.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwên ebers zwne ir für den munt || Aus ihrem Mund fuhren Hauen wie bei einem Eber,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| giengen wol spannen lanc. || sie waren wohl zwei Spannen lang.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ietweder wintprâ sich dranc || Die Brauen auf beiden Seiten ragten&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit zöpfen für die hârsnuor. [...] || zu Zöpfen geflochten höher als das Haarband. [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe truoc ôren als ein ber, || Cundrîe hatte Ohren wie ein Bär,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| niht nâch friundes minne ger: || nicht so wie es sich ein Mann wünscht von seiner Geliebten.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Rûch was ir antlütze erkant. || Wild behaart war ihr Gesicht.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein geisel fuorte se in der hant: || Sie führte eine Geißel in der Hand:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dem wârn die swenkel sîndîn || Die Stricke daran waren seiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt der stil ein rubbîn. || und der Stil ein Rubin.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gevar als eines affen hût || hässlich wie eines Affen Haut&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| truoc hende diz gaebe trût. || trugen Hände diese Schätze.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die nagele wâren niht ze lieht; || Die Fingernägel waren nicht sehr hell;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wan mir diu âventuire gieht, || so sagt mir die &#039;&#039;aventuire&#039;&#039;,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si stüenden als eins lewen klân. || sie sollen wie die Krallen eines Löwen gewesen sein.&lt;br /&gt;
|} (313, 17 - 314, 9)&lt;br /&gt;
Sie erscheinen damit wie Fabelwesen und Wisbey führt auf, dass sie damit dem Volk der Hundeköpfigen (Cynokephalen) aus dem Osten entstammen. Damit reiht sich die Figur der Cundrie auf den ersten Blick in den Topos der Häßlichkeit, der im Orient beheimateten Völker, ein und weist sich als somit aus dem Orient stammende Frau aus. [Kolb 1963: 42] Die beiden Geschwister sind  Angehörige eines Stammes, der seine signifikanten Missbildungen durch eine Verfehlung zu Zeiten Adams erhalten hat:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! mittelhochdeutsch !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Gâwan sîn beite wolte: || Gâwân ließ ihn herankommen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô dûht ern ungehiure. || da erschien ihm der als ein wahres Ungeheuer&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Malcrêatuire || Malcrêatuire&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| hiez der knappe fiere: || hieß der stolze Knappe:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Cundrîe de la surziere || Cundriê de la surziere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was sîn swester wol getân: || war seine schöne Schwester:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er mouse ir antlütze hân|| er sah so aus wie sie&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gar, wan daz er was ein man. [...] || nur, dass er eben ein Mann war. [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  bî dem wazzer Ganjas|| Bei dem Wasser Ganjas&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ime lant Trîbalibôt || im Land Trîbalibôt&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wahsent liute alsus durch nôt. || misswachsten die Menschen so durch Not.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Unser vater Adâm, || Unser Vater Adam,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die kust er von gote nam, || bekam von Gott diese Kunst geschenkt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er gap allen dingen namn, || er gab allen Dingen Namen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| beidiu wilden unde zamn: [...] || beiden, wilden und zahmen: [...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  dô sîniu kint der jâre kraft|| Als seine Kinder der Jahre Kraft&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gewunnen, daz si berhaft || gewonnen, dass sie fruchtbar&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wurden menneschlîcher fruht, || wurden mit Menschenfrucht,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| er widerriet in ungenuht. [...] || da warnte er sie vor der Gier. ]...]&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| diu wîp tâten et als wîp: || Die Frauen taten so, wie Frauen tun:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| etslîcher riet ir broeder lîp || Einigen riet ihr schwaches Fleisch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz si diu werc volbrâhte, || so dass sie dieses Werk vollbrachte,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des ir herzen gir gedâhte. || das ihres Herzen Gier einfiel.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sus wart verkêrt diu mennischeit: || So war die Menschheit falsch entstanden.&lt;br /&gt;
|} (Vgl. 517, 14 - 519, 1)&lt;br /&gt;
Da Cundrîes Genealogie in einen biblischen Ursprung eingebettet ist, wird offenkundig, dass Wolfram ihre Fremdartigkeit mit christlichen Vorstellungen verbindet. So inkludiert er sie und ihre Sippe durch eine Einbettung in den göttlichen Schöpfungsplan und den christlichen Horizont. [Salama  2014: 8.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ihre Abstammung befähigt sie zu vielen Aufgaben, die niemand in der Gralsgesellschaft sonst übernehmen könnte. Sie spricht alle Sprachen, ist bewandert in Geometrie, Astronomie, Dialektik, Rhetorik und vor allem ihre pharmazeutischen Kenntnisse sind von unschätzbarem Wert für ihre Mitmenschen, vor allem für den siechenden Anfortas. Sein &#039;&#039;Krankenlager&#039;&#039; strotzt nur so vor orientalischen Erzeugnissen: &#039;&#039;pigment und zerbenzînen smac, müzzel bunt arômatâ&#039;&#039; (789, 25f.), &#039;&#039;drîakl und amber tiure&#039;&#039; (789, 29), &#039;&#039;cardemôm, jeroffel, muscât&#039;&#039; (790, 2) und zusätzlich ist Anfortas Bett mit viel wundersamen Edelsteinen geschmückt (791, 1-30). Das unsagbare Leid des Gralskönigs kann nicht mit dem herkömmlichen okzidentalen Wissen behandelt werden, deshalb muss eine Verbindung zum sagenumwobenen Orient geschaffen werden, in dem wundersame Heilmittel, entsprechend der mittelalterlichen Ansichten über den Osten, vorlagen. Die Figur Cundrîe fungiert als verbindendes Element von Westen und Osten, sie vollzieht einen Wissenstransfer der östlichen Kenntnisse in die höfische Welt und betreibt damit eine Inklusion des Orients.[Ridder 2000: 9-19] Dass auch ihr Bruder Malcrêatiure enormes Wissen über die Astronomie inne hat (520, 3), beweist, dass die Gelehrsamkeit nicht nur auf die Figur der Cundrie beschränkt ist, sondern dass sie systematisches Merkmal des Ostens ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Höfisch-Ritterliches Wertesystem als Integrationsmodell==&lt;br /&gt;
Die körperliche Konstruktion von Cundrîe beinhaltet aber noch weitere Funktionen.  Wolfram korreliert ihre äußere Missbildung&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. zur Hässlichkeit Cundrîes den Artikel [[ Die Grasbotin Cundrîe (Wolfram von Eschenbach, Parzival| Die Gralsbotin Cundrie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]] bei dem Unterpunkt &amp;quot;Die Hässlichkeit Cundrîes&amp;quot; und zu Cundrîes Verbindung zu Parzivals und seiner &amp;quot;inneren&amp;quot; Hässlichkeit und äußerer Vollkommenheit&amp;quot; im Artikel [[Cundrîe und Belacâne - scheinbar fremde Figurationen im &amp;quot;Parzival&amp;quot;|Cundrîe und Belacâne - scheinbar fremde Figurationen im &amp;quot;Parzival]].&amp;lt;/ref&amp;gt; mit einer inneren Schönheit, Tugendhaftigkeit und Weisheit:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der meide ir kunst des verjach,|| Das Mädchen war in vielerlei Künsten wohl unterrichtet,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| alle sprâche si wol sprâch,|| alle Sprachen sprach sie geläufig:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| latîn, heidensch, franzoys.|| Lateinisch, Heidnisch und Französisch.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si was der witze kurtoys,|| Eleganz entfaltete sie auf dem Gebiet der Wissenschaften.&lt;br /&gt;
|}(312,19-22)&lt;br /&gt;
und zerstört so die traditionell westliche Analogie schön -höfisch / häßlich - unhöfisch.[Jauß 1968:148] Außerdem kürzt Wolfram gegenüber seiner französischen Vorlage, die Darstellungen von Cundrîes Missbildung, was weiterhin darauf verweist, dass ihre Beschreibung nicht auf eine &amp;quot;abstoßende Reaktion&amp;quot; des Lesers angelegt ist. [Dallapiazza  1985: 403 ff.]  Vielmehr kontrastiert er fast schon ironisch ihre &#039;&#039;Hässlichkeit&#039;&#039; und ihre tragende Rolle im Prozess der weltumspannenden und systemübergreifenden Versöhnung.[Wisbey 1971: 213] Ähnlich wie bei der Figur von Belacâne wird das höfische Schönheitsideal der Frau gebrochen und durch jene des &#039;&#039;moralisch gerechtfertigten Seins&#039;&#039;[Jauß 1968:168] ersetzt.  Dieses Bild konzipiert der Erzähler im Prolog:&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| manec wîbes schoene an lobe ist breit:|| Die Schönheit vieler Frauen wird weit und breit gelobt.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist da daz herze conterfeit,|| Wenn da aber das Herz bloß nachgemacht ist,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die lob ich als ich solde|| dann lobe ich sie so,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz safer ime golde.|| wie ich ein Stückchen Glasfluß in Gold gefasst, zu loben schuldig wäre.&lt;br /&gt;
|}(3,11-14)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder rücken Werte wie &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; (312, 3) und Gelehrsamkeit in den Vordergrund und durchkreuzen so den starren Wahrheitsanspruch der okzidentalen Hässlichkeitsstigmatisierung.&amp;lt;ref&amp;gt;Hier lassen sich vielleicht christlich-theologische Tendenzen nachweisen, denn dort begegnet man rein körperlicher Schönheit mit Skepsis. Man geht von einer Dichotomie von Hülle und Kern für alle Erscheinungen der sichtbaren Welt aus. Somit müssten nach Katharine Pappas alle Phänomene auf deren verborgenen geistigen Hintergrund untersucht werden, da Hässliches und Schönes in gleicher Weise Zeichen des Guten sein können. [Pappas 2001:160]&amp;lt;/ref&amp;gt; Damit beweist sich ähnlich wie im Falle Belacanes eine Dichotomie von Innen und Außen, die der starren mittelalterlichen Kultur von visueller Repräsentation und deren innerlichen Entsprechen entgegensteht. Um ihrer Hässlichkeit weiter entgegen zu wirken trägt  Cundrîe auffallend noble Kleidung, die ihren sozialen Rang und Status fundamentieren und obgleich ihrer äußerlichen Hässlichkeit für ihre Umwelt visualisieren:&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ein brûtlachen von Gent,|| Genter Brauttuch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| noch plâwer denne ein lâsûr,|| blauer als Lapislazuli,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het an geleit der freuden schûr:|| trug dieser Hagelschlag des Glücks:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz was ein kappe wol gesniten|| ein elegantes Cape &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| al nâch der Franzoyser siten:|| nach französischem Schnitt;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| drunde an ir lîb was pfelle guot.|| darunter trug sie feine Seide am Leib.&lt;br /&gt;
|}(313,4-9)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram nutzt Cundrîes hybride Form noch weiter, um aus ihr eine Figur der Grenzübergänge zu machen. Die Gralsbotin hat innerhalb des Werkes die größte Mobilitätsmöglichkeiten und zeichnet sich durch den damit einhergehenden Zugang zu unterschiedlichen Räumen aus. Sie vermittelt zwischen Orient und Okzident, zwischen Gralsgesellschaft und Artushof und hat auch persönlichen Kontakt zu wichtigen Figuren wie Parzival. Bezeichnenderweise machen gerade ihre orientalischen Wurzeln, als Grundlage ihrer ehemaligen Exklusions-Identität, sie überhaupt &#039;&#039;fruchtbar&#039;&#039; für eine Inklusion  in die christliche Welt. &lt;br /&gt;
Allerdings zeichnet sie sich nicht nur durch eine äußerliche Hybridität aus, sondern viel mehr auch durch eine innere, scheint sie doch in keiner der von Luhmann in seiner Systemtheorie aufgemachten Kategorien von &#039;&#039;Inklusions- oder Exklusionsindividuum&#039;&#039; [Luhmann 1989: 158] vollständig zu passen.  Sie ist in besonderes starke Weise in alle vorkommenden Räume im epischen Konstrukt eingebunden und hat auch in allen Welten Aufgaben zu erledigen, als Botin oder Heilerin, und vermag sich so in die integrale Gesamtheit einzubinden. Doch sie ist genauso fundamental aus all diesen Räumen ausgeschlossen, kann sie sich doch weder dem Artushof noch der Gralsgesellschaft anschließen oder eine eigene Familie gründen, denn ihre Äußerlichkeit schließt sie aus jeglicher Minnebeziehung aus. Diese soziale oder genealogische &#039;&#039;Obdachlosigkeit&#039;&#039; macht ihre Figur allerdings erst fruchtbar für das epische Konstrukt, als &#039;&#039;grenzüberschreitende[s]&#039; Kommunikationsmedium&#039;&#039;[Salama  2014: 32] und &#039;&#039;ihre Körpergestaltung profiliert umso mehr ihre Funktionalität als Gralsbotin, deren Äußerungen und Prophezeiungen besondere Aufmerksamkeit erfordern&#039;&#039;. [Salama  2014: 11] &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 Allerdings sieht Schotte hierin nicht die wichtigste Funktion von Cundrîes Wirken, sondern vielmehr in der Zusammenführung der Kulturen, in dieser äußerlich klar als heidnisch gekennzeichneten Figur. Durch die Vermischung der Kulturen bereite Wolfram die völlige Verschmelzung in Gestalt von Feirefiz vor. [Schotte 2009]:85&lt;br /&gt;
Die Annäherung von Orient und Okzident bedarf also solcher hybrider Figuren, die durch ihre Wurzeln in beiden Welten einen Transfer von Wissen, Kultur und Grenzen vorantreiben können. Auch Cundrîe unterliegt, wenn auch in minimierter Weise, dem ritterlich-höfischen Wertesystem, treibt sie doch die weltweite Versöhnung maßgeblich voran. ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Fazit=&lt;br /&gt;
Die Körper der orientalischen Figuren werden durch sichtbare Zeichen als &#039;&#039;Fremde&#039;&#039; im Roman eingeführt. Allerdings werden diese Figuren mit einem höfisch-ritterlichen Kontext überzogen, sodass offenbart wird, dass der höfische Tugendkodex universalgültig ist und die Differenzen zwischen Orient und Okzident verschwimmen lassen kann. Dadurch ergibt sich eine neuer Zugang zum Fremden, der eine Auflösung der Kalokagathia und der Einheit von Innen und Außen und der &#039;&#039;christlich - heidnisch / gut - böse Dichotomie&#039;&#039; [Kellner 2009: 27] befürwortet. Entgegen stark stereotypischer vorgezeichneter Figuren werden hier Körper konstruiert, die sich durch ihre individuelle äußerliche Körperphysiognomie und durch ihr traditionsdurchbrechendes, grenzüberschreitendes Verhalten auszeichnen. Sie beweisen eine Verschränkung und Wechselwirkung des Einen im Anderen und symbolisieren so die Vernetzung von Orient und Okzident und deren Auflösung ineinander.[Salama 2014 : 33f.] &lt;br /&gt;
„Dem Orient“ widerfährt hier eine Entzauberung, die zu einer Verbindung zweier Kulturkonzepte unter einer bindenden höfisch-ritterlichen Kultur führt. [Goetz 1967: 7] Die Andersartigkeit des [http://de.wikipedia.org/wiki/Morgenland &#039;&#039;Morgenlandes&#039;&#039; ]ist zwar noch nicht vollkommen verschwunden, dient aber nicht mehr als Abgrenzungsmerkmal zum Abendland. vielmehr offenbart die Erzählung Wolframs den Orient „als Verlängerung des Abendlandes.“[Noltze 1995: 117]&lt;br /&gt;
&#039; ... malt das Bild einer übereuropäischen, fast überreligiösen, einheitlichen Bedeutung des Rittertums und der höfischen Sitte.&amp;quot;[Raucheisen 1997:75]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
im militärischen Bereich scheint dir durchdringung von christen. und Heidengeld am wenigsten problematisch zu sein. [Noltze 1995:232]Auch das Fehlen von typischen narrativen orientalischen Topoi verweist auf eine Annäherung von Orient und Okzident (wunderbar gestalteter Orient ) [Noltze 1995:235]&lt;br /&gt;
  Ausblick: Warum kommt es zur Annäherung Einflüsse &lt;br /&gt;
und überprüfung durch andere Figuren und gegenstände usw. Vor allem Ursprungsgeshcihte des [[Das Heidentum als Hindernis|Grals]]  im Fokus&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Annäherung im Religion aber auch auch eine Grenzziehung durch die heidnische Instrumentalisierung der Taufe oder das nicht verstehen der Kreuzzymbolik bei Gahmurets Bestattung&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die komplexen Körperinszenierungen, wie sie im Parzival stehen, sind keine gängige narrative Verfahrensweise und könnten ein Hinweis sein, dass Wolfram hier einen Diskursanstoß zum sein schein Problem gibt [Hahn 207 f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Literaturverzeichnis=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza  1985] Dallapiazza, Michael: Hässlichkeit und Individualität, Ansätze   zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach   Parzival, in: Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und   Geistesgeschichte, 1985, S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Goetz 1967] Goetz, Hermann: &#039;&#039;Der Orient der Kreuzzüge in Wolframs Parzival&#039;&#039;, in: Archiv für Kulturgeschichte, hrsg. von Herbert Grundmann, Köln &amp;amp; Graz 1967, S. 1-42.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche  Rechtfertigung des  Häßlichen in der mittelalterlichen Literatur, Die  nicht mehr schönen  Künste, in: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellner 2009] Kellner, Beate: &#039;&#039;Wahrnehmung und Deutung des Heidnischen in Wolframs von Eschenbach Pazival&#039;&#039;, in: Ludger Grenzmann u.a. (Hrsg.): Wechselseitige Wahrnehmung der Religionen im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. I. Konzeptionelle Grundfragen und Fallstudien (Heiden, Barbaren, Juden), Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen, Bd. 4, Berlin New York 2009, S. 23-49.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Knäpper 2011] Knäpper, Titus: ex oriente lux. Neues vom Orientalischem im Parzival, in: Friedrich Wolfzettel (Hrsg.): Artusroman und Mythos, International Arthurian Society / Sektion Deutschland, Österreich: Schriften der Internationalen Artusgesellschaft, Bd. 8, Berlin 2008, S. 271-286.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: &#039;&#039;bî den dûht in diu wîle lanc – Warum langweilt sich Gahmuret bei den Môren?&#039;&#039;, in: Dorothee Lindemann u.a. (Hrsg.):  &#039;&#039; bickelwort&#039;&#039; und &#039;&#039;wildiu moere&#039;&#039;. FS für Eberhard Nellmann zum 65. Geburtstag, Göppingen 1995, S. 109–119.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Noltze 1995] Noltze, Holger: Gaumens Orientfahrt. Kommentar zum ersten Buch von Wolfram &#039;Parzival&#039; (4,27 - 58,26), in: Würzburger Beiträge zur deutschen Philologie, Bd. 1, Würzburg 1995.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry, in: Verführer Schurken Magier St.Gallen 2001.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Peters 1992] Peters, Ursula: &#039;&#039;Historische Anthropologie und mittelalterliche Literatur. Schwerpunkte einer interdisziplinären Forschungsdiskussion&#039;&#039;, in: Johannes Janota u.a.  (Hrsg.):Festschrift für Walter Haug und Burghart Wachinger, Bd. 1 Tübingen 1992, S. 63-86.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ridder 2000] Ridder, Klaus: &#039;&#039; Körperinszenierung und Wiesenkonzepte in höfischen Roman des Mittelalters&#039;&#039;, in: Mitteilungen des Zentrums für interdisziplinäre Forschungen Bielefeld, Heft 1 (2000), S. 9-19.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Salama 2014] Salama, Dina: &#039;&#039;Formen und Funktionen orientalischer Körper im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; Wolfram von Eschenbach&#039;&#039;, in: Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen, Bd. 151:1 (2014), S. 1-34.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2006] Schausten, Monika: Suche nach Identität. Das &amp;quot;Eigene&amp;quot; und das &amp;quot;A ndere&amp;quot; in den Romanen des Spätmittelalters und der Frühen Neuzeit, Köln, Weimar, Wien 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schmid 2004] Schmid, Elisabeth: &#039;&#039;weindiu ougen hânt süezen munt&#039;&#039; (272,12). Literarische Konstruktion von Wahrnehmung im Parzival, in: John Greenfield (Hrsg.): Wahrnehmung im Parzival Wolframs von Eschenbach, Porto 2004, S.229-242.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schulz 2008] Schulz, Armin: Schwieriges Erkennen. Personenidentifizierung in der mittelhochdeutschen Epik, Tübingen 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schnelleman] Schnelleman, Willem: Das Haus Anjou und der Orient in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Academisch Proefschrift, Gallenbach 1941.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schotte 2009]Schotte, Manuela: Christen, Heiden und der Gral. Die Heidendarstellung als Instrument der Rezeptionslenkung in den mittelhochdeutschen Gralromanen des 13. Jahrhunderts, Frankfurt a.M. 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Stausberg 2002] Stausberg, Michael: Die Religion Zarathustras.Geschichte—Gegenwart—Rituale. Band 1. Stuttgart 2002.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1971] Wisbey, Davis A.: &#039;&#039;Wunder des Ostens in der &#039;Wiener Genesis&#039; und in &#039;Wolframs &#039;Parzival&#039; &#039;&#039;, in: L.P Johnson u.a. (Hrsg.): TITEL FEHLT Cambridger Colloquium 1971, Berlin 1974.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfzettel 2007] Friedrich Wolfrzettel (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Orient]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22810</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22810"/>
		<updated>2015-07-13T21:45:44Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Bedeutung der Elster im Mittelalter */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten [Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders, welches als Bildspender und Sinnträger fungiert, während die Elster als solches nicht zwingend in ihrer mittelalterlichen Bedeutung verstanden werden muss:&lt;br /&gt;
&amp;quot;In der Anwendung auf Wolframs &#039;&#039;vliegendes bîspel&#039;&#039; ist könnte man (...) sagen: die Elster in ihrer Anschaulichkeit als Vogel spielt überhaupt keine Rolle; sie ist gar nicht gemeint.&amp;quot; [Hüning 2014: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram leitet sein Werk ein, indem er den &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; als etwas negatives definiert, der der Seele schadet. Diese Eindeutigkeit dekonstruiert er aber sogleich wieder und führt die Ambivalenz des Elsternfarbenen zwischen &#039;&#039;unstaetem&#039;&#039; und &#039;&#039;staetem&#039;&#039; Charakter ein, welcher trotz oder vielleicht wegen seines Schwankens, das ja schließlich eine eigene Leistung, eine Entwicklung nach sich zieht, errettet werden kann. [Ackermann 2007: Vgl. S. 438 - 440]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival entsprechen dem Elsterngleichnis, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Funktion in Wolframs Roman ist oftmals das Konstruieren von [[Fremdheit und Identität im Parzival|Eigenheit und Fremdheit]]. &lt;br /&gt;
Er ist der Vergleichspunkt, der die Identität des Eigenen, Vertrauten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unterstreicht. Als Gahmurets Sohn jedoch besitzt auch er etwas Vertrautes, was erneut seine Ambivalenz und Elsternfarbigkeit aufzeigt.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist nicht äußerlich sichtbar, sondern innerlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft. Durch das [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung|Versäumnis der erlösenden Frage]] wird seine schwarze, fehlerhafte Seite kurzzeitig übermächtig, doch auch dieses Schwanken definiert den neuen Typus des Elsternfarbenen:&lt;br /&gt;
&amp;quot;Demjenigen, den sowohl positive als auch negative Charaktereigenschaften auszeichnen, bietet sich immer die Chance der Erlösung.&amp;quot;  [Ackermann 2007: S. 439]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz hingegen trägt seine Elsternfarbigkeit von Geburt an für jeden sichtbar, handelt aber und wird beschrieben wie der weiße Menschentypus, der voller &#039;&#039;ere&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis in seiner Ambivalenz und Sinnesvielfalt ist charakteristisch für Wolframs Talent:&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wolframs Bilder und Vergleiche zeichnen sich durch eine für die Literatur der Zeit ungewöhnliche Originalität und Vielfältigkeit aus. [...] [Er komponiert] die traditionellen Motive doch häufig ganz neu und erfindet ungewöhnliche, kraftvolle Bilder, die sich so nur in seinen Romanen finden und an Vitalität die Beispiele in den Werken seiner literarischen Vorgänger übertreffen.&amp;quot; [Heinzle 2011: S. 167] &lt;br /&gt;
Diese Originalität und schöpferische Kraft beim Verwenden und Umdichten traditioneller Motive und Typologien sind deutlich im Prolog zu erkennen, in dem er traditionelle Menschentypen aufgreift, beschreibt und kombinatorisch aus ihnen etwas Neues, den elsternfarbenen Menschentypus, schafft.&lt;br /&gt;
Wolfram eröffnet nicht nur sich selbst damit künstlerische Freiheit, sondern kreiert auch Freiheit in seiner Typologie, die gegen eine binäre Menschheit in schwarz und weiß anschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: &#039;&#039;dirre trüebe lîhte schîn&#039;&#039;: Körperinszenierungen, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman. Tübingen 2007, S. 431 - 454.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Joachim Heinzle: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch. Berlin / Boston 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hüning 2014] Hüning, Heinrich: Würfelwörter und Rätselbilder im Parzivalprolog Wolframs von Eschenbach: Der Prolog - ein Bilderrätsel als Schlüssel zum Parzivalroman. Hamburg 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22809</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22809"/>
		<updated>2015-07-13T21:43:47Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders, welches als Bildspender und Sinnträger fungiert, während die Elster als solches nicht zwingend in ihrer mittelalterlichen Bedeutung verstanden werden muss:&lt;br /&gt;
&amp;quot;In der Anwendung auf Wolframs &#039;&#039;vliegendes bîspel&#039;&#039; ist könnte man (...) sagen: die Elster in ihrer Anschaulichkeit als Vogel spielt überhaupt keine Rolle; sie ist gar nicht gemeint.&amp;quot; [Hüning 2014: S. 77]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram leitet sein Werk ein, indem er den &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; als etwas negatives definiert, der der Seele schadet. Diese Eindeutigkeit dekonstruiert er aber sogleich wieder und führt die Ambivalenz des Elsternfarbenen zwischen &#039;&#039;unstaetem&#039;&#039; und &#039;&#039;staetem&#039;&#039; Charakter ein, welcher trotz oder vielleicht wegen seines Schwankens, das ja schließlich eine eigene Leistung, eine Entwicklung nach sich zieht, errettet werden kann. [Ackermann 2007: Vgl. S. 438 - 440]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival entsprechen dem Elsterngleichnis, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Funktion in Wolframs Roman ist oftmals das Konstruieren von [[Fremdheit und Identität im Parzival|Eigenheit und Fremdheit]]. &lt;br /&gt;
Er ist der Vergleichspunkt, der die Identität des Eigenen, Vertrauten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unterstreicht. Als Gahmurets Sohn jedoch besitzt auch er etwas Vertrautes, was erneut seine Ambivalenz und Elsternfarbigkeit aufzeigt.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist nicht äußerlich sichtbar, sondern innerlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft. Durch das [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung|Versäumnis der erlösenden Frage]] wird seine schwarze, fehlerhafte Seite kurzzeitig übermächtig, doch auch dieses Schwanken definiert den neuen Typus des Elsternfarbenen:&lt;br /&gt;
&amp;quot;Demjenigen, den sowohl positive als auch negative Charaktereigenschaften auszeichnen, bietet sich immer die Chance der Erlösung.&amp;quot;  [Ackermann 2007: S. 439]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz hingegen trägt seine Elsternfarbigkeit von Geburt an für jeden sichtbar, handelt aber und wird beschrieben wie der weiße Menschentypus, der voller &#039;&#039;ere&#039;&#039; ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Elsterngleichnis in seiner Ambivalenz und Sinnesvielfalt ist charakteristisch für Wolframs Talent:&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wolframs Bilder und Vergleiche zeichnen sich durch eine für die Literatur der Zeit ungewöhnliche Originalität und Vielfältigkeit aus. [...] [Er komponiert] die traditionellen Motive doch häufig ganz neu und erfindet ungewöhnliche, kraftvolle Bilder, die sich so nur in seinen Romanen finden und an Vitalität die Beispiele in den Werken seiner literarischen Vorgänger übertreffen.&amp;quot; [Heinzle 2011: S. 167] &lt;br /&gt;
Diese Originalität und schöpferische Kraft beim Verwenden und Umdichten traditioneller Motive und Typologien sind deutlich im Prolog zu erkennen, in dem er traditionelle Menschentypen aufgreift, beschreibt und kombinatorisch aus ihnen etwas Neues, den elsternfarbenen Menschentypus, schafft.&lt;br /&gt;
Wolfram eröffnet nicht nur sich selbst damit künstlerische Freiheit, sondern kreiert auch Freiheit in seiner Typologie, die gegen eine binäre Menschheit in schwarz und weiß anschreibt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: &#039;&#039;dirre trüebe lîhte schîn&#039;&#039;: Körperinszenierungen, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman. Tübingen 2007, S. 431 - 454.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Heinzle 2011] Joachim Heinzle: Wolfram von Eschenbach. Ein Handbuch. Berlin / Boston 2011.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hüning 2014] Hüning, Heinrich: Würfelwörter und Rätselbilder im Parzivalprolog Wolframs von Eschenbach: Der Prolog - ein Bilderrätsel als Schlüssel zum Parzivalroman. Hamburg 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22788</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22788"/>
		<updated>2015-07-13T21:04:41Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders, welches als Bildspender und Sinnträger fungiert, während die Elster als solches nicht zwingend in ihrer mittelalterlichen Bedeutung verstanden werden muss.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram leitet sein Werk ein, indem er den &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; als etwas negatives definiert, der der Seele schadet. Diese Eindeutigkeit dekonstruiert er aber sogleich wieder und führt die Ambivalenz des Elsternfarbenen zwischen &#039;&#039;unstaetem&#039;&#039; und &#039;&#039;staetem&#039;&#039; Charakter ein, welcher trotz oder vielleicht wegen seines Schwankens, das ja schließlich eine eigene Leistung, eine Entwicklung nach sich zieht, errettet werden kann. [Ackermann 2007: Vgl. S. 438 - 440]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival entsprechen dem Elsterngleichnis, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Funktion in Wolframs Roman ist oftmals das Konstruieren von [[Fremdheit und Identität im Parzival|Eigenheit und Fremdheit]]. Er ist der Vergleichspunkt, der die Identität des Eigenen, Vertrauten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; unterstreicht. Als Gahmurets Sohn jedoch besitzt auch er etwas Vertrautes, was erneut seine Ambivalenz und Elsternfarbigkeit aufzeigt.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft. Durch das [[Parzivals Faux Pas auf der Gralsburg: Die Rolle der Erziehung|Versäumnis der erlösenden Frage]] wird seine schwarze, fehlerhafte Seite kurzzeitig übermächtig, doch auch dieses Schwanken definiert den neuen Typus des Elsternfarbenen:&lt;br /&gt;
&amp;quot;Demjenigen, den sowohl positive als auch negative Charaktereigenschaften auszeichnen, bietet sich immer die Chance der Erlösung.&amp;quot;  [Ackermann 2007: S. 439]&lt;br /&gt;
Feirefiz hingegen trägt seine Elsternfarbigkeit in sich angelegt, handelt aber wie der weiße Menschentypus.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: &#039;&#039;dirre trüebe lîhte schîn&#039;&#039;: Körperinszenierungen, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman. Tübingen 2007, S. 431 - 454.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22632</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22632"/>
		<updated>2015-07-13T16:55:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Literaturnachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram leitet sein Werk ein, indem er den &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; als etwas negatives definiert, der der Seele schadet. Diese Eindeutigkeit dekonstruiert er aber sogleich wieder und führt die Ambivalenz des Elsternfarbenen zwischen &#039;&#039;unstaetem&#039;&#039; und &#039;&#039;staetem&#039;&#039; Charakter ein, welcher trotz oder vielleicht wegen seines Schwankens, das ja schließlich eine eigene Leistung, eine Entwicklung nach sich zieht, errettet werden kann. [Ackermann 2007: Vgl. S. 438 - 440]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleich der drei Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der weiße Mensch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der schwarze Mensch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der elsternfarbene Mensch ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: &#039;&#039;dirre trüebe lîhte schîn&#039;&#039;: Körperinszenierungen, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman. Tübingen 2007, S. 431 - 454.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22631</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22631"/>
		<updated>2015-07-13T16:54:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram leitet sein Werk ein, indem er den &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; als etwas negatives definiert, der der Seele schadet. Diese Eindeutigkeit dekonstruiert er aber sogleich wieder und führt die Ambivalenz des Elsternfarbenen zwischen &#039;&#039;unstaetem&#039;&#039; und &#039;&#039;staetem&#039;&#039; Charakter ein, welcher trotz oder vielleicht wegen seines Schwankens, das ja schließlich eine eigene Leistung, eine Entwicklung nach sich zieht, errettet werden kann. [Ackermann 2007: Vgl. S. 438 - 440]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleich der drei Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der weiße Mensch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der schwarze Mensch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der elsternfarbene Mensch ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: &#039;&#039;dirre trüebe lîhte schîn&#039;&#039;: Körperinszenierungen, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman. Tübingen 2007, S. 431 - 454.&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22630</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22630"/>
		<updated>2015-07-13T16:52:43Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram leitet sein Werk ein, indem er den &#039;&#039;zwîvel&#039;&#039; als etwas negatives definiert, der der Seele schadet. Diese Eindeutigkeit dekonstruiert er aber sogleich wieder und führt die Ambivalenz des Elsternfarbenen zwischen &#039;&#039;unstaetem&#039;&#039; und &#039;&#039;staetem&#039;&#039; Charakter ein, welcher trotz oder vielleicht wegen seines Schwankens, das ja schließlich eine eigene Leistung, eine Entwicklung nach sich zieht, errettet werden kann. [Ackermann 2007: Vgl. S. 438 - 440]&lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleich der drei Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Der weiße Mensch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der schwarze Mensch===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der elsternfarbene Mensch ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: &#039;&#039;dirre trüebe lîhte schîn&#039;&#039;: Körperinszenierungen, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Wolfzettel, Friedrich (Hg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman. Tübingen 2007, S. 431 - 454.&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22619</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22619"/>
		<updated>2015-07-13T15:55:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: Der elsternfarbene Menschentyp bezieht seine Eigenschaften und Möglichkeiten aus einer Mischform der beiden traditionellen Menschentypen. Farblich ist dies auch in seiner Wahl der Metapher umgesetzt: Die Mischung der schwarzen und weißen Menschentypen ergibt keinen grauen, sondern einen elsternfarbenen Menschen, dessen Anlagen, gut und böse, noch sichtbar und voneinander zu differenzieren sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleich der drei Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22586</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22586"/>
		<updated>2015-07-13T14:46:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und ihr Inneres somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
Wolfram wendet sich zwar von einem simplen Gut und Böse ab, greift dabei aber dennoch auf deren typische Darstellungen zurück: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Vergleich der drei Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22571</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22571"/>
		<updated>2015-07-13T14:08:39Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Bedeutung der Elster im Mittelalter */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch Farbsymbolik voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten[Bumke 2004: Vgl. S. 40 - 44] Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Idealisierung des Elsternfarbenen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolframs poetologische Herangehensweise stilisiert den elsternfarbenen Menschentypus zu einem Ideal, indem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22569</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22569"/>
		<updated>2015-07-13T14:03:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch Farbsymbolik voneinander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen, abergläubischen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Wolframs Entwurf des elsternfarbenen Menschentypen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Idealisierung des Elsternfarbenen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolframs poetologische Herangehensweise stilisiert den elsternfarbenen Menschentypus zu einem Ideal, indem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals und Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit im Vergleich==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22562</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22562"/>
		<updated>2015-07-13T13:47:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Der Prolog (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch Farbsymbolik von einander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Idealisierung des Elsternfarbenen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolframs poetologische Herangehensweise stilisiert den elsternfarbenen Menschentypus zu einem Ideal, indem&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Elsternfarbigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Feirefiz&#039; Elsternfarbigkeit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt; gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die [[Parzival als Entwicklungsroman (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Entwicklung Parzivals]] ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet. Der Wert der Elsternmetapher bei Wolfram liegt insofern in der [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] ihres schwarz-weißen Gefieders.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22551</id>
		<title>Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=22551"/>
		<updated>2015-07-13T13:34:35Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: Bedeutung der Elster im MA hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Das im [[Prolog]] Parzivals angelegte Elsterngleichnis, auf welches [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]] mit Fokus auf Übersetzung und Interpretation eingeht, unterteilt die Menschen in drei unterschiedliche Typen, die er durch Farbsymbolik von einander abgrenzt: Den Weißen, den Schwarzen und den schwarz-weiß Gescheckten. Letzterer wird von Wolfram als Elsternfarben bezeichnet und vereint in sich sowohl Dunkelheit als auch Licht, sowohl Himmel als auch Hölle.&lt;br /&gt;
Wolfram legt in seinem Gleichnis direkt zu Beginn eine Typologie der drei Menschen an, deren Fokus auf dem dritten Menschentypus, dem des Elsternfarbenen, liegt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| gesmaehet unde gezieret || Schande und Schmuck&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ist, swâ sich parrieret || sind beieinander, wo eines&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unverzaget mannes muot, || Mannes unverzagter Mut konfus gemu-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| als agelstern varwe tuot. || stert gehen will wie Elsternfarben. Trotz-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Der mac dennoch wesen geil: || dem, der kann doch noch glücklich sein,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wand an im sint beidiu teil, || denn an ihm ist etwas von beidem: vom&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des himels und der helle. || Himmel und von der Hölle.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(1, 3-9)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit entfernt Wolfram sich von einem Erzählstil, der eine Dichotomie aus Gut und Böse konstruiert und bricht diese Struktur durch den elsternfarbenen Menschentypen auf. &lt;br /&gt;
Obwohl er offensichtlich Anteile des schwarzen Menschen in sich trägt, wird er dadurch nicht abgewertet, sondern weckt sofort das Interesse Wolframs sowie des Lesers, da die Binarität, die er in sich vereint, Schauort für innere Konflikte, Entwicklungen sowie die Möglichkeit einer Balance aus Licht und Dunkelheit besitzt. Die Wege des Schwarzen und des Weißen sind determiniert und somit statisch, während der schwarz-weiß Gescheckte Entwicklungs- und Konfliktpotential in sich trägt. &lt;br /&gt;
So ist es kein Zufall, dass sowohl [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] als auch Parzival dem Elsterngleichnis entsprechen, jedoch auf unterschiedliche Arten. Die Parallelen und Unterschiede der beiden elsternfarbenen Brüder werden [[Parzival_und_Feirefiz|hier]] näher thematisiert.&lt;br /&gt;
Feirefiz als Sohn eines hellhäutigen Christen und einer dunkelhäutigen Heidin manifestiert in sich die Geschecktheit sowohl in der Glaubensdualität als auch in seiner gescheckten Hautfarbe, die als anziehend und begehrenswert dargestellt wird.&lt;br /&gt;
Parzivals Elsternartigkeit ist weniger offensichtlich und doch für das Werk grundlegend: Seine  Zerrissenheit, deren Ursprung und Entwicklung [[Der zerissene Held (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|hier]] eingehender beschrieben wird, und sein zwîvel definieren seine Zugehörigkeit zum Menschentyp des schwarz-weiß Gescheckten, der im Laufe des Romans eine Entwicklung durchläuft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Bedeutung der Elster im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram verwendet die Elster als Metapher für einen neuen Menschentypus einleitend in seinem in der Forschung sehr umstrittenen und vielseitig ausgelegten Prolog und lässt dieser Metapher dadurch viel Macht zukommen. Es erscheint naheliegend, zu versuchen, den schwer verständlichen Prolog durch eine Interpretation der Metapher näher zu erschließen. Eine Bedeutungsanalyse der Elster im Mittelalter stiftet hierbei jedoch noch mehr Verwirrung: Die Elster, welche in Wolframs Werk einen zerrissenen und doch Potential besitzenden Menschentypus beschreibt, gilt im Europa des Mittelalters als ein Unglücksbote, Galgenvogel und Hexentier.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: http://www.welt.de/wissenschaft/umwelt/article115289469/Warum-die-diebische-Elster-so-gerissen-ist.html &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Verbindung der Elster mit Tod und Unheil entsteht aus dem Aasfressen des Vogels und seiner teils schwarzen Farbe, welche zu Zeiten der Hexenverfolgung auch Krähen und schwarze Katzen zu einem irrationalen Ziel von Hass und Angst machte. &lt;br /&gt;
Die Elster wird darüber hinaus als Vogel böser Omen&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür beispielsweise: https://de.wikipedia.org/wiki/Elster &amp;lt;/ref&amp;gt;gesehen, was in Wolframs Werk zumindest die Position der Metapher erklären würde. Als orakelhaftes Tier steht sie prophetisch zu Beginn des Romans und leitet die Entwicklung Parzivals ein, welche sowohl Dunkelheit als auch Licht beinhaltet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21403</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21403"/>
		<updated>2015-07-09T19:57:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Träume im Mittelalter==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren, bevor sie einen Drachen stillt, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Tiere_und_ihre_Bedeutung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21400</id>
		<title>Diskussion:Tiere und ihre Bedeutung (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Tiere_und_ihre_Bedeutung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21400"/>
		<updated>2015-07-09T19:21:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hallo, &lt;br /&gt;
hast Du Dir überlegt, das Maultier, auf dem Cundrîe kommt, hinzuzufügen? &lt;br /&gt;
Liebe Grüße&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Lucia Wunsch|Lucia Wunsch]] ([[Benutzer Diskussion:Lucia Wunsch|Diskussion]]) 11:53, 2. Jul. 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo, &lt;br /&gt;
den Phönix hast Du auch nicht aufgenommen. Aber wenn Du die Elster auch nicht aufnimmst, weil sie direkt nicht auftaucht, kannst du den auch weglassen. &lt;br /&gt;
Liebe Grüße&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Lucia Wunsch|Lucia Wunsch]] ([[Benutzer Diskussion:Lucia Wunsch|Diskussion]]) 14:50, 2. Jul. 2015 (CEST)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo Pequil,&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Ich finde die Gliederung in &amp;quot;echte&amp;quot; und &amp;quot;mystische&amp;quot; Tiere absolut sinnvoll und gut gewählt. Ich habe mir nun erlaubt, das Zitat von Lewis in meinen Artikel zum [[Ecidemon]] hinzuzufügen, da es die Argumentation bekräftigt, dass es sich beim Ecidemon &#039;&#039;&#039;nicht&#039;&#039;&#039; um ein reales Tier handelt. Hoffe, das passt?!? LG &lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Philipp brâmber|Philipp brâmber]] ([[Benutzer Diskussion:Philipp brâmber|Diskussion]]) 20:16, 8. Jul. 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hey :) Falls du das warst, die bei meinem Artikel &amp;quot;Typologie der drei Menschen&amp;quot; das Buch von Lewis für die Elster vorgeschlagen hatte - ich würde mich sehr freuen, das noch irgendwie zu lesen, falls das geht. Liebe Grüße --[[Benutzer:Myhla|Myhla]] ([[Benutzer Diskussion:Myhla|Diskussion]]) 21:21, 9. Jul. 2015 (CEST)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=21399</id>
		<title>Diskussion:Typologie der drei Menschen</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Diskussion:Typologie_der_drei_Menschen&amp;diff=21399"/>
		<updated>2015-07-09T19:16:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hey! Ich habe in &amp;quot;Das Tier und seine dichterische Funktion in Erec, Iwein, Parzival und Tristan&amp;quot; von Gertrud Lewis etwas zur Elster gefunden. Ich bringe dir das Buch morgen in die Sitzung mit!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hey :) Wer auch immer das geschrieben hat - könnte ich das noch irgendwie haben? Ist sehr knapp, ich weiß, aber falls es nur wenig ist, würde mir auch ein Scan reichen. Das wäre sososo super!&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Myhla|Myhla]] ([[Benutzer Diskussion:Myhla|Diskussion]]) 21:16, 9. Jul. 2015 (CEST)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21004</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=21004"/>
		<updated>2015-07-07T13:43:49Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]])&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren, bevor sie einen Drachen stillt, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe umb einen mitten tac || Eines Mittags schlief die Dame einen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins angestlîchen slâfes pflac. || Schlaf, der war voll Angst. Es kam ihr ein&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir kom ein forhtlîcher schric. || Erschrecken, das sie zusammenzucken&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || ließ.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(103, 25 - 27)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hier zeigen sich bereits Differenzen in der Darstellung und Bedeutung von Träumen im Mittelalter und der Darstellung und Bedeutung von Träumen heute.&lt;br /&gt;
Während wir uns heute oftmals an der Freudschen Traumdeutung &amp;lt;ref&amp;gt; Freud, Sigmund: Über den Traum. Die Traumdeutung. Inauguriert 1899. Frankfurt am Main 1991. &amp;lt;/ref&amp;gt; orientieren, bei der durch codierte Träume Unterbewusstes verarbeitet wird. Basal gesprochen sind Träume damit eine Kommunikation mit sich selbst, die entschlüsselt werden muss.&lt;br /&gt;
Herzeloydes Traum hingegen ist eher als eine Prophezeiung zu verstehen, die nicht aus ihr selbst kommt, sondern transzendent ist. Dafür spricht auch, dass sie zwar schläft, jedoch noch eher bewusst reagiert, sogar erschrickt und zusammenzuckt. Damit vollzieht sich eine Trennung zwischen ihrer Person und dem quälenden Traum.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20999</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20999"/>
		<updated>2015-07-07T13:31:00Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Parzivals Alpträume auf der Gralsburg */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]] )&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren, bevor sie einen Drachen stillt, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20997</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20997"/>
		<updated>2015-07-07T13:26:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(siehe auch: [[Herzeloydes Traum und Leid]] )&lt;br /&gt;
Im II. Buch des Romans träumt die schwangere Herzeloyde, seit Monaten sehnsuchtsvoll auf ihren Ehemann Gahmuret wartend, einen prophetischen Traum, in dem feurige Donnerstrahlen auf sie niederfahren, bevor sie einen Drachen stillt, der ihr schließlich das Herz aus der Brust reißt und davonfliegt.&lt;br /&gt;
Nach dem Erwachen wird Herzeloyde die Nachricht vom Tod ihres Mannes überbracht, woraufhin sie in Ohnmacht fällt und vor Trauer beinahe stirbt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Interessant ist bei dieser Beschreibung, dass Alpträume als eine beinahe greifbare Qual dargestellt werden, die anwesend und materialisiert den Träumenden beeinflusst. Die Qual des Alptraums wird hierbei personifiziert und ist eine aktive Kraft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20996</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20996"/>
		<updated>2015-07-07T12:58:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Gralsbotin Cundrie im VI. Buch Parzival von seinem ihm unbekannten Halbbruder erzählt, verwendet sie diesen als positives Gegenstück zu Parzival, um diesem seine Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Auch hier wird seine besondere Hautfarbe als Teil der positiven Darstellung erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem diu manheit niht verdarp, || An dem ist das Mannes-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die iwer bêder vater truoc. || tum, das Euer beider Vater hatte, nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iwer bruoder wunders pfligt genuoc: || zuschanden geworden. Sein Wesen ist selt-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ja ist beidiu swarz unde blanc || sam und wunderbar: Er ist schwarz und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der küngîn sun von Zazamanc. || weiß zugleich, der Sohn der Königin von &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Zazamanc.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(317, 6 - 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Andersartigkeit dient in dieser Szene dazu, Parzivals Makel herauszustellen. Der heidnische Bruder wird hierbei zu einem Helden konstruiert, der ähnliche Anlagen wie Parzival hat und im Gegensatz zu diesem mit großer &#039;&#039;Courtoisie&#039;&#039; handelt. Zwar zeigt Feirefiz sich besonders gegen Ende des Epos, beispielsweise bei seiner Taufe (vgl. XVI. Buch), als Held, der durchaus auch die Möglichkeit zu Fehlerhaftigkeit besitzt. In diesem Abschnitt des Buches hat er seine Funktion als positives Gegenbeispiel zu Parzival, der seine Entwicklung zum Gralskönig erst durchlaufen muss, bereits erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hässliche Gralsbotin Cundrîe ist in modische Kleidung gehüllt, welche in groteskem Kontrast zu ihrem abstoßenden Aussehen steht. Eingehend beschreibt Wolfram die edlen Stoffe, die sie am Körper trägt und geht auch auf deren Farben ein. So ist Cundrîe beispielsweise in ein Genter Brauttuch, &amp;quot;&#039;&#039;noch plâwer denne ein lâsur&#039;&#039;&amp;quot; (313, 5) gekleidet. Der funkelnd blaue Edelstein Lapislazuli ist also nicht annähernd so blau wie Cundrîes Mantel. Dieser kann aufgrund seiner blauen Farbe als Zeichen für die Späre der Transzendenz und den Himmel verstanden werden. [Schindler 2009: Vgl. S. 474] Cundrîe wird dadurch als &amp;quot;Abgesandte eines himmlischen Reiches, der Gralsgesellschaft&amp;quot; [Schindler 2009: S. 474] dargestellt, die sich zudem durch ihre &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; auszeichnet, welche oftmals ebenfalls mit der Farbe Blau verbunden wird.&lt;br /&gt;
Desweiteren sind die edlen Stoffe, aus der ihre maßgefertigte Kleidung geschneidert ist, teilweise mit Gold durchwirkt (vgl. 313, 7 - 11). Hier überschneiden sich die Kostbarkeit der Materialien mit dem göttlichen Schein ihrer Farben: Gold als glänzender Lichtrepräsentant unterstreicht erneut die Verbindung zur Himmelsebene, da sein edler Glanz als Zeichen von Göttlichkeit gedeutet werden kann.&lt;br /&gt;
Die Farbbeschreibungen von Cundrîes Kleidung zielen darauf ab, ihre Zugehörigkeit zur Adelsgesellschaft zu demonstrieren, welche vielleicht aufgrund ihrer Hässlichkeit nicht eindeutig gewesen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Farbcodes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder: Weiße, leuchtende Haut und ein roter Mund sind bedeutende Merkmale weiblicher Schönheitsfarben.&lt;br /&gt;
Die helle Haut repräsentiert hierbei den adligen Stand, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielhaft sollen hier Beschreibungen Herzeloydes das Schönheitsideal Wolframs Frauen repräsentieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vrou Herzeloyde gap den schîn, || Die edle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waern erloschen gar die kerzen sîn, || Herzeloyde war so licht, daß, wären auch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| da waer doch lieht von ir genuoc. || seine Kerzen alle erloschen, es doch hell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || genug gewesen wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(84, 13 - 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do begreif im diu gehiure || Und da tastete die Schöne nach seinen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîne quaschiure || Blessuren mit ihren linden, weißen Hän-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ir linden handen wîz: || den: An die hatte Gott seine ganze Kunst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an den lac der gotes flîz. || gewendet.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(88, 13 - 16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird ihre Schönheit mit Helligkeit, Glanz und Licht gleichgesetzt. Bezeichnend ist auch die Verbindung mit Gott, dessen Wohlwollen und Fähigkeit sich in der Helligkeit Herzeloydes manifestiert. Ihre helle, strahlende Haut ist ein Zeichen ihrer edlen Herkunft und äußerer Ausdruck ihrer inneren Tugendhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls als besonders schön wird Jeschute beschrieben. Im III. Buch entdeckt Parzival sie schlafend in ihrem Zelt und ist wie gebannt von der Anziehungskraft ihrer hellen Haut und dem leuchtenden Rot ihres Mundes (&amp;quot;&#039;&#039;der munt ir von einander lief: der truoc der minne hitze fiur&#039;&#039;.&amp;quot; [130, 8f.]). Ein sinnlicher, roter Mund ist hierfür ein Zeichen der Liebe und wird von Wolfram sogar als &#039;&#039;der minne wâfen&#039;&#039; (130, 4) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]]&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür: Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004, S. 72 - 74. &amp;lt;/ref&amp;gt; erkennt Parzival in den drei Blutstropfen im weißen, unberührten Schnee seine geliebte [[Condwiramurs|Condwiramurs.]]&lt;br /&gt;
Der Kontrast aus hellem, leuchtendem Weiß und einem lebendigen Rot ist basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Wie kommt es von den drei Tropfen zu einer vergegenständlichten Anschauung eines Gesichts? Dies geschieht natürlich ein Stück weit in der Imagination des Betrachtenden, aber es sind doch wohl die konstrastierenden Farben, es ist die Anordnung der Tropfen auf dem Schnee, die diese Struktur des Gesichts nahelegen, d. h. die Farben schaffen die Struktur und sind gerade nicht allein das, was sie aus moderner Sicht zu sein scheinen, dekorativer Füllstoff für eine vorgegebene Form.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 470]&lt;br /&gt;
Dass Parzival aus etwas abstraktem wie drei roten Tropfen und weißer Fläche seine Frau rekonstruiert, zeigt die starke Bedeutung von Farben im Zusammenhang mit Schönheit: Allein die Kombination aus Rot und Weiß reicht aus, um das Bild Condwiramurs in ihm hervorzurufen und ihn in eine Trance zu versetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbestreitbar ist die Bedeutung, die Farben in Wolframs Parzival als sinn- und identitätsstiftende Bedeutungsträger zukommt. Farbe dient in seinem Werk als Mittel zur Abgrenzung von Anderem, als Ausdruck von Stand und Tugend, als Indikator für Schönheit und zudem stets als Mittel, um eine visuelle Ebene zu kreieren, die durch ein codiertes Trägermedium dem Zuhörer bzw. Leser ein tieferes Verständnis bietet.&lt;br /&gt;
Da Farbe und ihre Codierungen kulturell geprägt sind, ist eine historische Interpretation der Farbbeschreibungen stets notwendig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schindler 2009] Schindler, Andrea: &#039;&#039;ein ritter allenthalben rôt.&#039;&#039; Die Bedeutung von Farben im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 461 - 477.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20995</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20995"/>
		<updated>2015-07-07T12:57:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Gralsbotin Cundrie im VI. Buch Parzival von seinem ihm unbekannten Halbbruder erzählt, verwendet sie diesen als positives Gegenstück zu Parzival, um diesem seine Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Auch hier wird seine besondere Hautfarbe als Teil der positiven Darstellung erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem diu manheit niht verdarp, || An dem ist das Mannes-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die iwer bêder vater truoc. || tum, das Euer beider Vater hatte, nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iwer bruoder wunders pfligt genuoc: || zuschanden geworden. Sein Wesen ist selt-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ja ist beidiu swarz unde blanc || sam und wunderbar: Er ist schwarz und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der küngîn sun von Zazamanc. || weiß zugleich, der Sohn der Königin von &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Zazamanc.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(317, 6 - 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Andersartigkeit dient in dieser Szene dazu, Parzivals Makel herauszustellen. Der heidnische Bruder wird hierbei zu einem Helden konstruiert, der ähnliche Anlagen wie Parzival hat und im Gegensatz zu diesem mit großer &#039;&#039;Courtoisie&#039;&#039; handelt. Zwar zeigt Feirefiz sich besonders gegen Ende des Epos, beispielsweise bei seiner Taufe (vgl. XVI. Buch), als Held, der durchaus auch die Möglichkeit zu Fehlerhaftigkeit besitzt. In diesem Abschnitt des Buches hat er seine Funktion als positives Gegenbeispiel zu Parzival, der seine Entwicklung zum Gralskönig erst durchlaufen muss, bereits erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hässliche Gralsbotin Cundrîe ist in modische Kleidung gehüllt, welche in groteskem Kontrast zu ihrem abstoßenden Aussehen steht. Eingehend beschreibt Wolfram die edlen Stoffe, die sie am Körper trägt und geht auch auf deren Farben ein. So ist Cundrîe beispielsweise in ein Genter Brauttuch, &amp;quot;&#039;&#039;noch plâwer denne ein lâsur&#039;&#039;&amp;quot; (313, 5) gekleidet. Der funkelnd blaue Edelstein Lapislazuli ist also nicht annähernd so blau wie Cundrîes Mantel. Dieser kann aufgrund seiner blauen Farbe als Zeichen für die Späre der Transzendenz und den Himmel verstanden werden. [Schindler 2009: Vgl. S. 474] Cundrîe wird dadurch als &amp;quot;Abgesandte eines himmlischen Reiches, der Gralsgesellschaft&amp;quot; [Schindler 2009: S. 474] dargestellt, die sich zudem durch ihre &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; auszeichnet, welche oftmals ebenfalls mit der Farbe Blau verbunden wird.&lt;br /&gt;
Desweiteren sind die edlen Stoffe, aus der ihre maßgefertigte Kleidung geschneidert ist, teilweise mit Gold durchwirkt (vgl. 313, 7 - 11). Hier überschneiden sich die Kostbarkeit der Materialien mit dem göttlichen Schein ihrer Farben: Gold als glänzender Lichtrepräsentant unterstreicht erneut die Verbindung zur Himmelsebene, da sein edler Glanz als Zeichen von Göttlichkeit gedeutet werden kann.&lt;br /&gt;
Die Farbbeschreibungen von Cundrîes Kleidung zielen darauf ab, ihre Zugehörigkeit zur Adelsgesellschaft zu demonstrieren, welche vielleicht aufgrund ihrer Hässlichkeit nicht eindeutig gewesen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Farbcodes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder: Weiße, leuchtende Haut und ein roter Mund sind bedeutende Merkmale weiblicher Schönheitsfarben.&lt;br /&gt;
Die helle Haut repräsentiert hierbei den adligen Stand, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielhaft sollen hier Beschreibungen Herzeloydes das Schönheitsideal Wolframs Frauen repräsentieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vrou Herzeloyde gap den schîn, || Die edle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waern erloschen gar die kerzen sîn, || Herzeloyde war so licht, daß, wären auch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| da waer doch lieht von ir genuoc. || seine Kerzen alle erloschen, es doch hell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || genug gewesen wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(84, 13 - 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do begreif im diu gehiure || Und da tastete die Schöne nach seinen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîne quaschiure || Blessuren mit ihren linden, weißen Hän-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ir linden handen wîz: || den: An die hatte Gott seine ganze Kunst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an den lac der gotes flîz. || gewendet.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(88, 13 - 16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird ihre Schönheit mit Helligkeit, Glanz und Licht gleichgesetzt. Bezeichnend ist auch die Verbindung mit Gott, dessen Wohlwollen und Fähigkeit sich in der Helligkeit Herzeloydes manifestiert. Ihre helle, strahlende Haut ist ein Zeichen ihrer edlen Herkunft und äußerer Ausdruck ihrer inneren Tugendhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls als besonders schön wird Jeschute beschrieben. Im III. Buch entdeckt Parzival sie schlafend in ihrem Zelt und ist wie gebannt von der Anziehungskraft ihrer hellen Haut und dem leuchtenden Rot ihres Mundes (&amp;quot;&#039;&#039;der munt ir von einander lief: der truoc der minne hitze fiur&#039;&#039;.&amp;quot; [130, 8f.]). Ein sinnlicher, roter Mund ist hierfür ein Zeichen der Liebe und wird von Wolfram sogar als &#039;&#039;der minne wâfen&#039;&#039; (130, 4) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]]&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür: Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004, S. 72 - 74. &amp;lt;/ref&amp;gt; erkennt Parzival in den drei Blutstropfen im weißen, unberührten Schnee seine geliebte [[Condwiramurs|Condwiramurs.]]&lt;br /&gt;
Der Kontrast aus hellem, leuchtendem Weiß und einem lebendigen Rot ist basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Wie kommt es von den drei Tropfen zu einer vergegenständlichten Anschauung eines Gesichts? Dies geschieht natürlich ein Stück weit in der Imagination des Betrachtenden, aber es sind doch wohl die konstrastierenden Farben, es ist die Anordnung der Tropfen auf dem Schnee, die diese Struktur des Gesichts nahelegen, d. h. die Farben schaffen die Struktur und sind gerade nicht allein das, was sie aus moderner Sicht zu sein scheinen, dekorativer Füllstoff für eine vorgegebene Form.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 470]&lt;br /&gt;
Dass Parzival aus etwas abstraktem wie drei roten Tropfen und weißer Fläche seine Frau rekonstruiert, zeigt die starke Bedeutung von Farben im Zusammenhang mit Schönheit: Allein die Kombination aus Rot und Weiß reicht aus, um das Bild Condwiramurs in ihm hervorzurufen und ihn in eine Trance zu versetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unbestreitbar ist die Bedeutung, die Farben in Wolframs Parzival als sinn- und identitätsstiftende Bedeutungsträger zukommt. Farbe dient in seinem Werk als Mittel zur Abgrenzung von Anderem, als Ausdruck von Stand und Tugend, als Indikator für Schönheit und zudem stets als Mittel, um eine visuelle Ebene zu kreieren, die durch ein codiertes Trägermedium dem Zuhörer bzw. Leser ein tieferes Verständnis bietet.&lt;br /&gt;
Da Farbe und ihre Codierungen kulturell geprägt sind, ist eine historische Interpretation der Farbbeschreibungen stets notwendig. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schindler 2009] Schindler, Andrea: &#039;&#039;ein ritter allenthalben rôt.&#039;&#039; Die Bedeutung von Farben im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 461 - 477.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=20988</id>
		<title>Narrenkleid und Rüstung: Standesidentität im Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Narrenkleid_und_R%C3%BCstung:_Standesidentit%C3%A4t_im_Parzival&amp;diff=20988"/>
		<updated>2015-07-07T12:51:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Der ritterliche Körper als Ausdruck ständischer Vollkommenheit? */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&amp;lt;!-- Notizbereich --&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;div style=&amp;quot;border:1px solid gray; margin:5px 3px 0px 3px; padding:0 5px 2px 5px; background-color:#EEEEEE&amp;quot;&amp;gt;Hinweis: Dieser Artikel entsteht derzeit im Rahmen des [[Seminar:Hauptseminar_Parzival_SoSe_2015|Haupt- und Oberseminars zu Wolframs Parzival]] (Sommersemester 2015) und wird deshalb noch häufig überarbeitet werden.&amp;lt;/div&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Ritterstand im Parzival&amp;lt;ref&amp;gt;Im Folgenden stets zitierte Ausgabe: [Parzival].&amp;lt;/ref&amp;gt; ist schwer zu fassen und eine übergreifende Standesidentität nicht leicht zu finden. Was macht einen Ritter zum Ritter? Besonders am Beispiel Parzival selbst steht die Erziehung als zentrales Kriterium im Raum, denn gerade durch sein gezielt [[Erziehung fernab jeder Zivilisation| antihöfisches Aufwachsen im Wald]] soll Gahmurets Sohn von einem ritterlichen Leben ferngehalten werden. Dies gelingt jedoch nicht, da die [[Erziehungskonzepte im Parzival| höfische Erziehung]], wie sich an der Entwicklung Parzivals zeigt, nachgeholt werden kann.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Dem gegenüber stehen diverse Textpassagen in denen der ritterliche Prunk und die profane Zurschaustellung von Luxus als äußeres Merkmal von Ritterlichkeit und Adel festgehalten werden. Parzival vertritt, dazu passend, anfangs die Meinung, dass eine Rüstung genüge, um ihn zum Ritter zu machen. Dies führt zur gewaltsamen Auseinandersetzung mit seinem Verwandten [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Ither]], die mit dessen Tod endet. Demnach spielt der Kampf ebenfalls eine Hauptrolle bei der Bildung einer Standesidentität. Hierbei ist hervorzuheben, dass es sich bei Parzival zu diesem Zeitpunkt eben noch nicht um einen Ritter handelt. Der ritterliche Kampf umfasst einerseits feste Normen und andererseits die Nutzung bestimmter Waffen, nämlich Lanze und Schwert. Indem Parzival Ither also mit einem Wurfspieß tötet, gibt er sich gleich doppelt als „Nichtritter“ zu erkennen. Das unterschwellige Gebot zur Schonung von Besiegten setzt klar eine moralische Komponente in der Standesidentität voraus.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Problematisch wird dies jedoch, als Parzival die Rüstung des Toten an sich nimmt und dadurch trotzdem zum Ritter wird. Der Knappe Iwânet bringt ihm zwar vor seinem Aufbruch vom Artushof die Grundbegriffe des ritterlichen Kampfes bei, Parzival durchläuft aber weder eine Knappenphase noch wird er durch die Schwertleite förmlich zum Ritter gemacht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Religionszugehörigkeit und Erziehung als Kriterium einer übergeordneten Standesidentität? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Religion scheint in Wolframs Parzival kein Teil der ritterlichen Standesidentität zu sein. Als Parzival und dessen Bruder [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Feirefiz]] aufeinandertreffen, finden sich bei dem Heiden dieselben Zuschreibungen von Ehre, Mut und Stärke wie bei christlichen Rittern. Selbst die Art zu kämpfen ist über die Religionsgrenze hinweg gleich. Zudem wird Feirefiz im Text explizit als Ritter bezeichnet:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;[…] daz nie von &#039;&#039;&#039;rîters&#039;&#039;&#039; hand geschach&#039;&#039; || dass mich aber niemals eines Ritters Hand&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;mir groezer nôt, für wâr ichz weiz,&#039;&#039; || so arg in Bedrängnis brachte wie Eure,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dan von iu,‘ sprach der von Kanvoleiz.&#039;&#039; || das weiß ich ganz gewiss. So sprach der aus Kanvoleiz (V. 749,12 – 14)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dies trifft auch auf andere heidnische Vertreter zu, wie beispielsweise auf den König von Alexandria, der für Gahmurets Tod verantwortlich ist und vom Erzähler ebenfalls als Ritter betitelt wird. Religion scheint nur dann ein Problem darzustellen, wenn es sich um die Gralsgesellschaft handelt. Als Heide ist es Feirefiz dort bis zu seiner [[Die Funktion der Taufe im Parzival |Taufe]] nicht möglich den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gral]] zu sehen.&lt;br /&gt;
Was die eingangs erwähnte Erziehung anbelangt, so hat diese im Gegensatz zur Religionszugehörigkeit zwar eine durchaus wichtige Funktion, kann aber auch nachgeholt werden. Gerade bei Parzival fällt dies auf, der von seiner Mutter in ein Narrenkleid gesteckt und mit schlechter Etikette, als das Negativabbild eines Ritters, in die Welt entlassen wird. Während diese Grundkonstellation anfangs zu einigen schweren Verfehlungen führt, erlernt Parzival Schritt für Schritt die Tugenden und Verhaltensweisen, die am Ende seiner &#039;&#039;âventiuren&#039;&#039; Voraussetzung für einen Ritter und Gralskönig sind.&lt;br /&gt;
Egal ob es sich um die Unterweisung im ritterlichen Kampf durch den Knappen Iwanet handelt oder das Erlernen des höfischen Benehmens von Gurnemanz, die Erziehung verknüpft alle wesentlichen Eckpfeiler des Ritterstandes miteinander. Sie stellt also weniger ein Standesmerkmal im engeren Sinne dar, sondern dient zur Vermittlung der allgemeinen Standesidentität. Wann sich die Erziehung abspielt, scheint zunächst unwichtig.&amp;lt;ref&amp;gt;Bei Parzival ist sie sogar als fortlaufender Prozess parallel zu seiner Gralssuche konzipiert.&amp;lt;/ref&amp;gt; Im optimalen Fall jedoch findet sie in jungen Jahren statt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Anders verhält es sich mit der Abstammung. Die engen verwandtschaftlichen Beziehungen der Figuren untereinander schaffen einen großen Sippenkomplex, der maßgeblich zur Identitäsbildung beiträgt. Gerade der umfangreiche genealogische Verweis auf Parzivals Abstammungslinie, bis zu seinem Großvater väterlicherseits und darüber hinaus, macht deutlich, wie essentiell der adelige Familienhintergrund als Grundvoraussetzung für einen ritterlichen Werdegang ist.[Schmid 1986: vgl. S. 171] Dies ist aus historischer Perspektive nicht verwunderlich und Wolframs Parzival bildet hierbei keine Ausnahme.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Verbindende Charaktereigenschaften und höfische Tugenden =&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch:[[Die ritterlichen Tugenden im Parzival, (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ritterliche Tugendsystem wurde in der Forschung von Gustav Ehrismann geprägt, der sich als Erster damit auseinandersetzte.[Eifler 1970: vgl. S. VII] Der Gegenstandsbereich wurde seit 1919 mehrfach aufgegriffen und angepasst. Es handelt sich um eine Rekonstruktion der Forschung, die sich auf verschiedene literarische Texte beruft, ganzheitlich aber nie festgehalten wurde. Grob zusammengefasst handelt es sich beim ritterlichen Tugendkatalog um eine Morallehre, die eine enge Verbindung zu den Kardinaltugenden der Antike aufweist, jedoch keine bloße Kopie ist.[Eifler 1970: vgl. S. 296 - 297] Die sittlichen Erscheinungsformen der ritterlichen Lebenslehre sind dabei stark christlich gefärbt. Betrachtet man die Tatsache, dass Christen und Heiden im Parzival gleichermaßen die Tugenden leben, stellt sich die Frage, wie eine religiöse Einflussnahme zu erklären ist. Die Antwort liegt im Rückbezug auf die Antike. Im Willehalm beispielsweise werden die Heiden in eine Ahnenlinie eingesponnen, die direkt in die römische Antike reicht. Auch im Parzival tauchen solche Verbindungen auf, im Pantheon der heidnischen Götter befindet sich unter anderem auch Jupiter. Durch den gemeinsamen Rückbezug ist auch der Zugriff auf die gleichen Urtugenden möglich.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Das Konstrukt des Tugendsystems wird von Hans Naumann in drei übergeordnete Wertgebiete unterteilt. Das Erste bezeichnet er als &#039;&#039;gotes hulde&#039;&#039; und ordnet dieser als Tugend die &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; unter.[Eifler 1970: vgl. S. 94] Die Treue zu Gott wird dabei ins feudale Lehnssystem eingeordnet und die Verbindung zwischen Ritter und Gott als transzendentes Verhältnis von Herrscher zu Vasall gedacht.&amp;lt;ref&amp;gt;Vgl. die Lehre von Trevrizent.&amp;lt;/ref&amp;gt; Das zweite Wertgebiet wird als &#039;&#039;honestum&#039;&#039; bezeichnet. Darunter ist die &#039;&#039;staete&#039;&#039; einzuordnen, die eine sittliche Festigkeit der Person ausdrückt. Auch der &#039;&#039;hohe muot&#039;&#039; spielt eine zentrale Rolle im höfischen Kontext, besonders in Verbindung mit der &#039;&#039;fröude&#039;&#039;. Traurigkeit wäre laut Naumann der Untergang des höfischen Lebens, weshalb Freude und hoher Mut erhöhende Güter der höfischen Kultur darstellen. Voraussetzungen für höfisches Zusammenleben stellt auch die &#039;&#039;zuht&#039;&#039; dar. Sie beinhaltet allgemeines höfisches Benehmen, aber auch die Zügelung der Triebe.&amp;lt;ref&amp;gt;&#039;&#039;zuht&#039;&#039; kann auch die gute Erziehung meinen.&amp;lt;/ref&amp;gt; Weitere Charaktereigenschaft des idealen Ritters ist die &#039;&#039;milte&#039;&#039; dh. die Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Um die verschiedenen Tugenden des zweiten Wertebereichs zusammen zu halten tritt die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; als regulierender Faktor auf.[Eifler 1970: vgl. S. 94 - 95] Der dritte und letzte Wertebereich setzt sich weniger aus Tugenden, als vielmehr aus idealen charakterlichen und körperlichen Vorzügen zusammen. Adel, Schönheit, Kraft, Gesundheit und Ruhm (&#039;&#039;êre&#039;&#039;) sind Schlüsselmerkmale. Auch Reichtum spielt eine Rolle, darf jedoch nicht sinnlos zur Schau gestellt werden oder die beiden höheren Wertegebiete schädigen. Antrieb zur Ausübung der Tugenden ist dabei immer die hohe Minne, sie bedingt und verfeinert die höfischen Ideale und führt in letzter Konsequenz zur Erlangung der &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039;.[Eifler 1970: vgl. S. 96]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nach dieser Groben Zusammenfassung des Tugensystems, das im Forschungsdiskurs für die historische Standesidentität konstruiert wurde, stellt sich die Frage nach Übereinstimmungen in Wolframs Parzival. In diesem taucht die Vermittlung der Tugenden hauptsächlich an einer Stelle auf. Sie steht im Zusammenhang mit der höfischen Erziehung, die Parzival von Gurnemanz erhält. Als Teil der Erziehung kann davon ausgegangen werden, dass die von Gurnemanz vermittelten, ritterlichen Ideale auch standesübergreifend und damit identitätsbildend zu verstehen sind. Die Reglementierung des höfischen Verhaltens durch Tugenden (und deren Fehlinterpretation) ist besonders auf der Gralsburg von zentraler Bedeutung. Die Tugendhaftigkeit eines Ritters wird in Ehre gemessen. Gurnemanz greift bei seiner Belehrung unterschiedliche Tugenden auf: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
1. &#039;&#039;werdekeit&#039;&#039; und &#039;&#039;scham&#039;&#039; (V. 170,16 - 20)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
2. &#039;&#039;mâze&#039;&#039; (V. 171,13 - 21)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
3. &#039;&#039;mitle&#039;&#039;, &#039;&#039;guete&#039;&#039; und &#039;&#039;diemüete&#039;&#039;  (V. 170, 23 - 28)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
4. Mitleid bzw. &#039;&#039;(d)erbärme&#039;&#039; (V. 171,25 - 30)&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In wenigen Versen wird hier ein Cluster aus höfischen Tugenden gebildet, der stets anhand von praktischen Beispielen erläutert wird. Im Gegensatz zum klassischen Tugendsystem der Forschung spielt bei Wolfram auch die Scham eine tragende Rolle. Sie erfüllt ähnlich wie die &#039;&#039;mâze&#039;&#039; eine regulierende Funktion. Das ritterliche Leben ohne Schamgefühl wird bildlich mit einem Habicht in der Mauser verglichen, der nichtmehr fähig ist zu fliegen. Besonders im Bezug auf Parzivals Verfehlung beim Kampf gegen Ither zielen die zentralen Tugenden dieses Abschnittes auf den höfischen Umgang mit Standesgenossen ab. Mitleid und Erbarmen im Kampf sind dabei genauso wichtig, wie die allgemeine Güte und Demut. Die Szene ist zudem gleich doppelt identitätsbildend. Parzival lernt nicht nur die Grundlagen des höfischen Benehmens, die jeder Ritter kennen muss, ihm wird von Gurnemanz auch die Identität des [[Der Rote Ritter |roten Ritters]] übertragen: &amp;quot;&#039;&#039;sînen gast des namn er niht erliez/ den rôten ritter er in hiez&#039;&#039;&amp;quot; (V. 170,5 - 6).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Kampf und Gewalt als Zentrales Merkmal einer Kriegerkaste =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch:[[Kampf- und Todesdarstellungen im Parzival]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bereits eingangs betrachtet, gehört auch der Kampf zur ritterlichen Standesidentität. Dieser findet in Wolframs Parzival ausschließlich unter Standesgenossen statt. Konkret handelt es sich dabei um den [[Das Tjostieren im Parzival |Tjost]], das Lanzenstechen in voller Rüstung zu Pferd. Vereinzelt geht der Kampf nach dem zerbrechen der Lanzen mit dem Schwert weiter oder, falls beide Kontrahenten aus dem Sattel geworfen wurden, zu Fuß. Jene Art zu Kämpfen ist sowohl bei Christen, als auch Heiden gleich. Pferd, Lanze, Schwert und Rüstung grenzen den Ritter hierbei von der, im Parzival nicht zu findenden, nichtadeligen Art zu kämpfen ab. &lt;br /&gt;
Für den Ritterstand scheint der Kampf und die [[Gewalt im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gewalt]] jedoch nicht nur Notwendigkeit im kriegerischen Alltag zu sein, sondern wird auch als Teil von Machtkommunikation genutzt.  Wann immer zwei Parteien aufeinandertreffen, stellt der Kampf einen Lösungsprozess von Interessenskonflikten dar. Im Sinne Luhmanns äußert sich die Macht innerhalb der adeligen Gesellschaft  als ein Symbolisch Generalisiertes Kommunikationsmedium, dessen symbiotisches Symbol der Kampf bzw. die Gewalt ist.[Horster 2005: vgl S. 141]&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Bei einem Symbolisch Generalisierten Kommunikationsmedium handelt es sich um eine allgemein anerkannte Form der Kommunikation und dient zum Austausch oder der Überbrückung von Differenzen.[Horster 2005: vgl. S. 134] Da der Kampf Ausdruck von Machtkommunikation darstellt, ist es aus der daraus resultierenden Häufigkeit nötig, eine Form der Reglementierung zu finden, damit der Ritterstand nicht Gefahr läuft sich selbst zu vernichten. Aus diesem Grund beinhaltet der ritterliche Kampf eine moralische Komponente, die sich ebenfalls abgrenzend zum „gemeinen“ Soldaten oder Mörder verhält. Diese wird Parzival von Gurnemanz vermittelt und beinhaltet ein Gebot der Schonung des Besiegten nach Beendigung eines bewaffneten Konfliktes (V. 171,25 - 30). Natürlich stellt der [[Der Tod im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Tod]] auch weiterhin eine reale Gefahr dar, die der Roman an verschiedener Stelle auch aufgreift, allerdings handelt es sich dabei eher um Unfälle oder es wird mit unritterlichem Verhalten begründet. Dieser Verweis auf unritterliches Verhalten, das als erstes in der Gahmuret-Handlung auftritt, belegt die Existenz und Wichtigkeit des genannten Gebots zur Schonung des Unterlegenen. [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Gahmuret]] stirbt zwar durch einen Standesgenossen, dieser handelt jedoch durch eine List und bösen Zauber entgegen den höfischen Erwartungen, was zu einer insgesamt negativen Konnotation führt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;gunêrtiu heidensch witze&#039;&#039; || Verfluchte heidnische List&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;hât uns verstoln den helt guot.&#039;&#039; || hat uns den edlen Helden gestohlen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;ein ritter hete bockes bluot&#039;&#039; || Ein Ritter hatte nämlich das Blut eines Bocks&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;genomen in ein langez glas:&#039;&#039; || in ein langes Glas getan,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;daz sluoger ûf deb adamas&#039;&#039; || das schlug er auf dem Adamas [Gahmurets Helm] entzwei:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;dô wart er weicher danne ein swamp.&#039;&#039; || Da wurde er noch weicher als ein Schwamm. (V. 105,16 - 21)&lt;br /&gt;
|}&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Infolge dieser unritterlichen List wird der nachfolgende Todesstoß gegen Parzivals Vater erst ermöglicht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Regelfall endet der Kampf jedoch wieder in einer Machtkommunikation, bei der die Macht des Siegers zusammen mit den Wahlmöglichkeiten des Unterlegenen steigt.[Luhmann 2003: vgl. S. 8] Konkret am Text zeigt sich mehrfach, dass Parzival seine besiegten Kontrahenten als Boten an den Artushof schickt, um eine Nachricht zu überbringen. Diese haben trotz des Versprechens, welches sie Parzival geben in der Theorie die Wahlmöglichkeit, ob sie dem nachkommen oder nicht. Maßgeblich an der Entscheidung beteiligt sind dabei die ritterliche &#039;&#039;êre&#039;&#039; bzw.  &#039;&#039;triuwe&#039;&#039;, sodass alle ihr Versprechen erfüllen und Parzivals Macht dadurch bestätigen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ähnlich wie die Darstellung des Körpers verbindet auch der Kampf verschiedene Elemente der Standesidentität miteinander. Auslöser für Kämpfe sind nicht selten Minneszenarien und der Kampf selbst wird in seinem formalen Ablauf durch das ritterliche Tugendsystem bestimmt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Der ritterliche Körper als Ausdruck ständischer Vollkommenheit? =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der ritterliche Körper wird im Parzival sehr allgemein beschrieben und weist aus heutiger Sicht kaum Merkmale auf, die zur Identifikation einer Figur dienen könnten. Vielmehr handelt es sich um eine Aufzählung verschiedener Körperteile und der Beschreibung ihrer Vorzüge.[Holland 2005: vgl. S. 59] Als Beispiel kann hier wieder Gahmuret herangezogen werden:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn munt als ein rubîn schein&#039;&#039; || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;von roete als ober brünne:&#039;&#039; || von Röte, als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;der was dicke und niht ze dünne.&#039;&#039; || Volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;sîn lîp was allenthalben clâr.&#039;&#039; || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;lieht reideloht was im sîn hâr,&#039;&#039; || Hell und lockig war sein Haar,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;&#039;swâ manz vor dem huote sach:&#039;&#039; || wo es unter dem Hut hervorsah (V. 63,16 – 21)&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
		&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Meist wird explizit die Stärke sowie die außergewöhnliche Leistungsfähigkeit eines ritterlichen Körpers in den Vordergrund gerückt. Die zugeschriebenen Attribute sind dabei für den gesamten Ritterstand homogen, das heißt sie haben eine wiederkehrende Form und finden sich auch bei Gawan usw. wieder.[Holland 2005: vgl. S. 61] Parzival selbst stellt hierbei einen Sonderfall dar, der die Beschreibung der Norm übertrifft, damit ein engelhaftes Erscheinungsbild erzeugen wird. Ein Schritt der nötig ist, um ihn auf körperlicher Ebene sowohl mit der Artus-, wie auch der Gralswelt zu verbinden. Parzival stellt also als Schnittstelle zweier getrennter Systeme die Superlative seines Standes dar.[Holland 2005: vgl. S. 62] Obwohl Gralswelt und Artushof voneinander getrennt sind bildet der Ritterstand jedoch ein verbindendes Element.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Der Körper des Mittelalters und allgemein der des höfischen Romans dient zusätzlich als äußeres Zeichen der inneren, moralischen Überlegenheit bzw. Vollkommenheit. Er macht in gewisser Weise die Tugendhaftigkeit nach außen sichtbar. Als Gegensatz zum Typus des schönen, jugendlichen Ritterkörpers, dient der kranke oder versehrte Körper,[Holland 2005: vgl. S. 62] wie sich im Falle des [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Anfortas]] zeigt. Oft geht die Verschiebung zum Gegenpol dieser Dialektik mit einer größeren, charakterlichen Verfehlung einher. Anfortas, zuvor ein Ritter mit den klassischen körperlichen Zuschreibungen, macht sich als Gralskönig durch eine, von Gott nicht autorisierte, Liebe zu [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Orgeluse]] schuldig. Die Strafe folgt in Form einer vergifteten Lanze, die den Gralskönig in den Hoden trifft und so nicht nur seine Zeugungsfähigkeit zerstört, sondern auch seinen ganzen ritterlichen Körper zum Leiden auf unbestimmte Zeit verdammt.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Körperbeschreibungen weisen des Weiteren eine starke [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbsymbolik]] auf. Mit Farbe ist hier der Unterschied zwischen weißer und dunkler Haut gemeint. Dieser dient einerseits dazu den christlichen Ritter des Okzidents von seinem Gegenstück im Orient zu unterscheiden, andererseits zieht er, aus historischer Sicht, eine klare Trennlinie zum „einfachen Volk“.[Holland 2005: vgl S. 63] Farbe dient hier in Form der vornehmen Blässe zumindest auf christlicher Seite als abgrenzendes Standesmerkmal nach unten. Bei den heidnischen Rittern stellt dies zugegebenermaßen ein Problem dar, denn diese werden, was das höfische Verhalten usw. angeht, trotz dunkler Haut als Ritter dargestellt. Die Farbe scheint also eine eher untergeordnete Rolle innerhalb der ritterlichen Standesidentität zu spielen. Zu erklären ist dies unter anderem mit der religiösen Konnotation, die die Farbe Weiß zusätzlich noch beinhaltet. Diese ist, zusammen mit der [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Schönheit]], Zeichen der göttlichen Gnade, Zuwendung und steht für Reinheit und Unschuld. Da Religionszugehörigkeit aber nicht die Mitgliedschaft im Ritterstand ausschließt, manifestiert sich der Unterschied auf Ebene der Hautfarbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie bei der Körperbeschreibung, handelt es sich bei den verschiedenen Merkmalen, die die ritterliche Standesidentität bilden um Einzelfaktoren die stark miteinander verknüpft sind und ein größeres Ganzes bilden. Es ist schwer sie losgelöst voneinander zu betrachten. So wie körperliche Schönheit den reinen Charakter einer Figur nach außen trägt, weist die Beschreibung von starken Gliedmaßen auf den kämpferischen Aspekt hin und der etwas befremdlich wirkende Fokus auf die, meist roten, Lippen der Ritter schlägt eine Brücke zur mînne, welche ebenfalls zentraler Aspekt der Standesidentität darstellt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Einfluss der &#039;&#039;mînne&#039;&#039; auf die ritterliche Standesidentität =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;Siehe hierzu auch: [[Minnedienst (Wolfram von Eschenbach, Parzival)]]&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Historischen Kontext dient die Ehe als Mittel der Eroberungs- oder Instrument der Familien- und Bündnispolitik.[Wiegand 1972] Minne bzw. Zuneigung spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die Literatur verfährt mit dem Thema anders. Die Minne wird zum Tragenden Motiv bei der Eheschließung. Politische Allianzen sind eher sekundär. Trotzdem taucht die Verbindung auch im Parzival auf. Gahmuret wird durch seine Ehe mit Belacane zum &#039;&#039;künec von Zazamanc&#039;&#039; (V. 65,19) und Gleiches geschieht bei Parzivals Vermählung mit Conwiramurs, die ihn zum König von Pelrapeire macht (V. 202,26 und 268,4).[Wiegand 1972: vgl. S. 14 - 15] Die übergeordnete Rolle der Minne wird auch an ihrer Personifikation deutlich, die in Wolframs Minneexkursen auftaucht und verschiedene Facetten aufweist.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Damit spielt die [[Minne (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Minne]] bzw. der Frauendienst auch eine Hauptrolle bei der Generierung einer ritterlichen Standesidentität. Es gibt in Wolframs Parzival keinen einzigen Ritter, der nicht auf die ein oder andere Weise mit der Minne in Berührung kommt. Dabei ist wiederum nicht ausschlaggebend ob er dem Christen- oder Heidentum angehört. Es ist zu beobachten, dass es sich bei der Minne, wie zuvor schon bei den anderen Kriterien, um ein verbindendes Element handelt. Es gibt Figuren im Roman, deren einzige Motivation der Frauendienst ist. Für diese Minneritter, zu denen auch Ither von Gaheviez und Feirefiz gezählt werden können ist der Kampf, ebenso wie die höfischen Tugenden, Mittel und Voraussetzung ihr Ziel zu erreichen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Fazit =&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie sich gezeigt hat, wird die ritterliche Standesidentität durch eine beachtliche Anzahl verschiedener Faktoren gebildet. Keines der Merkmale steht dabei für sich alleine, sondern ist in irgendeiner Form auch mit den anderen Kriterien verwoben. Sie können jedoch in primäre und sekundäre Merkmale unterteilt werden. Zu den Primären, dh. den Wichtigsten gehören Kampf, Minne sowie Kenntnisse der höfischen Tugenden, während Religionszugehörigkeit und Teile der Körperbeschreibung eher sekundär sind. Die weit weniger wichtigen Identitätsmerkmale Hautfarbe und Religion dienen eher dazu, Kategorien innerhalb des Standes zu bilden. Das Rittertum vereint demnach christliche, die wiederum in den Grals- und Artushof unterteilt sind, und heidnische Ritter in sich. Als gemeinsame Grundlage dient die adelige Abstammung: Standes und Herrschaftsansprüche werden in Wolframs Parzival konstant durch genealogische Verweise legitimiert.[Schmid 1986: vgl. S. 171] Der ritterliche Körper als zentrales Werkzeug ist so konzipiert, dass sich von ihm auf die übrigen Standesmerkmale schließen lässt. Vermittelt wird die Standesidentität dabei durch die höfische Erziehung, welche den allgemeinen Rahmen bildet. Aus der Figur Parzival lässt sich schließen, dass Versäumnisse in der Erziehung auch nachgeholt werden können.   &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Anmerkungen =&lt;br /&gt;
&amp;lt;References /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
= Literaturnachweis =&lt;br /&gt;
== Textausgabe ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Parzival]Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok. 2. Aufl., Berlin/New York 2003.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Sekundärliteratur ==&lt;br /&gt;
&amp;lt;Harvardreferences /&amp;gt;&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Eifler 1970]Eifler, Günter (Hg.): Ritterliches Tugendsystem. Darmstadt 1970.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Holland 2005]Holland, Brent J.: From &#039;&#039;antlütze&#039;&#039; to &#039;&#039;Angesicht&#039;&#039;. Identity and Difference in Wolfram&#039;s &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; and Grimmelshausen&#039;s &#039;&#039;Der abenteuerliche Simplicissimus Teutsch&#039;&#039;. Frankfurt am Main 2005.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Horster 2005]Horster, Detlef: Niklas Luhmann. 2. Aufl., München 2005 &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Luhmann 2003]Luhmann, Niklas: Macht. 3. Aufl., Stuttgart 2003.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schmid 1986]Schmid, Elisabeth: Familiengeschichte und Heilsmythologie. Die Verwandtschaftsstrukturen in den französischen und deutschen Gralromanen des 12. und 13. Jahrhunderts. Tübingen 1986.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wiegand 1972]Wiegant, Herbert Ernst: Studien zur Minne und Ehe in Wolframs Parzival und Hartmanns Artusepik. Berlin/New York 1972&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Identität]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20987</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20987"/>
		<updated>2015-07-07T12:48:28Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Gralsbotin Cundrie im VI. Buch Parzival von seinem ihm unbekannten Halbbruder erzählt, verwendet sie diesen als positives Gegenstück zu Parzival, um diesem seine Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Auch hier wird seine besondere Hautfarbe als Teil der positiven Darstellung erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem diu manheit niht verdarp, || An dem ist das Mannes-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die iwer bêder vater truoc. || tum, das Euer beider Vater hatte, nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iwer bruoder wunders pfligt genuoc: || zuschanden geworden. Sein Wesen ist selt-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ja ist beidiu swarz unde blanc || sam und wunderbar: Er ist schwarz und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der küngîn sun von Zazamanc. || weiß zugleich, der Sohn der Königin von &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Zazamanc.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(317, 6 - 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Andersartigkeit dient in dieser Szene dazu, Parzivals Makel herauszustellen. Der heidnische Bruder wird hierbei zu einem Helden konstruiert, der ähnliche Anlagen wie Parzival hat und im Gegensatz zu diesem mit großer &#039;&#039;Courtoisie&#039;&#039; handelt. Zwar zeigt Feirefiz sich besonders gegen Ende des Epos, beispielsweise bei seiner Taufe (vgl. XVI. Buch), als Held, der durchaus auch die Möglichkeit zu Fehlerhaftigkeit besitzt. In diesem Abschnitt des Buches hat er seine Funktion als positives Gegenbeispiel zu Parzival, der seine Entwicklung zum Gralskönig erst durchlaufen muss, bereits erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die hässliche Gralsbotin Cundrîe ist in modische Kleidung gehüllt, welche in groteskem Kontrast zu ihrem abstoßenden Aussehen steht. Eingehend beschreibt Wolfram die edlen Stoffe, die sie am Körper trägt und geht auch auf deren Farben ein. So ist Cundrîe beispielsweise in ein Genter Brauttuch, &amp;quot;&#039;&#039;noch plâwer denne ein lâsur&#039;&#039;&amp;quot; (313, 5) gekleidet. Der funkelnd blaue Edelstein Lapislazuli ist also nicht annähernd so blau wie Cundrîes Mantel. Dieser kann aufgrund seiner blauen Farbe als Zeichen für die Späre der Transzendenz und den Himmel verstanden werden. [Schindler 2009: Vgl. S. 474] Cundrîe wird dadurch als &amp;quot;Abgesandte eines himmlischen Reiches, der Gralsgesellschaft&amp;quot; [Schindler 2009: S. 474] dargestellt, die sich zudem durch ihre &#039;&#039;triuwe&#039;&#039; auszeichnet, welche oftmals ebenfalls mit der Farbe Blau verbunden wird.&lt;br /&gt;
Desweiteren sind die edlen Stoffe, aus der ihre maßgefertigte Kleidung geschneidert ist, teilweise mit Gold durchwirkt (vgl. 313, 7 - 11). Hier überschneiden sich die Kostbarkeit der Materialien mit dem göttlichen Schein ihrer Farben: Gold als glänzender Lichtrepräsentant unterstreicht erneut die Verbindung zur Himmelsebene, da sein edler Glanz als Zeichen von Göttlichkeit gedeutet werden kann.&lt;br /&gt;
Die Farbbeschreibungen von Cundrîes Kleidung zielen darauf ab, ihre Zugehörigkeit zur Adelsgesellschaft zu demonstrieren, welche vielleicht aufgrund ihrer Hässlichkeit nicht eindeutig gewesen wäre.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Farbcodes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder: Weiße, leuchtende Haut und ein roter Mund sind bedeutende Merkmale weiblicher Schönheitsfarben.&lt;br /&gt;
Die helle Haut repräsentiert hierbei den adligen Stand, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielhaft sollen hier Beschreibungen Herzeloydes das Schönheitsideal Wolframs Frauen repräsentieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vrou Herzeloyde gap den schîn, || Die edle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waern erloschen gar die kerzen sîn, || Herzeloyde war so licht, daß, wären auch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| da waer doch lieht von ir genuoc. || seine Kerzen alle erloschen, es doch hell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || genug gewesen wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(84, 13 - 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do begreif im diu gehiure || Und da tastete die Schöne nach seinen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîne quaschiure || Blessuren mit ihren linden, weißen Hän-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ir linden handen wîz: || den: An die hatte Gott seine ganze Kunst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an den lac der gotes flîz. || gewendet.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(88, 13 - 16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird ihre Schönheit mit Helligkeit, Glanz und Licht gleichgesetzt. Bezeichnend ist auch die Verbindung mit Gott, dessen Wohlwollen und Fähigkeit sich in der Helligkeit Herzeloydes manifestiert. Ihre helle, strahlende Haut ist ein Zeichen ihrer edlen Herkunft und äußerer Ausdruck ihrer inneren Tugendhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenfalls als besonders schön wird Jeschute beschrieben. Im III. Buch entdeckt Parzival sie schlafend in ihrem Zelt und ist wie gebannt von der Anziehungskraft ihrer hellen Haut und dem leuchtenden Rot ihres Mundes (&amp;quot;&#039;&#039;der munt ir von einander lief: der truoc der minne hitze fiur&#039;&#039;.&amp;quot; [130, 8f.]). Ein sinnlicher, roter Mund ist hierfür ein Zeichen der Liebe und wird von Wolfram sogar als &#039;&#039;der minne wâfen&#039;&#039; (130, 4) bezeichnet.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]]&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür: Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004, S. 72 - 74. &amp;lt;/ref&amp;gt; erkennt Parzival in den drei Blutstropfen im weißen, unberührten Schnee seine geliebte [[Condwiramurs|Condwiramurs.]]&lt;br /&gt;
Der Kontrast aus hellem, leuchtendem Weiß und einem lebendigen Rot ist basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter. &lt;br /&gt;
&amp;quot;Wie kommt es von den drei Tropfen zu einer vergegenständlichten Anschauung eines Gesichts? Dies geschieht natürlich ein Stück weit in der Imagination des Betrachtenden, aber es sind doch wohl die konstrastierenden Farben, es ist die Anordnung der Tropfen auf dem Schnee, die diese Struktur des Gesichts nahelegen, d. h. die Farben schaffen die Struktur und sind gerade nicht allein das, was sie aus moderner Sicht zu sein scheinen, dekorativer Füllstoff für eine vorgegebene Form.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 470]&lt;br /&gt;
Dass Parzival aus etwas abstraktem wie drei roten Tropfen und weißer Fläche seine Frau rekonstruiert, zeigt die starke Bedeutung von Farben im Zusammenhang mit Schönheit: Allein die Kombination aus Rot und Weiß reicht aus, um das Bild Condwiramurs in ihm hervorzurufen und ihn in eine Trance zu versetzen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schindler 2009] Schindler, Andrea: &#039;&#039;ein ritter allenthalben rôt.&#039;&#039; Die Bedeutung von Farben im Parzival Wolframs von Eschenbach. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 461 - 477.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20971</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20971"/>
		<updated>2015-07-07T11:46:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Weibliche Schönheit in Rot-Weiß */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Gralsbotin Cundrie im VI. Buch Parzival von seinem ihm unbekannten Halbbruder erzählt, verwendet sie diesen als positives Gegenstück zu Parzival, um diesem seine Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Auch hier wird seine besondere Hautfarbe als Teil der positiven Darstellung erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem diu manheit niht verdarp, || An dem ist das Mannes-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die iwer bêder vater truoc. || tum, das Euer beider Vater hatte, nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iwer bruoder wunders pfligt genuoc: || zuschanden geworden. Sein Wesen ist selt-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ja ist beidiu swarz unde blanc || sam und wunderbar: Er ist schwarz und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der küngîn sun von Zazamanc. || weiß zugleich, der Sohn der Königin von &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Zazamanc.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(317, 6 - 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Andersartigkeit dient in dieser Szene dazu, Parzivals Makel herauszustellen. Der heidnische Bruder wird hierbei zu einem Helden konstruiert, der ähnliche Anlagen wie Parzival hat und im Gegensatz zu diesem mit großer &#039;&#039;Courtoisie&#039;&#039; handelt. Zwar zeigt Feirefiz sich besonders gegen Ende des Epos, beispielsweise bei seiner Taufe (vgl. XVI. Buch), als Held, der durchaus auch die Möglichkeit zu Fehlerhaftigkeit besitzt. In diesem Abschnitt des Buches hat er seine Funktion als positives Gegenbeispiel zu Parzival, der seine Entwicklung zum Gralskönig erst durchlaufen muss, bereits erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Farbcodes===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder: Weiße, leuchtende Haut und ein roter Mund sind bedeutende Merkmale weiblicher Schönheitsfarben.&lt;br /&gt;
Die helle Haut repräsentiert hierbei den adligen Stand, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Beispielhaft sollen hier Beschreibungen Herzeloydes das Schönheitsideal Wolframs Frauen repräsentieren:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| vrou Herzeloyde gap den schîn, || Die edle&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| waern erloschen gar die kerzen sîn, || Herzeloyde war so licht, daß, wären auch&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| da waer doch lieht von ir genuoc. || seine Kerzen alle erloschen, es doch hell&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || genug gewesen wäre.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(84, 13 - 15)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| do begreif im diu gehiure || Und da tastete die Schöne nach seinen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîne quaschiure || Blessuren mit ihren linden, weißen Hän-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mir ir linden handen wîz: || den: An die hatte Gott seine ganze Kunst&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an den lac der gotes flîz. || gewendet.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(88, 13 - 16)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird ihre Schönheit mit Helligkeit, Glanz und Licht gleichgesetzt. Bezeichnend ist auch die Verbindung mit Gott, dessen Wohlwollen und Fähigkeit sich in der Helligkeit Herzeloydes manifestiert. Ihre helle, strahlende Haut ist ein Zeichen ihrer edlen Herkunft und äußerer Ausdruck ihrer inneren Tugendhaftigkeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]]&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. hierfür: Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart / Weimar 2004, S. 72 - 74. &amp;lt;/ref&amp;gt; erkennt Parzival in den drei Blutstropfen im weißen, unberührten Schnee seine geliebte [[Condwiramurs|Condwiramurs.]]&lt;br /&gt;
Der Kontrast aus hellem, leuchtendem Weiß und einem lebendigen Rot ist basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter. Dass Parzival aus etwas abstraktem wie drei roten Tropfen und weißer Fläche seine Frau rekonstruiert, zeigt die starke Bedeutung von Farben im Zusammenhang mit Schönheit: Allein die Kombination aus Rot und Weiß reicht aus, um das Bild Condwiramurs in ihm hervorzurufen und ihn in eine Trance zu versetzen.&lt;br /&gt;
&amp;quot;Wie kommt es von den drei Tropfen zu einer vergegenständlichten Anschauung eines Gesichts? Dies geschieht natürlich ein Stück weit in der Imagination des Betrachtenden, aber es sind doch wohl die konstrastierenden Farben, es ist die Anordnung der Tropfen auf dem Schnee, die diese Struktur des Gesichts nahelegen Ð d. h. die Farben schaffen die Struktur und sind gerade nicht allein das, was sie aus moderner Sicht zu sein scheinen, dekorativer Füllstoff für eine vorgegebene Form.&amp;quot;[Schausten S. 470]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20969</id>
		<title>Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Sch%C3%B6nheit_und_H%C3%A4sslichkeit_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20969"/>
		<updated>2015-07-07T11:05:59Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: /* Das Lichtmotiv */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Der folgende Artikel beschäftigt sich mit den Personenbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei werden die Ansichten über Schönheit und Hässlichkeit im Mittelalter mit den schönen und hässlichen Figuren in Wolframs Roman verglichen. Im Vordergrund steht der Zusammenhang zwischen dem Aussehen und dem Charakter. Auf diesem Gebiet entsprechen viele Figurendarstellungen den Ansichten der Zeit, einige beinhalten aber auch Überraschungen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Einstellungen zum Aussehen im Mittelalter=&lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Innere und Äußere Schönheit===&lt;br /&gt;
Ist alles, was schön ist, gleichzeitig auch gut? Eine Frage, die im Mittelalter hochaktuell ist. Liest man mittelalterliche Romane, stößt man immer wieder auf diese Gleichsetzung. Tapfere Helden sind stets auch so schön, dass sie alle Blicke auf sich ziehen, und deren böse Gegner sind schon aufgrund ihrer Hässlichkeit schnell als solche zu erkennen. Diese Vorstellung hat ihren Usprung schon bei Platon. Das antike Ideal der &amp;quot;Kalokagathia&amp;quot; vereint innere und äußere Schönheit. [Michel 1976: vgl.: S. 89.] &amp;lt;ref&amp;gt; Im griechischen Original findet sich die Verbindung von καλός καί ἀγαθός (schön und gut) in Plantons Philebos. [Plato 2005: vgl.: I, 59b-64b.] &amp;lt;/ref&amp;gt;Auch die Theorie der Physiognomik, die versucht einen Zusammenhang zwischen &amp;quot;Gesichtszügen (wie auch der Form anderer Körperteile) einerseits und Charakter und geistig-seelischen Anlagen andererseits&amp;quot; herzustellen, trug ihren Teil zu den Schönheitsidealen bei.[Eco 2007: S. 257.] &amp;lt;br /&amp;gt; Obwohl im christlich geprägten Denken des Mittelalters eine gewisse Vorsicht erwartet werden dürfte angesichts dieses hohen Stellenwerts, den so die äußerliche Schönheit einnimmt, verwundert stattdessen, wie die antike Vorstellung wieder auflebt. Das von Gott geschaffene Äußere wird als Spiegel des Inneren eines Menschen gesehen; Schönheit verweist ebenfalls auf innere Vollkommenheit. [Wuthe 2008: vgl.: S.11.] &amp;lt;br  /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Diese Vorstellung des Mittelalters wird auch von dem Verhalten der Herrscher beeinflusst. Diese versuchen in ihrer Selbstdarstellung durch ihr höfisches Verhalten gleichzeitig ihre Machtstellung, ihre [[beeinflusst durch:: Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|kostbare Ausstattung]],[[beeinflusst durch:: Höfische_Lebenswelt_(Gottfried_von_Straßburg,_Tristan)| ]] ihre äußere Schönheit und ihre [[steht für:: innere Größe| ]] [[steht für:: Charakter| ]] innere Größe zu beweisen. Höfische Repräsentation zeigt die Vereinbarkeit von einem schönen Körper als Ausweis von Herkunft und Stand und einem hohen Charakter. Dies schlägt sich immer wieder in den Romanen dieser Zeit nieder. [Pappas 2001: vgl.: S. 160.] &amp;quot;Die Idealvorstellung einer verläßlichen Korrespondenz von innerer Qualität und äußerer Erscheinungsform ist Vorraussetzung und Ziel der höfischen Erziehung.&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 214.] So wird äußere Schönheit zum Zeichen von Standeszugehörigkeit; dem Adel und hohen Rittertum bleiben sämtliche Attribute für gutes Aussehen vorbehalten. Aus diesem Grund wird auch davon ausgegangen, dass sich die Schönheit weitervererbt, was zu der &amp;quot;Schönheit der Sippe&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 29.] führt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Obwohl sich die bisher dargestellte Einstellung zu Schönheit in vielen Werken des Mittelalters wiederfinden lässt und &amp;quot;die Autonomie des Schönen wahrhaft erst im 18. oder 19. Jahrhundert erschüttert wird&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S.400.] , gibt es durchaus in der Forschung Gegenmeinungen. Durch die Kreuzigung Jesu Christi ist im Christentum fest verankert, dass in äußerlich Hässlichem Wertvolles und höchste seelische Schönheit versteckt sein kann. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 410.] Die äußere Entstellung von Jesus Christus widerspricht dem antiken Schönheitsideal [Eco 2007: vgl.: S. 49-55.], doch sie bleibt dennoch an die Idealität der Schönheit gebunden. &amp;quot;Die deformitas [...] Christi ist nur ein zeitweiler Zustand, kein substantieller Verlust und deshalb wieder Zeichen der pulchritudo zukünftiger Seligkeit.&amp;quot; [Jauß 1968: S. 157.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Außerdem wird in mittelalterlicher Literatur auch die Diskrepanz zwischen Schein und Sein verarbeitet und die Gefahr einer Täuschung. Es bleibt das Risiko, aufgrund von Mängeln in der äußeren Erscheinung über die wahren Qualitäten einer Person hinweggetäuscht zu werden und dass die &amp;quot;vermeintliche Korrespondenz von Innen und Außen [...] zu Lasten aller eher unscheinbaren Schönheit&amp;quot; [Wenzel 1994: S. 213.] geht.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Das Lichtmotiv===&lt;br /&gt;
Eines der Hauptmotive äußerer Schönheit soll hier noch erwähnt werden. Schönheit ist im höfischen Roman stets mit Licht und Leuchten in Verbindung gebracht. Die Vorstellung, dass Gott erst durch das Licht seine Schöpfung zu ganzer Schönheit geführt hat, wird auf die Menschen übertragen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 15.] Es wird darauf hingewiesen, dass diese Idee schon auf Platon zurückgeht.&amp;lt;ref&amp;gt; Zu Platons Philosophie vgl. [Kahn 2005]. &amp;lt;/ref&amp;gt; &amp;quot;Sicher assoziiert Licht unterschwellig immer die Idee des Guten&amp;quot; [Brinker- von der Heyde 2008: S. 103.] und die Autoren gehen so weit, die schönen Figuren selbst mit endogener Lichtkraft auszustatten, die mit der Sonne als Lichtquelle zu vergleichen ist. So wird die Schönheit des Protagonisten im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; häufig als heller Glanz beschrieben: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| anderhalb ir saz Parzivâl:|| Auf der anderen Seite neben ihr saß Parzivâl.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ouch sô lieht gemâl,|| Der hatte auch sehr viel hellen Glanz am Leib&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| nie ouge ersach sô schoenen man.|| und war der schönste Mann, den je ein Auge sah.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(727, 19-21)&amp;lt;ref&amp;gt; &lt;br /&gt;
Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: [Wolfram von Eschenbach 2003]. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch die [[Farbsymbolik in Wolframs Parzival|Farbe]] spielte im Mittelalter eine große Rolle und &amp;quot;es kam ihr auf Grund der substantiellen Gebundenheit an das Licht&amp;quot; [Perpeet 1977: S. 67.] ein hoher Schönheitswert zu.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit== &lt;br /&gt;
Die Einstellung zu Hässlichkeit im Mittelalter lässt sich auf den ersten Blick ebensosehr pauschalisieren wie die Einstellung zur Schönheit: hässlich entspricht böse.&lt;br /&gt;
Es können zwei verschiedene Arten der Hässlichkeit unterschieden werden. Die meisten der entstellten Figuren mittelalterlicher Romane sind von genuiner Hässlichkeit, einer &amp;quot;a-priori-Häßlichkeit&amp;quot;. [Seitz 1967: S. 54.] Vor allem in den chansons de geste zeichnen sich diese Personen häufig durch tierische Attribute aus. &amp;lt;ref&amp;gt; Zur genauen Analyse der Attribute hässlicher Menschen [Seitz 1967: vgl.: S. 29-42.] &amp;lt;/ref&amp;gt; Es gibt ein konventionelles Formelgut an Beschreibungen, die für den französischen Roman üblich waren und als typisch bezeichnet werden können. [Dallapiazza 1985: vgl.: S. 408.] Die Entstellten sind häufig &amp;quot;Vertreter eines östlichen Exotenvolkes&amp;quot;, [Wisbey 1975: S. 17.] die nicht selten darauf verweisen, dass ihre Landsleute dasselbe Aussehen haben. Das hässliche Aussehen steht für ihre Fremdheit und Andersartigkeit. Auch der Zusammenhang von Hässlichkeit und heidnischem Glauben ist erkennbar. Für Wisbey hängt diese Verbindung mit der &amp;quot;Tatsache zusammen, daß solche Gestalten östlicher Herkunft von Kain abstammen&amp;quot;. [Wisbey 1975: S. 23.] Kain soll mit Tieren und Dämonen Missgestalten gezeugt haben, wodurch sich das tierische Aussehen der hässlichen Figuren erklärt.&amp;lt;ref&amp;gt; Quellen und Nachweise für diese These finden sich bei [Wisbey 1975: S. 23f.]&amp;lt;/ref&amp;gt;  Das Aussehen dieser Gestalten löst für den Betrachter &amp;quot;Angst, Ekel und Abscheu&amp;quot; aus.[Zimmermann 2007: S. 203.] Die Hässlichen werden &amp;quot;sowohl im Hinblick auf [ihr] äußeres Erscheinungsbild als auch auf [ihre] inneren Werte als &#039;&#039;undære&#039;&#039;(unansehnlich, böse, unfreundlich) oder als &#039;&#039;ungevüege&#039;&#039; (unschön, unpassend, unartig)&amp;quot; bezeichnet.[Zimmermann 2007: S. 203.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die zweite Form der Hässlichkeit ist die der entstellten Schönheit. Diese ist eine Hässlichkeit des Alters oder von Menschen, die ihre Schönheit aufgrund von äußeren Umständen oder Entbehrung verloren haben. Für den Verlust der Schönheit werden Gründe wie das Leben als Einsiedler, Krankheit und Trauer genannt. Diese Hässlichkeit ist nicht mit der ersten Art zu vergleichen, findet in der Literatur aber häufig Ausprägung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;=&lt;br /&gt;
Im Folgenden soll das Vorkommen der Motive Schönheit und Hässlichkeit im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; im Vergleich zur Einstellung im Mittelalter untersucht werden. &lt;br /&gt;
==Schönheit==&lt;br /&gt;
===Parzival===&lt;br /&gt;
Mit der Schönheit der Hauptfigur [[bestimmt Leben von:: Parzival| ]] Parzival beschäftigt sich [[Parzival: Seine Schönheit und Stärke (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|dieser Artikel]]. Als wichtigste Punkte für diesen Artikel sei nur kurz auf zwei Dinge hingewiesen:&lt;br /&gt;
Die Beschreibung Parzivals, der in Narrenkleidern am Artushof auftaucht, widerspricht der Konvention von höfischer Schönheit. Obwohl er weder mit prachtvoller Kleidung ausgestattet ist, noch mit höfischem Verhalten glänzen kann, ist die Gesellschaft am Artushof gebannt von seinem Aussehen.&amp;lt;ref&amp;gt;Eine interessante Analyse zu dieser Szene findet sich hier:  [Ackermann 2007: S. 441- 445.]&amp;lt;/ref&amp;gt; Trotz der fehlenden Erziehung ist sein Körper Zeichen seiner Herkunft und edlen Gesinnung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Männer===&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach stattet auch seine anderen Helden mit großer Pracht aus. In der Beschreibung der Ritter spart er nicht an Lob und Begeisterung. Als ein typisches Beispiel kann die Beschreibung von Parzivals Vater Gahmuret gelten: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn munt als ein rubîn schein || Sein Mund leuchtete wie ein Rubin von Röte, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von rœte als ober brünne: || als ob er in Flammen stünde;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was dicke und niht ze dünne. || volle Lippen, wahrlich keine schmalen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîn lîp was allenthalben clâr. || Glänzend war sein Leib, wo man auch hinsah.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| lieht reideloht was im sîn hâr, || Hell und lockig war sein Haar, &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| swâ manz vor dem huote sach: || wo es hervorsah unter seinem Hut,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der was ein tiwer huobetdach || und der war eine teure Kopfbedeckung.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| grüene samit was der mandel sîn: || Sein Mantel war ein grüner Samt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| einzobel dâ vor gap swarzen schîn || vorne drauf der Zobel gab schwarzen Schein;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ob einem hemde daz was planc || das Hemd, das er trug, war weiß.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
(63, 16-25)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle könnte auf die einzelnen Schönheitsbeschreibungen der Männer im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; eingegangen werden. Bis auf Weiteres wird hier auf Wuthe verwiesen, die eine sehr überzeugende und ausführliche Betrachtung der schönen Männer im Parzival liefert. [Wuthe 2008: vgl.: S. 78- 133.]&lt;br /&gt;
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Wolfram das Aussehen der Helden nicht realistisch darstellt, sondern der Schönheitsvorstellung des Mittelalters anpasst.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die schönen Frauen===&lt;br /&gt;
Die Schönheitsbeschreibungen der [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauen]] überschneiden sich ebenfalls häufig mit den Schönheitsidealen des Mittelalters. Es gibt eine idealtypische Schönheitsbeschreibung, die für alle Frauen im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; gilt und sich nur in der Intensität ihrer Leuchtkraft unterscheidet.&amp;lt;ref&amp;gt; Bei den Fraunen wird besonders oft auf den Zusammenhang mit Licht, Glanz und Schein hingewiesen. Zu einer genauen Analyse des Vorkommens dieser Wörter im Roman siehe [Brinker- von der Heyde 2008: S. 91-103.] &amp;lt;/ref&amp;gt; [Wuthe 2008: vgl.: S. 36.] Am strahlendsten erscheint [[zeigt sich in::Herzeloyde (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Herzeloyde]]. Vor allem die schönen Lippen der Frauen werden besonders herausgehoben, weil häufig ein Kuss mit einem Ritter beschrieben wird. Wenn von den Augen der Damen gesprochen wird, beschreibt Wolfram ihren Glanz, oft auch unter Tränen. [Wuthe 2008: vgl.: S. 38.]&lt;br /&gt;
In dieser kurzen Zusammenfassung darf die schwarze Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] nicht vergessen werden. Sie ist von wunderschönem [[ist schön::Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Auftreten_und_Aussehen|Aussehen]], was in Anbetracht ihres Glaubens und ihrer Andersartigkeit eine Besonderheit ist. Ihre Hautfarbe bleibt nicht unerwähnt (&amp;quot;nâch swarzer varwe was ir schîn&amp;quot; [24, 11]), sie ist ihrem Gegenüber dennoch alles andere als befremdlich; Gahmuret ist begeistert von ihrem Glanz und ihrer Schönheit. &amp;lt;ref&amp;gt; Es gibt unter den zahlreichen Figuren des &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; noch so viele schöne Frauen, dass mit [[ist schön::Antikonie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Antikonie]], [[ist schön::Condwiramurs (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Condwiramurs]], [[ist schön::Repanse_de_Schoye_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Repanse de Schoye]], [[ist schön::Parzival,_Jeschute_und_Orilus_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Jeschute]] und [[ist schön::Orgeluse_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival))|Orgeluse]] nur die wenigsten genannt sind.&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Wuthe weist auch noch daraufhin, dass die Schönheit von Frauen Auswirkungen auf die Wirkung des Helden hat. &amp;quot;Der Wert des Mannes wird durch die Schönheit der Frau noch erhöht.&amp;quot; [Wuthe 2008: S. 31.] Diese Tatsache deckt sich mit dem [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frauenbild]] im Mittelalter. Die Eigenständigkeit der Frauen ist gering; sie müssen häufig geschützt und verteidigt werden. &amp;lt;ref&amp;gt; Ein gutes Beispiel hierfür ist die schöne Frau [[Parzival und Cunneware (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Cunnewâre]].&amp;lt;/ref&amp;gt; Auf der einen Seite bewirkt das die große Abhängigkeit der Frauen von ihren Männer (beispielhaft sind [[Die_Beziehung_zwischen_Gahmuret_und_Belacane_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Belacane]] und [[Gahmuret_und_Herzeloyde_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Herzeloyde]]), auf der anderen Seite sind die schönen Frauen Bereicherung für die Männer.&amp;lt;ref&amp;gt; Zum Erlangen von Ritterehre gehört nicht nur das erfolgreiche Kämpfen, sondern auch das Gewinnen von &amp;quot;hand und land&amp;quot;; Ziel ist das Erreichen von [[Âventiure_und_Ehe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| Aventiure und Ehe]].&amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Auch [[Orgeluse (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orgeluse]] zeichnet sich durch äußere Schönheit aus und zieht die Männer in ihren Bann, jedoch erweist sie sich in ihrem Verhalten als unhöfisch und vorlaut, schmiedet Rachpläne gegen [[Gramoflanz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gramoflanz]] und wird auch von ihren Gefolgsleuten als falsch wahrgenommen. Allerdings charakterisiert sie ein grauhaariger Ritter bei der Begegnung mit [[Gawan (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gawan]] als &amp;quot;bitter und süß&amp;quot; [514, 19] und auch Wolfram bittet darum, nicht zu vorschnell über Orgeluse zu urteilen [Vgl.: 516, 3-8].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Hässlichkeit==&lt;br /&gt;
===Cundrie===&lt;br /&gt;
Zur hässlichen Gralsbotin [[ist hässlich::Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Cundrie]] findet sich schon eine sehr ausführliche Beschreibung. Festzuhalten bleibt für diesen Artikel der große Gegensatz zwischen Cundries abschreckendem Äußeren und ihrer inneren Größe. Die Beschreibung Cundries terimorpher Züge lassen Cundries Hässlichkeit grotesk und abstoßend wirken. Ebenso rückt ihr unhöfliches Verhalten gegenüber der Artusgesellschaft sie in negatives Licht. Daneben ist Cundrie in schönste Gewänder gekleidet, welche von Reichtum zeugen, und hat eine hohe Bildung genossen.&lt;br /&gt;
Besonders bezeichnend ist allerdings, dass in dieser hässlichen Person &amp;quot;eine Seele wohnt, die von christlichem Mitleid und wahrer &amp;quot;triuwe&amp;quot; geprägt ist.&amp;quot; [Bumke 2004: S. 76.] Sie zeigt Mitleid gegenüber der Gralsgesellschaft, welche aufgrund Parzivals Versäumnis nicht vom Leid erlöst wurde. Das Bild der Cundrie wird durch den Kontrast zwischen ihrer äußeren Hässlichkeit und ihrem anmutigen Wesen, ihrer inneren Schönheit sehr ambivalent. Die Bewertung der Hässlichkeit Cundries ist in einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)| anderen Artikel]] vorgenommen worden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Zusammenhang mit Cundrie muss noch ihr Bruder Malcreatiure genannt werden, der ihr in seiner Hässlichkeit in nichts nachsteht (Vgl.: [517, 15-28]).&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Sigune===&lt;br /&gt;
Während Cundrie eine Vertreterin der oben beschriebenen genuinen Hässlichkeit ist, hat [[ist hässlich::Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] ihre Schönheit infolge von Entbehrungen verloren. Sie [[Das_Leid_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Sigune|trauert]] so sehr um ihren verstorbenen Geliebten, dass ihr alle Freude und Schönheit verloren geht. Sigune wird, wie Cundrie, vom Erzähler mit keinem Schönheitsepithton versehen. [Dallapiazza 1985: Vgl.: S. 410] Ihr roter, voller Mund ist erbleicht; die ganze Frau ist erblasst (&amp;quot;diu juncfrouwe bleich gevar&amp;quot; [437, 20]). Die Treue zu ihrem Geliebten hat ihre Schönheit vergehen lassen, ähnlich wie bei Herzeloyde, &amp;quot;die ihre Größe auch erst erreicht, als sie nach &#039;&#039;jâmer nu gevar&#039;&#039; geworden (Pz 104,22), also ebenfalls jenseits von Schönheit angelangt ist.&amp;quot; [Dallapiazza 1985: S. 410]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die hässlichen Männer===&lt;br /&gt;
Außer Malcreatiure, der Bruder der Cundrie, gibt es keine als hässlich beschriebenen Männer im Parzival. Allein das Alter macht die Schönheit der Männer vergänglich. Grauhaarige Männer werden nicht mehr mit Schönheitsattributen versehen, hinterlassen aber dennoch ein positives Bild. [Wuthe 2008: vgl.:S. 50.] Die alten Männer der Gralsgesellschaft, und auch der [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig]], werden zwar mit grauen Haaren beschrieben, aber ihre Schönheit bleibt ihnen dennoch wegen des [[Der_Gral_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Kraft_des_Grals|Grals]] erhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Auswertungen=&lt;br /&gt;
Nachdem die Einstellung zu Aussehen im Mittelalter generell untersucht wurde und die Darstellung Wolframs ebenfalls an einigen Figuren festgemacht werden konnte, lassen sich einige interessante Schlüsse ziehen. &lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach ist ein Kind seiner Zeit, weshalb er die Descriptio der Personen und die Darstellung ihrer Körper als Unterstützung von Inhalt und Bedeutung verwendet.[Ackermann 2007: vgl.: S. 431.] Seine Ritter sind der Tradition des höfischen Romans entsprechend schön und gut, ihr Charakter spiegelt sich in ihrem Äußeren. Auch viele Frauen entsprechen in ihrem wunderschönen Aussehen und ihrem keuschen und höfischen Verhalten dem Idealbild der Zeit. Deren äußere Schönheit ruft Bewunderung hervor und sie erweisen sich auch als treue und gute Menschen und beweisen innere Schönheit. In diesen Fällen kann man nach dem System der „Kalokagathie“ von äußerer auf innere Schönheit schließen. [Michel 1976: vgl.: S. 89] Die hässlichen Personen lassen sich auf den ersten Blick ebenfalls den im ersten Teil beschriebenen Konventionen zuordnen. Cundrie und ihr Bruder sind hässlich, ihr Aussehen gleicht eher dem von Tieren als dem von Menschen, und sie verbreiten dementsprechend Angst und Schrecken bei den Gesellschaften am Hof. Ihre Hässlichkeit erklärt sich aus ihrer Herkunft; sie entstammen einem östlichen Exotenvolk. &amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
An diesem Punkt angelangt, fallen nun die ersten Unterschiede auf, die Wolfram kreiert. Auch Belakane entstammt einem Volk aus dem Orient und ist keine Christin. Trotz dieser Tatsache ist sie sehr hübsch. Heidnischer Glaube wird in diesem Roman nicht konsequent mit hässlichem Äußeren verbunden, stattdessen zeigt sich Belakanes gutes Inneres, trotz der aus mittelalterlicher Sicht ungünstigen Umstände, in ihrem Auftreten und ihrem Aussehen.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Doch auch der umgekehrte Fall kommt vor: Parzival, dessen Äußeres von allen bewundert wird, macht große Fehler. Inwiefern Parzival tatsächlich an seinem Versagen [[Schuld,_Sühne_und_Erlösung_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Schuld]] ist, bleibt an anderer Stelle zu klären. Ihm wird zumindest zu einem [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| bestimmten Zeitpunkt der Geschichte]] mangelnde Mitleidsfähigkeit und die Schlechtigkeit seines Charakters vorgeworfen, die mit seinem Aussehen in direktem Widerspruch stehe. Auch die Übereinstimmung von gutem Aussehen mit Höfischheit und guter Erziehung, wie sie beschrieben wurde, bewahrheitet sich zu Beginn von Parzivals Entwicklung nicht.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Betrachtet man nun erneut die hässlichen Figuren, trifft man ebenfalls auf Unstimmigkeiten. Sigune, die zwar nicht von Geburt an hässlich ist, aber trotzdem alle Schönheit verloren hat, wird dem Leser als eine der besten Frauen des Romans präsentiert. Ihre Treue zu ihrem Geliebten und das große Opfer, das sie mit ihrer Trauer bringt, sind Zeugen für ihre absolut reine und keusche Seele und keineswegs für ihre Schlechtigkeit.&amp;lt;br /&amp;gt;&lt;br /&gt;
Als letztes und deutlichstes Beispiel ist Cundrie zu nennen. Wie schon im Roman selbst erwähnt, ist die Hässliche doch von innerer Größe. Dass sie schöne Kleider trägt und, wie sie bei der [[Die_Gralsbotin_Cundrîe#Die_Berufungsepisode_778.2C13-786.2C30| zweiten Begegnung]] mit Parzival beweist, höfisches Benehmen und Anstand hat, ist eher Spiegel ihres Inneren als ihr Aussehen. Obwohl man beim [[Die_Gralsbotin_Cundrîe_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)#Die_Verfluchungsepisode_312.2C2-319.2C20| ersten Zusammentreffen]] zwischen Cundrie und Parzival beeindruckt ist, wie Parzival die Hässlichkeit als erzählerisches Mittel verwendet und mit dem Widerspruch zwischen Cundries Innerem und Äußerem dem Leser einen ähnlichen Widerspruch bei Parzival illustriert, bleibt die hässliche Gralsbotin letzten Endes im Unrecht. Sie muss Parzival um Verzeihung für die falschen Anschuldigungen bitten. Dass dabei sämtliche Hässlichkeitsattribute unerwähnt bleiben, spiegelt einerseits die nun wesentlich positiveren Nachrichten, deren Überbringerin Cundrie ist, und scheint andererseits anzudeuten, dass die weniger hässliche Cundrie nun auch weniger im Unrecht ist.&lt;br /&gt;
Eine letzte Variante lässt Wolfram von Eschenbach unverwendet. Es gibt keine wunderschöne Person im &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;, die von niederträchtigem und bösartigen Charakter ist. Parzival selbst wird dies vorgeworfen, doch der Vorwurf bewahrheitet sich. Auch bei Keie könnte sich schlechtes Verhalten mit schönem Äußeren paaren, doch die Autorin des [[Keie_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)|Keie Artikels]] ist nicht von der Schlechtigkeit Keies überzeugt, sondern betont die positiven Bewertungen an einigen Stellen im Roman. So ist das Risko einer Täuschung durch Schönheit nicht repräsentiert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wolfram von Eschenbach verbleibt, wie an viele anderen Stellen im Roman auch, nicht einfach in einem Schwarz-Weiß-Denken. Wie im Prolog angekündigt, setzt Wolfram sein [[dückt aus::Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnis]] in die Tat um. Er verschmischt die Ebenen und weicht damit nicht nur die Konventionen und Vorurteile der Zeit auf, sondern überrascht die Leser und bereichert die Handlung mit neuen Varianten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Quellennachweise=&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=Forschungsliteratur=&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Primärtexte==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Plato 2005] Plato: Timaios. Kritias. Philebos, hg. von Klaus Widdra und Hieronymus Müller, Darmstadt 2005.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wolfram von Eschenbach 2003] Wolfram von Eschenbach: Parzival, nach der Ausgabe Karl Lachmanns, revidiert und kommentiert von Eberhard  Nellmann, übertragen von Dieter  Kühn, Frankfurt a.M. 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sekundärliteratur:==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Ackermann 2007] Ackermann, Christiane: dirre trüebe lîhte schîn. Körperinszenierung, Ich-Präsentation und Subjektgestaltung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Wolfzettel, Friedrich (Hrsg.): Körperkonzepte im arthurischen Roman, Tübingen 2007, S. 431-454.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Brinker- von der Heyde 2008] Brinker-von der Heyde, Claudia: Lieht, schîn, glast und glanz in Wolframs von Eschenbach „Parzival“, in: Lechtermann, Christian/Wandhoff, HaikoLicht(Hrsg.): Glanz, Blendung. Beiträge zu einer Kulturgeschichte des Leuchtenden, Bern 2008, S. 91-103.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 1985] Dallapiazza, Michael: Häßlichkeit und Individualität- Ansätze zur Überwindung der Idealität des Schönen in Wolframs von Eschenbach Parzival, in: DVJG 59 (1985), S. 400-421.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Eco 2007] Eco, Umberto (Hrsg): Die Geschichte der Hässlichkeit, München 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Jauß 1968] Jauß, Hans Robert: Die klassische und die christliche Rechtfetigung des hässlichen in mittelalterlicher Literatur, in: Jauß, Hans Robert(Hg): Die nicht mehr schönen Künste, Grenzphänomene des Ästhetischen, Reihe: Poetik und Hermeneutik, München 1968.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kahn 2005] Kahn, Charles H.: Plato, in: Borchert, Donald M. (Hrsg.): Encyclopedia of Philosophy, 2nd Edition, Detroit 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Michel 1976] Michel, Paul: Formosa deformitas. Bewältigungsformen des Häßlichen in mittelalterlicher Literatur, Bonn 1976.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pappas 2001] Pappas, Katharine: Die häßliche Gralsbotin Cundry. Über Verhüllung und Enthüllung im Parzival Wolframs von Eschenbach, in: Müller, Ulrich/Wunderlich, Werner(Hrsg.): Verführer, Schurken, Magier, Bd. 3, St. Gallen 2001, S. 157-172.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Perpeet 1977] Perpeet, Wilhelm: Ästhetik im Mittelalter, Freiburg/München 1977.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Seitz 1967] Seitz, Barbara: Die Darstellung häßlicher Menschen in mittelhochdeutscher erzählender Literatur von der Wiener Genesis bis zum Ausgang des 13. Jahrhunderts, Diss., Tübingen 1967.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004] Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach, 8. Auflg. Stuttgart/Weimar, 2004&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wenzel 1994] Wenzel, Horst: Hören und Sehen. Zur Lesbarkeit von Körperzeichen in der höfischen Literatur, in: Brall, Helmut(Hrsg.) u.a.: Personenbeziehungen in der mittelalterlichen Literatur, Düsseldorf 1994.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wisbey 1975] Wisbey, Roy A.: Die Darstellung des Hässlichen im Hoch- und Spätmittelalter, in: Harms, Wolfgang/Johnson, L. Peter (Hrsg.): Deutsche Literatur des späten Mittelalters, Berlin 1975, S. 9-34.&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Wuthe 2008] Wuthe, E. Hermine: Die schönen Männer im Parzival, Wien 2008.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Zimmermann 2007] Zimmermann, Julia: Hässlichkeit als Konstitutionsbedingung des Fremden und Heidnischen? Zur Figur der Cundrie in Wolframs von Eschenbach Parzival und in Albrechts Jüngerem Titurel, in: Mitteilungen des deutschen Germanisten Verbandes 54 (2007), S. 202-222.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Parzival]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie: Höfische Gesellschaft|Kategorie]] [[Kategorie: Weltbild|Kategorie]][[Kategorie: Ideale|Kategorie]][[Kategorie: Motiv|Kategorie]] [[Kategorie: Ästhetik|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20798</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20798"/>
		<updated>2015-07-06T10:33:40Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Gralsbotin Cundrie im VI. Buch Parzival von seinem ihm unbekannten Halbbruder erzählt, verwendet sie diesen als positives Gegenstück zu Parzival, um diesem seine Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Auch hier wird seine besondere Hautfarbe als Teil der positiven Darstellung erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem diu manheit niht verdarp, || An dem ist das Mannes-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die iwer bêder vater truoc. || tum, das Euer beider Vater hatte, nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iwer bruoder wunders pfligt genuoc: || zuschanden geworden. Sein Wesen ist selt-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ja ist beidiu swarz unde blanc || sam und wunderbar: Er ist schwarz und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der küngîn sun von Zazamanc. || weiß zugleich, der Sohn der Königin von &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Zazamanc.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(317, 6 - 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Andersartigkeit dient in dieser Szene dazu, Parzivals Makel herauszustellen. Der heidnische Bruder wird hierbei zu einem Helden konstruiert, der ähnliche Anlagen wie Parzival hat und im Gegensatz zu diesem mit großer &#039;&#039;Courtoisie&#039;&#039; handelt. Zwar zeigt Feirefiz sich besonders gegen Ende des Epos, beispielsweise bei seiner Taufe (vgl. XVI. Buch), als Held, der durchaus auch die Möglichkeit zu Fehlerhaftigkeit besitzt. In diesem Abschnitt des Buches hat er seine Funktion als positives Gegenbeispiel zu Parzival, der seine Entwicklung zum Gralskönig erst durchlaufen muss, bereits erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Bent_Gebert&amp;diff=20797</id>
		<title>Benutzer Diskussion:Bent Gebert</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Benutzer_Diskussion:Bent_Gebert&amp;diff=20797"/>
		<updated>2015-07-06T10:30:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Hallo Herr Gebert. &lt;br /&gt;
Ich benötige unter anderem das Buch &#039;&#039;Urscheler, Andreas: Kommunikation in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Eine Untersuchung zu Form und Funktion der Dialoge. Bern/Berlin/Brüssel/Frankfurt a.M./New York/Oxfod/Wien 2002.&#039;&#039;. Leider sind, wie Sie ja schon mitbekommen haben, die meisten Bücher verliehen und haben schon einige Vormerkungen. Wäre es nicht möglich, doch noch einen Tausch-und Ausleihpool zu starten, oder die Parzival-Sekundärliteratur in einem Semesterapparat in der UB unterzubringen. Die meisten von und benötigen ja sicherlich nur einzelne Texte un/oder wollen einfach einen kurzen Blick in die Bücher werfen.&lt;br /&gt;
Beste Grüße! [[Benutzer:MorgaineMK|MorgaineMK]] ([[Benutzer Diskussion:MorgaineMK|Diskussion]]) 23:46, 28. Mai 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo Herr Gebert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
die von mir angelegte Seite [[Botenkommunikation im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival) |Botenkommunikation]] kann gelöscht werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
E: Ich würde Sie ebenfalls bitten, meinen Artikel [[Schame im Parzival]] in &amp;quot;Untersuchung der &#039;&#039;schâme&#039;&#039; im Parzival(Wolfram von Eschenbach, Parzival)&amp;quot; zu ändern. Vielen Dank.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Viele Grüße,&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:DieEnte|DieEnte]] ([[Benutzer Diskussion:DieEnte|Diskussion]]) 13:34, 5. Jul. 2015 (CEST)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Hallo Herr Gebert,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
ich meine mich zu erinnern, dass Sie in einer vergangenen Sitzung gesagt haben, dass man auch drei Artikel verfassen kann, wenn diese eine bestimmte Wortzahl besitzen. Könnten Sie mir den Mindestumfang für drei Artikel noch einmal sagen? Das wäre sehr nett!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Liebe Grüße,&lt;br /&gt;
--[[Benutzer:Myhla|Myhla]] ([[Benutzer Diskussion:Myhla|Diskussion]]) 12:30, 6. Jul. 2015 (CEST)&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20795</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20795"/>
		<updated>2015-07-06T10:25:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als die Gralsbotin Cundrie im VI. Buch Parzival von seinem ihm unbekannten Halbbruder erzählt, verwendet sie diesen als positives Gegenstück zu Parzival, um diesem seine Fehlerhaftigkeit aufzuzeigen. Auch hier wird seine besondere Hautfarbe als Teil der positiven Darstellung erwähnt: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem diu manheit niht verdarp, || An dem ist das Mannes-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| die iwer bêder vater truoc. || tum, das Euer beider Vater hatte, nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| iwer bruoder wunders pfligt genuoc: || zuschanden geworden. Sein Wesen ist selt-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ja ist beidiu swarz unde blanc || sam und wunderbar: Er ist schwarz und&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| der küngîn sun von Zazamanc. || weiß zugleich, der Sohn der Königin von &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|  || Zazamanc.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(317, 6 - 10)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Feirefiz&#039; Andersartigkeit dient in dieser Szene dazu, Parzivals Makel herauszustellen. Der heidnische Bruder wird hierbei zu einem Helden konstruiert, der ähnliche Anlagen wie Parzival hat und im Gegensatz zu diesem mit großer &#039;&#039;Courtoisie&#039;&#039; handelt. Zwar zeigt Feirefiz sich besonders gegen Ende des Epos, beispielsweise bei seiner Taufe (vgl. XVI. Buch), als Held, der durchaus auch die Möglichkeit zu Fehlerhaftigkeit besitzt. In diesem Abschnitt des Buches hat er seine Funktion als positives Gegenbeispiel zu Parzival, der seine Entwicklung zum Gralskönig erst durchlaufen muss, bereits erfüllt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20768</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20768"/>
		<updated>2015-07-05T23:15:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Durch diese &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20767</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20767"/>
		<updated>2015-07-05T23:10:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen hinzugefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Durch diese &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten. Wolfram ordnet im Prolog der schwarzen Farbe die Hölle, der weißen Farbe den Himmel zu und greift dadurch auf die traditionellen Farbcodes zurück.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß als hellste, scheinendste und damit göttlichste Farbe verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und Darstellen [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt. Katrin Kania beispielsweise hat sich dezidiert mit der mittelalterlichen Realität von textilen Farbwerten auseinandergesetzt und diese mit den Kleiderbeschreibungen in Wolframs Parzival verglichen.&lt;br /&gt;
Die vollständige Erhaltung eines Kleidungsstückes aus dem 12. Jahrhundert ist natürlich eine absolute Seltenheit, da für den Erhalt optimale Bedingungen hinsichtlich Temperatur und Feuchte notwendig sind. Eine feuchte Umgebung sichert zwar das Kleidungsstück, führt aber beinahe immer zum Verlust der Farbe. Archäologische Textilfunde benötigen deswegen Untersuchungen, die darauf abzielen, verbliebene Farbstoffe chemisch nachzuweisen.[Kania 2009: Vgl. S. 213f.]&lt;br /&gt;
Kania geht in ihrer Forschung auf die verschiedenen pflanzlichen Färbemittel ein, die in solchen Funden ermittelt wurden und gleicht deren Farbintensität mit Wolframs textilen Farbbeschreibungen ab: &amp;quot;Die im &#039;Parzival&#039; so häufig genannte rote Farbe findet sich auch in den archäologischen Funden relativ oft wieder. (...) Insgesamt zeigt der Vergleich archäologischer Funde mit den Kleiderbeschreibungen im &#039;Parzival&#039; erfreulich viele Übereinstimmungen.&amp;quot; [Kania 2009: S. 217]&lt;br /&gt;
Die eindrucksvolle Kleiderpracht, die beispielsweise bei der Gralszeremonie beschrieben wird, könnte also durchaus an europäischen Höfen zu Wolframs Zeit ähnlich vorgefunden worden sein. Im Angesicht der Ergebnisse dieser Farbstoffanalysen ist jedoch nicht zu vergessen, dass Wolframs Farbbeschreibungen kulturell geprägt und subjektiv sind. Ob wir also seine Beschreibung des blauen Brauttuchs (&amp;quot;&#039;&#039;ein brûtlachen von Gent, noch plâwer denne ein lâsûr&#039;&#039;&amp;quot;, 313, 4f.) von Cundrie ebenso beschreiben oder wahrnehmen würden, dies ist eine Frage, die die archäologische Forschung kaum mehr rekonstruieren kann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kania 2009] Kania, Katrin: Das Blaue vom Himmel gelogen oder bunt wie das Leben selbst? Kleiderbeschreibungen in Wolframs von Eschenbach &#039;Parzival&#039; und archäologische Funde im Vergleich. In: In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 213 - 220.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20765</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20765"/>
		<updated>2015-07-05T21:55:31Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Althoff, Gerd: Finsteres Mittelalter?! Zur Dekonstruktion eines Klischees. In: Bennewitz, Ingrid / Schindler, Andrea (Hg.): Farbe im Mittelalter. Materialität - Medialität - Semantik. Band 1, Bamberg 2009, S. 47 - 63. &amp;lt;/ref&amp;gt;, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren, sichtbar sein und widerscheinen kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19] Jede dieser Farben ist kulturell codiert und kann symbolhaft in ihrem Bedeutungsrahmen eingesetzt werden, um dem Text eine weitere Sinnebene zu geben und ihn somit visuell tiefgehender zu gestalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird weitestgehend positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9) &lt;br /&gt;
Durch diese &lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Darstellen höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20532</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20532"/>
		<updated>2015-07-01T14:03:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: Links eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren und sichtbar sein kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit (welche [[Performativität mittelalterlicher Literatur|hier]] eingehend behandelt wird) im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse&amp;lt;ref&amp;gt; Tradition der Bibelexegese, die ästhetische Qualität von Schwarz mit der ethischen Qualität schlecht oder böse gleichzusetzen, siehe: Mielke, Andreas: Nigra sum et formosa. Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters; Texte und Kontexte zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. Stuttgart 1992, S. 72. &amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird durchweg positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9)&lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren und [[Die höfische Pracht im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Darstellen höfischer Pracht]] ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den [[Schönheit und Hässlichkeit (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schönheitstopos]] der Frau im Mittelalter ist.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20521</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20521"/>
		<updated>2015-07-01T13:51:05Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren und sichtbar sein kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse&amp;lt;ref&amp;gt; Tradition der Bibelexegese, die ästhetische Qualität von Schwarz mit der ethischen Qualität schlecht oder böse gleichzusetzen, siehe: Mielke, Andreas: Nigra sum et formosa. Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters; Texte und Kontexte zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. Stuttgart 1992, S. 72. &amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird durchweg positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9)&lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben, welcher basal für den Schönheitstopos der Frau im Mittelalter ist&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Angesicht des Mythos des finsteren, farblosen Mittelalters scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
Um eine realistische Vorstellung davon zu haben, inwieweit Wolframs Deskriptionen poetologischen Funktionen geschuldet oder ob sie tatsächlich realistische Beschreibungen waren, hat sich die Forschung mehrfach mit einer Rekonstruktion der Färbemöglichkeiten des 12. Jahrhunderts beschäftigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20508</id>
		<title>Träume und ihre Bedeutungen im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Tr%C3%A4ume_und_ihre_Bedeutungen_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=20508"/>
		<updated>2015-07-01T12:52:03Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit Träumen in Wolfram von Eschenbachs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
Ein Einblick in die Visions- und Traumtheorie des Mittelalters [Bumke 2001: Vgl. S. 50 - 54] soll die Basis bilden, auf der die Betrachtung verschiedener exemplarischer Traumszenen, wie beispielsweise Herzeloydes Traum (103, 25 - 104, 30) oder Parzivals Traum auf der Gralsburg (  ), aufbaut.&lt;br /&gt;
Kontrastierend sollen hierbei die Unterschiede zwischen der literarischen Beschreibung von Träumen im Mittelalter und dem heutigen Schreiben über Träume aufgezeigt werden.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Herzeloydes prophetischer Traum vor Parzivals Geburt==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Parzivals Alpträume auf der Gralsburg==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Parzivâl niht eine lac: || Parzivâl lag nicht alleine; mit ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| geselleclîche unz an den tac || seinem Bett war bis zum Morgen die böse&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| was bî im strengiu arbeit. || Qual. Sie schickte ihre Leute zu ihm in&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir bote künftigiu leit || den Schlaf und ließ ihm künftige Leiden&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sanden im in slâfe dar, || bringen. So wurde an dem jungen Schö-&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sô daz der junge wol gevar || nen der Traum in seiner ganzen Schwere&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| sîner muoter troum gar widerwac, || aufgewogen, den seine Mutter nach&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| des si nâch Gahmurete pflac. || Gahmuret träumte.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(245, 1 - 8)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2001] Bumke, Joachim: Die Blutstropfen im Schnee. Über Wahrnehmung und Erkenntnis im Parzival Wolframs von Eschenbach. Tübingen 2001. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20462</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20462"/>
		<updated>2015-06-30T21:50:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren und sichtbar sein kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Assunto, Rosario: Die Theorie des Schönen im Mittelalter. Übersetzt aus dem Italienischen und Latein von Christa Baumgarth. Köln 1996. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10] Eine grobe Kategorisierung ist jedoch anhand der antiken Farbenlehre in ein Vierfarbenschema möglich: Weiß, Schwarz, Rot und Gelb sind hier elementar und als Trägermedium sinn- und ordnungsstiftend. [Oster 2014: Vgl. S. 16 - 19]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-Weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-Weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse&amp;lt;ref&amp;gt; Tradition der Bibelexegese, die ästhetische Qualität von Schwarz mit der ethischen Qualität schlecht oder böse gleichzusetzen, siehe: Mielke, Andreas: Nigra sum et formosa. Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters; Texte und Kontexte zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. Stuttgart 1992, S. 72. &amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird durchweg positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9)&lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit Weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe Weiß verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Weibliche Schönheit in Rot-Weiß===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;quot;Der Deskription weiblicher Schönheit unterliegt ein auffallend stabiles Farbschema.&amp;quot;[Schausten 2008: S. 462] Dieses Farbschema, welches eine Frau in der westlichen Kulturgeschichte typischerweise als schön auszeichnet, gliedert sich bereits seit der Antike in die Farben Rot-Weiß-Schwarz-Gold. [Oster 2014: Vgl. S. 48 - 58]&lt;br /&gt;
Besonders das kontrastive Rot-Weiß findet sich in Wolframs Parzival häufig in Beschreibungen von weiblicher Schönheit wieder. &lt;br /&gt;
Die Haut ist hierbei weiß, was den hohen Stand repräsentieren soll, der blasse, von der Sonne unberührte Haut besitzt. Zusätzlich greift diese Farbzuschreibung aber auch auf die sehr stabile symbolische Besetzung der Farbe Weiß zurück, welche &amp;quot;sich vor allem auf das Verständnis des Weißen als Farbe des Lichts und des Tages zurückführen lässt. Es ist in fast allen kulturellen Kontexten ein Zeichen von Licht, Ungetrübtheit, Reinheit, Tugend, Erhabenheit und damit dem Göttlichen. (...) Weiß, auch in Kombination mit Rot, ist Zeichen der körperlichen Schönheit und des Adels.&amp;quot;[Oster 2014: S. 52f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus heutiger Perspektive scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20461</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20461"/>
		<updated>2015-06-30T20:32:18Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren und sichtbar sein kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse&amp;lt;ref&amp;gt; Tradition der Bibelexegese, die ästhetische Qualität von schwarz mit der ethischen Qualität schlecht oder böse gleichzusetzen, siehe: Mielke, Andreas: Nigra sum et formosa. Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters; Texte und Kontexte zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. Stuttgart 1992, S. 72. &amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird durchweg positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9)&lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe weiß verstärkt. Natürlich kann ihre Reaktion auch als liebevolle Erinnerung an ihren [[Gahmurets Liebesbeziehungen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ehemann Gahmuret]] verstanden werden, der sich in Feirefiz&#039; hellen Hautstellen für Belacane quasi manifestiert. In jedem Fall aber unterstreicht ihre Geste das Positive der hellen Farbe.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus heutiger Perspektive scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20460</id>
		<title>Farbsymbolik in Wolframs Parzival</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Farbsymbolik_in_Wolframs_Parzival&amp;diff=20460"/>
		<updated>2015-06-30T20:08:23Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Myhla: Links eingefügt&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;&lt;br /&gt;
Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Interpretation von Farbsymbolik in Wolfram von Eschenbachs Parzival. Hierfür werden exemplarisch besonders markante Szenen oder Charaktere herausgegriffen und auf ihre farbbestimmte Bildlichkeit und deren Funktion hin untersucht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Unter anderem inkludiert dies die [[Die Blutstropfenszene (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Blutstropfenszene]], die oftmals wiederkehrenden Farben Rot-Weiß, den schwarz-weiß gescheckten [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] sowie eine Untersuchung der Farbbeschreibungen bei zeremoniellen Momenten, die den Gral beinhalten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Farbsymbolik im Parzival fruchtbar auswerten zu können, soll hierfür als Basis ein kurzer Exkurs in die Farbenlehre und Farbattribuierung des Mittelalters gegeben werden. Dieses Wissen wird anschließend auf Wolfram von Eschenbachs Roman angewandt. Auch soll analysiert werden, inwieweit die mittelalterlichen Färbetechniken und -mittel im Stande waren, die von Wolfram oftmals extrem farbenprächtig und farbintensiv beschriebene Kleidung der höfischen Gesellschaft auch wirklich umzusetzen. Ein Einblick in die Forschung zum möglichen Realitätsgehalt seiner Beschreibungen soll darüber Aufschluss geben.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Allgemeine Farbbedeutung im Mittelalter ==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Entgegen der vielfach verbreiteten Vorstellung des “finsteren Mittelalters”, war eben dieses ein Zeitalter, in dem Farbe von großer Bedeutung war, wie Herman Pleij festhält: “If any one era could be singled out as being the most obsessed with color, it would be the Middle Ages.” [Pleij 2004: S. 4]&lt;br /&gt;
Diese Obsession mit Farbe basiert unter anderem auf dem Glauben, dass Licht göttlich ist und die Schönheit von Farben nur im Zusammenhang mit Licht existieren und sichtbar sein kann. Leuchtender Farbenreichtum ist somit ein Zeichen von Göttlichkeit.&amp;lt;ref&amp;gt; Vgl. Huber, Hanspeter Mario: Licht und Schönheit in Wolframs &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Zürich 1981. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
“Diese über das natürliche Maß gesteigerte Buntheit ist aber nicht alleinig Ausdruck des mittelalterlichen ästhetischen Empfindens, viel mehr dienen die Farben als eine &#039;Zeichen-Sprache&#039;, mit deren Hilfe jedem Objekt der Lebenswelt polyvalente Informationen eingeschrieben werden können. Farben transportieren also im Rahmen der höfischen Repräsentationskultur Sinn (...)” [Oster 2014: S. 16] &lt;br /&gt;
Logischerweise beziehen viele Farbbedeutungen ihren Sinn durch Bezug auf einen Referenten, wie beispielsweise Blut als Bedeutungsträger für die Farbe Rot, die somit sowohl Leben, als auch Leiden oder den Tod repräsentieren kann. Besonders die höfische Literatur des Mittelalters partizipiert an der Lust an der Farbe und verwendet diese über ihre dekorative, ästhetische Funktion hinaus als Sinnträger und auch als Visualisierungstechnik. Durch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit im Mittelalter ist die Visualität dieser Literatur von großer Bedeutung und versucht, möglichst eindrücklich mehrere Sinne anzusprechen. Dies führt unter anderem zu intensiven und vielfältigen Farbdeskriptionen. [Schausten 2008: Vgl. S. 10]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Farbsymbolik in Wolframs Parzival==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Folgenden sollen exemplarisch einige farblich prägnante und farbsymbolisch aufgeladene Szenen herausgestellt werden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Kontrastive Farbsymbolik im Elsterngleichnis===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der [http://mediaewiki.org/wiki/Der_Prolog_%28Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival%29 Prolog] führt bereits eine wichtige Farbthematik in Wolframs Werk ein: Die kontrastive Farbkombination Schwarz-weiß, welche er jedoch als eine harmonische Einheit konstruiert.&lt;br /&gt;
Während die Verwendung von Schwarz-weiß als Farbschema oftmals Oppositionen darstellt, greift Wolfram nicht auf diese polare Einteilung zurück, sondern lässt beide Farben miteinander koexistieren. Statt der üblichen Binarität von Gut und Böse&amp;lt;ref&amp;gt; Tradition der Bibelexegese, die ästhetische Qualität von schwarz mit der ethischen Qualität schlecht oder böse gleichzusetzen, siehe: Mielke, Andreas: Nigra sum et formosa. Afrikanerinnen in der deutschen Literatur des Mittelalters; Texte und Kontexte zum Bild des Afrikaners in der literarischen Imagologie. Stuttgart 1992, S. 72. &amp;lt;/ref&amp;gt; zeigt Wolfram eine Abwandlung der den beiden einzelnen Farben zugeordneten Eigenschaften, denn: Feirefiz als Repräsentant des [[Das Elsterngleichnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Elsterngleichnisses]] wird durchweg positiv beschrieben und seine Andersartigkeit, die sich in seiner schwarz-weiß gescheckten Haut manifestiert, ist kein Makel – &#039;&#039;an im sint beidiu teil, des himels und der helle&#039;&#039;. (1, 8 - 9)&lt;br /&gt;
Farbe besitzt hier eine identitätsstiftende Funktion, welche in Wolframs Parzival absolut notwendig ist, da sein Werk sehr stark kontrastiv [[Fremdheit und Vertrautes im Parzival|Eigenheit, Identität und Fremdheit]] aufzeigt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Diu frouwe an rehter zît genas || Als die rechte Zeit gekommen war, da&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| eins suns, der zweier varwe was, || brachte die Dame einen Sohn zur Welt,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| an dem got ein wunders wart enein: || der war von zweierlei Farbe; an ihm&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| wîz und swarzer varwe er schein. || wollte Gott ein Wunder wirken.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
(57, 15 - 18)&amp;lt;ref&amp;gt;  Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe:  Wolfram von   Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe.   Mittelhochdeutscher  Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann.   Übersetzung von Peter  Knecht. Mit einer Einführung zum Text der   Lachmannschen Ausgabe und in  Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von   Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Trotz seiner Andersartigkeit wird Feirefiz von Geburt an nicht abwertend beschrieben. Obwohl seine Hautfarbe teilweise schwarz ist, wird sie in Verbindung mit weiß sogar als scheinend bezeichnet, was für ihre Besonderheit im positiven Sinne spricht. &lt;br /&gt;
Dadurch kreiert Wolfram [[Typologie der drei Menschen|ein neues Menschenbild]], das nicht mehr dem binären gut-böse bzw. schwarz-weiß entspricht, sondern dieses aufbricht, aber dennoch auf die traditionellen Farbattribuierungen zurückgreift. Feirefiz als Elsternartiger ist weder hässlich noch böse, aber trotzdem bleiben die bekannten Farbbedeutungen erhalten.&lt;br /&gt;
[[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]], Feirefiz&#039; Mutter, küsst bei seiner Geburt die weißen Stellen seiner Haut (57, 19 – 20), was die positive Konnotation der Farbe weiß verstärkt. Natürlich kann &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Kleiderfarbensymbolik ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Kleider und ihre Farben erfüllen in mittelalterlicher Literatur, mehr als in den meisten anderen Literaturepochen[Oster 2014: S. 58 – 70], eine sinnstiftende Funktion. “Für die höfische Gesellschaft ist prächtige Kleidung ein Ausdruck des Selbstbewusstseins und des Hochgefühls, der vröude; der Idealtypus des höfischen Menschen erstrahlt durch die Pracht der Kleider in vollem Glanz. (…) Die ritterlich-höfische Gesellschaft des 12. und 13. Jahrhunderts (…) bedient sich des Zeichensystems der Kleidung, um ihre Identität zu modellieren.”[Oster 2014: S. 59]&lt;br /&gt;
Relevant für dieses Modellieren ist neben der Kostbarkeit der verwendeten Stoffe auch die Farbe des Gewands und deren Bedeutung.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Um die Kleiderfarben der höfischen Gesellschaft in Wolframs Parzival zu untersuchen, wird im Folgenden repräsentativ die Szene des V. Buches verwendet, in der Parzival als Außenstehender die Gralszeremonie in [[Munsalvaesche (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Munsalvaesche]] beobachtet. Durch diese Außenseiter-Position erhält der Leser einen detaillierten, deskriptiven Einblick in die Zeremonie und die Farben, die diese in ihrem Zeichensystem unterstützen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| zwei stöllelîn || Sie trugen zwei&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| si truogen von helfenbein. || Tischgestelle aus Elfenbein. Flammendes&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir munt nâch fiwers roete schein. || Rot leuchtete von ihren Mündern.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(233, 2-4) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wiederholt wird hier ein Kontrast aus Hellem, Leuchtendem und einem lebendigen Rot beschrieben. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Realitätsgehalt der textilen Farbbeschreibungen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aus heutiger Perspektive scheinen Wolframs intensivst farbenprächtige Beschreibungen der Stoffe kaum vorstellbar für das 12. Jahrhundert.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Fazit==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Pleij 2004] Pleij, Herman: Colors Demonic and Divine. Shades of Meaning in the Middle Ages and After. New York 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Oster 2014] Oster, Carolin: Die Farben höfischer Körper. Farbattribuierung und höfische Identität in mittelhochdeutschen Artus - und Tristanromanen. Berlin 2014.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schausten 2008] Schausten, Monika: Vom Fall in die Farbe. Chromophilie in Wolframs von Escenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. In: Beiträge zur deutschen Literatur und Sprache (PBB) 130, Heft 3, Berlin 2008, S. 459 - 482.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Anmerkungen== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Myhla</name></author>
	</entry>
</feed>