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	<title>MediaeWiki - Benutzerbeiträge [de]</title>
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	<subtitle>Benutzerbeiträge</subtitle>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12902</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T11:18:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. [Kordt 1997: S. 236.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Gurnemanz Erziehung====&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurückzuführen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzivals Ehrgeiz====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.[Kordt 1997: S. 236ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].[Kordt 1997: S. 244f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Kordt 1997]Kordt, Christa-Maria: Parzival in Munsalvaesche. Kommentar zu Buch V/1 von Wolframs Parzival(224,1-248,30). Herne, 1997.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T11:10:22Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Geschichte des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zum &#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039; bei Chrétien hat der Gral bei Wolfram eine Geschichte, aus der sich Aspekte seiner Bedeutung erkennen lassen. Die Geschichte des Grals beginnt am Anfang der Heilsgeschichte, bei den sogenannten Neutralen Engeln, die im Kampf zwischen Gott und Luzifer eine neutrale posizion eingenommen haben und von Gott gezwungen wurden, zum Gral niederzufahren (471,15ff.) Der heidische Gelehrte Flegetanis hat später den Namen des Grals in den Sternen gelesen und sein Wissen vom Gral in einer arabischen Schrift niedergeschrieben. Diese Schrift wurde dann von Kyot in Toledo entdeckt und von ihm ins Lateinische übersetzt. So soll Wolfram vom Gral erfahren haben.[Bumke 2004: S. 140f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Wolframs Darstellund des Grals mir der im &#039;&#039;Conte du Gaal&#039;&#039; so wird deutlich, dass Wolfram wesentliche Punkte verändert und mit vielen Details angereichert hat. Chrétien beschreibt den Gral als eine mit Edelsteinen verzierte Goldschale, von der ein ünernatürliches Licht ausgeht. Außerdem verbindet Chrétien den Gral mit einer blutenden Lanze. Im Vergleich dazu gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt. [Bumke 2004: S. 137f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:54:29Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Vergleich zum Conte du Graal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Wolframs Darstellund des Grals mir der im &#039;&#039;Conte du Gaal&#039;&#039; so wird deutlich, dass Wolfram wesentliche Punkte verändert und mit vielen Details angereichert hat. Chrétien beschreibt den Gral als eine mit Edelsteinen verzierte Goldschale, von der ein ünernatürliches Licht ausgeht. Außerdem verbindet Chrétien den Gral mit einer blutenden Lanze. Im Vergleich dazu gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt. [Bumke 2004: S. 137f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12858</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:53:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Vergleich zum Conte du Graal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Wolframs Darstellund des Grals mir der im &#039;&#039;Conte du Gaal&#039;&#039; so wird deutlich, dass Wolfram wesentliche Punkte verändert und mit vielen Details angereichert hat. Chrétien beschreibt den Gral als eine mit Edelsteinen verzierte Goldschale, von der ein ünernatürliches Licht ausgeht. Außerdem verbindet Chrétien den Gral mit einer blutenden Lanze. Im Vergleich dazu gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt. [Bumke 20004: S. 137f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T10:52:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Vergleich zum Conte du Graal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vergleicht man Wolframs Darstellund des Grals mir der im &#039;&#039;Conte du Gaal&#039;&#039; so wird deutlich, dass Wolfram wesentliche Punkte verändert und mit vielen Details angereichert hat. Chrétien beschreibt den Gral als eine mit Edelsteinen verzierte Goldschale, von der ein ünernatürliches Licht ausgeht. Außerdem verbindet Chrétien den Gral mit einer blutenden Lanze. Im Vergleich dazu gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<title>Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Lapsit_exillis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12833"/>
		<updated>2012-07-25T10:38:01Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit dem [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs Roman]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Der Gral ist ein Edelstein, der zwei Namen besitzt. Zum einen &#039;&#039;grâl&#039;&#039;( daz was ein dinc, daz hiez der Grâl (235,23)) und zum anderen &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; (er heizet lapsit exillis (469,7)). Dieser Artikel versucht einige Forschungsansätze in Bezug auf den Namen &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; aufzuzeigen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Gral&#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039;] (469,7)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; war für die Forschung eine der größten Herausforderungen und ist bis heue umstritten. Es wurden viele Spekulationen aufgestellt und auch die mittelalterlichen Schreiber wussten mit diesem Begriff nichts anzufangen. Laut Nellmann (2000) sind zehn verschiedene Lesarten in der handschriftlichen Überlieferung vorhanden, von denen jedoch &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; die älteste zu sein scheint. [Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interpretationen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Meistens ließ man sich von der Überzeugung leiten, dass &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; geradezu das Schlüsselwort zum Verständnis von Wolframs Gralkonzeption sei und dass man durch die richtige Deutung des Namens das [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geheimnis des Gralsteines]] enthüllen könnte. Einige Interpreten sind davan ausgegangen, dass es sich um einen ursprünglich sinnvollen Text handelte, der von [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] entstellt oder verschlüsselt worden ist.[Bumke 2004: S. 139.] Dennoch hat der Großteil der Interpreten &#039;&#039;lapsit&#039;&#039; als &#039;&#039;lapis&#039;&#039; gelesen, was Stein bedeutet. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich, da auch eine phantasie- und ebenso eine absichtsvolle Verrätselung Wolframs nicht ausgeschlossen ist. Dennoch haben die meisten Interpreten an einen lateinischen Ursprung gedacht und somit war der nächstliegende Anknüpfungspunkt die Deutung von &#039;&#039;lapsit&#039;&#039;=&#039;&#039;lapis&#039;&#039;. Auf dieser Basis wurden folgende Interpretationen vorgeschlagen:[Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
1.      San Marte (Albert Schulz) deutete im Jahre 1861 Wolframs Namen als &#039;&#039;lapis erilis&#039;&#039;, also als Stein des Herrn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
2.      Rudolf Palgen interpretierte 1922 &#039;&#039;lapis elixir&#039;&#039; als Stein der Weisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
3.      Samuel Singer interpretierte &#039;&#039;lapis ex celis&#039;&#039; als „der aus dem Himmel stammende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
4.      Helene Adolf deute 1957 &#039;&#039;lapis exiliens&#039;&#039; als „der auffahrende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
5.      1963 deutete Hebert Kolb &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039; als Stein des Exils.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
6.      Blöte interpretierte &#039;&#039;lapis textilis&#039;&#039; als „der Asbeststein“. [Bumke 2004: S.66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
7.      Ehrismann hat im Jahre 1928 darauf hingewiesen, dass der berühmte, aus dem irdischen Paradies stammende Wunderstein der mittelalterlichen Alexandersage in der lateinischen Überlieferung des &#039;&#039;Iter ad paradisum&#039;&#039; mit dem Beiwort &#039;&#039; exilis&#039;&#039; „dünn, unscheinbar“ bezeichnet wird. Somit deutet Ehrismann das &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; der Parzivalüberlieferung als &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039;und deutet darauf hin, dass Wolfram bei diesem Namen an Alexanders Wunderstein angeknüpft hat. [Ranke 1946: S. 43ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Rankes Deutung des Gralsteines gehört zu den einflussreichsten Überlegungen der Nachkriegszeit. Ranke wendet sich gegen die verbreitete Auffassung, dass der Gral aus dem Himmel kommt. Als Begründung führt er an, dass sich keine eindeutigen Textstellen finden lassen, die diese Auffassung  untermauern könnten. Somit werden zahlreiche Interpretationen des Namens &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; gegenstandslos. Ranke teilt vielmehr Ehrismanns Ansicht und führt Ehrismanns Interpretationsansätze weiter aus. So sieht Ranke Parallelen zwischen dem Stein, den Alexander an der Pforte des Paradieses erhält und dem Gral im Parzival. Alexanders Verdienst des Steines stellt ein Symbol der demütigen Selbsterkenntnis des Menschen dar und er bewirkt in Alexander die Wandlung von der Superbia zur Demut. Ebenso muss Parzival die &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; aufgeben und die &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; lernen. Erst dann ist er in der Lage den Gral zu gewinnen, der somit als &amp;quot;Stein der Demut&amp;quot; verstanden werden kann. [Bumke 1970: S. 250ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht eine einzige der vorgelegten Interpretationsmöglichkeiten ist eindeutig belegbar. Es handelt sich hierbei ausschließlich um reine Spekulationen. So ist der Name &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; womöglich ein bewusst verdrehter und vieldeutiger Name, sodass die Suche nach einem präzisen Sinn sich erübrigt. [Bumke 2004: S. 66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &lt;br /&gt;
[*Ranke 1946]Ranke, Friedrich: Zur Symbolik des Grals bei Wolfram von Eschenbach, in: Wolfram von Eschenbach. Wege der Forschung. Darmstadt, 1966.&lt;br /&gt;
[*Bumke 1970]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Forschung seit 1945. München, 1970.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12798</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12798"/>
		<updated>2012-07-25T10:15:45Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Die Turniere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes]. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein [[Das Tjostieren im Parzival|Turnier]]&lt;br /&gt;
beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999]Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kühn 1997]Kühn, Dieter: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gephart 1991] Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hasty 1990] Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Neukirchen 2006]Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichert 2007]Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12796</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12796"/>
		<updated>2012-07-25T10:14:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Die Turniere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes]. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein [[Das Tjostieren im Parzival|Turnier]]beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999]Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kühn 1997]Kühn, Dieter: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gephart 1991] Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hasty 1990] Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Neukirchen 2006]Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichert 2007]Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12793</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12793"/>
		<updated>2012-07-25T10:14:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Die Turniere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes]. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein [Das Tjostieren im Parzival|Turnier]beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999]Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kühn 1997]Kühn, Dieter: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gephart 1991] Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hasty 1990] Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Neukirchen 2006]Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichert 2007]Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12783</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12783"/>
		<updated>2012-07-25T10:09:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Âventiure im Allgemeinen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von [http://de.wikipedia.org/wiki/Chr%C3%A9tien_de_Troyes Chrétien de Troyes]. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999]Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kühn 1997]Kühn, Dieter: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gephart 1991] Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hasty 1990] Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Neukirchen 2006]Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichert 2007]Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12777</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12777"/>
		<updated>2012-07-25T10:04:54Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Forschungsliteratur */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt; &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999]Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kühn 1997]Kühn, Dieter: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Gephart 1991] Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Hasty 1990] Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Neukirchen 2006]Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Reichert 2007]Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12768</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12768"/>
		<updated>2012-07-25T09:58:34Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Parzival auf Âventiure */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
* Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
* Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
* Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
* Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
* Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12766</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12766"/>
		<updated>2012-07-25T09:58:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Kampfeswille */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
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! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
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| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
* Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
* Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
* Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
* Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
* Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12765</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:57:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Kampfeswille */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
* Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
* Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
* Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
* Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
* Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12763</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12763"/>
		<updated>2012-07-25T09:57:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Die Turniere */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
* Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
* Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
* Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
* Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
* Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12762</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12762"/>
		<updated>2012-07-25T09:57:15Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Die Abenteuerlust */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
* Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
* Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
* Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
* Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
* Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12759</id>
		<title>Âventiure im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=%C3%82ventiure_im_Parzival_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12759"/>
		<updated>2012-07-25T09:55:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Fazit */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;===Âventiure im Allgemeinen===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Âventiure im mittelalterlichen Roman nimmt eine zentrale Stellung ein. Das Wort leitet sich aus dem Lateinischen [&#039;&#039;adventura&#039;&#039;] ab und hat den eigentlichen Wortsinn [&#039;&#039;das Ereignis, das Geschehnis, die Begebenheit&#039;&#039;]. Geprägt wurde der Begriff in seiner heutig gebräuchlichen Verwendung durch die höfischen Romane von Chrétien de Troyes. In diesen wird die Âventiure als Abenteuer oder auch Bewährungsprobe beschrieben, welche den Ritter durch dessen Bestehen in seiner Ehre steigern soll. In einem solchen Fall begibt sich der Ritter auf die Suche nach einer Herausforderung die er bestehen möchte und ist somit nicht durch den Zufall, sondern von seinem eigenen Willen geleitet. Die Âventiure-Fahrten werden oft als gefährliche Wettkämpfe gegen entweder andere Ritter oder märchenhafte Wesen wie Riesen oder Zauberer beschrieben. Sie gehören zur Ausbildung eines Ritters und dessen Weg zum ehrenhaften Adeligen. Es gehört zu dessen Aufgaben sich durch Errungenschaften und besiegte Gegner in seiner Ehre zu steigern und somit sein Ansehen am Hofe zu stärken[Bautier 1999].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Âventiure im Parzival===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Abenteuerlust====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im ersten Buch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman &#039;&#039;Parzival&#039;&#039; werden [[Gahmuret als Ritter (Wolfram von Eschenbach, Parzival)| Gahmurets]] Abenteuer und Ritterfahrten beschrieben, in welchen er unzählige Kämpfe bestreitet und letztendlich eine Âventiure-Fahrt auf sich nimmt, bei der er den Tod findet. Nachdem Gahmuret die Königin [[Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Belacane]] durch Kämpfe von der Belagerung befreit und diese anschließend heiratet, ergreift ihn erneut die Lust auf Abenteuer und neue Herausforderungen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Belacane (Wolfram von Eschenbach, Parzival) &#039;&#039;&#039; (54, 17-20)&#039;&#039;&#039;&amp;lt;ref&amp;gt; Alle folgenden Versangaben beziehen sich auf die Ausgabe: Wolfram von Eschenbach: Parzival. Text und Übersetzung. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation  von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/ New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dâ was der stolze küene man, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
unz er sich vaste senen began.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
daz er niht rîterschefte vant, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
des was sîn freude sorgen phant.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Der stolze, kühne Mann blieb dort, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bis ein Sehnen wild über ihn kam.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es gab hier keine ritterlichen Abenteuer mehr für ihn, &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
deshalb hatte Unzufriedenheit und Trauer die Hand auf sein Glück gelegt.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Die Turniere====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im zweiten Buch wird zu Beginn die Vorbereitung auf die Âventiure beschrieben. Es wird ein detaillierter Einblick in die Ausstattung des Ritter Gahmurets und seiner Gefolges, sowie deren Einzug in die Stadt Toledo gegeben. Bedeutend für eine Âventiure-Fahrt sind die militärischen Mittel in Form von Pferden, Waffen und Knappen (70, 14 - 72, 16). Der Wettkampf um Ehre wird in diesem Teil durch ein Turnier beschrieben, an welchem zahlreiche Ritter gegeneinander antreten und somit um Ruhm kämpfen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039; (69, 13-18)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| von knappen was umb in ein rinc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dâ bî von swerten klingâ klinc.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wie si nach prîse rungen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
der klingen alsus klungen!&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
von spern was grôz krachen dâ.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || Um ihn war ein Zaun von Knappen,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und davor jenes Klingklang, das die Schwerter machen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie wenn man eben kämpft um Ruhm,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so klangen ihre Klingen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Von Speeren war da auch viel Krach;&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Der Kampfeswille====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Laufe seiner Âventiure-Fahrten werden Gahmurets erfolgreiche Kämpfe immer wieder erwähnt, um die erworbene Ehre und sein Streben nach Ruhm darzustellen. Wie die folgende Textstelle zeigt, ist Gahmurets Ehrgeiz und Kampfeswillen ein entscheidender Faktor für seinen Erfolg und gleichzeitig Voraussetzung für das Bestehen einer Bewährungsprobe:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(81, 5-8)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original!! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Swie Gahmuret wær ouch mit klage,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch heter an dem halben tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
gefrumt sô vil der sper enzwei;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 || So traurig Gahmuret nun auch war,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
so hatte er doch an diesem halben Tage&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schon eine solche Menge Speere zerbrochen&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(&#039;&#039;&#039;101, 21-23)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er hete werdekeit genuoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dô in sîn manlîch ellen truoc,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
hin über gein der herte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Er hatte edlen Ruhm genug erworben,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
als ihn männlich wilde Lust zu kämpfen&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
fortzog übers Meer in den Krieg.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzival auf Âventiure====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im weiteren Verlauf des Romans kommt es schließlich zu einer Bewährungsprobe Parzivals. Im Kampf zwischen den Heeren von Clâmidê und Parzival wird dieser zu einem Zweikampf aufgefordert. Während dieser Auseinandersetzung kommt es zum Waffenstillstand und die beiden Ritter tragen ihren Kampf auf dem Platz des Gerichtskampfes aus. Im Kampf um ein Ehrenwort für Gurnemanz besiegt Parzival Clâmidê und erlangt dadurch Ehre:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&#039;&#039;&#039;(213, 3-7)&#039;&#039;&#039;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{| class=&amp;quot;wikitable&amp;quot;&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
! Original !! Übersetzung&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| &#039;neinâ, werder degen balt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dîn êre wirt sus drîzecvalt&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
vast an mir rezeiget,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
sît du mich hâst geneiget.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
wâ möht dir hôher prîs geschehen?&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
|| Nein, du edler, kühner Mann.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dein Ruhm hat sich &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
an mir verdreißigfacht,&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
da du mich gedemütigt hast.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wo könnte dir noch mehr Ehre geschehen?&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Fazit===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wie oben in den Beispielen erkennbar wird, waren die Âventiure-Fahrten eines Ritters im mittelalterlichen Roman von entscheidender Bedeutung. Sie begleiteten ihn sein ganzes Leben lang und kennzeichneten seinen heldenhaften Weg. Oftmals war das Bestehen einer Bewährungsprobe mit dem Gewinn von &#039;hant und lant&#039; verbunden. In diesem Sinne gewann ein Ritter auf diese Weise seine Frau und sein Land. Ohne die Âventiure war es nicht möglich an Ehre zu gelangen und das Erbe eines anderen Herrn zu gewinnen. Auch in [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolframs von Eschenbach]] Roman durchläuft Parzival im Laufe seines Lebens die ein oder andere âventiure und wird dadurch in seinem Charakter und seiner Lebensweise geprägt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsliteratur===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
* Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
* Bumke, Joachim: Wolfram von Eschenbach. 8. Auflage. Stuttgart/Weimar 2004.&lt;br /&gt;
* Dieter Kühn: Der Parzival des Wolfram von Eschenbach. Frankfurt am Main. 1997.&lt;br /&gt;
* Gephart, Irmgard: Geben und Nehmen im &amp;quot;Nibelungenlied&amp;quot; und in Wolframs von Eschenbach &amp;quot;Parzival&amp;quot;. Düsseldorf 1991.&lt;br /&gt;
* Hasty, Will: Adventure as social performance: s study of the German court epic. Tübingen 1990.&lt;br /&gt;
* Neukirchen, Thomas: die ganze &amp;quot;aventiure&amp;quot; und ihre &amp;quot;lere&amp;quot;. Heidelberg 2006.&lt;br /&gt;
* Reichert, Hermann: Wolfram von Eschenbach, &amp;quot;Parzival&amp;quot; für Anfänger. Wien 2007.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Quellenverzeichnis===&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences/&amp;gt;&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Bautier 1999] Bautier, Robert-Henri: Lexikon des Mittelalters. München 1999.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Ritter|Kategorie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Artushof|Kategorie]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12738</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12738"/>
		<updated>2012-07-25T09:47:06Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Forschungsansätze */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. [Kordt 1997: S. 236.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Gurnemanz Erziehung====&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Parzivals Ehrgeiz====&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.[Kordt 1997: S. 236ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].[Kordt 1997: S. 244f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Kordt 1997]Kordt, Christa-Maria: Parzival in Munsalvaesche. Kommentar zu Buch V/1 von Wolframs Parzival(224,1-248,30). Herne, 1997.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12726</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12726"/>
		<updated>2012-07-25T09:36:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Literaturnachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. [Kordt 1997: S. 236.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.[Kordt 1997: S. 236ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].[Kordt 1997: S. 244f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[*Kordt 1997]Kordt, Christa-Maria: Parzival in Munsalvaesche. Kommentar zu Buch V/1 von Wolframs Parzival(224,1-248,30). Herne, 1997.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12722</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12722"/>
		<updated>2012-07-25T09:35:36Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Literaturnachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. [Kordt 1997: S. 236.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.[Kordt 1997: S. 236ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].[Kordt 1997: S. 244f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
[* Kordt 1997]Kordt, Christa-Maria: Parzival in Munsalvaesche. Kommentar zu Buch V/1 von Wolframs Parzival(224,1-248,30). Herne, 1997.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12714</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12714"/>
		<updated>2012-07-25T09:32:52Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Konsequenzen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. [Kordt 1997: S. 236.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.[Kordt 1997: S. 236ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].[Kordt 1997: S. 244f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12711</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12711"/>
		<updated>2012-07-25T09:32:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* zuht als Begründung für Parzivals Schweigen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. [Kordt 1997: S. 236.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.[Kordt 1997: S. 236ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12707</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12707"/>
		<updated>2012-07-25T09:30:02Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Charakter der Frage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9).[Kordt 1997: S. 227ff.] [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
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{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12701</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12701"/>
		<updated>2012-07-25T09:28:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Allgemeines */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12700</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:28:32Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Allgemeines */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.[Kordt 1997: S.227ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
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Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12697</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12697"/>
		<updated>2012-07-25T09:27:21Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* zuht als Begründung für Parzivals Schweigen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überformung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entweder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12694</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T09:24:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* zuht als Begründung für Parzivals Schweigen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überfprmung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entwerder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Forschungsansätze===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Gustav Ehrismann ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls auf der Gralsburg unterdrückt. Ein anderer Interpretationsansatz unterstreicht dagegen Gurnemanz Unschuld an Parzivals Schweigen, da man ihm nicht den Vorwurf der &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; machen kann (vgl. Gurnemanz ausdrücklichen Hinweis: vlîzet iuch diemüete, (170,28)). Im Text selbst findet man keinerlei Kritik an Gurnemanz und seiner Erziehung, stattdessen wird seine moralische Vorbildlichkeit hervorgehoben. Gurnemanz Ratschlag ist in der Kultur des Mittelalters verwurzelt und entspricht wichtigen zeitgenössischen Verhaltensmaßregeln. Einige Forscher stellen statt Gurnamanz Erziehung das ehrgeizige Streben des Helden in den Vordergrund, da sein Ehrgeiz ihn auch dazu bringt seine Mutter zu verlassen und den roten Ritter Ither zu töten.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12676</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12676"/>
		<updated>2012-07-25T09:00:30Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* zuht als Begründung für Parzivals Schweigen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überfprmung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wolfram ersetzt Chrétiens starren Automatismus der schuldhaften Verfehlung durch die Entwicklung des Romanhelden. Einige Forscher haben das Scheitern des Protagonisten in seiner Anwendung des Gurnemanzrats diesen als zweifelhaft gesehen. Man versuchte in dem &#039;&#039;zuht&#039;&#039;-Konzept die Ursache für Parzivals Frageversäumnis zu sehen und suchte somit den Grund des Scheiterns entwerder in der Erziehung durch Gurnemanz, oder in Parzivals Bemühungen, den Forderungen der ritterlichen &#039;&#039;zuht&#039;&#039; zu entsprechen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Ältere Forschung===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Vor allen die frühere Forschung versuchte die Schuldfrage auf Gurnemanz Erziehung zurück zu führen. Es wurde Gurnemanz vorgeworfen, dass er Parzival eine einseitige Perspektive von &#039;&#039;zuht&#039;&#039; vermittelt hat. Laut Ehrismann[Ehrismann 1908: S. 422.] ist Gurnemanz Erziehung schuld daran, dass der Held seinen natürlichen Impuls unterdrückte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12655</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T08:39:11Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* zuht als Begründung für Parzivals Schweigen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überfprmung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12652</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12652"/>
		<updated>2012-07-25T08:37:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* zuht als Begründung für Parzivals Schweigen */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Sowohl Chrétien als auch Wolfram versuchen mit Hilfe einer christlichen Überfprmung den Schuldvorwurf gegenüber dem Helden zu rationalisieren und das rätselhafte Schweigen Parzivals zu  erklären. In beiden Romanen wird der Rat des ritterlichen Erziehers als ein Argument für das Frageversäumnis angeführt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
|durch zuht in vrâgens doch verdrôz. (239,10ff.) ||doch wollte er nicht ungezogen sein und scheute sich deshalb zu fragen.&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
| er dâhte ‘mir riet Gurnamanz || Er dachte: Gurnamanz&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| mit grôzen triwen âne schranz, || hat mir beigebracht  - er ist mir gut und seine Treue ohne Scharte -, daß ich nicht&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ich solte vil gevrâgen niht.|| viel fragen soll.&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Schuld_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12579</id>
		<title>Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T07:13:58Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Die Thematik der Schuld Parzivals ist sehr umstitten und es gibt kontroverse Interpretationsansätze. Dieser Artikel versucht einige dieser Ansätze aufzuzeigen und zu deuten. Außerdem behandelt der Artike die einzelnen Sünden Parzivals und versucht in einigen Interpretationsansätzen die Frage nach der schwersten Schuld des Titelhelden zu klären. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die intensive Diskussion um Parzivals Sünden dominierte die Forschung der ersten Zeit nach 1945, die das Werk unter dem absoluten Primat des Religiösen sehen wollte. So hat die ältere Forschung die wesentliche und eigentliche Schuld Parzivals in dem [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] gesehen. Doch die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Schuldfrage wesentlich komplizierter ist. So hat die Frage nach der Schwere der einzelnen Sünden und welche nun die gravierendste Sünde Parzivals darstellt, zu aufwendigen Interpretationen geführt.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wirft Parzival drei große Sünden vor, von denen man bisher in der Forschung ausging. Diese umfassen einerseits den Tod [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Mutter]] und andererseits den Tod [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]]. Das dritte Vergehen Parzivals basiert auf dem Frageversäumnis. Wobei hier die ersten beiden genannten Sünden als die eigentlichen großen Sünden angesehen werden. Sowohl bei dem Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers liegt keine Absicht vor. Beide vergehen sind laut Trevrizent unbewusst geschehen. Es scheint als wäre die Tötung Ithers zunächst nur ein bedauerliches Zwischenereignis, das durch den ritterlichen Verhaltenscodex gerechtfertigt werden könnte. Parzival handelt im Rahmen höflicher Alltäglichkeit und mit der Billigung des Königs.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Maurer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Friedrich Maurer differenziert dagegen zwei unterschiedliche Arten von Vergehen Parzivals.[Schröder 1963: S. 95.] Neben den bereits oben erwähnten Sünden sieht Maurer ebenso den [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gotteshass]], das Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und den Verzicht auf die dankbare und frohgemute Haltung als weitere Sünden Parzivals an.[Maurer 1951: S. 135.]Zugleich unterscheidet Maurer einerseits Sünden, die Parzival unbewusst und unwissentlich  begeht, die „keinesfalls Sünden von vollem Gewicht“[Maurer 1951: S. 148.] darstellen und andererseits Sünden, die bewusst und willentlich begangen wurden und somit die „schweren Sünden“ sind. So scheint es besonders verwirrend zu sein, dass die drei schweren Sünden: Gotteshaß, Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und Verzicht auf dankbare, frohgemute Haltung im Vergleich zu den unbewussten Sünden zu leicht genommen werden und wie es scheint in der Buße am Ende des Werkes nicht erwähnt werden.[Dallapiazza 2009: S. 91.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wapnewski ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Peter Wapnewski, der sich ebenfalls mit der Frage nach Parzivals Schuld beschäftigt hat, trennt die Sünde des Frageversäumnisses von den anderen beiden Sünden ab. Laut ihm hat Parzival den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] bereits verloren, bevor er den Gral durch das Frageversäumnis verliert. Das Schweigen Parzivals ist eine Bekräftigung dafür, dass er den Gral im Stande der Sünde nicht erlangen kann.[Wapnewski 1955: S. 95.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Resultate==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Folglich lässt sich feststellen, dass man vorweg klären muss, ob eine Differenzierung von unbewussten und willentlichen Sünden vorgenommen werden muss, ob man diese Unterscheidung machen darf oder nicht darf. Ebenso ob das Gewicht der Sünde zu beachten ist oder nicht. Maurer und Wapnewski zitieren theologische Passagen und kommen zu sehr verschiedenen Resultaten.[Schröder 1963: S. 96.] Mohr weist mit Recht darauf hin, dass sich eine Abstufung zwischen bewussten und unbewussten Sünden bei Wolfram sich nicht finden lässt und dass die Interpretation des Parzivals darauf verzichten muss, was die mittelalterliche Theologie darüber gedacht hat.[Mohr 1951: S. 156.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sünden im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei allen drei Sünden, Tod der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]] und bei dem Frageversäumnis, handelt es sich um eine Verschuldung gegenüber dem Leben eines Menschen. Parzivals Verhalten hat Tod und Todeskrankheit zur Folge. Das IX. Buch behandelt vorwiegend die Tötung Ithers. Mohr sieht, dass die Tötung Ihters in der Symbolik auf Kain verweist und dass es sich hierbei nicht nur um einen Verwandtschaftsmord handelt, sondern vielmehr um einen Brudermord im christlichen Sinne. Der Tod der Mutter stellt dagegen eine schlimme Folge einer anderen Zwecken dienende Handlung dar. In beiden Fällen wollte er nicht töten, dies tut er nur weil er Dinge begehrt die ihm verweigert werden. Zum einen ist es die Ausfahrt und zum anderen die Ritterkleidung. Von diesen beiden Sünden unterscheidet sich die Sünde des Frageversäumnisses auf Munsalvaesche. Die ersten beiden Sünden sind im Vergleich zur dritten Sünde nicht reparabel. Ebenso wird ihm am [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] nichts verweigert, was er begehrt,  sondern es wird vielmehr etwas von ihm verlangt, was er jedoch nicht leistet.[Schröder 1963: S. 98.] Dieses Versäumnis kann er im späteren Verlauf wieder gut machen, denn die Gelegenheit zu Frage wird ihm ein zweites Mal geboten. Diese Tilgung der Sünde erfasst zugleich alle andere Schuld, ebenso den Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers. Was immer Parzival an Sünden begangen hat wird durch die Buße bei [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] und die gestellte Gralsfrage bekommt er die Rechtfertigung. Ob jedoch eine innere Umkehr bei Parzival stattgefunden hat ist mehr als fraglich. Er bekennt sich zu seinen Sünden und zu seiner Schuld, aber von wahrhaftiger Reue, die Trevrizent von ihm fordert, scheint nirgendwo die Rede zu sein. Es sei den man sieht die Einkehr beim Einsiedler als solche an.[Dallapiazza 2009: S. 92.] Wolfram hat die Sündenmotive aus dem „Conte du Graal“ übernommen, sie an wichtigen Punkten verändert und die Akzente neu gesetzt. So stellt beispielsweise der Tod Ithers ein neues Sündenmotiv bei Wolfram dar. Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] wird dem Helden kein Vorwurf daraus gemacht, dass er den Roten Ritter getötet hat. Im Parzival wird dies jedoch als die zweite Sünde Parzivals gedeutet.[Bumke 2004: S. 128.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Innerhalb der Diskussion um die Schuld Parzivals wird unter anderem auch  untersucht welche der Sünden die schwerste Schuld Parzivals darstellt. Zumeist steht bei der Schuldthematik Parzivals  das Frageversäumnis im Mittelpunkt, wird daher tendenziell als die schwerste Schuld Parzivals betrachtet. Im Folgenden sollen Forschungsansätze vorgestellt werden, welche die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals zu anderen Ergebnisse führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schwietering====&lt;br /&gt;
Julius Schwietering stellt zunächst fest, dass Wolfram in seinem Roman „deutlich den Vorrang des Religiösen zum Ausdruck“ bringe. [Schwietering 1969: S. 371]  Dies zeige sich im Gralsgeschlecht, welches sich auf religiöse Tugenden beruft und  den Wert dieser am Anteil der „religiösen Grundtugend, der „triuwe“ misst. Als Mitglied der Gralssippe mache sich Parzival eben dieser Grundtugend schuldig. Diese Schuld wiege so schwer, da [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|„triuwe“]]  bei Wolfram die Liebe Gottes und somit das Verhältnis zwischen Gott und Mensch darstelle. Bei dem Vergleich der Sünden Parzivals, untersucht Julius Schwietering basierend auf seiner Erkenntnis, wie sehr Parzival durch sein Handeln die Grundtugend der „triuwe“ verletzte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Mangel an „erbärmde“ und somit das Versäumnis der Mitleidsfrage die schwerste Schuld Parzivals darstelle. Sogar [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] und Cundrie verurteilen speziell Parzivals mangelndes Mitleid gegenüber [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]]. Diese „unzweideutig harte Beurteilung“ Parzivals Versagen durch die beiden Frauen sprächen eindeutig dafür, dass Wolfram dieses Versäumnis als schwerste Schuld Parzivals dargestellen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Mohr==== &lt;br /&gt;
Wolfgang Mohr stellt zunächst fest,  dass Wolfram, abweichend zur Vorlage Chrétiens [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;], die Tötung Ithers in den Zusammenhang der Schuldthematik stelle. Da alle anderen der Schuldmotive Parzivals aus der Vorlage Chrétines übernommen wurden, müsse diese Tat wichtig genommen werden. [Mohr 1951: S. 335] Desweiteren stehe die Kainstat im Mittelpunkt der Rede Trevrizents (Buch IX), woraus zu schließen sei, dass Trevrizent den Brudermord  als Ursprung allen Übels begreife (464, 21f). Er stellt über Parallelen, die er in Arnolds Gedicht von der „Siebenzahl“, sowie zum Johannisbrief  erkennt, fest, dass die „Entferntheit  der Verwandtschaft zwischen Ither und Parzival […] Sinnbild der Brüderlichkeit der Menschen untereinander“ [Mohr 1951: S.343] sei. Parzival mache sich durch den Mord Ithers an eben dieser Brüderlichkeit schuldig, welche deshalb als die  schwerste Schuld betrachtet werden müsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wapnewski====&lt;br /&gt;
Peter Wapnewski untersucht Parzivals Schuld ausgehend von der Buß- und Sündenlehre des Augustinus. Das Verlassen der Mutter, sowie der Mord Ithers seien eindeutig die schwersten Sünden, da sie Verstöße gegen das 4.Gebot des Dekalogs darstellen würden. Er behauptet überdies,  Parzival mangle es zu keiner Zeit  an „triuwe“ und „erbärmde“, wodurch das Frageversäumnis seiner Meinung nach nicht so schwer wiege. Vielmehr seien „diese beiden Sünden an der Mutter und Ither […] die eigentlichen Initialakte der Verstrickung“ [Wapnewski 1955: S. 99] in die Sünden &amp;lt;ref&amp;gt; Der Mensch ist als Nachfolger Adams und Evas durch die Erbsünde von Geburt an sündig. &amp;lt;/ref&amp;gt;, aus denen er sich nicht mehr selbst befreien kann.  Demnach gehören alle folgenden Sünden, so Wapnewski, zu den beiden, welche Trevrizent ausdrücklich kennzeichnete als die „zwuo grôze sünde (zwei große Sünden)“ (499, 20) und somit auch nach Trevrizents Bewertung die schwerste Schuld Parzivals darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1963]Schröder, Walter Johannes: Die Soltane-Erzählung in Wolframs Parzival : Studien zur Darstellung und Bedeutung der Lebensstufen Parzivals. Heidelberg, 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1951]Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte, besonders in den großen Epen der staufischen Zeit. Bern, 1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1955]Wapnewski, Peter: Wolframs Parzival. Studien zur Religiosität und Form. Heidelberg, 1955. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mohr 1951] Mohr, Wolfgang: Parzivals ritterliche Schuld, in: Winkendes Wort II.  1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
[*Schwietering 1969] Schwietering Julius, Parzivals Schuld, in: Philologische Schriften, München, 1969&lt;br /&gt;
[*Mohr 1970] Mohr Wolfgang, Parzivals ritterliche Schuld, in: Der arthurische Roman, Darmstadt, 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Schuld_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12574</id>
		<title>Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Schuld_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12574"/>
		<updated>2012-07-25T07:00:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Schwietering */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die intensive Diskussion um Parzivals Sünden dominierte die Forschung der ersten Zeit nach 1945, die das Werk unter dem absoluten Primat des Religiösen sehen wollte. So hat die ältere Forschung die wesentliche und eigentliche Schuld Parzivals in dem [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] gesehen. Doch die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Schuldfrage wesentlich komplizierter ist. So hat die Frage nach der Schwere der einzelnen Sünden und welche nun die gravierendste Sünde Parzivals darstellt, zu aufwendigen Interpretationen geführt.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wirft Parzival drei große Sünden vor, von denen man bisher in der Forschung ausging. Diese umfassen einerseits den Tod [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Mutter]] und andererseits den Tod [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]]. Das dritte Vergehen Parzivals basiert auf dem Frageversäumnis. Wobei hier die ersten beiden genannten Sünden als die eigentlichen großen Sünden angesehen werden. Sowohl bei dem Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers liegt keine Absicht vor. Beide vergehen sind laut Trevrizent unbewusst geschehen. Es scheint als wäre die Tötung Ithers zunächst nur ein bedauerliches Zwischenereignis, das durch den ritterlichen Verhaltenscodex gerechtfertigt werden könnte. Parzival handelt im Rahmen höflicher Alltäglichkeit und mit der Billigung des Königs.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Maurer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Friedrich Maurer differenziert dagegen zwei unterschiedliche Arten von Vergehen Parzivals.[Schröder 1963: S. 95.] Neben den bereits oben erwähnten Sünden sieht Maurer ebenso den [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gotteshass]], das Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und den Verzicht auf die dankbare und frohgemute Haltung als weitere Sünden Parzivals an.[Maurer 1951: S. 135.]Zugleich unterscheidet Maurer einerseits Sünden, die Parzival unbewusst und unwissentlich  begeht, die „keinesfalls Sünden von vollem Gewicht“[Maurer 1951: S. 148.] darstellen und andererseits Sünden, die bewusst und willentlich begangen wurden und somit die „schweren Sünden“ sind. So scheint es besonders verwirrend zu sein, dass die drei schweren Sünden: Gotteshaß, Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und Verzicht auf dankbare, frohgemute Haltung im Vergleich zu den unbewussten Sünden zu leicht genommen werden und wie es scheint in der Buße am Ende des Werkes nicht erwähnt werden.[Dallapiazza 2009: S. 91.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wapnewski ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Peter Wapnewski, der sich ebenfalls mit der Frage nach Parzivals Schuld beschäftigt hat, trennt die Sünde des Frageversäumnisses von den anderen beiden Sünden ab. Laut ihm hat Parzival den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] bereits verloren, bevor er den Gral durch das Frageversäumnis verliert. Das Schweigen Parzivals ist eine Bekräftigung dafür, dass er den Gral im Stande der Sünde nicht erlangen kann.[Wapnewski 1955: S. 95.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Resultate==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Folglich lässt sich feststellen, dass man vorweg klären muss, ob eine Differenzierung von unbewussten und willentlichen Sünden vorgenommen werden muss, ob man diese Unterscheidung machen darf oder nicht darf. Ebenso ob das Gewicht der Sünde zu beachten ist oder nicht. Maurer und Wapnewski zitieren theologische Passagen und kommen zu sehr verschiedenen Resultaten.[Schröder 1963: S. 96.] Mohr weist mit Recht darauf hin, dass sich eine Abstufung zwischen bewussten und unbewussten Sünden bei Wolfram sich nicht finden lässt und dass die Interpretation des Parzivals darauf verzichten muss, was die mittelalterliche Theologie darüber gedacht hat.[Mohr 1951: S. 156.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sünden im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei allen drei Sünden, Tod der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]] und bei dem Frageversäumnis, handelt es sich um eine Verschuldung gegenüber dem Leben eines Menschen. Parzivals Verhalten hat Tod und Todeskrankheit zur Folge. Das IX. Buch behandelt vorwiegend die Tötung Ithers. Mohr sieht, dass die Tötung Ihters in der Symbolik auf Kain verweist und dass es sich hierbei nicht nur um einen Verwandtschaftsmord handelt, sondern vielmehr um einen Brudermord im christlichen Sinne. Der Tod der Mutter stellt dagegen eine schlimme Folge einer anderen Zwecken dienende Handlung dar. In beiden Fällen wollte er nicht töten, dies tut er nur weil er Dinge begehrt die ihm verweigert werden. Zum einen ist es die Ausfahrt und zum anderen die Ritterkleidung. Von diesen beiden Sünden unterscheidet sich die Sünde des Frageversäumnisses auf Munsalvaesche. Die ersten beiden Sünden sind im Vergleich zur dritten Sünde nicht reparabel. Ebenso wird ihm am [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] nichts verweigert, was er begehrt,  sondern es wird vielmehr etwas von ihm verlangt, was er jedoch nicht leistet.[Schröder 1963: S. 98.] Dieses Versäumnis kann er im späteren Verlauf wieder gut machen, denn die Gelegenheit zu Frage wird ihm ein zweites Mal geboten. Diese Tilgung der Sünde erfasst zugleich alle andere Schuld, ebenso den Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers. Was immer Parzival an Sünden begangen hat wird durch die Buße bei [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] und die gestellte Gralsfrage bekommt er die Rechtfertigung. Ob jedoch eine innere Umkehr bei Parzival stattgefunden hat ist mehr als fraglich. Er bekennt sich zu seinen Sünden und zu seiner Schuld, aber von wahrhaftiger Reue, die Trevrizent von ihm fordert, scheint nirgendwo die Rede zu sein. Es sei den man sieht die Einkehr beim Einsiedler als solche an.[Dallapiazza 2009: S. 92.] Wolfram hat die Sündenmotive aus dem „Conte du Graal“ übernommen, sie an wichtigen Punkten verändert und die Akzente neu gesetzt. So stellt beispielsweise der Tod Ithers ein neues Sündenmotiv bei Wolfram dar. Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] wird dem Helden kein Vorwurf daraus gemacht, dass er den Roten Ritter getötet hat. Im Parzival wird dies jedoch als die zweite Sünde Parzivals gedeutet.[Bumke 2004: S. 128.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Innerhalb der Diskussion um die Schuld Parzivals wird unter anderem auch  untersucht welche der Sünden die schwerste Schuld Parzivals darstellt. Zumeist steht bei der Schuldthematik Parzivals  das Frageversäumnis im Mittelpunkt, wird daher tendenziell als die schwerste Schuld Parzivals betrachtet. Im Folgenden sollen Forschungsansätze vorgestellt werden, welche die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals zu anderen Ergebnisse führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schwietering====&lt;br /&gt;
Julius Schwietering stellt zunächst fest, dass Wolfram in seinem Roman „deutlich den Vorrang des Religiösen zum Ausdruck“ bringe. [Schwietering 1969: S. 371]  Dies zeige sich im Gralsgeschlecht, welches sich auf religiöse Tugenden beruft und  den Wert dieser am Anteil der „religiösen Grundtugend, der „triuwe“ misst. Als Mitglied der Gralssippe mache sich Parzival eben dieser Grundtugend schuldig. Diese Schuld wiege so schwer, da [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|„triuwe“]]  bei Wolfram die Liebe Gottes und somit das Verhältnis zwischen Gott und Mensch darstelle. Bei dem Vergleich der Sünden Parzivals, untersucht Julius Schwietering basierend auf seiner Erkenntnis, wie sehr Parzival durch sein Handeln die Grundtugend der „triuwe“ verletzte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Mangel an „erbärmde“ und somit das Versäumnis der Mitleidsfrage die schwerste Schuld Parzivals darstelle. Sogar [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] und Cundrie verurteilen speziell Parzivals mangelndes Mitleid gegenüber [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]]. Diese „unzweideutig harte Beurteilung“ Parzivals Versagen durch die beiden Frauen sprächen eindeutig dafür, dass Wolfram dieses Versäumnis als schwerste Schuld Parzivals dargestellen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Mohr==== &lt;br /&gt;
Wolfgang Mohr stellt zunächst fest,  dass Wolfram, abweichend zur Vorlage Chrétiens [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;], die Tötung Ithers in den Zusammenhang der Schuldthematik stelle. Da alle anderen der Schuldmotive Parzivals aus der Vorlage Chrétines übernommen wurden, müsse diese Tat wichtig genommen werden. [Mohr 1951: S. 335] Desweiteren stehe die Kainstat im Mittelpunkt der Rede Trevrizents (Buch IX), woraus zu schließen sei, dass Trevrizent den Brudermord  als Ursprung allen Übels begreife (464, 21f). Er stellt über Parallelen, die er in Arnolds Gedicht von der „Siebenzahl“, sowie zum Johannisbrief  erkennt, fest, dass die „Entferntheit  der Verwandtschaft zwischen Ither und Parzival […] Sinnbild der Brüderlichkeit der Menschen untereinander“ [Mohr 1951: S.343] sei. Parzival mache sich durch den Mord Ithers an eben dieser Brüderlichkeit schuldig, welche deshalb als die  schwerste Schuld betrachtet werden müsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wapnewski====&lt;br /&gt;
Peter Wapnewski untersucht Parzivals Schuld ausgehend von der Buß- und Sündenlehre des Augustinus. Das Verlassen der Mutter, sowie der Mord Ithers seien eindeutig die schwersten Sünden, da sie Verstöße gegen das 4.Gebot des Dekalogs darstellen würden. Er behauptet überdies,  Parzival mangle es zu keiner Zeit  an „triuwe“ und „erbärmde“, wodurch das Frageversäumnis seiner Meinung nach nicht so schwer wiege. Vielmehr seien „diese beiden Sünden an der Mutter und Ither […] die eigentlichen Initialakte der Verstrickung“ [Wapnewski 1955: S. 99] in die Sünden &amp;lt;ref&amp;gt; Der Mensch ist als Nachfolger Adams und Evas durch die Erbsünde von Geburt an sündig. &amp;lt;/ref&amp;gt;, aus denen er sich nicht mehr selbst befreien kann.  Demnach gehören alle folgenden Sünden, so Wapnewski, zu den beiden, welche Trevrizent ausdrücklich kennzeichnete als die „zwuo grôze sünde (zwei große Sünden)“ (499, 20) und somit auch nach Trevrizents Bewertung die schwerste Schuld Parzivals darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1963]Schröder, Walter Johannes: Die Soltane-Erzählung in Wolframs Parzival : Studien zur Darstellung und Bedeutung der Lebensstufen Parzivals. Heidelberg, 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1951]Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte, besonders in den großen Epen der staufischen Zeit. Bern, 1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1955]Wapnewski, Peter: Wolframs Parzival. Studien zur Religiosität und Form. Heidelberg, 1955. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mohr 1951] Mohr, Wolfgang: Parzivals ritterliche Schuld, in: Winkendes Wort II.  1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
[*Schwietering 1969] Schwietering Julius, Parzivals Schuld, in: Philologische Schriften, München, 1969&lt;br /&gt;
[*Mohr 1970] Mohr Wolfgang, Parzivals ritterliche Schuld, in: Der arthurische Roman, Darmstadt, 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<title>Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T06:58:38Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Schwietering */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die intensive Diskussion um Parzivals Sünden dominierte die Forschung der ersten Zeit nach 1945, die das Werk unter dem absoluten Primat des Religiösen sehen wollte. So hat die ältere Forschung die wesentliche und eigentliche Schuld Parzivals in dem [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] gesehen. Doch die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Schuldfrage wesentlich komplizierter ist. So hat die Frage nach der Schwere der einzelnen Sünden und welche nun die gravierendste Sünde Parzivals darstellt, zu aufwendigen Interpretationen geführt.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wirft Parzival drei große Sünden vor, von denen man bisher in der Forschung ausging. Diese umfassen einerseits den Tod [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Mutter]] und andererseits den Tod [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]]. Das dritte Vergehen Parzivals basiert auf dem Frageversäumnis. Wobei hier die ersten beiden genannten Sünden als die eigentlichen großen Sünden angesehen werden. Sowohl bei dem Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers liegt keine Absicht vor. Beide vergehen sind laut Trevrizent unbewusst geschehen. Es scheint als wäre die Tötung Ithers zunächst nur ein bedauerliches Zwischenereignis, das durch den ritterlichen Verhaltenscodex gerechtfertigt werden könnte. Parzival handelt im Rahmen höflicher Alltäglichkeit und mit der Billigung des Königs.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Maurer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Friedrich Maurer differenziert dagegen zwei unterschiedliche Arten von Vergehen Parzivals.[Schröder 1963: S. 95.] Neben den bereits oben erwähnten Sünden sieht Maurer ebenso den [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gotteshass]], das Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und den Verzicht auf die dankbare und frohgemute Haltung als weitere Sünden Parzivals an.[Maurer 1951: S. 135.]Zugleich unterscheidet Maurer einerseits Sünden, die Parzival unbewusst und unwissentlich  begeht, die „keinesfalls Sünden von vollem Gewicht“[Maurer 1951: S. 148.] darstellen und andererseits Sünden, die bewusst und willentlich begangen wurden und somit die „schweren Sünden“ sind. So scheint es besonders verwirrend zu sein, dass die drei schweren Sünden: Gotteshaß, Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und Verzicht auf dankbare, frohgemute Haltung im Vergleich zu den unbewussten Sünden zu leicht genommen werden und wie es scheint in der Buße am Ende des Werkes nicht erwähnt werden.[Dallapiazza 2009: S. 91.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wapnewski ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Peter Wapnewski, der sich ebenfalls mit der Frage nach Parzivals Schuld beschäftigt hat, trennt die Sünde des Frageversäumnisses von den anderen beiden Sünden ab. Laut ihm hat Parzival den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] bereits verloren, bevor er den Gral durch das Frageversäumnis verliert. Das Schweigen Parzivals ist eine Bekräftigung dafür, dass er den Gral im Stande der Sünde nicht erlangen kann.[Wapnewski 1955: S. 95.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Resultate==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Folglich lässt sich feststellen, dass man vorweg klären muss, ob eine Differenzierung von unbewussten und willentlichen Sünden vorgenommen werden muss, ob man diese Unterscheidung machen darf oder nicht darf. Ebenso ob das Gewicht der Sünde zu beachten ist oder nicht. Maurer und Wapnewski zitieren theologische Passagen und kommen zu sehr verschiedenen Resultaten.[Schröder 1963: S. 96.] Mohr weist mit Recht darauf hin, dass sich eine Abstufung zwischen bewussten und unbewussten Sünden bei Wolfram sich nicht finden lässt und dass die Interpretation des Parzivals darauf verzichten muss, was die mittelalterliche Theologie darüber gedacht hat.[Mohr 1951: S. 156.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sünden im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei allen drei Sünden, Tod der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]] und bei dem Frageversäumnis, handelt es sich um eine Verschuldung gegenüber dem Leben eines Menschen. Parzivals Verhalten hat Tod und Todeskrankheit zur Folge. Das IX. Buch behandelt vorwiegend die Tötung Ithers. Mohr sieht, dass die Tötung Ihters in der Symbolik auf Kain verweist und dass es sich hierbei nicht nur um einen Verwandtschaftsmord handelt, sondern vielmehr um einen Brudermord im christlichen Sinne. Der Tod der Mutter stellt dagegen eine schlimme Folge einer anderen Zwecken dienende Handlung dar. In beiden Fällen wollte er nicht töten, dies tut er nur weil er Dinge begehrt die ihm verweigert werden. Zum einen ist es die Ausfahrt und zum anderen die Ritterkleidung. Von diesen beiden Sünden unterscheidet sich die Sünde des Frageversäumnisses auf Munsalvaesche. Die ersten beiden Sünden sind im Vergleich zur dritten Sünde nicht reparabel. Ebenso wird ihm am [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] nichts verweigert, was er begehrt,  sondern es wird vielmehr etwas von ihm verlangt, was er jedoch nicht leistet.[Schröder 1963: S. 98.] Dieses Versäumnis kann er im späteren Verlauf wieder gut machen, denn die Gelegenheit zu Frage wird ihm ein zweites Mal geboten. Diese Tilgung der Sünde erfasst zugleich alle andere Schuld, ebenso den Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers. Was immer Parzival an Sünden begangen hat wird durch die Buße bei [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] und die gestellte Gralsfrage bekommt er die Rechtfertigung. Ob jedoch eine innere Umkehr bei Parzival stattgefunden hat ist mehr als fraglich. Er bekennt sich zu seinen Sünden und zu seiner Schuld, aber von wahrhaftiger Reue, die Trevrizent von ihm fordert, scheint nirgendwo die Rede zu sein. Es sei den man sieht die Einkehr beim Einsiedler als solche an.[Dallapiazza 2009: S. 92.] Wolfram hat die Sündenmotive aus dem „Conte du Graal“ übernommen, sie an wichtigen Punkten verändert und die Akzente neu gesetzt. So stellt beispielsweise der Tod Ithers ein neues Sündenmotiv bei Wolfram dar. Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] wird dem Helden kein Vorwurf daraus gemacht, dass er den Roten Ritter getötet hat. Im Parzival wird dies jedoch als die zweite Sünde Parzivals gedeutet.[Bumke 2004: S. 128.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Innerhalb der Diskussion um die Schuld Parzivals wird unter anderem auch  untersucht welche der Sünden die schwerste Schuld Parzivals darstellt. Zumeist steht bei der Schuldthematik Parzivals  das Frageversäumnis im Mittelpunkt, wird daher tendenziell als die schwerste Schuld Parzivals betrachtet. Im Folgenden sollen Forschungsansätze vorgestellt werden, welche die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals zu anderen Ergebnisse führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schwietering====&lt;br /&gt;
Julius Schwietering stellt zunächst fest, dass Wolfram in seinem Roman „deutlich den Vorrang des Religiösen zum Ausdruck“ bringe. [Schwietering 1969: S. 371]  Dies zeige sich im Gralsgeschlecht, welches sich auf religiöse Tugenden beruft und  den Wert dieser am Anteil der „religiösen Grundtugend, der „triuwe“ misst. Als Mitglied der Gralssippe mache sich Parzival eben dieser Grundtugend schuldig. Diese Schuld wiege so schwer, da [[Triuwe (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|„triuwe“]]  bei Wolfram die Liebe Gottes und somit das Verhältnis zwischen Gott und Mensch darstelle. Bei dem Vergleich der Sünden Parzivals, untersucht Julius Schwietering basierend auf seiner Erkenntnis, wie sehr Parzival durch sein Handeln die Grundtugend der „triuwe“ verletzte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Mangel an „erbärmde“ und somit das Versäumnis der Mitleidsfrage die schwerste Schuld Parzivals darstelle. Sogar [[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] und Cundrie verurteilen speziell Parzivals mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas. Diese „unzweideutig harte Beurteilung“ Parzivals Versagen durch die beiden Frauen sprächen eindeutig dafür, dass Wolfram dieses Versäumnis als schwerste Schuld Parzivals dargestellen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Mohr==== &lt;br /&gt;
Wolfgang Mohr stellt zunächst fest,  dass Wolfram, abweichend zur Vorlage Chrétiens [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;], die Tötung Ithers in den Zusammenhang der Schuldthematik stelle. Da alle anderen der Schuldmotive Parzivals aus der Vorlage Chrétines übernommen wurden, müsse diese Tat wichtig genommen werden. [Mohr 1951: S. 335] Desweiteren stehe die Kainstat im Mittelpunkt der Rede Trevrizents (Buch IX), woraus zu schließen sei, dass Trevrizent den Brudermord  als Ursprung allen Übels begreife (464, 21f). Er stellt über Parallelen, die er in Arnolds Gedicht von der „Siebenzahl“, sowie zum Johannisbrief  erkennt, fest, dass die „Entferntheit  der Verwandtschaft zwischen Ither und Parzival […] Sinnbild der Brüderlichkeit der Menschen untereinander“ [Mohr 1951: S.343] sei. Parzival mache sich durch den Mord Ithers an eben dieser Brüderlichkeit schuldig, welche deshalb als die  schwerste Schuld betrachtet werden müsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wapnewski====&lt;br /&gt;
Peter Wapnewski untersucht Parzivals Schuld ausgehend von der Buß- und Sündenlehre des Augustinus. Das Verlassen der Mutter, sowie der Mord Ithers seien eindeutig die schwersten Sünden, da sie Verstöße gegen das 4.Gebot des Dekalogs darstellen würden. Er behauptet überdies,  Parzival mangle es zu keiner Zeit  an „triuwe“ und „erbärmde“, wodurch das Frageversäumnis seiner Meinung nach nicht so schwer wiege. Vielmehr seien „diese beiden Sünden an der Mutter und Ither […] die eigentlichen Initialakte der Verstrickung“ [Wapnewski 1955: S. 99] in die Sünden &amp;lt;ref&amp;gt; Der Mensch ist als Nachfolger Adams und Evas durch die Erbsünde von Geburt an sündig. &amp;lt;/ref&amp;gt;, aus denen er sich nicht mehr selbst befreien kann.  Demnach gehören alle folgenden Sünden, so Wapnewski, zu den beiden, welche Trevrizent ausdrücklich kennzeichnete als die „zwuo grôze sünde (zwei große Sünden)“ (499, 20) und somit auch nach Trevrizents Bewertung die schwerste Schuld Parzivals darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1963]Schröder, Walter Johannes: Die Soltane-Erzählung in Wolframs Parzival : Studien zur Darstellung und Bedeutung der Lebensstufen Parzivals. Heidelberg, 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1951]Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte, besonders in den großen Epen der staufischen Zeit. Bern, 1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1955]Wapnewski, Peter: Wolframs Parzival. Studien zur Religiosität und Form. Heidelberg, 1955. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mohr 1951] Mohr, Wolfgang: Parzivals ritterliche Schuld, in: Winkendes Wort II.  1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
[*Schwietering 1969] Schwietering Julius, Parzivals Schuld, in: Philologische Schriften, München, 1969&lt;br /&gt;
[*Mohr 1970] Mohr Wolfgang, Parzivals ritterliche Schuld, in: Der arthurische Roman, Darmstadt, 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Schuld_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12571</id>
		<title>Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Schuld_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12571"/>
		<updated>2012-07-25T06:54:51Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Sünden im Überblick */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die intensive Diskussion um Parzivals Sünden dominierte die Forschung der ersten Zeit nach 1945, die das Werk unter dem absoluten Primat des Religiösen sehen wollte. So hat die ältere Forschung die wesentliche und eigentliche Schuld Parzivals in dem [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] gesehen. Doch die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Schuldfrage wesentlich komplizierter ist. So hat die Frage nach der Schwere der einzelnen Sünden und welche nun die gravierendste Sünde Parzivals darstellt, zu aufwendigen Interpretationen geführt.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wirft Parzival drei große Sünden vor, von denen man bisher in der Forschung ausging. Diese umfassen einerseits den Tod [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Mutter]] und andererseits den Tod [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]]. Das dritte Vergehen Parzivals basiert auf dem Frageversäumnis. Wobei hier die ersten beiden genannten Sünden als die eigentlichen großen Sünden angesehen werden. Sowohl bei dem Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers liegt keine Absicht vor. Beide vergehen sind laut Trevrizent unbewusst geschehen. Es scheint als wäre die Tötung Ithers zunächst nur ein bedauerliches Zwischenereignis, das durch den ritterlichen Verhaltenscodex gerechtfertigt werden könnte. Parzival handelt im Rahmen höflicher Alltäglichkeit und mit der Billigung des Königs.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Maurer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Friedrich Maurer differenziert dagegen zwei unterschiedliche Arten von Vergehen Parzivals.[Schröder 1963: S. 95.] Neben den bereits oben erwähnten Sünden sieht Maurer ebenso den [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gotteshass]], das Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und den Verzicht auf die dankbare und frohgemute Haltung als weitere Sünden Parzivals an.[Maurer 1951: S. 135.]Zugleich unterscheidet Maurer einerseits Sünden, die Parzival unbewusst und unwissentlich  begeht, die „keinesfalls Sünden von vollem Gewicht“[Maurer 1951: S. 148.] darstellen und andererseits Sünden, die bewusst und willentlich begangen wurden und somit die „schweren Sünden“ sind. So scheint es besonders verwirrend zu sein, dass die drei schweren Sünden: Gotteshaß, Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und Verzicht auf dankbare, frohgemute Haltung im Vergleich zu den unbewussten Sünden zu leicht genommen werden und wie es scheint in der Buße am Ende des Werkes nicht erwähnt werden.[Dallapiazza 2009: S. 91.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wapnewski ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Peter Wapnewski, der sich ebenfalls mit der Frage nach Parzivals Schuld beschäftigt hat, trennt die Sünde des Frageversäumnisses von den anderen beiden Sünden ab. Laut ihm hat Parzival den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] bereits verloren, bevor er den Gral durch das Frageversäumnis verliert. Das Schweigen Parzivals ist eine Bekräftigung dafür, dass er den Gral im Stande der Sünde nicht erlangen kann.[Wapnewski 1955: S. 95.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Resultate==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Folglich lässt sich feststellen, dass man vorweg klären muss, ob eine Differenzierung von unbewussten und willentlichen Sünden vorgenommen werden muss, ob man diese Unterscheidung machen darf oder nicht darf. Ebenso ob das Gewicht der Sünde zu beachten ist oder nicht. Maurer und Wapnewski zitieren theologische Passagen und kommen zu sehr verschiedenen Resultaten.[Schröder 1963: S. 96.] Mohr weist mit Recht darauf hin, dass sich eine Abstufung zwischen bewussten und unbewussten Sünden bei Wolfram sich nicht finden lässt und dass die Interpretation des Parzivals darauf verzichten muss, was die mittelalterliche Theologie darüber gedacht hat.[Mohr 1951: S. 156.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sünden im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei allen drei Sünden, Tod der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]] und bei dem Frageversäumnis, handelt es sich um eine Verschuldung gegenüber dem Leben eines Menschen. Parzivals Verhalten hat Tod und Todeskrankheit zur Folge. Das IX. Buch behandelt vorwiegend die Tötung Ithers. Mohr sieht, dass die Tötung Ihters in der Symbolik auf Kain verweist und dass es sich hierbei nicht nur um einen Verwandtschaftsmord handelt, sondern vielmehr um einen Brudermord im christlichen Sinne. Der Tod der Mutter stellt dagegen eine schlimme Folge einer anderen Zwecken dienende Handlung dar. In beiden Fällen wollte er nicht töten, dies tut er nur weil er Dinge begehrt die ihm verweigert werden. Zum einen ist es die Ausfahrt und zum anderen die Ritterkleidung. Von diesen beiden Sünden unterscheidet sich die Sünde des Frageversäumnisses auf Munsalvaesche. Die ersten beiden Sünden sind im Vergleich zur dritten Sünde nicht reparabel. Ebenso wird ihm am [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] nichts verweigert, was er begehrt,  sondern es wird vielmehr etwas von ihm verlangt, was er jedoch nicht leistet.[Schröder 1963: S. 98.] Dieses Versäumnis kann er im späteren Verlauf wieder gut machen, denn die Gelegenheit zu Frage wird ihm ein zweites Mal geboten. Diese Tilgung der Sünde erfasst zugleich alle andere Schuld, ebenso den Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers. Was immer Parzival an Sünden begangen hat wird durch die Buße bei [[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] und die gestellte Gralsfrage bekommt er die Rechtfertigung. Ob jedoch eine innere Umkehr bei Parzival stattgefunden hat ist mehr als fraglich. Er bekennt sich zu seinen Sünden und zu seiner Schuld, aber von wahrhaftiger Reue, die Trevrizent von ihm fordert, scheint nirgendwo die Rede zu sein. Es sei den man sieht die Einkehr beim Einsiedler als solche an.[Dallapiazza 2009: S. 92.] Wolfram hat die Sündenmotive aus dem „Conte du Graal“ übernommen, sie an wichtigen Punkten verändert und die Akzente neu gesetzt. So stellt beispielsweise der Tod Ithers ein neues Sündenmotiv bei Wolfram dar. Im [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] wird dem Helden kein Vorwurf daraus gemacht, dass er den Roten Ritter getötet hat. Im Parzival wird dies jedoch als die zweite Sünde Parzivals gedeutet.[Bumke 2004: S. 128.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Innerhalb der Diskussion um die Schuld Parzivals wird unter anderem auch  untersucht welche der Sünden die schwerste Schuld Parzivals darstellt. Zumeist steht bei der Schuldthematik Parzivals  das Frageversäumnis im Mittelpunkt, wird daher tendenziell als die schwerste Schuld Parzivals betrachtet. Im Folgenden sollen Forschungsansätze vorgestellt werden, welche die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals zu anderen Ergebnisse führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schwietering====&lt;br /&gt;
Julius Schwietering stellt zunächst fest, dass Wolfram in seinem Roman „deutlich den Vorrang des Religiösen zum Ausdruck“ bringe. [Schwietering 1969: S. 371]  Dies zeige sich im Gralsgeschlecht, welches sich auf religiöse Tugenden beruft und  den Wert dieser am Anteil der „religiösen Grundtugend, der „triuwe“ misst. Als Mitglied der Gralssippe mache sich Parzival eben dieser Grundtugend schuldig. Diese Schuld wiege so schwer, da „triuwe“  bei Wolfram die Liebe Gottes und somit das Verhältnis zwischen Gott und Mensch darstelle. Bei dem Vergleich der Sünden Parzivals, untersucht Julius Schwietering basierend auf seiner Erkenntnis, wie sehr Parzival durch sein Handeln die Grundtugend der „triuwe“ verletzte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Mangel an „erbärmde“ und somit das Versäumnis der Mitleidsfrage die schwerste Schuld Parzivals darstelle. Sogar Sigune und Cundire verurteilen speziell Parzivals mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas. Diese „unzweideutig harte Beurteilung“ Parzivals Versagen durch die beiden Frauen sprächen eindeutig dafür, dass Wolfram dieses Versäumnis als schwerste Schuld Parzivals dargestellen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Mohr==== &lt;br /&gt;
Wolfgang Mohr stellt zunächst fest,  dass Wolfram, abweichend zur Vorlage Chrétiens [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;], die Tötung Ithers in den Zusammenhang der Schuldthematik stelle. Da alle anderen der Schuldmotive Parzivals aus der Vorlage Chrétines übernommen wurden, müsse diese Tat wichtig genommen werden. [Mohr 1951: S. 335] Desweiteren stehe die Kainstat im Mittelpunkt der Rede Trevrizents (Buch IX), woraus zu schließen sei, dass Trevrizent den Brudermord  als Ursprung allen Übels begreife (464, 21f). Er stellt über Parallelen, die er in Arnolds Gedicht von der „Siebenzahl“, sowie zum Johannisbrief  erkennt, fest, dass die „Entferntheit  der Verwandtschaft zwischen Ither und Parzival […] Sinnbild der Brüderlichkeit der Menschen untereinander“ [Mohr 1951: S.343] sei. Parzival mache sich durch den Mord Ithers an eben dieser Brüderlichkeit schuldig, welche deshalb als die  schwerste Schuld betrachtet werden müsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wapnewski====&lt;br /&gt;
Peter Wapnewski untersucht Parzivals Schuld ausgehend von der Buß- und Sündenlehre des Augustinus. Das Verlassen der Mutter, sowie der Mord Ithers seien eindeutig die schwersten Sünden, da sie Verstöße gegen das 4.Gebot des Dekalogs darstellen würden. Er behauptet überdies,  Parzival mangle es zu keiner Zeit  an „triuwe“ und „erbärmde“, wodurch das Frageversäumnis seiner Meinung nach nicht so schwer wiege. Vielmehr seien „diese beiden Sünden an der Mutter und Ither […] die eigentlichen Initialakte der Verstrickung“ [Wapnewski 1955: S. 99] in die Sünden &amp;lt;ref&amp;gt; Der Mensch ist als Nachfolger Adams und Evas durch die Erbsünde von Geburt an sündig. &amp;lt;/ref&amp;gt;, aus denen er sich nicht mehr selbst befreien kann.  Demnach gehören alle folgenden Sünden, so Wapnewski, zu den beiden, welche Trevrizent ausdrücklich kennzeichnete als die „zwuo grôze sünde (zwei große Sünden)“ (499, 20) und somit auch nach Trevrizents Bewertung die schwerste Schuld Parzivals darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1963]Schröder, Walter Johannes: Die Soltane-Erzählung in Wolframs Parzival : Studien zur Darstellung und Bedeutung der Lebensstufen Parzivals. Heidelberg, 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1951]Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte, besonders in den großen Epen der staufischen Zeit. Bern, 1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1955]Wapnewski, Peter: Wolframs Parzival. Studien zur Religiosität und Form. Heidelberg, 1955. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mohr 1951] Mohr, Wolfgang: Parzivals ritterliche Schuld, in: Winkendes Wort II.  1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
[*Schwietering 1969] Schwietering Julius, Parzivals Schuld, in: Philologische Schriften, München, 1969&lt;br /&gt;
[*Mohr 1970] Mohr Wolfgang, Parzivals ritterliche Schuld, in: Der arthurische Roman, Darmstadt, 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Parzivals_Schuld_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12570</id>
		<title>Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T06:48:14Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Sünden im Überblick */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die intensive Diskussion um Parzivals Sünden dominierte die Forschung der ersten Zeit nach 1945, die das Werk unter dem absoluten Primat des Religiösen sehen wollte. So hat die ältere Forschung die wesentliche und eigentliche Schuld Parzivals in dem [[Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] gesehen. Doch die neuere Forschung hat gezeigt, dass die Schuldfrage wesentlich komplizierter ist. So hat die Frage nach der Schwere der einzelnen Sünden und welche nun die gravierendste Sünde Parzivals darstellt, zu aufwendigen Interpretationen geführt.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Trevrizent===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Trevrizent (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Trevrizent]] wirft Parzival drei große Sünden vor, von denen man bisher in der Forschung ausging. Diese umfassen einerseits den Tod [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Mutter]] und andererseits den Tod [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]]. Das dritte Vergehen Parzivals basiert auf dem Frageversäumnis. Wobei hier die ersten beiden genannten Sünden als die eigentlichen großen Sünden angesehen werden. Sowohl bei dem Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers liegt keine Absicht vor. Beide vergehen sind laut Trevrizent unbewusst geschehen. Es scheint als wäre die Tötung Ithers zunächst nur ein bedauerliches Zwischenereignis, das durch den ritterlichen Verhaltenscodex gerechtfertigt werden könnte. Parzival handelt im Rahmen höflicher Alltäglichkeit und mit der Billigung des Königs.[Dallapiazza 2009: S. 90.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Maurer ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Friedrich Maurer differenziert dagegen zwei unterschiedliche Arten von Vergehen Parzivals.[Schröder 1963: S. 95.] Neben den bereits oben erwähnten Sünden sieht Maurer ebenso den [[Das Gottesbild Parzivals (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gotteshass]], das Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und den Verzicht auf die dankbare und frohgemute Haltung als weitere Sünden Parzivals an.[Maurer 1951: S. 135.]Zugleich unterscheidet Maurer einerseits Sünden, die Parzival unbewusst und unwissentlich  begeht, die „keinesfalls Sünden von vollem Gewicht“[Maurer 1951: S. 148.] darstellen und andererseits Sünden, die bewusst und willentlich begangen wurden und somit die „schweren Sünden“ sind. So scheint es besonders verwirrend zu sein, dass die drei schweren Sünden: Gotteshaß, Aufgeben der kirchlichen Gemeinschaft und Verzicht auf dankbare, frohgemute Haltung im Vergleich zu den unbewussten Sünden zu leicht genommen werden und wie es scheint in der Buße am Ende des Werkes nicht erwähnt werden.[Dallapiazza 2009: S. 91.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
=== Wapnewski ===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Peter Wapnewski, der sich ebenfalls mit der Frage nach Parzivals Schuld beschäftigt hat, trennt die Sünde des Frageversäumnisses von den anderen beiden Sünden ab. Laut ihm hat Parzival den [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] bereits verloren, bevor er den Gral durch das Frageversäumnis verliert. Das Schweigen Parzivals ist eine Bekräftigung dafür, dass er den Gral im Stande der Sünde nicht erlangen kann.[Wapnewski 1955: S. 95.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Resultate==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Folglich lässt sich feststellen, dass man vorweg klären muss, ob eine Differenzierung von unbewussten und willentlichen Sünden vorgenommen werden muss, ob man diese Unterscheidung machen darf oder nicht darf. Ebenso ob das Gewicht der Sünde zu beachten ist oder nicht. Maurer und Wapnewski zitieren theologische Passagen und kommen zu sehr verschiedenen Resultaten.[Schröder 1963: S. 96.] Mohr weist mit Recht darauf hin, dass sich eine Abstufung zwischen bewussten und unbewussten Sünden bei Wolfram sich nicht finden lässt und dass die Interpretation des Parzivals darauf verzichten muss, was die mittelalterliche Theologie darüber gedacht hat.[Mohr 1951: S. 156.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Sünden im Überblick==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Bei allen drei Sünden, Tod der [[Parzivals Erziehung durch Herzeloyde und ihre Folgen (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Mutter]], Tötung [[Ither (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Ithers]] und bei dem Frageversäumnis, handelt es sich um eine Verschuldung gegenüber dem Leben eines Menschen. Parzivals Verhalten hat Tod und Todeskrankheit zur Folge. Das IX. Buch behandelt vorwiegend die Tötung Ithers. Mohr sieht, dass die Tötung Ihters in der Symbolik auf Kain verweist und dass es sich hierbei nicht nur um einen Verwandtschaftsmord handelt, sondern vielmehr um einen Brudermord im christlichen Sinne. Der Tod der Mutter stellt dagegen eine schlimme Folge einer anderen Zwecken dienende Handlung dar. In beiden Fällen wollte er nicht töten, dies tut er nur weil er Dinge begehrt die ihm verweigert werden. Zum einen ist es die Ausfahrt und zum anderen die Ritterkleidung. Von diesen beiden Sünden unterscheidet sich die Sünde des Frageversäumnisses auf Munsalvaesche. Die ersten beiden Sünden sind im Vergleich zur dritten Sünde nicht reparabel. Ebenso wird ihm am Gral nichts verweigert, was er begehrt,  sondern es wird vielmehr etwas von ihm verlangt, was er jedoch nicht leistet.[Schröder 1963: S. 98.] Dieses Versäumnis kann er im späteren Verlauf wieder gut machen, denn die Gelegenheit zu Frage wird ihm ein zweites Mal geboten. Diese Tilgung der Sünde erfasst zugleich alle andere Schuld, ebenso den Tod der Mutter als auch die Tötung Ithers. Was immer Parzival an Sünden begangen hat wird durch die Buße bei Trevrizent und die gestellte Gralsfrage bekommt er die Rechtfertigung. Ob jedoch eine innere Umkehr bei Parzival stattgefunden hat ist mehr als fraglich. Er bekennt sich zu seinen Sünden und zu seiner Schuld, aber von wahrhaftiger Reue, die Trevrizent von ihm fordert, scheint nirgendwo die Rede zu sein. Es sei den man sieht die Einkehr beim Einsiedler als solche an.[Dallapiazza 2009: S. 92.] Wolfram hat die Sündenmotive aus dem „Conte du Graal“ übernommen, sie an wichtigen Punkten verändert und die Akzente neu gesetzt. So stellt beispielsweise der Tod Ithers ein neues Sündenmotiv bei Wolfram dar. Im „Conte du Graal“ wird dem Helden kein Vorwurf daraus gemacht, dass er den Roten Ritter getötet hat. Im Parzival wird dies jedoch als die zweite Sünde Parzivals gedeutet.[Bumke 2004: S. 128.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals===&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Innerhalb der Diskussion um die Schuld Parzivals wird unter anderem auch  untersucht welche der Sünden die schwerste Schuld Parzivals darstellt. Zumeist steht bei der Schuldthematik Parzivals  das Frageversäumnis im Mittelpunkt, wird daher tendenziell als die schwerste Schuld Parzivals betrachtet. Im Folgenden sollen Forschungsansätze vorgestellt werden, welche die Frage nach der schwersten Schuld Parzivals zu anderen Ergebnisse führte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Schwietering====&lt;br /&gt;
Julius Schwietering stellt zunächst fest, dass Wolfram in seinem Roman „deutlich den Vorrang des Religiösen zum Ausdruck“ bringe. [Schwietering 1969: S. 371]  Dies zeige sich im Gralsgeschlecht, welches sich auf religiöse Tugenden beruft und  den Wert dieser am Anteil der „religiösen Grundtugend, der „triuwe“ misst. Als Mitglied der Gralssippe mache sich Parzival eben dieser Grundtugend schuldig. Diese Schuld wiege so schwer, da „triuwe“  bei Wolfram die Liebe Gottes und somit das Verhältnis zwischen Gott und Mensch darstelle. Bei dem Vergleich der Sünden Parzivals, untersucht Julius Schwietering basierend auf seiner Erkenntnis, wie sehr Parzival durch sein Handeln die Grundtugend der „triuwe“ verletzte. Er kommt zu dem Ergebnis, dass der Mangel an „erbärmde“ und somit das Versäumnis der Mitleidsfrage die schwerste Schuld Parzivals darstelle. Sogar Sigune und Cundire verurteilen speziell Parzivals mangelndes Mitleid gegenüber Anfortas. Diese „unzweideutig harte Beurteilung“ Parzivals Versagen durch die beiden Frauen sprächen eindeutig dafür, dass Wolfram dieses Versäumnis als schwerste Schuld Parzivals dargestellen wollte.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Mohr==== &lt;br /&gt;
Wolfgang Mohr stellt zunächst fest,  dass Wolfram, abweichend zur Vorlage Chrétiens [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;], die Tötung Ithers in den Zusammenhang der Schuldthematik stelle. Da alle anderen der Schuldmotive Parzivals aus der Vorlage Chrétines übernommen wurden, müsse diese Tat wichtig genommen werden. [Mohr 1951: S. 335] Desweiteren stehe die Kainstat im Mittelpunkt der Rede Trevrizents (Buch IX), woraus zu schließen sei, dass Trevrizent den Brudermord  als Ursprung allen Übels begreife (464, 21f). Er stellt über Parallelen, die er in Arnolds Gedicht von der „Siebenzahl“, sowie zum Johannisbrief  erkennt, fest, dass die „Entferntheit  der Verwandtschaft zwischen Ither und Parzival […] Sinnbild der Brüderlichkeit der Menschen untereinander“ [Mohr 1951: S.343] sei. Parzival mache sich durch den Mord Ithers an eben dieser Brüderlichkeit schuldig, welche deshalb als die  schwerste Schuld betrachtet werden müsse.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
====Wapnewski====&lt;br /&gt;
Peter Wapnewski untersucht Parzivals Schuld ausgehend von der Buß- und Sündenlehre des Augustinus. Das Verlassen der Mutter, sowie der Mord Ithers seien eindeutig die schwersten Sünden, da sie Verstöße gegen das 4.Gebot des Dekalogs darstellen würden. Er behauptet überdies,  Parzival mangle es zu keiner Zeit  an „triuwe“ und „erbärmde“, wodurch das Frageversäumnis seiner Meinung nach nicht so schwer wiege. Vielmehr seien „diese beiden Sünden an der Mutter und Ither […] die eigentlichen Initialakte der Verstrickung“ [Wapnewski 1955: S. 99] in die Sünden &amp;lt;ref&amp;gt; Der Mensch ist als Nachfolger Adams und Evas durch die Erbsünde von Geburt an sündig. &amp;lt;/ref&amp;gt;, aus denen er sich nicht mehr selbst befreien kann.  Demnach gehören alle folgenden Sünden, so Wapnewski, zu den beiden, welche Trevrizent ausdrücklich kennzeichnete als die „zwuo grôze sünde (zwei große Sünden)“ (499, 20) und somit auch nach Trevrizents Bewertung die schwerste Schuld Parzivals darstellen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Schröder 1963]Schröder, Walter Johannes: Die Soltane-Erzählung in Wolframs Parzival : Studien zur Darstellung und Bedeutung der Lebensstufen Parzivals. Heidelberg, 1963.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Maurer 1951]Maurer, Friedrich: Leid. Studien zur Bedeutungs- und Problemgeschichte, besonders in den großen Epen der staufischen Zeit. Bern, 1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Wapnewski 1955]Wapnewski, Peter: Wolframs Parzival. Studien zur Religiosität und Form. Heidelberg, 1955. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Mohr 1951] Mohr, Wolfgang: Parzivals ritterliche Schuld, in: Winkendes Wort II.  1951. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
    &lt;br /&gt;
[*Schwietering 1969] Schwietering Julius, Parzivals Schuld, in: Philologische Schriften, München, 1969&lt;br /&gt;
[*Mohr 1970] Mohr Wolfgang, Parzivals ritterliche Schuld, in: Der arthurische Roman, Darmstadt, 1970&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Lapsit_exillis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12567</id>
		<title>Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T06:37:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Literaturnachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit dem [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs Roman]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Gral&#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039;] (469,7)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; war für die Forschung eine der größten Herausforderungen und ist bis heue umstritten. Es wurden viele Spekulationen aufgestellt und auch die mittelalterlichen Schreiber wussten mit diesem Begriff nichts anzufangen. Laut Nellmann (2000) sind zehn verschiedene Lesarten in der handschriftlichen Überlieferung vorhanden, von denen jedoch &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; die älteste zu sein scheint. [Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interpretationen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Meistens ließ man sich von der Überzeugung leiten, dass &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; geradezu das Schlüsselwort zum Verständnis von Wolframs Gralkonzeption sei und dass man durch die richtige Deutung des Namens das [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geheimnis des Gralsteines]] enthüllen könnte. Einige Interpreten sind davan ausgegangen, dass es sich um einen ursprünglich sinnvollen Text handelte, der von [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] entstellt oder verschlüsselt worden ist.[Bumke 2004: S. 139.] Dennoch hat der Großteil der Interpreten &#039;&#039;lapsit&#039;&#039; als &#039;&#039;lapis&#039;&#039; gelesen, was Stein bedeutet. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich, da auch eine phantasie- und ebenso eine absichtsvolle Verrätselung Wolframs nicht ausgeschlossen ist. Dennoch haben die meisten Interpreten an einen lateinischen Ursprung gedacht und somit war der nächstliegende Anknüpfungspunkt die Deutung von &#039;&#039;lapsit&#039;&#039;=&#039;&#039;lapis&#039;&#039;. Auf dieser Basis wurden folgende Interpretationen vorgeschlagen:[Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
1.      San Marte (Albert Schulz) deutete im Jahre 1861 Wolframs Namen als &#039;&#039;lapis erilis&#039;&#039;, also als Stein des Herrn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
2.      Rudolf Palgen interpretierte 1922 &#039;&#039;lapis elixir&#039;&#039; als Stein der Weisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
3.      Samuel Singer interpretierte &#039;&#039;lapis ex celis&#039;&#039; als „der aus dem Himmel stammende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
4.      Helene Adolf deute 1957 &#039;&#039;lapis exiliens&#039;&#039; als „der auffahrende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
5.      1963 deutete Hebert Kolb &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039; als Stein des Exils.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
6.      Blöte interpretierte &#039;&#039;lapis textilis&#039;&#039; als „der Asbeststein“. [Bumke 2004: S.66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
7.      Ehrismann hat im Jahre 1928 darauf hingewiesen, dass der berühmte, aus dem irdischen Paradies stammende Wunderstein der mittelalterlichen Alexandersage in der lateinischen Überlieferung des &#039;&#039;Iter ad paradisum&#039;&#039; mit dem Beiwort &#039;&#039; exilis&#039;&#039; „dünn, unscheinbar“ bezeichnet wird. Somit deutet Ehrismann das &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; der Parzivalüberlieferung als &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039;und deutet darauf hin, dass Wolfram bei diesem Namen an Alexanders Wunderstein angeknüpft hat. [Ranke 1946: S. 43ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Rankes Deutung des Gralsteines gehört zu den einflussreichsten Überlegungen der Nachkriegszeit. Ranke wendet sich gegen die verbreitete Auffassung, dass der Gral aus dem Himmel kommt. Als Begründung führt er an, dass sich keine eindeutigen Textstellen finden lassen, die diese Auffassung  untermauern könnten. Somit werden zahlreiche Interpretationen des Namens &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; gegenstandslos. Ranke teilt vielmehr Ehrismanns Ansicht und führt Ehrismanns Interpretationsansätze weiter aus. So sieht Ranke Parallelen zwischen dem Stein, den Alexander an der Pforte des Paradieses erhält und dem Gral im Parzival. Alexanders Verdienst des Steines stellt ein Symbol der demütigen Selbsterkenntnis des Menschen dar und er bewirkt in Alexander die Wandlung von der Superbia zur Demut. Ebenso muss Parzival die &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; aufgeben und die &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; lernen. Erst dann ist er in der Lage den Gral zu gewinnen, der somit als &amp;quot;Stein der Demut&amp;quot; verstanden werden kann. [Bumke 1970: S. 250ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht eine einzige der vorgelegten Interpretationsmöglichkeiten ist eindeutig belegbar. Es handelt sich hierbei ausschließlich um reine Spekulationen. So ist der Name &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; womöglich ein bewusst verdrehter und vieldeutiger Name, sodass die Suche nach einem präzisen Sinn sich erübrigt. [Bumke 2004: S. 66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &lt;br /&gt;
[*Ranke 1946]Ranke, Friedrich: Zur Symbolik des Grals bei Wolfram von Eschenbach, in: Wolfram von Eschenbach. Wege der Forschung. Darmstadt, 1966.&lt;br /&gt;
[*Bumke 1970]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Forschung seit 1945. München, 1970.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Lapsit_exillis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12564</id>
		<title>Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T06:35:08Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit dem [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs Roman]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Gral&#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039;] (469,7)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; war für die Forschung eine der größten Herausforderungen und ist bis heue umstritten. Es wurden viele Spekulationen aufgestellt und auch die mittelalterlichen Schreiber wussten mit diesem Begriff nichts anzufangen. Laut Nellmann (2000) sind zehn verschiedene Lesarten in der handschriftlichen Überlieferung vorhanden, von denen jedoch &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; die älteste zu sein scheint. [Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interpretationen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Meistens ließ man sich von der Überzeugung leiten, dass &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; geradezu das Schlüsselwort zum Verständnis von Wolframs Gralkonzeption sei und dass man durch die richtige Deutung des Namens das [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geheimnis des Gralsteines]] enthüllen könnte. Einige Interpreten sind davan ausgegangen, dass es sich um einen ursprünglich sinnvollen Text handelte, der von [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] entstellt oder verschlüsselt worden ist.[Bumke 2004: S. 139.] Dennoch hat der Großteil der Interpreten &#039;&#039;lapsit&#039;&#039; als &#039;&#039;lapis&#039;&#039; gelesen, was Stein bedeutet. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich, da auch eine phantasie- und ebenso eine absichtsvolle Verrätselung Wolframs nicht ausgeschlossen ist. Dennoch haben die meisten Interpreten an einen lateinischen Ursprung gedacht und somit war der nächstliegende Anknüpfungspunkt die Deutung von &#039;&#039;lapsit&#039;&#039;=&#039;&#039;lapis&#039;&#039;. Auf dieser Basis wurden folgende Interpretationen vorgeschlagen:[Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
1.      San Marte (Albert Schulz) deutete im Jahre 1861 Wolframs Namen als &#039;&#039;lapis erilis&#039;&#039;, also als Stein des Herrn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
2.      Rudolf Palgen interpretierte 1922 &#039;&#039;lapis elixir&#039;&#039; als Stein der Weisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
3.      Samuel Singer interpretierte &#039;&#039;lapis ex celis&#039;&#039; als „der aus dem Himmel stammende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
4.      Helene Adolf deute 1957 &#039;&#039;lapis exiliens&#039;&#039; als „der auffahrende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
5.      1963 deutete Hebert Kolb &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039; als Stein des Exils.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
6.      Blöte interpretierte &#039;&#039;lapis textilis&#039;&#039; als „der Asbeststein“. [Bumke 2004: S.66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
7.      Ehrismann hat im Jahre 1928 darauf hingewiesen, dass der berühmte, aus dem irdischen Paradies stammende Wunderstein der mittelalterlichen Alexandersage in der lateinischen Überlieferung des &#039;&#039;Iter ad paradisum&#039;&#039; mit dem Beiwort &#039;&#039; exilis&#039;&#039; „dünn, unscheinbar“ bezeichnet wird. Somit deutet Ehrismann das &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; der Parzivalüberlieferung als &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039;und deutet darauf hin, dass Wolfram bei diesem Namen an Alexanders Wunderstein angeknüpft hat. [Ranke 1946: S. 43ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Rankes Deutung des Gralsteines gehört zu den einflussreichsten Überlegungen der Nachkriegszeit. Ranke wendet sich gegen die verbreitete Auffassung, dass der Gral aus dem Himmel kommt. Als Begründung führt er an, dass sich keine eindeutigen Textstellen finden lassen, die diese Auffassung  untermauern könnten. Somit werden zahlreiche Interpretationen des Namens &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; gegenstandslos. Ranke teilt vielmehr Ehrismanns Ansicht und führt Ehrismanns Interpretationsansätze weiter aus. So sieht Ranke Parallelen zwischen dem Stein, den Alexander an der Pforte des Paradieses erhält und dem Gral im Parzival. Alexanders Verdienst des Steines stellt ein Symbol der demütigen Selbsterkenntnis des Menschen dar und er bewirkt in Alexander die Wandlung von der Superbia zur Demut. Ebenso muss Parzival die &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; aufgeben und die &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; lernen. Erst dann ist er in der Lage den Gral zu gewinnen, der somit als &amp;quot;Stein der Demut&amp;quot; verstanden werden kann. [Bumke 1970: S. 250ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht eine einzige der vorgelegten Interpretationsmöglichkeiten ist eindeutig belegbar. Es handelt sich hierbei ausschließlich um reine Spekulationen. So ist der Name &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; womöglich ein bewusst verdrehter und vieldeutiger Name, sodass die Suche nach einem präzisen Sinn sich erübrigt. [Bumke 2004: S. 66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &lt;br /&gt;
[*Ranke 1946]Ranke, Friedrich: Zur Symbolik des Grals bei Wolfram von Eschenbach, in: Wolfram von Eschenbach. Wege der Forschung. Darmstadt, 1966.&lt;br /&gt;
[*Bumke 1970]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Forschung seit 1945. München, 1970.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Lapsit_exillis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12563</id>
		<title>Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T06:34:04Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel befasst sich mit dem [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs Roman]] &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Forschungsstand==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Bedeutung von [http://de.wikipedia.org/wiki/Heiliger_Gral&#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039;] (469,7)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt; war für die Forschung eine der größten Herausforderungen und ist bis heue umstritten. Es wurden viele Spekulationen aufgestellt und auch die mittelalterlichen Schreiber wussten mit diesem Begriff nichts anzufangen. Laut Nellmann (2000) sind zehn verschiedene Lesarten in der handschriftlichen Überlieferung vorhanden, von denen jedoch &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; die älteste zu sein scheint. [Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Interpretationen==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Meistens ließ man sich von der Überzeugung leiten, dass &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; geradezu das Schlüsselwort zum Verständnis von Wolframs Gralkonzeption sei und dass man durch die richtige Deutung des Namens das [[Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Geheimnis des Gralsteines]] enthüllen könnte. Einige Interpreten sind davan ausgegangen, dass es sich um einen ursprünglich sinnvollen Text handelte, der von [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] entstellt oder verschlüsselt worden ist.[Bumke 2004: S. 139.] Dennoch hat der Großteil der Interpreten &#039;&#039;lapsit&#039;&#039; als &#039;&#039;lapis&#039;&#039; gelesen, was Stein bedeutet. Dies ist jedoch nicht selbstverständlich, da auch eine phantasie- und ebenso eine absichtsvolle Verrätselung Wolframs nicht ausgeschlossen ist. Dennoch haben die meisten Interpreten an einen lateinischen Ursprung gedacht und somit war der nächstliegende Anknüpfungspunkt die Deutung von &#039;&#039;lapsit&#039;&#039;=&#039;&#039;lapis&#039;&#039;. Auf dieser Basis wurden folgende Interpretationen vorgeschlagen:[Dallapiazza 2009: S.88.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
1.      San Marte (Albert Schulz) deutete im Jahre 1861 Wolframs Namen als &#039;&#039;lapis erilis&#039;&#039;, also als Stein des Herrn. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
2.      Rudolf Palgen interpretierte 1922 &#039;&#039;lapis elixir&#039;&#039; als Stein der Weisen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
3.      Samuel Singer interpretierte &#039;&#039;lapis ex celis&#039;&#039; als „der aus dem Himmel stammende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
4.      Helene Adolf deute 1957 &#039;&#039;lapis exiliens&#039;&#039; als „der auffahrende Stein“.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
5.      1963 deutete Hebert Kolb &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039; als Stein des Exils.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
6.      Blöte interpretierte &#039;&#039;lapis textilis&#039;&#039; als „der Asbeststein“. [Bumke 2004: S.66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
7.      Ehrismann hat im Jahre 1928 darauf hingewiesen, dass der berühmte, aus dem irdischen Paradies stammende Wunderstein der mittelalterlichen Alexandersage in der lateinischen Überlieferung des &#039;&#039;Iter ad paradisum&#039;&#039; mit dem Beiwort &#039;&#039; exilis&#039;&#039; „dünn, unscheinbar“ bezeichnet wird. Somit deutet Ehrismann das &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; der Parzivalüberlieferung als &#039;&#039;lapis exilis&#039;&#039;und deutet darauf hin, dass Wolfram bei diesem Namen an Alexanders Wunderstein angeknüpft hat. [Ranke 1946: S. 43ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Friedrich Rankes Deutung des Gralsteines gehört zu den einflussreichsten Überlegungen der Nachkriegszeit. Ranke wendet sich gegen die verbreitete Auffassung, dass der Gral aus dem Himmel kommt. Als Begründung führt er an, dass sich keine eindeutigen Textstellen finden lassen, die diese Auffassung  untermauern könnten. Somit werden zahlreiche Interpretationen des Namens &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; gegenstandslos. Ranke teilt vielmehr Ehrismanns Ansicht und führt Ehrismanns Interpretationsansätze weiter aus. So sieht Ranke Parallelen zwischen dem Stein, den Alexander an der Pforte des Paradieses erhält und dem Gral im Parzival. Alexanders Verdienst des Steines stellt ein Symbol der demütigen Selbsterkenntnis des Menschen dar und er bewirkt in Alexander die Wandlung von der Superbia zur Demut. Ebenso muss Parzival die &#039;&#039;hôchvart&#039;&#039; aufgeben und die &#039;&#039;diemüete&#039;&#039; lernen. Erst dann ist er in der Lage den Gral zu gewinnen, der somit als &amp;quot;Stein der Demut&amp;quot; verstanden werden kann. [Bumke 1970: S. 250ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nicht eine einzige der vorgelegten Interpretationsmöglichkeiten ist eindeutig belegbar. Es handelt sich hierbei ausschließlich um reine Spekulationen. So ist der Name &#039;&#039;lapsit exillis&#039;&#039; womöglich ein bewusst verdrehter und vieldeutiger Name, sodass die Suche nach einem präzisen Sinn sich erübrigt. [Bumke 2004: S. 66.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael:Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004. &lt;br /&gt;
[*Ranke 1946]Ranke, Friedrich: Zur Symbolik des Grals bei Wolfram von Eschenbach, in: Wolfram von Eschenbach. Wege der Forschung. Darmstadt, 1966.&lt;br /&gt;
[*Bumke 1970]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Forschung seit 1945. München, 1970.&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12561</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12561"/>
		<updated>2012-07-25T06:28:27Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Charakter der Frage */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll &#039;&#039;Parceval&#039;&#039; fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12559</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T06:27:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralskönig Anfortas]] von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgesellschaft]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll Parceval fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
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{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12558</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12558"/>
		<updated>2012-07-25T06:23:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit dem Titelheld Parzival, der in dem entscheidenden Moment durch sein Schweigen den Gralskönig Anfortas von seinem Leiden nicht erlöst.  Als Folge dessen wird er in aller Öffentlichkeit geächtet und erleidet eine tiefe Depression. Zum Ende des Romans kämpft sich wieder hoch und stellt beim zweiten Anlauf die erlösende Frage im richtigen Moment und befreit damit die Gralgesellschaft.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll Parceval fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12555</id>
		<title>Ansichten zum Frageversäumnis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Ansichten_zum_Fragevers%C3%A4umnis_(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12555"/>
		<updated>2012-07-25T06:11:16Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Allgemeines */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;==Allgemeines==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Forschung versucht in verschieden Ansätzen das paradoxe Verhältnis von [[Parzivals Versagen in der Gralsburg (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Frageversäumnis]] und [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivals Schuld]] zu klären. Dabei muss zuerst untersucht werden, welche Frage Parzival stellen soll und welche Gründe dafür ausschlaggebend sind, dass er dies versäumt. Zuletzt muss sein Nichtfragen und die daraus resultierenden Folgen für den Verlauf des Romans gedeutet werden. Dabei besteht die Schwierigkeit der Interpretation darin, dass sich zwei Ebenen kombinieren. Zum einen die ursprüngliche märchenhaft-archaische Grundstruktur und zum anderen die darauf aufgebaute rationalisierende Ebene, auf denen sich bei [[Wolfram_von_Eschenbach_(Biographie)|Wolfram von Eschenbach]]  die Thematik entwickelt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Charakter der Frage==  &lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzival soll sich nach dem Leiden des Königs erkundigen:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| het gefrâget sîner nôt (255,19)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;   || da hättet Ihr doch nach seinem Leiden fragen müssen!&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz er niht zem wirte sprach umben kumber den er an im sach (473,15ff.)   || denn er hat der Herrn dort nicht angesprochen und nicht nach seinem Leiden gefragt, das er doch an ihm sah&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Gegenüber Chrétiens Werk hat Wolfram schon die Art der Frage verändert und von den Gegenständen, die bei Chrétien in keinem Zusammenhang mit der Krankheit des Königs stehen, auf die Figur des leidenden Königs verlagert.  In Chrétiens Fassung soll Parceval fragen, warum die Lanze blutet und wem man mit dem &#039;&#039;graal&#039;&#039; bedient. In der Forschung hat man versucht einen eindeutigen Vergleich von Neugierfrage bzw. Erkundigungsfrage bei Chrétien und Wolframscher Mitleidsfrage zu erarbeiten. Angesichts des Textes erwies es sich jedoch als problematisch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Vorgänge auf der [[Vergleich von Gralsburg und Schastel marveile (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralsburg]] lassen Neugierde bei Parzival entstehen und das scheint die beste Voraussetzung zum Fragen zu sein. Der Mitleidscharakter wird erst in dem Inhalt der Frage sichtbar, der jedoch während des ersten Besuches auf der Gralsburg noch nicht erwähnt wird. Es wird dennoch deutlich, dass es sich hierbei um eine Erlösungsfrage handelt. Der [[Der Erzähler (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Erzähler]] weist darauf hin, dass die Frage [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] von seinem Leiden erlöst hätte(240,9). [[Das Bild der Frau im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Cundrie]] stellt die Frage als Mitleidsfrage dar: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
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|-&lt;br /&gt;
| dô der trûrge vischære (315,28ff.)  || Als der traurige Fischer &lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| saz âne freude und âne trôst, || da saß vom Glück verlassen und ohne Hilfe,&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| war umb irn niht siufzens hât erlôst. || warum habt Ihr ihn nicht erlöst aus seinem Seufzen?&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| Er truog iu für den jâmers last. || Vor Eure Augen hat er seines Jammers Last getragen, &lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Sigune (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Sigune]] hebt dagegen den Neugieraspekt hervor:&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
{&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| ir sâhet doch sölh wunder rgôz: (255,5f.) ||Ihr habt doch so viele große Wunder gesehen:&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| daz iuch vrâgens dô verdrôz! || Wie konntet Ihr zögern zu fragen,&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ebenso hebt Parzival selbst den Neugieraspekt hervor: &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
{|&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| `grœzlîch wunder ich dâ sach, || »Großartige Wunder habe ich dort gesehen&lt;br /&gt;
|-&lt;br /&gt;
| unt manege frouwen wol getân.´ || und viele schöne Damen.«&lt;br /&gt;
|}&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Wilhelm Kellermann wendet sich gegen eine strikte Differenzierung von Neugier- und Mitleidsfrage und schlägt vor, &amp;quot;von einem Typus der Eindrucksfrage [zu] sprechen, die beim mhd. Dichter von der Barmherzigkeitsfrage ergänzt wird.&amp;quot;[Kellermann 1936: S. 102f.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Die Schuldproblematik==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Parzivals Frageversäumnis trägt ihm viele schwere Vorwürfe ein. Sigune (255,17) und Cundie (316,2f.,316,23) beschimpfen ihn und werfen ihm einen Mangel an [[Triuwe|&#039;&#039;triuwe&#039;&#039;]] vor, welche er durch das Fragen hätte erweisen sollen. Ebenso bezeichnet Trevrizent Parzivals Frageversäumnis als &#039;&#039;sünde&#039;&#039;(501,1ff.). Als resultierende Konsequenz verliert Parzival Ansehen und Seelenruhe (255,25ff., 329,25ff., 330,20ff.) Die zunächst heftigen und für das neuzeitliche Publikum unverständlichen Reaktionen auf Parzivals Frageversäumnis stammen aus einer älteren Schicht der Erzählung, in der ein solcher Fehler ohne Rücksichtnahme auf den Kontext ein gravierendes Vergehen ist, das Verfluchung und Schande über den Helden bringt.[Roloff 1973: S. 152]Parzival war zudem mit der Frage, die er stellen sollte, beschäftigt und das stellt eine weitere Belastung für den Helden dar. Trotz aller Widersprüche handelt es sich beim Versäumnis der Frage im christlichen Zusammenhang um eine Sünde Parzivals. Wolfram erweitert zudem die christliche Interpretation, indem er der Frage durch das Hinzufügen des Mitleidsaspekts, der in der Überlieferung nicht vorkommt, eine ethnische Bedeutung gibt. [Bötticher 1886: S. 42]Im Gegensatz zu Chrétiens Roman, in dem man nichts über eine mögliche letztendliche Bewährung des Titelhelden erfährt, ist es bei Wolfram die Kraft Gottes, die bewirkt, dass eine Erlösung Anfortas durch Parzival möglich ist(795,30ff.)&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==&#039;&#039;zuht&#039;&#039; als Begründung für Parzivals Schweigen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
==Konsequenzen==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
Durch das Schweigen auf der Gralsburg versäumt Parzival im Rahmen der Dichtung seine persönliche Erlösungsaufgabe. Seine Schuld wird jedoch durch seine beschränkte Schuldfähigkeit, die durch die Perspektive des Erzählers angedeutet wird, relativiert. Parzivals Verhalten wird für den Zuhörer bzw. Leser psychologisch verständlich gemacht, da sein Versagen auf seine beschränkte Entwicklung zurückzuführen ist. Durch die Vorwürfe der anderen Figuren beginnt für Parzival der &amp;quot;schwierige Abendteuerweg der Selbsterkenntnis und Erlösung&amp;quot;[Roloff 1973: S. 332.] und die Entdeckung seines Gewissens.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Letztendlich ist die Märchenstruktur des Romans für die rätselhafte Frage und das Versäumnis bestimmend bleibt. Die Voraussetzungen, in die die Frage gestellt ist, bleiben schlussendlich bei Wolfram widersprüchlich. Diese Widersprüchlichkeit basiert auf einem Zusammenspiel zweier Ebenen. Die Thematik der Erzählung stützt sich auf ein archaisches Schema. Dem Helden wird eine Erlösungsaufgabe gestellt, die er nicht meistert. Durch dieses Versagen fügt Parzival der Gemeinschaft ungewollt Schaden zu. Im Roman wird es ihm deshalb als Schuld angelastet. Wolfram stellt dem archaischen Schuldvorwurf eine Perspektive entgegen, die Parzival entlastet. Das Frageversäumnis bekommt wird durch die ethnische Interpretationsmöglichkeit verständlich. Parzivals Schweigen wird mit der Vergegenwärtigung einer vorbildlichen höfischen Erziehung legitimiert und durch den Erzählerkommentar relativiert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ohne sich weit von Chrétiens Perceval zu entfernen, bringt Wolfram eine neue Sichtweise des Frageversäumnisses zum Ausdruck und unterstreicht gleichzeitig die märchenhaften Widersprüchlichkeiten. Die Aktualität des Problems liegt in der Unausweichlichkeit und Unverständlichkeit der [[Parzivals Schuld (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Schuld Parzivals]].&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Kellermann 1936]Kellermann, Wilhelm: Aufbaustil und Weltbild Chrestiens von Troyes im Percevalroman. Halle/Saale, 1936.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Roloff 1973]Roloff, Volker: Reden und Schweigen: zur Tradition und Gestaltung eines mittelalterlichen Themas in der französischen Literatur. München, 1973.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bötticher 1886]Bötticher, Gotthold: Das Hohelied vom Rittertum: eine Beleuchtung des Parzival nach Wolframs eigenen Andeutungen. Berlin, 1886.&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12554</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12554"/>
		<updated>2012-07-25T06:01:13Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs]] [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12553</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12553"/>
		<updated>2012-07-25T06:00:48Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolframs]][[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|&#039;&#039;Parzival&#039;&#039;]]. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12552</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T05:58:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Forschungsstand */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass Wolfram sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T05:57:55Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: &lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;Dieser Artikel beschäftigt sich mit der Funktion und der Symbolik des Grals in Wolframs &#039;&#039;Parzival&#039;&#039;. Dabei handelt es sich in der mittelalterlichen Dichtung um einen himlischen Gegenstand, der in der Lage ist seinem Besitzer irdisches und himmlisches Glück zu verleihen.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
	<entry>
		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12549</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T05:49:56Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Funktion und Symbolik */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden [[Tafelrunde und Gralsgesellschaft (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gralgemeinschaft]] aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung [[Feirefiz (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Feirefiz]] mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der [[Die Darstellung des Orients (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Orient]] mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
	</entry>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12548</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T05:43:42Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Vergleich zum Conte du Graal */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die [[Inhaltsangabe &amp;quot;Parzival&amp;quot; (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Parzivalgeschichte]] hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden Gralgemeinschaft aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung Feirefiz mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der Orient mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12547</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
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		<updated>2012-07-25T05:41:53Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Der Gral bei Wolfram von Eschenbach */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der [[Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die Parzivalgeschichte hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden Gralgemeinschaft aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung Feirefiz mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der Orient mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Wolfram von Eschenbach, Parzival]]&lt;br /&gt;
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[[Kategorie:Gralsgesellschaft]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Magie]]&lt;br /&gt;
[[Kategorie:Religion]]&lt;/div&gt;</summary>
		<author><name>Olga Wels</name></author>
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		<id>https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12546</id>
		<title>Die Symbolik des Grals(Wolfram von Eschenbach, Parzival)</title>
		<link rel="alternate" type="text/html" href="https://wiki.uni-konstanz.de/mediaewiki/index.php?title=Die_Symbolik_des_Grals(Wolfram_von_Eschenbach,_Parzival)&amp;diff=12546"/>
		<updated>2012-07-25T05:39:17Z</updated>

		<summary type="html">&lt;p&gt;Olga Wels: /* Literaturnachweise */&lt;/p&gt;
&lt;hr /&gt;
&lt;div&gt;  &lt;br /&gt;
== Forschungsstand== &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
Seit Anbeginn haben die Versuche den [[ Der Gral im Parzival (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Gral]] symbolisch oder historisch zu erklären, Herkunft und Bedeutung zu ermitteln die Parzival-Forschung geprägt. Erst in den letzten Jahrzehnten hat die Forschung davon ein wenig distanziert. Bereits die erste ausführliche Analyse aus dem Jahre 1809 befasste sich mit dem heiligen Gral und es wurde wie überhaupt bis ins 20. Jahrhundert auf dessen ausschließlich christlich konnotierte Funktion hingewiesen.[Dallapiazza 2009: S. 90.] Hierbei wäre es wichtig zu erwähnen, dass [[Bibliographie (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Wolfram]] sehr stark von der französischen Gralskonzeption allem haben die Quellenuntersuchungen zu dem Ergebnis geführt, dass der [http://de.wikipedia.org/wiki/Li_Contes_del_Graal&#039;&#039;Conte du Graal&#039;&#039;] von Chrétien als Vorlage für Wolfram gedient hat.  Dennoch gehört die Frage nach dem Ursprung der Gralsage zu den schwierigsten Stoffproblemen der Artusforschung.[Bumke 2004: S. 158 ff.]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Der Gral bei Wolfram von Eschenbach==&lt;br /&gt;
  &lt;br /&gt;
In Wolframs Parzival wird der Gral zunächst „ein dinc, daz hiez der Grâl “(235,23)&amp;lt;ref&amp;gt; Alle Textstellen-Angaben aus Wolfram von Eschenbach: Parzival. Studienausgabe. Mittelhochdeutscher Text nach der sechsten Ausgabe von Karl Lachmann. Übersetzung von Peter Knecht. Mit einer Einführung zum Text der Lachmannschen Ausgabe und in Probleme der &#039;Parzival&#039;-Interpretation von Bernd Schirok, 2. Aufl., Berlin/New York 2003. &amp;lt;/ref&amp;gt;  genannt, was Wolfram jedoch im Verlauf des Romans für das Publikum konkretisiert. Es soll sich hierbei um einen Stein handeln, der einem Edelstein gleichzusetzen ist und den Namen [[Lapsit exillis (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Lapsit exillis]] (469,7) trägt.[Dallapiazza 2009: S.88.] Der Gral wird in einem Tempel (816,15) aufbewahrt und nur bei besonderen Anlässen in feierlicher Prozession gezeigt (807,16ff). Dabei besteht seine Wunderkraft unteranderem daraus, dass er Speisen und Getränke in beliebiger Fülle spendet (238,8ff) und dabei alle irdischen Herrlichkeiten übertrifft (235,24). Außerdem verleiht sein Anblick immerwährende Jugendfrische (469,18ff) und derjenige der ihn erblickt hat, kann in der folgenden Woche nicht sterben (469,14ff). Der Gral ist so schwer, dass ihn „diu falschlîch menscheit“ nicht anzuheben vermag. Er lässt sich nur von einer „kiuschen“ Jungfrau tragen (477,15ff). Außerdem bleibt er bei einer bewusstem Suchen nach ihm verborgen und kann nur von einem „unwizzende“ gefunden werden (250,26ff). Ferner bleibt er für Heiden unsichtbar (810,3ff; 813,9ff) und der Phönix verbrennt durch seine Kraft  und entsteht aus seiner Asche in seiner vorherigen Schönheit (469,8ff). Der Gral besitzt noch weitere Eigenschaften, die seine Verbindung zum Himmel kennzeichnen. So wird ihm seine Kraft von „ein kleine wîze oblât“, die jeden Karfreitag eine weiße Taube vom Himmel bringt und auf einen Stein niederlegt, verliehen (469,29ff). Ebenso faszinierend ist, dass von Zeit zu Zeit eine Schrift auf dem Gral erscheint, die nach dem lesen wieder entschwindet. Sie offenbart die Namen derjenigen, die zum Gral berufen sind oder teilt dadurch wichtige Nachrichten mit (468,12ff; 470,21ff).[Bumke 1966: S. 62.] Wie bereits erwähnt stammen alle diese Eigenschaften des Grals ausschließlich von Wolfram. Keiner der aufgezählten Punkte lässt sich unverändert auf Chrétiens Gral übertragen.[Bumke 1966: S. 64.ff]&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
== Die Symbolik des Grals==&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Der Vergleich zum Conte du Graal===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im Vergleich zu Chrétien gehört die Lanze bei Wolfram nicht zum religiösen Symbolkreis des Grals dazu. Sie ist lediglich ein medizinisches Instrument, eine Erinnerung an die Sünden [[Anfortas (Wolfram von Eschenbach, Parzival)|Anfortas]] beziehungsweise ein Symbol für den ihm auferlegten Schmerz. Die Herauslösung des Grals aus der Verbindung zu Lanze verdeutlicht worauf es Wolfram in erster Linie ankam. Der Gral steht über der eigentlichen Erzählung und in seinem Wesen von ihr unerreichbar. Das ist die Voraussetzung für seine über die Parzivalgeschichte hinausführende Symbolbedeutung. Ebenso dienen ihr offensichtlich die verschiedenen Wunderkräfte, die sich zum Teil in der Handlung nicht bewähren können. Sowohl christliche als auch orientalische und zuletzt märchenhaft-magische Aspekte sind in Wolframs Gralvorstellung zusammengeflossen und ihre Deutung ist bis heute nicht eindeutig geklärt.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
===Funktion und Symbolik===&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Man kann feststellen, dass der Gral für Parzival die Erfüllung seines Lebensweges darstellt. Wenn Parzival zu der Einsicht gelangt, dass er den Gral durch seine Anstrengungen nicht erlangen kann, sondern dass er von der Gnade geleitet werden muss, dann symbolisiert der Gral die göttliche Lenkung. Dabei ist ein weiterer Aspekt zu beachten. Wolfram hat die Tragbarkeit des Grals an die Sündenfreiheit gebunden. So muss Anfortas Krankheit als eine Strafe für die Übertretung der von Gott bestimmten Ordnung gedeutet werden. Als ein Symbol der Demut ist der Gral ein Inbegriff des neuen Wesens Parzivals und seiner Wendung von der Hochmut zur Demut. Mit der Erlangung des Grals wird Parzival in eine neue Gemeinschaft aufgenommen. Das Bild dieser Gemeinschaft ist ein Entwurf einer bis daher nie dagewesenen menschlichen Ordnung. Eine Gesellschaftsutopie, in der das bisherige Ideal des höfischen Rittertums eine neue religiöse Enthüllung erfährt. Man kann darauf schließen, dass Wolfram Gralgemeinschaft zum Teil ein Abbild der zeitgenössischen Ritterorden darstellt. Dabei ist der Dualismus zwischen Welt und Gott in dem utopischen Gralreich in Verglich zur bestehenden Gralgemeinschaft aufgehoben. Demzufolge ist ritterliches Leben und höfische Form in der Übereinstimmung mit Gottes Willen möglich. Der Gral fungiert dabei als ein sichtbares Zeichen für die Harmonie von Diesseits und Jenseits. Die Bedeutung des Grals beschränkt sich nicht nur auf den christlichen Bereich. Darauf deuten die Kreuzzugselemente im Bilde des Grals. Durch die Taufe und durch die Vermählung Feirefiz mit der Gralträgerin erschließt sich der Gralbezirk nach Osten hin. Es scheint als wollte sich der Orient mit dem Okzident unter dem Zeichen des Grals sich aufs erneut vereinen. So mündet das Rittermärchen in die christliche Heilsgeschichte. Der Gral wird somit zum Symbol der Endzeit.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
==Literaturnachweise==&lt;br /&gt;
&amp;lt;references/&amp;gt;&lt;br /&gt;
&amp;lt;HarvardReferences /&amp;gt;&lt;br /&gt;
[*Dallapiazza 2009]Dallapiazza, Michael: Wolfram von Eschenbach – Parzival. Berlin, 2009. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 2004]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 2004.&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
[*Bumke 1966]Bumke, Joahim: Wolfram von Eschenbach. Stuttgart, 1966.&amp;lt;br/&amp;gt;&lt;br /&gt;
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		<author><name>Olga Wels</name></author>
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